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Mittwoch, 30. September 2015

MAGGIE (2015 Henry Hobson)


In einer Zeit, in welcher Militär, Polizei und Ärzte eine Zombieepidemie eingedämmt haben, so dass ein halbwegs normaler Alltag möglich ist, es jedoch immer noch kein Heilmittel gegen den Virus gibt, kümmert sich ein Vater um seine infizierte jugendliche Tochter bis zu dem Tag, an dem er tun muss was getan werden muss...


Kleine Sünden bestraft der liebe Gott sehr hart...

Wenn man bedenkt wie oft im Bereich des Zombiefilms mit „Return of the Living Dead 3“, „Zombie Honeymoon“, „Mutants“ und Co schon Menschen liebgewonnenen Menschen durch eine Zombieverwandlung durchhelfen mussten, klingt es schwierig die sonst eher auf Thriller oder Komik konzentrierte Geschichte bei solch bekanntem Stoff auf Drama-Basis zu erzählen, ohne dass es dem Zuschauer langweilig wird. Ein Stoff wie „Maggie“ muss gut überlegt und sensibel angegangen werden, und scheinbar hatte man mit Regisseur Henry Hobson den richtigen Mann für dieses Projekt am Start, so empathisch und ungekitscht dramatisch sich der fertige Streifen schaut.

„Maggie“ ist sein Regie-Debut. Und wenn man bedenkt wie treffsicher der Film ausgefallen ist, darf man sich zu Recht auf zukünftige Projekte freuen, zumal es sicher nicht einfach war den schauspielerisch eher schwachen Schwarzenegger in eine solche Story glaubwürdig zu integrieren. Stilsicher wurden Schnitte immer dann gesetzt, wenn Arnie Übergänge von Gefühlsregungen zeigt, die nicht alltäglich nachvollziehbar sind. Man kannte Schwarzeneggers Grenzen und setzte ihn innerhalb dieser ein. Man kannte aber auch seine Stärken, wusste dass er rein vom Aussehen eine besondere Wirkung vor der Kamera besitzt, meiner Meinung nach seit dem Comeback mit dem gealterten Gesicht mehr denn je. Und so wird der Mut aller Beteiligten, Schwarzenegger aufgrund der Rollenwahl und als Mit-Produzent eingeschlossen, belohnt. Man kauft Arnie den trauernden Papa ab, in jeder noch so schwierigen Phase. Das war wahrscheinlich die Frage die sich jeder als erstes gestellt hat, als man erstmals von dem Film erfuhr.

Der schön fotografierte, aber in einem eher mittelmäßig wirkenden Farbfilter gehaltene Film lässt sich inhaltlich nicht von möglichen Fan-Wünschen beeinflussen. Zombies gibt es kaum zu sehen, Zombie-Action wird durch Alpträume lediglich angedeutet, hier steht ganz klar das Drama im Zentrum. Und trotz der moralisch konservativen Andeutungen, wie sie typisch für Republikaner sind, trifft man die richtigen Töne, weiß man die einzelnen Szenen nachempfindbar für den Zuschauer umzusetzen, was mitunter dank dem an Mark Ishams Stil erinnernden Soundtrack zu funktionieren weiß, der jede Phase des Streifens emotional bestens trifft, und dabei so unauffällig bleibt wie die Komplettinszenierung Hobsons, die nie in irgend einer Form aufdringlich wirkt.

Die Geschichte und ihr Gefühlspotential stehen im Zentrum, alles andere hat sich dem unterzuordnen. Es gibt keine Kompromisse um das Geschehen für möglichst viele unterschiedliche Kinozuschauer interessant zu gestalten. Entweder man mag ein Drama oder eben nicht. Dass dieses vor einem Horrorszenario stattfindet scheint egal, wird dem rein Horror konsumierenden Filmfreund doch eigentlich kaum etwas geboten, was er aus seinem Lieblings-Genre kennt. Dass die Zombieepidemie in Wirklichkeit für AIDS und ähnliches steht ist unverkennbar. Die Tochter war unvorsichtig, bittet den Vater um Verzeihung, und jetzt muss sie durch eine Krankheit durch, vor welcher der Vater sie beschützen wollte. Das passt ebenso ins konservative, eben von mir geäußerte, Gesamtbild, wie die Tatsache dass die Rolle Schwarzeneggers deswegen erneut verheiratet ist, weil die erste Frau gestorben ist. Eine Scheidung war moralisch für einen Republikaner wohl nicht drin.

Aber dieses konservative Weltbild bleibt stehts im Hintergrund, wird nie zu dominant als dass es die Nachvollziehbarkeit und die emotionalen Momente durch einen erhobenen Zeigefinger zerstören könnte. „Maggie“ ist Gefühlskino pur, angesiedelt in einer kaum bis gar nicht im Zombiebereich thematisierten Zeit, was dem Film neben seinem Drama-Aspekt einen hochinteressanten Zusatzreiz beschert. Schön dass diese Zeit kurz vor der Normalisierung durchdacht angegangen wurde, glaubwürdig mit allerhand darauf aufbauenden Ideen ergänzt wurde, und es nie zum Thema wird, ob es nach dieser Zeit eine Normalität oder einen Rückfall in die Zombieepidemie geben wird.

Gegen alle Erwartungen entpuppte sich „Maggie“ als wahre Empfehlung für Freunde außergewöhnlicher Filme und damit als bisheriger Höhepunkt von Schwarzeneggers Comeback, ein Comeback das bislang keinen Film hervorgebracht hat der nicht auf irgendeine Art unterhaltsam ausgefallen wäre.


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Dienstag, 29. September 2015

KILLING BIRDS (Killing Birds - uccelli assassini 1987 Claudio Lattanzi u.a.)


Auf der Suche nach einer ausgestorben geglaubten Vogelart gerät eine Gruppe Studenten an einen blinden Mann, der vor Jahren als er noch sehen konnte, behauptete besagte Vogelart gesichtet zu haben. Aufgrund seiner Ortsbeschreibung landet die Gruppe in jenem Haus, in welchem der Blinde einst zwei Morde begangen hat. Und die Toten finden keine Ruhe und greifen die Eindringlinge an...


Moor-Gespenster...

Wer aufgrund des Titels von „Killing Birds“ glaubt eine reißerische Italo-Version von Hitchcocks „Die Vögel“ zu sichten, also einen Tier-Horror, der liegt bei dem von Joe D‘Amato produziertem Werk, in welchem er auch als Co-Regisseur tätig war, völlig falsch. Die Sat 1 Schlaftablette „Die Krähen“ ist näher an Hitchcocks Film dran, und selbst der Abenteuerfilm „Cut and Run“, der mit dem Thema eigentlich nichts zu tun hat, bietet mit seinen an Leichen herumpickenden Vögeln mehr zu dem vom Titel suggerierten Schwerpunkt, als der Film der ihn trägt. Der Blinde ist ein Vogelfreund, Studenten suchen einen Vogel, und ein am Himmel fliegender Vogelschwarm wird auch immer wieder mal gezeigt (was nicht so bedrohlich wirkt wie es Regisseur Claudio Lattanzi gerne hätte). Aber an Tier-Horror gibt es hier nichts zu erleben, außer vielleicht in jener Szene, in welcher wir zusehen dürfen wie der Mörder blind wird.

Ist ja auch egal, der Titel ist also Murks, Scheiß drauf! Was gibt es denn stattdessen zu erleben? „Raptors“ (Alternativtitel) ist ein Spukhaus-Film in welchem die Geister eher wie Zombies daher kommen, was aufgrund dessen dass sie einst im Moor entsorgt wurden auf seine schlichte Art zu wirken weiß. Dementsprechend kommt der Alternativtitel „Dark Eyes of the Zombie“ im direkten Vergleich zum deutschen und dem Originaltitel schon einmal sinnvoller daher, wenn auch immer noch nicht ganz die Wahrheit verkündend.

Zwar wissen die Zombie-Geister zu wirken, leider besitzt Regisseur Lattanzi, der ansonsten keinen weiteren Film gedreht hat, keinerlei Talent eine gruselige Stimmung oder zumindest eine dichte Atmosphäre aufkommen zu lassen. Ohnehin darf man nicht all zu viel Horror erwarten, denn nach einer nett gefilmten Tötungsszene eines militärischen Heimkehrers (die nicht ansatzweise an jegliche Szene aus „Die Forke des Todes“ heran kommt) wird erst einmal endlos sinnlos geschwätzt. Ewig bekommen wir die Bande Studenten vor die Nase gesetzt, deren Erlebnisse selbst dann völlig uninteressant ausfallen, wenn sie mit dem Blinden Zeugen sprechen, eine Situation welche die Figuren als zutiefst verstörend empfanden. Der Zuschauer durfte selbiges nicht empfinden, durfte dabei zusehen wie ein wunderlicher Exzentriker mit geistlosen Jugendlichen umgeht, und dann ist die Szene auch wieder vorbei.

Wer nun glaubt dass die Studenten aufgrund der Ortsbeschreibung des Blinden nun schnell in die lang erwartete Situation des Schreckens geraten, der irrt ebenso wie der Tier-Horror-Freund aufgrund des Titels. Die Bande stampft durch ein altes Haus, darf im Höchstmaß an Lattanzis Gütigkeit mal kurz die ein oder andere Vision haben, aber das war es auch schon. Wer braucht schon Horror wenn wir Studenten dabei zusehen dürfen wie sie alles noch so Langweilige tun, solange es bloß nichts mit ihrem Forschungsauftrag zu tun hat?

Wenn kurz vor Schluss der Horroranteil endlich einmal in den Vordergrund rückt, dann gibt es zwar wie erwähnt die viel zu dunkel eingefangenen, nett zurecht gemachten Moorleichen zu sehen, Rache nehmend an den Menschen im Haus anstatt an ihrem Mörder, aber auch auf diesem Höhepunkt bleibt der Streifen frei von Gruselstimmung und stimmiger Atmosphäre, so dass man sich am Ende von „Zombie 5 - Killing Birds“ (Alternativtitel) zurecht verarscht vorkommen darf. Die einzige Überraschung die man uns bietet ist die Tatsache, dass der Blinde am Schluss kein Wahnsinniger ist, der die Teens absichtlich ins Geisterhaus geschickt hat und den nichtforschenden Forschern zu Hilfe eilt.


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Freitag, 25. September 2015

LEFT BEHIND (2014 Vic Armstrong)


Während eines Fluges verschwinden Menschen spurlos. Ihre Anziehsachen und persönlichen Gegenstände sind noch da. Auf der Erde ist selbiges passiert. Alle Menschen die an Gott glauben sind ins Himmelreich gelangt, der Rest fristet ein Dasein im Chaos. An diesem ersten Tag des Endes versucht ein Pilot seine Maschine sicher zu landen, während seine Tochter unten auf der Erde so langsam die Zusammenhänge dessen begreift was gerade passiert...


Liebe ersetzt nicht den Glauben...

Sich des anfänglichen Aufhängers von „Die Langoliers“ zu bedienen, dass Menschen in einem Flugzeug spurlos verschwinden und dies mit dem Hintergrund aus „Das ist das Ende“ zu verbinden, dass der jüngste Tag gekommen ist an dem die Gottesgläubigen die Erde verlassen und alle Ungläubigen zurück bleiben, klingt doch eigentlich nach einem recht vielversprechenden Plot, allein schon weil „Left Behind“ keine humorvolle Adaption dieser Idee ist, im Gegensatz zu Seth Rogens Anarcho-Komödie, sondern ein ernster Fantasyfilm mit starkem Drama-Gehalt.

Ich weiß nicht wie es bei den anderen Verfilmungen „Left Behind“ aus dem Jahr 2000, „Left Behind 2“ und „Finale - Die Welt im Krieg“ aussieht, aber die Verfilmung von Regisseur Vic Armstrong, der in den 90er Jahren diverse Beiträge zur Serie „Die Abenteuer des jungen Indiana Jones“ abgeliefert hat, konzentriert sich leider fast ausschließlich auf das was im Flugzeug passiert, was dazu führt dass auch das komplette Finale sich um eine Frage dreht: gelingt die Notlandung oder nicht.

Ein Flugzeug-Drama vor dem Hintergrund dessen was biblisch passiert ist schon ein etwas dünner Plot bei all dem was da zu erzählen wäre. Zwar schließt man den Film mit den Worten dass dies erst der Anfang vom Ende wäre, was scheinbar eine Fortsetzung andeutet, aber trotzdem hätte man doch gerne mehr von den Geschehnissen auf der Erde erfahren. Da crashen Autos, Flugzeuge und Motorräder, Feuer gehen auf, es wird geraubt und getrauert, Verzweiflung zeichnet sich in den einen Gesichtern ab, eine Chance andere abzuzocken in den anderen, aber für ein Geschehnis dieses großen Ausmaßes wirkt doch alles trotzdem noch recht friedlich umgesetzt.

Hier hätte man „Left Behind“ ein größeres Budget gewünscht, um die Katastrophe auf Erden, welche die logische Konsequenz daraus ist, dass Menschen von einem auf den anderen Moment spurlos verschwinden, konsequent umzusetzen. Das Budget allein trifft jedoch nicht die einzige Schuld. Wenn die Tochter auf einen hohen Punkt klettert mit Blick auf die Stadt, und dort alles friedlich aussieht, dann ist dies ganz klar ein faustdicker Filmfehler den nur ein Blinder übersehen kann - zumal im Finale im Hintergrund eine Stadt zu sehen ist, die in Feuer und Chaos versinkt. „Left Behind“ ist keine Großproduktion, das wagt wohl niemand mehr mit Nicolas Cage in der Hauptrolle, aber solch ein Fehler dürfte einfach nicht passieren.

Zumindest begeht der Film jedoch nicht den anderen möglichen Fehler, dass nun alle zu gläubigen Menschen werden, immerhin haben die Menschen alles verloren was sie hatten, sehen sich nun, wenn sie schon glauben, von einem egoistischen Rachegott betrogen, der alles andere als anbetungswürdig ist, bei all der Beachtung die er scheinbar haben möchte. Das ist schon eine recht mutige Interpretation für eine Geschichte, die eigentlich den Gläubigen Recht gibt, auch wenn so mancher im Film seinen Glauben aufgrund dessen was passiert ist neu entdeckt.

So schön das für einen Atheisten wie mich auch ist, so schwierig gestaltet sich solch ein Blick auf die Dinge jedoch für den Film, der dadurch etwas unausgegoren wirkt. Man weiß nicht was er eigentlich mit seiner Erzählung erreichen will. Weicht er deswegen auf diesen eigentlich fast unnötigen Hauptplot um eine Flugzeugnotlandung aus? Hoffte man mit einem Familien-Drama im Zentrum, kombiniert mit der Tragik und dem Spannungsbogen eines Katastrophenfilms, von der wackeligen Basis abzulenken? Schließlich ist es schwer einen Film zu diesem Thema zu drehen, der wahrscheinlich eher Ungläubige lockt, so phantastisch und gewagt die Idee klingt der Bibel Recht zu geben.

Nicolas Cage weiß in seiner Rolle wunderbar aufzugehen und beweist um ein neues, dass er nicht nur überagieren kann, wie ihm gerne vorgeworfen wird, sondern dass er ein talentierter Schauspieler mit dem Mut zu ungewöhnlichen Stoffen ist. Die Filmtochter ist süß, meistert die meisten Szenen ordentlich, sticht jedoch eher durch ihre Wirkung als durch ihr schauspielerisches Talent hervor. Der junge Held an der Seite des Piloten, ein Nachrichtenreporter, lässt einen zwiegespaltenen Eindruck zurück, ist ein bisschen zu arg auf guter Charakter und Krisenmanager getrimmt, wobei die Krise im Flugzeug ebenso überschaubar abläuft wie auf der Erde. Ein paar hysterische Mütter die ihre Kinder verloren haben und Menschen welche die Nerven verlieren, um sich auch kurz darauf wieder zu fangen, lassen den Zuschauer nicht gerade eine Endzeitstimmung nachempfinden, mehr wissend als die Personen an Bord.

Kurzum: „Left Behind“ ist ein Film dessen Geschichte viel Potential bot, und der auf ein reines Flugzeug-Notlande-Drama reduziert wurde. Zwar weiß die Umsetzung nicht wirklich zu gefallen, man kann Armstrong jedoch zugestehen, dass bei solch gewagtem, fast schon naiven Stoff, die Chose auch wesentlich lächerlicher und peinlicher hätte ausfallen können. Dieser Fantasyfilm mag nicht wirklich geglückt sein, aber seine etwas zu schlichte Geschichte inmitten vom großen Chaos meistert er zumindest souverän, so dass man zumindest das Ende des Streifens erreichen kann ohne sich zu langweilen oder all zu arg die Augen zu verdrehen. Ich persönlich hatte mir wesentlich mehr erhofft, hätte bei einem möglichen Scheitern aber auch gleichzeitig mit einem schlimmeren Ergebnis gerechnet.


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Donnerstag, 24. September 2015

CUT AND RUN (Inferno in diretta 1985 Ruggero Deodato)


Kolumbiens Kokainhersteller werden nach und nach von einer durch Weiße angeführten Gruppe Indios massakriert. Auf der Suche nach einem totgeglaubten Gehilfen eines Sektenführers und dem vermissten Sohn eines reichen Industriellen landet eine Reporterin mit ihrem Kameramann versehentlich mitten in eine solchen Lynchsituation. Sie überleben, da sie sich verstecken konnten. Unter Lebensgefahr suchen sie die Gesuchten weiter...


Kampf ums weiße Pulver...

Deodatos „Cut and Run“ mag nicht so feinfühlig und gesellschaftskritisch ausgefallen sein wie sein 1980er Erfolg „Nackt und zerfleischt“, und sein roter Faden mag etwas bemüht wirken in einem improvisiert wirkenden Szenario. Aber meiner Meinung nach ist ihm ein interessanter und sympathischer Film geglückt, der zwar eher auf reißerische Art hart in seinen Bildern und in seiner Geschichte ist, aber doch aufregend erzählt ist. Man bangt mit der etwas zu naiven Reporterin mit, versteht vielleicht nicht immer ihr Anliegen bzw. ihre Motivation, aber „Straight to Hell“ (Alternativtitel) lässt einen keinesfalls kalt.

Mancher Moment, wie die Wasserattacken des aus „Hügel der blutigen Augen“ bekannten Glatzkopfes Michael Berryman, die auf Leichen herumpickenden Vögel, die mehr erschrecken als jeglicher gefiederte Moment in D'Amatos „Killing Birds“ und die plötzlich auftauchenden Leichen im Wasser bei dem Versuch ein Boot frei zu bekommen, bleiben ebenso im Gedächtnis hängen, wie die großartige Idee in einem fernen Land in einem Drogenlager ebenso auf Zwang unfrei zu leben wie in einer Sekte. Dies kombiniert mit dem ausnahmsweise einmal nicht menschenfressenden Wildenstamm (Deodato gehörte zu den Stammregisseuren der damaligen Kannibalenwelle) lässt in Sachen Stil und Unterhaltungswert Umberto Lenzis „Lebendig gefressen“ weit hinter sich und Deodatos zwischendurch gedrehten Möchtegern-Thriller „Der Schlitzer“ ebenso.

Man muss schon auf die Schmuddelfilmchen Italiens aus den 70er und 80er Jahren stehen, um mit dem wesentlich anpruchsloseren und weniger intelektuelleren Werk als es „Nackt und zerfleischt“ war etwas anfangen zu können. Der Streifen, der sich nur schwer in ein Genre einordnen lässt und den Horrorbereich lediglich streift, besitzt jedoch eine gewisse Faszination, die ich nur schwer lokalisieren kann. Trotz diverser inhaltlicher Unsinnigkeiten und handwerklicher Defizite weiß er mir zu gefallen, und das liegt hauptsächlich an der dichten Atmosphäre und Deodatos Gespür für die Positionierung von Gore und Actionszenen und die Höhe ihres Gehaltes inmitten einer Geschichte, die er inhaltlich substanzvoller wirken lässt als sie eigentlich ist. Unterstützt wird das Ganze von einem gelungenen Soundtrack von Claudio Simonetti, einem der Mitglieder der Band Goblin, die so manchen Dario Argento-Film zu verzuckern wusste. „Cut and Run“ ist Improvisationskunst, alles andere würde mich wundern bei solch ruckeliger und teilweise etwas orientierungslos wirkender Erzählung mit solch großer Kraft einen dünnen Plot so aufregend und unterhaltsam umgesetzt zu bekommen.


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Sonntag, 20. September 2015

BOGGY CREEK - DAS BIGFOOT MASSAKER (Boggy Creek 2010 Brian T. Jaynes)


Jennifer erbt von ihrem heißgeliebten Vater jene Hütte am Boggy Creek, in der sie oft ihre Kindheit verbracht hat. Zusammen mit Freunden fährt sie für ein paar Urlaubstage hin und lernt ihren Nachbarn kennen, der sie vor einer Kreatur in den Wäldern warnt. Gemeint ist freilich der für diese Gegend berühmte Bigfoot, an dessen Existenz Jennifer nicht glaubt. Aber sie soll schnell merken, dass sie sich irrt...


Mehr Trauerverarbeitung als es dem Zuschauer gut tut...

Wer bei „Boggy Creek“ auf einen zweiten „Abominable“ hofft, was schon kein großer Wunsch mit hohem Anspruch wäre, wird bitter enttäuscht werden. Das Debut von Regisseur Brian T. Jaynes, der mittlerweile u.a. auch „Humans vs. Zombies“ und „Bigfoot Wars“ auf die Menschheit losgelassen hat, ist ein Langeweiler hoch zehn, so enorm wie er im Selbstmitleid der Heldin badet und allein in den ersten 25 Minuten von kaum etwas anderem zu berichten weiß.

Ständig will das junge Ding allein sein, suhlt sich in Erinnerungen, und der Zuschauer muss geduldig warten bis Jaynes ihm etwas anderes vorsetzt als kurze Filmfragmente der Bestie, die immer wieder eingestreut werden, damit der Zuschauer nicht vergisst welche Art Film er ursprünglich sichten wollte. Die Dramaturgie ist flach, die Schauspieler nicht viel besser, aber die Kameraführung ist tatsächlich völlig unter aller Kanone und verweigert „Boggy Creek“, der bis auf das zentrale Monster nichts mit den Boggy Creek-Filmen aus den 70er und 80er Jahren zu tun hat, jeglichen Sehwert.

Ein paar härtere Goreeffekte als für solch einen soften Horror üblich und die recht nett zurecht gemachte Kreatur sind der einzige Lichtblick in einem uninspiriert heruntergefilmten Werk, welches nicht einmal Vielseher hinter dem Ofen hervor lockt. Es ist um Yetis und Bigfoots nicht gut bestellt in der Welt des Kinos, des TVs und des Videos. Weiß der Geier warum ich immer wieder darauf hoffe doch noch etwas gutes zu diesem Thema sichten zu dürfen. Der kleine, sympathische „Abominable“ scheint der einzige Lichtblick diesbezüglich zu bleiben.


HITCHCOCK (2012 Sacha Gervasi)


Obwohl er den Filmfirmen immer wieder große Gewinne beschert, will niemand auf Alfred Hitchcocks neue Idee eingehen das Buch Psycho zum Fall des Massenmörders Ed Gein zu verfilmen. Hitchcock finanziert mit Einwilligung seiner Ehefrau den Thriller selbst. Die konzentriert sich jedoch lieber auf ein anderes Projekt, welches sie mit einem Freund gemeinsam angeht, so dass Hitchcock eifersüchtig wird und dies Einfluss auf die Dreharbeiten von Psycho hat...


Wie es ganz sicher nicht war...

Eine Biographie Hitchcocks, wenn auch nur aus der Phase in welcher der große Klassiker „Psycho“ entstand, und ein solches Projekt besetzt mit Talenten wie Anthony Hopkins, Scarlett Johansson und Kurtwood Smith, das muss doch eigentlich funktionieren. Aber „Hitchcock“ beweist, dass es nichts gibt was es nicht geben kann. Ich weiß nicht warum der Film vor einigen Jahren auf so viel Aufmerksamkeit stieß, denn er ist pure Zeitverschwendung, sowohl für jene Interessierte, die biographische Richtigkeit erwarten, als auch für jene, die rein zu Unterhaltungszwecken sich mit einer Interpretation dessen was einst passierte zufrieden geben würden.

Zunächst einmal ist Sacha Gervasis Film nicht nur reine Spekulation, und damit schon einmal nichts für Biographie-Interessierte, er ist zudem aus psychologischer wie auch aus gesellschaftlicher Sicht vollkommen blauäugig erzählt, wie ihn auch nur Realitätsverweigerer als echt ansehen könnten. Hitchcock wird zu einer fast unfehlbaren Ikone glorifiziert, die Wahl der Besetzung findet über billigste Frauenheftchen-Lebenshilfe-Psychologie statt, und die Dramaturgie ist so stark an Hollywood-Gewohnheiten orientiert, dass auch diesbezüglich jegliches Gefühl für Realitätsnähe verloren geht.

Zudem muss mir mal wer erklären, warum Hitchcock in den zähesten Szenen einen inneren Dialog mit Ed Gein hält, welche bemüht versuchen Parallelen von Hitchcocks aktuellen Gefühlsregungen zu Ed Geins vergangenen Taten herzustellen, die Geschichte damit aber keinesfalls weiterbringt oder anderweitig beeinflusst. So bleibt lediglich das Gefühl eines reißerichen Elements zurück, welches in seiner Lächerlichkeit zur vollen Blüte kommt, wenn die Mordszene unter der Dusche angeblich so gewalttätig ausfiel, weil Hitchcock während des Drehs selbst das Messer wetzte während eines erneuten Anfluges von Eifersucht.

Während James D‘Arcy als Anthony Perkins glänzt, aber leider nur einige wenige Male durchs Bild huschen darf, ist zumindest Helen Mirren einen Blick wert, wie sie die Rolle von Hitchcocks Ehefrau meistert. Die Frau ist wahrlich talentiert und reißt jede Szene in der sie auftaucht, und das sind nicht gerade wenige, an sich. Warum Anthony Hopkins neben ihr verblasst? Weil dieser während des Drehs wohl erkannt hat wie schlecht das Drehbuch ist und nur mit halber Backe spielt. Er ist das Reinschalten nicht wert. Selbst die mit so viel Talent gesegnete Scarlett Johansson bleibt in ihrer Rolle als Janet Leigh blass, aber das liegt weniger an ihr als an dieser lustlosen Inszenierung einer solch lächerlichen Interpretation dessen wie es damals gewesen sein könnte.

Ich hatte hohe Erwartungen an „Hitchcock“, hatte im Vorfeld auch keine Filmbesprechungen über Gervasis Werk gelesen und wurde bitter enttäuscht. Zwar weiß Helen Mirren einiges zu retten, lediglich sie wäre das Reinschalten wert, aber auch sie kämpft gegen Windmühlen in einem Film der weder realistisch, noch charmant spekulativ erzählt was einst geschah. „Hitchcock“ ist ein langatmiger, unreifer Streifen, der sich besonders dann quälend und peinlich guckt, wenn man sich auch nur ansatzweise mit Psychologie und Soziologie auskennt. Einziger Vorteil des Streifens: hinterher verspürte ich große Lust mir noch einmal „Psycho“ anzusehen.


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SCARY MOVIE 3 (2003 David Zucker)


Während auf einer Farm ominöse Kreise in Kornfeldern entstehen und andernorts immer öfter Außerirdische gesichtet werden, geht in Amerika ein Killervideo um, nach dessen Gucken jeder nach 7 Tagen sterben muss. Einzig Cindy Campbell kann die Geschehnisse aufdecken. Selbst der Präsident der Vereinigten Staaten hofft auf ihren Erfolg...


Ein Auf Wiedersehen kann sich wie ein Tritt in die Eier anfühlen...

Als die Erfinder der „Scary Movie“-Reihe mit ihrem zweiten Teil eine besonders flache Komödie ablieferten, übernahm David Zucker das Ruder für die nächste Fortsetzung. Heute weiß man dass der Mann längst nicht mehr so anspruchsvolle Parodien abliefert wie zu Zucker/Abrahams/Zucker-Zeiten. Aber damals hoffte man tatsächlich auf einen geistigen Aufstieg der eher auf Flachköpper orientierten Reihe, die es sich zur Aufgabe machte hauptsächlich berühmte, meist aktuelle Horrorfilme zu verarschen.

Von einem „Die nackte Kanone“ und „Kentucky Fried Movie“ ist „Scary Movie 3“ dann auch weit entfernt, aber mit seinem Mix aus „The Ring“ und „Signs“ beweist er welch unterschiedliche Filme er mit pseudo-rotem Faden vereinen kann, angereichert mit Anspielungen auf „Matrix“ und dessen Fortsetzung, manch anderen Werken kürzlich vergangener Zeit und sogar einer Anspielung auf „Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug“, wenn Leslie Nielsen hier wie dort zu einem ungüstigen Zeitpunkt den Hauptfiguren im Finale nur schnell viel Glück wünschen möchte.

Das ist alles wesentlich besser ausgefallen als der olle „Scary Movie 2“ (und auch besser als Zuckers „Scary Movie 4“, vom erbärmlichen Teil 5 einmal ganz zu schweigen), aber über das Niveau von Teil 1 ragt der dritte Film der Reihe nicht hinaus, sprich es bleibt beim fröhlichen Zitieren bereits Bekanntem und meist bei hohler Hau drauf-Komik anstatt bei analytisch beobachtendem Humor der zu parodierenden Filme. Erfreulicher Weise ist jedoch trotz des flachen Humors die Trefferquote der enormen Humordichte recht hoch, so dass nur relativ wenige Witze nicht zu ziehen wissen, vorausgesetzt man sucht keinen Anspruch und ist sich nicht zu schade auch mal unter Niveau zu lachen.

Anna Faris ist sich in ihrer erneuten Hauptrolle jedenfalls nicht zu schade für jeden Gag und weiß erneut mit ihrer Spielfreude und dem Spaß am hemmungslosen Herumalbern den Großteil des Streifens zu stemmen. Ihr zur Seite steht diesmal der mimisch starke Charlie Sheen, der allein durch das pseudo dramatische Getue um seinen verlorenen Glauben als ehemaliger Pfarrer unglaublich witzig daher kommt und zudem eine kleine Szene mit seiner damaligen Lebensgefährtin Denise Richards beschert bekommen hat.

Schön ist es zu sehen, dass trotz eines Weißen auf dem Regiestuhl die schwarze Mentalität noch fast ebenso stark enthalten ist wie in den Vorgängern. Sie wird ebenso veräppelt wie die Verkrampftheit der Weißen, ohnehin schießt „Scary Movie 3“ überall hin wo es weh tut, und politisch völlig unkorrekt darf hier auch auf Behinderte, Kinder und Leichen eingeprügelt werden. Der Humor kommt recht derbe und infantil daher. Um so erstaunter darf man sein, wie sehr es die meist talentierten Schauspieler schaffen, das ganze so umgesetzt zu bekommen, dass man nicht ständig peinlich berührt die Augen verdreht wie bei einem „Ghost Movie“, „Disaster Movie“ oder „Scary Movie 5“. Auch die Pointensetzung weiß zum richtigen Zeitpunkt zu stimmen, und Zucker behält selbst im größten Chaos immer den Überblick, so dass man fast tatsächlich glaubt so etwas wie eine Geschichte erzählt zu bekommen.

In Wahrheit stürzt sich „Scary Movie 3“ von einer bekloppten Szene zur nächsten, manchmal fast im Sketch-Stil gehalten. Aber man ist ihm nicht böse drum bei solch hemmungslosem und spielfreudigem Herumgealber. Der Film ist alles andere als eine ernstzunehmende Filmparodie wie „Spaceballs“ oder „Frankenstein Junior“, aber als Hirn aus-Nonsens für zwischendurch weiß er bestens zu funktionieren, und dies selbst bei einem Publikum über dem zielgerichteten Teen-Alter, vorausgesetzt es hat seinen Humor mit spätestens 30 nicht schon an den Nagel gehängt um von nun an ein rein intelektuelles Leben zu fröhnen.


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Samstag, 19. September 2015

DYNASTIE DRACULA (La dinastia de Dracula 1978 Alfredo B. Crevenna)


300 Jahre dauert es bis Graf Orloff, der von der Inquisition hingerichtet wurde, in der Walpurgisnacht wieder auferstehen darf. Ein Vampir und seine magische Begleiterin bereiten die Wiedererweckung vor. Ein Mann hegt einen Verdacht dem Vampir gegenüber und versucht den Pfarrer des Ortes zu überzeugen, dass dieser Mann ein Blutsauger ist. Zunächst glaubt der Pfarrer nicht an solchen Spuk, doch dann entdeckt er ein Pergament von vor 300 Jahren...


Europäer beißen sich durch Mexiko...

Regisseur Alfred B. Crevenna war ein Vieldreher, der von den 40er Jahren bis zu den 90er Jahren um die 80 Filme umgesetzt hat. Nur weniges davon fand den Weg nach Deutschland, was mit ein Grund dafür ist, dass ich bislang nur den einen, gerade erst von mir gesehenen, kenne, und das ist „Dynastie Dracula“, der in den 70er Jahren entstand. An dem orientiert kann man dem guten Mann kein sonderliches Talent zugestehen, ist der Film um Blutsauger und Hexen in Mexiko doch nicht nur äußerst naiv umgesetzt, sondern auch ziemlich uninspiriert.

Da hat man den Vorteil einer Burg als Location, die mit allerhand Klimbim eingerichtet ist, aber nie weiß irgend etwas auch nur im Ansatz davon so zu wirken wie die Bilder aus Filmen der Hammer Studios mit vergleichbarem Vorteil. Man fängt einfach keine tollen Bilder ein. Und wenn dann noch die Darsteller wie Halb-Amateure durch besagte mäßige Bilder stolpern, ist es nicht sonderlich gut bestellt um einen Horror-Beitrag, der sich für unglaublich gruselig hält.

Crevenna unterhält mit simpelstem Hokuspokus, und scheint das ganze naive Treiben vor der Kamera auch noch ernst zu meinen, so theatralisch wie hier an manchen Stellen Dramaturgie hochgepuscht wird. Leider weiß „Dracula - Dynastie des Grauens“ (Alternativtitel) auch atmosphärisch so gar nicht zu wirken, was allein schon die billig heruntergedudelte Musik, die teilweise klingt wie aus einem „Godzilla“-Streifen entliehen, nie zulassen würde.

Wenn man Gefallen an „La dinastia de Dracula“ (Originaltitel) finden will, dann funktioniert das einzig auf der Trash-Ebene, was gerade zu Beginn wunderbar funktioniert wenn eine Gummi-Fledermaus durchs Bild fliegt, so wie man es sich noch im 30er Jahre „Dacula“ mit Bela Lugosi wagte. Das leicht behaarte Stück Gummi wird zu einem der Highlights des Streifens, taucht es doch immer wieder auf. Andere Regisseure hätten das olle Mistvieh aufgrund seiner ungruseligen Wirkung sparsam eingesetzt, Crevenna jedoch scheint angetan zu sein von diesem Vieh und schien an die Gruselwirkung einer Gummi-Fledermaus zu glauben.

So braucht es nicht wundern, dass ein schrecklich zurecht gemachter Vampir, dessen Schauspieler bei seiner Haarpracht in einem Werwolf-Film wesentlich besser aufgehoben gewesen wäre, ein dunkler, großer Hund und einige schlecht getrickste Effekte plötzlicher Ortsveränderung die einzige Ergänzung in Sachen Gruselstoff sind, die selbstverständlich alle nicht einmal einem 10jährigen Angst einjagen würden.

Was nach einem Fest für Trash-Fans klingt, erweist sich jedoch als eher müde umgesetzte Nummer, die man zwar mit viel Geduld bis zum Schluss schauen kann, aber eigentlich keinen wirklichen Sehwert besitzt. Einzig der Schauspieler des Pfarrers sticht ein wenig positiver hervor als der Rest, dies aber auch nur im direkten Vergleich. Eigentlich ist auch er lediglich ein mittelmäßiger Mime.

Aber zumindest ist seine Rolle ein klein wenig anders angelegt, als es der Horror-erfahrene Cineast von seinem Genre gewohnt ist. Üblicher Weise dürfen Männer der Kirche kurzfristig helfen, um daraufhin das Zeitliche zu segnen. In „Dynastie Dracula“ darf der Pfaffe den finalen Kampf gegen den Oberbösewicht antreten und wirkt dabei wie eine christlich lahme Version eines Chuck Norris oder Rambos. Ohnehin wird Gottesglaube in diesem Streifen so groß geschrieben, dass man fast glauben könnte der Vatikan hätte diesen Müll selbst produziert.

Von daher sind tatsächlich Ansätze unfreiwillig komischer Kost gegeben, aber die verlieren sich selbst bei einer solch kurzen Laufzeit von 80 Minuten. Ich habe keine Ahnung warum Astro dieses unbedeutende Stück Horror aus der Versenkung geholt hat, bei all den verborgenen Schätzen, denen dieses Schicksal noch nicht beschert wurde. Dankbar bin ich dem Label trotzdem, denn letztendlich freue ich mich immer wieder solch unbekannte Retro-Streifen zu sichten, so schlecht sie am Ende auch gewesen sein mögen.


Weitere Reviews zum Film: 

NIGHT OF THE BLOOD BEAST (1958 Bernard L. Kowalski)


Ein Astronaut stürzt auf die Erde und müsste laut ärztlichen Untersuchungen eigentlich tot sein, aber er wacht überraschender Weise auf. Er hat etwas aus dem Weltall mitgebracht, und ein Teil davon läuft in der näheren Umgebung umher und erschreckt die Leute. Als es zu einem ersten Toten kommt, nehmen die Wissenschaftler den Kampf mit dem Alien auf...


Der Körpervereinigung abgeneigt...

„Night of the Blood Beast“ ist ein schrulliger, kleiner Science Fiction-Horror aus den 50er Jahren, der auf der einen Seite so ziemlich jedem Klischee dieser Art Produktionen seiner Zeit entspricht, auf der anderen Seite jedoch auch eine sehr eigenständige Geschichte erzählt, die einige Ideen enthält, die für seine Zeit zu überraschen wissen. Der Film an dem drei Cormans beteiligt waren, wobei der berühmteste von ihnen, Roger Corman, freilich die Produktion übernahm, nimmt mit der Thematik eines Menschen als Wirt für die außerirdische Brut bereits eine der wichtigen Ideen von „Alien - Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt“ voraus. In der Frage ob die Kreatur eine Bedrohung ist, begibt sich „The Monster from Galaxy 27“ (Arbeitstitel) sogar auf ein mutiges Terrain.

Letztendlich bleibt es am Ende Interpretationssache ob der Außerirdische gute oder böse Absichten hatte. Zwar manipuliert er den Astronauten und schleicht immer neugierig umher, aber er präsentiert sich dem Rest der Truppe gegenüber als Erretter der Menschheit, was die Aliens in den diversen „Invasion of the Body Snatchers“-Filmen in ihrer Bösartigkeit allerdings auch so gesehen haben. Und so bleibt die merkwürdige Form unter welcher die Kreatur hier die Errettung der Menschheit versteht doch als lebenswürdige Form des Weiterlebens zu diskutieren. Zudem könnte sie auch nur ein Trick sein um mit Hilfe einer Fremdspezies die eigene zu retten. Schön dass die Protagonisten des Streifens die Frage ob sie richtig oder falsch gehandelt haben, bzw. ob der Außerirdische gelogen hat oder nicht, sich am Ende selbst stellen und damit kein so klares Helden-Ende präsentiert wird, wie es in Produktionen dieser Art damals üblich war.

Auch der Härtegrad ist für einen Film dieser Zeit nicht ohne, zumindest was das theoretisch Angesprochene betrifft. Gezeigt wird nichts, härtere Momente werden lediglich durch Schattenaufnahmen dargestellt, aber allein dass der Schädel des Toten nur noch zur Hälfte besteht ist in seiner Vorstellung schon ein widerlicher Gedanke, der das in Sachen Härtegrad nicht gerade verwöhnte Publikum von einst sicherlich geschockt haben dürfte.

Was „Night of the Blood Creature" jedoch seinen wahren Sympathiegehalt beschert ist der wunderbar naiv-skurrile Mix aus völlig blödsinnigen wissenschaftlichen Erklärungen und echtem rationalen Denken innerhalb der Gruppe. Während man in naturwissenschaftlichen und technischen Bereichen allerhand Fehlinformationen, Fantastereien und Idiotien ertragen muss, tut es gut zu sehen, dass wir eine Gruppe Menschen durch den Film begleiten, die ihre Situation logisch überdenken und auch über mögliche Folgen geplanter Aktionen diskutieren. Auch über die Frage ob der Astronaut fremdgelenkt ist, obwohl er sich nicht so fühlt, wird ausreichend diskutiert. Kann man ihm trauen? Letztendlich traut er nicht einmal sich selbst. Da bietet das Drehbuch für seine Zeit für einen Genre-Bereich der damals nie sehr ernst genommen wurde doch einige Überraschungen mit Potential, die es zwar nie zu wahrem Tiefgang schaffen, aber doch nicht geistlos aufgegriffen werden.

Zu den Sympathiepunkten eines solchen nah am Trash-Bereich orientierten Streifens zählt natürlich auch die Kreatur, und die pendelt zwischen einfallslos und interessant hin und her, ist sie doch eigentlich nur ein klumpiges Etwas, was wie typisch für Geschichten dieser Art mit einem Menschen im Kostüm umgesetzt wurde, andererseits besitzt das Aussehen des Außerirdischen aber auch eine Andeutung an eine vogelartige Gattung, und das beschert ihr optisch einen Reiz, der auch beim x-ten Blick auf das fremde Wesen nicht vergeht. Auch weitere Spezialeffekte laden zum Schmunzeln ein. Ein Blick auf die Blutkörperchen stellt hierbei den Höhepunkt an unfreiwilliger Komik dar, aber auch der Blick auf die Brut des Aliens im Bauch des Astronauten weiß in seiner naiven Art optisch zu gefallen, wird jedoch durch jene Idiotie überschattet, mit der es überhaupt möglich ist einen Blick auf die Ungeborenen zu werfen.

Zwar wurde „Night of the Blood Beast“ mit „Das Grauen kam um Mitternacht“ eine deutsche Vertonung und Veröffentlichung beschert, dabei handelt es sich aber nicht wirklich um den hier vorliegenden Film, ist der Streifen mit besagtem deutschem Titel doch ein Zusammenschnitt aus dem hier besprochenen Alien-Streifen und aus „Attack of the Giant Leeches“, der es in seiner Originalversion ebenfalls nie nach Deutschland geschafft hat. Glücklicher Weise ist auf der DVD zu „Das Grauen kam um Mitternacht“ jedoch die Möglichkeit gegeben sowohl das Fake-Werk, als auch den richtigen amerikanischen Film mit deutschem Untertitel zu sichten, und so habe ich mich selbstverständlich für den Originalfilm entschieden anstatt für einen Streifen der in Wirklichkeit keiner ist. Die Trennung dieser beiden Werke ist für Interessierte also unbedingt zu beachten.

Zumindest hat Regisseur Kowalski (der anbei auch für besagten „Attack of the Giant Leeches“ verantwortlich war) unter der Fuchtel von Vielfilmer Roger Corman ein sympathisches und innovatives Stück Science Fiction-Horror auf die Beine gestellt, das ich Freunden der 50er Jahre-Kost definitiv empfehlen kann. Sein naiver Charme gepaart mit einfallsreichen Ideen macht ihn zu einem geglückten, aber auch schwer einzuordnendem Stück Film. Sicherlich ist „The Creature from Galaxie 27“ (Alternativtitel) ganz deutlich ein Trash-Film, aber er bietet auch so einige Komponenten, die über reine unfreiwillige Komik hinaus gehen. Einen Platz in meinem Cineastenherzen hat er sich jedenfalls mit seiner sympathischen und kurzweiligen Art verdienter Maßen ergattert.


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Mittwoch, 16. September 2015

DER WÜSTENPLANET (Dune 1984 David Lynch)


Der Prinz eines ehemaligen Königreiches lebt im Untergrund auf dem Wüstenplanet, der einzige Planet im Weltall auf dem es das für die Raumfahrt so wichtige Spice gibt. Zusammen mit den Ureinwohnern bereitet er eine Rebellion vor, welche den Imperator des Universums zu fairem Handel zwingen soll. Laut einer Legende ist es vorhergesagt dass ein Auserwählter kommt, der besagtes Szenario vorwärts bringt. Aber ist der Prinz tatsächlich eben jener Auserwählter?...


Der Beherrscher der Würmer...

Es ist gar nicht so leicht über Lynchs „Der Wüstenplanet“ zu schreiben, den ich in der 130 minütigen Kinoversion geguckt habe anstatt in der parallel existierenden drei stündigen TV-Version, die ebenfalls auf meiner DVD enthalten ist. Von daher kann ich nichts darüber sagen, ob das letzte Drittel in der Langfassung ebenso gehetzt erzählt wird, nachdem der Hauptteil der Geschichte in aller Seelenruhe mit Liebe zu wichtigen und unwichtigen Details umgesetzt wurde. Wie auch immer: das Ergebnis der Kinoversion schaut sich wie ein Kampf des Kunst-liebenden Lynchs gegen Mainstream-liebende Produzenten, denn auch wenn der Streifen wahrlich nichts fürs Massenpublikum ist, so ist es doch interessant zu beobachten, wie die Modewelle der frühen 80er Jahre Einzug ins Endprodukt hält und billigste Stereotype durch eine teilweise recht plumpe Rebellen-Story stampfen.

Dem gegenüber stehen skurrile, teilweise gar richtig groteske Gestalten und Situationen, die „Dune - Der Wüstenplanet“ (Alternativtitel) wahrlich zu etwas eigenem machen, versehen mit recht experimentellen Spezialeffekten, die sich zwar heute stark veraltet schauen, damals aber sicher faszinierend anzusehen waren. Am erstaunlichsten fand ich die Szenen rund um den verwöhnten und von Hautkrankheiten entstellten Baron, ein Fiesling wie ihn das Kino in dieser Extreme und Comicartigkeit viel zu selten hervor bringt, voller Spielfreude interpretiert und einem Ekel und Freude zugleich bereitend, während seine Art zu regieren einem das Gefühl einer wirklich fremden Welt gibt.

Auch hier schaut sich „Dune“ (Originaltitel) sehr wackelig. Teilweise wirken die Mentalitäten und Rituale so stark befremdlich wie es heutige Kinoproduktionen kaum noch hin bekommen, sprich dass sie tatsächlich fern der uns bekannten Kulturen angesetzt sind. Manchmal streifen jedoch Modefigürchen durchs Bild, die uns wieder all zu deutlich machen aus welchem Land der Film stammt und wie dünn die Geschichte trotz aller Ablenkung dann doch ausgefallen ist.

Ich weiß wie negativ sich das liest, aber irgendwie hat es bei mir die Faszination für diesen Streifen verstärkt. Das Interesse des aus Talent und Geld wild zusammengewürfelten Ergebnisses schwappt zwar häufig eher in eine theoretische Faszination über, letztendlich ist der Film aber interessant genug erzählt, dass er auch auf der Unterhaltungsebene zu gefallen weiß, auch wenn er sich mit seiner arg plumpen Heldenstory zwischendurch immer wieder ein wenig ausbremst. Stets hat man das Gefühl, dass da mehr möglich gewesen wäre. Und da man weiß wie außergewöhnlich Lynchs Werke im allgemeinen ausfallen, ob man sie jetzt mag oder nicht, kann man wohl wirklich von einmischenden Produzenten ausgehen bei solch holpriger Umsetzung, die immer ein wenig orientierungslos zwischen phantastisch und gewöhnlich hin und her springt.

Ich glaube ich mag „Der Wüstenplanet“ eben weil er so ein merkwürdiges Produkt zweier Interessenseiten geworden ist. Wer weiß wie die Vision Lynchs in totaler Vollendung ausgesehen hätte, dann würde ich vielleicht auf den 130 Minüter fluchen, wie er heute existiert. Aber so wie vorhanden fasziniert mich der fertige Film mehr, als dass er mich enttäuscht. Dennoch hätte man sich gegen Ende mehr Zeit für die Geschichte nehmen sollen. Wie schnell der Prinz zum Anführer wird, wie ebenso schnell er die großen Sandwürmer beherrscht und wie extrem schnell der Imperator jede Gegenwehr sein lässt ist doch aufgrund des Tempos alles viel zu unglaubwürdig erzählt. Dank der Stärken des Hauptteils, und merkwürdiger Weise fast noch mehr dank der Schwächen eben selbiger Phase, geht man jedoch nicht all zu streng mit dem gehetzten Schluss um. „Dune“ bleibt trotzdem ein hochinteressanter Ausnahmefilm seiner Zeit, der zwar intelektuell völlig über dem Budenzauber eines „Krieg der Sterne“ steht, aber scheinbar trotzdem nicht mehr sein will als dieser.


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Dienstag, 15. September 2015

GANGSTERS, GUNS AND ZOMBIES (Gangsters, Guns & Zombies 2012 Matt Mitchell)


Eine Gruppe professioneller Bankräuber schlägt sich durch eine Zombie-Epidemie durch...


Banken, Zombies und Moneten...

Gerne bin ich als Horror-Fan bereit auch günstig produzierte semi-professionelle Filme zu schauen. Werke wie „Meat Market“, „Day X“ und „Evil“, alles Beiträge zum Thema Zombies, haben mir dann auch trotz diverser Defizite gefallen, und auch Billigproduktionen aus anderen Horrorbereichen wie z.B. „Blood Car“ und „Bis das Blut kocht“ bin ich nicht abgeneigt. Doch auch wenn Matt Mitchell sein Debut „Gangsters, Guns and Zombies“ nicht völlig verkehrt angeht, so bin ich doch trotzdem nicht davon angetan.

Mitchell hofft die schrägen Charaktere würden als Humorgrundlage bereits genügen. Da irrt er sich jedoch leider, zumal die Figuren keinesfalls so schräg ausfallen wie er es gerne hätte. Auch die Dialoge reißen nicht vom Hocker, was sehr schade ist, so viel wie gerade zu Anfang meist während diverser Autofahrten geplappert wird. Die Kostengünstigkeit verarbeitet Mitchell in den Gore-Szenen noch recht gut, meist durch amüsante Sequenzen, z.B. wenn der Obergangster auf wen am Boden Liegendes schießt, die Kamera nur den Chef im Bild hat und das Blut des nicht zu sehenden Erschossenen in billiger CGI-Grafik ein wenig nach oben spritzt.

Was weniger zu gefallen weiß in einem Film der stark auf Actionszenen setzt, sind die zu langsam inszenierten Momente in denen die Post abgehen soll. Schlecht geschnittene Zombie-Attacken, Actionmomente in gefühlter Zeitlupe, so etwas raubt einem Werk, welches ohnehin schon in eher lahme Bilder getaucht ist, den Unterhaltungswert. Damit guckt sich „Gangsters, Guns and Zombies“ schleppend und zäh, und das ist dann auch aus dem semi-professionellen Bereich nichts was man nach Feierabend gerne zum Abschalten guckt. Abschalten ja, aber per Fernbedienung ist die Devise. Von meiner Seite aus ist der Streifen weder ein Geheim-Tipp noch verträglicher Zwischendurch-Verzehr.


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Sonntag, 13. September 2015

BLUTBAD DES SCHRECKENS (Scream Bloody Murder 1973 Marc B. Ray)


Matthew hat als Kind seinen Vater umgebracht und tötet nach Jahren des Aufenthalts in einer Klinik als junger Erwachsener seine Mutter und ihren zweiten Ehemann. Nach begangener Tat zieht Matthew durchs Land und ermordet in einem ödipalen Wahn junge Pärchen, bis er auf eine Künstlerin und Prostituierte trifft in die er sich verliebt. Da sie die Liebe nicht erwidert nimmt er sie gefangen um mit ihr zu leben...


Von einem Psycho der eine Prostituierte nicht zu ihren Freiern lässt...

Man beschere einem Killer eine Stahlklaue und lasse ihn mordend durchs Land ziehen - viele Horrorfilm können mit solch einem Minimum an Story ein ordentliches Ergebnis abliefern. Leider gehört „Blutbad des Schreckens“ jedoch zu jenen Vertretern Psychopathen-Schocker, die es ebenfalls häufig gibt: die Sorte, die daran scheitert kein Gefühl für Psychologie zu besitzen. Der Mörder guckt sich wie eine jämmerliche Witzfigur, ein empathischer Anflug von Mitgefühl wird trotz der Opfer-Täter-Thematik nicht aufgebaut, was einer Katastrophe gleich kommt, da Matthew die Identifikationsfigur für den Zuschauer sein soll.

Die Künstlerin lernen wir viel zu spät kennen, längst ist es Matthew den wir durch einen Film begleiten, der zunächst sinnlos von einem Mord zum nächsten springt. Dem Täter beschert man zwar einen psychologischen Zusammenhang, der konsequent durchgezogen wird, aber trotzdem wirkt der Mann im Zentrum nie glaubwürdig. Die Morde wirken trotz ihrer harmlosen optischen Umsetzung lediglich reißerisch, und dank einer ebensolchen Spannungsarmut wie mangelnder Dramaturgie erleben wir ein inspirationsloses Sinnlos-Filmchen, in welchem wir einen Massenmörder so lange begleiten dürfen, bis sich der Autor der ganzen Chose erbarmt und Matthew endlich sich selbst richten lässt.

Nach den etlichen Morden in den ersten 20 Minuten tut es zwar gut dass „Das Höllen Massaker“ (Alternativtitel) durch die Begegnung mit der künstlerich interessierten Prostituierten ein neuer Aspekt beschert wird (allein dass weniger gemordet wird tut ausnahmsweise einmal richtig gut), aber der ewige Kampf Matthews gegen den freien Willen seiner Gefangenen entpuppt sich als ebenso ermüdend wie die endlosen Kills zu Beginn, eben weil Regisseur Marc B. Ray, der insgesamt nur zwei Filme in seiner Karriere fertiggestellt hat, über keinerlei nennenswertes Talent verfügt.

Er kann sich nicht in die Situationen und Personen hinein fühlen. Und da dieses Talent auch dem Hauptdarsteller fehlt ist der komplette Streifen lediglich verschenkte Zeit für den Zuschauer. „Scream Bloody Murder“ (Originaltitel) langweilt nicht nur ungemein, er nervt auch penetrant, da unser Mörder fast pausenlos redet, sich ewig rechtfertigt, auf seine Mutter schimpft und im Deutschton dabei eine derart penetrante, erbärmlich devote Stimme beschert bekommen hat, dass man dem Psycho sehnlichst den Tod wünscht - und das nicht aufgrund seiner abscheulichen Taten.

„Matthew“ (Alternativtitel) ist ein stumpfer Reißer, der all das falsch macht, was Hitchcocks „Psycho“ richtig machte. Er gehört zu den wenigen Horrorbeiträgen seiner Zeit, dem nicht einmal die ansonsten so wunderbare trockene 70er Jahre-Atmosphäre zugute kommt. „Claw of Terror“ (Alternativtitel) nervt, und dies derart penetrant, dass ich echt nur jeden von diesem Möchtegern-Psycho-Horror abraten kann.


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Samstag, 12. September 2015

EIN MONSTER IN PARIS (Un monstre à Paris 2011 Bibo Bergeron)


Obwohl sie das Labor des Wissenschaftlers in seiner Abwesenheit nicht betreten sollen, spielen zwei Männer, die eigentlich nur eine Ware abliefern sollten, mit den Chemikalien eines Forschers herum und lassen dabei versehentlich einen Floh mutieren, der schnell als Monster von Paris bekannt wird. Während der Polizeichef die Jagd nach der Bestie nutzt um seine Popularität zu steigern, entdeckt eine junge Sängerin, dass der mutierte Floh eigentlich eine brave, friedliebende Kreatur ist, der unrecht getan wird...


Das Phantom auf der Bühne...

Das Zeichentrick-Projekt von Produzent Luc Besson klang nach einem etwas andersartigen Film als die üblichen Trickfilm-Beiträge die normalerweise aus Amerika kommen und in ihrem braven Stil rund um den Erdball herum meist inspirationslos nachgeahmt werden. Aber bereits die viel zu rund und brav ausgefallene Figurenzeichnung, wie sie typisch für Werke wie „Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen“ ist, macht deutlich dass man nicht zu viel Andersartigkeit von „Das Monster von Paris“ erwarten sollte, dem Folgefilm des Regisseurs vom sympathisch ausgefallenen „Große Haie - Kleine Fische“, der immerhin 7 Jahre auf sich warten ließ.

Trotz der zu gewöhnlichen Figurenzeichnung wissen die Charaktere die Geschichte halbwegs zu tragen, auch wenn sie die typischen Abziehbilder bereits bekannter Zeichentrick-Stereotype sind. Wie sie durch ein cineastisch nostalgisch animiertes Paris umherstolpern weiß zumindest optisch zu gefallen. Hier konnte man schlichtere Animation mit einem größeren Effekt kombinieren, was sicherlich auch finanziell dem Projekt entgegen kam. Die Idee einen zwei Meter großen Floh als Phantom von Paris einzubauen klingt dann auch inhaltlich wie eine schöne abgedrehte Idee, aber die zwei Verantwortlichen für das Drehbuch beweisen keinerlei Raffinesse und hauen mit voller Wucht die Geschichte einfallslos mit dem Holzhammer von einem Erlebnis zum nächsten, ohne so etwas wie eine Entwicklung der Geschichte zu beherrschen.

Der Grund warum der Floh wächst, er die Liebe zur Musik entdeckt, ein Mensch seine Liebartigkeit erfährt und der Bösewicht am Ende die gerechte Strafe erfährt wird alles sprungartig ohne nachvollziehbare Erklärung einfach als Fakt in den Raum gestellt, mit welchem sich der Zuschauer dann abzufinden hat. Während Nichtigkeiten wie Verfolgungsjagden oder Tanzsequenzen detailreich und sauber herausgearbeitet umgesetzt sind, ist es die eigentliche Geschichte die zu sprunghaft und fern der Nachvollziehbarkeit vonstatten geht. Dass dementsprechend auch auf das Fehlen jeglicher Feinfühligkeit im zwischenmenschlichen Bereich mit einer solch brachialen Umsetzung einhergeht und der Zuschauer sich bei der ganzen Chose nie zu Hause fühlt, ist der logische Rattenschwanz der bei solch mangelndem Erzähltalent fast schon obligatorisch mit einhergehen muss.

Manche Szenen sind durchaus geglückt. Die Musikeinlagen werden aufgrund dessen dass sie fast ausschließlich auf der Bühne vorgetragen werden nicht so ärgerlich eingefangen wie in manch anderem Animationsfilm (erst kürzlich hat mich „Küss den Frosch“ mit seinem ewigen Geträller stark genervt), trotzdem wissen sie nie das Herz des Zuschauers zu gewinnen wie in Zeichentrickfilmen, für welche die Lieder zum wahren Gewinn an Sympathie werden (z.B. in Disneys „Robin Hood“). Also egal welchen Themenbereich man vom Film letztendlich anspricht: „Un monstre à Paris“ (Originaltitel) ist in so ziemlich jedem Belang Mittelmaß geworden, abgesehen vom Drehbuch, das man mit seiner Orientierungslosigkeit und seinem Elegfantengetrampel durch den Porzellanladen wahrlich nur als schlecht bezeichnen kann. Darauf bezogen darf man sogar erstaunt sein, wie verdaulich das Endprodukt doch noch ausgefallen ist.


INVISIBLE ZOMBIE (Skew 2011 Sevé Schelenz)


Teenager Simon ist mit zwei Kumpels per Auto mehrere Tage unterwegs auf den Weg zu einer Hochzeit. Mit seiner neu erworbenen Videokamera nimmt er den Trip der Truppe auf, fängt teilweise aber recht merkwürdige Bilder ein, die sich beim erneuten Anschauen völlig normal schauen. Mit der Zeit merkt Simon, dass die Kamera Menschen markiert, die in Kürze sterben werden...


Zukünftige Tote...

Naiv wie ich war habe ich geglaubt „Invisible Zombie“ könnte tatsächlich von unsichtbaren Zombies handeln. Das hat bei unsichtbaren Außerirdischen in der guten alten Zeit mit „Invisible Invaders“ doch schließlich auch ein Publikum gefunden. Aber leider ist der Titel nur der Versuch sich innerhalb des überfluteten Horrorfilm-Marktes irgendwie interessant zu machen, und so wurde der zuvor als „Skew“ veröffentlichte Film noch einmal unter einem anderen Namen vertrieben, dabei faustdick lügend, denn hier gibt es nicht nur keine unsichtbaren Zombies, es gibt nicht einmal Zombies. Inflationär wie der Begriff mittlerweile verwendet wird, haben wir es hier ähnlich wie bei „Zombies“ nicht mit gehirntoten Wiederbelebten oder Opfern einer Virusinfektion zu tun, sondern mit Geistererscheinungen.

Leider weiß „Invisible Zombie“ selbst dann nicht zu funktionieren, wenn man sich auf das tatsächliche Geschehen einstellt. Regisseur Sevé Schelenz, der seit dem hier besprochenen Film nichts weiteres mehr verbrochen hat, beweist mit diesem Streifen, wie man das von mir sehr gern gesehene Found Footage-Verfahren völlig misslungen anwenden kann, ziehen sich die Aufnahmen doch wie Kaugummi. Simon filmt weder etwas interessantes, noch sind seine Mitreisenden auf irgend eine Art interessant. Er selbst ist es auch nicht, filmt immer stur nach vorne, nie sich selbst, und im Gegensatz zu „Cloverfield“ und Co kommt nie eine Partystimmung auf, welche den ereignislosen Beginn vor dem großen Event unterhaltsam auffangen kann.

„Skew“ ist derart lahm gefilmt, dass man es irgendwann nicht mehr schafft ohne Bildvorspulen vorwärts zu kommen, so langweilig ist er umgesetzt. Als einziges Event gibt es zwischendurch verzerrte Gesichter zu sehen, Menschen die scheinbar ein Geheimnis haben, welches die Kamera lüftet. Im Gegensatz zu vielen anderen Found Footage-Filmen sehen wir nicht die Aufnahmen des Gefilmten, sondern Simons Blick durch die Kamera während der Aufnahmen. Das heißt, dass später gegucktes Material nicht mehr die Besonderheiten aufweisen, die Simon während der Aufnahmen selbst noch wahrgenommen hat. Ebenso blicken wir durch die Kamera wenn er die Kassette mit Bild zurück spult. Zudem gibt es eine Ausnahmeszene zu sehen, die mit einer Überwachungskamera in einem Polizeirevier aufgenommen wurde.

Wichtig ist das alles nur in soweit, als dass man sich fragen darf ob die Perspektive Simons echt ist, oder ob es der Blick eines Wahnsinnigen ist, der sich allerhand Geschehenes einbildet. Von daher ist man bis zu einem gewissen Grad trotz der langweiligen Umsetzung tatsächlich an einer Auflösung interessiert. Die kommt relativ unspektakulär daher, bietet aber immerhin eine Antwort auf die Fragen des Publikums, zumindest für die paar Zuschauer, die das Filmende tatsächlich noch miterleben.

Neu ist die Geschichte nicht zu nennen, weckt sie doch Erinnerungen an „Final Destination“ oder „Destination Death“, wenn zukünftige Tote von der Kamera erkannt werden. Da Simon selbst jedoch nur tatenlos zusehen kann und somit niemanden retten kann, und sich viel eher egoistisch Sorgen macht, dass die Kamera selbst eine Art Täter ist, vor dem man nur sicher ist, wenn man nicht von ihm gefilmt wird (während er seine Freunde fleißig weiter filmt), beschert das der lahmen Geschichte keinerlei Mehrwert. Schelenz schien zu merken dass das alles was wenig ist, und lässt urplötzlich auch Geistererscheinungen wie aus dem Nichts auf Simon los, ohne dass dies in einem wirklichen Zusammenhang zu den Restgeschehnissen stehen würde. Aber mit solch billigen Aufhängern, die zudem mager getrickst sind, peppt man solch eine Schlaftablette freilich auch nicht mehr auf.

„Invisible Zombie“ ist die Art Found Footage, für die diese Art Filmmethode ihren schlechten Ruf genießt. Es klingt so einfach einen sehenswerten Streifen basierend auf diesem Konzept fertigzustellen, dabei gehört so vieles mehr dazu Amateuraufnahmen unheimlich oder anderweitig interessant zu gestalten als viel mit Stille oder Schockmomenten zu arbeiten. Das was uns hier geboten wird ist Langeweile der besonders zähen Art, frei von Lichtblicken, selbst dann wenn das Tempo in den letzten 20 Minuten ein wenig erhöht wird. Das einzig überraschende an Schelenz Werk ist, dass er der erste Film dieser Art ist, bei dem es für mich nicht wie ein Fehler wirkte, wenn Amateuraufnahmen plötzlich Hintergrundmusik beschert bekommen. „Skew“ tat dies tatsächlich gut, obwohl die Idee der Musikunterlegung eigentlich unsinnig für diese Art Film ist.


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HER (2013 Spike Jonze)


Die nahe Zukunft: Theodor Twombly ist ein Jahr nach der Trennung von seiner Ehefrau noch immer recht depressiv. Er kauft sich eine neue Software für den Computer, ein Betriebssystem mit einem eigenen Bewusstsein. Mit diesem kann man kommunizieren wie mit einem echten Menschen und es entwickelt sich eben wie ein solcher weiter. Samantha, wie sich seines nennt, entpuppt sich tatsächlich als sehr lebensecht, so sehr sogar, dass sich beide mit der Zeit ineinander verlieben. Aber geht es überhaupt eine Beziehung mit einem Betriebssystem zu führen?...


Computerliebe...

Das tolle an „her“ ist, dass man ihn auf zwei Ebenen gucken kann. Entweder erlebt man ihn als romantische Tragikomödie, in welche man mitfühlend eintaucht, oder man schaut ihn sich als intelektuelles Warnbild dessen an, wie sehr die Gesellschaft in ihrer Isolation entgleisen kann, um neue Formen einer Geisteskrankheit herbei zu führen. Beides funktioniert wunderbar dank eines Drehbuches welches nie den erhobenen Zeigefinger demonstriert, sondern schlicht und einfach seine Idee konsequent erzählt, die auf Beobachtungen heutiger Situationen beruht.

Das heißt wir haben einen Stoff der trotz seiner Zukunftsperspektive stark im Jetzt verankert ist und uns eine gar nicht so fremdartige Welt von Morgen präsentiert, die nicht all zu fern und durchaus denkbar ist. Dank eines hoch empathischen Drehbuchs und einer ebensolchen Regie (beides von Spike Jonez, der auch für „Being John Malkovich“ verantwortlich war) sind wir immer nah am Gefühlsleben von Theodor dran, der höchst glaubwürdig und sensibel von Joaquin Phoenix verkörpert wird. „her“ kommt ebenso poetisch wie philosophisch daher und ist somit jener Glücksfall mit dem Tagträumer ebenso glücklich werden wie Realisten.

Im Idealfall schwankt man zwischen beiden Perspektiven hin und her. Dann kann man Samantha als Lösung und Problem zugleich erkennen. Zum einen isoliert sie einen fast anonym lebenden Menschen noch mehr, der im gesunden Zustand eigentlich kontaktfreudig wäre und äußerst intelligent, zum anderen fühlt sie sich so echt an, dass die Frage wie in „Blade Runner“ und „Ghost in the Shell“ aufgegriffen werden kann, ab wann ein Bewusstsein ein wirkliches Lebewesen ist. Wenn Samantha sich selbstständig entwickelt, zu Gefühlen fähig ist und eigenständig reagiert, warum kann sie dann keine Alternative für einsame Menschen sein?

Dieses Hin und Her zweier extremer Beobachtungsformen des hier Erlebten macht den Stoff so unglaublich aufregend, der nicht nur konsequent zu Ende gedacht wurde, sondern auch etliche zusätzliche Ideen präsentiert, aus denen man locker ein Dutzend Filme hätte entwerfen können. „her“ läuft dabei nie Gefahr überfrachtet zu wirken und hat immer etwas neues zu erzählen, wenn die Geschichte droht auf der Stelle zu treten.

Letztendlich gibt der Film durch die Entwicklung Samanthas selbst eine Antwort darauf, ob es für den Menschen gesund sein kann sich emotional auf eine künstliche Intelligenz einzustellen. Denn während Menschen sich halbwegs überblickbar unterschiedlich weiterentwickeln, stößt die körperlose Samantha auf Dimensionen weiterer Möglichkeiten ihres Zustandes, die für den menschlichen Geist, und noch viel mehr für das menschliche Herz, nicht mehr greifbar sind, was kurz vor Schluss zu einer Erkentniss für Theodor führt, wie sie schmerzhafter kaum sein könnte - konsequenter für die hier ausgelebte Idee jedoch auch nicht, und allein dafür kann man das Drehbuch einfach nur lieben.

„her“ ist ein großer Film, der trotz seiner Traurigkeit, bzw. unter anderem auch aufgrund dieser, ein lebensbejahendes Werk geworden ist, das einen nachdenklich und emotional zart berührt zurücklässt, ähnlich wie „Vergiss mein nicht“, den Jonzes Kumpel Charlie Kaufman geschrieben hat. Beide stehen sich in nichts nach, sind große Werke ihrer Zeit, die es schaffen den Intellekt des Zuschauers ebenso zu füttern wie sein Seelenleben, indem die schwachen und verletzlichen Seiten des Menschseins ehrlich und gut beobachtet wiedergegeben werden ohne falschen Stolz, aufgebauschten Kitsch oder störenden Scham.


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Dienstag, 8. September 2015

WIR SIND DIE NACHT (2010 Dennis Gansel)


Eine Kleinkriminelle wird von der Anführerin einer Frauen-Vampir-Clique gebissen und in das Nachtleben der Blutsauger eingeführt. Zwar reizt sie das hemmungslose Party-Leben, aber von der brutalen Art ihrer Artgenossen ist sie keinesfalls begeistert...


Wo der Spaß aufhört...

Die Geschichte von „Wir sind die Nacht“ wird von Regisseur Dennis Gansel unterkühlt inszeniert eingefangen. Dadurch wirkt der Film ohne seine inhaltlichen Innovationen zunächst arg austauschbar. Aber wie schon bei „Die Welle“ so besitzt auch hier der Inszenierungsstil Gansels durchaus Sinn, denn der Streifen kritisiert das seelenlose Partyleben der Spaßgesellschaft, das zunächst so fröhlich und tabulos scheint, sich auf längere Zeit gesehen jedoch als oberflächlich, einseitig und steril entpuppt. Die Clubszene mit ihren dumpfen, monotonen Techno-Klängen ist hierfür ideal gewählt. Drogen helfen dabei Freude bei etwas empfinden zu wollen, was im Exzess keine Freude mehr bereitet.

Zwar nimmt man im hier vorliegenden Fall die Gewaltbereitschaft der Vampire zu Hilfe um Lena aufzuwecken, aber sie und eine andere Vampirin sind schnell gelangweilt von dem rasanten, reichen Leben, welches ihnen Obervampirin Louise bietet, welche alle drei Girls der Clique unfreiwillig zu dem machte was sie sind. Als Lena ihr Leben um eine zwischenmenschliche Beziehung bereichern will (mit ihren Freundinnen kann sie nur Oberflächliches bequatschen), fühlt sich Louise verraten. Aber die Zeit des Cliquenzusammenhalts ist ohnehin längst überfällig. Zeigt Gansel die Schnitte im Sozialgefüge anfangs zunächst sehr unterschwellig, so werden diese immer deutlicher, bis im letzten Drittel passiert was passieren muss.

Aufgrund der kühl inszenierten Ader dauert es etwas bis die Dramatik des Stoffes durchbrechen kann, aber sie schafft es und nimmt einen Phasen-weise emotional stark mit, am intensivsten in jener Szene, in welcher eine junggebliebene Mutter, die in den 20er Jahren gebissen wurde, am Bett eines Altenheimes unter Tränen Abschied von ihrer greis gewordenden Tochter nimmt, die einmal kurz die Augen öffnet und ihre todgeglaubte Mutter erkennt. Meiner Meinung nach ist dies auch gleich die intensivste Szene des gesamten Streifens, ein Moment der mich emotional völlig aus dem Gleis geworfen hat.

Aus „Wir sind die Nacht“ hätte trotzdem mehr werden können, ist die Geschichte von ihrer Kritik einmal abgesehen, innerhalb des Vampirfilms doch arg verbraucht. Das deutsche Faible verleiht ihm einen Hauch Individualität, wenn die Vampire durch die Großstadt geistern, sich ihre Stimmen original deutsch gesprochen anhören, und auch so manches US-Klischee zu Hause bleiben darf. Die Love Story nimmt sich zurück und wird erst gegen Ende größer, wenn sie für die Geschichte vollends von Bedeutung wird. Letztendlich ist aber alles eine Spur zu steril und kühl ausgefallen, um einen inmitten dieser oft erzählten Geschichte vom Hocker zu reißen.

Gerne wird in Besprechungen auf den männerfeindlichen Gedanken verwiesen, auf den lesbischen Unterton, um zu kritisieren „Wir sind die Nacht“ sei durch Lenas Widerwillen ein Anti-Homo-Film, aber das ist natürlich völlig überinterpretiert und nur für jene zu entdecken, welche den wahren Schwerpunkt übersehen haben. Lena ist wahrlich nicht angetan von Louises Anmachversuchen. Sie ist verliebt in einen Mann. Und Louise will auf Teufel komm raus, dass alles so läuft wie sie es gerne hätte. Aber dies nicht weil lesbisch veranlagte Frauen im allgemeinen fehlgeleitet sind, wie man ja unterstellen müsste bei dieser Analyse, sondern weil Louise ganz persönlich ein Kontroll-Freak ist, der sich nicht in andere Menschen hineinversetzen kann weil - oh welche Überraschung - sie ein oberflächlicher Partymensch ist, der unterbewusst mit seinem drögen Leben nicht zufrieden ist, und diese Unzufriedenheit bewältigen will, indem sie anderen zeigt wie toll ihr Leben ist. Womit wir wieder beim wahren Schwerpunkt wären.

Was auch immer man reininterpretieren oder entdeckt haben möchte, „Wir sind die Nacht“ ist durchaus konsumierbar, weiß nach anfänglich schwachem Start zu gefallen, wenn man endlich die Identifikation mit Lena annehmen kann, ist aber bei weitem kein großes Stück Horrorkunst geworden wie es sie gern mal in vampirischen Stoffen zu entdecken gibt. „Blood Party“ (Alternativtitel), der im Zuge des Erfolgs von „Twilight“ entstanden ist, ist zumindest nicht wie dieser ein Girliefilm geworden, den einzig das junge Publikum konsumieren kann. Für dieses ist er doch eine Spur zu reif und kompliziert ausgefallen. Um besser zu gefallen ist er jedoch immer noch eine Spur zu restverkrampft geblieben. Zumindest ist er gut genug, dass ich ihn mir bei Zeiten sicher noch ein zweites Mal ansehen werde.


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Sonntag, 6. September 2015

SUPERBAD (2007 Greg Mottola)


Drei Teenager versprechen für eine Party Alkohol zu besorgen, da einer von ihnen einen gefälschten Ausweis hat. Was easy klingt wird durch allerhand Verwicklungen zu einer schrägen Nacht...


Ein Vogel aus Hawaii...

Ich muss schon sagen, was Party-Filme betrifft hat es Seth Rogen wahrlich drauf. Was er neulich wieder mit „The Interview“ bewiesen hat (der mir erst beim zweiten Gucken richtig gefiel), mit „Das ist das Ende“ zur Königsübung werden ließ und auf Kiffer-Basis mit ein wenig Geduld auch mit „Ananas Express“ ablieferte, sind Weiterführungen von „Superbad“ mit dem diesbezüglich alles los ging. Rogen selbst schrieb am Drehbuch mit und bescherte sich nur eine größere Nebenrolle, was Sinn macht, ist der hier besprochene Film im Gegensatz zu dem was folgen sollte doch eine Teenie-Komödie, und für die war der alte Specki definitiv zu alt.

Also musste Busen-Kumpel Jonah Hill in der Hauptrolle besetzt werden, was kein Fehler sein kann. Als ebenso gut gewählt erweist sich Michael Cera an seiner Seite und Christopher Mintz-Plasse, der hier schon ähnlich Comic-artig übertrieben agieren darf wie später in den beiden „Kick-Ass“-Filmen. Seine Darstellung des Nerd, der selbst dann noch völlig ohne Rückgrat wirkt, wenn er für den großen Helden gehalten wird, ist wahrlich witzig, wenn auch keine große Schauspielkunst. Bill Hager harmoniert wunderbar neben Rogen, so dass es kein Wunder ist, dass beide noch das ein oder andere Mal in gemeinsamen Filmen agierten. Und Emma Stone ist ein Traum und macht mit ihrer bodenständigen, natürlichen Art wieder Lust auf „Einfach zu haben“, eine völlig unterschätzte geistreiche Teenie-Komödie.

Somit spielt sie dort im Gegenteil zu hier, denn hier soll nur der Spaß am Spaß herrschen, und das bedeutet nach Rogen-Rezeptur Pimmelwitzchen, Anarchie, Drogen und herrlich schräge Dialoge - und es funktioniert. Zwar reißt „Superbad“ aufgrund seiner Teenie-Story nicht so mit wie spätere erwachsenere Party-Filme, aber dafür erfüllt der Film auch andere Kriterien die an das Jungpublikum gebunden sind. So sind die Love Storys, die sehr klein gehalten wurden, recht süß ausgefallen, und das Drehbuch geht fair und realistisch mit dem Seelenleben der Protagonisten um.

Dem gegenüber steht eine Geschichte wie sie realitätsferner nicht sein könnte und sein möchte. Damit kann man sich entweder anfreunden oder eben nicht. Es kommt wie bei jedem Rogen-Film darauf an wie angepasst man an die Political Correctness ist, oder wie sehr man sich leicht geistreichen Nonsens im Anarcho-Gewand wünscht. Leute die überall nach Niveau suchen werden ihn mit ihrem Tunnelblick selbst dann nicht finden, wenn es aufblitzt, dabei ist es in jeder Party-Komödie die von Rogen geschrieben wurde zu finden. Seine Werke sind eine Lebenseinstellung. Entweder die Mentalität passt oder nicht. In „Superbad“ wird man noch am ehesten den Kompromiss erleben, denn durch den Hauch von Story und Identifikation mit der eigenen Jugend wird vielleicht auch mancher Rogen-Nörgler noch etwas mit diesem frühen Werk voll begabter Jungstars anfangen können.

Inszeniert wurde der Streifen von Greg Mottola, der mit seinem „Paul - Ein Alien auf der Flucht“ damals die Warzeit auf Simon Peggs und Nick Frosts dritten Cornetto-Film versüßte. Im Original wurde der Außerirdische von Seth Rogen gesprochen. Ähnlich wie bei Adam Sandler-Produktionen besteht ein Familien-ähnliches Gefüge zwischen den Darstellern. Fast jeder tauchte mehr als einmal in Filmen des anderen wieder auf oder teilte sich gar die großen Rollen.

Als ich „Superbad“ damals als er neu erschien gesehen habe, fand ich ihn lediglich ganz nett. Jetzt wo ich die Familie kennen gelernt habe schaut sich der Streifen völlig anders, wesentlich lebendiger und liebevoller. Und im Gegensatz zu damals weiß ich heute die wunderbar schrägen Rogen-typischen Dialoge zu schätzen. So viel ich weiß habe ich den Film damals aber ohnehin nur halb motiviert geguckt. An die späteren Party-Filme des Autors kommt er noch immer nicht heran, aber er hat mir mit all seinen bescheuerten Situationen wahrlich viel Freude bereitet.


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