Montag, 30. März 2015

DAS VERMÄCHTNIS DES PROFESSOR BONDI (A Bucket of Blood 1959 Roger Corman)


Walter arbeitet in einem von Kunstkennern gern besuchtem Lokal. Als er talentlos wie er ist verzweifelt versucht aus Ton ein Kunstwerk zu schaffen, wird er von der Katze seiner Hauswirtin genervt, die er emotional angespannt versehentlich tötet. Um den Tod des Viechs zu verheimlichen macht er aus ihr eine Skulptur, die in der Kunstszene großen Anklang findet. Von da an beginnt Walter auch aus Menschen Kunstwerke zu formen...


Ton ist Wachs in seinen Händen...

Der deutsche Trailer verkauft Roger Cormans Film als Fortsetzung von „Das Kabinett des Professor Bondi“ und als knallharten Horror-Thriller, letztendlich hat der berühmte Billigfilmer aber eigentlich eine eigenständige Horror-Komödie geschaffen, die ein wenig auf der Grundidee des Vincent Price-Klassikers aufbaut und nebenbei, mal subtil und mal penetranter, die Kunstszene aufs Korn nimmt, mit einem Anti-Helden im Zentrum, wie Corman ihn ein Jahr später auch, durch wen anders besetzt, in seinem „Kleiner Laden voller Schrecken“ präsentierte: ein etwas dümmlicher Loser auf Abwegen.

Ist seine Vorlage zu Frank Oz‘ 80er Jahre Musical „Der kleine Horrorladen“ tief im Genre der Komödie verankert, so mischt Corman in „Das Vermächtnis des Professor Bondi“ die Genres Horror und Komödie noch wesentlich gleichberechtigter. Zudem ist der Streifen für ein humorvoll orientiertes Werk für seine Zeit recht morbide ausgefallen. Mag der Mord mittels einer Kreissäge auch im Off stattfinden, er ist schon eine harte Methode für einen Genre-Beitrag aus den 50er Jahren. Was damals sicherlich zu schockieren wusste ist heutzutage als Film mit einer FSK 16 erhältlich. Zeiten ändern sich.

„A Bucket of Blood“ (Originaltitel) guckt sich recht routiniert inszeniert, lebt hauptsächlich vom Überagieren Dick Millers und dem Running Gag dass sein Chef schnell hinter das Geheimnis des „Künstlers“ kommt, ohne dass Walter dies bewusst wäre, und dem armen Mann grundsätzlich anders wird, wenn der aufsteigende Stern der Kunstszene ihm immer wieder neue Werke präsentieren möchte. Warum der Mann ihn nicht der Polizei ausliefert wird angedeutet, aber nie wirklich vertieft, vielleicht weil die Andeutung ohnehin wenig Sinn ergibt. Aber das ergibt die finale Flucht von Walters Love Interest ebenso wenig. Die flüchtet nach der Entdeckung von Walters Geheimnis aus einem Lokal voller Menschen in die einsamen Gassen der Stadt, anstatt im Schutz der Menge den Künstler als Mörder zu entlarven.

Es ist dem augenzwinkernden Grundton des Streifens zu verdanken, dass man sich an solchen Schwachpunkten nicht aufhängt. Etwas mehr nagt manch ungeschickter Handlungsstrang am Gesamtergebnis. Die Rahmenhandlung um einen Einsatz des Drogendezernats wird auf halber Strecke liegen gelassen, anstatt sie in den Haupterzählstrang mit einzubinden. Und noch kläglicher schaut sich der für das deutsche Publikum zusätzlich gedrehte Beginn des Streifens, der im langweiligen Monolog bemüht versucht inhaltlich eine Brücke zu „Das Kabinett des Professor Bondi“ zu schlagen, der inhaltlich nicht einmal nötig gewesen wäre, so sehr die Geschichte um den Loser der unbedingt als Künstler Anerkennung ernten möchte für sich alleine steht und als Unikum zu funktionieren weiß. Der Verweis auf den 1953 entstandenen Bondi-Film wurde rein des Kommerz wegen eingebaut.

Dementsprechend dauert es etwas, bis man sich in „Ein Eimer voll Blut“ (Alternativtitel) als Zuschauer zurecht gefunden hat. Ist man aber erst einmal dort angekommen weiß Roger Cormans Pseudo-Fortsetzung, die 1995 als „Bloody Secret“ mit Anthony Michael Hall in der Hauptrolle neuverfilmt wurde, durchaus zu gefallen, wenn auch nur mit heruntergeschraubten Erwartungen. Im direkten Vergleich gefällt mir Cormans konsequenterer Schritt Richtung Komik mit „Kleiner Laden voller Schrecken“ besser, da Corman dort bewusster zu sein schien welchen Schwerpunkt er mit seinem Werk setzen wollte. „A Bucket of Blood“ schaut sich hingegen etwas unausgegoren und phasenweise orientierungslos. Aber er weiß diese Schwäche über seinen Charme zu überspielen, so dass zumindest Genre-Freunden ein unterhaltsamer Film geboten wird.


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Sonntag, 29. März 2015

TRAUZEUGE GESUCHT! (I Love You, Man 2009 John Hamburg)


Die Verlobung macht den sich immer schon in festen Beziehungen lebendem Peter bewusst, dass er in seinem Leben nie einen besten Freund hatte. Als er, von seiner zukünftigen Braut bestärkt, beschließt dies zu ändern, erweist sich die Suche nach einem männlichen Wegbegleiter als äußerst schwierig. Als Peter schon fast alle Hoffnungen verloren hat, lernt er den ungebundenen, lebensfrohen Sydney kennen, mit dem er bald so viel Spaß am Leben bekommt, dass die zukünftige Braut sich langsam vernachlässigt fühlt...


Der Unterschied von Bass und Luft-Bass spielen...

Paul Rudd nimmt im Filmgeschäft mittlerweile jene Nische ein, die einst von Matthew Broderick besetzt wurde. Er spielt den braven Soften. Vielleicht nervt dies manchen Filmfreund, viellleicht nervt es sogar Rudd selbst auf diesen Figuren-Typ festgelegt zu sein, wer weiß, aber ich finde er macht seine Sache gut, so gut sogar, dass ich in leichte Komödien mittlerweile auch seinetwegen reinschaue. Besonders gut gefiel er mir in jungen Jahren im wundervollen „Clueless“ neben der zuckersüßen Alicia Silverstone, noch mehr aber in seiner Rolle als Ehemann in trister Routine in dem Seth Rogen-Film „Beim ersten Mal“.

An das Niveau dieser Rollen kann Rudd hier nicht anknüpfen, wie auch, wenn das Drehbuch ihn doch fast wie einen unsympathischen Vollversager aussehen lässt. Okay, das ist jetzt übertrieben, aber an einigen Stellen möchte man dem Autor dieser Geschichte doch gerne einmal reinpfuschen, so würdelos peinlich lässt er die Rolle des Peter hin und wieder wirken, am extremsten in jenen Szenen, in welchen Peter nicht weiß wie er sich vor Sydney verhalten soll bevor dieser sein Freund wird. Sicher, Peter soll unerfahren und nervös wirken, aber meiner Meinung nach schießt man in solchen Szenen aufgrund mangelndem psychologischem Feingefühls über das Ziel hinaus. Peter wird als völlig unkompatibel herausgearbeitet, so dass man sich fragen darf warum Sydney sich auf eine Freundschaft mit diesem rückgratlosen Menschen einlassen sollte.

Lernt man die Hintergründe von Sydney im Laufe der Zeit kennen ergibt zumindest dieser anfängliche Widerspruch doch noch einen Sinn, ist der in den Tag lebende Freigeist doch auch verzweifelt, wenn auch aus anderen Gründen als Peter. Und ob man es glaubt oder nicht, wenn Peter und Sydney erst einmal warm miteinander werden weiß auch der bis dahin recht holprig erzählte Film endlich zu funktionieren. Da die angenehmen Aspekte zuvor die unangenehmen dominierten, kann man somit doch noch von einem sympathischen Streifen sprechen, der das Rad zwar nicht neu erfindet, aber das muss er ja nicht. Das ist schließlich das tolle an leichten Komödien-Stoffen. Sie müssen nicht innovativ sein. Sie müssen nicht übersprudeln vor Komik. Sie müssen lediglich einen gewissen Charme versprühen.

Ich gebe zu, ich war kritisch als ich auf dem Cover gelesen habe, dass ausgerechnet Jason Segel den unangepassten Gegenpart zu Rudds Rolle übernehmen sollte. Ich kannte ihn nur brav grinsend aus „Die Muppets“ und ebenso politisch korrekt angepasst brav aus der völlig überschätzten Sitcom „How I Met Your Mother“. Aber er bringt genau jene Entspanntheit mit, welche die Rolle des Sydney glaubwürdig macht. Dies zusammen mit einem Drehbuch, welches Sydney nicht zu radikal erscheinen lässt, sondern lediglich alternativ lebend, macht die angenehme Ausstrahlung an besagter Rolle aus. Und diese in Kombination mit Rudd weiß „Trauzeuge gesucht!“ tatsächlich zu tragen.

Dank eines guten Mixes aus biederer Komik und den schrägen Momenten des Films (z.B. der Rentner, der sich für jünger ausgegeben hat) verzeiht man dem Streifen auch seine gelegentlichen Ausflüge in die Fäkalkomik. Ob man wirklich die Wichsecke oder den dämlichen Furzwitz gebraucht hätte, um das Miteinander der Freunde als lässig zu unterstreichen, wage ich anzuzweifeln. Und auf die beiden Kotzmomente hätte ich auch verzichten können. Andererseits umgeht man zumindest inhaltliche Fehler, die sich im korrekten Amerika geradezu aufgedrängt hätten.

Das ist zum einen der Umgang mit der Hochzeits-Thematik im Streifen, ein Thema das in der Hand anderer Verantwortlicher sicher mit der Einsicht geendet hätte, dass Peter immer so sehr eine Ehefrau wollte, dass er erst über die Freundschaft erkennt, dass er seine Verlobte nicht liebt. Und ebenso wäre es in falschen Händen sicherlich zu einer ungerechten Kritik an Sydneys alternativem Lebensstil gekommen, die in der Hand von Regisseur John Hamburg glücklicher Weise nur kurz anklingt ohne selbstgerecht und unfair zu wirken.

Um so trauriger ist es, dass sich in „I Love You, Man“ (Originaltitel) der eingangs erwähnte Schwachpunkt in Peters Charakter eingeschlichen hat, der dem Film mehr schadet als man meinen sollte. Es ist im nachhinein gut zu wissen, dass der Streifen trotzdem noch die Kurve bekommen hat. So ist Hamburgs Werk zwar trotzdem noch ein Wackelkandidat wie sein „...und dann kam Polly“, aber im Gegensatz zu dem weiß wenigstens die Chemie der beiden Hauptfiguren zu stimmen, was viel am positivem Eindruck von „Trauzeuge gesucht!“ ausmacht.


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Samstag, 28. März 2015

NACKT UND ZERFLEISCHT (Cannibal Holocaust 1980 Ruggero Deodato)


Ein Team von Dokumentarfilmern kommt von einer Reise aus dem brasilianischen Urwald nicht zurück, wo sie Aufnahmen wilder Völker einfangen wollten. Ein Wissenschaftler macht sich mit zwei Ortskundigen auf die Suche nach den Vermissten...


Hinter dem Vorhang...

„Nackt und zerfleischt“ ist eine der härtesten Prüfungen, die man als Filmfreund durchleben kann. Er ist ein schwer verdauliches Stück Film, welches seine Geschichte völlig unverschönt präsentiert. Hier lauert knallharter Realismus auf den Zuschauer, der in seinen explizieten Szenen so echt wirkt, dass man glaubt einem Snuff-Movie beizuwohnen. Lediglich Tieraufnahmen treffen aufgrund damals fehlender Tierschutzgesetze diesbezüglich zu. Darüber regen sich viele Filmfreunde auf und verurteilen den Streifen dafür, so dass ich nur hoffen kann dass solche Kommentare von Vegetariern kommen, halten sie der Kritik doch sonst nicht stand. Tiere werden hier der Nahrungsaufnahme wegen getötet, und da soll dem Zuschauer ruhig noch einmal bewusst werden was dies tatsächlich bedeutet, wo er sein Schnitzel doch sonst bereits servierfertig auf dem Teller liegen hat.

Tiertötungen gehören mit zu den schwer erträglichen Szenen des Filmes, und sie gehören meiner Meinung nach legitim dazu, ist es u.a. doch ein Film der uns zivilisierten Menschen, die den Bezug zur Natur verloren haben, mit unschönen Bildern bewusst macht was das Motto von fressen und gefressen werden bedeutet. Allerdings ist dies nur ein Nebenaspekt eines Filmes, dem es in Sachen Gesellschaftskritik um etwas völlig anderes geht: um die Dinge hinter dem Vorhang. „Cannibal Holocaust“ (Originaltitel) macht uns die Täuschung der Zivilisation bewusst. Das Tier in uns lebt. Und man kann es nur hinter dem Vorhang herauslassen. Das Ergebnis dieser Taten bekommen wir in den Medien immer wieder serviert.

Da vögeln in stillen Hotelzimmer Manager ihre 14jährigen Prostituierten, da begeht die ach wie zivilisierte letzte Weltmacht trotz gegenteiliger Abmachung heimlich beim Verhör von Verdächtigen Verbrechen an der Menschheit, und Sexgeile ficken anonym des Nachts im Dunkeln des Parks miteinander, da wo es kaum wer in der Öffentlichkeit mitbekommt. Der Wilde in uns lebt und darf geheuchelt im Alltag der Zivilisation nicht heraus, ein Fakt der sich seit dem Aufkommen der Political Correctness verstärkt hat, wo selbst legitime Triebe als zweifelhaft angesehen werden. In Ruggero Deodatos Film richtet sich dieser Blick hinter dem Vorhang auf die Dokumentarfilmer, die sich als die wahren Wilden des Streifens entpuppen und dem Film damit eine Wende bescheren, die zu schockieren weiß.

Wer geglaubt hat der Streifen ginge bis dahin gnadenlos mit den Sehgewohnheiten des Zuschauers um, der wird das Grauen nun erst so richtig kennenlernen, erkennt er in den Momenten der unübersehbaren Medienkritik doch seine Mitschuld, während er als Voyeur der Geschehnisse sich gar nicht vom Geschehen lösen kann. Welch gerechte Strafe, ein Gedanke der auch die harten Bilder des Streifens legitimiert, die ihm gerne vorgeworfen werden. „Die letzten Kannibalen“ (Alternativtitel) ist kein „Saw“, an dessen Gore-Effekten sich Fans aufzugeilen scheinen. Hier sollen Gore-Effekte das erreichen, was solche Gräueltaten aus gesunder Sicht tatsächlich beim Menschen verursachen sollten: Übelkeit, Unwohlfühlen und ein schlechtes Gewissen noch dazu, weil man sich das Ganze ursprünglich als Freizeitunterhaltung antun wollte.

„Nackt und zerfleischt“ ist ein anklagender, moralischer und kritischer Film. Der deutsche Titel ist reißerischer Natur, aber das passt schon, denn den Vorwurf der Film sei ebenfalls arg reißerisch ausgefallen muss sich Regisseur Deodato gefallen lassen. Spätestens das von Filmpostern bekannte Motiv der gepfählten Frau schießt weit über das Ziel hinaus und erreicht in seiner Übertreibung eine Unglaubwürdigkeit innerhalb einer Thematik in der es zugegebener Maßen schwer fällt objektiv beurteilen zu können was unglaubwürdig ist und was nicht, wenn man fern jeder Kontrolle den Wilden in sich herauslassen könnte.

„Jungle Holocaust“ (Alternativtitel) wird niemanden kalt lassen, egal wie man zu dem Film stehen mag. Er ist eine Extremerfahrung, die selbst Werke wie „Das Experiment“ im Vergleich harmlos erscheinen lassen. Ein harter Magen ist für ein Sichten ebenso Pflicht wie starke Nerven. Und jeder muss für sich selbst entscheiden, ob er sich ein solches Werk antun kann/muss oder nicht. Wer sich selbst eine Lektion bescheren will und dem Grauen tatsächlich ungeschönt ins Auge blicken will, der sollte diesen Schritt gehen. Zumal man Deodato trotz seiner extremen Umsetzung keinesfalls vorwerfen kann ein schlichtes Billigfilmchen zusammengeschustert zu haben. Aufgrund der Aufsplittung seiner Erzählweise und mit dem späten Zuspielen wichtiger Informationen an den Zuschauer ist „Cannibal Holocaust“ psychologisch clever erzählt und damit wohl durchdacht. Das betrifft im übrigen auch den Soundtrack, dessen wunderschöner Hauptsong sich zärtlich sanft über das abscheuliche Geschehen legt.

Mit dem häufigen Anteil an fiktiven Dokumentarszenen wird „Nackt und zerfleischt“ von manchem Halbrecherchierenden auch gerne als Begründer der Found Footage-Welle bezeichnet, die Ende der 90er Jahre mit „The Blair Witch Project“ populär wurde. Mal ganz davon abgesehen, dass Deodatos Werk nur auszugsweise dieser Gattung Film angehört, gebührt die Ehre der Gründung dieser Filmmethode doch ohnehin in Wirklichkeit Rainer Erler, der bereits 1970 (!!!) mit „Die Delegation“ einen Found Footage-Film drehte, der bis auf ein paar Rahmenkommentare abgesehen, die eine echte Fernsehsendung vorgaukeln sollen, komplett im Doku-Stil gedreht ist - und zwar Dokumaterial zeigend, das angeblich gefunden wurde. Klassischer geht Found Footage wohl kaum.

Was man Deodato zu diesem Thema jedoch zugestehen kann, ist das Umgehen der Fehler eines „Der letzte Exorzismus“, „Diary of the Dead“ und Co. Deodato verzichtet zwar auch nicht darauf die pseudo-authentischen Filmszenen künstlisch zu überarbeiten, z.B. indem sie mit Musik untermalt werden, es werden jedoch Begründungen diesbezüglich in die Geschichte mit eingebaut, womit dieses Vorgehen nicht zum Filmfehler wird. Aufgrund seiner extremen Wirkung würde man dies Deodatos Werk aber sicherlich ohnehin nicht vorwerfen wollen.


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Donnerstag, 26. März 2015

DER TEPPICH DES GRAUENS (1962 Harald Reinl)


Hinter einer Mordserie, bei welcher die Opfer mit einem unbekannten indischen Gift getötet werden, steckt eine komplette Verbrecherorganisation. Es gibt so einige die herausfinden möchten wer der Kopf der Bande ist, u.a. der zwielichtige Harry Reffold...


Das Serum des Grauens...

Dieser recht früh zur harten Welle hinzugestoßene Konkurrenz-Beitrag der damals so erfolgreichen Edgar Wallace-Verfilmungen guckt sich wie ein Mix aus dieser und den 60er Jahre Mabuse-Filmen, beides Reihen für die Regisseur Harald Reinl tätig war. Mehr noch, mit Reinls „Der Frosch mit der Maske“ ging die komplette Welle überhaupt erst los. Dieser war, ebenso wie „Die Bande des Schreckens“, ein sehenswerter Beitrag. Doch an deren Qualität kommt „Der Teppich des Grauens“ nicht heran.

Das beginnt bereits mit der holprigen Einführung der Figuren und dem ungeschickten Einstieg in eine Geschichte, die viel zu bemüht verworren sein möchte, so dass es einen nach einem eher schwachen ersten Drittel schon wundern darf, dass der Film mit dem wohl bescheuertsten Titel innerhalb der harten Welle zumindest noch zu einem durchschnittlichen Ergebnis findet, wenn Figuren erst einmal an Sympathie gewonnen haben und das Interesse des Zuschauers für den laufenden Fall doch noch geweckt wird.

Freilich geschieht das alles zu spät um für Reinls Werk, das im selben Jahr wie sein „Die unsichtbaren Krallen des Dr. Mabuse“ erschien, eine Empfehlung auszusprechen, aber orientiert am besagten Mabuse-Film war das Filmjahr 1962 scheinbar ohnehin nicht Reinls bestes Jahr, sind doch beide Werke eher Light-Versionen der besseren Kriminalfilme dieser Zeit. Leider fehlt „Teppich des Grauens“ zudem auch der Bezug zum Sub-Genre Grusel-Krimi.

Trotz einer Verbrecherorganisation mit mystischem Gift und unbekanntem Hintermann ist der Streifen ein waschechter Kriminalfilm, wie er abgesehen von kurzen Action-Momenten klassischer kaum aussehen könnte, allein schon aufgrund der klaren Gut-Böse-Trennung, die man zwar scheinbar vermeiden wollte bei all den angeblich zwielichtigen Personen, die sich erst spät als Ermittler auf Seiten der Guten entpuppen. Aber aufgrund der Besetzung gehören sie nie zu den wahrlich verdächtigen Personen. Ihr guter Kern ist nie eine plötzliche Überraschung. Im Gegenzug entpuppt sich ein positiv gezeichneter Charakter nie urplötzlich als böse.

Es liegt an der guten Besetzung, dass „Der Teppich des Grauens“ sich in seiner Innovations-Armut noch brauchbar guckt. Neben Joachim Fuchsberger und Karin Dor gibt es noch manch anderes berühmtes Gesicht aus der Wallace-Reihe zu entdecken. Letztendlich sind die unbekannteren Gesichter auch die talentierteren. Aber die beiden Helden wissen zumindest über ihren Charme auf den Streifen zu wirken, das ist auch schon viel wert.

Die Auflösung ist meiner Meinung nach nicht sonderlich originell ausgefallen und lässt auch nach Reffolds angehangener Erklärung am Schluss noch einige Fragen offen. Aber letztendlich ist „Der Teppich des Grauens“ ohnehin nur die Trivialunterhaltung für den Schnellverzehr und deshalb nicht geeignet einer tieferen Analyse stand zu halten. Zum einmal Gucken ist er okay. An das Ergebnis von „Die weiße Spinne“, der ebenfalls vom Kriminalautor Louis Weinert-Wilton stammt, kommt er nicht heran, und selbst der war eher eine Blaupause der berühmten Wallace-Werke und damit keine ernstzunehmende Konkurrenz.

Im Internet liest man übrigens immer wieder wie rassistisch die Besetzung des Schwarzen in der lustigen Nebenrolle sei, die in einem Wallace-Film üblicher Weise mit Eddi Arent besetzt worden wäre. Ich vermutete bei solchen Artikeln immer, dass die übertriebene politische Korrektheit den Verfassern dieser Texte einen Streich in ihrer Wahrnehmung gespielt hätte, aber die Leute haben tatsächlich Recht. Der arme Kerl wird im Gegensatz zu den Spaßfiguren des Eddi Arent völlig würdelos eingesetzt, so dass man das geradezu penetrante Vorführen seiner Idiotie in Kombination mit seiner Unterwürfigkeit und dem herablassenden Ton der ihm stets entgegen gebracht wird definitiv als fragwürdig bezeichnen darf - von der idiotischen Stimme mit der er spricht einmal ganz zu schweigen.


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Sonntag, 22. März 2015

HORROR AM MILL CREEK (The Final Terror 1983 Andrew Davis)


Eine Gruppe junger Menschen fällt bei einem Ausflug in die Wildnis einem Irren in die Hände, der einen nach dem anderen tötet...


Da ist was im Busch...

Warum genau die Protagonisten von „Horror am Mill Creek“ ins Grüne fahren und was sie verbindet wird aufgrund der etwas arg wirren Erzählung nicht so ganz klar. Klar ist nur, dass der Film inhaltlich ein typisches Produkt seiner Zeit ist. Irgendwo zwischen Backwood-Horror und Slasher angesiedelt gibt er dem Publikum genau das was es damals sehen wollte: junge Menschen, die einem Killer ausgeliefert sind, angereichert mit gelegentlichen harten Kills.

Leider benötigt ein Film mit solch einem Minimum an Story eine gewisse Orientierung. Wenn man aber schon nicht weiß was die Leute an dem Ort tun wo sie sich befinden, sollte man besagte Menschen zumindest kennen lernen. Aber sie bleiben bis zum Schluss austauschbar und charakterlos. Eine Identifikation ist nicht möglich, zumal sie einem mit ihren völlig überzogenen Streitereien tierisch auf den Senkel gehen. Das Mitfiebern vor dem Bildschirm ist orientiert an solchen Proleten nur gering. Da ist es nicht gerade hilfreich, dass besagter Streifen in der von mir gesichteten Fassung viel zu dunkle Bilder präsentiert, so dass man teilweise nicht einmal erkennen kann wen es gerade erwischt hat.

Schade, diese Samuel Z. Arkoff-Produktion klang wesentlich interessanter als sie schließlich ausfiel, allein schon weil die durch „Roxanne“ und „Splash - Jungfrau am Haken“ kurzfristig berühmt gewordene Daryl Hannah in jungen Jahren mit an Bord ist, was nach Sichtung aber auch völlig egal ist, ist ihre Rolle doch so austauschbar wie alle anderen auch, mit der Ausnahme dass sie zum aktiven Geschehen sogar noch weniger beiträgt als die männlichen Rollen, die zumindest in der späten Phase der Geschichte eine Gegenwehr planen.

Zwar schafft es Regisseur Andrew David auch den ein oder anderen spannenden Moment in die Monotonie einzubauen, vom Spannungspotential seiner späteren Hits „Auf der Flucht“  und „Ein perfekter Mord“ ist jedoch noch nichts zu spüren. Andererseits zeigte der gute Mann mit dem Schwarzenegger-Streifen „Collateral Damage“ dass er auch schlechteres abliefern kann als diesen längst vergessenen 80er Jahre-Horror, der auch unter dem Titel „Todesfalle am Mill Creek“ lief.

Leider tritt „Angst - Das Camp des Grauens“ (Alternativtitel) viel zu sehr auf der Stelle, als dass er wirklich zu interessieren wüsste. Ein gewisser stimmiger Grundton ist trotz aller Negativpunkte dennoch vorhanden, so sehr es auch wundert. Somit ist „The Final Terror“ (Originaltitel) nicht ganz so übel ausgefallen wie „Ausflug in das Grauen“ oder „Backwoods“. Wer aber zu diesem Thema aus dieser Entstehungszeit einen wahrlich guten Film sehen will, der sollte lieber zu dem sechs Jahre zuvor entstandenen „The Creeper“ greifen (nicht zu verwechseln mit „The Creeper“ aus dem Jahr 1983, dies ist ein weiterer Alternativtitel des hier vorliegenden Streifens), der langweilige Teenager gegen erwachsene Helden tauschte und das einem Irren in der Wildnis Ausgeliefertsein wesentlich spannungsfördernder einsetzte als es „Carnivore“ (Alternativtitel) selbst in seinen besten Momenten je schaffte.


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UNTERWEGS MIT MUM (The Guilt Trip 2012 Anne Fletcher)


Andrew versucht ein selbstentwickeltes Öko-Produkt auf den Markt zu bringen, wofür er mit dem Auto quer durch Amerika reisen muss. Als seine Mutter ihm von einer ehemaligen Jugendliebe erzählt beschließt der Mann seine seiner Meinung nach nervige Mutter mit auf Tour zu nehmen, da die einsame Frau sich weigert seit dem Tod ihres Gatten neue Männer kennen zu lernen. Die Mutter weiß nichts von den wahren Gründen und freut sich, dass ihr Sohn endlich einmal Zeit mit ihr verbringen will...


Annäherung...

Es ist unübersehbar was Regisseurin Anne Fletcher vorschwebte. „Unterwegs mit Mum“ sollte eine Komödie werden in welcher sich ordentlich gekabbelt wird, um am Ende ganz emotional zu erkennen wie gerne man doch den anderen hat. Das gab es bereits sehr gelungen umgesetzt bei den beiden Filmen „Ein Ticket für zwei“ und „Harry und Sally“, und das ist nur die Spitze eines riesigen Eisberges an Veröffentlichungen ähnlicher Geschichten. Mit Barbra Streisand und Seth Rogen hatte die gute Frau dann auch zwei sympathische Mimen in den wichtigsten Rollen mit an Bord. Das ließ hoffen.

Aber Besetzung ist nun einmal nicht alles, und ein sicher klingendes Rezept ist nicht zwingend ein sicheres Rezept, das musste der Komödien-Fan bereits bei Danny De Vitos „Der Appartement Schreck“ unbelustigt feststellen. Was „Unterwegs mit Mum“ fehlt ist die Dialogstärke der gelungenen Varianten dieser Art Komödie. Auf Situationskomik kann es auf so engem Raum (die meiste Zeit spielt im Auto) nicht zwingend ankommen, die dient der gelegentlichen Auflockerung. Aber gewitzte, spritzige, freche und später auch emotionale Dialoge, die machen den Kern einer solchen warmherzigen Komödie aus, freilich auf der Grundlage von Charakteren, die man als Zuschauer gut genug kennenlernen darf.

Letzter Punkt ist Anne Fletcher gelungen. Wir lernen beide Figuren kennen, wir lernen sie sogar ein wenig mögen, aber auch diese Identifikation bzw. die Sympathie zu den Hauptcharakteren allein macht noch keinen guten Film aus. Leider reichte es dem Verantwortlichen für das Drehbuch bereits allerhand Mutter-Klischees mit an Bord zu nehmen, ohne mit diesen kritisch, ironisch oder humoristisch neu überarbeitet umzugehen. So nervt die Mutter den armen Andrew zurecht, und da es da nichts zu lachen gibt, nervt sie trotz durchaus vorhandener Sympathie auch den Zuschauer.

Das sind glücklicher Weise nur kurze Momente zwischendurch, diese tauchen aber immer wieder auf und sind unnötig noch dazu, da sie sich hätten vermeiden lassen können, wenn man nur ein klein wenig raffinierter vorgegangen wäre. Richtig schaden tut dem Film jedoch eigentlich seine unübersehbare Routine. Die Geschichte wird im Bewustsein heruntergeleiert dass Filme dieser Art dem Publikum bekannt sind, so als wolle man diesem nur die nächste Portion reichen, die kurzfristig satt machen soll. Keine innovativen Momente, keine Sternstunden der Komik, alles plätschert vor sich hin, charmant genug um nicht gelangweilt auszuschalten, aber belanglos genug um sich nicht wirklich für den Stoff zu interessieren.

Im Vergleich zum völlig in die Hose gegangenen „Selbst ist die Braut“, den ebenfalls Anne Fletcher inszenierte, weiß „The Guilt Trip“ (Originaltitel) zumindest noch halbwegs zu funktionieren. Aber dieser Film ist eine Komödie der Theorie, bei welcher der Zuschauer weiß was das alles eigentlich soll. Aber um auch in der Praxis zu funktionieren fehlt die Seele, das Herz, es fehlt die Ehrlichkeit, die Griffigkeit. Die Geschichte bleibt zu sehr Geschichte, und die Figuren bleiben lediglich Figuren. Man verschmilzt nicht mit ihnen. Man sehnt sich nicht nach dem Moment der Versöhnung. Und das ist recht schade, weiß doch gerade der Schwerpunkt des alltäglichen Mutter-Sohn-Konfliktes für diese Art Komödie eigentlich zu reizen.

„My Mother‘s Curse“ (Alternativtitel) fehlt es somit sowohl an den wahrlich großen humoristischen Momenten als auch an der tiefemotionalen Identifikation, die ein solches Werk erst so menschlich ausfallen lässt. Dass eins von beidem fehlt hätte man verkraften können, auch wenn erst beide Zutaten zu einem besonderen Erlebnis geführt hätten. Aber dass hier gleich beides fehlt ist zu wenig des Guten. Sicherlich lässt sich „Unterwegs mit Mum“ gucken, aber es gibt zig Alternativen diese 90 Minuten Leben aufregender zu gestalten. Will man aber eine weniger aufregende Sache mit hier besprochenem Film kombinieren, z.B. zur Nebenbei-Unterhaltung während des Wäschefaltens, ist Fletchers Werk der ideale Begleiter.


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Samstag, 21. März 2015

SLEEPAWAY CAMP (1983 Robert Hiltzik)


In einem Sommercamp geht ein Killer um, der scheinbar immer die Peiniger der schüchternen Angela bestraft, die als Kind ihre Familie verlor...


Frust statt Strafe...

1981 „Freitag der 13.“ und „The Burning“ und 1983 „Sleepaway Camp“ - der Ort des Ferienlagers wurde bei seiner bereits so früh verwendeten häufigen Anwesenheit nicht ohne Grund zum Klischee des Slasher-Films, und Regisseur Robert Hiltzik nutzt die bekannte Grundlage bewusst, um die Unterschiede seiner Interpretation des Stoffes deutlicher zu machen. Das beginnt bereits mit dem Klientel das im Zentrum steht. Seine älteren Jugendlichen, die für das Genre geradezu typisch sind, sehen aus wie Mitte 30 und werden auch gar nicht erst auf jünger getrimmt. Das ist aber fast auch egal, stehen sie doch gar nicht im Mittelpunkt. Hiltzik konzentriert sich ungewohnter Weise auf die jüngeren Teenager, womit sich auch der für den Slasherfilm so wichtige sexuelle Schwerpunkt verlagert. Wurde in den Vergleichsfilmen immer wieder gevögelt, und dies sogleich bestraft, so steht hier altersgerecht der Wunsch auf erste Schritte körperlicher Annäherung im Vordergrund und der Frust der mit den unbeholfenen Versuchen einhergeht.

So unrealistisch die älteren Jugendlichen eingefangen werden, so lebensecht schaut sich das Verhalten der jüngeren, die eigentlich noch nicht ganz so genau wissen warum sie das andere Geschlecht erobern wollen und denen die Achtung der gleichgeschlechtlichen Gruppe noch wichtiger ist als die des anderen Geschlechts. Man testet noch, veralbert einander, ist unsicher, sucht sich noch selbst und erkundet noch welche Methoden einen beim Annähern an das andere Geschlecht ein Schrittchen näher zum Ziel bringen und welche nicht. Und inmitten dieses natürlichen Szenarios tritt etwas Unnatürliches, ein unbekannter Täter der das frühzeitige Ableben der Gäste und Mitarbeiter einleitet. Er stört die Gesetzmäßigkeiten des Campalltags, was sich auf augenzwinkernde und absichtlich groteske Art am deutlichsten im Verhalten des Camp-Leiters zeigt, der nicht mit dieser unerwarteten Wendung der Geschehnisse umgehen kann und aus Existenzängsten heraus den Blick zur Realität verliert.

Das ist zwar wie gesagt absichtlich so übertrieben eingebaut, dies im Zusammenhang damit dass auch nach der x-ten Leiche das Leben im Camp noch halbwegs normal fortgesetzt wird stört die Glaubwürdigkeit eines Filmes, der zwar nicht felsenfest in der Realität spielen will, aber doch in einem möglichst realitätsnahem Umfeld, sprich zwar absichtlich Filmklischees seines Sub-Genres zelebriert und gerne groteske Momente auffährt, insgesamt aber für den Zuschauer nachvollziehbar sein will. Ein Slasher ist in der Regel kein Kunstwerk, er wird des Kommerz wegens produziert. Man hängt sich als Zuschauer also nicht an kleinen Unstimmigkeiten auf. Aber das ewige Durchziehen des üblichen Camp-Alltags wird zum Dorn im Auge der Glaubwürdigkeit in einem Film der ohnehin schon aufgrund mangelndem Spannungsbogens nicht zu den Highlights seiner Gattung zählt.

Zwar distanziert sich „Blutiger Sommer - Das Camp des Grauens“ (Alternativtitel) durch das jüngere Klientel und die grotesken Momenten erfreulich vom Einerlei einer immer wiedergekäuten Geschichte, aber diese Bewunderung ist Genre-bezogen fast ausschließlich theoretischer Natur. Die fröhlichen Camp-Alltagsmomente treffen den Nerv des Zuschauers wesentlich intensiver als der Horror-Part, der nie düster oder wirklich morbide wirkt und der in Sachen Spezialeffekte mehr als enttäuscht. Eigentlich trifft er erst mit seiner Schluss-Pointe endlich mal ins Schwarze, wofür man ihm im Nachhinein auch so manches verzeiht, so z.B. die Vorhersehbarkeit wer denn nun der Killer ist, was spätestens beim Mord im See unter dem Boot mehr als deutlich wird. Da Hiltzik der bereits vermuteten Auflösung noch eine wichtige Zusatzüberraschung hinzufügt, die psychologisch gesehen nahtlos zum zuvor Gesehenen passt, kann man das Finale definitiv als Herzstück des Films betrachten. Sie ist der Pluspunkt, der zuvor unterschwellig Erzähltes in einem anderen Licht erscheinen lässt.

In wie weit das einem Filmfreund dabei hilft den Streifen besser zu finden, wenn dieser ihn nicht noch einmal sichten möchte, sei einmal dahin gestellt. „Nightmare Vacation“ (Alternativtitel) hat sich trotz interessanter Momente und lobenswerter Unterschiede zur Konkurrenz trotzdem zuvor nur eher mittelmäßig geguckt. Aber für den Zuschauer-Typ, der in Gesehenes gerne noch einmal hereinschnuppert, und sich zunächst nicht sicher war ob „Sleepaway Camp“ ebenfalls eine Neusichtung gewährt bekommen wird, der wird sich nach dem Finale sicher sein, dass es ein Wiedersehen geben wird. Allein die Dramatik des Stoffes, die in den meisten anderen Slashern gar nicht erst mit eingebaut wird, wird sich bei einer zweiten Sichtung noch einmal aus einer völlig anderen Perspektive schauen als beim ersten Mal.


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DIE HEXE (Superstition 1982 James W. Roberson)


Dass eine Hexe im 17. Jahrhundert nicht ordnungsgemäß getötet wurde, bekommen Mitarbeiter der Kirche im 20. Jahrhundert zu spüren, als ein neuer Pfarrer in ein altes Anwesen zieht, welches seit Jahrhunderten im Besitz der Kirche ist. Bereits in der Zwischenzeit kam es dort immer wieder zu rätselhaften Todesfällen. Nun wird den neu vor Ort hinzugezogenen Geistlichen klar, dass die Hexe von einst noch immer aktiv ist...


Das Haus am See...

Eigentlich ist „Die Hexe“ ein Spuk-Horror nach klassischem Erzählmuster. Die Geister wurden lediglich gegen eine Hexe ausgetauscht, und Mitarbeiter der Kirche werden zum Zentrum anstatt zur Nebensache. Es ist ein Pfarrer selbst der mitsamt Familie in ein lebensgefährliches Haus zieht (gemeiner Weise ist sein neuer Arbeitsort aufgrund einer Alkoholkrankheit seine letzte Chance), und sein ebenfalls vor Ort neu eingesetzter Vorgesetzter übernimmt den nachforschenden Part zugeschrieben. Nebenbei ermittelt auch die Polizei, die dem Verdacht eines menschlichen Täters nachgeht, womit Spiritismus und Kriminalistik auf die richtigen Instanzen gesehen konsequent getrennt werden und dies überraschender Weise bis zum Schluss, ohne dass einer sich vom anderen eines besseren belehren lässt.

Die Ursache des Grauens befindet sich im See. Wir haben es theoretisch gesehen also nur bedingt mit einem Spukhaus zu tun. Die meisten Todesfälle finden jedoch in besagtem Haus statt, so dass der Unterschied eigentlich nur Blende und das Bestehen einer Trennung zum Spukhaus-Genre lediglich Kleinkrämerei wäre. Somit haben wir es auch diesbezüglich trotz diverser inhaltlicher Unterschiede noch immer mit einem klassischen Horrorstoff zu tun. Dass dieser nicht bereits zu seiner Entstehungszeit Anfang der 80er Jahre zu altbacken daher kommt, liegt an der damals recht modernen Umsetzung von Regisseur James W. Roberson, der es als Regisseur auf gerade einmal drei Filme gebracht hat.

Die durch „Freitag der 13.“ und Co ausgelöste Slasherwelle hinterlässt ihren Härtegrad auch in einem Spukwerk dieser Zeit. So wie die frühen Werke der Schlitzerfilme, so geht es auch hier seltener, aber dafür richtig blutig zur Sache. Höhepunkt der Goreszenen dürfte der „Arbeitsunfall“ mit einer Säge sein, aber auch die Mikrowellenszene, die uns den Film ziemlich zu Beginn schmackhaft macht, weiß dem Streifen einen besonderen Moment zu bescheren. Nicht jeder Spezialeffekt überzeugt auch heute noch, aber selbst die weniger gelungenen strahlen einen Charme aus, wie er nur durch handgemachte Effekte entstehen kann.

Überraschend charmant ist auch der Rest von „The Witch“ (Alternativtitel) ausgefallen. Zum einen hält Robersons Werk ein flottes Erzähl-Tempo in der an sich innovationsfreien Geschichte, zum anderen hat er ein Gefühl dafür den Streifen in eine stimmige Atmosphäre zu tauchen. Düstere Bilder, ein brummiger Grundton an vielen Stellen als Musikersatz - mit simplen Mitteln kleidet er „Superstition“ (Originaltitel) in ein unterhaltungsfreundliches Gewand, dem jegliche Trägheit eines „Amityville Horror“ und Co fehlt, womit die klassische Krankheit dieser Art Horrorfilm eliminiert wurde.

Da die agierende Hexe zudem optisch immer nur angedeutet wird, gibt der Regisseur den Film auch nicht all zu sehr der Lächerlichkeit preis. Nur wer zu streng auf die Klischees blickt wird diesbezüglich etwas zu schimpfen oder zu lachen finden, was ich persönlich als ungerecht empfinden würde, so liebevoll und geglückt man hier versucht hat einen stimmigen Genre-Beitrag auf die Beine zu stellen. Allein die Rückblicke ins 17. Jahrhundert sind trotz der offensichtlich herrschenden Geldknappheit sympathisch in Szene gesetzt worden.

Wer also mal wieder den kleinen, netten Horrorbeitrag für zwischendurch sichten möchte, und dabei in die frühen 80er Jahre abtauchen möchte ohne schon wieder zu einem Slasher a la „Forke des Todes“, „The Burning“ oder „Sleepaway Camp“ greifen zu müssen, der ist mit dem hier besprochenen Hexen-Horror eigentlich gut bedient. Ich habe zumindest weniger erwartet. „Die Hexe“ mag nicht wirklich gruseln, und spannend ist das Ganze aufgrund seiner Vorhersehbarkeit durch das Abarbeiten einer Standard-Story ebenfalls nicht ausgefallen, aber eine dichte, stimmige Atmosphäre ist durchaus vorhanden und ewiges Hinhalten steht schon mal gar nicht auf der Tagesordnung. „Die Hexe - The Witch“ (Alternativtitel) geht flott los, behält sein Tempo stets bei und verausgabt sich mit dieser Methode glücklicher Weise nicht zu früh, so wie es leider dem „Tanz der Teufel“-Remake „Evil Dead“ passiert ist. Im Gegensatz zu dem hat Robersons Werk aber auch ohnehin mehr zu bieten als nur die Aneinanderreihung von Gore-Effekten.


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Mittwoch, 18. März 2015

STUFF - EIN TÖDLICHER LECKERBISSEN (The Stuff 1985 Larry Cohen)


The Stuff schmeckt super, jeder will es und alle werden süchtig nach dem Zeug. Ein kleiner Junge entdeckt wie sich der Nachtisch, der für die meisten zum vollkommenen Essensersatz wurde, selbstständig im Kühlschrank bewegt. Und ein Industriespion stößt ebenfalls auf die unheimliche Wahrheit dieses Produktes, von dem keiner weiß woraus es besteht...


Gib Stoff!!!...

Was Larry Cohen mit „Stuff - Ein tödlicher Leckerbissen“ erreichen möchte ist klar: er serviert dem Zuschauer eine mit Gesellschaftskritik angereicherte Horror-Komödie, in welcher das Konsumverhalten, die industrielle Gesetzeslage Amerikas und das Werbefernsehen ihr Fett abbekommen, ausgehend von einer dem Luxus verfallenen Gesellschaft, die den Kern des Lebens und die Selbstständigkeit nicht mehr kennt und sich völlig abhängig von ihnen unbekannten Dritten gemacht hat. Fast Food und Junkfood ersetzten in den 80er Jahren mehr denn je reguläre Mahlzeiten, essen gehen war kein reiner Luxus mehr, und das Essen entfernte sich dank der Industrie immer mehr von einer wiederzuerkennenden Mahlzeit aus dem echten Leben. Zutaten waren nicht mehr zu erkennen. Willkommen in der Welt eines „Brust oder Keule“!

Cohen, der mit „Die Wiege des Bösen“ einen kleinen Horror-Klassiker geschaffen hat, dessen „American Monster“ mir jedoch wesentlich besser gefallen hat, geht leider wenig feingeistig vor, begnügt sich mit groben Verweisen auf eben erläuterte Situation, z.B. in dem er eine Familie über ein Produkt wie in der Werbung grinsen lässt, geht inszenatorisch aber viel zu ruppig vor, als dass man „The Stuff“ (Originaltitel) noch irgendwie sympathisch finden könnte. Recht orientierungslos werden verschiedene Handlungsstränge lieblos aneinander gereiht, dann fast ebenso lieblos vereint, um die Geschichte noch ein Stück später nach einer völlig unsensiblen, militärischen und nun vollkommen albern werdenden Umorientierung inhaltlich geradezu unpassend genormt zu einem Ende zu bringen.

Aufgrund irrer großer Logiklöcher, unpassender Übergänge, plötzlicher Schnitte und Szenen bei denen der Zuschauer nicht an die Hand genommen wird um gedankliche Vorgänge der Protagonisten nachvollziehen zu können, bekommt man den Eindruck Cohen wäre mehr an den geglückten Spezialeffekten des sich selbst bewegenden The Stuff interessiert als an einer flüssigen Erzählung. Klar, irgendwo will „The Stuff“ provozierendes, zu seiner Entstehungszeit fast schon wieder vergessenes, Anarcho-Kino a la „Kentucky Fried Movie“, „Angriff der Killertomaten“, „Schlock - Das Bananenmonster“ und „Reichtum ist keine Schande" sein, lediglich aufgrund des Horror-Schwerpunktes düsterer angelegt als die Vergleichsfilme. Aber auch das absichtliche Treten eines klassischen Erzählmusters kann nicht einfach irgendwie dahingeschludert werden. Doch genau so wirkt Cohens Umsetzung, die aufgrund ihrer originellen Idee einen liebevolleren Umgang verdient hätte.

Ob man bei solch schrillen Charakteren nicht noch eine Spur mehr Richtung Komödie hätte schielen sollen, so wie es die in Punkto Konsumkritik ähnliche Produktion „Die unglaubliche Geschichte der Mrs. K“ gemacht hat, die das Thema nutzte um den Film „Die unglaubliche Geschichte des Mr. C“ zu parodieren, wird zu einer berechtigten Frage. Andererseits schaffte es manche Horror-Komödien doch selbst mit Komik auf „Police Academy“-Niveau (siehe z.B. „Bug Buster“) beide Genres gleichmäßg zu vertreten und dabei ein passables Ergebnis abzuliefern.

Andererseits: wenn man bedenkt wie wenig Mühe sich Cohen gibt eine stimmige Atmosphäre entstehen zu lassen und jeglichen Inhalt einer unsensiblen Extreme auszusetzen, wäre der Restschritt mit klarem Schwerpunkt Komödie wohl tatsächlich reizvoller gewesen. Dann wäre „The Stuff“ nicht unbedingt sympathischer ausgefallen, er würde sich aber zumindest konsequenter gucken, da er einheitlicher wirken würde.

Wer weiß, vielleicht wurde mit halb fertigem Drehbuch gedreht, oder mit gar keinem, das würde die wüste orientierungslose Story erklären, die nur mit Müh und Not und mit wenig erfreulichem Füllmaterial irgendwie zu einem Ganzen zusammengetackert wurde. „The Stuff“ will einfach nicht angenehm unterhalten. Man kann nicht vor dem Fernsehen sitzend gemütlich mit einem Schmunzeln auf den Lippen und einem sanft gekitzelten Intellekt abschalten. Dafür guckt sich Cohens Werk zu dröge in seinem Anspruch, zu banal in der tatsächlich geäußerten, eher vordergründigen Kritik und scheint zu unmotiviert eine echte Geschichte auf die Beine stellen zu wollen. Schade ist es um die originelle Grundidee und manch geglückter Momente, meist Effekt-technischer Natur.


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Sonntag, 15. März 2015

NACHTS, WENN DAS SKELETT ERWACHT (The Creeping Flesh 1973 Freddie Francis)


Ein Wissenschaftler bringt von einer Expedition ein erstaunlich altes und überraschend großes menschenähnliches Skelett mit nach Hause. In Berührung mit Wasser kann es seinen Körper regenerieren. Anhand alter Bücher glaubt der Forscher durch ein vom Gewebe des Toten gewonnenem Elixiers das Böse im Menschen bekämpfen zu können. Deswegen spritzt er das Serum seiner Tochter, da er schon immer Angst hatte der Wahnsinn, der ihre Mutter ins Irrenhaus führte, könnte auch sie heimsuchen. Leider wirkt das Mittel nicht wie erhofft. Und auch das Skelett lässt sich nicht ewig vom Wasser fernhalten...


Der Wassermann...

Ein Jahr bevor Regisseur Freddie Francis den recht bodenständigen Horrorfilm „Craze - Dämon des Grauens“ ablieferte, drehte er mit „Nachts, wenn das Skelett erwacht“ einen Film gleichen Genres, der schon einer wesentlich abgedrehteren Idee nachgeht. Auch der mit Peter Cushing und Christopher Lee so hervorragend besetzte Film ist bodenständig erzählt, ist er doch eingetaucht in eine Inszenierung wie sie auch in den 50er und 60er Jahren von den Hammer-Studios hätte umgesetzt werden können. Im 19. Jahrhundert spielend zwischen Gottes Erfurcht und der Neugierde der Wissenschaft pendelnd, das ganze Szenario freilich eingetaucht in historischen Settings und glaubwürdigen Kostümen, man traut dem Film bei all dem klassischen Flair gar nicht zu, dass seine Geschichte so ausgeflippt ist.

Doch egal wie krank sich die Geschichte entwickelt, und wie idiotisch die Ideen werden, „The Creeping Flesh“ (Originaltitel) hält stets sein Niveau und kommt stilistisch nie vom Weg ab. Damit bleibt er der Linie treu für welche die Werke seiner Hauptdarsteller schon immer standen. Inhaltlich geht es jedoch nicht nur in Sachen Nonsens ungewohnt her, auch das Weltbild das der Film entwickelt ist ungewöhnlich zu nennen, ist es doch geradezu eine Provokation dass inmitten einer Geschichte, in welcher ein Forscher versucht das Böse zu bekämpfen, eigentlich nirgendwo eine echte Trennung von Gut und Böse zu erkennen ist. Stets ist beides gleichzeitig vorhanden. Ein ausgebrochener Irrer darf zum Opfer werden, Wissenschaftler werden zu Gesetzesbrechern wenn es um ihre Arbeit geht, Normale werden verrückt gemacht, der Irrsinn greift überall um sich, auch im scheinbar Normalen.

Das ist alles kein Zufall. Hier wird absichtlich Gesellschaftskritik geübt, und dies nicht auf die aufdringliche Art, sondern trotz zentraler Stellungnahme eigentlich fast nur nebenher passierend. Im Zentrum soll für den Zuschauer der Horror-Spaß liegen, der Tiefsinn wird lediglich als Zugabe gereicht für jene, die es interessiert und dies überhaupt bemerken.

Während der Streifen tricktechnisch alles gibt, aber mittels langem Hinhalten auch recht wenig Spezialeffekte benötigt, leidet die Inszenierung selbst unter einer gewissen Trägheit, was kaum zu glauben ist, so wild wie hier verschiedene Handlungsstränge ineinander verwoben werden und so intensiv wie hier auf das geistige Mitspielen verrückter Ideen beim Zuschauer gebaut wird. Obwohl „Die Auferstehung des Grauens“ (Alternativtitel) inhaltlich nie einem Stillstand erliegt kommt der Film selbst manchmal träger von der Stelle als er eigentlich könnte. Nicht falsch verstehen, Francis‘ Werk ist durchaus unterhaltsam ausgefallen, aber nie interessant genug inszeniert, als dass er die Aufmerksamkeit des Zuschauers derart kitzeln würde, dass er zum großen Filmerlebnis wird.

„Nachts, wenn das Skelett erwacht“ bleibt entgegen dem was er erreichen könnte lediglich ein kleiner Horrorbeitrag, einer dem man durchaus mal Aufmerksamkeit schenken kann, gerade wenn man sich für die Werke der beiden hier agierenden Stars interessiert. Was es genau ist, was den Film hemmt, kann ich gar nicht so genau ausmachen. Er endet interessant mit der Möglichkeit den Zuschauer weiter fantasierend zurück zu lassen, er bietet eine ungewöhnliche Geschichte mit mehreren Handlungssträngen, und er ist optisch wie stilistisch über dem Durchschnitt angelegt. Und doch legt sich eine Schwere über dieses Werk, die ihm seiner möglichen Wirkung beraubt. Manche Filme sind wahrlich rätselhaft.


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DER LEICHENWAGEN (The Hearse 1980 George Bowers)


Um über die Scheidung und den Tod ihrer Mutter hinweg zu kommen zieht eine Lehrerin in das ihr vererbte Haus in einer Kleinstadt, wo sie nicht gerade freundlich empfangen wird. Bereits seit der Hinfahrt fühlt sie sich von einem Leichenwagen bedroht, immer wieder sichtet sie ihre tote Tante, und ihr Haus scheint ein Geheimnis zu bergen. Ein Blick in das Tagebuch der werten Tante gibt ein wenig Aufschluss über die Geschehnisse...


Ich spuck auf Dein Spukhaus...

Wer glaubt er bekäme mit „Der Leichenwagen“ eine Art „Der Teufel auf Rädern“ mit einer coolen Karre geboten, der irrt. Hinter dem so interessant klingenden Titel verbirgt sich lediglich eine simple Spukgeschichte aus der Mottenkiste in welcher das titelgebende Fahrzeug nur eine untergeordnete Rolle spielt. Regisseur Bowers ist inmitten der Terrorwelle auch keine nostalgische Alternative klassischem Spukstoffes gelungen. Ziemlich 08/15 wird hier der Standard abgearbeitet, wobei vieles arg vorhersehbar ist, ganz besonders der finale Bösewicht, der bereits so extrem ominös gecastet wurde, dass man trotz gewollter Täuschung in ihm gar nichts anderes erkennen kann als den Bösewicht.

Ein Einzug in ein leerstehendes Haus in der Fremde, gehässige Nachbarn, Trugbilder, Alpträume - Bowers spult das komplette Grundlagenprogramm ab, schafft es aber nicht dem Ganzen einen stimmigen Grundton zu bescheren. Ruppige Übergänge, unmotivierte Fotografien und teilweise der Versuch optisch auf reißerische Art Spannung zu erzeugen, mehrfach misslungen bei den schlecht eingefangenen Aufnahmen des Leichenwagens, das ist schon alles insgesamt ein Armutszeugnis. Und warum wird eigentlich der Fahrer des morbiden Automobils so früh gezeigt? Und wirklich gruselig sieht der auch nicht aus, eher wie eine Parodie auf Grusel.

Aber das will „The Hearse“ (Originaltitel) gar nicht sein, der es auch nicht lassen kann einen Pfarrer mit ins Geschehen einzubeziehen, der zwar erst recht spät und für die Story unbedeutend tätig wird, aber so gibt es zumindest noch neben Storyelementen von „Ich spuck auf Dein Grab“ und diversen Horrorvertretern in welchen die Hauptdarstellerin einer längst verstorbenen Liebe ähnelt noch den kläglichen Versuch „Amityville Horror“ zu immitieren. Andererseits sind die angewandten Ideen hier bereits derart Klischee, dass man eigentlich schon keine speziellen Titel mehr als Referenz hinzuziehen muss. Nur eins fehlt dem Film: eigene Ideen.

Dank einer stockbiederen und zahmen Umsetzung gibt es somit keine echten Pluspunkte. Zugute halten kann man „The Devil in Blackwood“ (Alternativtitel) dass er in seinem letzten Drittel doch noch Interesse für das Geschehen zu wecken weiß, spät aber immerhin. Und die Charaktere sind auch nicht völlig uninteressant gezeichnet, aber scheinbar wollte man mit der Hauptfigur mehr erreichen als ankommt. Kaputt aber taff soll sie sein. Das hat Carpenter einige Jahre zuvor in „Das unsichtbare Auge“ besser hinbekommen. Zumindest ist „Der Leichenwagen“ somit kein Rohrkrepierer sondern in seiner veralteten Art lediglich zu gewöhnlich und überraschungsarm ausgefallen.


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Samstag, 14. März 2015

SIEBEN TAGE FRIST (1969 Alfred Vohrer)


Einige Tage nach einer Auseinandersetzung mit seinem Lehrer wird auf einem Internat der Schüler Kurrat vermisst. Als auch noch dessen Vater verschollen ist stößt die Polizei dazu. Kurz darauf wird eine Leiche gefunden. Dabei handelt es sich jedoch nicht um einen der beiden Kurrats, sondern um einen Lehrer, der für sein vertrautes Verhältnis mit dem vermissten Jungen bekannt war...


Auf einem Baum ein Kuckuck saß...

Alfred Vohrers damaliger Kino-Hit „Sieben Tage Frist“, der einen aufgrund seines Vergessens heutiger Tage noch einmal bewusst macht wie schnelllebig sich der Bereich des Kinos entwickelt hat, beginnt absichtlich für seine Zeit Genre-typisch sleazy, täuscht damit aber eine Verwandtschaft zu Wallace und Co vor die er nicht besitzt, ist er diesen zugegebener Maßen sympathischen Filmen doch intelektuell überlegen. „Sieben Tage Frist“ ist anspruchsvolles Kino wie es heutzutage keinen Platz mehr in den Lichtspielhäusern für die Masse finden würde, intelligent erzählt, vollgespickt mit versteckten Verweisen auf die Auflösung in Form von Symbolik und Dialog, und dies selbst dann noch wenn der Film zu Ende erzählt ist und die letzte Szene mit einem berühmten Kinderlied untermalt wird.

Vohrer schließt den Zuschauer absichtlich von den wichtigsten Momenten aus, die das Geheimnis, welches den Schluss ausmacht, zu früh verraten würden. Er spielt also absichtlich unfair, wirft uns nur die großen Teile des Geschehens vor und nicht die kleinen wichtigen, und genau damit wird die Neugierde des Zuschauers geweckt, der nicht weiß ob alle Geschehnisse im Zusammenhang stehen und welche Szene einen Hinweis liefert und welche nicht. Mörderraten jenseits Agatha Christies Flair ist angesagt, und die Auflösung darf einen dann auch vom Hocker hauen, ist sie doch nicht nur gut erklärt und konsequent zu nennen, sondern auch mit einem düsteren Geheimnis versehen das keinen kalt lassen wird.

Dank interessanter Charaktere, die wirklich alle bis zur Charakterstudie ausgeleuchtet werden, und ungewöhnlicher wie Alltags-naher Situationen und aufgrund der psychologischen Art mit welcher mit dem Zuschauer gespielt wird lebt „Sieben Tage Frist“ nicht einzig von seiner Auflösung. Dieser Mix aus Drama und Kriminalfilm ist einer dieser Filme die man in kurzer Zeit mehrmals gucken kann, und die einen immer wieder aufs neue begeistern. Zumal er für seine Zeit recht mutig ein düsteres Gesellschaftsbild einer Zweiklassengesellschaft zeigt, Diskussionsstoff zum Thema Pädagogik bietet, immer wieder mit homosexuellen Untertönen arbeitet und allgemein von Täuschung, Unterdrückung, Trieben und Reibereien unter verschiedenen Mentalitäten handelt, Letztgenanntes sogar in der Art und Weise verarbeitet wie Horst Tappert den Kommissar verkörpert.

„Sieben Tage Frist“ ist vielschichtiger als es zunächst den Eindruck macht, und in den erwachsenen Rollen von talentierten Mimen gespielt, sowie in den jugendlichen Rollen passend besetzt (hier sticht lediglich der Schauspieler des jungen Kurrat als wahrlich talentiert hervor). Der Film weiß sowohl zu unterhalten, als auch intelektuell die Sinne zu kitzeln. Er ist ein mutiges unverfälschtes Zeitzeugnis, das uns mit heutigem Blick den Spiegel vorhält und uns zeigt wie stark Deutschland in Sachen Bildung, Stil und Kultur mittlerweile abgebaut hat - nicht nur in Bezug auf Kino. Aber auch dass bereits damals nicht alles so gut war wie es andere Filme dieser Zeit dem Publikum immer weiß machen wollten. Trotz seiner düsteren Entgleisungen ist Vohrers Werk niemals reißerisch oder unrealistisch. Ganz im Gegenteil schwankt der Film von seiner Inszenierung her immer zwischen nüchternen, bodenständigen Fakten und Genre-typischen Mechanismen zur Spannungsförderung. Ein großartiger Mix!


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TOURIST TRAP (1979 David Schmoeller)


Nach einer Autopanne kommt eine Gruppe Teenager im Puppenmuseum von Mr. Slausen unter. Doch irgend etwas ist unheimlich an den Ausstellungsstücken...


Im Puppenhaus...

Bereits 1979 trieb Produzent Charles Band sein Unwesen. Jahre vor der Gründung von "Full Moon"-Pictures drehte er zwar bereits kostengünstigen Trash, aber nicht so aalglatt nach Fließband produziert wie später, sondern überraschend atmosphärischen mit Ecken und Kanten. Die Geschichte von „Tourist Trap“ ist nett eingeleitet, bietet wie gesagt Atmosphäre und dank brauchbarer Darsteller macht das alles zunächst einen recht gelungenen Eindruck. Die Mädels überzeugen etwas mehr als der Psychopath des Streifens, aber selbst der ist noch okay zu nennen. Mit Bildern, die dem „Kettensägenmassaker“ entliehen scheinen, zieht der Film den Zuschauer tatsächlich in seinen Bann. Man fragt sich interessiert was vorgeht und fiebert stellenweise tatsächlich mit. Das ist alles schon mehr als ein späterer Band-Film je schaffte,selbst originellere Werke wie "Puppet Master".

Leider leider ist die erste Hälfte von „Tourist Trap - Die Touristenfalle“ (Alternativtitel) besser ausgefallen als die zweite. Daran ist mitunter die deutsche Synchronisation schuld. Wie kann man dem einsamen Mann des Films die Stimme von Bud Spencer geben? Die ist selbst gedämpft unter der Maske wiederzuerkennen, so dass es kein Rätseln darüber gibt, wer der mordende Psycho ist. Seine verwandte Charakterisierung zu Perkins Rolle aus "Psycho" lässt einen zusätzlich zu früh erahnen woher der Hase läuft. Logisch dass dies dem Film Spannung raubt.

Auch sonst schwächelt die zweite Hälfte. Sie ist, typisch Band, zu dialoglastig ausgefallen, womit die durchaus vorhandene Spannung des Streifens gerne mal kurzfristig flöten geht. Endlose Begründungen des Tuns des Täters langweilen nach einiger Zeit. Und mit dem Wissen dass die Puppen kein Eigenleben besitzen ist auch die Magie weg, die dem Film so positiv dabei half eine mysteriöse Atmosphäre aufzubauen.

Unübersehbar klaut „Horror Puppet" (Alternativtitel) bei anderen Filmen, meist bei sehr großen Vorbildern, denen er freilich nicht das Wasser reichen kann, dies scheinbar aber auch gar nicht will. Neben dem eben erwähnten Einfluss von „Psycho" wäre noch eine Parallele zu "Carrie" zu nennen. Atmosphärisch gesehen hätten wir auch noch allein schon aufgrund der dreckigen Bilder "Blutgericht in Texas" mit an Bord. Das erste Erforschen der Räume hinter der Bar, bevor der Telekineseteil beginnt, erinnert sehr stark an das erste Auftauchen im Leatherface-Haus aus Tobe Hoopers genialem Kunst-Horror.

Zunächst ist das alles liebevoll und auch geglückt übernommen. Man wäre dem Film nie böse sich davon inspirieren zu lassen, so charmant wie „Tourist Trap“ ausgefallen ist. Aber mit der Zeit wird es dann doch etwas zu dreist. Sichtet man endlich den maskierten Mörder, so wird man dann doch zu deutlich an Leatherface erinnert. Bei so viel Ideendiebstahl tut es gut, dass „Tourist Trap“ bei einer seiner eigenen Ideen selbst Opfer gleichen Vergehens wurde, hat sich Sam Raimi für "Tanz der Teufel 2" doch bei Schmoellers Werk bedient, um ebenfalls eine Szene einzubauen in welcher alle Gegenstände eines Raumes anfangen zu lachen.

In einem Interview berichtete Schmoeller, dass er seinerzeit nicht verstand warum die Altersfreigabe des Streifens in Amerika damals so gering ausgefallen ist. Da musste ich lächeln. Selbst mit Filmen aus der selben Entstehungszeit verglichen, wirkt der hier zelebrierte Spuk doch eher brav, ja fast schon kindlich. Die Tricks sind schlicht und durchschaubar, wenn auch wirksam, so dass es schon echt naiv ist auf tatsächlich verängstigte Zuschauer zu hoffen. Die Atmosphäre im Film ist nie gruselig zu nennen, sondern einfach nur dicht. Ich weiß nicht was der gute Mann da glaubte gedreht zu haben, aber es war sicherlich nichts Erschreckendes das eine höhere Altersfreigabe gerechtfertigt hätte.

Was den Blutgehalt betrifft so kann ich nicht mitreden, habe ich doch leider bislang nur eine geschnittene DVD-Fassung gesehen, die sich aber zumindest auch in ihrer zerstückelten Form angenehm gucken lässt. Über die eben bereits angesprochenen Effekte kann ich hingegen noch etwas sagen: Jeder Gegenstand der sich wie von Geisterhand bewegt ist nicht komplett im Bild zu sehen, sodass sie immer von Hand bewegt werden konnten. Puppen können entweder die Augen bewegen oder den Mund öffnen. Mehr auf einmal geht nicht. Und zwischen unbeweglichen Puppen sitzt immer mal ein Mensch, ein Trick mit dem leider nicht die Masse an Puppen lebendig wirkt sondern eben nur die eine.

Aber, und das ist das tolle daran, diese simplen Tricks reichen in der ersten Hälfte vollkommen aus. Sie sind Teil des stimmigen, zugegebener Maßen auch schundigen Grundtons des Streifens und sorgen somit nicht, wie man meinen könnte, für ein Scheitern atmosphärischem Wohlfühlens. Erst in der zweiten Hälfte, in welcher der Zuschauer langsam etwas mehr geboten bekommen möchte, bleiben die Tricks auf gleichem schlichten Niveau. Dank der für einen B-Film recht einfallsreichen Geschichte mit ihren netten Gimmicks braucht man „Tourist Trap“ trotzdem nicht schlecht reden. Nach einer gelungenen Einführung bleiben einem zumindest noch die brauchbaren Darsteller und wunderbar dreckig fotografierte Bilder. Auch ein fieser Schluss-Gag der gelungen Sorte verzuckert einem die zu routinierte zweite Hälfte.


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Freitag, 13. März 2015

7 ZWERGE - MÄNNER ALLEIN IM WALD (2004 Sven Unterwaldt Jr.)


Schneewittchen landet auf der Flucht vor der bösen Königin in der Wohngemeinschaft von sieben abseits der Zivilisation lebenden Zwergen und bringt deren bislang frauenbefreites Leben durcheinander. Als sie von einem Untergebenen der Königin entführt wird, eilen die Wunderlinge ihr zu Hilfe...


Ottos sechs Helferlein...

Nach allem was man über „7 Zwerge - Männer allein im Wald“ zu lesen bekam war es ein echtes Wunder, dass ich mit dem Film halbwegs sympathisiere. Ich hatte mich auf das schlimmste eingestellt, immerhin war Waalkes Vorgänger-Werk "Otto - Der Katastrophenfilm" Humor aus  der untersten Schublade und damit noch weitaus nerviger als ein Otto-Film in der Regel ohnehin schon ist. Und dass der Rest mit TV-Comedians besetzt wurde, neben dem Zirkusclown wohl die schlechteste Art Komiker, klang auch ziemlich übel.

Zwar ist "7 Zwerge" keine gelungene Komödie, aber mit geringen Erwartungen weiß er doch halbwegs zu unterhalten. Das wundert in so fern als dass man nicht umhin kommt zu sagen, dass der Großteil des Films aus kindlichsten Peinlichkeiten besteht. Da aber alles provokativ naiv, primitiv und dämlich erzählt ist, funktioniert das sogar halbwegs. Otto nervt nicht halb so viel wie vermutet, und der schon immer völlig unwitzige Ralf Schmitz blieb zwar unwitzig wie gewohnt, aber das schien den Verantwortlichen des Streifens bewusst zu sein, so dass er stets nie all zu auffällige Auftritte beschert bekam und nur eingesetzt wurde um mit seiner Prominenz  Menschen ins Kino zu locken.

Ausnahme-Komiker Mirco, der mit seinem Talent mehr hätte erreichen können als in einer solch infantilen Komödie zu landen, verkauft sich unter Preis, zeigt aber auch anhand eines Szenarios rund um einen Rammbock wie kindische Komik humorwirksam umgesetzt werden kann. Szenen wie jene mit dem mit Scheiße gefülltem Katapult hätte man sich widerum sparen können, die stehen für das Gegenteil und sind leider viel zu häufig vorhanden.

Nina Hagen überrascht mit einer überzeugenden Darbietung der Königinnenrolle, ihre Tochter wirkt dank ihres niedlichem Aussehens, und die Produzenten überraschten gleich mit drei Dingen: 1. dass sie Helge dazu gekriegt haben bei einem solchen Film mitzuwirken (dessen Szene dann auch wahrlich witzig ist), 2. dass sie den Gastauftritt von Harald Schmidt mittels einer unwitzigen Szene völlig verschenkt haben und 3. damit, dass Atze Schröder eine so große Rolle beschert bekommen hat. Wenn es jemanden gibt, der mich vor dem Erscheinen Mario Barths in der Comedyszene nicht ein Mal zum Lachen kriegen konnte, dann war es Atze. Ich habe mich schon immer gefragt wie wohl sein Publikum aussehen mag, da ich bis heute niemanden kenne, der von ihm begeistert ist.

Was an „7 Zwerge" unglaublich nervt ist das ständig vorgetragene Zwergenlied, das bereits beim ersten Hören tierisch auf den Senkel geht. Insgesamt ist es aber ohnehin schwierig zu erklären woran die einen Witze scheitern und warum die anderen Witze ziehen, wo sie sich doch scheinbar kaum voneinander unterscheiden. Bei vielen Menschen wird sich dieser Unterschied nicht auftun. Die lachen entweder über jegliche Albernheit oder scheuen sich davor.

Ich, der irgendwie dazwischen steht, gestehe aber ein dass "7 Zwerge" wahrlich Unterhaltung auf niedrigstem Niveau ist und es geradezu erstaunlich ist, dass inmitten dieses infantilen Meers doch noch einiges zu funktionieren weiß. Vielleicht liegt es an dem Hauch Restwürde, den Personen wie der Darsteller des Chefzwerges mit an Bord bringen. Vielleicht liegt es aber auch ganz im Gegenteil am hemmungslosem Umgang jegliches Niveau zu untergraben. Ich weiß es nicht. Ich würde mich aber auch nur dann näher mit dieser Frage beschäftigen, wenn der Streifen einen bleibenden Eindruck hinterlassen würde. Und das ist bei dieser mittelmäßigen Komödie nicht der Fall.


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DIE FORKE DES TODES (The Prowler 1981 Joseph Zito)


Weil die Freundin nicht wie versprochen auf ihn gewartet hat, tötet ein junger Kriegsheimkehrer seine Holde während des Highschool-Abschlussballes. 35 Jahre lang hat es aus diesem Grund keinen weiteren Abschlussball mehr gegeben. 1981 ist man bereit dies zu ändern, und schon geht das Morden wieder los mit deutlichen Parallelen zum Mordfall aus dem Jahre 1945...


Ein Slasher der Liebe wegen...

„Die Forke des Todes“ gehörte während meiner jugendlichen Horrorerfahrungen zu den Enttäuschungen schlechthin, und nun Jahrzehnte nach der ersten Sichtung ahne ich auch warum: die deutsche Synchronisation (und anders habe ich Filme früher nicht geschaut) ist schrecklich umgesetzt aufgrund übler Betonung talentfreier Sprecher. Dementsprechend habe ich diesmal kurzerhand auf den Originalton mit deutschen Untertiteln zurückgegriffen und simsalabim: mir wurde ein Film beschert, der wesentlich besser ausgefallen ist als vermutet, schaut sich Joseph Zitos früher Slasher doch trocken, konservativ und stimmig umgesetzt, und damit genau so wie ein früher Slasher zu sein hat.

Von der völlig anderen Location einmal abgesehen erinnert „The Prowler“ (Originaltitel) stilistisch stark an die frühen Teile der „Freitag der 13.“-Reihe, während der Streifen inhaltlich unweigerlich an den ebenfalls 1981 erschienenden „Blutiger Valentinstag“ erinnert. Ein simpler, aber zum jeweiligem Szenario passender, Soundtrack unterstützt eine fortlaufende spannende Grundstimmung, eine übersichtliche Anzahl an Charakteren und das Konzentrieren auf einen Hauptstrang lässt den Film entspannter schauen als manchen Jason-Teil, und der Minimalismus der Geschichte, der gar nicht erst versucht große Haken zu schlagen, weiß in seiner völlig humorlosen Umsetzung ebenfalls förderlich für das Gesamtergebnis zu sein.

Zu seinem Bekanntheitsgrad kam „The Graduation“ (Alternativtitel) aufgrund seiner zur damaligen Zeit harten Spezialeffekte. Da gibt es heute sicherlich extremeres zu sichten, Tom Savinis Spezialeffekte schauen sich trotzdem heute noch schockierend, was wohl nicht nur an ihrer realistischen Umsetzung liegt, sondern auch am ernsten Stil des Streifens, der einen eng an die eigentlich charakterlich langweiligen Helden bindet, sodass jeder Tod zu einem schrecklichen Ereignis für den Zuschauer wird, anstatt zu einem Party-fördernden späterer Slasher-Werke.

Das ist wohl auch der Hauptgrund warum „Die Forke des Todes“ auch heute noch so zu gefallen weiß. Er nimmt seine Helden und das Geschehen ernst. Und der Zuschauer ist mittendrin in einer Story, in welcher der zentralen Heldin schnell klar ist was vorgeht. Da ihr Freund, der Hilfssheriff, schnell davon überzeugt ist, dass hier etwas nicht stimmt, steigt der Film schnell in die Ermittlungen ein, die uns von einem gruseligen Ort zum nächsten führen. Das schaut sich zwar nicht so gruselig und spannungsgeladen wie es dies sicherlich in den 80er Jahren der Fall war, eine knisternde Stimmung wissen die hier eingefangenen Bilder aber noch immer zu entfachen.

Da das Outfit des Killers in einem Slasher schon immer wichtig war, wird die Soldatenuniform des Mörders in „Rosemary‘s Killer“ (Alternativtitel) zu einem wahren Vorteil, strahlt es doch eine Bedrohlichkeit aus, ganz besonders in Kombination mit der häufig eingesetzten Forke. Wer hinter dem bandagierten Gesicht steckt mag manchen überraschen, manch anderem schnell klar sein. Ich, der sich überhaupt nicht mehr an irgendetwas aus diesem Film erinnert hat, gehörte zu letztgenannter Gruppe, hatte aber trotz dieser Vorhersehbarkeit viel Freude mit dem Streifen, sodass ich mit Recht behaupten darf, dass ein Erahnen der Auflösung „Die Forke des Todes“ nicht kaputt macht. Dafür ist er viel zu stimmig inszeniert.

Der romantische Auslöser der Mordwelle ist sicherlich eine Seltenheit im Sub-Genre des Slashers, im Jahre 1981 war es wahrscheinlich sogar die Innovation schlechthin. Letztendlich wird diesem Aspekt aber nicht genug Raum gewährt, als dass Zitos Film sich dadurch in irgend einer Art und Weise anders gucken würde als die Konkurrenzprodukte. Tatsächliche Romantik kommt nicht auf, dramatisch wurde das Ganze auch nicht inszeniert, letztendlich ist es nur ein Aufhänger, der für den Hauptstrang nur von geringer Bedeutung ist.

Ähnlich ergeht es der Thematik um die seelischen Wunden, die ein Krieg hinterlässt. Gesellschaftskritisch geht man in „The Prowler“ nicht damit um, und psychologisch wird auch nichts vertieft, da darüber nicht gesprochen wird. Das wird sogar zu einem der nennenswerten Vorteile des Streifens, erspart er uns doch ein Sinnieren über die Hintergründe gegen Ende des Films. Der Zuschauer hat ohnehin verstanden was passiert ist, was der Auslöser einst war und was der Auslöser diesmal war. Schön dass Joseph Zito das erkannt hat, der Mann der auch für „Freitag der 13. 4“ verantwortlich war, den er wohl aufgrund des guten Ergebnisses von „Die Forke des Todes“ drei Jahre später inszenieren durfte. Warum es der hier besprochene Film nicht ebenfalls zu einer Fortsetzung oder mehrerer geschafft hat ist mit schleierhaft. Sogar eine Neuverfilmung ist bislang nicht erschienen.


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Mittwoch, 11. März 2015

SUMPF DER LEBENDEN TOTEN (Le lac des morts vivants 1981 Jean Rollin)


Ein wütender Mob ermordet gegen Ende des zweiten Weltkriegs einen Trupp deutscher Soldaten und ertränkt ihn im See. 12 Jahre später badet eine Touristin unerlaubt im besagten Gewässer und erweckt damit Nazi-Zombies...


Deutsche Helme rosten nicht...

Wenn man über einen Film mit Nazi-Zombies weiß, dass er aus den frühen 80er Jahren stammt und unter der Regie von Jean Rollin entstanden ist, dann darf man über das magere Ergebnis von „Sumpf der lebenden Toten“ schon enttäuscht sein. Der gute Mann hat der Filmwelt sicherlich nicht nur gute Werke hinterlassen, was z.B. sein „Draculas Braut“ beweist. Aber nach dem sehr stimmigen 70er Jahre-Film „Pestizide - Stadt der Zombies“ hat man schon etwas stimmungsvolleres erwarten dürfen als das stümperhaft zusammengeschusterte Etwas das uns mit seinen Wasserleichen aus dem zweiten Weltkrieg erwartet.

Blickt man hinter die Kulissen wird einem einiges klar. Rollin übernahm die Regie von wem anders, der das Handtuch geschmissen hatte und von dem nicht ganz klar ist wer er war (Jess Franco wird von einigen Beteiligten der Produktion gern genannt, was dieser jedoch verneint haben soll) und drehte große Teile des Streifens ohne das Vorhandensein eines Drehbuches. Da versteht man im Nachhinein schon, warum sich „Zombie Lake“ (Alternativtitel) wie ein loses Stückwerk guckt, dessen Geschichte nur in den wenigsten Momenten Sinn und Zusammenhang ergibt.

Hier geht es um einen ominösen Fluch, den man vorhergesehen aber nicht verhindert hat. Dass die Toten wiederkehren würden ist kein Geheimnis sondern jedem im Dorf warum auch immer stets klar gewesen. Irgendwie sind die Untoten ans Wasser gebunden und attackieren willkürlich jeden der sich dem See nähert, sie kommen aber dennoch angeblich der Rache wegen zurück, mal länger das Wasser verlassend und innerhalb des Dorfes agierend, dann wiederum nur kurz tätig und dies nah am See. In der Gruppe darf Zombie-klassisch der Schlurfgang eingelegt werden, in Einzelaufnahmen darf sich ein Zombie aber auch mal recht agil bewegen. Stimmung kommt bei so viel Widerspruch nicht auf, und das Fehlen einer dichten Atmosphäre lässt einen nicht gnädig über die Baustelle aus Storyfragmenten hinwegsehen.

Zumindest sieht es recht toll aus wie die Untoten in der Gruppe dem Wasser entsteigen, allein schon weil einige von ihnen ihre putzigen Wehrmachtshelme tragen. Und auch ihr Schlendern auf dem Boden des Gewässers weiß optisch zu gefallen, eine Szene von der ich dachte sie würde (von dem mit einem Hai kämpfenden Zombie in „Woodoo - Schreckensinsel der Zombies“ einmal abgesehen) erstmals in „Fluch der Karibik“ angewendet werden. Rollin beweist damit schon in den 80er Jahren, dass Amando de Ossorios aus Kostengründen verworfene Idee aus „Das Geisterschiff der reitenden Leichen“ zu wirken weiß und verzuckert sie dem männlichen Publikum zusätzlich durch provokante Unterwasser-Nackedeiaufnahmen badender Damen, bei welchen auch Regionen des weiblichen Körpers ausgeleuchtet werden, die in nichtpornographischen Filmen in der Regel ausgeblendet werden.

Das ist die Art Pulp für die man als Fan des Genres eingeschaltet hat. Aber diese Momente sind rar gesät. An Land wirken die grün angemalten Monster dann auch nicht ganz so wirksam wie unter Wasser und der Nässe entsteigend. Wirklich ätzend sieht jedoch nur der am meisten gezeigte Zombie aus, der auch gleich für die erste Attacke zuständig ist, so dass sich recht früh Ernüchterung in der Erwartungshaltung des Zuschauers einschleicht. Die anderen Zombies haben zumindest einen leicht charmanten Touch, irgendwo zwischen unfreiwillig komischer Wirkung und schundig echter.

Aber spätestens wenn wir mit dem Auftauchen einer 12jährigen Tochter eines der damals Hingerichteten konfrontriert werden, geht es endgültig mit dem Horrorpart den Bach herunter. Dann erleben wir grausamen Vater-Tochter-Kitsch im Fahrwasser eines „Der Koloss von New York“, nur dass zu diesem eine solch warmherzige Idee passte ohne komplett infantil zu wirken, in die geschmackskranke Idee eines „See der Zombies“ (Alternativtitel) will das jedoch so gar nicht hinein passen. Da trifft kindgerechte Thematik auf überhaupt nicht kindgerechte, und zu allem Überfluss endet der komplette Plot in einer dämlichen Auflösung, die in ihrer simplen Art tatsächlich aus einem Kinderbuch hätte stammen können. Aua, tut das weh.

„The Lake of the Living Dead“ (Alternativtitel) ist kein Langeweiler a la „Oase der Zombies“ geworden, nervt aber auf andere Art ebenso stark und ist somit keine ernste Konkurrenz zu Wiederhorns „Schreckensmacht der Zombies“, der in der alten Zombiewelle der einzig halbwegs taugliche Einfall zum Thema Nazi-Zombies war. Erst in den 00er Jahren wurde uns in der zweiten Zombiewelle mit „Outpost - Zum Kämpfen geboren“ ein kompromisslos stimmiger Film zu dieser Thematik beschert. „Le lac des morts vivants“ (Originaltitel) schafft es nur in wenigen Aufnahmen solchen Werken gerecht zu werden. Die dümmliche, brüchige Umsetzung, Kindereien in der an sich geschmacklosen Pulp-Story und billig angepinselte Zombies, die nicht wissen wie sie sich bewegen sollen und warum sie auferstanden sind, lassen es nicht zu dass man diesen Film auch nur ansatzweise ernst nehmen könnte.


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