Montag, 11. März 2013

DAS ENDE DER WELT (End Of The World 1977 John Hayes)


Ein Wissenschaftler empfängt außerirdische Signale und macht die Entdeckung, dass irgendwer auf der Erde diese beantwortet. Er reist mit seiner Frau zum lokalisierten Ort und stößt dort zunächst auf Pfarrer Pergado, der sich als Außerirdischer entpuppt. Er zwingt den Wissenschaftler seiner Rasse zu helfen. Die Aliens hängen nämlich unfreiwillig auf der Erde fest...


Von einem Erzähler ohne Talent...

Charles Band ist ein Schundfilm-Produzent, er hat ab und an nette Ideen, aber eines fehlt im gewaltig: das Talent eine Geschichte zu erzählen. Das ist bereits in seinen frühen Werken der Fall, und im hier besprochenen wählte er zudem eine arg simple Geschichte aus, die auch im Fortschreiten ihrer Erzählung keine Tiefe entfaltet, und sei sie noch so trivialer Natur. Keine gute Wahl!

Im Gegensatz zu seinem ersten Film „Draculas Todesrennen“ ist ein Fortschritt erkennbar. „Das Ende der Welt“ ist guckbar, das tödliche Rennen des Blutsaugers war in jeder Hinsicht dilettantisch zu nennen. Das machte ihn allerdings für Trashfans auch wesentlich kurzweiliger. „Das Ende der Welt“ gefällt weder dem Freund unfreiwilliger Komik, noch jener Gattung Cineasten, die sich gerne banal unterhalten lassen. Es passiert einfach zu wenig.

Ein Wissenschaftler greift außerirdische Signale auf, einige kommen von der Erde, er stößt auf die Aliens, sie sind böse, sie sind es doch nicht, und am Schluss geleitet uns Band durch ein offenes Ende, das abenteuerlich wirken soll, aber lediglich das erleichterte Gefühl aufkommen lässt, dass der Film nun endlich aus ist. Ohnehin bietet das Ende, ebenso wie der komplette Film, nichts neues. Wäre die Schlussidee innovativ hätte man noch ein prolliges „boa, ey“ ablassen können, aber bei einer Idee, die bereits zu Zeiten von „2071 – Mutan Bestien gegen Roboter“ nur bedingt aktuell war, kann man höchstens noch darüber lächeln, wie viel Naivität Charles Band und sein Regisseur John Hayes ihrem Publikum abverlangen wollen.

Was Band selber interessant macht, ist das auffällige Untalent. So nimmt er als Aufhänger der Geschichte das Vorraussagen diverser Naturkatastrophen, gibt diesen während der Auflösung allerdings keinen Sinn, geschweige denn einen echten Zusammenhang zum Rest. Vielleicht hat er kurzerhand das Konzept geändert, vielleicht aus Kostengründen, aber so wie ich ihn durch seine weiteren Arbeiten kenne, vermute ich eher, dass er diese Lücke übersehen hat. So hat er ein wenig etwas von Ed Wood. Er will etwas erzählen und kann es nicht umsetzen. Und mag es noch so banal, naiv und trivial sein, er schafft es einfach nicht. „Das Ende der Welt“ ist wirklich ein ideales Beispiel.

Allerdings stellt er sich diesmal nicht so komplett blöd an, wie in „Draculas Todesrennen“, wo wirklich nichts funktioniert. Band geht in „Das Ende der Welt“ einige Schritte zurück, erzählt eine weniger actionreiche Story, verwendet weniger Spezialeffekte und achtet etwas mehr auf Handlung und einen Hauch mehr auf Charaktere. Und schon ist die Umsetzung in der Theorie gelungener. Hätte sich der Mann weiter so gesteigert, hätte er vielleicht irgendwann im Laufe seiner Karriere einen brauchbaren Film gedreht. Was er heutzutage vorweisen kann sind lediglich geglückte Produktionen, und selbst die erfreuen nur den Fan besonders banaler Filmkost.

Heute wie damals produziert Charles Band sehr kostengünstig. Das ist bei neueren Werken unübersehbar, bei Frühwerken wie „Das Ende der Welt“ sicherlich auch, aber nicht so penetrant. Der Kenner im Genre kann jedoch noch viel mehr herausfiltern, was die Kostengünstigkeit Bands Produktionen betrifft. Um nur mal ein Beispiel zu nennen: Charles Band verwendete im hier besprochenen Film für eine Szene das Musikthema aus „Zoltan – Draculas Bluthund“, einem Horrorfilm seines Vaters Albert Band. Dort bediente er sich nicht zum ersten Mal, denn bereits in seinem Erstling „Draculas Todesrennen“ lieh er sich etwas vom Film seines Vaters aus, und das war der titelgebende Hund. Vielleicht war es der Hund der Familie, wer weiß, lustig sind diese Parallelen aber allemal.

Wie sich Christopher Lee in Bands Werk verlaufen konnte, bleibt ungeklärt. Letztendlich war er ein Vieldreher, warum also nicht. Vielleicht reizte es ihn auch mal in einem Science Fiction mitzuspielen, wo er sonst doch eher für klassische Gruselthemen besetzt wurde. Damals hatte Charles Band auch noch nicht einen solch vernichtenden Ruf wie heute, das kam ihm sicherlich zu Hilfe.

Dass die Geschichte so arg naiv erzählt ist, zeigt sich nicht nur im eigentlichen Erzählfluss, sondern auch im damals aktuellen Sozialbild. Völlig unverfälscht dürfen wir eine Frauenfeindlichkeit beobachten, wie sie zu dieser Zeit in Amerika Alltag war. In Filmen wie „Vier im rasenden Sarg“ blitzt sie bereits deutlich auf, in Billigproduktionen wie „Das Ende der Welt“ wird sie unübersehbar. Eine Ehefrau hat nur hübsch zu sein und zu lächeln und sich jeder Laune und jedem Drang des Ehemannes zu fügen. Eine böse gemeinte Rolle? Nein, die des sympathisch gemeinten Helden, der optisch übrigens fast zu verwechseln ist mit dem Peter Parker aus den/der 70er Jahre-„Spider-Man“-Filmen/Serie. Unüberhörbar zwingt er sie zu schlafen, damit sie das Maul hält, eine spätere egomanische Entschuldigung führt zum direkten Beischlaf. Ein geistiger Austausch findet in der hier gezeigten Beziehung nur im Einbahnstraßen-System statt. Solche Momente sprudeln nur so vor unfreiwilliger Komik, manche Frau mag ihr Popkorn der Kinoleinwand entgegengeschmissen haben.

Ebenso naiv geht Band mit den Beweggründen der Außerirdischen vor. Sie verhalten sich völlig asozial, morden wo es nur geht, sind laut der Geschichte aber in Not, kommen von einem Utopia ohne Verbrechen und Schmerz und handeln nur durch ihre Not wie sie es tun. Das passt in der Art und Weise wie hier etwas passiert überhaupt nicht zusammen. Und die wunderbare Möglichkeiten daraufhin zu arbeiten, dass die Aliens mit der Rückkehr auf ihren Planeten Utopia zerstören würden, eben weil sie durch die Erde Aggressivität kennen gelernt haben, wird von Band überhaupt nicht erkannt, womit er die letzte Chance vertut, wenigstens etwas Erzähltalent zu beweisen.

Auch solche Momente sprudeln vor unfreiwilliger Komik, bringen „Das Ende der Welt“ allerdings auch nicht auf ein kurzweiliges Trashniveau. Bands Werk ist zu banal. Es ist zu belanglos für das eigentliche Zielpublikum, es ist zu lahm für den Fan untalentierten Trashs. Wieder einmal werden nur Allesgucker bedient, und selbst die werden keinen Freudensprung machen.


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen