Sonntag, 29. November 2015

DAS VERSTECK - ANGST UND MORD IM MÄDCHENINTERNAT (La residencia 1969 Narciso Ibáñez Serrador)


Die junge Theresa ist die Neue in einem streng geführten Mädcheninternat, in dem alle paar Wochen Mädchen spurlos verschwinden...


Ein Internat wird zum Gefängnis...

„Das Versteck“, ein Film vom „Ein Kind zu töten“-Regisseur Serrador, wird beworben als das Werk welches Dario Argento zum legendären „Suspiria“ inspiriert haben soll. Und tatsächlich gibt es so einige Übereinstimmungen zu entdecken, so z.B. die Strenge mit welcher das Internat geleitet wird, aber auch die Ankunft einer neuen Schülerin und das Verschwinden diverser Bewohnerinnen. Im Gegensatz zum berühmten Hexen-Horror von Argento geht die Neue jedoch nicht auf Entdeckungsreise. Sie will kein Geheimnis lüften. Sie lebt lediglich ahnungslos in ihrer neuen, temporären Heimat, nichts ahnend dass das Mobben von Mitschülerinnen und die harten Strafen für Ungehorsam nicht das Schrecklichste sind was in diesem Haus vor sich geht.

Letztendlich ist jeder ahnungslos in diesem Haus. Nur der Zuschauer ist eingeweiht, und selbstverständlich der Mörder, der mit einem Messer auf italienische Giallo-Art in diesem spanischen Thriller vorgehen darf, und von dem man aufgrund zu weniger Tatverdächtiger recht schnell weiß wer er ist, auch wenn es die Auflösung offiziell erst im Finale zu sehen gibt. Dass dies „The House That Screamed“ (Alternativtitel) nicht sonderlich schadet liegt in erster Linie daran, dass es kurz vor Beginn des letzten Aktes eine unerwartete Wendung gibt, die den Zuschauer überraschen und schockieren darf und ihn dazu auffordert die Dinge fortan mit anderen Augen zu betrachten, so wie die zentrale Figur, die in dieser Phase nicht wie gewohnt weiter machen kann wie bisher, sondern nun die Schattenseiten dessen zu spüren bekommt was ihr einst nutzte.

Serrador versteht dass in seinem Film um sexuelle Unterdrückung, Machtausübung, Verrat und Folter der Killer nicht im Zentrum der Geschehnisse stehen muss. Verglichen mit anderen Filmen dieser Art werden die Morde an den jungen Frauen fast zur Nebensache. Lange und ausführlich konzentriert sich der Film auf den Alltag im Internat, auf die Banalitäten ebenso wie auf die reißerischen Aspekte. Denn es ist dieser Alltag der den Alptraum überhaupt erst hervor bringt, dem sich die Mädchen leider viel zu spät ausgesetzt sehen, zu spät, da erst kurz vor ihrem Tode begreifend.

Serrador erwartet Geduld von seinen Zuschauern ebenso wie Konzentration, die man allein schon dafür benötigt die sich oft ähnlich sehenden Schülerinnen unterscheiden zu können, die wir ebenso wie das Personal kennen lernen dürfen, ohne dass die Charakterzeichnung all zu tief ginge, jenes Element einer jeden gut erzählten Geschichte, welches uns auch innerhalb einer Unterrichtsszene als Wichtigkeit mitgeteilt wird. Wer da klagt „La residencia“ (Originaltitel) sei zu langweilig ausgefallen, der versteht den psychologischen Zusammenhang zwischen all den Dingen nicht, welche die Stimmung des Films überhaupt erst ausmachen.

Dass man freilich auch mit unwichtigen Szenen in die Irre geführt wird, von denen man glaubte sie währen für den Fortlauf der Geschichte von Bedeutung, ist ein ebenso gekonntes Spiel mit dem Zuschauer wie scheinbare Nichtigkeiten, die unerwartet von Bedeutung werden. Auch die bereits erwähnte unerwartete Wendung im letzten Drittel gehört zu diesen Kniffen die das Publikum herausfordern sollen. Und all dies entschädigt für eine teilweise recht spannungsarme Inszenierung und die vorhersehbare Täteraufdeckung, die aber zumindest eine Zusatzüberraschung bereit hält. Wenn „The Finishing School“ (Alternativtitel) einmal spannend wird, dann wird er es zumindest auch gleich richtig, z.B. in einer hervorragend unangenehmen Klaustrophobiesequenz oder in einer düster in Stille umgesetzten Szene, in welcher eines der Mädels nachts versucht aus dem verbarrikadierten Haus zu flüchten.

„Das Versteck“ ist ein Liebhaberstück für Freunde des ruhigen und psychologisch stimmigen morbiden Filmes, ein Werk welches völlig unaufgeregt erzählt ist und seinen Schrecken um so extremer auffahren lässt, wenn es dann endlich so weit ist. Das ständige Gefühl der Bedrohung und der Unterdrückung hilft dem Zuschauer dabei stets nah am Empfinden der Schülerinnen dran zu sein, während gleichzeitig auch die Seite der strengen Leiterin beleuchtet wird, von der man nie ganz weiß wie wohl oder unwohl sie sich in ihrer als Leitung aufgezwängten Rolle fühlt. Diese Nähe zu den Figuren ist schließlich auch das Geheimrezept des Streifens, der dabei hilft dass in theoretisch ereignislosen Szenen nie das Interesse des Zuschauers flöten geht, erst recht wenn dieser erkannt hat warum Serrador diese Art der Erzählung wählte.


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DIE TOTEN AUGEN DES DR. DRACULA (Operazione paura 1966 Mario Bava)


Ein vom Staat beauftragter Arzt wird in ein Dorf bestellt, da sich dort ominöse Todesfälle häufen, die alle nach Suizid aussehen. Die Dorfgemeinschaft glaubt an einen Fluch, und recht bald muss der rational denkende Arzt erkennen, dass er es hier keinesfalls mit Aberglaube zu tun hat...


Die Gruft der Familie Graps...

Mario Bava ist dafür bekannt für viele große Horror-Regisseure ein Vorbild gewesen zu sein und genießt dementsprechend weit abseits des Mainstreams einen hohen Ruf. Künstlerischer Tiefgang bringt jedoch nicht automatisch einen guten Film hervor. So haben mir Werke wie „Im Blutrausch des Satans“ und „Planet der Vampire“ trotz theoretisch guter Arbeit nur bedingt bis gar nicht gefallen, und mein bislang liebster Bava, „Shock“, war stark von Sohnemann Lamberto Bava beeinflusst. Mit den im Deutschen so blöde betitelten „Die toten Augen des Dr. Dracula“ habe ich aber nun endlich einen waschechten Film des Kult-Regisseurs gesichtet, der auch mich vollends überzeugt hat.

Mag die Geschichte auch etwas schlicht ausgefallen sein und gerade im Finale recht dünn wirken, so kann man sich doch der atmosphärischen Kraft des Streifens nicht entziehen, allein schon wegen der großartigen Fotografien tollster (morbide anmutender) Drehorte, Bilder die man auf der großen Leinwand sehen müsste um ihnen gerecht zu werden. „Operazione paura“ (Originaltitel) lässt einen allein aufgrund dessen nicht mehr los, zumal man bis zum Schluss noch staunen darf, wie gekonnt die Kamera alles einfängt, selbst wenn es sich um scheinbare Banalitäten handelt.

Jahrzehnte vor „Ring“ und der Welle die er auslöste, präsentiert uns Bava eine gespentisch wirkende Mädchen-Gestalt, die es weiß ohne eine schwarze Haarpracht, die ihr Gesicht verdeckt, zu gruseln. Blonde Haare, weit aufgerissene Augen, nur in wenigen Sequenzen wirkt der Gruselfaktor dieses Kindes zu gewollt, meist, am wirksamsten immer dann wenn es durch eine Fensterscheibe guckt, weiß allein ihr Anblick zu schockieren. Da haben auch die 49 Jahre die „Kill, Baby... Kill!“ (Alternativtitel) auf dem Buckel hat nichts dran verändert.

Vom Gesamteindruck her könnte Bavas Film kaum klassischer ausgefallen sein. Ein abergläubisches Dorf, wie wir es aus „Dracula“ kennen, Burg- und Friedhofskulissen, eine Deko so urig und reichhaltig gehalten wie in guten alten Hammer-Filmen und im Zentrum eine klassische Spukgeschichte um Rache, hier schlagen Retroherzen höher, zumal uns Bava im Gegensatz zu manch anderer seiner Werke keine Schlachtplatte präsentiert und die wahrlich schrecklichen Todesarten auch ohne groß drauf zu halten effektiv einzufangen weiß. Mit der FSK 16-Fassung besitzt man bereits den ungeschnittenen Film.

Angereichert wird die klassische Ur-Suppe aller Gothic-Horrors mit einem etwas wirr erklärten Hintergrund, in welchem der Geist selbst unter dem Einfluss einer paranormal begabten Geisteskranken steht, was dann zu jener Szene wird, in welcher man in der Deutschfassung schnell den Namen Dracula eingebaut hat (wenn auch völlig sinnlos), um den Film unter dem hier gewählten Haupttitel vermarkten zu können. Dass „Die toten Augen“ (Alternativtitel) eigentlich nichts mit Dracula zu tun hat, braucht man eigentlich nicht wirklich erwähnen. Auch Zombies bekommen wir hier nicht präsentiert, wie der Alternativtitel „Curse of the Living Dead“ vermuten lassen könnte. Bavas Streifen ist ein Geister-Gothic-Horror der klassichsten Art, hervorragend fotografiert, stimmig erzählt und lediglich gegen Ende erst eine Spur zu fad ausgefallen. Aber selbst da weiß die Optik vieles zu retten.


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Samstag, 28. November 2015

ZOMBIE ISLAND MASSACRE (1984 John N. Carter)


Eine Gruppe Touristen nimmt auf einer Insel an einem Voodoo-Ritual teil. Den Heimweg können sie nach besagter Show nicht antreten, da der Bus nicht startet. Und als ihr Reiseleiter von seinem Gang zur nächsten Telefonzelle nicht mehr zurück kommt und zudem noch ein Pärchen vermisst wird, bricht die Gruppe auf zu einem Haus in der Nähe, welches ihnen mehr Schutz bieten soll als der Bus. Auf dem Weg dorthin werden die ersten getötet. Nun ist es sicher: irgendwer trachtet den Touristen nach ihrem Leben...


Koksnasen-Zombies...

Der einzige Film des Regisseurs John N. Carter spielt viel im Dunkeln. Und dies so sehr, dass es eigentlich egal ist ob der Angreifer ein Mensch oder ein übernatürliches Wesen ist. Man kann ohnehin kaum etwas erkennen. Sicher ist nur, dass die Person mit Gräsern getarnt ist und damit aussieht wie ein rennender Busch. Unwillkürlich musste ich schmunzelnd an Monty Python denken. So stellen die sich also einen Buschmann vor. Ich hatte keine Ahnung, dass man dieses Wort auch so nutzen kann.

Es bleibt nicht allein bei diesem Beispiel, dass man „Zombie Island Massacre“ nicht ernst nehmen kann. Allein die Idee nach kurzer Wartezeit, noch fern jeglichen Gefühls echter Bedrohung, den Bus verlassen zu wollen, um ein auf dem Hinweg gesichtetes Haus in der Nähe aufzusuchen, ist purer Unsinn, selbst dann wenn bereits Gefahr drohen würde. Und die Gründe warum sich die Gruppe immer wieder trennt sind teilweise sogar noch dämlicher zu nennen. Hier war wahrlich kein Könner des Genres am Drehbuch beteiligt.

Anfangs funktioniert der Streifen auf schundige Art trotzdem noch halbwegs. Da erleben wir die Gruppe üblicher Figurenabziehbilder während einer herrlich unsinnig wirkenden Touristenattraktion, von welcher die naivsten Mitglieder der Gruppe glauben wahren Zauber miterlebt zu haben. Die ersten Attacken gehen trotz der Dunkelheit in der sie spielen ebenso als okay durch, allein schon deshalb weil nun im gruselig gemeinten Teil der Story die Urlaubsmusik ausgetauscht wird gegen die Hintergrundmusik, die man sich aus der „Freitag der 13.“-Reihe entliehen hat. An „Insel des Terrors“ (Alternativtitel) kann man erkennen wie viel ein guter Soundtrack retten kann, zumindest bis die Katastrophe komplett über das Geschehen hereinbricht.

Und dies ist irgendwann der Fall. Dann wird der Film so unangenehm schlecht, dass er sich auch als sympathischer Schund nicht mehr schön reden lässt. In der wesentlich schlechteren Hälfte des Streifens gibt es zwar den ein oder anderen ansehnlichen Mord zu sichten, inklusive einer nett getricksten Köpfungssequenz, insgesamt wird der Streifen aber zu geschwätzig und dies ausgerechnet immer dann wenn er dringendst Tempo benötigt. Im Finale wird schließlich auch noch die Horrorthematik gegen eine Gaunergeschichte ausgetauscht, wenn sich die Hintergründe alles Erlebten mit einem geplanten Drogendeal erklären lassen, das schießt den Vogel endgültig ab.

Im letzten Drittel verliert „The Last Picnic“ (Alternativtitel) nun den letzten Reiz den gutmütigste Filmfreunde noch immer empfunden haben dürften und wird endgültig zum uninteressantem Stück hingerotztem Horror-Abenteuerfilm-Mix, der seine Defizite mit keinerlei Charme oder Talent abzuschwächen weiß. Der von Troma aufgekaufte Film ist pure Zeitverschwendung. Er versprüht lediglich in jenem Bereich Sympathie, den er sich aus besagtem berühmteren Werk entliehen hat: den Soundtrack. Und das ist ja mal eine besonders schwache Leistung!


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Mittwoch, 25. November 2015

KÜSS MICH, MONSTER (Bésame Monstruo 1969 Jess Franco)


Zwei Frauen geraten zwischen die Fronten diverser Interessengemeinschaften, als sie den Mord an einem Mann aufklären wollen, der in ihren eigenen vier Wänden sterben musste. Die Ermittlungen offenbaren, dass ein Wissenschaftler scheinbar eine Entdeckung gemacht hat, die einem allerhand Macht verleiht...


Unterschrift X...

Nachdem ich nach Jahren der Misserfolge in letzter Zeit endlich einmal gleich mehrere sehenswerte Jess Franco-Filme gesichtet habe, war es nur eine Frage der Zeit wann ich wieder auf ein unangenehmes Werk des Vieldrehers stoßen würde. Die Geschichte über einen Wissenschaftler, der eine Armee Übermenschen kreieren wollte, klang ähnlich schräg wie die Geschichte des wundervollen „Eine Jungfrau in den Krallen von Frankenstein“, und da mit drei Jahren Unterschied der Abstand nicht all zu fern war, ging ich recht optimistisch an „Küss mich, Monster“ heran, von dem ich bereits im Vorfeld wusste, dass er sich trotz seiner Geschichte eher wie eine Abenteuer-Komödie als wie ein Science Fiction-Horror gucken würde.

Bislang kannte ich nur Horror- und Kriminalfilme von Franco, aber ich dachte mir aufgrund seiner sehr eigenen Herangehensweise ist das Genre eigentlich ohnehin egal, also was soll‘s. Auch nach dem Sichten dieses arg enttäuschenden ersten Franco-Ausflugs außerhalb meiner bevorzugten Filmgattungen bin ich noch dieser Meinung, schließlich kann das Genre nichts dafür wie lahmarschig „Kiss Me Monster“ (Alternativtitel) ausgefallen ist. Dass der Plot wirr und unlogisch ist, war keine Überraschung. So etwas erwarte ich bei einem Werk dieses für seine Improvisationen bekannten Regisseurs. Ich habe noch nie einen Film von ihm gesehen, in welchem es beides zugleich nicht gegeben hätte. Die wahren Schwachpunkte lagen also ganz wo anders.

Zunächst einmal muss man feststellen, dass „Das Schloss der Gehenkten“ (Alternativtitel) nicht gut gealtert ist. Die Erotik reißt nicht mehr vom Hocker, und die Komik, die meist aus den frechen Worten zweier attraktiver Girls geerntet wird, ist dermaßen überholt, dass sie selbst in ihren besten Momenten noch immer kein müdes Lächeln hervorbringt. Da die meiste Zeit nur frech geplappert und geflirtet wird, will so gar kein Interesse für die „Abenteuer“ der Freizeit-Agentinnen aufkommen, zumal sich Franco gar nicht für den so interessant klingenden Aufhänger der irren Forschungen interessiert. Letzten Endes hätten die Mädels auch ein Dokument oder ein verlorenes Halsband suchen können, die Geschichte wäre ansonsten die selbe geblieben.

Da das ganze im Gegensatz zu einem Horrorfilm auch in keinen spannenden Grundton gepackt wurde, sondern passend zum Genre und zur Kulisse mit entspannender Urlaubsmusik untermalt, will auch kein bisschen Stimmung üblicher mir bekannter Franco-Filme entstehen, ein Umstand mit dem ich beim Genre-Wechsel rechnen musste, der jedoch zum Makel wird, wenn man sich tödlichst langweilt. Eine pessimistische Stimmung wusste selbst den arg einschläfernden „Eine Jungfrau in den Krallen von Zombies“ eine Zeit lang interessanter wirken zu lassen als er tatsächlich war. Solch ein Pluspunkt fehlt „Castle of the Doomed“ (Alternativtitel) leider komplett.

Für einen kurzen Augenblick wird es kurz vor Schluss einmal interessanter, wenn die Protagonisten das Rätsel einer Mühle lüften, aber selbst das ist nicht von langer Dauer. Ein ständiger Umwurf bislang geglaubter Wahrheiten interessiert gegen Ende auch niemanden mehr, aber zumindest konnte Franco diesbezüglich schon einmal für die Wallace und Sohn-Filme üben, die er in den 70er Jahren gedreht hat. Erwähnenswert ist lediglich noch ein kurzer Abstecher zum Thema Geheimbünde, da erwarten uns wunderliche Menschen in Ku-Klux-ähnlichen Kutten, jedoch in schwarz gehalten, in einer wenig aufregenden Szene, nur damit wir sie bei ihrem zweiten Auftritt in einer ebenfalls uninteressanten Szene auch gleich sterben sehen dürfen.

Das beweist, dass selbst die theoretisch interessant klingenden Randerscheinungen nicht viel unterhaltsamer ausfallen als das schnarchige Flirten strippender Hobby-Kriminalisten, welches den Hauptteil von „Bésame Monstruo“ (Originaltitel) ausmacht. Da mir klar war irgendwann wieder auf einen schlechten Franco zu stoßen, verdirbt mir der Film nicht den Ansporn meinen aktuellen Franco-Marathon fortzusetzen. Aber ein bisschen enttäuscht bin ich schon, dass dieses 60er Jahre-Werk mir so gar keine Freude bereitet hat, nicht einmal kurzfristig zu Beginn, wie bei so vielen anderen schlechten Francos.

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Sonntag, 22. November 2015

EINE JUNGFRAU IN DEN KRALLEN VON FRANKENSTEIN (La maldición de Frankenstein 1972 Jess Franco)


Ein irrer Wissenschaftler klaut mit Hilfe einer Vogelfrau Professor Frankenstein die frisch erweckte Kreatur, damit diese sich mit einer jungen Frau fortpflanzt um eine neue Rasse zu erschaffen, welche das menschliche Leben auf diesem Planeten auslöschen soll...


Der Tiefenstrahl hilft Papa sprechen...

Wenn man einmal bedenkt wie oft der Name Frankenstein, aufgrund dessen dass kein Copyright-Schutz auf den Begriff liegt, für Filmtitel genutzt wurde die nichts mit ihm zu tun haben, darf man in einem europäischen Trashfilm der 70er Jahre fast schon überrascht sein, wenn es unter dem Titel „Eine Jungfrau in den Krallen von Frankenstein“ u.a. tatsächlich um den Mann geht der es schaffte eine Leiche wiederzuerwecken. Im Gegensatz zu den vielen anderen Werken um diesen Forscher wird Frankenstein hier lediglich als wissenschaftliches Genie gefeiert, einen Mann den man ehren muss.

Als größenwahnsinnig gilt erst der tatsächlich noch durchgeknalltere Dr. Cagliostro, eine Art unsterbliches, da immer wieder neu geborenes, Wesen (ein Scientologe?), der so wahnsinnig ist, dass man keine seiner unsinnigen Taten je hinterfragen würde. Warum sollte man nicht eine Vogelfrau züchten, die Menschheit vernichten wollen, seine Botschaft stets per Gedankenkraft von wem anders verkünden lassen während man höchstpersönlich daneben steht oder Frankensteins Kreatur mit einem menschlichen Wesen ficken lassen? Es ist dieser Wahnsinn der in der Luft schwebt, der Francos Werk so entspannt gucken lässt. Hier ist alles möglich, und nach Sinn und Unsinn wird nie gefragt, denn wir blicken in eine fiktive Horrorwelt in welcher Klischees zum Alltag werden und Schwachsinn als Normalität betrachtet wird.

Franco taucht diese schrille bis groteske Welt schlicht abgefilmt in stimmige Bilder (am schönsten schaut sich der Gang in weiße Laken gekleideter Zombies durch einen nebligen Wald), untermalt es musikalisch mit stimmungsvoller spontan heruntergedudelt klingender Orgelmusik. Einmal durfte es zur Abwechslung in einem theoretisch spannenden Moment auch eine fröhliche Musikuntermalung sein, welche eher in eine Komödie hineingepasst hätte. Aber wer weiß, vielleicht hat Franco dies eingebaut um zwischen den Zeilen zu suggerieren dass all das spinnernde Treiben hier lediglich augenzwinkernd gemeint ist. Zweifeln darf man da bei Franco schon, versteht man den guten Mann doch eigentlich ohnehin nicht. Aber man weiß zumindest zu schätzen dass er all diesen Irrsinn ernst abfilmt und nicht wirklich versucht komödiantisch zu arbeiten.

„Das Blutgericht der gequälten Frauen“ (Alternativtitel) ist ein wunderbarer Mix aus stimmigem Schundfilm und zum Schenkelklopfen einladendem Trash. Da soll mal einer argumentativ gegenhalten bei all dem amüsanten Treiben das man hier vorgesetzt bekommt und all den Unsinnigkeiten, die sich auch im hier geschaffenen Horroruniversum nicht erklären lassen. Als besonders unfreiwillig komisch habe ich es empfunden, dass der verantwortliche Kommissar jegliche Polizeiarbeit, blauäugig könnte man diese Taten Ermittlungen nennen, einem mit ihm arbeitenden Wissenschaftler überlässt, während er selbst immer nichts tuend neben ihm hertrottet und dabei ein wenig wie Dr. Watson aus den Sherlock Holmes-Geschichten wirkt. Erst gegen Ende darf er einmal aktiv tätig werden, und da besteht seine Aufgabe lediglich darin mit einer Pistole auf diverse Feinde zu schießen.

Lustig ist auch aufgrund des billigen Produktionsniveaus, dass man einige Zeit als Zuschauer am rätseln ist, ob die Gestalten die in Cagliostros Schloss ein und aus gehen mit ihren Totenkopfmasken schräge Gäste in Kostümen sind, so wie die Partygesellschaft Franknfurters aus „Die Rocky Horror Picture Show“, oder ob sie wirklich übernatürliche Wesen sein sollen. Irgendwann wird man von Franco aufgeklärt, und diese Bande fröhlicher Karnevalisten sollen dann tatsächlich Zombies darstellen, deren Verwesungsprozess der mächtige Wissenschaftler nicht aufhalten konnte.

Zudem weiß ein silbernes Frankensteinmonster zu belustigen, ein ewig für wenige Minuten wiedererweckter Frankenstein, der, obwohl er weiß dass er nur wenig Zeit hat, bei seinen Erklärungen immer unnötig ausschweift anstatt ganz rational, wie es typisch für einen Wissenschaftler wäre, auf den Punkt zu kommen. „The Erotic Rites of Frankenstein“ (Alternativtitel zu einer Alternativfassung) steckt so voller liebenswerter bescheuerter Ideen, dass es eine Freude ist ihn zu sichten, auch wenn der etwas arg zähe Stil Francos die meist flüssige Ambiente hin und wieder auszubremsen weiß. Freunde des vergangenen unheimlichen Europa-Kinos sollten unbedingt mal einen Blick riskieren, gerade dann wenn sie Spaß an irren Ideen in trashiger Umsetzung haben.


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DIE SÄGE DES TODES (1981 Jess Franco)


Ein Serienkiller tötet Studentinnen. Ist der gerade erst nach fünf Jahren Therapie aus der Nervenheilanstalt entlassene Miguel der Täter?...


Von einem Auto das läuft wie eine Nähmaschine...

Als die Slasherwelle mit „Freitag der 13.“ als Zugpferd gerade so richtig gut lief, da engagierte man in Deutschland den Vielfilmer Jess Franco damit er ebenfalls einen Film dieser Art abliefert. Zwar hat dieser mit dem hier vorliegenden Streifen eines seiner massenkompatibelsten Werke abgeliefert, wie ein Film im Fahrwasser von „The Burning“, „Blutiger Valentinstag“ und Co will er sich jedoch einfach nicht gucken. Und deutsches Flair wird ebenso wenig versprüht, was sicherlich gar nicht erst gewollt war, so klassisch südländisch sich das Ergebnis doch guckt. „Sexmord“ (Alternativtitel) wirkt in seiner fertigen Art ein wenig wie ein Giallo (trotz spanischer anstatt italienischer Herkunft) dem man eine Slasherstory aufgezwungen hat.

Dementsprechend fehlen erwachsene Helden, welche aus privatem Anlass die Arbeit der Polizei übernehmen. Sie werden ausgetauscht für die für das Sub-Genre obligatorischen Teenagerinnen. Ein wirrer Plot in schnell heruntergedrehter Optik mit mangelndem Verständnis für Zusammenhänge und der Kunst den Zuschauer so an die Hand zu nehmen, dass dieser auch alles begreift, sind der Grund für das fremdartige Flair, welches „Bloody Moon“ (Alternativtitel) zu einem Bastard der mit ihm beworbenen Filmgattung macht, der er eigentlich nur bedingt angehört.

Auf Schundfilmebene macht Francos Pseudo-Slasher jedoch Freude, warum auch immer, besteht er außerhalb seiner Mordsequenzen doch eigentlich nur aus uninspiriert umgesetzten Füllszenen, in welchen wahrlich nicht wichtig ist was überhaupt passiert. Das merkt man allein schon daran, dass nie eines der Opfer wirklich vermisst wird. Das wirkt hier nicht so unlogisch wie in manch anderem Horrorstreifen, eben weil alles arg zusammenhanglos erscheint und besagter Punkt damit gar nicht mehr ins Gewicht fällt.

Es ist verständlich dass ein solch arg reißerisch umgesetzter Film in talentlosem Gewand auch zu belustigen weiß. Spätestens mit der Begründung der Taten sprudelt „Profonde tenebre“ (Alternativtitel) nur so vor unfreiwilliger Komik, gibt es doch keinen Grund dafür warum bei einem hinterhältig ausgetüftelten Plan der Täter so sadistisch zu Werk gehen sollte wie hier geschehen. Die Mordmethoden sind äußerst drastisch, gerade zu pervers in ihrer Brutalität. Und das will sich mit einer Art Kriminalfilm-Erklärung so gar nicht abdecken. Aber psychologische Zusammenhänge waren Franco schon immer fremd.

Gorehounds werden mit den Mordszenen trotzdem nicht glücklich werden, sind sie doch äußerst harmlos ausgefallen, abgesehen von der im Titel erwähnten Sägeszene, die keineswegs wie bei „Pieces" und „Blutgericht in Texas" das Zentrum der Geschichte darstellt, wie man bei der Namensgebung des Filmes meinen könnte. Allerdings ist bei dieser drastischen Szene das Verwenden eines künstlichen Kopfes sofort erkennbar, so dass selbst dieser brutale Moment eher zum lächeln anstatt zum kotzen einlädt.

Nach einem sehr langsam und nüchtern voranschreitendem Film darf im Finale urplötzlich in enormen Tempo die Post abgehen. Da wird es noch einmal eine Spur wilder und brutaler in einem Szenario, in welchem Slasher-untypisch jeder gegen jeden kämpft und die Heldin auf eine recht ungewöhnliche Art dem Tode entkommt. Hier macht Franco noch einmal sehr deutlich, dass ihm das von den USA aufgezwängte Korsett, nach welchem ein jeder Slasher zu funktionieren hat, überhaupt nicht schmeckt, und dass er lieber tut war er meistens tut: einfach mal intuitiv drauf los erzählen.

Verglichen mit seinen üblichen Filmen, gerade dem sehr extrem ausgefallenen „Jungfrau unter Kannibalen“, hält er sich damit trotzdem stark zurück. Wie bereits erwähnt ist „Bloody Moon - Die Säge des Grauens“ (Alternativtitel) einer seiner massentauglichsten Kompromisse. Im Vergleich mit den Standard-Slashern aus Amerika und Kanada guckt sich diese deutsch-spanische Co-Produktion jedoch völlig anders, gerade für Nichtkenner von Franco oder vom europäischen Horrorkino der 70er und 80er Jahre allgemein, das schon immer andere Schwerpunkte setzte und kreativ freier ausfallen durfte als die übliche Stangenware des Mainstreams.


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Samstag, 21. November 2015

WAS IST MIT BOB? (What About Bob? 1991 Frank Oz)


Der neue Psychiater des stark gestörten Bob Wiley fährt nach der ersten gemeinsamen Sitzung in Urlaub. Bob ist begeistert von dem Mann und dementsprechend frustriert dass er für einen Monat verreist ist. Bob findet mit List und Tücke heraus wo dessen Urlaubsort ist. Er reist ihm hinterher und wirbelt vor Ort das Leben des von ihm angebeten Kontroll-Freaks ordentlich durcheinander. Im Gegensatz zum Psychiater kann dessen Familie Bob unglaublich gut leiden. Während Bob aufgrund der Herzlichkeit der Familie psychisch immer mehr gesundet, geht es mit dem Geisteszustand des Psychiaters immer weiter bergab...


Ich fühl mich gut. Ich fühl mich toll. Ich fühl mich wundervoll...

Frank Oz in der Regie, Bill Murray und Richard Dreyfuss in den Hauptrollen und Julie Hagerty, die bereits in „Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug“ bewiesen hat wie augenzwinkernd sie die naive (Ehe)Frau darzustellen weiß, in einer Nebenrolle, allein das sind vier Argumente die bereits für den großartigen „Was ist mit Bob?“ sprechen, einem Film der noch die Komödienluft der 80er Jahre atmet, meiner Lieblingszeit US-amerikanischer Komödien. Die Geschichte selbst wird mit den beiden Stars im Zentrum gar zum Selbstläufer, so dass es überhaupt nicht stört dass vieles vom eigentlichen Handlungsablauf vorhersehbar ist. Denn hier kommt es auf das wie an, und das ist treffsicher eingefangen mit gezielter Pointensetzung.

Wie gut „What About Bob?“ (Originaltitel) ist, lässt sich allein daran erkennen wie gekonnt Oz sich dem geistigen Abdriften des Psychiaters nähert, das keinesfalls zu ruckartig daher kommt und recht clever vorbereitet wird. Ohnehin ist diese Komödie keine gedankenlose unüberlegte Klamauk-Chose. Spielfreudige Stars unterstützen hier ein cleveres Drehbuch, welches genau weiß warum es welchen Bereich des Lebens wie parodiert. Die Schwächen von Psychiatern und die Vorurteilen über sie werden genauso auf die Spitze getrieben wie jeder weitere gesellschaftliche Aspekt den der Streifen aufgreift. Dabei geht kein Witz auf Kosten der Charaktere, die für das Gelingen des Humorbereichs im Mittelpunkt stehen und tiefgründig genug ausgefallen sind, so dass das ganze so funktioniert, dass man weder zu verkopft noch zu dümmlich unterhalten wird.

Privat sollen sich die beiden Hauptdarsteller nicht verstanden haben. Das wird ihnen sicher dabei geholfen haben sich in ihren Rollen zurecht zu finden. Aber wir reden hier von zwei wahrlich großen Leuten ihres Fachs, die bis auf die kleinste Mimik genau wissen wie die Figur und die jeweilige Situation zu verstehen ist. Es ist, wie so oft im Kino bis in die 80er Jahre hinein, in Kombination mit taltentierten Mimen das psychologische Verständnis des Autors, der das tatsächliche Funktionieren des Streifens ausmacht. Das Verständnis wie Charaktere funktionieren, wie sie zu dem wurden was sie sind, und warum sie zu dem werden was sie am Schluss sind, aufgrund eines Verstehens darüber welche Situation und Tat welchen Einfluss auf den jeweiligen Charakter und zukünftige Situationen hat. Das ist eine Stärke die im modernen Kino immer mehr verloren geht und damit solch stumpfe Werke wie „Die Wutprobe“ hervorbringt.

„Was ist mit Bob?“ guckt sich trotz seiner humoristischen Intelligenz locker leicht, bzw. gerade deswegen, eben weil man sich nicht krampfartig in eine Situation hinein schreibt, die man psychologisch nicht versteht. „Was ist mit Bob?“ ist gut beobachtetes Kino, welches einer herrlich übertriebenen Comic-artigen Idee nachgeht und in jedem Moment weiß was es gerade erzählen möchte, frei von Publikums-Anbiederung, Kitschmomenten, sowie idealistischem und moralischem Getue. Unterstützt wird das clevere Drehbuch dabei von einem hervorragenden Cast in den Händen eines begnadeten Regisseurs, der bereits einige Jahre zuvor mit „Zwei hinreißend verdorbene Schurken“ bewies wie geistreiche Komik aussehen kann.


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Donnerstag, 19. November 2015

JUNGFRAU UNTER KANNIBALEN (Il cacciatore di uomini 1980 Jess Franco)


Ein Vietnam-Veteran wird beauftragt die als Geisel genommene Schauspielerin Laura Crawford zu retten. Diese wird auf einer Insel gefangen gehalten, auf welcher Wilde ihrem Gott Menschen opfern...


Warum schießen immer alle auf uns?...

Man muss sich bereits von Anfang an an den unkonventionellen Stil Jess Francos gewöhnen, der mal wieder unter einem Pseudonym tätig war als er „Jungrau unter Kannibalen“ drehte. Allein was uns zu Beginn an wild geschnittenen Szenenwechseln beschert wird, gerne häufiger als im Minutentakt, sprengt bereits die üblichen Sehgewohnheiten. Aber dafür ist der Regisseur nun ja bekannt, ebenso für seine Methode improvisiert an Filme heran zu gehen. Das erklärt dann auch den äußerst wirren und gerne hin und wieder widersprüchlichen Plot, wenn man die ziemlich dahingeschluderte Story denn so nennen mag.

Die geht entgegen dem was uns der deutsche Titel einreden mag eben nicht um Kannibalen, und um eine Jungfrau schon gar nicht, zumindest spätestens nach einer halben Stunde, wenn besagte Jungfrau vom Anführer der Entführer vergewaltigt wird. Die „Kannibalen“ selbst sind lediglich Wilde die ihrem Gott Menschenopfer bescheren, vielleicht auch lediglich einem Monster, so genau lässt sich nicht sagen ob das Monster, das wie ein Zombie aussieht und der einzige Kannibale des Streifens ist, als Gottheit verehrt wird oder ob es lediglich besänftigt werden soll, zeigt uns Franco doch am Schluss ein erleichtertes Volk Eingeborener nach dem Tod der Bestie. Den Tod eines Gottes würde man wohl kaum bejubeln.

Letztendlich ist das aber auch egal, denn die Handlung ist wie bereits erwähnt äußerst wirr ausgefallen und der komplette Streifen billigst heruntergedreht ohne auf irgendwelche Feinheiten, egal welcher Art, zu achten. Im Gegensatz zu den meist anderen von mir gesichteten Franco-Filmen funktioniert das sogar halbwegs, was neben der 70er Jahre-Stimmung des 1980 gedrehten Filmes u.a. auch an der Hintergrundmusik liegt, die Bongo-Trommeln und Orgelmusik mischt und hin und wieder eine Art Apachen-Gesang über diesen wilden Mix legt. Das weiß eher auf trashige Art zu wirken als auf stimmige, aber so oder so wird es zu einem Pluspunkt in einem Film, den kaum wer aushalten dürfte, so hingerotzt er sich eigentlich guckt.

Ich weiß nicht genau warum ich trotzdem eine gewisse Sympathie zu dem Film hege. Vielleicht weil er einfach so eine ehrliche Ausstrahlung besitzt, macht er uns doch nie vor ein klassisch erzählter Film sein zu wollen. Und im Gegensatz zu den meisten mir bekannten Werken des Regisseurs ist „The Devil Hunter“ (Alternativtitel) auch nicht langweilig ausgefallen. Er schaut sich einfach nur völlig bescheuert.

Dies nicht nur weil er inhaltlich so stümperhaft wirkt, auch wegen manch typischer Eigenart Francos, so zum Beispiel seine lüsterne Art mit welcher er Szenen abfilmt. Da müssen Frauen nicht nur meist nackt sein, der alte Stelzbock liebt es auch immer wieder unnötig so nah wie möglich an die Intimzonen der Frauen heran zu zoomen. Warum dem Zuschauer verweigern was er sich heimlich wünscht? Manch zarter Popo als angenehme Aufnahme steht da manch wucherndem Intimbusch als unangenehme Aufnahme gegenüber, aber letztendlich lädt diese Provokation so oder so zum Schmunzeln ein und, ob gewollt oder nicht, weiß eine solche Szene damit bei mir zu ziehen.

Ich könnte nun nicht wirklich ein Loblied auf diesen sonderbaren Film anstimmen, er ist lediglich im Vergleich angenehmer zu schauen als viele andere Filme des Vieldrehers. Und wahrscheinlich habe ich auch einen besonders geduldigen Tag erwischt, wo dieser theoretische Scheiß doch eigentlich zum Ausschalten animieren sollte. Aber ähnlich wie bei „Dawn of the Mummy“ ist da etwas nicht Greifbares das mir gefällt, eine gewisse Stimmung, die sich erst entfacht wenn man sich eine Zeit lang in „Mandingo Manhunter“ (Alternativtitel) hineingeguckt hat. Freaks völlig ungewöhnlicher Filme sei dieser Beitrag des Kannibalenfilms also als Experiment ans Herz gelegt, auch wenn man eigentlich jedem von diesem Streifen abraten sollte.


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DIE WEISSE GÖTTIN DER KANNIBALEN (La montagna del dio cannibale 1978 Sergio Martino)


Helen Fielding heuert den Profi Edward Foster für einen Rettungstrupp an, als ihr Mann Henry im Dschungel von Neu-Guinea verschollen geht und für tot erklärt wird. Sie selbst nimmt auch an der Expedition teil, die an einem anderen Ort stattfindet als seinerzeit die ereignislose offizielle Suche. Foster glaubt aufgrund seiner Erfahrung dass Henry auf einer Insel geforscht haben muss, die als verflucht gilt und auf welcher der Kannibalenstamm der Puca haust...


Was die Blonde unmittelbar vor ihrer Gottwerdung erlebte...

Wer aufgrund des hochgradig trashig ausgefallenen „Torso“ glaubt Regisseur Sergio Martino sei nicht zu mehr fähig, der irrt. Das zeigt sein Beitrag des Kannibalen-Genres „Die weiße Göttin der Kannibalen“ sehr deutlich, der zwar bei weitem nicht das Niveau der sensiblen und gesellschaftskritischen Werke Deodatos zu diesem Thema besitzt („Mondo Cannibale 2“, „Nackt und zerfleischt“), jedoch auch nicht so plump daher kommt wie Umberto Lenzis reißerische Werke („Die Rache der Kannibalen“, „Lebendig gefressen“), geschweige denn so dreist wie Jess Francos „Mondo Cannibale 4“.

Wie fast schon selbstverständlich ist auch der hier besprochene Kannibalenfilm nicht frei von reißerischen Elementen. Allein die Auswahl der Naturaufnahmen, welche Tiere vorführen die andere fressen, zeigen aufgrund ihres langen Draufhaltens und dem Reiz dessen wer da von wem gefressen wird, dass solche Momente nicht rein der fremden Ambiente wegen eingebaut wurden. Ebenso effekthascherisch kommt die ein oder andere Wendung der Geschichte daher, mancher Aufhänger und die überzeichneten Klischeefiguren fügen sich ebenso ins reißerische Gesamtbild des Filmes ein. Aufgrund seiner ruhigen und stimmigen Erzählung würde man das dem Streifen jedoch nie wirklich vorwerfen, zumal er keinen Hehl daraus macht, dass er nur des Unterhaltungswertes wegen gedreht wurde. Wo Lenzi Deodatos Zivilisationskritik auf plumpe Art imitiert, da liefert Martino lediglich einen Abenteuerfilm in starker Atmosphäre ab.

Eine herrlich unnötige, aber doch recht effektive Kroko-Attacke scheint Martino Geschmack auf mehr gemacht zu haben, drehte er nach „Slave of the Cannibal God“ (Alternativtitel) doch „Fluss der Mörderkrokodile“, der allein schon deswegen sehenswert ist, weil er vor „Der Horror-Alligator“ entstand und deswegen noch völlig anders erzählt ist als der typische Kroko-Horror. So selbstständig wie dieser kommt sein Kannibalenfilm nicht daher, erzählt er doch wie so viele von einer Rettungsaktion mit endlosem Wandern durch den Urwald, wobei gerade diesbezüglich ein kleiner Hauch unfreiwilliger Komik entsteht, wenn der große Experte selbst dann wie wild seine Forke schwingt, wenn das Geäst alles andere als dicht ist.

Ansonsten sei aber mitgeteilt dass es höchstens noch aufgrund der reißerischen Grundhaltung etwas zu belächeln gibt. Insgesamt weiß „Prisoner of the Cannibal God“ (Alternativtitel) angenehm, wenn auch lediglich nur routiniert, zu unterhalten. Trotz ewigem Herumschreitens durch die fremdartige Botanik bremst sich der Streifen nie aus, was vielleicht auch an seinem ungewöhnlichen Umgang mit den Figuren liegt, spätestens wenn sich der wahre Held der Geschichte als jener herausstellt, der erst zur Mitte der Geschichte eingeführt wird und gegen den bislang vermuteten ausgetauscht wird. Auch den etwas einseitig charakterisierten Aggressor der Gruppe weiß Martino für ein Täuschungsmanöver zu nutzen, dessen Verhalten zu einer überraschenden Auflösung führt, die rückblickend jedoch nicht nötig gewesen wäre, so schnell wie sich hinterher die Begebenheiten der Geschichte ändern und die aufgedeckte Wahrheit keine Relevanz mehr besitzt.

„Mountain of Cannibal Gods“ (Alternativtitel) ist nie wirklich glaubwürdig, aber das stört aufgrund seines Unterhaltungswertes wenig. Warum der verschollene Henry von den Kannibalen für einen Gott gehalten wurde mag sich beim Gucken selbst als recht interessante Idee anfühlen, ist aber kein wirklich cleverer Kniff der Geschichte. Die Rituale eines friedlichen Wildenstammes mögen für den Ekeleffekt und der Sympathie an der Fremde stimmig eingesetzt sein, aber auch hier kann man nicht wirklich von Glaubwürdigkeit sprechen, erst recht wenn man diesbezüglich bereits von den recht authentischen Deodato-Werken verwöhnt wurde. Auch das Zusammenleben der Wilden mit einem Missionar wirft mehr Fragen auf als Glaubwürdigkeiten, könnte aber zumindest erklären warum so viele Ureinwohner zivilisierte Haarschnitte tragen.

Trotz alledem und teilweise auch deswegen weiß der mit (dem hin und wieder nackt agierenden) Bond-Girl Ursula Andress so prominent besetzte Film zu unterhalten, der in seinen Kannibalenszenen ebenso wie im Rest der Story meist auf Geschmacklosigkeiten verzichtet, zumindest im Vergleich zu dem was in diesem Sub-Genre üblich war. Wer also Spaß an europäischen Abenteuerfilmen der 70er und 80er Jahre hat, die mit Goremomenten bereichert wurden, der dürfte eigentlich mit „La montagna del dio cannibale" (Originaltitel) recht gut unterhalten werden, vorausgesetzt man sucht keinerlei Tiefsinn oder wahres Talent - mal abgesehen vom Soundtrack der Brüder de Angelis, welcher die Geschichte tatsächlich gekonnt zu untermalen weiß.

Sonntag, 15. November 2015

ICE CREAM MAN (1995 Paul Norman)


Als Kind musste er mit ansehen wie sein großes Vorbild, der Eiscreme-König, ermordet wurde. Nun, nach einer längeren Therapie in einer Anstalt, ist Gregory selbst ein Eisverkäufer. Gelegentlich tötet er Mensch oder Tier, um sie als Geheimzutat in sein Eis zu mischen. Als er sich hierfür ein Kind schnappt, wird er von einem anderen Kind dabei erwischt, dem kein Erwachsener glaubt. Von nun an versucht eine Gruppe Kinder den Eiscreme-Prinzen zu überführen, während dieser versucht der Lage Herr zu werden, indem er sich nach und nach die Kinder schnappt...


Der Rattenfänger vom Nordpol...

Was soll man sagen? Knapp daneben ist auch vorbei. „Ice Cream Man“ hätte durchaus der kleine augenzwinkernde Horrorfilm für zwischendurch werden können, wäre dann auch nichts besonderes, geschweige denn etwas hervorstechendes, aber zumindest zu Unterhaltungszwecken geglückt. Aber so wirklich will der Streifen nicht funktionieren, obwohl er es fast eine Stunde lang tut. Leider bremst sich der Film im letzten Drittel stark aus, u.a. mit einer unnötig langen Sequenz, in welcher Ermittler auf ein schreckliches Geheimnis stoßen, wenn sie Gregorys ehemaliger Nervenheilanstalt einen Besuch abstatten.

Unter anderem aber auch, weil die finale Mörderhatz so gar keinen Schwung besitzt und der Eiscreme-Mann zu bemüht zur Sache geht. Besonders nervig fällt nun die Hintergrundmusik auf, die bereits zuvor sehr billig vor sich hin dudelte, nun aber Spannung erzeugen möchte und dabei als eine Art hektische Fahrstuhlmusik vom Band definitiv nur nervt. Selten hat ein „Soundtrack“ meine Geduld derart auf die Probe gestellt wie dieser hier, und das ist schon ärgerlich wenn man es zuvor doch mit einem sympathischem, kleinen Film mit netter Story zu tun hatte, dem lediglich seine zu billig geratene Synchronisation im Weg war.

Clint Howard ist nun kein Schauspieler der für wahren Schrecken sorgt. Gregory ist kein zweiter Freddy Krueger. Aber er wirkt herrlich wunderlich, und seine Taten, die gerne mal so grotesk ausfallen wie das erwachsene Umfeld der Kinder, machen einiges wieder wett, allen voran die auf dem deutschen DVD-Cover bereits verratende Idee, wenn Gregory den Kopf eines seiner Opfer auf eine überdimensionale Waffel setzt. Schön ist es auch mit ansehen zu dürfen, wenn der Psychopath auf „Space Invaders“-Art mit zwei Köpfen seiner Opfer den Kindern ein Kasperletheater vorspielt.

Etwas weniger überzeugend ist die Idee, dass sich Gregory einen der kleinen Jungs als Hausgast hält, der mit Freude, da eine ähnlich einsame Kindheit erlebend wie der Eismann, dabei zusehen darf wie Gregory Eis herstellt. Damit wird zwar der vorhersehbare Schluss-Gag vorbereitet, dem Zuschauer will jedoch nie ganz klar werden wie freiwillig oder unfreiwillig der Junge nun dort abhängen mag, der zwar immer wieder eingekerkert wird und zuvor mit ansehen musste wie sich der Psychopath einen seiner Freunde geschnappt hat, bei der gemeinsamen Eiscreme-Herstellung jedoch mit einer sichtbaren Freude als wahrer Kumpel vor Ort ist.

Aber der Blick in die Welt des „Ice Cream Man“ und seiner Kleinstadt in der er tätig ist, ist ohnehin eine schräge, verschrobene, die gerne die groteske Note eines „Edward mit den Scherenhänden“ erreichen würde, dabei aber keinesfalls so zielsicher vorgeht wie es Burton tat. Ein paar eher zufällig wirkende Treffer zielen in die richtige Richtung, insgesamt wirkt das die Kinderwelt ignorierende Treiben der egoistischen Erwachsenen trotz all seines Charmes doch eine Spur zu bemüht, so wie es der ganze Film über eigentlich tut, selbst in seiner guten Phase. Und wenn das Unglück der etwas zu lahmen Inszenierung schließlich hereinbricht, bricht es „Ice Cream Man“ fast das Genick, und man ist trotz der zuvor so vergnüglichen Zeit froh wenn der Streifen schließlich endet.

Schade, denn eigentlich hätte „Ice Cream Man“ das typisch routinierte Horrorfilm-Produkt der 90er Jahre werden können: bunt, familienfreundlich und augenzwinkernd, also nicht unbedingt ein Leckerbissen für jedermann im Horror-Genre, aber ein durchaus sympathisches Vergnügen für augenzwinkernde Zuschauer mit Spaß am Retro-Charme besagten Jahrzehnts. Aber wie gesagt ist knapp daneben auch vorbei in Norman Apsteins (alias Paul Normans) einziger Regiearbeit ohne Erotikaspekt. Neben dem hier besprochenen Streifen drehte der ehemalige Jungdarsteller aus „Das Dorf der Verdammten“ außerhalb des Pornobereichs lediglich „Die erotischen Abenteuer der drei Musketiere“. Von seiner Neigung zur Regie bei Sexfilmen ist in „Ice Cream Man“ glücklicher Weise überhaupt nichts zu spüren.

P.S.: Erwähnenswert wäre noch die Tatsache, dass hier ein Schauspieler mitspielt, der sich das herrliche Pseudonym Lee Majors II gegeben hat. Ich habe nachgeguckt. Unter diesem Namen hat er in keinem Pornofilm mitgespielt. Das hätte man aufgrund von Paul Normans Haupt-Karriere schließlich vermuten können bei solch schräger Namensgebung.


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DER GREIFER (1958 Eugen York)


Der nach Intuition arbeitende Hauptkommissar „Der Greifer" Dennert wird inmitten seines Bemühens einen mehrfachen Frauenmörder zu überführen pensioniert. Privat ermittelt er mit Hilfe befreundeter Kleinkrimineller weiter...


Frauenmörder und Lebensretter...

Trotz deutlicher Parallelen zu Fritz Langs „M“ und den im selben Jahr von „Der Greifer“ erschienenden „Es geschah am hellichten Tag“ interessiert sich der Film von Eugen York nur zweitrangig für den zentralen Kriminalfall. Es macht Sinn dass der Ermittler im Titel steht, denn die zwischenmenschliche Tragikomik des Hauptkommissars ist das Hauptaugenmerk des Streifens. Deswegen dauert es auch einige Zeit bis tatsächlich vor den Augen des Zuschauers Ermittlungen angegangen werden. Stattdessen dürfen wir zunächst dabei zusehen wie der alte Mann mit Ganoven feiert, ein Lied wird gesungen, und mit dieser Szene bricht der zuvor gesetzte biedere Blick auf die strenge Trennung Gut und Böse und das charakterlose Gesicht der Pflicht-bewussten Gesetzeshüter, die lediglich dafür gedacht war das starre Denken der Polizei zu kritisieren. Das nenne ich doch mal einen raffinierten Kniff, den ich einem 50er Jahre-Film mit Hans Albers nie zugetraut hätte.

So bieder „The Copper“ (Alternativtitel) aufgrund seiner Zeit manches Mal auch wirken mag, er ist ein moderner Film, frei von Vorurteilen und Klischees. Er gibt das Leben wieder wie es ist, und wirkt damit gerade in heutigen Zeiten, in denen man manche Wahrheit nur hinter vorgehaltener Hand zu äußern wagt, mutig und frisch. Zudem zeigt uns dieses Werk, dass sich die Zeiten letztendlich doch nie wirklich geändert haben. Die Angst vor Arbeitslosigkeit im Alter ist nur eines der Themen, die aktuell wie eh und je scheinen in einem Film, der immerhin fast 60 Jahre auf dem Buckel hat.

York schafft es Witz, Spannung und Dramatik gekonnt unter einen Hut zu bringen in einem Film, der sich viel Zeit und Ruhe für die Charaktere gönnt, in seinen harten Moment andererseits jedoch eine Extreme aufweist, die sogar schon manche Provokation des erst viel später erscheinenden „Dirty Harry“ bereit hält. Wenn der gesuchte Frauenmörder zum Lebensretter eines kleinen Kindes wird, dann darf man sich aufgewühlt und verwirrt fühlen, dann zeigt „Der Greifer“ wie vielschichtig das Leben ist und dass es voller Widersprüche steckt. Wenn aus dem Lebensretter eines Kindes ein Amokläufer wird, der viele Kinderleben in Gefahr bringt, wird das Bild wieder herumgeworfen, jedoch nicht damit der Zuschauer beruhigt in sein altes Weltbild zurück fallen kann, sondern um ihn erneut aufzuwühlen und zu verwirren. Es gibt nichts einfaches im Leben. Das Leben ist komplex. Und diese Wahrheit geht in Zeiten schlichtem politisch korrekten Denkens immer mehr verloren, was solche Werke wie „Der Greifer“ um so wertvoller macht.

Neben einem in der Titelrolle sympathisch agierenden Hans Albers (der trotz Sympathiefigur auch manch unangenehme Charaktereigenschaft zugeschrieben bekommen hat) agiert eine Vielzahl talentierter und liebenswerter Mimen, welche den Sehwert des Streifens zu unterstreichen wissen. Hervorgehoben sei ein fast 20 Jahre vor seiner Paraderolle in „Der Alte“ mitwirkender Siegfried Lowitz, der den hinterhältigen, da Karriere-geilen, Kollegen und Nachfolger Dennerts spielen darf. Und Horst Frank brilliert in der Rolle des Hauptverdächtigen und spielt in seinen besten Momenten so kühl, dass es einem kalt den Rücken herunter läuft.

Überraschend darf die Tätermotivation betreffend schon zu dieser Entstehungszeit psychologische Tiefe aufblitzen, wobei der Autor zu trennen weiß zwischen unausgesprochener Wahrheit und der versimpelten ausgesprochenen Version aus dem Munde des Täters. In diesen alten Zeiten, in denen der Zuschauer noch für mündig gehalten wurde, verzichtet man auf die weitere, korrektere Erklärung, traut man dem Zuschauer doch ein Mitdenken zu. Auch diesbezüglich guckt sich „Der Greifer“ widersprüchlich scheinend überholt modern. Lediglich mancher Kitschmoment kann sich dieses Etikett nicht anheften, aber genau diese Szenen sorgen dafür, dass der sich sonst so modern guckende „Der Greifer“ sich trotzdem eines Retro-Charmes erfreuen darf.


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Mittwoch, 11. November 2015

COLLEGE ANIMALS (Dorm Daze 2003 David Hillenbrand u.a.)


In einem Studentenwohnheim geht es drunter und drüber, da eine Tasche mit Bargeld vermisst und dann gefunden wird...


Nächste Mal wieder ein Sack mit einem Dollarzeichen drauf...

Der Anfang von „College Animals“ gefiel mir gar nicht. Obwohl die Charaktere alle im Comicstil komplett überdreht waren, störten mich die zu stark konstruierten Ausgangssituationen. Letztendlich war mir alles zu zufällig, selbst für ein Verwirrspiel. Die Austauschschülerin hatte den selben Namen wie eine bestellte Prostituierte, zwei Taschen sahen sich zum verwechseln ähnlich, usw. Am übelsten traf es den Handlungsstrang um einen Kerl, von dem einige Hohlbirnen glaubten er würde Frauen verprügeln. Und rein zufällig probte die Theatergruppe ausgerechnet passend zu diesem Vorwurf gerade ein Theaterstück, welches ihn erst recht gewalttätig aussehen lässt. Einfallsreich ist diese Aneinanderreihung viel zu großer Zufälle nicht zu nennen.

Inmitten dieser arg konstruierten Story wollten auch die Gags nicht richtig zünden. Hin und wieder war ein Schmunzler vertreten, aber insgesamt fiel das erste Drittel doch eher lahm aus. Inmitten von zu vielen Figuren und Situationen fiel es zudem schwer den Überblick zu behalten, was die Sympathiegewinnung der Charaktere, die ohnehin nicht wirklich entstehen wollte, nur noch schwieriger machte.

Doch dann bekommt das Werk plötzlich eine unerwartete Wende. Das Drehbuch verschafft der Story einige nette Gags, die Handlungsfäden streifen sich, vereinen sich oder tauschen sich aus und werden durch das zunehmende Verwirrspiel immer schräger, sogar so verworren dass man zu zweifeln beginnt ob sich je alles am Ende aufklären ließe. Dass alles weiterhin auf viel zu comichafte Art daher kommt ist nun nicht mehr wichtig, denn die Charaktere haben nun Situationen am Hals, bei denen man als Zuschauer mitfiebert, mitleidet und mitlacht. Und dadurch beginnen nun auch die vorher so blassen Figuren endlich zu wirken.

Trotz des erotisch angehauchten Themas, welches das DVD-Cover nutzte um Zuschauer zu locken, sind nur selten nackte Tatsachen zu sehen. Und auf all zu derbe Witze, wie wir sie aus "American Pie" kennen, jener Komödie, welche die Teenie-Komödien-Welle wieder in Gang setzte, wurde fast ausnahmslos verzichtet. Hier gibt es nur einen recht zurückhaltenden Wichstuchinsgesichtwerf-Witz zu sehen, das war es aber auch schon. Diese Reduzierung besagter Komik tut „Dorm Daze“ (Originaltitel) gut.

Interessant am sich langsam ordnenden Mittelteil ist die Verschiebung dessen wer zum Helden wird und wer zum Beiwerk, verglichen mit dem was man zuvor vermutet hat. So entpuppt sich z.B. eine der schrägen und anfangs sehr unwitzigen Figuren, die lediglich wie ein Lückenfüller-Clown daher kam, als Held einer der Handlungsstränge.

Zehn Minuten vor Schluss wird „College Animals - Wilder geht‘s (n)immer!“ (Alternativtitel) noch einmal eine Spur schwächer, rutscht dabei zwar nicht so tief hinab wie es die erste halbe Stunde tat, wird aber dennoch deutlich schwächer als der rettende Unterhaltungswert, welchen der Film so dringend brauchte. Das enttäuscht freilich nach solch einer Verbesserung. Manche Auflösung enttäuscht ein wenig aufgrund ihrer Schlichtheit, so viel Wirbel wie zuvor um das Thema gemacht wurde, einiges verläuft sogar ins Nichts, aber das meiste wurde glücklicher Weise so beendet, dass sich zum Schluss ein Ganzes ergibt, und das ist bei all dem Chaos gar nicht so leicht gewesen. Hier darf man sicherlich das Drehbuch loben.

Wäre diese erste halbe Stunde nicht so extrem sperrig und könnte der Film sein zu spät gewonnenes Niveau bis zum Schluss halten, hätte „College Animals" definitiv routiniert unterhalten können, etwa auf dem schlichten Niveau eines „Eurotrip". Auch verglichen mit vergangenen Komödien der Satirezeitung National Lampoon kann die hier besprochene Komödie keinen Blumenstrauß gewinnen, ist doch diesbezüglich deutlich ein Abstieg erkennbar, zumindest verglichen mit Werken wie "Caddyshack" und "Loaded Weapon 1". In Wirklichkeit ist es jedoch tatsächlich schon etwas länger her, dass es unter dem Label Nation Lampoon eine brauchbare Komödie gegeben hat. Da markiert „College Animals“ wahrlich nicht den Wendepunkt.


CHAIN REACTION (2006 Olaf Ittenbach)


Vier Kriminelle befreien sich aus einem Gefangenentransport, schießen alle Gesetzeshüter nieder, wobei einer der Verbrecher verletzt wird. Ein Arzt ist überraschend schnell gefunden, und mit dem als Geisel flüchtet man in die Wälder, wo man auf ein einsam gelegenes Haus stößt, in dem man sich um den Verwundeten kümmern will. Die Besitzer des Hauses benehmen sich wie aus einem anderen Jahrhundert, und sie hüten ein Geheimnis, welches den ungebetenen Gästen zum Verhängnis werden soll...


From Tanz Till Teufel...

Mit Amateurfilmer Olaf Ittenbach hatte ich schon als junger Horror-Fan so meine Probleme. Während befreundete Genre-Begeisterte seine Werke „The Burning Moon“ und „Premutos - Der gefallene Engel“ richtig gut fanden, konnte ich mit diesen viel zu ernst umgesetzten Schlachtplatten aufgrund all ihrer Unzulänglichkeiten nichts anfangen. Ittenbach war in meinen Augen ein Dilettant dem es nur um Gore-Effekte ging und dessen Storys nicht einen Hauch geistreicher Einfälle besaßen.

In jener Zeit in der ich seine weiteren Werke ignorierte wurden seine finanziellen Möglichkeiten ein wenig größer und er konnte halbwegs talentierte Menschen für seine Projekte gewinnen. Das wird einem bewusst wenn man „Zombie Onslaught“ (Alternativtitel) sichtet. Flugaufnahmen von Landschaften, eine ordentliche Kameraführung, ja selbst der ein oder andere akzeptable Mime ist mit an Bord. Ittenbach konnte sogar Jürgen Prochnow für eine Gastrolle gewinnen, so wie Ralf Möllenhoff ein Jahr später für „Dead Eyes Open“ George A. Romero gewinnen konnte.

Den Charme eines Möllenhoff-Filmes sucht man bei Ittenbach jedoch weiterhin vergebens. Was nutzen die professionelleren Helfer, wenn die erzählte Geschichte so geistlos ist wie die Frühwerke des Amateurfilmers? Krampfhafte Stereotype erleben grob das Grundszenario von „From Dusk Till Dawn“, in einer Kulisse von „Tanz der Teufel“ spielend und frei jeglicher Ironie erzählt. Das Talent von Figurenentwicklung, Darstellerführung und wenigstens einem Hauch psychologischem Zusammenhang fehlt dem Horror-Grobmotoriker völlig. Schon früh darf man die Augen verdrehen, wenn man dämlichsten Dialogen in peinlichsten stereotypischen Akzenten lauschen muss, wahrend krampfhaft versucht wird eine erwachsene, harte Handlung zu erzählen, die jedoch nur kindlisch und peinlich wirkt.

Bis wir zur Horrorphase des Streifens kommen, dauert es einige Zeit, hält sich das Drehbuch doch mit unnötigen Längen auf, z.B. wenn ewig über ein und die selbe Thematik diskutiert wird und uns Rückblicke zu Lücken bereits gesichteter Erlebnissen gezeigt werden, die man nicht hätte füllen müssen. In solchen Momenten wirkt „House of Blood“ (Alternativtitel) peinlich bemüht. Stets wird woanders beobachtete handwerkliche Filmkunst imitiert, nur leider ohne zu begreifen wann man diese warum einsetzen sollte.

Interessanter Weise wirkt „House of Horrors" (Alternativtitel) selbst dann noch unbeholfen, wenn der Horrorpart einsetzt, also Ittenbachs eigentliche „Stärke“. Schlecht maskierte Monster sollen nun für Schrecken sorgen, ein Mangel an Mystik und Atmosphäre lässt aber auch diese Phase des Streifens lediglich als Tanz der Kasperle wirken, ein relativ kurzer Tanz wenn man bedenkt dass ein großer Teil der Horrorphase daraus besteht dass man vor den Monstern flüchtet und dabei endlos labert.

Um Himmels Willen! Was kann man nur an einem Ittenbach-Film finden, wenn man in der Lage ist halbwegs zu denken? „Chain Reaction“ ist eine Blamage für den deutschen Horrorfilm, und im Gegensatz zu Ittenbachs Frühwerken kann nicht einmal mehr das Alter als Entschuldigung für den infantilen Gehalt der Story herhalten. Ich weiß ja nicht ob ich einfach nur die falschen Ittenbach-Filme sichte. Von Andreas Schnaas habe ich vor Sichtung von „Violent Shit 3“ und „Antropophagous 2000“ ähnlich wenig gehalten wie heute immer noch von Ittenbach. Beizeiten werde ich einen weiteren seiner Filme sichten, aber es wird nach solch einem Bockmist wie „Chain Reaction“ einige Zeit dauern bis ich wieder genügend Geduld und Optimismus besitze dem Regisseur eine weitere Chance zu geben. Vielleicht hat wer einen Tipp welchen von Ittenbachs Filmen man gesehen haben sollte?


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CLUB MAD (Club Dread 2004 Jay Chandrasekhar)


Ein Killer geht auf einer karibischen Insel um und tötet Gäste und Betreiber eines Ferien-Clubs...


Tödliche Ferien...

"Club Mad" hat seinen eigenen Weg gefunden Filme wie "Scream" und Co zu parodieren, ist also keine Kopie eines "Scary Movie", der selber schon Kopie war und parodiert auch nur das Sub-Genre des Slashers an sich und keinen Film speziell. Obwohl ständig gesoffen, gekifft und rumgemacht wird überrascht der Film damit niemals in plumpsten Klamauk abzurutschen. Auf der anderen Seite macht diese Horror-Komödie einem aber auch nie die Freude den großen Oberlacher zu präsentieren. Nach der ersten Szene denkt man ohnehin man wäre im falschen Film. Die ersten Vorurteile entstehen, und man drängt „Club Mad“ voreilig in eine Ecke in die er nicht gehört.

Es ist der stille Humor von Jay Chandrasekhars Film der zu wirken weiß, wenn er das Genre des Killerhorrors aufs Korn nimmt. Es werden uns viele Verdächtige präsentiert von denen die meisten nur dünnste Beweggründe hätten solch abscheuliche Taten zu begehen, was eine deutliche Kritik an die Gesetzmäßigkeiten solcher Streifen ist. Ebenso schön ist es mit anzusehen welch herrlich schlechte Ausreden sich immer wieder finden, um Grüppchen und Paare zu trennen, damit Figuren sich alleine in Gefahr bringen.

„Club Mad" verarscht viele dieser liebevollen Krankheiten des Slashers, die der Stammzuschauer gar nicht missen möchte. Die Art wie die Opfer vor ihrem Tod mit dem Killer reden verarscht Schwächen des Genres ebenso schön wie die Szene eines Horrorfilm-üblichen finalen Retters, der den Mörder auf überhebliche Art zutextet, um mitten in seinem Monolog getötet zu werden, eine Konsequenz die man in ernsten Beiträgen des Schlitzerfilmes oftmals vermisst.

„Club Mad" will das Sub-Genre Slasher jedoch nicht schlecht machen. Er stürzt sich auf die Schwächen ebenso wie er sich auf die Stärken solcher Horrorfilme stürzt. Die Effekte sind für eine Horror-Komödie mit Schwerpunkt Komödie hart ausgefallen, die Morde manchmal gar einfallsreich zu nennen und man soll es kaum glauben, aber inmitten seiner Witzigkeiten schafft es der Film sogar ab und an spannend zu werden. Zudem macht das Mörderraten sogar mal richtig Spaß, auch wenn die Auflösung des Mörders im Finale weder als besonders gut noch als besonders schlecht angesehen werden kann.

Ist der Täter dann mal enttarnt, reitet Chandrasekhar freilich noch auf dem Klischee herum, dass der Killer trotz Menschlichkeit nicht totzukriegen ist. Wenn am Ende einer der Helden genervt den toten halben Körper des Killers ins Wasser wirft, geschieht dies nicht ohne den Spruch: "Jetzt reicht‘s aber!" Leider besitzt das ewige Weiterleben des Mörders aber auch den Nachteil das Finale zu sehr zu strecken, Parodieabsicht hin oder her. Im Prinzip wird da trotz toller Absicht etwas zum Nachteil, das in ernstgemeinten Beiträgen ebenfalls zum Nachteil wird.

Aber was soll‘s, „Club Mad" ist ohnehin nicht die Krönung seiner Niesche, aber zumindest macht er Spaß mit seinen herrlich überdrehten Charakteren, den so sympathischen wie auch bescheuerten Situationen, und den spielfreudigen Darstellern. Auf entspannte Art kann der Zuschauer den nicht völlig hirnfreien Nonsens genießen und dann auch wieder vergessen. Er ist halt lediglich leichte Kost, keine die man bereut, aber schon jene der das spezielle Etwas fehlt um in Erinnerung zu bleiben.


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Dienstag, 10. November 2015

DER GROSSE BLONDE KANN'S NICHT LASSEN (Le bonheur de Pierre 2009 Robert Ménard)


Der französische Physik- und Philosophie-Professor Pierre erbt eine Pension in der tiefsten Einöde Kanadas und zieht dort mit seiner Tochter hin. Der Bürgermeister sieht die Franzosen nicht gern im Ort. Da er sich als rechtmäßiger Eigentümer der Pension sieht, versucht er alles um die Ausländer zu vertreiben...


Der große Graue mit der guten Laune...

Mit „Der große Blonde mit dem schwarzen Schuh“ wurde Pierre Richard einst in Deutschland berühmt, und seit dem müssen Titel seiner Werke hierzulande immer wieder auf diesen Erfolg anspielen, selbst 37 Jahre nach dem berühmten Spionagefilm. Der Blonde ist nun grau geworden, und mit den beiden echten Filmen um den großen Blonden hat „Der große Blonde kann‘s nicht lassen“ freilich überhaupt nichts mehr am Hut, deswegen passen die Alternativtitel „Willkommen in Saint-Simone-du-Nord“ und „A Happy Man“ auch wesentlich besser, ganz besonders letztgenannter, zieht der Film doch einen Hauptteil seiner Komik daraus, dass dem ollen Pierre so gar nichts erschüttern kann, komme was wolle - meist verursacht vom Bürgermeister.

Als Gegenpart wird Pierre eine gereizte und verwöhnte erwachsene Tochter an die Seite geschrieben, und die versteht recht schnell was im ollen kanadischen Kaff tatsächlich läuft, während Pierre blauäugig an das Gute in jedem Menschen glaubt und auch den Bürgermeister gut leiden kann - eine Person die eigentlich niemand mag. Das mag nun in der Theorie auch alles recht witzig klingen, und eine Slapstick-Parade wie in den klassischen Pierre Richard-Komödien habe ich auch gar nicht erst erwartet, aber „Le bonheur de Pierre“ (Originaltitel) guckt sich weder lustig aufgrund des Zusammentreffens zweier Kulturen (ein Aspekt der so gut wie gar nicht beachtet wird), noch als angenehme Nachbarschafts-Kabbelei, die selbst ein schlichter „Im Dutzend billiger 2“ erreicht hat.

Es ist zwar schön Pierre Richard gealtert nach all den Jahren seiner filmischen Pause auf dem Bildschirm wieder zu sehen, aber so wirklich gefallen will mir der viel zu ereignislose „Der große Blonde kann‘s nicht lassen“ nicht, kommt er doch extremst brav daher und wartet man doch immer auf die wahrlich gemeinen Aktionen des Bürgermeisters und die lustigen Momente die er mit seinen Angriffsversuchen anrichtet. Ein „Funny Farm“ mit Chevy Chase war da wesentlich einfallsreicher, war auch humoristisch lauter gedacht, also keineswegs so wie der absichtlich stille Film von Regisseur Ménard.

Aber letztendlich schreitet diese französisch-kanadische Co-Produktion auch für eine stille Komödie viel zu langsam voran, während die ganz nette, geradezu klassische Hintergrundmusik einem immer wieder einreden will, dass das was man gerade sieht unglaublich lustig wäre. Dabei kommt man hier in der Regel nicht einmal zum Schmunzeln. Sicherlich kann man dem etwas müden Treiben folgen, das Ergebnis ist schließlich weder peinlich noch langweilig ausgefallen. Aber nach all den Jahren hatte ich mir von Pierre Richards Rückkehr etwas mehr erhofft, gerne etwas völlig anderes als das wofür er früher stand, aber etwas mehr als das was er hiermit abgeliefert hat.


DUMM UND DÜMMEHR (Dumb and Dumber To 2014 Bobby Farrelly u.a.)


Harry erfährt dass er eine Tochter hat. Das trifft sich gut, da er dringend eine neue Niere benötigt. Also zieht er mit Kumpel Lloyd los um die Frucht seiner Lenden zu finden. Eigentlich reist Lloyd nur mit, weil er sich anhand des Fotos in Harrys Tochter verliebt hat...


Stinkebier und noch mehr tote Vögel...

Dumm und dümmer“ bekam zwar bereits 2003 eine Fortsetzung mit dem Titel „Dumm und dümmerer“ beschert, aber die war in den Hauptrollen anders besetzt und erzählte von der Jugendzeit Lloyds und Harrys und war somit nicht das was man unter einer richtigen Fortsetzung versteht. 19 Jahre nach dem Originalfilm der Farrelly-Brüder kehrten Jim Carrey und Jeff Daniels höchstpersönlich in ihre Paraderollen zurück und die Regie-Brüder gleich mit ihnen. Warum es erst so spät zu einer Fortsetzung kommt erklärt uns der Film auch gleich auf die typische Lloyd und Harry-Art, leben diese doch mental in einer anderen Welt, und diese folgt anderen gesellschaftlichen Gesetzmäßigkeiten.

Das ist auch der Grund warum die Komik der beiden Filme zu funktionieren weiß. „Dumm und dümmer“ sowie „Dumm und dümmehr“ erzählen nicht nur von unglaublich dämlichen Typen, man gewährt uns Einblick in ihr Denken und somit in ihre Welt. Das Rezept ist nicht so simpel wie es klingen mag, als Autor benötigt man zum Einhalten dieser Gesetze das richtige Gespür für die Charaktere, was wohl einer der Gründe ist warum die Teen-Abenteuer der Deppen scheiterten. Das Universum der beiden Helden ist die Humorquelle und damit bereits das Zentrum des Films. Die Geschichte wird dadurch zur Nebensache.

Selbstverständlich hätte man eine Weitererzählung des ersten Teiles nicht wirklich benötigt, man kennt ja bereits die Welt der Dummen, und gerade diesbezüglich hat „Dumm und dümmehr“ keine neuen Aspekte die den alten Blickwinkel erweitern. Aber wer Jeff Daniels und Jim Carrey einst in diesen Rollen erlebt hat, so gnadenlos herumblödelnd und dabei so brillant spielend, der kann nicht anders als ein Auge zu riskieren, wissendlich dass Teil 2 lediglich ein Aufguss des Originalfilms sein wird. Dieser war schon keine große Gag-Granate wie der Farrelly-Film „Verrückt nach Mary“, aber er wusste zu unterhalten, er wusste den Zuschauer zum Lachen zu bringen und er wusste einen ins Staunen zu versetzen bei der Beobachtung wie lässig Jeff Daniels mimisch neben Gummigesicht Jim Carrey mitziehen konnte.

Schon Teil 1 erzählte nicht wirklich eine Geschichte, und so ist es im hier besprochenen Film auch. Vielleicht hätte diese echte Fortsetzung nicht schon wieder ein Road Movie werden müssen, und ob jeglicher Verweis auf das berühmte Original unbedingt mit Einzug halten musste ist auch eine Frage für sich, letztendlich ist „Dumm und dümmehr“ aber eine würdige Fortsetzung geworden, nicht besser und nicht schlechter ausgefallen als das Original, und es tut gut zu sehen dass die beiden Hauptdarsteller zwar sichtlich gealtert sind, aber noch immer so talentiert sind wie einst.

So gibt es auch nicht viel mehr über „Dumb and Dumber To“ (Originaltitel) zu sagen. Es macht wie gehabt Spaß den beiden Mimen beim Grimassenschneiden zuzusehen, laut Lachen darf man auch ab und zu und ein erneuter Blick in die irgendwie verdrehte aber doch recht einfach gehaltene Welt der beiden Unterbelichteten tut einfach gut. Allerdings hätte man dafür nicht die Extremkonfrontation mit Amerikas geistiger Elite benötigt. Lloyd und Harry ecken bereits beim Durchschnitts-Ami an. Und da das Humorpotential beim I.Q.-Crash mit den Wissenschaftlern nicht höher ist als in den Szenen zuvor, beweist der Film damit quasi von selbst dass ich mit dieser Behauptung recht habe.


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CITY OF THE DEAD (Last Rites 2006 Duane Stinnett)


Zwei Straßengangs und die Polizei müssen sich zusammenraufen als nach einem Kometeneinschlag Obdachlose zu Zombies mutieren und ihr Leben bedrohen...


Zombies benötigen kein Dach über dem Kopf...

Bereits ein etwas seltener Gebrauch des Wortes Motherfucker würde „City of the Dead“, der im Original „Last Rites“ heißt, ein wenig erträglicher machen. Es ist schon erstaunlich wie oft dieses Wort fällt. Der Film setzt zwei Banden junger Ghetto-Gauner und einige Polizisten ins Zentrum. Ersteren verdanken wir nicht nur die häufige Nutzung besagten Un-Wortes sondern meiner Meinung nach auch das Nichtfunktionieren des Streifens.

Ähnlich wie sein großes Vorbild "Die Nacht der lebenden Toten" sind die Zombies des hier besprochenen Genre-Beitrags Nebensache. Man konzentriert sich auf den Konflikt der Eingeschlossenen. Romero setzte uns hierfür zumindest brauchbare Charaktere vor. Man empfand bei einigen sogar Sympathie, was nicht zwingend nötig gewesen wäre. "48 Weeks Later" (Alternativtitel) hat nichts dergleichen. Keine der Figuren mag man, man will sie nicht kennen und man hält auch nicht zu ihnen. Jene die einem nicht unsympathisch sind, die sind einem egal, weil man nichts über sie erfährt. Sie sind einfach da. Also sieht man einigen Vollspacken zu, wie sie alles falsch machen, was nicht gerade dazu beiträgt dass der Streifen trotz fehlender Sympathiefiguren funktionieren könnte, so wie es „Zombie 2“ oder „Uhrwerk Orange“ schaffte.

Einen Hauch guckbar wird das ganze nur deshalb, weil hin und wieder Humor aufblitzt. Ohne ihn wäre das der Soforttod jeglichen Unterhaltungswertes. So bleibt „Gangs of the Dead“ (Alternativtitel) zumindest guckbar schlecht, sprich man kann dran bleiben. Nerven tut das Ghetto-Gebrabbel trotzdem, und mag es die Figuren aus Ami-Sicht auch authentisch machen. Zwei von der Sorte hätten genügt, aber der Film stößt uns ja ausgerechnet mitten in deren Idioten-Welt, und da kann ich mich noch so zusammenreißen. Zu viele der Voll-Spackos nervt!

Zumindest im Trashbereich kann „City of the Dead“ ein wenig punkten. Der Kometenaufschlag ist bewusst schlecht getrickst, hier kommt kurzfristig die Atmosphäre des charmanten "Der Komet" auf. Auch der Schlussgag ist nicht von schlechten Eltern und überzeugt auch hier mitunter wegen der nostalgisch anmutenden schlechten Tricks.

Gorehounds wird es freuen zu hören dass es an blutigen Szenen so einiges zu bestaunen gibt. Über den kompletten Film verteilt hätte es davon zwar ruhig mehr geben können (das wäre in diesem Fall ausnahmsweise einmal ein rettendes Element gewesen), aber die Effekte die es zu bestaunen gibt sind dafür auch gelungen. Gerade wenn es den Bösewicht erwischt werden Splatterherzen höher schlagen. Auch die Zombies, wenn sie sich denn mal sehen lassen, sehen recht putzig aus. Da habe ich schon schlechteres erlebt.

„City of the Dead“ ist kein Hingucker, nicht mal für kurze Augenblicke. Aber wer unbedingt jeden Zombiefilm seines Lebens gesichtet haben muss, der wird dank netter Gore-Effekte zumindest nicht ganz so gequält wie in „Zombie Night“ oder „Zombex“. Ein Reinschalten empfehle ich jedoch niemandem.


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