Schlombies Filmbesprechungen auf Facebook:

Sonntag, 28. September 2014

COPS AND ROBBERSONS (1994 Michael Ritchie)


Der unausstehliche Cop und Griesgram Jack Stone soll zusammen mit einem jungen Kollegen einen gesuchten Geldfälscher observieren. Zu dumm dass er dies vom Haus der Robbersons aus tun muss. Das sind nämlich nicht nur fröhliche Vorstadt-Spießer, Vater und Nervensäge Norman ist zudem noch großer Krimi-Fan und wollte selbst schon immer Polizist werden...


Wie Draculas Sohn gestorben ist...

Die VHS-Welt steckt voller kleiner Schätze, die es bislang nicht auf DVD geschafft haben. Das ist im Komödienbereich sogar noch eher der Fall als im hochbeliebten Horrorbereich. Unbekannte Größen wie den 80er Jahre „Summer School“ vermisst man auf dem deutschen DVD-Markt ebenso wie die kleinen sympathischen Werke a la „Als Junge ist sie spitze“, „He‘s My Girl 2“, und „Dr. Alien“. Wenn Stars wie Jack Palance und Chevy Chase mit an Bord solcher Filme sind, darf man sich jedoch zu Recht fragen, welche Copyright-Probleme oder ähnliche Hindernisse bislang eine Veröffentlichung verhindert haben, und mag ein Werk auch noch so unbekannt sein.

In „Cops & Robbersons“ haben beide nicht nur tragende Rollen, sie spielen auch das was der Fan von ihnen sehen will: Palance den harten Hund, wenn auch in Form einer Parodie angegangen und Chevy Chase die Nervensäge vom Dienst. Kaum wer konnte dies mimisch damals besser spielen als er, mit diesem naiv harmlosen Blick, der zum Haupt-Repertoir des talentierten Komikers und Schauspielers gehört. Mit Michael Ritchie hatte man zudem einen Komödien-erfahrenden Regisseur mit an Bord, der in den 70er Jahren den Hit „Die Bären sind los“ schuf, mit Dan Aykroyd „Der Couch Trip“ realisierte und mit Chevy Chase die kurzlebige „Fletch“-Reihe ins Leben rief.

Zugegeben, „Cops and Robbersons“ mag es manches Mal an Tempo fehlen, aber das macht er durch eine handvoll ungewöhnlicher Ideen, treffsicherer Pointen und einem Gespür für schräge Situationskomik wieder wett, beispielsweise wenn zwei sich gegenseitig nicht trauende Gauner auf trockene Comic-Art bei einem Treffen nach und nach feststellen müssen, dass sie sich zurecht gegenseitig nicht getraut haben. Auch der Besuch Robbersons beim zwielichtigen Nachbarn gehört zu den Höhepunkten des Streifens, und man darf es den Verantwortlichen der Story hoch anrechnen, dass einer solchen Situation dafür auch so eine lange Laufzeit zugestanden wurde, um sie auch richtig zelebrieren zu können.

Wer glaubt der Kriminalfall käme zu kurz, der irrt, ist er doch überhaupt nicht das Hauptaugenmerk der Geschichte. Er ist der Auslöser, der am Ende der Geschichte hin zu Ende erzählt werden muss. Eigentlich geht es nur um Nervensäge Norman und den gereizten Jack, und darum dass Letztgenannter das Familienleben zu schätzen lernt, jedoch nicht so moralisch und kitschig verpackt wie in einer Disney-Komödie, sondern passend zu Situation und Charakter und dabei sprudelnd komisch bis zum Schluss, wo der Film zu dieser Thematik direkt vor dem Abspann gleich noch seinen besten Witz bereit hält. Toller Schluss, konsequent und so unglaublich komisch!

Der sentimentalen Familienmomente gibt es zu wenige, als dass man sich über diese aufregen könnte, zumal sie meist, und sei es nur im Aufbau eines Grundtons, eine kommende komische Situation vorbereiten. „Das haut den stärksten Bullen um“ (Alternativtitel) lässt sich für solche Dinge Zeit, ebenso für Charakterentwicklungen und scheinbare inhaltliche Nebensächlichkeiten. Sicherlich ist es nicht zwingend notwendig die Tochter der Familie mit dem jungen Kollegen Jacks zusammenkommen zu lassen, aber ebenso wenig notwendig ist auch die herrlich bescheuerte Idee den jüngsten des Robberson-Clans glauben zu lassen, er wäre ein Vampir. Und daraus zieht „Der Bulle im Ehebett“ (Alternativtitel) einen großen Teil seiner Ideen.

Es ist gerade das Zelebrieren von scheinbaren Nebensächlichkeiten und das bewusste Parken der Hauptideen anderer Filme in zweiter Reihe, was „Cops and Robbersons“ trotz seines mit heutigen Augen zurückgeschraubten Tempos so sehenswert macht. Hier geht es noch um Charme und das Gefühl für herzhafte Komik, irgendwo zwischen albern und stilvoll angesiedelt, und damit nicht nur aufgrund seiner Story-Gewichtung beim Massenpublikum für Unverständnis sorgend. Vielleicht ist Ritchies kleiner Geheim-Tipp, dem der letzten Schritt zur echten Empfehlung fehlt, auch deshalb bislang nicht auf DVD erschienen: massenkompatibel sieht anders aus.


Donnerstag, 25. September 2014

TERROR Z - DER TAG DANACH (The Demented 2013 Christopher Roosevelt)


Eine Gruppe von drei jungen Pärchen verbringt den Urlaub zusammen im Ferienhaus der Eltern von einem von ihnen. Nach einem Terrorangriff, der in der Nähe von ihnen stattfindet, ist man erleichtert davon gekommen zu sein. Aber die in der Nähe detonierte Bombe löst eine Zombie-Welle aus, und schon bald ist man nirgends mehr sicher...


Mainstream-Zombies...

Nun ja, wer schon auf dem Cover mit der Anwesenheit der Heldin aus dem ollen „I Spit On Your Grave“ und dem Co-Produzenten (!!!) von „Nightmare - Mörderische Träume“ werben muss, der kann nicht wirklich den originellsten Zombie/Infiziertenfilm auf die Beine gestellt haben. Und so ist es dann schließlich auch. Zunächst weiß eine deutsche Übersetzung im Vorspann noch positiv zu überraschen, auch wenn es für das englische Wort Casting eigentlich das deutsche Wort Besetzung gegeben hätte. Aber wir sprechen immerhin von jener DVD-Generation, in welcher das Wort Play in deutschsprachigen Menüs verwendet wird, da überrascht also gar nichts mehr.

Ein schlecht gesetzter, die gewollte Atmosphäre nicht einfangender, Farbfilter macht den ersten positiven Eindruck auch gleich wieder zunichte, und dieser Pessimismus wird bestätigt, wenn wir die fast nulldimensionalen Charaktere vorgesetzt bekommen, die wir von nun an durch eine Story begleiten sollen, die schon ganz oft und ganz oft besser erzählt wurde. Für einen harten Horrorbeitrag, der „Terror Z“ gerne wäre, fällt er recht zahm und im Vergleich zu ähnlichen Werken blutarm aus. Aber das passt schon, soll der Streifen doch der Masse gefallen, und da will man das Jugend-Publikum schließlich mit an Bord haben.

Aufgrund mangelnder Lebenserfahrung wird denen der Film wohl auch am besten gefallen, denn für erwachsene Menschen ist „The Demented“ (Originaltitel) doch recht dümmlich ausgefallen. Der debutierende Regisseur Christopher Roosevelt und die Autoren der ganzen Chose achten in Sachen Logik stets auf die einzelne Szene und nie auf die Gesamtsituation, oftmals wird selbst Erstgenanntes vernachlässigt, meist wenn man meint gerade eine spannungsgeladene Szene zu präsentieren.

Aber von Spannung kann gar keine Rede sein, so berechenbar und dümmlich das ganze erzählt wird, so fern man emotional den „Charakteren“ ist und so sehr es den Verantwortlichen des Streifens an Talent fehlt sich in ihr eigenes fabriziertes, wenn auch von allerhand Vorbildern geklautes, Szenario hinein zu denken. Der viel zu gewollte Schluss-Gag ist nur eines vieler Beispiele, bei welchem man sich als denkender Mensch an den Kopf packt, und wer nun meint ein Zombiefilm könne auch geistlos unterhalten: natürlich kann er das, aber ohne Nähe zu Figuren und Situationen ist auch dies spannungsfrei inszeniert kaum möglich.

Letztendlich ist „Terror Z - Der Tag danach“ ein typisch hohles Mainstream-Produkt unserer Zeit, selbstgerecht und unreflektiert erzählt, auf das geistige Abschalten des Zuschauers bauend und von geldgeilen Produzenten finanziert, weil sich Zombies, bzw. deren Verwandten, die Infizierten, von welchen der Streifen eigentlich handelt, zur Zeit gerade so gut verkaufen. Das Cover ist auch gleich das beste am ganzen Film, ist allerdings auch dreist vom „I Spit On Your Grave“-Motiv geklaut. Mag sein dass „Terror Z“ jenen Zuschauern gefällt, die noch nie einen Zombiefilm mit rennenden Untoten gesehen haben, aber es fällt mir schwer zu glauben dass es solche heutzutage noch gibt.

Positiv hervorzuheben ist noch die Idee, dass die rennenden Infizierten zwischendurch regungslos in der Gegend herum stehen und erst bei Geräuschen die Akkus hochfahren und zur Gefahr werden. Aber selbst diese gab es schon in anderen Werken dieser Thematik zu sichten, und Roosevelt vergeigt es ohnehin diesen interessanten Aspekt in etwas spannendes oder gar unheimliches zu verwandeln. Sein Quarantäne-Zombiefilm gleicht einem Spaziergang durch den Park, bei welchem man ab und an vor Infizierten weglaufen muss und man sich danach ganz schnell wieder in Sicherheit befindet. Roosevelt gönnt den ewig planlosen und geistlosen, ewig Glück habenden Protagonisten zu viele Chancen, Zufälle und Verschnaufpausen, und damit wirkt sein Werk kein bisschen hoffnungslos, selbst dann wenn einer nach dem anderen krepiert.

ZOMBIE KING - KÖNIG DER UNTOTEN (The Zombie King 2012 Aidan Belizaire)


Ein Mann hat seine Frau verloren. Traurig wie er ist macht er einen Deal mit einem Voodoo-Gott - mit fatalen Folgen. Nach kurzer Zeit ist die komplette Gegend vom Militär evakuiert, da es zu einer Zombie-Seuche kommt...


Heute mal Zombie King ohne Wrestler...

Edward Furlong und Corey Feldman gemeinsam auf die Leinwand zu bringen wäre eine ähnlich fruchtbare Idee wie seinerzeit die Zusammenarbeit Feldmans mit Corey Haim. Dafür bräuchte man die beiden jedoch in Hauptrollen in einer professionell finanzierten Produktion, und beides ist bei „Zombie King“, der mit der Anwesenheit dieser ehemaligen Prominenz wirbt, nicht der Fall.

Aidan Belizaires Debut-Film ist ein semi-professionelles Werk in billiger Video-Optik für den DVD-Markt, und als solches fehlen ihm die Bonus-Punkte und das Augenzudrücken, das man einer Amateur-Produktion noch zugestehen würde. Zwar weiß die deutsche Synchronisation mal ausnahmsweise nicht zu verärgern, was eigentlich ein Dauerzustand für derartige Filmbeiträge ist, und ein Tiefpunkt in Sachen Horror-Komödie ist ebenfalls nicht zu vermelden, aber so wirklich dolle ist sie nicht, diese britische Schnell-Schuss-Produktion, die durchaus den ein oder anderen flachen Lacher zu verzeichnen weiß, seine Defizite mit seinen paar Quantitäten aber nicht ausgeglichen bekommt.

Das beginnt mit den Szenen rund um Edward Furlong, die meist nur Rückblicke eines trauernden Mannes am Totenbett seiner Frau sind, was in der monotonen Optik und der sich wie Füllzeit schauenden Eintönigkeit bereits zu verärgern weiß, den Zuschauer aber so richtig verarscht, wenn besagte Rückblicke gar mehr als einmal gezeigt werden.

„Zombie King“ besteht fast nur aus Rückblicken, aber die meisten anderen gehen in Ordnung, wissen sie doch auf schlichte Art wenigstens etwas zu erzählen, und entzerrt man mit ihnen doch das altbackene Haupt-Szenario, in welchem Überlebende durch eine Zombie-verseuchte Welt schlendern - diesmal wenigstens eine mit den klassischen schluffenden Untoten.

Zumindest weiß die Story etwas mit den Berufen der Überlebenden anzufangen, so dass man durchaus darüber schmunzeln kann, dass ein harter Kerl von Postbote einst Taktik im Kampf gegen böse Kinder erlernen konnte und ein Milchmann Zombies am liebsten mit leeren Milchflaschen erledigt. Dass eine männliche Politesse sich auch am Ende der Zivilisation mal die Zeit nimmt einem falschparkenden Auto ein Knöllchen anzuklemmen, darf in dieser Aufzählung auch nicht fehlen.

Die erste Hälfte guckt sich wesentlich uninteressanter als die zweite, in welcher endlich Hintergründe beleuchtet werden und ein Plan zum Kampf gegen die Untoten und den Voodoo-Gott entsteht. Das wird alles nie wirklich unterhaltsam, auf der schlichten Grundlage eines semi-professionellen Filmes gesehen geht das aber durchaus für Vielseher des Genres in Ordnung, die sich mit Werken dieser Art arrangieren können.

Mag die Geschichte an sich auch überraschungsfrei erzählt sein, am Ende des Filmes wird der Abspann nach einiger Zeit kurz für einen Schluss-Gag unterbrochen, der die einzig einfallsreiche Idee des Filmes geworden ist und tatsächlich zu gefallen weiß. Nach dem müden vorhersehbaren ursprünglichen Schluss-Gag, der uns vor dem Abspann gezeigt wurde, tat das als Entschuldigung auch dringend Not.

„Zombie King“ ist alles andere als eine Empfehlung und würde nur im Gewand eines Amateurfilmes genügend Spaß bereiten. In einer Produktion wie hier ist das Ergebnis eher ärgerlicher Natur, auch wenn ich mich gewundert habe, dass nach einem eher langweiligen Einstieg das Geschehen doch noch auf banaler Ebene halbwegs interessant wurde.


Weitere Reviews zum Film:

ZOMBIE CITY - EINE STADT ZUM ANBEISSEN (Boy Eats Girl 2005 Stephen Bradley)


Ein unter Liebeskummer nach einem Suizid-Rückzieher versehentlich verunglückter Teenager wird von seiner Mutter wieder zum Leben erweckt, anfangs nichts davon wissend. Nachdem er einen Mitschüler gebissen hat geht nach und nach die Zombieseuche in der Kleinstadt um...


I Was A Teenage Zombie...

Was in der 80er Jahre Zombie-Welle die italienischen Beiträge waren, das sind in der aktuell humoristischen Richtung dieser Thematik die Beiträge aus England. Zusammen mit Irland entstand u.a. „Zombie City“, der mehr Teenie-Komödie als Horrorbeitrag ist, im Finale jedoch derart derbe Effekte zelebriert, dass man trotzdem Stammgast im Horrorfach sein sollte, um mit dem Streifen etwas anfangen zu können.

Bis man mit den Hauptfiguren sympathisiert dauert leider lange. Gerade der männliche Part ist eher unsympathisch besetzt. Aber nach einiger Zeit ist man drin in einer Geschichte, in welcher man Innovationen an einer Hand abzählen kann, und welche dem üblichen „Teenager wird zum Monster“-Muster folgt wie wir es spätestens in den 80er Jahren bis zum Erbrechen vorgesetzt bekamen. Ähnlich wie in „Teen Wolf“, „Liebe mit Biss“ und Co ist unser Held nicht wirklich böse während seiner Verwandlung, und warum diese so lange dauert, während alle anderen Zombies die nach ihm kamen direkt zu reißenden Bestien mutieren, wird nicht erklärt. Ist halt der erste Zombie, das hat als Grund zu reichen, warum auch immer.

Mit Erklärungen hält sich „Boy Eats Girl“ (Alternativ- und Originaltitel) aber ohnehin nicht auf. Die Story wird ungekürzt auf etwa 75 Minuten erzählt. Das Ritual wird übersprungen, das Begreifen was mit dem Helden geschieht im Schnellverfahren abgearbeitet, und das Gegenmittel nicht minder schnell Richtung Finale festgestellt. Ein Gegenmittel muss es geben, denn wie jede vernünftige Teenie-Komödie besitzt auch „Zombie City“ eine Love Story, eine die nichts Neues erzählt oder arg mitzureißen wüsste, aber sie bringt einen akzeptabel durch das erste Drittel, bevor der Horror-Part Einzug in die Geschichte hält.

Würde zur Zeit zum Zombie-Thema nicht so viel gedreht, könnte man der Regie-Arbeit von Stephen Bradley („Noble“) vielleicht etwas mehr abgewinnen, zum einmal Gucken geht der Streifen auch in Ordnung, aber im Gedächtnis wird er sicherlich nicht bleiben bei den vielen besseren Vertretern seiner Gattung. Zumindest ist „Zombie City“ weder ein semi-professionelles Werk noch ein schlecht vertontes. Das macht auf dem überschwemmten deutschen DVD-Markt schon einmal viel aus.

HOUSE OF CARDS - STAFFEL 2 (2014 James Foley u.a.)


Als Vizepräsident stellt Underwood die Weichen den Präsidenten vom Thron zu stoßen, um dessen Platz einzunehmen...


Underwoods Drahtseilakt...

Auch die zweite Staffel der Erfolgsserie „House Of Cards“, einem Remake von drei Kurzserien aus den 90er Jahren, ist wieder flott und interessant erzählt, großartig gespielt und fühlt sich sehr realistisch an. Gerade letzter Punkt war schwieriger zu erfüllen als in Staffel 1, sind die Gegner doch nun genau so große Taktiker wie Underwood selbst, und ist der Versuch den Präsidenten zu stürzen doch nicht nur mit ein paar Vereinbarungen mit Interessenpartnern zu verwirklichen. Underwood steht mit einem Bein im Knast, und diesmal riskiert er wirklich alles.

Dass er auch zu allem im Stande ist, haben wir bereits Ende der der ersten Staffel erfahren müssen, trotzdem trifft einem Underwoods Tat der ersten Folge in der zweiten Staffel wie ein Schock. Eine völlig unerwartete Tat wirft ihren Schatten und sorgt für Probleme, die den Vize und seinen Handlanger noch lange beschäftigen werden. Es krieselt also an allen Ecken und Enden, und so fieß Underwood und seine Gattin auch gezeichnet sind, man hält zu ihnen, frei von Sympathie mit ihnen, einfach weil sie die Identifikationsfiguren sind, aus keinem anderen Grund.

Staffel 2 kommt nie zur Ruhe, auch wenn das Tempo im Mittelteil etwas gemütlicher voranschreitet als danach und zuvor. Langweilig kann es bei der Vielzahl an Personen und inhaltlichen Verästelungen auch gar nicht werden. Man sollte sich unbedingt jeden Namen merken, denn die Verantwortlichen von „House Of Cards“ nehmen keine Rücksicht, erwarten das komplette Durchblicken der bisher erzählten Chose, und das ist gar nicht so einfach bei all dem Wirbel der hier entfacht wird und all der vielen Charaktere, selbst wenn man die Staffel in nur wenigen Tagen am Stück schaut.

„House Of Cards“ blickt nicht zurück, nur immer wieder nach vorne, gnadenlos, und diese Herangehensweise spiegelt passend die Eiseskälte der Underwoods wieder, die einen immer kurzfristig vermuten lassen es würde sich doch eine menschliche Seele hinter ihrer Maske verbergen. Und jedesmal erwischt es den Zuschauer eiskalt erfahren zu müssen, dass da gar keine Maske ist. Macht um jeden Preis, das ist die Devise, das hat sich seit dem Serienanfang nicht geändert, und diesen Grundsatz nun auf höhere Ebene ausüben verlangt andere Taktiken und Verbündete, und wir dürfen immer mit dabei sein - mal dabei zuschauend wie der Präsident die ahnungslose Maus ist, die der Katze zum Fraß vorgeworfen werden soll, manchmal miterlebend wie Underwoods Pläne zurückgeschleudert werden, und seine Gier nach Macht ihm zum Verhängnis werden könnte.

Es bleibt also spannend im politischen Kartenhaus, und es tut gut zu sehen, wie fast das gleiche Niveau der Vorgänger-Staffel erreicht wurde. Die war etwas übersichtlicher und zog die Zügel mehr an, Staffel 2 lässt uns immer wieder mal Luft zum Atmen, um alle Bereiche auszuleuchten und die Schachfiguren in Position zu bringen, im Prinzip ist der Staffelvergleich jedoch nur Kleinkrämerei. Beide sind Unterhaltung auf hohem Kino-Niveau, nicht ganz die Klasse eines „Breaking Bad“ erreichend, aber doch nah dran.


Mittwoch, 24. September 2014

AVANTGARDE (2010 Marcel Walz)


Alex, ein frankfurter Model, reist zu Karrierezwecken nach New York, wo sie in dem tiefen Sumpf der Modewelt droht unterzugehen...


Ein braver Skandal...

Ich hatte schon eine böse Vorahnung was „Avantgarde“ von Marcel Walz betrifft. Wer auf dem Cover so auf Tabu-brechender Film getrimmt ist kann entweder nur grenzwertige Hardcore-Kacke anbieten oder ein biederes Stück Film in Möchtegern-schriller Verkleidung sein. „Fashion Christ“ (Alternativtitel) ist letztes von beidem, ein arg geschwätzig ausgefallener Pseudo-Thriller, der in der Deutschfassung den Zuhörer zudem mit einer ganz üblen Porno-Synchro belästigt.

Ein paar schräge Masken hier, ein paar Tröpfchen Blut dort, auch umgeschaltet auf den Original-Ton (leider ohne Untertitel trotz deutscher Mitbeteiligung) kann „Party Monster 2“ (Alternativtitel) in keinster Weise überzeugen - nicht einmal die Models, und die hätten nur schön aussehen müssen. Man sieht dem Streifen seine Nähe zu einer Pornoproduktion viel zu offensichtlich an und wahrscheinlich stammt das Casting aus eben diesem Bereich. Walz‘ Werk ist zu Fetisch-Szene-anbiedernd und aufgrund seiner Kostengünstigkeit auch gerne mal lächerlich, beispielsweise wenn eine Empfangsdame mit einem Gerät zum Türe öffnen telefoniert.

Damit ist „Avantgarde“ noch peinlicher ausgefallen als der kürzlich von mir gesichtete misslungene Versuch des Regisseurs mit „RAW - Der Fluch der Grete Müller“ ein deutsches „Blair Witch Project“-Plagiat auf die Beine zu stellen. Den Namen Marcel Walz muss man sich als Cineast unbedingt merken - um ihm auch ja aus dem Weg zu gehen und kein weiteres seiner unterirdischen, den Zuschauer beleidigenden Schundwerke zu sichten.


DREI AMIGOS! (Three Amigos! 1986 John Landis)


Die aufgrund einer Lohnerhöhungs-Forderung frisch gefeuerten Stummfilm-Stars der Drei Amigos-Filme bekommen von Mexikanern den Auftrag einen mächtigen Bösewicht aufzuhalten ihr Dorf zu terrorisieren. Die Mexikaner sind sich nicht darüber bewusst Schauspieler engagiert zu haben. Die drei Amigos wiederum glauben es ginge um eine Art Theaterstück, an welchem sie teilnehmen sollen. Die Gefahr ihres Auftrages wird ihnen erst viel zu spät bewusst...


Drei Top-Komiker...

Steve Martin war gerade mit „Solo für Zwei“ international berühmt geworden, da sollte sein nächstes Werk nach dem Kino-Erfolg aus der Feder eines Fremdautors diesmal wieder aus seiner eigenen stammen. Manch einem wird der Stummfilm-Verweis der Figur des Navin aus „Reichtum ist keine Schande“, Steve Martins Erstling, aufgefallen sein, und diese Film-Dekade scheint ihm gut zu gefallen, denn nun werden andere Aspekte aus der Zeit, bevor Kino Ton beschert bekam, verarbeitet, wenn zum Großteil auch nur zu Beginn des Streifens.

Aber selbst der ist bereits ur-komisch, wenn die Top-Komiker Chevy Chase, Martin Short und Steve Martin geradezu tuntig ihren Mann vor ihrem mächtigen Boss stehen, aufgrund des Star-Ruhms glaubend selbst einen Hauch Macht zu besitzen, um kurz darauf auf der Straße zu sitzen. Von nun an darf herzlich gelacht werden in einer Western-Komödie, die anspruchsvolleren Humor mit gnademlosen Nonsens mixt, und damit ein geradezu typisches Martin-Produkt ist. Sei es der singende Busch, der endlose Abschiedskuss eines eigentlich keuschen Mannes, der Abbruch einer romantischen Abschieds-Szene, um zu erleutern was man mit den Worten „Ich komme wieder“ meint, an tollen Ideen mangelt es hier nicht.

Auch die in „Galaxy Quest“ und „My Name is Bruce“ noch einmal auftauchende Idee von Schauspielern, die für echt gehalten werden und damit in Gefahr geraten, war seinerzeit innovativ und ein großartiger Ausgangspunkt sprudelnder Situations-Komik. Am meisten punkten freilich die drei talentierten Komiker, wobei jeder seine eigene Humor-Richtung mit einbringt und sicher auch hier und da improvisieren durfte. Aber selbst berechnende Gags, wie der Ritt durch die Wüste, wobei es zweien der drei Amigos an Wasser mangelt, während der Dritte fleißig trinkt, gurgelt und den Rest weg wirft, um den zwei Kumpels nur kurz darauf großzügig etwas von seinem Lippen-Balsam anzubieten, sind grandios pointiert und auf den jeweiligen Komiker perfekt zugeschnitten.

Während auf der einen Seite die Arroganz, Naivität und Überheblichkeit der eigentlich über wenig Talent besitzenden Schauspieler durch den Kakao gezogen wird, spart „Drei Amigos!“ auch nicht gerade an Western-Klischees auf der anderen Seite, die trotz des Schwerpunktes Komik treffsicher eingebracht sind und sicherlich auch Freunden des ernsten Western-Genres gefallen werden, so liebevoll sich hier vor dieser Filmgattung verbeugt wird. Der Ober-Bösewicht weiß dann auch gleich am meisten zu gefallen, gerade dann wenn er in absurden Situationen eingesetzt wird, z.B. wenn er sich auf prollige Männer-Art über einen Pullover als Geburtstagsgeschenk freut, so als sei dies ein richtig cooles Geschenk unter harten Kerlen.

Interessanter Weise ist „Three Amigos!“ (Originaltitel) trotz dieser Extrem-Komik keineswegs ein pausenlos Witze abfeuerndes Gag-Feuerwerk. Oftmals liegt Ruhe über den Situationen, die Komik schaltet einen Gang zurück und subtiler Humor verschmilzt mit den niemals pausierenden Albernheiten. Nie ruht Autor Martin sich auf der grundlegenden Idee aus und nimmt der Story die Zügel aus der Hand. Die Vielzahl der lauten und ruhigen Witze ordnen sich stets der Geschichte unter, weshalb die Komik trotz ihres hin und wieder anwesenden Klamauk-Gehaltes nie an Niveau verliert und nie zur Nummern-Revue verkommt wie in den meisten Schnellschuss-Werke eines Leslie Nielsen, der trauriger Weise oft mit dem Genie Steve Martin verwechselt wird.

Geht „Drei Amigos!“ einmal ruhiger vonstatten bremst der Streifen sich nie aus, hat er doch immer etwas zu erzählen, auch wenn er im Mittelteil hin und wieder wirkt als würde er sich von einem Sketch zum nächsten hangeln. Dem Film ist seine Geschichte ebenso wichtig wie seine Charaktere und die Pointensetzung der unterschiedlichsten Humorgattungen. Und an dieser liebevollen Herangehensweise erkennt man die Professionalität eines Werkes talentierter Komiker, das weit entfernt vom unteren Niveau eines zu berechnenden Studio-Projektes ist.

Schön dass Anarcho John Landis als Regisseur mit an Bord geholt werden konnte, kurz bevor er endgültig in den Mainstream-Bereich abrutschte. „Drei Amigos!“ mag nicht mehr so kaputt und wild wie seine Frühwerke sein, ebenso wie „Drei Amigos!“ mehr Normen befolgt als Steve Martins Frühwerke wie „Der Mann mit zwei Gehirnen“, aber ihre Western-Komödie ist noch Grenzen einreißend genug und besitzt genug Charakter um sich vom Massengeschmack deutlich genug zu distanzieren.


Dienstag, 23. September 2014

ZUM TEUFEL MIT DEN KOHLEN (Brewster's Millions 1985 Walter Hill)


Wenn es Monty Brewster schafft innerhalb von 30 Tagen 30 Millionen Dollar auszugeben ohne hinterher etwas zu besitzen und keinem etwas von diesem Deal zu verraten, bekommt er 300 Millionen Dollar vererbt...


Geld ausgeben ist wie Zigarre rauchen...

Ehrlich gesagt bin ich kein großer Fan des Komikers und Schauspielers Richard Pryor. Er ist einer der Schwachpunkte von „Superman 3“, spielt oft in lausig geschriebenen Komödien mit wie „Der Spielgefährte“, ein Remake von Pierre Richards bestem Film „Das Spielzeug“, und auch in „Zum Teufel mit den Kohlen“ hätte ich mir manch anderes Gesicht in der Hauptrolle vorstellen können, z.B. den zur Entstehungszeit noch recht unterschätzten John Candy, der hier in einer Nebenrolle völlig unterfordert wirkt und vom Drehbuch her nur selten einen Schmunzler ernten darf.

Okay, die großen Lacher gibt es ohnehin nicht, „Brewster‘s Millions“ (Originaltitel) lebt hauptsächlich von seiner Grundidee und die Welle welche diese schlägt, hat die lauten Gags somit auch gar nicht nötig, und das ist es was den etwas zu durchschnittlich geratenen Film schließlich auch rettet. Ein mauer Star, zu viel Sport in die Geschichte integriert und ein unterdurchschnittlicher Soundtrack können nicht die großartige Idee zerstören auf welcher diese Komödie baut. Klar hätte das alles auch bissiger inszeniert werden können, einen teilweise richtigen Satire-Gehalt erfährt der Streifen beispielsweise nur in seinen kurzen Momenten des Wahlkampfes. Aber Walter Hill schien ohnehin nur eine kleine, amüsante Komödie drehen zu wollen, und genau diese ist ihm auch geglückt.

Trotzdem ist das Ergebnis im Vergleich zu der tollen Idee auf die er baut mager ausgefallen. Die unnötige, aber aus Produzentensicht obligatorische, Love Story weiß nicht zu wirken, allein schon weil die Chemie zwischen den beiden Schauspielern nicht stimmt, aber auch weil es auf beiden Seiten weder einen Grund gibt den anderen zu lieben, noch sich die Gefühle von wenigstens einem von beiden auf den Zuschauer übertragen. Dem geht dieser Bereich der Story völlig am Arsch vorbei. Und auch die Verteilung von Gut und Böse hätte ruhig ein wenig subtiler ausfallen können, anstatt mit dem Holzhammer präsentiert wie hier geschehen.

Andererseits besitzt sowohl die Grundidee als auch die Handschrift des Filmes einen gewissen Grad Comiccharakter, womit die Übertreibung von Gut und Böse doch wieder legitim ist. Die Rolle des Warren will trotzdem nicht wirklich ziehen, und das verwundert, gibt es in „Summer School“ zum Beispiel doch eine ähnlich charakterisierte Figur, die rein äußerlich von der Maske her sogar noch stärker übertrieben ist als Warren, und der funktioniert wesentlich treffsicherer als zur Fleisch gewordenden Comic-Figur.

Man darf also zurecht behaupten, dass „Brewster‘s Millions“ kein großer Wurf geworden ist. Dass er trotzdem Spaß macht liegt neben besagtem Haupttrumpf an den vielen kleinen Randideen, so z.B. jener mittels einer teuren Briefmarke einen großen Teil des Geldes zu verschwenden, oder dem völlig bescheuerten Gastauftritt von Rick Moranis in der Rolle einer Nervensäge, die alles nachplappert was man ihr sagt.

Von solchen Ideen hätte es ruhig noch ein paar mehr geben dürfen, aber es reicht um mit diesem Werk von Walter Hill, jenem Mann der auch „Red Heat“ und „Nur 48 Stunden" gedreht hat und kürzlich mit dem kleinen schlichten Stallone-Film „Shootout“ überraschte, auf 90 Minuten amüsiert zu werden. Wie der Auszug aus seiner Filmographie zeigt ist der gute Mann im Bereich des Actionfilms jedoch besser aufgehoben als in dem der Komödie. Um so erfreulicher ist es, dass der hier besprochene Streifen trotz aller Makel noch so brauchbar ausgefallen ist.


SOLO FÜR ZWEI (All of Me 1984 Carl Reiner)


Durch einen unglücklichen Zufall landet die Seele einer reichen, zu Lebenszeiten ewig kranken Klientin in die rechte Körperhälfte des Anwalts Roger Cobb...


Schüttel, schüttel...

„Solo für Zwei“ war für Steve Martin der Sprung zur weltweiten Berühmtheit. Seine Rolle als Roger Cobb brachte ihm den Titel bester Komiker des Jahres 1984 ein, und wenn man Martin spielfreudig beim Herumalbern zusieht, kann man das auch gut verstehen. Wie er auf offener Straße mit sich selbst um die Richtung kämpft, in welche gegangen werden soll, wenn er auf geradezu weibische Art männlich vor Gericht auftritt und wenn er auf seinen Finger guckend mit sich selber schimpft ist das urkomisch, was aber auch daran liegt dass für „Solo für Zwei“ ein sehr lustiges Drehbuch vorlag, eines mit dem Mut zu Albernheiten ohne je in den billigen Klamaukbereich hinein zu rutschen.

Aber auch die wenigen subtilen Momente weiß Steve Martin zu meistern. Er ist nicht nur der Extrem-Clown, den er in seinen Werken immer wieder freudig herauszuhauen wagt, er kennt auch die grauen Zwischentöne, ebenso wie der Autor der hier besprochenen Komödie, der es zwischendurch schafft Tragikomik aufkommen zu lassen, die eine echte schmunzelnde Traurigkeit beim Zuschauer hinterlässt, kurz bevor er wieder vor Absurditäten loslachen darf, in einer wilden, schrägen und recht abenteuerlichen Geschichte.

Diese ist eigentlich Nonsens pur, im Vergleich zu „Reichtum ist keine Schande“ und „Ein Single kommt selten allein“ aber zumindest eine richtige mit Gehalt angereicherte Geschichte. Die Anzahl der schrägen Ideen und skurrilen Gags mag im direkten Verleich zu den Vergleichsfilmen heruntergeschraubt sein, aber die angewandte Anzahl harmoniert auch gleich viel mehr mit der Stimmung des fertigen Filmes, bremst Tempo weder aus, noch puscht es dies unnötig, und nie wirkt ein Witz fehl am Platz, nicht einmal wenn ein großer Schwarzer mit Sonnenbrille albern mit piepsiger Stimme sprechen darf, da die Seele der Verstorbenen sich nun in ihm befindet.

„Solo für 2“ ist sprudelnd komisch, bietet innovative Story-Ideen, kreuzt trotz Geister-Thematik nie den Horror-Bereich und hängt sich nur sehr selten an mit der Geschichte einher gehende Klischees. Den größten Pluspunkt landet man in der Umgehung dieser meiner Meinung nach mit dem Vermeiden dem Auslöser einen Voodoo-Hintergrund zu verleihen.

Stattdessen dürfen indische Hintergründe herhalten, die sich nicht so verbraucht wie schwarze Voodoo-Klischees anschauen, und Dank des schrägen Einsatzes eines spielfreudigen Richard Libertini als der Guru Prahka Lasa, bleibt dieses Alternativ-Klischee auch bis zum Schluss ein sprudelndes Meer an Komik. Allein wie der Guru Klavier spielt oder die Toilettenspülung mit dem Klingeln des Telefones in Verbindung bringt, bringt mich auch bei der x-ten Sichtung noch immer zum lauten Lachen, so lustig ist die Mimik des guten Mannes, eingebunden in absurde Situationen.

Die Komik des „Solo für Zwei“ ist nicht mehr so laut und provozierend wie die der von mir geäußerten beiden Vergleichswerke Steve Martins, sie findet die Mitte, ohne dass „All of Me“ (Originaltitel) dafür gleich in den Mainstream-Bereich abrutscht. Dafür ist er viel zu eigenständig und gewagt erzählt, und dafür findet er viel zu sehr seine eigene Handschrift in einer perfekt getimten Erzählung. „Solo für Zwei“ ist Komödien-Kunst, weit entfernt von Massenware und ewig wiedergekäuerter Story-Fragmente.

Dass es zwischen Steve Martin und Victoria Tennant während der Dreharbeiten funkte, was die beiden für einige Jahre zum Paar inklusive Hochzeit machte, macht den wunderbaren „Solo für Zwei“ auch privat für Steve Martin zu einem wunderschönen Erlebnis. Dass dieses Erlebnis während der Dreharbeiten stattgefunden hat, beflügelt mich als Zuschauer zusätzlich, auch wenn der romantische Aspekt des Streifens nur angedeutet wird und eigentlich auch nicht mit der Rolle Tennants stattfindet, sondern mit der Rolle der gern unterschätzten Lily Tomlin. Schön dass sie hier einmal vor einem großen Publikum in einem Kinoerfolg zeigen durfte was in ihr steckt - auch wenn sie im hier vorliegenden Fall dafür eigentlich in wem anders steckt.


Sonntag, 21. September 2014

BAD NEIGHBORS (Neighbors 2014 Nicholas Stoller)


Ein junges Paar mit Kind führt einen Krieg mit einer kürzlich ins Haus nebenan eingezogenen, ewig Party-feiernden Studentenverbindung...


Nachbarschafts-Kabbeleien...

Ob spießige Komödie („Vorsicht Nachbarn“), Filme für das Mainstream-Publikum („Verrückte Weihnachten“) oder schräge Ausnahmewerke („Die verrückten Nachbarn“), der Nachbarschafts-Streit ist ein immer wieder gern praktizierter Inhalt für humoristische Stoffe. Seth Rogen, der „Bad Neighbors“ mit produziert hat, geht das Thema auf die von ihm gewohnte anarchische Art und Weise an, setzt dabei wie in „Das ist das Ende“ die Party in den Mittelpunkt allen Geschehens, und setzt zur typisch bekannten Thematik einen drauf, in dem der Feind des auf Ruhe hoffenden Bürgers kein klassischer Nachbar sondern eine Studentenverbindung ist, eine deren Mitglieder ganz typisch, so wie es uns Hollywood zumindest immer wieder weiß machen will, nichts anderes im Kopf haben als pausenlos zu feiern.

Seth Rogen-Filme, wie der eben erwähnte über den Weltuntergang und die Drogen-Komödie „Ananas Express“ machen aufgrund ihrer Pointen-sicheren Provokationen und aufgrund der skurrilen, meist lang gezogenen Dialoge Laune. Auch „Bad Neighbors“ besitzt diese Vorteile. Da diesbezüglich jedoch bei weitem nicht jeder Gag zündet, und nach der Innovationsblende des Feindes sich das ganze erzählte Konstrukt als viel zu bekannt heraus stellt, bleibt es diesmal jedoch nur bei einem kleinen, sympathischen Film, dem der nötige Touch fehlt um ihn wirklich empfehlen zu können/wollen. Rogen spielt Rogen, alles wie gehabt, deswegen ist das Pärchen im Mittelpunkt auch keinesfalls ein klassisches Spießer-Pärchen. Letztendlich guckt sich der Streifen trotzdem und aus eben diesem Grund jedoch zu angepasst.

Auf der einen Seite hält „Neighbors“ (Originaltitel) sich brav an den klassischen groben Ablauf ähnlich thematisierter Werke, auf der anarchistischen Seite hält er sich brav an jenen Grad Provokation, der den klassischen Rogen-Fan mit an Bord bleiben lässt. Somit bekommt dieser eine immerhin noch amüsant bleibende Lightversion eines Filmes seines Lieblings präsentiert, während der klassische Komödien-Fan von ewigem grenzdebilem Herumgefasel vor den Kopf gestoßen wird, mit dem er nichts anfangen kann, womit „Bad Neighbors“ auch für diese Art Publikum Mauern aufstellt. So wirklich glatt geht für keine Art erwachsenem und Vorurteils-freiem Publikum die Rechnung auf.

Sicherlich werden Teenager kurzweilig und spaßig unterhalten, und die Intelektuellen werden genug zu meckern finden über das was sie von oben herab als zu niveaulos einstufen würden, beide Seiten sind keine Überraschungen. Aber in der Mitte trifft der Film beim Publikum eben auch nicht ins Schwarze, obwohl man „Townies“ (Alternativtitel) durchaus ein paar Überraschungen und verdammt gut gesetzte Pointen zugestehen muss.

Dennoch bleibt am Ende alles für eine Anarcho-Komödie eine Spur zu vorhersehbar und zu versöhnlich und für eine klassische US-Komödie zu skurril und geschwätzig. Ich persönlich mag diesen letzten Punkt, aber auch mir kam er mittlerweile viel gewollter vor als in den großartigen Wortgefechten in „Ananas Express“ und „Das ist das Ende“. Vielleicht hätte „Bad Neighbors“ doch eher die klassische Komödie, fern jeden Kompromisses a la „Shopping-Center King“ werden müssen. Dort wusste Rogen genug Wellen innerhalb der klassischen Kino-Normen zu schlagen. Der Film wusste genau was er wollte, wann er die Normen einreißen und wann er sich an diese halten musste, ohne dabei in irgend einer Art und Weise angepasst zu wirken. Nicholas Stollers neueste Komödie weiß dies nicht. Von daher kann man erleichtert darüber sein, dass „Bad Neighors“ zumindest noch kurzweilig zu konsumieren ist.


Weitere Reviews zum Film:

DIE SCHWARZEN ZOMBIES VON SUGAR HILL (Sugar Hill 1974 Paul Maslansky)


Sugar ruft den Voodoo-Geist Baron Samedi, der ihr helfen soll sich an den Mördern ihres Mannes mittels einer Untoten-Armee zu rächen...


Die Zombies aus dem Spinnwebwald...

Nach 5 - 10 Minuten dachte ich noch, ich würde diese in der Blaxploitation-Welle mitschwimmende Samuel Z. Arkoff-Produktion keine halbe Stunde aushalten, so unangenehm billig wie alles wirkte, so übel wie die Darsteller agierten und so schlecht wie das ganze synchronisiert war. Nun gut, die Deutschvertonung wurde im Laufe der Zeit nicht besser, und durch das Fehlen eines Untertitels konnten wir auch nicht auf die Original-Tonspur wechseln, aber der Film an sich wurde erträglicher. Zumindest wenn man sich an Baron Samedi gewöhnt hat, der als mächtiger Voodoo-Geist peinliche Grimassen zieht und alles andere als unheimlich oder mystisch wirkt.

Sein Schauspieler überagiert wie es jeder im Film tut. Und selbst die Verantwortlichen für die Maske schießen immer über das Ziel hinaus, sei es bei der Voodoo-Mutter, die man heute so nur noch des humorvollen Klischees wegen einbauen würde, oder das Outfit der Zombies, die mit ihren über die Augen gestülpten Silberscheibchen eher wie Insekten-ähnliche Außerirdische aussehen, als wie auferstandene Tote. Auch laufen sie, obwohl lobenswerter Weise bei der ersten Erweckung aus dem Erdboden kriechend, bedeckt mit Spinnweben herum. Aber all dies verleiht „Die schwarzen Zombies von Sugar Hill“ einen schrulligen Touch, ebenso wie die Haarmode schwarzer US-Bewohner, die später ja auch vom Zucker/Abrahams/Zucker-Trio all zu gerne verarscht wurde.

Erkennt man erst einmal wie völlig ungruselig der komplette Film gemeint ist und wie augenzwinkernd er freiwillige Komik umgeht, stört auch das Herumgekasper von Baron Samedi nicht mehr. Nein, es passt in einen Film, der von der Zeit völlig überholt wurde, nie so zu wirken weiß wie von Regisseur Paul Maslansky, der mit diesem Werk sein Debut und seinen einzigen Film ablieferte, ursprünglich sicher mal gedacht. Heute weiß  „Sugar Hill" (Originaltitel) nur noch als Mix aus stimmigen und unfreiwillig komischen Trash zu gefallen. Dies jedoch mit gewissen Abstrichen, denn so amüsant das muntere, meist Talent-lose Treiben auch sein mag: kurzweilig ist es nicht. „Sugar Hill - Herrin der schwarzen Zombies“ (Alternativtitel) guckt sich für einen großen Teil recht langatmig, und ist damit ein anstrengendes Stück Trivial-Kost, das man keinesfalls als zweiten oder dritten Film eines cineastischen Marathons konsumieren sollte.

Einen Blick wert ist er aber dennoch, kenne ich doch kein vergleichbares Werk in welchem manch stimmige Optik so hervorragend an albernem Überagieren scheitert wie hier. Da kann nicht einmal der besonders unsinnige „Die Rückkehr der reitenden Leichen“ mithalten, und das muss schon was heißen. Zwar bietet der grob gesehen alles was auch „Black Zombies From Sugar Hill“ (Alternativtitel) ausmacht, aber auf seine typisch schundige Europa-Art, auf die ich immer wieder treffe. „Voodoo Girl“ (Alternativtitel) hingegen schaut sich in seiner selbstherrlichen Mentalität für meine Augen völlig fremd. Es mag daran liegen, dass ich fast nie mit Blaxploitation in Berührung gekommen bin, andererseits kann ich mich nicht erinnern, dass der vor einer Ewigkeit von mir gesichtete „Dr. Black und Mr. Hyde“ so dick aufgetragen war wie hier beispielsweise die Rolle des ermittelnden Kommissars.

Sein Parallelstrang zur Rache nehmenden Witwe ist ohnehin der Motor, der „The Zombies Of Sugar Hill“ (Alternativtitel) zum laufen bringt. Seine ominösen Ermittlungen und Äußerungen gepaart mit den auch beim x-ten Auftauchen immer wieder gern gesehenen Spinnweb-Zombies, macht aus Maslanskys Werk trotz aller Anstrengungen ein sehenswertes Stück Trash, mit dem man sich jedoch arrangieren muss, um etwas mit dem ungewöhnlichen Stil anfangen zu können. Der Anfang stößt einen, zumindest als Fremder im Blaxploitation-Gebiet, vor den Kopf, aber mit der Zeit gewöhnt man sich an den hohen Gehalt an Naivität, Selbstüberschätzung und Hokuspokus-Mumpitz. Und wenn dieser Schritt erreicht ist, sollte der Streifen schließlich das Herz des Schund-liebenden Zuschauers erobert haben. Es wäre zu schade für diesen liebevoll scheiternden Film, wenn dies nicht geschehen würde.

Donnerstag, 18. September 2014

EIN SINGLE KOMMT SELTEN ALLEIN (The Lonely Guy 1984 Arthur Hiller)


Als Larry seine Freundin mit einem anderen im Bett erwischt ist es plötzlich so weit: er ist Single. Larry muss feststellen dass das Leben als Single keineswegs ein Zuckerschlecken ist und ein Zustand ist, der sich nicht so schnell beheben lässt wie gewünscht. Doch zum Glück lernt er Warren kennen, einen frustrierten Langzeit-Single, der Larry den ein oder anderen Tipp geben kann, um mit der Situation halbwegs klar zu kommen...


Die Einsamkeit der Moderne...

Schweiß aus der Dose, eine Selbstmordbrücke für frustrierte Singles, Orgasmen per Nießer, Party-Pappfiguren für Einsame - in dem im selben Jahr von Steve Martins Erfolgsfilm „Solo für Zwei" erschienenden „Ein Single kommt selten allein“ mangelt es nicht an dem skurrilen Humor aus Martins Erstling „Reichtum ist keine Schande“, und auch das Gespür für absurde Romantikszenen ist wieder enthalten. Diesmal wird dieser ungewöhnliche Humor jedoch in eine wesentlich bravere Erzählung getaucht, die selbst dann recht familienfreundlich bleibt, wenn sie schwarzhumorig wird.

Als Kinder haben wir uns darüber kaputt gelacht, wie Larry verzweifelt von einem Häuserdach den Namen seiner Angebeteten rufen will und nicht zu Wort kommt, weil x andere Singles auf die gleiche Idee kamen. Wenn ein frisch Angeschossener Larry vor der Wohngegend warnt, wir einer Diskussion über die größe eines Haufens in Relation zur Größe eines Hundes mit anhören dürfen, Larry erfahren muss wie unangenehm es ist im Scheinwerferlicht alleine Essen zu gehen und jeder frisch Betrogene der promiskuitiven Danielle beim Hinausgehen brav den Müll mit runter trägt, konnten wir uns vor Lachen nicht halten.

Und mit den Jahren erkannte ich mit jeder weiteren Sichtung auch den subtileren Humor zwischen den Dingen, in ihren Höhepunkten vorzufinden in den frustrierenden Gesprächen zwischen Warren und Larry, z.B. wenn es um die Kosten beim Friseur im Bezug zum Vorhandensein der Haarmenge geht. „Ein Single kommt selten allein“ ist treffsicher, geht auf seine Zeit gesehen recht früh einem frischen gesellschaftlichen Phänomen nach, welches sich seit damals noch verstärkt hat, und diese zielsichere Parodie eingetunkt in leichter Gesellschaftskritik mit dem Mut zu hemmungslosen Albernheiten ist ein angenehmer Mix, wie bereits erwähnt angereichert mit ein wenig schwarzem Humor und einer Love Story, die ihresgleichen sucht.

Nach einem Tempo-reichen Einstieg schippert „The Lonely Guy“ (Originaltitel) eher gemütlich vor sich hin, teilweise etwas zu sehr, was mit der x-ten Trennung und Wiederfindung zwischen Larry und seiner Herzensdame ein wenig überstrapaziert wird. Teilweise wünscht man sich da das vernachlässigte Tempo zurück, und so abgedreht der Humor auch bleibt, der Bereich der Langeweile wird leicht gestreift, und das schadet dem Film doch mehr als man meinen sollte, ist er in der Theorie doch ein sprudelndes Gag-Feuerwerk.

Sicherlich, die Grundatmosphäre des Single-Daseins soll absichtlich als besonders dröge dargestellt werden, und ein völlig unterschätzter Charles Grodin, der von der Maske her alles andere als frisch und dynamisch wirkt wie in seinen auf spießig getrimmten Rollen in „Der Couch-Trip“, „Filofax“ (auch von Hiller) und „Ein Hund namens Beethoven“, unterstützt mit seinem frustrierten Spiel besagte Atmosphäre und wird dabei zu ihrem wirksamsten Zugpferd, aber von ihm als positiven Aspekt einmal abgesehen übertreibt es Regisseur Arthur Hiller („Die Glücksjäger“) mit dieser Demotivation ein wenig, und sein vor schrägem Humor nur so aufgefüllter Film wird hin und wieder zu schwermütig und damit schwer wie Blei.

Dank einer sensiblen Inszenierung und einem wunderschönen Soundtrack (ganz besonders den Liedern im Titel und im Abspann lauscht man besonders intensiv) bleibt man an den sympathischen Charakteren gekettet, die von einem ideenreichen Drehbuch mit viel Individualität angereichert und von talentierten Mimen zum Leben erweckt werden. Damit umschifft „Ein Single kommt selten allein“ auch die schwierigen Phasen seiner Laufzeit. Aber das Endergebnis dieser Komödie kommt nicht so frisch daher wie es dies eigentlich könnte, und ich bin mit jeder Sichtung immer wieder aufs Neue überrascht was für unnötige Hänger der Streifen inmitten seiner sonst so großartigen Momente enthält und wie sehr diese doch den Seh-Spaß drücken. Der guten Seiten wegen schalte ich alle paar Jahre trotzdem immer wieder ein, und das nicht nur weil „The Lonely Guy“ eine Film-prägende Kindheitserinnerung ist.


REICHTUM IST KEINE SCHANDE (The Jerk 1979 Carl Reiner)


Navin wächst als einziger Weißer in einer Familie von Schwarzen auf. Als er an seinem 18. Geburtstag erfährt, dass er adoptiert ist, zieht er hinaus in die Welt um sein Glück zu suchen...


Heumzualbern ist keine Schande...

Steve Martins erste Hauptrolle in einem Spielfilm fand unter der Regie von Carl Reiner statt, jenem Mann mit dem er noch den legendären „Tote tragen keine Karos“ drehen sollte, seine beste Komödie „Der Mann mit zwei Gehirnen“ und den Kinoerfolg „Solo für Zwei“, mit welchem Martin internationalen Star-Ruhm erlangte. Bereits seine erste Komödie sprudelt nur so vor abgedrehter Komik, die gerne arg absurd daher kommt, für seine Entstehungszeit oft gewagt wirkt, und die zusammen mit einem interessant konzipierten Hauptcharakter einen Film ohne wahre Geschichte trägt.

„Reichtum ist keine Schande“ hüpft auf seine Nonsens-Art von einem Moment zum nächsten, grob davon handelnd wie ein Naivling in Amerika zufällig reich und dann wieder arm wird und nebenbei noch die Liebe seines Lebens findet, um sie auch gleich wieder zu verlieren, zurück zu gewinnen und wieder zu verlieren. Zwar wird da zwischenzeitlich auch ein klein wenig auf dem American Way Of Life herumgehackt, ähnlich einer humoristischen „Forest Gump“-Variante, aber wirklich gesellschaftskritisch kann man das fröhliche Herumalbern nicht nennen. Es ist nicht wirklich tiefgründig, auf seine Klamauk-Art aber recht Pointen-sicher inszeniert und Dank bereits angerissener Charakterisierung der Hauptfigur auch recht stilvoll verpackt.

Navin schlichtweg als dumm zu bezeichnen schießt nicht am Ziel vorbei, wär aber trotzdem zu schwach umrissen, ist es doch neben seiner enormen Naivität der Versuch des intelligenten Denkens innerhalb seiner Dummheit, der ihn zu einem solch interessanten Charakter macht, Denkversuche, die jegliche Chance auf wahre Intelligenz endgültig vernichten, allerdings sehr deutlich machen was in Navin vorgeht und wie er als Mensch tickt und funktioniert. Ein ähnliches, weit weniger ausgereiftes Verfahren, machte „Dumm und dümmer“ 15 Jahre später so interessant und erträglich, den Stil und die Fast-Tiefe eines Navin inmitten einer irrsinnigen Geschichte aber doch nicht erreichend.

So ist es sicher kein Zufall dass die Figur des Navin laut IMDb von den Lesern einer Filmzeitschrift zu den 100 größten Leistungen aller Zeiten gewählt wurde, womit sicherlich nicht (nur) Steve Martins gekonntes Schauspiel gemeint sein dürfte, sondern eben auch die durch das Drehbuch geprägte Charakterisierung selbst, die in ihrer individuellen Art so nicht noch einmal im Komödienbereich auftaucht.

Die Nummern-Revue eines „The Jerk“ (Originaltitel) mag sich etwas orientierungslos schauen, verhindert aber nicht, dass bereits Steve Martins erster Film zu einem sehenswerten Erlebnis wird, welches bereits das Talent des gern unterschätzten Mimen deutlich macht. Es gibt allerhand zu lachen, viele Witze zünden selbst beim x-ten Gucken immer noch, und es ist dem unglaublichen Charme des Streifens zu verdanken, dass die oftmals flache Komik ihn eher stärkt anstatt ihn zu schwächen.

Mag sein dass die wunderbar absurde Romantik einen Tick ansteckender hätte inszeniert werden müssen, oder die Identifikation mit der Hauptfigur stärker hätte herausgearbeitet werden müssen. Aber würde „The Jerk“ nicht aus einem gewissen Abstand zum Zuschauer erzählt werden, wäre es auch nicht mehr der selbe Film, und seine herausragenden, individuellen Stärken könnten nicht mehr so gut funktionieren. Es würde den Film vielleicht sogar zu einer hohlen Klamauk-Komödie degradieren. So oder so sollte man Steve Martins erste Hauptrolle in einer Komödie unbedingt éinmal gesehen haben, selbst dann wenn man nicht zu den Fans des talentierten Mannes gehört. Navin auf seiner Suche nach Glück zu begleiten ist schon ein besonderes und höchst erheiterndes Erlebnis.


Weitere Reviews zum Film:

Sonntag, 14. September 2014

JAGD AUF EINEN UNSICHTBAREN (Memoirs of an Invisible Man 1992 John Carpenter)


Nachdem Nick durch einen Unfall versehentlich unsichtbar wird, sind Mitarbeiter des zwielichtigen Agent Jenkins hinter ihm her, um ihn für seine Zwecke einsetzen zu können. Nach diversen Fluchtversuchen versucht es Nick mit Gegenwehr...


Das Auseinandersetzen mit Unsichtbarkeit...

„Jagd auf einen Unsichtbaren“ ist ein Bastard von einem Film. Er ist ein merkwürdiger Mix aus Komödie und Science Fiction-Thriller, kein typischer Chevy Chase, ebenso kein typischer John Carpenter, einerseits anspruchsvoll erzählt und durchdacht, andererseits ein wenig zu sehr vor sich hinplätschernd, den Spannungsbogen nicht immer richtig im Blick behaltend. Aber trotz all seiner Schwächen ist er ein durchaus sehenswerter Film, der nur durch kleinere Korrekturen ein wirklich großer Science Fiction-Beitrag hätte werden können, was mitunter an der Kombination großartiger Spezialeffekte in Verbindung mit den neuen Denkansätzen zum Thema Unsichtbarkeit liegt. „Jagd auf einen Unsichtbaren“ springt nicht einfach auf dem einst mit „Der Unsichtbare“ begonnenen Zug dieser Thematik auf, er weiß sich gekonnt mit dem Phänomen zu beschäftigen und um einige Ecken weiter zu denken.

Dank seines stimmigen Soundtracks, einem wie schon in „Valkenvania“ charismatisch wirkenden Chevy Chase, einer zum letzten Mal so wirklich positiv auffallenden Daryl Hannah und einem Sam Neill, dem man die Spielfreude seiner Schurkenrolle regelrecht ansieht, weiß „Jagd auf einen Unsichtbaren“ zu sympathisieren, so sehr sogar, dass dramaturgische Schwächen zwar enttäuschen aber nicht zwingend stören. Zwar passiert im Film immer irgend etwas, und Charaktere werden dabei nie vernachlässigt, aber zur zweiten Hälfte hin wirkt der Streifen ein wenig orientierungslos, arbeitet sich inhaltlich nie wirklich zu wahren Höhepunkten hin, und so begleitet man Nicks episodenhafte Abenteuer zwar amüsiert und interessiert, fiebert aber nie wirklich dem Finale entgegen, das es schafft ohne großes Feuerwerk die Geschichte gekonnt abzuschließen.

Warum es gerade Spannungs-Profi John Carpenter nicht versteht den Thrill-Gehalt ein wenig mehr nach oben zu schrauben ist mir unverständlich, zumal „Jagd auf einen Unsichtbaren“ gerade von diesem auch in „12:01“ angewendeten ungewöhnlichen Genre-Mix aus Komödie und Thriller lebt. Der Streifen ist ein recht eigenständiges Werk, das zwar mit zuvor nie angewendeten Spezialeffekten anzugeben weiß, diese aber nie über die Geschichte stellt. Im Gegenteil: die Effekte werden stets kompatibel in das aktuelle Geschehen eingebunden, ein Zustand den man sich heutzutage in Filmen wie „Man Of Steel“ oder „The Amazing Spider-Man 2“ wünschen würde.

Ich hege große Sympathien an „Jagd auf einen Unsichtbaren“, aber auch die mittlerweile x-te Sichtung macht mir wieder deutlich wie lückenhaft er in seiner letzten Konsequenz doch ist und wie sehr ihm der letzte Pfiff fehlt um ihn wirklich als Empfehlung anzupreisen. Theoretisch ist alles Nötige für dieses Ergebnis vorhanden, im Umgang mit seiner Rezeptur fehlt trotz großartiger Zutaten jedoch die nötige Würze. Schade ist das schon, denn sowohl Chevy Chase, als auch John Carpenter und Daryl Hannah wären sicherlich einen anderen Weg in Hollywood gegangen, wenn „Jagd auf einen Unsichtbaren“ ein Erfolg geworden wäre. Ich hätte es allen Dreien gewünscht - und dem Film auch.

Samstag, 13. September 2014

STROMBERG - DER FILM (2014 Arne Feldhusen)


Die Capitol plant zum 50jährigen Bestehen eine große Feier. Eigentlich wollte Stromberg mit seiner Abteilung dort gar nicht erscheinen, aber als er hört dass die Filiale in welcher er arbeitet wegrationalisiert werden soll, fährt er doch mit seinen Leuten hin, um für sich selbst einen Platz in der Zentrale zu sichern. Als nicht alles wie geplant verläuft steht Stromberg vor einer großen Entscheidung...


Lass das mal den Papa machen...

„Stromberg“ war ein Phänomen im deutschen TV und überraschte als Ableger der noch genialeren britischen Serie „The Office“ 5 Staffeln lang mit einer gewissen deutschen Eigenständigkeit gegenüber dem Original und 4 Staffeln lang mit einem hohen Niveau, das erst mit einer erschreckend schlecht gesschriebenen und mau inszenierten 5. Staffel sein Ende erfuhr, trotz gleicher Autoren und gleicher Regie. Mit entsprechend geringen Erwartungen bin ich an den abschließenden Stromberg-Film herangegangen. Aber meine Sorge war unbegründet. Nach der Enttäuschung der letzten Staffel erreicht der Film fast wieder das Niveau der Serie und erzählt eine großartige letzte Geschichte, die zwar Staffel 5 nicht rückwirkend sanieren kann, dafür aber weitestgehenst ignoriert.

Einzig ein kurzer Verweis auf das religiöse Leben Heisterkamps, die neue Chefposition Strombergs und der ehemalige Auszubildende erinnern an den Tiefpunkt der Serie, und es ist auch einzig besagter Auszubildender, der dem Film leicht schadet. Da hätte man mal lieber den Azubi aus Staffel 4 einbauen sollen. Aber was sich nach solchen Überlegungen wie ein für Außenstehende undurchsichtiger Film mit Serien-internem Wissen anhören mag, ist überraschender Weise durchaus für Neulinge guckbar, auch wenn es freilich als Kenner der Serie mehr zu lachen gibt, inklusive zahlreicher Insiders im Abspann, von welchen der Verweis auf „The Office“, vorgetragen vom Chef-Autor der deutschen Serie, zu den Highlights zählt.

Wieder geben sich Realitätsnähe und comichafte Übertreibung die Hand, Albernheiten und Tragikomik ebenso, und wieder blickt der Humor kritisch auf die Realität in Deutschland und begeht damit Kritik am System, am deutschen Denken und Tun und ganz besonders am Arbeitsmarkt. Mit einer völlig unerwarteten aber konsequenten Wendung Richtung Finale ruft „Stromberg - Der Film“ gar zur Gegenwehr auf, macht den deutschen Angestellten und Arbeitern Mut, zeigt bewusst aber auch den Stinkefinger, wissendlich dass es immer die gedankenlosen Schwätzer sein werden, die zum Zugpferd einer Bewegung werden.

Was den übertriebenen Comicbereich betrifft: der war eigentlich immer Ernies Revier, ist es freilich bezogen auf die Extreme der Rolle immer noch, aber den wirklich realitätsfernsten Part haben diesmal die sonst so lebensnahen Ulf und Tanja beschert bekommen, deren übertriebenes Abenteuer bezüglich eines Pflegekindes so lustig eingebaut wird, dass man sich an der künstlich geschaffenen Grundlage Tanja könne je so tief sinken gar nicht mehr stört. Die Geschichte um ein gerade zwanghaft zusammenwachsendes Trio weiß zu wirken, und da Tanja und Ulf innerhalb der Serie ohnehin schon jegliche Basis durch hatten kalte Partnerschafts-Bilder der Moderne zu parodieren, ist zwischen den beiden ohnehin alles erzählt gewesen. Im Vergleich zur Serie rutschen sie deswegen auch ein wenig in den Hintergrund.

Aber das ist streng genommen der Leidensweg einer jeden Nebenfigur, denn „Stromberg - Der Film“ setzt verstärkt auf die Hauptfigur, und das wird um so dominanter, je mehr sich der Film Richtung Ende arbeitet. Ähnlich wie bei „Die Simpsons - Der Film“ tut das dem Werk jedoch erstaunlich gut. Und da man jegliche Figur und Situation mit dem nötigen Respekt und der für die Serie typischen verstandenen Psychologie versieht, kommt trotz geringerer Screentime keiner wirklich zu kurz.

Trotz einiger lauter Momente, z.B. wenn Stromberg mal wieder zum Entertainer seiner Firma wird, kommt der stille, subtile Humor der Serie nicht zu kurz. Auch die mimischen Kleinigkeiten und weitere versteckte Verweise sind wie gehabt enthalten. „Stromberg - Der Film“ bleibt wie die Serie und ihr britisches Vorbild ein Meer unterschiedlichster Humor-Formen und lebt von der professionellen Besetzung in so ziemlich jeder Rolle. Positiv hervorstechen tut als Neuzugang der neue Vorgesetzte Strombergs, und einige längst überfällige Ehemalige erfahren im Kinofilm eine Wiederkehr, welche die lange Wartezeit ihrer Rückkehr ins Stromberg-Universum wieder wett macht.

Kennern wie Nichtkennern der Serie sei „Stromberg - Der Film“ ans Herz gelegt. Zwar hinkt der Film den gelungenen 4 Staffeln leicht hinterher, aber nach der enttäuschenden 5. Staffel ist es eine Erleichterung zu sehen, dass sich Autor und Regie doch noch einmal zu einer Höchstleistung motivieren konnten und dabei nicht nur ein Werk geschaffen haben, welches lediglich die TV-Serie auf die große Leinwand transferiert, „Stromberg - Der Film“ ist auch von der Geschichte her großes Kino, auch wenn es eine Zeit lang dauert bis man den Unterschied zur TV-Erzählung bemerkt.

„Stromberg - Der Film“ gilt zu Recht als das letzte Kapitel. Zumindest würde meiner Meinung nach eine Weiterführung der Geschichte keinen Sinn mehr ergeben. Der Kinofilm zieht einen großartigen, intelligenten und konsequenten Schlussstrich der kompletten Erzählung seit Staffel 1 und schafft es damit die vor 10 Jahren in Angriff genommene Grundidee zu einem sehr gelungenen Schluss zu führen.

Für den Nichtkenner der Serie ist „Stromberg - Der Film“ eine intelligente Satire auf die Welt der Großkonzerne, versehen mit vielen lauten Lachern, noch mehr kleineren Lachern und einer Schar interessanter Figuren, die man schnell kennen gelernt und liebgewonnen hat. Viele werden sich sicherlich hinterher interessiert der Serie zuwenden, welche den Großteil der Zuschauer ursprünglich erst in den Film gelockt hat. Schön dass die durch Zuschauer mitfinanzierte Kinoproduktion in beide Richtungen funktioniert.


Weitere Reviews zum Film:

UNDER THE BED - ES LAUERT IM DUNKELN (Under the Bed 2012 Steven C. Miller)


Nach zwei Jahren bei seiner Tante wohnend kehrt Neal in seine Heimat zurück, um die neue Freundin seines Vaters kennen zu lernen. Man möchte wieder als Familie zusammen wachsen, nachdem Neal einst den Feuerteufel spielte und bei einem großen Brand daheim seine Mutter umkam. Was niemand weiß: Neal versuchte lediglich ein Monster unter seinem Bett zu töten. Einzig sein kleiner Bruder Paul glaubt dem Heimgekehrten, lauerte ihm das Monster seit Neals Abreise doch ebenfalls jede Nacht auf. Gemeinsam wollen sie es bekämpfen, doch ihr Vater steht ihnen im Weg, der endlich ein normales Leben führen möchte und der Meinung ist, dass die Kindereien der beiden endgültig zu enden haben...


Mit Motorsägen spielt man nicht...

Für einen Horrorfilm ist es immer wieder von Vorteil, wenn auch nur für ein Teilpublikum, wenn er mit Ängsten aus der Kindheit spielt. Was liegt bei diesem Gedanken näher als das gute, alte, klassische Monster unter dem Bett zu thematisieren, erst recht wenn man es auf einen familiengerechten Grusler a la „Poltergeist“ abgesehen hat, sprich einen Film der den Horror ein wenig abenteuerlich und charmant darstellen möchte. Wenn man sich nun noch die Angst vor der Dunkelheit zu Hilfe holt, kann ein solcher Stoff schon fast nicht mehr scheitern, auch wenn die Ausgangslage sicherlich nicht die innovativste und neueste ist. Spätestens zwei Brüder in den Mittelpunkt dieser Geschehnisse setzend erinnert endgültig an den wunderbar gruseligen „Fear Of The Dark“.

Ging bei diesem jegliches Gruselgefühl ab da flöten, wo die Bedrohung ein Gesicht erhielt, so weiß dieser Punkt „Under The Bed“ nicht zu schaden. Sicherlich wäre es nicht nötig gewesen in einem Werk, welches einen gewissen Retro-Charme ausstrahlen möchte, teilweise auf ein CGI-Monster zurück zu greifen (und auch dieses wirkt nicht sonderlich einfallsreich), aber da es nicht um Schauwerte geht und die Kreatur glaubwürdig aussieht, ist das auch gar nicht schlimm. Der Horror soll sich hauptsächlich im Kopf abspielen, und auch wenn der hier besprochene Streifen nicht so intensiv auf Grusel setzt wie „Fear Of The Dark“, so weiß er doch trotzdem eine recht stimmige, wohlig gruselige Grundatmosphäre aufzubauen und lange Zeit aufrecht zu erhalten.

Das ganze bleibt recht jugendfreundlich umgesetzt, achtete man doch mehr auf die Problematik dass die Kinder im Schatten der Vorstellungen ihrer Eltern agieren müssen, als auf eine objektive Familientragik. „Under The Bed“ ist ein Film aus dem Blickwinkel eines Jugendlichen und dies im Dialog mit dem kleinen Bruder so konsequent umgesetzt, dass man fast vergessen könnte einen Horrorfilm zu sichten. Das Bruderpaar muss sich dem Kampf gegen das Unbekannte stellen, dieser wundervolle Mix aus Familienfilm für Ältere, Horror und Abenteuer erinnert zurecht an 80er Jahre Werke wie „Gremlins“ und Co. Hatte ich bei Joe Dantes mauen „The Hole“ gehofft ein derartiges Ergebnis vorzufinden, so wurde ich zumindest bei „Under The Bed - Es lauert im Dunkeln“ fündig.

Aber auch der schafft es nicht konsequent gut zu unterhalten. Zwar nimmt er sich zu Beginn viel Zeit für die Figuren, ihr Gefühlsleben und der Situation in der sie sich befinden und erwartet er in seiner angenehm langsamen Inszenierung lobenswert Geduld vom Zuschauer, in einer Zeit wo das Massenpublikum diese nicht mehr besitzt, so erfahren die einzelnen Handlungsstränge am Rande leider nicht genug Beachtung. Eine Stunde lang ist „Under The Bed“ kompromisslos toll erzählt, verlässt sich einzig auf Atmosphäre und die von den Schauspielern gut dargestellten Charaktere (besonders Gattlin Griffith in der Rolle des Paul weiß zu gefallen), dann aber möchte der Autor das Erzählte zu krampfhaft auf 90 Minuten eingrenzen und lässt etwa 30 Minuten vor Schluss, pünktlich angekommen im dritten Drittel, das Grauen urplötzlich über alle hereinbrechen, so plötzlich und intensiv, dass alles um dieses Geschehen herum vergessen oder vernachlässigt wird.

Die vorher recht gut Beachtete Dramatik fällt bei einem unerwarteten extremen Familienverlust komplett unter den Teppich. Die immer wieder eingebaute weibliche Teenie-Nebenfigur, die nie tatsächlich sinnvoll in die Geschichte integriert wurde, erfährt endgültig den Stempel der völligen Unwichtigkeit. Gesetzmäßigkeiten des Spuks werden gebrochen. Ein Ausflug auf die andere Seite wird auf die Schnelle uneffektiv abgehandelt. Und über den Hintergrund der ganzen Geschehnisse, sowie über die Gesetzmäßigkeiten dessen was übernatürlich geschah, wird der Mantel des Schweigens gelegt. Sogar das plötzliche Hilfsmittel am Schluss, mit welchem die Kreatur endgültig zu besiegen ist, wird in keinem sinnvollen Zusammenhang zu seiner Wirkung gesetzt. Man hat es einfach als das Gegenmittel des Monsters zu akzeptieren.

Eine zuvor sensibel erzählte Geschichte wird völlig unsensibel beendet und vernachlässigt damit die Psychologie des Geschehenen. Standen Taten und Personen sonst in sinnvollem Bezug zueinander, so will sich hinter der Symbolik des eigentlichen Spuks und dessen Konsequenzen analytisch nichts Sinnvolles erkennen lassen. Da werden weder Amerika-typische Klischees über Familienmoral oder andere Banalitäten versteckt, noch steht ein reiferer Grundgedanke hinter dem Erzählten. Am Ende ist „Under The Bed“ ein viel zu hohles Gefäß, stimmig inszeniert, keine Frage, und auch in seiner schwachen Phase noch recht unterhaltsam, aber das vorhandene Potential wurde mit dem letzten Drittel komplett verschenkt.

Mittwoch, 10. September 2014

12:01 (1993 Jack Sholder)


Der mittelmäßige Angestellte Barry Thomas hat nicht nur gerade einen seiner miesesten Arbeitstage erlebt, heute wurde vor seinen Augen auch noch seine heimlich Angebetete erschossen. Als sich der erlebte Tag wiederholt, merkt Thomas nicht nur dass er die Chance hat die Liebe seines Lebens zu retten, er muss auch einen Weg finden die Menschheit aus einer Zeitschleife heraus zu retten, die durch ein physikalisches Experiment entstanden ist, an dem seine Love Interest beteiligt war...


Fauler Bengel, Zeit aufzustehen...

Als 1993 der sehr lustige „Und täglich grüßt das Murmeltier“ ein Erfolg an den Kinokassen wurde, da wussten nur die wenigsten Zuschauer, dass dieser dreist die Idee der Kurzgeschichte „12:01 PM“ von Richard Lupoff klaute. Aufgrund besagten Erfolges bekam diese zumindest eine Verfilmung per TV-Produktion beschert, und so lustig diese auch beginnen mag, die Geschichte um einen sich immer wiederholenden Tag und eines einzigen Mannes, der dies bemerken kann, ist keine reine Komödie wie der Film mit Bill Murray. Im Gegensatz zu diesem bekommen wir eine Erklärung der Ereignisse geliefert und damit eine Motivation der Hauptfigur sinnvoll zu handeln.

Lustiger Weise ist dies als lausiger Mitarbeiter der Personalabteilung nicht gerade Barrys Stärke. Er besitzt Potential das er nicht wirklich zu nutzen weiß, dennoch ist er nur ein Durchschnitts-Typ, der erst lernen muss sinnvoll zu handeln, und für die Hintergründe des Geheimnisses, auf das er stößt, 1 und 1 richtig zusammen zu rechnen. Freilich erlebt er bei der Errettung der Menschheit auch manche Überraschungen, so dass sich vorher Gewusstes als falsch heraus stellt und Barry auf neue Fährten gelenkt wird. All zu ausgeklügelt kommt die Geschichte trotzdem nicht daher. Sie bleibt übersichtlich und schlicht, so dass der Thriller-Gehalt des Streifens lediglich gleichrangig neben dem zurückgeschraubten Komödien-Element abläuft, ohne dass die Spannungskurve gleich über-aufgeregt nach oben steigen würde.

Als Film mit einer solch irren Idee wie den immer wiederholenden Tag hat er solche Zusatzreize auch gar nicht nötig, weiß doch bereits sie den kompletten Film zu tragen. Um so schöner ist es, dass sich nicht einzig auf ihr ausgeruht wird. Zwar ist immer wieder deutlich die Kostengünstigkeit einer TV-Produktion erkennbar, z.B. wenn eine Verfolgungsjagd nicht ganz so rasant abläuft wie in einem professionellen Kino-Film, aber man merkt den Beteiligten des Projektes ihr Engagement an. Der Soundtrack weiß in den humorvollen Szenen zu wirken, auch wenn er in den spannenden etwas arg routiniert vor sich hin plätschert, die Schauspier sind mit viel Spielfreude dabei, selbst die typisch blass agierende Helen Slater, und insgesamt ist der Streifen mit einem verspielten Charme versehen, der nicht nur über die Hauptfigur Barry auf den Zuschauer übertragen wird, aber doch hauptsächlich.

„12:01“ ist trotz schlichter Umsetzung ein wahrer Hingucker, ein kleiner Geheim-Tipp im Science Fiction-Genre und damit leider keineswegs so bekannt wie er es verdient hätte. Im Gegensatz zu späten Plagiaten der Geschichte (z.B. "Und täglich grüßt der Weihnachtsmann") ist er eine ernste Konkurrenz des frisch daher kommenden Ideen-Diebstahls „Und täglich grüßt das Murmeltier“, einfach weil er die Story mit ganz anderen Schwerpunkten angeht, auch wenn freilich so manche obligatorische Idee, die an dem Hauptaspekt der Geschichte gebunden ist, in beiden Filmen Verwendung findet.

So darf Barry beispielsweise sterben und sein Wissen für den perfekten Tag ebenso nutzen wie für reinen Egoismus. Da „12:01“ allerdings keine Geschichte der Moral ist, sondern eine um Verantwortung, Liebe und Thrill, spielt er gar nicht erst zu einem solch langen Zeitraum wie der Murmeltier-Film, was der Story zugute kommt, die augfrund der anderen Schwerpunkte zu schnell bei zu häufiger Wiederholung geschwächelt hätte, im Gegensatz zum Vergleichsfilm, der gerade aus dieser Extreme seine größten Momente heraus holte. In „12:01“ geht es um das Weiterkommen eines Menschen gefangen in der Wiederholung, um das Zuspitzen von Situationen durch das Einmischen Barrys, und damit tatsächlich um eine Handlung anstatt lediglich um eine Wandlung.

„12:01“ ist pfiffig ohne all zu intelligent und verkopft zu werden, charmant ohne sich anzubiedern, romantisch ohne zu nerven, witzig ohne das Murmeltier zu kopieren und spannend ohne Gefahr laufen zu müssen sich nicht mit dem Humoranteil arrangieren zu können. Kurzum: Regisseur Jack Sholder („The Hidden", „Nightmare 2") ist mit seiner kleinen Popelproduktion ein kleines Wunder geglückt, das man, wenn schon nicht zwingend auf DVD besitzend, mindestens einmal bei einer seiner x Ausstrahlungen im TV gesehen haben sollte. Da es sich bei diesem Werk um einen Film handelt, den man gerne öfters guckt, wird dieser Sichtung der Kauf der DVD ohnehin folgen - zumindest für Sammler.


Montag, 8. September 2014

THE FERRYMAN - JEDER MUSS ZAHLEN (The Ferryman 2007 Chris Graham)


Auf der Überfahrt zum Ziel für einen Luxusurlaub, müssen die Touristen feststellen dass das Schiff auf dem sie sich befinden alles andere als Luxus ist. Do It Yourself ist die Devise, und die meisten können sich mit dem abenteuerlichen Gedanken an allem aktiv beteiligt zu sein gewöhnen. Als ein Notruf empfangen wird, holt man sich jedoch wen Fremden an Bord, der die trügerische Einigkeit durcheinander bringt und über ein düsteres Geheimnis verfügt...


Mit einem Dolch in fremde Körper dringen...

Für den modernen Horrorfilm machen sich Filmschaffende über alles her was möglich ist, um es für das 10 kleine Negerlein-Prinzip umsetzen zu können und um dabei den Eindruck zu erwecken einen individuellen Aufhänger zu besitzen. Jegliche Kultur, Mystik und etliche triviale Rituale wurden abgeklappert, jeglicher Glaube zelebriert und auf den Kopf gestellt, und so musste es früher oder später auch den Glauben an den Fährmann erwischen, dem man für die Überfahrt ins Jenseits Münzen zahlen muss, damit er einem nach dem Ableben auf die andere Seite bringt.

Einfallslosere Filmemacher hätten sicherlich den Fährmann als Sensemann-Ersatz auf die Protagonisten losgelassen, ein solcher Storyaspekt findet sich hier allerdings nur eher angerissen im Hintergrund. Der Hauptaspekt in der Geschichte um „The Ferryman“ ist ein Mann, der sich bislang immer vor dem Fährmann verstecken konnte, sprich den Tod bislang umgehen konnte, und dies ist möglich, da er über einen magischen Dolch verfügt, mit welchem er relativ unbemerkt die Körper wechseln kann.

Dank glaubwürdiger Darsteller funktioniert das mit der Zeit immer häufiger stattfindende Wechselspiel auch recht gut, immer weiß man als Zuschauer in wem der Bösewicht gerade steckt und was er ausheckt. Ängstliche Produzenten sei Dank wird dem Zuschauer der Überblick trotzdem nicht zugetraut, und so muss eine den Körper mit wechselnde Tätowierung dem allerletzten Vollidioten trotzdem suggerieren welches der aktuell besessene Körper ist. Mag sein dass diese Entscheidung vor dem Casting entstand, aber wie gesagt, es sind für einen Horrorfilm recht brauchbare Mimen vorhanden, nötig wäre diese geistige Räuberleiter nicht gewesen.

Das Körperspringen aus „Shocker“, „Dämon“ und Co wird nicht nur genutzt um es im simplen Slasher-Verfahren verarbeiten zu können, fieser Weise geht der Übergang wesentlich blutiger als in den Vergleichsfilmen vonstatten, so dass nicht nur der nach Blut lechzende Gore-Freund aufgrund harter Szenen leuchtende Augen bekommt, der Aspekt selbst wird hervorragend in die Geschichte integriert, so dass die Täuschung nur eine Zeit lang möglich ist und sich Misstrauen gegen alle und jeden auf dem Schiff breit macht.

Wer das veränderte Verhalten an mehr Personen als an einer bemerkt weiß langsam woher der Hase läuft, ist somit schlauer als der Rest, was dem Besagten ohne das nötige Hintergrundwissen und die Unterstützung der anderen jedoch wenig nutzt. Immer ist der Fremde den anderen einen Schritt voraus, meist wird hierfür das persönliche und intime Vertrauen der Mitreisenden genutzt, was auch seelisch zu recht schmerzhaften Erfahrungen führt. Warum es bis zum Schluss immer wieder Ahnungslose gibt, wird recht anständig vom Drehbuch gelöst, lobenswerter Weise häufig über die Charaktereigenschaften der recht unterschiedlich gezeichneten Figuren.

„The Ferryman“ ist dementsprechend mehr als der olle Schnelldreh für zwischendurch, auch wenn die erste Szene, die auf dem Schiff spielt welches das Notsignal senden wird, noch ziemlich billig inszeniert wirkt. Kaum auf dem anderen Schiff angekommen wissen die Akteure, die Kamerarbeit und die Geschichte selbst zu gefallen, eine Story die wohl kaum einen Preis verdient hätte, so schlicht wie sie eigentlich vonstatten geht, aber sie konzentriert sich immerhin auf das wesentliche und weiß den relativ monotonen Ablauf abwechslungsreich zu präsentieren, u.a. mit besagten unterschiedlichen Charakteren und ihren persönlichen Problemen, und so fliegt die Zeit nur so dahin ohne dass jemals auch nur ansatzweise der Bereich der Langeweile gestreift wird.

Dass insgesamt der Mythos um den titelgebenden Fährmann zu kurz kommt, ist ein Makel über das man freundlich hinwegsehen kann, gegen Ende wird aber auch intensiver auf diesen geachtet, inklusive reizvollem Schluss-Gag, der nur all zu deutlich macht, dass wir doch nur alles Menschen sind und einen Einblick darüber gibt an welchem Punkt manche ethische Entgleisung als fixe Idee ihren Anfang nahm.

„The Ferryman“ hat mich echt überrascht. Ich würde zwar nicht von einem wirklich großen Film sprechen, aber Chris Grahams Werk ist professionell routiniert umgesetzt und bereits mehr als der olle kleine Film für zwischendurch. Der Film ist jene Art kleiner Geheim-Tipp, der das Genre in keinster Weise irgendwie neu erfindet, aber talentierte Kreative an Bord hat, die aus der schlichten Grundlage viel herauszuholen wissen. So simpel die eigentliche Geschichte zunächst auch sein mag, gerade das Drehbuch und die Schauspieler verdienen ein großes Lob, auch wenn der Film schlussendlich doch nur das nette kleine Werk für zwischendurch geworden ist.


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