Schlombies Filmbesprechungen auf Facebook:

Dienstag, 31. Dezember 2013

LIVID - DAS BLUT DER BALLERINAS (Livide 2011 Alexandre Bustillo u.a.)


Drei junge Leute steigen in eine abseits gelegene Villa ein, deren Besitzerin seit Jahren im Koma liegt und angeblich im Besitz eines Schatzes sein soll. Recht bald bricht das Grauen über die Besucher herein...  


Eine Koma-Oma weiß sich zu wehren...

Französisches Kino, ein Szenarien-Mix aus „Suspiria“, „Das Haus der Vergessenen“ und „Mercy Falls“ mit solch wunderbarer Ideen wie eine im Koma liegende alte Dame, einer Pflegerin mit morbidem Hobby und einer Inneneinrichtung die vor skurriler Einfälle nur so strahlt (bzw. nicht, das Haus ist ein düsterer Ort). 

Mit all diesen Zutaten funktioniert die erste Hälfte des Streifens dank stimmiger Inszenierung auch ganz gut, auch wenn mit der Zeit auffällt, dass mit den Figuren trotz intensiver Einführung und erstem Interesses dann doch nicht so viel anzufangen ist wie erhofft. Aber die restlichen Inhalte schließen sich mit etwas Verzögerung diesem traurigen Zustand an. 

Anstatt den tollen Ideen einen interessanten Hintergrund zu verleihen, konzentriert man sich auf morbide, teilweise recht blutige Geschehnisse, die immer ein bisschen Rätsel bleiben, dank der Esoterik-Schiene, mit welcher jede Logik und Gesetzmäßigkeit außer Kraft gesetzt wird, jedoch auf die unangenehme Art, da Zusammenhänge nicht deutlich werden wollen und der Fantasy-Horror-Mix damit zu willkürlich wird und sich schließlich in phantastischer Belanglosigkeit auflöst. 

„Livid“ ist keiner dieser schlechten Filme die zu langweilig währen um das Ende nicht mehr miterleben zu wollen, in technischer Umsetzung ist er dank einiger künstlerisch wertvoller Aspekte sogar recht ansehnlich, aber er ist jene Art missglücktes Kino das sich neben fehlender Charaktertiefe einen Scheiß um Substanz und eine interessante Geschichte kümmert. Völlig verschenkt!

BRUCHREIF (The Maiden Heist 2009 Peter Hewitt)


Da ihre Lieblingsstücke ans Ausland verkauft werden, planen langjährige Mitarbeiter eines Museums einen Diebstahl ihrer liebsten Kunstwerke...


Die Liebe zur Kunst...  

Da holt man sich Morgan Freeman, Christopher Walken und William H. Macy an Bord für eine Geschichte um charmante alte Herren, die im Alter ein Verbrechen planen, und dann verschenkt man die Möglichkeiten an einen Plot wie er nicht noch mehr 08/15 sein könnte. Um so erstaunlicher ist das nüchterne Ergebnis, wenn man bedenkt dass Freeman sogar als Produzent mit an Bord sprang, scheinbar überzeugt der Stoff könne was bieten. 

Stimmt theoretisch schon, aber dann hätte man auch ein Drehbuch benötigt, dass mehr Ideen gehabt hätte als jene die den Auslöser allen Geschehens darstellt. „Bruchreif“ kommt nicht zu Potte, schafft es aber immerhin dank sympathischer Charaktere über die Ziellinie, ohne dass man vor Müdigkeit vorzeitig ausschalten muss. Interesse weckt die Geschichte nach etwa 20 Minuten aber leider nicht mehr. 

Den Schauspielern sieht man ihre Unterforderung an, und der lobenswerte Aspekt wieder mehr Respekt vor Kunst in einer von Wirtschaftsinteressen dominierten Welt zu haben geht fast unter in einer sich an Nichtigkeiten klammernden Geschichte. Das beste am Film ist noch sein deutscher Werbespruch: „Sie sind keine schlechten Menschen - nur schlechte Diebe“.


Weitere Reviews zum Film:

CHILLERAMA (2011 Adam Green u.a.)


Ein Autokino wird geschlossen, also lässt der Betreiber ein paar besondere Kurzfilmperlen auf die Besucher los, die uns in einzelnen Episoden vorgestellt werden...


Treffsicher daneben...  

Ein "Godzilla"-ähnliches Monster-Sperma, Hitler der einen Toten wiedererweckt und ein schwuler Werwolf, das klingt alles ziemlich lustig und kultig, ist aber nicht die Art Trash geworden, die meinem Geschmack entspricht. Mal ganz davon abgesehen dass die dritte Idee vom besseren „Curse Of The Queerwolf“ abgeguckt ist, schaut sich „Chillerama“ trotz Genre-Kenntnis und sogar häufig geglückter Verweise selbst auf seine Ideen hin gesehen viel zu infantil. 

Da werden falsche Schwerpunkte gesetzt, welche die beim Massenpublikum sicherlich ankommen, aber weder bei mir noch bei meinen mitleidenden Stammzuschauern in vertrauter Trash-Runde. Mit Sex- und Fäkalwitzchen wird es derbst übertrieben, die Rahmenhandlung nervt extremst, und der Tiefpunkt nach der als solchen vermuteten Schwulenstory ist die glücklicher Weise kürzeste Episode, in der es um Scheiße im wahrsten Sinne des Wortes geht. 

Ziemlich gelungen ist hingegen der vor einfallsreichen Einfällen sprudelnde Hitler-Kurzfilm, an dem es kaum etwas zu meckern gibt. Der Rest ist jedoch derart unterirdisch, dass ich auch mit Wohlwollen keine netteren Worte über "Chillerama" äußern kann. Übler Schund!

Montag, 30. Dezember 2013

WELT OHNE MÄNNER (2012 Michael Satzinger)


Hat der Mann eine Zukunft in der Evolution?... 


Als die Männer noch Schwänze hatten...

Der Film geht einem provozierenden, vielleicht etwas zu spekulativen aber auch sehr interessantem Thema nach, auch wenn er den Zuschauer ein wenig austrickst, um sein Ziel zu erreichen. Das kann man jedoch nicht näher erläutern ohne zu spoilern, und das sei den Verantwortlichen von „Welt ohne Männer“ auch verziehen, denn die Frage nach der Zukunft des Mannes wird in vielerlei Hinsicht beleuchtet, mit Statistiken und Forschungen untermauert und teilweise auch recht spielerisch angegangen in kurzen Themenbereichen über die Robotertechnik und über Verschwörungstheorien. 

Im Kern ist der Film jedoch eine ernstzunehmende Dokumentation die immer sachlich und objektiv bleibt. Diskutiert wird über Ursachen niedriger Geburtenraten von Jungs, verschiedene Theorien bekommen Gehör, Gegenstimmen werden ebenso beachtet. Selbst der Frage eines möglichen dritten Geschlechts geht der Film nach, aber da befindet er sich bereits in einer Phase, in welcher die Dokumentation etwas nachlässt. 

Der Tiefpunkt ist schließlich ein esoterischer Versuch den Mann per Legendenbildung in Erinnerung zukünftiger Generationen bleiben zu lassen, und das erscheint schon arg gewollt. Zwei Drittel der Dokumentation sind dafür aber um so interessanter anzuschauen, so dass „Welt ohne Männer“ trotz schwachem Finales ein Tipp meinerseits bleibt.


DER KOMET (Night Of The Comet 1984 Thom E. Eberhardt)


Ein Komet zerstört fast das komplette Leben in Amerika. Zufällig haben ein paar Teenager überlebt, und die müssen sich in der kaputten Welt nun mit gewaltbereiten Mutanten herumschlagen... 


Kinos fördern die Gesundheit...

Der sehr unbekannte Science Fiction-Horror „Night Of The Comet" (Originaltitel) ist ein netter, kleiner B-Film, den man nicht zu ernst nehmen sollte. Er selber tut es auch nicht, kommt aber nie in Versuchung albern zu werden. Klar ist dies nur eine Teenie-Variante von "Der Omega Mann", dessen Klasse nicht erreicht wird, "Der Komet" bietet aber anderen Charme. 

Die Geschichte ist in der ersten halben Stunde flott eingeleitet. Man weiß schnell was los ist. Die Darsteller überzeugen allesamt nicht wirklich, ebenso wie die Kometeneffekte und der darauf folgende rote Himmel. Alles wirkt nicht wirklich echt. Und dass der Film dennoch Spaß macht, hat nichts mit unfreiwilliger Komik der eben erwähnten "Mankos" zu tun. Der Fakt warum der Film dennoch oder gerade deshalb funktioniert ist der, dass er sich wie ein Comic Strip guckt. 

Alles ist übertrieben und grotesk, alles hat B-Film-Charakter. Im Mittelteil schwächelt der Streifen etwas, im letzten Drittel bekommt er noch einmal richtig Schwung. Die Mutanten sind putzig zurecht gemacht, die Musik ist nervige 80er-Musik ohne individuellen Charme und Kelly Maroney wird uns so attraktiv präsentiert wie in "Shopping" und "Zero Boys", ohne dass sie es ist. Wer ohne zu viel Erwartung heran geht kann gut unterhalten werden. Der merkwürdige Humor in der Abschluss-Szene des Films ist das einzige was mir ernsthaft, trotz Comicniveau, am Film nicht gefiel.

SHOPPING (Chopping Mall 1986 Jim Wynorski)


Teenager dringen nachts in ein Shopping Center ein um dort eine Party zu feiern. Neuerdings wird dieser Ort von Robotern bewacht, und deren Programmierung erleidet nach einem Blitzschlag im Zentralrechner einen Schaden...


Drei Roboter auf Teenie-Jagd...  

Nummer 5 lebt“ auf Horrorbasis, so lässt sich „Shopping“ ziemlich gut beschreiben. Dass der B-Film um mordende Überwachungsroboter ein ziemlich hohles Grundthema bietet und Unlogiken sich nicht verstecken, stört nicht weiter. So ist das halt meistens bei B-Filmchen und trotzdem wissen sie zu unterhalten. So auch „Shopping“, der ein Tempo an den Tag legt, das nicht von schlechten Eltern ist. 

Da hier häufig geballert wird und der Spannungsbogen die Routine nie übersteigt, ist er eher dem Horror-Action-Genre zuzuordnen. Blutig ist er auch, aber diese Szenen sind über den kompletten Film schön verstreut und kommen nicht Schlag auf Schlag. Die Darsteller sind nicht gerade überzeugend, was nicht schlimm ist, da die Roboter hier Schauwert sind. Sie sehen ganz nett aus und sind in ihren Möglichkeiten der Bekämpfung auch nicht uninteressant. Das sorgt für Abwechslung in einem Film mit kurzer Laufzeit, so dass Längen gar nicht erst aufkommen können. 

Da kann auch der monotone Soundtrack nichts gegen wirken, zumal er meiner Meinung nach atmosphärisch auf seine technische 80er Jahre-Art den Film unterstützt. Da der Abspann beim Benennen der Darsteller einen der schönsten schwarzhumorigen Gags bereit hält, empfehle ich unbedingt auch ihn zu gucken. So oder so: Freunde von charmanten Billigfilmchen der 80er Jahre kommen an „Shopping“ nicht vorbei.

EVOLVER (1995 Mark Rosman)


Ein Teenager gewinnt einen Roboter, mit dem man zu Hause ein Actionspiel spielen kann. Allerdings nimmt die Programmierung des Roboters das Spiel viel zu ernst und der Teenager und die Leute aus seiner Umgebung befinden sich in Lebensgefahr...


Wollen wir spielen?...  

Die Geschichte könnte konstruierter und unsinniger nicht sein. Und innerhalb der Story häufen sich noch mehr Unlogiken und schundige Ideen. Auf seine komplett naive Art weiß „Evolver" aber trotzdem zu unterhalten in einem ominösem Mix aus freiwilligem Trash und unfreiwilliger Komik. 

Die Darsteller spielen nett, haben mit Ethan Embry ohnehin einen Sympathisanten an Bord, auch wenn das Drehbuch diesbezüglich unbewusst gegensteuert. Der Spannungsbogen ist für diese Art Film nicht ohne, der Actionbereich schließt sich diesem an. Der Roboter besitzt ein tolles Design, welches sich pro erreichtem Level immer wieder ändert. 

„Evolver“ erzählt freilich nichts, was man als erfahrener Dauergast in diesem Genre nicht ohnehin schon erwartet oder woanders ähnlich bereits gesichtet hätte, und der Grund warum Evolver so gefährlich ist taucht auch nicht erstmals in einem Horrorfilmen auf. Dennoch bietet er flotte Unterhaltung für Leute mit simplem Gemüt, die sich damit begnügen können in Sachen Logik mindestens 1 Auge zudrücken zu können und die auch gerne mal ausgelatschte Pfade betreten. Da das Subgenre Roboter-Horror jenseits der Cyborg-Thematik auf dem Videomarkt ohnehin so rar vertreten ist, schlage ich diesen Pfad gerne ein.


Weitere Reviews zum Film:

SPOOKIES - DIE KILLERMONSTER (Spookies 1986 Thomas Doran u.a.)


Ein Mann erweckt Monster, um mit deren Hilfe Jugendliche, die auf sein Anwesen eingedrungen sind, dafür zu nutzen seine verstorbene Geliebte ins Leben zurück zu rufen...


Monster House...  

Zugegeben, „Spookies“ bietet tolle Monster und anderweitige interessante Effekte, mehr als bei B-Filmen dieser Zeit üblich waren, aber was nutzt diese Besonderheit, wenn einen von allen Seiten nur Blödheit anstrahlt? Nicht nur dass vieles zusammenhanglos wirkt und ist, das komplette Werk ist dümmlich ausgefallen. 

Die Charaktere werden nicht nur doof eingeführt, sie verhalten sich auch viel zu wunderlich, dumm und unrealistisch, als dass man eine Identifikation mit ihnen aufbauen könnte. Sie reden widersprüchliche Dinge und handeln auch so. Und wenn dann doch mal ein Hauch von Atmosphäre aufkommt, wie z.B. in der Kellerszene mit bösen Sandzombies, dann wird diese auf unsinnigste Art zunichte gemacht, in diesem speziellen Fall z.B. mit der akustischen Untermalung von Pupsgeräuschen. Da verliert man ernsthaft den Glauben am Verstand der Verantwortlichen. Die zugrunde liegende Geschichte ist schon mangelhaft genug, aber das ganze sinnlose und schlecht umgesetzte Drumherum machen dieses Werk einfach unausstehlich. 

Freunde von einfallsreichen Monstern sollten mit Hilfe der Vorspultaste ruhig trotzdem mal reinschauen. Oder Ihr macht Euch im Netz mal auf die Suche nach gelungenen Screenshots. Andererseits könnte man dabei auch das Heulen kriegen, wenn einem wieder bewusst wird, für welch uninspiriertem Scheiß sich beim Kreaturendesign so viel Mühe gegeben wurde.

PANS LABYRINTH (El Laberinto del Fauno 2006 Guillermo del Toro)


Die kleine Ofelia flüchtet sich in eine Fantasiewelt, während im richtigen Leben noch immer der offiziell eigentlich seit Jahren beendete Krieg tobt, an dem ihr gewaltbereiter Vater als Hauptmann beteiligt ist...


Ofelia im Wunderland...   

Welch ein wundervoll getrickstes Drama! Die Kreaturen sind genauso phantasievoll umgesetzt, wie die brutalen Effekte in der Realität. Der Kinderfresser sei hierbei auf der einen Seite hervorzuheben und die brutale Attacke auf den Hasenjäger auf der anderen Seite. Die Schauspieler agieren alle glaubwürdig, damit wirkt der dramatische Film freilich besonders emotional auf den Zuschauer. 

Neben dem dramatischen Part sorgt gerade die Präsenz des Pans für ein zwiegespaltenes Gefühl. Man traut ihm nicht wirklich zu auf der guten Seite zu stehen, und diese Verwirrung gibt dem Film einen gewissen Spannungsgehalt außerhalb der ohnehin schon vorhandenen Spannungselemente Hofverrat, böser Stiefvater, fremde Welten oder Vertrauensbruch. „Pans Labyrinth“ weiß auf niveauvolle Art richtig schön zu unterhalten. 

Einzig der etwas krude Mix aus Fantasy und Kriegsdrama stößt etwas sauer auf, dies aber auch nur weil ich die Fantasyelemente als etwas symbolisches und nichts tatsächliches betrachte. Da verwundert der Offkommentator zu Beginn und am Ende doch sehr, der dem Zuschauer diese Geschehnisse als real verkaufen will. Ohne diesen Kommentar ließe sich der Film viel vielschichtiger deuten und diskutieren. Er besäße mehr Substanz und wäre damit konsequenter. Das mag für viele ein banaler Grund sein, für mich ist es das entscheidende Element, das den Film von großem Kino mit Anspruch auf kurzweilige Unterhaltung mit Anspruchsgehalt reduziert.

INSEL DER DÄMONEN (1998 Andreas Bethmann)


Auf einer kleinen Insel in der Nähe Italiens erwecken Urlauber versehentlich Dämonen...


Im Urlaub einen Film gedreht...

Es gibt ja bekannter Weise Ansichtskartensammler. Sollten Sie, lieber Leser, zu dieser Gruppe Mensch gehören, die dieses Hobby betreiben, oder sollten Sie Urlaubs-Werbevideos aus dem Reisebüro für das höchste Gut an filmischer Unterhaltung empfinden, dann könnte ihnen "Insel der Dämonen", oder "Rückkehr der Dämonen" wie er alternativ auch genannt wird, durchaus gefallen. 

Nach der Ansicht nicht enden wollender Bilder Italiens müssen Sie nur noch über die selbst für Amateurfilm-Verhältnisse unterirdischsten "Schauspieler" hinwegsehen, was zumindest in der ersten Hälfte nicht schwer fällt, sind doch ohnehin kaum welche zu sehen. Dem echten Fan solcher Urlaubsbilder werden auch sicher schlechte Spezialeffekte und die unterirdische Regie nicht stören. Und seien wir einmal ehrlich: sind solche Fans nicht selbst fleißige Videofilmer im Urlaub, die mit der Kamera auch nicht viel mehr anzufangen wissen, als endlose Strände zu filmen oder aber höchstens noch das Panorama drum herum? 

Nun, Herr Bethmann, der Regisseur dieses Streifens, wusste trotz guter Kulisse und wenigstens einem Hauch an Geld und Darstellern auch nicht sehr viel mehr mit seiner Kamera an- bzw. einzufangen. In der Gruppe der Gähnfilme kann sich dieses Werk ganz nach oben einreihen, irgendwo zwischen Filmen des Softerotikfilmers Hamilton und heimlich mitgeschnittene Videoaufnahmen eines Versicherungsseminars.


MEISTER DACHS UND SEINE FREUNDE (Once Upon A Forest 1993 Charles Grosvenor)


Drei tierische Waldbewohner ziehen hinaus in die Ferne, um eine seltene Pflanze zu suchen, die ihrer nach einem Unfall verletzten Freundin dabei helfen soll wieder gesund zu werden...


Im Wald wie auf dem Aktienmarkt: Mit dem Dachs geht's rauf und runter...  

Was soll dieser Film? Die Geschichte ist zu kompliziert für die kleinen Kinder (die mit angeschnittenen Themen wie Gospelgesang und Rheuma nichts anfangen können) und zu brav für die größeren. Im groben könnte man die Geschichte als einen Mix aus "In einem Land vor unserer Zeit" und "Asterix in der Schweiz" vergleichen. Die eher lahme Geschichte ist witzarm erzählt, wechselt pseudo-dramatische Szenen mit möchtegern actionhaltigen (Vogelattacke, ...) und leidet unter einer zu gewollten Sozialkritik. Nichts von Letztgenanntem wirkt ehrlich. Frei nach dem Motto: die Kinder werden schon fressen was wir ihnen vorwerfen. 

Die Zeichnungen wirken wie aus einer Zeichentrickserie entliehen, sind also auch nicht der Erwähnung wert, erst recht für einen Kinofilm. Die Charakterzeichnung der Figuren ist schlicht, und wieder einmal dachten die Verantwortlichen des Streifens es müsse unbedingt Musik eingebaut werden, weil is‘ ja Zeichentrick, gell?. Tja, und wer sollte bei all dem Jammern noch staunen, wenn ich nun verrate dass auch diese Lieder maximal als routiniert bezeichnet werden können. 

Man kann Kinder zwar bedenkenlos vor dieses Filmchen setzen, aber wieso sollte man das tun, wenn es so viel brauchbare Konkurrenz gibt, die eher auf Kinder verschiedenen Alters zugeschnitten sind. Da man den sicheren Weg wählte und sich stets von Altbewährtem schlecht inspirieren ließ, bleibt das ganze Werk dennoch gerade eben noch guckbar.

LAUREL AND HARDY - DIE KOMISCHE LIEBESGESCHICHTE VON "DICK UND DOOF" (2011 Andreas Baum)


Der Film verfolgt die Karrieren von Stan Laurel und Olivern Hardy von ihren Anfängen bis hin zu ihren Nachwirkungen und dem Leben der beiden Stars im Alter...


Gern unterschätzte Genies...  

Man mag sich mit dem Thema noch so sehr beschäftigt haben, diese Doku ist trotzdem einfach unglaublich. Hier gibt es eine Informationsschwemme die es in sich hat. Vieles von dem hier erzählten kann man kaum glauben, so aufregend ist die Geschichte um zwei Kollegen die zu Freunden wurden. 

Mit allerhand Archivmaterial zeigt der Film uns die Menschen hinter dem Projekt „Dick und Doof“ mit allen Freuden und Schwierigkeiten und nicht selten emotional gehalten. Gegen Ende dürfen einem zu Recht die Tränen kommen, geht der Film wie jede Biographie doch auch dramatische Wege. Um so genialer ist es mit anzusehen, was für ein Optimist Multitalent Stan Laurel war, ein Mann, der Pantomimen von heute noch immer als Vorbild dient und mit Ideen seines Partners Hardy immer mit Respekt umgegangen ist. 

Viel wichtiger ist jedoch, dass der Film beleuchtet dass die Dick und Doof-Komik weitaus mehr war, als der Klamauk auf den er selbst heute noch all zu gerne reduziert wird. Erst kürzlich las ich eine Rezension, in welcher die Warmherzigkeit der Komik gar nicht verstanden wurde und dem Duo eine Art Böswilligkeit in ihrem Humor unterstellt wurde. Das ist freilich Blödsinn, und der Dokumentarfilm „Laurel und Hardy“ hilft einem dabei das Komiker-Duo, ihren Humor und die Menschen und Situationen hinter ihren Filmen besser zu verstehen.


JOY RIDE 2 - DEAD AHEAD (2008 Louis Morneau)


Als eine Gruppe Teenager sich nach einer Autopanne aus der Not heraus aus dem Schuppen eines leer stehenden Haus im Nirgendwo ein Auto borgt, ahnen sie nicht, dass sie es einem psychopathischen Truckfahrer entwendet haben... 


Teddy 1-4 ruft rostigen Nagel...

Bis auf eine relativ kurze Szene, in welcher der Laster einen kleinen PKW auf einer einsamen Straße von hinten attackiert, hat das ganze mit dem Vorbild „Duell“ von Steven Spielberg nichts mehr zu tun. Das ist auch besser so, kommt doch „Joy Ride 2“ nicht nur nicht an dessen Niveau heran, er tut sich trotz kurzweiliger Inszenierung auch schwer das Ziel der Zwischendurch-Kost für Horror-Fans zu erreichen. 

Wir erleben hier allesamt unsympathische Charaktere, denen man schnell den Tod wünscht, ganz besonders dem glatt gelackten Heldenpärchen, dessen Final Girl, eine Person zu der man eigentlich halten soll, faschistische Charakterzüge offen legt, wenn sie ein Menschenleben über das eines anderen stellt und einen Mitreisenden deshalb in dessen Unglück stößt. 

Dass sie und ihre drei Begleiter es aber ohnehin nicht so mit denken haben, zeigt der völlig unsinnige Plot, in dem man spätestens nach dem Wunsch des Psychopathen, dass eine der Mitreisenden sich ihren Finger abschneiden soll, noch immer damit rechnet einen entführten Freund lebend wiederzusehen, wenn man auch bloß alle Wünsche des Entführers erfüllt. Wer läuft da bitte nicht zur Polizei? Was die Schluss-Szene soll, die einen Teil 3 ankündigt und im kompletten Widerspruch zum auf Folterfilm getrimmten Finale steht (anbei die angenehmste Phase des Streifens), muss mir auch noch wer erklären. 

Man war das ein dümmlicher Film. Schade, wusste er vom Tempo her doch eigentlich routiniert zu unterhalten. Doch ab einem gewissen Grad Schwachsinn muss ich dann doch mal passen, erst recht wenn die Mentalität und Moral eines solchen Filmes hochgradig fragwürdig ist.


Weitere Besprechungen zu "Joy Ride 2":

BLOOD SNOW (Necrosis 2008 Jason Robert Stephens)


In einer einsamen Hütte mitten im Schnee, ist eine Gruppe junger Leute durch einen draußen wütenden Schneesturm gefangen. Nicht jedem bekommt das Gefühl der Gefangenschaft. Und vor Ort soll es schon des öfteren zu Morden durch Wahnsinn gekommen sein...


Ganz dünner Schnee...  

Ursprünglich als „Necrosis“ erschienen, gab man dem Film aufgrund des Erfolges von „Dead Snow“ den neuen Titel „Blood Snow“, auch wenn das eine Werk mit dem anderen lediglich den Schnee und eine kleine Hütte in der Einöde gemein hat. Zunächst baut die Geschichte auf einer Legende auf, die in Amerika etwas berühmter zu sein scheint, jedoch nutzt man diese nur als Aufhänger, gebraucht sie nicht für den wirklichen Horrorpart, und der ist ohnehin mehr als dürftig ausgefallen. 

Eigentlich passiert nicht viel, ewiges Hinhalten steht auf dem Programm, und wenn der Film einmal vorbei ist, darf man sich zu Recht wundern, was der Streifen als Highlight bietet, hätte man die erzählte Horrorgeschichte doch eher als Vorgeschichte vermutet. Das fertige Ergebnis ist letztendlich eine Art „Shining“ ohne gute Darsteller, wie erwähnt im Hinhaltemodus erzählt, angereichert ohne Spannungsbogen und trotz des hohen FSK-Siegels auch ohne Schauwert für Film-Freunde die es gerne blutig mögen. 

Erstaunlich dass man bei so einem ereignislosen Film als Zuschauer die Ziellinie erreichen kann. Dass ich dies geschafft habe, verdankt der Streifen jedoch eher der dünnen Love Story am Rande, die trotz ihres unteren Durchschnitts von allen Bereichen her am besten unterhalten hat und dies trotz unangenehmer Charaktere. Dass genau jener Part im direkten Vergleich trumpft, ist freilich ein Armutszeugnis für einen Horrorfilm.  „Shining - Die Entscheidung“ (Alternativtitel) braucht man wirklich nicht gesehen haben. Langweilen kann man sich auch auf anderem Wege, wenn man es denn unbedingt möchte.


Weitere Besprechungen zu "Blood Snow":

Trailer,   OFDb

MYSTERIOUS PLANET (1982 Brett Piper)


Fünf flüchtige Verbrecher sind mit einem Fluggleiter unterwegs, den sie nicht unter Kontrolle haben, und der auf einem unbekannten Planeten kracht. Dort versucht man sich mit den Begebenheiten vor Ort zu arrangieren...


Planet ohne Affen...  

Dies ist also das Filmchen, mit welchem Billigfilmer und Stop Motion-Fetisch Brett Piper einst seinen Einstieg ins Filmgeschäft ablegte, ein Mann dessen Filme nie wirklich gelungen sind, der aber neben zu routinierten Werken („Arachnia") auch gerne mal einen kurzweiligen abliefert, so z.B. geschehen mit seinem Folgefilm „Kampf um den verlorenen Planeten“. Der sprühte aber auch vor Witz, eine Zutat die Piper auch in Zukunft noch gerne für seine Filme verwenden sollte, „Mysterious Planet“ fehlt dieses Drehbuchelement jedoch noch komplett. Und die lahme Amateur-Schauspiel-Crew sieht sich nicht in der Lage spontan das maue Rezept mit Humor anzureichern. 

In der Theorie mangelt es an interessanten Ideen nicht, aber Piper hätte sich Ziele setzen sollen, die man im Amateurfilm auch erreichen kann. Um die Ideen des hier vorliegenden Filmes würdig umzusetzen, hätte er zumindest das Budget seines zweiten Filmes „Kampf um den verlorenen Planeten“ benötigt. Wir sprechen hier also nicht von viel mehr Geld. Das wird er damals jedoch nicht gehabt haben, also wäre ein schlichteres Drehbuch wünschenswert gewesen. 

Einzig das Alien und seine Mentalität weiß den Sprung von der Theorie in die Praxis zu schaffen, der hätte ruhig etwas mehr Screentime beschert bekommen können. Und die noch recht unterdurchschnittlichen, aber dennoch charmanten Stop Motion-Momente, wissen auch kurzfristig zu unterhalten. Aber ansonsten ist „Star Odyssey“ (Alternativtitel) viel zu langweilig ausgefallen und scheitert an seinen zu hohen Zielen.


Weitere Reviews zum Film:

OFDb

EQUINOX (1970 Jack Woods)


Als ein paar Studenten ihren Professor für ein Picknick besuchen wollen, ist dieser verschwunden. Auf der Suche nach ihm geraten sie an ein unheimliches Buch... 


Tanz der Monster...

„Equinox“ ist ein Film, der von einem Kurzfilm zu einem Langfilm aufgeblasen wurde, weil einem Geldgeber das kurze Original so gut gefallen hat. Wie auch immer das geschehen konnte, ich weiß es nicht. Mir fehlt die Phantasie ihn mir als gelungenen Kurzfilm vorzustellen, die Langfassung ist nämlich unnötig wirr erzählt mit Rückblicken in Rückblicken, verfügt über keinerlei sinnvollen Storyverlauf und halbwegs rational denkende Helden, was man jedoch meinen sollte, wenn man eine Geschichte über eine Gruppe Studenten erzählen will, die später einmal Wissenschaftler werden wollen. 

Trotz putziger Stop Motion-Monster, einem bösartigen Buch im Zentrum der Geschichte und manch netten Einfällen welche Eigenschaften dieses Buch besitzt, weiß man wirklich gar nichts aus dieser Rezeptur herauszuholen. Die Charaktere sind uninteressant, ihre unsinnigen Dialoge sind es noch mehr und am Ende sitzt der Zuschauer mittendrin in einem großen zum Schnarchen animierenden Stück Langeweile, dem man nicht einmal mehr jenen Respekt zugestehen möchte, der einer jeden Amateurproduktion zusteht: das hohe Engagement aller Beteiligten und die (meist unbezahlte) Mühe die hinter all diesem Treiben steckt. 

Ich dachte vor dem Sichten von „Harry und der Zauberring“ (Alternativtitel) er wäre selbst in misslungenem Ergebnis noch immer halbwegs interessant. Da habe ich mich aber mal ganz gewaltig getäuscht.


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Trailer,   OFDb

CLAUSTROFOBIA (2011 Bobby Boermans)


Eine junge Frau bezieht gerade frisch eine neue Wohnung, da wird sie kurz darauf entführt und erwacht in einem Keller, nichts ahnend was der unbekannte Täter, der sie dort hält, von ihr möchte...


Abgestandener Käse aus Holland...

Eine durchschnittliche, aber nicht uninteressante Geschichte, die zum modernen Folterfilm hätte verkommen können, diesen Bereich aber nicht mal im Ansatz streift, sondern sich stattdessen auf den Thrill-Bereich konzentrierend, wird uns aus dem experimentierfreudigen und im Vergleich zur US-Ware hemmungslosen Holland präsentiert, so dass man trotz des reißerischen Covers und der routinierten Story doch ein wenig neugierig wird, ob aus dem Stoff ein sympathisches, kleines Filmchen gezaubert wurde. 

Der Einstieg ist dann auch gelungen, trotz des selbst für ein Kind viel zu bösartigen Treibens des Mädchens, welches der Drehbuchautor dafür nutzt uns im Laufe der Geschichte eine Überraschung zu zaubern, für alle die dachten sie wüssten warum die Heldin gefangen gehalten wird. Mit dieser Wendung bekommt „Claustrofobia“ zwar endlich etwas mehr Sinn, nachdem man diesen in der langen Phase davor verzweifelt gesucht hat, aber gerettet bekommt Regisseur Bobby Boermans sein Werk damit trotzdem nicht. 

Der Entführer ist zu schnell enttarnt und noch früher vom Zuschauer erraten, dem schon zig mal ähnlich erzähltem Treiben fehlt ein Spannungsbogen, zumal der Peiniger eigentlich keiner ist und sehr zahm mit der Entführten umgeht. Zudem krankt „Claustrofobia“ an Vorhersehbarkeit, hat das Drehbuch doch keinerlei Trümpfe in der Hand, die dieses elende Stück Durchschnittskost auf irgend ein höheres Level hiefen könnte. 

Wirklich langweilig war der Film nicht, aber man fragt sich am Ende schon warum heutzutage noch irgendwer eine solche Geschichte derart ereignislos verfilmt bei all den Konkurrenzprodukten gleichen Inhalts. Und wieso fällt ein Thriller aus den Niederlanden so US-amerikanisch brav aus? Machen die jetzt auch einen auf US-anbiederndes Kino a la Deutschland?


Weitere Reviews zum Film:

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PRIMAL (2010 Josh Reed)


Eigentlich wollte eine Gruppe Studenten lediglich eine Höhle erforschen, aber als einer von ihnen überraschend krank wird, mutiert er nach und nach zu einem aggressiven Urmenschen, der zur Gefahr für die ganze Gruppe wird... 


Urinstinkte...

Aufgrund der vielen Ideen die „Primal“ innerhalb seiner schlichten Geschichte zu bieten hat, wäre mehr Potential als erreicht vorhanden gewesen. Aber auch wenn diese Ideen bloß angeschnitten werden, so weiß „Primal“ doch noch immer kurzweilig zu unterhalten, freilich nicht ohne kurz darauf wieder vergessen zu werden. Aber er macht Spaß, zumal er sich trotz des Streifens des Zombie/Mutanten-Genres frischer guckt als die ganzen durchschnittlichen Horrorfilme, die sich eine gern erzählte Nische schnappen um darauf ohne eigene Ideen mitzureiten. 

Nicht immer macht alles Sinn, das Handeln der Protagonisten mit eingeschlossen, aber für einen kleinen Horrorfilm für zwischendurch geht die Dosis Unsinn in Ordnung, wird sie doch aufgefangen durch bereits erwähnte gute Ideen, überzeugende Schauspieler, geglückte Spezialeffekte, einer flotten und gleichzeitig stimmigen Inszenierung und... man darf staunen... sogar einem vorhandenen Spannungsbogen, der nun nicht gerade Nervenkitzel beschert, aber zumindest durchschnittlich Spannung zu erzeugen weiß. 

Die meisten 08/15-Horrorfilme gleichem Produktionstands können das nicht. Freunde des Genres sollten also ruhig einmal zugreifen ohne zu viel zu erwarten. „Primal“ ist genau jene angenehme Zwischendurch-Kost, die sich der Vielseher bei den meisten Sichtungen von Routineprodukten erhofft.


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Sonntag, 29. Dezember 2013

DEATH WARMED UP (1984 David Blyth)


Michael wird unfreiwillig Teil eines Experiments des durchgedrehten Dr. Howell, der versucht den Tod rückgängig zu machen. Als Nebeneffekt dreht Michael durch und tötet seine Eltern. Als er Jahre später aus der Nervenheilanstalt entlassen wird, sucht Michael den Doktor auf einer Insel auf, die dieser nutzt um seiner Forschung ungehindert nachzugehen...


Die Insel des Dr. Howell...  

Wer glaubt er habe mal einen Film gesehen, der so wirr und zusammenhanglos erzählt war, dass dies nicht zu toppen wäre, der hat entweder noch nicht „Death Warmed Up“ gesehen, oder er berichtet mit diesen Worten von genau diesem Film. Die an sich simple Geschichte wird völlig unsinnig erzählt, sowohl die Vorgeschichte als auch der Einstieg ins eigentliche Geschehen hätte nicht unglücklicher angegangen werden können, und der weitere Verlauf der Geschichte stellt nur ein Armutszeugnis für das Talent des Regisseurs aus, der selbst bei schlichteren Zusammenhängen den Überblick verliert. 

Bei solch einem entsetzlichen Trash-Gerüst kommt es einer Katastrophe gleich, dass der Hauptdarsteller so schrecklich fehlbesetzt wurde. Vielleicht ist auch die Maske und das Make Up schuld an seiner unsympathischen Wirkung, aber dieser Fascho-Albino ist schon so daneben gecastet, dass es auf groteske Art fast schon wieder Kult sein könnte, ihm mit diesem Aussehen bei seinem Treiben zuzusehen. Ein gewalttätiges Rache-Treiben, in welches er einfach mal gnadenlos seine Freunde unvorbereitet absichtlich mit hineinzieht. 

Ein bisschen „Mad Max“-Feeling weht auch durch dieses uninspirierte kaputte Szenario, und wäre der Film bei all seinem Tamtam (mit Actionszenen geizt man nicht) trotzdem nicht so was von unmotiviert umgesetzt, er hätte eine Trash-Perle werden können bei dieser Rezeptur. Aber da weht weder ein Hauch Charme durch diesen Quark an Unvermögen noch ein Unterhaltungswert, der den durchaus vorhandenen Anteil an unfreiwilliger Komik in etwas Positives zu wandeln wüsste. Finger weg! „Robot Maniac“ (Alternativtitel) ist unangenehmer Schund und pure Zeitverschwendung!


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YOU CAN'T KILL STEPHEN KING (2012 Ronnie Khalil u.a.)


Eine Gruppe junger Menschen reist in den Ort, in welchem sich der berühmte Grusel-Autor Stephen King immer niederlässt, wenn er ein neues Buch schreibt. So nach und nach fallen sie einem Serienkiller zum Opfer...


Der Name King allein reicht nicht...  

„You Can‘t Kill Stephen King“ ist kein nerviger „Scary Movie“-Klon wie „Ghost Movie“, oder der etwas erzählfreudigere „Mega Monster Movie“. Er reiht nicht ständig infantilen Gag an infantilen Gag, er will nicht einmal ein Nonstop-Feuerwerk an Gags sein. Mittlerweile erwartet man bei dieser Art Komödie ja eigentlich nichts anderes und darf dementsprechend überrascht sein. Aber eines hat er mit den schrecklichen Billigfilmchen gemein, die glauben Filmparodie zu sein: er besitzt ebenso viele Ideen wie diese, nämlich keine. 

Bis es mal zu Verweisen auf King-Geschichten kommt, ein Versprechen welches das DVD-Cover von sich gibt, dauert ewig. Ist man anfangs noch erleichtert, dass im Film nicht das dauersprudelnde Zotenmeer losbricht, wünscht man sich nach etwa 20 Minuten er würde doch darauf setzen, dümpelt die Geschichte doch lahm und für eine Komödie erschreckend witzlos vor sich hin. „You Can‘t Kill Stephen King“ will leider nur Komödie sein und kein wirklicher Mix aus Horror und Komödie, und das macht das nüchterne Ergebnis so unerträglich. Gelangweilt schaut man schon nach kurzer Zeit auf die Minutenangabe am DVD-Player. Es will einfach nichts interessantes passieren. 

Obwohl sich die Gruppe junger Menschen recht früh trennt, was die Möglichkeit auf Ereignisse erhöht, weiß der Streifen in keiner der parallel einsetzenden Situationen etwas zu erzählen. Ich verstehe das nicht, ist doch allein der Aufhänger der ganzen Chose gar nicht mal schlecht zu nennen. Und dann wird daraus so gar nichts gemacht? Schläfert von mir aus Cujo ein, gebt Christine eine Aggressionsbewältigungstherapie, Carrie einen Feuerlöscher und lasst in „Shining“ den Schnee schmelzen. Das ist mir alles lieber als diesen schrecklichen Film auszuhalten. Bei mir fliegt ja nun wirklich selten etwas aus der DVD-Sammlung, aber diesen Film will ich nicht mal in meiner Wohnung haben.


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NAKED FEAR (2007 Thom E. Eberhardt)


Auf Zwang in einer Strip-Bar arbeitend, versucht Diane ihrem Dilemma zu entfliehen und gerät auf ihrer Flucht leider an einen Mann, der zu Hobby-Zwecken junge Frauen auszieht und sie in der freien Wildbahn aussetzt, um sie wie ein Tier zu jagen... 


Nackt im Wind...

„Naked Fear“ mag ja nur die reißerische Variante eines „Graf Zaroff“ sein ohne die Intelligenz und das Potential seiner Geschichte erkannt zu haben, er mag auf äußere und quantitative Schauwerte setzen und eine geheuchelte Dramatik in den Mittelpunkt setzen. Aber all dieser berechtigten Kritik zum Trotz weiß er als kleines Unterhaltungsfilmchen für zwischendurch durchaus zu funktionieren. Dass unser gejagtes Nackedei nun nicht sonderlich freizügig agiert, sondern wie für das Entstehungsland des Filmes typisch eher bieder umherlaufend,  dürfte von Anfang an klar sein, macht aber auch deutlich, dass es den Verantwortlichen des Streifens eben nicht nur um Erotik geht, sondern auch oder gar mehr um den Spannungsbogen. 

Der ist nicht so hoch wie es Regisseur Eberhardt gerne hätte, aber er ist okay für ein Filmchen, von dem ich dachte ich würde es zur Hälfte hin genervt ausschalten. Man lässt sich Zeit für die Figuren, erzählt parallel von der Jagd und den Ermittlungen eines Gesetzeshüters, der nicht ermitteln darf, lässt sich zu Anfang Zeit mit der dramatischen Situation der Heldin, damit man versteht warum sie nicht einfach nach Hause reisen kann, und wenn das eigentliche Szenario los geht, für das man den Film überhaupt sehen wollte, beginnt ein Katz- und Mausspiel, das zwar nicht sonderlich raffiniert ausgefallen ist, aber doch einfallsreicher als man es einem solchen Routineprodukt zugetraut hätte. 

„Naked Fear“ hat mich überrascht ohne zum großen Film mutiert zu sein. Er ist lediglich schlichte Unterhaltung und reißerisch noch dazu (wenn auch nicht in einer solchen Extreme wie gedacht), Eberhardt geht aber auch ehrlich damit um, macht kein Geheimnis daraus dass der Film genau dies ist und sein will und verleiht ihm somit einen ehrlichen Touch.


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Montag, 23. Dezember 2013

DON'T BE AFRAID OF THE DARK (2010 Troy Nixey)


Ein Architekt zieht mit seiner Familie in ein großes renovierungsbedürftiges Haus. Im Keller entdeckt die kleine Tochter, dass der Ofen abgeriegelt wurde. Als sie den Verschluss entfernt, öffnet sie nicht nur den Ofen, sondern auch einer Horde kleiner Dämonen den Weg in unsere Welt...


Ofen-Gate - Die Unterirdischen...

Ich muss zu diesem Film einfach etwas schreiben, gehöre ich doch zu den wenigen, die den TV-Film „Gates Of Darkness“ gesehen haben, der als Vorlage für das hier besprochene Remake diente und der in Deutschland, so viel ich weiß, nur auf VHS erschienen ist. Zumindest habe ich nie etwas von einer TV-Ausstrahlung mitbekommen. „Gate Of Darkness“ war ein putziger, kleiner, naiver Film, der es schaffte schlichte Gemüter zu gruseln. Es war ein charmanter Film, dessen Geschichte es aufgrund der auf kindlichen Ängste bauenden Spannungsmomente verdient hatte neu verfilmt zu werden. Mit Produzent Guillermo del Torro war ein Mann mit an Bord, dem man zutraut mit dem vorhandenen Material ein stimmiges Filmchen zu zaubern.

Schade dass er die Regie Neuling Troy Nixey übergab und ihm scheinbar nur ins Set-Design reinplapperte. Dies weiß nämlich zu wirken und schreit geradezu danach einen atmosphärischen Film unterstützen zu dürfen. Und Guy Pearce mit an Bord zu haben, der in den Filmen „Memento“, „L.A. Confidential“ und selbst in simplen Stoffen wie „Iron Man 3“ zur schauspielerischen Hochform auffährt, lässt Erwartungen ebenfalls steigen. Würde man ihn nur durch seine Darstellung in „Don‘t Be Afraid Of The Dark“ kennen, man würde ihn für einen 08/15-Schauspieler halten, so lustlos spielt er seine Rolle runter. Und das braucht nicht verwundern, ist der Film doch ebenso uninspiriert herunter gekurbelt.

Schade! Neben der bereits erwähnten Pluspunkte sind die computeranimierten Wesen gut ins Restbild eingearbeitet. Die Erwartungshaltung, die um sie herum aufgebaut wird, ist auch nicht von schlechten Eltern. Aber der Grundton des Films will einfach nicht stimmen. Figuren sind einem egal, der Soundtrack dudelt routiniert vor sich hin, und mit der einseitigen, aber stimmigen Location weiß Nixey und sein Kameramann nicht wirklich etwas anzufangen. Gruselig wird es nie, und selbst simpelster Spannungsaufbau ist kaum gegeben, spätestens wenn wir die Wesen endlich zu Gesicht bekommen und damit das einzige Geheimnis des Streifens gelüftet ist.

Gate Of Darkness“ war weder raffiniert, noch innovativ. Aber er war zumindest klug genug nicht gleich die Hintergründe aller Geschehnisse in einer unnötigen Vorgeschichte auszuplappern, so wie es das Drehbuch zur Neuverfilmung vorschrieb. Die häufigste Krankheit moderner Horrorfilme schadet mal wieder dem Sehwert: anstatt ruhig in den Film einzutauchen, muss vor Beginn der eigentlichen Geschichte ein Paukenschlag her. Scheinbar langweilt sich der moderne Kinogänger sonst zu sehr, müsste er in der Regel doch sonst 30 Minuten warten bis in einem Horrorfilm erstmals wirklich etwas passiert.

Also: überraschen kann da gar nichts mehr, und da bis zur Hälfte der Laufzeit alles dem typischen Ablauf einer typischen Horrorgeschichte folgt, weiß man dass dies auch beim Rest des Streifens so bleiben wird, der in seiner überraschungsfreien Art nur ganz knapp an der Langeweile vorbei schrammt. Das war wirklich nichts tolles. Nixeys Regie-Einstand ist uninspirierte Routine mit den Möglichkeiten zu mehr. Da greife ich in einigen Jahren lieber noch mal zum ebenfalls routinierten, dafür aber auch naiv-unterhaltsamen Original. An dies hielt man sich zwar vom Ablauf her, inklusive der tollen Idee mit dem Blitzlicht eines Fotoapparates, doch trotz vieler Lücken in der Geschichte und einiger Ungereimtheiten ist die 1973er Version die bessere Alternative zum glattpolierten Aufguss von 2010.

Sonntag, 22. Dezember 2013

EVIL DEAD (2013 Fede Alvarez)


Eine Gruppe junger Leute stößt in einer einsamen Waldhütte auf das Buch des Todes. Als einer von ihnen während seiner Forschungen Worte aus dem Buch laut ausspricht, erweckt er damit alte Dämonen, die den Kids ans Leder wollen...


Zum vierten Mal die gleiche Story...

Es begann alles mit „Within The Woods“. Manch einer behauptet es begann mit „Equinox“, gibt es doch einige inhaltliche Übereinstimmungen zu „Tanz der Teufel“ mit dieser kleinen Amateur-Produktion, so dass behauptet wird Sam Raimi habe sich von „Equinox“ beeinflussen lassen. Für uns soll dies an dieser Stelle uninteressant sein. Was Sam Raimis Arbeit an der Geschichte um eine kleine Hütte im Wald betrifft, begann alles mit dem Kurzfilm „Within The Woods“, welchen Sam Raimi 1978 als Amateurfilmer mit seinem Kumpel Bruce Campbell fertig stellte. Drei Jahre später zauberten sie aus der Story mit einigen inhaltlichen Änderung versehen den Langfilm „Tanz der Teufel“, der zum Kulthit werden sollte und mit dem Bereich des Amateurfilms trotz geringem Budget nichts mehr zu tun hatte.

Aufgrund des großen Erfolges durfte eine Fortsetzung her, für die man mehr Geld zur Verfügung hatte. Also beschloss Raimi die Geschichte ein drittes Mal zu erzählen, im Gegensatz zu den beiden Vorgängern diesmal jedoch mit ordentlich Humor untermalt. Mit diesem Mix schuf er eine Achterbahnfahrt von Schrecken, grotesken Situationen und schwarzem Humor, die in ihrem Genre seinesgleichen sucht. „Tanz der Teufel 2“ sollte ebenso Maßstäbe setzen wie vor ihm „Tanz der Teufel“. Er war allein durch seine stilistischen Methoden mehr als ein lauwarmer Aufguss des Überraschungserfolges von 1981.

Erst mit der Fortsetzung von „Tanz der Teufel 2“, dem sehr beliebten und noch einmal um eine gehörige Dosis Humor erweiterten „Armee der Finsternis“, wurde die Geschichte um ein paar Leutchen in einer Hütte, die versehentlich Dämonen erweckten, erstmals wirklich fortgesetzt. Die Geschichte wurde nicht zum vierten Mal wiedergekäut, dazu sollte es erst 2013 kommen, als im Zuge der jahrelangen Neuverfilmungs-Welle auch „Tanz der Teufel“ ein Remake erfahren sollte. Wie nötig das war, sei einmal dahingestellt. Da aber bereits das Original das Remake eines Kurzfilmes war, dem mit der Fortsetzung ein erneutes Remake beschert wurde, ist es wohl legitim, dass etliche Jahre später erneut eine Neuverfilmung angegangen wurde, legitim deshalb, weil sich Sehgewohnheiten und der optische Stil in all den Kinojahren verändert hatten und ein härterer Blutgehalt zum Standard gehörte, der den ersten „Tanz der Teufel“ mittlerweile recht harmlos erscheinen ließ.

Auf dem ersten Blick zumindest! Was den Blutgehalt betrifft, so darf man wohl zu recht behaupten, dass “Evil Dead“ seine Vorgänger diesbezüglich locker übertrifft. Nach einer kurzen Einleitung, in welcher die Grundstory durch die tolle Idee ergänzt wurde, dass das Treffen der Leute im Wald aufgrund der Entziehung einer guten Freundin stattfindet, dauert es nicht sonderlich lange und die Teufel dürfen tanzen. Von nun an bietet Regie-Neuling Fede Alvarez, der zuvor lediglich ein paar Kurzfilme drehte, ein Schlachtfest sondergleichen, das die anderen blutrünstigen Produktionen heutiger Tage mit seinen abartigen Ideen in konsequenter Umsetzung locker in den Schatten stellt.

Aber was bedeutet mehr überhaupt noch in seiner Wirkung? Ist man deswegen mehr geschockt oder angeekelt als bei den lediglich im Vergleich harmloseren Abartigkeiten heutiger Konkurrenzprodukte? Meiner Meinung nach lautet die Antwort: nein. Irgendwann ist es aus mit dieser Wirkung. Da mag es nach „Evil Dead“ noch ein mehr von mehr geben. Der Punkt mit mehr zu schocken wurde schon vor etlichen Jahren erreicht. Da macht die ein oder andere noch kränkere Idee den Kohl nicht wirklich fett. Um tatsächlich schocken zu können, bräuchte ein Horrorfilm heutzutage etwas mehr als lediglich eine Orgie an heftigen Gore-Effekten. Mehr fällt dem Regisseur und Autor Alvarez zu „Evil Dead“ jedoch nicht ein. Und obwohl Bruce Campbell und Sam Raimi als Produzenten mit an Bord sind, ein Fakt der einen positiv an das Remake herangehen ließ, gab es von Produzentenseite scheinbar auch keine Nachhilfe.

Zu dumm, denn wer zu früh mit seiner Blutorgie beginnt, der braucht sich nicht wundern wenn sich nach einer gewissen Laufzeit eine Gleichgültigkeit beim Zuschauer breit macht, wenn außer Blut und Brutalitäten nichts weiter erzählt wird. Die Idee des Entzugs lässt man nach zwei bis drei Spielereien zu dem Thema komplett unter den Teppich fallen, und danach verlässt man sich auf das Nichts an Story, welches die beiden Langfilme aus den 80er Jahren besser zu füllen wussten. Es waren experimentelle Filme, die wussten dass die dünne Story nur Grundlage für einen wagemutigen Film bieten würde.

Da mag „Evil Dead“ noch so im Blut sudeln, „Tanz der Teufel“ guckt sich intensiver, ist er doch knallhartes Terrorkino, der das Publikum nicht mit Samthandschuhen angefasst hat. Das Remake „Evil Dead“ tut dies trotz heftigster Bluteffekte schon, sprechen wir doch hier von einem abgehärteten Publikum, das schon x bluttriefende Filme in gelackter Optik gesehen hat. Was die Psychologie eines solchen Filmes betrifft, werden sie von den Filmschaffenden heutiger Zeit jedoch in Watte gepackt. Helden sind klar definiert, zukünftigen Opfern werden bösartige Taten zugeschrieben, damit man mit ihrem Ableben besser fertig werden kann. Und letztendlich sorgt der übertriebene Goregehalt dafür, dass man sich mit dem Gesehenen nicht mehr auseinandersetzen muss. Eigene Angst wird nicht verarbeitet, wenn alles zu einem grotesken Etwas aufgeblasen wird, das es nicht mehr schafft wahre Angst zu schüren.

Ein gutes Beispiel für das in Watte packen des Publikums zeigt sich in der legendären Szene, in welcher eines der Opfer vom Wald vergewaltigt wird. Was war das im Original für eine radikale und moralisch fragwürdige Idee, und was ist es im Remake für ein braves Szenario geworden, das Geschehenes nur andeutet und den Wald geradezu zärtlich und vorsichtig vorgehen lässt, anstatt so kaltblütig wie einst in „Tanz der Teufel“. Überhaupt wird bis auf diese Szene der Aspekt, dass der Wald lebt, im Remake so gut wie gar nicht beachtet. Was wusste doch spätestens „Tanz der Teufel 2“ damit gekonnt zu spielen und der dünnen Geschichte inhaltliche Zusatzreize zu bescheren, die nicht nur in ihrer Optik für Wow-Momente sorgten. Alvarez belässt es wie gesagt bei seinen blutigen Attacken und hofft ein Massaker ans nächste gereiht müsste reichen.

Als ganz schlichter Horrorbeitrag gibt ihm das Ergebnis sogar recht. Auch wenn der Zuschauer im Laufe der „Geschichte“ aufgrund ewig neuer Bluttaten abstumpft, langweilig wird es trotzdem nicht, kranke Ideen wissen immer wieder zu begeistern, auch wenn sie schnell vergessen sind, so schnell wie hier eine Gore-Idee von der nächsten abgelöst wird. Die meisten Effekte wissen dafür aber auch echt zu überzeugen, sind sie doch nur selten, und dann kaum erkennbar, am Computer entstanden. Hier wird viel auf handgemachte Effekte gesetzt, und das übt in Zeiten von CGI seinen eigenen Reiz aus. Als Film für zwischendurch geht „Evil Dead“ also durchaus in Ordnung. Allerdings wird er damit seinem Namen bzw. seiner Marke so gar nicht gerecht.

Jeder der vier alten Raimi-Filme war etwas besonderes, jeder wusste auf eigene Art auf das Publikum zu wirken. Ob es nun der grölende Partyfaktor eines eher massenkompatiblen „Armee der Finsternis“ war, der eiskalte Terror in „Tanz der Teufel“, oder das Spiel der Überraschungen, immer hin und her pendelnd zwischen lautem Lachen und wahrer Angst, in „Tanz der Teufel 2“, jeder, auch der kleine, eher poplige Kurzfilm "Within The Woods" der all dem voraus ging, bot etwas eigenständiges, das andere Werke des Genres beeinflussen sollte. „Evil Dead“ ist diesbezüglich anders, er ist schwächer. Er ließ sich selbst beeinflussen, jedoch auf die negative Art. Er ist nur funktionierende Dutzendware, die sich an die bewährte Rezeptur heutiger Horror-Großproduktionen klammert. Damit wird „Evil Dead“ freilich keinen Einfluss auf die Zukunft des Genre ausüben.

Samstag, 21. Dezember 2013

DAS HAUS AN DER FRIEDHOFSMAUER (Quella villa accanto al cimitero 1981 Lucio Fulci)


Aus beruflichen Gründen zieht eine Familie von der Großstadt in eine kleine. Relativ schnell fühlt sich jeder von ihnen im neuen Haus unwohl. Als die Ehefrau auf eine Gruft innerhalb der Wohnung stößt, will sie endgültig ausziehen. Währenddessen erkundet ihr Ehemann den Keller und die Hintergründe seines beruflichen Vorgängers, der gegen Ende seines Lebens in den Wahnsinn abgedriftet ist...


Auch ohne Vampire für Geiermeier der ideale Wohnort...

Wenn es um die großen Erfolge des Regisseurs Lucio Fulci geht, werden zwar auch immer wieder seine Werke „Woodoo - Die Schreckensinsel der Zombies“ und „Der New York Ripper“ erwähnt, die drei Filme „Ein Zombie hing am Glockenseil“, „Geisterstadt der Zombies“ und „Das Haus an der Friedhofsmauer“ werden jedoch gerne im direkten Zusammenhang zueinander genannt. Da die ersten beiden dieser drei Streifen auf ähnliche Art surreal schräg, aber auch atmosphärisch dicht, erzählt waren, bin ich automatisch davon ausgegangen „Das Haus an der Friedhofsmauer“ sei auch in diesem Stil erzählt. Um so überraschter war ich beim Sichten einen Film vorzufinden, der im Kern zunächst einmal klassisch erzählt ist, auf den ersten Blick sogar geradezu konventionell.

Wir bekommen eine klassische Ausgangslage präsentiert, wie es sie im Bereich des Horrorfilms recht häufig zu sichten gibt: eine Familie zieht um in ein Haus, welches ihnen im Laufe ihres Aufenthalts nicht ganz geheuer ist. Im Gegensatz zu den wirr erzählten Vergleichsfilmen Fulcis folgt der Regisseur hier einem deutlich erkennbaren roten Faden innerhalb der Erzählung, der sich sogar an den typischen Verlauf dessen hält wann eine Geschichte geradezu typisch ruhigere Geschütze auffährt, wann sie es krachen lässt und wann der Höhepunkt der Ereignisse zu erfolgen hat.

Dass sich „Quella villa accanto al cimitero“ (Originaltitel) trotzdem nicht wie der kleine Mainstream-Grusler aus der Masse guckt, ist u.a. Fulcis Unvermögen als Regisseur zuzuschreiben. Trotz der übersichtlichen Handlung verliert er schnell den Überblick, beendet manch angefangenen Erzählstrang nicht, oder lässt manch anderen zu spät, ja geradezu den Zuschauer überrumpelnd sinnlos einsetzen, so z.B. die finale Erkenntnis des Forschers die Hintergründe der sonderbaren Geschehnisse betreffend.

Dieser Kritikpunkt soll jetzt aber nicht heißen, dass Fulci über kein Talent verfügen würde, dies besitzt er durchaus. Aber die Vorzüge seiner Arbeiten bessern lediglich das Unvermögen auf der anderen Seite aus. Schöner wäre es freilich für den Zuschauer, wenn der gute Mann beides beherrscht hätte, sowohl die typischen Grundlagen einer guten Regie, als auch die eher bizarren Vorzüge, die Fulci seinem Publikum so oft zu schenken weiß.

Was „Das Haus an der Friedhofsmauer“ mit „Ein Zombie hing am Glockenseil“ und „Geisterstadt der Zombies“ gemein hat, ist die dauerhaft aufrechterhaltende dichte Atmosphäre, die Fulci wie aus dem Nichts zu schaffen scheint. Da passiert in manchen Szenen nicht wirklich etwas, Effekte wirken aufgesetzt und/oder Darsteller spielen routiniert, und doch besitzt eine solche Szene ein atmosphärisches Hoch, sicherlich auch beeinflusst durch den stimmigen, monotonen, dumpfen Soundtrack, der bei jeglicher Szene wie die Faust aufs Auge passt, aber eben auch wegen Fulcis Gespür schlichte Komponenten gekonnt ineinander greifen zu lassen, die stimmige Atmosphäre, ob nun in spannungsgeladenen Szenen oder in gemütlichen, konstant oben zu lassen und trotz künstlerischem Bemühen doch scheinbar immer zu wissen, dass man sich im Schundbereich befindet. Dieser Schund wird jedoch ernst genug genommen, um ihn innerhalb der Geschichte konsequent zu verfolgen und sich entfalten zu lassen. Der Grundton des Films sorgt dafür, dass daraus kein unfreiwillig komisches Etwas entsteht.

Das gibt dem Streifen etwas ehrliches, und damit weiß er trotz kleinerer Makel zu funktionieren. Diese stören den Zuschauer nicht wirklich, taucht der doch in einen Filmstil ein, der eben keine Massenware ist, und dafür nimmt man Mankos in Kauf, die für diese Art Schund-Kunst gar nicht mehr Manko sind. Dass diese Rezeptur ideal für ein surreales Werk ist, liegt auf der Hand. Dass Fulci mit diesen Stärken jedoch auch innerhalb einer grundlegend konventionellen Erzählung die typischen Fehler seiner Regiekunst mit links überspielen kann, das darf verwundern, hätte ich ihm diesen Zaubertrick doch ehrlich gesagt gar nicht zugetraut. Da habe ich den Regisseur aber mal ganz gewaltig unterschätzt. Was gibt es besseres, als auf diese Art, sprich durch das Gucken eines so wundervollen Filmes wie „Das Haus an der Friedhofsmauer“, eines besseren belehrt zu werden? Danke Fulci für diesen stimmigen Genre-Beitrag!