Dienstag, 26. August 2014

RAW - DER FLUCH DER GRETE MÜLLER (2013 Marcel Walz)


Drei junge Frauen ziehen gemeinsam los um einen Dokumentarfilm über die Hexe Grete Müller und die Legende, die um ihren Fluch herum entstanden ist, zu drehen. Nachts kampierend an den Ruinen des Ortes wo sie einst verbrannt wurde lauert das Grauen auf die Mädels...


Eine wahre Geschichte...

Der Legende nach gab es einst im 20. Jahrhundert ein Werk namens „The Blair Witch Project“, von dem man erzählt es habe seinen Erfindern und seinem Vertrieb bei wenig Kosten so viel Reichtum beschert, dass seit dem ein Fluch auf dem DVD-Konsumenten liegt mittels paranormal aktiver Kraft fast ein Jahrzehnt nach dessen Erscheinung Jahrein Jahraus immer wieder von vergleichbaren Folgewerken auf dem Heim-Videomarkt heimgesucht zu werden, denen es an der Kraft und Magie des Besonderen fehlt und dem Zuschauer jegliche Kraft beim Betrachten raubt, so dass er beim Zusehen geistig entweder in einen tiefen Schlaf entführt wird oder die Nerven derart gereizt werden, dass ein pausenloses Augenverdrehen dem Zuschauer fremdgesteuert seine Kontrolle über den Körper nimmt.

Neben den unangenehmen Erscheinungen einer künstlich konstruierten „Paranormal Investigations“-Reihe spricht man in Kreisen derer die an Found Footage glauben auch von Sichtungen einer sogenannten „RAW“-Reihe, die sich mit dem Fluch der Grete Müller beschäftige, und ein besonders übles Objekt sei, so penetrant wie es dem „Blair Witch Project“ nachäfft, gar penetranter als es ein stümperhafter „The Dark Area“ je versucht haben soll, oder ein Charles Bandiger „The St. Francisville Experiment“, von dem überlebende schlombiehafte Rezensenten gar behaupten eine unheimliche Wirkung gespürt haben zu wollen.

Die unangenehme Erscheinung „Raw“ zeichne sich darin aus, jegliches Feingefühl des von ihm geplünderten Originals vermissen zu lassen, jegliches Talent zum psychologischen Verständnis für Genre, Sub-Genre, Filmstil und Geschichte, Situationen und Personen in einem schwarzen Loch an Unvermögen komplett in sich auf Nimmerwiedersehen aufgesogen zu haben, um dem Zuschauer gegenüber ein dilettantisches Etwas auszukotzen, das ihn von der Aussprache der sogenannten „Schauspieler“ her seit seiner Grundschulzeit während der ersten Leseübungen nicht mehr widerfahren sei. Ein peinliches Bemühen um eine unheilvolle Stimmung sei ebenso vorhanden, unter welcher der Zuschauer bei Sichtung dieses Werkes zu leiden habe, unterstützt von um Spannungsaufbau bemühter Musik, die sich aufgrund fehlenden Verständnisses für Authentizität in gefakten Realszenen in ein Gebiet verlaufen hat, in welchem sie nichts zu suchen hat.

Auch spricht man davon, dass der Zuschauer beim Betrachten der etwa 75minütigen Aufnahmen fast von Übelkeit heimgesucht werde, bei der selbst für Found Footage-Verhältnisse penetrant ungeschickten verwackelten Kameraaufnahmen, welche der Professionalität der um einen Dokumentarfilm bemühten Trullas erste Risse beschert, die in ihrem Unvermögen sachlich, kreativ und glaubwürdig an das Projekt heranzugehen in einer endgültigen Ruine besagter Professionalität mündet.

Man spricht davon, dass innerhalb der ewig ausgeschlachteten Found Footage-Welle auch „RAW“ endlos ausgeschlachtet werden solle, so wie es dem einst gelungenen „Paranormal Activity“ mit seinen wenig unterhaltsamen Anhängseln erging, heißt es doch ein „RAW 2“ habe bereits im heuer laufenden Jahr die Macht über einige silbernen Scheiben ergattert. Und jene die von ihm besessen wurden, sind auch mit den besten Exorzismen nicht mehr zu befreien um sie gegen gute Unterhaltung auszutauschen. Der Fluch brennt sich so tief in sie ein, dass man ihm entweder mit den zu Beginn erwähnten Symptomen erliegt oder den Fluch per Staubfänger bannt, was wohl die klügste Entscheidung wäre. Man mutmaßt jedoch in Zukunft gar von „RAW 3“ und „RAW 4“ belästigt zu werden, aber um Himmels Willen: wollen wir es bloß nicht herbeirufen!!!

Aber eins sei gegen Ende zur Warnung noch ausgesprochen: mit der Staubfänger-Taktik bannt man, zumindest zunächst, nur den Fluch um „RAW“, nicht aber den Fluch um die Legende von „The Blair Witch Project“, der noch locker einige Jahrzehnte geldgeile Nachahmungs-Täter inspirieren wird tätig zu werden, so dass der Zuschauer auf der Hut sein muss diesen vom kreativen Täter unterscheiden lernen zu müssen, um vom angenehmen Teil des Fluches kosten zu können, der ihm mit „[Rec]“, „Cloverfield“ und Jahrzehnte vor Fluchbeginn mit „Die Delegation“ beschert werden kann. Nur tofunerdige, schlombonische und vergleichbare den Bodensatz erforschende Unterarten der Cineasten-Gattung   sollten sich mit den Untaten der talentfreien Geldgeilen weiterhin beschäftigen, um die Abspielgeräte Dritter rein zu halten und die Geldbeutel ohnehin Hobby-Gebeutelter voll. schlecht


Weitere Reviews zum Film:

Samstag, 23. August 2014

IM BLUTRAUSCH DES SATANS (Reazione a catena 1971 Mario Bava)


Eine von vielen Menschen begehrte Bucht wird der Ort brutaler, scheinbar unzusammenhängender Morde...


Theorie und Praxis...

Während „Im Blutrausch des Satans“ mir beim Gucken sehr sinnlos und gestreckt vor kam, begriff ich erst über Dritte, beim Lesen diverser Reviews, was überhaupt die Aussage und somit der Sinn dieses Mario Bava-untypischen Filmes sein soll - untypisch deshalb, weil man die sonst so wunderbaren Fotografien vermisst, etwas das dem Werk gut getan hätte, hätte man die Bucht dementsprechend doch in ihrer Schönheit besser einfangen können, ist es doch sie um die es geht.

Ich habe nicht gesehen, dass die Geschichte keine Identitätsfigur benötigt, dass man sie objektiv betrachten soll, die dunklen Seiten des Menschen beobachtend, der etwas haben will das er nicht wertschätzt und zerstört, ein Ort dessen Störfaktor der Mensch ist, der bereit ist für ein hohles, kühles Ziel alles zu tun. In wie weit das Satire ist, lässt sich erst mit dem Schluss-Gag feststellen. Alles zuvor Gesehene war ernst erzählt, da wirkt der Schluss nicht wirklich zusammengehörend.

Begreift man „Bay Of Blood“ (Alternativtitel) so wie er gemeint ist, besitzt die Geschichte freilich viel mehr Hintergrund, ein Hintergrund der nicht überanalysiert wirkt, sondern tatsächlich auf der Hand liegt. Habe ich mit offenen Augen geträumt? War ich zu unkonzentriert? Das kam mir eigentlich nicht so vor, und ich denke mir nach dem geistigen Aufwachen durch Fremdtexte: trotzdem vergeigt! Denn was den Film als einziges aufwertet ist somit reine Theorie, die während des eigentlichen Zuschauens nicht ziehen will.

Dominanter als die Botschaft rückt das mangelnde Schauspieltalent eines jeden Beteiligten in den Vordergrund. Brutalste Morde wirken aufgrund der absichtlich zurückgeschraubten Rahmenhandlung mit ihren fehlenden Sympathiefiguren umso sinnloser, jedoch nicht so gemeint wie von Bava gedacht (das sinnlose Treiben des Menschen böseste Urinstinkte), sondern sinnlos im Sinne vom einzigen beabsichtigten Schauwert den der Streifen zu bieten hat, um die untersten Instinkte des Zuschauers befriedigen zu wollen. Da ich nicht der einzige sein werde, an dem der tatsächliche Hintergrund unbemerkt vorbei zog, wird „Im Blutrausch des Teufels“ (Alternativtitel) auch genügend Menschen aus genau diesem Grund in seinen Bann gezogen haben.

„Reazione a catena“ (Originaltitel) guckt sich reißerisch und übertrieben blutig, so extrem, dass der humane Hintergrund eher wie eine Ausrede erscheint. Hätte man die Grausamkeiten dann nicht harmloser oder zumindest realistisch hart aufzeigen können anstatt übertrieben Splatter-hart? Und braucht man für das von Bava gewollte Kunststück nicht glaubwürdige Mimen? Kann es da tatsächlich an mir liegen das Stück komplett missverstanden zu haben und es aufgrund seiner Defizite für überschätzt und willkürlich erzählt gehalten zu haben?

Ich glaube kaum dass mir der Film im Wissen dessen was ich jetzt weiß besser gefallen hätte, und ich werde mich bei all der Langeweile durch das monotone Getue, in welcher lediglich der Ort eine Art Hauptrolle spielt, davor hüten „Last House On The Left 2“ (Alternativtitel) eine zweite Chance zu geben. Das halte ich nicht noch einmal durch. Ohne Spannungsbogen, anderen Schauwerten als deftige Gore-Effekte und ohne gelungenen Schauspiels kann mir dieses Bava-Werk, lobenswerte Aussage hin oder her, den Buckel herunter rutschen. Theoretisch: lobenswert, praktisch: erbärmlich! schlecht

FRÖHLICHE WEIHNACHT (Don't Open 'Till Christmas 1984 Edmund Purdom)


In London geht ein Serienkiller um, der es auf Menschen in Weihnachtsmann-Kostümen abgesehen hat...


Stille Nacht, verdrehte Nacht...

Der einzigen Regie-Arbeit von Schauspieler Edmund Purdom, der in seinem eigenen Film die Rolle des Inspektors Harris übernahm, sieht man in seinem Stil die leicht durch amerikanischen Einfluss verwässerte britische Handschrift deutlich an. Dass sich „Fröhliche Weihnacht“ damit äußerst europäisch guckt, liegt aber auch daran dass die Rezeptur dieses englischen Horror-Thrillers stark dem italienischen Giallo ähnelt, so dass Freunde dieser Gattung Kino-Erlebnis ruhig auch hier einen Blick riskieren können.

Die Morde sind hart umgesetzt, wenn auch nicht immer optisch glaubwürdig, das Hauptaugenmerk der Ermittlungen liegt gleichermaßen bei der Polizei wie auch bei einer aus privaten Gründen ermittelnden Person, und nackte Haut darf auch nicht fehlen. Ein humoristischer Grad ist vorhanden, jedoch sehr gering gehalten, und das ganze wurde künstlerisch recht wertfrei simpel abgefilmt, was den Streifen aufgrund seiner plumpen Story ganz klar zum Schmuddelfilm degradiert, anfangs jedoch zu jener Art, die man mit Freude am Anspruchslosen und Reißerischem auch gerne hin und wieder konsumiert.

Da kommt es „Fröhliche Weihnacht“ zu Gute dass er ein Produkt aus der ersten Hälfte der 80er Jahre ist, wo noch leicht ein 70er Jahre-Einfluss spürbar ist, während Mode und Tempo das tatsächliche Jahrzehnt nicht mehr leugnen lassen. Somit ist „Don‘t Open 'Till Christmas“ (Originaltitel) in der letzt möglichen Kino-Phase entstanden, in der dreckige kleine Filme noch auf schlichte Art geradeaus erzählt waren ohne entweder unnötig die Story aufzupeppen, oder zu zahm oder politisch korrekt angegangen zu sein. Produziert hat den Streifen Dick Randall, der zwei Jahre später im selben Gebiet den wesentlich schlechteren „Die Todesparty“ abgeliefert hat, ein Slasher der endgültig in den 80er Jahren badete.

Der im selben Jahr von „Stille Nacht, Horror Nacht“ entstandene „Fröhliche Weihnacht“, der das Thema des Konkurrenzfilmes genau von der anderen Seite angeht, könnte an sich ein sympathischer Vertreter der Gattung Schmuddelfilm sein, aber leider verstrickt und verirrt sich Purdom in dem eigentlich recht leicht überschaubaren Plot und verliert immer mehr die Übersicht dessen was nötig und unnötig ist, bis die Unnötigkeiten Überhand nehmen und in einem Meer an Unlogiken und Widersprüchen enden.

Warum ein Mann seinen psychopathischen Bruder in einer Klinik aufsuchen kann, obwohl dieser mordend durch London wandert ist ebenso unklar wie die Frage, warum eine junge Frau bei einem Besuch in der Klinik an jegliche Antwort gerät, eine Frage die wohl auch der Autor der Geschichte nicht erklären konnte, weswegen der komplette Besuch ab dem Eintritt ins Büro des Chefarztes weggeblendet wird. Der Schluss-Gag, nach dem der komplette Film im Original benannt wurde, weist ähnliche Lücken auf, fragt man sich doch warum der gute Mann ein Geschenk seines Bruders öffnen sollte, von dem er weiß wie sehr dieser Weihnachten hasst.

Mit diesem Beispiel sind wir jedoch im Randbereich angekommen, wo Logik nicht mehr wichtig ist. Aber da sich diese auch in den Ermittlungen und den Taten des Mörders wiederfinden (was soll z.B. die unnötige Entführung einer Stripperin und das an anderer Stelle nicht benötigte Palavern mit ihr?), durchbricht „Fröhliche Weihnacht“ die für dieses Genre übliche Dosis Unsinn und lässt den Film selbst für seine Gattung recht sinnlos erscheinen. Dank des sympathischen Schmuddel-Touchs ist der Film jedoch immerhin Durchschnitt für Freunde anspruchsloser Horror-Kost und damit immer noch besser als manch anderer Slasher jener Tage. Ich erinner da nur mit Erschaudern an den völlig Sehwert-freien „Splatter University“. mittelmäßig

Mittwoch, 20. August 2014

GHOSTS (The Shadow Within 2007 Silvana Zancolo)


Das Dorf ist durch den Krieg fast frei von Männern. Kinder sterben häufig an Krankheiten. Der kleine Maurice ist nicht nur gesund, scheinbar kann er auch mit Toten kommunizieren, so z.B. mit seinem seit der Geburt verstorbenem Bruder. Da seine Mutter wegen diesem Verlust noch immer trauert, bekommen Frauen aus dem Dorf sie überredet mit Maurice eine Seance abzuhalten, um Kontakt zu ihren verlorenen Kindern aufbauen zu können. Das hätten sie besser nicht gemacht...


Verräterische CGI-Schatten...

Auf simple Art werden alte, depressive Tage zum Leben erweckt. Das Dorf wirkt urig, sein europäisches Flair schwappt über, was dem Film eine angenehme Grund-Atmosphäre verleiht, und so kann man sich „Ghosts“ erst einmal optimistisch nähern, zumal es zu gefallen weiß, dass die Zeit in der „The Shadow Within“ (Alternativtitel) spielt, tatsächlich Teil der Geschichte ist und nicht zufällig gewählt.

Schwarze Augen und schwarze umher huschende Geisterschatten aus dem Computer machen die kostengünstige Herkunft des Streifens leider doch noch deutlich, und gerade die CGI-Herkunft der Trickeffekte wirkt kalt, künstlich und billig. Aber dank eines interessanten Handlungsablaufes stört dies nur geringfügig, zumal Regisseur Silvana Zancolo, der später die Zeichentrickserie „Gormiti“ drehte und mit „Ghosts“ gerade mal seine zweite Regie-Arbeit ablieferte, sich stark der Dramatik des Stoffes zuwendet, ohne dabei den Horroraspekt aus den Augen zu verlieren.

Richtig gruselig wird es nicht, auch wenn Zancolo durchaus versucht eine unheimliche Atmosphäre entstehen zu lassen. Aber es gelingt ihm nicht. Der Horror bleibt zu theoretisch, während die Dramatik zu funktionieren weiß in einem interessanten Storygeflecht verschiedener Handlungsstränge als Erweiterung um das Kernthema herum. Mit dem Einbringen zweier Gebildeter im Dorfe wird nicht nur der Verdachtsmoment von Kindesmissbrauch mit in die Geschichte integriert, dieser Sub-Plot ist auch eine ideale Ergänzung um die Stimmung im Dorf deutlich zu machen, ein wichtiger Bestandteil um den Dramatikaspekt richtig fruchten lassen zu können.

Im letzten Drittel fällt „Ghosts“ dann leider doch etwas zu gewöhnlich aus, so dass das Ergebnis dann doch zu schlicht ist um ihn als kleinen Geheim-Tipp a la „XMas Tale“ weiter empfehlen zu können. Die Geschichte hat um die Spukvorkommnisse nie ein großes Geheimnis gemacht, so dass in dieser Phase der Geschichte eigentlich nur das passiert was passieren muss. Somit folgt man eher nüchtern den zu erwartenden Ereignissen in einer Umsetzung die sich in dieser Phase Grusel-Feeling vom Zuschauer erhofft. Aber da müsste man schon ein sehr sensibles Persönchen sein, um hier zu zittern.

Es ist schade um so manch theoretisch gute Idee und manch gelungener praktisch umgesetzter, aber „Ghosts“ weiß trotz eines gewissen Charmes nicht wirklich zu überzeugen, auch wenn gute Voraussetzungen gegeben waren. Man kann sicherlich mal aus Langeweile einschalten, wenn man seine Erwartungen schön niedrig hält, Zancolos Werk ist jedoch keine Erfahrung die man als Horror-Fan wirklich gemacht haben muss. Und an das 70er Jahre-Flair, das so viele Genre-Beiträge Italiens so ansprechend wirken ließ, kommt eine moderne Produktion bei ähnlich kostengünstiger Umsetzung leider nicht heran - selbst dann wenn eine solche Produktion seine Geschichte nicht im Jetzt spielen lässt. mittelmäßig

POPETOWN (2005 Phil Ox)


Es ist an Pater Nicholas den Papst zu begleiten und ihn zu unterstützen. Aber das ist bei einem solch infantilem Glaubensvater ein harter Knochenjob...


Ein Kindskopf von Papst...

Eine satirische Zeichentrickserie in welcher der Vatikan eins auf den Deckel bekommt - das klingt ja erst einmal ganz witzig. Selbst bei niedrigen Erwartungen müsste daraus doch etwas zu machen sein, wissen doch selbst Serien wie „Family Guy“ und „American Dad“ trotz ihres schlichten Ergebnisses auf simple Art zu gefallen. „Popetown“ guckt sich jedoch zu bemüht auf witzig getrimmt, verliert mit seiner weltfremden Entfernung zum Ur-Thema den wahren Satire-Gehalt aus den Augen, konzentriert sich mehr auf neckisches Herumalbern, und das will selbst als simple Comedy nicht wirklich funktionieren.

Zudem fehlt es „Popetown“ optisch an einem künstlerisch ansprechendem Gewand. „South Park“ ist schlicht animiert, aber doch auf recht kultige Art. Der Animationsstil der hier besprochenen Serie schwankt zwischen witzig und bieder, in letztgenanntem Bereich ein wenig an den Animationsstil von „Princess“ erinnernd, wenn auch nicht im Bereich Realszenen/Zeichentrickszenen-Mix den beide Werke auf unterschiedliche Art beinhalten. „Popetown“ ist ein liebloses Figuren vor billige Foto-Kulisse-Klatschen, dem jeglicher Charme fehlt, womit die Optik recht gut zum infantilen Inhalt passt, der hin und wieder theoretisch nette Ideen präsentiert, die in der mau umgesetzten Praxis jedoch nicht zum Schmunzeln verleiten. mittelmäßig


EINFACH ZU HABEN (Easy A 2010 Will Gluck)


Eher durch Zufall entsteht auf der Schule das Gerücht, dass Olive ihre Jungfräulichkeit verloren hätte, was ihr Image enorm aufwertet. Als sie einem Freund hilft gleiches für ihn zu tun, indem sie behauptet sie hätte mit ihm geschlafen, klopfen gleich weitere Schüler bei ihr an um ihr Image aufzubessern - zu Kosten dem von Olive, die bald als Schlampe der Schule bekannt ist...


Einfach zu täuschen...

Zwar träumt Olive vom perfekten Gentleman, wie sie es aus Teenie-Filmen wie „Das darf man nur als Erwachsener“ und „Can‘t Buy Me Love“ kennt, der Stil dieser genannten Werke trifft jedoch nicht auf den von „Einfach zu haben“ zu. Der ebenfalls im Film genannte „Ferris macht blau“ kommt der Sache mit seinem Fun-Kern da schon näher, wirklich treffsicher ist jedoch ein Vergleich mit „Clueless“, der seine Zeit kritisch, aber doch positiv betrachtete, genau das was Will Glucks zweite Regie-Arbeit ausmacht. Ständig werden Klischees heutiger Kinozeiten eingestreut, um sie im nächsten Moment als Konstrukt zu enttarnen und ihnen den Rücken zu kehren, während der aktuell, flotte Erzählstil positiv genutzt wird, um die Energie der Geschichte richtig zu nutzen und auf den Zuschauer übertragen zu können.

Der Nachteil an dieser Vorgehensweise ist, dass so ziemlich jeder Nebencharakter zu kurz kommt, was schon recht schade ist, da die meisten durch ihre Charakterzeichnung und Besetzung sehr gelungen sind und durchaus mehr Beachtung verdient hätten. „Einfach zu haben“ möchte den kompletten Kosmos dessen was ein Gerücht für Wellen schlagen kann einfangen, so dass die meisten Figuren eher Episoden-weise vorbei schauen, während Emma Stone als Olive die einzige Figur ist, die wir wirklich intensiv kennen lernen. Wirklich schaden tut diese Herangehensweise dem Film nicht, er weiß definitiv zu wirken und zu gefallen, zumal er sich in seiner intelligenten Umsetzung deutlich von Konkurrenzprodukten abhebt.

Zwar fehlt „Einfach zu haben“ der letzte Schliff um in der obersten Liga der Teenie-Komödien mitspielen zu können, sehenswert ist er in seiner charmanten, wie geistreichen Umsetzung aber definitiv, auch wenn ihm mit dem Ausblenden wahrer Problemlösungen echter Tiefgang mit der Thematik fehlt. Was geschehen ist lässt sich gegen Ende recht leicht wieder gerade biegen. Und eine Schuldzuweisung des schwulen Freundes, der Olives Vertrauen gebrochen hat und damit überhaupt erst für das ganze Chaos verantwortlich ist, findet nicht statt. Andererseits besitzt gerade diese Gleichgültigkeit mehr Tiefe als man zunächst vermuten würde. Sie steht für mehr als für die gedankenlose Lässigkeit, welche der hier aufgezeigten Generation gerne vorgeworfen wird. Sie steht Pate dafür, dass man auch als mündiger, interessierter Bürger nicht alles im Leben zu ernst nehmen sollte, dass man sich mehr auf sein nahes Umfeld konzentrieren sollte um sein Glück zu finden und dass das Gegenteil von geistlosem Leben nicht ein verkopfter Lebensstil sein muss. sehenswert


Nachtrag:
Mittlerweile habe ich "Einfach zu haben" mehrere Male gesehen und finde ihn sehr intelligent und unterhaltsam erzählt, weit über dem Durchschnitt. Das Problem mit zu kurz kommenden Randfiguren kann ich mittlerweile nicht mehr nachvollziehen, lässt das Drehbuch doch jede Figur mehr Tiefe schnuppern als es der durchschnittliche Teenie-Film tut. "Einfach zu haben" punktet auf der emotionalenen Ebene ebenso wie auf der intellektuellen und der des Humors und ist somit ein empfehlenswerter Ausnahmefilm inmitten eines viel zu Party-geilen Genres. herausragend

Sonntag, 17. August 2014

RISE OF THE BLACK BAT (2012 Scott Patrick)


Staatsanwalt Quinn wird nach einem Attentat blind, welches verhindern sollte, dass er einen mächtigen Mafiaboss im Gerichtssaal verhören kann. Nach einer neumodischen Operation im Orient kann Quinn wieder sehen, so stark sogar, dass das Tageslicht ihn blendet und die Dunkelheit ihm hell wie der Tag erscheint. Mit diesem Vorteil geht er als Fledermaus verkleidet auf die Jagd nach Verbrechern. Das oberste Ziel des Black Bat ist der Sturz des mächtigen Mafiabosses...


Eine Fledermaus im Schnecken-Tempo...

Wenn man DVD-Regale durchstöbert, stößt man immer wieder auf putzige Billigvarianten berühmter Stoff, die mal mehr mal weniger nah Ideen des Originals klauen, umgesetzt mit einem Bruchteil des Budgets der Kinoproduktionen. Ein besonders dreistes Stück Film gibt es zur Zeit unter dem Titel „Rise Of The Black Bat“ zu kaufen, welches ungeniert das grobe Konzept von „Batman“ kopiert, eine Idee die mich hoffen ließ hier einen angenehmen Vertreter Schundfilm vorzufinden.

Aber leider war das Gegenteil der Fall. Scott Patricks Werk ist derart langsam erzählt, dass es unglaublich anstrengend ist dran zu bleiben. Einem lahmen Vorspann folgt eine langsame Abblende, ein Überfall auf eine Frau wird während der Verfolgungs-Phase in viel zu vielen Einstellungen abgefilmt und somit langgezogen, was nur bei einer Szene mit Spannungsaufbau Sinn gemacht hätte, und viele andere Momente schauen sich wie in Zeitlupe gedreht. Es ist kaum auszuhalten.

Viel faszinierender ist jedoch die Herangehensweise von Regisseur Scott Patrick, die in Sachen Billigdreh neue Maßstäbe setzt. Echte Spezialeffekte gibt es nicht zu sichten, lediglich kleine Computernachbearbeitungen wie sie jeder am Heimcomputer umsetzen kann wurden verwendet, z.B. für die Lichtblitze beim Abfeuern von Handfeuerwaffen, was bei charmantem Restergebnis nicht weiter wild wäre, schaffen es doch schließlich auch Werke wie „Nesn Nose“ in dieser Schlichtheit und manchmal auch gerade deswegen zu funktionieren. Und dass sich eine Amateur-Produktion an ihren Möglichkeiten orientiert auch Grenzen im Drehbuch setzen muss, kann man einem solchen Projekt ebenfalls nicht negativ ankreiden. Es ist jedoch die Extreme, die „Rise Of The Black Bat“ so einzigartig macht.

Die versimpelte Geschichte hätte gewirkt, wenn sie von Jugendlichen umgesetzt worden wäre, als kleiner selbstgedrehter Heimfilm zwischendurch. Aber dass Erwachsene eine derart infantile Geschichte geschrieben haben, ist schon ein Armutszeugnis der besonderen Art, liest sich der Storyverlauf und seine Hintergründe doch wie ein Kinderbuch, so z.B. der Storystrang um den Gehilfen Quinns, der aus kindlichster Weltsicht heraus zur rechten Hand des ehemaligen Staatsanwaltes wird, von nun an auf unterwürfigste Art für ihn tätig ist, ohne dabei das Niveau eines professionellen Butlers zu beherrschen. Bestechungen laufen in Beträgen von putzigen 1000 Dollar ab. Off-Kommentare werden während einer langen Autofahrt eingespielt, die Häppchenweise immer wieder im Film eingeblendet wird. Und die ganze Art auf welche der Fledermausmann (in einem Batman-Kostüm ohne Ohren) bei seinen Streifzügen unterwegs ist, blendet jegliche Logik aus in Bezug auf Polizei, Nutzen, Sinn und Spontaneität.

„Rise Of The Black Bat“ ist aus kindlichster Sicht erzählt, mit einem Budget umgesetzt das nicht über 5000 Dollar gelegen haben dürfte und in einer Ernsthaftigkeit angegangen, die dem Streifen endgültig den Todesstoß versetzt. Und ausgerechnet ein Film wie dieser gelangt alternativ zur Synchronfassung mit Originalton und deutschem Untertitel versehen auf den deutschen DVD-Markt, und das zusätzlich sogar noch mit deutschem Text ins Bild eingebaut versehen. Warum wird einem so lieblosem Stück Film eine so liebevolle Veröffentlichung beschert, die man sich bei anderen Werken gewünscht hätte, die zumindest ein Zielpublikum besitzen? Und erzählt mir nicht es gäbe eines für diesen Rotz von Film. Sollte hier irgendwer diesen Text lesen, dem „Rise Of The Black Bat“ gefallen hat, der soll sich bitte auch in den Kommentaren verewigen. Vorher glaube ich nicht an die Existenz derartiger Filmfreunde.

Wer zufällig auf einem Sperrmüllhaufen oder in einem Mülleimer aus die DVD des Streifens stößt sollte sie mal mit nach Hause nehmen, nur um einmal für 15 Minuten reinzuschauen  um zu sehen wie schlecht das Ganze tatsächlich umgesetzt ist. Erst dann kann man verstehen was für ein Haufen Müll dieses Stück Batman-Immitat tatsächlich ist. Im Vergleich zu „Rise Of The Black Bat“ wird selbst unterster Bodensatz wie „The 25th Reich“ und „Aliens vs. Avatars“ zu einem Hingucker, und die Werke der Firma The Asylum sowieso. Und kommt mir jetzt bloß nicht mit Amateurfilm-Bonus. Den hat Patricks Werk mit seiner viel zu plumpen Art ohne die Anwesenheit irgendwelcher Vorzüge komplett verspielt. schlecht


DER RIPPER KOMMT AUF LEISEN SOHLEN (Casa D'Appuntamento 1972 Ferdinando Merighi)


Ein mutmaßlicher Prostituiertenmörder wird vor Gericht schuldig gesprochen. Er stirbt auf der Flucht, und kurz nach seinem Tod gehen die Morde mit gleicher Handschrift weiter...


Mit Lackschuhen ist nicht leise treten...

Mit seinem dritten und letzten Film beteiligte sich Regisseur Ferdinando Merighi recht früh an der aktuell in Mode gekommenen Giallo-Welle. Dass er mit dem ziemlich schluderig heruntergedrehten Film nichts Großes hinterlassen hat, wundert nicht. Dass „Der Ripper kommt auf leisen Sohlen“ selbst innerhalb der Fan-Kreise um Giallos nicht wirklich ernst genommen wird, wundert nach Sichten allerdings ebenso wenig.

Okay, um Logik geht es in Giallos nur all zu selten. Sinnvolles Handeln steht da auch in manch besseren Werken hinten an. Aber „Das Auge des Bösen“ (Alternativtitel) ist so wirr erzählt und mit einer Masse an Füllszenen angereichert, die keinerlei Bezug zu zukünftigen Ereignissen haben, dass man fast an dem Vorhandensein eines Drehbuches zweifeln darf. Zumindest fehlt es Merighi an der Übersicht, und so schaut sich der Streifen mit seiner wirren Handlung im Retro-70er Stile mit stimmiger im besagten Jahrzehnt festsitzender Hintergrundmusik untermalt zwar ziemlich unnötig, aber auch unterhaltsam, zumal bei dem oft unzusammenhängenden Aneinanderreihen von Szenen eigentlich nie Desinteresse und Langeweile aufkommt.

„Casa D‘Appuntamento“ (Originaltitel) ist kein Goethe, aber ein angenehmer Schundfilm durchaus, jedoch auch einer von dem man nicht all zu harte Szenen erwarten sollte. Gore und Erotik sind für einen italienischen Film stark zurück geschraubt. Und andere Schauwerte sind in der simpel abgefilmten Optik ebenfalls nicht enthalten. Da wird bei den Morden das Bild farblich manipuliert und kurz darf man auch mal eine Szene im Negativmodus sichten, aber aufregend ist das alles nicht, so dass selbst handwerklich gesehen „Der Ripper kommt auf leisen Sohlen“ kein klassischer Giallo ist. Da passt es schon, dass er bei einer Deutsch-Italienischen Gemeinschaftsproduktion völlig untypisch in Frankreich spielt.

Dass die Auflösung ziemlich an den Haaren herbeigezogen ist, wundert nach den 90 Minuten die man zuvor gesichtet hat nicht, zumal man bis dahin viel wunderlichere Szenen gesehen hat, wie z.B. das Sezieren eines Augapfels im Grobmotoriker-Verfahren, das penetrante Rauswerfen von Menschen nach den dümmlichsten Verhören und einen Motorradunfall mit höchst unglaubwürdigen Folgen. Da wartet viel unfreiwillige Komik auf den Zuschauer, die gefördert wird von einem Hauptdarsteller im Humphrey Bogart-Stile, gespielt von einem Mann der dem jungen Horst Tappert stark ähnelt. Zudem lauern die typisch überzogenen Handlungsweisen notgeiler Italiener und zickiger Italienerinnen auf den eher rational zuschauenden Deutschen, was zwar nicht in einem solch großen Affentheater endet wie im völlig grotesken „Torso“, einen aber schon recht oft schmunzelnd die Augen verdrehen lässt.

Dank seiner Stimmung, an der die eben erwähnte Hintergrundmusik viel Anteil dran hat, schaut sich „French Sex Murders“ (Alternativtitel) jedoch nie nur unfreiwillig komisch. Zugegeben, wahre Stärken besitzt der Streifen nicht, aber Retro-Freunde, die sich in schäbigen 70er Jahre-Filmen zu Hause fühlen, werden auch hier mental ankommen und für etwa 90 Minuten mal jene Art vergangenen Schmuddelfilm genießen, der in der heutigen cineastischen Landschaft längst nicht mehr möglich wäre. Die unfreiwillige Komik geht hier auf angenehme Art Hand in Hand mit der angenehm schundigen Atmosphäre, die geradezu typisch für den italienischen Film dieser Zeit ist. unterhaltsam

Samstag, 16. August 2014

STAUNTON HILL (2009 G. Cameron Romero)


Als ihr Auto auf der Tour zu einem Konzert den Geist aufgibt, landet eine Gruppe Studenten in der Einöde bei einer Schlachterfamilie mit morbidem Nebeneinkommen...


(Das selbe Schicksal wie ein) Schwein gehabt...

Die Söhne sind los! Mario Bavas Sohn Lamberto ist schon seit der 80er Jahre aktiv und gehört spätestens mit seinen „Dance Of The Demons“-Filmen zu den Junior-Größen im Genre-Bereich. Mit „2-Headed Shark Attack“ erkundete Christopher Ray den Schundbereich des Horrorfilms wie sein Vater Fred Olen Ray, und nun ist G. Cameron Romero an der Reihe, Sohn des legendären George A. Romero, dem wir die bislang in seinem Gebiet unübertroffene „Zombie“-Trilogie zu verdanken haben.

Cameron greift nicht zu den Zombies, was sicherlich ganz gut ist, da nicht nur sein Vater im Zuge der aktuellen Zombie-Welle nichts Brauchbares zustande brachte, ohnehin ist der Bereich allein mit den ganzen DVD-Produktionen komplett überflutet, da wartet niemand auf einen Beitrag vom kleinen Romero. Der Bereich für den sich Sohnemann entschieden hat ist jedoch auch nicht gerade selten betreten. Er drehte mit „Staunton Hill" einen Backwood-Horror wie ihn insbesonders Tobe Hooper geprägt hat, und das kommt dem Dauergast im Genre auch schon langsam aus den Ohren raus.

Gleich vorweg: Cameron hat diesem Sub-Genre nichts hinzuzufügen, grast bewährtes Terrain ab, hält sich dabei brav an den klassischen Ablauf, und die paar wenigen Abweichungen die der Streifen doch noch besitzt sind nicht wirklich der Erwähnung wert. Mit einem gekonnten Erzählstil oder zumindest einer flotten Umsetzung wie „Wrong Turn“ kommt man auch ohne große Innovationen zu einem unterhaltsamen Ergebnis, „Staunton Hill“ besitzt solche Vorzüge jedoch nicht. Zumindest kann man anhand der hier vorliegenden Arbeit noch keine Spur wahren Talentes erblicken, was nichts heißen muss, zumal George A. Romero qualitativ auch sehr wechselhaft in seinen Filmen ist.

Die Geschichte lässt sich sehr viel Zeit bis es zum eigentlichen Horrorpart kommt, was in der Regel eher positiv zu werten ist. Aber bei mangelnder Charaktervertiefung und keinerlei erzählenswerten Storysträngen ist eine Stunde Vorgeplänkel definitiv zu lang zu nennen, zumal selbst in den besten Momenten dieser Aufbauphase alles viel zu mittelmäßig umgesetzt ist.

Ein Splatter-Fest braucht niemand erwarten, einen fesselnden Film mit Spannungsgarantie ebenso wenig, und als kleiner, kranker Terrorfilm fehlen dem Streifen Provokationen die es woanders noch nicht gab. Somit ist „Staunton Hill“ ein Beitrag unter vielen, austauschbar und leider auch für Horror-Fans nicht der Rede wert. Es gibt schlechteres, gerade im Bereich des Backwood-Horrors, aber auch sehr viel besseres. Romeros Ausflug in dieses Sub-Genre ist weit entfernt von dem Ergebnis eines „Wolf Creek“, und selbst der war nicht mehr als der kleine Film für zwischendurch.

„Staunton Hill“ ist gerade mal Camerons erster Film nach seinem mir unbekanntem Debüt "The Screening", da darf man nicht all zu streng sein. Aber auch ohne den großen Schatten, den Papa George wirft, macht „Staunton Hill“ nicht gerade neugierig auf mehr. Wenn es Cameron schaffen sollte ein nennenswerter Regisseur des Genres zu werden, würde es mich doch stark wundern. Vielleicht sollte er wie Christopher Ray lieber den trashigen Schundbereich abgrasen, da kann man auch ohne großes Talent kurzweilige Ergebnisse erzielen. mittelmäßig


Weitere Reviews zum Film:

THE RIPPER (1985 Christopher Lewis)


Professor Harwell, der auf der Universität Vorlesungen über berühmte Verbrechen hält, erwirbt in einem Antiquitätengeschäft den Ring von Jack The Ripper, der einen merkwürdigen Einfluss auf ihn ausübt...


Der Ausweide-Ring...

Jack The Ripper - viele Mythen ragen sich um ihn, verschiedenste Verdächtigungen wer er nun war werden über ihn ausgesprochen. Filmisch und in Serien werden seine Taten so oft verarbeitet, dass sich selbst die Crew der „Raumschiff Enterprise“ und Sherlock Holmes mit ihm befasst haben. Und auch das Horror-Genre hat gerne zu diesem authentischen Fall gegriffen, war Jack mit seiner Vorgehensweise doch das ideale Futter für diese Filmgattung, noch lange bevor sie immer extremer in den Gore-Bereich pervertierte.

Dass sich „The Ripper“ auf reißerische Art dem Thema nähert, überrascht nicht, spätestens wenn man eines der DVD-Covers gesichtet hat welches Wunden in Nahaufnahme abdruckt und mit der Anwesenheit des Special-Effect-Künstlers Tom Savini wirbt. Man sollte also eigentlich meinen man wüsste worauf man sich als Vielseher des Genres mit diesem Film einlässt. Mehr als ein sympathisches Schundfilmchen würde „The Ripper“ nicht sein, und Dank seiner 80er Jahre-Herkunft müsste er zumindest bei schlechtem Ergebnis eine Art Rest-Charme auf Retro-Basis besitzen.

Aber weit gefehlt, denn dieses Werk besitzt all die unangenehmen Eigenschaften, die für eine Billigproduktion eigentlich erst durch die Digitalisierung in den 00er Jahren zu solch unterirdischen Schnellschuss-Beiträgen auf dem DVD-Markt geführt haben. Hätte ich mich zuvor informiert wäre ich vorgewarnt gewesen, stammt „The Ripper“ doch von Regisseur Christopher Lewis, und der drehte im selben Jahr den unglaublich schlechten „Blood Cult“. Dass Tom Savini kein Garant für kurzweilige Unterhaltung war, war mir jedoch bereits durch meine Erfahrungen mit „Forest Of The Damned“ und „Children Of The Living Dead“ bewusst.

Ähnlich wie die digital gedrehten Fließband-Beiträge heutiger Tage fällt „The Ripper“ mit einer billigen Optik unangenehm auf, die ihn in Kombination mit dem mangelnden Gespür Lewis‘ für Suspense äußerst steril wirken lässt. Das Bild wurde nicht nachbearbeitet, ein Farbfilter hätte Wunder bewirken können. Eine schlechte Deutschvertonung schließt sich der plumpen Optik an, und schon hätte der Film nicht mehr eine unglaublich dämlichen Story benötigt, um ihn für den Cineast ohne brauchbare Englisch-Kenntnisse ungenießbar zu machen.

Dank übertrieben aufgepepptem Ripper-Mythos, miesen Schauspielern und peinlichen Ideen gibt es diese freilich trotzdem zusätzlich anzutreffen, und so sehr vorhandene Logiklücken auf einen besonders unterdurchschnittlichen Geist beim Drehbuchschreiben schließen lassen, so sehr darf man auch verwundert sein, dass mit dem Blödsinn der hier verzapft wird kein Fest der unfreiwilligen Komik daraus entstanden ist. Dafür fehlt dem Werk einfach die sympathische Grundatmosphäre, auf welcher dieser peinliche Unsinn zu etwas Positiven hätte gedeihen können.

Trotzdem möchte ich mal ein Beispiel dieser unfreiwilligen Komik aufgreifen, auch wenn solche Szenen „The Ripper“ nicht als Trash gerettet bekommen. Harwell stößt auf Rippers Ring, zunächst ohne von seinem Bezug zu Jack The Ripper zu wissen. Er ist fasziniert davon und spricht die Besitzerin des Atiquitätengeschäftes auf den Ring an. Diese berichtet ganz freizügig sie habe ihn von einem alten Mann abgekauft der ihn auf der Straße gefunden habe, womit sie offen eine Straftat Unbekannten gegenüber äußert anstatt, falls schon illegal handelnd, zu lügen, was naheliegend wäre. Dass sich ein auf der Straße verlorener Ring in der Regel nicht in einem Etui befindet, rundet die blödsinnige Szene noch ein wenig ab.

Dieser Moment steht Pate für den kompletten Film, denn er zeigt dass jeglicher Sinn für das was man erzählen will fehlt. Das zeigt sich weiter in den Vorlesungen, die sich schauen als würden sich Studenten zusammentreffen um einem älteren Mann, der gerne Geschichten erzählt, bei gemütlicher Runde zuzuhören. Dass er beim zweiten Treffen wieder die selben Inhalte äußert wie beim ersten, lässt vermuten dass Lewis nicht viel über Jack The Ripper wusste und somit weder Zeit noch Lust zum recherchieren hatte, um seinen Billigfilm wenigstens ein wenig Vielfalt zu bescheren.

Zwar sind die Spezialeffekte ordentlich umgesetzt und Lewis genießt es auch auf penetrante Art zu beweisen, dass er Horror-Klassiker beim Namen kennt, aber Zuschauer denen das genügt, um von einem Werk ihres Lieblings-Genres überzeugt zu werden, besitzen zu schlichte Gemüter, um hier an dieser Stelle Rücksicht auf sie zu nehmen. Deshalb gerade heraus gesprochen: „The Ripper“ ist ein ganz billig zusammen geschustertes Filmchen das wirklich nicht der Rede wert ist, mehr nervt als unterhält und bis auf einige Gore-Effekte keinerlei Vorzüge besitzt. Ein Film den nicht viele bis zum Schluss durchhalten werden. schlecht


Weitere Reviews zum Film:

Mittwoch, 13. August 2014

THE PACT (2012 Nicholas McCarthy)


Als Nicholle im Haus der kürzlich verstorbenen Mutter spurlos verschwindet, sucht ihre Schwester Annie nach ihr und kommt einem schrecklichen Familiengeheimnis auf die Spur...


Bad Ronald...

Nein, also echt! Von einem Gruselfilm der mit der Anwesenheit von Casper Van Dien wirbt erwarte ich rein gar nichts. Und da ich erst kürzlich vom eigentlich recht gut funktionierenden „The Conjuring - Die Heimsuchung“ enttäuscht wurde, habe ich erst recht nicht mit einem in seinem Gruselbereich wirksamen Film gerechnet. Ich erhoffte lediglich den kleinen Genre-Beitrag für zwischendurch, einen den man sich rein aus Langeweile angucken kann ohne dass er diese zu verstärken wüsste.

Man kann wahrlich nicht behaupten ich hätte zu viel erwartet. „The Pact“, von dem ich bis heute nicht begriffen habe warum er so heißt, schaffte es leider jedoch diese geringen Erwartungen zu unterbieten und präsentierte sich als der typisch moderne Genre-Beitrag, dem es an allen Ecken und Enden an Gespür für Psychologie fehlt. Wer schreibt so einem Müll?

Die Gruselszenen sind wirkungslos umgesetzt, finden ohnehin in einem völlig „fehlbesetzten“ Haus statt, den Charakteren fehlt jegliche Natürlichkeit und Glaubwürdigkeit, und die Handlung, so sehr sie auch tatsächlich Richtung Finale zu überraschen weiß, kann mit ihrem 08/15-Getue nicht gegen die lächerlich zu Filmfleisch-Nonsens gewordenen Figuren gegensteuern, im Gegenteil, mit ihren paar wenigen Unsinnigkeiten, wie der zufälligen paranormal-begabten Schul-Bekanntschaft der Heldin, reißt sie den Streifen nur noch mehr in den Abgrund.

Da wird der völlig talentfreie Casper Van Dien tatsächlich zum kleinsten Übel. „The Pact“ funktioniert sicherlich hervorragend bei naiven Gemütern, die den Zusammenhang von Reden und Handeln nicht verstehen, nicht kapieren was eine glaubwürdige Figur aufgrund ihrer Charakterzeichnung darf oder nicht darf, also Menschen, die ganz simpel und hohl nur dem äußeren Gewandt eines Streifens folgen ohne hinter die Fassaden zu blicken. Zuschauer, denen jeglicher Anspruch an solche Dinge fehlt, werden sich gruseln können. Jeder andere schüttelt fassungslos den Kopf und wünscht sich jene Zeit zurück, in welcher professionell produzierte Filme auch von professionellen Drehbuch-Autoren geschrieben wurden, die sich mit Psychologie auskennen.

Es bedarf kein weiteres großes Drumherum-Reden: „The Pact“ ist in meinen Augen der Bodensatz des Genres für einen fürs Kino produzierten Horrorfilm. Leider beweist selbst die Hauptdarstellerin kein wirkliches Schauspiel-Talent, das hätte noch die ein oder andere Szene retten können. Und besagte Überraschung gegen Ende mag unerwartet kommen, mit diesem Story-Umschwung verlässt „The Pact“ jedoch leider nicht den Bereich der Unsinnigkeit und Unglaubwürdigkeit. Ab in die Tonne! schlecht

THE CONJURING - DIE HEIMSUCHUNG (The Conjuring 2013 James Wan)


Als es im Haus der Perrons nicht mit rechten Dingen zugeht, wenden sie sich an die Warrens, Parapsychologen mit praktischer Erfahrung, und selbst die haben bislang noch keinen derart starken Spuk erlebt wie im Haus der Hilfesuchenden...


Die Heimuntersuchung...

Wirklich gut funktionierende Spukfilme, die einem wahrlich das Gruseln lehren, gibt es nur selten. Mir sind bislang in meinem Leben nur 4 Werke dieser Art unter die Augen gekommen, Werke die es schafften mir mit Spuk Angst zu machen, und das waren „Bis das Blut gefriert“ (den ich für den besten Film der Gattung verfluchte Häuser halte), „Der Fluch“ (die amerikanische „The Grudge“-Version), „Poltergeist“ (der trotz Märchenästhetik und Holterdipolter-Aktionen ungemein wirkungsreich ist) und „Paranormal Activity“ (der in Sachen Angstfaktor die bislang einzig wahre Found Footage-Konkurrenz zu „The Blair Witch Project“ ist).

„The Conjuring“ macht es sich zur Aufgabe sich von all diesen und anderen Werken die besten Zutaten zu schnappen, um einen wilden Spuk-Cocktail (inklusive Besessenheit, Exorzismus, böser Puppen, etc) zu kreieren. Was eigentlich als zu viel bezeichnet werden müsste, weiß erstaunlicher Weise gut zu wirken. Regisseur James Wan („Saw“, „Insidious“, „Dead Silence“) hat mit seiner ruhigen beunruhigenden Stimmung den Streifen fest im Griff. Eine dichte Atmosphäre lässt es nicht zu, dass man sich daran stören könnte, dass einem alles zu bekannt vorkommt. Die Geschichte selbst kommt in ihrer ruhigen Art zügig vorwärts, Hindernisse werden schnell umgangen oder komplett ausgelassen. Man versteht sich mit den Parapsychologen im eigenen Haus, und dass sie keine Quacksalber sind ist auch schnell klar.

Der aufdringliche Bezug zum Christentum stößt etwas sauer auf, das wäre sicherlich auch ohne gegangen oder zumindest thematisch so umzusetzen gewesen, dass lediglich einige Charaktere die Vorkommnisse mit dieser Weltreligion in Verbindung bringen. Aber nein - „The Conjuring“ bestätigt mit all seinem Hokuspokus das Christentum, was umso ärgerlicher ist, da er behauptet die Geschehnisse aus dem Film seien tatsächlich passiert. Diese Herangehensweise ist nicht gerade das Gelbe vom Ei, aber da der Spuk im direkten Zusammenhang zu dieser Glaubensrichtung steht, kann ich trotzdem ganz gut damit leben. Also was soll‘s, so etwas verwässert den Film nicht wirklich.

Dass er trotzdem nicht komplett funktionieren möchte zeigt sich trotz stimmiger Grundatmosphäre und funktionierender Schockmomente leider schon recht früh, wenn wir erstmals und dann zum wiederholten Male die Hexe vor die Nase gesetzt bekommen, die beweist dass Wan nicht wirklich weiß was er zum Gruseln benötigt und was nicht. Das Unsichtbare ist es was fesselt. Die Hexe erreicht das Gegenteil, sieht albern aus, reißt einen aus der Gruselstimmung heraus und hinterlässt nur einen Gedanken: das war nicht nötig. Schnell kehrt es jedoch wieder ein, das Grusel-Feeling, so dass man zwar zu Recht über das sichtbar Böse murren darf, es macht die Wirkung des Streifens jedoch nicht wirklich zunichte.

Ich wünschte ich könnte aufgrund dieser bisherigen Aussagen behaupten, ich könnte „The Conjuring“ als modernen Vertreter des Spuk-Films als funktionierender Angstmacher empfehlen, aber leider ist diese Regie-Arbeit Wans das extremste Werk das mir bislang unter die Augen gekommen ist, in welchem es ein Finale schafft einen kompletten Film zu zerstören.

So etwas habe ich noch nicht erlebt, und noch Tage später war ich fassungslos wie man einen solch stimmigen Streifen mit solcher Verachtung am Ende mit den Füßen treten kann, um möglichst schnell zu einem unbefriedigendem Schluss zu kommen, der sowohl eine Zweitsichtung unnötig macht als auch alles in den 70 Minuten zuvor gesehene Positive vergessen lässt. All die Mühe und der Gruselzauber sind dahin. Man kann ihn nicht mehr als Beispiel heranziehen um zu sagen: nun ja, bis kurz vor Schluss wird man zumindest gut unterhalten.

Die Wut über das was im Finale passiert ist viel zu groß, als dass man über den schwachen Schluss gnädigst hinwegsehen können. Dass er hoch-kitschig ausgefallen ist, ist zwar peinlich und passt nicht zur Restinszenierung, aber wäre dies die einzige Schwachstelle des Finales, bliebe „The Conjuring“ für mich sehenswert, wenn auch mit blödem Schluss versehen. Wans Film will aber in so ziemlich jedem Punkt im Finale nicht gefallen. Er entwickelt sogar ein Defizit in der Geschichte, welches rückwirkend den Faktoren der Erwartungssteigerung beim Zuschauer vom ersten Drittel widerspricht und damit rückwirkend alles zuvor Gesehene in einem schlechteren Licht scheinen lässt.

Um die Angstbereitschaft des Zuschauers für zukünftige Momente trotz bereits funktionierendem Grusels im Vorfeld zu sensibilisieren, baut „The Conjuring“ von Anfang an eine gewisse Erwartungshaltung darüber auf, dass die Parapsychologen bislang nie einen solch starken Spuk untersucht haben. Man greift gar zum inhaltlichen Trick aus „Paranormal Activity“ und erklärt, dass man es hier leider mit einem Dämon, anstatt mit einem verstorbenen Menschen zu tun habe. Damit würde auch weglaufen nichts nützen, und die geklaute Idee aus „Der Fluch“, dass Leute, die sich im Spukhaus aufgehalten haben, sich diesen versehentlich mit ins eigene Haus schleppen, weiß diese Hoffnungslosigkeit zu verstärken.

Zu guter Letzt wird selbst dem von den Parapsychologen aufgesuchten Pfarrer anders, als er die Beweise der Spukuntersuchung sichtet. Dabei ist es er, der nach Film-eigenen Aussagen als einziges handeln darf. Bereits ein leichter Exorzismus muss von einem Fachmann bearbeitet werden, da die Folgen ansonsten für alle Beteiligten übelst ausfallen könnten. Somit wird es einem als Zuschauer mulmig. Wenn schon dem Exorzismus-erprobten Pfarrer die starke Präsenz solche Magenschmerzen beschert, wie soll es dann je glimpflich für die Perrons ausgehen?

Als der Parapsychologe nun im Finale damit beginnt aufgrund mangelnder Anwesenheit Geistlicher den hochkarätigen Exorzismus selbst in die Hand zu nehmen, mit der Begründung er sei bei genügend ähnlichen Veranstaltungen anwesend gewesen, glaubt man der Autor würde diesen Storystrang einbringen, um den Laien die Situation noch schlimmer machen zu lassen als es ohnehin schon ist, oder zumindest um einen bösen Schlussgag zu hinterlassen nach einem täuschenden Happy End.

Aber nichts dergleichen passiert. Der angeblich schlimmste Fall von Spukvorkommen und körperlicher Besessenheit wird besiegt durch die Dämonenaustreibung eines Laien und der in der Besessenheit gefangenen Seele des ursprünglichen Körperbesitzers, der es schafft die dominante Kraft per kitschiger Erinnerungen aus dem Körper zu verjagen. Mit einem Mal schwebt ein viel zu plötzliches Happy End-Gefühl über den Dingen. Der Zuschauer ist vor den Kopf gestoßen, wartet auf die Bestätigung der Täuschung, wird aber nun mit einem halbgaren Schluss-Gag in den Abspann geschuppst, der den unsinnigen Schluss keineswegs kritisch betrachtet. Der Todesstoß von „The Conjuring“ ist vollkommen, ein Film mit Gruselwirkung vernichtet, die Enttäuschung des Zuschauers enorm.

Warum ich mir die bereits geplante Fortsetzung trotzdem ansehen werde? Die soll eine Vorgeschichte sein, in welcher wir von dem Kampf um eine besessene Puppe erfahren, die bereits in Teil 1 zeigen durfte wie sehr sie zu wirken weiß. Gerne kann sich die Reihe von nun an der Puppe widmen. Bei gleicher Gruselwirkung wie hier bekäme der erste „Chucky“-Film damit eine wahre Konkurrenz. All zu hoch werde ich meine Erwartungen aufgrund der vernichtenden Eigenschaften von Teil 1 zwar nicht schrauben, aber eine gewisse Neugierde ist da bei mir durchaus vorhanden. mittelmäßig

Sonntag, 10. August 2014

JACK ALLEIN IM SERIENWAHN (Delirious 1991 Tom Mankiewicz)


Drehbuch-Autor Jack erwacht nach einem Unfall in seiner eigenen Soap Opera...


Eine persönliche Hölle...

Wer ist nicht schon einmal mit dem Bereich der Soap Opera in Berührung gekommen, seien es die täglichen a la „Springfield Story“ und „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“, oder die wöchentlichen a la „Lindenstraße“ und „Dallas“. Intrigen, Romantik, Kitsch und pure Langeweile, je nach Soap Ewigkeiten von Stillstand handelnd bis es endlich eine Weiterentwicklung gibt, man liebt sie und man hasst sie, diese Serien von denen nie wer behaupten würde sie wären große Kunst.

„Jack allein im Serienwahn“ richtet sich weder an die Befürworter noch an die Gegner dieser Art TV-Unterhaltung, er parodiert nur die typischen Elemente dieser Gattung Serie, und ob man sie nun für Stärken oder Schwächen hält, so oder so weiß das für gute Lacher zu sorgen, zumal wir es hier mit einem gut aufgelegten John Candy zu tun haben, dessen Anwesenheit wir leider diesen schrecklichen deutschen Titel zu verdanken haben, da er mit „Allein mit Onkel Buck“ in Deutschland einen kleinen Erfolg verbuchen konnte, wenn auch nur in der Kevin-Welle mitschwimmend.

John Candy ist für den üblichen Slapstick zuständig, spielt wie gewohnt den liebenswerten Chaoten und Loser, der unterdrückt und getäuscht wird und der aufgrund ungewöhnlicher Umstände über sich hinauswachsen muss. In „Delirious“ (Originaltitel) sind die Umstände besonders ungewöhnlich, erwacht der gute Mann doch in einer von ihm selbst kreierten Serienwelt, die konsequent die Regeln der Soaps befolgt. Und wie gefährlich das bei all der Rache und den Intrigen sein kann, ist ihm aufgrund seiner konfusen Gefühlswelt nicht wirklich bewusst.

Er ist Autor und kennt die Tücken seiner Welt, aber er lebt nach kurzer Zeit der Eingewöhnung in dem Glauben er könne diese Welt steuern, kann er doch aufgrund dessen dass sich dieser Film nicht nur auf einer Idee ausruht auf seiner Schreibmaschine einen Teil des Lebens in der fiktiven Stadt steuern. Aber er hat einen Gegenspieler der gegen ihn schreibt, und so wird das Leben in der kleinen nicht wirklich existierenden Stadt zu einem Kampf auf zwei Realitätsebenen.

Ein solcher Stoff besitzt Zunder, und dank der konsequenten Einhaltung aller durch Übertreibung parodierten Soap Momente, durch allerhand Running Gags, die nur selten nicht zünden, und aufgrund einer tollen B-Star-Riege, deren bekannteste Besetzung aufgrund des Überraschungseffekts an dieser Stelle nicht verraten werden soll, ist das Ergebnis von „Des Wahnsinns fette Beute“ (Alternativtitel) trotz einer eher handwerklich routinierten und kostengünstigen Umsetzung sehr gelungen ausgefallen.

David Rasche darf als untalentierter Soap-Darsteller so absichtlich steif spielen, wie er es in seiner Serie „Sledge Hammer“ bereits getan hat, die ihn kurzfristig berühmt werden ließ. Und Raymond Burr lässt zwei Jahre vor seinem Tod seine Paraderolle als „Perry Mason“ weit hinter sich, um den reichen und mächtigsten Mann der Stadt zu mimen. Allein sein Umgang mit einem nicht geliebten Sohn sorgt für einige Lacher. Ohnehin ist die Besetzung gut aufgelegt, nur wenige ergatterten langweilige, nicht erwähnenswerte Rollen.

Aufgrund der üblichen Anwesenheit vieler Charaktere einer Soap ist „Jack allein im Serienwahn“ alles andere als eine One Man-Show für John Candy, auch wenn dieser so spielt als gäbe es kein Morgen. Kurze romantische Momente werden passend in die Geschichte integriert ohne den Film in seiner Funktion als Komödie auszubremsen, und ein Hauch Mystik am Schluss erlaubt es dem Zuschauer, wenn er denn will, nach Ende des Films ein wenig zu träumen, wenn auch nur kurzfristig, denn Tom Mankiewicz‘ („Schlappe Bullen beißen nicht“) Regiearbeit ist keines dieser Werke die noch lange nach hallen. Stattdessen ist „Delirious“ aber jene Art Unterhaltungsfilm, die man sich alle paar Jahre immer wieder zu Gemüte führen kann - zumal das Prinzip der Soap Operas ein zeitloses zu sein scheint, dessen Thema immer aktuell bleibt. unterhaltsam


Weitere Reviews zum Film:

THE LORELEY'S GRASP - DIE BESTIE IM MÄDCHEN-PENSIONAT (Las Garras de Lorelei 1974 Amando de Ossorio)


Eine mordende Bestie geht um. In der Annahme es würde sich beim Täter um einen wilden Bär handeln engagiert man einen Jäger, der mit Hilfe eines Blinden und eines Professors auf das wahre Geheimnis der Morde stößt...


Von einem Jäger der nicht jagt...

„The Loreley‘s Grasp“ ist schon ein unglaublich charmanter Trash-Film, irgendwo pendelnd zwischen unfreiwilliger Komik durch Unvermögen und stimmiger Wirkung durch den richtigen Blick für Atmosphäre. Wer wäre für diesen Mix besser geeignet als der Regisseur der vier reitenden Leichen-Filme Amando de Ossorio, der schon in seinen berühmten Beiträgen um die Templer immer wieder bewies dass er nicht wirklich in der Lage war eine Story mit rotem Faden zu erzählen, der die Logik seiner Filme mit Füßen trat (weil er die Lücken selbst nicht bemerkte?), der aber gleichzeitig ein Gefühl für stimmungsvolle Bilder, die richtige Musikuntermalung und den richtigen Gruselfilm-Gymmicks am Rande hatte.

Wer sich für Gummikostüm-Monster die Mädels auflauern begeistern kann, kommt an „The Loreley‘s Grasp“ nicht umhin, der bereits mit seinem Beititel „Die Bestie im Mädchen-Pensionat“ für Vorfreude sorgt. Schön dass de Ossorio die Erwartungen die dieser sympathisch schundige Beititel zu schüren weiß in gleicher Weise mit seinem Film zu erfüllen weiß. Neblige Nächte, ein Ungeheuer hinter (viel zu stark durchgeschüttelten) Büschen, für Stimmung ist gesorgt. Selbst das Mädchenpensionat wird in der Nacht stimmig fotografisch eingefangen. Wenn Frauen meist aus unsinnigen Gründen das Draußen der Nacht erforschen, ist „The Loreley‘s Grasp“ auf dem Stimmungshoch seiner durch Talent geernteten Pluspunkte.

Dem gegenüber stehen manch schludrig eingefangene Bilder (die allererste Aufnahme des Films, in welcher man einen Blick auf eine Burg erhaschen darf, ist auch gleich Pate für diesen Vorwurf), billiges Schauspiel, bei dem allen voran Tony Kendall, mit dem de Ossorio bereits ein Jahr zuvor „Die Rückkehr der reitenden Leichen“ gedreht hat, mit reißerischem Überagieren für die meiste unfreiwillige Komik sorgt, sowie ein löchriges Drehbuch einer völlig unsinnigen, an den Haaren herbeigezogenen Geschichte, die es nicht einmal schafft für Fakten wichtige Nebenfiguren sinnvoll in die Geschichte zu integrieren (Drehbuch: de Ossorio).

Anders darf es aber auch gar nicht sein, denn was bei diesem Cocktail aus Talent und Unvermögen herauskommt ist derart unterhaltsam und charmant, dass man dem Film seine Fehler gar nicht zum Vorwurf machen möchte, lebt er doch u.a. von seiner Naivität und seiner Mentalität nicht alles perfektionieren zu müssen. Diese Leichtigkeit mit der Filme dieser Art einst umgesetzt wurden, sollten längst wieder Vorbild für heutige Filmschaffende werden und somit mehr sein als die Nische mit der Künstler wie Helge Schneider arbeiten. Filme von heute nehmen sich gerne viel zu ernst, selbst wenn sie ironisch erzählt sind oft noch zumindest in technischer Hinsicht. „The Loreley‘s Grasp“ ist handgemachte Arbeit von Laien mit dem Gespür und dem Ansporn für eine tolle Sache und ohne dabei in den Bereich des Amateurfilms zu rutschen.

„Las garras de Lorelei“ (Originaltitel), in welchem anbei bemerkt die Legende der Lorelei nur in winzigen Elementen aufgegriffen wird, auch wenn ständig auf sie verwiesen wird, ist ein Liebhaberstück und in meinen Augen genau das was guten Trash ausmacht, ohne den Begriff all zu spöttisch zu verstehen. Bei dieser charmanten Umsetzung stört es nicht einmal, dass der Streifen zum Finale hin immer mehr die Pfade des Horrorbereichs verlässt um den Fantasybereich zu stärken. Aber wer würde darüber schon maulen, wenn man Szenen sichten darf wie jene, in welcher in einer schönen Burgkulisse leicht bekleidete junge Mädels von den Trümmern der Ruinen erschlagen werden, weil Superheld Kendall eine Bombe durch einen Wurf ins Wasser derart perfekt positioniert hat, dass die Wirkung in der Welt der Loreley so fatale Auswirkungen hat wie vom Jäger erhofft. sehenswert

HATCHET 3 (2013 BJ McDonnell)


Marybeth hat das Massaker in den Sümpfen als einzige überlebt, wird für den Täter der Greueltaten gehalten, und da ihr niemand glaubt eilen auch gleich allerhand Gesetzeshüter zum Tatort und werden Opfer des totgeglaubten Wiedergängers. Eine Reporterin glaubt zu wissen wie man Victor endgültig besiegen kann, doch dafür benötigt sie die Hilfe von Marybeth, die nicht gerade begeistert ist die Erlöserrolle aufgezwungen zu bekommen...


Asche zu Crowley und Crowley zu Staub...

Hatchet“ geht in die dritte Runde und es ist noch alles beim alten? Nein, nicht wirklich. Nicht nur dass hinter den Kulissen „Hatchet“-Erfinder und Regisseur der ersten beiden Teile Adam Green Regie-Neuling und Darsteller aus Teil 2 BJ McDonnell das Ruder überlässt und den Streifen selbst nur produzierte, auch an den Unterhaltungsschwerpunkten wurde ein wenig herumgeschraubt. Auch „Hatchet 3“ ist noch immer eine Horror-Komödie, aber der Humor kommt großteils unterschwellig daher und nicht mehr mit dem Holzhammer bearbeitet wie in den Vorgängern. Wer auf Gore und Gewalt steht muss nun jedoch nicht mehr bis zum letzten Drittel warten, Crowleys Greueltaten sind diesmal über den kompletten Film gut verteilt worden.

Wer jedoch hauptsächlich wegen des Blutgemetzels einschaltet sollte gewarnt sein, ist „Hatchet 3“ in der DVD-Veröffentlichung Deutschlands doch nicht nur heftigst geschnitten, sondern auch noch so schlecht dass man die Lücken ständig bemerkt. Hier ist jemand tot der es zuvor nicht war, dort bricht die Hintergrundmusik plötzlich ab. Die Sittenwächter haben mit dem Filmmaterial ein ähnliches Massaker angerichtet wie Victor Crowley im Film selbst, aber das ist für Freunde des Genres ja nur ein altes Stück traurige Geschichte Deutschlands, einem Land das keinen Zugang zu moderner Kunst zu haben scheint.

Durch den Mangel an wirklich lustigen Charakteren und spritzigen Dialogen, meiner Meinung nach die Haupttrümpfe der Vorgänger, schaut sich Teil 3 nicht mehr ganz so kurzweilig wie seine beiden Vorgänger, und auch eine teilweise recht lustlos betonte Synchronisation arbeitet zusätzlich kontraproduktiv gegen ein besseres Ergebnis an. Horror-Ikone Danielle Harris kommt trotz Erstnennung im Vorspann viel zu kurz und darf lange Zeit nur mürrisch vor sich her schimpfen, und Richtung Finale ärgern einige unglaubwürdige Verhaltensweisen, obwohl der restliche Streifen für einen Fun-Horrorfilm versucht seine Handlung relativ logisch zu halten und gerade unsinniges Verhalten auf irgendeine Weise zu rechtfertigen. Schade dass es solche Bemühungen nicht bis zur Ziellinie geschafft haben.

Insgesamt ist aber noch immer ein solides Werk für die Dauergäste im Horror-Genre entstanden, eines zu einer Reihe an die man ohnehin nicht größte Erwartungen hegt. Die „Hatchet“-Filme machen Spaß, nicht mehr und nicht weniger. Aber ähnlich wie die asiatische „The Call“-Reihe, so ist auch in dieser Trilogie bemerkbar wie sehr sich Teil 3 stilistisch von den Vorgängern unterscheidet, wohingegen „Hatchet 2“ eher wie ein Zwillingsbruder von Teil 1 wirkte. unterhaltsam

Mittwoch, 6. August 2014

SWING VOTE - DIE BESTE WAHL (Swing Vote 2008 Joshua Michael Stern)


Aufgrund eines technischen Fehlers bei der Wahl liegt die Entscheidung wer Präsident wird nach einem Gleichstand bei einem einzigen Mann, dem unterdurchschnittlich begabten Bud, den die beiden führenden Parteien des Landes von nun an umgarnen...


Wählen für lau...

Konstruiert mag der Plot ja sein, uninteressant jedoch keineswegs, bietet er doch die Grundlage für eine faszinierende Satire über all die Schattenseiten des Wahlkampfes, die Lügen der Demokratie und der Gefahr der Gewöhnung. Nur leider will „Swing Vote“ keine Satire sein. Regisseur Joshua Michael Stern wollte viel eher eine Tragikomödie aus dem Stoff schaffen, die anregen soll wählen zu gehen. Allein mit dieser Grundlage verliert der Stoff jeglichen Biss, setzt er doch die umstrittene Ansicht voraus wählen zu gehen wäre in einem festgefahrenem System wie Amerikas oder auch Deutschlands ein entscheidender Faktor für die Demokratie, egal wer zur Wahl steht. Umgekehrt ist die Wahl nicht zu wählen automatisch als undemokratisch abgestempelt, egal ob da jemand seinem Gewissen folgt oder nicht.

Guckt man „Swing Vote“ so wie er gemeint ist, kann man ihm das nur bedingt vorwerfen, eben weil er keine Satire sein will. Er will ein bewegender Film sein, und wie die meisten Werke dieser Art muss er sein Thema dafür arg blauäugig behandeln. Bei Liebe, Rache und Verrat lassen wir uns gerne darauf ein, bei Politik läuten automatisch die Alarmglocken der Manipulation des Zuschauers, ein Bereich der eigentlich zur Grundlage filmischen Schaffens gehört. Film manipuliert. Film will das Publikum irgendwo hinführen. „Swing Vote“ fühlt sich falsch an, weil das System das er gut heißt korrupt ist, er selbst es jedoch all zu menschlich zeichnet mit Menschen an der Macht mit Gewissen und mit einem Volk das verändern kann.

Dass das alles für‘n Arsch ist dürfte klar sein, also stellt sich nur die eine Frage ob man sich auf „Swing Vote“ als geistlosen Film einlassen kann oder nicht, und wer dies trotz aller zutreffender Kritikpunkte kann erlebt ein ähnlich optimistisch verträumtes politisches Ergebnis wie in den Filmen „Hallo Mr. Präsident“ und „Dave“, wobei letztgenannter trotz seiner märchenhaften Aura wesentlich mehr Köpfchen besaß als der hier besprochene Streifen. Da Stern nur leicht auf den dramatischen Aspekt seiner Geschichte setzt mag sein Film nicht ganz so gefühlsintensiv wirken wie die beiden Vergleichsfilme, ein annehmbares Ergebnis ist ihm aber durchaus gelungen, mag der Storyverlauf auch etwas arg routiniert und damit vorhersehbar sein und die Filmtochter Costners etwas arg penetrant nervig in Szene gesetzt.

Als sympathisch gespielter Kopf aus-Streifen geht „Swing Vote“ trotz aller berechtigter Kritik jedoch durch, ist er doch gekonnt routiniert umgesetzt und weiß seine interessante Geschichte, auch wenn man wesentlich mehr aus ihr herausholen könnte, doch einen Film lang zu unterhalten. Natürlich ist es etwas schade wenn der Film an den interessantesten Stellen abblendet um zur nächsten Szene überzuleiten, aber das ist es auch eben nur dann wenn man geistvoller, gerne auch auf Satire-Basis unterhalten worden wäre. So schlicht und sanft wie der Film gemeint ist, setzt er seine Szenen und das was er nicht zeigt genau richtig ein. Stern lässt sich da nicht beirren, lässt sich auf keinen halbgaren Kompromiss ein. Ganz oder gar nicht ist die Devise. Das grenzt jene komplett aus denen das nicht schmeckt, serviert aber das Stück schlichte Unterhaltung das jener sehen will, der nach Feierabend zum Abschalten eine nette, kleine Geschichte erzählt bekommen will.

Stern hat sein Ziel erreicht. Da sprechen wir von keinem großen Ziel, und man darf sich zurecht wünschen, dass mal wer besagten Stoff bissiger umsetzt, aber als das was Stern abliefern will ist „Swing Vote“ gelungen. Und wer sich tatsächlich von einem kleinen Mädchen ohne Lebenserfahrung und ohne kognitive und soziale Reife während des Zuschauens zum Thema Wahl und Demokratie manipulieren lässt, dem ist ohnehin nicht zu helfen. Der hätte sich ohnehin irgendwann auch von wem anders einen Bären aufbinden lassen und lebt wahrscheinlich in einem Dauerzustand der ewigen Meinungsänderung, immer gerade aktuell von jenem beeinflusst dessen Propaganda er gerade ausgeliefert ist. Aber wegen solcher Vollidioten kann man ja keinen Film verurteilen, der glaubt das richtige zu tun. Lassen wir Stern und die anderen Gehirne hinter diesem Projekt ruhig weiter von ihrem Land der Freiheit träumen. Es ist doch ihr gutes Recht. unterhaltsam

Dienstag, 5. August 2014

VERFLUCHTES AMSTERDAM (Amsterdamned 1988 Dick Maas)


In Amsterdam geht ein unberechenbarer Serienkiller um, der die Grachten nutzt um unerkannt auf und unter zu tauchen...


Verflucht, verdammt und Amsterdam...

„Verfluchtes Amsterdam“, dessen Originaltitel „Amsterdamned“ wohl nicht durch irgendeinen Alternativtitel zu überbieten ist, ist einer jener Filme, die zunächst nicht gerade aufgrund ihrer Geschichte zu trumpfen wissen. Dick Maas, Regisseur solch wundervoller Werke wie „Eine Familie zum Knutschen“ und „Fahrstuhl des Grauens“, beweist wie so viele vor ihm, dass es auf die Inszenierung ankommt. Selbst die muss nicht zwingend höchst künstlerisch wertvoll sein. Auch wenn Regie und Kamera im hier besprochenen Film allerhand atmosphärische Bilder zaubern, so würde es doch etwas zu weit gehen diesem Werk den Stempel Kunst aufzudrücken.

Maas, der hier wie in dem von mir gewählten kleinen Auszug seines Filmschaffens mit seinem Stamm-Hauptdarsteller Huub Stapel arbeitet, schafft es ein Spannungshoch zu erzeugen, den Minimalismus seiner Geschichte dafür nutzend und das ganze eigenhändig komponiert sympathisch mit einem schlichten Soundtrack stimmig untermalend, so wie einst John Carpenter, der es zur Entstehungszeit von „Verfluchtes Amsterdam“ mit diesem seinem Ur-Konzept schon nicht mehr selber hin bekam.

Maas aber sehr wohl, der es schafft das spannende aber noch viel zu holprige Ergebnis seines „Fahrstuhl des Grauens“ zu toppen, indem er sich komplett auf den Spannungsbogen konzentriert, ohne dabei die Figuren zu vernachlässigen, die sich natürlich benehmen, so real wie der Regisseur auch die Stadt selbst einzufangen weiß. Diese ist hier mehr als der Ort, in dem alles spielt. Amsterdams Eigenschaften und Eigenarten werden bewusst für die Geschichte genutzt, so dass der Ort fast zu einer Art Hauptrolle wird.

„Verfluchtes Amsterdam“ ist ein Thriller. Die Härte seiner Morde, vorausgesetzt man hat die in Deutschland recht selten veröffentlichte ungekürzte Fassung erwischt, verweist jedoch auf die zur Entstehungszeit abflauende Slasher-Welle, die verzweifelt ein Jahr später mit dem Markenprodukt „Freitag der 13. 8“ noch einmal einen missglückten Wiederbelebungsversuch geschenkt bekam, bevor endgültig nur noch Regie-Anfänger sich diesem Sub-Genre des Horrors widmeten. Auch dass der Täter in einem Taucheranzug tätig ist, und dementsprechend wie im Slasher üblich „maskiert“ seine Taten begeht, kommt Maas recht gelegen. Und so schafft er mit seinem Thriller, ohne je zum Horrorfilm zu werden, eine Art holländischen Giallo, bzw. etwas eigenständiges, quasi für Holland das was der Giallo für Italien ist.

„Verfluchtes Amsterdam“ ist ur-holländisch, wird weder von italienischem noch von amerikanischen Einfluss verfremdet, und das macht ihn zu einem Original, zu einem Stück gelungener Europa-Kost, wie es gern unterschätzt wird. In dieser holländischen Art mögen die Protagonisten auf den bienenfleißigen, biederen Deutschen schluderig und nur halb bei der Sache wirken, letztendlich spiegeln sie jedoch den entspannten Lebensstil wieder und die Unaufgeregtheit mit welcher man trotzdem ans Ziel gelangt - ebenso wie der Film selbst, der nicht mehr wie Maas‘ Horrorvorgänger über den mordenden Lift von einem reißerischen Moment zum nächsten hechten muss, sondern nur punktuell auf Übertreibung setzt, während Maas sich ansonsten auf die Mentalitätsnähe seiner Landsleute und den hohen Spannungsbogen verlässt.

Das Ergebnis gibt seinem Vorhaben recht. „Verfluchtes Amsterdam“ blendet nicht mit etwas das er nicht ist. Er ist ein Thriller über einen Serienkiller, nicht mehr und nicht weniger. Den Hauptteil des Erzählten schöpft er aus dem Wesentlichen. Nur selten schweift Maas mit theoretischen Unnötigkeiten wie dem Sub-Plot um die Tochter des Ermittlers und ihres Freundes, der glaubt er könne hellsehen, ab, und selbst hier setzt Maas bewusst auf die Erwartungshaltung des Publikums, das vom amerikanischen Kino längst dahin erzogen wurde zu glauben, dass alles Erwähnte auch wichtig für die Auflösung oder den Ablauf der Hauptgeschichte sein müsse. Maas nutzt quasi die Ur-Gewohnheit des europäischen Kinos um dem zu US-lastigen Zuschauer den Stinkefinger zu zeigen. Cineasten hingegen können über diesen Spott schmunzeln ohne selbst betroffen zu sein. sehenswert

LIEBESGRÜSSE AUS DER LEDERHOSE 7 - KOKOSNÜSSE UND BANANEN (1990 Gunter Otto)


Fridolin bekommt nach nur wenigen Jahren Ehe von seiner Frau mitgeteilt, dass sie sich zukünftig Sex mit anderen anstatt mit ihm wünscht, wohnen könne man ja trotzdem noch zusammen. Mit Hilfe eines Freundes organisiert er sich eine Prostituierte, die so tun soll als sei sie Fridolins neueste Herzensdame...


Was ist schon Beischlaf ohne dabei zu jodeln...

Man macht schon so einiges mit wenn man große Brüder hat. Naiv mit einem von ihnen zum Flohmarkt verabredet saßen wir zwei Stunden später bei ihm zu Hause, weil er die DVD „Kokosnüsse und Bananen“ erstanden hat. Zusammen mit ihm und seiner Freundin erhofften wir uns ein unfreiwillig komisches Trash-Erlebnis, auch wenn unsere Vorfreude schon gravierend gebremst wurde, als wir auf dem Cover zu spät entdeckten einen Streifen aus den 90er Jahren erwischt zu haben anstatt aus den Trash-kompatibleren 70er Jahren. Nun gut, die Hoffnung stirbt zuletzt, scheinbar aber nicht die Gehirnzellen so mancher Filmschaffender, denn was jemand mit (dem auf dem Cover im Titel unterschlagenen) „Liebesgrüße aus der Lederhose 7“ anfangen soll, ist mir ein Rätsel. Erst recht jetzt wo ich weiß, dass er auch als Schundfilm jedweger Art nichts taugt.

Zachi Noy spielt abgesehen davon dass er offiziell erwachsen und verheiratet ist, das was er schon immer in der „Eis am Stiel“-Reihe verkörpern durfte, mit dem einzigen Unterschied dass seine Unterhose diesmal nicht das liebestötende weiße Feinripp ist. 9 Jahre bevor er mit „Crossclub“ mit seinem Untalent sogar in den Bereich des Amateurfilms abgerutscht ist, macht er sich noch einmal auf die übliche Art zum Affen - lustig ist da nur gar nichts mehr, erst recht wenn er gefühlte Ewigkeiten den völlig fertigen Ehemann spielen darf, der über die geschriebenen Worte seiner Frau aus einem Brief nicht hinweg kommt. Es sollte einem Geschichtenerzähler doch eigentlich bewusst sein, dass man einen komisch erzählten Film automatisch ausbremst, wenn man es mit dem ewigen Jammern übertreibt.

Aber in „Liebesgrüße aus der Lederhose 7“, dessen sechs Vorgänger ich glücklicher Weise nicht kenne, ist ohnehin Hopfen und Malz verloren, so ur-bieder sich der Streifen gibt und so verzweifelt er verstaubte Gags noch einmal aufzuflammen versucht. Die 70er Jahre mit ihren Kalauerbeiträgen waren längst tot, die Erotik schon um Meilen weiter als alles was der Film gerne als provokant verkaufen will, und da man einzig auf nackte Brüste setzt, kann man da nur scheitern.

Zumindest kann man dem Film zugestehen, dass er keine Püppchen im Eva-Kostüm präsentiert. Die Frauen sind Frauen von nebenan, nicht gerade attraktiv anzusehen, aber zumindest echt. Leider machen die längst aus der Mode gekommenen aber immer noch im Film getragenen 80er Jahre-Frisuren der Damen auch diesbezüglich jegliches Wohlfühlen zunichte, so dass selbst der Freund realitätsnaher Erotik nichts Erfreuliches zu erblicken bekommt. Damit ist auch der letzte mögliche positive Blick auf dieses Werk Chancen-los zunichte gemacht.

Dass eine groß angekündigte erotische Show im Bordell eine hochgradig gelangweilte Stripperin zeigt, ist zumindest auch aus dem Leben gegriffen, wenn ich so an meinen Ausflug an die Reeperbahn zurück denke, bei welchem ich mir frustrierte Tabledancerinnen angucken durfte, bei denen nur noch die allergeilsten Zuschauer nicht bemerkten wie unglücklich die Damen in ihrem Job waren. „Liebesgrüße aus der Lederhosen 7“ ist somit nah an seinem anvisierten Publikum dran - nur lustig ist das alles nicht, weder freiwillig noch unfreiwillig.

Und weil uns das dann alles irgendwann zu doof und vor allen Dingen viel zu langweilig war, haben wir nach besagtem Show-Element im Bordell ausgeschaltet - noch weit von der eigentlichen Geschichte entfernt, in welcher Fridolin sich eine Prostituierte kaufen wird zu anderen Zwecken als üblich. Etwa 30 - 40 Minuten Laufzeit waren trotzdem schon rum, eben weil die Geschichte nie zu Potte kommt und man lieber zum 100. Mal auf den Brief der Ehefrau schimpft, den Namen des Hundes erwähnt oder Alkohol trinkt, anstatt irgend etwas halbwegs interessantes zu erzählen. Dies ist somit die Review eines angebrochenen Filmes. Über den Rest will ich schon gar nichts mehr wissen. schlecht


Freitag, 1. August 2014

THE BOOK OF ELI (2010 Albert Hughes u.a.)


In einer Welt, in der es vor Jahrzehnten zu einer solch großen Katastrophe kam, dass die Zivilisation unter ging, wandert ein Fremder Richtung Westen, im Besitz ein Buch für das so mancher töten würde. Der mächtige Carnegie, der dabei ist ein eigenes kleines Reich mit allerhand Untergebenen zu errichten, weiß dass es sich im Besitz des Fremden befindet. Er unternimmt alles um an das Buch zu gelangen. Doch der Fremde ist nicht so leicht klein zu kriegen...


Warum kann Solara Auto fahren?...

„The Book Of Eli“ ist ein nicht ganz ungefährlicher Film, verkauft er doch eingepackt in das allseits beliebte Endzeit Science Fiction-Genre die Worte Gottes, ist also nicht einzig dafür geschaffen um zu unterhalten, er soll auch missionieren. Der kritischen Worte werden zwar auch geäußert, so z.B. dass die Bibel, jenes Buch von welchem der Fremde das letzte Exemplar bei sich trägt, seinerzeit eine Teilschuld an jenem Krieg trug, der die menschliche Zivilisation schließlich vernichtete und die Natur weitestgehenst zerstörte. Aber das ist nur Teil einer der Hauptaussagen dieses Filmes. Religion wird gerne von falschen Predigern ausgenutzt. In den richtigen Händen würde sie jedoch Wunder bewirken und den Menschen neue Hoffnung geben.

Das wird Christen gefallen. Menschen wie ich, die lieber der Wissenschaft und dem sozialen Miteinander verbunden sind, bemerken den faden Beigeschmack der Manipulation. Ich mag es nicht missioniert zu werden, und ich mag es erst recht nicht aus einer Richtung die so viel Unheil über die Menschheit brachte. Deswegen ist ein Werk wie „Book Of Eli“ meiner Meinung nach mit Vorsicht zu genießen. Im Gegensatz zu meiner üblichen Grundüberzeugung solchen Dingen aus dem Wege zu gehen muss ich jedoch gestehen, dass ich den Film der Hughes Brüder durchaus mag und finde, dass er einen Blick wert ist. Die Art wie er erzählt ist, ist geradezu packend angegangen. Auch als Atheist wird man zart von der Atmosphäre des Streifens berührt, während einem gleichzeitig die bedrohlichen, warnenden und traurigen Bilder einer untergegangenen Welt faszinieren.

Psychologisch recht schlicht gestrickt beginnt der Film mit einem Farbfilter nahe dem Schwarz/Weiß und wird im Laufe seiner Erzählung immer bunter, wenn auch passend zur Welt noch recht dreckig gehalten. Aber was ein so simples Stilmittel ist, weiß gekonnt zu wirken dank großartig eingefangener Bilder, einem stimmigen, fast meditativen Soundtrack und allerhand talentierter Mimen vor der Kamera. Mila Kunis und Denzel Washington habe ich nur selten besser erlebt, trotzdem stehen sie im Schatten des großartigen Spiels von Gary Oldman. Die Regie baut jedoch nicht nur auf sie, sondern auch auf die Kraft der Ruhe. „The Book Of Eli“ ist langsam erzählt, und selbst seine überzeugenden Actionszenen wirken sanfter als in anderen Filmen, wahrscheinlich auch weil Spielereien wie unnötige Schnittgewitter gemieden werden.

Die Hughes Brüder verlassen sich voll und ganz auf die Charaktere ihrer Geschichte und auf die Wirkung der erweckten Endzeitwelt, irgendwo pendelnd zwischen Motiven des klassischen Western-Genres und der Inspiration aus der „Mad Max“-Trilogie. „The Book Of Eli“ zieht einen in seinen Bann und könnte damit ein wirklich großartiger Film sein - wenn, ja wenn er nicht christlich missionieren würde. Eli, Teil der Worte Religion und selig, ist leider kein neutraler Charakter der glaubt eine Mission zu haben, was den Streifen wesentlich vertrauenswürdiger gestaltet hätte, er wird geradezu von Gott auf seiner Reise beschützt. Seine übernatürliche Erfahrung mit der Stimme die er einst empfing wird im Finale bestätigt. Gott existiert. Die Bibel kann weiter leben.

Von daher kann ich verstehen, dass mancher Nicht-Christ keinen Gefallen an „Book Of Eli“ finden wird und jemanden wie mich, der den Kompromiss wagt, als Paradebeispiel nennt wie es Religion immer wieder schafft Leute derart zu manipulieren, dass sie beginnen zu glauben oder Teilaspekte des Glaubens anzunehmen. Immerhin fühlte ich mich von der Handschrift der Hughes-Brüder tatsächlich zärtlich berührt. Aber das empfinde ich nur auf rein cineastischer Ebene so, und auf dieser lasse ich es auch all zu gerne zu.

Es wäre zu schade „Book Of Eli“ rein aus Prinzip aus ideologischen Gründen komplett zu ignorieren. Dafür ist er einfach zu stark erzählt, düster und emotional zugleich, staubig und trocken und doch optimistisch. Der Mix stimmt. Und die Botschaft des Streifens kann man durchaus annehmen, teilen und leben: Tu für andere mehr als Du für Dich selbst tust. Das ist ein schöner Leitsatz. Aber man sollte nicht so naiv sein zu glauben, dass dieses Motto erst mit dem Beginn des Christentums oder dem Schreiben der Bibel entstanden ist. Soziale Menschen gab es schon immer, und die ehrlichen und geistig gesunden findet man sicherlich nicht in der Kirche. sehenswert