Mittwoch, 31. Oktober 2012

NIGHT OF THE CREEPS 2 - ZOMBIE TOWN (Zombie Town 2007 Damon Lemay)


Eigentlich war Jake mit seinem Bruder Denton nur in den Bergen, um ein Auto abzuschleppen. Doch auf der Suche nach den Besitzern des Fahrzeugs stoßen die beiden auf einen Zombie und einer Hütte voller Getöteter. Nachdem der Untote außer Gefecht gesetzt wird, muss Jake Denton wegen eines Beinbruchs vor Ort zurücklassen. Noch ahnt er nicht, dass sein Bruder infiziert ist und viele andere auch. Denn in den Körpern der Befallenen nistet eine ungewöhnliche Spezies Nacktschnecken, die sich rasend schnell verbreitet und dementsprechend viele Körper benötigt. Es dauert nicht lang, da ist der ganze Ort von den Bestien eingenommen...


Schneckenschleim und Zombie-Wut...

Deutschland Deine Marktstrategen, es ist immer wieder das gleiche. Für Geld wird alles gemacht, und so werden in unserem Land häufig Filme als Etikettenschwindel veröffentlicht, in der Hoffnung damit mehr Kapital zu ernten. Eigentlich geht diese Rechnung oft nach hinten los, sind die Konsumenten solcher Produkte wegen des Vergleichs zum Original doch häufig enttäuschter als sie sein müssten, was sich wiederum herumspricht, so dass viele die DVD meiden.

Die Nacht der Creeps” ist ein unter Genre-Freunden bekannter Zombie-Beitrag aus den 80er Jahren, der, wie seinerzeit üblich, das Thema humoristisch untermalt anging, in den Bereich des Teenie-Films rückte und damit ein kleiner Erfolg wurde. Der Hype um diesen Film ging an mir persönlich vorbei, empfand ich ihn damals doch eher als mittelmäßig, wahrscheinlich ging ich auch deshalb aufgeschlossener an eine Fortsetzung heran als manch anderer.

Eine Fortsetzung ist “Night Of The Creeps 2“ ja nun doch nicht, aber zumindest geht er thematisch in eine ähnliche Richtung. Eine Rechtfertigung für diese bewusste Konsumenten-Täuschung ist die “deutsche” Namensgebung trotzdem nicht, denn neben “Nacht der Creeps” ließe sich als verwandt auch “Mutant 2“, “Slugs”, “Squirm”, “Mom” oder “Days Of Darkness” nennen, vom klassischen “Zombie” oder gar dessen Vorgänger “Die Nacht der lebenden Toten” einmal ganz zu schweigen.

Öffnet man sich vorurteilsfrei “Zombie Town” (Originaltitel), steht einer kurzweiligen Unterhaltung eigentlich nichts im Weg. Genre-Freunde werden leuchtende Augen allein wegen des Blutgehalts kriegen. Ich hatte mein Vergnügen mit ihm dank gelegentlich aufkommendem Humors (der sich zwischen den Zeilen auch mit den Fragwürdigkeiten des Verhaltens der Protagonisten befasst) und dem Spiel innerhalb von Klischees immer wieder in Winzigkeiten gegen das vorhandene Klischee zu lenken, gut zu beobachten in den verschiedenen Charakterzeichnungen.

Ein großer Hit wird “Night Of The Creeps 2“ nie, dafür ist die eigentliche Geschichte schon zu oft durchgenudelt worden, ob nun im Zombie- oder Tier-Horror-Bereich. Regisseur Lemay sorgt jedoch dafür, dass es dem Zuschauer nie zu langweilig wird. Das Tempo der aufeinanderfolgenden Geschehnisse ist hoch, die Anlaufzeit gering, selbst die Erforschung der Hintergründe geht recht zügig zur Sache.

Für einen kleinen Schundfilm bleibt man innerhalb der innereigenen Logik recht konsequent, dennoch türmen sich Erklärungslücken, die meist durch das Problemlösen im Alleingang entstehen. O.k., da wird erwähnt, dass die Zufahrtsstraße zum Dorf gesperrt ist. Aber ist auch jedes Telefon kaputt? Wie weit ist der nächste Ort entfernt? Warum unternimmt der kleine Trupp Helden alles im Alleingang, so dass alles innerhalb des Ortes geklärt werden muss? An Dorf-Stolz kann es nicht liegen, gerade die Figur des Jake besitzt diesen überhaupt nicht.

Aber diese relativ große Lücke ist kein großer Bruch für den Film und für seinen Unterhaltungswert schon einmal gar nicht. Der könnte mit mehr Innovation größer sein. Auf der anderen Seite ist es jedoch erstaunlich zu sehen, wie nett und flott sich diese schon oft in anderen Filmen gesichtete Geschichte letztendlich gucken lässt. unterhaltsam


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REBELLEN DES GRAUENS (The Supernaturals 1986 Armand Mastroianni)


Ein Trupp Soldaten ist in einem Wald unterwegs für einen Übungsgang. Doch aus der Theorie wird Praxis ums Überleben, da ehemalige Soldaten aus dem Bürgerkrieg von den Toten auferstehen...


Erwachsene Pfadfinder im Hokuspokus...

1986 war die Zombiefilm-Welle, die George A. Romeros „Zombie“ ins Rollen brachte, längst wieder abgeflaut. Da suchten Filmemacher nach neuen Ideen innerhalb eines ausgelutschten Genres. Während die einfallsreichen Veröffentlichungen dann auch zu diesem Zeitpunkt beachtet wurden, man denke nur an „Re-Animator“ und „The Return Of The Living Dead“, geriet Bockmist zu Recht schnell in Vergessenheit.

Ein Teil der schlechten Werke dieser Zeit waren Bockmist, da sie den Wandel der Zeit nicht erkannten („Black Zombies“, „After Death“) und noch immer die selbe Laier spielten wie ihre Vorgänger, die heute zu den Klassikern zählen. Andere pumpten die Thematik derart mit Humor auf, dass von Horror schon nicht mehr die Rede sein konnte („C.H.U.D. 2“, „Beverly Hills Body Snatchers“). „Rebellen des Grauens“ schaffte es auf recht eigene Art zum kompletten Bullshit zu werden. Er wählte den Weg der Esoterik.

Vielleicht mag das nicht ganz so weit hergeholt klingen, wo das Sub-Genre seine Wurzeln doch nun einmal im Voodoo-Glauben hat. In der Mitte der 80er Jahre reichte die bloße Hokus Pokus-Begründung allerdings nicht mehr. Sie hätte einen Hintergrund, einen Sinn erfahren müssen. Das hat sie im besagten Streifen jedoch nicht, und so geht dieser völlig unter.

Das hätte nicht zwingend passieren müssen. Aber wenn sich ein Film so brav gibt wie „The Supernaturals“ (Originaltitel), Zombies rein optisch kaum zu erkennen sind und auch sehr selten auftauchen und man auch noch eine interessante Figuren-Charakterisierung umgeht, dann wäre es dochwünschenswert gewesen zumindest der Geschichte Sinn zu geben.

Dass diesen suchen kann wer will zeigt sich bereits in der Präsentation des Trupps Soldaten, die mit ihrem Wissen und ihrer Kompetenz nicht anders wirken als eine Gruppe Pfadfinder (hätte man sich für die statt für Soldaten entschieden, wäre bei gleichem Drehbuch mit gleichen Dialogen vieles glaubwürdiger). Ihre Anführerin ist eine Frau, die gerne mal ein Auge zudrückt und selbst nicht so genau weiß, was zu tun ist (noch bevor eine Gefahrensituation entsteht). Von Kampfhandlung hat keiner eine Ahnung, ebenso wie von Tarnung, Diplomatie, Wache halten und den Dingen im Leben, die nichts mit ihrem Beruf zu tun haben, wie vernünftige Dialoge führen, logisch denken und sich dem anderen Geschlecht nähern.

Da also schon die dünnen Grund-Charaktere schon komplett unglaubwürdig sind, in einem Szenario, das auf Zauber unbekannter Herkunft aufbaut, verwundert es so gar nicht, dass auch die Dialoge bescheuerter nicht sein könnten und dem geduldigen Zuschauer des öfteren Kopfschmerzen bereiten. Klar, die Formulierung „Kopfschmerzen bereiten“ ist übertrieben, aber ich wollte verhindern, dass man glauben könnte, diese Rezeptur würde zu einem fröhlichen Trash-Happening führen. Denn das genaue Gegenteil ist der Fall. Sprudelnde unfreiwillige Komik zur Alternativunterhaltung wird der ganze Dünnschiss Untalent auch nicht.

„Rebellen des Grauens“ war gerade mal Regisseur Mastroiannis 3. Film. Ein Blick auf den 1999 gedrehten „Digital Virus“ macht jedoch deutlich, dass der Vielfilmer seit dem nichts an Talent hinzugewonnen hat. Von den Werken, die mir von ihm bekannt sind, ist „Lethal Invasion“ noch der beste, und der ist auch nicht mehr als akzeptable Routine.

In diesem fast zombielosen Zombiefilm ist immerhin für Trekkies ein kleines Highlight dabei. Neben dem Darsteller des Geordi La Forge spielt auch die Schauspielerin der Uhura mit, welche die Truppe Soldaten voran treibt. Sie spielt dabei nicht sonderlich gut, erschreckender Weise aber noch immer besser als der Rest. So verwundert es auch nicht, dass in der theoretisch interessanten Eingangssequenz, die zu Zeiten des Bürgerkriegs spielt, die Kinderrolle ebenso mies besetzt ist. Ein ängstliches Gesicht, das mehr von einem albernen Grinsen hat, gibt der ohnehin schon unnötig schlecht inszenierten Szene den Todesstoß.

„Rebellen des Grauens“ ist maximal für das jugendliche Publikum interessant. So ist er in Amerika auch sicherlich gedacht gewesen. Lächerlicher Weise kam der Streifen in Deutschland jedoch mit einer FSK 18 heraus, ein Paradebeispiel welchen Buhmann-Effekt das Genre Horror in Zeiten von Verboten und Zerstören von Kunst besaß. schlecht


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PROJEKT BRAINSTORM (Brainstorm 1983 Douglas Trumbull)


Wissenschaftler Brace entdeckt mit Kollegin Reynolds, wie man die komplette Wahrnehmung eines Menschen während einer Tat abspeichern kann, so dass wer anders sie abrufen und miterleben kann. Leider mischt nach Vollendung das Militär mit, und Brace hat nicht mehr viel zu melden. Als Reynolds stirbt, zeichnet sie ihre Begegnung mit dem Tod auf, um es Brace zu hinterlassen. Dem wird das Band jedoch verweigert, da es zu gefährlich sei. Der hintergangene Brace muss sich etwas einfallen lassen, um an die Aufzeichnung zu kommen...


Der aufgezeichnete Tod...

Bild, Ton und Bewegung abzuspeichern zählt heutzutage zum Alltag, mehr noch als zur Entstehungszeit von „Projekt Brainstorm“, zu einer Zeit als noch nicht jeder Haushalt eine Videokamera besaß, geschweige denn ein mobiles Telefon, das ebenso dazu in der Lage war die Dienste besagter Kamera zu übernehmen.

Der Schritt Gerüche, Gefühle, Geschmack und alles andere aufzuzeichnen, was man während einer Tat wahrnimmt, ist bis heute nicht gegeben und noch immer ein interessantes Gedankenspiel. Somit wirkt „Projekt Brainstorm“ mit seiner Grundidee bis heute nicht veraltet. Selbst der Ursprungs-Zweck für die Unterhaltungsindustrie spielt in seiner Geschichte bereits eine große Rolle, waren es doch erste Heimcomputer und Walkmans, die zur Entstehungszeit des Films in der Realität für selbiges standen.

Während viele Erfindungen für den Alltag von heute aus der Forschung für Militär und Raumfahrt stammen, geht „Projekt Brainstorm“ den umgekehrten Weg, den des Verrats. Brace ist ein naiver Wissenschaftler, der eine Einmischung des Militärs nie zu ernst nahm und einen großen Einfluss ihrerseits für unmöglich hielt. Lächelnd spielt er die frühen Vermutungen seiner Kollegin Reynolds runter, um im Laufe der Geschichte zu erfahren, dass es besser gewesen wäre, sie auch in diesem Punkt ernst zu nehmen.

Das mag wahrlich naiv für einen Wissenschaftler, einen Mann des Geistes und der Forschung, klingen. Aber wir haben hier Douglas Trumbull auf dem Regiestuhl sitzen, jenem Mann der 1972 mit „Lautlos im Weltraum“ einen kleinen Klassiker kreierte, der noch bis heute zu den Geheimtipps des Science Fiction-Genres zählt. Dieses Debüt war ein sehr emotionaler Film, „Projekt Brainstorm“ war nach 9 Jahren der erste Film Trumbulls nach „Lautlos im Weltraum“, und so bestand sein Hauptaugenmerk schon wieder auf dem emotionalen Bereich, wenn auch diesmal gemixt mit dem Abenteuer Forschung.

Ein Subplot macht aus dem denkenden Brace einen emotional abgelenkten Mann, der ständig zwischen seiner Rolle als Wissenschaftler und Privatmensch hin und her hüpft, wünscht er sich doch heimlich die Wiederzusammenkunft mit seiner Ex-Frau, die ebenfalls an dem Projekt beteiligt ist.

Trumbull orientiert sich im Erzählstil stark an seinen kleinen Erfolg, so dass auch dieser Film in aller Ruhe Schritt für Schritt erzählt wird. Jedoch hat man bei „Projekt Brainstorm“ dadurch das Gefühl, dass eigentlich recht wenig erzählt wird. Lange Zeit begleitet man die Forschung, ohne dass man daran derart intensiv teilnimmt, wie an einem „Andromeda - Tödlicher Staub aus dem All“ beispielsweise. Dementsprechend kann das fröhliche Forschen einen nur bedingt mitreißen.

Mit Blick von heute weiß auch der Militär-Aspekt nicht mehr so emotional zu wirken wie vielleicht damals, rechnet man doch ohnehin von Anfang an mit ihm, weil es zu einer solchen Geschichte einfach dazugehört. Zwei Jahre später war man bereits so weit, im Familienfilm „Nummer 5 lebt“ den Prozess bevor das Militär sich einmischte, nur noch kurz nebenbei zu erwähnen. Die militärische Bedrohung an einer wissenschaftlichen Neuentdeckung ist einfach ein interessantes Thema, das sich sowohl zum Denkanstoß, als auch zum reißerischen Zweck eines Trivialwerks eignet. Trumbull packt diesen Bereich erst spät an und zelebriert ihn mit Augen von heute zu lang und ereignislos.

Dennoch guckt sich der Film eben wegen seiner ruhigen Inszenierung sehr angenehm, weiß man doch einfach, dass so etwas heutzutage nicht mehr gedreht wird, und freut man sich deswegen doch um jeden Science Fiction dieser Art, den man noch nicht kennt.

Leider verkommt der Film mit seiner sehr interessanten Idee den Sterbeprozess und dem was danach passiert aufzuzeichnen zu sehr zum Esoterik-Effekt-Movie, und so selten ich mich mit veralteten Effekten und überholter Visualisierung schwer tue, dieser Bereich ist nun ein Manko des Streifens, der seinem Unterhaltungswert nach all den eher verzeihlichen Schwachpunkten schadet. Trumbull zeigt uns im Finale seine Vision vom Jenseits, und diese Bilder lassen einen kalt, sie berühren einen nicht emotional. Einzig die Neugierde wird geweckt, welche Auswirkungen das Abspielen dieser Aufnahmen wohl auf die Rolle des Christopher Walken hat.

Steckte „Lautlos im Weltraum“ noch voller Gesellschaftskritik, die wegen ihrer naiven Art nicht komplett ernst zu nehmen beim Zuschauer ankam, so entdeckt man in „Projekt Brainstorm“ nur noch jene Kritik, die mit der Geschichte ohnehin zwanghaft einhergeht. Trumbull konzentriert sich so auf seine ruhige Erzählweise und die Optik des Films, dass er für dieses Thema betrachtet und auf seine Entstehungszeit gesehen inhaltlich erstaunlich wenig Tiefe einbaut.

„Projekt Brainstorm“ war sein zweiter und letzter Film. Warum dem so ist, weiß ich nicht. Mag sein, dass er für sein zweites Werk damals einiges an Kritik einstecken musste. Mag sein, dass er weitere neun Jahre später in der Kinowelt keinen Platz mehr für Filme seiner Art sah. Ein großer Verlust ist das Fehlen einer Fortsetzung seiner Regiearbeit sicher nicht. Aber letztendlich sind ihm zwei Werke geglückt, die deutlich seine Handschrift tragen. Der eine ist was besser ausgefallen als der andere, was zweiten im Gegensatz zu ersterem nicht zu einer Empfehlung macht. Aber nett anzuschauen sind beide Science Fiction-Beiträge. Schade dass „Projekt Brainstorm“ ausgerechnet im letzten Viertel so deutlich nachlässt, grade dann, wenn jene Thematik vertieft wird, die am meisten Interesse weckte. unterhaltsam


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SAMBA IN METTMANN (2004 Angelo Colagrossi)


Olaf arbeitet in einer Reinigung und durch dumme Umstände hat er plötzlich drei Brasillianerinnen an der Backe, die auf seine Hilfe angewiesen sind. Die drei bringen Olafs Leben komplett durcheinander und das wo der gute Mann kurz vor seiner Hochzeit steht...


Kerkeling dreht fremd...

Der mit viel Talent gesegnete Hape Kerkeling hat einfach keinen Erfolg wenn es um Filme geht. Sein erster Kinofilm „Kein Pardon“ wurde zu Unrecht ebenso gnadenlos runtergemacht, wie sein erster TV-Film „Club Las Piranjas“, meines Erachtens seine bisher beste Komödie. Die TV-Folgefilme waren weit unter Kerkelings Niveau („Die Oma ist tot“, „Willi und die Windzors“) und langweilten mehr, als dass sie unterhielten. Wie es der Entertainer trotzdem schaffte Geldgeber für einen erneuten Anlauf im Kino zu finden, ist ein echtes Rätsel. Versteht mich nicht falsch, das hat mich sehr gefreut, aber verwundert war ich schon.

Kerkeling schrieb erneut am Drehbuch mit, das machte die Hoffnung etwas größer, trotz der letzten öden TV-Filme. Kritisch blieb ich dennoch, denn die Geschichte von „Samba in Mettmann“ klang doch recht uninteressant, ein Manko das zuvor keines von Kerkelings Komödien betraf. Und jetzt nach Sichtung kann ich sagen: Das Ergebnis ist nett, aber immer noch weit unter Kerkelings Möglichkeiten.

Ich weiß ja nicht ob sein Mitschreiberling da so viel Mist gebaut hat, ob Hape nur bedingt Mitspracherecht hatte, oder ob er selbst an der halbgaren Umsetzung schuld ist. Vielleicht wollte er diesmal alles richtig machen, nachdem er bisher immer nur Schelte erntete. Wäre ich im Kino gewesen, wäre ich mir schon etwas verarscht vorgekommen. Mehr als TV-Niveau hat dieser 2. Kinofilm leider nicht zu bieten. Zum Glück sah ich den Streifen erst im Fernsehen, und dafür war sein Unterhaltungsgrad o.k. Es fielen mir allerdings Sachen auf, die eher Kerkeling-untypisch sind und das Sehvergnügen etwas zurückschraubten.

Hapes bester Trumpf waren bislang immer die schrulligen Figuren. Das war so seine ganz eigene Handschrift, die noch in jedem seiner Werke (ob Show oder Filme) auftauchte. In „Samba in Mettmann“ vermisst man diese fast komplett. Der Opa geht noch halbwegs als solche Gestalt durch, bleibt aber auch blass im Vergleich jeglicher Nebenfiguren eines „Kein Pardon“, „Total Normal“ oder „Club Las Piranjas“. Selbst die müden Filme „Die Oma ist tot“ und „Willi und die Windzors“ boten trotz mauem Drehbuchs besagte schrullige Charaktere.

Der Polizeifreund Kerkelings, der Bierkönig, die Vermieterin, das sind alles Rollen die, anders verkörpert, Grundlage zum vermissten Figurentyp gegeben hätten. Wurden sie falsch gespielt oder waren sie nicht wie üblich gewollt? Ich weiß es nicht. Zumindest ist mit so wenig solcher Charaktere der Film lediglich eine stinknormale Komödie, in der rein zufällig Kerkeling mitspielt, es ist aber kein echter Kerkeling-Film.

Zudem ist in Mettmanns Vorgängern nie der Fehler aufgetreten, viele Handlungsstränge einfach ins Nichts laufen zu lassen, bzw. diese mit einem schnellen Schlussgag zu beenden. Die schwangere Stiefmutter, die Freundin mit ihrem Sexentzugs-Tick, der bescheuerte Sektenanführer, ja selbst der Tod des Bierkönigs wird nicht zur vollen Befriedigung zu Ende thematisiert. In seiner alten Hochform hätte sich Kerkeling gerade die Sexentzugssituation in Kombination mit dem bekloppten Christen zu Herzen genommen, um daraus etwas unglaublich witziges zu fabrizieren. Zum Zentrum der Geschichte hätte er es damals auch nicht gemacht, er hätte es aber auch nicht so sinnlos verpuffen lassen wie heutzutage.

Zu Gute halten muss man „Samba in Mettmann“ einige wirklich komische Szenen (oft durch Olafs nüchterne Art wirksam), böse Peinlichkeiten, bei denen man als Zuschauer mitleidet und die vielen kleinen lustigen Momente am Rande, ja selbst die Situation, in der sich Hape in der vollautomatischen Kleidermaschine verheddert, eine Szene die schnell ins zu alberne hätte umkippen können und die Hape auf Loriot-Art zu lösen wusste.

Auch der Stand der Sekte, mit ihrem herrlich nervigen Gesang und der Running Gag mit der deutschen Grammatik sind typische Trümpfe des Komikers, die zum Glück nicht auch noch flöten gingen. Für Fans ist der Klingelton Olafs zudem ein herrlicher Insidergag auf „Kein Pardon“, so etwas wissen Fans zu schätzen.

Schlussendlich tat es gut Kerkeling endlich mal wieder in einem Film zu sehen. Es war allerdings eine Komödie mit Hape, keine Hape-Komödie. Und mehr als angenehme Routine ist bei der lauen Story auch nicht rumgekommen. Zumal die Geschichte, obwohl sie u.a. Verklemmtheit verarscht, selbst arg verklemmt daherkommt, ab und an sogar richtig bieder wirkt. Zudem fehlte die sonst so fröhliche und unglaublich humorvolle Musik des Komikers. Das finde ich auch etwas schade. Einen nicht zu erwartungsvollen Blick kann man trotz alledem ruhig mal riskieren. unterhaltsam


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ROBOT LOVE SLAVES (1971 Regie unbekannt)


Ein Forscher macht mit einer von ihm entwickelten neuen Prozedur tote Frauen zu willenlosen Sexsklaven. Gemeinsam mit ihnen gibt er sich der Lust hin...


Dreh Dich weg, sonst seh' ich was...

Eingebettet in eine ganz hauchdünne Science Fiction-Geschichte, dürfen wir Menschen bei verschiedenen Variationen des Beischlafes und des Oralsex beobachten. Trotz Wegblenden der wichtigen optischen Details ist dennoch klar erkennbar, dass die Darsteller hier nichts spielen, sondern richtig bei der Sache sind. Die Mimiken verraten aber bereits, dass dies wohl kaum aus Spaß an der Freude stattfand. Trotz kompletter Umgehung optischer sexualbrisanter Details, gibt es für den Nimmersatten immerhin drei oder vier mal ein weibliches Geschlechtsteil zu sehen, zu einem Zeitpunkt, wo dies nach krampfhaften Kamerasohaltendassauchbloßnichtszusehenist ernsthaft überrascht.

Die Damen sind großteils akzeptabel, drehen aber ständig ihr Gesicht weg, so dass man meist ein durchgeknalltes Stück Haarbüschel sichten darf (zeitgemäß nicht nur auf dem Kopf), und ausgerechnet die Person, die am häufigsten beglückt wird, ist auch gleich eine hässliche Dicke, eben eine solche, wie man sie sich wunderbar im lustlosen Geschäft der Prostitution vorstellen kann.

Der Science Fiction-Gehalt ist wie erwähnt sehr dünn, eigentlich kaum zu beachten. Wir hören die Off-Kommentare eines Forschers, der tote Frauen zu sexwilligen Robotern ummodelliert. Von dieser Prozedur sehen wir natürlich nicht wirklich was, das würde ja wertvolle Balzzeit in Anspruch nehmen. Also dürfen wir eigentlich die kompletten 53 Minuten lang nur lahmen Sexszenen Beachtung schenken, ausgeführt von hässlichen Kerlen, einer hässlichen Dicken und kameraabgewandten hübscheren Frauen.

Dass dies zu keinem tollen Filmergebnis führt dürfte klar sein. Der Sex ist völlig unerotisch umgesetzt, und selbst wenn er prickelnder wäre, könnte er damit keinen kompletten Film tragen. Lediglich die sehr amateurhafte Umsetzung hat ihren gewissen Reiz. Gedreht wurde in schwarz weiß, das Filmmaterial war miserabel, die Schnitte sind es auch. Das gibt „Robot Love Slaves“ wenigstens einen netten Underground-Touch. Aber deswegen muss man eigentlich auch nicht reinschalten. Also, am besten von Anfang an die Finger weg lassen. schlecht


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THE HORROR OF PARTY BEACH (1964 Del Tenney)


Radioaktiver Abfall wird mit fatalen Folgen auf dem Meer entsorgt. Das radioaktive Material läuft aus und kommt auf dem Meeresboden in Kontakt mit dem Körper eines Menschen, der bei einem Schiffsunglück starb. Dieser wird nach einer Mutation wieder lebendig. Von nun an attackiert der Mutanten-Zombie junge, Party feiernde Menschen am Strand. Da die Mutation ansteckend ist, werden aus einem Ungeheuer mit der Zeit mehrere. Es stellt sich für die Menschheit nicht nur die Frage wie man diese Wesen aufhalten kann, sondern auch wo sie eigentlich zu Hause sind...


Gummimonster gegen Badenixen...

Wenn man Lust auf einen kleinen, Party-fördernden Monsterfilm hat, bietet sich „The Horror Of Party Beach“ unbedingt an. Der Film versteht es einen interessanten Spagat aus unfreiwilliger Komik und Komödien-freiem Horror mit freiwilligem Augenzwinkern zu bewerkstelligen. Dass diese kleine Perle aus amerikanischen Autokino-Zeiten nie den Weg nach Deutschland fand, ist für mich unverständlich. Er ist von der ersten bis zur letzten Minute interessant und bietet ein herrlich trashiges Monster mit Kulleraugen.

Für seine Zeit untypisch sind die meisten Figuren des Streifens sehr jung, spielt das Geschehen doch oft, wie der Titel verrät, auf einem Partystrand. Die wesentlichen Rollen, die wichtig für das Erforschen und Einfangen der Kreaturen sind, sind allerdings mit erwachsenen Schauspielern besetzt. Ansonsten dürfen Teenies kreischen und sterben, so wie wir es auch heutzutage ständig vorgesetzt bekommen. Damals war so etwas allerdings noch eine Seltenheit.

Ganz toll ist das schnelle Erscheinen der ersten Kreatur. Wir dürfen ziemlich zu Beginn sichten wie es entsteht, und seine erste Attacke lässt auch nicht lange auf sich warten. Total überrascht war ich, als sich die Story plötzlich als Zombiefilm-artig entpuppte mit der Tatsache, dass es nicht nur bei einem Monster bleibt. Das Vieh im grünen Gummianzug ist ansteckend, bis zum Filmende hat es sich gut vermehrt, und da es aus einer Menschenleiche mutiert ist, wird passend, wenn auch für sein Jahrzehnt erstaunlich früh, der Begriff Zombie verwendet.

Der Film selbst ist kostengünstig schnell heruntergekurbelt worden. Von den Kreaturen sieht man nie mehr als sechs gleichzeitig auf dem Bildschirm, die feine Großaufnahme auf das wunderbar schrottige Monstergesicht gibt es nur in Einzelaufnahmen. Tauchen die Monster vereint auf, sieht man ihr Gesicht nie deutlich genug, scheinbar gab es von der Maske wohl nur ein Exemplar, dafür aber immerhin genügend Gummianzüge.

Belustigend fällt auf, dass die Schauspieler, die in den Monsterkostümen stecken, die Verkleidung in ihrem Spiel nicht mitdenken. Der Gummianzug ist größer als die Schauspieler selbst. Sie tragen den Kopf über ihrem eigenen, laufen aber nach menschlicher Größe gesehen aufrecht, so dass der Monsterkopf immer leicht nach hinten kippt und somit etwas nach oben guckt.

Den flotten Soundtrack steuerte eine Band bei, die immer während der Party-Szenen auftritt. Das ist flotter Rock aus seiner Zeit, nicht hitverdächtig, aber auch nie nervig. Zu Beginn scheint die Musik zunächst kein Ende zu nehmen, aber schließlich soll erst einmal der Alltag am Partystrand eingefangen werden. Nach dem ersten kompletten Song wird die Musikgruppe jedoch zur Nebensache und die eigentliche Geschichte kann beginnen.

„The Horror Of Party Beach“ ist für seine Zeit ungewohnt flott und brutal. Trotz seiner trashigen Art werden gelegentlich kleine Momente von Suspense versprüht, beispielsweise wenn eine Gruppe junger Frauen in einer Baracke haust, man ein verdächtiges Geräusch hört und die Mädels vorsichtig zu den Fenstern und der Türe schleichen. In späterer „reitenden Leichen“-Manier verschaffen sich die Wesen Eintritt, und die Mädels haben nicht den Hauch einer Chance. Es findet kein Hinhalten, Ablenken oder gar eine Verschonung statt, Regisseur Del Tenney setzt die Szene konsequent um.

Die Art wie die Wesen nun zu zerstören sind und wie man auf die Lösung kommt sind nett erzählt, auch wenn man bei letzterem nicht um Klischees herum kommt. Eine Schwarze muss sich mit Voodoo auskennen, ebenso wie im ersten Drittel Rocker in Lederkleidung als die Asozialen auftreten müssen. Aber in einem kunterbunten (wenn auch schwarz weißen) Comic-Filmchen kann ich mit derartigen Klischees gut leben.

Trotz der geringen Kosten und des nicht vorgesehenen Anspruches versucht Tenney sein Werk immer wieder mit simplen Mitteln aufregender zu gestalten. Dies findet nicht in Form verstaubter 60er Jahre-Erotik statt (obwohl zu meiner Verwunderung Bikinis statt Badeanzüge getragen wurden), sondern durch das Anwenden von Spezialeffekten. Häufige Verwendung findet zum Beispiel das übereinander legen von Bildern, nicht neu, schon zu seiner Zeit, aber in seiner Wirkung doch recht putzig.

So darf man beispielsweise bei der ersten Mutation dank Bild-über-Bild-Legung im Vordergrund Fische vorbei schwimmen sehen, während die Mutation sich im Hintergrund ausweitet. Auch im Finale, wenn den Glupschaugen-Kreaturen der Kampf angesagt wird, versucht man mit billigsten Rauchexplosionen und anderen Tricks den Zuschauer bei Laune zu halten. Nur selten findet ein Effekt zu häufige Verwendung, man versuchte immer wieder etwas neues zu bieten.

Für ein kleines Trash-Filmchen der Marke „Monster im Gummianzug“ ist dieser Horrorfilm ein Highlight seiner Gattung und sollte unbedingt von jedem Freund dieses Subgenres geguckt werden. Er ist zwar nur ein kleiner, spaßiger Schundfilm, aber letztendlich will er aber auch gar nichts anderes sein und versucht dennoch innerhalb seiner Möglichkeiten Innovationen zu bieten. sehenswert


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DR. M (1990 Claude Chabrol)


Eine ominöse Selbstmordwelle bricht über Berlin herein. Polizist Hartmann glaubt nicht an zufälligen Massensuizid und ermittelt. Das zur Zeit sehr angesagte Model Vogler scheint irgendwie mit der Sache im Zusammenhang zu stehen. Zur Zeit wirbt sie für den gut besuchten Ferienclub Theratos...


Berlin in einer Selbstmordwelle...

Auch wenn der Schriftzug auf Cover und im Vorspann auf einen Dr. Mabuse hindeuten, haben wir mit „Dr. M“ keinen vorliegen, zumindest weder einen offiziellen, noch einen den man auch dazuzählen wollte. Im Abspann steht, dass man sich von „Dr. Mabuse – Der Spieler“ habe inspirieren lassen, und viele Elemente im fertigen Film weisen auch darauf hin. Warum dann kein Mabuse? Gab es Probleme mit den Rechten? Eigentlich schade, denn den Versuch einer Neureihe hätte ich sehr begrüßt, und auch heute wäre ich noch dafür, dass sich mal wer an ein solches Projekt heranwagt.

„Dr. M“ war nicht gerade ein finanzieller Erfolg. Sein geringer Bekanntheitsgrad weist bereits darauf hin. Und nach Sichten ist mir auch völlig klar warum: Er ist nicht massenwirksam. Wie erwähnt gibt es einige Elemente, die an die Verwandtschaft zu den Mabuse-Werken hindeuten: Mysteriöse Vorfälle/Todesfälle, hypnotischer Hintergrund und ein anonymer Strippenzieher mit einem Netzwerk an ausübenden Personen. Diese gehen, wie es sich gehört, bis in alle Instanzen hinein, selbst bis zur Polizei.

Sowohl komischer, als auch interessanter, Weise ist der Film sehr steril erzählt. Vergleichbar wäre er da mit „Welt am Draht“, mit dem Unterschied, dass dieser einen Grund hatte so erzählt zu sein. Bei „Dr. M“ will mir dieser Grund einfach nicht klar werden. Wir erleben mehrere Massensuizid-Fälle in Berlin, eine böse, fremde Situation, in die man sich allerdings theoretisch dennoch hineindenken könnte. Doch das Berlin, das wir sichten, bleibt fremd, die Deutschen, die wir im Film begleiten, sind es ebenso. Sie sind nicht greifbar und lassen einen als Zuschauer stets nur Beobachter bleiben.

Elemente, die in alten Kriminalfilmen klassisch und typisch klingen, werden hier auf eine befremdende Art praktiziert, beispielsweise weil Betonungen oder gar Situationen nicht zu dem passen, zu dem gewisse Sätze fallen. Und auch das Verhalten der Bevölkerung ist nicht nachvollziehbar. Warum sollte man bei solchen Vorfällen von der dummen Idee eines Virus ausgehen? Das würde ich maximal den ollen Amis zutrauen, aber nicht einer so aufgeklärten Gesellschaft, wie den Deutschen 1990.

Recht schnell ist klar, wer Mabuse ist und welche öffentliche Organisation hinter allem steckt. Letzteres ist auch so gewollt, so dass sich der Zuschauer in der Lage befindet, wissen zu wollen, warum das alles passiert/gemacht wird. Eine ominöse Herzrhythmus-Maschine des Dr. M wirkt währenddessen ebenso grotesk, rätselhaft und doch nahe liegend, wie so vieles theoretisch Normale, dass in einer Form entfremdet wurde, wie ich sie nur schwer greifen kann.

Die Organisation, wenn sie denn im letzten Drittel näher unter die Lupe genommen wird, passt dann auch zu allem Sterilen, was man zuvor sichten durfte. Denn hinter ihr verbirgt sich eine als Ferienanlage getarnte, Scientology-ähnliche Gehirnwasch-Station, die aus Menschen in einer seelenlosen Umgebung ebenso seelenlos macht, kurzum: alles ist steril.

Die gewählte Erzählweise würde aber nur dann deswegen Sinn machen, wenn Personen sich so fremd verhalten hätten, die unter dem Einfluss eben dieser Firma standen. Es waren jedoch ganz andere Personen, beispielsweise ein TV-Moderator, ein Model und auch die Hauptfigur selbst, der Polizist, besetzt mit einem Schauspieler, der einen an einen jungen Lauterbach aus Zeiten von „Männer“ erinnert. Somit macht der sterile Weg bis zum Schluss wenig Sinn. Aber, und das ist das faszinierende daran: genau diese befremdende Erzählweise macht „Dr. M“ so sehenswert, halt eben nur nicht für die Masse.

Die Geschichte, wenn man denn die Hintergründe kennt, erinnert schlussendlich wesentlich mehr an den Pilotfilm zur 70er Jahre „Spider-Man“-Serie, als an Mabuse selbst. Und da liegt der Hund begraben. Elemente wie Mabuse, aber in einer völlig anderen Wirkung! Ein bisschen TV-Krimi hier, etwas 70er Jahre Science Fiction da und zudem ein Schuss „Spider-Man“, ein komischer Mix. Bestärkt wird die Mabuse-fremde Erzählweise spätestens mit der Auflösung, in der ein besagter Dr. M völlig uninteressante Gründe für seine Taten liefert, und diese in einem Wasserfall von sich gibt, wie es dem Original nie in den Sinn gekommen wäre.  

Zu dem ganzen Geschwafel ordnet sich zudem dümmliche Möchtegern-Philosophie mit ein, die dem Intellekt eines Mabuses nicht gerecht wird und eher in eine der „Matrix“-Fortsetzungen passen würden, als in den Mund eines Mannes, der durch seine Intelligenz zum Verbrecher wurde. Und wo verdammt noch mal ist der Weltherrschafts-Gedanke hin? Kam das den Menschen 1990 zu phantastisch vor? Die würden sich heute wundern, wenn sie wüssten, dass Unternehmen sich bereits Trinkwasserquellen sichern lassen. Große Firmen teilen die Welt still unter sich auf. Das wäre vielleicht der ideale Ansatzpunkt für eine moderne Mabuse-Verfilmung.

Und zu guter letzt: Der Wasserfall an Erklärungen lässt viel zu viele Fragen offen. Gerade gewisse Ferienanlagen-Hintergründe wären noch nett zu wissen gewesen. Insbesondere, da die Gehirnwäsche nicht von Maschinen praktiziert wird, sondern hauptsächlich von einem als Esoterik-Guru getarnten Mann. Wie viel weiß er? Warum macht er mit? Seine Figur ist völlig untypisch für eine echte Verfilmung des großen M.

Was meckert Schlombie denn da herum? Es ist doch kein Mabuse-Film! Jain! Wie gesagt: Eigentlich ist er als solcher gewollt, aber eben nicht als solcher benannt. Nur der Abspann weist direkt darauf hin. Nach all den „Negativ“punkten stellt sich erst recht die Frage: Ist es kein Mabuse, weil jene, welche die Rechte daran hatten, diese nicht hergeben wollten? Wollten sie es zunächst, und haben sich nach Sichtung des fertigen Filmes zurückgezogen? Ich weiß es nicht, denkbar wäre so vieles.

Aber Mabuse hin oder her, als Mystery-Krimi an sich eignet sich „Dr. M“ sehr wohl. Durch seine befremdliche Erzählweise ist allerdings eher dem experimentierfreudigen Cineasten dazu geraten, weniger dem massenkompatiblen Filmfreund. sehenswert


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Montag, 29. Oktober 2012

ATTACK OF THE CRAB MONSTERS (1957 Roger Corman)


Seefahrer steuern eine Insel an, um nach vermissten Menschen zu suchen. Auf der Insel angekommen müssen sie feststellen, dass diese von Riesenkrabben bewohnt wird, welche durch Nahrung die Intelligenz ihrer Opfer aufnehmen können. Da die Viecher die gesuchten Leute vertilgt haben, sind sie somit recht clever...


Die Krabbe in meinem Kopf...

Mit "Attack Of The Crab Monsters" habe ich nun endlich wieder einen kleinen englischsprachigen Film gesehen, der nicht nur nicht in Deutschland veröffentlicht wurde, sondern auch ungewöhnlich und empfehlenswert ist. Er ist interessant erzählt und dank Einfallsreichtum und einer für seine Entstehungszeit ungewohnt hohen Dosis Action auch niemals langweilig. Schon in den ersten 5 Minuten gibt es Explosionen, Sturzfluten, Krach und Action zu genießen, so dass das ganze ein wenig an Schrottfilmer Emmerich erinnert. Und auch wenn man die erste Riesenkrabbe erst relativ spät sichtet, wird doch sehr kurzweilig auf diese Begegnung hingearbeitet.

Der Film beginnt mit einem flotten Vorspann, der zu nostalgischer Musik nett gemalte Bildchen präsentiert. Dann hören wir einen göttlichen Kommentar (interessante Idee) und schließlich kommen wir zu den eben von mir erwähnten Katastrophen-Szenen. Wenn sich die Gruppe Expeditionsteilnehmer nun endlich auf der Insel einfindet, auf welcher der Rest des Films spielt, bleibt das Erzähl-Tempo recht flott. Hin und wieder führt man den Zuschauer in die Irre, beispielsweise wenn man das Knacken von Krabben-Zangen zu hören glaubt, die Protagonisten ängstlich in der Nacht vors Haus treten, um dann festzustellen, dass einige Äste draußen knacken, wenn sie die Hausfassade berühren.

Die erste Attacke einer Krabbe findet im klassischen Stil statt, wie sie z.B. in der „Alf"-Folge "Der Kammerjäger und die Kakerlake" parodiert wurde: man sieht beim Angriff nur eine große Scheren-Klaue. Diese kommt ca. 3 mal zum Einsatz bevor man das erste Monstrum richtig sichtet. Dieses ist optisch gelungen, wirkt etwas lächerlich durch seine müden Augen, aber zumindest belustigen die Tiere nicht so stark wie der Glupschaugen-Vogel aus "Angriff der Riesenkralle" oder ähnlichen Kulleraugen-Kreaturen. Leider schien Regisseur Corman selbst im Vergleich zu ähnlichen Billigstreifen ("Black Scorpion", "Formicula") nicht viel Geld gehabt zu haben, da es nur eine Riesenkrabben-Puppe gibt, so dass Massenszenen dieser unnatürlichen Gattung nicht umzusetzen waren.

Die aus ähnlichen Filmen bekannte Geschichte bekommt eine skurrile Abwandlung. Wenn die Menschen des öfteren nachts von einer sehr strengen und bedrohlichen Stimme angelockt und verängstigt werden, ist man zunächst vor den Kopf gestoßen und weiß nicht was das nun soll. Können die Viecher etwa reden? Nein, das nicht! Aber sie nehmen per Telepathie Kontakt zu ihrer zukünftigen Beute auf.

Die Krabben können mit Aufnahme der Nahrung das Wissen ihrer Opfer aufnehmen. Deswegen sind die Riesentiere auch recht intelligent. So entpuppen sich z.B. die im Film ständig erfolgten Erdbeben als Plan, die komplette Insel zu zerstören, um die dort ansässigen Menschen zu töten. Zudem können sich die entarteten Krabben regenerieren, was den finalen Plan die wenigen Viecher zu töten schwieriger macht, als die geringe Anzahl der Riesenkrabben-Population vermuten lässt.

Natürlich ist das alles nur augenzwinkernd guckbar. Ernster Horror ist da nicht vorhanden, aber das wird damals auch nicht viel anders gewesen sein. Sicher werden sich ein paar Kids davor gruseln können, für den erwachsenen Zuschauer ist „Attack Of The Crab Monsters“ jedoch lediglich ein kurzweiliger Monster-Spaß, der es wie oben erwähnt nicht nach Deutschland geschafft hat, was in Anbetracht manch eher lahmen Vergleichsfilme, die es schafften, sehr schade ist. Warum z.B. gerade der sehr langweilige "Das todbringende Ungeheuer" in unseren Lichtspielhäusern lief und der hier besprochene flotte Monster-Trash nicht, bleibt mir ein Rätsel. Ich kann auf jeden Fall meine Empfehlung aussprechen, betone jedoch, dass dieser Film nicht mehr als ein netter, augenzwinkernder Spaß ist. Aber wie heißt es so schön in einem Titel aus einem anderen Filmgenre? Es muss nicht immer Kaviar sein! unterhaltsam


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Samstag, 27. Oktober 2012

GEFUNDENES FRESSEN (1977 Michael Verhoeven)


Der auf der Straße lebende Alfred ist nicht nur ein gesellschaftlicher Außenseiter, sondern auch einer unter den Obdachlosen. Seit Jahren spart er heimlich Geld um irgendwann ins Ausland zu ziehen, bis dahin lebt er vom Allernötigsten und von Kleinstgaunereien. Auf diesen Weg lernt er den Polizisten Erwin kennen, der von seinem Alltag so gefrustet ist, dass er Gefallen an der Aussteigeridee Alfreds findet...


Maskenball der Seelen...

Vordergründig handelt Michael Verhoevens „Gefundenes Fressen“ von einer ungewöhnlichen Freundschaft zwischen Obdachlosem und Polizist, zwei Angehörigen verschiedener Gruppen, die in der Regel auf Kriegsfuß stehen. Hintergründig erzählt der Film jedoch von der verzweifelten Suche nach Individualität in einer zu gleich geschalteten Gesellschaft, die einem nur Platz für Alternativen lässt, so lange man sich an die Spielregeln hält.

Der auf der Straße lebende Alfred steht für sich, kommt weder mit den Bürgern noch mit den Obdachlosen richtig klar und sehnt sich nach einem Wonneleben im sonnigen Ausland. Genau das könnte auch Polizist Erwin vertragen, der sich missverstanden fühlt, das Dasein als Polizist satt hat und davon träumt ebenfalls auszusteigen. Bis es bei ihm so weit ist, will er wenigstens Alfred helfen, einer Person zu der er sich verbunden fühlt, was jedoch nur bedingt auf Gegenseitigkeit beruht.

„Gefundenes Fressen“ erzählt seine Geschichte fast ausschließlich über die Charaktere. Was beide im einzelnen erleben, häufig in voneinander unabhängigen Erzählsträngen, erscheint nichtig. Für den Konsumenten, der lediglich nach Unterhaltung lechzt, wirkt der Film dadurch eher wie ein konsequentes Langstrecken einer nicht vorhandenen Geschichte. Aber sie ist anwesend und kristallisiert sich nach und nach heraus und wartet nur darauf entdeckt zu werden.

Interessant ist, dass Verhoeven wahrlich nicht mit Sympathiefiguren spielt. Sowohl Alfreds als auch Erwins Dasein dient als Tarnung, als Mittel zum Zweck um nicht aufzufallen. Erwin spielt die Rolle als Polizist ebenso, wie Alfred eigentlich charakterlich gar nicht zu den Obdachlosen gehört. Alfred mag schrullig wirken, aber er ist kein Team-Player, zieht lediglich sein Ding durch und vertraut aus anderen Gründen niemandem, als es der Durchschnitts-Obdachlose tut. Polizist Erwin ist noch unsympathischer Natur. Er ist ein Egomane, der ein Traumbild von sich und seinen Fähigkeiten entworfen hat, und nun frustriert ist, dass andere sein Selbstbild nicht teilen. Das entfremdet ihn von seiner Rolle im Beruf ebenso wie von seiner Familie. Doch darüber trauert er nicht. Er sieht sich im Recht und alle anderen liegen falsch.

Kurzum, beides sind Egomanen, und ein solcher muss man wohl auch sein, wenn man um sein Recht auf Individualität und dessen Platz und Anerkennung in unserer Gesellschaft kämpft. „Gefundenes Fressen“ zeigt uns eine Person, die meist begründet egoistisch handelt und eine Person, die den Wunsch nach Ausstieg viel eher als Rechtfertigung für seine egoistische Haltung nimmt. Dies trennt beide Charaktere, und vielleicht wird dies Alfred in der finalen Szene klar. Vielleicht tritt er den von ihm gewünschten Weg nicht an, weil er Hilfe von etwas bekam, für das er nicht steht. Vielleicht war auch nur der Zeitpunkt zu spät. Den Schluss soll jeder für sich selber deuten.

Rühmann, der eigentlich eher auf leichte Stoffe abonniert ist, lebt in der Rolle des Alfred in schauspielerischer Hinsicht regelrecht auf. Eine ernstzunehmende Rolle in einem Drama kleidet ihn sichtlich gut, was optisch freilich auch der guten Maske zu verdanken ist. Hier wirkt Rühmann nicht mehr so unterfordert wie in seinen meist sympathischen Komödien.

Komplett ohne Humor kommt auch „Gefundenes Fressen“ nicht aus, und der zeigt sich meist im Stile eines „Max, der Taschendieb“, sprich über die gewitzten illegalen Aktionen der Hauptfigur. Der Witz wird dabei jedoch so stark zurückgeschraubt, das man nicht einmal mehr von einer Tragikomödie sprechen kann. Trotz solcher Szenen bleibt Verhoevens Werk recht deutlich ein Drama.

„Gefundenes Fressen“ ist ein Liebhaberstück, ein Film für Cineasten, ein anspruchsvolles Werk, das jedoch nicht von zu hohem Anspruch und zu viel Symbolik erstickt wird, sondern noch den Bogen zur kurzweiligen Unterhaltung findet, ohne den Bereich des Popkorn-Kinos zu streifen. Verhoevens Film ist ein interessantes Werk, das seine minimalistische Geschichte auf versteckt psychologischer Basis konsequent und glaubhaft durchzieht, so dass der Film mehr bietet als die bloße traurige Geschichte eines Obdachlosen, der es gerne besser hätte und eines Polizisten, der sein Mitleid für den armen Mann entdeckt. Dies wäre Grundlage für eine Trivialunterhaltung, einen Filmbereich, von dem sich „Gefundenes Fressen“ sehr deutlich distanziert - freilich nur dann, wenn man es auch selbst entdeckt hat. sehenswert


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BUTTERFLY EFFECT 2 (The Butterfly Effect 2 2006 John R. Leonetti)


Nick Larson lebt in einer glücklichen Beziehung und hat zwei gute Freunde. Aber die Karriere ist ihm stets wichtig, und so muss zu diesem Zweck ein gemeinsamer Ausflug mit den wichtigsten Menschen in seinem Leben unterbrochen werden. Auf der Rückfahrt kommt es zu einem Autounfall, den einzig Nick überlebt. Ein Jahr später bemerkt Nick während des Betrachtens eines Fotos, dass er mittels dieser Erinnerung in die Zeit zurück reisen kann. Er beschließt die Geschehnisse zu verändern und das nicht nur am Tag des Unfalls...


Der distanzierte Schmetterling...

Es gibt sie, die Science Fiction-Erfolge, die sich hauptsächlich auf Emotionen stützen. „E.T.“ als einer der erfolgreichsten Filme aller Zeiten ist das beste Beispiel. Und auch „Butterfly Effect“ war ein solches Werk, ein Werk eines Genres, das sonst auf Action, Spannung oder intellektuelle Thematik setzt. Der von Hauptdarsteller Ashton Kutcher mitproduzierte erste Teil war wegen seiner erklärungsarmen Schiene und seiner esoterischen Art jedoch nah am Fantasy-Bereich orientiert, ein Mix der den meisten Anhängern der Science Fiction eher weniger schmeckt. Aber vielleicht war es auch einfach dieser Genre-Mix, der ihn so erfolgreich und beliebt machte, blitzen doch auch Drama, Abenteuer und Thriller in seiner Umsetzung auf.

Eine Fortsetzung bleibt bei einem derartigen Erfolg nicht aus, und so verlieh man einer anderen Person die Gabe der Figur aus Teil 1. Eine Brücke schlug man mit einer kurzen Internet-Recherche von Nick, aber die wurde so dünn angerissen, dass man sie auch gleich hätte weglassen können („Final Destination 3“ lässt grüßen).

Fluch und Segen einer Fortsetzung ist es immer, dass das Thema bereits bekannt ist und damit ein Einstieg ins Geschehen schneller möglich ist. Doch man darf sich nicht blind auf irgendwelche selbsterschaffenen Fortsetzungs-Gesetze der Filmindustrie verlassen. „Butterfly Effect“ lebte von der engen Identifizierung mit der Hauptrolle, von der man in aller Ruhe die Kindheit erzählt bekam, um zur eigentlichen Erlebnis-Zeit der Geschichte sowohl gut informiert zu sein, als auch gefühlsmäßig mit der Hauptfigur verbunden in das Abenteuer Zeitveränderung einsteigen zu können.

Genau das wurde in der Fortsetzung vernachlässigt. Ein einziges Erlebnis an einem einzigen Tag soll nach Ansicht der Verantwortlichen reichen, um mit Nick mitzufiebern. Aber das funktioniert nur minimalst und auch nur in einigen wenigen Punkten, wie der Trauerverarbeitung oder die Freude seine Lebenspartnerin nach einem Jahr lebend wiederzusehen.

Nun stützt sich der Film jedoch nicht nur auf den einen vergangenen Tag, an dem man gnädigerweise beteiligt wurde. Im weiteren Verlauf der Story manipuliert Nick aus egoistischen Gründen andere Teile seines Lebens in Augenblicken, die dem Zuschauer unbekannt sind. Zwar bleibt auch mit diesem Manko die Geschichte selbst theoretisch interessant, doch das ist sie rein praktisch nur bedingt.

Das liegt zum einen an der dünnen Charakterzeichnung der Figuren, allen voran Nick, der einem den kompletten Film über egal ist, da er ein Irgendwer ist. Seine karrierefixierten Gründe lassen einen nicht zu ihm halten, wie zur Kutcher-Rolle im Original. Mit diesem Karrieregrund und dem Griff aus irgendwelchen Situationen aus Nicks Vergangenheit, guckt sich der Streifen nun viel mehr wie ein „Mr. Destiny“ als wie ein „Butterfly Effect“. „Mr. Destiny“ war eine arg moralische Komödie, die James Belushi und MIchael Caine als Trumpf bot. Die humoristische Umsetzung und das Spiel der Stars machten einiges wieder wett. Aber über solche Trümpfe verfügt „Butterfly Effect 2“ leider nicht.

Die Darsteller sind so blass wie ihre Rollen, und Regisseur John R. Leonetti schafft es einfach nicht an der Spannungsschraube zu drehen, die einzige Ausflucht, die ihm blieb, wenn der Emotionsbereich sich nicht auf den Zuschauer übertragen lässt. Leonetti ist mit seinem Debüt „Mortal Kombat 2“ allerdings schon negativ aufgefallen, und da er seit dem nur Serien drehte, hatte er auch recht wenig Übungsmöglichkeiten, um sich zu steigern. Warum man gerade ihn für die Fortsetzung eines Kassenerfolges wählte, bleibt mir ein Rätsel.

„Butterfly Effect 2“ lebt schlussendlich vom Trumpf der Grundidee: verändere etwas in der Vergangenheit und du erwachst in einer anderen Realität. Dieser Gedanke ist stark genug um einen schwachen Film wie diesen auf mittelmäßigem Unterhaltungsniveau zu tragen. Letztendlich ist man doch zu neugierig wie die veränderten Lebenssituationen von Nick aussehen und was ihn als nächstes antreibt sein Leben zu verändern. Ein wenig funktioniert die Idee scheinbar also auch aus der Distanz. Aber damit bleibt der Film letztendlich zu theoretisch. mittelmäßig


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TERMINATOR 4 - DIE ERLÖSUNG (Terminator Salvation 2009 McG)


In der Zukunft hat die Maschine Skynet ein Bewusstsein entwickelt, die Menschheit zum Feind erklärt und jagt nun den Anführer der Rebellen und dessen Vater. In dieser Zeit erwacht ein vor Jahren öffentlich hingerichteter Mann, der per Zufall auf eine Anhängerin des Widerstands trifft...


Rostfrei und dennoch Schrott...

In einer perfekten Welt, in der Filme gedreht werden um Geschichten zu erzählen und nicht um mit wenig Aufwand viel finanziellen Erfolg einzufahren, hätte ich mir die dritte Fortsetzung von James Camerons 80er Jahre-Science Fiction in etwa so vorgestellt: Eine leicht gruselige Atmosphäre, ähnlich jener aus Teil 1, entsteht über das Erwachen des Hingerichteten, der völlig vor den Kopf geschlagen in dieser düsteren Welt erwacht. Der Zuschauer lernt mit ihm alles dieser Welt kennen und erlebt seine Angst, Ratlosigkeit und Unsicherheit mit, aber auch seinen Überlebenswillen und die Kämpfe, die er ausführen muss.

Die Zukunft sähe düsterer aus, nach ruinierten Großstädten, in denen es vor Maschinen und Robotern nur so wimmelt. Diese vernichten Menschen und planen ihr Vorgehen nicht nach menschlichen Maßstäben, sondern nach Maschinen-Logik, Handlungsentscheidungen werden blitzschnell getroffen, große Pläne in einem Umfang entwickelt, der den menschlichen Geist überfordern würde (gut umgesetzt in „Colossus“). Ein Widerstand in dieser Welt wäre von umherlaufenden Boten abhängig, denn alles Elektronische, auch der Funkverkehr, wird von den Maschinen überwacht. Waffen haben die Menschen kaum, und ihre Hauptgegner, die Terminatoren, wären weiterhin so schwer zu besiegen, wie in den Teilen zuvor. Selbstverständlich dürfte Skynet von seinem mehrfachen Versagen, John Connor in der Vergangenheit zu töten, nichts wissen, sonst würde er seine Taten nicht wiederholen und der Ober-Rebell wäre nie geboren worden.

Ich bin kein naiver Narr, und deshalb weiß ich, dass dieses Wunschdenken Utopia ist. Die zwei „Matrix“-Fortsetzungen machten vor, was man heute im Action-Bereich des Science Fiction-Films zu erwarten und erdulden hat. Mit Hinblick auf den simplen aber unterhaltsamen „Terminator 3“ erhoffte ich dennoch ein wenigstens halbwegs passables Ergebnis, sicherlich gespickt mit ähnlichen Fehlern und Unsinn wie in „Matrix 2“ und „Matrix 3“, aber integriert in eine packende Geschichte, mit einer griffigen, da über die beiden Vorgänger kennen gelernten, Hauptfigur.

Nach der eher positiven Überraschung von „Terminator 3“ wurde ich von „Terminator 4 – Die Erlösung“ (warum eigentlich Erlösung?) ziemlich enttäuscht. Es ist schon erstaunlich wie viel Mühe man sich gab, einen klugen Film erzählen zu wollen, um im Ergebnis mit Unlogiken nur so um sich zu schmeißen. Das Versagen der Attentate auf Connor ist der Maschine bereits bekannt, der Rebell existiert trotzdem, was heißt, dass die zukünftigen misslungenen Mordversuche dennoch stattfinden werden. Da Connor und sein Vater höchstes Ziel sind, wird ein großer neuer Plan entwickelt, ein völlig unnötig komplizierter, wie er nur in den Köpfen denkfauler Drehbuchautoren entstehen kann. Dass Skynet mehrfach die Möglichkeit hatte seine erwünschten Opfer zu töten wird komplett ignoriert. Mehr noch: Seit neuestem nehmen die Maschinen Gefangene anstatt alles und jeden zu töten, ein unsinniger Wandel den kürzlich auch Horrorikone Jason durchmachen musste.

Blitzschnell begreifende Maschinen reagieren nicht auf Fallen, wie die eines über die Straße gezogenen Seiles (welches nicht erst im letzten Moment hochgezogen wird, um den Sturz einzuleiten). Menschen verständigen sich per Funk, und dies selbst dann, wenn die finale Schlacht geplant wird. Terminatoren besitzen fast nie Waffen, prügeln sich lieber wie halbstarke Raufbolde, sind im Vergleich zu den Vorgängern leicht außer Gefecht zu setzen und werden neben ihrer Killer-Tätigkeit nebenbei auch noch als Wächter eingesetzt. Ein trojanisches Pferd, das nicht weiß dass es eines ist, bekommt nach getaner Arbeit von einer Maschine die Wahrheit serviert, jedoch auf Comic-Schurken Bond-Art, in dem er dem Betroffenen, der in den Augen der Maschine nur ein Werkzeug war, jeglichen Hintergrund erzählt, so als würde ein Handwerker seinem Hammer nun erklären, was er baut und warum der Nagel dafür an welcher Stelle eingehauen werden müsse.

Am Ende des Films entlarvt sich die politisch korrekt erzählte Geschichte, eine Erzählweise die sich für irre demokratisch hält, als (wahrscheinlich unbeabsichtigt) faschistisch, wenn ein Leben aufgrund seiner Maschinen-Herkunft trotz vorhandener Intelligenz und dem Talent zu Fühlen als lebensunwert gilt, und es als letzte Tat sein Herz dem Führer schenkt. Als Untermensch scheint er kein Recht auf dieses zu haben.

Leider nervt „Terminator 4“ nicht nur mit seinen Unsinnigkeiten, sonst würde ich ihn zumindest noch als Trash empfehlen. Die Geschichte ist leicht langweilig erzählt, da zwischen den Actionszenen Geist-armes Geschwafel stattfindet, wie man es schon bei den „Matrix“-Fortsetzungen erdulden musste. Wie in den letzten zwei Vorgängern achtete man leider nur noch auf Action und nicht mehr auf den Spannungsgehalt. Durch das Fehlen von Charakteren entsteht dadurch eine Lücke, da man im Spannungs-armen Geschehen nun niemanden hat, mit dem man mitfiebern kann. Alle Figuren sind hohle Gefäße, die ähnlich eines Ameisenstaates nur dem hohen Zweck dienen oder, falls nicht Rebell, einem Instinkt folgen. Individuell ist hier niemand, Wünsche und Bedürfnisse gibt es nur, wenn sie dem höheren Ziel entsprechen. Auf diese Art kann keine Kurzweile entstehen, was somit auch den Sinn geistfreier Popkorn-Unterhaltung entzieht, womit der Film, egal aus welcher Perspektive man ihn für sich einstufen würde, zur banalen Routine oder weniger verkommt.

Sicherlich kann man so etwas schauen. Zum Glück verzichtete man immerhin darauf aus „Terminator 4“ ein Drei-Stunden-Werk zu machen. Aber Spaß macht das ganze nicht. Letztendlich guckt man den Film zu theoretisch. Man fiebert nicht mit, ahnt das meiste voraus und darf sich schlichtweg an den Spezialeffekten ergötzen, ein Bereich der gerade heute zu viel Konkurrenz besitzt und somit auch keinen Anreiz bietet, sich den Film deswegen anzuschauen. Da die Charaktere schlichtweg egal waren und nicht nervig (mit Ausnahme eines emotionslosen und untalentierten Luci Lu-Klons), kann man „Terminator 4“ im Gegensatz zu „Transformers“ oder „Mutant Chronicles“ immerhin noch gucken. Aber selbst wenn man die Ansprüche weit zurückschraubt, bleibt ein unbefriedigtes Gefühl zurück. mittelmäßig


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STIRB LANGSAM 4.0 (Live Free Or Die Hard 2007 Len Wiseman)


Terroristen legen die komplette Elektronik der USA lahm. Computerhasser McClane nimmt gemeinsam mit einem Hacker den Kampf gegen die Bösewichter auf...


The Last Boy Scout 2.0...

Kurzweile kann man „Stirb langsam 4.0" nicht abstreiten. Es geht rasant zur Sache, und egal ob die Action gerade Pause macht oder im größten Chaos versinkt, die flotten Sprüche, die mich mehr als ein mal zum lachen brachten, dürfen nicht fehlen. Natürlich muss ein Teil 4 mit seinen Vorgängern verglichen werden. Die dritte Fortsetzung hat zumindest das was dem mittelmäßigen Teil 2 fehlte: Kurzweile. Dafür hatte dieser und die guten Teil 1 und 3 mehr Anspruch.

Im Action-Popkornkino spricht man sicherlich auf anderer Ebene von Anspruch als in Dramen, Grotesken, Satiren, etc., aber auch Beiträge dieses Genres kann man sehr wohl niveaubedingt verschieden einstufen. Und da ist "Stirb langsam 4.0" für eine Kino Großproduktion relativ unten anzuordnen. Die Kritik, die sich Teil 4 gefallen lassen muss, wäre auch dann relevant, wenn dies keine Fortsetzung sondern ein eigenständiger Film wäre.

Allerdings möchte ich an dieser Stelle betonen, dass wir es bis auf den Namen des Helden und einiger Winzigkeiten ohnehin kaum noch mit einem "Stirb langsam" zu tun haben. Viel eher könnte der Film ein Sequel von "Last Boy Scout" sein, der rein von Bruce Willis Rolle her ohnehin fast eine "Die Hard"-Kopie war. Hier passt viel mehr zusammen. Da hätten wir dien wesentlich mehr beachteten Aspekt der Vater-Tochter-Beziehung und ihre Art. Dann hätten wir die große Ehrfurcht des Helden vor der Regierung und deren gnadenlose Untergebenheit (in diesem Film für ein Actionwerk eher versteckter eingebracht). Und drittens ist der Charakter wie bereits erwähnt ohnehin mit "Stirb langsam" fast identisch. Andererseits bin ich froh dass der Film nicht den Titel "Last Boy Scout 2.0" trägt, immerhin fand ich den letzten Pfadfinder schon immer eine Spur besser als die Filme um McClane.

Ein Kritikpunkt, den sich „Stirb langsam 4.0“ gefallen lassen muss, wäre u.a. das häufige Anwenden von Computeranimationen. Wenn ein Auto über Bruce hinwegfliegt, und man sieht dem Gefährt an seiner Glätte und Sterilität seine Herkunft aus dem Computer an, dann ist das plump und verfehlt seine Wirkung. Was nutzt die tollste Action, wenn sie optisch nichts hergibt? Aber nun mal halblang! Vieles ist auch handgemacht getrickst und manch andere Computeranimation ist besser umgesetzt (manchmal rätselt man sogar was von beidem es nun war), gute Action gibt es also sehr wohl zu sichten. Aber der eher geringe Anteil schlecht gemachter Sequenzen sorgt halt für ein getrübtes Sehvergnügen.

McClane einen jungen Spund an die Seite zu stellen ist sicherlich Ansichtssache. Das funktioniert zwar hin und wieder wenn sich die beiden über Ansichten verschiedener Generationen zoffen, aber genau diesen Punkt hätte man ruhig ausweiten können. Das mangelnde Wissen über Computer passt zum McClane-Charakter und lässt seine Beziehung zu einem Computerjunkie lustig wirken. Die erwachsenen Partner in den Vorgängern (ich zähle den Polizisten mal dazu, der McLane in Teil 1 am Telefon begleitete) passten allerdings besser zum Cop. Es ist dem McClane-Charakter kaum abzukaufen, dass er sich in brenzligen Situationen auf ein Bübchen verlässt.

Der Jungspund ist ein Risikofaktor, der, trotz seiner Computergenialität, zu beschützen ist. Er ist kein Partner. Aber genau das wird er im Laufe des Films. Das wäre so als wenn Leo Getz in "Lethal Weapon 2" sich im Laufe des Films eine Partnerrolle zu den beiden Cops erspielen würde. Der Partnerschaft Jüngling und McClane kommt erschwerend das ewige Pseudo-Gerede über Heldentum hinzu. Heldentum wird fragwürdig definiert über das Handeln und der klaren Trennen nach Gut und Böse. Wenn McLane z.B. seine Tochter rettet, ist es völlig legitim auf dem Weg dahin mit dem Laster zig Autos zu schrotten und dabei sicherlich das ein oder andere unschuldige menschliche Leben zu opfern.

Was ich persönlich sehr interessant finde ist folgende Beobachtung: was in "Stirb langsam 4.0" als Terrorismus angesehen wird, wurde in "Flucht aus L.A.", der Fortsetzung von „Die Klapperschlange“, noch im Finale als Heldentum gefeiert. Strom weg, willkommen in der Steinzeit! Durch eine Videobotschaft der Terroristen sieht man im hier besprochenen Film, dass McClane in keiner fiktiven Vergleichszeit lebt, sondern in der unseren. Er lebt also auch in einem George Bush Jr.-regierten Amerika. Somit sind auch die Regierungen beider Filme vergleichbar: beide verbrecherisch,korrupt und nicht dem Wohl des Volkes dienend. Trotzdem wird in beiden Filmen die Stromattacke ethisch unterschiedlich ausgelegt.

Das liegt mitunter daran, dass McClane stets an den kleinen Mann denkt, dem nicht geschadet werden darf, dabei aber übersieht, dass die Regierung diesen Schaden bereits anrichtet. In seinen wenig ernsten (und leider belehrend wollenden) Szenen guckt sich der Film verdammt republikanisch. Und er weiß wer sein Publikum ist und welche Knöpfe er drücken muss um versteckt zu manipulieren und die Gehirne „Fehlgeleiteter“ zu waschen. Was sollen solche Belehrungen in Unterhaltungskino? Und wieso erinnern diese Belehrungen mehr an Propaganda als an Unterricht? Traurig!

Wichtigster Kritikpunkt, warum der Film lediglich nettes Mittelmaß geworden ist, ist der Actioninhalt. Was McClane hier erlebt geht nur noch als purer Comic durch. Ich will jetzt nicht behaupten, dass seine drei Vorgänger authentische Werke gewesen wären, aber Willis dabei zuzusehen wie er auf einen Militärflieger springt, von dem er zuvor mehrfach erfolglos angegriffen wurde, zu sehen wie er Hubschrauber damit tilgt Wasserfontänen oder fliegenden Autos auf die Bedrohung zu feuern, all das hat nichts mehr mit der typischen Actionfilm-Übertreibung zu tun. Das ist alles eine Spur zu viel. Wie die beiden Hubschrauber und der Flieger vernichtet wurde lässt entweder ausgeklügelste Mathematik und das Anwenden vieler anderer Wissensgebiete vermuten, oder eben nur pures Glück. Mit einer dieser 3 Aktionen hätte ich wegen dem 2. Erklärungsansatz leben können, aber 3 mal Glück ist viel zu viel des Guten.

In den Teilen 1 - 3 war immerhin noch McClanes Können gefragt, oftmals auch der Mut durch Provokation, aber er war kein Mensch der kopflos handelte. Dass dies in Teil 4 nicht der Fall ist, ist z.B. auch deutlich zu sehen in jener Szene, in der McClane mit einem Auto durch ein Gebäude rast, um eine Asiatin zu jagen und dabei gar nicht den Grobschnitt des Gebäudes kennt. Jede Wand und Tür durch die er brettert könnte die letzte sein. In den Teilen 1 und 2 war McLane mit den Gebäuden vertraut und in Teil 3 mit der Stadt. Hier konnte er solche Aktionen berechnend durchführen. In Teil 4 heizt er hirnlos in einem ihm unbekannten Gebäude herum, und so endet die Szene wie sie enden musste: er landet in einem Fahrstuhlschacht und erlebt eine weitere böse Situation.

Mit der eben erwähnten Asiatin wären wir direkt bei den guten Seiten von Teil 4. Wie Willis diese verprügelt ist, trotz ihrer Kampfkunst, so etwas von politisch unkorrekt, dass es eine Freude ist zuzugucken. Solche "unkorrekten" Szenen sieht man in Hollywoodproduktionen leider kaum noch. Ohnehin sind die Bösewichter gut gecastet und ebenso wie in Teil 3 wird eine völlig andere Geschichte erzählt, oder besser gesagt die selbe Geschichte in völlig anderem Gewand.

Ich muss allerdings gestehen, dass ich viel von dem Computergeschwätz aufgrund meiner mangelnden Kenntnisse in diesem Bereich nicht verstanden habe. Ähnlich wie bei "Cube" muss man vieles von dem was behauptet wird einfach glauben. Dennoch zweifel ich an dem ein oder anderem Gezeigten in diesem Bereich.

Auch wenn ich nicht zu den Computerjunkies gehöre, so tut es mir außerdem etwas leid, wie hier mit ihnen umgegangen wird. Sie werden mal wieder als Freaks dargestellt, lebend in einer Welt voller Verschwörungstheorien, die nur auf den richtigen Weg gebracht werden müssten, um vernünftige Mitglieder der Gesellschaft zu werden. Von Individualismus haben Schreiber solcher Geschichten scheinbar noch nie gehört. Ich denke mal da unterschätzt man solche Leute etwas. Und Tatsachen, wie das Verbreiten der Angst durch Medien zur Erhöhung des Konsums, als Verschwörungstheorie darzustellen, ist schon eine Dreistigkeit für sich.

Dass ich selbst in den positiven Dingen zum negativen abschweife, zeigt nur erneut auf was für wackeligen Beinen "Stirb langsam 4.0" steht. Im Vergleich zu seinen Vorgängern ist er eine Unverschämtheit. Für sich gesehen ist er jedoch kurzweilige und anspruchslose Actionkost, die man allerdings nur dann gucken kann, wenn man sich komplett auf ein extrem starkes Comicniveau einstellt. Was man hier zu sehen bekommt, kann ferner der Realität nicht sein, selbst für ein Actionwerk, was aber nicht heißt, dass es nicht Spaß machen kann. Also: Kopf aus, zurücklehnen, die Action und die Sprüche genießen, und die Propagandastellen einfach überhören! Dann, aber NUR dann, kann Teil 4 auch unabhängig von den Vorgängern funktionieren. mittelmäßig


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INFEKT (2007 Michael Effenberger)


Die Welt wurde von einer Seuche überrannt. Nun leben nur noch wenige Menschen in einer Welt voller Zombies. Eine Gruppe Überlebender macht sich auf den Weg zu einer Stadt, in der es laut letzter Radioübertragung für Menschen noch sicher sein soll...


Deutschland, Deine Amateurfilmer...

Inhaltlich erwartet man in einem Zombiefilm heute bereits in professionellen Produktionen kaum etwas Unerwartetes. Was lockt einen dann in eine Amateurproduktion, in der mit noch mehr bekanntem Stoff zu rechnen ist, als bei Filmen, in die Geld geflossen ist?

Ich persönlich wollte mir ein Bild davon machen, ob die neue Generation Amateurfilmer aus dem Bereich des Zombiefilms mehr möglich macht, als die Vorgänger-Generation mit Andreas Schnaas und Co, die das wundervolle Subgenre des Horrorfilms stets dafür nutzten, nur unnötig Blut und Gewalt zu zelebrieren. Ist die nächste Welle von Hobbiefilmern weiter fortgeschritten und macht etwas aus einem Zeitvertreib, der so viele kreative Möglichkeiten bietet?

Mit „Infekt“ betrachtet müsste die Antwort nein lauten. Genau das Gegenteil ist der Fall, „Infekt“ ist sogar ein Schritt zurück. Nicht nur dass es den Leutchen dieses Streifens ebenfalls nur um Effekte geht, im Gegensatz zu Schnaas und Co haben sie es in diesem Bereich nicht drauf. Der Gorehound wird betrübt aus der Wäsche gucken und verärgert sein über das, was uns Effenberger hier als Spezialeffekte präsentiert. Gehässig könnte man lästern und meinen, dass der Bereich der FX nun einmal nicht in die Hände einer Frau gehört. Aber das wäre so unsinnig wie „Infekt“ selbst.

Der Amateurfilm mit der an sich geglückten Titelgebung verteilt die Pseudo-Goreeffekt recht übersichtlich über den Gesamtfilm, dennoch merkt man, dass auch auf den recht selten verwendeten Bereich Hauptaugenmerk gelegt wurde. Ewigkeiten hält man auf das blutige Pseudogeschehen drauf, viel zu lang, als dass es wen interessieren könnte, viel zu unblutig und (selbst für den Amateursektor) zu unprofessionell um wenigstens Freunde von Gore erfreuen zu können.

Das Drumherum besteht aus müden Darstellern, von denen kaum wer in der Lage ist, einen Satz nicht wie abgelesen klingen zu lassen. Ganz schlimm ist in diesem Bereich die weibliche Hauptrolle, die der uninspirierten Jasmin Hänsgen aus „The Dark Area“ echte Konkurrenz macht. In einem Jochen Taubert-Film wären beide gut aufgehoben.

Dass hier kaum wer halbwegs flüssig seinen Text spricht, ist eigentlich nicht weiter wild, denn das was uns hier als Dialoge vorgesetzt wird, klingt nach einem Drehbuch, das ein Fünftklässler hätte verfassen können. Die Darsteller sind jedoch im Abi- oder studierfähigen Alter, dementsprechend peinlich wirkt das Ergebnis. Nicht ein Funke Kreativität blitzt in den Schablonenzeilen des Gesprochenem auf. Ein Hoch auf das Videozeitalter! Früher blamierten sich Idioten nur in ihrer Region, nun kann man das Ergebnis weit über die Stadtgrenze hinaus entfachen.

Auf der technischen Seite gibt es immerhin etwas positives zu vermelden: Das Bild ist komplett wackelfrei, endlich mal ein reiner Amateurfilm ohne dieses Manko. Der Ton ist wie so oft in solchen Produktionen etwas zu leise wenn die Musik ertönt, glücklicherweise allerdings verständlich genug. Ärgerlich ist Effenbergers monotoner Schnitt, der fast immer nach einem gesprochenen Satz stattfindet. Wunderbar! So musste man sich keinen Text merken. Es erklärt aber auch, warum das Gesprochene so unmotiviert aus dem Mund der Protagonisten stolpert.

Spezialeffekte, Dialoge und Hobbie-Schauspieler sind auf unterstem Niveau. Da stellt sich die Frage, ob wenigstens die Kulissen etwas taugen. Aber nein, auch hier Fehlanzeige, ewig stapfen unsere Helden durch den Wald und angrenzende Naturkulissen. Zwar erkennt man den Versuch die Kamera so zu positionieren, dass besondere Geländeaufnahmen eingefangen werden, im Meer an Stumpfsinn wissen aber selbst diese nicht zu gefallen. Eigentlich schade, streckenweise agierte man in ungewöhnlichen Kulissen, die einem ideenreichem Drehbuch viele Möglichkeiten gegeben hätten.

Das Finale der monotonen Geschichte schwenkt leicht in eine einfallsreiche Richtung, bis dahin wurde man jedoch mit so vielen Unlogiken und Idiotien überhäuft, dass man es als Gehirnwäsche bezeichnen könnte. Nur in diesem durch die Gesamtlaufzeit gehirngeschädigten Zustand kann man das, was es dort zu sehen gibt, noch als positiv empfinden. Der Schluss bestätigt einfach, dass man das, was man mochte, versuchte zu kopieren. Leider verstand es Effenberger und seine Crew nicht das Feeling der Vorbilder auf dem im Amateurfilm üblichen Niveau einzufangen. Ein Film mit eigenen Ideen und einem Hauch Kreativität wäre da schon die bessere Wahl gewesen.

Wenn man jedoch bedenkt, wie viel unfreiwillige Komik sich bereits in der geklauten Geschichte gesammelt haben, will ich gar nicht wissen, wie strunzdumm das Drehbuch bei eigenen Ideen geworden wäre. Einige offene Fragen streifen lediglich den Bereich der Unlogik. So stellt sich z.B. die Frage warum unsere Helden Dosenfraß mampfen, Wasser jedoch aus dem Waldbach benötigen. Warum stapft man durch den Wald, anstatt in Kleinstädten, die ans Grün grenzen, einen Supermarkt oder Wohnungen zu plündern? Soll die Erde wirklich derart zombieüberschwemmt sein, dass hier nichts möglich wäre?

Stichwort Zombies: Wie nicht anders zu erwarten sind auch diese hundsmieserabel umgesetzt. Sie sollen blass aussehen, wurden aber schneeweiß geschminkt. Die Gesichter sollen blutig wirken, dank des schneeweißen Gesichtes und der sehr musterartigen Verteilung des „Blutes“ sehen die Untoten jedoch wie Clowns aus. Vielleicht sollte mal wer den Streifen neu synchronisieren und daraus den „Space Invaders“ des Zombiegenres machen.

Leider ist „Infekt" nicht nur eine totale Enttäuschung, er ist leider auch nicht lustig genug, um wenigstens als fröhlicher Trash zu gefallen. Durch die Botanik stapfende Prolls, die selten auf Clownzombies stoßen, klingt zwar sehr witzig, weiß aber kaum zu erheitern.

Der Abspann präsentiert dem Trashfan unfreiwilliger Komik endlich das, was der Film ihm fast komplett verwehrte: Neben der Schrift darf man das Musikvideo einer Amateurband sichten. Das Video selbst ist noch typischer Durchschnitt. Das Herumgekasper des möchtegernharten Sängers der Musikgruppe Treibhaus und den oberpeinlichen möchtegernharten Text, den er in die Welt singt, ist jedoch göttlich, ein Fest für Freunde unfreiwilliger Komik und in einem speziellen Bereich ein Spiegelbild von „Infekt“: Beide Produkte, sowohl Film als auch Song, zeigen uns motivierte, junge Menschen, die nicht einen Hauch Kreativität besitzen. Nicht mal ein kleines bisschen... schlecht


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BIRTH (2004 Jonathan Glazer)


Anna kam nur schwer über den Tod ihres Mannes hinweg. Nun, Jahre später, glaubt sie es überwunden zu haben und möchte erneut heiraten. Plötzlich kontaktiert sie ein 10 jähriger Junge, der steif und fest behauptet ihr verstorbener Mann zu sein. Könnte an der irren Idee etwas dran sein? Immerhin weiß der Knabe Dinge, die er nicht wissen dürfte...


Beischlaf oder Arsch versohlen? - Eine Zwickmühle

Seine wirklich gute Idee kann man „Birth“ nicht absprechen. Ich war mehr als neugierig auf den Film, und seit „The Others“ konnte mich auch Nicole Kidman von ihrem Talent überzeugen, deswegen fand ich die Besetzung ebenfalls sehr reizvoll.

Kidman spielt auch wieder wirklich gut, und über die anderen Schauspieler kann man ebenfalls nicht klagen. Ein Film wie „Birth“ steht und fällt allerdings nicht allein mit der Überzeugung seiner Darsteller, Buch und Inszenierung sind auch ungeheuer wichtig, und hier schwankt der fertige Streifen nun ein wenig. Grundlegend kann man von einem gelungenem Werk sprechen, allerdings hat er einige Schönheitsfehler, die ihn von echten filmischen Größen trennen.

Völlig überraschend, im Hinblick auf das Entstehungsland, sind die Grenzen, die hier eingerissen werden. In Europa umgesetzt, wären diese zwar sicherlich noch extremer gewesen, aber ich stellte mich auf ein US-amerikanisches Werk ein, und da hat mich das gewagte Drehbuch doch hin und wieder überrannt. Spätestens in der Phase, in der die Rolle Kidmans von der Reinkarnation ihres Mannes überzeugt ist, darf man einige gesellschaftliche Provokationen sichten, die an die Nieren gehen.

Das ist zwar alles sehr ruhig erzählt, aber an allen Ecken und Enden brodelt es. Der Zuschauer spürt das Unbehagen (entweder ist Anna auf eine Lüge hereingefallen, was ihr Herz brechen und ihren Verstand völlig auflösen wird, oder sie liebt ein Kind und kann mit Knast oder einem fragwürdigen Leben in Flucht rechnen. Die Mutter des 10 jährigen weiß nicht was sie glauben soll, die Mutter Annas kann und will ihre Tochter nicht vor alles und jedem schützen. Einige Bekannte und Verwandte sind schockiert und wenden sich ab, und Annas Lebenspartner sieht seine Verlobte nun mit völlig anderen Augen. Die Situation in diesem letztgenannten Sub-Plot wird derart kompliziert, dass man sich als Zuschauer fragt, ob es überhaupt ein Zurück für das zukünftige Brautpaar geben könnte, wenn nun alles eine Lüge sein sollte. Wollen beide wenn überhaupt noch?

Überall kocht es emotional, oft gut eingefangen, manchmal zu konstruiert. Ein Manko, das die Grundgeschichte kaum kennt. Dabei sollte man genau dies meinen. Aber die Art und Weise wie der Junge sich Anna offenbart, der schleichende Weg wie Anna dem Kind verfällt, das ist alles, trotz der abgehobenen Idee, realistisch erzählt. Vielleicht wird sich zu Beginn etwas zu viel Mühe gegeben das Kind als Lügner zu entlarven (wahrscheinlicher wäre es gewesen den Jungen schlichtweg zu ignorieren), aber ansonsten erweist sich das Drehbuch als sehr sensibel. Es grast allerlei Graustufen ab, nimmt sich Zeit für die Charaktere und will zudem doppelbödig sein.

Hier übernimmt sich der Autor allerdings. So ist beispielsweise die erste Szene schon viel zu verräterisch, als dass sie in der finalen Auflösung nun plötzlich in einem anderen Licht dastehen könnte. Die Geschichte an sich folgt einer klaren Linie, es gibt keine parallelen, zusätzlichen Handlungsstränge und keine wirklich klugen Ideen, die aus dem Film ein analytisch dichtes Werk zaubern. Dafür lässt immerhin der Schluss ein Hintertürchen auf. Denn die Auflösung ist ähnlich wackelig, wie jene aus „Paul Is Dead“, und in beiden Werken ist dies so gewollt. Was uns hier als Auflösung präsentiert wird, lässt noch einige Fragen offen. So ist beispielsweise anzuprangern, ob der Grund der Auflösung alles abdecken kann, was zuvor passierte. Das macht den Schluss besser als es zunächst scheint, da man sich erst von der genannten Auflösung blenden lässt, bevor man ins Grübeln kommt.

Regisseur Jonathan Glazer blendet mit einer betrügerischen Auflösung, lässt die offenen Fragen nur den aufmerksamen Zuschauer entdecken und lässt den Zuschauer von da an allein. Eine gute Entscheidung, denn so macht es viel mehr Spaß sich mit dem Werk auseinander zu setzen. Dass auch Psychotherapien in seinem Film versteckt kritisiert werden, wird nur der Zuschauerteil bemerken, der Nicht-Gezeigtes weiter denkt.

Der finale Brief erinnert in seiner Art etwas an jenen aus dem französischen Drama „Lärm und Wut“ und erweist sich in beiden Fällen als tolles Stilmittel, den Zuschauer zum Ende hin Kitsch-frei emotional zu berühren. Dies funktionierte in beiden Werken auch deshalb so prima, weil das Szenario an sich während der gesamten Laufzeit relativ nüchtern gezeigt wird. Vielleicht liest man deshalb so viel Negatives über Gazers Film, vielleicht ist „Birth“ den meisten nicht emotional genug. Ich finde allerdings, dass er in seiner nüchternen Art gerade seine Stärke findet und damit einen Hauch europäisch wirkt.

„Birth“ ist stimmig inszeniert, gut besetzt, überrascht mit dem Einreißen einiger Grenzen und hat einen interessanten Schluss. Auf der Gegenseite erweist sich die Anfangssequenz als störend und die Logik, insbesondere im Verhalten der Figuren, funktioniert erst, wenn man ein wenig Unsinn ignoriert. Zudem erscheint mir die Zusammenführung zweier wichtiger Personen am Ende zu einfach gestrickt. Diese Punkte machen den Film zu einer etwas wackeligen Angelegenheit, die aber dennoch eine interessante Ausnahme-Kost geworden ist. sehenswert


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Donnerstag, 25. Oktober 2012

IDENTITÄT (Identity 2003 James Mangold)


10 Personen treffen wegen eines Unwetters zufällig in einem abgelegenen Motel aufeinander. Nach einiger Zeit ist einer von ihnen tot. Die Polizei kann man nicht rufen, der Kontakt zur Außenwelt ist abgebrochen. Also stellt sich die Frage welche der Personen der Mörder ist. Und der belässt es nicht bei einer Leiche. Auf der Suche nach dem Killer wird deutlich, dass alle Personen mehr miteinander zu tun haben, als es den Eindruck machte...


10 kleine Besucherlein...

Dank hervorragender Besetzung und einer interessanten Ausgangslage ist dieser Horrorfilm zunächst interessant und packend erzählt. Der Stil zu Anfang, der mit den Zeiten der Geschehnisse spielt, erfordert etwas mehr Aufmerksamkeit als der 08/15-Horror-Thriller von nebenan. Allerdings ist diese Form der ungewöhnlichen Erzählweise auch schon lange kein Neuland mehr, so dass man hier nicht von Individualität reden kann.

Hat der Film erst einmal seine Vorgeschichte erzählt, in der Figuren interessant eingeführt werden und die Neugierde des Zuschauers geweckt wird, geht es auch recht gelungen weiter. Die Atmosphäre stimmt und die Motel-Location unterstützt diese. Im Mittelteil geht einem jedoch langsam ein Licht auf, worauf „Identität“ hinausläuft. Zu Hilfe kommen dabei der Titel des Films und die deutsche Synchronstimme in der anfänglichen Therapie auf dem Tonband, die bereits zu früh den Täter entlarvt.

In diesem Wissen liegt jedoch gleichzeitig die Falle, die einem zur Mitte des Streifens klar wird, früher als es Regisseur Mangold wollte. Spätestens bei der Nennung der Geburtsdaten dürfte jedem ein Licht aufgehen oder Bestätigung eintreten. Und mit dieser Gewissheit nutzt das anfängliche Identifizieren mit der Synchronstimme nichts mehr, und jeder ist erneut verdächtig. Zumindest weiß man nun mehr, und nun setzt das letzte Drittel ein, von dem man nun Erklärungen erwartet.

Leider nutzten Drehbuch und Regie das letzte Drittel eher dafür "überraschend" die Auflösung zu präsentieren, die man aber zuvor bereits vermutete. Ich will jetzt nicht behaupten haarklein gewusst zu haben was da vor sich geht, so vermutete ich z.B. dass der Psychopath die Morde begeht, um sich zu heilen. Man erfährt hier nun die Auflösung, der man sich zuvor bewusst war, und das wenige was uns im letzten Part nun noch erklärt wird, ist nicht gerade nachvollziehbar. Bereiche der Medizin, die heute noch in den Kinderschuhen stecken, werden als Methoden dargestellt, die genau wissen was wie zum Ziel führt. Die Idee dahinter macht wenig Sinn, da Tote unter diesem Aspekt nicht zwingend tot bleiben müssten. Außerdem wird die Krankheit, die zu einem entscheidenden Faktor der Geschichte wird, in ihren Eigenschaften komplett verändert, nur damit sie zum Sinn der Geschichte passt.
 
Immerhin ist die Mörderauflösung überraschend, und man ohrfeigt sich im Nachhinein, weil doch so viele Sätze darauf hingedeutet haben. Andererseits ist es schade, dass diese Auflösung in Form eines bösen Schlussgags stattfindet. Dieser ist leider etwas fehl am Platz, und die Auflösung selbst wirkt nicht wie ein nachgeschobener „Gag", da der Erstbeschuldigte ohnehin nicht glaubhaft war, musste der doch nur eine Nacht überleben um frei zu sein.

Zumindest ist „Identität“ in der ersten Stunde sehr interessant erzählt, weckt auch immer wieder das Interesse des Zuschauers durch die Agatha Christie-ähnliche Situation des „10 kleine Negerlein"-Prinzips und der wiederholenden Elemente, in diesem Falle das Auftauchen der Schlüssel. Als diese auch bei Unfallopfern in der richtigen Reihenfolge auftauchen, ist der Übergang vom Thriller zum Horrorfilm noch vor dem ominösen Verschwinden der Leichen erfolgt.

Ich habe mich nicht besonders intensiv mit Deutungen und Symbolik dieses Filmes befasst, deswegen frage ich mich im Nachhinein, ob eigentlich eine genauere Deutung in den Geschehnissen zu suchen ist, welche die Figuren überhaupt erst zusammen brachten. Hochwasser, Motel, ein Frauenschuh,... steht das alles für etwas, das es in einer Filmanalyse zu entdecken gäbe, oder wollte der Film lediglich leicht reißerisch beginnen?

Zumindest wurde in der Einleitung richtig ergründet, dass sich alle Figuren gegenseitig beeinflusst haben, wenn auch nicht gewollt, um in diesem Motel zu landen. Immerhin der unbewusste Aspekt der Zusammenführung wird zu einem glaubwürdigen Teil der ansonsten zu Filmzwecken zu stark veränderten Krankheit.

Trotz all des Gemeckers meinerseits muss ich nun aber mal deutlich betonen, dass „Identität“ ansonsten ein gut gemachter Horrorfilm ist, der mit einer tollen Besetzung trumpft, halbwegs clever erzählt ist, wenn in seiner Auflösung auch leider nur halb überraschend und psychologisch mangelhaft. Den meisten Spaß macht der Film nur dann, wenn man sein Gehirn ausschaltet. Eigentlich sollte es bei einem gewitzten Film anders herum sein. sehenswert


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DIE INSEL (The Island 2005 Michael Bay)


Lincoln fristet sein Dasein wie alle Menschen in einem Komplex unter der Erde. Die Oberfläche des Planeten ist unbenutzbar. Es gibt jedoch eine Insel, auf der man leben kann, ein jeder möchte hin, und ein Gewinnspiel entscheidet darüber wer darf. In dieser unterirdischen Welt, in der alles von oben kontrolliert wird, scheint alles zum höheren Zweck perfekt geregelt. Doch Lincoln kommt hinter eine Lüge. Das Gewinnspiel steht für etwas schockierend anderes...


Das Entdecken einer Wahrheit...

"Die Insel" schafft es philosophische und gesellschaftskritische Elemente mit dem Bereich des Actionfilms zu vereinen. Dies wirkt nicht, wie in anderen Besprechungen oft erwähnt, unausgegoren, läuft aber auch nicht wirklich parallel nebeneinander her. Die eine Hälfte des Films setzt verstärkt auf das eine, die andere Hälfte auf das andere. Dies funktioniert, bedeutet aber auch, dass von beidem bedingt weniger vorhanden ist, als in üblichen Filmen jeweiliger Art. Fans von Action und Freunde vom Anspruchsvollem könnten also enttäuscht werden. Zu letzterem muss man aber ohnehin erwähnen, dass „Die Insel“ in erster Linie Popkornunterhaltung sein soll. Und für einen solchen Film ist der Gehalt an tiefsinnigen Themen stark vorhanden. Erst recht wenn man bedenkt wer hier Regie führte.

Die Besetzung kann man als gelungen bezeichnen, höchstens der Quotenschwarze in Form des Jägers ist mittelprächtig besetzt, ist aber ohnehin die eher uninteressanteste, da zu aufgesetzteste Rolle. Der Film selbst ist Kurzweile pur und hält einem, ähnlich wie „Gladiator“, stets den Spiegel unserer Zeit vor, obwohl es in der Geschichte selbst ja um eine andere Zeit geht. In "Die Insel" wird diese Erzählform recht deutlich, wenn z.B. der Firmenchef erwähnt, dass die Ahnungslosen ihre Videospiele und Comics vorgesetzt bekommen, damit sie abgelenkt sind und nicht wissen wofür sie wirklich da sind. Mit Hirn aus guckt man über derartige Sätze hinweg, wer weiß wo heutzutage der Hase lang läuft, erkennt deutliche Kritik an der heutigen Spaßgesellschaft.

"Die Insel" erfindet das Genre nicht nur nicht neu, er bedient sich auch freudig an vielen Filmen seines und verwandter Genres. Ähnlich wie "Matrix" klaut er aber recht gut, so dass er dennoch ein gewisses Niveau halten kann. Ganz klar erkennbar sind Anlehnungen an "Blade Runner" und "Ghost In The Shell" wenn es um die Rechte eines Nichtmenschen geht. Durch das Thema Klonen sind Cyborgs für den Filmbereich relativ uninteressant geworden, und so wechselt nur der Klient, nicht aber das philosophische Thema: Wo fängt Menschsein an, und wo hört es auf?

Die brav gehaltene Gesellschaft in einem eingeschlossenen Komplex, die von den Obrigen angelogen wird ist bei "Flucht ins 23. Jahrhundert" abgeguckt. Die persönlichen Einschränkungen, die unsere Protagonisten erleben dürfen, erinnern stark an "1984", die Bravheit an der das ganze sittlich angelegt ist an "Demolition Man" und die Genetik als Überwachungsinstrument des Volkes an "Gattaca".

Wenn zur 2. Hälfte hin die Action losgeht, erinnert die Art der Verfolgung und der Verfolgten stark an "Der Staatsfeind Nummer 1". Das Simulationsspiel in der scheinbar heilen Welt erinnert an ähnliche Spiele aus "Futureworld", zudem erkennt man hier auch klare Parallelen, wenn das Doubel sein Original trifft, im Vergleich mit "Futureworld" werden die gute und die böse Seite hierbei allerdings vertauscht. Ähnliches sah man zudem in "The 6th Day" und in den "Body Snatchers"-Verfilmungen, die wiederum ein Plagiat von "Puppet Masters" waren.

Der Hintergrund der Lüge erinnert an "Coma", die Art der Lagerung an einen Mix aus "Coma" und "Matrix". Dass reiche Menschen in der Zukunft auf Kosten anderer Menschen länger Leben wollen, wurde schon im eher mäßigen "Freejack" thematisiert. Sprüche a la "Ich habe Dich geschaffen" erinnern sicherlich nicht zufällig an "Frankenstein".

Da kommen schon viele Filme zusammen von denen man sich wie ein Kind im Süßigkeitenladen fleißig bedient hat. Aber auch wenn hier gut geklaut wird, so kann ein Film mit so wenig eigenem Einfluss auch nie zum wahren Cineasten-Tipp werden. Zudem stoßen gerade gewisse Dinge gegen Ende sauer auf. Aus unerfindlichen Gründen bekommt eine Figur Gewissensbisse, was nicht zur Charakterisierung und zur Situation passt, sondern lediglich Hollywood-typische Klischees wiederholt. Die Überprüfung ob man es am Ende mit einem Klon oder dem Original zu tun hat, findet am Armband statt und nicht mit der wesentlich sicheren Methode den Code am Arm zu überprüfen. Auch dass zur Verdeutlichung des Bösen mit Elementen aus der traurigen deutschen Vergangenheit gespielt wird, stößt in einem US-Film sauer auf, da man auch mit Elementen der ebenso bitteren Vergangenheit Amerikas hätte spielen können, anstatt selbstgerecht aufs Ausland zu verweisen.

Außerdem ist der Actiongehalt der zweiten Hälfte eine Spur zu wuchtig ausgefallen, wenn man das Niveau der ersten Hälfte beachtet. Das wirkt nicht wirklich uneins, dafür aber arg unnötig und bremst somit leicht das Sehvergnügen.

Inhaltlich gibt es nicht erst gegen Ende anfechtbare Inhalte:
 
- Ein Konzern mit seinem unschätzbaren Wissen will nur Geld auf die ehrliche Weise verdienen, trotz seiner gesetzlosen Art? Was ist mit den Möglichkeiten Klone als Sklaven oder Sexobjekte an das Ausland zu verkaufen? Was ist mit der Idee aus "Futureworld" hohe Tiere der Gesellschaft durch Double auszutauschen, um noch mehr Macht zu erlangen? Es ist kaum zu glauben dass ein derartiger Konzern nicht zumindest über derartige Themengebiete nachdenken würde

- Die Klone kommen sehr schnell mit der Wahrheit zurecht. Sie können trotz der eigentlich umwerfenden und verzweifelten Situation mit freiem Kopf denken und handeln und bleiben auch Emotional im grünen Bereich. Eine Verwirrung der Sinne und des Gemüts hätten für zusätzlicheSchwierigkeiten und somit für reizvollere Komplikationen in der Geschichte führen können.

- Mal wissen die Klone über etwas bescheid, was sie eigentlich nicht wissen dürften, und manchmal wieder nicht. Dies wird immer so angewendet, wie es Bay gerade passt.

- Dass der Posten des überwachenden Psychiaters auch gleichzeitig der des obersten Firmenchefs ist, ist ebenfalls unglaubwürdig. Ebenso die Idee, dass der Wohnkomplex der Produkte direkt neben den wissenschaftlichen und produktiven Anlagen angesiedelt wurde und dabei noch nicht einmal räumlich richtig abgegrenzt wurde, sprich in verschiedenen Gebäuden getrennt. Außerdem wissen selbst die kleinsten Mitarbeiter über zu viel bescheid. Das ist auch nicht wirklich glaubhaft

- Wie es der Durchschnitts-Ami gerne mag sind Gut und Böse sehr überzeichnet und schwarzweiß gehalten. Entweder ist eine Rolle das eine oder das andere. Und der Versuch mit dem Jäger beides in eine Figur zu integrieren, ist nur billigster Pathos und geheuchelte politische Korrektheit, die ohnehin immer sehr fragwürdig ist

- Wenn Sex verboten ist bzw. verhindert wird und auch Frauen als lebender Organhandel fungieren, wie zum Teufel konnte der Klon einer Kundin dann schwanger werden, damit sie selbst nicht die Schmerzen der Geburt durchleben muss? Möglichkeiten wären gegeben, genannt wird keine.

Dass nicht nur der Konzern fragwürdig ist, sondern auch die Regierung, wird leider kaum ins Auge gefasst. Wenn es ein Gesetz gibt, welches erlaubt geklonte Körper im Koma zu halten um diese auszuschlachten, so ist da doch etwas ethisch unkorrektes erkennbar. Da dieses besagte Gesetz gleichzeitig aber auch verbietet jene Klone richtig leben zu lassen, hat man leider die Möglichkeit eines bösen Endes verschenkt. Man hätte die Klone befreien können, sie hätten in die Freiheit hinauslaufen können, und nun hätte man z.B. Hubschrauber auftauchen lassen können, die diese vernichten. Denn das Gesetz besagt, dass die nun befreiten Menschen illegale Produkte sind, und diese müssen sicher vernichtet werden. Für eine derartige Regierung sind dies keine lebenswerten Objekte, und mit Sicherheit hat man auch bereits in der nahen Zukunft mit Problemen der Überbevölkerung und der damit verbundenen Ernährungs- und Ansiedlungsproblemen zu kämpfen. Die Vernichtung der Befreiten wäre ein hervorragender, schwarzhumoriger und zum denken anregender Schlussgag gewesen.

Im Endeffekt ist „Die Insel“ trotz solcher Mankos und für einen so ungewöhnlichen Mix recht gut ausgefallen, so dass man großzügig über die Kritikpunkte hinweg gucken kann. Wenn ich aber bedenke wie sehr hier die Gesellschaft von heute kritisiert wird und wie oft dies auch in anderen Filmen versteckt getan wird („Gladiator“, „Matrix“, „Donnie Darko“, und endlos könnte die Liste weiter gehen), frage ich mich wann endlich ein Filmschaffender den Mut besitzen mag nicht mehr um den heißen Brei herumzureden und mal ganz offen wagt vom Faschismus heutiger Zeiten zu berichten, ohne dabei in Fiktionen abzudriften.

Aber was soll's! Michael Bays „Die Insel" ist ein unterhaltsamer Film mit mehr Tiefe als man vermuten würde und (etwas zu) viel Action. Das Reinschalten unvoreingenommener Cineasten lohnt in jedem Fall. sehenswert


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SURROGATES - MEIN ZWEITES ICH (Surrogates 2009 Jonathan Mostow)


In der Zukunft benutzen die Menschen im Alltag Roboter, in die man sich einloggen kann und mit denen man das Leben in einer anderen Identität erleben kann. Kaum wer geht noch selbst vor die Tür. Das Benutzen der sogenannten Surrogates ist bisher komplett ungefährlich. Was auch immer dem Roboter passiert, der User befindet sich sicher daheim. Der Cop Tom Greer stößt jedoch auf eine merkwürdige Todeswelle, in welcher User gemeinsam mit ihren Surrogates starben. Anscheinend haben Gegner dieser modernen Art zu leben eine Superwaffe entwickelt. Greer ahnt nicht die Tragweite, die hinter dem Fall steckt, denn scheinbar hat nur der Staat genügend Geld um eine solche Waffe zu entwickeln...


Chatten war gestern...

Wenn man sich die vergangenen Blockbuster der letzten Jahre im Science Fiction-Bereich anguckt, wird man mit Anspruch nicht gerade verwöhnt. Ob „Terminator 4“, „I, Robot“ oder „I Am Legend“, immer gab es Möglichkeiten mit Unsitten der Gegenwart und anderweitigen Missständen zu arbeiten, nie wurde das Gebiet der Gesellschaftskritik ernsthaft angegangen. Science Fiction wurde nach den vorbildlichen 70er Jahren immer mehr zum Unterhaltungsbereich degradiert.

In einer solchen Zeit ist man schon froh, dass so manches Werk zumindest halbwegs das Treiben der Menschen mit kritischen Augen betrachtet. Ausgerechnet Schundfilmer Michael Bay bewies mit seinem „Die Insel“ wie gut sich heutige Sehgewohnheiten mit ein wenig Anspruch vereinen lassen. Dennoch bekommt man heute meist anspruchslosen Kinderkram zu sehen, der oft sogar ins Gegenteil umschlägt, in die gesellschaftliche Fragwürdigkeit, wie z.B. Produktionen wie „Transformers“ zeigen.

Aber ab und an sind sie da, die anderen Science Fiction. Und mit Bruce Willis als Zugpferd war es wieder einmal so weit, dass ein Genrevertreter mit anspruchsvollem Gehalt ins große Kinogeschäft eintreten durfte. „Surrogates“ ist der Name dieses Films, und der hält der Spaßgesellschaft den Spiegel vor.

Nun darf man darüber streiten, ob es einer derartigen Extreme bedarf, das Treiben einer gedankenlosen Generation wiederzuspiegeln. Letztendlich würde dies bedeuten, dass heutzutage noch alles im normalen und vertretbaren Rahmen ablaufen würde. Ob die etwas weit hergeholte Idee von „Surrogates“ also nun eher positiver oder negativer Natur ist im Hinblick auf das Heute, sei zumindest einmal ein wenig kritisch betrachtet. Und dies nicht nur in diesem Punkt.

Im Ansatz ist die Kritik recht gut umgesetzt. Menschen schaffen sich andere Identitäten und gehen kaum mehr aus dem Haus. Mit diesen Identitäten können sie andere Sachen machen als bisher. Dies erinnert stark an zwei fast anonyme Bereiche unserer heutigen Zeit: den Internet-Identitäten in Foren und im Chat und den unsichtbaren Größen in Konzernen. Beide toben sich in ihrer Anonymität aus, meist um Gier zu befriedigen. Die eine Sorte Gier nach Geld, die andere Gier nach geistfreier Unterhaltung und Eitelkeit.

Die Surrogates sind also eine überspitzte Variante heutigem Tuns, und um so verwunderlicher ist die Charakterisierung, die „Surrogates“ vornimmt. Gegner der neumodischen Entwicklung werden als Hinterwäldler dargestellt, während gleichzeitig auf der Fragwürdigkeit der gesellschaftlichen Entwicklung herumgetrampelt wird. Was denn nun? Gibt es gar keine normalen Menschen mehr auf der Welt, oder steht diese merkwürdige Figurenzeichnung dafür, dass der Surrogate-Nutzer doch zu den Normalen gehört, nur dass er mit der Zeit in etwas hineingerutscht ist, das so nicht hätte sein dürfen. Warum sind Freaks anstatt Denker die Boykotierer?

Ein kleiner Schönheitsfehler, den man vielleicht nicht überdramatisieren sollte. Denn in anderen Punkten der Gesellschaftskritik gibt es nichts zu meckern. Die Alternativen, die gegen Surrogates sind, laufen hirnlos einem Prediger hinterher. Das finde ich einen sehr tollen Ansatz, den man häufig beobachten kann. Entdecken Menschen Missstände, glauben sie häufig automatisch der Gegenvariante, so als ob diese automatisch die richtige/bessere wäre. Mit dem Angebot einer anderen Extreme arbeiten Kirchen, Sekten und Politiker seit je her, ein Bereich der im faden „Matrix 2“ übrigens gewitzt eingebracht wurde, um ihn im schlechten „Matrix 3“ wieder komplett zu vergessen.

Schön auch die Gesellschaftskritik innerhalb der in „Surrogates“ angewendeten Optik. Diese wirkt ähnlich dem „Sky Captain And The World Of Tomorrow“ wie durch den Weichzeichner gejagt und erstellt damit ein fragwürdiges Schönheitsideal, das wir heutzutage schon beispielsweise auf den Titelblättern von Programmzeitschriften wie TV Spielfilm und TV Movie entdecken können. Statt Schönheit erleben wir ein verzerrtes Bild dieser. Die Roboter könnten künstlicher nicht aussehen, aber sie werden als attraktiv empfunden.

In diesem Bereich weiß Regisseur Mostow mit den Sehgewohnheiten des Publikums zu spielen, denn er schafft es uns zwei mal diesbezüglich mit Bruce Willis zu schocken. Zunächst sichten wir ihn als widerlichen Roboter mit glattem Gesicht und peinlicher Frisur. Loggt er sich aus, erleben wir einen gealterten Willis, dessen altes Gesicht von einem Bart bewuchert wird. Dieser Mann sieht schwach und ausgelaugt aus und ist somit ein völlig anderer Willis, als wir ihn sonst im Actionbereich erleben.

Unsinnig erschien mir persönlich der Ansatz, das Anwenden der Surrogates hätte zu einem extremen Verbrechens-Rückgang geführt. Man sollte das Gegenteil annehmen, wenn Menschen in andere Identitäten schlüpfen können um sich auszutoben. Das Bild dieses Ansatzes wird zwar krampfhaft aufrecht erhalten, in dem wir erfahren, dass es so etwas wie Anonymität nicht mehr gibt (alles ist registriert und wird überwacht), jedoch bezieht man hier nicht mit ein, dass eine Technik nicht bis zur Ewigkeit von einem Monopol beherrscht werden kann. Gerade der Elektronik-Bereich ist für Dritte schnell verständlich, und so macht es wenig Sinn den Gedanken auszublenden, dass ein Surrogates-Schwarzmarkt entstehen könnte mit nicht registrierten Modellen. Und in diesen Gedanken ist nicht einmal jene Idee einbezogen, dass auch Dritte ein Gerät entwickeln könnten, mit dem man sich in fremde Surrogates einloggen könnte.

Allerdings fällt ohnehin auf, dass die an sich nette (wenn auch überzogene) Grundidee nicht zu Ende gedacht wurde. Warum sollte ein Polizist an einem einzelnen Surrogate hängen? Greer lässt einen Verdächtigen suchen, dieser wird dank des Überwachungsstaates auch schnell ausfindig gemacht, und dann rast der gute Mann durch die halbe Stadt. Warum nicht ausloggen und in ein in der Nähe befindliches Surrogate-Modell einloggen? Würde zwar ein wenig an die Agenten aus „Matrix“ erinnern, wäre aber zumindest nicht unlogisch. Warum ausgerechnet Bruce' Rolle den Verdächtigen fangen muss in dieser kontrollierten Gesellschaft, anstatt irgendwelche Kollegen, ist zumindest eine Idiotie, die man den Sehgewohnheiten zuordnen kann. Eine Lücke entsteht dadurch dennoch.

Fast jede Science Fiction-Geschichte hat ihre Sprünge in der Logik. Das macht Werke wie „Zurück in die Zukunft“ und Co noch lange nicht kaputt. Also gäbe es eigentlich an „Surrogates“ nichts auszusetzen, bei dem wunderbaren Mix an gekonnter Action, hohem Unterhaltungswert, einem gut agierenden Bruce Willis und endlich wieder einer Geschichte, die Kritik am aktuellen Leben ausübt. Was will man eigentlich mehr?

Um so ärgerlicher war es für mich zu entdecken, dass einige Dinge, die für das aktuelle Kino eigentlich selbstverständlich sind, in Mostows Werk schlichtweg ignoriert wurden. Wieso wurde gerade in Zeiten von 3 Stunden-Filmen und dem Standart von 120 Minuten statt den damals üblichen 90, „Surrogates“ zu einem 90-Minüter gestrafft? Es ist geradezu lächerlich zu beobachten, wie Greer ohne echte Gegenwehr und ohne Steine in den Weg geräumt zu bekommen seinen Untersuchungen nachgeht, und auch im Finale einfach so in die Wohnung des Täters einmarschiert, um ihn aufzuhalten.

In den letzten 20 – 30 Minuten geht alles viel zu einfach, die Geschichte wird arg simpel. Sie war auch zuvor nicht sonderlich innovativ, so fleißig wie sie von Werken wie „Flucht ins 23. Jahrhundert“, „Westworld“ und „Flucht aus L.A.“ klaut, aber sie war zumindest gut erzählt. Bruce Willis tappste als verletzbarer Mensch unter Maschinen umher, erwachte aus einer Lethargie, die ihn zum Nachdenken brachte, und seine Ermittlungen machten ihn zum Feind beider Fronten.

Alle drei Faktoren sollten eigentlich in der Zukunftsgesellschaft so schwerwiegend sein, dass ein Kampf zur Erlangung der Superwaffe und den Erkenntnissen hinter den Taten schwer zu bewerkstelligen und aufzudecken sind. Es ist das letzte Drittel, das den Gesamtfilm zu gewöhnlich erscheinen lässt. Und dies hätte sich ausgerechnet durch das Anwenden heutiger Alltäglichkeiten im US-Kino beheben lassen können: verwirrtere Story und längere Laufzeit.

Das liest sich alles schlecht, ist je nach Blickwinkel vielleicht sogar wirklich schlecht zu nennen, wenn man bedenkt, dass der Film für Genrefans mit seinen Wendungen zu vorhersehbar und überraschungsarm daher kommt. Aber „Surrogates“ ist die Action-Variante des Science Fiction, und diesbezüglich gibt es nichts zu meckern. Tolle Effekte (wenn auch einige zum Selbstzweck), wuchtige Action und ein Held alter Schule sind deutliche, wenn auch eher quantitative, Pluspunkte des Streifens.

Nichtsdestotrotz fällt jener Gattung Zuschauer, die es gerne tiefsinniger mag, auf, dass gerade die Schluss-Situation zur interessanteren Geschichte führt, als jene, die wir miterlebt haben. Eine Fortsetzung fände ich sehr reizvoll.

Vielleicht sollte man diese jedoch mit einem anderen Regisseur umsetzen. Mit Ausnahme seines sehr schlechten Frühwerks „Beverly Hills Body Snatchers“ schaffte es Mostow nie mehr als sympathische Routine abzuliefern, seien es Werke wie „Breakdown“ oder „Terminator 3“. Mit den Karten, die der Schluss von „Surrogates“ einer Fortsetzung zuspielt, bräuchte man einen etwas fähigeren Mann.

Zusammenfassend kann man sagen, dass „Surrogates“ trotz vorhandener und geglückter Gesellschaftskritik ein etwas oberflächliches Werk geworden ist, dessen Idee nicht zu Ende gedacht wurde, dafür aber mit anderen cleveren Dingen punkten kann, wie beispielsweise mit der Auflösung des wahren Täters. Seine Beweggründe erinnern an Missstände heutiger Tage, und man darf es wohl als Ironie betrachten, dass man diesbezüglich als erstes an die Untaten des Disney-Konzerns denkt, ausgerechnet jener Filmfirma, die für „Surrogates“ verantwortlich war.

Trotz aller Defizite macht Mostows Film Spaß. Er wird nie langweilig, ist rasant erzählt, bietet auch ein wenig etwas für den Kopf und schwelgt in einer psychologisch pfiffigen Optik. Dennoch sollte man seine Erwartungen nicht zu hoch schrauben. Ein versimpeltes letztes Drittel und andere Schwächen reduzieren „Surrogates“ zu einem angenehmen Routine-Film, ein Ergebnis das nicht hätte sein müssen. unterhaltsam


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