Dienstag, 29. April 2014

ANACONDAS - DIE JAGD NACH DER BLUT-ORCHIDEE (Anacondas: The Hunt for the Blood Orchid 2004 Dwight H. Little)


Auf der Suche nach einer Blume durchforstet ein Expeditionsteam einen Dschungel, in dem es vor Riesenschlangen nur so wimmelt...


Wenn man nicht auf den Affen hört...

Ich bin kein Fan des ersten „Anaconda“, eines von vielen Beispielen warum ich Werke mit Jennifer Lopez mittlerweile meide. Und als ich letztens auf dem Wühltisch eines Second Hand-Händlers für DVDs auf „Anacondas“ gestoßen bin, dachte ich mir: Hey, Jennifer macht nicht mit, gib der Fortsetzung mal eine Chance. Vor Jahren hätte ich diese nie in Erwägung gezogen, aber in Zeiten, in welchen man Filme wie diesen nur noch in billigster Rotzumsetzung mit miesen CGI-Tricks erleben darf, da lässt man sich auf besser produzierte Werken der Gattung Tier-Horror aus den 00er Jahren doch noch ein. Schlimmer als die Ergüsse wie sie lange Zeit auf Tele 5 liefen kann solch ein Film schließlich nicht sein.

Und so war es auch, „Anacondas“ war definitiv professioneller umgesetzt als die meisten DVD-Veröffentlichung dieses Sub-Genres der letzten Jahre, kurzweiliger Durchschnitt ist er jedoch trotzdem nicht geworden, dafür krankt der Streifen viel zu sehr an den klassischen Blockbuster-Krankheiten seiner Zeit: zu zahmer Umgang mit dem Publikum, Vorhersehbarkeit und das schlimmste: ein Haufen unsympathischer Proleten teilt sich alle Rollen um selbiges zu spielen, egal ob man deren Charakterzeichnung nun positiv oder negativ meint. Mitfiebern tut man mit niemandem, alle sind einem egal.

In gewisser Weise schafft es die Fortsetzung des enttäuschenden ersten Teiles zumindest halbwegs durch einen ungewöhnlichen Mix aus Trash und atmosphärischen Szenen zu unterhalten. Manche Sequenzen sind überraschend düster umgesetzt und beherbergen gar kurze spannende Momente. Andere Szenen sind wiederum derart lächerlich umgesetzt, dass man fast glaubt sich in einem Comicheft zu befinden. Schönstes Beispiel dürfte jene Szene sein, in welcher der knallharte Actionheld mit hauchdünnem Softie-Touch den Kampf mit einem Krokodil aufnimmt, bewaffnet mit einem kleinen Messer, aber haushoch siegend.

Ernst nehmen kann man diesen Streifen nicht, aber das ist mehr als gerecht, er nimmt das Publikum schließlich auch nicht ernst, weiß aber auch für welches er erzählt ist. Wo sonst, außer beim Blockbuster- und RTL-Publikum, würde man sich über einen Affen freuen, der jegliche Taten der Menschen und manche Gefahren mimisch kommentiert? Da muss man schon „Kommissar Rex“-Fetisch oder „Dr. Dolittle“-Fan sein um dieses dämliche Vermenschlichen von Tieren toll zu finden. Zumindest darf man nicht zu viel im Kopf haben und muss anfällig dafür sein sich von Niedlichkeiten volllullen zu lassen.

Und dass man in einem solch debilen Zustand anfällig für Schockszenen ist, obwohl diese angekündigt werden und überrascht ist, wenn da wer stirbt, der nach dem Drehbuch-ABC für faule Autoren zwingender Weise als nächstes dran glauben muss, braucht also gar nicht mehr zu überraschen. Letztendlich gilt die Regel die ich schon in meiner Review zu „Man‘s Best Friend“ erwähnt hatte: Nicht jeder Horrorfilm ist für Horror-Fans gedreht. Mancher ist für gelangweilte Hausmütterchen gedacht. Und mit Filmen wie „Anacondas“ sind die immer noch besser bedient als mit dem Verblödelungs-Programm der privaten TV-Anstalten oder mit dem Anschauen von ZDF, dem öffentlich rechtlichem TV-Sender der den Privaten alles nach macht. mittelmäßig

Sonntag, 27. April 2014

DAS IST DAS ENDE (This Is The End 2013 Seth Rogen u.a.)


Seth Rogen ist mit einem Kumpel aus seiner Heimat gerade auf einer Party im Haus von James Franco, da beschließen die beiden kurz Zigaretten in einem kleinen Laden nebenan zu kaufen. Völlig unerwartet bricht das Chaos über die Welt herein. Menschen steigen in einem blauen Licht zum Himmel empor, jene die noch auf der Erde sind werden Zeuge der Apokalypse. Im Haus von James Franco sucht man mit den restlich Übriggebliebenen Schutz, aber früher oder später muss sich die Bande Egomanen ihrem Schicksal stellen...


Sperma-Poesie und Milky Way für Dämonen...

Wenn man reich und berühmt ist, kann das Leben eine fröhliche Spielwiese sein. Genau so guckt sich Seth Rogens Regie-Debut, welches er auf dem Hoch seiner Karriere nutzt, um mit befreundeten Kollegen mit einem immensen Kostenaufwand einmal das zu drehen, wo man Lust drauf hat. Zwar hat Rogen sich ähnliches mit dem gelungenen „Ananas Express“ bereits gegönnt, diesmal wird es jedoch eine Spur privater. Mögen die Charakterzeichnungen der Stars auch fröhlich selbstzerstörende Fakes sein, die jeden einzelnen als schrecklichen Egomanen abstempeln, dennoch umweht dem Film eine zwischenmenschliche Ehrlichkeit, die das ganze zu einem wunderbaren Cocktail aus Lüge und Wahrheit werden lässt - inmitten eines herrlich schrägen Szenarios, welches dankenswerter Weise die Regeln der biblischen Apokalypse nicht neu erfindet.

In diesem simplen Gedankengut der gläubigen Christen liegt der Reiz dieses Endzeit-Streifens, der fast zeitgleich als Konkurrenz zum (besseren) „The World‘s End“ im Kino lief. Die Braven kommen in den Himmel, auf der Erde tut sich der Boden auf, die Welt brennt, und wenn die Zeit reif ist bekommen wir auch toll getrickste Dämonen präsentiert, die alle geradezu klassisch aussehen wie ewig von Kirchenseite angepriesen. Lustiger Weise verkommt die Apokalypse in der ersten Stunde fast schon zur Nebensächlichkeit, handelt der Film doch zunächst vom Überleben in Francos Haus, vom Zusammensein einer Gruppe befreundeter Egoisten mit dem Drang gemeinsam überleben zu wollen.

Erst wenn Lebensmittel knapp werden konzentriert sich der Streifen was mehr um das was draußen tatsächlich passiert, aber das bedeutet nicht dass der Film nicht auch zuvor wunderbar zu gucken wäre. Nach der ersten halben Stunde wusste ich noch nicht so ganz wie ich finde was ich da sehe, geht mir diese ewige Pro-Kiffer-Mentalität Rogens doch grundsätzlich auf den Keks, auch wenn ich ihn als Komiker all zu gerne sichte.

Bedenkt man jedoch wie gnadenlos ein jeder Schauspieler mit sich selbst und seinem Ruf abrechnet, steckt schon ein gewisser Grad Mut hinter einem Projekt, das eigentlich nur dafür da ist Freundschaft und Party auf Zelluloid zu bannen (okay, heutzutage eher digital einzufangen), und alle Fans der Stars daran teilhaben zu lassen. Selbstbeweihräucherung kommt dabei überraschender Weise nicht heraus, stattdessen steckt die Stimmung an, und sie bleibt beim Zuschauer aufrecht erhalten wenn die Figuren des Films diese nach und nach verlieren.

Das Abhängen im Haus macht Spaß, auch wenn es manchmal Stillstand zu geben scheint. Aber wie schon in „Ananas Express“ reißen die Dialoge so einiges raus, auch wenn sie hin und wieder zu aufgesetzt wirken. Und die Anspielungen auf andere Filme und Rollen, die Gastauftritte diverser Schauspieler als sie selbst und diverse Querverweise auf das Leben in Hollywood geben der Sache genügend Zunder um fröhlich dran zu bleiben. So richtig rocken tut der Film jedoch eher in der zweiten Hälfte, in der nun ordentlich die Post abgeht, Vorteile der ersten Hälfte aber dennoch genug Platz finden um sich auch hier zu entfalten. Somit steigert der Film gekonnt seine Stimmung, so wie es sich für eine richtig gute Party auch gehört.

Was mir im Komplettfilm neben dem wundervollen Endzeit-Spektakel im letzten Drittel zwischen Dämonen, Besessenen und Kannibalen zudem äußerst gut gefallen hat, sind die unerwartet witzigen und abwechslungsreichen Momente mit Jonah Hill, für den ich mich sonst noch nie begeistern konnte. Außerdem ist der geglückte Gastauftritt von „Harry Potter“-Darling Emma Watson, die mal anders spielen darf als sonst, ein Spaß für sich, auch wenn sie zu meinem Bedauern viel zu wenig Screentime beschert bekommen hat. Klar, „Das ist das Ende“ soll ein Männerfilm sein, mit Männerkomik wie Sprüchen a la „Tränen aus der Spitze meiner Eichel“, aber etwas mehr Platz für Watson hätte sich bestimmt gefunden, auch wenn die Pointe, auf die ihre Szenen hinausläuft, herrlich konsequent ist und einen längeren Auftritt innerhalb des Films nicht zulässt.

Dass der Schluss des Streifens eher nicht so dolle ausgefallen ist, kann man verzeihen, zumal selbst der Tiefpunkt noch rockt, oder besser gesagt popt, denn auch hier wartet auf den Zuschauer  ein unerwarteter Gastauftritt, mit dem die Geschichte dann auch schließt. Dass man hier keine erwähnenswerte Handlung geboten bekommt und man die Stars und ihre Werke besser gesehen haben sollte (ganz besonders „Ananas Express“ auf den sehr häufig auf wirklich lustige Art und Weise angespielt wird) ist nicht von der Hand zu weisen. Aber „Das ist das Ende“ ist auch nicht die Art Film, die das Kino inhaltlich oder stilistisch neu erfinden will. Es ist Anarcho-Kino, eine Stilrichtung die kaum noch im heutigen Filmgeschäft unter Großproduktionen vorzufinden ist. Es ist im Vergleich zu 70er Jahren-Größen dieser Gattung aber auch die moderne Variante Anarcho-Film, die sich leider mit den Kompromissen der modernen Welt arrangieren muss. Dem Spaß-Faktor selbst bereitet das jedoch keinen Abbruch. sehenswert

HALLOWEEN 2 - DAS GRAUEN KEHRT ZURÜCK (Halloween 2 1981 Rick Rosenthal)


Michael konnte entkommen, obwohl mehrmals auf ihn geschossen wurde. Laurie kommt ins örtliche Krankenhaus, doch auch dort ist ihr der monströse Killer auf den Fersen...


Die selbe Nacht des Grauens...

Für eine Fortsetzung des legendären Kult-Horrors von John Carpenter, der zu meinen absoluten Lieblings-Horrorfilmen schlechthin gehört, ist „Halloween 2“ schon ein wenig enttäuschend ausgefallen. Obwohl er auf der einen Seite auf dem optischen Stil des Vorgängers aufbaut, sind es doch viele Kleinigkeiten die Teil 2 nicht die fesselnde Atmosphäre bescheren wollen, die das Original so einzigartig macht und manchen Unsinn der Geschichte vergessen ließ. Ob es die neue Maske Michaels ist, die auf zu düster getrimmt ist, ob es der Soundtrack ist, welcher den von Teil 1 auf 80er Jahre-Stil modernisiert, oder ob es der zeitgemäße Drang der Verantwortlichen ist, Messer Messer sein zu lassen, und Michael auf Jason-Art abwechslungsreicher morden zu lassen, um optisch grausamere Szenen zeigen zu können, all dies arbeitet gegen eine dichte Atmosphäre und einen hohen Spannungsbogen.

Michael weiß nie zu überraschen. Man weiß immer vorher wo er zuschlagen wird, was den Verlauf des Films in seinem möglichen Nervenkitzel zu sehr ernüchtert. Hin und wieder, wenn Regisseur Rosenthal John Carpenter kopiert, der in Teil 2 u.a. noch für die Produktion und das Drehbuch verantwortlich war, bekommt auch er atmosphärische Aufnahmen hin, z.B. wenn er Michael aus dem Dunkeln langsam ins Helle treten lässt und ihn damit wie ein Phantom aus dem geglaubten Nichts wirken lässt. Auf eigenständige Art schafft er solche Kunststücke jedoch nie.

Klar, ein Ergebnis wie Teil 1 war nicht mal eben noch einmal nachzuschieben, das brauchte man nicht zu erwarten. Aber der fehlende Spannungsbogen macht Teil 2 schon ein wenig enttäuschend. Gibt man sich aber erst einmal mit weniger als erwartet zufrieden, weiß auch die Fortsetzung zu unterhalten, gewinnt sie doch allein deshalb an Charme, weil sie in der selben Nacht wie Teil 1 spielt. Wo hatte man dies vorher schon einmal erlebt? Die wichtigen Figuren von einst sind alle noch mit an Bord, auch wenn wenige, wie der Sheriff, bereits nach kurzer Zeit ersetzt werden.

Drei Jahre nach Teil 1 gedreht wirkt auch keiner der Schauspieler gealtert. Da hat die Maske wahre Wunder vollbracht, auch wenn ihr das biedere erwachsene Aussehen von Laurie Strode dafür entgegen kam. Der optische Stil des Originals, das Aussehen der Figuren aus Teil 1, all dies ist jedoch wesentlich einfacher wieder hinzubekommen als das Verhalten Michaels aus psychologischer und strategischer Sicht. Und selbst dieses schwierige Unterfangen hat man geschafft einzuhalten. Es gibt keine Widersprüche im Verhalten des ominösen Killers. Und dass man dessen Hintergrund nicht beleuchten sollte und nie dem Warum seiner Unzerstörbarkeit nachgeht, hat man glücklicher Weise ebenfalls begriffen.

Ob man Michael seiner Mystik beraubt hat, weil man ihm einen Hintergrund für seine Taten im letzten Drittel beschert, vorher bereits durch Traumsequenzen Lauries angedeutet, sei einmal dahingestellt. Die Deutungsvielfalt des Originals geht sicherlich damit flöten, um eine Fortsetzung interessant zu halten und das eigentliche Nichts an Story ein wenig zu erweitern, ist die Idee jedoch gut zu nennen, nicht nur im Hinblick auf die Fortsetzungen ab Teil 4, die davon zehren konnten, auch Teil 2 hat diese Erweiterung dringend nötig, um nicht im völligen Leerlauf zu enden.

Für meinen Geschmack kommt der Versuch diesen zu unterbrechen etwas zu spät, mordet doch Myers fröhlich monoton, wenn auch wie erwähnt im unterschiedlichen Stil, vor sich hin, während hin und wieder zu Laurie geblendet wird, die von einem Mitarbeiter des Hospitals bezirzt wird und bis auf das Finale nicht wirklich wichtig für den Verlauf der eigentlichen Handlung ist. Für diese muss das Krankenhauspersonal herhalten, das aber zu oberflächlich charakterisiert wird, als dass man sich für deren Schicksal interessiert, zumal Rosenthal wie erwähnt die Spielerei wann ein Opfer nun zum Opfer wird weg lässt.

Loomis darf in der Zwischenzeit mit dem Kollegen des Sheriffs aus Teil 1 die Stadt nach Michael absuchen. Und auch wenn man versucht diesen Momenten etwas Abwechslung zu bescheren, wenn nach einem Brand die Frage offen ist, ob Michael noch lebt oder nicht: der Zuschauer weiß ohnehin dass er lebt, hat von diesem Erzählzweig somit nicht viel, zumal die Dramatik dieses eigentlich bösartigen Irrtums nicht eingefangen wird. Zumindest macht ihr Fehlen noch einmal das unterkühlte Verhalten Loomis deutlich, der mit dem Festbeißen in den Fall Michael längst seine Seriosität verloren hat, was die Glaubwürdigkeit unterstreicht warum damals in der Anstalt niemand auf die warnenden Worte dieses Mannes gehört hat.

Man versucht also so einiges um gegen eine monotone Wirkung der Geschichte anzukämpfen. Meiner Meinung nach hat man dies aber nicht wirklich geschafft. Es sind die Dinge die vom Original übernommen wurden, die nicht zulassen, dass „Halloween 2“ auch nur ansatzweise langweilig werden würde. Etwas zu gewöhnlich kommt Rosenthals Werk mit diesem Nichts an Story bei fehlender dichter Atmosphäre und fehlendem Spannungsbogen jedoch schon daher, so dass am Ende nur Freunde der Reihe zufrieden gestellt werden und Freunde harter Bilder. Da ich mich zu erstgenanntem Zielpublikum dazu zähle ist mein Eindruck trotz aller Kritik noch immer positiv ausgefallen. Für die meisten anderen dürfte „Halloween 2“ jedoch nur lahmer Durchschnitt sein. unterhaltsam

Samstag, 26. April 2014

DAS DARF MAN NUR ALS ERWACHSENER (16 Candles 1984 John Hughes)


Aufgrund des Hochzeitstrubels um ihre ältere Schwester vergisst Samanthas Familie den 16. Geburtstag der jüngeren Schwester der Braut. Und dass ihr Traumtyp Jake mit der angesagtesten Frau der Schule geht, macht Samanthas Alltag auch nicht gerade erträglicher. Dass Jake seine ewig Party-feiernde Freundin längst satt hat und sich heimlich für Samantha interessiert, bekommt diese gar nicht richtig mit. Ausgerechnet Nervensäge Geek wird zum Vermittler zwischen beiden...


Das sieht man nur als Amerikaner...

Wenn es um „Ferris macht blau“ und „Der Frühstücksclub“ geht, wird man bei Nichtsichtung geradezu schräg angeguckt, so populär und beliebt sind beide Streifen. Wenn es jedoch um John Hughes erste Regiearbeit geht, die ebenfalls aus den Bereich der Teenie-Komödie stammt, dann beginnen alle zu rätseln. „L.I.S.A. - Der helle Wahnsinn“, der ist unter Umständen noch als bekannt in den Hinterköpfen gespeichert, aber „Das darf man nur als Erwachsener“ ist in Deutschland, im Gegensatz zu Amerika, völlig unbekannt, auch unter seinem Original- und DVD-Titel „16 Candles“.

Im direkten Vergleich zu den zwei berühmten Hughes-Filmen fällt „16 Candles“ auch ein wenig ab, aber er ist zu gut um ihn zu ignorieren, obwohl ich durchaus verstehen kann, dass er es ein wenig schwer hatte sich durchzusetzen. Hughes Regie-Debut ist ein merkwürdiger Mix aus Familien-Komödie, Teenie-Romanze und Partyfilm. Es tummeln sich jede Menge mal mehr mal weniger schräge Charaktere um Hauptaugenmerk Samantha, aber selbst die darf im Mittelteil des Streifens pausieren, wenn andere Blickwinkel wichtiger werden.

Eine Geschichte erzählt „16 Candles“ durchaus, allerdings wird sie dominiert von den vielen liebenswerten Figuren, die alle ihre besonderen Momente erleben und von denen man keinen missen mag, egal ob es nun Samanthas Großeltern sind, die große Schwester, der kleine Bruder, oder Kultgestalten wie Long Duk Dong oder der Geek, eine Art König der Schul-Loser und verkörpert von Anthony Michael Hall, der den Streber im „Frühstücksclub“ gab und auch die männliche Hauptrolle in „L.I.S.A. - Der helle Wahnsinn“ spielte. Hughes hielt scheinbar viel von ihm, zu einer Berühmtheit wurde Hall jedoch nie.

Ganz anders Molly Ringwald, die später das Prinzesschen im „Frühstücksclub“ spielen sollte und in der Hughes-Produktion „Pretty In Pink“ eine arme Teenagerin verkörperte, die sich in einen reichen Jugendlichen verliebt. Hughes versammelt hier also das ein oder andere Gesicht, mit dem er später die gemeinsame Arbeit vertiefen sollte. Dass er bei all der Schar talentierter Jungmimen ausgerechnet John Cusack in den Hintergrund schob und scheinbar unterschätzte (immerhin tauchte der nie wieder in einem Hughes-Film auf), ist schade, aber seine nerdigen Szenen machen trotzdem viel Spaß.

John Hughes schafft es den Film in seinen jeweiligen Phasen jeweils hervorragend wirken zu lassen. Da trifft die Sehnsucht nach der großen Liebe emotional ins Schwarze, obwohl Momente vorher und hinterher herzhaft gelacht werden darf, wenn wieder irgend etwas (nicht selten skurriles) passiert. Hughes lässt nicht nur Teenager trotz völliger Übertreibungen lebensecht erscheinen, er weiß auch Klischees der Großfamilie liebevoll zu veralbern und den Zuschauer trotz comichaftem Ausdehnen der Situationen des öfteren über etwas schmunzeln zu lassen, was dieser aus eigener Erfahrung kennt.

Dass inmitten von Charme und Irrsinn auch der Romantikaspekt zu wirken weiß, wenn dieser endlich einmal in die Gänge kommt, ist ebenso wichtig wie großartig. Überraschen tut der Streifen jedoch gegen Ende, wenn in einer Substory zwei Randfiguren der Geschichte ebenfalls nicht völlig unromantisch zueinander finden. „Das darf man nur als Erwachsener“ ist ein toller Teen-Film für die ganze Familie und bekam nur deshalb einen solch amurös klingenden Titel, weil er in der Zeit der Teen-Sex-Komödien a la „Eis am Stiel“ und „Ich glaub‘ ich steh‘ im Wald“ entstanden ist. Kein Wunder dass er mit diesem Fake im Namen in Deutschland scheitern musste.

Dass ausgerechnet der Love Interest von Samatha, Jake, am unauffälligsten agiert und eher langweilig besetzt ist, stört interessanter Weise recht wenig, passiert um ihn herum doch immer etwas, das von seiner 08/15-Besetzung ablenkt und ist er mit der eher langweiligen Charakterzeichnung doch der ideale Fels in der Brandung, den die sich nach Normalität sehnende Samantha inmitten der chaotischen Menschen um sie herum benötigt.

Schmunzeln, mitfühlen und herzhaft lachen, „16 Candles“ schafft alles auf einmal in einer holprigen Geschichte, bei der man nie weiß was als nächstes passiert und was von den drei Aspekten sie als nächstes ansteuert. Das macht den Streifen unberechenbarer als Hughes Erfolgsfilme „Der Frühstücksclub“ und „Ferris macht blau“, aber in letzter Konsequenz auch nicht so überzeugend wie diese. Dennoch sollte man meiner Meinung nach alle drei völlig unterschiedlichen Filme einmal gesehen haben, wenn man Spaß mit Teen-Filmen der 80er Jahre hat. sehenswert

Donnerstag, 24. April 2014

IST SIE NICHT WUNDERBAR? (Some Kind Of Wonderful 1987 Howard Deutch)


Keith gilt an seiner Schule als Sonderling. Amanda hingegen wird bewundert und geht mit dem reichen Hardy. Als Keith sich allen Mut zusammen nimmt, um Amanda um ein Rendezvous zu bitten, kommt er dem Mädchen gerade recht, hat die sich doch gerade vom untreuen Hardy getrennt und willigt in das Date ein, um ihn zu kränken. Keiths beste Freundin Watts warnt ihn vor der Verabredung und prophezeit dass alles nur ein Fake ist. Dies tut sie jedoch nicht frei von Eifersucht...


Ist der Film nicht wunderbar?...

Howard Deutch hatte gerade erst vor einem Jahr den völlig unterkühlten und unsentimentalen „Pretty In Pink“ für Produzent John Hughes fertiggestellt, da lieferte er ihm bereits die nächste Romantikkomödie mit Teenagern im Zentrum ab. „Ist sie nicht wunderbar?“ schaut sich auch schon wesentlich mehr wie ein John Hughes-Film, als es im Vorgänger, trotz Stammbesetzung mit Molly Ringwald, der Fall war. Ja, Hughes eigene Regiearbeiten im Teenie-Bereich mit „Das darf man nur als Erwachsener“, „Der Frühstücksclub“ und „Ferris macht blau“ boten nie den romantischen Aspekt im Zentrum, aber auch sie könnten bereits untereinander kaum unterschiedlicher vom Stil her sein, ein Vergleich ist also durchaus trotzdem angebracht. Und mag „Ist sie nicht wunderbar?“ im Vergleich zu diesen Werken auch besonders brav und ernst ausgefallen sein, der Humor des Produzenten funkelt trotzdem immer wieder durch.

Ob das die frechen Kindersprüche jüngerer Geschwister sind, die eher in späteren Produktionen wie „Kevin - Allein zu Haus“ und „Allein mit Onkel Buck“ dominanter zelebriert werden sollten, oder ob es das Spiel mit comichaften Mimiken in Großaufnahmen ist (im hier vorliegenden Falle z.B. zu entdecken in jener Szene, in welcher der Herr Papa vor der Klassentür von Keiths jüngerer Schwester steht), der Humor schwimmt in einem Strom mit besagten Teeniefilmen mit, aber auch im Strom von Hughes einzigem Film, in welchem er Erwachsene zu seinen Hauptdarstellern machte. Die Rede ist von „Ein Ticket für zwei“.

Es spielt keine Rolle dass Hughes in „Ist sie nicht wunderbar?“ offiziell nur Produzent war. Seine Handschrift schimmert so dominant durch, dass Deutch wohl kaum viel Freiraum genossen haben dürfte. Scheiß drauf! Denn falsch kann dieses Vorgehen nicht sein, wenn es ein Ergebnis wie im hier vorliegenden Fall hervorbringt, einen Film der in seiner Geschichte theoretisch genauso wenig originell ist wie das arg Klischee-hafte Herumreiten auf dem Arm/Reich-Konflikt von dem er erzählt, ein Thema welches Hughes aber scheinbar stark beschäftige, so später auch in „Der Giftzwerg“ oder zuvor im bereits erwähnten „Pretty In Pink“.

Das gute Ergebnis ist in der Besetzung, der sympathischen Charakterzeichnung, der Maske und dem zeitlosen Soundtrack zu suchen. Eric Stoltz, einige Jahre zuvor aus der Produktion „Zurück in die Zukunft“ gefeuert und durch Michael J. Fox ersetzt, spielt den Naivling sehr gelungen, auch wenn sein Charakter manchmal etwas arg wenig von dem versteht was um ihn herum passiert. Lea Thompson weiß schauspielerisch zu überzeugen, ist aber nicht halb so niedlich wie die mit kurzen Haaren agierende Mary Stuart Masterson, die seinerzeit zu den talentiertesten Jungmimen Amerikas gehörte und später durch „Benny und Joon“ und „Grüne Tomaten“ auch der Masse mit ihrem Können auffallen sollte.

Eigentlich soll Amandas Schönheit über der Ausstrahlung Watts stehen. Doch das funktioniert so gar nicht, und auch wenn es vom Drehbuch anders gewollt ist: es ist gut so, fiebert man doch damit umso mehr dem vorhersehbaren Happy End entgegen, während man zuvor mit Watts und ihrem Liebeskummer mitleiden darf. Keith steht im Zentrum, aber die Gefühle hängen an Watts, gehen sie doch wesentlich tiefer als Keiths Konflikt mit dem Papa, oder dem Wunsch von Amanda akzeptiert zu werden. Ja, sie gehen sogar tiefer als Keiths finaler Plan, der in der letzten halben Stunde zelebriert wird und dem Film damit wenigstens einen Hauch Handlung beschert.

Liest sich alles sehr negativ? Ist es aber keineswegs. Denn die Chemie stimmt, ob es nun Zufall ist oder nicht. Sich mit Witzen zurückhaltend, wenn diese einsetzend, dann aber auch gerne überzogen eingebracht, erzählt der Film seine Klischee-hafte, dünne Geschichte mit sehr viel Empathie, mit dem nötigen Gefühl für ansteckende Romantik und einem Soundtrack, der wie der komplette Film zwar mitten in den 80er Jahren badet, trotzdem aber recht zeitlos in seiner Wirkung ist. Das schönste Beispiel für das perfekte Zusammenspiel aller drei Faktoren ist jene kribbelnde Szene, in welcher Watts mit Keith das Küssen übt. Für Momente wie diese liebt man diesen Streifen.

Unvergessen bleibt auch die allerletzte Szene, die jedes Herz erweichen lässt und mit einem süßen humoristischen Spruch endet, um daraufhin auf ein Abspannlied überzublenden, welches zu den wenigen Songs gehört, die ich auch beim x-ten Gucken des Films den kompletten Abspann lang zu Ende höre. Auch wenn der Song in seinem schönsten Moment aufgrund des Endes des Vorspanns ausgeblendet wird (es wird also empfohlen sich das Lied „Can‘t Help Falling In Love" der Band Lick The Tins zu Hause mal komplett anzuhören), so schließt der Film mit ihm doch perfekt.

Es gibt einige Dialoge, die sich im Deutschen wunderlich übersetzt anhören, ansonsten gibt es aber auch über die Synchronisation nichts zu meckern, die gerade mit ihrer idealen Stimmauswahl bis in die kleinsten Rollen hinein zu überzeugen weiß. Auch wenn ich Mastersons Schauspielkunst sehr zu schätzen weiß, dieser Film hat mich seit meiner Jugend derart intensiv geprägt, dass sie in meinem Kopf eigentlich Watts ist und einfach an die Seite von Keith gehört. Dass mir Eric Stoltz nie wieder positiv auffiel, war zusätzlich hilfreich um diesen Zustand in meinem Schädel aufrecht zu erhalten. sehenswert


Sonntag, 20. April 2014

DAS GEISTERSCHIFF DER REITENDEN LEICHEN (El buque maldito 1974 Amando de Ossorio)


Nachdem eine ungewöhnliche Werbeaktion gescheitert ist, fährt eine Gruppe Menschen hinaus aufs Meer um zwei vermisste junge Frauen zu suchen, die kurz vor ihrem Verstummen per Funk erwähnten auf hoher See im dichten Nebel auf ein altes Schiff gestoßen zu sein. Auch die Suchenden erreichen besagtes Schiff, auf welchem, wie sie herausfinden müssen, untote Templer spuken, denen die ungebetenen Gäste als Opfer recht gelegen kommen...


Weder schwimmen noch reiten...

Nachdem Amando de Ossorio innerhalb von drei Jahren zwei Mal seine reitenden Leichen auf das Kinopublikum los ließ, suchte er für den dritten Film um die untoten Templer ein etwas anderes Szenario. Immerhin war „Die Rückkehr der reitenden Leichen“ eher ein flotteres Remake des gemütlichen Vorgängers „Die Nacht der reitenden Leichen“. Ich las einmal de Ossorio war begeistert von der Idee Untote auf dem Meeresboden wandeln zu lassen, musste aber aus Kostengründen von dieser wieder ablassen. Der Fan des Genres musste, abgesehen von einer kurzen Szene in „Woodoo - Die Schreckensinsel der Zombies“, bis „Fluch der Karibik“ warten, um ein solches Szenario erleben zu dürfen. Trotz des Humorschwerpunktes besagten Streifens, war genau diese Szene jedoch sehr stimmig umgesetzt, so dass man de Ossorio zugestehen darf eine gute Idee gehabt zu haben.

Eine solche ist im fertigen dritten Film um die Templer jedoch nicht zu finden. Trumpften schon die ersten beiden Teile nicht gerade mit Ideenreichtum, mit der Ausnahme dass Ossorio mit den Untoten einen Mix aus Romeros „Die Nacht der lebenden Toten“-Zombies und dem klassischen Vampir erschuf, so stellt sich die Idee die vom Schundfilm-Fan ins Herz geschlossenen Schauerwesen auf einem Geisterschiff herumwüten zu lassen als Sackgasse heraus.

Im Gegensatz zum deutschen Titel und dem Alternativtitel „Das Geisterschiff der schwimmenden Leichen“ darf hier weder geritten noch geschwommen werden, und wo in den Vorgängern ein schaurig hallender Untoten-Ritt die Ohren des Zuschauers verwöhnte, während die Zeitlupenaufnahmen des Todesritts auf schlichte Art zu faszinieren wussten, da schlurfen im dritten Teil die Untoten lahm daher, so lahm sogar, dass sie jeden klassischen Zombiefilm der schlurfenden Untoten-Generation unterbieten und selbst Jason aus den „Freitag der 13.“-Fortsetzungen, der dafür bekannt war trotz Schritt-Tempo die schnell laufenden Opfer unlogischer Weise immer wieder einzufangen, einen Dauerlauf auf Spaziergang-Niveau locker gegen de Ossorios Leichen gewinnen würde.

Was in einer gut inszenierten Vorgeschichte als unheilvolles Zeichen und Gruselelement hätte punkten können, erweist sich spätestens in der Hauptphase des Films als ein Ort, in welchem sowohl die menschlichen als auch die spukenden Figuren in ihrem Tun stark eingeengt werden. Die Menschen schlafen meist auf dem Geisterschiff, anscheinend wegen der ungewohnt tropischen Temperaturen an Bord. Tun sie es nicht gehen sie in sehr langsamen Tempo an Bord spazieren auf der Suche nach anderen Anwesenden. Die Templer erstehen meist gefühlte drei Stunden auf, schleichen noch lahmer umher als besagte Lebende und meucheln, wie in den Vorgängern, die sich niemals wehrenden Opfer. Lediglich einer nimmt den Kampf auf, und das geschieht auf höchst klassische Art mit einem Kreuz als Waffe. Nie war de Ossorio in seinen Templerfilmen der Vampirthematik so nah wie in jener Szene.

Dass sich ausgerechnet ein Wissenschaftler der Esoterik und dem Okkulten widmet, wohingegen stumpfe Geschäftsmänner sich an der durch Wissenschaft zu messenden Realität festhalten, ist schon ein skurriler Verdreher für sich. Dass aber ausgerechnet ein dummes Model-Blödchen den logischsten Monolog des kompletten Film halten darf, erweitert diese Ungewöhnlichkeit um ein weiteres. Andererseits erweisen sich die Frauen auch als taffer als die etwas ängstlichen Männer. Und obwohl dies alles pfiffig verdreht klingt um dem Einheitsbrei anderen Wind in die Segel zu pusten als es die Konkurrenzprodukte taten, so hat man doch den Eindruck, dass dies Billigfilmer Amando de Ossorio wahrscheinlich gar nicht aufgefallen bzw. bewusst war, so stumpf wie er der üblichen Handlungsabfolge treu blieb und so dumm, wie sein kompletter Film daher kommt.

Sein Untalent zeigt sich bereits in einer an den Haaren herbeigezogenen Einleitung der Geschichte, die ihn neben seiner Regietätigkeit zusätzlich als schlechten Autor entlarvt, was sich angekommen auf dem Geisterschiff des weiteren zeigt, wenn de Ossorio teilweise etwas arg penetrant das Szenario des ersten Opfers aus „Die Nacht der reitenden Leichen“ wiederkäuert. Sein mangelndes Können setzt sich weiter fort wenn er mit Unvermögen das Geisterschiff allein schon deshalb nicht stimmig in Szene gesetzt bekommt, weil er gar nicht erst versucht das Teil nicht wie ein in der Badewanne treibendes Miniaturschiff wirken zu lassen (Ed Wood lässt herzlich grüßen), und zeigt sich zudem im fehlenden Gespür dafür, wenn schon nicht das Schiff, dann doch bitte den Nebel als wirksames Gruselelement einzusetzen, etwas das Jahre später John Carpenter zu einem seiner größten Hits mit „The Fog - Nebel des Grauens“ führen sollte.

Jegliches Talent wäre aber ohnehin Perlen vor die Säue, und so tut es gut zu sehen, dass auch niemand mit an Bord war, der ein solches besessen hätte. Die Darsteller sind übel. Sie spielen nicht nur im Klischee badende Figuren, sie sind auch geradezu klischeehaft besetzt, wenn es um die Vorurteile schauspielerischen Könnens in europäischen Billigproduktionen zu dieser Zeit geht. Einzig der Soundtrack weiß mal wieder zu gefallen, aber der ist ja nun auch von den Vorgängern übernommen. Neu variiert wird da nichts - glücklicher Weise. Aber er ist halt kein Element neuen Könnens, das man gegen das restliche Untalent halten könnte.

Aufgrund seiner Unsinnigkeit und dem Unvermögen der kompletten Film-Crew macht es trotzdem unglaublich Spaß dem monotonen Treiben der Templer und der idiotischen Menschen zuzugucken. Die Reihe um die reitenden Leichen war schon immer Trash, der tief in der unfreiwilligen Komik badete, aber so weit unten die Filme in ihrem Niveau auch angesiedelt waren, immer wehte ein kleiner Wind Atmosphäre, Individualität und naiver Charme mit einher. „Das Geisterschiff der reitenden Leichen“ ist als dritter Film der erste Beitrag der Reihe, der einzig auf den Bonus der unfreiwilligen Komik setzt ohne etwas auf der Haben-Seite zu besitzen.

Das lässt ihn, auch aus Trash-Sicht, schwächer gucken als seine Vorgänger, aber wie erwähnt trotzdem lustig genug um dran zu bleiben. Viel länger hätte der dritte Templer-Film jedoch nicht laufen dürfen, weil der monotone Ablauf der Geschichte auf dem dauerhaft knarrendem Schiff (welch putziges naives Gruselelement) bereits bei 85 Minuten anfängt an den Nerven und der Aufmerksamkeit des Zuschauers zu kratzen. Das ging gerade noch mal gut... bzw. schlecht... ach, was auch immer! mittelmäßig

AUCH MARSMENSCHEN HABEN HUNGER (Top Of The Food Chain 1999 John Paizs)


Der Atomphysiker Dr. Karel Lamonte macht Urlaub in einem einsamen, verlassenen Städtchen Amerikas just zu jener Zeit, in welcher immer mehr Einwohner verschwinden. Zusammen mit dem Sheriff und der Hotelbesitzerin Sandy Fawkes deckt er eine geheime Alieninvasion auf...


Auch die Regierung macht manchmal Fehler...

Darf man einer attraktiven Frau trauen, die einem gewöhnlichen Angler im Grünen mit sehr direkten Worten den Beischlaf anbietet? Natürlich nicht, in Horror- und Invasionsfilmchen endet dies immer tödlich, und so ergeht es auch dem Mann, der zunächst dachte seine Frau hätte ihm mit diesem Angebot einer Fremden eine Falle stellen wollen. Falle ja, Ehefrau nein!

Wenn die eigentliche Geschichte beginnt, bekommen wir einen Sendemast gezeigt, eine Huldigung an R.K.O., einer Filmfirma, die uns in der Vergangenheit so einige Horror- und Science Fiction-Filme beschert hat. Es gibt eine Überblende auf eine Kirchturmspitze, ein Verweis auf „Die Rocky Horror Picture Show“, jenem Film, der in den 70er Jahren Alienfilmchen auf seine ganz eigene Art parodierte und nebenbei in Wort, Bild und Musik R.K.O. gedachte.

Die Rocky Horror Picture Show“ war seinerzeit sehr modern, verfolgte einen solch eigenen Stil, dass er sich selbst heute noch unverstaubt schaut. Das sind alles Fakten, die nicht zum Stil von „Auch Marsmenschen haben Hunger“ passen. Also distanziert man sich vom bisher zitierten Streifen und orientiert sich stattdessen auf die Werke der 50er und 60er Jahre, der Zeit der naiven Autokino-Unterhaltung. Eine Zeit, in welcher das Kino andere Werte vermittelte bzw. allgemein für ein ganz anderes Weltbild stand als das US-Kino danach. 

Wie stark man sich in der Invasoren-Parodie von Regisseur Paizs auf die Naivität, auf das Banale stützt, zeigt bereits die Bezeichnung der Aliens, die hier nostalgisch Mondmänner genannt werden. Und um nebenbei die politische Korrektheit heutiger Zeiten mit zu verarschen darf der Anhang „und Mondmädchen“ nicht fehlen, ein zweifacher Arschtritt. Männer und Mädchen, die erste Degradierung der Frau, und die lange Pause zwischen der Bezeichnung Mondmänner und dem weiblichen Anhang gibt diesem wunderbaren Running Gag das Sahnehäubchen.

Parodiert werden Filme aus dem phantastischen Bereich, jene Werke, die uns zwar bizarre Monster und naiven Grusel bescherten, aber gleichzeitig auch den Zuschauer zum braven Bürger erziehen sollten. Auf die Regierung war Verlass, die Wissenschaft arbeitet einzig zum Wohle der Menschheit und dies im Gleichgewicht mit dem rechten Glauben an Gott, dessen Krone der Schöpfung der Mensch ist. Dieser ist jederzeit Herr der Lage dank kühlem Kopf und kühnen Taten.

Dieses veraltete und manipulative Weltbild macht viele Filme von damals unfreiwillig komisch. Was liegt also näher um in einer Genreparodie genau in diesen Elementen zu baden, um freiwillige Komik zu ernten? Das ist eine gute Idee, die mit zu viel Klamauk schnell eine schlechte hätte werden können, wenn die Köpfe hinter diesem in Deutschland etwas falsch benannten Film nicht eine tolle weitere Idee gehabt hätten.

Sollte jemand „Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug“ kennen, hätte man das passendste Beispiel. Nach dem ersten Drittel wird dort die Rolle Leslie Nielsens eingeführt, deren Witz es war jegliches Klischee dort parodierter Filme todernst zu verkörpern. Die Stimme war streng, die Körperhaltung steif, der Mann strahlte keinen Funken Humor aus. Und das war genau der Kniff. Damit wurde die Rolle Nielsens zu einer der lustigsten des Films überhaupt. 

„Auch Marsmenschen haben Hunger“ bedient sich nun dieser Idee, baut sie jedoch nicht bei einer speziellen Figur ein, sondern macht dieses ernsthafte Verarschen von Klischees zum Konzept des kompletten Films. Wir erleben hier den umgedrehten Fall. Ausnahmefiguren, wie die Rolle des Tom Everett Scott, dürfen ab und an sichtlich albern spielen. Der Rest bleibt ernst und beherrscht, so als würde man sich noch immer in den vergangenen Kinotagen befinden, als solche Lichtspielmomente Alltag waren. 

Ein wenig erinnert der Stil an den einige Jahre später erschienenden „Fido“, einer Zombie-Komödie, die auf ebenfalls recht nüchterne Art diese Zeit parodierte. Allerdings orientierte man sich dort mehr an den blinden Glauben der Regierung, die es sicherlich nur gut mit einem meint. „Auch Marsmenschen haben Hunger“ orientiert sich mehr am Invasionsfilm selbst, was ihm aber keinesfalls sein satirisches Potential raubt.

Wenn der pfeiferauchende Wissenschaftler, dessen Berufsbezeichnung Atomphysiker jedes mal in einem Atemzug mit seinem Namen genannt wird, seinen blinden Glauben an die Regierung betont, dann geht das Rezept auf. Nüchterne Sprüche wie „Dann hat sich die Regierung wohl mal ausnahmsweise geirrt“ aus dem Mund eines Gelehrten haben gleich doppelte Wirkung, zumal die Wissenschaft in alten Invasionsfilmchen immer erst nach der Regierung und dem Militär die dritte Geige spielte und nichts wirklich zu melden hatte.

„Top Of The Food Chain“, der passendere Originaltitel des hier besprochenen Films, ist in seiner Art so konsequent und wirkungsvoll zugleich, weil er immer wieder mit sehr grotesken und absurden Ideen arbeitet, die der steifen und bierernsten Art noch mehr Humorpotential gibt als ohnehin schon. Wenn eine homosexuelle Liebesszene angedeutet wird, ein Stadtgeheimnis gelüftet wird, Puppen-Doubel in der Wanne hocken, ein Zahnstocher zum Täter führt und Wäsche falten zum höchsten Liebesbeweis wird, dann macht der ganze Unsinn durch das Konzept der Komik doppelt Spaß.

Versteht man den Humor, was trotz der offensichtlichen Art nicht zwingend sein muss, verzeiht man dem Film auch mangelnde Schauwerte. Die Aliens darf man erst spät sichten, was jedoch auch geradezu typisch für die 50er und 60er Jahre-Filmchen war, die hier parodiert werden. Leider, und das ist der einzige Wermutstropfen dieses wundervollen Streifens, werden die Eindringlinge recht modern umgesetzt. Computereffekte durfte man zuvor nur auf schlichte Art sichten, im Finale darf man die fremde Spezies in ihrer komplett modernen Art bewundern. Hier wären Gummianzug und handgemachte Tricks eines überholten Monsters passender gewesen.

Doch dieses Manko erscheint erst spät, und bis dahin hat der Film entweder das Herz des Zuschauers erobert oder ihn vom Fernsehsessel vertrieben. Denn eins ist Paizs Film sicherlich nicht: ein Werk fürs breite Publikum. Hier werden nur wahre Cineasten glücklich, Freunde alter Invasionsfilmchen, Anhänger der Werke von David Lynch, Freunde grotesken und gleichzeitig albernen Humors, einfach Menschen, die genug von der Massenware aus dem Kino haben und gerne erleben zu wie viel mehr Kino fähig ist in seiner Erzählvielfalt. „Auch die Marsmenschen haben Hunger“ ist schlichtweg ein Liebhaberstück. sehenswert


Weitere Reviews zum Film: 

Freitag, 18. April 2014

DER DÄMON MIT DEN BLUTIGEN HÄNDEN (Blood Of The Vampire 1958 Henry Cass)


Ende des 19. Jahrhunderts: Durch einen manipulierten Gerichtsprozess landet der Arzt Pierre für lebenslänglich in der Haftanstalt von Dr. Callistratus, der mit der unfreiwilligen Hilfe der Häftlinge medizinische Experimente durchführt. Pierre soll ihm aufgrund seiner Erfahrung bei seinen Forschungen zum Thema Bluttransfusion unterstützen...


Das Zuchthaus des Dr. Wahnwitz...

Klassisch, ja geradezu höchst klassisch springt „Der Dämon mit den blutigen Händen“, der im Original „Blood Of The Vampire“ heißt, aber weder Vampire noch Dämonen präsentiert, auf den Erfolg der britischen Hammer-Filme auf, um auch ein Stückchen vom Kuchen zu ergattern. Wie so häufig wenn man im Schatten des Erfolgs anderer mitzieht, wirkt vieles steif und konstruiert, es entwickelt sich keine eigene Handschrift, und das gewisse Etwas fehlt. Doch ohne zu den Großereignissen des Horror-Genres zu werden, weiß Henry Cass‘ Beitrag der Mad Scientist-Thematik auf schlichte Art zu unterhalten und damit zu gefallen.

Sicherlich können die wirksamen Settings und die obligatorischen klassischen Zusatzelemente wie der bucklige, stumme Gehilfe oder das Kellerverlies nicht darüber hinwegtäuschen, dass „Der Dämon mit den blutigen Händen“ eher dialoglastig daher kommt, anstatt den Horror auch auszuleben. Wenn zu Beginn ein Vampir hingerichtet wird, und trotz der nicht gezeigten Details allerhand Blut zu sehen ist, könnte man noch meinen dass hier ordentlich die Post abgehen wird. Aber weder flotte Horrorszenen an der Oberfläche, noch stimmiger Grusel zu atmosphärischen Zwecken, wird auf den Zuschauer losgelassen. Stattdessen erleben wir die eher ruhige Thematik des Dramas einer Gefangenschaft unter der Herrschaft eines Geisteskranken.

Immerhin versucht Cass den Zuschauer ähnlich zu täuschen wie es Callistratus mit seinem Gefangenen tut. Während der seinem unfreiwilligen Gehilfen einreden will das Gerede der Gefangenen über Greueltaten inmitten der Einrichtung sei psychisch krankes Geschwätz, täuscht Cass uns mit den ersten Bildern und der diesen vorangegangem Schriftzug es handele sich um eine Vampirgeschichte. Hierfür ist ihm jedes Mittel recht, und so wird uns Callistratus auch gleich wie ein (eher schlechtes) Bela Lugosi-Double präsentiert.

Dass Callistratus letztendlich nur ein Arzt schwankend zwischen Genie und Wahnsinn ist, könnte vielleicht enttäuschen, bekommt aber dadurch eine gewisse Raffinesse, dass das gesundheitliche Problem des Mad Scientist durchaus mit dem eines Vampirs zu vergleichen ist, ebenso wie die daraus resultierenden Taten. Ob man das ganze nun als Kritik an moderner Medizin sehen soll, oder ob man sich einfach des Vergnügen wegens an diesen Vergleich herangewagt hat, vielleicht auch um etwas außergewöhnliches in der Geschichte präsentieren zu können, was den Film von der Konkurrenz unterscheiden soll, ist dabei schwer zu beurteilen. Theoretisch würde ich auf die zweite Vermutung tippen, aber da hier so vieles nicht wirken will wie gewollt ist es auch durchaus möglich dass hier etwas uneffektiv kritisiert wird, von dem ich nicht wüsste warum man es kritisieren sollte.

Eine solche Spekulation soll für den Unterhaltungswert des Streifens auch vollkommen irrelevant sein. „Der Dämon mit den blutigen Händen“ schreckt nicht vor abscheulichsten Greueltaten zurück, die freilich nur in der Theorie präsentiert werden und weiß zumindest mit einer recht gnadenlose Szene zu schocken, in welcher ein Häftling auf heimtückische Art Opfer der Bluthunde wird. Letztendlich konzentriert sich der Film aber viel zu geschwätzig auf zu ausgedehnte Hintergründe, die erörtert werden müssen, bzw. auf Ausreden, die dem in seiner Logik löchrigen Plot etwas mehr Halt geben sollen. Umgekehrt wird jedoch vernachlässigt entscheidenden Handlungselementen, die für den Verlauf der Geschichte eine wichtige Rolle spielen,  mehr Rahmen zu schenken, um diese im Film intensiver wirken zu lassen.

So fällt ganz besonders unangenehm das Einbringen der Verlobten des zu unrecht Gefangenen im letzten Drittel des Streifens auf, da man urplötzlich vor vollendete Tatsachen gestellt wird, deren leider unterschlagene Weichenstellung im Vorfeld der ganzen Idee mehr Halt und Identifikation geschenkt hätte, und dadurch eine für die Geschichte interessante Bereicherung einer ansonsten zu oberflächlichen vor sich hinplätschernden Handlung hätte werden können. Urplötzlich steht sie da, im Gefängnis, um eine Stelle als Dienstmädchen anzunehmen, um sich selbst davon zu überzeugen ob ihr Verlobter tot sei, so wie es Callistratus behauptete.

In einer dynamischeren Geschichte hätte es dem Stoff gut getan bezüglich dieses Storyelements erst an dieser Stelle einzutauchen. Da „Blood Of The Vampire“ jedoch zu monoton, ewig wiederholend und zu geschwätzig daher kommt und den Zuschauer ohnehin immer mehr vom Rätsel wissen lässt, als den Helden (ohne daraus echte Vorteile zu ziehen), wäre eine enormere Bindung an die Sympathiefiguren des Streifens und deren Handeln ein durchaus lohnenswerter Schachzug gewesen.

Ich muss zugeben, meine Worte lesen sich so hart, dass man meinen könnte „Der Dämon mit den blutigen Händen“ wüsste nicht zu unterhalten. Das tut er jedoch sehr wohl. Dies nicht in einer Dosis wie ich sie mir wünschen würde, aber genug um als sympathischer Durchschnitt durchzugehen. Für ein besseres Ergebnis hätte schon eine andere Charakterzeichnung des gefangenen Pierre sorgen können. Ihn lediglich als betrogenen Idealisten zu kennzeichnen lässt ihn auf den Zuschauer emotional zu distanziert wirken, obwohl seine Gefühle ständig Antrieb sind und ihn nicht gerade selten leiden lassen. Vielleicht hätte der Akteur des Pierre auch einfach nicht so steif spielen sollen. unterhaltsam

Donnerstag, 17. April 2014

DER LORAX (The Lorax 2012 Chris Renaud u.a.)


Ein Junge, der in einer hochmodernen Plastikwelt lebt, möchte einem Mädchen imponieren, indem er ihr einen echten Baum schenkt. Von einem alten Mann außerhalb der Stadt erfährt er, warum es keine echten Bäume mehr gibt...


Nebenrolle:Waldgeist...

Ich kann es nicht verneinen: Das Charakterdesign der Figuren ist etwas arg rundlich und zu friedfertig ausgefallen, Lieder kommen arg poppig daher, und die getroffene Aussage wird dem Zuschauer recht penetrant aufs Auge gedrückt. Das faszinierende an „Der Lorax“ ist jedoch, dass er trotz alledem immer noch die Kurve kriegt. Die Figuren selbst wissen durch ihren Charakter zu gefallen, so dass das äußere Design trotz ähnlicher Umsetzung nicht so bitter daher kommt wie beispielsweise in „Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen“, in welchem vor lauter Liebartigkeit keine Sympathiemöglichkeit für die Figuren möglich war. Der hippe Sound entwickelt sich bei wirklich jedem gesungenen Hit zu einem angenehmen Kinderlied, mit dessem passablem Ergebnis man zu Beginn eines jeden Songs nie gerechnet hätte. Und die wichtige und noble Herzensangelegenheit, welche die Autoren dazu veranlasste die Botschaft des Streifens etwas penetrant aufs Auge zu drücken, verleiht dem Film eine Ehrlichkeit diesbezüglich, die den meisten Trickfilmen mit aufgedrückter sozialer Botschaft sonst üblicher Weise fehlt.

Solch ein Empfinden ist immer subjektiver Natur, dessen bin ich mir bewusst, aber „Der Lorax“ erscheint mir persönlich um einiges besser erzählt als der verlogene „Robots“, der auf zu modern gewollte „Die Rotkäppchenverschwörung“, der zu glattpolierte „Planet 51“ oder der viel zu einfallslose „Hotel Transsilvanien“. „Der Lorax“ basiert auf einem Kinderbuch. Das sollte man vorher wissen, um nicht all zu erstaunt zu sein, dass er nicht, wie sonst Genre-typisch, zu frech ausgefallen ist. Das brave Ergebnis wird sicherlich manch einem vor den Kopf stoßen. Und auch mir fehlt im Gesamtergebnis der letzte Charme, das letzte gewisse Etwas, um ihn auf eine Stufe mit dem ebenfalls auf einem Kinderbuch basierenden „Horton hört ein Hu“ zu hieven. Nett unterhalten wird man mit „Der Lorax“ aber definitiv.

Witzige Figuren wie der Lorax oder die Großmutter lockern das Grundszenario mit seinem ernsten Anliegen auf, ohne aus einer lehrreichen Geschichte mit sozialem Hintergrund eine Gag-Party a la „Shrek“ zu zaubern. So schön der ist, es würde hier nicht passen. Die Plastikstadt ist mit viel Phantasie umgesetzt und setzt an gerechtfertigten Kritikpunkten unserer modernen Wohlstandsgesellschaft an, Punkte die für in einer solchen Gesellschaft aufwachsenden Kinder Selbstverständlichkeiten sind, die für solch junge Gemüter erst einmal als Fehler erkannt werden müssen, weshalb ein Film wie „Der Lorax“ für sie auch ein sehr wichtiges Produkt ist. Und Dank der Erzählung mittels Rückblick, inklusive Pausen, entsteht auch ein Spannungsbogen innerhalb der Geschichte, ein zweigleisiger sogar, will man doch wissen warum es keine Bäume mehr gibt, während es zusätzlich für den Jungen mit jedem Besuch des alten Mannes außerhalb der Stadt schwieriger wird aus dieser zu entkommen.

Die Waldbewohner sind mit einem Augenzwinkern auf arg niedlich getrimmt, die Bäume wirken phantasievoll und sind auf ihrer entfremdeten Art sicherlich so aus dem Kinderbuch übernommen, der Bösewicht erinnert durch seine Größe ein wenig an den Gegenspieler aus dem ersten „Shrek"-Film, weiß aber trotzdem zu gefallen (sehr sogar), und der Lorax kommt überraschend wenig vor und bildet dennoch so eine Art Zentrum für die Geschichte.

Wenn er am Ende des Filmes endlich wieder auftaucht mischen sich Kitsch und auf den Zuschauer übertragbare Gefühle zu einem ungewöhnlichen Mix. Schlussendlich gibt man diesen Gefühlen jedoch gerne nach, da es sich ohnehin um eine versimpelte Kindergeschichte handelt. Also, die Verantwortlichen von „Der Lorax“ machen sicherlich nicht alles richtig, aber ein netter, kleiner Film ist ihnen durchaus geglückt. Zwar ist das Zielpublikum auf Kinder anvisiert, was aber nicht bedeutet, dass Erwachsene, die keine Party a la „Ice Age“ erwarten, nicht auch angenehm unterhalten werden können. unterhaltsam


Mittwoch, 16. April 2014

DIE MUSE (2011 Christian Genzel)


Eine Frau erwacht in einer Zelle in einem Keller irgendeines Hauses. Sie ist von einem Schriftsteller entführt worden, der behauptet er bräuchte sie als Muse zur Fertigstellung seines Meisterwerkes...


Zwei Gefangene...

Mit „Die Muse“ wagte sich Regisseur Christian Genzel nach vier Jahren Kurzfilm-Arbeit an sein erstes Langfilm-Projekt. Mancher Leser mag ihn als Autor von seinem von mir sehr geschätzten Medien-Blog „Wilsons Dachboden“ kennen und aufgrund dieses privaten Hobbys, dem theoretisch jeder nachgehen kann, nun glauben es handle sich, wie bei meinen Besprechungen der Filme des Österreichers Moritz Stieber, um eine Amateurproduktion. Dem ist jedoch nicht so. „Die Muse“, ein deutsch-österreichisches Gemeinschaftsprojekt,  wurde professionell produziert, sicherlich kostengünstig, aber ganz offiziell von der deutschen Filmförderung unterstützt. Und dass er den Amateurfilm-Bereich nicht einmal streift, erkennt man schon in den ersten Szenen, die uns gekonnte Kameraarbeit präsentiert, einen stimmigen Soundtrack und talentierte Mimen.

Dass die Besetzung geglückt ist, ist wichtiger denn je, handelt es sich bei „Die Muse“ doch um ein Kammerspiel. Nur wenige Aufnahmen finden außerhalb eines Kellerraumes statt, und selbst dann wird der Haupt-Cast nur durch eine weitere Sprechrolle ersetzt. Die wenigen Leute, die sonst noch durchs Bild huschen, sind Statisten oder stumme Rollen. Alles steht und fällt auf den ersten Blick mit dem Spiel der Hauptakteure. Thomas Limpinsel fällt im direkten Vergleich in seiner Rolle als psychopathischer Schriftsteller etwas positiver auf als Henriette Müller, das mag aber auch daran liegen, dass sie lange Zeit nur das süße Opfer spielen darf und diesen Eindruck mit ihrer braven Stimme noch sehr zu verstärken weiß. Beide haben langjährige Berufserfahrung, und das sieht man ihrem Spiel auch an.

Ein Thriller ist meist geistlose Kost, gedacht um dem Zuschauer in ein spannendes Szenario zu entführen, in welchem die Psychologie der Spannungserzeugnis meist gekonnter durchdacht ist als die seiner Figuren, Dramatik und Handlung. „Die Muse“ als Kammerspiel-Version seines Genres ist wesentlich anspruchsvoller in seinem Anliegen. Am Minimalismus seiner Geschichte festhaltend interessiert Genzel sich mehr für die versteckten Hintergründe seiner Geschichte, als für den oberflächlichen Thrill. Die Charaktere sind ebenso durchdacht wie einzelne Situationen, das Grundszenario ist absichtlich hintergründig gespiegelt.

Als Beispiel für diese Spiegelung sei nur einmal erwähnt, dass die Frau hinter Gittern unfreiwillig räumlich gefangen ist, geistig aber frei (so sehr ihr Entführer sie auch zu etwas zwingen will), während der Autor theoretisch räumlich frei sein könnte, aufgrund seiner geistigen Gefangenschaft aber freiwillig das erweiterte Gefängnis, den Kellerraum, das Haus, mit seinem Opfer teilt. „Die Muse“ ist in vielerlei Sicht hintergründig, schön dass sie einen vieles selbst entdecken lässt, also Geist vom Zuschauer erwartet, was heutzutage eine Seltenheit ist.

Eben weil Christian Genzel als Autor, Co-Produzent und Regisseur die Glaubwürdigkeit seiner Figuren wichtig ist, kommt es im Mittelteil leider etwas zum Stillstand, so dass ich zunächst dachte die Story sei in einem Kurzfilm vielleicht doch besser aufgehoben gewesen als in einem 90-Minüter. Klar, Genzel versucht das Opfer nicht zu schnell mitspielen zu lassen, und umgekehrt darf der Entführer nicht zu dumm wirken zu schnell auf die Gefangengehaltene hereinzufallen. Genzel spielt bei der Echtheit seiner Figuren diesbezüglich mit offenen Karten. Nie würde ein gesunder Geist der Idee des kranken Künstlers aus wahren Gründen nachgeben.

Letztendlich dreht sich im Mittelteil aber alles zu sehr im Kreis, und gerade den kurzen Abstecher die Gefangene in einen Suchtzustand mit Heroin zu befördern, ist der Grad zu viel in dem ewigen Hin und Her, der scheinbar versucht diese erkannte ewige Wiederholung durch etwas besonderes zu ergänzen. Die Heroin-Idee ist die einzige, die mir im Gesamtfilm nicht schmeckt. Schön dass sie das Werk nicht zu sehr beeinflusst, auch wenn es vielleicht der einzig inkonsequente Bereich ist für die ansonsten glaubwürdige Fortführung der Geschichte.

Dieser kleine Einbruch sei Genzel jedoch verziehen, kommt doch relativ pünktlich zum Beginn der zweiten Filmhälfte wieder mehr Stimmung auf, wenn sich die Frau mit ihrer Situation abzufinden scheint und damit wieder ein gewisser Spannungsbogen im Raum steht. Hat sie etwas spezielles vor? Und was genau könnte dies wenn sein? Nach ewigem Debattieren über das Leiden für die Kunst und dass das Werk über allem steht (intelligent eingebracht, keine Frage, analytisch umgesetzt, sowieso, aber ein Ticken zu oft betont) tut es dem Film gut, dass er die Kurve kriegt und unverkrampft weiter erzählt was im Keller passiert.

Schön an der zweiten Hälfte des Streifens ist der geistige Kampf der Akteure. Mal bekämpft die Gefangene ihren Peiniger passiv mit Schweigen und Nichthandeln, sie ist schließlich die Muse, in anderen Situationen versucht sie am kranken Intellekt und Stolz, eigentlich sogar an der dem Täter nicht bewussten Arroganz anzusetzen. Da die Gefangene als Frau von nebenan jedoch psychologisch nicht überdurchschnittlich bewandert ist, fällt der Schriftsteller auf ihre plumpen Versuche meist nicht herein.

Ein temporeicher Showdown beschert uns noch ein schönes Finale, in welchem nicht nur körperliche Gewalt angewendet wird, sondern auch das geistige Psychoduell hochgeschaukelt wird, bis der Frau die einzig konsequente Lösung einfällt dem Wahnsinnigen keine Befriedigung zu bescheren. Durchaus ein vorhersehbarer Entschluss für alle Zuschauer die den Film verstanden haben, aber eben auch ein konsequenter, der gar nicht anders hätte ausfallen dürfen. Für zwei kleine andere Überraschungen sorgt schließlich noch die letzte Szene, in welche schließlich der Abspann eingeblendet wird.

Was nach dem Gezeigten passieren wird, ist durch eine kleine Sub-Story nicht ganz klar. Somit lässt uns Genzel nicht nur mit den Gedanken allein wie der Überlebende des Spektakels mit dem Passierten fertig wird, er hält auch ein gedankliches Hintertürchen offen, ob denn nun wirklich alles vorbei ist, muss die Finalsituation des Verlierers doch noch lange nicht wie geglaubt das Ende besagter Person bedeuten. Ein im Film angesprochener Termin könnte durchaus dazu führen, dass die Geschichte noch nicht zu Ende erzählt ist. Glücklicher Weise wird sie das (zumindest bislang) nicht mit einer Fortsetzung, denn sich die Möglichkeiten selbst zusammen zu reimen macht als Zuschauer einfach mehr Spaß.

Wie erwähnt ist der komplette Film sehr passend musikalisch untermalt. Die Kameraarbeit ist jedoch noch erwähnenswerter, finden doch auch mit ihr kleine psychologische Spielereien statt, gerade gerne dann, wenn die Zellenwand mittig gehalten wird und beide Protagonisten eine Bildhälfte ausfüllen. Ebenso meine ich beobachtet zu haben, dass bereits in der Raumdekoration mit der hässlichen Couch und dem geschmacklosen Teppich, versucht wird aufzuzeigen, dass der sich für irre geistreich und kultiviert haltende Autor gar nicht so einen tollen Stil und hohen Intellekt zu haben scheint, als er selbst über sich denkt. Wir haben es hier also nicht wirklich mit Genie und Wahnsinn zu tun, auch wenn der Bösewicht des Streifens bis zu gewissen Grenzen durchaus (selbst)reflektiert handelt.

An der technischen Umsetzung mangelt es meiner Meinung nach ab und zu an einer besseren Beleuchtung. Es mag aber auch sein, dass dies mit meinem Computermonitor zusammen hängt, schaue ich Filme üblicher Weise doch nicht über den Computer sondern über meinen Fernseher. „Die Muse“ ist jedoch leider nur im Netz zu sichten, eine TV-Ausstrahlung hat es meines Wissens nie gegeben und eine DVD-Umsetzung unverständlicher Weise ebenso. Da wird in Deutschland mal ein interessanter Stoff intelligent umgesetzt, und dann wird er nicht auf die silbernen Scheiben gepresst. Das finde ich sehr enttäuschend.

Ich würde übertreiben wenn ich behaupten würde „Die Muse“ sei ein Meilenstein seines Genres. Dafür gibt es noch zu viel Lernpotential für Genzel und dafür stört der zu lahm ausgefallene Mittelteil zu sehr. Etwas mehr Thrill hätte es trotz des intellektuellen Kampfes im Fokus ebenso gern geben können. Aber der Film hätte es aufgrund seiner gut durchdachten Geschichte und der Mündigkeit die er seinem Zuschauer zugesteht durchaus verdient mehr beachtet zu werden.

Schön dass Filme in Deutschland nicht nur uninspiriert und Amerika kopierend heruntergekurbelt werden. Manchmal hat man fast den Eindruck es wäre so. Dann kommen Filme wie „Die Muse“, „Delphinsommer“, “Die brennende Schnecke“ und „Raus ins Leben“ daher und zeigen dass mit dem deutschen Film doch nicht aller Tage Abend ist. Die Klasse des deutschen Films, der vor langer Zeit einst als große Kunst seiner Zunft galt, ist halt längst nicht mehr in Lichtspielhäusern zu entdecken, sondern meist nur in Kleinproduktionen und in Produktionen der Öffentlich Rechtlichen TV-Anstalten. Mag "Die Muse" auch noch nicht ganz an das Niveau der Vergleichsfilme heranreichen, so ist er doch zumindest für ein Debut interessant genug ausgefallen, um es wert zu sein vielleicht von WDR oder Arte einmal gesendet zu werden. Zu wünschen wäre es Genzel. interessant


Dienstag, 15. April 2014

DIE HORROR-PARTY (April Fool's Day 1986 Fred Walton)


Studentin Muffy lädt ihre Clique für ein Wochenende auf die Insel ihrer Eltern ein. Sie hat zum ersten April eine Party mit allerhand kleinen Streichen geplant. Allerdings ist auch ein Mörder vor Ort, so dass die Kids der Reihe nach umgebracht werden. Die nächste Fähre zum Festland kommt erst in zwei Tagen, das letzte Boot nahm sich der Sheriff...


April, April...

In der Filmgeschichte kam es immer wieder zu Zufällen, dass zwei Produktionen ziemlich zeitgleich der selben Idee nachgingen. Ob es naheliegende, da die Menschheit aktuell beunruhigende Themen waren wie in den beiden Kometen-Filmen „Deep Impact“ und „Armageddon“, aufgrund moderner Fortschritte Werke wie die Mars-Filme „Red Planet“ und „Mission To Mars“ oder rein zufällige wie die Ameisen-Trickfilme „Antz“ und „Das große Krabbeln“, die Filmgeschichte ist voll von solchen Parallelereignissen. Das Thema zu  „Die Horror-Party“ und „Die Todesparty“ war geradezu zu erwarten, beides Slasher die 1986 erschienen sind und sich nach Vorbildern mit den Daten um „Freitag der 13.“, „Halloween“ und dem Valentinstag in „Blutiger Valentinstag“ den 1. April vornahmen. Dass auf diese Idee unabhängig zwei Teams von Filmschaffenden kamen ist ein netter Zufall, aber eigentlich keine Überraschung.

Während der etwas uninspiriert heruntergedrehte Genre-Mitläufer „Die Todesparty“ das Datum des 1. Aprils nutzt um von einem Tag zu erzählen, an dem einst ein Streich gewaltig schief lief, und der Mörder zu Rachezwecken 5 Jahre später tödliche Aprilscherze vorbereitet, scheint der erste Tag im April in „Die Horror-Party“ nur eine Basis zu sein, um die Gruppe zusammen zu führen, jede Menge Spaß erleben zu lassen und dann die kalte Bedrohung einer ernstzunehmenden Gefahr spüren zu lassen. Darin spiegelt sich eine Variante der von einem Studenten offen geäußerten Situation aller anwesenden Studenten wieder: das Studium neigt sich dem Ende, keiner weiß was er werden will, doch der Ernst des Lebens steht bevor.

Anstatt sich diesem zu stellen, wird noch einmal herzlich herumgeblödelt, was bereits auf der Fähre zu einem blutigen Unglück führt. Von dieser Szene an haben wir nicht nur bereits einen ersten Verdächtigen, der einen für Horrorfilmverhältnisse möglichen Grund hat den jungen Erwachsenen ans Leder zu wollen, auch hier kristallisiert sich erstmals besagte Situation der Kids wieder: die Zeit der geistlosen Streiche ist vorbei, der Ernst des Lebens wartet und lässt sich nicht ignorieren. Mehr noch: wer geistlos Party macht und unüberlegt handelt, provoziert den Ernst des Lebens geradezu herbei, auf eine höchst unangenehme Art.

Damit wird nicht nur eine Botschaft geäußert, die der ab den 80er Jahren nur all zu gern gelebten Spaßgesellschaft den Kampf ansagt, damit zeigt sich auch dass der „Horror-Party“ ein wohl überlegtes Drehbuch zugrunde lag das mehrschichtig arbeitet. Zu meinem Erstaunen war „April Fool‘s Day“ nämlich eine professionelle Produktion, hinter der mehr Talent steckt als im Genre des Slasher-Horrors üblich. Die Schauspieler sind gut gewählt, das Drehbuch ist clever und bietet uns Charaktere anstatt reine Stereotype, und zum überraschenden Ende hin macht alles Sinn, selbst um die Ecke gedachte versteckte Äußerungen und Botschaften, die klar machen, warum es sich zum Erzählen der Geschichte um eine Bande reicher Privilegierter handeln musste.

Der Stammzuschauer des Genres mag beklagen dass die Morde relativ unblutig ausgefallen sind, die FSK 16 muss nicht verwundern. Aber das lässt sich verkraften aufgrund des ansonsten so guten Ergebnisses. Und ein gutes Drehbuch sei Dank gibt es tatsächlich spannende Möglichkeiten wer denn nun der Mörder ist, so dass fleißig mitgeraten werden kann, und fast jeder am Ende des Streifens überrascht sein darf, wenn es zur Enttarnung kommt, werden doch nur die wenigsten aufgrund einer gut ablenkenden Story die finale Wende vorhergesehen haben. Drauf kommen kann man aber sehr wohl. Meiner Meinung nach dürfte der Film aber selbst dann gut funktionieren.

Das schöne an „Die Horror-Party“ ist jedoch nicht nur sein finaler Kniff, dann würde er ja lediglich routiniert darauf hinarbeiten und den Restfilm als Füllzeit betrachten. Die Verantwortlichen des Streifens haben sich mit der seit „Halloween“ ausgelösten Slasher-Welle etwas genauer beschäftigt, um nicht nur gängige Rituale zu zelebrieren, die für dieses Sub-Genre obligatorisch sind, sie spielen geradezu mit den Regeln dieser Filmgattung. Sie lieben es mit den Erwartungen des (Stamm)Zuschauers zu spielen, drehen dafür auch gerne Mal Regeln um, oder verleihen einem Ritual entweder einen anderen Hintergrund oder ein anderes Ergebnis, so dass die Thematik des 1. Aprils nicht nur oberflächlich in der Geschichte selbst zu finden ist, sondern eigentlich auch in der Art, wie mit dem Konsumenten des Streifens umgegangen wird.

Im Buch von „Die Horror-Party“ besitzt halt alles eine Mehrdeutigkeit, einen tieferen Hintergrund, eine pfiffige Idee oder einen Hintergedanken. „April Fool‘s Day“, der 2008 unter dem Titel „April, April - Tote scherzen nicht“ neu verfilmt wurde, erweitert die Chance lediglich auf der Leinwand/dem Bildschirm seine Effekte zu erzielen. Er durchbricht diese Dimension und erreicht den Zuschauer direkt. Sprich: was die Verantwortlichen von „Im Augenblick der Angst“ auf höchst unwirksame Art krampfhaft versuchten zu erreichen, schafft „Die Horror-Party“ auf wesentlich entspanntere Art durch ein geistreiches Drehbuch bereits ein Jahr zuvor viel besser. Mag dem Werk auch der letzte Schliff zur echten Empfehlung fehlen (dafür ist er wahrscheinlich trotzdem zu eng an die Slasher-Regeln gekettet), eine positive Überraschung innerhalb dieser Gattung Film war er definitiv. sehenswert

Montag, 14. April 2014

SPLATTER UNIVERSITY (1984 Richard W. Haines)


Auf einer Universität geht ein Frauen-Killer um. Eine neue Lehrerin meint zu glauben wer hinter den Taten steckt...


Ein Genre für Menschen mit kranken Gedanken...

Erstaunlich wie unglaublich schlecht manche Slasher sein können. Sicherlich, im Zeitalter der Produktionen, die schnell rein zur DVD-Veröffentlichung heruntergekurbelt wurden, ist man einiges gewohnt. Aber dass die Blütezeit des Independent-Films, die 80er Jahre, solchen Mist wie „Splatter University“ hervorgebracht haben, ist schon erschreckend. Aber Filme wie „Ausflug in das Grauen“, „Terror At Tenkiller“, „Graduation Day“ und „Backwoods“ zeigen dem Fan immer wieder, dass auch in den 80er Jahren nicht alles goldig oder zumindest trashig unterhaltsam war.

Nicht dass „Splatter University“ das Zeug dazu gehabt hätte zumindest zur Entstehungszeit zu unterhalten, aber er ist unglaublich schlecht gealtert. Unmotivierte Darsteller, selbst für Teen-Horror-Verhältnisse viel zu alt besetzt, die Mode der 80er Jahre von ihrer schlechtesten Seite präsentiert, ein grässlicher Soundtrack der bereits im Vorspann nervt, und dank des nicht überarbeiteten Bildes der Astro-DVD zudem mit der alten schlechten VHS-Qualität versehen, die einem jeden Spaß rauben würde, wenn der Film Qualitäten besäße diesen entstehen zu lassen. In Kombination mit langweilig heruntergefilmten Kameraaufnahmen macht der Stil des Streifens schon einen unglaublich negativen Eindruck, noch bevor man in die Geschichte eingetaucht ist.

Als hartnäckiger Film-Fan der ich nun einmal bin hat er trotzdem seine Chance bekommen, logisch, aber die lahmarschigen Dialoge schrecken noch mehr ab als die grässlichen Charakterzeichnungen, wobei die Deutschfassung mit den heruntergelesenen Betonungen jedes einzelnen Sprechers schlechter ausgefallen ist als der sympathischere Originalton (dem zur Ergänzung leider kein deutscher Untertitel beschert wurde). In seiner viel zu trocken gehaltenen Atmosphäre ist das einzige was den Streifen ab und zu auflockert ironischer Weise der trockene Humor, der immer über den Dingen schwebt ohne aus „Highschool des Grauens“ (Alternativtitel) eine Horror-Komödie zu machen.

Manche Sprüche sind schon nicht ohne. So lästert eine alte Dame über Horrorfilme, und dass sie deren Zuschauer zu kranken Gedanken verleiten. Nach dem Satz schneidet sie mit der Gartenschere ein Stück Hecke weg, und wohl kein Stammzuschauer des Genres kann verleugnen, dass er diese in diesem Moment nur all zu gerne als Tatwaffe sichten würde. Verdammt! Die Lady hat recht.

Ja, die Sprüche sorgen dafür, dass man zumindest als geduldiger Trash-Fan bei einem sonst so miesen Streifen bis zum Schluss hängen bleibt. Ob da nach dem Film gefragt wird, wenn von einem Mord im Autokino berichtet wird, oder ob eine Bierdose nach der anderen auf einer Leiche im Müllcontainer landet, der trockene Humor weiß meist zu wirken, auch wenn er es schwer hat gegen die restliche Schlechtigkeit des Streifens anzukämpfen.

Entgegen dem was man von der Standard-Ware der 80er Jahre kennt, ist „Splatter University“ nicht aus Teeniesicht erzählt. Den Hauptteil macht die Perspektive einer Lehrerin aus, auch wenn ab und an zu einer Teenie-Clique übergeschwenkt wird. Leider passt das in der Herangehensweise überhaupt nicht parallel zueinander, so dass die verschiedenen Blickwinkel zu bemüht und uneinheitlich wirken. Es greift nicht ineinander. Es wirkt eher wie ein verzweifelter Versuch den Streifen auf Spielfilmlänge zu strecken.

Ohnehin ist Haines Werk, der mit seinem Folgefilm „Class Of Nuke 'em High“ zeigte dass er es definitiv besser kann, aus einer merkwürdigen Perspektive erzählt, versteht man doch nie was Haine eigentlich will, z.B. wenn er den Hauptverdächtigen der Heldin ziemlich schnell für den Zuschauer als unschuldig outet, es Richtung Finale aber nur noch einen Verdächtigen gibt, der ansonsten als Täter in Frage kommt. Dennoch wird sein Outen wie eine große Überraschung präsentiert und der Weg dahin als großes Mörderraten inszeniert. Verstehe da die Verantwortlichen wer will, ich tue es nicht.

Eine Überraschung am Schluss, die gegen Genre-Erwartungen arbeitet, ließ mich zunächst glauben die Story schwanke innerhalb des Finales in eine unverhoffte Richtung. Aber selbst das war nicht der Fall. Der Traditionsbruch des Streifens wurde rein zum vor den Kopf stoßen eingebaut, soll als Grund auch genügen, was soll‘s, trotzdem ist es schade dass aus dieser Provokation nicht mehr herausgeholt wurde.

Andererseits: was erwarte ich so kurz vor Schluss auch von einem Film, der nie aus irgendeiner Möglichkeit etwas herausgeholt hat? Selbst der Täter mordet auf langweilige Art, zieht halt immer sein Messer und sticht dann zu. Meist sehen wir Leichen nur im Ergebnis, ab und an sehen wir die Tat selbst und dann fliesst ein bisschen Blut. Für den Stammgast des Genres Slashers gibt es da nicht wirklich was zu holen. Gäbe es zu viele Beiträge wie „Highschool des Grauens“ würde ich mir das Genre abgewöhnen. Aber meist wissen ja selbst schlechte Varianten des ewig gleichen Themas auf irgendeine Art zu unterhalten. Komplette Nieten, wie den hier vorliegenden Fall, gibt es glücklicher Weise nur all zu selten. schlecht


Weitere Reviews zum Film:

Samstag, 12. April 2014

DIE TODESPARTY (Slaughter High 1986 George Dugdale u.a.)


Fünf Jahre nach Schulabschluss kommen ehemalige Schüler zu einem Klassentreffen im alten, längst verlassenen Schulgebäude zusammen, nichts ahnend, dass ihr ehemaliger Mitschüler Marty das Treffen organisiert hat, der damals aufgrund eines Streiches der Truppe fast bei einem Brand im Chemieraum ums Leben gekommen wäre...


Racheträume eines Wahnsinnigen...

Amerika, Deine Slasher! Das Prinzip ist immer das selbe: ein Mörder lauert meist an einem begrenzten Ort einer Gruppe junger Menschen auf, tötet einen nach dem anderen, und oftmals kristallisiert sich im Laufe der Zeit ein persönlicher Grund heraus. Wie bei manch anderen Beiträgen dieser Art steht der Grund in „Die Todesparty“ von Anfang an fest. Wer da einen nach dem anderen ins Jenseits befördert ist kein Geheimnis. Die obligatorische Gesichtsmaske, in diesem Falle die eines Harlekin, wird nicht zur Tarnung getragen, sondern auf Jason-Art aufgrund eines entstellten Gesichts.

Einfallsreich ist dieses gerade in den 80er Jahren erfolgreiche Sub-Genre des Horrorfilms nicht zu nennen. Selbst die besseren Beiträge haben sich eng an das vorgegebene Muster zu halten, und ein Film wie der hier besprochene erst recht, ein Kandidat vom Fließband, nicht komplett uninteressant ausgefallen, aber viel zu unsinnig umgesetzt, als dass man ihn auch nur für einen kurzen Moment ernst nehmen könnte. Dass er nie langweilig wird, verdankt er unter anderem seiner etwa 20 minütigen Einleitung, in der wir sehen was vor 5 Jahren geschah. Die Restgeschichte wird dementsprechend flott in verbleibenden 60 - 70 Minuten Laufzeit erzählt, genug Zeit zu Beginn des Löwenanteils einen ruhigen Gang einzulegen, zu kurz um auf der Stelle zu treten.

Charaktere braucht niemand erwarten. Schnell findet man sich am Ort des Schicksals zusammen, schnell kommt es zum ersten Toten, und im Gegensatz zu manch anderem Slasher ist vom ersten Toten an der kompletten Resttruppe klar was los ist. Hier wird nicht heimlich gestorben. Von nun an wissen alle, dass Marty zurück ist und dass sie in Lebensgefahr schweben. Dass man von nun an in der Schule gefangen ist, wird versucht zu erklären, ergibt zwar wenig Sinn, aber man benötigt halt einen Grund alle zukünftigen Opfer am Ort festzuhalten. Das kann man an Idiotie aufgrund des Sub-Genres verzeihen, manch anderes jedoch nicht.

Denn nur all zu oft darf man sich als Zuschauer die Frage stellen warum Marty überall zugleich ist, immer alles perfekt nach Plan läuft, und wie er manche Todesart eingefädelt haben will, bei all den Vorbereitungen technischer Art, die dafür hätten stattfinden müssen. Wer das Ende überraschender Art gesehen hat, weiß warum dem so ist. Jegliche Kritik an der innereigenen Logik des Streifens ist damit entschuldigt. Befriedigend ist die Auflösung aber freilich nicht. Ganz im Gegenteil, sie lässt den ohnehin schon belanglosen Film nur noch banaler erscheinen, so dass bis auf die Finaljagd auf die filmeigene (höchst unattraktive) Scream-Queen außerhalb der Gore-Effekte keinerlei Höhepunkte auszumachen sind.

Dass besagte Jagd eine Ausnahme darstellt, hat sie dem musikalischen Klau des Vorbildes der „Freitag der 13.“-Filme zu verdanken. Selten wurde so hemmungslos musikalisch kopiert, selten konnte dies zum Trumpf eines Filmes werden. Der Soundtrack verleiht besagter Jagd eine stimmige Atmosphäre, Spannung kommt zwar auch hier nicht auf, aber erstmals fühlte ich mich im Film für kurze Zeit angekommen, freilich ein Zustand der nach einem positiv überraschenden Ableben der Heldin schnell wieder zu Ende gehen sollte. Von hier an beschreitet „Slaughter High“ (Originaltitel) eigene Wege. Ein kleiner Individualitäts-Bonus ist ihm mit diesem überraschenden Mord und allem was danach kommt sicher, obwohl er ansonsten munter andere Werke kopiert und beim Ideendiebstahl selbst vor Klassikern wie „Carrie“ nicht Halt macht.

Ich habe eine leicht geschnittene DVD-Fassung in mauer VHS-Qualität gesichtet, musste aber feststellen dass an den Gore-Effekten scheinbar nicht gekürzt wurde, zumindest nicht sichtbar. Die Morde gehen recht blutig und einfallsreich vonstatten. Es wäre schade gewesen wenn ausgerechnet sie gefehlt hätten, sind sie doch das einzige das „Jolly Killer“ (Alternativtitel) wenigstens etwas interessant gestaltet. Doch so unoriginell sich der Großteil des Streifens auch guckt, und so idiotisch der Ablauf erzählt ist, auf Seiten Martys aber zumindest durch das Finale entschuldigt, „Slaughter High“ wird zumindest nie langweilig, und hat damit als uninteressanter Beitrag der Slasher-Welle gleichrangigen Fließband-Vertretern seiner Art wenigstens etwas voraus. schlecht

Freitag, 11. April 2014

MITTERNACHTSSPITZEN (Midnight Lace 1960 David Miller)


Die Amerikanerin Kid wird in einem Park im dichten Londoner Nebel mit Nennung ihres Namens von einer unheimlichen, hellen Stimme bedroht, die ihren Tod für Ende des Monats ankündigt. Täglich folgen telefonisch weitere Drohungen...


Venedig so fern...

Mit Doris Day komplett gegen den Strich besetzt, lässt es sich Regisseur David Miller, der seit den 30er Jahren fleißig Filme drehte, nicht nehmen, das erste Drittel des Filmes trotz vorhandener Bedrohung in ein fröhliches Licht zu rücken. Kid ist schnell von einem Streich im Nebel überzeugt und auch nach dem ersten Anruf nur kurzzeitig verstört, so dass ihr frohes Gemüt noch nicht langfristig unter dem Terror des Fremden leidet. Leichte Musik, die aus einer Komödie, dem Stammfach Days, stammen könnte, begleitet sie bei ihren Alltäglichkeiten. Zwar wird ihr Ehealltag fast schon dramatisch einsam dargestellt, aber die Dialoge mit dem Ehemann kommen von beiden Seiten verschmitzt daher, so dass auch hier ein gewisser Hauch Lustigkeit weht.

Schon in dieser Phase bereiten die Verantwortlichen der Geschichte die Tätermotive vor. Verdächtige gibt es so allerhand, manche in kleinen, manche in großen Rollen, manche mit größeren Problemen, manche aus kleinen Gründen zu solchen Taten eventuell fähig. Um auch Kid der möglichen geistigen Verwirrung verdächtig zu machen, fädelt es das Drehbuch ein, dass das Opfer stets alleine ist, wenn der Täter live oder per Telefon zuschlägt. Sehen wir alles nur aus der Perspektive einer Frau, die sich vom Ehemann mehr Beachtung wünscht? Was sehen wir überhaupt von dem was Kid behauptet? Und was davon bildet sie sich durch eine unglückliche Ansammlung von Zufällen davon wieder lediglich ein?

Wir sind Zeugen ihrer Erlebnisse, und doch dürfen wir Zuschauer an ihr zweifeln. Nach dem Vorfall im Park vernehmen wir die auch in der Deutschfassung so unheimlich klingende Stimme nicht mehr. Wenn Kid ans Telefon geht hören wir nur was sie sagt. Das ist schade um die wirklich glücklich gewählte Psycho-Stimme, aber ein toller Kniff um die Rolle Doris Days verdächtiger zu machen. Regisseur Miller geht sogar so weit, den Film in Richtung Finale immer mehr auf diesem Verdacht aufzubauen. Die möglichen Täter werden immer mehr an den Rand gedrängt.

Mit den zwei ins Zentrum rückenden Möglichkeiten, dass der Täter entweder nicht existiert oder Kid ein einsames Opfer ist, dem niemand glauben will, konzentriert sich Miller viel mehr auf die Dramatik seines Stoffes und für einen Thriller relativ wenig auf den Spannungsbogen. Nicht selten lässt er Kid in ihrer Dramatik geradezu hysterisch agieren, je mehr sie sich von allen um sich herum verlassen fühlt. Ihr glaubt ja ohnehin niemand.

Bei all den Fährten die gelegt werden, wird man tatsächlich neugierig auf die Auflösung, die in ihrer Glaubwürdigkeit zwar zu überzeugen weiß, aber ruhig eine Spur spannender hätte umgesetzt werden können, so sehr wie Miller zuvor zur Beachtung der Dramatik diesen Bereich vernachlässigt. John Carpenter sollte in den 70er Jahren zu diesem Thema mit „Das unsichtbare Auge“ die Spannungsschraube einmal ordentlich hochdrehen, der Thriller-Fan wird dort eher fündig. Aufgrund fehlendem Thrills ist „Mitternachtsspitzen“ jedoch keineswegs als misslungener Film zu bezeichnen.

Im Gegenteil! Abgesehen von dem etwas dünn gehaltenen Finale ist „Midnight Lace“ (Originaltitel) ein professionell umgesetztes Psycho-Drama, das es wagt die sonst so adrette Doris Day auch einmal in panischer und frustrierter Hässlichkeit zu zeigen, in der Schluss-Szene mehr noch als im kompletten Film zuvor. Das ist nicht nur ein für Doris Day mutiger Schritt, sondern für die psychologische Wirkung auch ein sehr nachhallender, darf der Zuschauer doch nun trotz abgeschlossener Geschichte ein wenig grübeln wie es künftig mit der einst so pfiffigen Kid wohl weiter gehen wird, so sehr wie sie unter den Geschehnissen gelitten hat. Aus der unbedarften, fast kindlichen Frau, ist eine erfahrene Frau geworden, die nun wie alle Erwachsenen etwas Dramatisches aus ihrem Leben zu erzählen weiß.

Miller versteht es ein Weichen setzendes Drehbuch gekonnt umzusetzen, schafft es uns mit allerhand Möglichkeiten zu verwirren, schafft es hin und wieder Spannungsmomente zu erzeugen, konzentriert sich jedoch überraschender Weise lieber auf die Dramatik des Stoffes, was ich ihm zu danken weiß, und Doris Day sicherlich auch, durfte die doch einmal zeigen, dass sie auch anders kann, auch wenn der Film den Fan ihrer Komödien zunächst liebevoll in die Arme nimmt. sehenswert


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