Donnerstag, 31. Juli 2014

RIO BRAVO (1959 Howard Hawks)


Sheriff Chance nimmt den Bruder eines reichen Texaners fest. Zusammen mit einem ehemaligen Säufer und einem alten Krüppel bewachen sie den Gefangenen und sehen sich so manchen Befreiungsversuchen ausgesetzt. Hilfe erhalten sie von einem jungen Revolverschützen und der Ex-Frau eines Falschspielers...


Chance - Unbestechlich und die Männlichkeit in Person...

Für mich ist „Rio Bravo“ „Der weiße Hai“ des Western-Genres, dürfte Spielberg sich für seinen Tier-Horror von Howard Hawks Werk doch gut inspiriert haben lassen. Da sitzen sie im Gefängnis, vier unterschiedliche männliche Gestalten, tapfer Wache haltend bis der Gefangene von einem höheren Gesetzeshüter abgeholt wird, um ihn in ein richtiges Gefängnis zu überführen. Zwischen den unterschiedlichen Leuten entsteht eine Freundschaft. Irgendwann singen sie sogar zusammen. Die Gefahr wird kurz bevor sie sich auf ihrem Höhepunkt befindet ausgeblendet. Inmitten der Aufregung zählt kurz das Prinzip der Männerfreundschaft, wer der Chef des Hauses ist bleibt jedem trotzdem stets bewusst.

Wir befinden uns mit dieser Szene kurz vor dem Finale, Chef des Hauses ist freilich der Sheriff, gespielt von einem nie das Gewehr ablegenden John Wayne. Mag in besagter Szene die Bedrohung auch ausgeblendet werden, so richtig im Mittelpunkt stand sie nie. Die Interaktion zwischen den Männern, die sich irgendwann im Gefängnis endgültig zusammenfinden und zu einem funktionierenden Team zusammengeschweißt sind, sind das Hauptaugenmerk der Geschichte, umrandet von Chances Prinzipien des Lebens, er, der Ur-Typ der Gattung Mann, selbstbewusst, mutig, pflichtbewusst, die Frauen nicht verstehend, ob am Whiskeyglas oder in der Schießerei jedoch stehts ein ganzer Mann und von der Bevölkerung respektiert und verehrt.

Der Besitzer des Hotels der Stadt respektiert ihn dann auch gleich eine Spur zu viel, ist ein ewig Befehle befolgender unterwürfiger Mexikaner und die einzige Figur des Streifens die nervt. Der Rest ist jedoch, in Stereotype badend hin oder her, sympathisch und interessant charakterisiert, was übel wäre wenn nicht, so wichtig die Figuren für die Geschichte durch ihre Art und Weise im Zentrum stehen. Ab und an müssen sie agieren, das Gesetz vertreten, Schurken erschießen oder ihnen zumindest auf die Füße treten. Dann wird der Zuschauer daran erinnert um was es prinzipiell eigentlich geht. Das tut gut, das gibt dem Streifen Schwung.

Aber mit anzusehen wie ein vor kurzem mit dem Trinken aufhörender Alkoholiker Selbstwertgefühl zurückgewinnt, wieder verliert und wieder zurückgewinnt, mitzuerleben wie ein harter Kerl an die Hand genommen wird um das schwache Geschlecht zu verstehen, zu erleben wie ein wilder junger Mann die Tugend der Ruhe erlernt und zuzuschauen wie sich ein alter Recke den Respekt der „jungen“ Leute zurück erobert, das sind die eigentlichen Erlebnisse an „Rio Bravo“.

Und so sehr sie auch in der Traumwelt hochkonservativer Männer feststecken, so sehr wissen sie auf verträumt cineastische Art, in welcher der Wilde Westen historisch manipuliert tatsächlich der Kino-Westen war, zu funktionieren. Hawks schafft es aus einer phallokratischen Klischee-Soße bewegendes Kino zu schaffen. Und bei solch positivem Ergebnis gibt man sich dem nur all zu gerne hin. herausragend


Weitere Reviews zum Film:

Mittwoch, 30. Juli 2014

I.Q. - LIEBE IST RELATIV (I.Q. 1994 Fred Schepisi)


Ein Automechaniker verliebt sich in die Nichte von Albert Einstein. Da diese nur auf den Intellekt eines Mannes achtet, laut ihrem Onkel aber mehr Freude im Leben gebrauchen könnte, hilft Einstein dem jungen Mann das Herz der Mathematikerin zu erobern...


Das Berechenbare der Liebe...

Tim Robbins ist ein großartiger Schauspieler, den ich aufgrund so einiger großer Darbietungen („Human Nature“, „High Fidelity“, „Code 46“...) regelrecht bewundere. Meg Ryan hat in Filmen wie „French Kiss“ schon des öfteren bewiesen, dass sie eine treffsichere Besetzung für den Bereich der romantischen Komödien ist. Und Regisseur Fred Schepisi hat mit Hilfe von Steve Martins Drehbuch seinerzeit in „Roxanne“ bewiesen, dass auch er dieses Fach beherrscht.

Doch trotz all dieser theoretisch so gut klingenden Chemie funktioniert „I.Q.“ (Originaltitel) nur halbwegs aufgrund der im Film aufflammenden Liebe. Eigentlich ist es nur ein Mann mit dem diese Komödie steht und fällt, und das ist Walter Matthau in der Rolle des Albert Einstein, allein wegen seines Aussehens schon die Idealbesetzung für diese Rolle, durch die schrulligen Vorgaben des Drehbuchs jedoch endgültig als Einstein glänzend.

Dieser wunderbare Charakter wird nun in eine ziemlich unfaire Geschichte gepackt, in welcher der Verlobte der Angebeteten extremst negativ gezeichnet wird, damit man ihn auch bloß nicht mag. Mir tat er dennoch leid, auch wenn seine Negativseiten wirklich humoristisch gut herausgearbeitet wurden. Nicht leid genug um nicht zum Automechaniker zu halten, aber warum Einsteins Nichte sich nun wirklich in diesen verliebt bleibt mit Abstand betrachtet fraglich, kennt sie doch fast nur die Lüge die er lebt. Die sensible Seite des Mannes ist echt, aber könnte sich eine Frau nach Aufdeckung der Lüge darauf verlassen?

Nun gut, eine Rom-Com sollte man nie mit zu viel Abstand betrachten und sich einfach der Magie hingeben, aber die will nur teilweise funktionieren, wird doch etwas zu viel auf das niedliche Aussehen Meg Ryans gesetzt, und diese niedlich lächelnd in Großaufnahme allein reicht nicht um sie sympathisch zu finden. Und da es ihr an wahrer Herzlichkeit im Wesen fehlt, kommt einem das Verliebtsein des Mechanikers eher wie ein kurzes infantiles Schwärmen vor.

Dank eines wirklich gelungenen Drehbuchs und der gut aufgelegten Stars funktioniert „I.Q. - Liebe ist relativ“ glücklicher Weise trotzdem. Die Schrulligkeiten von Einstein und seinen Wissenschaftsfreunden, die Verkettungen die aus einer so simpel klingenden Lüge entstehen und die Schadenfreude mit der aus der Enttäuschung eines anderen etwas Wunderbares für zwei für einander bestimmte Seelen wächst, weiß zu überzeugen. Letzteres aber auch nur weil das Drehbuch nie Zweifel an der Richtigkeit der Mission aufkommen lässt. Wie erwähnt: leid tat mir der Verlobte trotzdem.

„I.Q.“ fehlt die Größe von „Harry und Sally“, „Während Du schliefst“ und „E-Mail für Dich“, aber er schaut sich trotzdem noch immer über Durchschnitt, wenn auch eher wegen der amüsanten Wissenschaftler und dem leidenden Verlobten. Wirklich romantisch wird die Komödie nur selten, einmal jedoch im wichtigsten Moment. Wie die Rolle der Ryan erkennt, dass sie den Mechaniker tatsächlich liebt ist schön herausgearbeitet und wirkt psychologisch gesehen sogar recht glaubwürdig. Aber auch diese Szene funktioniert nicht komplett ohne Matthaus herrlich lustigen Zutuns. unterhaltsam


Weitere Reviews zum Film:

Montag, 28. Juli 2014

THE COLONY - HELL FREEZES OVER (The Colony 2013 Jeff Renfroe)


Die Zukunft: schon lange Zeit ist die Erde ein Eisplanet, wenige Überlebende hausen unterirdisch, halbwegs gut organisiert. Als Kolonie 7 von Kolonie 5 einen Hilferuf empfängt, ziehen drei Leute los um sich auf den Weg zu ihnen zu machen. Doch Kolonie 5 und alle die in ihr lebten sind tot. Eine Horde Kannibalen hat sie alle auf dem Gewissen. Der Hilfstrupp muss fliehen, wissendlich den Feind auf Kolonie 7 aufmerksam zu machen...


Die Hoffnung auf Tauwetter...

Auf dem DVD-Cover spricht man von einem Mix aus „The Day After Tomorrow“ und „30 Days Of Night“, aber der sich fleißig an einer Idee von „Tooth And Nail“ bedienende „The Colony“ schaut sich dank seiner Klischee-Charaktere eher wie eine Stephen King-Version von „Das Ding aus einer anderen Welt“ von Kannibalen anstatt von einem Außerirdischen handelnd. Andererseits: ganz verkehrt ist der Vergleich zu dem in Alaska spielenden Vampirfilm sicherlich nicht gewählt, zumindest wenn man sich das Verhalten der Menschenfresser ansieht, ganz besonders ihren Anführer, der verkrampft auf cool getrimmt wird, ewig wie ein Oberproll vor sich hin brüllen darf und dabei freilich nur peinlich wirkt.

Aber bis wir auf ihn stoßen vergeht die Hälfte der Laufzeit, und bis dahin schaut sich „The Colony“ mit all den klassischen Blockbuster-Krankheiten eigentlich ganz okay. Die Eiswelt ist visuell überzeugend eingefangen, auf schlichtere Art als man für eine Großproduktion vermuten würde, aber durchaus ansehnlich. Die Grundlage der Story ist bereits so löchrig, dass zukünftige Idiotien nicht weiter weh tun und die Atmosphäre routiniert genug die vorhersehbare Story angenehm zu tragen. Lediglich das Vertrauen in den Geist des Zuschauers ist wieder etwas zu beleidigend ausgefallen, das zeigt der Tiefpunkt direkt zu Anfang, wenn uns nach der Einstiegsszene nach der Titeleinblendung ein Off-Kommentar noch einmal das erzählt, was wir gerade gesehen haben. Und da ging es nicht gerade um Atom-Physik.

Da man weiß, dass man sich in einer Blockbuster-Produktion befindet braucht man da auch gar nicht wirklich drüber zu maulen, so funktionieren die Filme nun einmal, die auch der letzte Vollidiot verstehen soll (warum auch immer). Man kann sich im hier vorliegenden Fall durchaus damit arrangieren, auch wenn man wie immer alternativ eigentlich auch zu einem anspruchsvolleren Film ähnlicher Thematik hätte greifen können.

Mit der Ankunft in Kolonie 5 lässt der Streifen jedoch so langsam nach, stört es doch ein wenig dass die Kannibalen in ihrem Verhalten fast nur noch Tiere sind, ewig vor sich her grunzend, scheinbar nicht mehr der Sprache mächtig und nur noch dem Ur-Trieb der Nahrungsaufnahme folgend. Eine übernatürliche Thematik wäre diesen Wesen gut bekommen und hätte trotz einer unrealistichen, weit her geholten Idee den Trash-Gehalt nach unten gedrückt. Die Kannibalen sind einfach nicht glaubwürdig, wie weiter oben erwähnt peinlich in ihren Auftritten und in ihrem grundlegenden Verhalten im Widerspruch stehend zu manch auf Intelligenz aufbauende Taten, die in ihrem Tun kurz aufblitzen.

Eigentlich erhoffte ich mir einen späten Unterhaltungsanstieg ab der Heimkehr in Kolonie 7, wissendlich dass dort genau das passieren wird, was jedem denkfaulen Drehbuch-Autor eingefallen wäre. Aber das Vorhersehbare, mit dem man sich dank geringer Erwartung hätte anfreunden können, wird nun ganz übel verwässert durch eine menschenverachtende Grundstimmung, die auf den Rachedurst des Publikums appelliert, damit freilich nur das denkfaulste und aggressivste Gemüse unter den Zuschauern erreicht, während der zivilisierte Mensch vor dem Fernseher mit ansehen muss, wie jegliche vorher brav zelebrierte Moral über Bord geschmissen wird. Dies jedoch nicht um einen gesellschaftskritischen Denkzettel zu verpassen, sondern gar nicht beachtend, dass sich die Helden gar nicht mehr von den Bösewichtern aus ihren eigenen Reihen unterscheiden.

Wem das egal ist, der ist mit „The Colony“ bestens bedient und dank der letzten halben Stunde endgültig im Idioten-Kino angekommen, was schon sehr schade ist, so plump und simpel der Streifen in seiner ersten Hälfte zu unterhalten wusste. Ich erwarte von einem Blockbuster ja nicht viel, aber dann sollte er von mir auch nicht all zu viel erwarten. Auf Kommando Selbstjustiz bejubeln, Denkfaule für ihre Entscheidungen beglückwünschen und den Rückschritt einer funktionierenden Gesellschaft als Fortschritt feiern, das sind Dinge die ein Film nicht von mir erwarten darf. Schlimm genug dass andere sich diesen Wünschen fehlgeleiteter Filmschaffender unreflektiert hingeben. mittelmäßig

MY SOUL TO TAKE (2010 Wes Craven)


An dem Tag als ein Serienmörder gefasst wurde und starb wurden sieben Kinder geboren. Als diese 16 Jahre alt werden, werden sie nach und nach umgebracht...


Angsthase, Pfeffernase, morgen kommt der Ripper...

Wes Craven mixt munter seine Erfolgsrezepte aus „Shocker“, “Scream“ und „Nightmare - Mörderische Träume“ und stellt die Frage in den Raum ob der Mörder ein klassischer Psychopath, ein Schizophrener, ein Besessener, ein für tot Gehaltener oder eine Reinkarnation ist. Und dass der Zuschauer tatsächlich ins Zweifeln kommt, welche dieser Möglichkeiten in Frage kommt und welcher der Charaktere sich als der Serienkiller entpuppt, liegt einzig und allein daran dass der Plot zu „My Soul to Take“ derart konstruiert ist, dass alles möglich ist.

Denn mit der Realität hat das was Craven da selbst zusammengeschrieben hat nichts mehr zu tun. Hier verhält sich wirklich niemand wie aus unserer Welt stammend. Die Soap-Biester und die Schul-Loser sind zum Leben erwacht, Erwachsene denken in Fernseh-Klischees, die vertuschte Vergangenheit wirkt so unglaubwürdig wie die Legende die aus den Geschehnissen vor 16 Jahren entstanden ist. Alles ist viel zu sehr Kino- und TV-Niveau, nichts fühlt sich echt an, und trotz bewusster Verweise auf „Halloween“, „Scream“ und Co fehlt es an Distanz, geschweige denn an Ironie, welches zumindest Cravens auf Meta-Ebene angesiedelter Vier-Teiler in seinen Höhepunkten so großartig machte.

„My Soul to Take“ nimmt sich in seiner konstruierten Parallelwelt viel zu ernst, glaubt in der unseren zu existieren, und deswegen kann er nicht funktionieren. Er kann keine Realität vortäuschen, fühlt sich nicht einmal wie ein halb glaubwürdiger Slasher an, und so kann er mit den Fährten die er setzt nur als Konstrukt täuschen. Dies weiß immerhin halbwegs zu unterhalten, allein weil man bei all den Vermutungen die man hat eine Antwort erhalten möchte, aber das Ergebnis ist doch trotzdem recht dürftig ausgefallen, auch wenn bewusst Genre-Regeln gebrochen werden und es somit ab und an zu Überraschungen kommt.

„My Soul to Take“ ist Film, fühlt sich wie Film an und dies so intensiv, dass er einen nicht einmal für 90 Minuten glauben lässt, dass hier amerikanische Teenager um ihr Leben bangen. Es sind Figuren, gefangen in Klischees aus der Horrorwelt. „Shocker“, von dem hier am meisten geklaut wird, fühlte sich trotz seiner wesentlich fantastischeren Story wirklichkeitsnäher an als Cravens Quasi-Remake. Mag er im Original auch intensiver mit der Wahrnehmung von Visionen gespielt haben, den Mörder übernatürlich handeln lassen und von einem magischen Schmuckstück erzählt haben, so schaut sich der hier besprochene Film, der gerne in der unseren Welt spielen würde und das Übernatürliche nur als eine von vielen Möglichkeiten der Wahrheit einsetzt, doch wesentlich unglaubwürdiger, ja geradezu unsinnig. mittelmäßig

Freitag, 25. Juli 2014

COOL RUNNINGS (1993 Jon Turteltaub)


Da aus seinem Traum als Läufer an der Olympiade teilzunehmen nichts geworden ist, gründet der Jamaikaner Derrice die erste Bobmannschaft seines Landes...


Äins, zwäi, drüüüj...

Die Figuren sind Klischee-Abziehbilder mit maximal zwei Charaktereigenschaften, und die Geschichte das Paradebeispiel des Sieger-orientierten Sportfilms a la Hollywood, welches geradezu typisch den Gedanken bloß nicht aufzugeben ins Zentrum seiner dünnen Erzählung stellt. Da kann man kaum glauben, dass besagte Story auf einer wahren Begebenheit beruht. Trotz alledem ist es Regisseur Jon Turteltaub gelungen eine frische, kurzweilige Komödie abzuliefern, eine die man auch gerne ein zweites und ein drittes Mal sichtet.

Dabei liegt das Geheimrezept gar nicht mal in einer Flut an sprühender Komik. Der Humor ist recht familiengerecht brav orientiert und bietet nur gelegentlich echte Lacher. Aber dank der amüsanten Grundlage der Geschichte, ist ein Meer an großen Gags auch gar nicht nötig. Und da das Gefühlsleben besagter zweidimensionaler Charaktere den Verantwortlichen von „Cool Runnings“ wichtig war, wäre zu viel Humorpotential auch kontraproduktiv gewesen.

Turteltaub, dem wir so schöne Filme wie „Während Du schliefst“ und „Phenomenon“, aber auch Bockmist wie „Instinkt“ und „The Kid“ verdanken, schafft es durch den lockeren Umgang mit der Thematik, frei von schwermütigen Eckpfeilern wie eine mögliche Rassismus-Dramatik oder ähnlichem, eine dynamische Good Feeling-Komödie umzusetzen, frei von Innovationen, aber auch frei von Durchhängern und biederer Moral.

Das Sahnehäubchen der ganzen Sache bildet ein gut aufgelegter John Candy, der zwar nicht ganz so abdrehen darf wie in „Allein mit Onkel Buck“ und seiner besten Rolle in „Ein Ticket für zwei“, dafür aber auch sentimentale Momente geschenkt bekommt, etwas das ihm nur selten zugetraut wurde und das er bereits in „Mama, ich und wir zwei“ unter Beweis stellen konnte. Mit ihm steht und fällt der Film, und Turteltaub versteht es seine Auftritte vom Timing her perfekt zu setzen. Candys Rolle ist im übrigen auch der einzige Charakter, der glaubwürdig auch etwas unter die Oberfläche geht und dadurch im Vergleich zu den restlichen Protagonisten einen Hauch Tiefe besitzt.

Wie man sieht kann eine solche Zusammenstellung reichen um gekonnt simple Unterhaltung abzuliefern. Es muss einen nicht erst rundherum Blödheit anstrahlen, um von einem Film zum Kopfausschalten zu sprechen. Hinter dieser Ausrede verstecken sich gerne Bewunderer übelster Blockbuster-Filme. Nein, geistfrei heißt dass die Geschichte nicht zu tief greift, im Prinzip sogar das Vorhersehbare erzählt. Und ab und zu schafft es ein Film mit diesen eigentlich gar nicht so tollen Eigenschaften kurzweilig zu unterhalten, ohne dass man beim Sichten das Gefühl von Durchschnitt und Routine spürt. Wie plump das ganze war nimmt man - vorausgesetzt der Kopf war wirklich ausgeschaltet - erst hinterher wahr. sehenswert


Mittwoch, 23. Juli 2014

SKY CAPTAIN AND THE WORLD OF TOMORROW (2004 Kerry Conran)


Wissenschaftler verschwinden, große Roboter sorgen für Unbehangen. Dr. Totenkopf, der Hintermann dieser Aktionen, will das Ende der Welt herbei führen. Eine Reporterin und ihr Ex versuchen den Wahnsinnigen aufzuhalten...


Der Farbfilter des Weltuntergangs...

"Sky Captain And The World Of Tomorrow" ist der klägliche Versuch einen nostalgischen Film auf die alten naiven Science Fiction-Heldengeschichten zu drehen, die einst als Serie mit reißerischen Cliffhangern versehen die US-Kinos heimsuchten. Leider scheitert er bereits am grundlegensten: ein Film, der einem das Gefühl gibt einen CGI-Movie a la "Final Fantasy" zu sehen lässt jedes Gefühl von Nostalgie bei mir verschwinden. Wäre Kerry Conrans Werk komplett computeranimiert wäre er ein Zeichentrickfilm und könnte dies packen, so aber huschen echte Menschen durch eine am Computer entwickelte Welt, da wirkt für mich nichts mehr klassisch. Das ist meiner Meinung nach der falsche Zauber.

Bleiben wir bei der Optik: der komplette Film ist mit einem solch extremen Weichzeichner untermalt, dass Erotikfilmer David Hamilton damit seine Freude gehabt hätte. Da kriegt man bei längerem Draufschauen Augenkrebs von und auf mich speziell wirkte diese Wahl der Optik ermüdend. Es fiel mir nach einiger Zeit bei solch seichten Bildern richtig schwer dem Film zu folgen. Freilich würde besagte Bildbearbeitung nicht ganz so enorm negativ wirken, wenn der Film etwas mehr Pepp besitzen würde. Hin und wieder passiert etwas, meist wird viel geredet, freilich ohne dabei Charaktere zu vertiefen (die sind hier sehr flach gehalten) oder der Geschichte etwas Tiefe zu verleihen, eine Geschichte die einem selbst im Finale noch eine befriedigende Erklärung schuldig ist, bei all den Löchern in der Logik, welche die Auflösung mit sich bringt.

Das Design der Roboter und die wenigen Szenen in der es dann mal Action gibt sind gut umgesetzt. Was Angelina Jolie in diesem Werk soll weiß ich bis heute nicht. Sie ist genauso unnötig eingebaut wie in "Nur noch 60 Sekunden". Aber neben der Effekte wirken die Hauptdarsteller ohnehin alle zu blass, keiner von ihnen kann trumpfen. Was bleibt ist ein Film der einzig und allein von seinem Design und ein paar wirklich sehenswerten Actionszenen lebt. Das ist schon sehr enttäuschend, habe ich mir von „Sky Captain And The World Of Tomorrow“ doch wirklich viel versprochen. Schade! mittelmäßig


Weitere Reviews zum Film:

DIE UNGLAUBLICHEN - THE INCREDIBLES (The Incredibles 2004 Brad Bird)


Ein auf staatlichen Beschluss anonym lebender und seine Kräfte nicht mehr einsetzender Superheld geht seiner ehemaligen Tätigkeit heimlich nach, bis er von wem Unbekanntes einen Auftrag erhält, der ihn wieder voll und ganz fordert. Zu dumm dass das ganze die Falle eines Superschurken ist...


Kommerz-Kino-Kritik...

Dank seiner guten und flotten Animation ist "Die Unglaublichen" ein Fest für die Augen. Der Film ist so witzig, dass man tatsächlich des öfteren laut lachen muss und die Geschichte so gut, dass man bereits beim Lesen diverser Inhaltsangaben Lust bekommt ihn zu sehen. Disney und Pixar haben wahrlich etwas wunderbares gezaubert und doch ahnt man, dass es der Einfluss der Disney-Seite sein müsste, der manchen Schwachpunkt ausmacht.

Auch wenn der Film eine FSK 6 erhalten hat, so ist er doch eigentlich ein Film für das Jugend- und Erwachsenenpublikum. Warum muss trotzdem ewig in US-Trickfilmen diese Familienpropaganda und unnötige Gefühlsduseleien enthalten sein? Oh nein, da wurde die Familie vernachlässigt obwohl sie doch das wichtigste im Leben ist, und wieder wird der Zuschauer, der eigentlich mündig behandelt werden könnte, von einem Konzern erzogen, den es um den Kommerz geht und bei der Fertigstellung eines Kinofilms sicherlich nicht um die Familie.

Um den idealistischen Bereich geht es mir eigentlich aber nicht wirklich. Viel schlimmer finde ich es, dass solche zwanghaft eingebrachte Propaganda-Moral die ansonsten flott inszenierte Story ausbremst und sich anfühlt, als würde sie nicht zum Restfilm passen, einem Werk dass sich kesser Komik widmet, teilweise sogar intelligente Satire serviert. Ernste Momente und gerade Dramatik kann man innerhalb einer an sich humoristischen Geschichte auch anders integrieren, als auf derart traditionellen Pfaden, die gefühlstechnisch nicht glaubhaft daherkommen und schon immer der Schwachpunkt von Disney-Produktionen waren.

Leider schöpft „Die Unglaublichen" auch aus einem anderen Grund nicht sein volles Potential aus. Zu Anfang ist die Erzählung eine Parodie auf die Superhelden-Kultur Amerikas, sowohl auf die mediale als auch auf die politische. Im Laufe der Zeit schwenkt der Film schließlich um und wird selbst nur Teil des Superhelden-Universums, nicht frei von Selbstreflexion, aber längst nicht mehr den Satiregehalt in den Mittelpunkt stellend. So wird fast nur noch ordentlich Action geboten, was sich gerade für jenes Alter positiv schaut, welches die vielen Verweise und Anspielungen der besseren Hälfte überhaupt nicht versteht.

Glücklicher Weise ist das flott zu gucken, auch für Erwachsene bleibt es unterhaltsam, aber das Niveau der ersten 30 - 45 Minuten geht flöten und damit eine Konsequenz, die aus „Die Unglaublichen“ mehr hätte zaubern können als den nächsten flotten Pixar-Film. Sicherlich benötigt man als Drehbuchautor mehr Intelligenz und Zeit wenn man den pfiffigen Hintergrund aus der ruhigen Einleitung auch in den Bereich der Geschichte integrieren möchte, in dem die Erzählung vorwärts schreiten muss und Action zu einem dominanteren Bestandteil des Ganzen wird. Aber in Zeiten in denen Zeichentrick längst nicht mehr mit Kinderfilm verwechselt wird und Erwachsene sich offen dem Spaß am gezeichneten Kino widmen, da wird es auch höchste Zeit für mehr Intelligenz in Familienfilmen. Da möchte ich nicht erst zum komplett erwachsenen Anime greifen um ernst genommen zu werden und meinen Kopf benutzen zu dürfen. Ich möchte die Raffinesse, die sich meist in Einleitungen befindet, durchweg im Film genießen, ohne Abbruch, denn das Beenden geistreicher Hintergründe ist nicht der obligatorische Kompromiss zur Action-orientierten Popkornunterhaltung. Beides zugleich geht ebenso.

Ich weiß wie streng und einseitig sich das lesen mag, erst recht wenn man bedenkt wie gelungen „Die Unglaublichen" ist, weswegen ich an dieser Stelle noch einmal betonen möchte, dass der Streifen wahrlich über dem Durchschnitt steht und ein höchst unterhaltsames Produkt ist. Zumal meine Verbesserungsvorschläge dem vorliegenden Film nun nichts mehr bringen. Und dass dieses Superhelden-Werk trotz der von mir angekreideten Punkte so toll funktioniert, verdankt er meiner Meinung nach hauptsächlich den Charakteren, womit ich diesmal weniger die Charaktereigenschaften der Figuren meine, die aufgrund von Individualitätsmangel nur bei gewissen Figuren ihr wahres Potential ausschöpfen können, sondern die Zeichnungen an sich.

Ob es das Aussehen oder das Verhalten der Figuren ist, bis einschließlich zur kurz auftauchenden Oma ist jede Figur optisch gelungen und jeder, mit Ausnahme von Mutter und Tochter, mit einem eigenen Humorschwerpunkt versehen. Der Charakter des Schurken ist diesmal nicht ganz so typisch Disney-Bösewicht gelungen, ist aber noch immer ein wirksamer Gegenspieler, und der Roboter der ihm zur Seite steht ist allein schon optisch eine wahre Freude. Gerne würde ich mal einen Realfilm sehen, in welchem solche Roboter eingebaut werden.

"Die Unglaublichen" schafft das Kunststück als familientauglicher Zeichentrick auf 110 Minuten (!!!) zu unterhalten. Er bringt einen zum lachen und liefert flotte, augenzwinkernde Action. Da ich als Zuschauer aber nicht wie ein Kind behandelt werden möchte, muss ich engstirnig wie ich nun einmal bin wegen der oben erwähnten Kritikpunkte aber noch einmal betonen: wenn der Streifen Familienfilm und nicht rein Kinderfilm sein möchte, warum werde ich als Zuschauer dann nicht bis zum Schluss ernst genommen? Man könnte das Niveau der ersten Hälfte auch halten ohne Action und Kinder als Publikum dabei auszuschließen. sehenswert

DER MÖRDER-ALLIGATOR (Killer Crocodile 1989 Fabrizio De Angelis)


In Südamerika werden Umwelschützer von einem gefräßigen Riesen-Krokodil attackiert...


Der Horror von einem Alliga... Krokodil...

Gleich vorweg: „Killer Crocodile" (Originaltitel und deutscher Alternativtitel) ist salopp gesagt ein wirklich saudummer Film. Das mag schade für die Horror-Fans sein, aber es ist ein Glück für das Trashherz, denn die Dummheit dieses Films sprudelt derart über, dass es ein Fest ist darin zu ertrinken.

Zunächst einmal stellt selbst das Krokodil eine Dreistigkeit für sich da. Ich habe in meinem Leben schon eine Menge Filmmonster gesehen, und von den grotesken Geschöpfen eines "Creatures Of The Haunted Sea", "Stay Awake" und ähnlichem einmal abgesehen gehört das hier gezeigte Vieh zu den peinlichsten handgemachten Monstern der Filmgeschichte, ist das Plastikungetüm doch eine optische Unverschämtheit, gerade in Bezug auf seine Entstehungszeit gesehen und kann als Mutprobe gesehen werden dem Publikum überhaupt vorgesetzt zu werden.

Zugegeben, so etwas bieten einige Werke des schlechten Films, und das allein würde nur die wenigsten zu freudigen Trash machen. Aber  "Der Mörder-Alligator" bietet ja noch einiges mehr als das. Komplett abgründig wird Fabrizio De Angelis‘ Regiearbeit wenn wir nach der Logik der Charaktere gehen. Dass es da hapert gehört fast schon zur grundlegenden Pflicht eines billig heruntergekurbelten italienischen Schundfilm. Im Zentrum der Geschichte steht ein Haufen Ökos, Umweltschützer mit Idealen, die nie irgendwem ein Haar krümmen würden. Trotz der bisherigen Todesfälle wollen sie dass dem Krokodil (oder den Alligator, was denn eigentlich nun? Ich kenne mich da nicht so aus) nichts geschieht und verabscheuen die Pläne anderer es töten zu wollen. Dann jedoch stirbt einer der Naturschützer aufgrund einer Kroko-Attacke, und mit einem mal sehen die überlebenden Ökos rot. Das Biest muss sterben, diese unsagbare Bestie muss gestoppt werden!

Es mag ja richtig sein, dass Wut Menschen in ihrem Denken und Handeln vorübergehend verändern kann. Aber hallo? Was muß das für ein Mensch sein, der erst begreift wie schlimm es ist über einen Tierangriff einen Menschen zu verlieren, wenn er selbst von dieser Situation betroffen ist? Mit einem Mal sind alle hochgesetzten und jedem aufs Maul geschmierten Prinzipien über Bord geworfen, dass da nicht nur Wut anhand von Trauer entsteht, der Hass schürt derart über, dass der Zuschauer jede Identifikation (sofern es die vorher gab) mit den Figuren verliert.

Jedes ideologische, wissenschaftliche und auch grundweg logische Denken ist mit einem mal nicht mehr vorhanden. Dass das Vieh auch nur überleben will, dass es eine Mutation durch Giftmüll ist und deswegen wahrscheinlich auch seine Leiden haben mag, kommt den ehemals engagierten Umweltaktivisten nicht (mehr) in den Sinn. Gegen diese in ihrer Extreme groteske und plötzliche Charakterveränderung wirkt die Verwandlung von Jekyll zu Hyde wie ein Wutausbruch eines Jungen im Kindergarten, dem man den Legoturm zerstörte. Man müsste den Kopf schütteln, wenn der Film nicht vorher für ordentlich Kopfschmerzen gesorgt hätte.

Der Rest ist wie zu erwarten das Standard-Programm: Die Schurken sind alle typische Filmschurken und über kurz oder lang ohnehin Krokofutter, der Storyverlauf wird aalglatt abgespult wie er routinierter nicht sein könnte, und selbstverständlich beherrscht nicht einer der Akteure die Kunst des Schauspielens. Hin und wieder wird es für den Gore-Hound blutig, aber ganz im ernst: wenn man diesen Trash sehen will reicht es vollkommen aus die gekürzte und wesentlich günstigere FSK 16-Version zu schauen. Man verpasst nicht zu viel, und die Schnitte sind kaum bemerkbar.

Auf die blutige, aber völlig hohle und übertriebene Schlußszene, die auch in der 16er Fassung enthalten ist, waren die Verantwortlichen dieses Müllfilms scheinbar derart stolz, dass sie diese auch gleich wieder als Eingangssequenz für die Fortsetzung „Killer Krokodil 2“ benutzt haben. Spätestens diese letzte Szene zeigt wie schlecht die Italiener in solchen Filmen glaubwürdige Charaktere kreieren können. Das schaut sich so als würde Gandhi zu Rambo werden.

Also! „Der Alligator“ (Alternativtitel, der nicht mit dem gleichnamigen Alternativtitel tragenden, gelungenen „Der Horror-Alligator“ verwechselt werden sollte) ist ein netter Spaß mit kleinen Längen für Freunden von Trash und ein Haufen talent- und unterhaltungsfreier Müll für den echten Horror-Fan der über unfreiwillige Komik nicht lachen kann. Für beide Arten Zuschauer wird der Streifen zur Bewährungsprobe der Geduld. mittelmäßig

Sonntag, 20. Juli 2014

SLUGS (Slugs, muerte viscosa 1988 Juan Piquer Simón)


Eine aggressive und tödliche Art von Nacktschnecken wird zur Plage in einer Kleinstadt der USA...


Tödliche Schleimer...

„Slugs“ ist ein Tier-Horror der blutigen Art mit ziemlich fiesen Ideen. Leute mit zartem Gemüt sollten ihn meiden. Horror-Fans die es gerne einmal etwas härter mögen sollten wegen dieser Szenen einschalten, sie sollten aber auch gewarnt sein. Aufgrund seines recht skurrilen Humors und Designs wird dieser Schneckenfilm sicherlich nicht jedermans Ding sein. Die Charaktere sind mitunter sehr merkwürdig gezeichnet, Situationen grotesk inszeniert. Wen das nicht stört, oder wer solche Art der Erzählung gar mag, wird solide unterhalten. Der Film erfindet storytechnisch das Genre nicht neu, ist aber kurzweilig und intensiv in seiner Wirkung.

Die Musik ist sehr reißerisch komponiert. Ob auch dies humorvoll gemeint ist, ist schwer zu beurteilen, da sich der Film von seiner Grunderzählung her eigentlich nicht so humorvoll gibt wie man nach meinen ersten Zeilen nun glauben könnte. Ein Jahr vorher wurde der Sound bereits in "Amazonen auf dem Mond" verwendet. Da dort u.a. Science Fiction-Filme der 50er Jahre parodiert werden, die für ihre reißerische Musik bekannt waren, macht dies wohl deutlich, dass ich nicht übertreibe.

Zu den Highlights des Streifens zählt mitunter das blutige Szenario eines sich liebenden jungen Paares, welches feststellen muss, dass das Bett der einzig Schnecken-freie Bereich des Zimmers geworden ist und jene Szene, in welcher wir einen Mann bei einem Restaurantbesuch begleiten dürfen, der am Tag zuvor einen Salat verspeiste in welchem versehentlich eine der Killerschnecken mit zubereitet wurde. Es dürfte wohl keinen überraschen dass bei letztgenannter Szene der Ekel bevor etwas passiert schon fast größer zu nennen ist, als wenn es dann passiert.

„Slugs" muss auf solche Szenen setzen, denn der Spannungsgehalt ist routiniert, ebenso die Qualität der Schauspielkunst der Beteiligten. Das Drehbuch ist solider Durchschnitt, dies aber immerhin zu dem mutigen Versuch den Tier-Horrorbereich mit eher ungruseligen Schnecken zu bereichern. Ob sich dieser Mut gelohnt hat weiß ich nicht, ein großer Kinoerfolg wird Simóns Regiearbeit wohl kaum geworden sein. Aber im Gegensatz zu "Rabbits" zeigen uns die Verantwortlichen, dass ein an sich harmloses Tier sehr wohl im Horrorfilm für Schrecken sorgen kann. Dies liegt mitunter auch an den wenigen Szenen in denen sehr wirksame Schneckenpuppen zum Einsatz kamen. Wie eines der Viecher im ersten Drittel des Films nach unserem Filmhelden schnappt, sieht schon sehr toll aus und macht um ein weiteres deutlich, dass handgemachte Spezialeffekte denen aus dem Computer weit voraus sind. unterhaltsam

NATÜRLICH BLOND (Legally Blonde 2001 Robert Luketic)


Nachdem sie sitzen gelassen wird, weil ihr Tussi-Getue der Politkarriere ihres Freundes schadet, studiert Elle in Harvard Jura um es allen zu zeigen...


Natürlich doch dumm...

„Natürlich blond“ ist zwar naiv erzählt, aber auch kurzweilig, witzig und mit Witherspoon in der Hauptrolle gut besetzt. Der Film schippert seicht daher und weiß 90 Minuten lang auf ganz schlichte Art zu unterhalten. Aber muss eine Geschichte wie diese wirklich gleich so extrem naiv daher kommen, wie es für Hollywood-Verhältnisse üblich ist? Ist eine Spur von Logik denn schon zu viel verlangt?

Wie oft liest man, dass Witherspoon in diesem Film zeigt dass auch eine Blonde intelligent sein kann und sich gegen die Welt behaupten kann. Schön und gut, aber dafür hätte man ein Drehbuch gebraucht dem dieser Aspekt auch wirklich am Herzen liegt. Was uns in „Natürlich blond“ präsentiert wird ist eine pfiffige Blondine, klug in ihrem Interessenbereich, aber dumm genug im Verlauf des Filmes nur geistfreies und oberflächliches zu tun. Dass sie im Laufe der Story die Karriereleiter hoch schreitet, verdankt sie lediglich ihrem Glück. Ihr Wissen über Dauerwellen, Beautyschuppen und ähnlichem helfen ihr die kleinen und großen Probleme im Studium und im Praktikum zu meistern. Nie fordert das Drehbuch sie auf über ihre Grenzen hinweg zu agieren und damit zu beweisen wie klug sie nun wirklich ist.

Ich weiß, man kann schon sehr pingelig sein. „Natürlich blond" soll geistfrei kurzweilig unterhalten, und das tut er schließlich auch. Aber ich denke mal dass auch ein seichter Film nicht zwangsläufig auf Kosten der Logik seine blauäugige Story präsentieren muss. "Pretty Woman" war auch alles andere als realitätsorientiert erzählt, aber er war innerhalb seines Universums, 90 Minuten für sich eingeschlossen glaubwürdig. Elle kauft man ihren Erfolg aufgrund ihres peinlichen Denkens und Verhaltens nie ab.

Spätestens wenn die von Witherspoon so passend verkörperte Blonde zum Ende des Films ihren Schritt in die große Karrierewelt tut und mitunter die beste Studentin ihres Jahrgangs war ist dies völlig an den Haaren herbei gezogen. Wieviele Justizfälle, die für den Zuschauer aus Zeitgründen ausgeblendet werden, werden denn noch mit ihrem Schickimicki-Wissen zu tun gehabt haben? Wann hat sie mal außerhalb ihrer Beautywelt mehr getan als irgend etwas auswendig zu lernen? Und was hat auswendig lernen mit Intelligenz zu tun? Das sind Fragen die nicht beantworten werden, deren Antwort aber in den übersprungenen 3 Jahren vermutet werden können, ein von Zuschauerseite wohlgesonnener Rettungsanker, um auf den an sich heiter und kurzweilig erzählten Film nicht mehr zu schimpfen als nötig.

Was bleibt ist eine Komödie für Träumerinnen, ein Film für dumme Püppchen zur Selbstwertsteigerung und ein kleiner Streifen für Menschen wie mich, die sich hin und wieder gerne auch mal unter Niveau ein locker flockiges Filmchen angucken mit einem Naivitätsgehalt hoch zehn. Die bessere Alternative wäre jedoch eine geistfreie Komödie gewesen ohne das Makel der vollkommenen Unglaubwürdigkeit. unterhaltsam


Weitere Reviews zum Film:

Samstag, 19. Juli 2014

THE ROOST - ANGRIFF DER FLEDERMÄUSE (The Roost 2005 Ti West)


Ein Trupp junger Leute hat auf der Fahrt zu einer Hochzeit eine Autopanne und kommt in der Einöde in einer Hütte unter. Blutrünstige Fledermäuse attackieren die Reisenden, und ihre Bisse verwandeln die Opfer in Zombies...


Das Frühwerk eines bewunderten Regisseurs...

Eigentlich wollte ich damals nur ein kleines Trashfilmchen zur kleinen Unterhaltung zwischendurch schauen. Der Name Ti West war noch nicht bekannt, und der Film lief auf arte in der Trash-Reihe, ein Format das uns schon unterirdichste Schrottperlen wie "Invasion der Bienenmädchen" bescherte, allerdings auch ein Forum, welches unter der Bezeichnung Trash Filme wie "Die Nacht der lebenden Toten", "Zombie 2" und "Suspiria" zeigte, Werke weit weg vom Gedanken an Cine-Müll. Und zu dieser letztgenannten Kategorie zählt auch diese kleine Perle, die sicherlich nicht für das große Massen-Publikum gedreht wurde und zugegeben mit Trash-Elementen spielt. Stilistisch zeigt sich jedoch Können.

Zunächst einmal kann man „The Roost“ ganz klar als Kunst bezeichnen. Es ist unglaublich faszinierend wie West mit einzelnen Elementen des Filmschaffens umgeht. Da sind Spielereien mit Licht und Schatten vorhanden, ein Kunstbereich der seit des Stummfilms nichts an seinem Reiz verloren hat, und auch sonst wird hier sehr ordentlich auf andere optische Art mit der Kamera gearbeitet. Meist hält sie ruhig drauf, auch oft bei scheinbar simplen Einstellungen, wie einem Haus im Dunkeln, manchmal gibt es alternativ aber auch sehr langsame Schwenks.

Als Anlehnung an Tobe Hoopers berühmten Elektrowerkzeug-Horror bekommen wir in kurzen Schnappschüssen ein totes Tier gezeigt. Das ist dann auch schon das einzig hektische des Hauptfilms. Ansonsten wird wie erwähnt sehr ruhig gefilmt, negativ fallen dabei nur einige ganz wenige Schwarz/Weiß-Szenen auf, und das auch nur weil sie unnötig und etwas zu gewollt wirken. An sich ist der ganze Film sehr auf Dunkel gehalten in einem etwas dreckigen Farbton. Die Helligkeit des Filmes kommt nur durch echte vor Ort enthaltende Lichtquellen zu stande: durch die Außenbeleuchtung eines Hauses, eine Taschenlampe und Autoscheinwerfer.

Ganz selten sieht man Aufnahmen wie durch einen Camcorder gefilmt. Auch diese Szenen sind in Schwarz/Weiß gehalten, sollen vielleicht etwas an "The Blair Witch Project" erinnern (was nicht der einzige Verweis auf diesen Hexenfilm wäre), aber sie wirken so unnötig wie besagte andere Szenen mit völligem Farbverzicht. Glücklicher Weise sind solche Momente so selten enthalten, dass sie den künstlerischen Wert dieses besonderen Filmes damit nicht kaputt machen.

Diesen Wert erhält „The Roost“ zudem mit dem Spiel der Sehgewohnheiten des Zuschauers, die ständig bewusst provozierend ignoriert werden. Die Reihenfolge wann etwas im Bild zu sehen ist, ist oft umgekehrt der Reihenfolge eines gewöhnlichen Filmes. Oft wird urplötzlich die Einstellung geändert, nicht selten ertappt man sich als Zuschauer dabei sich neu orientieren zu müssen. Auch Räumlichkeiten müssen vom Zuschauer manchmal erst erkannt werden, um sich dann wieder orientieren und auf den Film einlassen zu können. Hin und wieder erzielt West besagte Verwirrung auch mit Ton-Spielereien.

Manchmal werden Geschehnisse eingeleitet, dann abrupt abgebrochen und erst viel später wieder eingebracht. Bestes Beispiel hierfür ist das ältere Ehepaar zu Beginn der Geschichte, eine Geschichte deren Handlung sich recht schrottig liest: Menschen werden von Fledermäusen gebissen und verwandeln sich dadurch in Zombies. Was klang das lustig, als ich es in der TV-Zeitschrift las und meine Vorfreude auf Trash damit aktiviert wurde. Der Clou an „The Roost" ist jedoch, dass er nicht nur wegen seines Kunstgehaltes keinesfalls ernsthaft trashig wirkt, die so bekloppt klingende Story wird ziemlich ernst präsentiert, indem man den Anteil an Fledermaus- und Zombieattacken gering hält.

Mit dieser Zurückhaltung wird eine enorm dichte Atmosphäre kreiert, und dass aufgrund dieses Minimalismus auch Erklärungen und Hintergrundinformationen fehlen, ist in diesem Film überhaupt nicht schlimm. Was zählt ist was im Hier und Jetzt passiert, und ähnlich wie ein „Cloverfield"-Szenario bekommt man nun einmal nicht jederzeit überall jeglichen Zusammenhang beisammen. Die Teens sind mitten in der Einöde, es geht um Leben und Tod. Sie sind weder Forscher, noch befinden sie sich an einem Ort, an dem das Grauen einst los ging. Ein Zuschauer, der üblicher Weise alles erklärt kriegen muss, muss sich damit abfinden, dass er in „The Roost" allein gelassen wird.

Die von Ti West eigenhändig komponierte Musikuntermalung besitzt eine leichte Ähnlichkeit zu der von "Psycho", jedoch mit wesentlich schrägeren Tönen versehen. Streckenweise ist es richtige Terrormusik die auf den Zuschauer herab regnet, immer passend zur Atmosphäre im Film. Dass diese Terrormusik ertönt, wenn der Protagonist Unbehagen fühlt, und nicht erst wenn äußerlicher Terror stattfindet, ist eine der vielen kleinen Raffinessen die Ti Wests ersten Langfilm die besondere Note bescheren. Ich wünschte ich könnte über die Musik im Abspann ähnlich positives verkünden, aber die wirkt in ihrer Art so unnötig, wie seinerzeit das Abschluss-Lied des ersten Kinofilms der "Addams Family".

Die Darsteller spielen ihre Rollen ordentlich, man erfährt aber auch nie all zu viel über die Personen, so dass es den Darstellern auch nicht zu leicht passieren konnte ihre Figur falsch oder widersprüchlich darzustellen. Sie sind zu versimpelt, nur auf das nötigste für die zu durchlebende Situation reduziert. Zumindest wirken die Charaktere wie eine glaubwürdige Zusammenkunft von Freunden, das macht viel aus, und dass dankenswerter Weise auf eine Liebesgeschichte innerhalb der eigentlichen Story verzichtet wurde, ist ebenfalls als sehr positiv zu bewerten.

Dass das von West selbst verfasste Drehbuch trotz dünner Charakterzeichnung und fehlender Hintergründe gelungen ist und nicht erst durch eine geglückte Inszenierung gerettet wurde, erkennt man anhand der Dialoge und der Zeitpunkte wann welche der Figuren schlichten oder weniger schlichten Tätigkeit nachgeht und welche davon Konsequenzen haben oder nicht. Wenn jemand unlogisch handelt, geschieht dies nicht aufgrund von Drehbuch-Lücken, sondern einfach weil Menschen oftmals unlogisch handeln. Wie im echten Leben reagieren die einzelnen Figuren unterschiedlich auf die gleiche Situation. Auch Unstimmigkeiten innerhalb der Gruppe werden aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet, da jeder einen eigenen Standpunkt vertritt.

Aufgrund dessen und der realistisch gehaltenen Dialoge gelingt es West, der erst mit „The House Of The Devil“ unter Cineasten Aufmerksamkeit erlangte, die an sich so irre klingende Geschichte so authentisch wirksam zu verpacken. Dass in einer so aufwühlenden und hoffnungslosen Situation wie im Film gelebt die Dialoge rar gesetzt sind und oftmals Schweigen herrscht, ist nicht nur eine wichtige Erkenntnis Wests das eigene Szenario auch wirklich verstanden zu haben, es unterstützt auch auf andere Art die realistische Wirkung des Streifens: wo wenig geredet wird, da gibt es weniger Chancen auf Widersprüche im Charakter, da läuft man nicht Gefahr pseudo-philosophisch oder verkrampft tiefgründig zu werden und die dichte Atmosphäre, die stetig aufrecht erhalten wird, wird nicht zerstört, sondern ganz im Gegenteil unterstützt.

Über die Spezialeffekte kann man sicherlich streiten. Ob die Fledermäuse nun glaubwürdig animiert wurden ist schwer zu beurteilen, sind sie doch immer nur sehr kurz zu sichten und wenn doch mal länger dann von weitem gefilmt. Sicherlich sind die Gründe dafür ebenso wie in vielen anderen Punkten der Versimplung im geringen Budget zu finden, aber das ändert nichts an der Wirkung, zumal viele Filme beim ständigen Draufhalten auf die Kreatur scheitern, gerade in der Zeit der Computeranimationen. Was die Fledermäuse in „The Roost“ betrifft, so sind diese zumindest in ihren Bewegungen und ihrem Handeln glaubwürdig. Das ist im Tierhorror-Bereich keine Selbstverständlichkeit.

Im Gegensatz zu den Fledermäusen kann man die Umsetzung der Zombies schon eher beurteilen. Diese sind zwar nicht die Creme de la Creme der Maskenkunst, sind aber okay zu nennen, zumal sie nur sehr selten durchs Bild schlurfen. Und da auch der Blutgehalt als sehr gering einzustufen ist, kann man wohl klar sagen: Dem klassischen Zombie-Fan wird das nicht gefallen, auch wenn die Geschichte anderes vermuten lassen könnte. Zuschauer für die der Film eigentlich gemacht ist, werden ihn bei eventuell vorhandenem Tunnelblick-Denken bereits aufgrund der Inhaltsangabe nicht schauen. Durch den Erfolg von „The House Of The Devil“ und dem ebenfalls in Cineastenkreisen recht positiv aufgenommenen „The Innkeepers“ wird sich das aber hoffentlich geändert haben.

Alles was ich bislang zu „The Roost" geschrieben habe bezog sich auf den Hauptfilm. Eingebettet wird die Geschichte um Killer-Fledermäuse und Zombies jedoch im Rahmen einer fiktiven Horrorsendung im Stile jener titelgebenden aus dem 80er Jahre "Fright Night". Diese ist eine sympathische Parodie auf klassischen Grusel, also eigentlich sehr nett umgesetzt, nur leider harmoniert dieser Teil des Streifens nicht wirklich mit dem eigentlichen Film. Zwei getrennt voneinander gut umgesetzte Bereiche, die nicht zusammen passen, so könnte man das Komplettprodukt bezeichnen.

So richtig ärgerlich wird dies aber erst wenn die Hauptgeschichte einmal durch diese Rahmensequenz unterbrochen wird, was eher lästig als lustig wirkt. Die eigentliche Geschichte ist eher ernst umgesetzt, lediglich mit unterschwelligem Humor angereichert. Die nicht zu dieser dazugehörenden Rahmenhandlung setzt jedoch auf lauten Humor, an der Grenze zum albernen. Das zeigt sich auch in der trashig gewollten Pappkulisse

Glücklicher Weise ist der Hauptteil und somit die eigentliche Attraktion des Films derart gelungen, dass ich trotz dieses nicht zu unterschätzenden Kritikpunktes durchaus eine Empfehlung aussprechen kann, aber eben nicht an Fans von Horrorfilmen, sondern an Freunde gelungener und gehobener Kinounterhaltung. Dank einer geringen Laufzeit gerät der im Minimalismus badende Stil nicht ins Wanken. Es kommt zu keinem Stillstand in der Geschichte und West kann sich auf das Wesentliche konzentrieren. Und der Zuschauer kann es genießen innerhalb einer vollkommen dämlich klingenden Geschichte ernst genommen zu werden. Das gibt es selten. sehenswert

Freitag, 18. Juli 2014

HÄNSEL UND GRETEL (Hansel & Gretel 2013 Anthony C. Ferrante)


Als Hänsel und Gretel nach einem Unfall hilfesuchend auf Gretels Chefin in einer Hütte im Wald treffen, ahnen sie noch nicht, dass die hilfsbereite alte Dame ganz andere Pläne mit ihnen hat...


Kinderpastete...

Es war einmal... eine Filmfirma namens The Asylum, die drehte stets billige Werke thematisch passend zu aktuellen Kinofilmen und hatte trotz mieserabelster Ergebnisse damit auch noch Erfolg. Wirklich gelungener Durchschnitt wie „Krieg der Welten 3“ gelang ihnen so gut wie nie, aber oftmals wenn das Original nur wenig taugte, wusste manche Billigverfilmung zumindest gleichzuziehen, so geschehen bei „I Am Omega“, der im Zuge von „I Am Legend“ erschien, und auch der Fall bei „Hänsel und Gretel“, der im Zuge von „Hänsel und Gretel - Hexenjäger“ erschien.

Im Gegensatz zum letzten Menschen auf Erden wird nicht versucht das tatsächliche Konzept des Originals zu kopieren. Die Namensgleichheit durch den nicht geschützten Namen „Hänsel und Gretel“ reicht bereits aus, und so erzählt der hier besprochene Streifen das Märchen sehr frei und modernisiert ein wenig nach. Wie jede Asylum-Produktion ist das Drehbuch von der Logik her löchriger als ein Schweizer Käse, Sinn macht da wenig, aber etwa 50 Minuten lang weiß der Streifen eigentlich recht nett zu gefallen ohne dabei etwas besonderes zu sein. Auf 90 Minuten wird er aufgrund seiner Belanglosigkeit dann doch etwas zu zäh, besser als „Das Hänsel und Gretel Massaker“ ist er jedoch definitiv ausgefallen.

Freilich musste die deutsche Fassung wieder einiges an Federn lassen. Ungekürzt soll teilweise echt die Post abgehen, völlig ohne Blut kommt die geschnittene Fassung jedoch auch nicht aus. Um den ollen Gore geht es aber ohnehin nicht, „Hänsel und Gretel“ soll einfach augenzwinkernd Spaß auf Schundfilm-Niveau machen, und dank passabler, teilweise sogar recht stimmiger Umsetzung und einem herrlich kranken Genre-Mix aus „Muttertag“, Grimms Vorlage um die beiden titelgebenden Bälger und Hoopers „Texas Chainsaw Massacre 2" ist das Ziel eigentlich auch erreicht worden. Allerdings tut es ein bisschen weh mit ansehen zu müssen, dass „Cujo“-Legende Dee Wallace bei The Asylum gelandet ist. Das hat etwas von den Z-Promis Deutschlands die seinerzeit ihr Karriere-Ende als Moderator einer 9live-Sendung erlebt haben. The Asylum ist für viele auch eine Art Endhaltestelle. Viel Glück, Dee, gib nicht auf! mittelmäßig


Weitere Reviews zum Film:

HÄNSEL UND GRETEL - HEXENJÄGER (Hänsel & Gretel: Witch Hunters 2013 Tommy Wirkola)


Die Stadt Augsburg engagiert die Hexenjäger Hänsel und Gretel damit diese die von einer Hexe entführten Kinder aufspüren...


Ein Troll zuviel...

Hänsel und Gretel ist neben Rotkäppchen eigentlich das ideale Märchen, um es für einen erwachseneren Stoff umzumodellieren. Die Idee das Märchen der Gebrüder Grimm als Grundlage zu nehmen, um aus den mittlerweile erwachsenen Hänsel und Gretel professionelle Hexenjäger zu machen, hat durchaus seinen Reiz, erst recht wenn man genügend Geld für ein solches Projekt hat, um eine vergangene Alternativ-Welt, in welcher es Zauber und Wunderwesen gibt, möglichst authentisch wiederzubeleben.

Schade dass Regisseur Tommy Wirkola, dessen „Dead Snow“ mir schon nicht sonderlich zugesagt hat, nicht mehr aus der Chose zu ernten versteht als ein action-orientierter Schnellverzehr ohne Tiefe, Atmosphäre und Charme, einzig für den boa geil-Effekt inszeniert und für das prollige Tammtamm der obligatorischen auf die Fresse-Szenen. Aber so funktioniert das Blockbuster-Kino von heute leider. Eine Geschichte wollte man nicht erzählen, Tempo und Spezialeffekte sind alles, und da alles schnell, schnell, schnell geht, wird nicht nur auf Geist und Dramaturgie verzichtet, sondern gehen auch die bemühten Ideen wirkungslos unter, im Falle des hier besprochenen Filmes sind es die eigentlich recht einfallsreichen unterschiedlichen Hexenkreationen, auf die man nicht genug achten kann, so schnell wie die Bildabfolge ist.

Zumindest ist „Hänsel und Gretel - Hexenjäger“ kein unerträglicher Bullshit a la „Transformers“ oder die Filme des Roland Emmerich geworden. Auf weit heruntergeschraubter Light-Basis wird man zumindest kurzweilig unterhalten. Und das könnte einen vielleicht noch schlicht besänftigen, würde man von den Verantwortlichen des Streifens nicht so penetrant unterfordert werden. Der Zuschauer darf nichts mehr in einem solchen Film. Er darf nicht mitfühlen, er darf dank fehlender Überraschungen nichts erwarten und Gott bewahre: bloß nicht denken.

Tommy Wirkola serviert dem dümmsten unter den dummen Zuschauern alles auf dem silbernen Tablett. Selbst Geheimnisse, die üblicher Weise für einen Umschwung innerhalb der Geschichte sorgen, sind sofort zu durchschauen, man versucht sie nur anzudeuten und verrät trotzdem gleich alles. Das ist schon richtig peinlich zu nennen, da der Drehbuchautor damit verrät, dass er seinen Beruf nicht verstanden hat. Warum sollte er sonst trotz dieser Art der Umsetzung gegen Ende mit dem „Geheimnis“ tatsächlich wie man es gewohnt ist besagten Umschwung einbauen?

Dass ein Troll meiner Meinung nach überhaupt nicht in die an sich familiengerecht düstere Umsetzung passt, ist eher ein sehr persönliches Empfinden, erinnerte mich dieses unsympathische Stück Freund doch arg an den Begleiter des Mädchens aus Hensons „Die Reise ins Labyrinth“, einen Film den ich ebenfalls nicht so prickelnd fand. Im Gegensatz zu dem versucht „Hänsel und Gretel - Hexenjäger“ zumindest nicht den Zuschauer in Kitsch zu ertränken. Er erzieht auch nicht versteckt den Zuschauer, wie es US-amerikanische Werke sonst gerne machen, und er ertrinkt nicht im geistlosen Pathos.

„Hänsel und Gretel - Hexenjäger“ will nur unterhalten, und wem es egal ist von heutigen Produktionen nicht gefordert zu werden, dem wird das bei der optisch professionellen Umsetzung auch sicherlich gefallen. Die am Anfang und am Ende gesetzten Off-Kommentare richten sich derart offensichtlich an ein Publikum von Proleten, dass man mir die Behauptung, sie seien das Zielpublikum, zumindest nicht als Lästerei ankreiden kann. mittelmäßig

Donnerstag, 17. Juli 2014

DAS HÄNSEL UND GRETEL MASSAKER (BreadCrumbs 2009 Mike Nichols)


Eine Filmcrew will in einer Hütte im Wald einen Pornofilm drehen, doch ein psychotisches Teenagerpärchen trachtet ihnen nach den Leben...


Der Lebkuchen der Erwachsenen...

Es musste nicht erst zu „Hänsel und Gretel - Hexenjäger“ kommen, um das Düstere des berühmten Grimm-Märchens zu erkennen um es für einen Horrorfilm umzusetzen, ein Märchen das mit seiner morbiden Stimmung geradezu prädestiniert war für Erwachsene umgesetzt zu werden, nachdem der Stoff im Kindesalter einem das Fürchten lehrte. Doch wer nun glaubt bei „Das Hänsel und Gretel Massaker“ einen Horrorfilm über bösartige, kinderfressende Hexen vorgesetzt zu bekommen, der irrt, schwebte dem Regisseur und ungenannten Co-Autor Mike Nichols, den man keinesfalls mit dem gleichnamigen Regisseur von „Wolf“ und „Der Krieg des Charlie Wilson“ verwechseln sollte, doch eher ein Mix aus Backwood-Slasher und einem Horrorfilm über böse Kinder vor, der lediglich leicht mit dem Stoff um Hänsel und Gretel spielt.

Dass der deutsche Titel nicht wörtlich zu nehmen ist, zeigt sich allein dadurch dass der Junge des Psycho-Duos nicht Hänsel heißt. Dass der Titel keine Mogelpackung ist, die im Deutschen nur zur Täuschung einen Bezug herstellt, erkannt man wiederum in der häufigen Erwähnung des Lebkuchenhäuschens, dessen Bedeutung hier ein wenig auf den Kopf gestellt wird. Hier wird Porno als der Zucker der Erwachsenen gesehen. Und man kommt sich mit solchen verdrehten Sichtweisen weitaus cleverer vor als solche Gleichnisse wirklich sind. Aber das ist nicht weiter wild, ist „BreadCrumbs“ (auch der Originaltitel ist ein Verweis auf das berühmte Märchen) doch ohnehin Hirnlos-Horror von der Stange, wenn auch nicht so kostengünstig produziert wie der übliche direkt für den DVD-Markt erscheinende semi-professionelle Müll.

Dass etwas mehr Mühe hinter dem ganzen Projekt steckt, zeigt bereits sehr deutlich der stimmige und einfallsreiche Vorspann und das Talent der Beteiligten, das nun nicht überragend zu nennen ist, aber zumindest grundlegend professionell. Die Regie schafft ein paar atmosphärische Momente, die Kamera fängt passable Bilder ein, und mancher Schauspieler versucht mehr zu leisten als bloßes Textaufsagen. Diesen Rahmenbedingungen hat es „Das Hänsel und Gretel Massaker“ zu verdanken, dass es trotz idiotischster Plot Holes recht erträglich zu gucken ist.

Klar muss man laut auflachen, wenn die Hauptfigur 20 Minuten vor Schluss auf ein Geheimnis stößt, das die ganze Zeit offensichtlich war. Andererseits: Hey, sie war ihr Leben lang Pornostar, hätte sie was mehr im Kopf gehabt hätte sie einen solchen Job ja nun nicht ganz so lange ausüben müssen. Aber wie gesagt: aller Schwächen zum Trotz kann man als hartgesottener Horror-Fan den Streifen durchaus sichten ohne allzu genervt zu werden. Da gibt es schon weitaus schlechteres auf dem Videomarkt zu entdecken.

Leider ist die bislang in Deutschland veröffentliche DVD geschnitten, was den ein oder anderen Fan des Genres sicher wieder abhalten wird einen Blick zu riskieren. Aber wie gesagt: verpassen tut man bei Nichtsichtung ohnehin nichts, außer vielleicht den unfreiwillig komischen psychologisch erbärmlichen Versuch eine Art Kinderwunsch-Trauma der Heldin in die Geschichte zu verarbeiten, was seinen Tiefpunkt erreicht, wenn die unscheinbare Gretel die gute Frau Mama nennt. Von Dramatik verstand man ebenso wenig wie von einer logischen Handlung.

Während ich diesen Text vor mich hin tippe merke ich immer mehr, dass es mich wundert, dass „Das Hänsel und Gretel Massaker“ so passabel durchschnittlich umgesetzt wurde bei all dem Nonsens den es verzapft. Allerdings bin ich auch mit geringsten Erwartungen an einem sehr geduldigen Tag an diesen Film herangegangen. Nichols auf Grimms Märchen lose basierender FSK 18-Horror ist flink vergessener Schnellverzehr für den nimmersatten Dauergast im Genre und am wirkungsvollsten wohl für jenes Publikum, das den Film noch gar nicht gucken darf. Aber das rote Alterssiegel hat uns in meiner Jugend auch nicht abgehalten. mittelmäßig


Weitere Reviews zum Film:

Mittwoch, 16. Juli 2014

ROBOCOP (2014 José Padilha)


Die Bevölkerung misstraut trotz Propaganda-TV der Idee, dass Roboter als Odnungshüter in Amerika eingesetzt werden. Also denkt sich der Chef von Omnicorp eine Zwischenlösung aus: den RoboCop. Die Wahl des körperlich behinderten Mannes, der für das Projekt in Frage kommt, ist mit dem kürzlich schwer verletzten Polizisten Alex Murphy schnell gefunden. Der reagiert jedoch zu emotional auf das Programm, so dass die Verantwortlichen für das Projekt an dem Bewusstsein des Mannes in der Maschine herumspielen...


Was gibt es wichtigeres als die Sicherheit der amerikanischen Bürger?...

Zugegeben, nötig war eine Neuverfilmung von Verhoevens so gekonnt erzähltem Original aus den 80er Jahren nicht, aber im Zuge der Welle an Superhelden(neu)verfilmungen war ein solches Projekt eigentlich trotzdem längst fällig. Mit der ersten Fortsetzung des Originals hatte man schließlich bewiesen, dass weitere Filme um den Blechmann durchaus interessant ausfallen können, und dank der Mini-Serie „RoboCop - Prime Directives“ wissen wir, dass dies auch im unfreiwillig komischen Trash-Bereich eine Bereicherung sein kann - ganz im Gegenteil zur kanadischen TV-Serie, die etwas zu sehr Familienserie war, um sie ernst nehmen zu können. Schade, der Pilotfilm dazu war eigentlich geglückt.

So ganz Erwachsenenfilm möchte man in der Neuverfilmung, die immerhin in Deutschland die FSK 12 beschert bekommen hat, ebenfalls nicht sein, obwohl das veränderte düstere Design gegenteiliges vermuten lassen könnte, orientiert am düsteren Stil letzterer Filme um Batman. Andererseits: wenn man danach ginge, müsste der Trickfilm „TMNT“ alles andere als ein Kinderfilm sein, und der ist ja nun wirklich keinem anderen Publikum anzutun. Wie auch immer: „RoboCop“ ist ein Actionfilm, der auch für ein Jugendpublikum geeignet ist, aber brav sieht anders aus. Für einen FSK 12-Film gibt es einige harte Szenen zu sichten, und dass die Brutalitäten in den reichlich vorhandenen Actionszenen nicht so gewalttätig wirken wie in manch anderen Stoffen, liegt an der unangenehmen Eigenschaft des Streifens, dass die Schnitte zu schnell gesetzt sind. Oft erkennt man gar nicht was gerade passiert.

Ich persönlich interessiere mich selbst bei Filmen wie diesen eigentlich ohnehin mehr für die Geschichte als für die Acionszenen, und es ist schon interessant zu beobachten was die Story seit der 80er Jahre für Veränderungen erfahren hat. Manches wurde versimpelt, so die Gesellschaftskritik, die nicht mehr so subtil daher kommt, sondern passend zum geringer gewordenen Intellekt des amerikanischen Massenpublikums mit dem Holzhammer präsentiert wird. Dies aber um aktuellere Missstände des eigenen Landes einzuarbeiten und die Methode mit welchen diese in Amerika eingebracht und beibehalten werden zu kritisieren und zu demonstrieren. Mit beiden Gründen inhaltlicher Veränderung leistet „RoboCop“ für einen ollen Popkornfilm hervorragende Aufklärungsarbeit, etwas dass einem als bereits aufgeklärter Europäer eventuell unnötig oder aufgesetzt erscheinen könnte, wenn man sich der Realität in Amerika nicht bewusst ist.

Um näher dran zu sein wurden auch recht stützende Bereiche des Originals verändert, so auch die für mich eigentlich unverzichtbare Idee, dass ein Konzern eigene Bereiche eines Landes kontrolliert und damit regional mehr Macht als die Regierung hat. Ganz so weit in die Zukunft schaut der aktuelle „RoboCop“ nicht, verharmlost im direkten Vergleich also seinen düsteren Zukunftsblick, aber wie bereits erwähnt um Missstände der Gegenwart deutlicher ansprechen zu können, deswegen kann ich es ihm persönlich als Bewunderer der verworfenen Idee durchaus verzeihen.

Ob auch eine Änderung des Kontakts zur hinterbliebenen Familie Murphys nötig war, sei einmal dahin gestellt, bot sie in der Fassung der 80er Jahre doch den Kern der Dramatik des Stoffes, die in der Neuverfilmung u.a. wegen dieser Änderung zu kurz kommt. Der Verhoeven-"RoboCop“ mag brutaler gewesen sein, er war aber auch emotionaler und gab seiner Hauptfigur eine Seele mit auf den Weg. „RoboCop“ im Jahr 2014 geht mit dem Seelenleben so oberflächlich um wie mit dem kompletten Werk, womit er sich selbst austauschbar macht, zugegebener Maßen aber auch nicht völlig uninteressant.

„RoboCop“ ist anspruchslose aber durchschnittlich unterhaltsame, kurzweilige Unterhaltung, die man sich durchaus mal geben kann. Auch mit Kenntniss des 80er Jahre Originals kann er funktionieren. Akzeptiert man einmal die Änderungen in der Geschichte wissen gerade diese durch den Vergleich der Erstverfilmung zu interessieren, sind sie doch nie grundlos eingebracht und bieten sie doch manch andere Sichtweise auf die Geschichte, so z.B. in der neuen Alternative zum gelöschten Gedächtnis aus dem Original. Manches was sich zunächst humaner anfühlt, ist es im späteren Verlauf keineswegs. Und selbst eben erwähnter Kritikpunkt die Familie Murphys betreffend ist für manch anderen Aspekt der Geschichte durchaus interessant, auch wenn ein wichtiger Aspekt der möglichen Wirkung beim Zuschauer damit ausgetauscht wurde gegen einen nicht zwingend nötigen aber durchaus interessanten innerhalb der Storyabfolge.

Wirklich tiefsinnig oder wenigstens in seiner Wirkung auf den Zuschauer überragend ist „RoboCop“ 2014 jedoch keinesfalls ausgefallen. Dafür ist die Geschichte nicht innovativ genug, bietet mit Ausnahme der Veränderungen zum Original keine überraschenden Momente, präsentiert quasi den klassischen 08-15 Storyverlauf solcher Werke, und dies gepaart mit der Holzhammer-Gesellschaftskritik schaut sich mit europäischen Augen nicht wirklich aufregend.

Aber mit heruntergeschraubten Erwartungen weiß „RoboCop“ als kleiner Beitrag der Superhelden-Welle durchaus zu gefallen, zumal zum Glück erkannt wurde, dass das in den 80er Jahren so wirksame klotzige Design nicht mehr zeitgemäß war, und ein Maschinenmensch der Zukunft aus dem Blickwinkel des Heute weniger schwere Mechanik und Panzerung mit sich herumtragen muss. Einzig auf das schwarze Design hätte ich persönlich verzichten können, aber die letzte Szene macht deutlich, dass man in einer möglichen Fortsetzung mit diesem wohl ohnehin nicht mehr rechnen muss. unterhaltsam

Dienstag, 15. Juli 2014

BEI MIR LIEGEN SIE RICHTIG (1990 Ulrich Stark)


Ein Organschmuggler wird von einer Kreditbetrügerin erpresst für sie den nur auf dem Papier existierenden Dr. Tetzlaff zu spielen. Was als einmalige Sache gedacht war, überschlägt sich derart, dass Dr. Tetzlaff zum Chefarzt einer Klinik wird...


Die Chirurgie und die freie Marktwirtschaft...

Nachdem Hallervordens persönliches Herzstück „Der Experte“ an den Kinokassen nicht den gewünschten Erfolg einspielte, war es endgültig aus mit der Beliebtheit des Komikers beim Massenpublikum in den deutschen Kinos. „Didi auf vollen Touren“ besaß beileibe nicht mehr das Potential der großen Erfolge „Didi - Der Doppelgänger“ und „Didi und die Rache der Enterbten“ und ging bereits in eine Richtung, die Hallervorden beibehalten wollte: die Satire. Konnte sich „Didi auf vollen Touren“ nicht ganz zwischen klassischem Didi-Klamauk und ernstzunehmender Satire entscheiden traf „Der Experte“ genau den richtigen Ton. Schade dass das Publikum dies nicht zu schätzen wusste, wer weiß wie es ansonsten mit Hallervorden im Kino weiter gegangen wäre.

Zwei Jahre nach besagtem Film erschien „Bei mir liegen sie richtig“, der dem Publikum auf den Plakaten die klassische Didi-Komik suggerierte, in Wirklichkeit aber den vom Publikum eher unerwünschten Kurs der Satire fortsetzte. Es zeugt von Charakter, dass Hallervorden diesbezüglich seinem Wunsch zu ernst zu nehmender Komik folgte und sich von den Unkenrufen der Zuschauer nicht beeinflussen ließ. Allerdings lässt das Humor-Niveau im hier besprochenen Streifen zu wünschen übrig. Recht bieder kommt die Komik daher, ein Bereich den „Der Experte“ nur hin und wieder kurzfristig streifte. Nun ist er im Hauptprogramm der humoristischen Attraktivitäten angelangt, und das ist schon sehr traurig, werden die oft recht zahmen, einfallslosen und vorhersehbaren Witzchen doch zudem von der Regie nicht gekonnt eingefangen.

Selbst die Stuntszenen, auf die Hallervorden in den meisten seiner Werke so stolz ist, sind äußerst müde ausgefallen, was allein die Unfallszene aufzeigt, mit der die eigentliche Geschichte beginnt. Aber auch an anderer Stelle fehlt es an Tempo oder der richtigen Kameraeinstellungen um Witze so einzufangen, dass sie auch ziehen. Ein wichtiger Faktor, erst recht wenn es der wirklich geglückten Scherze nur sehr wenige gibt. Hallervorden schien sich scheinbar dennoch bestätigt zu fühlen, umfasst das Gagpotential doch in etwa das Niveau seiner später so erfolgreichen Comedysendung „Hallervordens Spott-Light“.

Es freut dass er mit diesem Format die so lange anvisierte Anerkennung beim Publikum gefunden hat. Dass besagter Kurs jedoch in Filmform unangebracht war, bewies dann endgültig das Scheitern zwei Jahre nach „Bei mir liegen sie richtig“, als Hallervorden mit „Alles Lüge“ einen derartigen Tiefflieger kreierte, dass es für lange Zeit mit Hauptrollen in Kinofilmen vorbei war. „Bei mir liegen sie richtig“ weiß zumindest durchschnittlich halbwegs zu unterhalten, was zum einen daran liegt dass die Geschichte selbst eine recht interessante ist, von der man wissen möchte wie sie weiter geht, und weil der satirische Gedanke den Medizinbereich auf freiem Marktwirtschafts-Niveau anzusiedeln eine treffsichere Idee ist, um den falschen Kurs der in den 80er Jahre entstandenen und in den 90er Jahren aufgeblüten neuen Moral treffsicher zu kritisieren.

„Bei mir liegen sie richtig“ ist definitiv nichts für die Fans der klassischen Didi-Filme, und im Gegensatz zur Werbekampagne, die für das Filmplakat zuständig war, war dies von Hallervorden auch gar nicht gewollt. Der wollte das Didi-Image endlich hinter sich lassen. Als kleine Komödie für zwischendurch geht der Streifen bei wenig Anspruch und geringen Erwartungen bei einem alternativen Publikum auch gerade noch durch, auch wenn nur für das geübte Auge durchschimmert wie talentiert Hallervorden eigentlich ist. Die wahre Chance sein schauspielerisches Können hier zu präsentieren, gibt es kaum, auch nicht in den stilleren Momenten, die geradezu geeignet dafür wären.

Spießbürger werden Gefallen am Film finden, Zuschauer mit geringen Ansprüchen bekommen wenigstens ein bisschen was zu schmunzeln. Wer aber wirklich geglückte Satire von Hallervorden sehen will, der sollte zu „Der Experte“ greifen, der den richtigen Ton traf und für mich zu den besten Werken des Komikers zählt. „Bei mir liegen sie richtig“ sieht man nicht an was es am unterschätzten Hallervorden zu schätzen gibt. Schade! Aber auch ein schauspielerisches Talent wie Didi kann nicht gegen ein solch witzarmes Drehbuch ankämpfen, erst recht wenn man dem Bereich der Improvisation nicht die nötige Anerkennung zugesteht. mittelmäßig


Weitere Reviews zum Film:

DIDI UND DIE RACHE DER ENTERBTEN (1985 Christian Rateuke u.a.)


Dieter Dödel ist Alleinerbe eines Vermögens und weiß es nicht. Die enterbte Verwandtschaft aber sehr wohl, und die trachtet dem ahnungslosen Trottel nun nach dem Leben. Die Leichen die dabei entstehen fallen auf Dieter zurück, so dass der neben der mordgierigen Verwandtschaft auch noch Probleme mit der Polizei bekommt...


Honig auf dem Teller, Bier in den Haaren und Theo in der Tonne...

Nachdem Dieter Hallervorden im Vorgänger „Didi - Der Doppelgänger“ in einer Doppelrolle zu sehen war, wollte er gerne einmal eine ganze Familie allein verkörpern, so wie sein Vorbild Alec Guinness 34 Jahre zuvor in „Adel verpflichtet“.  Sieben Rollen sind es geworden die Hallervorden in „Didi und die Rache der Enterbten“ meistert, im Gegensatz zum Vorgänger verstärkter unterstützt durch die Maske, was humoristisch jedoch so treffsicher ist, dass man dies keinesfalls als negativen Aspekt des Streifens werten sollte, zumal die Maske ergänzend wirkt und nicht das Talent des Hauptdarstellers ersetzt, das noch in so ziemlich jeder Szene durchschimmert.

Schön ist jedoch, dass die Mimen an Hallervordens Seite dabei keinesfalls zu kurz kommen. So lustig die Charakterzeichnung des jeweiligen Mitgliedes der Sippschaft geworden ist, so treffsicher sind auch die anderen Figuren gezeichnet, allen voran der Assistent des Kommissars, Sohn des Bürgermeisters, jedes Klischee des Berufes lebend ohne etwas von diesem zu verstehen und fast passend zu den langen Haaren Langenhagen genannt. Interessanter Weise wird dieser in der Regel weder in Besprechung gesondert erwähnt, noch wird auf ihn im Audiokommentar eingegangen, dabei sind seine Witze stets ein Volltreffer, sein Spiel ungemein sympathisch trottelig und seine ihm zugeschriebenen Eigenarten, wie die Körperpflege in den unmöglichsten Situationen, geradezu Kult.

Wenn ein erschossener Toter im Spiegelkabinett aufgefunden wird, fragt er seinen Vorgesetzten allen ernstes ob das Opfer an den Spiegelscherben gestorben sein mag, während der Kommissar genervt sachlich antwortet, dass ihn wohl eher die Kugeln getötet haben. „Didi und die Rache der Enterbten“ ist sich für keinen noch so flachen Gag zu schade, und dies gepaart mit der Spielfreude aller Beteiligten und der Leichtigkeit die Drehbuch und Inszenierung umwehen, macht das Werk selbst innerhalb der für diese Eigenarten bekannten Didi-Filme in der hier angewendeten Konsequenz einmalig.

Mag der gewisse Anspruch den „Didi - Der Doppelgänger“ für sich noch verzeichnet hatte und der mit „Der Experte“ auch wieder in die Kinoarbeiten Hallervordens zurückkehren sollte hier auch dem hemmungslosem Klamauk weichen, so ist „Didi und die Rache der Enterbten“ doch zumindest bis 1985 der beste Hallervorden-Film geworden, gibt es hier im Gegensatz zu seinem Vorgänger doch keinen Einbruch im Unterhaltungsbereich. „Didi und die Rache der Enterbten“ ist durchweg gelungen, von Anfang bis Ende ohne jeglichen Durchhänger.

Dass der eigentliche Held erst nach 30 Minuten Film eingeführt wird, ist ein Kuriosität für sich, wird auch im Audiokommentar besprochen, wo die Drehbuchautoren gestehen das nie so bewusst bemerkt zu haben, ebenso wie es dem Zuschauer kaum auffällt, wird dem doch von Anfang an Didi geboten. Dieter Dödel, wenn unter anderem Namen auch die typische klassische Didi-Rolle Hallervordens, wirkt fast schon normal unter all den ausgeflippten Charakteren und schrägen Situationen, bekommt aber dennoch genügend Rahmen um trotzdem selbst für viele Lacher zu sorgen. Und das ist gar nicht so leicht, wenn um ihn herum so herrlich kranke Ideen fruchten, wie der naive Nachbar, der die morbiden Vorkommnisse für einen Film hält und deswegen von Kongo-Otto (allein der Name) dazu verdonnert wird einen guten Teil der Geschichte in einer Mülltonne abzusitzen.

Herrlich auch die Arbeiten der Zuständigen für die Deko. Da wurde eine Abbruchbude so wunderbar herzlos und absichtlich sichtbar heruntergekommen in Dödels „Wohnung“ verwandelt, dass nicht einmal die ärmliche türkische Familie, welcher der Vermieter die Wohnung präsentiert um Dödel endlich loszuwerden, auch nur Ansatzweise in Versuchung kommt einzuziehen. Da fallen so herrlich übertriebene, großkotzig großzügige Sätze des Vermieters, er würde auch sein Einverständnis geben, dass die Familie hier eine Heizung einbauen dürfe, kurz nachdem er ein Waschbecken mit Brausekopf als Dusche angepriesen hat, mit warmen und kaltem Wasser - je nach Jahreszeit, wie Dödel hinzufügt. Und wenn man denkt nach der türkischen Familie ginge es gesellschaftskritisch nicht weiter, äußert der unangenehme Zeitgenosse vor seinem Verschwinden, er würde im Notfall aus der Bude ein Studentenwohnheim machen. Aua! Tiefschlag! Wunderbar!

An Witzen, skurrilen Situationen und einfallsreicher Charaktere mangelt es hier wahrlich nicht. Autoren wie Schauspieler toben sich hier munter aus in einem Plot, der so heute nicht mehr ins Kino kommen würde, so anarchistisch anders wie er heute wirkt im Gegenzug zu herkömmlichen Drehbüchern der Gegenwart. „Didi und die Rache der Enterbten“ sieht seine Anwesenheit im Kino nicht so streng, als dass er aufgrund seiner Größe irgendwelche Normen einhalten müsse. Der Film ist ein Liebhaberstück, ein zum Lachen einladendes Original und keinesfalls der krampfhaft verfehlte Versuch eine Kopie des Vorbildes mit Guinness sein zu wollen.

Dass es das Finale schafft inmitten von so viel Irrsinn ganz leicht den Bereich eines Thrillers zu streifen, verdankt der Film nicht nur dem hervorragenden Spiel Wolfgang Kielings, den man als Glücksgriff für seine Rolle bezeichnen kann, auch der Soundtrack weiß hier enorm zu wirken, aber der ist ohnehin sympathisch ausgefallen und weiß in seiner ziemlich simplen Komposition jeden Winkel des Streifens bestens zu unterstützen. Wer die richtige DVD-Edition ergattert, hat auch gleich eine Soundtrack-CD zusätzlich zum Film erworben, und die lohnt sich meiner Meinung nach - ebenso wie der Film, den jeder der es auch gerne einmal albern mag unbedingt gesehen haben sollte. herausragend

XMAS TALE (Películas para no dormir: Cuento de navidad 2005 Paco Plaza)


Eine Gruppe Kinder findet in einem tiefen Loch im Wald eine verletzte, gesuchte Diebin. Die wird von nun an dort von ihnen gefangen gehalten, bis sie das Versteck ihrer Beute verrät. Mit der Zeit stirbt die Frau, ist kurz darauf aber verschwunden. Die Kinder glauben sie mit einem Voodoo-Ritual als Zombie zum Leben erweckt zu haben. Kann das sein, oder war besagtes Opfer doch nicht tot?...


Zwei Millionen Gründe Frau Weihnachtsmann in der Grube schmollen zu lassen...

Willkommen in den 80er Jahren! Ich war zur im Film angegebenen Zeit 10 Jahre alt, etwa so alt wie die Kinder des Streifens. Und auch wenn wir auf „Karate Kid“ nicht so abgefahren sind wie die und die Zombiefilme noch warten mussten bis wir etwa 14 Jahre alt waren, so kann man den Verantwortlichen des Streifens doch trotzdem attestieren, dass der Zeitgeist der 80er Jahre hervorragend eingefangen wurde und man sich als Kind dieser Zeit wunderbar nostalgisch in die eigene Kindheit zurückversetzt fühlt. Das macht viel am Endergebnis aus, wenn besagte Bande Kinder im Mittelpunkt steht.

Regisseur Paco Plaza, der mit den Fortsetzungen seines wohlverdienten Erfolges „[Rec]“ enttäuschte und mit „Romasanta“ bereits vor dem großen Kinoerfolg einen interessanten Genre-Beitrag zauberte, drehte „XMas Tale“ zwischen den beiden gelungenen Werken. Der Film ist eine TV-Arbeit und startete die sogenannte Anthologie-Reihe, von der ich bislang nur den wunderbar gruseligen „The Baby‘s Room“ von Regisseur Álex de la Iglesia kannte. Der hier besprochene Streifen geht stilistisch in eine völlig andere Richtung, kann als ebenso geglückt betrachtet werden, so dass es sicherlich spannend werden dürfte auch die weiteren vier Teile der Reihe zu sichten, zumal die Filme durchschnittlich je 75 Minuten laufen (der längste geht 80 Minuten lang), woraus zumindest die zwei bislang von mir gesichteten Filme der Reihe einen Teil ihrer Stärke beziehen.

Im hier vorliegenden Fall ist es das Tempo, sind die 75 Minuten doch mit viel zu Erzählendem gefüllt und wirkt die Stimmung des Streifens doch trotzdem sympathisch gemütlich anstatt gehetzt, wie man meinen könnte. In einem Peanuts-ähnlichem Universum ist die Verbrecherin, mit Ausnahme zwei kurzer Gastauftritte eines Kriminalisten, die einzig Erwachsene der Geschichte. Diese wird somit aus dem Blickwinkel der Kinder betrachtet, der durchaus realistisch eingefangen wurde. Gut und Böse werden klar getrennt, die Regeln der Erwachsenenwelt werden nicht angezweifelt, Egoismus bestimmt noch immer das eigene Treiben, was nicht im Widerspruch zum ebenso starkem Sozialempfinden steht. Der Zusammenhalt und der Ruf innerhalb der Gruppe bestimmen das Handeln. Freundschaften werden zu den unterschiedlichsten Mentalitäten gepflegt.

Paco Plaza unterscheidet da sehr zwischen dem Blickwinkel der Kinder und den Aussagen des Filmes. Die würden nie Gut und Böse so klar trennen wie die Protagonisten, stellen das Verhalten der Kinder gar als gnadenloser da als alles was die Frau in der Grube verbrochen haben könnte, begehen aber nicht den Fehler Charaktere zu dämonisieren, so wie es Stephen King bei gleichem Ausgangspunkt machen würde. Alle Kinder handeln fragwürdig und vorbildlich zugleich, je nach Charakter auf völlig verschiedene Situationen gesehen, und das macht „XMas Tale“ so ehrlich und griffig. Da kann man Drehbuch und Inszenierung nur zu gratulieren.

Dass Paco Plaza es auch versteht mit dem Horrorpart der Geschichte umzugehen, beweist er eigentlich schon in den ersten Minuten, wenn er herzlichst die europäischen Horrorfilme der 70er Jahre parodiert und zitiert, Minuten in welchen wir einen Blick auf einen angeblichen Film dieser Zeit werfen dürfen, und das guckt sich schon sehr echt. Augenzwinkernd bleibt „XMas Tale“ immer, allein schon weil wir als Zuschauer ja gar nicht so genau wissen, ob die zur zweiten Filmhälfte tote Diebin denn nun ein Zombie ist oder es lediglich lebendig trotz aller Verletzungen geschafft hat sich aus der Grube zu befreien (auch wenn der Zuschauer da sicherlich bereits vor der Auflösung so seine Vermutung hat).

Darf der mit einer Axt bewaffnete Zombie dann erst einmal Jagd auf die Kids machen, ist trotz allem augenzwinkerndem Spiel mit Klischees durchaus ein gutes Spannungspotential vorhanden, das nun aus der ohnehin atmosphärisch gestrickten Grundhaltung des Streifens zehren kann. Der Grad des Nervenkitzels wird nicht erreicht, aber der Spannungsbogen ist hoch, eben weil auch das Finale aus kindlicher Sicht betrachtet wird und simpelste Situationen, meist ausgelöst durch einfachstes Kinderdenken (die Kinder sind hier keine kleinen Erwachsenen) für geladene Momente sorgen.

Plaza begeht zudem nicht den Fehler die Versuche den Zombie aufzuhalten auf alte „Kevin - Allein zu Haus“-Art zu präsentieren. Sicher, das Grundszenario im Finale ähnelt dem Treiben des letzten Drittels in Chris Columbus Familienfilm durchaus, aber auch in dieser Phase des Streifens bleibt das Verhalten der Kinder authentisch. Hier wird nichts gemeistert, was man nicht schon mit 10 Jahren meistern kann. Deswegen ist das Alter auch so perfekt gewählt. Man ist längst nicht mehr so naiv wie kleinere Kinder, aber auch noch nicht annähernd so weit die Welt außerhalb des eigenen Tellerrandes zu betrachten. Intelligent und doch nur Kind - aus diesem Zustand weiß Plaza alles heraus zu holen.

Ob die Schluss-Sequenz der Erzählung glücklich gewählt ist oder besser entfernt worden wäre ist sicherlich ein Streitpunkt unter Zuschauern. Auch wenn ich den Schluss ohne diese Ergänzungsszene als äußerst geglückt betrachtet habe, so gefällt mir doch auch die Zusatzsequenz, zumal sie die im Hintergrund laufende tiefer gehende Geschichte um eine böse bittere Pointe zu erweitern weiß, die das bisherige Szenario des inneren Konfliktes eines Mädchens auf den Kopf stellt und vielleicht sogar zu erklären weiß, warum die Diebin als einzige Erwachsene so sehr im Mittelpunkt einer von Kindern gelebten Welt stehen durfte. Was für die äußere Geschichte für manch einen also etwas unnötig wirken dürfte, ist für den analytischen Hintergrund durchaus reizvoll zu nennen. Mir gefällt der Schluss sogar auf beiden Ebenen. sehenswert