Freitag, 30. Mai 2014

PACIFIC RIM (2013 Guillermo del Toro)


Soldaten in Riesenrobotern bekämpfen Klonmonster, die geschickt wurden um die Menschheit auszurotten...


Großvieh macht mehr Müll...

Blockbuster - ich stehe ihnen immer kritisch gegenüber in Zeiten in denen nur der Schauwert siegt, billigste Drehbücher als Vorlage dienen und Pathos und Kitsch die Leinwand beherrschen. Zwar gibt es Ausnahmen am Großproduktionenhimmel, wie beispielsweise „The Dark Knight“ und „Kick-Ass“, aber die meisten aufgepuschten Kino-Großereignisse richten sich an die Film-Proleten, Menschen die einzig die schnelle, geile und coole Unterhaltung suchen und jeglicher geistiger Herausforderung aus dem Weg gehen. „Pacific Rim“ ist anders, jedoch nicht auf einem Niveau mit den eben aufgezählten Ausnahme-Titeln. Regisseur Guillermo del Toro hat meiner Meinung etwas ganz anderes geschafft. Er hat ein Werk geschaffen, welches beide Fronten Zuschauer glücklich machen dürfte: das Stammpublikum des Blockbuster-Kinos und das vernachlässigte, welches sich Großproduktionen mit Magie wie einst wünscht.

Die dritte Kategorie Zuschauer, jener Kinogänger, für den es nur geistreiche Kost sein darf, bleibt freilich ausgeschlossen. Der wird hinter der hier verwendeten Geschichte aber auch nie auf die Idee kommen, dass er Zielpublikum sein dürfte. „Pacific Rim“ möchte große Kinder bedienen, Träumer, Freaks, Nerds, Phantasten und Popkorn-Cineasten. Del Toros Film soll 2 Stunden lang durchpowern, und das schafft er meiner Meinung nach ohne dabei all zu oberflächlich zu werden. Tiefgehende Charaktere hat auch „Pacific Rim“ nicht zu verzeichnen, aber sie gehen tief genug um den Zuschauer emotional an sie zu binden. Sie werden zu mehr als durch den Film stolzierende Schönlinge, wie es sie in „Transformers“ zu sichten gibt. Sie gewinnen oberflächlich an Potential, ebenso wie die Geschichte, die nie tief genug geht, es aber weiß Raum für die Phantasie des Zuschauers zu schaffen.

Hier wird nicht nur der bedient, der annimmt was der Film ihm bietet. Der Hintergrund der teilweise gar nicht mal so dümmlichen Geschichte, bietet viel Potential für Sequels, Prequels - oder eben die Phantasie des Zuschauers. Hauptaugenmerk bleiben aber freilich die bombastischen Spezialeffekte, die einen eine alberne Story im Stile vergangener „Godzilla“-Fortsetzungen auf die optisch glaubwürdigere Art servieren. Monster-Nerd-Träume umgesetzt für viele Millionen Dollar, der feuchte Traum eines jeden Freaks. Wer hätte je damit gerechnet, dass solche Storys als Großproduktion umgesetzt würden?

Und was fast noch besser wirkt als die Hai-artigen Monster und die tatsächlich wie Maschinen wirkenden Roboter ist die Animation des Wassers, die man im Griff haben muss, damit die Perfektion auf der einen Seite nicht durch ein solch unterschätztes Element zerstört wird. Das Wasser ist glaubhaft animiert. Die Roboter wirken wie aus dem Wasser entstiegen. Hier haben die Computeranimatoren wirklich hervorragende Arbeit geleistet.

Dass sich „Pacific Rim“ auf über 2 Stunden halten kann, gleicht schon einem Wunder, setzt er doch quasi im Showdown ein und hält sich dort bis zum Schluss auf. Die Dramatik läuft passabel im Hintergrund ab, die obligatorische Liebesgeschichte wird nur angedeutet und noch viel wichtiger: die selbstherrlichen Kriegsreden, die mir viele Filme mit ihrer Propaganda kaputt gemacht haben, werden hier an der kurzen Leine gehalten. „Pacific Rim“ soll Spaß machen und nicht erziehen. Und er setzt auf Werte wie Gemeinsamkeit, ohne dabei zum Kinderfilm zu verkommen - zum Kinderfilm für kleine Kinder zumindest.

In seinem eigentlichen Verlauf orientiert sich „Pacific Rim“ erstaunlich nah an den Vorbildern aus der guten alten Autokino-Monsterfilmezeit Amerikas. Das Militär schlägt die Schlacht, die Wissenschaft steht unter ihnen und ist nur Mittel zum Zweck, und der Held tritt den Monstern mal ordentlich in die Eier, Happy End nie angezweifelt. Das weiß auch ins Heute transferiert zu funktionieren, und so schafft es del Toro trotz übergroßem Budget und einem Dauerfeuerwerk an Spezialeffekten trotzdem eine Art Retrocharme zu entwickeln, etwas um das Werke wie „Sky Captain And The World Of Tomorrow“ viel mehr bemüht waren als der hier besprochene Film, aber etwas das del Toro wesentlich wirkungsvoller zu meistern weiß.

„Pacific Rim“ ist die Art Kopf aus-Action, wie es sie nicht all zu oft gibt. Der Ton stimmt, der Film kaut trotz intensiver Schauwerte nicht alles vor, und die Figuren werden trotz aller Oberflächlichkeit lebendig. Die ebenso banale Geschichte schafft es, dass man sich für sie interessiert, ja sogar in sie einzutauchen weiß, und zur Belohnung gibt es an manchen Ecken und Enden einen Hauch unerwarteten Tiefsinn, der die bescheuerte Geschichte in Ansätzen cleverer macht als es zunächst scheint. Guillermo del Toro hat es damit geschafft den nach Charme und Phantasie lechzenden Popkorn-Fan ebenso zu bedienen, wie den hirnlosen Stammzuschauer im Blockbuster-Kino heutiger Tage. Danke dafür! sehenswert

DEMENTIA 13 (1963 Francis Ford Coppola)


7 Jahre nach dem Ertrinken der jüngsten Schwester treffen sich die Brüder Haloran mit ihrer Mutter auf dem heimischen Schloss um der Verstorbenen zu gedenken. Auch ein Axtmörder schleicht umher...


Der Teich der Puppen...

Inhaltlich kommt Francis Ford Coppolas frühe Regiearbeit unter der Produktion von Billigfilmer Roger Corman recht schlicht daher. Eine recht sorgsam verfolgte Rachethematik wird von der Geschichte eines Axtmörders abgelöst, sichtlich am drei Jahre zuvor entstandenen „Psycho“ orientiert. „Dementia 13“ ist jedoch wesentlich ruppiger erzählt, ist aber trotzdem nicht frei von Wirkung und Charme, wissen doch allein die hübschen Fotografien in Schwarzweiß zu gefallen, und weiß die Schlosslocation, wenn auch viel zu zahm eingesetzt, doch zu wirken, am meisten wohl in jener Szene, in welcher die rachsüchtige Witwe hoch oben vom Turm die Verwandtschaft belauscht.

Ohnehin wissen die Blonden und hell gekleideten Figuren im Kontrast zum düsteren Umfeld hervorragend zu wirken. Da benötigt die Geschichte nur ein winziges Rätsel am Rande und eine morbide Rahmenhandlung und schon weiß ein Horrorfilm auf solch schlichte Art zu wirken. Zu mehr wird es nie, auch wenn der Streifen mit seiner Axtthematik und den drastischen Bildern der Leichen seiner Zeit voraus war. Der nötige Pfiff, um aus „The Haunted And The Hunted“ (Alternativtitel) mehr wachsen zu lassen als sympathisch routinierten Grusel, ist nicht vorhanden, zumal der Zuschauer immer eher unsanft von einem Storyumschwung zum nächsten geschuppst wird, ohne sich dabei wenigstens an eine bestimmte Sympathie-Figur klammern zu können.

Letztendlich guckt sich „Fright Night“ (Alternativtitel) eher wie ein Edgar Wallace-Krimi als wie ein waschechter Vorläufer der Slasher-Welle, in welcher Axtmörder zum Standard werden sollten. Wer klassischen Grusel mag, dessen Wirkung wichtiger findet als das Drehbuch und die innereigene Logik, und wer trotz seines Hauptaugenmerks auf die Wirkung mit lediglich durchschnittlichem Gruselgehalt leben kann, der ist bei „Dementia 13“ im richtigen Film, zumindest in der von mir gesichteten Director‘s Cut-Fassung. Zur herkömmlichen, weiter verbreiteten Originalfassung kann ich nichts sagen.

Wer gerne Mörderraten spielt ist übrigens mit „Dementia 13“ im falschen Film. Ich weiß nicht ob es am aufpolierten DVD-Bild liegt, aber in einer recht frühen Mordsequenz kann man deutlich den Killer erkennen. Ich gehe mal davon aus dass das Filmmaterial einst schlechter war, immerhin endet der Film mit der Aufdeckung des Täters. Da hier aber ohnehin nur routinierter Grusel mit Charme serviert wird, ist das nicht wirklich ernüchternd. Spaß macht das etwas ungeschliffene Stück „Psycho“-Klau trotzdem. Lediglich die deutsche Synchronisation ist in ihrer Stimmauswahl etwas unglücklich ausgefallen. unterhaltsam

Mittwoch, 28. Mai 2014

EIN KÄFER GEHT AUFS GANZE (1971 Rudolf Zehetgruber)


Jimmy Bondy begleitet mit seinem Wunderkäfer Dudu einen Schotten mit seinem neumodischen Luftkissen-Boot in Afrika auf der schwersten Rallye der Welt...


Ein Käfer geht auf die Nerven...

Der erste Teil der deutschen Reihe um das technische Wunderwerk Dudu, einem VW-Käfer, guckt sich ganz schön nervig. Im Erfolg der Herbie-Filme der amerikanischen Disney-Studios, beginnend mit „Ein toller Käfer“, mitschwimmend, erweist sich das Drehbuch um den gelben Käfer als wesentlich weniger witzig als es die der ersten beiden Filme um den weißlackierten Käfer waren. Auch Produktionstechnisch hinkt man dem großen Vorbild hinterher. Zwar gab es auch dort einige Sequenzen in welchen die Taten des Automobils viel zu sehr als von einem kleinen Spielzeugauto gedoubelt zu erkennen waren, „Ein Käfer geht aufs Ganze“ schießt hierbei jedoch den Vogel ab. Sobald der Wagen etwas außergewöhnliches leistet dürfen wir billigste Miniaturmodell-Tricks sehen. Geld war wohl keins vorhanden. Da kommt nicht einmal Retro-Charme auf.

Interessant ist, dass sich die Verantwortlichen des Streifens noch nicht ganz sicher waren ob sie wie im US-Vorbild ein Automobil mit Seele präsentieren wollten oder doch nur einen VW-Käfer, der technisch aufgemotzt wurde. Also entschieden sie sich für einen unausgegorenen Mix aus beidem, der nicht zu überzeugen weiß, da die Idee Dudu weder erklärt noch zu Ende durchdacht wurde. Und sie erlebt ihren peinlichsten Tiefpunkt bei Nahaufnahmen auf die Front des Wagens, bei denen die Scheinwerfer zu vermenschlichten Augen werden. Vielleicht war ich vom Film viel zu schnell enttäuscht um diese Nebensächlichkeit als verspielte Witzigkeit der Filmschaffenden erkennen zu können, ich hatte jedoch eher die Vermutung dass diese Idee des Kitsch-Effekts wegen verwendet wurde, immerhin nervt der Streifen zusätzlich noch mit der Vermenschlichung von Tieren, die häufigste Art von Nerv-Kitsch im Mainstream und leider nach wie vor aktuell.

Dudu selbst wird in seinem ersten Film ziemlich in den Hintergrund gedrängt, wenn auch nicht so arg penetrant wie in seinem fünften und letzten Streifen „Zwei Käfer räumen auf“. Klar, er ist immer dabei, und er kann schwimmen, spinnen, klettern und vieles mehr. Die Geschichte um die Rallye war den Verantwortlichen jedoch wichtiger, allerlei Gimmicks wie das Luftschwebeboot ergänzen den Schauwert Wunderkäfer, und da die Turbulenzen um eine Rallye-Konkurrenz für einen Film auf Spielfilmlänge nicht auszureichen schienen (ganz im Gegensatz zu „Ein toller Käfer“), ergänzte man die Geschichte noch um einen Juwelenraub und um die finanzielle Rettung einer Krankenstation in Afrika.

Der Held Jimmy Bondy ist so aalglatt und auf brave Art fragwürdig, wie es nur in einem Kinderfilm erlaubt ist, und genau darauf kann man „Ein Käfer geht aufs Ganze“ schlussendlich degradieren, auch wenn er damals sicherlich als Familienfilm konzipiert wurde. Kinder werden vielleicht noch etwas Spaß mit dem Wunderkäfer erleben, für Erwachsene schaut sich das peinliche Gehampel, welches Humor und Handlung vorgaukelt, jedoch nur nervig. Den Film bis zum Schluss durchzuhalten ist gar nicht so einfach. Ich habe es nur deswegen geschafft, weil ich mich nach etwa 25 Minuten nebenbei mit etwas anderem beschäftigt habe und den Streifen von da an nur noch mit einem Auge, aber immerhin zwei Ohren, verfolgt habe. schlecht


Sonntag, 25. Mai 2014

TOTENTANZ DER VAMPIRE (The House That Dripped Blood 1971 Peter Duffell)


In einem kleinen Dorf ermittelt Inspektor Holloway von Scotland Yard einen Todesfall und bekommt bei seinen Ermittlungen alle bisherigen Vorfälle geschildert, die sich bislang im Haus des Verstorbenen ereignet haben...


Nur für gute Menschen geeignet...

Wahnvorstellungen, Betrug, Hexen, Psychopathen und Vampire, in Peter Duffells erstem Spielfilm nach diversen Arbeiten an TV-Serien geht es um vieles, was den deutschen Titel „Totentanz der Vampire“ Fehl am Platz wirken lässt, auch wenn er mit Zugpferd Christopher Lee werbetechnisch sicherlich erfolgreich war. Allerdings spielt „Dracula“ diesmal keinen Vampir, stattdessen einen zwielichtigen Vater, und dies auch nur in einer von vier Geschichten, denn „The House That Dripped Blood“ (Originaltitel) gehört zu dem Gebiet des mir verhassten Episodenfilmes, was ich vor der Sichtung leider nicht wusste.

Auch „Totentanz der Vampire“ krankt an den üblichen Makeln von Episodenfilmen, die ich schon an anderer Stelle angesprochen habe, trotzdem gehört er zu den angenehmeren Werken dieser Art, zumal es Duffell schafft hin und wieder einen wahren Hauch Grusel zu versprühen, was bei der Vorhersehbarkeit und dem Abarbeiten klassischer Horror-Klischees sicherlich keine Leichtigkeit war.

Diese Klischees lesen sich recht negativ, gerade sie machen jedoch den Charme des Werkes aus, das sich seiner klassischen Herangehensweise durchaus bewusst ist und ohnehin augenzwinkernd erzählt ist. Filme dieser Art sind selten so verbissen ernst gemeint wie so manche Werke dieses Genres heutiger Zeiten, und doch (oder gerade deswegen?) kann man sie als Konsument ernst nehmen, denn die Verantwortlichen gingen seinerzeit trotz schmunzelnder Distanz mit Respekt mit solchen Filmen um, so dass ihre liebevolle Gestaltung zum Einschalten einlädt.

Freilich sind die Settings neben der schauspielerischen Leistungen von Cushing und Lee wieder das Schmuckstück des Streifens, wie schon so viele britische Horrorfilme zuvor, und man erkennt all die kleinen Mühen, die in all die mal mehr mal weniger interessanten Geschichten hinein investiert wurden. Ganz besonders auf die Charaktere wurde wert gelegt, selbst wenn diese nur je 20 Minuten des Filmes ausmachen. Sicherlich sind sie nicht aus dem Leben gegriffen, es sind offensichtliche Protagonisten einer Horrorgeschichte (gerade der Schauspieler der letzten Geschichte ist zu sehr Parodie, als dass er authentisch wirken könnte), aber das ist durchaus so gewollt.

„Totentanz der Vampire“ macht Spaß - nicht mehr, nicht weniger. Das ist wahrscheinlich das Maximum dessen was ich einem Episoden-Horror abgewinnen kann. Dramatische Stoffe wie „Dead Girl“ wissen dieses Gebiet meiner Meinung nach besser zu füllen, Horror/Grusel benötigt mehr Zeit zur Entfaltung, hat es schwieriger auf so kurze Lauflänge zu wirken, und da bieten Kurzgeschichten zu wenig Chancen konsequent zu sein. Erschauern wird bei Duffells Film keiner mehr, fraglich ob das je so war oder gewollt war, spannend wird es wie erwähnt trotzdem hin und wieder, und das ist schon mehr als beispielsweise der sehr beliebte „Irrgarten des Schreckens“, welcher der selben Filmreihe wie „Totentanz der Vampire“ angehört, je erreicht hat.

Wer seichte Horrorunterhaltung im klassischen Stil mag, deren qualitativ tiefer gehende Themen eher versteckt aufzufinden sind, der kann mit „Totentanz der Vampire“ nicht viel falsch machen. Für Leute wie mich ist er der angenehme Kompromiss zum durchgehenden Horrorfilm, sprich angenehm, aber doch nur Kompromiss. unterhaltsam

DAS BLUTGERICHT DER REITENDEN LEICHEN (La noche de las gaviotas 1975 Amando de Ossorio)


Dr. Stein übernimmt die ärztliche Versorgung in einem kleinen Küstendorf. Die Anwohner haben kein Interesse an seinem Engagement und nachts beobachten der Arzt und seine Frau die Ortsansässigen bei ungewöhnlichen Ritualen am Strand. Erst als einige junge Frauen im Dorf nicht mehr auftauchen mischt sich Neuling Stein ein. Ein fataler Fehler...


Die treuen Diener der reitenden Leichen...

Die lediglich nur schluffenden Leichen aus dem Vorgänger „Das Geisterschiff der reitenden Leichen“ waren nicht sonderlich aufregend. Nun reiten sie wieder, und das ist doch eigentlich das, was der Fan der Reihe sehen will. Aber auch unter den Fans spaltet sich die Meinung, ob die Filme Ossorios reiner Trash sind oder ob man eine gewisse Achtung vor ihnen haben sollte. Doch so sehr der Sound inmitten von Irrsinn auch wieder für ein gewisses Grad Atmosphäre sorgt, und so charmant die übernatürlichen Übeltäter auch ausschauen mögen, ich gehöre zu jenen Freunden der Streifen, die in den Werken lediglich unbeholfenen unfreiwillig komischen Trash erkennen. Ich liebe die Filme und ich schätze die Bemühungen Ossorios, aber der gute Mann war einfach kein guter Geschichtenerzähler, und sein Scheitern amüsiert mich mehr als die wenigen Punkte seines Gelingens.

Ganz anders geht es mir jedoch mit seinem vierten und letzten reitenden Leichen-Projekt. Es ist erstaunlich wie stark sich dieses in seiner Art von den drei Vorgängern unterscheidet, schafft es Ossorio doch, dass man sein Werk tatsächlich ernst nimmt, so langsam wie er die eher banalen Geschehnisse aufbaut und so stimmig wie er einen klassischen Grusler erzählt. Dass die Templer die Auflösung der rätselhaften Ereignisse sind, ist für einen Teil 4 ungewöhnlich. „Das Blutgericht der reitenden Leichen“ hätte als ein Teil 1 dementsprechend auch mehr Potential gehabt anstatt als dritte Fortsetzung. Aber so wie eigentlich jeder Teil der Reihe, so steht auch Nummer 4 für sich allein und sollte auch so betrachtet werden um ihm eine echte Chance zu geben.

Man sollte jedoch ein geduldiger Zuschauer sein, der Kleinigkeiten in Filmen zu schätzen weiß, um am letzten Auftritt von Ossorios Templern seinen Gefallen zu finden. Die Kraft des Filmes liegt in der Ruhe und dem langsamen Voranschreiten der Geschichte. Wahrscheinlich fand ich den Streifen als Teenager deshalb so langweilig. Beim kürzlichen Neusichten ist er für mich zum gelungendsten Teil der Reihe aufgestiegen, wusste ich es doch zu schätzen wie toll Ossorio die Küstenkulisse und das originale, alte Dorf einzufangen wusste, es fast schon wichtiger werden zu lassen als die Protagonisten.

Und ob Zufall oder nicht: es tut der Geschichte gut, dass ein Neuling frei jedem Verständnis für andere Kulturen auf Kirk-Art die Geschehnisse ungefragt an sich reißt, um damit eine Katastrophe herauf zu beschwören. Wer die Vorgänger kennt weiß dass Ossorio damit keine Kritik am Umgang mit anderen Kulturen übt, er wendet diesen Charakter lediglich auf der Grundlage der von ihm entwickelten Geschichte an. Glücklicher Weise geht Kino aber immer wieder über das hinaus was die Beteiligten eines Filmes wollten, und das betrifft auch diesen Punkt des hier besprochenen Werkes.

Dass die Geschichte so löchrig wie die seiner Vorgänger erzählt ist, ist nicht von der Hand zu weisen. Allein das unsinnig wirkende Ritual mit zwei Schritten zurück betrachtet und die Frage warum die Anwohner bei solch einem Schicksal weiterhin im Heimatdorf verweilen, sind Fragen die sich geradezu aufdrängen. Aber die stimmige Inszenierung lässt einen da nicht zu streng sein. „Das Blutgericht der reitenden Leichen“ guckt sich dafür viel zu sehr wie ein klassischer Gruselfilm, diesmal im Ergebnis in einer Variante wie sie vom Regisseur auch gewollt war und diesmal zielstrebiger einem roten Faden folgend. Und das weiß man einfach zu schätzen.

Einzig das zunächst endlose Wiederholen der immergleichen Geschehnisse kann einem ein wenig auf den Wecker gehen, aber auch das hat mir nicht wirklich den Spaß an diesem stimmigen kleinen Stück Horrorfilm vermiest, das freilich noch immer über klassische unfreiwillige reitende Leichen-Komik verfügt, insgesamt aber, und sei es nur durch den Vergleich zu seinen Vorgängern, durch seine stimmige Atmosphäre zu überzeugen weiß. In einer Zeit in welcher andernorts das moderne Terrorkino begann, besann sich Ossorio auf die Kraft des klassischen Gruselfilms. Ob er die Zeichen der Zeit einfach nur verschlafen hat oder absichtlich klassischen Horror als Alternative zur Moderne ablieferte, ist mir nicht bekannt, ist für das überraschend charmante Ergebnis des diesmal nicht nur mit unfreiwilliger Komik punktenden Streifens aber auch egal. Zutrauen würde ich Ossorio beides. unterhaltsam

Samstag, 24. Mai 2014

ZOO (2007 Robinson Devor)


Der Todesfall eines älteren Mannes stößt die Behörden auf eine Farm, auf der Zoophilie betrieben wurde. Zu Wort melden sich Menschen mit dieser Neigung, die sich als Opfer einer Gesellschaft voller Vorurteile sehen...


Prinz Eugen von der Lahn...

Regisseur Robinson Devor bricht absichtlich typische Gesetzmäßigkeiten eines Dokumentarfilms. Er mischt Reales mit Gespieltem, wobei Letzteres immer auf realen Aussagen beruht, und diese Aussagen holte er sich aus Interviews, die bewusst nicht vor der Kamera stattgefunden haben, damit die Menschen mit ihrer sodomistischen Neigung freier sprechen konnten. Zudem wurde vieles nicht an originalen Schauplätzen nachgespielt, was der Authentizität aber sicherlich nur einen kleinen Bruch verleiht.

Wie im amerikanischen Dokumentarfilm typisch spielt jedoch die Hintergrundmusik eine große Rolle, die den Zuschauer so gar nicht sachlich in eine bestimmte Gefühlslage bringen soll, sprich ihn manipulieren soll. Das finde ich an solchen Werken grundsätzlich verkehrt, aber zumindest schafft es der eher beruhigende Sound auch weniger empathische Zuschauer  in eine Lage zu versetzen diesen Menschen aus einer ruhigen Gefühlslage heraus zuzuhören und dabei wirklich nur den Mensch in ihnen zu sehen, der wie jeder andere Opfer und Täter zugleich ist. Jeder Mensch, egal was er getan hat, hat ein Empfinden, seine Gründe und seinen Hintergrund der ihn zu dem machte was er geworden ist. Genau darauf stützt sich „Zoo“, und das ist auch völlig in Ordnung, denn Menschen verstehen lernen bedeutet noch nicht gut zu heißen, was sie tun.

Die Musik kann nichts an meiner Meinung zu dem Thema ändern. Vielleicht will sie das auch gar nicht. Und mein Verständnis der eigenen Sicht der Betroffenen hätten sie auch ohne dieses Stilmittel erhalten. Ich interessiere mich immer sehr für die Wahrnehmung von Leuten jenseits der Norm. Als wahrer Cineast ist das sicherlich auch nichts ungewöhnliches, und TV-Erfolge wie „Dexter“ und „Breaking Bad“ zeigen auf, dass auch das Mainstream-Publikum Gefallen daran findet sich mit gesellschaftlich abnormale Denkweisen auseinander zu setzen.

„Zoo“ kommt mir jedoch eine Spur zu romantisierend daher. Klar, man möchte Täter und Zeugen frei sprechen lassen, eine Position der Verurteilung oder der Verharmlosung nehmen die Filmschaffenden nicht ein. Ihre Interviewpartner, die mal durch Schauspieler ersetzt werden, manches mal aber auch sie selbst sind, idealisieren in den Interviews ihren Zustand aber sehr wohl. Lügen tun sie sicherlich nicht, aber sie verharmlosen meiner Meinung nach, gibt es doch einfach Themengebiete zum Gesamtbild Sodomie, die schlichtweg übergangen werden. Und scheinbar hatte Devor nicht vor bei solchen Lücken nachzubohren. Er hätte seine Interviewpartner auch frei sprechen lassen können und zu einem späteren Zeitpunkt womöglich entlarvende Fragen zu ausgelassenen Themengebieten stellen können. Der Authentizität der Sichtweise eines Betroffenen hätte das nicht geschadet. Es hätte das Thema lediglich erweitert.

Sicherlich wäre es auch interessant gewesen aufgrund der Aussagen Psychiater und Psychologen zu befragen ob ein Krankheitsbild zu erkennen ist und wie ein solch anderer Blick auf die Dinge aufkommen kann. Sicherlich werden auch sie nicht die Frage beantworten können ob wir Tunnelblickdenker sind, die dringend ihre Realität von Recht und Unrecht benötigen, um uns in der Welt zurecht zu finden, oder ob das auf uns anstößig wirkende Verhalten das Naturrecht von Freidenkern ist.

„Zoo“ konzentriert sich jedoch einzig auf den Empathie erzeugenden Blickwinkel für Sodomie-betreibende Menschen, die immer wieder betonen wie lieb sie ihre Tiere haben. Der Sex wäre nur ein winziger Teil des Gesamtbildes, heißt es einmal kurz im Film. Und die eher selten aufkommende Gegenstimme, die nicht gut heißt was diese Menschen treiben, bekommt im Laufe der Zeit immer mehr Verständnis für diese Menschen, eben so wie es vielleicht auch dem Zuschauer gehen kann: verstehen lernen ohne gut zu heißen, in der Ausnahme vielleicht sogar mehr. Das macht „Zoo“ durchaus interessant, aber auch zu einseitig. Allein deswegen ist es schon gut, dass er eine relativ kurze Laufzeit besitzt. Besser wäre „Zoo“ bereits ausgefallen, wenn er sich nicht absichtlich den Dokumentarfilm-Regeln widersetzt hätte. Er hätte auch auf klassische Art Empathie für Randgäner der Gesellschaft erzeugen können. interessant

Donnerstag, 22. Mai 2014

UNZERTRENNLICH - INSEPARABLE (Inseparable 2011 Dayyan Eng)


Li will sich gerade in seiner Wohnung erhängen, da klopft Nachbar Chuck an seiner Tür. Aus der zufälligen Bekanntschaft wird eine Freundschaft, in welcher der extrovertierte Chuck Li dazu bringt aus sich heraus zu kommen...


Schädigende Einbildungen die Hilfe vortäuschen...

Das deutsche Cover zu „Unzertrennlich“ suggeriert einen Superhelden-Film, genauer gesagt eine Parodie im Stile von „Super“ und „Kick-Ass“, und wie das im Internet so ist plappern das viele nach. Mit einem solch fehlerhaften Vorwissen geht man jedoch völlig falsch an den Film heran, der eigentlich eine Tragikomödie ist, in welcher die relativ kurz aufblitzende Superhelden-Thematik nur ein Teilbereich dessen ist, auf welche Art Chuck es schafft Li zu größeren Taten zu animieren. Der gute Li hat immer alles in sich hinein gefressen. Nun teilt er aus.

Man muss nicht Einstein sein, um auf den nach etwa 30 Minuten auftauchenden ersten Storyumschwung von alleine zuvor zu kommen. Ein Mann fraß immer alles in sich hinein, hat am Tage seines Suizidversuches eine Begegnung mit jemand Fremdes, der ihm von nun an hilft Selbstbewusstsein aufzubauen, jemanden der wunderliche Dinge auf einem Hochhausdach treibt, nicht in der Wohnung wohnt von der er es behauptet hat und nie von wem Drittes Reaktionen auf sich zieht. „The Sixth Sense“ ist mit dieser Täuschung psychologisch wesentlich pfiffiger vorgegangen (wenn man zuvor weder Trailer noch die Begabung des Jungen kannte), bei „Unzertrennlich“ verrät selbst der auf dem DVD-Cover gedruckte Slogan die erste „Überraschung“: „Halb Superheld, halb Psychopath“.

Kommt nach 30 - 45 Minuten als die Wahrheit heraus, ist das nur für Denkverweigerer eine Überraschung, interessant ist der Film trotzdem, zumal er zur zweiten Hälfte hin ja auch die Aufdeckung dieser Täuschung benötigt um nun seine eigentliche Thematik, die eines zutiefst depressiven Charakters, vertiefen zu können. Nicht alles was uns gut tut ist gut für uns. Und nicht jede Form angeblicher Heilung heilt wirklich. „Unzertrennlich“ schafft was der im Ansatz interessante „Defendor“ leider nicht schaffte: er zeigt uns die Dramatik eines psychisch kranken Menschen und wie tief die seelischen Wunden gehen, wenn man seine Krankheit ignoriert.

Auch „Unzertrennlich“ ist ein Wackelkandidat. So ganz kann er nie überzeugen, allein schon weil die von Kevin Spacey so erfrischend gespielte Figur des Chuck nicht gut genug herausgearbeitet wurde. Regisseur Dayyan Eng scheint nie ganz zu wissen was er eigentlich will. Die Geschichte wird nie konsequent genug, arbeitet sich sogar Richtung kitschiges Happy End vor, was eventuell kulturell bedingt sein kann. Trotz des amerikanischen Zugpferdes Spacey ist „Inseparable“ (Originaltitel) ein chinesischer Film, in China spielend, mit Chinesen besetzt und dementsprechend auch trotz Orientierung an amerikanischen Werken in chinesische Mentalität getaucht. Das Happy End zeigt jedoch, dass die Ernsthaftigkeit der Thematik nicht komplett erkannt wurde, auch wenn es Hintertürchen gibt, die zeigen dass der Schluss nicht völlig optimistisch ausfällt.

Trotzdem weiß Engs Werk auf seine Laufzeit gesehen zu unterhalten und etwas halbwegs ungewöhnliches zu erzählen. Meist stimmt der Ton des Streifens, nur selten erhält die Erzählung atmosphärische Sprünge, dann jedoch wirklich störend, so dass man sich wieder in die Geschichte hineinorientieren muss. Nicht weil sie anders verliefe als gedacht, sondern weil die gerade angenommenen Charaktere wieder zu Theorie werden, zu Figuren in einem Film, und dann dauert es einfach bis man wieder eintauchen kann. „Unzertrennlich“ hat somit seine Schönheitsfehler, unterhaltsam ist er aber allemal, und clever, wenn auch nicht ganz so gewitzt wie von seinen Erschaffern gedacht, ist er auch. „Inseparable“ ist nur eines nicht: ein Film mit Superhelden-Thematik im Zentrum. unterhaltsam


Sonntag, 18. Mai 2014

RABID (1977 David Cronenberg)


Nach einem Motorradunfall wird Rose operiert. Der Dringlichkeit wegen wird bei ihr ein unerforschtes Verfahren angewendet, welches sie zum Wirt einer ansteckenden, Tollwut-ähnlichen Krankheit werden lässt, die sich zur Epidemie ausweitet...


Hübscher Erreger...

Vier Jahre nach Romeros Seuchenspektakel „Crazies“ versuchte sich David Cronenberg mit seinem Folgefilm zu „Parasiten-Mörder“ an einer ähnlichen Thematik, konzentriert sich im Gegensatz zu seinem Regiekollegen jedoch mehr auf den Weg der zur Epidemie führt, um erst im letzten Drittel von einem offiziell erklärten Ausnahmezustand zu handeln, anstatt vordergründig in der Epidemie zu baden. Im Vergleich ist Cronenberg auch der bessere Film gelungen, auch wenn die Art der Übertragung den Trash-Bereich streift. Dank einer ernsten Umsetzung und einem ehrlichen Interesse Cronenbergs an diesem Thema verkommt „Rabid“ jedoch nie zum Witz und weiß die Bedrohung für den Zuschauer spürbar zu machen.

Hatte Cronenberg mit „Parasiten-Mörder“ einen etwas phantastischeren Auslöser parat und beschränkte er das Szenario damals noch in einem übersichtlichen Raum, so sind die Geschehnisse von „Rabid“ ausgeweiteter, weswegen es wichtig ist nah an den Figuren zu arbeiten, damit der Zuschauer den Überblick behält. Zwar vernachlässigt es der Regisseur, der anbei auch Autor der Geschichte war, den Zuschauer an die Hand zu nehmen, wenn es um Roses ungewöhnliche neue Fähigkeiten geht, das weiß auf der anderen Seite aber auch zu wirken, da man damit zunächst im ungewissen Zustand zurückgelassen wird und die Geschichte im weiteren Verlauf Licht ins Dunkel bringen wird. In letzter Konsequenz wird auf die in Rose stattgefundene Mutation jedoch nicht zufriedenstellend eingegangen. Letztendlich hat man einfach zu akzeptieren, dass Rose ist, was sie geworden ist und man soll nun teil haben an den Geschehnissen, die sie ausgelöst hat und auch weiterhin auslöst.

Frank Moore, die männliche Hauptrolle, erinnert äußerlich stark an den jungen Christopher Walken, mit dem Cronenberg Jahre später die Stephen King-Adaption „Dead Zone“ drehen sollte. Interessanter Weise ist der Charakter Karl den er spielt zwar als Hauptfigur konzipiert, sein Handeln dümpelt dennoch nur am Rand der wahren Geschehnisse umher, und Provokant Cronenberg sei Dank weiß er nicht wirklich etwas am Ergebnis der Geschichte auszumachen. Er ist lediglich der Stützpfeiler der tragischen Ereignisse im Finale. Sein Versagen sorgt schließlich für das Ende der Geschichte. Würden seine Pläne greifen, wären die Ausmaße nur schwer einzuschätzen gewesen. Letztendlich verdreht Cronenberg damit die klassische Funktion des Helden.

Trotz Cronenbergs Ausrutscher in den Pulp-Bereich und seiner zu reißerischen Gore-Effekte, erschuf der Mann einen Streifen, der nicht emotionslos an einem vorüber geht. Wenn ein Infizierter auf der Motorhaube Karls erschossen wird, der Wagen danach desinfiziert und der Fahrer zum weiterfahren aufgefordert wird, sind das kaltblütige Bilder einer Gesellschaft die nicht all zu ethisch handeln darf, wenn sie überleben will. Karls Mimik zeigt Schockwirkung des gerade Passierten, aber auch eine reduzierte Form dessen, die den mittlerweile eingekehrten Alltag dieses Ausnahmezustands kennzeichnet. Die beste Szene dieser Art findet sich ganz am Schluss vor der Einblendung des Abpanns und provoziert die Frage nach dem Wert eines Menschenlebens und wovon dieser abhängen könnte.

Cronenberg erzählt eine gewagte Geschichte, gibt ihr durch die Vielschichtigkeit des Erzählten mehr Möglichkeiten als „Crazies“, und das obwohl er sich viel Zeit lässt die Situation entstehen zu lassen. Selbst zur Hochzeit der Epidemie sind die meisten eingefangenen Situationen ruhig gehalten. Die Straßen sind leer, Rose sucht sich Kontakte zu einzelnen Menschen, nur selten werden Massenszenen wie jene gezeigt, in welcher eine Infizierte in der U-Bahn über einen Menschen herfällt. Cronenberg hat ein Verständnis für die Geschichte die er erzählen will und weiß deshalb wann er in die Vollen greifen muss und wann Ruhe über der bedrohlichen Geschichte schweben muss. Der Zuschauer dankt es ihm, auch wenn „Der Überfall der teuflischen Bestien“ (Alternativtitel) noch nicht die Professionalität eines „Scanners“ oder „Die Fliege“ besitzt. Mit seinem Folgefilm „Die Brut“ kommt er diesem Niveau bereits eine Spur näher. sehenswert


Weitere Reviews zum Film:

Samstag, 17. Mai 2014

KILLER-ALIEN (Breeders 1986 Tim Kincaid)


In New York werden Jungfrauen von einem glibberigen Alien überfallen. Ein Polizist und eine Ärztin kommen dem Geheimnis auf die Spur...


New York - Die Stadt der Jungfrauen...

Ein Mann in einem Alienanzug, der ein wenig an das klassische Kostüm von „Die Fliege“ erinnert, nackte Frauenkörper in unsinnigsten Situationen, Sporen, Mutationen, Glibber, Blut, Gewalt und ein ominöses Nest im pulsierenden Licht wie von einer anderen Welt, dem ganzen einer Poolparty ähnelnd auf welcher sich fremdgesteuerte Weibchen mit Sperma-artiger Substanz einreiben - hier kommt einiges an trashigem Schwachsinn zusammen. „Killer-Alien“ wurde in 10 Tagen herunter gedreht, bietet völlig talentfreie Mimen in völlig unpassenden Rollen, die durch eine Handlung stampfen, die keine ist, sich ständig widerspricht und überhaupt lediglich unsinnig zu nennen ist.

Man sollte meinen eine solche Rezeptur ist das Trash-Fest des Schund-Fans, aber so wirklich zünden will das nur in der ersten Hälfte. In der zweiten fehlt es „Nemesis - Die Brut des Grauens“ (Alternativtitel) zu sehr an Tempo. Die Hauptfiguren reden bloß, während außerhalb ihrer Szenen viel passiert. Motivationslos arbeitet sich die Story krampfhaft, weil sie es muss, zu einem Finale. Scheinbar hätte man am liebsten zusammenhanglos perverse und pulpige Ideen aneinander gereiht. Zu dumm dass selbst das Publikum solcher Stoffe eine Art roten Faden erwartet, also wurde alles irgendwie zu einem Ganzen zusammengeschustert.

Schade dass dem ganzen die richtige Atmosphäre und das nötige Tempo fehlt, denn an sich könnte „Breeders“ (Originaltitel) das Ideal eines blödsinnigen Horror-Science Fiction-Werkes sein, wie es anderenorts aufgrund seiner Klischees all zu gerne parodiert wird. Wenn Werke wie „Bowfingers große Nummer“ tief in die Klischee- und Stereotype-Kiste greifen, treffen sie damit genau die Handlung, Stimmung und die Produktionsumstände von „Killer-Alien“, auch wenn sie eigentlich Filme der 50er und 60er Jahre aufs Korn nehmen wollen.

Tim Kincaids Werk tropft und trieft nur so von reißerischen Standard-Sätzen die zum Pflichtprogramm von zu parodierendem Trash gehören, zeichnet seine „Charaktere“ genau so wie man es jedem Filmschaffenden abraten würde, eben weil sie genau jener Schlechtigkeit entsprechen, für die man vergangene Werke (auch zur Erscheinungszeit des hier besprochenen Streifens) verurteilt.

Netter Weise bietet „Killer-Alien“ auch ganz eigenständige Idiotien. Wohl dem Mangel an Darstellern geschult entpuppt sich eigentlich jede Frau des Streifens als Jungfrau. Dabei handelt es sich keineswegs um eine Teen-Story, die auf einer Nonnenschule spielt. „Breeders“ spielt mitten in New York, handelt von erwachsenen Menschen die beruflich mitten im Leben stehen, und die mit den Augen der 80er Jahre wahrscheinlich sogar großteils attraktiv gewesen sind. Charakterlich keinesfalls übertrieben bieder dargestellt, kommt so nach und nach heraus, dass sich so ziemlich jede für den Richtigen oder für die Hochzeitsnacht aufhebt, was sich allein durch die Freizügigkeit mit welcher die Damen sich früher oder später allesamt nackt vor der Kamera räkeln, unglaubwürdig schaut. Im Gegenzug dazu entpuppt sich fast jeder Mann früher oder später als Alien, weswegen der obligatorische Schluss-Gag, wie ihn jeder zweite Stangenhorror bietet, um so unsinniger wirkt, ja geradezu deplaziert ist.

Vielleicht hätte ich „Killer-Alien“ besser zu ein paar Mann schauen sollen und nicht alleine vormittags am Wochenende gelangweilt zu Hause sitzend. Denn die Trashzutaten sind unglaublich, geradezu in Reinform vorhanden, so als hätte man nie kritische Worte zu den verwendeten Klischees vernommen oder für voll genommen. Allein deswegen ist „Breeders“ theoretisch eine Schenkelklopfer-Garantie. Und die handgemachten Effekte wissen zu gefallen, besitzen einen gewissen Charme und pendeln immer wieder zwischen ekelig und belustigend hin und her.

Trotzdem hat mich der Film im Laufe seiner unter 80minütigen Laufzeit ein wenig gelangweilt, und das obwohl ich bis zum Schluss über das steife, talentfreie Spiel der Darstellerin der Ärztin schmunzeln konnte. Diese Frau ist so offensichtlich im Bett gecastet worden, dass es eine Freude ist ihr bei ihrem Textaufsagen zuzuhören. Man hat nicht einmal den Eindruck, dass man von einem bemühten Spiel ihrerseits sprechen könnte. Sie versucht gar nicht erst zu agieren. Scheinbar wollte sie einfach nur in einem Film dabei sein und wusste selber nicht warum. Man ist halt wer, wenn man im TV zu sehen ist oder wenn man eine Hauptrolle in einem Film ergattert, egal wie schlecht dieser ausfällt, oder? mittelmäßig


Weitere Reviews zum Film:

Sonntag, 11. Mai 2014

DER TODESSCHREI (The Shout 1978 Jerzy Skolimowski)


Ein Hungernder lädt sich bei einem Musiker selbst zum Essen ein und erzählt von seinem Leben in Australien, und dass er von einem Magier dort einen Todesschrei gelernt hätte, der alle Lebewesen bei seinem Klang umbringt. Der Musiker glaubt dem Mann kein Wort, will den Schrei aber unbedingt einmal hören...


Zum Schreien unkomisch...

Ernst erzählt der Pole Jerzy Skolimowski in seinem britischen Film „Der Todesschrei“ die Geschichte um einen mörderischen Ton, eine Geschichte wie sie wohl heutzutage nur noch Platz in einem Trash-Film finden würde. Geradezu respektvoll geht er mit diesem Thema um, taucht es in einen mystischen Hintergrund, erzählt das phantastische Geschehen dramatisch orientiert und präsentiert den Streifen, passend zur Stimmung des Filmes, in tristen, trostlosen Bildern. Hierfür kommt ihm die typische Bildqualität der 70er Jahre ebenso zu Gute, wie die in Europa noch übliche Art natürlicher Darstellung von Personen und Situationen. Nichts ist wirklich Kino-orientiert, außer vielleicht der Aufhänger um den Todesschrei. Alles andere wirkt erstaunlich normal inmitten einer an sich ominösen Geschichte.

Normal trifft es vielleicht doch nicht so ganz, gerade bezogen auf die Mehrdeutigkeit des Streifens, der stets damit spielt frei von Wertung Normales und Unnormales zu vergleichen, die Grenzen verschwimmen zu lassen und sich jeglicher Erklärung zu entziehen, spätestens durch den Gesichtspunkt dass die Geschichte von einem vermeintlich Geisteskranken erzählt wird, der zudem noch zuvor betont er variiere die Erzählung gerne wie es ihm gerade passt. Damit kann man „The Shout“ aus verschiedenen Perspektiven sehen, was ihm, neben seiner technisch hervorragenden Seiten, zu einem anspruchsvollen Kunstfilm werden lässt, in einem Stil wie er nur in den 70er Jahren entstehen konnte.

Und mag das auch alles noch so reizvoll klingen und sehr gut von den Akteuren (u.a. John Hurt und Tim Curry) gespielt sein: wirklich gefallen hat mir „Der Todesschrei“ nicht. Mag sein, dass ich tatsächlich einen gewissen Grad Trash benötige, liebe ich doch eigentlich die skurrilen Werke der 70er Jahre, und mögen es noch so unbeholfene Filme wie z.B. „The Destructor“ sein, der mich trotz seines mittelmäßigen Ergebnisses in seiner Art schon sehr fasziniert hat. Gut gefiel mir auch „Der Kuss der Tarantel“ und „Invasion der Bienenmädchen“. Auch „California Axe Massacre“ zählt zu den Filmen dieser Zeit, mit denen die Masse schon immer nichts anfangen konnte, ich aber sehr wohl. Doch „Der Todesschrei“ gefällt mir nur in seiner Theorie, und ich kann nicht genau sagen woran das liegt.

Dass er sehr nüchtern erzählt ist, ist eigentlich eine Zutat die ich an solchen Werken mag. Ich finde es interessant wie er das gnadenlos Ehrliche dem Verlogenen gegenüber stellt und damit Gut und Böse verdreht und vermischt, oder zumindest auf den Prüfstand stellt. Ich mag das Spiel und die offene Art im Umgang mit verschiedenen Mentalitäten, mit Nacktheit und mit Ehrlichkeit. Ich mag die Vielschichtigkeit die für das Kino aus der Streitgesellschaft herauszuholen war und erst durch das politisch Korrekte für den geistvollen Filmfreund gebremst wurde. Hier gibt es noch Individuen und Handlungsweisen- und gründe die ohne Wertung gelebt werden. Von allem was Filme bis tief in die 80er Jahre hinein so lebendig werden ließ, weiß auch „Der Todesschrei“ zu zehren. Und doch: er schaut sich mir zu theoretisch.

Freunde ungewöhnlicher Filmstoffe sollten ruhig ein Auge riskieren. Wer gerade die Kunstform Film ins Zentrum seiner Aufmerksamkeit beim Sichten rückt, wird fasziniert sein, im Gegensatz zu mir „The Shout“ auch richtig gut finden. Aber so sehr sich Skolimowski auch bemüht seine Geschichte rätselhaft und leicht hypnotisch wirken zu lassen und den Zuschauer auf die Suche nach Wahrheit zu schicken, er ist mit seinem Ergebnis weit von Meisterwerken wie „Picknick am Valentinstag“ entfernt. Wirklich anstecken wollen Faszination und Atmosphäre nicht. Zumindest nicht bei mir! Denn mir ist in solchen Werken auch immer der Unterhaltungswert wichtig, und der kommt mir hier zu kurz. mittelmäßig

Samstag, 10. Mai 2014

12 UHR MITTAGS (High Noon 1952 Fred Zinnemann)


Sheriff Kane heiratet und will die Stadt verlassen, da kehrt die Nachricht ein, dass der begnadigte Frank Miller mit dem Mittagszug ankommt, um sich an Kane, der an seiner Verhaftung schuld war, zu rächen. Gegen den Ratschlag seiner Freunde zu fliehen bleibt er in der Stadt um sich Miller zu stellen. Aber er findet niemanden, der ihm dabei hilfreich zur Seite steht. Selbst seine frisch Angetraute zeigt ihm die kalte Schulter...


Showdown um High Noon...

Kino kann großartiges leisten. „12 Uhr mittags“ aus dem Jahr 1952 ist ein Beispiel dafür, ist er doch perfekt durchkomponiert, zielgerichtet auf den Showdown hinarbeitend, nie daran zweifeln lassend dass es mittags zur prophezeiten Auseinandersetzung kommen wird, und auf dem Weg dorthin perfekt mit dem Dramatikaspekt im Vordergrund arbeitend, um sich gegen Ende in einen Thriller zu verwandeln. Sicher, für einen Western ist Fred Zinnemanns ausgezeichnetes Meisterwerk etwas brav ausgefallen, zumindest vordergründig, wenn man wilde Schießereien, Verfolgungsjagden auf Pferden, Banküberfälle und all die anderen actionorientierten Klischees des Genres erwartet. Hintergründig ist „High Noon“ (Originaltitel) jedoch kein bisschen brav, und mutig ist er durch die modern gezeichnete Hauptfigur noch zudem.

Kane ist ein Mann der Prinzipien, ein Mann der sein Wort hält, für Ehre und Anstand steht. Das ist klassischster Western mit klarer Gut- und Böse-Trennung. Aber seine Einstellungen sind modern, für die Zeit des Wilden Westens ebenso wie cineastisch gesehen für die 50er Jahre. Eine Mexikanerin ist seine Ex-Geliebte, Tiere rettet er vor dem Feuertod (wenn auch für einen Trick nutzend), und er geht nicht nur nicht in die Kirche, auch die Ehe wurde nicht kirchlich getraut. Nicht dass es der Film noch mehr nötig gehabt hätte, aber auch an anderer Stelle gibt er sich modern, so z.B. in der Figurenzeichnung der Frauen, wenn diesbezüglich in seinem extremsten Punkt auch erst zum Ende hin.

Lediglich am zu seiner Zeit obligatorischen Happy End hält man fest, und da man dies von Anfang an weiß, raubt das dem Streifen ein wenig von seinem Spannungspotential, tatsächlich jedoch wirklich nur ein wenig, denn der Weg ist das Ziel, und je dramatischer die Hoffnungslosigkeit im Löwenanteil der Geschichte, desto spannender der Showdown, das Ende kennend oder nicht. Ein wenig musste sich halt auch ein rebellischer „12 Uhr mittags“ an vorgegebene Erzählmuster halten, sonst wäre eine Aufführung vielleicht als zu riskant anerkannt worden und wir würden ihn heute nicht kennen. Es guckt sich für unsere Zeit harmlos, aber „12 Uhr mittags“ ist ein Film aus den biederen, braven USA, und da war es zu dieser Zeit nicht üblich Kritik am System, an der Regierung und an der Justiz zu üben. Und Zinnemanns Film lässt diesen Tabubruch zur Grundlage seines Streifens werden - im Zentrum ein Gesetzesmann, dem seine Arbeit auf passive Art nicht gedankt wird.

Ein Mörder wird begnadigt, der Mann der ihn hinter Gittern brachte wird erst kurz vor der Ankunft des Rächers über diese Entscheidung informiert, und das Dorf, das immer wieder betont wie dankbar es dem Sheriff ist, zeigt diesen Dank nicht in der größten Stunde seiner Not. Diesen Aspekt arbeitet „High Noon“ besonders geglückt heraus, übt durchaus Kritik am feigen Verhalten der Bürger, fein analysiert und auf verschiedene Weise demonstriert, er zeigt aber auch das Dilemma der Hilflosigkeit auf, in dem sich mancher Verweigerer befindet, zeigt also dass dieser dramatische Aspekt zwei Seiten der Medaille hat. Wenn die einzig Hilfsbereiten ein halbstarker 14jähriger und ein von Schuldgefühlen geplagter, einäugiger Säufer ist, dann kommt der Film besonders bitter daher, zumal Kane ein sehr sozialer Mensch ist. Jugendliche für den guten Zweck opfern käme für ihn nie in Frage, so verzweifelt die Lage auch ist. Und den Betrunkenen lässt er im Glauben, dass er ihm bescheid gäbe, wenn die Auseinandersetzung beginnt, um ihm nicht seine Würde zu nehmen.

Sympathischer ohne dabei auf die Nerven zu gehen kann ein klassischer Filmheld wohl kaum gezeichnet sein. Etwas alt ist er für seine junge Gemahlin, entweder Standard im Wilden Westen, oder schon wieder ein damaliger Tabubruch, vielleicht auch ein längst bestehender Alltag in Hollywood, der, wenn dem so ist, dementsprechend unnötig noch immer bei Erscheinen von „Ein perfekter Mord“ diskutiert wurde. Ich weiß nicht was davon der Wahrheit entspricht. Auf jeden Fall ist Kane ein Held zu dem man hält, ohne dass mit seiner Überzeugung gleich jede Diskussionsgrundlage über den Film über Bord fiele.

Ob man seine Ideale teilt oder der Frau mit ihrer Ansicht recht gibt, ist ebenso Ansichtssache, wie die in der Kirche aufgeworfene Frage, ob Kane ein Held ist weil er sich dem Mörder stellt, oder ob er damit das Unglück in die Stadt lockt, das seinen friedlichen Alltag weiterleben könnte, wenn die Banditen merken, dass Kane nicht in der Stadt ist. Mag „12 Uhr mittags“ auch Position beziehen, er ist stets so erzählt, dass er andere Meinungen zu Wort kommen lässt und damit zur Diskussion einlädt. Ein guter Schachzug wenn man all die Bereiche bedenkt, an denen er aneckt.

„High Noon“ ist großartiges Kino, für Freunde des Genres Drama mehr als für die des Westerns, großartig besetzt mit Gary Cooper und Lloyd Bridges, der den einzigen Charakter spielt von dem man so gar nicht weiß, ob er gewissenhaft die Meinung ändert oder auf egoistischem Kurs bleibt. Grace Kelly darf nur hübsch aussehen. Der schauspielerisch schwierigere Frauenpart war ohnehin jener der objektiv und praktisch denkenden Mexikanerin, die gewollt emanzipiert präsentiert wird, und dabei in ihrer Art eine Kälte ausstrahlt, die ebenso zum Diskutieren anregt: kalt wirkend durch Emanzipation oder tatsächlich kalt kalkulierend?

„12 Uhr mittags“ bietet viel Diskussionsnährstoff hinter den Reihen, ist vielschichtig erzählt für eine nach außen hin geradlinige Geschichte, und bietet zudem noch psychologisch glaubwürdige Charaktere, einen hohen Spannungsbogen in dichter Atmosphäre, einen stimmigen Soundtrack, der selbst dann noch geglückt ist wenn er Erscheinungsjahr-bedingt etwas zu laut ausholt und eine glaubwürdige Dramatik, die den Zuschauer an die Identifikationsfigur Kane fesselt, geradewegs zulaufend auf einen Showdown im unfairen Verhältnis Mann gegen vier Mann. Die Schluss-Szene könnte mit ihrem stummen, enttäuschten Kommentar nicht besser gewählt sein und wurde von Don Siegel, die Parallelen passend erkennend, in seinem Film „Dirty Harry" als Ehrerweis auf Zinnemanns Western-Klassiker übernommen.

Mit Augen von heute schaut sich „High Noon“ klassisch und modern zugleich. Die Brisanz der angerissenen Themen ist auch heute noch erschreckend aktuell, womit dieser Klassiker trotz Schwarz/weiß und ausgestorbenem Genre von seiner Aussage her noch immer ein Evergreen ist. Wer den Film noch nicht kennt: unbedingt ansehen! herausragend

BAD MILO! (2013 Jacob Vaughan)


Duncan hat es mit dem Magen. Da er sich im Alltag nie zur Wehr setzt und immer alles in sich reinfrisst, hat sich ein Wesen in ihm entwickelt, das ihm aus dem Arsch kriecht um all jene zu töten, die Duncan verärgern. Der Mann versucht sich mit seinem inneren Dämon anzufreunden, um dies künftig zu verhindern...


Ein Freund für‘n Arsch...

Auf dem deutschen DVD-Cover wird der Inhalt des Streifens so angekündigt, als ob man mit dem wunderbaren Klischee aus dem Mittelalter spiele, dass die Quacksalberei, man wäre bei Magenverstimmung in Wirklichkeit von einem Dämonen besessen, sich als Wahrheit entpuppt. In welcher Zeit wäre eine solche Story wohl besser aufgehoben gewesen als in der heutigen, wo vermeintlich aufgeklärte Menschen gerne wieder Religion mit Medizin kreuzen, um auf Humbug a la Homöopathie, Pendel schwingen und Wundersteinchen hereinzufallen? Das klingt reizvoll, das war es was mich zu dieser Horror-Komödie lockte.

Aber leider ist der Inhalt von „Bad Milo“ wesentlich analfixierter umgesetzt, als vermutet. Zunächst ist Milo kein Dämon, sondern eine Art Geschwür das sich selbstständig macht („The Abomination“ lässt grüßen). Das Vieh selbst sieht wie eine Kreuzung aus dem hässlichen, ledernen Stofftier-E.T. und einem von Charles Bands „Ghoulies“ aus (ein Film an dem man sich auf dem Rückcover orientiert, wenn Milo aus der Kloschüssel schaut, eine Szene die in „Bad Milo“ nicht enthalten ist). Milo lebt im Inneren seines Wirtes („Elmer“ lässt grüßen) und nutzt dessen Arsch als Ein- und Ausgang.

Die Charakterzeichnung lässt zunächst Gutes vermuten. In einer „Willard“-ähnlichen Grundsituation wird Hauptcharakter Duncan herrlich rückgratlos dargestellt, umgeben von Egoisten mit Ausnahme seiner ihm liebenden Freundin. Mit Luke Wilson wäre Duncan perfekt besetzt gewesen. Ken Marino erledigt seinen Job jedoch auch sehr witzig und erinnert hin und wieder an Matthew Perrys witziges Spiel der beiden „Keine halben Sachen“-Filme. Das Drehbuch erzählt seine Geschichte überspitzt, lässt Duncan auf eine Comicwelt los noch bevor von Milo überhaupt die Rede ist und weiß mit herrlich nerdigen, absichtlichen Trash-Dialogen zu gefallen. Auch die Situationskomik stimmt. Alles scheint für einen kleinen B-Film-Ausflug zu passen.

Wenn Milo auf der Bildfläche erscheint, lässt „Bad Milo“ jedoch immer mehr zu wünschen übrig. Das Vieh, das lobenswerter Weise mal klassisch zusammengeschustert wurde und nicht per CGI integriert, ist optisch eine Spur zu brav ausgefallen. Wirklich gefallen hat mir das Vieh nicht. Wie Duncan mit der neuen Situation umgeht und wie ihm sein Therapeut dabei hilft, ist leider recht ideenlos erzählt. Und die Witze rücken viel zu vermehrt Richtung Fäkal- und Analwitzchen, so dass die anfängliche Begeisterung sich recht schnell in eine ernüchternde Stimmung wandelte. „Bad Milo“ lässt sich gucken, wirklich frech wird er jedoch nie, einzigartig schon mal gar nicht und um Kult werden zu können biedert er sich dem alternativen Massengeschmack in Sachen Komik zu sehr an.

Auch das Finale ist in meinen Augen unbefriedigend ausgefallen. Hier hätte man ruhig eine Spur gefühlvoller vorgehen können, im Stil angelehnt an Joe Dantes Horror-Komödien. Das hätte den anarchischen Kern, der sich mit der Zeit ohnehin immer mehr auflöst, sicherlich nicht geschadet. Am Ende ist „Bad Milo“ einfach ein zu herzloses Stück Film, dem die Sympathie alter 80er Jahre-Werke fehlt, auf die seine Erschaffer zu schielen scheinen. Nicht dass „Bad Milo“ kein Schritt in die richtige Richtung wäre, aber er ist nicht konsequent genug umgesetzt um im Zuschauer ein Interesse zu wecken, sich zukünftig aktuelle Kinofilme im 80er Jahre Popkorn-Stil zu wünschen. Ironischer Weise hat „Monster - Der Horror einer Stadt“ diesen Nerv trotz Computeranimation viel eher getroffen. Ob ein solches Ziel von Regisseur Jacob Vaughan im hier besprochenen Streifen überhaupt je erwünscht war, ist aber ohnehin bloß reine Spekulation. mittelmäßig


Weitere Reviews zum Film:

Mittwoch, 7. Mai 2014

THE HUNT - MENSCHENJAGD (The Hunt 2012 Thomas Szczepanski)


Alex braucht dringend eine reißerische Story um seinen Job bei einem Schundblatt nicht zu verlieren. Per Zufall gerät er an einen Geheimclub für Reiche, die des Spaßes wegen Jagd auf Menschen machen...


Auf der Jagd eine Jagd entdeckt...

Die in Billigfilmen des öfteren erzählte Geschichte von Jägern, die gelangweilt vom immergleichen Opfer auf die Jagd nach Menschen umschwenken, begann wahrscheinlich mit dem Horror-Klassiker „Graf Zaroff“, und der dürfte wohl noch immer die beste Verfilmung zu diesem Stoff darstellen, verstand man dort doch noch die Psychologie der Thematik, dass der zivilisierte Bürger zu Vieh degradiert wurde. Spätere Stoffe wie „Naked Fear“ und „Spiel gegen den Tod“ nutzten die Thematik lediglich als Aufhänger um einen anspruchslosen Reißer auf den Markt zu werfen. Wirklich geglückt war keiner von denen die ich kenne. Eins aber vereinte sie neben der Jagd nach Menschen alle: ständig wurden diese Werke aus der Sicht des Opfers erzählt, das sich plötzlich in der Rolle des Gejagten wiederfindet. „The Hunt“ ist zumindest in diesem Punkt anders.

In einer amerikanischen Produktion würde ich mir von einer Neuorientierung der Hauptfigur zu diesem Thema keine sonderlichen Hoffnungen auf einen besseren Film machen. Kommt ein solcher Streifen jedoch aus Europa, im hier vorliegenden Falle speziell aus der Schweiz, werde ich neugierig, hat man hier auf diesem Kontinent doch noch Mut zu Experimenten und eine Achtung vor dem geistigen Zustand des Zuschauers. Der ist zwar auch hier in „The Hunt“ nicht völlig flöten gegangen, ein Paradebeispiel für mein Lob europäischer Filmproduktionen ist er aber bei weitem nicht. Er ist völlig anders aufgezogen als die typische US-Erzählung auf dem DVD-Markt, leider kann aber auch Regisseur Thomas Szczepanski nicht der Versuchung widerstehen immer wieder auf all zu reißerische Bereiche abzurutschen.

„The Hunt“ ist wie erwähnt nicht aus Opfersicht erzählt. Dies ist er lediglich ganz zu Anfang, wenn uns eine Eingangssequenz bereits über Dinge aufklärt, die besser erst einmal im Dunkeln geblieben wären. Aus dem Blickwinkel eines Täters wird die Geschichte aber auch nicht angegangen. „The Hunt“ ist aus der Perspektive eines Mannes erzählt, der per Zufall Jäger in diesem menschenverachtenden Spiel wird. Er gibt sich als jemand anders aus, da er auf der Suche nach einer Story für ein Schundheftchen ist. Er weiß dass hier irgend etwas zwielichtiges läuft, hätte aber nie mit den Abgründen gerechnet, auf die er tatsächlich stößt. Nun ist er ein Jäger und darf nicht auffallen. Viele Möglichkeiten für eine tiefsinnige Erzählung wären da geboten. „The Hunt“ hangelt sich jedoch immer am einfachsten Erzählweg entlang, bleibt fast ausschließlich überraschungsfrei und auch immer auf Schonkurs mit den Nerven des Zuschauers.

Nicht dass man nicht um Alex bangt, aber letztendlich ist seine Figur zu brav gezeichnet, was im Widerspruch zu seiner reuelosen beruflischen Tätigkeit steht. Nie muss Alex all zu große Grenzen überschreiten, um lebend aus der Situation heraus zu kommen. Logisch, er wird zum Mörder, aber wie Good Old Schwarzenegger meuchelt er nur die Bösen. „The Hunt“ rutscht Alex betreffend nie in fragwürdige Handlungsweisen die Stoff zum Diskutieren bieten würden. Man merkt nur dass Mr. Sensationsgeil sich im Netz einer Spinne befindet. Er ist ein Verräter, und als solcher muss er logischer Weise irgendwann auffliegen. Es sei denn eine Fluchtmöglichkeit käme dem zuvor.

Schnell wird klar dass die eigentlich interessante Grundlage lediglich zum Abarbeiten Altbewährtem genutzt wird. Lediglich der etwas ungewöhnliche Erzählstil lässt „The Hunt“ nicht völlig routiniert schauen. Neben einem sehr plötzlichen Perspektivwechsel im letzten Drittel des Streifens fällt in erster Linie die europäische Nüchternheit der Erzählung auf, die im vollkommenen Widerspruch zur angewendeten und eigentlich US-typischen Unart steht, dass der Zuschauer ständig an bereits Erzähltes erinnert werden muss. Auch mancher Schnitt oder manche Erklärungsarmut von selbstverständlichen Vorkommnissen, die der Zuschauer einfach zu verstehen hat, lassen den Thriller recht europäisch schauen.

Leider ist die Geschichte nicht richtig durchdacht. Immer wieder kommt es zu Ungereimtheiten in der innereigenen Logik, immer wieder wird Glaubwürdigkeit für den reißerischen Effekt ignoriert. Wenn einige der maskierten Mitarbeiter des Unternehmens hungrigen Killerschweinen zum Fraß vorgeworfen werden, wird einem endgültig klar, dass hier der Pulp regieren soll und Tiefsinn nie beabsichtigt war.

Doch so viel Freude die Schweineszene auch verursachen mag und so egal es auch sein mag dass eine Geschichte wie diese nicht tiefer geht als der reißerische Urinstinkt des Kunden der nach solchen Stoffen giert, auch als reine Sinnfrei-Kost will „The Hunt“ nicht wirklich überzeugen. Dafür fehlt der wahre Thrill, die wahre Action, der wahre Trash. Hierfür hätte man näher an den Schurken der Story arbeiten müssen, den Hintergrund der Organisation vertiefen müssen oder irgend einen anderen quantitativen Sehwert ergreifen müssen, um mehr zu ernten als ein Achselzucken des Zuschauers. Leider enttäuscht selbst der Schluss.

„The Hunt - Menschenjagd“ ist also wirklich nicht der Rede wert. Sicherlich wurde ich schon oft schlechter unterhalten, der Streifen lässt sich zumindest bis zum Ende schauen. Aber letztendlich enttäuscht es zu sehr, dass die Möglichkeiten der Story nicht erkannt wurden, und dass spätestens aufgrund dessen nicht wenigstens mehr auf die Trash-Schiene gesetzt wurde. Man hat den Eindruck dass Szczepanski nie ganz wusste was er mit seinem Film eigentlich erzählen wollte. Mehr als der x-te lieblose „Graf Zaroff“-Klon sollte es wohl doch werden. Aber immer wieder wenn Anspruch oder Mut um die Ecke linsten wurde schnell die Notbremse gezogen. Da darf man sich schon zu recht fragen welches Publikum hier eigentlich anvisiert wurde. mittelmäßig


Weitere Reviews zum Film:

Sonntag, 4. Mai 2014

DOOMSDAY - TAG DER RACHE (Doomsday 2008 Neil Marshall)


2008 wurde Schottland aufgrund eines aggressiven Virus komplett unter Quarantäne gestellt und seinem eigenen Schicksal überlassen. 2033 bricht das Virus in London aus. Da es in Schottland Überlebende zu geben scheint und somit die Möglichkeit besteht ein Heilmittel herzustellen, wird ein Trupp Soldaten in die Quarantänezone geschickt...


Mad Snake...

„Doomsday“ macht kein Geheimnis daraus Trash zu sein. Seine leichtfüßige Art sich jedwedem Tiefsinn verweigernd ist bereits nach wenigen Minuten spürbar, und ein Gefühl von Ehrlichkeit macht sich breit, eine tolle Voraussetzung um mit Werken dieser Art seinen Spaß zu haben. Und eine Zeit lang bleibt dieses wohlige Gefühl beim Schauen komplettem Irrsinns auch bestehen. Doch ist die Vorphase der Geschichte erst einmal beendet und die Soldaten drüben in der Quarantänezone, eigentlich jene Phase Film auf die man sich gefreut hat, geht es unterhaltungstechnisch schnell bergab und zurück bleibt unmotivierte Blödheit für Leute die alles fressen.

Langweilig schwenkt die Geschichte um und erzählt von einer anarchistischen Cyber-Punk-Gesellschaft, in deren Gefangenschaft man nun gerät. Warum Elite-Soldaten so leicht zu überrumpeln sind ist nur eine der vielen unbeantworteten Fragen die sich von nun an geradezu aufdrängen. Man sollte meinen Idiotien wie der völlige Widerspruch von Energieknappheit im Gegensatz zum Besitz von Literweise Benzin und das Vorhandensein von etlichen Waffen mit Munition ohne Ende im Gegensatz zu der Tatsache nie die Quarantäne-Mauer erfolgreich durchbrochen zu haben, würde das Trash-Vergnügen gar bereichern. Aber der viel zu ernste Grundton, der sich mittlerweile eingestellt hat und den Trash nicht mehr wirklich wie Trash behandelt, sprich die charmante, distanzierte Leichtfüßigkeit die der Anfang noch ausstrahlte, sind nicht mehr vorhanden. Vielleicht waren sie das nie, und man hat die erste halbe Stunde völlig anders wahrgenommen als gedacht, aber mit dem zweiten Drittel des Streifens geht sie nun vollkommen flöten.

Vielleicht würde das Gesehene interessieren, wenn eine neue Idee erzählt würde oder eine alte besser präsentiert würde als bisher geschehen. Zu dumm dass „Doomsday“ sich an Genre-Größen wie „Mad Max“ und „Die Klapperschlange“ vergreift, anstatt an den vielen Videoproduktionen die seinerzeit aufgrund deren Erfolge den Markt überschwemmten. Die wussten zumindest wo sie hingehörten. Aber wenn schon ein solches Produkt, das weiß in welcher Liga es spielt, meist nur Mittelmaß präsentiert, kann ein Streifen, der sich dank genügend Budget in die falsche Nische verlaufen hat, schlußendlich nur scheitern.

Regisseur Neil Marshall, der uns immerhin den sehr geglückten „The Descent“ beschert hat, scheint zu glauben ein großes Kinoereignis erschaffen zu haben. In Wirklichkeit befindet er sich auf Uwe Boll-Niveau, und selbst der hat mit „Alone In The Dark“ schon einmal etwas besseres abgeliefert als das Ergebnis von „Doomsday“. Wenn trotz bzw. wegen endloser Action Langeweile aufkommt und ein sinnfreies Szenario damit endgültig zum Kinderfilm degradiert (mental, vom Gewaltgrad freilich nicht), dann hat ein solches Produkt einen Zustand erreicht, der mich in keinster Weise mehr interessiert. Dann sollen jene zuschauen, denen Sinnlos-Action reicht. Mir fehlt da leider der Zugang. Vielleicht ist es auch deswegen unfair ihm jenen Trash-Unterhaltungswert abzusprechen, den ich in anderen Werken noch meine erkennen zu können. Aber letztendlich ist Kino ohnehin meist subjektiv, und sollte ich mich objektiv geirrt haben, kann ich mit diesem Fehler gut leben. schlecht

I SPIT ON YOUR GRAVE (2010 Steven R.Monroe)


Eine junge Schriftstellerin arbeitet in einer einsamen Waldhütte an ihrem neuen Buch. Eine Gruppe Männer dringt in ihre Behausung ein und vergewaltigt sie. Einen Monat später nimmt sie blutige Rache...


Der Hochmut der Fremden...

„I Spit On Your Grave“ ist die Neuverfilmung von „Ich spuck auf Dein Grab“ aus dem Jahr 1978, der seinerzeit sicher kein Meilenstein war, aber ein gewollt ungemütliches Filmchen, welches trotz manch wunderlicher Szenen psychologisch durchdacht sein Minimum an Story präsentierte. Damals in seiner rohen Art neu und schockierend, und damit bestens in die Blütezeit des Terrorkinos passend, mag seine Existenzberechtigung oft angezweifelt gewesen sein, meiner Meinung war sie jedoch legitim, zumal die Emanzipation sich gerade auf einem Hoch befand und manche Frau im Zuge halbwegs neugewonnener Selbstständigkeit trotz körperlicher Unterlegenheit jegliche Vorsicht über Bord warf.

Die Erstverfilmung war mit solchen (sehr häufigen) Gedankenansätzen reichhaltiger als sie nach außen hin wirkte. Dass eine Neuverfilmung da mithalten kann ist stark anzuzweifeln, gerade in der heutigen durch „Hostel“ und Co beeinflussten Kinozeit, und zudem noch erscheinend in einer Zeit, in welcher man Drehbuchautoren an Großproduktionen lässt, die keinen Schimmer von psychologischem Verständnis haben. So muss es nicht wundern, dass „I Spit On Your Grave“ tatsächlich recht halbgar ausgefallen ist. Die Vergewaltigungsszene wird lange zelebriert und ist schwer zu überstehen, und doch erkennt man dass die Bilder im direkten Vergleich harmloser eingefangen wurden um den Zuschauer nicht all zu sehr zu verstören.

Gerade das wird jedoch benötigt um nach einer Stunde das Opfer zum Täter werden zu lassen. Man hätte als Zuschauer, so wie im Original, näher mit der Vergewaltigten mitfühlen müssen, um ernsthaft zu begreifen dass es hier um mehr geht als um eine als Film erzählte Geschichte. Umso inkonsequenter wirkt es, dass die Racheszenen im Gegensatz zur Vergewaltigung ungeschönt brutal umgesetzt wurden, denn im ollen Amerika hat es Gore ja schon immer leichter gehabt als nackte Haut. Durch die extrem blutigen Bilder heutiger Tage ist das Publikum ohnehin schon abgestumpft, so dass „I Spit On Your Grave“ frei jeglicher Sozialkritik mit seiner zu braven Vergewaltigungs-Inszenierung und dem zu übertriebenen Rachefeldzug unpassender Weise scheinbar ein reiner Unterhaltungsfilm sein will. Und das nenne ich aufgrund der Thematik schon arg geschmacklos.

Dass einen die Taten der Männer trotzdem nicht völlig kalt lassen, liegt eher am Spiel Butlers und an der Länge der Misshandlungs-Szene. Trotzdem lässt sie einen für die Extreme des Gezeigten relativ kalt. Jedoch ist es nicht der Zuschauer der fragwürdig abgestumpft ist, es ist die Inszenierung die das ganze so abgestumpft präsentiert. Das Gefühl von emotionaler Leere, das eigentlich nicht sein dürfte, wirkt interessanter Weise durch das Unvermögens von Regie und Drehbuch auch nach Filmende nach. Denn konnte sich im Original eine angestaute Verstörtheit im Racheakt des Opfers entladen, so bekommt der Zuschauer im Remake ein zum Psychopathen mutiertes Genie präsentiert, welches durch die Beeinflussung von Werken wie „Saw“ viel zu pfiffige Foltermethoden konstruiert hat um ihre Peiniger leiden zu lassen. In der ungekürzten Fassung wird dabei zwar äußerst blutig vorgegangen, die wahre Motivation der Rache und das Mitgefühl mit der Täterin geht jedoch völlig flöten, so dass der Zuschauer sich nicht mit der Hauptfigur identifiziert bekommt, somit auch hier emotional kalt bleibt, um sich am Ende zu Recht zu fragen: wofür das ganze?

Zumindest Menschen mit sensiblem Gemütszustand, mangelndem Verständnis für Psychologie und einem immerfröhlichem Weltbild, die aufgrund sonst harmloserer Kost eigentlich nicht zu diesem Film greifen würden und bei der Vergewaltigungsszene dementsprechend durch die Hölle gegangen sind, bleiben verstört vor dem Fernseher zurück und müssen sich ebenso die Frage stellen warum sie sich so etwas angesehen haben und was die Verantwortlichen des Streifens denn bitte damit ausdrücken wollten. Auch hier: wozu das ganze? „Ich spuck auf Dein Grab“ gab seinerzeit darauf eine Antwort. Bei „I Spit On Your Grave“ bekommt man (eine unbefriedigende) Antwort erst im Zusammenhang mit Blick auf die komplette Horror-Remake-Welle Amerikas. Und diese Antwort ist schon äußerst fragwürdig und primitiv.

„I Spit On Your Grave“ ist inkonsequent, psychologisch nicht durchdacht und fragwürdig da er sich bei seiner Thematik nur um den Unterhaltungswert schert, nicht aber um die Ernsthaftigkeit seines Stoffes. Dass einem ein solches Thema trotzdem nicht völlig kalt lässt und der Streifen rein technisch professionell umgesetzt ist, kann ich ihm hingegen nicht abstreiten. Das Szenario ist zumindest ein Selbstläufer, wenn es darum geht den Zuschauer zu verstören. Damit bleibt das Remake selbst in seiner formelhaften Umsetzung zumindest phasenweise ein schweres Stück Kost. Das hat er jedoch nicht wirklich den Verantwortlichen hinter der Kamera zu verdanken. Und während der Zuschauer, der den Film gesehen hat, sich nun fragt: warum habe ich das gesehen, darf sich der Leser dieses Textes nun achselzuckend fragen: warum sollte ich das sehen? Und mir fällt da ehrlich gesagt kein Grund ein. mittelmäßig

Freitag, 2. Mai 2014

RABID GRANNIES (Les mémés cannibales 1988 Emmanuell Kervyn)


Zwei alte reiche Damen feiern Geburtstag mit der erb-geilen Verwandtschaft und bekommen von einem ausgestoßenen Familienmitglied ein Geschenk zugeschickt, das eine böse Überraschung bereit hält...


Oma, warum hast Du so einen großen Mund?...

„Rabid Grannies“ lässt sich Zeit. Wir lernen die einzelnen Familienmitglieder kennen, danach ihr Miteinander untereinander, und bereits in dieser Phase bissigen Humors gegen verschiedenste Gesellschaftsschichten darf herzhaft gelacht werden. Jeglicher Charakter ist überzeichnet, die Ausgangssituation wie ein Wallace-Film viel zu konstruiert, aber Regisseur Emmanuel Kervyn trifft den richtigen Ton, schafft es manche Bereiche des Unvermögens (meist hinter der Kamera) durch den Charme, den sein Werk versprüht, wieder auszubügeln und hat uns mit „Rabid Grannies“ ein Werk geschenkt, das irgendwo zwischen „House“ und „Braindead“ angesiedelt ist, letztgenanntem vom Unterhaltungswert jedoch haushoch überlegen ist.

Um mit Steve Miners „House“ mithalten zu können, hätte er eine Spur professioneller umgesetzt sein müssen. In seiner manchmal etwas unbeholfenen Art schrammt er hin und wieder fast am Niveau zum Amateurfilm vorbei. Das bedeutet jedoch nicht, dass Kervyn inhaltlich nicht wüsste was er will. Nach eben erwähnter längerer Einführung, in welcher gekonnt Albernheiten mit ungern gehörten Wahrheiten verknüpft werden, darf die Gore-Party abgehen, bei der zwar nicht jeder Effekt echt wirkt, die Comic-Haltung des Streifens sich aber ohnehin jeder Realitätsnähe verweigert, so dass ein solches „Makel“ eigentlich nur den Charme des Streifens steigert.

Sicher ist diese Horror-Komödie im gewissen Sinne dem Trash-Bereich zuzuordnen, andererseits geschieht hier nichts ungewollt, von manch schlechter Beleuchtung vielleicht einmal abgesehen. Die lässt sich bei der schlechten Bildqualität jedoch schwer beurteilen, existiert doch weltweit keine Fassung des Streifens, die gutes Bild bietet. Aufgrund seines Partyfaktors lasse ich mich als alter VHS-Veteran, der sich schon durch viel schlechtere Qualitäten gekämpft hat, trotzdem gerne auf den Film ein, bietet er doch genau jene Art lockere Horrorunterhaltung, welche den lustig gemeinten Beiträgen der heutigen Zeit meistens fehlt.

Interessant ist, dass die Synchronisation eher mittelmäßiger Natur ist, die Stimmen der Omas jedoch einen guten Anteil daran leisten, dass es für den Zuschauer so viel zu lachen gibt. Mögen die Sprüche auch gelungen sein, die Königsübung sprudelnden Humors sind sie nicht gerade. Erst durch die herrlichen Rentnerstimmen entfalten sie sich zum wahren Kult innerhalb eines Streifens, der längst Kultfilm hätte werden müssen, es aus irgendwelchen Gründen jedoch nicht ist. Mangelnder Bekanntheitsgrad? Bei der Vielzahl an OFDb-Kritiken kaum zu glauben! Keine Ahnung warum der Streifen nur eingefleischten Genre-Fans etwas sagt.

Also, wer es gerne schwarzhumorig, blutig, unverkrampft, charmant und stilistisch überholt mag, ist herzlich eingeladen sich dem Treiben mordgieriger Oma-Dämonen hinzugeben. Auf DVD existieren drei verschiedene Fassungen. Ich habe mich trotz schlechterer Bildqualität für die Klassikfassung entschieden, aus welcher manche Dialogszenen gekürzt wurden. Vielleicht ist das auch gar nicht so schlecht gewesen, denn in der von mir gesichteten Version stimmt die Gewichtung aus lustigen Dialogen und derben Goreszenen. Zwei Elemente die ich ebenso wenig missen möchte, wie die gelungene Figurenzeichnung, der Mut zu Albernheiten und das trotz dieser Umstände unaufdringliche Vorhandensein von Tiefsinn durch treffsicherer Gesellschaftskritik. sehenswert


Weitere Reviews zum Film:

EDEN LAKE (2008 James Watkins)


Ein Pärchen wird während eines Ausflugs an einen abgelegenen See Opfer gewaltbereiter Teenager...


Von wegen Halbstarke...

Ein guter Horrorfilm zeichnet sich oft dadurch aus, dass er eine Angst des Zuschauers erkennt und diese wiederzugeben weiß. Findet er dabei neue Ansätze oder gar eine neue Quelle der Angst, ist das eine Seltenheit und doppelt so unterhaltsam wie oft Reproduziertes. Schaut man sich die Kinderquote im Lieblingsgenre des Horror-Fans an, geht es meist um Bälger, und dann um besessene, monströse oder künstlich psychopathische. Jugendliche werden meist zum Opfer. Täter sind sie nur selten, und wenn dann meist in Werken, die in der „Scream“-Welle mitschwimmen und in denen sie als überraschende Täter im Finale enttarnt werden.

Ob man es sich eingestehen mag oder nicht: die Vorstellung dass eine Bande Halbstarker sich als Teenager ohne Grenzen entpuppt, denen man hilflos ausgeliefert ist, ist eine Angst die nicht weit hergeholt ist. Wer in der Stadt lebt weiß, dass man nachts nicht zwingend leichtsinnigen Fremden begegnen möchte, und da ist es egal ob es sich dabei um Teenager oder um Ausgewachsene handelt. Zwei Jahre bevor man zu Parodiezwecken „Tucker And Dale vs. Evil“ auf die Menschheit losließ, befasste sich Regisseur James Watkins mit dieser Angst, die manchem sicher peinlich ist. Dass sie nicht unbegründet ist, beweist die Wirkung der ersten halben Stunde, die das Spannungshoch des Streifens bedeutet, obwohl wir uns noch in einem Szenario befinden, das zunächst leicht übertrieben alltäglich ist und im weiteren Verlauf zunächst noch denkbar.

Obwohl? Nein, gerade (!!!) deswegen besitzt diese Phase des Streifens ein Spannungshoch. Neben dem Spiel mit den Erwartungen des Zuschauers und dem Genre-typischen ausgeliefert sein inmitten in der Natur, ist es der Leichtsinn und die mögliche Gewaltbereitschaft der Teenager, die ein Angstgefühl beim Zuschauer entstehen lässt. Es herrscht Nervenkitzel noch bevor etwas passiert. Gekonnt wird damit gespielt, dass ein ausgewachsenes Pärchen, einzeln stärker als jedes Kind und intelligenter durch die Lebenserfahrung, einer Bande Gewaltbereiter unterlegen ist, sollten Vernunft und natürlich vorkommende Normen von Reaktionen und Reflexen eine Ausnahme erleben.

Ob man damit einen ganzen Film hätte erzählen können, bleibt die Frage. Leider entpuppt sich „Eden Lake“ nicht als Experiment, welches uns die Antwort auf diese Frage liefert. Denn schon kurz nach dem ersten Toten, einem Hund, befinden wir uns mitten in einem realitätsfernen Stoff für die Phantasiewelt des Kinos. Das weiß zu funktionieren, „Eden Lake“ ist auch in dieser Phase ein toller Film, umorientieren muss man sich als Zuschauer dennoch, war man doch auf einen eher realitätsorientierten Horrorfilm vorbereitet und nicht auf einem „viele Kids folgen einem völlig durchgeknallten Psycho“-Trip.

Was also eine große Leistung mit Tiefgang innerhalb des unterschätzten Genres Horror hätte werden können, verkommt zu purem, phantastischem Terror-Kino, das allein durch seine völlige Übertreibung bereits schon Schutz bietet, so dass man vor dem Bildschirm nur bedingt mitbangt. Kritik am White Trash wird zum Selbstzweck eingesetzt um ein Unterhaltungshoch zu erreichen, geistreiche Aussagen werden da nicht getroffen, Ursache und Wirkung nicht gesellschaftskritisch und psychologisch treffend verfolgt.

Das ist schade, bietet aber innerhalb des Bereiches des Terrorfilms dennoch einen gelungenen Vertreter inmitten von Fließband-Werken a la „Frontier(s)“, die meist nur Leerlauf bieten und einzig die Brutalitäten im Auge behalten. „Eden Lake“ spielt auch in späten Phasen noch gekonnt mit den Themen Abhängigkeit, dem ausgeliefert sein und der Hoffnungslosigkeit. Schonungslos schwenkt der Streifen in alter „Ich spuck‘ auf Dein Grab“-Tradition in einen Rache-Akt um, ohne dabei die Heldin des Stoffes zu einer Amok-laufenden Psychopathin werden zu lassen, die das Gesetz selbst in die Hand nimmt. Hier bleibt „Eden Lake“ für sein Genre gesehen relativ realitätsnah. Die Heldin lauert den Teens nicht auf. Sie ignoriert auf ihrer Flucht lediglich zum Selbstschutz gesetzliche Konsequenzen und tötet auch mal im Angesicht nicht durchzudringendem Schutzes aus Willkür und Rachegefühlen einen Jugendlichen, wenn sich die Chance ergibt.

Man kann nicht absprechen dabei ein Gefühl von Gerechtigkeit gespürt zu haben, auch wenn die Konsequenz dieser Szenen dadurch absichtlich ins fragwürdige Licht gerückt wird, wenn besagte Opfer eigentlich immer jene Kids sind, die Frieden schließen wollen. „Selbst schuld“, durchzuckt es einem trotzdem im Kopf, und geschockt von sich selbst weiß man wieder zu schätzen warum es Gesetze gibt, die uns vor uns selbst schützen. Man wird dankbar dass es Horrorfilme gibt, die einem Ängste und Rachegefühle vor dem Bildschirm ausleben lassen, als Ersatz dafür, dass man es im normalen Leben glücklicher Weise nicht muss.

In solchen Rache-Momenten ist „Eden Lake“ gnadenlos, er bleibt es auch in anderen Punkten, wahres Terrorkino, wie seinerzeit in den 70er Jahren entstanden, wird er trotzdem nie. Dafür ist er zu sehr Kino, zu sehr auf Provokation aus ohne dabei auch stilistisch zu provozieren. Es ist nicht so, dass der Streifen von James Watkins, der auch den unterschätzten „Unsichtbaren Augen“ geschrieben hat, nicht auch seine Überraschungen zu bieten hätte. Aber letztendlich hält er sich doch zu sehr an die Regeln seiner Gattung und packt sein Publikum damit doch noch in hauchdünne Watte, wenn auch dabei nicht so feige werdend wie das „Tanz der Teufel“-Remake „Evil Dead“ und viele andere Produktionen heutiger Tage. Bei „Eden Lake“ stößt man zumindest trotzdem  noch an Grenzen. Es gibt Momente des Unwohlfühlens und man fiebert mit den offensichtlichen Kinofiguren mit, obwohl alles zu realitätsfern inszeniert ist. Das macht ihn eine Spur besser als den manchmal angenehmen Durchschnitt und wesentlich besser als den oftmals uninteressanten, den das Genre sonst so zu bieten hat. sehenswert