Mittwoch, 27. November 2013

TURISTAS (2006 John Stockwell)


Rucksacktouristen landen durch eine Buspanne in Brasilien im Nirgendwo, werden ausgeraubt und geraten kurz darauf in Gefangenschaft eines Organhändlers...


Vom Opfer zum Täter ist ein kleiner Schritt...

Das Ausland ist böse, nicht nur in Amerikas Politik, in den Filmen besagter Weltmacht ebenso, und im Zuge der durch „Hostel“ mit entstandenen Torture-Horrorwelle war es gerade dieser Film, der die Grundlage für Nachahmer, und damit auch für Nachahmer im Ausland-feindlichen Bereich, ebnete, und so erschien schließlich eines Tages „Turistas“ auf der Bildfläche, der uns die Schattenseiten von Brasilien zeigen darf, wenn auch nicht ohne Selbstkritik am eigenen Volk zu äußern, das ist ja auch schon mal was, wenn man bedenkt aus welchem Tunnelblick-Land besagter Streifen kommt.

Das interessante: in seiner Rezeptur folgt man zwar stark dem „Hostel“-Vorbild, an Gewalttaten hält man sich jedoch stark zurück. Genau genommen gibt es nur eine härtere, längere Folterszene, die mit einer Operation verbunden ist zu einem Thema, welches der Film ohnehin nur als Aufhänger benötigt. Der Organhandel ist in vielerlei Filmen, schon seit der 70er Jahre mit Rainer Erlers „Fleisch“ und Michael Crichtons „Coma“, thematisiert worden und dies oftmals deutlich intensiver. Für einen Horrorfilm wie „Turistas“ ist eine Vertiefung dieser Thematik auch nicht weiter wichtig, da sie nur als Vorwand für Gewalttaten herhalten soll, aber genau jene eine Szene, in der wir Zeuge einer widerlichen Gewalttat werden und in welcher der Organhandel für kurze Zeit in den Vordergrund rückt, ist völlig uneffektiv inszeniert, da der Oberbösewicht des Streifens sich pausenlos rechtfertigt, seinem Groll gegen die Amerikaner Luft macht, einem zukünftigen Opfer, welches ihm vollkommen egal ist, die Hintergründe seiner Taten offenbart und labert und seiert und brabbelt und nervt, so dass jeder Schrecken schnell verflogen ist.

Das wirklich gigantisch unsinnige an “Turistas“ ist jedoch die Tatsache, dass die Täter viel mehr zu leiden haben als die mutmaßlichen Opfer. Schnell ohne große Hindernisse hat man sich befreit, wahre Hürden existieren ohnehin nicht in der hier vorgelebten blauäugigen Welt, in welcher nicht einmal die Kombination aus  Passverlust und Geldverlust zum echten Problem wird, verloren gegangen innerhalb einer Kultur deren Sprache man nicht spricht. Kaum ist man fast unversehrt befreit geht es den Schurken an den Kragen, so dass eigentlich die Opfer- und Täterseiten vertauscht werden, jedoch nicht zum ironischen Spiel wie seinerzeit im legendären „Muttertag“, sondern so inszeniert, als wäre Regisseur John Stockwell während des kompletten Drehs nie aufgefallen, dass seine Helden und deren Freunde kaum Opfermomente erleben.

Auf dem Weg in die Freiheit dürfen wir noch gefühlten unendlich vielen Taucherszenen beiwohnen, denen einfach die Dynamik fehlt um im Finale eines Filmes in dieser Häufigkeit zu wirken, zumal man durch die Orientierungslosigkeit die mit diesen Aufnahmen im Dunkeln zwangsweise einher gehen, ohnehin nicht mitfiebern kann, da man nie weiß ob die Verfolger sich nun in der Nähe befinden oder nicht. Wenn dann aufgetaucht in einer dunklen Höhle wer ermordet wird, dauert es etwas bis man wirklich merkt wen es da eigentlich gerade erwicht hat. Als wäre das alles nicht schon ärgerlich genug entpuppt sich der finale Konflikt mit dem Oberbösewicht als zu simpel und durch Fremdhand gelöst, was auch nicht gerade vom Hocker reißt.

Die Einführungsphase guckt sich wesentlich gelungener als der Horrorpart, da er die blassen Charaktere zumindest vor netter Kulisse präsentiert und in halbwegs interessante Situationen hineingeraten lässt. Wie im eingangs erwähnten Vorbild hält man sich aber auch in „Turistas“ viel zu lange mit der Einführung auf, so sehr sogar, dass der halbe Film damit verschwendet wird, bevor auch nur im Ansatz etwas passiert das mit dem Genre Horrorfilm auch wirklich zu tun hat. Klassische Filme des Genres konnten sich das leisten, da sie etwas zu erzählen hatten, tiefgehende Charaktere boten und gewitzt psychologisch vorgingen. Das sind alles Zutaten, die „Turistas“ komplett fehlen, so dass man wirklich nur von Zeit strecken reden kann.

Dass der Film trotz alledem nicht zum Bodensatz seines Genres wird, liegt einfach daran, dass „Turistas“ niemals wirklich langweilig wird, nette Bilder präsentiert und noch lange nicht derart gravierende Fehler macht wie die wirklich schlechten Streifen der Torture-Welle (so z.B. der erbärmliche „Train“ mit Thora Birch, der zwei Jahre später entstand, oder der lächerliche “Are You Scared“, der gerne ein “Saw“ gewesen wäre). „Turistas“ ist das Anschauen von Belanglosigkeiten am Rande der Langeweile, gerade noch geeignet zum nebenbei laufen lassen wenn man Begleitung im Alltag oder einfach nur Ablenkung benötigt. Spannend ist der Streifen niemals, schockend sowieso nicht, wahrscheinlich nicht einmal für Neueinsteiger ins Genre. mittelmäßig

Sonntag, 24. November 2013

LA ANTENA (2007 Esteban Sapir)


Vor langer Zeit wurde dem Volk einer Stadt die Stimme genommen. Doch es hat sich an diesen Zustand gewöhnt. Als ein im örtlichen TV-Sender gefeuerter Techniker die Entführung an jener Frau mit ansieht, die als einziges eine Stimme besitzt, stößt er auf den jüngsten Plan des in der Stadt herrschenden Mr. TV, der vor hat die Bevölkerung noch intensiver zu unterdrücken. Der Plan kann nur verhindert werden durch eine zweite Stimme. Unerkannt vom Rest des Volkes besitzt eine solche der kleine blinde Sohn der Frau mit Stimme...


Manchmal ist Schweigen Gold...

Rein optisch ist Regisseur Esteban Sapir, der seit „La antena“ bislang keinen weiteren Film mehr fertiggestellt hat, ein recht ungewöhnliches Werk gelungen, ein echter Hingucker. Orientiert am Stil alter Stummfilme zaubert er fantasievolle Bilder mit mal schwierigeren und meist simplen Methoden, letztere gern wie ein Taschenspielertrick wirkend, den man nur all zu schnell durchschaut. Aber das raubt ihm keinesfalls die Magie. Ob sich ein Mädchen eine Pappbrille aufzieht auf dem Augen gemalt sind, oder ob eine Frau, deren Gesicht man unter dem dunklen Schatten werfenden Schleier nicht erkennen kann, sich ein trauriges Gesicht auf die Fensterscheibe malt, meist sind es die schlichten phantastischen Ideen, die „La antena“ zu etwas besonderem machen.

Auch der Aufhänger ist nicht von schlechten Eltern, lernen wir doch eine Stadt kennen, in der ein jeder seine Stimme verloren hat, was zwar durchaus politisch symbolisch gemeint ist, gleichzeitig aber auch wortwörtlich durchgezogen wird. Da wird ohne Stimme gesprochen, Buchstaben verteilen sich mal mehr und mal weniger einfallsreich im Bild, um uns die Sätze zu zeigen, die stumm gesprochen werden. Wer spanisch kann ist da klar im Vorteil, denn der deutsche Untertitel ist freilich so gesetzt wie jeder Untertitel, während mit der Schrift des Originals immer wieder gespielt wird, meist passend zur Situation.

Die Erzählung die sich hinter all dem Einfallsreichtum versteckt ist jedoch eher schlichter Natur. Die Geschichte um den Kampf gegen Unterdrückung wurde in all ihren Klischees so schon viele Male erzählt, und so werden Stereotype verarbeitet, vorgefasste Meinungen vertieft und eine längst bekannte Geschichte zelebriert, eine für die das visuelle Wunderpaket eigentlich viel zu schade ist. Klar, neben seinem politischen Anliegen ist „La antena“ drum bemüht ein gewisses Comic-Flair zu versprühen, da können Stereotype und Klischees auch förderlich sein, aber das hier gezeigte Geschlechterbild, eine Symbolik die sich mal wieder an der Nazi-Vergangenheit Deutschlands bedient und das zu rein gezeichnete Gut- und Böseschema, nehmen „La antena“ einiges von seinem Potential, zumal die Symbolik an mancher Stelle ruhig etwas subtiler hätte ausfallen können, wird sie teilweise doch unnötig mit dem Holzhammer präsentiert.

Dennoch weiß auch sie meist zu wirken, da sie gut durchdacht ist. Sie ist nicht nur mit dem Filmstil und seiner Erzählform kompatibel, nein, auch diese beiden Komponenten sind bereits Symbolik. Der Film ist eine gut durchdachte Einheit und versprüht damit eine künstlerische Intelligenz, die man gerne auch dem eigentlichen roten Faden gewünscht hätte. Immerhin schafft es Sapir Kritik der Unterdrückung im Medienzeitalter auszusprechen, und ist innerhalb dieser zeitlichen Begrenzung zeitlos. Was beklagt wird trifft auf das Heute ebenso zu wie auf die 40er Jahre, und gerade mit der Vertiefung, dass ein Volk ohne Stimme noch immer seine Worte hat, landet der Streifen einen gedanklichen Volltreffer, der nicht nur Hoffnung machen soll, sondern auch die Bereitwilligkeit kritisiert, mit welcher Völker durch den freiwilligen Verzicht auf wahre Bildung sich auch noch der Wörter freiwillig entledigen.

Das im Film demonstrierte Medienverhalten und die damit einhergehende Gleichschaltung der Gesellschaft führt wiederum zu einem Mangel an Phantasie, der nur einem kleinen Kreis Menschen erhalten bleibt, was auch erklärt warum „La antena“ so fantasievoll erzählt ist. Wie gesagt: hier passt alles zusammen.

Während die Holzhammersymbolik gegen das eigentlich hohe Niveau des Streifens arbeitet, schafft es die relativ kleine Rolle eines Jungen ohne Augen gegen Ende dem künstlerisch wertvollen Experimentalfilm an anderer Stelle zu schaden, gehört dieser doch zu den wenigen Menschen in der Stadt ohne Stimme, die sprechen kann, nur dass Sapir ihn leider immer wieder die selben wenigen Worte sagen lässt, so lange, so penetrant und so nervig, dass es dem Fluss der Erzählung erheblich schadet.

Somit ist „La antena“ rein optisch, in seiner Kritik und in der Konsequenz in der er diese äußert ein durchaus gelungener Film geworden, aber die in der Review geäußerten Negativpunkte rauben ihm das Potential zur wahren Empfehlung. „La antena“ ist etwas besonderes, ein Einzelstück und mit viel Liebe fertiggestellt. Zudem funktioniert er nicht nur theoretisch, er entführt einen tatsächlich in eine fremde Welt, die uns vor den Fehlern der unseren warnt. Aber er ist plump in seiner Figurenzeichnung, zu grobschlächtig in einem großen Anteil seiner an anderer Stelle sonst so gelungenen Symbolik, und er ist viel zu sehr darauf aus dem Volk der Juden die ewige Opferrolle zuzuschreiben. 

In diesem Punkt hätte man meiner Meinung nach anonymer vorgehen sollen, erzählt der Film doch eigentlich im Kindergeschichten-Stil für Erwachsene gedacht von einem Ort den es nicht gibt, in dem oberflächlich betrachtet etwas passiert, dass so nicht passieren kann, da es nicht den Naturgesetzen entspricht. Warum muss ein Film, der von einer wunderlichen fremden Welt erzählt, sich an konkreten Opfer- und Täterrollen aus der Realität bedienen? Als Deutscher ist man einfach viel zu genervt das ewige Paradebeispiel einer Kritik von etwas zu sein, das es überall auf der Welt zu fast jedem Zeitpunkt schon immer gab und immer wieder geben wird: ein Volk das durch irgend eine Weise von einem kleinen Teil der Bevölkerung unterdrückt wird. Der Zeigefinger auf uns Deutsche wäre nicht nötig gewesen, mehr noch: er wirkt unangebracht. interessant


Weitere Reviews zum Film:

Mittwoch, 20. November 2013

DAS ST. FRANCISVILLE EXPERIMENT (The St. Francisville Experiment 1999 Ted Nicolaou)


Vier junge Menschen untersuchen mit Videokameras ein vermeintliches Spukhaus. Eine der Personen ist ein Medium und segnet das Haus mit weißem Licht. Als einer der Teilnehmer filmen kann, wie ein Stuhl durch die Luft fliegt, wird allen Beteiligten recht mulmig zumute, auch dem Medium, hat sie doch nicht mit der Anwesenheit von Poltergeistern gerechnet...


Das Blair Witch-Haus...

Im Jahre 1999 feierte eine Produktion, die unter minimalsten Kosten entstand, ein riesiges Einspielergebnis in den Kinos. Es war das „Blair Witch Project“, welches das erstmals 1970 von Rainer Erler in „Die Delegation" angewandte Found Footage-Verfahren für den Gruselbereich nutzte und die Zuschauer damit ängstigte, dass nichts zu sehen war. Ein Traum für Produzenten wurde wahr, erschloss sich doch eine lukrative Einnahmequelle, die innovativ war und nicht viel Grundkapital verschlang. Dennoch dauerte es noch bis zum Jahr 2007, bis mit Produktionen wie „[Rec]“, „Cloverfield“ und Co weitere erfolgreiche Produktionen der semi-dokumentarischen Art erfolgreich nachrückten, so erfolgreich, dass erst nach ihnen die Welle der Found Footage-Filme so richtig in die Gänge kam.

Noch im selben Jahr von „The Blair Witch Project“, und damit ein Jahr vor dem erbärmlichen deutschen Amateurfilm “The Dark Area“, entstand ein Nachzügler ähnlichem Stils, der statt eines Spukwaldes ein Spukhaus zum Zentrum der Geschehnisse machte und aus Legendenforschern Spukforscher machte, so wie das Szenario später thematisch auch erfolgreich mit „Grave Encounters“ umgesetzt wurde. Im Gegensatz zu diesem war das sogenannte „St. Francisville Experiment“, welches auf Found Footage-Art die Idee aus „Bis das Blut gefriert“ und „Tanz der Totenköpfe“ übernahm und dabei Profis gegen Amateure austauschte, nicht sonderlich erfolgreich. Kaum wem ist es ein Begriff. Dabei weiß es wesentlich mehr zu gruseln als der finanziell so erfolgreiche „Grave Encounters“ gleichen Themas.

Ein zweiter „Blair Witch Project“ ist „Das St. Francisville Experiment“ in Sachen konsequentes Angsterzeugen nicht geworden. Dennoch legt sich schnell ein unwohliges Gefühl über das Gemüt des Zuschauers, und wer im Laufe der Zeit keine Angst bekommt, guckt das fertige Produkt wohl zu sehr als Film, denn insgesamt guckt sich der Streifen sehr authentisch und weiß einen ordentlich mitfiebern zu lassen. Wundern darf das schon, war als ungenannter Executive Producer doch Charles Band mit an Bord, und der dreht eigentlich nur kostengünstigen Trash. Wäre das Gruselerlebnis hier nicht so intensiv, träfe die Bezeichnung auf das „The St. Francisville Experiment“ durchaus ebenso zu, zumal er recht dreist das Konzept von „Blair Witch Project“ klaut. Da gibt es zu Beginn kurze Interviews zu einer zuvor erläuterten Legende, und junge Menschen filmen sich bei einem Forschungsprojekt. Das sind schon allerhand Übereinstimmungen und das lediglich für die Grundlage des zu Erzählenden.

Dass das Found Footage-Genre im Gruselbereich bestens zu funktionieren weiß, zeigen Erfolge wie „Paranormal Activity“ und bereits genannte Vergleichsfilme. Dennoch ist das Fertigstellen eines funktionierenden Gruslers in dieser Art keine Leichtigkeit, was z.B. sämtliche Beiträge der wahllos zusammengewürfelten „Paranormal Investigations“-Reihe belegt. Die von mir gesichteten Teile besagter „Reihe“ waren alle höchst ungruselig, unmotiviert zusammengeschustert und nicht einmal als Trash erträglich. Schnell kann es todlangweilig werden. Und das kann es bereits bei manchem Zuschauer bei den funktionierenden Beiträgen dieser Art Film, lebt ein solcher doch von grundlegenden Ängsten, Ängsten aus der Kindheit, Ur-Ängsten der Menschheit, und da ist manch einer vor dem Bildschirm nicht anfällig für, erst recht wenn fast nie etwas zu sehen ist.

Deswegen werden sich auch am hier besprochenen „At The Gates Of Hell“ (Alternativtitel) die Geister scheiden. Zumindest hat Regisseur Ted Nicolaou, der für Band schon öfter als Regisseur tätig war (wenn auch meist für Produkte mit schlichtem Ergebnis wie diverse Teile der „Subspecies“-Reihe und „Puppet Master vs. Demonic Toys“), begriffen wie ein solcher Film zu funktionieren hat. Er verzichtet auf künstliche Hintergrundmusik, setzt auf das weniger-ist-mehr-Prinzip und auf grundlegendste Ängste. Auch lässt er die Protagonisten nie zu weitschweifende Gespräche führen, ganz im Gegenteil. Das Erzählte dreht sich ewig im Kreis, und das ist ausnahmsweise einmal gut so, weil sich alle Team-Beteiligten auf das wesentliche konzentrieren. Und da teilt man seine Gefühle und Erlebnisse, die denen der anderen Teilnehmer logischer Weise ähneln, den anderen nun einmal mit, und da werden nun einmal Vorbereitungen wie das Aufsagen von Ritualen für weißen Zauber zelebriert und auch mal wiederholt. Das macht alles Sinn, und dank einer stimmigen Grundatmosphäre kann diese Dauerwiederholungsschleife gar nicht erst nerven.

Das liegt aber auch an den Figuren, die zwar keinesfalls tiefgehende, individuelle Charaktere sind, sich ihrer Alltäglichkeit aber auch bewusst sind, so dass sich niemand in den Vordergrund spielt und damit lästig wirken würde. Höchstens auf das Medium passt eine solche Beschreibung ein wenig, aber für eine Rolle dieser Art hält man sich auch mit ihren Auftritten regelrecht zurück. Lobenswert kann man ruhig auch die Deutschvertonung erwähnen. Ich habe „The St. Francisville Experiment“ (Originaltitel) in der synchronisierten Fassung gesehen, und selbst da hat er mir heftigst Angst eingejagt.

Dass bei einem Found Footage-Streifen inhaltlich nie zu viel erwartet werden sollte, dürfte klar sein. Ist der Film erst mal zu Ende, ist eigentlich nicht wirklich viel passiert. Aber da schimpfen ohnehin immer nur jene Zuschauer, die mit dieser Art Film ohnehin nichts anzufangen wissen. Es geht nicht um große Spezialeffekte und darum viel gesehen zu haben. Es geht nicht um ein vor Erlebnissen nur so strotzendes, ausgetüfteltes Drehbuch. Es geht einfach um das Einhalten einer gruseligen Grundatmosphäre und der Kunst aus wenig einen hohen Angstfaktor erzeugen zu können. Ist dieses Ergebnis erreicht, ist der Rest fast egal.

Zumindest endet Charles Bands Ausflug in den Found Footage-Bereich anders als die meisten anderen Werke dieser Art, das ist doch auch schon mal was, auch wenn der Schluss nicht gerade einfallsreich zu nennen ist. Wie gesagt, am Ende zählt wie der Film auf einen gewirkt hat. Und wenn es um grundlegenden Grusel geht scheiden sich die Geister. Dann hat man entweder Angst gehabt oder nicht. Dazwischen gibt es kaum etwas. Und was mich betrifft: ja, ich habe mich gefürchtet, und mir hat „Das St. Francisville Experiment“ damit überraschend viel Freude bereitet. Gerechnet habe ich damit überhaupt nicht. unterhaltsam

Dienstag, 19. November 2013

MUSIK, MUSIK - DA WACKELT DIE PENNE (1970 Franz Antel)


Der Sohn des Unterrichtsministers soll im Sommer sein Abitur nachholen. Der hat darauf keine Lust, will er mit seinen Kumpels doch ein Musical inszenieren. Drum kommt die Truppe einfach mit um vor Ort zu musizieren. Die längst schon studierenden Mitglieder geben sich ebenfalls als Schüler aus und holen mit Streichen all das nach, was sie sich früher als Schüler nie erlaubt hätten...


Vom Mommsen-Gymnasium zu Onkel Emma...

Die 60er und 70er Jahre-Generation deutscher Filmemacher hat viel Mist verzapft für den man sich gerade mit Blick aufs Ausland und dem was diverse Länder zeitgleich für das Kino geschaffen haben schämen müsste. Und die kleine Stinkperle „Musik, Musik - Da wackelt die Penne“ gehört neben Rudi Carrells und Ilja Richters Tuntenausflügen der tollen Tanten und Karl Dalls Film-Verbrechen „Sunshine Reggae auf Ibiza" ganz klar zu den peinlichsten "Komödien" die je das Lichtspielhaus erblickten. Im Gegensatz zu den Vergleichsfilmen weiß Antels Humorlegastheniker-Traum aber zumindest auf unfreiwillig komischer Ebene zu gefallen, zumal sich hinter all dem Schrott ein gewisser Charme nicht komplett verstecken lässt. Wenn ich nur wüsste wo ich anfangen soll...

Ilja Richter, von den Idiotenkasperles der damaligen Zeit noch irgendwo der sympathischste, hat null Probleme damit Peinlichkeiten zu unterbieten und hatte scheinbar ein dickes Fell, denn ein solches Spiel müsste ihm schon damals eine Menge Kritik eingebracht haben. Wallace-Filme liefern uns schließlich den geschichtlichen Beweis, dass nicht ganz Deutschland verstrahlt war. Leider erwarten Zugpferd Ilja und Regisseur Antel aber auch vom Publikum ein dickes Fell, um das Werk überhaupt bis zum Ende erleben zu können. Das ist vom Normalzuschauer schon etwas zu viel erwartet, und selbst Trash-Freunde wie meiner einer müssen sich trotz aller Sympathie für diesen Schrott eingestehen: so unfreiwillig komisch das auch ist, es ist gleichzeitig auch recht anstrengend zu sichten.

Bei meiner Erstsichtung ging ich an diesen Film heran mit einer ungefähren Erwartung a la "Hurra, die Schule brennt", jenem Teil der nicht nur von unfreiwilliger Komik lebenden „Die Lümmel von der ersten Bank“-Reihe, der im Gegensatz zu den anderen 6 Teilen komplett im Trash badet. Dieser war cineastisch gesehen jene Art von Müll die lustig und peinlich zugleich war. Er war aber noch guckbar in Hinsicht darauf, dass man sich trotz aller Belustigung denken konnte, dass es für diesen Irrsinn ein ernst gemeintes Publikum gab. Dieses Gefühl geht bei "Musik, Musik - Da wackelt die Penne" vollkommen flöten. Selbst Schlagerfreunde, die im hier besprochenen Film mit viel Musik bedient werden, können nicht diesen grausamsten aller grausamen Albernheiten ernsthaft auf die Art witzig finden, wie dies einst gemeint war. Oder doch? Ich bekomme Angst!

Spitzenreiter für den Bodensatz übelstem Klamauks ist der von Paul Löwinger gespielte Hausmeister. War diese (dort von wem anders gespielte) Rolle in Lümmelteilen sogar noch freiwillig komisch besetzt, so ließ man hier einen komplett unwitzigen Mann auf die Menschheit los, der immer stammelt, rumhampelt und dem man ansieht für wie witzig er sich selbst hält. In seiner Heimat Österreich war dieser Volksschauspieler seinerzeit gar Kult, prägte jene Form Theater, an dessem Konzept sich Peter Steiner später erfolgreich dreist bediente, und erfand mit dieser Komik einen Zweig der seinerzeit wohl als ähnlich modern, provokant und skurril empfunden wurde, wie heute die zurecht anerkannte Kunst eines Helge Schneiders. Diesen Respekt kann man Löwingers Humor leider nicht mehr entgegen bringen, ist er im Gegensatz zu Helges Humor doch kein beobachtender und in seiner Extreme wirklich nur noch peinlich zu nennen. Der gute Mann hatte scheinbar das Glück mit diesem Klamauk den Geist der Zeit zu treffen. Hüllen wir von nun an lieber den Mantel des Schweigens über seinen Humor.

Hansi Kraus, der ewige Lümmel, kommt in diesem Streifen etwas zu kurz, da er nicht mitsingt und andere für die Streiche verantwortlich sind. Er ist lediglich als Publikumsliebling mit an Bord. Ein längst vergessener Stimmenimitator, dessen Name ich nicht kenne, stiftet sein Talent dem Film, um daraus mieseste Witze zu ernten, und Howard Carpendale liefert einen der unsinnigsten Gastauftritte ab, indem er auf einem fahrenden Boot im Schneidersitz sitzend seinen ersten Hit "Das schöne Mädchen von Seite 1" trällert, ohne dabei in die eigentliche Geschichte integriert zu werden. Um dem ganzen doch einen losen Zusammenhang zu geben, wird kurz der büffelnde Hansi Kraus eingeblendet, der kurz klagt er könne nicht lernen, wenn Howie singt. Zumindest das ist lustig, wenn auch aus dreistem Grund eingebaut.

Der Part der bösen Lehrer ist auch zehn mal extremer gespielt als bei den Lümmel-Filmen. Dessen Oberbösewicht Knörzerich, gespielt von dem sehr talentierten Rudolf Schündler, darf diesmal den Part eines sympathischen Erwachsenen namens Onkel Emma spielen. Doch selbst als Klassenlehrer in besagter Lümmel-Reihe war seine Figur nicht losgelöst von Sympathie angelegt. Ein solcher Bezug fehlt in der hier angewendeten Lehrerbesetzung komplett, was vom Film aber auch so gewollt ist.  Die Lehrer sind derart überzogen dargestellt, dass freiwillige Komik kaum noch möglich ist, bei Gunther Philipp und der weiblichen Pädagogin sogar gar nicht mehr. Die ständigen sexuellen Anspielungen zweier Lehrer sind derart verklemmt, dass nur noch der übelste Karnevalsclub-Spießer darüber lachen kann, auch wenn die lange Unterhose des männlichen Parts auch heute noch auf freiwillige Art belustigt.

Die Streiche der "Schüler", das Highlight von Filmen wie „Klassenkeile“, „Die Lümmel von der ersten Bank“ und „Immer Ärger mit den Paukern“ sind entweder völlig überkonstruiert (Haschisch im Feuerlöcher) oder peinlich aufgrund des Alters der Schüler. Mancher Gag würde heutzutage maximal von einem 5-Klässler ausgeführt werden ohne sich zu schämen. Da mag der Blick von heute etwas ungerecht wirken, ich weiß es nicht, aber in diesem speziellen Fall kann ich mich einfach nicht in die damaligen Sehgewohnheiten hineinversetzen, so wie man es sonst bis zu einem gewissen Grad bei Klassikern der Filmgeschichte kann.

Das Grundszenario des Streifens ist auch schön peinlich zu nennen (ich weiß, ich benutze dieses Wort diesmal sehr oft, aber nur peinlich trifft es wirklich): die jungen Leute wollen ein Musical a la "Hair" inszenieren. Leider tanzen sie dafür zu viel zu schlechter Musik (das Titellied schießt den Vogel ab) und hampeln viel zu extrem und unchoreographiert dabei herum. Dieses Hampeln muss man ernsthaft gesehen haben, um zu wissen wie übertrieben es tatsächlich ist, gerade im Hinblick darauf, dass wir Proben beiwohnen dürfen. Was bei diesem improvisierten und ziellosen „tanzen“ geprobt werden muss, erschließt sich dem Zuschauer nicht. Und wenn in Sololiedern mal manch einer von den Kids ruhige Töne anstimmt, dann hampeln die anderen auf ruhigere Art mit, quasi ADHS unter Valium, und machen dabei zudem schlechte Grimassen.

Natürlich gibt es innerhalb der ohnehin schon unsinnigen und völlig überzogenen Szenen Unlogiken zuhauf zu entdecken. Hier sei nur einmal kurz meine liebste erwähnt: ein zur Entstehungszeit typischer Kassettenrekorder wird an einem Seil aus dem Fenster herunter gelassen und startet zum richtigen Zeitpunkt von selbst, obwohl keiner die Play-Taste von oben bedienen kann.

Genial unfreiwillig komisch ist auch die Besetzung eines der Mädels in der Klasse einer Grundschule, die zu einem Nebenstrang der eigentlichen Geschichte um Abiturienten gehört. Selbst für ihr junges Alter betrachtet völlig talentfrei sitzt sie als eines von vielen Kindern im Klassenraum, hat dabei ein ganz übles gekünsteltes Grinsen im Gesicht, und die Kamera hält aus der Masse heraus genau bei ihr an, so dass sie einen Sonderposten in einem der  peinlichsten Lieder bekommt, welches Unterricht in Form von Gesang demonstrieren soll. Beachtung verdient der völlig bescheuerte Text „Wir wissen 2x2 ist 4 und 4 ist 8. Bei 3x3 da haben wir schwer nachgedacht“, der von den Schülern in einer Fröhlichkeit vorgetragen wird, die verboten gehört. In einer späteren Szene sitzt Chris Roberts in der Klasse und singt dem eben erwähntem blonden Mädchen Liedzeilen wie "Baby, ich wollt ich wär, oh Baby Dein Teddybär" vor.

Wenn man einmal davon absieht welch bösen Nachgeschmack dieses Lied heutzutage hat in Zeiten von Pädophilen-Hysterie, so ist es doch anhand dieser zwei Beispiele nicht zu übersehen, dass da irgendwer, der für diesen Film Geld beigesteuert hat, erzwungen hat eine Verwandte in den Streifen unterzubringen, die Tochter, die Nichte, wen auch immer. Warum sollte sonst eine dumme Gans mit null Talent die anderen talentlosen Nullen toppen können? Wir danken dieser unbekannten Person dennoch, denn der Trash-Fan kann über solche Momente Tränen lachen.

Goldigste Beispiele der unfreiwilligen Komik dürften nun genug genannt sein. Meidet diesen Film, wenn ihr nicht über Müll lachen könnt! Und könnt ihr dies, so seid dennoch gewarnt: „Musik, Musik - Da wackelt die Penne“ ist anstrengender als die meisten anderen deutschen "Komödien" dieser Zeit. Meiner Meinung nach ist er diese Mehrkonzentration des Zuschauers aber auch wert, gehört er in meinen Augen doch zu den amüsantesten und unterirdischsten Werken seiner Zeit. Ich habe ihn nun schon mehrere Male gesehen und lache mich noch immer über die ewig gleichen Szenen kaputt. Aber ich bin ja auch ein verstrahlter Typ. sehenswert


Weitere Reviews zum Film:

Sonntag, 17. November 2013

THE BUTCHER (1991 Maik Ude)


Ein Streich dreier Jugendlicher endet tödlich für das Opfer, welches später wieder lebendig wird um als Killerzombie Rache zu nehmen...


Missachtung der FSK...

Wenn ein 15jähriger mit etwas jüngeren und etwas älteren Kumpels einen eigenen, kleinen Horrorfilm auf die Beine stellt, dann ist das sicher nichts was man als Außenstehender gesehen haben muss, aber mit den richtigen Augen betrachtet ist das fertige Produkt durchaus einen Blick wert. Mit seinem kindlichen Charme guckt sich dieses Amateurprodukt relativ angenehm, auch wenn ihm Inhalt, Sinn und Talent fehlen. Der Trupp männlicher Jugendlicher hat einfach mal nachgedreht was er in den „Freitag der 13.“-Filmen und diversen Zombiefilmen gesehen hat, typisch Teen freilich ohne das ganze zu reflektieren und in der Gesamtheit zu verstehen, sondern einfach jene Oberfläche abgrasend, die einen in jungen Jahren an solchen Horrorfilmen wichtig war.

Der Unterhaltungswert ist für den Normalzuschauer gering, nur wer sich empathisch in das Denken und die Gefühlswelt der Flegeljahre hineinfühlen kann, kann verstehen was Maik Ude und seine Freunde auf die Beine gestellt haben. „The Butcher“ krankt an allen Jugend-Fehlern die ein solcher Film haben kann: Selbstgespräche in Soloszenen, Hauptaugenmerk auf Goreeffekte, fehlendes Einfühlungsvermögen in Personen und Situationen. Viele Fans wird ein solcher Film nicht gewinnen.

Betrachtet man ihn aber als Jugendprojekt, losgelöst von irgendwelchen Institutionen wie Schule und Kirche, völlig eigenhändig umgesetzt, dann ist Ude mein Respekt gewiss, erst recht wenn ich bedenke was wir damals selbst mit 18 Jahren für einen Jason-Ableger gedreht haben, und der war wesentlich uninspirierter umgesetzt als „The Butcher“, reichte es uns doch damals mit Ketchup Blut ins Gesicht und an die T-Shirts zu zaubern, während Ude sich im Gorebereich ordentlich austobt. Da erkennt man jeden Trick, z.B. wenn die Jacke nach dem Köpfen über den Kopf gezogen wurde, beim Armabhacken der besagte Arm plötzlich wesentlich länger aussieht als zuvor und Metzgerutensilien vom Körper einer Leiche gemampft werden. Aber um Echtheit geht es in solchen Szenen beim Betrachten eines solchen Werkes nicht. Es geht darum dabei zusehen zu dürfen, wie junge Geister experimentieren und dabei noch an der Oberfläche dessen kratzen, was man tatsächlich kreativ nennen könnte.

Die 90er Jahre-Generation war die Videogeneration in welcher Kinder Filme sahen, die für ihr Alter noch gar nicht gedacht waren, und „The Butcher“ ist ein Beispiel dafür wie man das Gesehene verarbeiten und sein geliebtes Hobby zelebrieren kann. Der Film ist harmloser als er sein will, auch wenn konservative Köpfe das Treiben der Jungspunde sicher als bedenklich und fragwürdig empfinden. Eltern, die in Gastauftritten teilnehmen, scheinen von dem Hobby der Kinder auch nicht sonderlich überzeugt zu sein und spielen der Pflicht wegen uninspiriert einmal mit. Schaut man sich das Massaker an, das Ude hemmungslos zelebriert, kann man sich vorstellen wie unwohl sich die Eltern gefühlt haben müssen, nicht wissend wie sie das Hobby ihres Sohnes einzuschätzen haben.

„The Butcher“ ist lediglich ein blutrünstiger Kinderfilm, deswegen ist es ein bisschen dreist, dass die DVD auf dem Cover vorgibt mehr zu sein als dies. Ein Amateurfilm a la „Aberracion“, „Slasher“ oder „Violent Shit“ ist es nicht geworden, dafür sind die Verantwortlichen zu jung. Um so lustiger ist es auf dem Cover von einem strengsten Jugendverbot zu lesen, dann hätten die Kids zur Entstehungszeit ja ihr eigenes Filmchen nicht gucken dürfen. Wie albern, aber auch ein Zeichen dafür wie engstirnig man in Deutschland noch immer mit Horrorfilmen umgeht. Filme ab 18 gehören in Amerika zur Jugendkultur, nur Deutschland hat sich nie ehrlich dieser Horrormentalität geöffnet, dabei kenne ich kaum wen, der damals nicht als Minderjähriger Spaß mit harten Filmen des Genres hatte.

Leider ist der Ton sehr schlecht, was direkt in der ersten Szene auffällt, in der man von einem Dreiergespräch so gut wie nichts inhaltlich mitbekommt. Die Qualität der Optik ist auf Video-Niveau mit den typischen Fehlern die dabei auftreten können, wie z.B. ein Wellen werfendes Bild. Die Musik mixt Metal mit dem Soundtrack von „Freitag der 13.“, die Story dümpelt orientierungslos vor sich hin, lässt zwischendurch auch mal ein paar Zombies aus unerfindlichen Gründen auferstehen (mit Laub zugedeckte Körper erheben sich), damit diese daraufhin wieder erschossen werden können. Dass „The Butcher“ bei all dem Brimborium und seiner sich ewig im Kreis drehenden Geschichte zu lang ausgefallen ist, ist fast schon selbstverständlich.

Als 25-Minüter wäre er richtig nette augenzwinkernde Unterhaltung aus Kinderhänden gewesen. Zu diesem Zeitpunkt gab es sogar einen Schluss, der unnötiger Weise wieder erweitert wurde (wobei ich denke dass Ude seinerzeit einen Teil 2 gedreht hat und 1 und 2 zu einem 60-Minüter später zusammengeschnitten hat), so dass der Spaß am Gesehenen mit der Zeit immer mehr schwindet. Somit wird das simple, wie gleichzeitig interessante Produkt schlussendlich doch zu anstrengend um von einem sympathischen Ergebnis zu sprechen. Aber geht man fair mit „The Butcher“ um, was sicherlich schwer fällt, dann kann man ihm genug Respekt entgegen bringen und mehr in ihm sehen als pure Zeitverschwendung. mittelmäßig


Samstag, 16. November 2013

DER SCHRECKEN DER MEDUSA (The Medusa Touch 1978 Jack Gold)


Ein Mann kann per Gedankenkraft schlimmste Katastrophen herbei beschwören. Selbst als er im Koma liegt scheint er nicht aufzuhalten zu sein...


Die Gedanken sind frei...

Der größte Kniff von „Der Schrecken der Medusa“ ist seine Erzählweise. Er beginnt nach einer Mordsequenz wie ein kleiner, netter Krimi, der über Rückblicke zunächst Tatverdächtige freilegt. Nur sehr langsam verändert sich dieser Zustand, indem die Rückblicke mit der Zeit die Vermutung festigen, dass der Ermordete, der sich nach nur wenigen Filmminuten als doch noch lebend entpuppt, ein Monstrum gewesen sein könnte. Der ermittelnde Kommissar versucht sich zu bemühen objektiv zu bleiben und erwischt sich immer wieder dabei, wie er mit der Vermutung spekuliert, dass das Opfer übernatürliche Kräfte besitzen könnte. Ab einem gewissen Punkt des Films ist er vollends davon überzeugt, und erst jetzt erfährt auch der Zuschauer, dass dem so ist. Diese Erzählweise gibt viel Freiraum zum mitraten, gibt viel Zunder in Sachen Spannung und hält den Zuschauer damit bei der Stange. Erholen kann dieser sich kaum, selbst das Ende setzt dem ganzen noch die Krone auf und ist wirklich hervorragend gewählt.

Die Rolle der Psychiaterin mag nur so dahin gespielt sein, aber die zwei anderen Hauptrollen spielen wirklich klasse: das Opfer mit seinen eiskalten Medusaaugen (okay, die Leute verwandeln sich nicht zu Stein, aber für einen Augenblick versteinern sie auf psychologischer Ebene) und der Kommissar, der auf recht schrullige Art ermittelt, als Franzose unter den Briten ohnehin nicht wirklich dazugehörend und dann noch diesen phantastischen Fall bearbeitend. Man könnte meinen die Verantwortlichen der „Columbo"-Reihe hatten einen ähnlichen Charakter im Sinn, als sie ihren Columbo schufen und hatten es dann in all den Filmen doch nicht drauf ihm derart Leben einzuhauchen, wie es hier mit der Kommissarenfigur innerhalb nur eines Streifens geschah.

Trotz der reißerischen Szenen zum Finale hin wirken die Spezialeffekte niemals aufgesetzt. Sie werden sehr wohlüberlegt eingesetzt und dienen an den richtigen Stellen positioniert nur dem Spannungsbogen. Neben anständiger, aber nicht unbedingt lobenswerter Musikuntermalung sorgt die Geräuschequelle im Krankenhauszimmer für zusätzlichen Spannungsaufbau. Ein solches Stilmittel kann meiner Meinung nach in Horrorfilmen immer wieder punkten.

Interessant ist an „Die Schrecken der Medusa“ (Alternativtitel) wie er letztendlich davon erzählt, dass aus einem anständig ideologisch denkenden Menschen ein Terrorist werden kann, der sich schließlich in seiner Art nicht mehr von jenen Menschen unterscheidet, die er bekämpfen wollte. "Falling Down", wenn auch aus einem anderen Filmbereich, lässt grüßen. Golds übernatürlicher Thriller nimmt auch nie eine Position ein inwiefern er den anfänglichen linken Gedanken des Opfers zustimmt oder eben nicht. Es soll kein politischer Film sein, und neben der vielen anderen inhaltlichen Ansätze (Leben nach dem Tod, die Schlechtigkeit der Gattung Mensch, die mögliche Existenz von Gott und Teufel) ist auch des Täters politische Grundhaltung zur Gesellschaft eine Einladung zur Diskussion und philosophischem Gesprächsstoff nach dem Film, für Menschen die den Filmeabend gerne damit beenden zu besprechen was sie gerade gesehen haben.

Nun ist „The Medusa Touch“ (Originaltitel) aber nicht in allen Punkten positiv ausgefallen. Da wäre zunächst das Überzeugen des Polizeipräsidenten zu nennen, das ein wenig sauer aufstößt. Im letzten Drittel durfte das Tempo nicht gedrosselt werden, deshalb ist die Rolle des obersten Bullen im Stall viel zu schnell von der Übernatürlichkeit des Falles überzeugt. Da der Streifen ansonsten psychologisch recht clever vorgeht, hielt ich dieses Verhalten zunächst für eine Falle, um die Geschichte in eine andere Richtung zu lenken, frei nach dem Motto: Der Kommissar spinnt, sperrt ihn ein! Aber nein, mit der Zeit muss man feststellen, dass der Vorgesetzte dem Hauptermittelnden ernsthaft glaubt, was an der Glaubwürdigkeit der Figur nagt.

Zweiter, wenn auch etwas schwächerer Kritikpunkt sind die Filmminuten etwa von der 45. bis zur 65. Minute hin. Hier bekam ich langsam das Gefühl, dass etwas mehr passieren müsste. Man denkt sich, wenn der Film nun nicht umschwenkt läuft er nachher noch trotz gutem Storyaufbau ins Leere. Dann schwenkt er endlich um. Es wäre schöner gewesen dies wäre etwas früher passiert, noch bevor man als Zuschauer glaubt der Film trete auf der Stelle.

Im Gegenzug sei allerdings auch einmal lobend erwähnt, dass „Der Schrecken der Medusa“ in Kleinigkeiten gegenüber dem heutigen Amerikakino und dem veramerikanisierten deutschen Kino trumpft. Wohl auch weil der Film europäischer Herkunft ist, bietet er so wundervolle unnötige Alltagsszenen, wie jene in der der Untergebene während der Fallbesprechung für den Kommissar kocht, während dieser ihm Kochanweisungen erteilt. Prinzipiell hätte der Fall im Drehbuch auch einfach so noch einmal besprochen werden können, auf ganz klassische Art. Stattdessen entschieden sich die Verantwortlichen eine schrullige Szene einzubauen. Mehr noch, die Szene wird als nicht alltägliche Möglichkeit des Standards aufgezeigt, zwar abstrus, skurril und unwahrscheinlich, aber in einer individuellen Welt durchaus möglich.

Die kleinsten Situationen im Massenkino von heute sind aalglatt gezeichnet, noch mehr als die typischen Charaktere heutzutage. Das Verhalten der Protagonisten wird immer an der Norm orientiert, damit gebrochen wird nur dann wenn jemand unnormal sein soll oder wenn das Individuelle wichtig für die weitere Handlung sind. Damit werden Geschichten gerne mal vorhersehbar, wohingegen das hier angewendete Erzählmodell die Eigenständigkeit eines Charakters hervorhebt, während es gleichzeitig den Zuschauer über den weiteren Verlauf im Dunkeln tappen lässt.

Von daher sei jedem Fan von Spannungskino „Der Schrecken der Medusa“ ans Herz gelegt. Mit all seinen Jahren auf dem Buckel guckt er sich keineswegs angestaubt, aber trotzdem fremd für Dauergäste im Blockbuster-Bereich. Das liegt aber an den anderen Schwerpunkten in der Erzählung und nicht, wie man vorschnell vermuten könnte, an einem veralteten Stil. herausragend


Weitere Reviews zum Film:

EIN RISS IN DER WELT (Crack In The World 1965 Andrew Marton)


Der Versuch den Erdkern zur Energiegewinnung anzuzapfen, endet damit dass ein wandernder Riss in der Erde entsteht, der droht unseren Planeten zu halbieren...


Das Wandern ist des Risses Lust...

Nur 30 Jahre später, und der Film wäre ein waschechter Emmerich-Film geworden. Da kann man nur von Glück reden, dass dem nicht so ist, denn auch wenn „Ein Riss in der Welt“ inhaltlich flacher ausgefallen ist als manch anderer Film aus dieser Entstehungszeit, und auch wenn er sein Hauptaugenmerk auf die Spezialeffekte richtet (quasi alles Zutaten, die geradezu typisch heute in einem Emmerich-Film vorzufinden wären), so besitzt der Streifen doch dank seines Alters einen nostalgischen Charme der ihn letztendlich doch noch zum Hingucker macht. Ob auch Emmerich-Filme dieses Glück haben werden, bleibt abzuwarten, nach 30 Jahren sind wir schlauer.

Misstrauisch darf man diesbezüglich dennoch sein, denn es ist schließlich nicht nur das Alter von „Crack In The World" (Originaltitel) der ihn sehenswert macht. Denn selbst Schrottfilme, um sie mal besonders hart zu bezeichnen, wurden in den 60er Jahren mit einer gewissen Mühe gedreht, während "Godzilla", "The World After Tomorrow" und Co abgesehen von ihren Computereffekten wirken wie schnell heruntergekurbelt. "Ein Riss in der Welt" weiß zumindest zu unterhalten, und dies ohne Zusatz von humoristischen Elementen, auch wenn sich ein gewisser Grad unfreiwilliger Komik bei einem Film dieser Zeit mit solch schräger Geschichte nicht verhindern lässt.

Und da braucht man gar nicht drum herum zu reden, die Story ist komplett bescheuert, aber auch derart naiv erzählt, dass man eigentlich nur noch mit ihr sympathisieren kann. Sie stützt sich schließlich auch nicht wie ein "The Day After Tomorrow" auf möchtegern wissenschaftliche Erkenntnisse. Damals war die Phantasie noch sehr groß, als es um die Frage ging was eine Atombombe alles anrichten kann. Das hier vorliegende auf Zelluloid gebannte Panikprodukt dürfte dem denkenden Menschen von damals zwar keine ernstzunehmende Wahrscheinlichkeit präsentieren, dem Bildleser von einst servierte er aber immerhin rasante, angstschürende Action.

So weit hergeholt die Idee um einen wandernden Riss, der droht die Welt zu halbieren, auch ist, das Mitfiebern des Zuschauers ist groß, weil man sich trotz alledem in diese Nonsens-Situation hineinfühlen kann. Und wenn sich zum letzten Drittel des Films die Situation auch noch zuspitzt aufgrund eines missglückten Plans die Katastrophe aufzuhalten, dann wird der Spannungsbogen trotz allem Schundgehaltes hochgepuscht.

„Ein Riss in der Welt“ braucht keine Charaktere, er braucht auch keine guten Spezialeffekte (für diese ist er mittlerweile für das Auge von heute eh zu alt). Es ist der nostalgische Charme gepaart mit dem Spannungsbogen der diesen Film so sehenswert macht. Seinerzeit waren es die Effekte statt der Nostalgie. "Ein Riss in der Welt" unterhält auch nach all den Jahren noch, und er hat dieses Ziel erreicht ohne je ein namhafter Hit geworden zu sein. Wer Science Fiction der hohlen Art mag gepaart mit dem Genre Katastrophenfilm, der ist mit dieser Regiearbeit von Andrew Marton („Clarence, der schielende Löwe“) bestens bedient. Er hält sich in Sachen unfreiwilliger Komik trotz des mehr als bescheuerten Grundthemas wunderbar zurück. unterhaltsam


Weitere Reviews zum Film:

Freitag, 15. November 2013

THE BRAIN (Head Of The Family 1996 Charles Band)


Als eine Frau hinter das Geheimnis der Mutantenfamilie Stackpool kommt, ist sie auch bereits in Gefangenschaft dieser und lernt den Kopf der Familie kennen...


Der Kopf der Firma...

Charles Band, jeder aufmerksame Horror-Fan stößt irgendwann auf diesen Namen. Erlebt man ihn als Produzenten kann man sich in der Regel auf kurzweiligen Horror-Nonsens der billig heruntergekurbelten Art freuen. Ist er zudem aber noch Regisseur ist meist Vorsicht geboten, diese Filme sind meist totlangweilig.

„The Brain“ ist einer dieser Filme, und das Ergebnis ist, wie es zu befürchten war, kein gutes. Verglichen mit anderen Werken wie "Inferno des Bösen" hat Band für seine Verhältnisse jedoch etwas bessere Arbeit geleistet, aber eben auch nur wenn man Band mit Band vergleicht. Die Musik stammt mal wieder von Richard Band, gedreht wurde wieder in irgendeinem osteuropäischen Land wo die Mädels willig und billig sind. Das einzige weitere Geld wurde in die Kostüme und Masken gesteckt. Ja, so in der Art entsteht ja eigentlich jeder Film von Full Moon Pictures, von denen kaum einer die Laufzeit von 75 Minuten überschreitet.

Das schöne an „Head Of The Family" (Originaltitel): er bietet netten, teilweise sogar recht mutigen freiwilligen Trash. Ein berühmtes Stück Kultur im Finale mit einer nackten Tussi provokativ zu verhunzen, während der verstörte Geist es als hohe Kunst empfindet, das muss man einfach gelungen nennen, so schräg wie es hier auf zugegebenermaßen schlichte Art zur Groteske mutiert. Das Treiben gar nicht so seltener Pseudo-Intellektueller wird damit wunderbar durch den Kakao gezogen, so wie jene Gattung Kunstliebhaber, die Kunst daran definiert ob ein Werk offiziell als Kunst anerkannt wurde.

„The Brain" hat also seine Momente und erfährt mit ihnen in Kombination mit der billigen aber einfallsreichen Kreaturengestaltung einen gewissen Charme. Trotzdem ist das Werk in seiner Gesamtheit zu lahm ausgefallen. Typisch Band dauert es zu lange bis mal irgend etwas besonderes in der monotonen Handlung passiert. Ständig wird gefickt, und das blonde Blödchen ist in ihrer Dummheit auch nie lustig genug, um damit einen Teil des Filmes zu tragen. Im Gegenzug wurde die Mutantenfamilie nicht gut genug vertieft, um die blasse Präsenz der „Helden“ zu kompensieren. Weder die Hintergrundgeschichte wurde beleuchtet (wohl das einzig interessante was da hätte erzählt werden können) noch ihre Fähigkeiten werden vertieft. Da wird nur an der Oberfläche dessen gekratzt, was bei mehr Beachtung interessant hätte ausfallen können.

Wie geradezu typisch in einem Film von Bands Full Moon-Schmiede wird viel weniger Wert auf den Horrorpart gelegt als um das unnötige Geschwafel drum herum. Haben noch große Regisseure dieses Genre dies als Stilmittel eingesetzt um die Schockwirkung zu vergrößern (man denke dabei nur mal an Hitchcock mit "Die Vögel" und "Psycho"), so nutzt Band die Dialoge lediglich um die ohnehin schon kurze Laufzeit zu strecken. Häufig besitzen Band-Filme trotz ihrer kurzen Laufzeit einen ganz langen und langsam laufenden Abspann, oder zeigen, wenn es sich um eine Fortsetzung handelt, Minuten lang bereits verwendetes Material als Rückblick. Das ist nicht toll, kann aber einen Film straffen und damit unterhaltsamer ausfallen lassen. "The Brain" hat nichts von beiden, und somit hat der Zuschauer zu leiden.

Dass der komplette Streifen augenzwinkernd gemeint ist und auch den ein oder anderen freiwillig humoristischen Moment aufweist, rettet ihn ebenfalls nicht. Und so bleibt „The Brain“ das was es ist: Horror-Magerkost für Trash-Freaks mit ein paar netten Momenten, verschenkten Ideen und im Großteil ein Haufen langweiliges und sinnfreies Geschwafel. Jeder echte Horror-Fan weiß aber freilich zuvor, dass ihn das erwartet wenn er einen Bandfilm guckt, egal ob nun produziert oder unter der Regie des selbsternannten Masters Of Horror. Zielpublikum ist aber ohnehin die Jugend, das sieht man mit Blick auf die Vermarktung von Monsterpuppen aus Full Moon-Filmen auf dem amerikanischen Markt. Und auch wenn ich kein Teen mehr war, als „The Brain“ in Deutschland frisch erschien, gefiel er mir als junger Erwachsener sogar recht gut. Vielleicht haben also wenigstens Jungspunde Spaß am grotesken Treiben der Mutantenfamilie. mittelmäßig

Dienstag, 12. November 2013

DER 13. KRIEGER (The 13th Warrior 1999 John McTiernan u.a.)


Ein Araber verbündet sich mit Wikingern um gegen eine mordende Bande zu kämpfen, die ganze Dörfer in Schutt und Asche legt und von der es heißt, ihre Kämpfer wären keine Menschen...


Ali Baba und die 12 Wikinger...

Ich selbst sehe Filme dieser Art nur sehr selten, denke aber feststellen zu können, dass Freunde dieses Genres bestens unterhalten werden. Auch ich fand „Der 13. Krieger“ ganz okay, finde aber dass der Film mehr will als er kann. Rein optisch gibt es nichts zu meckern, die Kostüme sind gelungen, die Locations gut gewählt, die Maske okay. Allerdings gibt es hin und wieder Gestalten, die sehen trotz aller Möchtegern-Urigkeit einfach zu gestylt aus und erinnern zu sehr an das Heute. Interessanter Weise betrifft dieser Punkt kaum die Hauptdarsteller, jene Rollen die Teenherzen höher schlagen lassen sollen. Es sind die Randdarsteller, bei denen mir das aufgefallen ist.

„Der 13. Krieger" ist um Tempo bemüht, deswegen werden so gute Ideen, wie erst die Sprache des Verbündeten lernen zu müssen, auf die Schnelle abgehakt. Das finde ich an solchen Produktionen immer etwas schade, fehlt es in solchen Dingen doch immer an Konsequenz aus Angst man würde eine Geschichte damit ausbremsen. Die Hauptfigur hätte länger lernen müssen. Es hätte im Laufe des Films einen immer weiter abnehmenden Bröckchengehalt von noch unbekannten Worten und Wortspielereien geben müssen, den er nicht versteht. Eventuell durchgezogen bis zum Schluss des Films. Die eigentliche Geschichte hätte man damit nicht verändern müssen. Das Tempo wäre das selbe.

Dass ein im Film aufkommender Mythos von der Realität eingeholt wird, ist wohl mit die beste Idee am Film. Allerdings muss mir nur noch wer erklären, warum ein Volk nach dem Tod seines Anführers nicht mehr kämpfen kann oder will, so als habe man es mit einem Insektenstaat zu tun. Da hätte man ruhig andere Wege finden können die Geschichte kurz zu halten. Ein solches Ende eines Kampfes ist einfach nicht überzeugend.

Banderas gibt sich sichtlich in seiner Rolle Mühe, stößt aber freilich an seine Grenzen, so dass es für den Film besser gewesen wäre man hätte die Rolle mit einem talentierteren Schauspieler besetzt. Etwas schade finde ich seine Leistung schon, denn ich hätte ihm persönlich mehr zugetraut.

Trotz aller (teilweise engstirniger) Kritik hat es der Film zumindest geschafft einen Menschen wie mich, der mit Filme um Schlachten, Fantasy und Abenteuer nur wenig am Hut hat, zu unterhalten. Und das ist doch eigentlich ein recht gutes Zeichen, oder? unterhaltsam

Sonntag, 10. November 2013

DOOM - DER FILM (Doom 2005 Andrzej Bartkowiak)


Ein Trupp Soldaten fliegt zum Mars, da der Funkkontakt zu einer Forschungsstation abgebrochen ist. Vor Ort müssen sie gegen allerhand Monstren kämpfen...


Ganz schön baller baller...

Wer bereits "Pitch Black" zu prollig fand sollte gewarnt sein: was man mit „Doom - Der Film“ erlebt ist Proletentum hoch zehn. Hier ist wirklich jede Person ein Proll, selbst die strenge Wissenschaftlerin, ein Figurentyp der üblicherweise sonst nicht in dieses Muster fällt. Es gibt auch eigentlich keine wirkliche Auseinandersetzung mit den Begriffen gut und böse, sondern eigentlich nur gut oder böse aus Prollsicht, denn in dieser Welt voller perfekt aussehender Menschen ist eigentlich jeder böse der nicht dazu gehört. Faschismus hängt in der Luft, wie so oft in Produktionen mit ähnlichem Figurentyp. Wurde er bei "Starship Troopers" clever genutzt um zu kritisieren, wird er in "Doom" einfach akzeptiert. Hier ballern die Übermenschen, hier zerfetzen die Gehirne, was selbstverständlich doppeldeutig gemeint ist.

Doch kaum zu glauben, hin und wieder macht dieses Hirnlos-Produkt sogar Spaß. Doch leider hat dieser Popkornfilm seine Längen, weil er einfach nichts erzählt, womit er sich ständig selbst ausbremst. Trotzdem, kurzfristig wird „Doom“ dann aber immer wieder unterhaltsam. Natürlich bleibt einem nie das Hand vor die Stirn schlagen erspart, man muss sich auch 1000 Mal den Ausruf "Oh Shit" anhören, aber es wird geballert bis der Arzt kommt, was nur in wenigen Filmen zum Pluspunkt wird.

Die Kreaturen sieht man nicht so oft, aber wenn sie dann mal auftauchen wissen sie zu wirken. Ohnehin sind die Effekte okay zu nennen, was wohl der wichtigste Aspekt für das Zielpublikum ist, welches immerhin eher bei den Computerspielern zu finden ist als bei den Cineasten. Kurz vor dem Finale gibt es in Anlehnung an das gleichnamige Spiel eine längere Kameraeinstellung mit der Perspektive aus den Spielen. Dies kann man ruhigen Gewissens als die gelungenste Szene des Streifens bezeichnen, auch wenn das viele anders sehen werden, wurde doch laut diversen Artikeln manch einem im Kino gar übel bei dieser Ego Shooter-Szene aufgrund der ungewohnten Optik.

Dennoch, es ist alles was wenig was „Doom - Der Film" zu bieten hat, selbst wenn man mit niedrigen Erwartungen heran geht, man wird noch immer enttäuscht. Ich hatte von diesem Werk einen kurzweiligen Nonsens wie die beiden  "Tomb Raider"-Filme erwartet, freilich nicht den Inhalt oder das Genre betreffend, sondern in seiner Art: kein Inhalt, hohle Charaktere, aber jede Menge Fun. Das ist kein schwer zu erreichendes Ziel, und „Doom“ ist nur knapp dran vorbei geschwappt, aber knapp daneben ist auch vorbei, wie man so schön sagt.

Was bleibt ist also mittelmäßige Unterhaltung, versehen mit einer fragwürdigen Ideologie und Schauspielern, die sich in Sachen Proletentum stets gegenseitig überbieten. Da kann man schon Kopfschmerzen kriegen. mittelmäßig

Freitag, 8. November 2013

THE BLACK SCORPION (1957 Edward Ludwig)


Ein Vulkanausbruch setzt ein verborgenes Stück Lebensraum frei, in welchem u.a. riesige Skorpione hausen. Ein Forscher-Team nimmt das Gebiet unter die Lupe, ein riskantes Unterfangen wie sich herausstellt...


Nicht alles Gute kommt nach Deutschland...

Es lässt sich kaum zählen, was in den 50er und 60er Jahren so alles an Monsterfilmen produziert wurde. Da gab es viel kurzweiligen und viel lahmen Trash, hin und wieder sogar gelungene Filme, für die der Begriff Trash zu streng klingt. „Black Scorpion“ ist einer der wenigen Beiträge, die sich zu letztgenannter Kategorie zählen dürfen. Auch "Black Scorpion" ist in gewisser Hinsicht dem Trash-Bereich zuzuordnen, aber auch nur aufgrund seines Alters und der Naivität seiner Zeit, nicht aber weil er schlecht erzählt oder schlecht getrickst wäre.

In Sachen Special Effects wurde alles gegeben was seiner Zeit möglich war. Es gibt Stop Motion vom feinsten mit äußerst gelungenen Modellen, Angriffe aus verschiedensten Perspektiven, das Übereinanderlegen von Bildmaterial um Massenfluchtszenen mit Tierszenen zu kombinieren und noch vieles mehr. Die Tricks lassen somit schon mal nicht zu wünschen übrig. Die Kreaturen selbst sind mit Skorpionen für das Monster-Tier-Horror-Genre auch gut gewählt. Man sieht sie jedoch erstmals nach 30 Minuten.

Schlimm ist das nicht. In den ersten 10 Minuten wird eine gute Atmosphäre aufgebaut, die weiteren 20 Minuten beginnen sich nun zu ziehen. Das ist der kleine Wermutstropfen des Filmes den man ihm jedoch leicht verzeihen kann, denn danach wird man mit einem Tempo belohnt wie es eher typisch für die heutigen Horror- und Actionfilme wäre, nicht aber für das Erscheinungsjahr 1957. Ein Spezialeffekt folgt dem nächsten, ähnlich wie in den Hohlstreifen eines Emmerichs, mit dem feinen Unterschied dass es neben dem groben Getue auch Feinheiten zu betrachten gibt. Da gibt es mitten in der Schlacht einen Stromschlag wegen eines menschlichen Fehlers, da erleben wir eine Welt unter der Erde, in der es noch andere Wesen außer der Skorpione gibt, und da erleben wir Feindlichkeiten sogar unter den Skorpionen. Das sind allerhand nette Ideen.

Dass die Geschichte an sich typisch naiv verläuft und aufgrund dessen auch einige Fehler liefert sind alles Zeichen der Entstehungszeit, ebenso der positive Umgang mit der Berufsgruppe der Pfarrer. Ein solcher wird freilich als selbstloser Sympathisant eingesetzt, traurig, aber so war die bravere US-Kinozeit nun einmal. Nichts davon ist Grund genug sich über etwas ernsthaft zu ärgern, dafür macht „The Black Scorpion“ viel zu vieles richtig. Der Vergleich zu „Formicula“ dürfte nicht nur nahe liegen, der Film dürfte sogar drauf angelehnt sein.

Trotzdem gibt es einen Kritikpunkt zu äußern, über den nur der Trash-Fan und der Filmnostalgiker gnädig hinweg sehen kann, da dieser Punkt unfreiwillig belustigt. In den Nahaufnahmen haben die Skorpione fast menschliche Gesichter. Sie haben Kulleraugen, sie sabbern mehr als Huutsch aus "Scott und Huutsch" und sie sehen viel zu niedlich aus. Mal ganz davon abgesehen, dass in den Stop Motion-Aufnahmen, in welchem die Viecher als komplette Tiere gezeigt werden, im Gesicht ganz anders aussehen.

Mich stört es nicht. Im Gegenteil, ich finde es sympathisch, dass sich darum damals keiner der Verantwortlichen geschert hat. Es ist nur ein Film. Die Engstirnigkeit heutiger Zeiten gab es damals nicht, nicht im Bereich der Trivialunterhaltung. „The Black Scorpion“ ist immerhin trotz dem Fakt dass er banale Unterhaltung bieten soll abwechslungsreich erzählt. Nach besagter etwas zäher halber Stunde ist er nur noch kurzweilig und temporeich und mit viel Liebe zum Detail umgesetzt. Für seine Zeit geht er sogar recht ruppig mit den Menschen um, freilich ohne blutige Details zu zeigen. Es wundert quasi, dass ein solch wunderbarer Film es in all den Jahren nie nach Deutschland geschafft hat. Wenn man einmal bedenkt, dass so etwas immerhin Mistfilmen wie "Angriff der Riesenkralle" und „Das todbringende Ungeheuer" gelungen ist, die schon zu ihrer Zeit unterdurchschnittlich gewesen sein müssten, ist das schon sehr traurig. sehenswert


Weitere Reviews zum Film:

ATTACK OF THE GIANT LEECHES (1960 Bernard L. Kowalski)


Auf Menschengröße mutierte Blutegel töten Menschen...


Kondom des Grauens...

Ich habe mich sehr auf diesen Film gefreut, bin ich doch für Monsterfilme immer wieder gern zu haben und brachten doch die 50er und 60er Jahre jede Menge Trash ins Lichtspielhaus, ob nun freiwilligen oder unfreiwillig komischen. Welcher Freund von Tier-Horror und Monsterfilmen würde sich nicht über eine solch groteske Idee freuen, dass es diesmal mutierte Blutegel sein dürfen, welche die Menschheit bedrohen. Die Suche nach besonders bekloppten Gebieten dieses Sub-Genres begannen erst mit dem Aufkommen der schlecht computeranimierten Billigfilmchen, wie sie zuhauf auf Tele 5 laufen. Dort weiß man, dass man nichts zu erwarten hat. Das schlechte Ergebnis einer 60er Jahre-Produktion ist auch nicht zwingend unmöglich, aber die Wahrscheinlichkeit etwas gelungenes sichten zu dürfen war relativ hoch.

Wie das so mit Wahrscheinlichkeiten ist, müssen sie in der Vermutung nicht stimmen. „Attack Of The Giant Leeches" ist alles andere als ein sympathischer Vertreter seiner Nische geworden. Zwar ist der Film mit 60 Minuten ziemlich kurz geraten, langatmig ist er dennoch. Ewiges Hinhalten steht auf dem Programm, und selbst für einen Streifen seiner Zeit sind die Blutegel viel zu selten zu sehen. Meist wirken sie wie Menschen, die sich einen leicht überarbeiteten Müllbeutel über den ganzen Körper gezogen haben. In einer der wenigen Nahaufnahmen und einer der wenig geglückten Szenen sieht man dann herrlich schlecht getrickst, wie die Blutegel sich einen Menschenimbiss gönnen. Mehr solcher Szenen und ich wäre happy gewesen, zumal die Darsteller für eine solche Billigproduktion positiv überraschen, ohne gleich kleine DeNiros zu sein. Zumindest stapfen sie nicht wie Vollidioten durchs Bild.

Auch die Musik gehört zu den positiven Seiten des Films. Nostalgisches Trash-Flair kommt hierbei auf, es ist ein Spaß für die Ohren. Und passend zu einigen Unsinnigkeiten ist dies auch die richtige Vertonung für einen solchen Film. So sieht man beispielsweise bei einigen Unterwasseraufnahmen die dreckige Scheibe des Aquariums in welchem gedreht wurde. Trotz solcher Momente wird Kowalskis Schund nicht zu jener Kategorie, die Partylaune verursacht, dafür ziehen sich die 60 Minuten viel zu sehr, zäh wie Kaugummi, sich anfühlend wie die doppelte Laufzeit.

Schade, aber zumindest hat man nur eine Stunde seines Lebens vergeudet. Als ich gelesen habe, dass dieser Film 2008 eine Neuverfilmung beschert bekommen hat, hat mich das zunächst aufhorchen lassen. Ein näherer Blick auf der OFDb den Regisseur betreffend, ließ jedoch wieder Ernüchterung folgen, ist doch der selbe Mann für das Remake verantwortlich, der den unterirdischen „Jurassic Shark“ umsetzte. Also wird es wohl noch immer keine gelungene Alternative zum hier besprochenen Film geben, schade! Trash-Fans können ja mal im Netz die Stelle suchen, in welcher sich die Kondom-artigen Killermüllbeutel um ihre Opfer kümmern, dann hat man den einzig schönen Moment des Streifens gesichtet. Den Rest sollte man sich sparen. schlecht

Mittwoch, 6. November 2013

DONOVANS HIRN (Donovan's Brain 1953 Felix E. Feist)


Einem Wissenschaftler gelingt es das Gehirn eines verstorbenen Millionärs außerhalb des Körpers am Leben zu halten. Doch das Gehirn scheint Kontrolle über den Forscher zu gewinnen...


Zwei Gehirne sind eins zu viel...

Seit ich in meiner Kindheit Ausschnitte von „Donovans Hirn“ in Steve Martins Komödie "Der Mann mit zwei Gehirnen" gesehen habe, war ich schon neugierig auf diesen Film. Irgendwie kam es lange Zeit nie dazu und nun endlich habe ich es geschafft: Donovans Hirn, ich habe ihn gesehen. Wenn man so viele Jahre auf etwas wartet, kann das schnell zu hohe Erwartungen wecken. Und ganz ehrlich, der Streifen um einen Forscher, der ein Gehirn außerhalb eines menschlichen Körpers am Leben hält, ist kein Meilenstein wie "Die unglaubliche Geschichte des Mr. C" oder "Der Unsichtbare" aus dem Jahr 1933. Ein putziges kleines Gruselfilmchen ist er allerdings sehr wohl.

Die Wissenschaft machte täglich Fortschritte, dennoch verwundert es aus heutiger Sicht erst einmal, dass nie erwähnt wird warum es der Forscher mal eben so schafft ein Gehirn am Leben zu halten. Das wird alles geradezu selbstverständlich thematisiert, und das hat man zu akzeptieren. Dass der Forscher die Kontrolle über sein eigenes Hirn verliert, kommt sehr plötzlich, da muss man sich recht schnell drauf einstellen, ohne dass einen der Film dabei an die Hand nimmt. Kann man mit all diesen Dingen umgehen, wird man in der zweiten Filmhälfte mit einer netten Monsterhirn-Story belohnt, die ab und an in den Bereich des Gaunerfilms abrutscht.

Dass Donovan ein sehr böser Mensch war, gehört auch zu den Tatsachen die man als Zuschauer einfach zu akzeptieren hat. Rätselt man zunächst noch einsam vor dem Bildschirm warum das Hirn bloß so böse ist, so wird einem urplötzlich die simple Lösung präsentiert: Donovan war bereits als Mensch böse. Solche Erkenntnisse kommen für den Zuschauer immer sehr plötzlich und sehr schnell. Es ist etwas ungewöhnlich eine Geschichte auf diese Art erzählt zu bekommen. Nur das wenigste wird storytechnisch langsam vorbereitet. Seinen eigenen Reiz hat der Film damit jedoch schon.

Neben dieser inszenatorischen Holprigkeit fällt auf, dass auch Hauptdarsteller Lew Ayres eher zwischen schwarz und weiß hin und herspringt, anstatt mit Graustufen zu arbeiten. Zwar wirkt es als habe er Spaß an seiner Rolle, aber der Wandel vom guten Doc zum bösen kommt doch sehr ruppig, und zeigt sich eher außerhalb der Mimik, z.B. mittels Humpeln.

Die Hauptattraktion, das Gehirn, sieht nie wirklich realistisch aus. Es ist auch nicht glibberig, und je größer es wird desto stählerner und damit härter wirkt es. Aber es pulsiert fröhlich vor sich hin, das besitzt Wirkung.

Ob wir es im Finale mit der Lösung der Probleme mit einem Zufall zu tun haben oder mit dem Eingreifen Gottes wird nicht ganz klar. Zumindest wird diese Möglichkeit im Film zuvor erwähnt, so nach dem Motto „Dann soll eine höhere Macht das Experiment auch beenden." Der angehängte Schluss, der uns zeigt was aus den Überlebenden geworden ist, ist für meinen Geschmack etwas arg optimistisch ausgefallen, wenn man einmal bedenkt dass das Gehirn gestohlen war und einem hilflosen Toten einfach so entnommen wurde. Aber dies sind halt die 50er Jahre, in denen immer ein gewisser Grad Naivität durch solche Stoffe wehte. Vielleicht auch besser so, heutige Produktionen nehmen sich oft viel zu ernst.

Wer nach „Donovans Hirn“ von Gehirnen noch immer nicht genug hat, sollte unbedingt auch zum eben erwähnten „Der Mann mit zwei Gehirnen“ greifen, der ist eine großartige Komödie. Einen Blick wert ist auch der freiwillige 80er Jahre-Trash "Das Gehirn", nicht zu verwechseln mit Charles Bands „The Brain“ aus den 90er Jahren. In dem visuell sehr starken "Die Stadt der verlorenen Kinder" bekommt man es auch mit einem Gehirn im Glas zu tun, dies ist aber nur Teil einer sehr komplexen Geschichte. Einen Flug durchs All mit allerhand Gehirnen darf man in einem der vier „Lexx“-Filme erleben. Und wer gerne mal ein fliegendes Alien-Gehirn sehen will, der ist beim 50er Jahre Trash „Die Augen des Satans“ ganz gut aufgehoben. „Donovans Hirn“ selbst wurde insgesamt drei mal verfilmt. Die hier besprochene zweite Verfilmung zählt sicher nicht zu den besten Beiträgen seiner Zeit, aber Freunden des Genres, die gerne zu Klassikern greifen, werden ein Sichten sicher nicht bereuen. unterhaltsam


Weitere Reviews zum Film:

Dienstag, 5. November 2013

FINAL DESTINATION 3 (2006 James Wong)


Als Wendy durch eine Vision den Tod einiger Menschen auf einer Achterbahn verhindern kann, versucht der Tod sich seine rechtmäßigen Opfer etwas später zu holen...


Dem Überblick zuliebe zurück auf Null...

Diese sympathische Fortsetzung eines großartigen Originals mit origineller Idee stellt nicht so viele Ansprüche an sich wie sein Vorgänger, welcher die Logik von Teil 1 versuchte konsequent weiterzuführen mit einer sinnvollen Erweiterung der bisherigen Regeln. Das Ergebnis: es gab lediglich einen gravierenden Fehler in der Logik des Grundgerüsts, eine Quote, die man im immer undurchschaubarer werdenden Dschungel weiter Konsequenzen nie hätte halten können.  Teil 3 schaltet ein Stück zurück, will einfach nur eine alternative Situation zeigen und hat sich dementsprechend das richtige Ziel gesetzt. Dieses Eingeständnis auf simplerer Ebene mit dem Stoff weiter zu arbeiten reicht zu Unterhaltungszwecken vollkommen aus, ganz einfach weil die zweite Fortsetzung gut umgesetzt ist. Einziger Wermutstropfen: das Philosophische rund um den Tod blitzt nur noch leicht auf.

Den Fan des Horror-Genres interessieren in erster Linie die Todesarten, und diese sind gut gemacht, blutig ohne draufzuhalten und immer wieder nett eingefädelt. Auch Todesarten, bei denen man rätselt was wohl wie passieren wird, weil die Möglichkeiten geradezu übersprudeln, sind mal wieder vorhanden. Hier setzt man auf Bewährtes. Die Charaktere sind freilich nur die gewohnt routinierten eines typischen US-Drehbuchs, die etwas einfallsreicheren Dialoge und eine flotte Umsetzung machen aber einiges wieder daran wett.

Sich als Unglückssituation diesmal die Achterbahn auszusuchen, halte ich für eine gute Idee. Es schockt richtig, wenn die Bügel plötzlich hoch gehen, da leidet man als Zuschauer richtig mit. Aber nicht nur hier ist dies der Fall, selten saß ich so nervös vor einem Film. Da gibt es sowohl Szenen die schocken als auch Szenen die Böses erahnen lassen. Das Herz rast mit.

Die Idee über Fotos den Plan des Todes zu erahnen finde ich zwar etwas simpel gestrickt, sie ist aber insofern eine gelungene Alternative als dass sie es zulässt, dass der Zuschauer glaubt ein wenig miträtseln zu können beim Entschlüsseln der Hinweise. Erst hinterher weiß man, dass dies unmöglich gewesen ist, sind die Tode dafür doch viel zu konfus ausgefallen. Hinterher ist man immer schlauer, dem Spaß am Miträtseln schadet es trotzdem nicht.

Final Destination“ ist das Paradebeispiel einer Kuh die ewig gemolken werden kann. Das Konzept stimmt und so lange die Drehbuchautoren einfallsreich "morden" wird es ihnen der Horror-Fan danken. In seiner Konsequenz mag „Final Destination 3“ nicht der einfallsreichste Teil der Reihe sein, aber er ist meiner Meinung nach die bislang unterhaltsamste Fortsetzung. unterhaltsam

Sonntag, 3. November 2013

STARTUP (Antitrust 2001 Peter Howitt)


Das junge Computergenie Milo nimmt einen Job bei einem Softwareriesen an und muss feststellen, dass es in der Firma nicht mit rechten Dingen zugeht. Ist der Chef gar in den Todesfall von Milos bestem Freund verwickelt?...


Nicht jede Arbeitsstelle ist erstrebenswert...

„Startup" ist ein spannender Film, ganz klar! Was mir aber außer seiner guten Umsetzung gefallen hat, ist sein mutiges Thema. Ähnlich den Michael Moore-Filmen geht es hier um modernen Wirtschafts-Faschismus. Die Übereinstimmungen von Tim Robbins Rolle zu Bill Gates sind nicht zufällig, dessen Geschäftsmethoden nicht unbekannt. Klar, „Antitrust“(Originaltitel) ist ein Popkornfilm und somit in erster Linie Unterhaltung, aber ich glaube themenernster umgesetzt hätte es ihn gar nicht gegeben. Viel zu sehr wurde bei dieser Art Umsetzung schon riskiert. Ich denke, ähnlich wie im grandiosen Dokumentarfilm "Super Size Me" wird es nicht ganz einfach gewesen sein, dieses Werk überhaupt zu veröffentlichen, geschweige denn fertig zu stellen. Aus all diesen Gründen fand ich es sehr schade, dass jede Review die ich im Netz zu diesem Film lesen durfte, stets so geschrieben war, als ginge es hier lediglich um reine Unterhaltung, um Fiktion und um ein nicht reales Thema das keinen von uns betrifft. Schade, aber diese Lücke ist ja nun mit diesem Text gefüllt.

Der Film selbst ist kurzweilig ausgefallen, lässt sich in der Einführungsphase zwar viel Zeit, wird dabei aber nie langweilig. Die Bedrohung liegt von Anfang an in der Luft, die Grundatmosphäre ist damit stimmig. Die beiden Hauptdarsteller überzeugen, Robbins spielt mit sichtbarer Freude seine Schurkenrolle. Aber dieser sichtbare Spaß ist meiner Meinung nach sein Markenzeichen, so z.B. auch überaus deutlich zu erkennen in seiner kleinen, überzogenen Rolle in „High Fidelity“.

Das Ende von „Startup“ ist zwar keine Katastrophe, das Thema wäre mit einem anderen Schluss jedoch näher an der Realität orientiert werden, aber das sind wohl die Kompromisse die man machen muss, wenn man eine wichtige Thematik in einen Unterhaltungsfilm packt. Andererseits: ein „Social Network“ hatte diesen Kompromiss auch nicht nötig um zum Blockbuster zu werden. Vielleicht war bei dessen Erscheinen die Zeit auch reifer um solche Themen auf ein Massenpublikum loszulassen.

Ich hoffe für die Zukunft, dass es auch weitere Filme zum Thema Wirtschafts-Faschismus geben wird, so würde mich z.B. mal ein Film interessieren, der die großen Parteien von heute darin entlarvt, wie sie den demokratischen Gedanken immer mehr abbauen und unauffällig eine unfreie Gesellschaft aufbauen. Auf Konzernebene erzählt "Startup" genau das selbe. Interessant war hierbei gerade das Durchleuchten der Firmenpolitik, wenn die von Ryan Phillippe gespielte Figur bei seiner Einstellung darauf getrimmt wird, andere Mitarbeiter anzuschwärzen und zu bespitzeln. Eine Gesellschaft die sich gegenseitig überwacht bis sich keiner mehr traut frei zu handeln, na hoppla, das hatten wir Deutschen doch schon mal auf Landesebene. Warum aus dem einen lernen und es in anderen Lebensbereichen zulassen? sehenswert


Weitere Reviews zum Film:

HOBGOBLINS (1988 Rick Sloane)


Als er einen neuen Job als Nachtwächter in einem Filmstudio annimmt, wird Kevin von einem älteren Kollegen noch gewarnt: öffne nie den Tresorraum! Einst konnten dort Wesen gefangen werden, die der Menschheit nicht positiv gesonnen sind. Es kommt wie es kommen muss. Kevin öffnet auf der Suche nach einem Einbrecher trotz der Warnungen des alten Mannes den Tresor...


Kasperle-Gremlins...

Es ist schwer etwas über einen Streifen wie "Hobgoblins" zu schreiben. Er gehört zu dieser Art Film die man gesehen haben muss, um wirklich begreifen zu können, was man mit ihm erlebt. Eins ist klar: "Hobgoblins" ist schlecht, egal ob man ihn als Horrorfilm oder als Komödie sieht. Er ist beides, und er will beides sein. In Sachen Komödie hat er sogar einige gelungene Witze zu bieten, eigentlich sprudelt er jedoch nur so über vor unfreiwilliger Komik, so dass Trash-Fans vor Lachen und Hände-vor-die-Stirn-schlagen kaum zu Atem kommen. Da der freiwillige Humor von Hobgoblins streckenweise aber sehr skurril ist, oft auf der Basis von Anti-Gags, verschwimmt selbst für den erfahrenen Trash-Fan oft die Grenze zwischen freiwilligem und unfreiwilligem Humor. Oft erwischte ich mich bei der Frage: war das jetzt so gemeint oder war das wieder mal ein Fehler und/oder eine Peinlichkeit? Das spricht mit Sicherheit FÜR den Humor des Films, kann ihn aber trotzdem nicht davor retten lediglich als wunderbar peinlicher Schund zu funktionieren.

Nehmen wir nur mal die Musik: bis auf einige wenige Punk-Rock-Songs, die im Stil ein wenig an die Lieder aus "The Return Of The Living Dead" erinnern, ist der Soundtrack ziemlich übel ausgefallen. Aufgesetzte Musik terrorisiert die Ohren, alles zu monoton komponiert, und in seinem Höhepunkt an Grausamkeit ertönt hundsmiserable Tanzmusik in einer Endlosschleife, der die Glaubwürdigkeit fehlt, dass Charaktere wie für den Film verwendet sich eine solche überhaupt anhören würden. Dazu tanzen sie völlig versteift (später in einer Disco-Szene das selbe Manko noch mal viel lustiger), was den akustischen unfreiwilligen Humor visuell noch einmal unterstützt. Ähnlich schlechtes Tanzen sah ich bislang eigentlich nur im unbekannten "Sleepover Nightmare".

Dass die schauspielerische Leistung nicht nur in Tanzszenen schnell ihre Grenzen erreicht, muss freilich nicht wirklich gesondert erwähnt werden. Interessant ist jedoch, dass manch einer lediglich wie ein Idiot durchs Bild tappst, manch anderer zuvor aber wenigstens versucht eine bessere Leistung abzuliefern bevor sein Scheitern kein Geheimnis mehr ist.

Die Idee der Geschichte ist eine gar nicht mal schlechte Idee einer "Gremlins"-Kopie. Um sie gekonnt und glaubhaft umsetzen zu können hätte es allerdings eine talentierte Regie und ein gutes Drehbuch gebraucht. Der Clou der Geschichte: die Hobgoblins können die Gehirne ihrer Opfer manipulieren und ihnen ihre größten Wünsche zeigen. Das ist noch simpel, zugegeben! Aber da andere Beteiligte die Wünsche der anderen ebenfalls sehen können, wird ein Ball der Geschehnisse ins Rollen gebracht, bei dem man als Regisseur nun eigentlich die Übersicht behalten müsste, um der etwas komplizierten Idee gerecht zu werden und diese konsequent weiter zu führen. In einem guten Drehbuch würde es irgendwann schwer fallen die echten von den falschen Geschehnissen auseinander zu halten. Im vorliegenden Versuch endet alles im Desaster, ein verpatzter Versuch auf Kasperletheater-Basis, glücklicher Weise aber immer auf schadenfreudige Art unterhaltsam.

Der Vergleich mit einem Kasperletheater liegt im übrigen näher als die Formulierung als Redewendung ansonsten eigentlich meist gemeint ist. Wenn die Hobgoblins mal durchs Bild huschen, und das passiert nur höchst selten, dann sind sie wie Kasperlepuppen animiert. Immer gibt es eine Couch oder ein anderes optisches Hindernis, wo die Spieler ihre Arme oder Hände hinter verstecken können. Es gibt nicht eine Szene in der man sie mal mit vollem Körpereinsatz durch die Gegend huschen sieht, nichts. Wie Handpuppen, so haben natürlich auch die Hobgoblins keine Chance auf Veränderungen ihrer Mimik. Zudem können sie wie diese nur Mund und Arme bewegen.

Kommt es gar mal zu einem Kampf zwischen den Wesen und einem Menschen, kämpfen die Darsteller mit bewegungslosen Stoffpuppen, was freilich den Partyfaktor des Streifens ungemein erhöht, zumal Schnitt und Kamera nicht einmal versuchen das ganze nicht nach Puppe aussehen zu lassen. Es gibt nur eine Szene im fertigen Film, bei der ich das Gefühl hatte, dass mit einer anderen Art getrickst wurde: die Hobgoblins fahren Auto und machen jeder für sich (verschiedene) Hin und Herbewegungen. Wer schon einmal in der Geisterbahn im Phantasialand oder auf der Kirmes war, der kennt das vielleicht. Motoren steuern Puppen monoton hin und zurück, immer im gleichen Rhythmus, nie mit Abwechslung versehen. Und dementsprechend dämlich sieht das Autofahren der Hobgoblins dann auch aus.

Bei all diesem Untalent ist es nicht verwunderlich, dass der Film auch vor Unlogiken nur so strotzt. Aber Fehler wie folgenden einzubauen, gehört schon zu einem ganz speziellen Talent des Unvermögens: eine Frau möchte einen Wagen anschieben, der aber stur stehen bleibt. Dann gibt es eine Nahaufnahme, in welcher der Wagen rollt. Dann kommt der Retter angefahren, erreicht das Fahrzeug der hilfsbedürftigen Person, und dieses wird wieder versucht anzuschieben ohne das es sich bewegt. Zum Ausgleich gibt es in der selben Szene gleich auch den lustigsten freiwilligen Gag zu sehen, die meisten werden bis dahin ihren Fernseher aber sicherlich ausgeschaltet haben.

Also, wer es unfreiwillig komisch mag, angereichert mit freiwilligem schrägen Humor, der nur selten zündet, kann reinschalten. Der Rest sollte dies tunlichst vermeiden. Da zumindest der schadenfreudige Trash-Fan bedient wird, kann man "Hobgoblins" als gelungener bezeichnen als das Gremlins-Imitat "Die Munchies", der wirklich nicht auszuhalten war. Eigentlich gefällt mir „Hobgoblins“ sogar besser als „Ghoulies 2“ und „Ghoulies 3“, obwohl er hingeschluderter wirkt als diese, und die Vergleichsfilme routiniert unterhaltsam ausgefallen sind. Aber freiwillig erreichter Durchschnitt guckt sich nun mal nicht so spaßig wie missglückter Blödsinn, zumindest wenn er so ausgefallen ist wie im hier vorliegenden Film. unterhaltsam


Weitere Reviews zum Film:

Samstag, 2. November 2013

CURSE OF CHUCKY (2013 Don Mancini)


Als die Familie nach dem Tod der Mutter im Elternhaus zusammen kommt, schenkt eine im Rollstuhl sitzende Frau ihrer Nichte eine Puppe, die kurz zuvor versehentlich per Post ankam, obwohl sie niemand bestellt hatte. Als sich Zufälle, Missgeschicke und mit der Zeit sogar Todesfälle häufen, fragt sich die gute Frau ob dies an Chucky liegen kann, wie sich das sprechende Spielzeug selbst nennt...


Charles Lee Ray lässt das Morden nicht...

Es ist im Horror-Genre Standard dass sich Geschichten häufig wiederholen, den immergleichen Mustern folgen und der Horror-Fan sogar geradezu nach dieser Routine lechzt. Dennoch war es in Horror-Reihen immer so, dass in Fortsetzungen mit Variationen des eigentlichen Stoffes gespielt wurde, und mögen diese noch so minimal sein. Ein kleiner Unterschied zu den Vorgängern im ansonsten gleichen Muster tut meist Not, erst recht wenn in ersten Fortsetzungen der Unterschied lediglich in der höheren Opferanzahl zu finden war. Ob ein Jason plötzlich gegen eine paranormal begabte Gegnerin kämpfen musste, oder sogar im Weltraum, ob Freddy wiederkehren konnte im Wachzustand, da er über die Träume eines Ungeborenen ein Hintertürchen fand, oder ob Michael Myers plötzlich Werkzeug eines ominösen Geheimbundes war, Serientraditionen mussten gebrochen werden, damit der Fan das ansonsten immergleiche Muster schluckt.

Deswegen war es nach dem festgefahrenen Teil 3 der „Chucky“-Reihe eine durchaus lohnenswerte Idee zu anderen Ufern zu schwimmen und mit „Chucky und seine Braut“ eine Horror-Komödie abzuliefern. Das ist kein großer Geistesblitz, sondern ganz im Gegenteil eine naheliegende Idee in einer Reihe um eine sprücheklopfende Killerpuppe, aber in gewisser Weise konsequent. Mit „Chuckys Baby“ glitt man gar in noch groteskere und extremere Bereiche der Komik, so dass ein Punkt erreicht war, der bei weiterer Überspitzung nicht mehr treffsicher gewesen wäre. Von daher braucht es einen nicht zu wundern, dass man mit „Curse Of Chucky“, dem nun mehr sechsten Teil der in den 80er Jahren gestarteten Reihe, zurück zu den Wurzeln wollte. Meine Diagnose: damit kann man es aber auch übertreiben.

Während die eigentliche Geschichte immer wieder deutlich macht, dass man Teil der kompletten Reihe sein will, was man an den vielen Anspielungen erkennt, die auf so ziemlich jeden Vorgänger verweisen, macht die Inszenierung den Eindruck Neulingen der Reihe gefallen zu wollen. In einer dankenswerter Weise klassischen Erzählform, weit weg von der Hektik und den Pflichten heutiger Horrorfilme, geht man so viele Schritte zurück, dass man den Film aus der Erwartungshaltung eines Neulings erzählt. Man tut geradezu so, als ob die Vorgänger unbekannt währen, so sehr setzt man die Szenen mit ihrer Erwartungshaltung auf null, was für den langjährigen Freund der Reihe bedeutet, dass alles nach Erwartung überraschungsfrei verläuft, so als habe man den Kompromiss zwischen Neuverfilmung und Fortsetzung versucht. Aber so ein Balance-Akt funktioniert nicht, beides auf einmal ist einfach nicht drin. Ein Entweder/Oder wäre besser gewesen.

Zumindest bereitet es Freude Chucky mal wieder im klassischen Outfit zu erleben, was mir persönlich sehr entgegen kam, war ich doch kein Fan des auf cool getrimmten Narbengesichtes der humorvollen Vorbilder. Im Finale ist es aber auch damit vorbei, was aber egal ist, da der Hauptteil des Streifens somit auf Chuckys klassischen Look setzt. Mit der Mimik des Spielzeugs pendelt man zwischen neuen Variationen und Altbewährtem hin und her, was in der Regel auch zu wirken weiß. Selbst die Art wie Chucky sich fortbewegt ist an den alten Filmen orientiert, und dass obwohl die Tricktechnik mittlerweile eine völlig andere ist.

Die Geschichte selbst und ihre Örtlichkeit, ein altes, großes Haus (geradezu klassisch wie manch andere Elemente: die Spinnweben, die böse Schwester, der festsitzende Fahrstuhl,...), erinnern weniger an einen professionellen „Chucky“-Film als vielmehr an die von Chuckys Erfolgen miternährten „Puppet Master“-Filme aus der Charles Band-Schmiede. Genau wie dort hangelt man sich in trockener Atmosphäre von einem Klischee überraschungsfrei zum nächsten, darauf bedacht Spannung zu erzeugen, was nicht funktionieren kann, wenn keine innovativen Ideen mit an Bord sind. Das ist somit ein „Chucky“-Film ohne große Ansprüche an sich selbst, lediglich besser als der sehr mittelmäßige Teil 3, aber leider doch nur auf dem Niveau der besseren Beiträge der Killerpuppen-Filme von Charles Band.

Waren diese direkt für den Videomarkt produziert, so erdreistet sich „Curse Of Chucky“ dieses Niveau auf die große Leinwand nieder zu lassen. Und dort wird man wahrscheinlich noch enttäuschter gewesen sein als ich, der sich zu Haus mit der erstandenen DVD den Film im Player zu Gemüte führte. Allerdings sprechen wir hier trotz alledem von einer Enttäuschung auf hohem Niveau, denn auch ich gehöre zu der Gruppe der Horror-Fans und wie eingangs erwähnt fressen diese die immergleiche wiederkehrende Scheiße, und mit Abstand betrachtet ist „Curse Of Chucky“ zumindest solide erzählt, gut gespielt und mit Verweisen auf die Vorgänger versehen, ein immer gern gesehener Bonus für Fans einer Reihe.

Dennoch wagt es Regisseur Don Mancini, der nicht nur auch den Vorgänger inszenierte, sondern seit 1988 von Teil 1 an für die Drehbücher der Reihe verantwortlich war, lediglich seinen ersten Streich, der in Deutschland zunächst unter dem Titel „Die Mörderpuppe“ erschien, wiederzukäuen, ohne dem Szenario neue Seiten abzugewinnen. Nach der eigentlichen Geschichte hetzt man zudem noch von Szene zu Szene, um den Film um einige weitere Ideen zu erweitern, was gar nicht nötig gewesen wäre, so schön wie die wenig überraschende Schluss-Pointe im Gerichtssaal inszeniert ist.

„Curse Of Chucky“ lässt sich für den Vielseher des Genres durchaus gucken. Dennoch darf man überrascht sein, dass der ernste Ansatz zurück zu den Wurzeln niveauloser ausgefallen ist, als das Party-taugliche Herumblödeln der beiden Vorgänger. Das Gegenteil sollte eigentlich der Fall sein. Teil 6 fühlt sich leerer an als seine Vorgänger, was daran liegen kann, dass Chucky diesmal kaum wahre Motivationen für seine Taten hat, außer das Töten selbst. Erst sehr spät wird seinem Tun ein Hintergrund beschert und damit eine Absicht aufgezeigt, zu dumm dass diese zu spät kommt und zudem nicht gerade überzeugend eingebracht wurde.

Wie auch immer, Neueinsteigern wird der sechste Teil sicherlich besser gefallen als dem Dauergast der Reihe, aber auch der wird ordentlich genug unterhalten, immer gerade am Rande der Langeweile vorbeigeschwappt. Das ist kein großes Ergebnis, aber immerhin ein kleiner Verzehr für den Hunger zwischen den Mahlzeiten. Im Original wird sich „Curse Of Chucky“ übrigens besser gucken, die Synchronstimme von Chucky ist nicht gerade die beste, und das obwohl professionell nachvertont wurde. unterhaltsam


Weitere Reviews zum Film: