Montag, 29. Juni 2015

PIGS (Daddy's Deadly Darling 1972 Marc Lawrence)


Eine geisteskranke junge Frau flieht aus der Nervenheilanstalt und kommt bei einem Farmer unter, in dessen Lokal sie arbeiten darf. Der Farmer merkt schnell dass mit der Frau etwas nicht stimmt, beschützt sie aber vor der Außenwelt, da er selbst einem mörderischen Hobby nachgeht: er verfüttert Gäste an seine Schweine...


Schwein gehabt?...

Man muss schon diese Underground-Produktionen des 70er Jahre Independent-Kinos mögen um mit dem schmuddeligen „Pigs“ etwas anfangen zu können. Fast verweigert er sich gänzlich einer Geschichte. Und eine Entwicklung der Charaktere gibt es ebenfalls kaum zu beobachten. Regisseur Marc Lawrence, welcher auch den Farmer spielt und der Vater der Hauptdarstellerin Toni Lawrence ist, konzentriert sich einfach auf den Ist-Zustand, lässt den Zuschauer beobachten was aufgrund der Zusammenkunft der beiden fehlgeleiteten Menschen passiert, und löst diesen Zustand nach einer gewissen Laufzeit wieder auf.

Uninteressant ist das nicht. Und so reißerisch wie erwartet ist „Daddy‘s Deadly Darling“ (Originaltitel) auch nicht ausgefallen. Dunkle Bilder verhindern dass die harte Geschichte all zu blutig umgesetzt ist. Dennoch lässt Lawrence das was im Film passiert gnadenlos passieren. Er schwinkt nicht die Moralkeule. Er hat kein Mitleid mit den Opfern der Killer. Auf der Gegenseite hebt er die Psychos aber auch nicht auf ein Podest wie es manch moderner Beitrag des Horror-Genres macht. Das was passiert wird eher nüchtern betrachtet.

Dass „Horror Farm“ (Alternativtitel) eine Billigproduktion war, ist nicht zu übersehen. Die Musikuntermalung besteht aus einem Song (der sich dafür aber auch sympathisch schwungvoll anhört), die Geschichte spielt an sehr wenigen Drehorten, und die Schauspieler sind auf typisch unbegabtem Underground-Film-Niveau wie man es z.B. auch aus „Die Tollwütigen“ kennt. Allerdings sind die Beteiligten bemüht dabei und spielen keineswegs lustlos. Ein Engagement bei den Hauptbeteiligten ist nicht zu übersehen, deswegen weiß dieser Schmuddelfilm auf seine trockene Art auch trotzdem irgendwie zu gefallen - wenn auch nicht auf seine komplette Laufzeit gesehen. Dafür passiert dann tatsächlich zu wenig, sowohl auf zwischenmenschlicher Ebene als auch in Bezug auf die Entwicklung der Geschichte.

Marc Lawrence, der übrigens nicht mit dem gleichnamigen Regisseur der Filme „Ein Chef zum Verlieben“ und „Mitten ins Herz“ verwechselt werden sollte, zeigt in seiner sleazy Inszenierung, dass er durchaus ein Gespür dafür hat sich in die kaputten Charaktere seiner Hauptfiguren hineinzufühlen. Beide Figuren sind auf unterschiedliche Art verstört. Die eine handelt unbewusst aus Zwang, der andere rechtfertigt seine bewussten Handlungen (angeblich wollen die Schweine nichts anderes mehr essen seit sie auf den Geschmack von Menschenfleisch gekommen sind). Auch die Darsteller begreifen ihre Figuren, gerade gegen Ende wenn die Frau geistig immer mehr abdriftet, lässt sich dies im Spiel der Darstellerin nicht mehr übersehen.

Dieses Gespür in Kombination mit dem absichtlichem Verzicht einer massentauglichen Erzählung macht deutlich, dass „Lynn Hart“ (Alternativtitel) eben kein uninspiriertes Werk ist. Schund und Geist vermischen sich zu einem sympathisch provozierenden, leicht misszuverstehenden Mix. Das weiß dem fertigen Film seinen Reiz zu bescheren, der einen ein Auge zudrücken lässt, dass das fertige Werk zu oft auf der Stelle tritt. Wirklich verzeihen könnte man dies „Pigs“ aber erst dann, wenn er nicht ganz so dunkel abgefilmt wäre wie geschehen. Die ewig zu dunkel eingefangenen harten Szenen in Kombination mit der Monotonie der Handlung lassen meine durchaus bestehende Sympathie für dieses Werk lediglich im theoretischen Bereich des Streifens aufblitzen. Praktisch gesehen war er mir einfach eine Spur zu uninteressant erzählt.


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Sonntag, 28. Juni 2015

DER TOLPATSCH MIT DEM SECHSTEN SINN (La course à l'échalote 1975 Claude Zidi)


Als der Bankangestelle Pierre Vidal für eine Woche den Direktor der Bank vertreten muss, entwendet ein Transvestit freitags ein wertvolles Dokument aus einem fremden Schließfach. Pierre reist dem Dieb und seinen Gehilfen hinterher, um das Dokument zurückzuergattern bevor der Diebstahl montags auffliegen kann. Und weil er dafür ein gemeinsames Wochenende mit seiner Freundin absagt, spioniert diese ihm eifersüchtig nach. Zudem heftet sich ein Kommissar an die Fersen des Bankangestellten, glaubt dieser doch aufgrund Pierres tolpatschiger Art, dass der ahnungslose Narr etwas mit einem vergangenen Verbrechen zu tun hat, das einst in jener Bank verübt wurde, in welcher der Unglücksrabe arbeitet...


Kriminelle Transen...

„Der Tolpatsch mit dem sechsten Sinn“ mag nicht die erzählenswerte Geschichte eines „Der große Blonde mit dem schwarzen Schuh“, „Das Spielzeug“ oder „Ein Tolpatsch kommt selten allein“ haben, aber er guckt sich dennoch höchst amüsant, ist die Alibihandlung doch lediglich dafür gedacht Pierre Richard Raum und Möglichkeiten zu geben seinen grandiosen Slapstick auszutoben. Wer konnte dies seinerzeit besser als der langbeinige Blonde mit dem wirren Haar und dem naiven Blick? Pierre Richard legt los, und dies in einer solch überzogenen, teils weltfremden, Art, dass die Gags schon ein wenig an die alte Dick und Doof-Zeit erinnern.

Da schreit der gute Mann gefesselt mit einem Stück Klebeband geknebelt derart los, dass sich eine Kaugummi-artige Blase am Klebeband bildet. Kurz darauf rast der noch immer gefesselte Pierre auf dem Stuhl an dem er festgebunden ist eine Treppe herunter, und bekommt kaum dass er damit auf der Straße gelandet ist, jede Menge Kleingeld zugeworfen, da die Masse glaubt einem Entfesslungs-Straßenkünstler zuzusehen. Da der Franzose sich zu diesem Zeitpunkt in England befindet, braucht er aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse aller Beteiligten ein Verständnis der tatsächlichen Situation nicht zu erhoffen.

Dies ist nur ein Paradebeispiel einer Reihe bizarrer und völlig überzogener Situationen, in denen Richard nach Lust und Laune herumalbern darf. Ob er sich mit einer Kloschüssel am Fuß durch die Bank bewegen muss, oder sich während eines Brandes in einer Badewanne im ersten Stockwerk verstecken muss, nur um nach dem Feuer festzustellen, dass das Haus komplett niedergebrannt ist und er in besagter Badewanne gefangen ist, die aufgrund der noch bestehenden Wasserrohre in der Luft „schwebt“ - an kaputten Situationen mangelt es nicht, und da auch die Darsteller um Pierre Richard herum gut aufgelegt sind, macht das auch die komplette Laufzeit über Spaß zu schauen. Gerade das Finale gleicht einem Paukenschlag des Schenkelklopfens, wenn der Tolpatsch auf einer Bühne erst so richtig loslegen darf und das Publikum glaubt gerade eine einstudierte Comedy-Show zu sehen. Herrlich!

„Der Tolpatsch mit dem 6. Sinn“ beginnt zunächst noch relativ harmlos und konzentriert sich anfangs eher auf die wackelige Partnerschaft Pierres zu einer zickigen Frau, die den langweiligen Banker am liebsten absägen würde. Was sich erst ein wenig zu bemüht und aufgrund der Klischee-haften Geschlechterteilung auch zu überholt und altbacken schaut, wird im späteren Verlauf jedoch ein lustiges Happening, in welchem beide beweisen dürfen, wie gut sie vor der Kamera harmonieren, gerade im Komikbereich. Etwas flotter kommen im ersten Drittel die herrlich peinlichen Szenen daher, in welchen es Pierre stets mit dem Kommissar zu tun bekommt, so dass dieser mit der Zeit ganz gesondert ein Auge auf den Bankangestellten wirft.

Merkwürdiger Weise bekommt der es im weiteren Verlauf der Handlung eher mit der Lebensgefährtin Pierres zu tun als mit dem Tolpatsch selbst. Und je mehr sich die Geschichte dem Ende neigt, desto bedeutungsloser wird der Gesetzeshüter. Hier wird der dünne rote Faden des Streifens zum Vorteil. Aufgrund der Alibi-Handlung erwartet man nicht wirklich etwas von ihr sondern genießt lediglich jeweils den Moment. In einer besseren Geschichte wäre diese Missachtung des Parallelstrangs ärgerlich gewesen.

Es verwundert ohnehin, immerhin hat Regisseur Claude Zidi, der mit Richard ein Jahr zuvor „Der lange Blonde mit den roten Haaren“ gedreht hat und auch für Louis de Funès besten Streich „Brust oder Keule“ verantwortlich war, einzelne höchst chaotische und unübersichtliche Szenen bestens im Griff. Das komplette chaotische Szenario der Transen-Party in einem Zug, welches zig Parallel-Ereignisse aufweist die fast zeitgleich passieren, ist hervorragend erzählt. Dort beweist sich Zidi allein dadurch dass er den Überblick behält als gekonnter Geschichtenerzähler. Da darf der Verwurf der Bedeutung der Kommissarenrolle gegen Ende schon verwundern.

Aber wie bereits erwähnt schmälert dies nicht den Sehspaß dieses wundervollen Streifens, der das Maximum an Slapstickmöglichkeit aus dem Nichts an Story herauszuholen weiß und einige lustige Running Gags vorzuweisen hat. Gegen Ende dürfen sogar ernstere Töne mit einem Hauch Gesellschaftskritik leicht anklingen, wenn sich das Aufopfern für die Arbeit für einen kleinen Angestellten nicht lohnt, da es ihm der Arbeitgeber nicht dankt. An dieser Thematik ist bis heute nichts veraltet, und gerade mit dem aktuell so kritischen Blick aufs Bankengeschäft weiß ein solcher Seitenhieb erst recht zu gefallen - auch wenn, das muss man fairer Weise sagen, im hier vorliegenden Fall Pierre Vidal die Bankenkrise ist.


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Samstag, 27. Juni 2015

CANNIBAL GIRLS - DER FILM MIT DER WARNGLOCKE (Cannibal Girls 1973 Ivan Reitman)


Ein Pärchen landet in einer kannibalistischen Kleinstadt, in welcher drei sich unter der Aufsicht eines ominösen Mannes befindenden junge Frauen vorzugsweise Männer töten und verspeisen, nachdem sie diese sinnlich umgarnt haben...


Glocken-Spoiler...

Ivan Reitman, der Regisseur der zunächst die Bill Murray-Filme „Babyspeck und Fleischklößchen“ und „Ich glaub‘ mich knutscht ein Elch“ drehte, bevor er so wunderbare Werke wie „Zwillinge“, die beiden „Ghostbusters“, „Dave“ und "Die Super-Ex“ inszenierte, drehte im Jahr 1973 fast im Alleingang den Independent-Streifen „Cannibal Girls“, seinen zweiten Langfilm, dem sechs Jahre Pause folgen sollten bis es mit den oben erwähnten Murray-Komödien weitergehen sollte. Eine Komödie ist auch dieses Stück Horrorfilm geworden. Nach Sichten der deutsch synchronisierten Fassung kann man jedoch davon ausgehen, dass das Original nicht ganz so albern ausgefallen ist wie der Nonsens, der auf deutsch ins Bild gesprochen wird.

Aber eines haben beide gemeinsam: die sogenannte Warnglocke, die laut Trailer und Sprecher zu Beginn des Films immer bei den grausamen Szenen des Horror-Parts ertönt, damit zartbesaitete Menschen weggucken können, bis ein Entwarn-Ton erfolgt. Damit kann man als Zuschauer den blutigen Momenten entgehen, während gleichzeitig der Humor mit dieser Aktion gefördert wird, ein wenig vergleichbar mit dem offiziellen Leichenzählen in „Was macht der Tote auf der Wäscheleine“. Leider spoilert die Alarmglocke jegliche plötzliche Attacke der Bösewichter, so dass es Überraschungen diesbezüglich nicht geben kann, was schon sehr schade ist, ist „Cannibal Girls“ doch ohnehin recht überraschungsfrei ausgefallen und guckt sich arg monoton.

Zwar wird man durch die augenzwinkernde Inszenierung, manch lustige Dialoge und den spielfreudigen Darstellern ein wenig bei Laune gehalten, vom Hocker reißt dieses eher langweilig ausgefallene Werk jedoch nicht. Und die von der Warnglocke angekündigten, schon damals arg zahm ausgefallenen Gore-Effekte, sind die Erwähnung nicht wirklich wert. Lediglich das frühe Auftauchen des häufigen John Candy-Partners und „American Pie“-Vaters Eugene Levy ist eine Besonderheit, sieht er mit Vollbart doch nicht nur ungewöhnlich aus, sondern auch älter als man ihn in einem 70er Jahre-Film vermutet hätte.

Neben ihm spielt Andrea Martin, die bereits in Reitmans Langfilm-Debut „Foxy Lady“ mitwirkte. Und die ist neben der drei sexy Kannibalinnen, der Haupttrumpf des Streifens, spielt sie ihre Rolle doch so wunderbar naiv und zickig, dass man sie im wahren Leben tatsächlich für solch eine Nervensäge halten könnte. Toll gemacht! Berühmt wurde sie nie. Sie übernahm eher unbedeutende Rollen in so nennenswerten Werken wie „Jessy - Die Treppe in den Tod“ (und dessen Remake „Black Christmas“), „Die Reise ins Ich" und „Wag the Dog“.

Freilich kann auch ihr belustigendes Spiel „Cannibal Girls“ lediglich aufwerten, aber nicht tragen. Und so darf man trotz des angenehmen 70er Jahre-Independentfilm-Feelings und trotz gut aufgelegter Darsteller und manch freizügig agierenden jungen Frauen eher enttäuscht als erfreut über den fertigen Film sein, von dem Regisseur Reitman am Ende wohl auch nicht viel zu halten schien, hat er ihn Arkoffs Filmschmiede American International Pictures doch als schlechten Film für den schnellen Dollar angedreht, womit der Streifen perfekt ins Programm der Firma passte. Gedreht wurde die Horror-Komödie jedoch relativ unabhängig. Und passend dazu durften die Darsteller ziemlich frei improvisieren. Feste Dialoge lagen nicht vor.

In seiner Theorie ist „Cannibal Girls“ ein sympathischer Streifen, der einen gewissen Respekt verdient. Praktisch gesehen ist er jedoch eher lahm ausgefallen, selbst dann wenn man ihn mit einer kleinen Gruppe Gleichgesinnter und mit Unterstützung von Alkohol guckt. Dank der liebevollen Aufmachung der Anolis-DVD-Veröffentlichung macht er im Regal mehr her als im Player. Das ist für einen Sammler aber auch schon was wert.


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Donnerstag, 25. Juni 2015

AUSHILFSGANGSTER (Tower Heist 2011 Brett Ratner)


Als Mitarbeiter eines Nobelhochhauses aufgrund eines korrupten Mieters von der Wall Street ihren Pensionsfond verloren haben, schmieden ein paar von ihnen einen Plan sich das Geld vom Betrüger zurückzuholen...


Der Raub am Tag als Snoopy kam...

Mittlerweile erwarte ich sehr wenig von einem Film, in welchem Ben Stiller mitspielt, der einst mit „Verrückt nach Mary“, „Zoolander“ und „Voll auf die Nüsse“ so toll durchgestartet hat und danach meist nur noch Routine-Filmchen wie „The Watch - Nachbarn der dritten Art“ abgedreht hat. Ähnlich geht es mir mit Filmen mit Eddie Murphy, der nach so großen Würfen wie „Der Prinz aus Zamunda“ im Mainstream landete und so plumpe Werke wie „Mensch, Dave!“ und „Der verrückte Professor“ verzapfte. Gelungene Komödien wie „Bowfingers große Nummer“ machen ein arg geringen Anteil seiner Filmographie aus.

Zugegeben, „Aushilfsgangster“, in welchem beide die Hauptrollen bekleiden, kann man auch nicht gerade als das große Überwerk bezeichnen, aber verdammt, er macht auf seine kurzweilige Art richtig Spaß, erst recht wenn man sie nebeneinander spielen sehen darf, die einst so hoffnungsvollen Stars. Zu ihnen gehört auch Matthew Broderick, der nach „Ferris macht blau“ noch in „Election“ und "In Sachen Liebe" trumpfen durfte, ansonsten aber in eher mäßigen Filmen wie „Cable Guy“ und „Die Frauen von Stepford“ ewig den Langeweiler spielend mitwirkte. Nein, was sieht er alt aus, wenn er im hier besprochenen Streifen den Versager spielt, der einst ein Finanzgenie war. Es tut gut ihn in solch einer Rolle zu sehen, die wenigstens ein klein wenig von ihm abfordert. Stiller und Murphy hingegen bauen auf ihre üblichen Trümpfe, und dies vereint mit einer Geschichte, welche einem aufgrund sympathischer Charaktere und einer nachvollziehbaren Situation in der heute so kriminellen Wirtschaftszeit ziemlich schnell zu packen weiß, weiß aus „Aushilfsgangster“ ein solch angenehmes Ergebnis zu machen.

„Tower Heist“ (Originaltitel) ist kein „Oceans Eleven“, strebt eine ernsthafte Konkurrenz mit solchen Werken aber auch gar nicht an. Die leichte Komödie soll im Vordergrund stehen. Und mag einem der bittere Hintergrund eines frustrierenden Themas heutiger Ungerechtigkeit auch manches mal kurzfristig die Laune am Lachen verderben, ähnlich wie in Jim Carreys „Dick und Jane“, gut aufgelegte Stars und die flotte Inszenierung von Brett Ratner, der für so unterschieliche Werke wie „Rush Hour“, „Roter Drache“, „X-Men - Der letzte Widerstand“ und dem „Hercules“ aus dem Jahr 2014 verantwortlich war, bringen einen schnell wieder zum Schmunzeln, mehr aber noch zum Mitfiebern.

„Aushilfsgangster“ ist keine Komödie der großen Lacher. Eine amüsante Grundstimmung ist lediglich Grundlage für einen Plot der Solidarität beim Zuschauer entfachen möchte. Und wenn es diesbezüglich Klick gemacht hat, steht einer angenehmen Unterhaltung auch nichts mehr im Weg. Hier wird keine innovative Geschichte aufgetischt, vieles ist vorhersehbar, trotzdem weiß der Streifen auch manches Mal zu überraschen. Und wie er zu Beginn den Weg zur Hauptstory findet, ist gar nicht mal schlecht geschrieben. Die Patzer auf der DVD zeigen uns außerdem, dass hin und wieder auch improvisiert werden durfte.

Viel ist davon im fertigen Werk nicht zu merken. Das ist ebenso schade wie die Tatsache, dass die Ausbildung der halben Hemden zum Einbrecher durch einen angeblich erfahrenen Einbrecher nicht näher vertieft wurde, ein Aspekt den man aufgrund des deutschen Titels vermutet hätte. Aber letztendlich ist es egal, weil der Grundton von „Aushilfsgangster“ einfach stimmt, um einem wohlige 100 Minuten Film zu bescheren, die nie durch Unnötigkeiten ausgebremst werden. Das merkt man auch an der am Rande spielenden Love Story, die sogar derart kurz anklingt, dass ihr Ausgang für die Geschichte egal ist und gegen Ende nicht weiter verfolgt wird, auch wenn entfallene Szenen zeigen dass dies einmal anders geplant war. Wer auch immer darüber entscheiden durfte, er hat richtig entschieden und mit solch kleinen Unterschieden aus „Tower Heist“ mehr gemacht als den austauschbaren Durchschnittsfilm.


Mittwoch, 24. Juni 2015

DER ROTE RAUSCH (1962 Wolfgang Schleif)


Josef Stief bricht aus einer Nervenheilanstalt aus. Er hat vier Frauen getötet, erinnert sich jedoch nicht daran und glaubt unschuldig festgehalten worden zu sein. Da man ihn für einen Flüchtling von dort drüben hinter der Grenze hält, wird er von einer Gruppe Landarbeiter aufgenommen. Man gibt ihm Kleider, Nahrung und Arbeit. Aber sowohl die polizeilische Fahndung als auch Josefs Geisteszustand stehen einem Happy End im Weg...


Das Feuer im Schilf...

„Der rote Rausch“ ist ein sensibles Psycho-Drama, welches darum bemüht ist beim Zuschauer Empathie für einen geisteskranken Frauenmörder entstehen zu lassen. Hierfür greift man zunächst auf einen ähnlichen Kniff wie beim späteren „Boy A“ zurück: man weiß aufgrund der Flucht aus der Anstalt dass Josef etwas getan hat, lernt ihn zunächst jedoch rein als Menschen kennen, um erst später zu erfahren was er tatsächlich verbrochen hat. Wir lernen Josef als Opfer kennen, als einen Menschen der niemandem trauen kann. Und erfahren wir erst einmal was mit ihm in der Psychatrie geschah, einer Institution die nicht unnötig, wie sonst gerne im Filmbereich, dämonisiert wird, sondern als Ort des Humanismus begriffen wird, verstehen wir um so mehr wie es in Josef aussehen muss, der nicht nur die Morde betreffend über keine Erinnerung verfügt, sondern auch über seine Identität, was aufgrund des späten Begreifens beim Zuschauer diesbezüglich eine Zweitsichtung reizvoll macht.

Im Mittelpunkt steht der menschliche Faktor. Der Charakter des Josef wird ebenso vertieft wie seine Interaktion mit den ihm nahestehenden Menschen. Herzlich wird er nur von der Tochter seines Arbeitgebers aufgenommen, dem Rest ist der etwas wunderlich auf die Leute wirkende Mann ziemlich egal. Ändern tut sich das erst mit Bekanntwerden der Missetaten Josefs. Von da an verwandelt sich die Gruppe braver Arbeiter zum gedanken- und gefühlslos wütenden Mob, welcher das Recht auf seiner Seite sieht und zur Selbstjustiz bereit ist. Hintergrundkenntnisse haben sie keine, aber sie wissen was sie wollen. Es ist das alte traurige Lied emotional aufgeladender Halbwissender, das noch heute immer wieder ertönt. Der Mensch lernt nicht dazu.

Psychologisch gesehen ist der Film seiner Zeit weit voraus. Nicht nur das Innenleben Josefs wird verdeutlicht, auch nichtig scheinende Nebensächlichkeiten verdeutlichen ein Begreifen der Thematik. Auch die Tochter von Josefs Arbeitgeber wird nicht allein von ihrem Verständnis von Moral gelenkt. Dadurch dass Josef sich Martin nennt, welches auch der Name ihres verschollenen Ehemannes ist, steht auch sie unter dem Einfluss ihres Unterbewusstseins, was interessanter Weise im Nichtgesagten am deutlichsten wird, nämlich immer dann wenn Josef die gute Frau fragt warum sie so nett zu ihm ist, und die Dame schweigt. Sie ist sich ihrer Gefühle nicht bewusst und merkt erst so nach und nach dass sie sich in den neuen Martin verliebt hat. Aber ihre Bereitschaft zu vertrauen und zu helfen greift auf das Unbewusste zurück, welches den Gesunden ebenso beeinflusst wie den kranken. Schleif stellt die beiden Hauptpersonen diesbezüglich absichtlich gegenüber. Ein großer Kniff.

Wenn die wahre Identität Josefs auch der einzigen Frau bewusst wird, die ihn liebt, dann passiert nicht das was wir erwarten, denn die gute Frau kennt Josefs Seelenleben. Sie weiß dass er mehr ist als der Stempel den ihm die Gesellschaft aufdrücken möchte, und so kommt es gegen Ende zu einem ehrlichen Gespräch zwischen den beiden, in welchem Kinski nicht nur alle Register seines großen Könnens zieht, sondern auch ganz direkt, ohne Tarnung und Drumherumreden, ein Plädoyer für Menschlichkeit und Verständnis im Angesicht von Verbrechen vorgetragen wird, welches mich an Langs legendären „M - Eine Stadt sucht einen Mörder“ erinnert hat.

„Flucht ohne Wiederkehr“ (Alternativtitel) ist kein typischer Kriminalfilm seiner Zeit, man sollte ihn Aufgrund des Entstehungsjahres 1962 also nicht mit den Werken nach Edgar Wallace vergleichen. Der Kriminaltwist ist ohnehin Nebensache. Die Tragik, die Ethik und das Begreifen der Zusammenhänge steht im Mittelpunkt. Wir haben es hier mit einem waschechten Psycho-Drama zu tun, dessen Schwerpunkte auf den für das Massenpublikum langweiligen Bereichen der Geschichte setzt. Schleif, der Regisseur der Immenhof-Filme und diverser Streifen mit Freddy Quinn, umgeht alles Reißerische. Er setzt dort an wo Zwischenmenschliches im Zentrum steht. Und da er dabei jeglichen Quantitäten keine Chance gibt, braucht es nicht verwundern dass „Das Geheimnis des roten Baumstammes“ (Alternativtitel) seinerzeit beim Publikum durchfiel. Ob im Mob oder vor der Leinwand, die große Masse orientiert sich immer nur am Geistlosen. Egal wie aufgeklärt eine Gesellschaft auch zu sein scheint.


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Montag, 22. Juni 2015

FRANKENSTEINS HORRORKLINIK (Horror Hospital 1973 Antony Balch)


Ein Rockmusiker glaubt eine sexy Wellness-Buchung gemacht zu haben und landet in seinem Urlaub stattdessen in einem Schloss, in welchem ein durchgeknallter Wissenschaftler an den Gehirnen junger Menschen herumpfuscht, um sie sich gefügig zu machen...


Die Lobotomie-Schlägertrupp-Rocker...

Harter Tobak kann ich nach Sichtung von „Frankensteins Horrorklinik“ nur sagen, einem völlig durchgeknallten Werk, wie es auch nur in den 70er Jahren mit seinem schrägen Mix aus Sex und Horror entstehen konnte. Freilich hat das Ganze im Gegensatz zu dem was der deutsche Titel behauptet nichts mit Frankenstein zu tun. In Deutschland zog es damals immer eine der klassischen Horrorgestalten im Titel zu nennen, obwohl das Genre sich längst von ihnen löste und mutigere, ja geradezu bizarrare Wege ging.

Der hier besprochene Film ist das beste Beispiel dafür, ist der Wissenschaftler im Zentrum, der passend zum Deutschtitel in der Synchro auch ständig Frankenstein genannt wird, durchgeknaller als alles was üblich ist im beliebten Bereich der Genre-Beiträge um Mad Scientists. Hier wird kein Grenzbereich geboten der zwischen Genie und Wahnsinn zweifeln lässt. Dr. Frankenstein ist ein durchgeknaller Irrer, der idiotischste, menschenverachtende Experimente durchführt, einfach aus dem Grund weil er es kann. Ein weiteres persönliches Interesse hat der gute Mann zwar ebenfalls an seiner Forschung, da dies aber zur Auflösung der Geschichte gehört, sei hier diesbezüglich lediglich verraten, dass es zum Grundton des Streifens passt was wir gegen Ende erfahren.

Für seine Zeit ist „Horror Hospital“ (Originaltitel) recht blutig ausgefallen. Der sexuelle Hintergrund wird optisch nicht all zu sehr ausgeschlachtet. Hin und wieder gibt es nackte Tatsachen zu sehen, die Thematik ist da jedoch schon wesentlich amouröser ausgefallen, passend zum frisch aufgeklärten Stil der europäischen Welle des Erotikkinos, glücklicher Weise aber auch nicht so dominant eingebaut, als dass es das Grund-Genre des Horrors verraten würde. Ein „La bête“, wie zwei Jahre später in Frankreich entstanden, braucht hier niemand befürchten. Antony Balchs Werk ist eine völlig überdrehte Groteske, die ihre wahnsinns Ideen möglichst ernst umsetzt, um damit ein solch skurriles Ergebnis zu erzielen wie erreicht. Komik gibt es lediglich in der Rolle des recht eigensinnigen Dieners Frankensteins zu entdecken, die Restinszenierung tut fast so, als würde sie ihre Story ernst nehmen.

Das tut sie natürlich nicht wirklich, dafür geht Balch viel zu verspielt mit den Zutaten um, badet nicht nur in gängigen Klischees des klassischen Gruselfilms, sondern bläst diese unübersehbar auf, und vermischt sie mit damals modernen Elementen. So fallen z.B. die Leibwächter in ihrer Motorradkluft samt Helm als ungewöhnlich auf, und sie wissen zu wirken. So simpel kann man eine wirksame Schräge ins Geschehen einbauen. 10 Jahre später und in Amerika gedreht und Charles Band wäre am Film beteiligt gewesen, garantiert.

So sehr sie auch wirken, etwas zu viel werden die Motorrad-Bodyguards des Wissenschaftlers dennoch eingebaut, kloppen sie sich doch ständig mit den Helden des Streifens, denen es immer wieder gelingt sich zu befreien, ohne dabei aus ihren Fehlern zu lernen oder so etwas wie einen halbwegs sinnigen Plan zu erschaffen. Dass es ihnen beim x-ten Versuch gelingt den Sieg über das Geschehen zu erhaschen, ist eher dem Zufall geschult. Zunächst ist der Motorrad-Schlägertrupp fast übermenschlich stark, und wenn es Balch inhaltlich in den Kram passt, bekommen sie plötzlich die Prügel ihres Lebens von den Helden beschert.

„Computer Killers“ (Alternativtitel) atmet pausenlos den Zeitgeist der 70er Jahre, ohne zum typischen Produkt seiner Zeit zu werden. Er ist ein andersartiges Underground-Projekt, das sich individuell guckt, sich in seiner ewig inhaltlichen Wiederholung aber auch hin und wieder unnötig ausbremst, so dass eine kürzere Laufzeit dem Streifen definitiv gut getan hätte. Nicht falsch verstehen, ich mag „Madhouse“ (Alternativtitel), und ich mag es wie wacker sich die gar nicht so talentierten Jungdarsteller schlagen, aber etwas weniger Leerlauf hätte dem an sich einfallsreichen Film gut getan.

Nach dem Horrorfilm „Secrets of Sex“ war dies der zweite und letzte Langfilm des eigentlichen Kurzfilmers Balch, und mit Blick auf dieses einzige Werk was ich von ihm kenne, ist es schon schade dass er nicht noch mehr Genre-Beiträge fabriziert hat. Immerhin konnte er für „Doctor Bloodbath“ (Alternativtitel) Horror-Legende Michael Gough für die Rolle des irren Wissenschaftlers an Bord holen, der später auch den Alfred in den „Batman“-Filmen der 80er und 90er Jahre spielen durfte.

P.S.: Zum Schluss muss mir nur noch wer verraten, warum die herrlich schräge Idee eines Guillotine-Autos Menschen köpft, wenn das scharfe Messer, welches seitlich aus dem Auto herausschießt, doch maximal auf Schenkelhöhe angebracht ist.


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Sonntag, 21. Juni 2015

HAPPY HELL NIGHT (1992 Brian Owens)


Teenager befreien versehentlich einen dämonischen Massenmörder aus der Nervenheilanstalt, der von da an sämtliche Jugendliche in einem Studentenwohnheim um die Ecke bringt...


Kein Fernsehen!...

Er sitzt seit 25 Jahren regungslos in einer Zelle in der Nervenheilanstalt, als ob er auf etwas warten würde. An Halloween kommt er des nachts frei. 14 Jahre nach John Carpenters „Halloween - Die Nacht des Grauens“, zu einer Zeit als ein Slasher längst keine Massen mehr ins Kino lockte, da kamen irgendwelche Idioten von Produzenten auf die Idee mal ganz dreist beim großen Original der Slasherwelle zu klauen, zumindest was die Ausgangslage betrifft, und bei dem Versuch, das Ende der 80er Jahre und des Subgenres Slasher ignorierend, etwas so selten Dämliches auf die Beine zu stellen, das man es fast schon selbst gesehen haben sollte um es zu glauben.

Zunächst beginnt „Happy Hell Night“ eigentlich noch ganz gut. Der düstere Look verleiht ihm eine gewisse Stimmung, der Gedanke dass sich der Irre in der Nervenheilanstalt von den Kakerlaken ernährt ist ebenso unangenehm wie die Kellerräume selbst, in welchen die Übelsten unter den Geisteskranken aufbewahrt werden. Der Aufhänger wie der Bösewicht freikommt ist an den Haaren herbei gezogen, aber Filme wie „Aquarius - Theater des Todes“ zeigen dass dies noch keinen schlechten Film ausmachen muss.

Nur leider bleibt „Hell Night“ (Alternativtitel, aber nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Film mit Linda Blair) den kompletten Film über unsinnig. Wie extrem merkt man erst mit der Zeit, wird die Story doch zunächst mit Teen-Herzschmerz, Partys und anderen Unsinnigkeiten gestreckt, die keinem bei den eindimensional charakterisierten Figuren interessieren, die zudem von viel zu Erwachsen aussehenden mitte 30jährigen verkörpert werden. Ist die Party aber mit einem mal viel zu plötzlich vorbei und der Killer im Haus der Studentenbewegung fallen einem die Idiotien reihenweise um die Ohren, und dies in einer Penetranz die weder zu ignorieren noch schönzureden ist.

Da ist ein Irrer zu Fuß um Stunden schneller am Ziel als ein Motorradfahrer, der zugegebener Maßen eine gefühlte halbe Stunde in einer Verkehrskontrolle feststeckt. Da staunen Studenten über die Anwesenheit eines Killers im Zimmer, etwa 2 Minuten nachdem dieser in Anwesenheit der Kids und bemerkt von diesen dort jemanden umgebracht hat. Und jenem Freund, den man gebeten hat mittels seiner Kameras im Haus die anderen zu warnen wenn der Psycho in der Nähe ist, glaubt man nicht wenn er tut um was man ihn bat, selbst wenn kurz zuvor jemand ebenfalls anmerkte den Bösewicht im dunklen Zimmer wahrgenommen zu haben.

Umgekehrt schafft es ein überraschend gegen Ende auftauchender Vater unbemerkt von all den Kameras mitten ins Geschehen zu geraten, bereits über all das informiert was er noch nicht wissen kann. Aber was das betrifft ist er nicht der einzige. Da man tiefer gehen wollte als „Halloween“ schenkte man dem Psycho einen okkulten Hintergrund, wobei man scheinbar nicht begriffen hat, dass gerade das Unerklärliche die Mystik eines Michael Myers ausmachte. Diese wurde ebenso unterstützt von dessen Schweigen, woran man sich in „Happy Hell Night - Verflucht in alle Ewigkeit“ (Alternativtitel) ebenfalls nicht hielt, so dass der Killer nach jedem Mord unsinnige Verbote aussprechen darf, die noch dümmlicher daher kommen als beim dritten Auftritt des bösen Stiefvaters in „Vatertag“.

Wenn man glaubt idiotischer könnten die Fehlhandlungen der dümmlichen Studenten nicht mehr werden, gibt es aufgrund des christlichen Hintergrunds der Geschichte noch ein Ritual das man vollziehen muss, welches man aus einem Buch des eben erwähnten Vaters entnimmt, der seinerzeit Schuld an der Erschaffung des Dämons hatte. Warum das Ritual nie vollzogen wurde, solang der Bösewicht 25 Jahre regungslos in der Klappse saß, bleibt eines der vielen Rätsel der vor Logiklücken nur so sprießenden Geschichte. Interessanter Weise wird das Ritual trotz düsterster im Buch prophezeiter Warnungen immer wieder falsch vollzogen oder unterbrochen, sodass man sich über den schwarzhumorigen Schluss-Gag eigentlich gar nicht mehr wundern braucht, welcher der Bande unsympathischer Überlebender gibt was sie verdienen, dies aber leider so konstruiert und unwirksam in Szene gesetzt wie der restliche Streifen auch.

Es ist kaum zu glauben dass ich diesen Dreck als Teenager einst cool fand. Und damals konnten wir uns nicht einmal an den harten Effekten aufgeilen, war die alte VHS-Fassung doch stark gekürzt. Zugegeben: der Friedhof, das düstere Studentenwohnheim und ganz besonders die Irrenanstalt wissen in der düsteren Optik, in welcher der Komplettfilm gehalten ist, zu wirken. Das sorgt kurzfristig immer wieder mal für ordentlich Stimmung, hin und wieder gar für kurze Momente der Spannung. Aber „Happy Hell Night“ wird wirklich von Minute zu Minute idiotischer, dümmer und widersprüchlicher, so dass die kleinen Pluspunkte einer ansonsten eher mauen Inszenierung das Ruder nicht mehr herumreißen können. „Happy Hell Night“ schaut sich für die 90er Jahre noch herrlich Old School. Aber begriffen was Filme wie „Freitag der 13.“, „Die Forke des Todes“ oder „Die Horror-Party“ ausgemacht haben hat Regisseur Brian Owens überhaupt nicht. Gut dass „Happy Hell Night“ sein einziger Film blieb.


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DER FLUCH DER MUMIE (The Mummy's Shroud 1967 John Gilling)


Kurz nachdem das Grab eines ehemaligen ägyptischen Prinzen, der vor 4000 Jahren lebte, entdeckt wird, verschwindet dessen Leichentuch, auf dem ein Spruch stand mit dem man Tote zum Leben erwecken kann. Ein Nachfahre der Grabwächter benutzt es und erweckt damit den damaligen Diener des Prinzen, der nun alle tötet welche die Grabesruhe des Adligen gestört haben...


Der Bandagenmann geht um...

Wenn es um Hammer-Filme geht habe ich die Werke des Regisseurs John Gilling bislang vernachlässigt. „Nächte des Grauens“ steht noch zur Sichtung an, und „Das schwarze Reptil“ wird noch länger auf sich warten lassen müssen, da es noch nicht zu meiner Sammlung gehört. Bislang war mir nur der Film „The Night Caller“ bekannt, der mit den Hammer Studios jedoch nichts zu tun hat und meiner Meinung nach trotz einiger sympathischer Aspekte auch nichts taugt. Nun habe ich zumindest einmal „Der Fluch der Mumie“ gesehen, Gillings letzte Regie-Arbeit bei einem Spielfilm für die kommenden acht Jahre, und der bietet so ziemlich alles was ich seinerzeit bei Karloffs „Die Mumie“ vermisst habe.

Endlich darf man mal ganz klassisch einen Bandagenmann stocksteif herumlaufen sehen, gewissen- und geisteslos Rache nehmend an Grabschändern. Mir war damals nicht bewusst dass es solche Momente im 30er Jahre Film der Universal Studios noch nicht gab. Das schmälerte die Freude am Film enorm. Im hier besprochenen Werk war sie dafür umso höher, auch wenn der wiedererweckte Tote erst zur zweiten Filmhälfte hin erstmals loslegen darf.

Das ist aber allein schon deshalb gar nicht wild, weil die Geschichte bis dahin interessant erzählt ist. Die Charaktere wissen zu interessieren, manche gar zu belustigen ohne „The Mummy‘s Shroud“ (Originaltitel) damit zur Horror-Komödie werden zu lassen. Etwas augenzwinkernd ist die bereits für damalige Zeiten etwas altbackene Geschichte um einen abergläubischen Fluch freilich trotzdem erzählt, jedoch auf eine Art die dennoch Respekt vor dem angegangenen Projekt besitzt.

Auch die liebevoll gestalteten Settings sind wieder einmal - typisch Hammer - Gold wert. Das unterstützt das angenehme Feeling noch lange vor dem Horroreinbruch in die Geschichte. Letztendlich guckt sich die Vorphase wie ein Abenteuerfilm, und auch wenn die Horrorelemente zur zweiten Hälfte in die Story einfließen, bleibt aufgrund der leichtfüßigen Inszenierung und dem eher seichten Grusel die Stimmung eines Abenteuerfilms bestehen.

„Der Fluch der Mumie“ ist ein liebevolles, durch und durch sympathisches Produkt, das kein Geheimnis aus der Naivität seiner Story und deren Klischees macht. Eine Wahrsagerin mit Kristallkugel gibt es ebenso wie eine esoterische Frau mit Vorahnungen. Es weht viel unsinniger Hokuspokus im Film umher, der nur deshalb nicht zur unfreiwilligen Komik wird, weil man sich dessen bewusst war und einen herzlichen Mittelweg aus Augenzwinkerei und respektvoller Umsetzung gegangen ist, mit einem Charme wie ihn heute in dieser Art kein Film mehr umweht.

Der schon damals gewünschte nostalgische Effekt bei einer Geschichte die in den 20er Jahren spielt ist bei einem Film aus den 60er Jahren mit Blick von heute freilich um so größer. Dies nicht nur aufgrund der klassischen Umsetzung, sondern freilich auch aufgrund der überholten Art den Zuschauer gruseln zu wollen. Das gibt dem theoretisch schlichtem Werk zusätzlich noch einiges an Wirkungskraft neben seinen Stärken, die er bereits zur Entstehungszeit besaß. Im Vergleich zu „Dracula“ mag der Film um den wandelnden toten Diener etwas blutleerer ausgefallen sein, aber der Grundton des Streifens ist ohnehin ein völlig anderer.

Wie bereits erwähnt würde ich ihn als leichtfüßig bezeichnen. Zudem ist das Monster des hier besprochenen Streifens, im Gegensatz zu dem um den adligen Blutsauger, lediglich das Werkzeug für Gerechtigkeit. Die bösen in diesem Film sind weder die Mumie, noch der Grabwächter der sie lenkt, sondern die Archäologen die kein Respekt vor dem Tod und vor anderen Kulturen besitzen. Dass es unter ihnen welche gibt die diesen Respekt durchaus besitzen, legitimiert ein Happy End das manch einer von ihnen erleben darf. Der lenkende Rächer wird jedoch missverständlicher Weise als Bösewicht des Streifens verstanden und darf dieses nicht erleben. Wer diese Filme mag, die geradezu typisch für einen faulen Sonntag-Nachmittag geeignet sind, der wird ebenso viel Freude an Gillings Werk haben wie ich ihn hatte.


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Samstag, 20. Juni 2015

THE INTERVIEW (2014 Seth Rogen u.a.)


Der Boulevard-Reporter Dave Skylark bekommt die Chance zu einem Interview mit dem obersten Machthaber von Nord-Korea, als dieser sich als großer Fan dessen Sendung outet. Sogleich bekommt der Journalist von der CIA den Auftrag einen Anschlag auf Kim Jong-un zu verüben. In Nord-Korea angekommen entpuppt sich der Diktator jedoch als Seelenverwandter Daves. Lediglich Daves Freund und Geschäftspartner Aaron glaubt dass hier etwas faul ist...


Popoloch oder nicht?...

Wenn jemand seine Popularität nutzt um frei Schnauze jene Art Film zu drehen die er möchte, dann ist das zur Zeit Seth Rogen, der mit Busen-Kumpel James Franco diese Freiheit im Gegensatz zu George Clooney nicht nutzt um geistreiche Nebenprojekte zu finanzieren, sondern um die Mechanismen rund um Hollywood zur großen Party seines Lebens zu nutzen. Warum auch nicht? Wer weiß wie lange er das noch kann. Nachdem die beiden mit „Das ist das Ende“ den persönlichen Partyfilm schlechthin abgeliefert hatten und sich dabei ganz nebenbei über das Christentum lustig gemacht haben, stand beim Folgeprojekt ein politisches Thema an. Und wie so oft in amerikanischen Fun-Filmen mit Politinteresse, macht man sich über den Führer eines anderen Landes lustig.

Zwar versucht der Story-Mitbeteiligte Produzent und Hauptdarsteller Seth Rogen all zu pro-amerikanische Stellungnahmen zu umgehen, was schließlich auch nicht zu seinem kifferfreudigen Anarcho-Touch passen würde den er stets zelebriert, trotz diverser Seitenhiebe auf sein Heimatland kommt die CIA und der fragwürdige Journalismus der USA allerdings doch viel zu positiv weg, ganz davon abgesehen dass die Methoden die in „The Interview“ zum Happy End führen in ihrer Fragwürdigkeit nicht parodiert werden, obwohl der Film sich an anderer Stelle diesbezüglich zunächst zumindest hin- und hergerissen zeigt.

Dieses Pro-Amerika-Getue steht Seth Rogen ebenso wenig wie der krampfhafte Versuch jene Komik unbedingt in eine satirisch angehauchte Komödie zu integrieren, die ihn berühmt machte. Überzeugung oder der erbärmliche Versuch das Stammpublikum nicht zu verprellen? Keine Ahnung, aber Sprüche die in Kiffer-Komödien lustig rüberkommen wirken in „The Interview“ oft fehl am Platz. Und der Fäkalwitzchen gibt es einfach zu viele, als dass man sie lediglich als nervige Randerscheinung belächeln könnte.

Schön ist es hingegen zu sehen, dass man es auch in diesem Film schaffte den skurrilen Running Gag aufrecht zu erhalten, welcher darin besteht dass die Rollen Francos die Rollen Rogens stets anhimmeln. Das zündet hier nicht mehr so gut wie in „Ananas Express“ und „Das ist das Ende“, aber es gehört bei einer Zusammenarbeit der beiden beliebten Schauspieler einfach dazu.

Leider ruht sich „The Interview“ viel zu sehr darauf aus die Komik aus dem Privatverhalten des nord-koreanischen Diktators zu ziehen. Was Hussein betreffend als Randerscheinung in den „Hot Shots“-Filmen zu funktionieren wusste, und in den meisten Szenen auch hier zu funktionieren weiß, kann alleine keinen kompletten Film stemmen. Zwar versucht man mit allerhand Action und Aktionskomik dem ganzen mehr Schwung zu bescheren, aber mehr als leichte Unterhaltung will der so spitzfindig klingende Plot dann doch nicht werden.

Die thematische Verwandtschaft zu „Frost/Nixon“ wird am Rande erwähnt, und auch in anderen Nebensächlichkeiten gibt man sich Selbstreflektier-freudig, aber in den wichtigsten Punkten ist „The Interview“ zu aalglatt ausgefallen. Hinter der anarchischen Fassade ist er doch zu sehr Mainstream und leider eben doch gar nicht so selbstreflektierend wie er an anderer Stelle tut. Das verärgert ein wenig, jedoch auch nur wenn man zu hohe Erwartungen am Film hegt, egal ob es Erwartungen in den Satiregehalt des Streifens oder in die Partytauglichkeit eines Seth Rogen-Streifens sind. Der Film lässt sich nämlich viel eher mit jener leichten Kost aus „Bad Neighbors“ oder „Zack and Miri Make a Porno“ vergleichen, als mit jenen Rogen-Filmen in welchen der gute Mann neben Franco agierte.

Das soll heißen: als schlichter Film für zwischendurch kann „The Interview“ funktionieren, sofern man die Überzahl an Fäkalwitzchen gnädigast ignorieren kann (vergleichbar mit Sandlers „50 erste Dates“). Die Regiearbeit von Rogen und Goldberg hat sicherlich einige kleine Höhepunkte im Gepäck, von denen man gerne mehr in der Art gesichtet hätte, und das glaubwürdige Kim Jong-un-Double ist viele Lacher wert, aber letztendlich ist der Streifen ein viel kleinerer und unbedeutenderer Film als er eigentlich gerne wäre. „The Interview“ mag ja die aufgeblähtere Story und den wirksameren Aufhänger präsentieren, aber das größere Kino lieferte Rogen ironischer Weise mit dem reinen Party-Film „Das ist das Ende“ ab. Der blieb sich in seiner Ganzheit treu. „The Interview“ ist an zu sicheren Stellen mutig, und in jenen, an denen Mut von Nöten gewesen wäre, kneift er dann doch den Schwanz ein. Nicht schlimm, aber deshalb auch nicht groß!


Nachtrag:
Ich habe "The Interview" mittlerweile einige Male gesehen, und von ein paar Witzchen unter der Gürtellinie einmal abgesehen, ganz besonders vom nervigen Running Gag darüber ob Kim Jong-un nun Kacka macht oder nicht, gefällt er mir nun wesentlich besser. Sicherlich muss man auf die übliche Komik eines von Seth Rogen selbstgeschriebenen Filmes eingestellt sein und auch Zugang dazu haben, aber für eine Anarchokomödie inklusive Entgleisungen ist der Plot doch wesentlich intelligenter ausgefallen als es mir zunächst schien, und auch die Lacher sind in ihrer Population im entspannteren Zustand wesentlich häufiger vorhanden als beim sehr kritischen und kopflastigen ersten Sichten. "The Interview" ist somit für uneingenommene Filmfreunde wesentlich gelungener ausgefallen als es mir zunächst bewusst war, da er sehr verspielt pointensicher mit viel mehr Themen arbeitet als mir zunächst aufgefallen ist.


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MESSIAS DES BÖSEN (Messiah of Evil 1973 Willard Huyck u.a.)


Obwohl ihr Vater sie im letzten Brief darum bat ihn nicht aufzusuchen, reist eine junge Frau in die kleine Küstenstadt, in welche ihr Vater einige Jahre zuvor gezogen ist. Sie sucht nach ihm, nachdem selbst der Briefkontakt abgebrochen ist. Weder in seiner Wohnung noch anderswo im Ort ist er aufzufinden. Und die Bewohner der ungemütlichen Stadt benehmen sich eigenartig. Auch merkwürdige Tagebucheinträge des Herrn Papa werfen eher Rätsel auf anstatt zu Antworten zu führen...


Die Stadt der Fleischfresser...

Seinerzeit wurde „Messias des Bösen“ von der Kritik geschmäht, heute gilt er unter Filmfreunden als sehenswertes Stück Kunst. Wie man auf einen solch liebevoll umgesetzten Streifen, der aus seinem kleinen Budget so viel herauszuholen weiß, herumtreten kann verstehe ich auch nicht, aber man muss aus „Messiah of Evil“ (Originaltitel) auch nicht mehr machen als er ist, ist er doch nur ein halbfertiges Stück Film, welches gegen Ende irgendwie zusammengeflickt wurde, um einen fertigen Streifen vorzugaukeln. In Wirklichkeit ging den Produzenten kurz vor Schluss das Geld aus, weswegen das Werk auch erst einige Jahre nach „Ferigstellung“ veröffentlicht wurde.

Eine Auflösung der im Film gestellten Rätsel gibt es nicht. Andeutungen werden gemacht. Und vielerorts heißt es, der Zufall, dass das unfertige Ende so skurril wirkt, würde dem Werk der Regisseure Willard Huyck und Gloria Katz gut tun, da es zur Restinszenierung passen würde. Ich sehe das anders. Zwar entfachen die Gemälde im Haus des Vaters und die sehr langsame Erzählform teilweise eine grandios hypnotische Wirkung, an anderer Stelle wirkt Letztgenanntes jedoch zu zäh, und die dichte Atmosphäre leidet am Stillstand. Zu diesem kommt es nie vollends, da der Film immer wieder tolle Momente, manchmal sogar nur wunderbare Aufnahmen, als Überraschung aus dem Hut zaubert, aber dieses ständige auf die Bremse treten stört dann doch etwas zu sehr, um „Blood Bastards“ (Alternativtitel) über den grünen Klee zu loben.

Trotzdem sollte man nicht zu sehr über „The Second Coming“ (Alternativtitel) schimpfen, denn er ist wie bereits erwähnt in seiner künstlerichen und hypnotischen Art sympathisch umgesetzt, und das Mysterium des Ortes weiß auch die Gedanken des Zuschauers zu stimmulieren, fragt man sich doch gemeinsam mit der Protagonistin, was das Geheimnis der kleinen Küstenstadt ist. Erleben wir einen Satanskult? Wurde an den Bewohnern herumgedoktort, wie es in „Tot und begraben“ der Fall war, der inhaltlich einige Parallelen zu „Messias des Bösen“ aufweist?

Die Regisseure vertrauen auf diesen Schwebezustand zwischen verwirrtem Geist aufgrund der Bild- und Tonwirkung und dem Neugierde weckenden aktiven Geisteszustand des Zuschauers. Wie bereits erwähnt etwas zu sehr, und mit einem offenen Schluss enttäuschend, aber immerhin verzeiht man dem Werk so einiges, allein schon für die zwei hervorhebenswerten Szenen des Streifens. Das wäre zum einen die Supermarkt-Szene und zum anderen die Hitchcock-Verbeugung, wenn ein Kinobesuch absichtliche Parallelen zu „Die Vögel“ aufbaut und damit ein ähnlich unheilvolles Szenario kreiert wie der Meister des klassischen Thrills.

Meiner Meinung ist die Kinosequenz auch gleich die unheimlichste des kompletten Filmes, ist das Gesamtwerk doch eher wenig unheimlich ausgefallen. Rätselhaft und ominös passt, surreal auch, und hin und wieder kribbelt es vor Spannung, aber wahrlich gruselig fällt „Dead People“ (Alternativtitel) in seiner nüchternen Art eher nicht aus. Es ist ein verkopfter Film, der den Geist des Zuschauers vernebeln möchte. Wie intensiv dieser Ansatz zu wirken weiß wird von Zuschauer zu Zuschauer unterschiedlich sein. Damit ist die psychologische Grundlage auf welcher dieser Genre-Beitrag aufbaut durchaus vergleichbar mit dem Gruselbereich, der auf ein ebenfalls unterschiedlich sensibles Publikum stößt.

Sollte „Messias des Bösen“ seine Wirkung bei manchem Zuschauer nicht entfachen, so sollte er zumindest noch theoretisch funktionieren, ist seine ruhige Art und seine Bildkomposition doch respektabel ausgefallen, erst recht wenn man das niedrige Budget im Hinterkopf hat. Nörgler sollten also mal lieber etwas genauer hinschauen was hier geleistet wurde. Aber die künstlerich wertvolle Umsetzung kann nicht alles entschuldigen. Dass „Deep Swamp“ (Alternativtitel) ein unfertiger Film ist und zu oft auf der Stelle tritt, sind unschöne Teilbereiche eines ansonsten liebevoll gefertigten Herzensprojektes.


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Freitag, 19. Juni 2015

MENSCHENJAGD IN SAN FRANCISCO (The San Francisco Story 1952 Robert Parrish)


Der Minenbesitzer Rick Nelson, ein ehemaliges Mitglied der Bürgerwehr von San Francisco, kehrt nach 5 Jahren in die Stadt zurück. Als er sich in die Freundin des mächtigen Cain verliebt macht er sich weder bei der Bürgerwehr noch bei Cain Freunde...


Für eine handvoll Gerechtigkeit...

Der Regisseur Robert Parrish, der bis in die 70er Jahre tätig war, hat sich nie auf ein Genre festlegen lassen. So drehte er beispielsweise den sympathischen Science Fiction „Unfall im Weltraum“, die Peter Sellers-Komödie „Bobo ist der Größte“ und das Kriegs-Drama „Der Tag danach“. Vielleicht liegt es daran, dass sich „Menschenjagd in San Francisco“ trotz seiner klassischen Umsetzung nicht ganz wie der typische Western guckt. Ein Verbrecher hat politische Pläne mit San Francisco. Die Stadt steht im Zentrum und darf nicht in die falschen Hände geraten.

Ob sie zur Zeit in den richtigen liegt, steht auf einem anderen Blatt Papier. Trotz der eigentlich klassischen Trennung von Gut und Böse klingt aus der Sicht des Helden gelegentlich an, dass er die Lynchjustiz der Bürgerwehr nicht gutheißt und nicht glaubt dass alles mit rechten Dingen zugeht bei Urteilsverkündungen des Geschworenengerichts. Ob er seinerzeit deswegen ausgetreten ist wird nicht erwähnt. Und auch wenn Rick nicht auf den Pfaden des Vorsitzenden der Bürgerwehr wandert, so verfolgen sie doch gleiche Interessen, womit die Bürgerwehr dann doch wieder auf der Seite der Guten steht.

Hat diese Ungereimtheit mit einem Einmischen der Produzenten zu tun? Liegen hier Fehler in der von mir gesichteten deutschen Synchronfassung vor? Ich weiß es nicht. Vielleicht wollte man auch einfach nur, wie gelegentlich an anderer Stelle des Streifens, die unbeeinflussbare Eigenständigkeit des Helden betonen und lässt ihn deshalb über die Bürgerwehr augenzwinkernd (?) sticheln. Möglich wäre das durchaus, vertritt Rick doch einen Humor den ich nicht immer verstanden habe.

Das liegt aber auch daran, dass der Film in seiner Zeit geradezu feststeckt und längst überholt wirkt. Ein den Leuten zuzwinkernder Held wirkt heutzutage nur noch belustigend. Und der naive Ablauf der Geschichte haut heute keinen mehr vom Hocker. Dementsprechend ist einem Menschen von heute auch die Mentalität der Entstehungszeit des Filmes fremd, die trotz seiner Spielzeit in der Mitte des 19. Jahrhunderts freilich bei einer solchen Studio-Produktion mit einfließt. Die Warner Brothers waren schon damals dick im Geschäft. Der Film ist ein kalkuliertes Produkt, was man z.B. an der lieblos eingebrachten Rolle von Ricks Kumpel bemerkt, der als lustiger Sidekick nach klassischem Rezept eingebaut wurde.

„The San Francisco Story“ (Originaltitel) schaut sich jedoch trotz und wegen seiner überholten Art recht sympathisch. Zwar ist manche Aufnahme zu dunkel geraten, das Finale etwas arg schlicht ausgefallen und die Läuterung einer jungen Frau ähnlich sprunghaft eingearbeitet wie die Love Story vor deren Hintergrund alles Wesentliche abläuft, aber das sind wackelige Angelegenheiten die ohnehin nur nebensächlich für den Film sind. Die klassische Gut gegen Böse-Geschichte, mit überholten Tricks der gegenseitigen Manipulation, das ist das Zentrum von „5 Kugeln in der Trommel“ (Alternativtitel), und dieser Part weiß auf naive Art durchaus zu unterhalten.

Dass das ganze vor dem Scheideweg einer heute sehr großen Stadt spielt und mit ungewöhnlichen Elementen für das präsentierte Genre bereichert wird, wie z.B. das Streifen der Thematik rund um Menschenhandel, die Anwesenheit von Asiaten in einem für diese Zeit sonst so typisch weißen Genre und der politische Hintergrund, der kein Geheimnis daraus macht dass nicht jeder auf ehrliche Art in den Senat kommt, gibt dem Film genügend Halt sich in dem schlichten Licht in dem er strahlt zu beweisen. Er tritt damit zwar nicht wirklich aus der Masse heraus, immerhin guckt sich „Menschenjagd in San Francisco" trotzdem typisch Old School, aber zumindest hält er den Zuschauer mit solchen Gymmicks über seine 75 Minuten Laufzeit bei Laune.


Donnerstag, 18. Juni 2015

SCARY MOVIE 4 (2006 David Zucker)


Durch eine Spukerscheinung im Haus ihrer neuen Stelle als Pflegerin gerät Cindy kurz vor dem Invasionsversuch Außerirdischer an die Information welcher Mann das Geheimnis der Aliens kennt um sie aufzuhalten. Besagter Mann wohnt nur leider in einem wunderlichen Dorf und ist nicht redebereit...


Faris gibt zum letzten Mal die Cindy...

Bereits mit „Scary Movie 3“ lieferte Regisseur David Zucker nicht mehr das Niveau jener Film-Parodien ab, mit denen er im Trio mit Jerry Zucker und Jim Abrahams einst berühmt wurde. Und mit „Scary Movie 4“ geht es noch eine Nummer weiter nach unten, wird die Reihe nun doch noch mehr zur reinen Zoten reißenden, Filme zitierenden Nummern-Revue als ohnehin schon, der man aufgrund einer Vielzahl unnötiger Fäkal-Gags und billiger Hau drauf-Komik zu Recht kritisch gegenüber stehen mag. Tiefsinn blitzt nicht einmal mehr leicht auf, der Kern der zu parodierenden Genres wird nicht einmal mehr erörtert. Bekanntes soll lediglich erkannt werden und durch einen schlichten Gag humoristisch verarbeitet.

Trotzdem muss man den Autoren zugestehen, dass es gar nicht so einfach ist die völlig unterschiedlichen Filme „Saw“, „The Village - Das Dorf“, „Krieg der Welten“ und „The Grudge - Der Fluch“, welche neben einer Vielzahl anderer Werke hauptsächlich verarscht werden, unter einen Hut zu bringen. Der rote Faden, der eine erzählte Geschichte vortäuscht, ist hauchdünn zu nennen, und doch ist es faszinierend wie alles zu einem pseudo-sinnvollen Cocktail vermischt wird. Kunst ist das nicht, aber herrlich schräg mit anzuschauen durchaus.

Dank einer wie immer gut aufgelegten, verspielten und mutigen Anna Faris weiß dieses plumpe Rezept gerade noch auf schlichter Ebene aufzugehen. Trotz allerhand Rohrkrepierer kann man über viele Gags noch herzhaft lachen, wenn man bereit ist sich auch einmal unter Niveau zu amüsieren. Wenn ein Vater sich mit vorgeheuchelter Art als Nichtkenner seiner Kinder entpuppt, gebranntmarkte Flüchtlinge für Zombies gehalten werden, hinter einer Schweinemaske ein Mann namens Pigface steckt oder ein in Ketten Gefangener sich das falsche Bein beim Befreiungsversuch absägt, dann ist das durchaus lustig. Im Gegensatz zum ersten „Scary Movie“ kann man die Fehltritte jedoch nicht mehr ignorieren, sie verwässern sehr deutlich den Unterhaltungswert des Streifens in ihrer arg vulgären Art.

Selbstverständlich bleibt ein Extrem-Werk wie „Scary Movie 4“ reine Geschmackssache, so provokativ wie er sich absichtlich in schlechtem Geschmack suhlt. Aber man darf auch nicht zu engstirnig an einen Film herangehen, der lediglich simpel unterhalten will während er die erfolgreiche Geldkuh melkt. Besser funktionierend als jeglicher seelenlose Blockbuster a la „Terminator 4“, "Man of Steel" oder „Transformers“ ist diese Horror-Komödie noch immer. Wie weit es Niveau-mäßig hierfür bergab gehen darf bleibt Ansichtssache, viele rümpften bereits beim anspruchsvolleren Teil 1 die Nase oder bei der Rezeptveränderung Zuckers durch Teil 3.

Spätestens an der letzten Szene werden sich die Geister endgültig scheiden, muss man zum Verstehen der Szene doch zur Ausnahme einmal tatsächlich das Original gesehen haben, in diesem Falle den Liveauftritt von Tom Cruise in einer populären Talkshow, und selbst dann bleibt die hauptsächlich improvisierte Szene aufgrund grenzdebilem Humors reine Geschmackssache. Brilliant, wie es Regisseur Zucker formulierte, ist die Performance des Cruise-Parodisten, der mit dieser Rolle die zweite Hauptrolle des Streifens spielte, keineswegs zu nennen, dafür fehlt der Nummer die Tiefe. Aber so sehr sich der werte Herr auch zum Affen macht, immer wieder gelingen ihm kurze Momente, welche das Herumgealber zu jener Groteske macht, welche die Szene im Gesamten hätte werden müssen um als gelungen betrachtet werden zu können.

Ich konnte mich damals erst beim zweiten Sichten mit „Scary Movie 4“ anfreunden, war ich nach erster Sichtung doch wie erschlagen von der Plumpheit des Dargebotenen. Gibt man dem etwas zu bemühtem Herumgealber jedoch eine faire Chance, sich wissendlich gerade unter Niveau unterhaltend, wissen die positiven Momente das Gesamtwerk doch noch zu stemmen. Sicherlich nicht mit so kräftigen Armen gehalten wie es ein Schwarzenegger oder Hercules könnte, aber als Wackelkandidat sich gerade noch im Bereich des angenehmen Durchschnitts haltend. Allein die stark ans Original angelehnten Örtlichkeiten verdienen einen Sympathie-Bonus.


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Mittwoch, 17. Juni 2015

DER SCHLITZER (La casa sperduta nel parco 1980 Ruggero Deodato)


Zwei Leute nehmen nach einem Problem mit ihrem Auto den Mechaniker Jack und seinen Kumpel mit auf eine Party, ohne zu wissen dass Jack ein gewaltbereiter Triebtäter ist...


Die Geschichte von einem der besten Ficker der Stadt...

Wenn man einmal in den Geschmack kam Deodatos großartigen „Nackt und zerfleischt“ gesehen zu haben und den Quasi-Vorgänger „Mondo Cannibale 2 - Der Vogelmensch“, dann möchte man mehr von diesem scheinbar verkannten und sensiblen Menschenversteher sehen. Gerade ein Film außerhalb des Kannibalen-Bereiches interessierte mich, und bevor ich mich mit „Cut and Run“ auf ein mir eher uninteressant scheinendes Thema einlasse, wollte ich zunächst mit „Der Schlitzer“ einen Film des Regisseurs sehen, der mein Interessengebiet anzugehören schien.

Erwartet hatte ich einen Giallo, bekommen habe ich eine geschwätzige Pseudo-Gesellschaftsstudie, in welcher zwar manch stiller, kleiner Ton zu überraschen weiß, der aber scheinbar eher dann doch den Kritikern von „Nackt und zerfleischt“ Recht zu geben scheint. Das Reißerische siegt über dem Menschlichen, das Voyeuristische siegt über eine sensible Beobachtunsgabe. War der in so vielen Ländern verbotene Kannibalenfilm in ungeschönter Bitte um das nicht Weggucken der Gräueltaten unserer Zivilisation am Ende doch nur ein Zufallsprodukt Deodatos? Zumindest mit Blick auf den nur eingeschränkt interessanten „The House on the Edge of the Park“ (Alternativtitel) darf man seine Zweifel hegen.

Mal davon abgesehen dass ewiges Hinhalten auf dem Plan steht und man ewig einem Typen dabei zusehen darf, der sich mit einem Rasiermesser in der Hand irre wohlfühlt im Irrglauben die dekadente Gesellschaft würde ihn schlecht behandeln, bleibt „La casa sperduta nel parco“ (Originaltitel) zumindest die Grundsituation betreffend realistisch. Eine Waffe reicht die Situation im Griff zu halten. Keiner versucht den Helden zu spielen. Die Gefahr ist allen stets bewusst, und nur der in Filmrealitäten lebende Mensch wird den Bedrohten vorwerfen in manch möglich scheinender Situation nicht auf Gegenwehr gesetzt zu haben.

Seine Glaubwürdigkeit verliert der Streifen eigentlich erst in einer Sexszene, wie sie unsinniger nicht sein könnte. Immerhin der Kontrast dessen was parallel andernorts passiert weiß dem Moment ein Restniveau zu geben. Verarscht kommt man sich freilich trotzdem vor.

Allerdings ist man zu diesem Zeitpunkt auch kaum noch am Film interessiert, durfte man doch ewig den sicherlich mit Absicht nach Jack the Rippers Vornamen benannten Psychopathen im Zentrum dabei zusehen, wie er den großen Macker markiert, der zwar nicht schlecht gespielt ist, aber doch eher nervt. Bedrohlich wirkt er nur bedingt. In der Deutschfassung bekam er zumindest DeNiros Synchronstimme beschert, was zu seinem Gesicht, welches an den großartgen amerikanischen Kultschauspieler erinnert, passt. Die Figur ist nicht interessant genug geschrieben, als dass sie die magere Geschichte tragen könnte.

Auch wandelt sich der Streifen nicht zu einer Rachegeschichte a la „Ich spuck auf Dein Grab“, ist schon eher vergleichbar mit „The Last House on the Left“ von Wes Craven, vielleicht auch als reißerische Vorversion eines „Funny Games“ zu verstehen. Aber welche Filme man auch immer als Vergleich heranziehen könnte, einen tieferen Blick ist „Der Schlitzer“ einfach nicht wert um ihn mit Werken zu vergleichen, welche das Genre des harten Thrillers und Horrorfilms beeinflussten. Er geht auf Kosten von Quantitäten nicht so tief wie er könnte, und das Finale ist enttäuschend und hinterlässt einen grummelnd zurück, fragt man sich als Zuschauer doch wofür man dieses Stück Routine so lange ausgehalten hat. Und wie versteht Deodato eigentlich die Figur des Jack? Ist sein Ende tragisch? Interessant ist da eher die Charakterisierung seines Partners, auch wenn sie das übliche Abziehbild als Mitläufer eines Gemeingefährlichen ist.

Vielleicht sieht manch einer mehr in dem drögen Getue eines reißerischen Kammerspiels. Vielleicht meint wer ernsthaft Gesellschaftskritik zu entdecken, oder glaubt die Psychologie des Streifens sei auf gewagte Art voll krass analytisch ausgefallen. Aber all das stimmt nicht. Solche Behauptungen würde nur als Legitimation dienen um zu begründen warum einem ein solch uninspirierter Durchschnitt gefällt. Ein genauer Blick auf das Treiben im Film zeigt doch zu deutlich, dass die Figuren viel zu sehr Konstrukt bleiben, als dass sie für mehr als oberflächliche Unterhaltung herhalten könnten. „Der Schlitzer“ ist plump, wäre sicherlich gerne mehr. Aber für mehr kann man ihn nicht ernst genug nehmen.


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Montag, 15. Juni 2015

TURM DER LEBENDEN LEICHEN (Tower of Evil 1972 Jim O'Connolly)


Zwei Fischer stoßen auf einer einsamen Leuchtturminsel auf Leichen. Einer von ihnen wird von einer geistig abgedrifteten jungen Frau umgebracht. Die Polizei ist davon überzeugt dass diese auch die anderen Toten auf dem Gewissen hat. Die Eltern der vermeintlichen Täterin glauben dies nicht und engagieren einen Detektiv nähere Nachforschungen auf besagter Insel zu betreiben. Dieser schließt sich einem Expeditions-Trupp von Wissenschaftlern an, die aufgrund einer der Tatwaffen die Grabstätte eines Kultes auf der Insel vermuten, der einst die Gottheit Baal angebetet hat...


Der Turm vor dem Tunnel...

Wenn man zu Beginn im Vorspann einen Blick auf den im Titel erwähnten Turm werfen darf, ist seine Miniaturherkunft nicht zu verleugnen, was der reißerischen Musik, die krampfhaft Stimmung erzeugen möchte, lächerlich entgegen wirkt. Das schränkt Erwartungen enormst ein und wirkt wie ein Alarmsignal für alles Kommende, aber diese Vorsicht ist gar nicht nötig, entpuppt sich „Turm der lebenden Leichen“ doch als sympathisch kleiner Grusler für zwischendurch, der inszenatorisch zu gefallen weiß. Mit Zombies hat das Ganze nichts zu tun. Da lügt der deutsche Titel ebenso wie der Alternativtitel „Devil‘s Tower - Der Schreckensturm der Zombies“.

Worum es eigentlich geht ist zunächst ein Rätsel, eines das der Stammzuschauer des Genres schnell für sich gelöst bekommt, aber die verschiedenen Elemente welche die Story bietet wissen trotzdem zu reizen. Da gibt es die Gottheit Baal mit welcher eine Schatzsuche einhergeht. Da gibt es die Verdächtige die in der Nervenheilanstalt sitzt und Versuche über sich ergehen lassen muss. Und da gibt es diverse Geschichten über jenes Pärchen, welches einst auf der Insel hauste und sein Kind verloren hat. Das Gebäude, seine knarrenden Türen und die felsige Insel mit ihren Höhlen, ja selbst die weniger gruseligen als viel mehr neugierig machenden Geräusche die unsere Helden immer wieder vernehmen, wissen zu gefallen. Mag der Film auch nie wirklich gruselig sein, er weiß atmosphärisch zu gefallen und versprüht genügend Charme um die etwas langsam erzählte Geschichte ohne einen Anflug von Langeweile zu überstehen.

Die tragische Figur aller Hintergrundereignisse erinnert ein wenig an den ein Jahr später folgenden, ebenfalls in England produzierten Film „Tunnel der lebenden Leichen“, welcher seine Kreatur jedoch noch mehr in den Bereich der Tragik rückte als die des sich verwandt anfühlenden Vorgängers. Optisch erinnert die Gestalt des hier besprochenen Filmes gar an jene aus Hoopers späteren "Kabinett des Schreckens". An anderer Stelle hingegen wird man eher an „Freitag der 13.“ erinnert. 10 Jahre später gedreht und man würde vermuten die berühmte Reihe um den unsterblichen Eishockey-Mörder hätte zu mancher Szene in „Tower of Evil“ (Originaltitel) inspiriert.

Zu Beginn stoßen Fischer auf eine handvoll Leichen, was ähnlich umgesetzt ist wie die späteren Momente in den Friday-Filmen, welche das Finale einleiten, wenn das Final Girl auf ihre toten Freunde stößt. Und auch die Figuren des Streifens haben in einigen Punkten eine erstaunliche Ähnlichkeit mit den Teenie-Banden aus besagter 80er Jahre Slasher-Reihe. Zwar haben wir es hier mit ausgewachsenen Männern und Frauen zu tun, aber die reden ähnlich pubertär wie die Teenager der Vergleichsfilme. Und wie Wissenschaftler benehmen sich die ewig über Sex redenden und kiffenden Forscher erst recht nicht.

Zumindest wirken sie auf diese Art nicht so eindimensional wie die austauschbaren Teens der „Freitag der 13.“-Reihe, tiefgehene Charaktere braucht man jedoch trotzdem nicht zu erwarten. Unfreiwillige Komik entsteht trotz der Parallelen nicht, und auch der Fehler, dass eine hypnotisierte Person von etwas berichtet, an dem sie nicht teilgenommen hat, wird der Stimmung in „Beyond the Fog“ (Alternativtitel) nicht zum Verhängnis. Der Film weiß auf seine schlichte Art zu gefallen, und dass ihm Nonsens nicht in die Quere kommt liegt daran, dass er sich eher wie die Fahrt in einer gut gemachten Geisterbahn anfühlt, also nichts ist was man ernst nehmen kann, aber etwas das genug Stimmung verbeitet und gut unterhält.

Wahrlich große Schnitzer leistet sich „Horror on Snape Island“ (Alternativtitel) ohnehin nicht. Und die Turm- und Fels-Kulissen, und erst recht die Grabstätte um den Baal-Kult, wissen zu gefallen, was auch an der ordentlichen Kameraarbeit liegt, die mit schlichten Mitteln ein eigentlich recht monotones Umfeld stimmig einzufangen weiß. Wenn dann noch ordentlich am Stück gekreischt wird oder ängstliche Frauen sich an kalte Mauern schmiegen, die an Burgmauern klassischer Genre-Stoffe erinnern, dann ist die Stimmung auf einem Hoch für Genre-Nostalgiker. Gleichzeitig spricht es eigentlich für den Film, dass er mich stets an Werke erinnert, die erst nach ihm entstanden sind.


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DIE NEUNSCHWÄNZIGE KATZE (Il gatto a nove code 1971 Dario Argento)


Ein blinder ehemaliger Journalist und ein aktiver untersuchen eine Mordreihe in welcher Mitarbeiter eines Forschungslabors ums Leben kommen...


Der Schwanz einer Katze hat Widerhaken...

Nach Argentos Debut „Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe“ folgte „Die neunschwänzige Katze“, der ebenfalls wieder als Bryan Edgar Wallace-Verfilmung verkauft wurde. Ob dabei ein ähnlicher Etikettenschwindel vorlag wie im Vorgänger ist mir nicht bekannt, aber kennt man die Werke Argentos ist vom inhaltlichen Ablauf her vieles mit Werken wie „Profondo Rosso“, „Sleepless“ und eben auch „Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe“ vergleichbar.

Außenseiter einer polizeilichen Ermittlung ermitteln auf eigene Faust. Das ganze ist für einen eigentlichen Krimi-Plot düster in Szene gesetzt, wie man es von Argento gewohnt ist. Harte Bilder umgeht der spätere Meister des Giallos ebenso wenig, im Vergleich sind sie nur etwas rar auf das Gesamtwerk verteilt. Dank guter Schauspieler meint man gar echten Morden beizuwohnen, so glaubwürdig sind sie inszenatorisch und darstellerisch umgesetzt. Glücklicher Weise wurde an Goreeffekten in solchen Momenten gespart, sonst wäre sie weg gewesen, diese Glaubwürdigkeit.

Die deutsche Synchronfassung ist leicht belustigend umgesetzt, veralbert das Gezeigte jedoch nicht, sondern erweitert das düstere Original Argentos mit Respekt mittels ironischen Spitzen. Professionelle Sprecher sorgen für einen weiteren Grund des hoch eingehaltenen Niveaus. Da seinerzeit ordentlich am Film herumgedoktort wurde sind viele Sequenzen in der von mir gesichteten Langfassung nur untertitelt zu erleben, und diese zeigen mal wieder wie wenig Ahnung die Verantwortlichen der damaligen Beschneidung von der psychologischen Wirkung eines Stoffes hatten. Objektiv betrachtet wirken die entfernten Szenen unnötig, aber sie sind wichtig für das richtige Feeling. Sie unterstützen die Glaubwürdigkeit von Situationen und geben Informationen über Charaktereigenschaften an den Zuschauer weiter. Der Deutschton der wieder einsetzenden Szenen der Kinofassung versucht zwar vieles davon wieder zusammenzufassen, aber es geht in solchen Momenten eben nicht rein um den aufgesagten Text.

Stimmig inszeniert und untermalt von einer nicht wirklich im Gedächtnis bleibenden Musik Morricones, aber immerhin einer die Atmosphäre unterstützenden Komposition, weiß Argento die mit heutigem Wissen etwas lächerliche Geschichte um das böse zweite Y-Chromosom aufzufangen, so dass „Il gatto a nove code“ (Originaltitel) nie zur unfreiwillig komischen Lachnummer verkommt. So überzeugend dicht ausgefallen wie der Vorgänger ist Argentos zweiter Thriller nicht, aber er weiß über seine komplette Laufzeit zu unterhalten und zu interessieren, für den Zwischendurchverzehr ist das durchaus okay, zumal mit Karl Malden ein zwar nicht immer glaubwürdig spielender, aber doch recht sympathischer Schauspieler in einer der großen Rolle besetzt wurde.


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MIT DJANGO KAM DER TOD (L'uomo, l'orgoglio, la vendetta 1967 Luigi Bazzoni)


Eine junge attraktive Zigeunerin bringt den Soldaten Django so sehr in Schwierigkeiten, dass er gar zum Mörder eines Vorgesetzten wird. Die Seite des Gesetzes gewechselt schließt er sich einer Verbrecherbande an für die auch die Zigeunerin tätig ist...


Die Zigeunerin vom Stommelerbusch...

Es gibt Dutzende von Verfilmungen des Stoffes um „Carmen“ und des Soldaten der sich in sie verliebt. Luigi Bazzoni schrieb eine Western-Variante des Stoffes und übernahm auch gleich die Regie. Immerhin konnte er Klaus Kinski für das Projekt ebenso gewinnen wie „Django“ Franco Nero, dessenwegen der Film in Deutschland plump als Django-Film betitelt wurde, ein Betrug an dem sich auch die deutsche Synchronfassung beteiligte und die Rolle von Nero in die der Westernikone umtaufte.

Sicherlich liegt es daran dass hier ein höchst klassischer Stoff verfilmt wurde, aber ich finde die seichte Art Djangos etwas zu übertrieben dargestellt. Nein was leidet er unter Carmen, die hier Conchita heißen darf, aber das Mitfühlen seiner Leidenschaft bleibt außen vor, dafür ist der Zuschauer nie nah genug dran an seinen Gefühlen, das lässt Bazzoni nicht zu. Ebenso wie „Rios Rache“ soll der italienische „L‘uomo, L‘orgoglio, la vendetta“ (Originaltitel) nur zweitrangig ein Western sein. In seiner zweiten Hälfte schaut er sich diesbezüglich auch eher wie einer als in der ersten, weswegen mir die zweite Hälfte eher mundet.

Vorausgesetzt man kennt den Stoff rund um „Carmen“ nicht, darf man miträtseln woran man bei Conchita ist. Jeden betrügt sie, angeblich für die gemeinsame Zukunft mit Django. Aber ist dem so? Dem nah am Wasser gebauten Django kommen Zweifel. Er kann es kaum fassen als er erfährt dass Conchita einen Ehemann hat und dieser auch noch Teil der Gangstertruppe wird, der auch Django angehört. Gespielt wird dieser vom immer genialen Klaus Kinski, und der macht seine Sache auch gut. Aber die Art wie er in die Geschichte rein- und wieder rausgeschrieben wird ist schon recht billig zu nennen. Und sein Auftauchen ist für den Verlauf der Geschichte fast schon unnötig zu nennen. Trotzdem wertet ein Kinski, so unnötig seine Rolle auch ausfällt, solch einen Film freilich auf.

Der wahre Star von „Der Mann, der Stolz, die Rache“ (Alternativtitel) ist jedoch Tina Aumont in der Rolle der Conchita, die nicht nur reizend aussieht, sondern ihren Part auch glaubwürdig zu verkörpern weiß. Sie besitzt ein Feuer welches dem Helden komplett fehlt, so blass wie der emotionale Kerl auf Freunde des Western-Genres wirkt. Vielleicht hätte der Soldat in der Western-Variante ein wenig gefestigter charakterisiert werden müssen. Ich für meinen Teil hätte mir dies zumindest gewünscht.

„Mit Django kam der Tod“ hüpft von einer Episode zur nächsten, gegen Ende von einem Plan zum nächsten. Und schließlich löst sich alles recht simpel auf, theoretisch angelegt als große Gefühlsoper, im Staub der Wüste jedoch schlicht umgesetzt wirkend ohne mitzureißen. Schade! Da besitzt man solch eine Besetzung und eine Vorlage für unzählige dramatische Verfilmungen, und ausgerechnet die Männer-Version lässt einen kalt, jene die besonders nah am Helden orientiert sein müsste. Abseits des Dramas ist der Film eigentlich sehr mühevoll umgesetzt, aber was nutzt das wenn der Kern nicht überzeugt, und das ist nun einmal das Gefühlsleben des Helden, das nicht anstecken möchte. Neugierigen Cineasten sei ein Blick trotz mittelmäßigem Ergebnis aber durchaus empfohlen.


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