Sonntag, 27. Oktober 2013

MAN-EATER - DER MENSCHENFRESSER (Antropophagus 1980 Joe D'Amato)


Auf einer verlassenen Insel wird eine Gruppe Touristen Opfer eines Menschenfressers...


Nach dem Meer Lust auf mehr...

Es gibt sie, diese Horrorfilme, die in der Theorie geradezu misslungen klingen, dank schlechter Schauspieler, zu schlichter Geschichte mit dümmlichen Hintergrund, dem Fehlen von Grusel und psychologischem Gespür, dem Drang lediglich ins Reißerische abzudriften und dem Fehlen wahren Talents in der Regieführung. Geradezu vernichtend klingt eine solche Aufzählung, und doch gibt es sie, diese Horrorfilme, die trotz und teilweise auch wegen dieser Makel zu funktionieren wissen, und da reden wir nun nicht von unfreiwillig komischen Trash, der einzig zur Belustigung taugt.

„Man-Eater“ ist einer dieser Filme, der mit Sicherheit auch seine kurzen Momente unfreiwilliger Komik besitzt, die einen kurz zum Schmunzeln bringen, der aber noch viel mehr wahre Vorzüge besitzt, die ihn gar zum gelungenen Vertreter seines Genres machen. Im speziellen hier vorliegenden Fall ist dies eine dichte Grundatmosphäre, die nie gebrochen wird, eine stimmige Location in der alles spielt, und die locker glaubhaft zwischen Strand, verlassenem Dörfchen, Friedhof und Wald hin und her springen kann, und wir haben eine ernsthafte Bedrohung, zumindest in der ersten Hälfte in welcher nicht ganz klar ist welcher Art die Bedrohung nun ganz genau ist.

Mit dem ersten Zeigen des Menschenfressers verfliegt diese Bedrohung noch nicht, ist der eher unbegabte Schauspieler George Eastman doch stimmig von der Maske her zurecht gemacht. Aber im Laufe seiner verschiedenen Attacken schwindet die Glaubwürdigkeit dass er ein ganzes Dorf vernichten konnte, ohne aufgehalten zu werden. Und wenn schließlich auch noch der Hintergrund aufgezeigt wird, wie der an sich gute Mann zur Bestie wurde, dann kann man nicht mehr von einer ernsthaft spürbaren Bedrohung sprechen, dann arbeitet zu vieles gegen diese Wirkung. Aber zuvor war sie da, und das hilft einen in diese wundervoll unheilvolle Atmosphäre einzutauchen, die auch dann noch vorhanden ist, wenn der eigentliche Täter seinen wahren Schrecken verloren hat.

Neben der bisher aufgezählten Pluspunkte spielt noch ein besonderer Faktor eine große Rolle, dass der in der Theorie so plump klingende Film so überraschend positiv ausgefallen ist. Und das ist die Musikuntermalung, die wie für die Entstehungszeit in Europa geradezu typisch recht experimentell mit verschiedenen Tönen der Bedrohung ausgestattet ist, irgendwo zwischen melodisch und völlig unmelodisch hin und her pendelt, aber auf jeden Fall immer den richtigen Ton für die jeweilige Szene treffend. Dabei sprechen wir nicht einmal von einer clever gesetzten auf die Bilder abgestimmten Komposition, wie man sie aus Meisterwerken wie „Spiel mir das Lied vom Tod“ kennt. Es ist mehr ein glücklicher Zufall, dass der Soundtrack der schlichten Geschichte so hilfreich zur Seite steht, was nicht verwundern darf, wirkt der Rest des Films doch ebenso zufällig geglückt.

Joe D‘Amato ist nun alles andere als ein talentierter Regisseur. Er hatte das Glück seinen ersten Film „Die Mörderbestien“ direkt mit Klaus Kinski drehen zu dürfen, der dafür bekannt war in allem mitzuspielen was Geld versprach. Danach widmete sich D‘Amato zunächst einmal dem mich nie überzeugen könnenden Erotikbereich, wo er Klassiker wie „Black Emanuelle“ schuf. Zum Horrorfilm zurück kehrte er mit „Sado - Stoß das Tor zur Hölle auf“, und Erfolge wie „Man-Eater“ verstärkten ihn darin zunächst weiter im Horrorgenre zu verweilen, auch wenn er mit „In der Gewalt der Zombies“ und „Porno Holocaust“ immer wieder versuchte den Horrorbereich mit seinem heiß geliebten Erotikbereich zu mixen. Dass dieser für ihn schon immer mehr Herzensangelegenheit war als das hier vorliegende Genre zeigt schließlich seine Rückkehr in diesen Bereich nach einer handvoll Horrorerfolgen und seine spätere Entscheidung gar in den Pornobereich zu wechseln.

Ein großer Regisseur ging dem Horror-Fan damit nicht verloren, zumal Vieldreher D‘Amato mit Werken wie „Killing Birds“ und „Frankenstein 2000“ zwischendurch auch immer wieder mal erneut Horrorluft schnupperte. Aber im Erotikbereich schien er mit seinem schlichten Talent und dem Drang zum quantitativen Schauwert einfach mehr hinein zu passen, und was seine Horrorarbeiten betrifft, so kann ich von meiner Seite aus berichten, dass „Man-Eater“ sein bisher einzig von mir gesichtetes Werk ist, welches geglückt ist. Ähnlich wie in Hoopers „Blutgericht in Texas“ so schwebt auch hier der Zufall über allen Dingen, das Glück von Entscheidungen die aus der Not getroffen wurden und dem glücklichen Aufeinandertreffen zusammen passender Faktoren. Im Gegensatz zu Hoopers Meisterwerk ist D‘Amatos Königsübung dieses Genres jedoch „nur“ ein kleiner stimmiger Horrorfilm geworden und keine dieser großen Perlen, die zur Pflicht des Genres werden. Eine Empfehlung spreche ich nur den Stammgästen der harten Nische Horrorfilm aus, aber denen sei „Man-Eater“ dann auch von ganzem Herzen ans Herz gelegt. sehenswert

Donnerstag, 24. Oktober 2013

STRAYS - BLUTIGE KRALLEN (Strays 1991 John McPherson)


Ein Haus auf dem Land soll für Familie Jarret nicht der wunderbare Traum werden, den sie sich von dieser Idee erhofft haben, denn streunende Katzen machen ihnen das Leben zur Hölle...


Kampf dem Dosenöffner...

Katzen tauchen immer wieder in Horrorfilmen auf. Meist kommen sie aus Schränken und Nebenzimmern gesprungen, nur seltenst sind die Zuschauer dabei erschreckt, so sehr Klischee ist ein solches Szenario bereits. Wirklich bösartig sind Katzen im Horror-Genre jedoch eigentlich nur selten, und wenn sind sie ein Element unter vielen, so wie es beispielsweise in "Friedhof der Kuscheltiere" der Fall war. Im Zuge der Tier-Horrorwelle der 70er Jahre und den damit zwangsläufig auch auftauchenden Hunde-Horrorfilmen wie „Killerhunde“, später in den 80er Jahren aber auch u.a. „Cujo“ und „Bloodline“, verwundert es schon ein wenig dass Katzen derartig vernachlässigt wurden.

Vielleicht liegt es an dem Erfolg des Episodenfilmes „Geschichten aus der Schattenwelt“, in dessen zweiter Geschichte eine unheimliche Katze ihr Unwesen treibt, dass ein Jahr später „Strays“ auf der Bildfläche erschien. Vielleicht ist dies aber auch nur wieder mal ein Beispiel für das Phänomen, dass gleiche Ideen gerne zeitnah unabhängig voneinander parallel erscheinen. Wie auch immer, „Strays" gehört nicht gerade zu den viel beachteten Beiträgen der Gattung Tier-Horror, und gäbe es nicht das Fernsehen, welches den Film hin und wieder auf die Menschheit loslässt, der kleine TV-Film wäre sonst nur als VHS-Veröffentlichung zu ergattern. Mit einer DVD-Veröffentlichung braucht man eher nicht zu rechnen.

Schade eigentlich, denn dieser kleine Katzenfilm ist sympathische Routine, der freudige Zwischendurchverzehr, die kleine Horrormahlzeit für zwischendurch, der zugegebener Maßen auf dem ersten Blick lediglich den typischen Spuren eines solchen Filmes folgt. Nur der geschulte Beobachter erkennt hier ähnlich wie in "They Nest" die kleinen Unterschiede zu vergleichbaren Werken, wie es sie zu Dutzenden in den Videoregalen zu finden gibt. Aber zunächst mal alles der Reihe nach.

„Strays“ handelt zwar von einem Rudel Katzen welches bösartig ist, bis auf eine Chefkatze streunen sie aber nur herum, haben keine gruseligen Auftritte, geschweige denn gruselige Wirkung, vielleicht etwas vergleichbar mit Ben, im nach ihm benannten Ratten-Horror. Die besagte Hauptkatze ist alles andere als unscheinbar, so wie der Rest. Sie ist optisch gut zurecht gemacht. Zerrupft und groß, sie ist ein richtig widerlicher Streuner und alles andere als sympathisch. Sie wird nicht gerade oft eingesetzt, aber auch nicht selten. Genau richtig dosiert treffen wir auf sie in den richtigen Momenten. Die Geschichte lässt sich ohnehin viel Zeit, um zunächst mit den Charakteren und der Situation in die sie langsam hineinmanövriert werden warm zu werden.

Wir lernen schrullige und individuelle Menschen kennen, die durch ihre kleinen Eigenarten eben nicht den Klischeefiguren vergleichbarer Produktionen entsprechen, gerade in Billigproduktionen der 90er Jahre. Zwar sind sie besetzt wie in jedem 08-15-Horror, sprich die Darsteller spielen weder zu gut noch zu schlecht, aber die Rollen die sie verkörpern dürfen bekommen durch das Drehbuch ihre Ecken und Kanten, das reicht bereits um positiv zu wirken, immerhin halten viele andere Drehbuchautoren dies bei vergleichbaren Projekten gar nicht erst für nötig.

Eine nebenbei eingebrachte unliebsame Schwester, die für den Part eines eher bösen Menschen steht, wird nicht zu extrem bösartig charakterisiert, zumal um sie ohnehin weniger Wind gemacht wird im Vergleich zu Konkurrenzprodukten, die den Bösewicht geradezu zelebrieren, damit der Zuschauer irgendwann emotional freudig aufschreit, wenn der Fiesling zum Opfer wird. Klar, auch sie wird umgebracht, ganz klar nach Genre-Pflicht, allerdings ohne dass sie erst die übliche "sie war ja auch böse"-Masche durchleben muss. Ein Hauch hat zu reichen. Ihre angedeutete Zweifelhaftigkeit ist nur dem Bröckeln der Beziehung der beiden Hauptdarsteller zu nutze, rein des Klischees wegen wäre sie nie eingebaut worden.

Weitere Nebenpersonen sind ein eher unwichtiger Telefonmann und ein unter routinierten Schauspielern eher positiv auffallender Tierarzt. So ruppig und überheblich er auch mit den beiden Hauptrollen umgeht, so nett wirkt er gleichzeitig auch wieder. Und Wunder oh Wunder, er wird nicht zum Opfer der Katzen. Dabei gibt es im fertigen Film recht wenige Mitwirkende vor der Kamera, da erfreut es, dass nicht jeder gleich zu Katzenfutter wurde. In anderen Filmen wird das in der Regel anders gehandhabt, womit jeder Überraschungsmoment flöten geht.

Negativ fällt leider das Töchterchen der Jarrets auf, welches gleich von zwei Mädchen gespielt wurde. Sie wirkt wie die Art Kind das man selbst nie haben will. Die Mutter liebt es natürlich dennoch heiß und innig, und das ist gut so. Die Verantwortlichen setzten dieses dröge Kind somit nicht absichtlich ein um das Klischees des ungewollten Kindes zu bedienen. Stattdessen erleben wir eine mögliche Realität. Es bringt nun einmal nicht jedes Liebespaar Vorzeigekinder zur Welt. Solche Kinder sind alltäglich, etwas spätentwickelt wirkt sie durch ihre Größe auch noch. Theoretisch gesehen also schön dass kein Little Darling verwendet wurde, nur leider können die beiden Mädels nicht wirklich spielen, weswegen es nicht verwundert, dass sie nie wieder für andere Filme oder für eine TV-Serie eingesetzt wurden.

Wichtig ist die Rolle der Tochter aber ohnehin nur für die Dramatik der Mutter, die zum Finale hin eine von "Cujo" stark abgeguckte Situation durchlebt. Bei aller Liebe zum Film ist der Vergleich sehr aufdringlich, auch wenn die in „Strays" erlebte Situation nicht wie im Vergleichsfilm im Auto stattfindet.

Der Horror von „Strays“ ist zurückhaltender Natur. Die erste Katzenattacke in der Einleitungsszene ist nicht nur unspektakulär umgesetzt, sie wirkt auch ziemlich unnötig, die typische Pflicht eines Filmes der glaubt, den Zuschauer direkt von Beginn an mit Horror beglücken zu müssen. Das wirkt hier zwar nicht so aufgesetzt und unzugehörend wie in der Eingangssequenz von "Wrong Turn", ist aber ganz klar der Schwachpunkt des hier besprochenen Streifens.

In der langen Einführung tauchen die Katzen nur selten auf. Sie sollen den Zuschauer daran erinnern, dass man hier nicht in einem Familien-Drama sitzt, sondern sich  einen Katzen-Horror ansieht. Oft wird aus Katzensicht gefilmt, das wirkt auch immer sehr echt, und nach einiger Zeit gibt es auch mal Opfer der gefährlichen Vierbeiner. Zu aller Überraschung ist der Hund der Familie zwar wie geradezu typisch die erste Figur die attackiert wird, aber er überlebt, wenn auch schwer verwundet, und darf bis zum Ende des Films am Leben bleiben. Diese Ausnahme nutzt das Drehbuch, um den Tierarzt einzubauen, der dem Hauptdarsteller, und somit auch dem Zuschauer, die nötigen Infos über streunende Katzen gibt. Glaubwürdig klang das alles nicht was er da faselt, aber spätestens seit "Anaconda" habe ich es aufgegeben in einem Tierhorror auf Authentizität im Tierverhalten zu hoffen. In einem so banalen Film wie "Strays" ist das auch nicht wirklich wichtig, also Schwamm drüber.

Das zweite Opfer darf diesmal auch sterben, wird dank nett eingefädelter Umstände aber erst im Finalteil des Filmes entdeckt, ein weiterer Beweis dafür dass es den Verantwortlichen nicht um ein reißerisches Produkt ging. Von einem Spannungsbogen kann man bis zu diesem Zeitpunkt zwar nicht sprechen, aber man kommt nicht umhin zu sagen, dass es Spaß macht dem schlichten, vielleicht etwas konservativem Treiben zu folgen. Da es zudem nie unfreiwillig komisch wird, was keine Selbstverständlichkeit ist wenn man ein klassisches Haustier zum Buhmann macht (wer „Rabbits“ kennt wird wissen was ich meine), ist da auch nichts was diesen wunderbaren Zustand des schlicht aber sympathischen Unterhaltenwerdens kaputt macht.

Zugegeben, es gibt ein paar wenige Angriffe, in denen Menschen mit Stoffkatzen kämpfen, aber die sind so kurz, dass man zwar darüber schmunzeln kann, sie dem Film aber nicht die angenehme Grundatmosphäre rauben. Wo ein trashiger "Hobgoblins" noch ewig draufhielt, da waren unsere "Strays"-Macher dann doch wenigstens in diesem Punkt etwas cleverer.

Die finalen 20 bis 25 Minuten werden noch recht spannend, nicht übermäßig und nie ins gruselige überschwappend, aber spannend genug um die Atmosphäre ein wenig knistern zu lassen. Die Katzen sind in ihrer penetranten Art nicht ohne, die Mutter herrlich verzweifelt und das Kind wie gehabt debil nervend. Das Klischee des zur Rettung eilenden Mannes darf trotz sonst gelungener Charakterzeichnung leider nicht fehlen, im Gegenzug darf die Familie in der Schluss-Szene beim Auszug aber zumindest darüber nachdenken, ob man doch nicht hier wohnen bleiben wolle. Ein kleiner Unterschied zur Konkurrenz, aber immerhin ein Unterschied, der das Festgefahrene vergleichbarer Produkte unterwandert.

„Strays“ ist sicher nichts für Freunde der bluttriefenden Horrorbeiträge, das verrät bereits die FSK 16, die zu VHS-Zeiten noch deutlicher Werke von der FSK 18 trennte als heutzutage. Wir erleben hier weder blutige Morde noch sonderlich viele Opfer. Letzten Endes gibt es sogar nur zwei Tote in der Hauptstory zu vermelden und einen Toten in der Eingangssequenz. Aber zu dieser Gattung Film-Fan zähle ich mich ohnehin nicht, auch wenn ich dem Lebenssaft in diesem Genre nicht abgeneigt bin. Charakterzeichnung, stimmige Psychologie und eine kleine Dosis Drama waren mir schon immer wichtiger als der große Holzhammer-Effekt, und dementsprechend nett fand ich dieses kleine TV-Werk erzählt. Ein Meilenstein ist "Strays" keinesfalls. Aber für einen geglückten Videoabend mit kleinen Ansprüchen ist er der richtige Film. unterhaltsam


Trailer,   OFDb

Sonntag, 20. Oktober 2013

REPTILICUS (1961 Poul Bang u.a.)


Der Schwanz eines prähistorisches Reptils wird gefunden. Aus diesem einen Teil regeneriert sich das komplette Tier, reißt aus und bedroht die Menschheit. Da es aus Einzelteilen immer wieder neu entstehen kann, ist es schwierig das Tier zu bekämpfen...


Europas Godzilla...

Oh, welch positive Überraschung ist mir mit „Reptilicus“ begegnet. Trotz durchaus vorhandenem Trash-Gehaltes der unfreiwilligen Art haben wir es hier mit einem kleinen Hit des Monsterfilms zu tun. „Reptilicus“ ist der dänische Versuch am Erfolg vergleichbarer Filme aus Japan und Amerika, begonnen mit „Panik in New York“ und entfacht durch „Godzilla“, anzuknüpfen, um auch etwas vom finanziellen Erfolgskuchen abzubekommen. Ich habe die amerikanische Fassung gesehen, in welcher das Biest nicht fliegen kann, stattdessen aber Schleim spuckt, was es wiederum in der dänischen Fassung nicht kann.

Was zunächst einmal auffällt, ist die lobenswerte Einführung ins Geschehen. Der Film beginnt ruhig, baut zunächst einmal Atmosphäre auf und widmet sich den Figuren, deren Darsteller nicht negativ auffallen, was im Monsterfilm der 60er Jahre nichts selbstverständliches ist. Im Laufe der Handlung gibt es gar richtig spannende Szenen zu sichten und nicht nur die übliche Zerstörungsorgie. Auch die Musikuntermalung ist nicht ohne, und eine Prise Humor wurde ebenfalls hinzugegeben. Von seiner Konkurrenz unterscheidet sich der dänische Echsenstreifen jedoch in erster Linie inhaltlich bezüglich der Problematik das Urtier aufzuhalten. Reptilicus kann man nicht einfach bombardieren, da sich aus den zerstörten Teilen jeweils neue Geschöpfe bilden könnten.

Interessanter Weise ist „Reptilicus" im Gesamtergebnis trotzdem „nur“ wieder ein ganz netter Streifen geworden, scheitert er für mehr doch an dem, weshalb man ihn ursprünglich gucken wollte, an dem Monster. Nicht, dass der Film nach dem ersten Drittel keinen Spaß mehr bereiten würde, schließlich wird er ab dem Erscheinen der Kreatur ein prima Monster-Trashfilm. Aber er hätte vorher das Zeug zu mehr gehabt, das Zeug zu dem was man ihm vor der Einleitung gar nicht zugetraut hätte. Vielleicht kann man ihn da ein wenig mit "Phantoms" vergleichen, denn auch dort wurde die zunächst aufgebaute Spannung im Laufe der Spielzeit gegen das Monster eingetauscht. „Phantoms“ hatte den Vorteil dass die bei ihm vorhandene Kreatur nicht lächerlich wirkte. Das Urtier aus „Reptilicus“ jedoch schon.

Die Ärmchen des Viehs sehen auf dem ersten Blick so aus, als würde das Monster eine Halskrause tragen. Auf dem zweiten Blick wirkt es nur noch putzig und in seiner gescheiterten Art so lustig unnötig mit seinem Makel. Der in der US-Fassung ausgespuckte Schleim der Kreatur ist gezeichnet und, da in der eigentlichen Version nicht vorhanden, erfährt der Zuschauer bis zum Ende des Films auch nichts von dessen Wirkung. Die Leute werden angespuckt, das gemalte Grün wird größer und größer, bis es sich schließlich bildschirmfüllend ausgeweitet hat, und dann geht der Film an anderer Stelle weiter.

Lustig ist auch, dass die Flugszenen der dänischen Fassung zwar hinausgeschnitten wurden, die Bodentruppen das Vieh aber fleißig mit Flugabwehrgeräten bekämpfen. Momente wie diese outen die US-Version als die unfreiwillig komischere von beiden, was nach Sichtung des Kurzärmchen-Dinos zwar nicht mehr nötig gewesen wäre, aber welcher Trash-Fan freut sich nicht über noch mehr Nonsens?

Doch Trash-Spaß hin oder her, mit der Gestaltung der Kreatur hätte man sich dennoch mehr Mühe geben können. Das Gesicht ist starr. Nur der Mund geht auf und zu und dies auch nur sehr schleppend. Die Animation des Viechs ist also ziemlich banal, was man Dänemark als unerfahrenes Land in Sachen Monsterfilm vielleicht noch verzeihen könnte, aber dass Reptilicus zu klein ausgefallen ist, ist schon ein Fehler den man besser vermieden hätte. Die Pappkulissen überzeugen bei seiner Größe nicht, und die Glaubwürdigkeit, dass menschliche Waffen nichts nutzen, schwindet beim Anblick des zu kleinen Riesen.

Aber wie oben erwähnt besitzt „Reptilicus" auch seine Pluspunkte und diese auch außerhalb schadenfreudigem Unvermögens. So beginnt beispielsweise die Schlacht Militär gegen Riesenechse, trotz ruhigem Einstieg zu Beginn, bereits etwa nach 35 - 40 Minuten, kurz nach dem ersten Auftauchen der aus dem Schwanz neu entstandenen kompletten Kreatur. Monsterfilm-Fans sind also keinesfalls mit dem Gucken dieses Streifens falsch beraten. Einziger Haken an der Sache: man muss ihn auf englisch gucken. In Deutschland ist er leider nie offiziell erschienen, und das obwohl Dänemark Deutschland doch viel näher ist als Japan und Amerika. Ach, verstehe einer die deutsche Kinokultur! mittelmäßig


Weitere Reviews zum Film:

Samstag, 19. Oktober 2013

NULL NULL SCHNEIDER 2 - IM WENDEKREIS DER EIDECHSE (2013 Helge Schneider)


Kommissar Schneider hat gerade einen gefürchteten Poklatscher dingfest gemacht, da zeichnen sich zwei weitere Probleme ab: ein unbekanntes Familienmitglied nistet sich beim Kommissar zu Hause unangemeldet ein, und die psychopathische Eidechse ist aus der Anstalt geflohen...


Echse, Echse, Echse, Popexe...

Helge Schneider, der Musiker für den das Filme drehen immer nur eine unwichtige Nebensächlichkeit war, hat 9 Jahre nach seinem letzten Film und 19 Jahre nach „Null Null Schneider - Jagd auf Nihil Baxter“ endlich wieder cineastisch zugeschlagen und von Letztgenanntem eine Fortsetzung gedreht. Das kann man freilich nur entfernt behaupten, denn ein Helge Schneider-Film ist ein Helge Schneider-Film und wird nicht immer nur die Geister scheiden, er hält sich auch an keine Regeln. Und so liegt es nicht nur am Tod des Kommissaren-Gehilfen Helmut Körschgen, dass der zweite Ausflug des Kriminalisten auf die Kinoleinwand anders ausgefallen ist als das Original, so sehr sogar, dass man eigentlich gar nicht mehr von einer Fortsetzung sprechen kann.

Null Null Schneider ist in Teil 2 nicht mehr für die Mordkommission tätig, er sieht optisch nicht mehr wie die Parodie eines Detektivs aus, sondern stattdessen wie der private Helge Schneider, und auch sonst ist von der 90er Jahre-Version des Kriminalisten nicht mehr viel übrig geblieben. Gewaltbereiter als damals ist seine Figur viel mehr an den Romanen des Kommissars orientiert, als an seinem ersten Film, und auch dass er nun alleine lebt, eine zwangsläufige Veränderung durch den Tod von Filmpartner Andreas Kunze, sorgt für ein ungewohntes privates Umfeld.

Aber nicht nur Helge hält sich nicht an Regeln. Der erfahrene Zuschauer seiner Werke tut es ebenso wenig und geht gar nicht erst in eine Fortsetzung rein, sondern ganz allgemein in einen Helge-Film. Und der guckt sich trotz der vielen Jahre Pause genauso wie die 90er Jahre-Werke. Damit wirkt er nicht wie ein krampfhaftes Imitat, er fühlt sich wie ein Original an. Modernisierungen haben in Schneiders Filmen keinen Platz. Das einfache Volk steht durch skurrile Figuren verkörpert im Vordergrund, und so spielt auch „Null Null Schneider 2 - Im Wendekreis der Eidechse“ in der völlig eigenen Welt des Ausnahmekomikers, und das macht sein aktuelles Werk so kompatibel mit den vergangenen Arbeiten - mit Ausnahme des eher privateren, in meinen Augen aber missglückten „Jazzclub“. Der hier besprochene Film setzt eher da an, wo Helge einst mit „Praxis Doktor Hasenbein“ aufgehört hat, und mit dem ist er gar noch mehr verwandt als mit Null Null Schneiders Jagd auf Nihil Baxter, war doch die Geschichte um einen Arzt und seinen Sohn der bis dahin extremste Fall eines Helge-Films, so sehr wie er sich jeglicher tatsächlicher Handlung verweigerte.

Nie ging es in Helge-Filmen wirklich um eine zentrale Geschichte, aber seit dem bislang unübertroffenen Start mit „Texas“ wurde sie immer weiter abgebaut, bis nur noch Fragmente übrig waren, die eine Art roten Faden im Nichts darstellten, umgeben von geistreichem Nonsens und Improvisation. In „Null Null Schneider 2" ist es nicht anders. Gab es auf der Jagd nach Nihil Baxter tatsächlich eine Jagd auf Nihil Baxter, so ist der Beititel „Im Wendekreis der Eidechse“ blanker Hohn, kommt der von Musiker Rocko Schamoni verkörperte, wie eine Echse zischende Kettenraucher doch so gut wie gar nicht vor. Er ist nur ein Teil im wirren Mosaik von Null Null Schneiders Realität, in der das Absurde Alltag ist und der Zuschauer sich jederzeit auf eine neue Absonderlichkeit einstellen muss.

Damit sind viele überfordert, glauben sogar gerne unterfordert zu sein, da sie Helge Schneiders Humor in seiner Kunst und Intelligenz unterschätzen. Und so bleibt nur die Spezies des Helge-Fans übrig, die sich über solch herrliche Szenen freut, wie beispielsweise dem Kauf und Transport einer Waschmaschine, die einiges an Spielzeit einnimmt, was mitunter daran liegt, dass der Weg vom Waschmaschinengeschäft bis zum Heim des Kommissars über Spanien führt. Der Authentizität wegen wurden diese Aufnahmen auch gleich in Spanien gedreht, weswegen man „Null Null Schneider 2“ wohl als den aufwändigsten Helge-Film betrachten kann.

Das Publikum selektiert sich also ganz von alleine aus, und scheinbar weiß der heutige Kinobesucher, dass ein Helge Schneider-Film nicht vergleichbar ist mit den eher klassischen Komödien eines Michael Herbig oder Otto Waalkes. Zumindest hat diesmal niemand nach 10 Minuten das Kino verlassen, und das war früher Standard. Tränen zu lachen im übrigen auch, und auch das ist mir persönlich wieder passiert, diesmal in einer wundervoll-dämlichen Zahnarzt-Szene, in welcher ein Mann mit übergroßem Bart zum Problem für den Dentisten wird.

Zurück zum Publikum: das war während der von mir besuchten Vorstellung eher rar vertreten, sprich der Saal war sehr leer, und die wenigen die mit uns Freude am Nonsens hatten, waren Studenten, also eine andere Kinogänger-Generation als einst. Das bestätigte zunächst meine Befürchtung der Humor in einem Helge-Film könnte altersbedingt sein, so dass ich ziemlich kritisch war ob der Kauf der Karte wirklich Sinn ergibt. Aber ich wurde eines besseren belehrt. „Null Null Schneider 2“ ist mehr als Nostalgie an vergangenen Filmen, er guckt sich im erwachsenen Alter nicht weniger lustig, er ist ein Original unter lauter Originalen, und nach dem Anschauen wünscht man sich Helge hätte zwischendurch nie aufgehört Filme zu drehen, so viel Spaß hat das ganze bereitet.

Einzig gegen Ende ging dem Film ein wenig die Luft aus, und der Schluss kam ein wenig zu plötzlich, aber ansonsten gibt es eigentlich nichts zu klagen. Immerhin bietet der Film all das was man erwartet, wenn man einen Streifen von und mit Helge Schneider sichtet. In einem Interview äußerte der Musiker er hätte so viel Spaß am Dreh gehabt, dass er gleich einen weiteren Film drehen könnte. Da sag ich nur: Bitte tu dies! Schnapp Dir die schauspielerischen Laien und leg wieder los. Es macht einfach Spaß jemandem bei solch sympathisch unverkrampften Herumalbern zuzusehen und dabei miterleben zu dürfen, dass die Welt des kleinen Bürgers sich eigentlich nicht sonderlich verändert hat. Und damit steht die Realität und der Helge-Film im Widerspruch zu dem was die Massenmedien uns immer wieder weismachen wollen. sehenswert

Donnerstag, 17. Oktober 2013

THE LAST STAND (2013 Kim Ji-woon)


Ein Drogenbaron befreit sich aus der Gefangenschaft des FBI und brettert mit seinem Auto Richtung Mexiko. Seine Jungs sind bereits in der Nähe der Kleinstadt Sommerton Junction vor Ort um die Flucht über die Grenze vorzubereiten. Doch keiner von ihnen rechnet mit der Hartnäckigkeit des Sheriffs. Denn Ray Owens hat Erfahrung mit harten Jungs, war damals für das Drogendezernat tätig und ist ein ganz zäher Hund...


Es sind nicht immer sieben Brücken über die man gehen muss...

Ich denke mal wir alle waren kritisch, als es hieß Schwarzenegger kehre auf die große Leinwand zurück, nachdem er im realen Leben, mit Blick auf jegliche Abweisung von jeglichem Gnadenerlass, als Gouverneur von Kalifornien beweisen konnte, dass er dort so gnadenlos ist wie seine Kinorollen. Die meisten von uns waren aber auch neugierig. Macht dass Sinn einen so gealterten Arnie wieder auf alte Spuren zu lenken, zumal das Kino der 80er Jahre in den Lichtspielhäusern von heute nicht mehr denkbar ist? Was müsste modernisiert werden, damit das ganze funktionieren kann? Fragen über Fragen!

Ja, ich war kritisch, und mein persönlicher Blick auf Schwarzeneggers 90er Jahre-Werke bestätigten ihn nur als Unikum, das in die 80er Jahre gehört. Nur wenige Werke wie „Terminator 2“ gefielen mir von seinen Arbeiten des letzten Jahrzehnts des vergangenen Jahrhunderts. Aber ich blieb offen, war bereit mich positiv überraschen zu lassen, und es freut mich, so wenig ich Schwarzenegger als Mensch auch leiden kann, dass seine Rückkehr so positiv ausgefallen ist. Seine Auftritte in den beiden „Expendables“-Filmen hatte ich nicht verfolgt, somit war ein Blick auf seine erste Hauptrolle seit „Terminator 3“ auch mein erster Blick auf den gealterten Actionhelden.

Schwarzenegger spielt das was er am besten kann: den kumpelhaften aber konsequenten Idealisten mit dem Händchen fürs Grobe. Das Drehbuch bescherte ihm kleine Nischen die sein gehobenes Alter berücksichtigten, aber die sind fast Nebensache. Der beliebteste Held des 80er Jahre Action-Kinos darf sich ansonsten austoben wie gehabt. Da wird geschossen (und das nicht nur mit „harmlosen“ Waffen), und da wird sich geprügelt, gerne auch mal wie Kollege Stallone in „Rocky 6“ mit wem Jüngeres. Ein Generationenkonflikt wird geradewegs provoziert. Alte Werte gegen neue, klar dass in einer Konsequenz eines Schwarzenegger-Charakters die alten Werte siegen.

So ganz schien man Arnie in der Hauptrolle aber doch nicht zu trauen, und so schenkte man ihm viele kleine Helferlein, die an seiner Seite tätig sind. Interessanter Weise tut dies dem Film keinen Abbruch, auch wenn Schwarzenegger im Verhältnis dadurch weniger tätig ist, als er es eigentlich sein könnte. Einzig Johnny Knoxville mit seiner kindischen Art als Waffennarr fällt negativ auf, ist er doch nur als Zugeständnis an den nicht zu knappen Anteil des Jungpublikums  eingebaut und kaspert herum, während der restliche Film sich auf trockenem Humor stützt, so wie man es von einem Schwarzenegger-Film kennt.

Ein Johnny Knoxville schafft es aber nicht eine an sich gute Struktur durch seine infantile Anwesenheit zu zerstören, er wird lediglich zum bitteren Beigeschmack eines Filmes, der ansonsten die richtigen Töne trifft für ein Werk, das den Kompromiss zwischen altem und neuen Publikum sucht. Das Rezept von „The Last Stand“ ist nun keineswegs ein ausgeklügeltes. Im Gegenteil, es ist recht simpel. Aber genau darin sehe ich sein Erfolgsgeheimnis. Das ist genau das, was den Streifen zu einem guten Beitrag des überfluteten Action-Genres macht: er will nichts revolutionieren. Er konzentriert sich auf einen Arnie im Zentrum, umgeben von jungen Helfern, die den Actionanteil hochschrauben. Und damit es auch immer wen zu erschießen gibt, sind die Handlanger des großen Drogenbarons schon lange vor dem Chef vor Ort.

Die Geschichte ist keine originelle, bei näherer Betrachtung macht sie nicht einmal richtig Sinn, aber der Erzählstil von Regisseur Kim ji-woon hat es in sich. Nie bremst der Film sich aus, immer bleibt es interessant, selbst dann wenn wir den Drogenbaron bei x Szenen dabei beobachten dürfen, wie er einen PS-geilen Schlitten steuert. Die Geschichte setzt an zwei Stellen an. Arnie und Kollegen bekämpfen die Vorhut, während Forest Whittacker erfolglos versucht den entkommenen Drogenbaron zu erwischen. Zu einem Zusammentreffen der beiden Gesetzeshüter kommt es erst nach dem Showdown, welcher durch seine Westernmentalität zu gefallen weiß.

Wenn mich jetzt einer fragt, was es in der Theorie genau ist, was den Film so unterhaltsam macht (und das selbst beim zweiten Sichten): ich kann es nicht sagen. Er funktioniert einfach. Er ist schlichtweg ein unterhaltsamer Männerfilm, in welchem das „auf Nummer sicher"-Konzept ausnahmsweise einmal zu funktionieren weiß. Arnie Is Back, und endlich hat er mal wieder etwas gedreht, das auch mir zugesagt hat. Mach weiter so, und die mauen 90er Jahre ab „Last Action Hero“ bis hin zum katastrophalen „Collateral Damage“ sind vergessen. Selbst bei besseren Werken dieser Phase (wie z.B. bei „The 6th Day“) musste man immer ein Auge zudrücken. „The Last Stand“ hingegen ist ein kompromissloser Spaß und das ideale Beispiel dafür, was ich unter einem „Kopf aus und Spaß haben"-Film verstehe, ohne dass einen die Blödheit pausenlos von allen Seiten anstrahlt. sehenswert

LAST ACTION HERO (1993 John McTiernan)


Durch eine magische Eintrittskarte gerät der kleine Danny in den Film seines liebsten Actionhelden Jack Slater und erlebt dessen Abenteuer mit. Slater wundert sich woher Danny seine Informationen hat, gleichzeitig geht ihm der Bengel jedoch gehörig auf den Keks, weil er immer wieder davon redet Slaters Leben wäre nur ein Film...


Brachial anstatt subtil...

Wenn sich der Drehbuch-Autor von „Lethal Weapon“ mit dem Regisseur von „Stirb langsam“ zusammen tut, um mit Arnold Schwarzenegger in der Hauptrolle eine Parodie auf das 80er Jahre Action-Kino zu drehen, dann sollte man meinen, dass die richtigen Leute an einem solchen Projekt beteiligt sind. Wer sollte sich bitte besser auskennen als jene Menschen, die das Action-Genre durch ihre Innovationen mitgeprägt haben? Doch was sich in der Theorie so ideal liest, wird in der Praxis gerne mal von der Realität eingeholt. „Last Action Hero“ floppte an den Kinokassen, und dies nicht weil er seiner Zeit voraus war oder zu anspruchsvoll für das Blockbuster-Publikum war, nein, aus dem gerechtesten Grund den es überhaupt gibt um finanziell zu scheitern: er ist eine Enttäuschung.

Als Ausgangspunkt eine magische Eintrittskarte zu nehmen, ist schon nicht die beste Entscheidung, passt aber zum Grundton des Films, der das Action-Genre auf das Niveau eines Kinderfilmes stellt und das erwachsene Publikum ausblendet. Das ist ein Unterschied zu der alternativ möglichen Herangehensweise den Actionfilm aus den Augen eines Kindes erleben zu lassen, ein Unterschied der für den fertigen Film leider nicht zählt. Aber selbst auf dieser Grundlage aufgebaut hätte ein ordentliches Ergebnis erzielt werden können. Denn auch die einzelnen Zutaten klingen in der Theorie sehr reizvoll. Ein Junge gerät in einen Film, später gerät der Actionheld in die Realität und muss der Tatsache ins Auge sehen, dass er lediglich eine erfundene Figur ist, Schwarzenegger darf sich selbst als arrogantes Hollywood-Arschloch spielen wenn er bei einer Premiere auf Slater trifft, Gastauftritte und Anspielungen auf andere Filme gibt es zuhauf, die Bösewichter sind gut gecastet, das Genre wird nicht nur in seinen Schwachpunkten parodiert und die Action kommt trotz Schwerpunkt Komödie auch nicht zu kurz.

Wenn aber nun ein kleiner Junge stets mit schriller Stimme Sachen ruft wie „Au man, ich bin im Film“ wenn etwas atemberaubendes passiert, oder „Ich kann doch nicht mal Auto fahren“ wenn der Bengel einen Kran steuern soll, dann sind wir genau im Kernbereich warum der fertige Film nicht funktioniert. Klar, der Knabe nervt, aber da sind schon ganz andere Produktionen mit fertig geworden. Nein, den Verantwortlichen fehlte es an einer zurückhaltenden, subtilen Grundform, die das Action-Genre mit Respekt hätte parodieren können. Stattdessen stampft man wie ein Elefant durch den Porzellanladen und zeigt mit dem Finger auf die meisten Parodiemomente, damit der Zuschauer sie auch ja nicht übersieht. Immer wieder wird man auf die stolzen Momente hingetreten, so als bekäme man sein Gesicht in eine Toilettenschüssel gesteckt, um bloß nicht den wunderbaren Haufen zu übersehen. Das ist penetrant. Das nervt. Und so geht es bei „Last Action Hero“ am Stück zu.

Ideen für den kleinen Schmunzler, wie der Einfall ein Cartoon-Tier im Präsidium als Polizist arbeiten zu lassen, werden durch unnötige Wiederholungen verwässert. Kurzum: der Film ist bestens geeignet für Menschen fürs Grobe. Wer gerne an die Hand genommen wird, selbst gerne in jenen Momenten „WOOOOW“ ruft, in welchen es auch der kleine Danny tut, und wer quantitative Sehwerte wichtiger findet als psychologisches Feingefühl, der ist in „Last Action Hero“ bestens aufgehoben, ein Film auf den Schwarzenegger zur Erscheinungszeit laut Interviews sehr stolz war.

Schade ist das magere, aber durchaus noch guckbare Ergebnis mit Blick auf seine wirklich genialen Ideen. Trockene Sprüche hagelt es reihenweise, inklusive meinem liebsten bezüglich Falschgeld und dieses für die Alimente an die Ex-Frau verwenden zu wollen. Stallone darf für ein „Terminator 2“-Plakat herhalten und von Slater als toller Actionheld bewundert werden, wenn Danny Slater beweisen will, dass er nur Fiktion ist. Und auch Slater durch die Gefühlshölle schreiten zu lassen, wenn er erfahren muss, dass er nicht real ist, wäre theoretisch auch eine gute Idee, die aber nur im Schnellverfahren abgefertigt wird, anstatt sich diesem seelischen Elend tatsächlich einmal feinfühlig zu nähern. Dass man dafür nicht zur Tragikomödie werden muss oder zu viel Laufzeit in Anspruch nehmen muss, zeigt der passende Vergleich von Danny DeVitos Rolle in „Zwillinge“, in welcher er erfahren muss, dass er nur genetischer Abfall ist.

Kurzum: mit weeeeeit heruntergeschraubten Ansprüchen kann man sich „Last Action Hero“ mal geben. Aber es wird keine kurzweilige Unterhaltung ohne zwischendurch enttäuscht den Kopf zu schütteln und man verpasst auch nichts, wenn man sich den Streifen überhaupt nicht zu Gemüte führt. Am interessantesten ist „Last Action Hero“ dann, wenn man ihn rein theoretisch guckt, um nachzuschauen an welchen Stellen welche Fehler begangen wurden. Wahrscheinlich hätte es aber auch einfach gereicht dem legendären Action-Trio vor Drehbeginn das Wort subtil zu erklären. Das hätte einiges retten können. mittelmäßig

Samstag, 12. Oktober 2013

DIE KILLERTOMATEN SCHLAGEN ZURÜCK (The Killer Tomatoes Strike Back 1990 John De Bello)


Polizist Bole glaubt nicht an Killertomaten. Doch als er den Fall der Tomatologin Johnson übernimmt, die mehrfach von Killertomaten überfallen wurde, sind die Zweifel schnell behoben. Gemeinsam bekämpfen sie Professor Gangreen, der diesmal als TV-Moderator getarnt mit Hilfe des tödlichen Gemüses die Weltherrschaft erlangen möchte...


Aus Kult wird Kommerz...

Da werden einige sicher enttäuscht gewesen sein: da wird uns endlich jene Art Killertomaten gezeigt, die sich viele Zuschauer unter dem Begriff schon immer vorgestellt und gewünscht haben und dann sind sie in einem eher schlechten Film vertreten. Keine großen Riesenattrappen mehr, keine Tomatenmänner als Killertomaten-Ausrede, nein! Kleine Tomaten mit gefräßigen Mäulern machen die Gegend unsicher. Animationstechnisch natürlich auf unterstem Niveau, aber das gehörte schon immer zur Rezeptur dieser Filmreihe.

Positiv fällt zunächst einmal die Eingangssequenz auf. Sie gehört auch zu meinen persönlichen Lieblingsszenen der zweiten Fortsetzung. Es ist eine Jason-Parodie. Der Witz ist zwar flach, zündet aber immerhin. Auch die „Psycho"-Duschszenen-Parodie ist mit Sicherheit keine humoristische Königsübung aber dennoch belustigend. Das Schicksal dieser zwei Witze teilten die meisten anderen in diesem Film jedoch nicht. Das Niveau der Gags war schon immer grenzwertig zu nennen, aufgrund des Rahmens aber auch sinniger als sich mancher Cineast eingestehen wollte. „Angriff der Killertomaten“ ließ öfter mal etwas niveauvollere Gags aufblitzen durch seine Parodieposition und seinem anarchischen Grundton. „Die Rückkehr der Killertomaten“ gab sich schon flacher dem Nonsens hin, blieb hierbei aber überraschend treffsicher. Teil 3 besitzt nun gar keine Klasse mehr. Das versteckte Niveau der Vorgänger ist fort. Der Film selbst schaut sich wie für ein Kinderpublikum gedacht, was wohl auch erklärt warum im selben Jahr von „Die Killertomaten schlagen zurück" auch die Zeichentrickserie „Angriff der Killertomaten" gestartet ist. Das Killergemüse ist im Mainstream angekommen. Rebellenfilm ade!

Regisseur John De Bello, der auch die beiden Vorgänger verzapft hat, achtet viel mehr darauf eine flotte, actionreiche Geschichte zu erzählen, als das zu bieten, was der Stammzuschauer eigentlich sehen will, nämlich das von „Schlock - Das Bananenmonster“ geklaute Prinzip: anarchischer Klamauk, der zwischen den Adjektiven clever und plump hin und her hüpft, und dies in einem Fließband-Tempo. Wer zu einem Killertomaten-Film greift gehört nun einmal einer bestimmten Gattung Zuschauer an. Diesmal greift man jedoch (vergebens) nach dem Massenpublikum, was aufgrund der schrägen Thematik und des noch immer schrägen Grundtons ein widersprüchliches Unterfangen ist, immerhin ist John De Bellos Erfindung nicht vergleichbar mit kommerziell erfolgreichen Klamaukfilmen wie "Police Academy". Für diesen Vergleich würden „Die Killertomaten schlagen zurück" aber ohnehin die gelungenen Lacher und die hohe Gag-Rate fehlen, welche die guten Teile der Reihe um die Polizeischule ausgemacht haben.

Immerhin darf auch Teil 3 sich manch gewagtem grenzdebilen Humor hingeben. So z.B. Professor Gangreens aktuelle Methode der Gehirnwäsche, die darin besteht seinen Opfern nervige Situationen aus dem Alltag aufzuzählen, wie z.B. das ewige Schlangestehen an der Supermarkt-Kasse, womit man auf sehr andere Art bereits der Grundidee von „Falling Down" vorweg greift. Leider verlieren aber auch solch sympathische Ideen in ihrer überzogenen Art ihr Potential, und damit geht wertvolles Material verloren inmitten einer durch zu viel Handlung verwässerten Story.

Der Held mit dem Fallschirm aus „Angriff der Killertomaten“ wird diesmal noch mehr zur Randfigur degradiert als im zweiten Teil. Damit könnte man noch leben, könnte er doch ohnehin keine drei Filme komplett füllen. Aber was aus den beiden Bösewichten geworden ist, die erst mit der ersten Fortsetzung eingeführt wurden und dort treffsicher trumpften, ist schon eine Schande für sich. Der Professor, der vom legendären Gomez der Ur-“Addams Family“ gespielt wird, hat immerhin seine wenigen Momente, zu denen auch die Idee zählt am Ende des Films in die Umkleidekabine der Verlierer zu schalten. Aber seine Figur wird nicht mehr so treffsicher eingebracht wie im zweiten Teil. Das was sein Charakter parodieren soll wird zur Nebensache. Und rein optisch wirkt Astins Spiel auch nicht mehr ganz so geisteskrank wie im Vorgänger oder in seiner Paraderolle des Gomez Addams. Allerdings habe ich das Gefühl gehabt, dass dies viel eher an Kamera, Maske und Beleuchtung lag als am mangelnden Spiel Astins.

Schlimmer traf es jedoch Gangreens dumm-dämlich grinsenden Gehilfen. Seine schleimige Art ist leider nicht mehr so lustig wie im Vorgänger. Und dort zählte er zu den wirksamsten Figuren im Humorbereich. In „Die Killertomaten schlagen zurück“ wird er lediglich verfeuert. Er ist dabei, weil er dazu gehört. Das ist alles. Zu guter letzt wäre noch Wuscheltomate zu erwähnen. Diese wurde in Teil 2 als Niedlichkeitsfaktor eingebaut. Das habe ich schon damals für einen Fehler gehalten, aber auch sie hatte dort ihre witzigen Momente. In Teil 3 ist sie nur noch dafür da die wenigen weiblichen Zuschauer zu entzücken, und das ist nicht gerade eine Ehrerbietung. Kurzum: jede Figur, die einst das Killertomaten-Universum bereicherte, erfährt einen respektlosen Umgang.

Man erwartet von einer Killertomaten-Fortsetzung sicherlich nicht viel. Um so extremer ist die Erfahrung des Zuschauers, wenn man dann trotzdem enttäuscht wird. Auf ganz niedrigem Niveau weiß „Die Killertomaten schlagen zurück“ noch zu funktionieren, verwässert im Kommerz und längst im eigenen Kosmos angekommen ohne sich selbst oder das Kino zu reflektieren. Vereinzelte Lacher und liebgewonnene Figuren schaffen es den treuen Zuschauer bis zur Ziellinie zu geleiten. Aber ein kurzweiliges Erlebnis haben auch sie nicht erlebt. Und jedem anderen Zuschauer wird die zweite Fortsetzung des kultigen Originals ohnehin zu blöde, klamaukig und peinlich sein. Zielpublikum ist diesmal das Teen-Publikum, und für die fällt das Produkt zumindest noch okay aus. mittelmäßig


Donnerstag, 10. Oktober 2013

ES LAUERT (It Waits 2005 Steven R. Monroe)


Eine alkoholkranke Rangerin legt sich mit einem frisch befreiten Indianer-Dämon an...


Mein Freund, der Vogel...

Was soll man nur von diesem Film halten? Ich fand ihn sehr schlecht und mich wundert die für diese Art Billig-Produktion noch recht hohe OFDb-Durchschnittsbewertung von 5.03 (Stand Oktober 2013). Was könnte einem an diesem Streifen gefallen? Da fallen mir nur zwei Möglichkeiten ein. Zum einen hätten wir da die große Oberweite der Hauptdarstellerin, die diese nicht entblößt, ansonsten aber auch eher mittelmäßig aussieht dank alterndem Gesicht. Sie ist zwar sehr um gutes Schauspiel bemüht, schafft es aber doch nie Glaubwürdigkeit in ihrer Rolle aufkommen zu lassen. Dass sie keine 08-15 Schönheit ist, sehe ich persönlich als Pluspunkt des Films, ob vom Casting-Team gewollt oder nicht.

Was den zweiten halbwegs positiven Aspekt betrifft: das wäre das Finale und dessen Einleitung. Hier wird „Es lauert“ endlich ein wenig atmosphärisch. Für irgendwen, der bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht völlig genervt ausgeschaltet hat, könnte sogar ein Hauch von Spannung aufgekommen sein. Tja, und das war es ehrlich gesagt auch schon, selbst bei dem Versuch den Film rückwirkend aus den Augen eines Neulings im Horror-Genre wirken zu lassen! Regisseur Steven R. Monroe hat sich nicht gerade mit Ruhm bekleckert als er den hier besprochenen Streifen abdrehte, auch wenn er mit „Monster Village" bewies, dass er noch tiefer sinken kann.

Und was gab es im Gegensatz auf der Negativseite zu entdecken? Da hätten wir beispielsweise einen dramatischer Unfall, der uns per Rückblicke mit nervigen Schnitten im schrillen MTV-Stil länger gezeigt wird als uns lieb ist. Dies allerdings nicht um eine furchtbar blutige Szene für die Gorehounds unter den Zuschauern zu zeigen, was noch quantitativen Sehwert für ein Teilpublikum geboten hätte, nein, man möchte damit das Drama des Unfalls hervorheben. Dies jedoch auf eine solch gewollte, reißerische und damit unehrliche Art, dass jegliches echte Mitgefühl oder Verständnis für die Situation flöten geht. Zumal sich der gewollte Aspekt auch in ein oder zwei Sätzen hätte erwähnen lassen, um der Hauptfigur einen Hintergrund für ihr zukünftiges Tun zu geben.

Nach dem Unfall erleben wir die ewige Trauerphase der Heldin bezüglich des Unfalls, eine Phase der Geschichte, in welcher eine zweite Person eingeführt wird, die sich gefühlte 10 Minuten als Hobby-Psychologe versucht, dass man sich erneut fragt, ob auch dieser Aspekt nicht mit einigen kurzen Sätzen hätte abgehandelt werden können. Denn auch hier wird krampfhaft versucht Dramatik und Tiefgang aufkommen zu lassen, und dies so unsensibel, dass alles nur plump, aufgesetzt und dank des nervigen Kitschscores im Hintergrund auch extremst nervig ausfällt.

Dass die Psychoanalyse im Bett endet ist nur der eine witzige Aspekt daran, der zumindest die Nerven des Trash-Fans streichelt. Viel lustiger fand ich es allerdings, dass der Kerl die Frau aufforderte ihm zu sagen was sie bewegt, nachdem sie ihm erzählte was sie bewegt. An dieser Stelle musste ich wahrlich laut lachen. Was für ein guter Zuhörer dieser Mann doch ist. Das war allerdings noch nicht der peinlichste Moment des Streifens. Seinen Tiefpunkt erreicht dieser Horrorfilm, wenn sich die Heldin der Geschichte mit dem Vogel ihrer toten Freundin unterhält, der laut Drehbuchautor auch noch alles zu verstehen scheint.

Er solle sie warnen wenn das Monster kommt, teilt sie ihm in einer Szene mit. Und all dies geschieht nachdem sie dem Alkohol abgesagt hat, sonst hätte zumindest der als Alibi für einen bescheuerten Drehbuch-Einfall stehen können. Zur Rechtfertigung wird innerhalb der Geschichte in seiner wissenschaftlichen Weisheit behauptet, diese Art Vogel gehöre zu den klügsten Geschöpfen der Natur. Vergesst also Schweine und Delphine. Ausgerechnet ein Vogel, eine Tierart der nachweislich nachgesagt wird, sie gehöre mit zu den hohlsten Gattungen unserer Erde, entpuppt sich in „Es lebt“ als der Einstein unter unseren tierischen Freunden.

Zu Gute halten kann man dem Film, dass die Darsteller ansonsten nicht pausenlos dümmlich handeln. Das ist in einer billig zusammengeschusterten Videoproduktion auch schon mal was, ein Aspekt den jeder Vielseher des Genres bestätigen kann. Wichtiger ist dem jedoch die eigentliche Hauptattraktion dieser Streifen, und das ist das Monster. Dies wird dem Zuschauer lange Zeit vorenthalten, womit versucht wird eine Erwartungshaltung aufzubauen, was für den Besitzer der DVD völlig unnötig angegangen wurde, da diesem das Vieh in Großaufnahme auf dem Front-Cover bereits begegnet ist. Na danke dafür, liebe Cover-Gestalter!

Zumindest weiß ich nach dem Gucken dieses Schrotts nun, warum es so wichtig war in der kurzen Inhaltsangabe selbigem Covers unbedingt auf das seelische Trauma der Hauptrolle einzugehen, nachdem diese ungefähr 30 Minuten des Films ausmacht, in der zweiten Hälfte lustiger Weise aber überhaupt keine Erwähnung mehr findet. Aber ich schweife ab: Sieht man das Monster endlich mal, erlebt man eine für einen B-Horrorfilm nett zurecht gemachte Kreatur, die spätestens dann an „Jeepers Creepers“ erinnert, wenn sie ihre Flügelchen zeigt. Vom Verhalten her erinnert die Kreatur dann aber eher an Jason aus den „Freitag der 13.“-Filmen, der es ebenso liebte Leichen zu verstecken, mit ihnen zu spielen und das Hauptopfer des Films stets aus unerfindlichen Gründen bis zum Finale in Ruhe zu lassen. Dass dieses Verhalten bei einem Dämonen eher fehl am Platz ist, ist sicher Ansichtssache, aber meine Meinung. 

Die Morde geschehen in der Regel außerhalb des Kamerablickwinkels. Das Blut spritzt an Wände, Bäume und Waldboden. Zum Ausgleich bekommen wir ein paar nett zurecht gemachte Leichen präsentiert. Da aber auch der Kameramann keine gruselige Atmosphäre trotz der guten Waldkulisse einfangen konnte, was sicherlich auch am zu steril wirkenden Farbfilter liegt, können diese Mini-Pluspunkte auch bei einem sehr gönnerhaften oder leicht zufrieden zu stellendem Publikum nichts mehr bewirken. Wäre dies ein Amateurfilm hätte man mit Sicherheit noch trotz aller Enttäuschung ein Auge zudrücken können, als professioneller Film (im produktionstechnischen Sinne) ist dies aber nicht möglich.

Die deutsche Synchronisation ist okay zu nennen. Lediglich die Sprecherin der Hauptrolle hätte ich in manchen Situationen gerne mal geohrfeigt, was spätestens dann gerechtfertigt ist, wenn sie völlig künstlich ein "aua aua" ins Mikro haucht, nachdem die Heldin im Wald gestolpert ist.

Also, egal ob Trash-Fan oder nicht: lasst bloß die Finger weg von diesem Schund. Wer Spaß an schlechten Filmen hat, soll lieber zu Werken wie "Stay Awake", „Rabbits“ und "Dark Area" greifen. Wer gar ein gelungenes Monsterfilmchen der klassischen Art sehen will, kann ja mal zu dem "Watchers"-Film aus den 80er Jahren greifen. Der macht deutlich mehr Spaß. Und wenn es unbedingt ein Dämon aus einer Indianer-Legende sein muss: schlichten Gemütern könnte auch der routiniert okay umgesetzte „Anthony 2“ gefallen. schlecht

Sonntag, 6. Oktober 2013

HOMO FABER (1991 Volker Schlöndorff)


Der stets sachliche Ingenieur Faber lernt auf einen Flug einen Mann kennen, dessen Bruder sich als ehemaliger Studienfreund Joachim entpuppt. Faber muss unweigerlich an Hanna denken, seine Liebe zu jener Zeit, die schlussendlich Joachim geheiratet hat. Kurze Zeit später lernt der Ingenieur auf einem Schiff die junge Elisabeth kennen, die ihn ebenfalls an Hanna erinnert. Es entsteht eine Liebschaft zwischen den beiden...


Fügung und Schicksal?...

„Homo Faber“ ist eine jener typischen Literaturverfilmungen, die ganz nach Klischee entweder geliebt oder gemieden werden. In Seelenruhe und mit allerhand Dialog bereichert wird eine scheinbar schlichte Geschichte erzählt, die ihre Hintergründigkeit ebenso wie ihren Unterhaltungswert nur jenen Zuschauern offenbart, die aufmerksam und sensibel genug sind, sich einem solchen Stoff hinzugeben.

Die gefühlvolle Geschichte wird uns aus der Sicht eines sachlich denkenden und dementsprechend agierenden Mannes erzählt, das ist einer der besonderen Kniffe dieses Stoffes, und dankbarer Weise weiß man als Zuschauer nie mehr als er und dies bis zum Schluss, so dass offene Fragen einem nach dem Sichten ebenso beschäftigen wie das was man miterleben durfte. „Homo Faber“ ist ein bewegender Film, egal ob man die Wendungen nun vorausahnt oder nicht. Und es tut gut einen Stoff zu einem Thema, das vielerorts eine reißerische, moralische oder erotische Umsetzung erfahren hätte, realitätsorientiert erzählt zu bekommen. „Homo Faber“ ist stimmig und zurückhaltend zugleich, er ist intensiv aber einfach gehalten, er ist gefühlvoll und doch sachlich erzählt. Er ist unverfälscht und manipuliert nicht, und das ist gerade in moralischer Hinsicht der Vorteil des Streifens schlechthin, geht es doch nicht um Tat und Täter, um Schuld und Unschuld, zumindest nicht in anklagender Zurechtweisung.

Die leisen Zwischentöne des Stoffes verstehend, agieren die beiden Hauptdarsteller Sam Shepard und die ein Jahr zuvor in „Hitlerjunge Salomon“ mitspielende Julie Delpy, die mittlerweile selbst sechs mal Regie geführt hat, vorbildlich und erweisen sich als perfekt harmonierend, sowohl miteinander als auch mit dem Stoff. Schlöndorff vertraut der Geschichte, die von ihren Figuren getragen wird, womit eine große Verantwortung auf den Schultern der Schauspieler lastet, und alle wissen zu überzeugen. Schön, dass man in einer kleinen Rolle auch dem unterschätzten Thomas Heinze eine Chance gab. Das wäre ein Jahr später wohl kaum noch möglich gewesen, spielte er im selben Jahr von „Homo Faber“ doch auch die Hauptrolle in „Allein unter Frauen“, die ihn kurzfristig berühmt machen sollte. Von da an engagierte man ihn nur noch für leichte Stoffe, ein Gebiet das dem hier besprochenen Werk nicht ferner liegen könnte.

Wer die nötige Muße mitbringt und sich auf sensible, unscheinbar wirkende Stoffe einlassen kann, der kann mit „Homo Faber“ ein wundervoll aufwühlendes Filmereignis erleben, das einem nach dem Sichten so leicht nicht mehr loslässt. Ich kenne die Buchvorlage nicht und kann somit nur für den Film an sich sprechen, in meinem persönlichen Falle ist dies aber sicherlich ganz gut so, hätte eine noch so gut beschriebene Figurenzeichnung doch niemals zu einer solch intensiven Identifikation mit Faber geführt, wie durch die Besetzung von Julie Delpy in der Rolle der Elisabeth, der man selbst nur all zu gern verfallen wäre. sehenswert


Mittwoch, 2. Oktober 2013

JESSY - DIE TREPPE IN DEN TOD (Black Christmas 1974 Bob Clark)


Die Bewohnerinnen eines Hauses einer Studentenverbindung werden zur Weihnachtszeit nach und nach Opfer eines Psychopathen...


Die beste Zeit für Telefon-Terror...

„Jessy - Die Treppe in den Tod“ und der wesentlich berühmtere Horror-Klassiker „Halloween“ von John Carpenter sind zwei Filme, die aufgrund ihrer gleichen Thematik und der Entstehungszeit eine gewisse Verwandtschaft verbindet. Und da kommt es sehr gelegen, dass Erstgenannter vier Jahre vor dem ersten großen Slasher-Erfolg gedreht wurde, wäre er doch sonst sicherlich aufgrund der großen Beliebtheit von ihm inspiriert worden, und dann hätten wir nicht solch unterschiedliche Werke vorliegen, sind die beiden Filme doch stilistisch so weit voneinander entfernt, dass jeder eine eigene Faszination versprüht. Auch wenn ich im direkten Vergleich „Halloween“ vorziehen würde, so ist doch auch „Black Christmas“ (Originaltitel) gelungen und ein Must-See-Movie für Genre-Fans.

„Jessy“ ist einer dieser Filme, die heute so einfach nicht mehr gedreht werden, was man allein schon an der sehr unwürdigen Neuverfilmung „Black Christmas“ aus dem Jahr 2006 sieht, die nur wenig mit dem Original gemein hat. In der 1974-Version stimmen die Dialoge, das Verhalten der unterschiedlichst individuellen Menschen ist nachvollziehbar, der Blick konzentriert sich neben den Hauptanliegen auch immer auf scheinbare Nebensächlichkeiten, die dem Streifen erst das nötige Niveau bescheren, und die Bedrohung ist trotz manch komödiantischen Moments deutlich spürbar, wofür in erster Linie eine unglaublich kranke Psychopathen-Stimme am Telefon sorgt, sofern man sich den Film im Originalton anschaut.

Regisseur Bob Clark ist nach seinem miesen Erstling „Children Shouldn‘t Play With Dead Things“ und dem sehr geglückten Geheimtipp „Dead Of Night“ ein weiterer Genie-Streich geglückt. Ab den 80er Jahren orientierte er sich leider im Bereich des Komödien-Genres um, wo er mal schlechte Werke wie „Der Senkrechtstarter“ mit Sylvester Stallone und „Der Harte und der Zarte“ mit Dan Aykroyd abdrehte, aber auch manch sympathisches Werk wie „Porky‘s“ und „Karriere mit links“. All diese Filme, Genre-Wechsel hin oder her, sind jedoch viel zu sehr in den Mainstream-Bereich abgerutscht, während Stoffe wie „Jessy“ noch ihre Ecken und Kanten besitzen, die sie zu solch eigenständigen Filmen werden lassen.

Noch vor „Halloween“ liefert „Jessy“ Aufnahmen aus dem Blickwinkel des Psychopathen, freilich ohne Maske. Brutalitäten werden zurückhaltend aber nicht minder schockierend umgesetzt, und unaufmerksame Zuschauer werden außerdem mit einem möglichen Verdächtigen der Taten geködert. Für jeden der aufgepasst hat, ist das Spiel mit dem Verdächtigungen trotzdem keine unnötige Randerscheinung, sondern liefert einen zusätzlichen nüchternen Blick auf das unterschiedliche Treiben verschiedener Menschen während einer Extremsituation. Das ist auf sachliche Art interessant, jedoch nie zu theoretisch um nicht gleichzeitig auch unterhalten zu können.

Die Psychologie steht wie bei jedem guten Film im Mittelpunkt, und die ist nicht nur im eigentlichen Ablauf der Geschichte Trumpf, sondern auch in der Charakterzeichnung, die uns echte Menschen präsentiert und diese zur Wichtigkeit des Streifens macht. Ja, es geht um einen Psychopathen, aber der ist die Bedrohung und nicht das Zentrum der Zuschauerorientierung. Er ist der Fremdkörper innerhalb eines Szenarios, in dem der Zuschauer sich so gut orientiert und zu Hause fühlt, dass er schon fast keine spezielle Identifikationsfigur mehr benötigen müsste. Die bekommt er dennoch mit der Figur der Jessy serviert, die von Hauptdarstellerin Olivia Hussey sehr natürlich interpretiert wurde und nicht gerade, wie später typisch für das Genre, wie die klassische Scream-Queen herüber kommt. Nein, sie darf auf Gefahren und weniger bedrohliche Situationen realitätsorient reagieren, und sie wird weder sonderlich sympathisch noch zu unsympathisch präsentiert. Wie für die 70er Jahre typisch ist sie eine dem Mann gegenüber gleichberechtigte Frau und dies auf ganz selbstverständliche Art, weit entfernt von den verwässerten Emanzipationsklischees der heutigen Zeit.

„Black Christmas“ ist sehr langsam erzählt, aber nur wer lediglich auf plumpe Schauwerte setzt wird sich langweilen, so interessant ist die an sich schlichte Geschichte inszeniert, und so spannend wird es ab und an, obwohl man sagen muss, dass der Film nicht gerade wegen einer hochgedrehten Spannungsschraube trumpft. Der eigentliche Gewinn dieses Filmes, mal abgesehen von all den bereits aufgezählten Vorzügen, ist es, wie oben erwähnt, dass er bereits vor „Halloween“ entstanden ist, der das Genre derart beeinflusst hat, dass vergleichbare Filme sich ständig an ihm und später auch an „Freitag der 13.“ orientiert haben, und wir somit ein unbeeinflusstes Stück Film zu einer Geschichte präsentiert bekommen, die später zum Publikumsliebling werden sollte. Und wie man am noch immer sehr aktiven Horrormarkt bemerken kann, ist dies sogar bis in die heutige Zeit hinein noch der Fall.

Eben weil vielen Menschen heutzutage gar nicht mehr bewusst ist, wie anders man selbst ganz banale Geschichten erzählen kann, ist ein Film wie „Jessy - Die Treppe in den Tod“ ein so wichtiger Beitrag innerhalb des oft so simpel scheinenden Popkorn-Kino-Bereichs. Man muss nicht erst zu solch künstlerisch wertvollen Filmen wie „Valerie - Eine Woche voller Wunder“ greifen, um zu erkennen wie viel mehr Kino sein kann, wenn man es nur lässt. „Black Christmas“ ist im direkten Vergleich kulturell und inhaltlich gesehen näher dran an dem was das Publikum noch heute interessiert. Und deshalb könnte er vielleicht auch manchem Blockbuster-Stammgast gefallen, der sich mal an etwas anderem, etwas Vergangenem, versuchen möchte, ohne komplett Neuland zu betreten.

Vielleicht wird er Gefallen an der Ruhe der Inszenierung und an der Mühe finden, die man sich beim Herausarbeiten von Situationen und Charakteren gab. Vielleicht kann er sein Interesse für Qualitäten entdecken, so dass er Mainstream-Quantitäten zukünftig besser zu erkennen weiß. Vielleicht wird er nach „Black Christmas“ einfach mal mehr über das Medium Kino erfahren wollen, als dass was die Sackgasse der heutigen Lichtspielhaus-Kultur den Kunden in einer Dauerschleife vorsetzt. sehenswert