Samstag, 31. Oktober 2015

RISE OF THE ANIMALS - MENSCH VS. BIEST (Rise of the Animals 2011 Chris Wojcik)


Aus bislang ungeklärten Gründen verhalten sich sämtliche Tiergattungen Amerikas plötzlich aggressiv gegenüber Menschen und töten sie. Drei Teenager sind inmitten der Epidemie mit dem Auto unterwegs um einer Bekannten ihr Handy zurück zu bringen...


Scheiß auf Tierschutz!...

„Rise of the Animals“ ist ein Amateurfilm der sich der Idee von „Panik in der Sierra Nova“ bedient, dass jegliche Tierarten urplötzlich ein aggressives Verhalten aufweisen und zur tödlichen Gefahr für den Menschen werden. Im Gegensatz zur Vorlage nimmt sich Wojciks Werk keineswegs ernst und lässt ebenso wie „Rabbits“, "Slugs" und „Killerhunde“ auch harmlose Vertreter der Tierwelt auf die Menschheit los. Schildkröten und Rehe dürfen hier ebenso mordlüstern werden wie Krokodile und Bären, die von Natur aus dem Menschen nicht gut gesonnen sind.

Wojcik begnügt sich damit die Komik einzig auf die Angriffe der Tiere und die Gegenwehr der Menschen zu beziehen, wobei man diesbezüglich auf einen augenzwinkernd enorm hohen Blutgehalt setzt. Das funktioniert aufgrund der herrlich billig zurecht getricksten Goreeffekte auch zunächst ganz gut, noch mehr jedoch aufgrund des Verwendens von Stofftieren und Handpuppen, die für ein ordentliches Trash-Happening sorgen. Diese für jeden sichtbar wiederzuerkennenden Puppen hätten auch das strikte Einhalten der pflichtgemäß vorhersehbaren öden Handlung überspielen können und den Verzicht allen weiteren Aspekten des Streifens keine zusätzliche Komik zu bescheren. Aber leider vertraut man nicht einzig dem Trash-Effekt niedlicher Puppen und springt auf den fragwürdigen Erfolgszug des CGIs mit auf.

Nach einem guten Einstieg wenn eine Gruppe Jugendlicher in einer Waldhütte von Hirschen und Rehen attackiert wird, wird jegliche weitere Tierattacke nur noch mit aus dem Computer stammenden Tiergattungen absolviert, so dass die Mundwinkel des Publikums recht rasch nach unten zeigen. Zwar ist die Animation absichtlich schlecht programmiert und weit unter dem was selbst ein Amateurfilm leisten könnte, aber das ist in seiner leblosen und uncharmanten Art eben nicht so lustig wie der Einsatz drolliger Puppen, zumal die schlechten CGI-Effekte nicht sehr weit unter dem Niveau dessen liegen was uns die TV-Filme des Senders SyFy in ihren Fließbandproduktionen vor die Nase setzen.

Und genau darin liegt das Problem. Wenn man in die Handlung keine Komik investiert und einzig auf den Gaggehalt schlechter Computeranimationen setzt, unterscheidet man sich kaum sichtbar von den ernstgemeinten Beiträgen heutiger B-Filmchen des Genres. Einzig die übertriebene Brutalität der Tiertötungs-Szenen hebt sich von den einschläfernden SyFy-Filmen ab, was in seiner unkorrekten Art in Zeiten vom hohen Ansehen von Tierschutz für Restsympathie sorgt, obwohl Tierschutz im Gegensatz zu manch anderem Öko-Getue eigentlich nicht kritisiert werden muss. „Rise of the Animals“ provoziert die Extremisten dieses Bereichs, die auch am Gewaltpotential des berühmten Moorhuhn-Spieles Anstoß nahmen, wohingegen jeder normal denkende Mensch über besagte Szenen schmunzeln kann (oder zumindest mit den Achseln zucken), eben weil sie völlig realitätsfern inszeniert sind. 

„Rise of the Animals“ ist nicht wirklich gelungen, aber da er nur eine kleine Amateurproduktion ist, dem Tierschutz völlig grundlos und damit lustig den Mittelfinger zeigt und anfangs mit Stofftieren und Puppen sogar richtig lustige Szenen aufweist, kann man ihn sich trotz seiner drögen und monotonen Geschichte als Vielseher des Trash-Bereichs durchaus mal ansehen. So untalentiert die Bande auch vorgeht, sie hat zumindest Spaß in ihren Szenen, mehr als es der Zuschauer je haben könnte. Aber der ein oder andere Moment beschert diesem uninspirierten, ideenlosen Billigfilmchen tatsächlich manchen Hingucker.


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WOLFCOP (2014 Lowell Dean)


Der heruntergekommene Cop Lou wird nachts während einer okkulten Zeremonie bei Vollmond in einen Werwolf verwandelt, eine Veränderung die ihm beim Jagen von Verbrechern durchaus von Vorteil ist, so dass der einst versoffene und lustlose Gesetzeshüter fast schon eine überschwängliche Motivation entwickelt seinem Job nachzugehen. Begleitet wird er dabei vom Freak der Stadt, der einzigen Person die sein Geheimnis kennt. Mit dem tierischen Ich seines Kumpels hat er kein Problem, die brutale Art des WolfCops beunruhigt ihn aber dann doch...


Ein stark Behaarter in Uniform...

Zugegeben, ich bin kein sonderlicher Fan der Werwolf-Thematik in Horrorfilmen, kann über diverse Naschy-Auftritte angenehm schmunzeln, mag den Klassiker „American Werewolf“ und den überraschend sympathischen „Ginger Snaps“ und dessen Fortsetzungen, aber da hört es bei mir auch schon so langsam auf mit positiven Beispielen. Da mir der Zombiefilm „13 Eerie“ von Lowell Dean gut gefallen hat und „WolfCop“ hin und wieder lobende Worte auf von mir geschätzten Filmseiten im Internet erhalten hat, habe ich mich trotzdem an den hier besprochenen Streifen gewagt, den man wohl als einen Mix aus „RoboCop“ und „Teen Wolf“ bezeichnen könnte, der sich nach dem alles einläutenden Rituals zunächst an „Wolf“ orientiert, wenn Lou seine geschärften Sinne entdeckt, um sich von da an aber von diesem großartigen Nicht-Werwolf-Film auch schnell wieder zu entfernen.

„WolfCop“ beginnt recht sympathisch wenn wir den versoffenen Versager Lou kennen lernen. Eine lockere Art liegt im Inszenierungsstil, eine die mich zunächst ein wenig an „Grabbers“ erinnerte, einen humoristischen Horrorbeitrag den ich sehr zu schätzen weiß, so dass ich beim ebenfalls auf Komik setzenden haarigen Polizisten erst einmal guter Dinge war. Das Umfeld der nett herausgearbeiteten Hauptfigur ist allerdings weniger innovativ ausgefallen, besteht nur aus Klischees, was aufgrund des ironischen Grundtons jedoch auch noch halbwegs zu funktionieren wusste.

Wie die Geschichte jedoch ausfällt nachdem Lou bei einem seiner wenigen tatsächlich ausgeführten Arbeitseinsätzen Opfer eines okkulten Rituals wird, ist weniger lobenswert zu nennen. Zunächst nerven nur die ewigen Flashbacks, die dem Hauptcharakter Erinnerungen bescheren, dem Zuschauer aber keine weiteren Infos als die bisherigen liefert. Was noch unnötiges Nörgeln auf hohem Niveau ist, wird mit weiter voranschreitender Laufzeit aufgrund diverser anderer Negativpunkte zu einem berechtigten Nörgeln, denn ab da wo Lou weiß was mit ihm nicht stimmt, geht es mit dem Film immer mehr bergab.

Ein ewig Sprüche klopfender Sidekick des WolfCops nervt nicht nur in seiner pseudo lockeren Art, er wird vom Drehbuchautor auch als Erklärbär missbraucht für Filmfreunde welche der einfachen Handlung nicht von alleine folgen können. Diese könnte eigentlich als Horror-Komödie bestens funktionieren, wenn „WolfCop“ nicht so bemüht darin wäre trotz allem Augenzwinkerns cool sein zu wollen, was spätestens ab dem Designen eines WolfCop-Mobils über das Ziel hinaus schießt. Wenn der tierische Gesetzeshüter auf Verbrecherjagd geht darf es zwar auch mal recht blutig werden, inklusive eines nett getricksten Gesichtabziehens, auf welches Dean so stolz war, dass er immer wieder davon reden lässt, die eigentliche Geschichte vernachlässigt man jedoch extremst.

Zwar werden die Kollegen Lous nun aufmerksam auf den sich keinesfalls versteckt haltenden Werwolf-Cop, aber nachvollziehbar ist die Handlung warum der Cop so lange seinem wilden Treiben freien Lauf lassen kann keineswegs. Absichtlich grotesk oder realitätsfern schräg ist der Stil des Streifens alternativ jedoch auch nicht ausgefallen, so dass die Art der Erzählung in ihrer Unglaubwürdigkeit scheitert, da sie nur den simplen Kawummeffekt und die Coolness der dem Film zugrunde liegenden Idee im Blickfeld hat, damit zwar sicherlich simpelste Gemüter und Jugendliche glücklich machen kann, den Freund verspieltem Trashs oder erwachsenem Mitdenkens jedoch nicht. Es ist schade dass vom Niveau des Vorgänger-Films Lowell Deans hier in dieser Gurke nichts mehr zu spüren ist.


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Sonntag, 25. Oktober 2015

FACK JU GÖHTE (2013 Bora Dagtekin)


Bankräuber Zeki kommt aus dem Knast heraus, will seine versteckte Beute holen und muss feststellen dass an dem Ort, an dem eine Bekannte sie verbuddelte, nun die Turnhalle einer Gesamtschule steht. Dank glücklicher Umstände ergattert Zeki einen Job als Aushilfslehrer, besitzt somit die Schlüssel zu den wichtigsten Räumen und kann nachts einen Tunnel graben, während er tagsüber die Problemklasse 10b unterrichtet. So nach und nach wächst in Zeki das Engagement den Schülern wirklich helfen zu wollen, nicht zuletzt durch den Ansporn einer nervigen, aber süßen Kollegin. Und auch die Schüler finden mit der Zeit Gefallen an dem zunächst so asozial scheinenden Zeki...


Bildungsnotstand...

Mit leicht lästerndem Unterton möchte ich zunächst verkünden, dass „Fack ju Göhte“ streng genommen eigentlich nur eine Neuverfilmung des zweiten und vierten „Die Lümmel von der ersten Bank“-Teil ist, also von „Zum Teufel mit der Penne“ und „Hurra, die Schule brennt“. Im Erstgenannten gibt sich Peter Alexander illegal als Vertretungslehrer aus und macht dabei ganz nebenbei aus einer Problemklasse eine engagierte, die ihren Lehrer zu achten beginnt. Im Letztgenannten macht er selbiges ohne den Job per Betrug zu erhalten und modernisiert als Schulprojekt gemeinsam mit der Klasse ein klassisches Theaterstück, die Geschichte des Wilhelm Tell.

In „Fack ju Göhte“ muss hierfür „Romeo und Julia“ herhalten, in einem Mainstreamfilm wohl deshalb gewählt, weil es das einzig klassische Stück ist, was wohl selbst die größten Volldeppen vom Namen her kennen. Denn eins trennt beide Filmversionen sehr stark voneinander: der Respekt vor Wissen und Kultur. Das Wissen ist in „Fack ju Göhte“ nur der lästige Weg um ein Ziel zu erreichen, den Schulabschluss, während Kulturgüter wie der TV-Sender Arte als zu anstrengend belächelt werden. In den Lümmel-Filmen möchte man lediglich das Autoritäre der Lehrer brechen und respektiert sehr wohl Wissen und Kultur.

Fairer Weise muss man aber betonen, dass „Fack ju Göhte“ aufgrund des aktuellen Bildungsstandes einen anderen Schwerpunkt besitzt. Er mixt die Thematik der Lümmel-Filme mit der Thematik eines „Dangerous Minds“ und Co, und da gräbt man also beim intellektuellen Bodensatz nach Lernerfolgen, wohingegen wir es bei den Komödien um Hansi Kraus mit einer Abi-Klasse zu tun hatten. Der Fehler von „Fack ju Göhte“ ist nun, dass er ähnlich naiv daher kommt wie der Vergleichsfilm mit Michelle Pfeiffer. Zwar liegt hier eine Komödie vor, aber das hier vorgeführte Weltbild alles ließe sich auf solch schlichtem Wege verbessern, wenn wir uns alle nur mehr einander annähern würden, ist mir dann selbst für einen humoristisch orientierten Feel Good-Film zu plump.

Das ist eigentlich schade, denn auf simple Art weiß der humoristische Part zu funktionieren, allein schon weil er mit übertriebenem Augenzwinkern Mentalitäten wiedergibt, die jeder im Alltag beobachten kann und die alle auch ordentlich verarscht gehören. Es ist zwar beschämend dass es gerade solch ein formal banaler Film ist, der in Deutschland zum großen Kinohit werden konnte, mehr als sympathischer Durchschnitt ist „Fack ju Göhte“ mit seinem dem für wiedergekäuerte Geschichten folgenden Lehrbuch nun wahrlich nicht geworden, aber das spricht eben für das im Film immer wieder aufblitzende Problem der mangelnden Bildung in Deutschland.

Werke wie „Fack ju Göhte“ helfen einem dabei über diesen katastrophalen Zustand schmunzeln zu können, was jedoch besser funktioniert hätte, wenn der Streifen auf die moralische Keule verzichtet hätte. Als reiner Spaßfilm kann er dadurch nicht funktionieren und wird mit den Aussagen die er treffen möchte selbst zum Spiegelbild des Problems, anstatt lediglich das Medium als Projektionsfläche zur Parodie zu nutzen. Dementsprechend ist man hin und her gerissen zwischen angenehmer Unterhaltung durch sympathische Mimen, einer süßen Love Story und einer herzlich locker flockigen Umsetzung, und zwischen Fremdschämen über das was heutzutage als intelligent, engagiert oder normal gilt.

Geht man mit „Fack ju Göhte“ nicht so streng um wie ich es tue, kann man durchaus kurzweiligen Spaß mit ihm erleben, der zwar über durchschnittliches Niveau nicht hinaus geht, aber mehr auch nicht leisten muss um zu unterhalten. Leider kann ich die Stimme in meinem Hinterkopf aber nie ganz ausschalten die mir zuflüstert: massenkompatibel und Mithelfer der Volksverdummung! Habe ich gerade leider geschrieben?


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TOWER BLOCK (2012 James Nunn u.a.)


Ein Hochhaus steht kurz vor dem Abriss. Nur noch in einem Stockwerk leben Leute, aufgrund der Gewalt im Viertel bewohnt von ängstlichen Menschen, die auch dann die Türe verriegeln, wenn im Gang gerade ein Jugendlicher zusammen geschlagen wird. Besagter Teenager stirbt an den Folgen der Schlägerei. Keiner will etwas gesehen haben. Drei Monate später bedroht morgens plötzlich ein unbekannter Schütze von einem der Nachbarhäuser aus das Leben der letzten hier hausenden Mieter. Jeder der sich am Fenster sehen lässt wird abgeknallt. Die Fluchtwege sind mit tödlichen Waffen versehen. Die Mieter versuchen irgendwie lebend aus der Situation herauszukommen...


Die drei Smileys...

Die Story mag zwar recht reißerisch klingen, aber sie war es zumindest die mich in einen Film ohne bekannte Namen des Genres Thriller gelockt hat, auf dessen kleinere Produktionen ich im Gegensatz zu meinen Lieblings-Genres in der Regel nicht zurückgreife. Aber das Szenario gefiel mir, die Thematik der Amokschützen schon immer (bereits vor „Dirty Harry“), also wagte ich mich heran. Und was soll ich sagen? Wenn man nichts großes erwartet wird man gut unterhalten. Farbreduzierte Bilder einer ungemütlichen, dreckigen Gegend sorgen schnell für die richtige Stimmung. Dank guter und zum Umfeld passender Charakterzeichnungen sowie dem nötigen Gespür für spannungsgeladene Atmosphäre schaffen es die Regisseure und Autoren Nunn und Thompson, dass man als Zuschauer mitten drin im Geschehen ist.

Innovatives hat man nicht zu erwarten, all zu routiniert fällt „Tower Block“ jedoch auch nicht aus, allein schon weil das klar getrennte Gut-Böse-Schema, wie es uns ein Ami-Film präsentieren würde, in diesem englischen Thriller-Beitrag nicht enthalten ist, obwohl der Streifen zunächst genau diesen Eindruck macht. In Sachen Glaubwürdigkeit bewegt sich „Tower Block“ eher im Mittelmaß. Die Figuren sind glaubwürdig, keine Frage, und der Schwachpunkt manch anderer Werke wie „The Collector“, die Realitätsnähe der im Haus gesetzten Fallen betreffend, ist nicht vorhanden, sogar sehr realitätsnah gehalten. Weniger nachvollziehbar ist jedoch die Reraktionsgeschwindigkeit des Schützen, der zwar nur ein Stockwerk und das Dach im Blickfeld haben muss und eine irre gute Waffe besitzen muss, wie uns ein Ballerspiel-Junkie mitteilt, da vergeht jedoch kaum eine Sekunde bis ein Schatten am Fenster zur Leiche wird.

Aber das ist wohl die Schwäche, die man in einem solchen Film am leichtesten akzeptieren kann, wenn die Geschichte doch sonst nachvollziehbar und glaubwürdig bleibt, ein Vorteil den viele andere Werke gleichem Produktionsniveaus nicht besitzen. „Tower Block“ weiß zu funktionieren, dies auch bis zum Schluss wenn wir eine der drei möglichen Auflösungen vorgesetzt bekommen (es ist die naheliegendste). Lediglich der Täter selbst hätte ruhig anonym bleiben dürfen, von wirklichem Interesse war das Herunterreißen seiner Maske im Finale nicht. Vielleicht glaubten Nunn und Thompson dies sei nötig, schließlich ist mit dem Verlassen des Hauses alles zu Ende erzählt, und da überkommt dem Zuschauer beim Eintreten des Abspanns schon ein Gefühl von Leere in einem Thriller in dem es rein ums Überleben ging. Aber auch diese Schwäche sei verziehen, zumal man ohnehin überrascht wird wer das Szenario überlebt und wer nicht.

„Tower Block“ bekam die FSK 18 beschert, manch harte Szene rechtfertigt das rote Siegel, gerade der erste Mord des Schützen, der, gute Regie sei dank, urplötzlich ohne jegliche Vorwarnung die bis dahin erzählte Geschichte unterbricht, so wie es uns Hitchcock schon vor Jahrzehnten lobenswert vorgemacht hat. All zu viele blutige Moment sollten die Leute, denen die Altersfreigabe wichtiger ist als der dazugehörende Film, jedoch nicht erwarten. Der Spannungsgehalt steht im Mittelpunkt, das Planen und Agieren miteinander und ein Schuss Dramatik, um auch wirklich emotional am Geschehen Teil haben zu dürfen. Mit Abstand betrachtet hätte „Tower Block“ den Gewaltgrad den er besitzt jedoch gar nicht nötig gehabt. Die Altersfreigabe lockt eventuell das falsche Publikum. Mir soll es egal sein, hauptsache der Streifen ist angenehm zu gucken, und genau das ist er. Also liebe Thriller-Freunde! Wer den kleinen Film für zwischendurch sucht: dies ist er!


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Samstag, 24. Oktober 2015

MARVILLE D.C. (2015 Moritz Stieber)


Als fast jede Stadt ihren eigenen Superhelden und damit automatisch auch ihre eigenen Superbösewichter hatte, reichte es der Normalbevölkerung und man schob alle mit Superkräften versehenen Leute nach Marville D.C. ab, einer Stadt die durch eine Kuppel vom Rest der Welt abgeriegelt wurde. Durch einen Bürkoratiefehler lebt dort auch der keine Superkräfte besitzende Herr Bermann, der einem Kamerateam von seinem Leben allein unter Superhelden und Superschurken berichtet...


Ein Ungewöhnlicher inmitten von Gewöhnlichen...

Wenn in einem Film ein Mann zu Man-Man wird, weil ihn der Biss eines radioaktiven Mannes die Kraft zweier Männer verliehen hat, oder Autos in einer Stadt voller Superhelden, die alle fliegen können, nur für das Einhalten des klassischen Stadtbildes überall herumstehen, dann befinden wir uns in der humoristischen Welt Moritz Stiebers, der uns mit „Ryoshi Shupigeru“ bereits eine Anime-Parodie und mit „The Wildlife Explorer“ bereits eine Zombie-Parodie beschert hat. Die Komik seiner Werke trifft ziemlich genau mein Humorempfinden, und deswegen bin ich großer Fan der Kurzfilme aus der Emuvies-Schmiede Stiebers, die zwar nie ganz den Amateurfilm-Bereich verlassen haben, in ihrer Umsetzung jedoch immer professioneller werden.

Ähnlich wie in „Wildlife Explorer“ haben wir es bei „Marville D.C.“ mit einer Fake-Doku zu tun, ein 17-Minüter der basierend auf einer Grundidee so viele miteinhergehende Ideen hineinpackt wie nur möglich. Die Möglichkeiten sind so unbegrenzt wie die Kräfte der Bewohner, ließe sich aus der geschaffenen Situation doch eine komplette Serie drehen, die weit über den Ideenreichtum eines „Eureka“ hinausgehen würde, eine Serie die bereits ab der vierten Staffel schwächelte.

Zwar ist es das Hauptanliegen des Streifens basierend auf der Superheldenkultur in Comic und Film spielfreudig albern herumzufrotzeln, aber die vielen liebenswerten Flachköpper die immer wieder eingestreut werden sollten nicht davon ablenken, dass der Humor Stiebers als durchaus geistreich zu bezeichnen ist. Wenn Herr Bermann die Probleme in der Stadt damit zusammenfasst, dass in einer Stadt voller besonderer Menschen niemand mehr besonders ist, dann darf es auch mal philosophisch werden. Auch kleine Anflüge von Gesellschaftskritik sind zu erkennen. Die Bürokratie bekommt ihr Fett ebenso ab wie die Unreife unserer heutigen Gesellschaft.

Letzteres ist kaum zu übersehen, besitzen doch alle Bewohner von Marville D.C., mit Ausnahme von Herrn Bermann, überdeutlich kindliche Charakterzüge, was schon ganz gut zu Menschen passt, die in kunterbunte Klamotten schlüpfen um sich gegenseitig ordentlich eins auf die Nase zu geben. Die durch einen Schriftzug zu Beginn mitgeteilte Vorgeschichte greift gar auf einen besonders interessanten Gedankengang aus „Kick-Ass 2“ zurück, in welchem die Frage aufgestellt wurde, ob erst das Erscheinen der Superhelden zu so viel Unglück führen konnte. In Stiebers Fantasy-Komödie setzt man darauf, dass es Superschurken nur deshalb gibt, weil die Anwesenheit von Superhelden ihre Existenz geradezu provokant heraufbeschworen hat.

Die Menschen hatten es satt zwischen den Kriegen der Superschurken gegen die Superhelden zu stehen. Wie die Welt vor der Gründung der Superheldenstadt ausgesehen hat, kann man sich ausmalen wenn man herrlich billig getrickst den Alltag in Marville D.C. miterleben darf. Zerstörungsfreude, kindische Kabbeleien und Größenwahn sind hier Selbstverständlichkeiten, wenn auch längst nicht mehr so freudig ausgelebt wie einst, denn das eingesperrte Leben unter seinesgleichen kann schon depressiv machen, manchen Helden gar in den Alkoholismus führen. Und allein dieser Ansatz kann ein Sinnbild für so vieles sein, aktuell gesehen sogar für eine Kritik an der derzeitigen Flüchtlingssituation. Inwieweit da was von Stieber gewollt ist oder nicht lässt sich so nicht erkennen, ergibt doch recht vieles im Film ein Sinnbild diverser ernster Probleme in der realen Welt, was aber wohl eher für die gute Beobachtungsgabe und den cleveren Humor Stiebers steht als für eine Absicht gezielt tiefgründig direkte Themen ansprechen zu wollen.

Die Schwäche am fertigen Film liegt in der Brillanz seiner Grundidee: vieles was vertieft gehört klingt nur kurz an. Stieber zeigt ein breites Spektrum an Möglichkeiten welche der Grundkern der Geschichte ermöglicht, kann aber keine davon zur vollkommen Befriedigung ausschöpfen. „Marville D.C.“ ist wie erwähnt einfach ein Stoff der in Serie gehört um ihm gerecht zu werden. Das können 17 Minuten beim besten Willen nicht auffangen. Vielleicht hätte man besser auf die Idee wie die Stadt zu ihrem Ende fand verzichten sollen, um sein Hauptaugenmerk auf nur angekratze Bereiche legen zu können. Andererseits gäbe es dann nicht diesen herrlich flachen Witz über den Unsichtbaren im Abspann zu lesen. Das wäre doch schade gewesen. Ebenso schade wie wenn es trotz berechtigter Kritik am Kurzfilm-Format den hier besprochenen Streifen nie gegeben hätte, der innerhalb seiner Möglichkeiten das beste aus einer Idee herausholt, die eigentlich nur grob überflogen wurde.


KILLER QUEEN (Girls School Screamers 1986 John P. Finnegan)


Dass es in dem alten Haus spukt war den Kindern der Nachbarschaft schon immer klar, nun muss dies eine Gruppe jugendlicher Mädchen aus der Klosterschule am eigenen Leib erfahren. Die Schule hat das Anwesen geerbt, und die Nonnen möchten dass die sieben jungen Frauen das reichhaltige und wertvolle Inventar vor Ort katalogisieren. Nach und nach werden sie Opfer eines mörderischen Geistes...


Die Geisterbeschwörung wäre nicht nötig gewesen...

Troma, bei dieser Filmfirma denkt man automatisch an solch schräge Werke wie die „Atomic Hero“-Reihe oder die Abenteuer rund um die „Class of Nuke ‘em High“, also einfach an Werke die mit dem völlig abgedrehten „Terror Firmer“ wohl die reinste Form eines Troma-Films erhalten haben. Neben diesen und diversen fremdeingekauften Filmen produzierte Lloyd Kaufman aber auch manch konventionell umgesetzten Horrorfilm, und zu diesen gehört auch „Killer Queen“, den man in Deutschland auch als „Das Horror-Lyzeum“ kennt.

Großer Beliebtheit erfreut der sich nicht, wahrscheinlich weil Troma-Freunde eben mit einer anderen Art Film rechnen, dabei ist dieser kleine Beitrag eigentlich eine recht nette Angelegenheit, zumindest für Freunde des 80er Jahre-Videotheken-Horrors, die auch in solchen Phasen Spaß haben, wenn rein Horror-technisch mal nichts passiert. Denn nach einem starken Einstieg mit einem herrlich widerlich zurechtgemachten Geist (optisch bereits der Höhepunkt allem Gezeigten im kompletten Film) dauert es sehr lange bis wieder gespukt wird.

Obwohl die Charaktere oberflächlich bleiben und das Treiben im Haus bis zum Spukbeginn nicht wirklich ereignisreich zu nennen ist, sympathisiere ich mit dieser Phase des Filmes. Genau sagen warum kann ich nicht, aber mir gefiel die aufgebaute Atmosphäre, die zwar hin und wieder etwas bedrohliches hatte, meist aber nur angenehm anzusehen den Alltag der Gruppe Frauen zeigt, in einer Bravheit und (logischer Weise) mit dem 80er Jahre Zeitgeist versehen, dass mir einfach gefiel was ich da Simples sah. Menschen interagieren miteinander, bewältigen zusammen eine Aufgabe, blödeln herum, haben aber auch Respekt voreinander. Diese Grundstimmung gefiel mir, so dass ich mit dem Film schon aus mir unbekannten Gründen zufrieden war, noch bevor der Horror endgültig Einzug halten durfte.

Ist es endlich einmal soweit, glaubt man eher einen Slasher über einen irren Killer zu sichten als einen Spukfilm, so wie die Morde inszeniert sind. Da gibt es keinen Zusammenhang, da geht es nicht um etwas nachvollziehbares, um ein System, da toben sich die Spezialeffekt-Leute einfach mal so aus wie es ihnen gerade gefällt. Ein Auto (über)fährt von alleine, eine Zombie-arige Monsterhand greift im Garten nach einem der jungen Dinger, ein Kopf wird gespalten und einige andere Dinge geschehen auf ähnlich brutale Art. Hintergrund der ganzen Sache bleibt aber tatsächlich der Spuk.

Schade dass uns Regisseur Finnegan nicht mehr die herrlich eklige Kreatur vom Anfang des Filmes zeigt, die in ihrer Wirkung irgendwo zwischen monströs ekelig und charmantes Muppet-Flair anzusiedeln war. Man wird zwar mit den Morden bei Laune gehalten und gegen Ende überrascht wenn eine Körperübernahme zu einem unerwarteten Schluss führt, das alles wäre jedoch schöner anzusehen gewesen mit besagtem Schreckgespenst zu Beginn. Da das ganze aber vor solch stimmungsvoller Kulisse stattfindet, angereichert mit einem abwechslungsreichem Inventar, welches einen des öfteren zum Hingucken verleitet, braucht man gar nicht zu streng mit dem Ergebnis zu sein.

Mir hat das muntere Treiben des Filmes Spaß gemacht, auch wenn hier hinten und vorne die übernatürlichen Geschehnisse so gar keinen Sinn ergeben und sich manches Ereignis nicht in die Gesamtstory einfügen lässt. Als kleiner Horrorfilm für zwischendurch geht „Death Legacy“ (Alternativtitel), der im Original eigentlich „Girls School Screamers“ heißt, aber durchaus in Ordnung, zumindest für die Art Horror-Fan, die ihr Lieblings-Genre ohnehin stehts mit einem Augenzwinkern verfolgt.


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Freitag, 23. Oktober 2015

SLIME CITY (1988 Greg Lamberson)


Ein seltsames Elixier wandelt den Körper des jungen Künstlers Alex in eine schleimige Konsestenz um, so als würde er schmelzen. Die Wirkung kann nur dadurch rückgängig gemacht werden, indem er Menschen ermordet. Tut er dies nicht, löst sich der Körper immer weiter auf. Die Hintergründe besagten Gebräus sind bei einem vor Jahren verstorbenen Alchimisten zu finden...


Nicht jeder Schleimer ist ein Streber...

In „Slime City“ geht es eher um ein Slime House. Das was hier passiert findet also im wesentlich kleineren Rahmen statt, als uns der Titel suggerieren will. Eigentlich ist das aber auch egal, denn der von Greg Lamberson gedrehte Horrorstreifen ist so oder so ein interessanter Bastard aus kunterbuntem Videotheken-Horror wie er für die späten 80er Jahre bis zur Mitte der 90er Jahre üblich war und den sehr harten und groben Grindhouse-Filmen der 70er Jahre a la „Die Tollwütigen“. Thematisch ist der Film mit „Street Trash“ und „Body Melt“ verwandt und guckt sich wie eine Mischung aus diesen und aus „The Stuff“, was ich nicht nur auf den im Zentrum stehenden Nachtisch beziehe, sondern auch auf die augenzwinkernde Erzählform.

„Slime City“ ist sich seiner Form und seiner Schwächen bewusst, will nicht mehr sein als er ist, ist teilweise arg amateurhaft ausgefallen, jedoch mit ehrlichem Engagement angegangen und mit dem Herz am rechten Fleck umgesetzt, so dass man dem Streifen seine Schwächen nie wirklich vorwerfen würde. Spätestens ein Finale, in welchem der Freundin von Alex wahrlich nichts erspart bleibt, entschädigt für so einiges und erfordert vom Zuschauer einen gesunden Magen.

„The Slime“ (Alternativtitel) spricht oftmals ganz von alleine an, was man sich als Zuschauer im Hinterstübchen denkt. Die Parallelen der Verwandlung von Alex zu Drogenproblemen werden ebenso offen angesprochen um sie auch gleich wieder zu verwerfen, wie die offensichtliche optische Parallele, wenn der Künstler im schleimigen Zustand bandagiert herum läuft und dabei wie Claude Rains in „Der Unsichtbare“ aussieht.

Die Drogenthematik ist nur eine von vielen Dingen die man in den Film hineininterpretieren könnte. Man sieht dem fertigen Werk jedoch an, dass er keinerlei Anliegen Richtung Gesellschaftskritik in sich trägt. „Slime City“ soll provozieren und unterhalten, er soll eine Alternative zum angepassten Massengeschmack sein. Sicherlich erzählt er nichts Neues und setzt stark auf Goreeffekte, die Ausstrahlung des Filmes wirkt trotzdem nicht dem Horror-Genre angepasst. Das liegt sicher auch an der Leichtigkeit mit der man zur Umsetzung herangegangen ist. Grinsende Komparsen, der wackelige Küchenboden eines Spezialeffektes wegen, Lamberson verhält sich da wie Ed Wood, dreht nicht neu sondern lässt solche Patzer einfach passieren, dies aber ohne dass die Katastrophe zum zentralen Hingucker wird. Der Sehwert des Streifens liegt woanders.

Die deutsche Synchronisation ist leider recht billig ausgefallen, hat man doch den Eindruck die Sprecher würden sich beim Aufsagen ihrer Texte langweilen. Und auch das lahme musikalische Gedudel im Hintergrund ist nicht gerade förderlich für den Sehspaß. Der ist trotzdem recht hoch für solch einen wirren Plot eines Filmes dieses Produktionsniveaus. Und die kurze Laufzeit hilft dabei trotz dieser Schwächen mit „Slime City“ genügend Spaß zu haben. Vom Ergebnis her würde ich ihn in etwa mit dem im selben Jahr entstandenen „Rabid Grannies“ vergleichen. Lamberson drehte nach 11 Jahren Drehpause 22 Jahre später höchstpersönlich die Fortsetzung „Slime City Massacre“, der meines Wissens nach bislang nicht in Deutschland erschienen ist.


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SIE SIND VERDAMMT (The Damned 1963 Joseph Losey)


Eine Rockerbande belästigt den in England Urlaub machenden Amerikaner Simon, als dieser Zeit mit der Schwester des Anführers besagter Bande verbringt. Aufgrund ihres aggressiven Auftretens flüchtet er mit der jungen Frau vor den Rockern und gelangt dabei mit ihr auf ein militärisches Sperrgebiet, wo sie inmitten der Klippen auf eine Gruppe isoliert lebender Kinder treffen, die über keinerlei Körperwärme verfügen...


Kälte mit Kälte begegnet...

Für einen Film aus den Hammer-Studios ist der Stoff des Streifens als höchst ungewöhnlich zu bezeichnen, dessen Auflösung man besser aufgeklärt als damals heutzutage ziemlich schnell erahnt, was das Grauen der Geschichte jedoch nicht mindert, so hilflos wie wir der Thematik selbst heute noch ausgesetzt sind. Das Plakat und die Namensgebung „The Damned“ (Originaltitel) spielen sicherlich mit Absicht auf den drei Jahre zuvor erschienenden Erfolgsfilm „Das Dorf der Verdammten“ an, inhaltlich hat Loseys Werk, das bereits 1961 gedreht wurde, jedoch nichts mit dem Film um Kinder außerirdischer Herkunft gemein. Der bekam im Erscheinungsjahr von „Sie sind verdammt“, also 1963, die Fortsetzung „Die Kinder der Verdammten“ beschert, und in den 90er Jahren folgte eine Neuverfilmung unter der Regie John Carpenters.

Ich erwähne dies an dieser Stelle um einmal zu verdeutlichen wieviel mehr Beachtung besagter Science Fiction im Vergleich zum hier besprochenen erfuhr, bekam „Sie sind verdammt" in Deutschland bislang doch lediglich Fernsehausstrahlungen beschert, bis er kürzlich endlich, ohne je im Kino oder auf VHS erschienen zu sein, auf DVD veröffentlicht wurde. Auch wenn es der Streifen nicht mit der berühmteren Konkurrenz aufnehmen kann, von dessen Erfolg er mit seinem Plakat zehren möchte, so ist Joseph Losey doch ein interessantes Werk geglückt, das zwar ebenfalls dem Genre des Science Fiction-Horror angehört, sich aber eigentlich nicht so anfühlt.

Das mag am Mitleid liegen, welches man von Anfang an mit den Kindern hat. Man kennt ihre Opferrolle, man ahnt die Hintergründe der Geschehnisse, und man verflucht den Mann der über sie herrscht, im Glauben etwas Gutes zu tun. Man kann die Beweggründe des Mannes, der die Eingesperrten seine Kinder nennt, sogar verstehen, aber sie rechtfertigen nicht die Eiseskälte des Projektes, welche den Gegenpart zur Körperkälte der Kinder darstellt.

Die können nichts für ihren Zustand, von dem uns erst das Finale berichten wird. Der Verantwortliche des Projektes hingegen, so liebevoll er innerhalb seiner Grenzen auch agieren mag, könnte auch anders. Aber er sieht sich als Erretter der Menschheit - hat vielleicht sogar Recht damit wenn kommen mag woran er feste glaubt, aber dass sein Vorhaben reinster Irrsinn ist, selbst wenn man alle Ethik über Bord wirft, zeigt allein schon die Erkrankung eines der Kinder, der zwei längst tote Vorgänger gleicher Erkrankung vorausgingen.

Die Isolation in der Behausung der Kinder wirkt unangenehm und trist, welche einzig des großen Zieles wegen geschaffen wurde. Die Welt in welcher die Kinder hausen ist so zweckdienlich und kalt wie die der „Teletubbies“. Am Ort ihrer Unterkunft angekommen trumpft endgültig das triste Schwarz/weiß, in welches der komplette Streifen getaucht wurde. Zusammen mit den immer stärker werdenden Schwächeanfällen der hier zufällig gelandeten Erwachsenen entsteht eine Bedrohlichkeit besonderen Ausmaßes. Die Berichterstattung der jungen Bewohner, die freilich aus kindlichster Sicht von Bedrohungen wie dem schwarzen Tod erzählen, bereichern diesen Zustand beim Zuschauer zusätzlich.

Insgesamt ist es jedoch recht schade, dass „Die Verdammten“ (Alternativtitel) zu Beginn so umständlich erzählt ist. Zwar verwebt der Drehbuchautor die einzelnen Handlungsstränge zur Mitte hin sehr gekonnt miteinander, umständlich wirkt das ganze dennoch, zumal man auf einfacherem Wege den Fokus noch stärker auf das Hauptaugenmerk hätte ausrichten können. Diesbezüglich ist wohl „Ein Kind zu töten“ ein lobenswerter Verweis, der einen in der Zeit des Hinhaltens ständig in einem Zustand der Bedrohung zurückließ, um sich schließlich voll und ganz dem Bösen zuwenden zu können.

Im Gegensatz zu dem fühlen sich die Helden der Geschichte von „These are the Damned“ (Alternativtitel) nie hilflos. Immer glauben sie alles im Griff zu haben. Und aufgrund dessen, dass sie sich darüber bewusst sind, dass das Militär hier die Hand im Spiel hat, ist dieses Denken auch äußerst naiv zu nennen. Auch die Bravheit des Streifens zum Ende hin schwächt das Gesamtergebnis, bei welcher wir nicht näher die Erkrankung der Erwachsenen erleben dürfen. Vielleicht war die Zeit noch nicht reif für solch eine Extreme, die uns spätestens mit „Wenn der Wind weht“ zu dem Thema nicht mehr vorenthalten wurde.

Dennoch ist der Schluss gelungen, der höchst pessimistisch ausgefallen ist und das für wirklich jede Seite. Selbst das Projekt kann nicht mehr wie geplant durchgeführt werden. Es muss neu durchdacht werden. Die Kinder einweihen damit sie begreifen? Ihren Widerstand ignorieren und sie zu reinen Sklaven machen, jetzt wo ihnen bewusst ist, dass sie Gefangene sind? Es gäbe so viele Möglichkeiten die Geschichte spannend fortzusetzen. Vielleicht ist es ganz gut dass dies nie passiert ist, so bleibt es der Phantasie des Zuschauers überlassen wie es weiter gehen könnte. Der muss jedoch erst den Schock verarbeiten, welche die nach Hilfe schreienden Kinderstimmen am Ende (auch in der geglückten Deutschvertonung) in ihm ausgelöst haben und die sicherlich noch einige Zeit nachhallen. So war es zumindest bei mir.


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Donnerstag, 22. Oktober 2015

WOLFEN (1981 Michael Wadleigh)


Detective Wilson steht vor einem Rätsel. Ein Politiker und sein Anhang wurden bestialisch getötet. Die Tatwaffe ist so unbekannt wie das Motiv. Noch ominöser wird der ganze Fall, als sich Spuren von Wolfshaaren an den Leichen auffinden...


Die Augen eines Jägers oder die eines Toten...

Streng betrachtet ist „Wolfen“ ein mit Esoterik angehauchter Öko-Film mit naiver Botschaft, der den Wandel eines rational denkenden Menschen zeigt, der auf eine alternative Wahrheit zu der uns bekannten stößt. Allein aufgrund dieser Grundlage wäre es schön gewesen die letzten 20 Minuten hätten anders stattgefunden als abgedreht, könnte Wilson bis dahin doch lediglich ein von Manipulationen abgelenkter Geist sein, vergleichbar mit dem was „Die Delegation“ vor dem Hintergrund einer Aliensichtung erzählt. Die Frage ob ein Realist in esoterisches Denken übergerschwenkt ist, oder ob es tatsächliches Magisches in der Welt gibt hätte nicht beantwortet werden dürfen. Dann wäre „Wolfen“ in seiner Existenz wesentlich wertvoller ausgefallen.

Stattdessen wird das Werk des „Woodstock"-Regisseurs ein trauriges Stück über den bösen Mensch, der die Natur verraten hat, die in gewisser Weise nun auf magischem Wege Rache nimmt. Das ist atmosphärisch dicht umgesetzt, eine dreckige Stadt in düsteren Bildern zeigend, orientiert an einem desillusioniertem Mann, der das Werkzeug einer Institution ist, die nur innerhalb ihrer Tunnelblick-Grenzen agiert. Da ist schon ein gutes Stück ernstzunehmende Gesellschaftskritik mit dabei, getaucht in eine Inszenierung die glücklicher Weise in ihrer trockenen Art noch reinste 70er Jahre-Luft atmet, umgesetzt von Profis ihres Fachs.

Und letztendlich ist die hier erzählte Geschichte auch wesentlich wertvoller zu nennen, als es der x-te Werwolffilm gewesen wäre, den der Titel zunächst vermuten ließ. Trotzdem ist es zu schade wie sehr sich der Streifen nach einer inhaltlichen Durststrecke nach einer gut erzählten ersten Hälfte zu sehr in esoterisches Denken verstrickt, dies als Botschaft nutzend für den Zuschauer anstatt es lediglich als erzählerisches Element eines Filmes aus dem phantastischen Bereich zu verwenden. Genau darin liegt der Schwachpunkt des Filmes, der viel vom künstlerisch wertvoll erarbeiteten Potential kaputt macht.

Es lebe die Öko-Welt. Der Mensch ist nicht Natur. Und Indianer waren uns mit ihrem spiritistischen Denken weit überlegen. Klischees treffen auf ein fragwürdiges Glaubensbild, was ironischer Weise viel eher das Ergebnis eines heutigen Filmes in Zeiten von Homöopathie und anderem zu ernst genommenem esoterischem Humbug hätte sein müssen, anstatt das eines Filmes der noch von den aufgeklärten 70er Jahren zehrt, bevor die Mündigkeit des Kinopublikums in den 80er Jahren so langsam abgebaut wurde. Dementsprechend ist „Wolfen“ selbst ein Wolf im Schafspelz, scheint ein Film aus einer kritischen und mündigen, wie auch aufgeklärten Zeit zu sein und ist in Wirklichkeit nur ein Stück geistiger Abbau, der Menschen dazu verleiten soll sich vom rationalen Denken abzuwenden. Schade, der Streifen selbst ist eigentlich gut umgesetzt.


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DER SCHREI DER EULE (Cry of the Owl 2009 Jamie Thraves)


Der in Scheidung lebende Robert Forrester hat im Wald ein Haus entdeckt, in dem eine hübsche Frau lebt. Des öfteren fährt er dort hin um sie heimlich zu beobachten. Als er eines Tages erwischt wird, wird er widererwartend von der Frau eingeladen. Ihr Name ist Jenny, und sie mag Robert von Anfang an. Man lernt sich kennen, man trifft sich wieder, und so langsam verliebt sich Jenny in den Stalker. Sie trennt sich seinetwegen von ihrem Freund, und der sucht eines Abends die Konfrontation mit Robert. Es kommt zu einer Schlägerei nah am Fluss, und von diesem Tag an ist Jennys Ex wie vom Erdboden verschwunden. Robert gerät unter Mordverdacht...


Er wollte doch nur seine Ruhe...

Die Charakterzeichnung von Robert ist einzigartig zu nennen, geradezu ungewöhnlich für einen Film dieser Art, und das verleiht „Der Schrei der Eule“, dessen literarische Vorlage schon mehrfach verfilmt wurde, einen individuellen Charakter. Der Zuschauer ist immer nah an den Empfindungen und Geschehnissen rund um Robert dran. Man baut eine persönliche Beziehung zu ihm auf. Man beginnt ihn zu verstehen, selbst wenn er Dinge tut die sonderbar erscheinen. Das Stalken gehört dazu, hat aber einen ganz anderen Grund als das Wort stalken eigentlich impliziert. Robert sucht lediglich das Wohlfühlen, welches er in seinem durch den Job und die Scheidung gestressten Alltag so vermisst. Und er findet es im Gemütszustand der Frau die er beobachtet.

Mehr will Robert nicht. Und deswegen werden die Geschehnisse rein zum Selbstläufer, wenn sich die ebenfalls depressiv scheinende Jenny in ihn verliebt. Er selbst möchte keine Beziehung so kurz nach der Scheidung, er lässt sich dennoch auf eine Liebschaft ein. Daraufhin kocht die Eifersucht in Jennys sitzengelassenem Ex. Der ist nach einer Prügelei plötzlich verschwunden. Eigentlich glaubt der Zuschauer an Roberts Unschuld, ist die Tür des Misstrauens doch nur einen Spalt auf durch ein Auslassen der Geschehnisse, nachdem Robert dem Vermissten gar das Leben gerettet hat. Aufgrund dieses Spalts dauert es auch einige Zeit zu begreifen worum es in „Der Schrei der Eule“ wirklich geht.

Mancher Thriller-Fan mag da enttäuscht werden, wenn es schließlich nicht um ein „oder war er es doch?“ geht. „Cry of the Owl“ (Originaltitel) ist viel mehr Psycho-Drama als Thriller. Es geht um das Gefühlsleben Roberts, das sich aufgrund immer extremer werdender Umstände immer mehr verändert. Unschuldig erlebt er die Isolation. Freunde entpuppen sich als erschreckte Mitläufer. Einzig Jenny hält zu ihm, so dass er sie bei sich hält, obwohl er keine Beziehung mit ihr möchte. Verständlich, keiner möchte alleine sein. Immer wieder wenn Robert Hilfe oder Verständnis entgegen gebracht wird, passiert etwas neues das den von Robert gewünschten Zustand wieder zunichte macht. Der Mann bleibt verdächtig. Er ist Opfer eines Intrigenspiels.

Und genau in diesem Punkt besitzt Thraves „Der Schrei der Eule“ seinen Schwachpunkt. Wenn es zur Auflösung kommt werden die Beweggründe des Täters nicht weiter verfolgt. Zwar erfährt man wer Robert böse mitspielt, ein tieferes Warum bleibt der Film einem aber ebenso schuldig wie die Frage nach dem Grund und der Art der Zusammenkunft zweier Verschworener. „Der Schrei der Eule“ erscheint trotz seiner dichten Erzählung plötzlich so gehaltlos, als habe er außerhalb Roberts Psyche nichts weiteres erzählen wollen. Aber was nutzt die genaue Betrachtung auf die inneren Vorgänge Roberts, wenn das Drumherum am Ende keine befriedigende Antwort liefert?

Schon zuvor bemerkt man wie willkürlich Nebenstränge radikal beendet werden, ohne dass man einen Grund für diese Art Schlussstrich erfährt. Die Auflösung sorgt schließlich dafür, dass genau diese Momente als das erkannt werden was sie sind: als einzig des reißerischen Effekts wegen eingebaute Konstrukte. Sie sollten dem Zuschauer lediglich unerwartete Wendungen bescheren ohne sich richtig ins Gesamtbild einzufügen. Auch hier besteht also vieles nur aus heißer Luft. Und da darf man schon enttäuscht sein.

Dank der Nähe zu den Charakteren bleibt „Der Schrei der Eule“ trotzdem ein sehenswerter Film, zumal er in großartige Bilder getaucht ist und talentierte Schauspieler zu bieten hat, von denen Julia Stiles mit ihrer individuellen Ausstrahlung ein besonderer Pluspunkt ist, würde man einem klassischen Hollywood-Püppchen die Rolle doch gar nicht abkaufen. Stiles verkörpert rein optisch bereits alles was zur Figur der Jenny dazu gehört. Sie wirkt sinnlich, anziehend, tiefsinnig und individuell. Sie ist eine Frau in die man sich nur all zu gern verlieben würde, Trümpfe die auch „10 Dinge, die ich an Dir hasse“ und die fünfte Staffel „Dexter“ an ihr zu nutzen wussten, Trümpfe die aber nicht darüber hinweg täuschen dürfen, dass Stiles zudem eine begabte Schauspielerin ist.

Paddy Considine kannte ich bislang nur aus „Hot Fuzz“ und (mehr noch) aus „The World‘s End“. Dort fiel er mir trotz guter Leistungen nur bedingt auf. Nun im „Schrei der Eule“ kommt man aufgrund dessen, dass er Zentrum des Films ist, nicht umhin zu bemerken wie großartig sein Spiel ist. Seine Leistung ist ähnlich sensibel zu nennen wie das Drehbuch, so dass die Kombination aus beidem den hauptsächlichen Sehwert ausmacht, den Stiles Zutun zusätzlich verzuckert.

Thraves Film hätte so viel mehr werden können, wenn er den Zuschauer am Ende nicht mit vielen offenen Fragen im Regen stehen lassen würde. Dann könnte man sich auch wesentlich mehr am hoffnungslosen Schlussbild erfreuen, welches einen Ort an dem einst ein glückliches Gesicht stand gegen ein absolut hoffnungsloses austauscht, das keine Möglichkeit auf ein Happy End besitzt. Schön ist auch der Kniff, dass der Zuschauer nun Roberts ehemalige Rolle als Stalker einnimmt. Hitchcock wäre sicherlich stolz auf Thraves gewesen.

Aber diese so geglückte Szene würde auch nur dann so intensiv beim Zuschauer nachhaltig wirken, wenn man nicht zuvor mit einem verpufften Nichts allein zurückgelassen worden wäre. Klar, nicht alles im Leben ist erklärbar. Es besteht hauptsächlich aus Zufällen. Aber die Beweggründe des Täters, ein näheres Beleuchten seiner Psyche und die seines Mittäters hätten einen Teil der Leere füllen können, so dass man die restliche Leere als absichtlich unbeantwortet als Zuschauer dankend angenommen hätte, um sich selbst Gedanken zu machen.


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Mittwoch, 21. Oktober 2015

AUTOPSIE - HOSPITAL DER LEBENDEN LEICHEN (Macchie solari 1975 Armando Crispino)


In Rom werden während einer Hitzewelle überdurchschnittlich viele Selbstmorde begangen. Die Pathologin Simona findet keine Anhaltspunkte für Fremdeinwirkung, aufgrund eines persönlichen Erlebnisses forscht sie dennoch zusammen mit einem befreundeten Priester nach. Eines Tages stößt sie auf einen angeblich von sich selbst verfassten Abschiedsbrief. Dem kurz darauf folgenden Mordanschlag kann sie gerade noch entkommen. Die Hintergründe der Ereignisse bleiben jedoch nach wie vor ein Rätsel...


Hitze verwirrt die Geister...

Durch die vorgetäuschten Selbstmorde geht der Täter in „Autopsie - Hospital der lebenden Leichen“ einen für einen Giallo ungewöhnlichen Weg. Wo sonst die Messer blitzen dürfen, geht unser Täter für das Auge des Zuschauers im Vergleich unblutiger vor, was Regisseur Crispino nicht davon abhält uns in seinem letzten Film zumindest brutalst zurecht gemachte Leichen zu präsentieren. Auch manche Dekoration im Kriminalmuseum weiß in seiner Abscheulichkeit zu gefallen, somit wird der Freund des Morbiden trotzdem befriedigt.

Dennoch ist „Hospital Horror“ (Alternativtitel) ein eher zahmer Beitrag des harten italienischen Kriminalfilms, was ihn spätestens aufgrund der finalen Hintergründe der Taten Wallace-Flair atmen lässt, was nicht überrascht, gilt die deutsche Wallace-Reihe von Rialto doch als eine Art Vorphase des Giallos. Interessanter Weise drehte Crispin drei Jahre zuvor „Das Geheimnis des gelben Grabes“, einen Kriminalfilm nach Bryan Edgar Wallace und war durch die deutsche Zusammenarbeit dementsprechend mit dieser Art Film vertraut.

„Macchie solari“ (Originaltitel) atmet jedoch reinstes italienisches Flair. Die Männer sind alle sexgeil, gewalttätig und gerne auch mal beides zugleich, die Frauen weinerlich, hilflos und hysterisch. An nackter Haut wird nicht gespart. Trotz des Anliegens einen Kriminalfall zu lösen ist keiner an Zusammenhängen interessiert, am wenigsten die Polizei, die aber ohnehin nur für kurze Augenblicke unbedeutend vorbei schaut. Eigentlich gibt es auch kaum vernünftige Dialoge welche die Leute miteinander führen. Wie will man da ein Rätsel lösen? „The Victim“ (Alternativtitel) krankt also an den typischen Extremen italienischer Billigfilme, übertreibt es mit denen nicht ganz so wie der Regisseur von „Torso“, aber wer im Italo-Kino dieser Zeit fremd ist wird das hier gelebte Flair trotzdem als sehr extrem empfinden.

Die Italiener sind nun einmal keine Amerikaner, präsentieren nicht solch glattpolierte Bilder und Storys, und das ist definitiv ein Vorzug dieser Art Film. Die Zusammenkunft der Charaktere im hier besprochenen Werk wird angenehm umständlich aufgebaut, und es dauert auch ein wenig länger die wichtigen Figuren gut genug kennen zu lernen um sie als Personen richtig einordnen zu können, was einem Film, in dem es ums Mörderraten geht (was bei solch wirrem Plot nicht wirklich funktionieren kann), definitiv zugute kommt, auch wenn es nicht gerade die Stärke des italienischen Schundfilm-Kinos ist psychologische Zusammenhänge zu erkennen und zu erfassen.

Crispino hält „The Magician“ (Alternativtitel) oftmals in düsteren Bildern, sorgt dafür dass Räume und Plätze wirksam eingefangen werden, und im Hintergrund dudelt ein schlichter, aber sympathischer Soundtrack komponiert von Ennio Morricone. Der hat schon besseres abgeliefert, aber das passt zum angenehm durchschnittlichen Film, der ebenfalls nicht die Krone der Giallo-Kunst darstellt, aber eben auch nicht den Bodensatz. Zwar hätte „Autopsie - Hospital der lebenden Leichen“ gegen Ende nicht ganz so wirr ausfallen dürfen, das kostet ihn ein wenig Sympathiepunkte, aber für Vielseher des Genres lohnt es sich dennoch einzuschalten, schlägt sich die Story doch so wacker wie die Darsteller, und geht die Laufzeit von über 100 Minuten für solch einen trockenen Stoff doch recht zügig um. Vom Unterhaltungswert würde ich „Macchie solari“ in etwa mit „Der Ripper kommt auf leisen Sohlen“ vergleichen.


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Dienstag, 20. Oktober 2015

ROOM IN ROME (Habitación en Roma 2010 Julio Medem)


Eine Spanierin und eine Russin haben sich in einem Lokal in Rom kennen gelernt und verbringen ihre letzten Stunden Urlaub nachts gemeinsam in einem Hotelzimmer. Man findet sich anziehend, man macht miteinander rum, man lernt sich besser kennen. Es wird für beide eine unvergessliche Nacht...


Romantik in Rom...

„Room in Rome“ besitzt einen guten, emotional starken Soundtrack, er präsentiert zwei Schauspielerinnen mit wunderschönen Körpern, und auch die Kameraarbeit ist meisterlich ausgefallen. Alles zusammen ergibt jedoch ein zu dick aufgetragenes Gesamtes. Es fehlt der Umsetzung an Feingefühl. Alles ist zu penetrant inszeniert. Hoch emotionale Musik untermalt tolle Fotografien, während die Psychologie der Geschichte und die Glaubwürdigkeit der Geschehnisse an Totalversagen kranken.

Dass eine hübsche Frau nach dem Schlaf nicht auf Klo muss und sich nach ewigem Herumlungern im Bett vor einer körperlichen Annäherung mit wem anders nicht frisch machen und die Zähne putzen muss, kann man noch als die typischen Krankheiten eines Erotikfilmes ansehen, der Frauen einzig als Körper betrachtet. Julio Medems Werk möchte jedoch Charaktere in den Vordergrund rücken und mehr tiefsinniges Drama als reiner Erotikfilm sein, und daran scheitert er extremst.

Die Damen werden einem weder sympathisch noch aufgrund ihrer Lügen je vertraut. Die Annäherung der beiden wirkt weder sinnlich noch glaubwürdig, und spätestens wenn zwischen den Sexspielchen immer wieder zum Seelenstripteas geweint wird, wird der Mann als Zuschauer endgültig ausgeschlossen, gibt es doch wohl kaum etwas unattraktiveres für ihn, erst recht in dieser egoistischen theatralisch vorgetragenen Form, wie hier Wünsche, Sehnsüchte und Schwächen dem Gegenüber offenbart werden. Das soll große Gefühle repräsentieren und entfachen, aber alles wirkt unecht, glattpoliert und aufgesetzt.

„Eine Nacht in Paris“ (Alternativtitel) ist das Paradebeispiel dessen was passiert wenn Menschen ohne Empathie und Ahnung für Psychologie etwas Tiefsinniges erschaffen möchten. Das Ergebnis ist nicht nur ausgesprochen langweilig und nervig durch seine Penetranz, es ist auch aufgrund der dick aufgetragenen Art ein peinliches Stück Fehlversuch, verursacht dementsprechend Fremdschämen, wird aber sicher bei so manchen Pseudo-Intelektuellen ein Publikum finden.


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Sonntag, 18. Oktober 2015

KÜSS DEN FROSCH (The Princess and the Frog 2009 Ron Clements u.a.)


Ein betrogener in einen Frosch verwandelter Prinz wird von der armen, verzweifelten Tiana geküsst, die sich nichts sehnlicher wünscht als genug Geld zu verdienen um ein Restaurant zu eröffnen. Da Tiana jedoch keine Prinzessin ist, erlöst sie den Verwandelten mit besagtem Kuss nicht, sondern wird selbst zum Frosch. Nun kann nur noch Tianas reiche Freundin helfen, die bis Sonnenaufgang den Titel einer Ehrenprinzessin trägt und damit den Zauber per Froschkuss rückgängig machen könnte. Diese ist jedoch verwöhnt, ekelt sich vor Fröschen und ist gerade dabei sich in einen Betrüger zu verlieben, der sich als Prinz ausgibt...


König der Frösche...

Was durfte man aufatmen, dass die Disney-Studios doch wieder neben den computeranimierten Trickfilmen zu der klassisch gezeichneten Variante zurückkehrten, nachdem die Pforten dieser für einige Jahre verschlossen war. Zwar hatte man mit „Die Kühe sind los“ und „Der Schatzplanet“ Werke geschaffen die weit unter dem Niveau üblicher Disney-Zeichentrickfilme angesiedelt waren, aber dennoch machte sich bei vielen Hoffnung breit mit der Rückkehr ins klassische Zeichentrickgeschäft Qualitäten vergangener Tage zu erleben.

In gewisser Weise ist das auch passiert, nur leider besann man sich auf späte Erfolgszeiten zurück, auf Zeiten von „Arielle, die Meerjungfrau“, „König der Löwen“ und Co, die sich zwar heutzutage großer Beliebtheit erfreuen, denen aber aus diversen Gründen der Charme der großen Klassiker wie „Aristocats“, „Bernard und Bianca“, „Schneewittchen und die sieben Zwerge“ und Co fehlt. „Küss den Frosch“ beginnt mit ähnlichen Schwächen selbiger Zeit. Zwar ist der Streifen animationstechnisch auf höchstem Niveau angesiedelt, ständig selbstverliebter Gesang raubt einem jedoch schnell den Nerv. Wenn das ganze dann noch durch einen charakterlich viel zu braven und arg kitschigen Figurentyp präsentiert wird, zumindest in der Vorgeschichte während der Kindheit unserer Heldin, dann ist das zwar der typische Zeitgeschmack wie die Masse heutzutage einen Familienfilm sichten möchte, aber längst nicht mehr innovativ, vorrausschauend und mutig wie die großen Disney-Filme - ganz zu schweigen vom fehlenden Charme einer zu berechnenden und anbiedernden Umsetzung.

Nach einer schwer zu ertragenden Einleitung kommt plötzlich ein Hoffnungsschimmer auf, darf mit Auftauchen des Frosches doch endlich die nötige Dosis Komik ihren Einzug in die Geschichte halten, die einige Zeit später noch Verstärkung durch ein Musik-begabtes Krokodil erhält. Doch diese Lichtblicke funktionieren nur kurze Momente, sind ohnehin nur Schatten vergangener Sympathieträger wie es einst z.B. Libellchen war, und selbst starke Figuren alter Disney-Klassiker bekämen das zu berechnende Konstrukt von „The Princess and the Frog“ (Originaltitel) nicht gestemmt.

Schon Jahre vor dem Schließen der klassischen Animationsstudios kamen in Amerika, auch von anderen Firmen, nur noch familienfreundliche Zeichentrickfilme außerhalb der reinen Computeranimation auf dem Markt, deren Drehbücher sich nicht zu verfilmen lohnten, so als wolle man geradezu absichtlich das bisherige Animationsverfahren aus dem Weg räumen. „Küss den Frosch“ kann sich hier nahtlos einreihen in seiner Einfallslosigkeit, nicht einmal den Partyfaktor liefernd, der zumindest die weniger innovativen CGI-Filme heutiger Zeiten zu retten weiß. Schön und gut dass man relativ klassisch wieder einsteigen wollte, aber dann darf man nicht nur formelhaft auf Märchengrundlagen und leicht modernisiertem biederen Stil zurück greifen, dann muss man gerade an den Punkten ansetzen, welche die Erfolge der frühen Werke damals ausgemacht haben: sympathische Charaktere, situationsorientierter sowie herzlicher Gesang jenseits eines Musical-Stils und Mut zu Innovationen. All das fehlt „The Frog Princess“ (Alternativtitel).


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THE COLLAPSED (2011 Justin McConnell)


Eine Familie flüchtet durch eine durch einen Virus hervorgebrachte Endzeitwelt ohne zu ahnen welche Art der Bedrohung tatsächlich auf sie lauert...


Ein Plan zu viel...

Der Zombiefilme gibt es genug, was kein Wunder ist, so gerne wie sie nach all den Jahren noch immer gesehen werden. Viele davon erzählen vom Ende der Zivilisation. Was liegt für einen Verleiher also näher als einen halbwegs ähnlich gearteten Stoff so zu vermarkten, dass der Zuschauer glaubt einen Zombiefilm zu sichten? Auf dem DVD-Cover fällt kein Wort über lebende Tote oder Infizierte, aber das Wort Virus, das Erzählen vom Ende der Welt und die gaphische Gestaltung des Covers inklusive eines Review-Zitates aus dem Netz, welches mit dem Nennen diverser Zombie-Klassiker arbeitet, all das lässt den nimmersatten Fan vermuten erneut einen Beitrag besagten Bereichs ergattert zu haben.

Um so mehr verwundert es, dass die Familie, die sich durch die menschenleere Einöde schleppt um ein weiteres Familienmitglied aufzusuchen, nie auf eine sichtbare Gefahr stößt. Ab und an sind da andere Menschen, Plünderer einer Welt in welcher der Stärkere überlebt, aber die eigentliche Bedrohung ist nie zu sehen. Sie ist es selbst dann nicht, wenn man angegriffen wird. Und sie ist es auch dann nicht, wenn Personen im Film getötet werden.

Es dauert lange Zeit bis man begreift keinen Zombiefilm im DVD-Player liegen zu haben, und ist es einmal soweit schafft es der Film leider nicht einen wirklich neugierig zu machen was nun der wahre Hintergrund ist. Die Menschen werden wahnsinnig und gehen aufeinander los, denkt man sich, vergleichbar mit Stoffen a la „Crazies“ und „Maniac City“. Aber selbst dies trifft nicht zu. Ist man als Zuschauer erst einmal aufgeklärt, ist ein Augenverdrehen durchaus erlaubt, denn anstatt an jenem Punkt Halt zu machen, welcher mit dem Hintergrund von „The Signal“ vergleichbar wäre, wird die Gefahr personifiziert, indem eine Absicht hinter allem steckt und damit ein denkendes Wesen. Und dieser Gedanke ist schon sehr albern zu nennen.

Die Schauspieler schlagen sich wacker, halten bemüht einen Plot hoch, der nie zu Potte kommt, da er erst am Ende von der wahren Gefahr berichten möchte. Und da ist dementsprechend nicht viel mehr als reines Hinhalten angesagt. Ein solches Hinhalten habe ich des öfteren schon wesentlich schlechter umgesetzt gesehen, langweilig wird es nie, eine Zeit lang schafft es „The Collapsed“ sogar das Interesse des Zuschauers zu wecken. Aber bei all der Konkurrenz, die zu ähnlichen Szenarien mit anderem Hintergrund wesentlich mehr für Auge und Kopf bietet, hält sich dieser Zustand nicht lang.

Es ist das Glück des Filmes, dass einem die Figuren relativ nahe gehen. Gerade die Interaktionen zwischen Vater und Sohn besitzt eine Kraft, die wenigstens einen Rest Unterhaltungswert im sonst so mageren Ergebnis entstehen lässt. Man muss kein sehr geduldiger Mensch sein um bis zum Szenario in der Jagdhütte durchzuhalten, welches man emotional wohl als den zweiten Höhepunkt des Streifens betrachten darf. Danach hat der Film jedoch nichts weiteres mehr zu bieten als seine olle Auflösung, eine von der man sich verarscht vorkommt, da man dafür so lange durchgehalten hat. Eingeleitet wird diese mittels eines Szenarios, wie es eher in den Backwood-Bereich des Horrorfilms passt anstatt in einen Endzeitfilm.

Kurzum: trotz eines dünnen Plots schafft es McConnell bei Stammzuschauern des Genres relativ lang das Interesse mittels Vorenthaltens von Tatsachen aufrecht zu erhalten, nicht im hohen Maße, aber zumindest hoch genug damit das Publikum dran bleibt. Mit der Zeit verliert sich der Streifen jedoch immer mehr in seinem verworrenen Hintergrund, der mir nicht zu Ende gedacht vorkommt. Szenen die einem zunächst als fehlerhaft umgesetzt vorkamen, erweisen sich durch die Auflösung als sinnig umgesetzt. Es wäre nur schön gewesen die Auflösung wäre ebenfalls sinnig ausgefallen. Das hätte zwar auch so aus „Crazy World“ (Alternativtitel) keinen guten Film gemacht, innerhalb seiner Möglichkeiten aber einen besseren.


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Samstag, 17. Oktober 2015

ANNABELLE (2014 John R. Leonetti)


Nach dem ein junges Ehepaar von einer Gruppe Okkultisten überfallen wird und diesen Angriff überlebt hat, steckt etwas Böses in einer der Puppen, welche die bald werdende Mutter sammelt. Ein Umzug soll vom erlebten Schrecken ablenken, aber solange die Puppe Annabelle im Haus ist, ist die ahnungslose Familie nicht sicher...


Chuckys Schnarchtante...

Mit Puppen verhält es sich im Horrorfilm ähnlich wie mit Clowns: sie wirken quasi von selbst bedrohlich, was die Arbeit mit ihnen als Aggressor ungemein vereinfacht. Wenn man bedenkt wie viele Beiträge allein Vielfilmer Charles Band in billigst zusammengeschusterter Art auf die Menschheit losgelassen hat ohne diesen Effekt zu verfehlen, darf es ungemein verwundern, dass ausgerechnet eine professionelle Produktion es nicht hinbekommt die Puppe im Zentrum ihres Filmes bedrohlich wirken zu lassen. Erst recht wenn man bedenkt, dass der Film die Vorgeschichte des Erfolgs-Gruslers „Conjuring - Die Heimsuchung“ erzählt.

Schon der hat mir nicht wirklich gefallen, was jedoch mit allerhand Fehlentscheidungen im letzten Drittel zu tun hatte. Spannende Momente hatte Teil 1 durchaus vorzuweisen. Deswegen habe ich mich trotz des mittelmäßigen Ergebnisses auch auf „Annabelle“ eingelassen, dachte ich mir doch wenn es ein Film schafft trotz vieler Fehler eine unheimliche Stimmung zu entfachen, dann schafft man das mit einer Puppe im Zentrum erst recht. Doch Regisseur Leonetti schafft es nicht eine einzige Szene lang mit Hilfe des Sammlerstücks Unbehagen beim Zuschauer zu erzeugen. Und katastrophaler Weise schafft er es auch nicht mit irgendwelchen anderen Begebenheiten von denen der Film erzählt.

Wie soll er dies auch schaffen, so ungelenk wie der Film in seiner mit Unnötigkeiten vollgestopften Art doch erzählt ist? Er ist kein sonderlich begabter Regisseur, was seine Arbeit „Butterfly Effect 2“ deutlich zeigt. Ein solcher Mann kann aus einem schwachen Drehbuch nichts ernten, und so unglaublich schlecht wie die Geschichte ausgefallen ist hätten dies auch nur die wenigsten begabten Leute gleichen Fachs hinbekommen.

„Annabelle“ entfacht keine unheimliche Atmosphäre, nicht einmal ansatzweise einen leichten Spannungsbogen, geschweige denn auf irgendeine andere Art so etwas wie einen Unterhaltungswert. „Annabelle“ schaut sich zunächst arg nervig, und wird im Laufe der Zeit immer langweiliger, bis man schließlich endgültig aufgibt an so etwas wie einen plötzlichen Umschwung zu glauben, der wenigsten den Rest halbwegs zu retten weiß. Finger weg, der Film ist gerade heraus gesagt einfach nur Scheiße, wenn man einmal bedenkt welche Möglichkeiten Filmemacher bei einem Budget von Fortsetzungen erfolgreicher Kinofilme haben.


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DER RATTENGOTT (Izbavitelj 1976 Krsto Papic)


Der arbeitslose Schriftsteller Ivan Gajski stößt in der 20er Jahre-Wirtschaftskrise der Tschechei auf eine Verschwörung von Rattenmenschen, welche die Weltherrschaft erlangen möchten. Er lernt Professor Boskovic kennen, der versteckt lebend versucht ein Mittel zu finden, an dem nur die Ratten sterben...


Man muss nicht zwingend zu einer von beiden Seite gehören...

Der auf einer Novelle aus den 20er Jahren basierende jugoslawische Film „Der Rattengott“ ist nur auf dem ersten Blick betrachtet ein Horrorfilm. Der Stoff geht tiefer als die Inhaltsangabe vermuten lässt, wird politischer, und dies nicht nur als Begleitumstand wie man es aus anderen Genre-Beiträgen kennt. Im hier vorliegenden Fall wird die Horrorgeschichte zur Nebensache und der politische Aspekt rückt in den Vordergrund.

Im Gegensatz zum Roman, der es zeitlich nicht konnte, orientiert sich Regisseur Krsto Papic bei der Darstellung der Rattenmenschen nah an den Nationalsozialisten Deutschlands. Spätestens das halbe Hakenkreuz, welches auf einer Festlichkeit der Rattenmenschen aus den Tischen gebildet wird, macht dies mehr als deutlich. Für den Film selbst wäre es besser gewesen die politische Bedrohung nicht direkt auf sie zu beziehen. Zwar fällt die Symbolik nicht so penetrant aus wie es in „La antena“ der Fall war, aber letztendlich geht die Geschichte tiefer als einzig davon zu berichten, dass wir uns gegen braunes Gedankengut zu wehren haben.

Gefahr birgt jede politische Extreme. Doch das Bekämpfen dieser kann, wie der Film thematisiert, ebenfalls fragwürdig sein. Die Gegenseite des Bösen ist nicht immer das Gute. Und die Gegenseite böse zu finden bedeutet nicht gleichzeitig die andere Seite gut zu finden. Dass das Bekämpfen der Rattenmenschen zumindest kritisch zu hinterfragen ist, zeigt sich allein darin, dass sich der Schriftsteller längst mitten im Kampf befindet, bevor er eine optische Bestätigung dessen erhält worüber der Professor ihn unterrichtet hat. Ivan bekämpft den Feind allein aufgrund von Hörensagen sie wären böse. Er hinterfragt es nicht. Und er weiß nichts über seinen Verbündeten. Obwohl er scheinbar mit dem Bekämpfen des Bösen eine gute Tat verfolgt, wird sein Handeln aufgrund dieser Hintergründe ebenso fragwürdig.

Dass es Papic aufgrund der Propaganda der Nazis recht gelegen kommt das Schreckensbild was diese über die Juden entwickelt haben, auf die Täter umzudrehen, ist nicht zu übersehen. Das bekommt jedoch den Beigeschmack eines „Ihr seid die wahren Ratten“, eine Rechtfertigung die der Roman, das wage ich als Nichtkenner der Printmedie zu behaupten, übertragen auf seine Entstehungszeit sicherlich nicht anderweitig getätigt hat. Es würde mich aufgrund der Aussagen der Geschichte zumindest stark wundern.

„Izbavitelj“ (Originaltitel) ist zwar stets in dunklen Bildern gehalten, eine wirklich düstere Atmosphäre will sich jedoch nicht wirklich aufbauen, so dass mir der Streifen etwas zu theoretisch ausfällt. Er ist interessant, keine Frage, aufgrund seiner kurzen Laufzeit auch nie zäh ausgefallen, und er weckt den Intellekt des Zuschauers, aber ein wenig besser erzählt hätte „Der Rattengott“ trotzdem ausfallen können. Wer sich als Anführer der Rattenmenschen herausstellt überrascht nicht, wie er besiegt wird kommt viel zu plötzlich, und so wirklich bedrohlich wie ein „Die Dämonischen“ fällt die Übernahme der bisherigen Herrschaft der Menschen weder auf noch aus.

Momente wie die Verwandlung eines getarnten Rattenmenschen zum enttarnten, vor den Augen von Menschen, die gerade eben noch eine Interaktion mit ihnen hatten ohne von deren wahrer Gestalt zu wissen, erinnert stark an Carpenters späteren „Sie leben!“ und sind jene Art Szenen, von denen es ruhig etwas mehr hätte geben können. Auch mit etwas mehr Unterhaltungswert wäre das ernste Anliegen der gesellschaftskritischen Polit-Aussage nicht verloren gegangen, geschweige denn abgeschwächt worden.

So bleibt „The Rat Savior“ (Alternativtitel) „nur“ ein Werk für Freunde des besonderen Filmes, ein entgegen dem was man hinter dieser Geschichte erwarten würde, eher kopflastiger Stoff, dem man seine besondere Eigenständigkeit nicht absprechen kann. „Der Rattengott“, den Papic höchstpersönlich 2003 unter dem Titel „Infection“ neuverfilmte, ist anders, etwas Besonderes und in seiner Art mit den hier genannten Vergleichsfilmen auch überhaupt nicht verwandt. Kunstkino trifft auf Polit-Kino trifft auf Trash-Stoff. Und das ist nicht nur ein wundervoller, sehr seltener, Mix, es ist erstaunlicher Weise auch anspruchsvolles Kino, trotz der zu starken Orientierung auf die Nazis.


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WENN DER KLEMPNER KOMMT (The Plumber 1979 Peter Weir)


Angeblich sei er der Klempner des großen Wohnkomplexes, und angeblich sind all die Rohre, die bislang so wunderbar funktionierten, völlig fehlerhaft und müssen in einem aufwendigen und langfristigen Verfahren repariert werden. Jill wird misstrauig, als sie mit dem sonderbaren Mann der sich Max nennt tagelang allein in ihrer Wohnung ist und ihn mehr und mehr als Eindringling empfindet, während der Ehemann aufgrund wichtiger Ereignisse auf der Arbeit zu beschäftigt ist, um sich den Klempner einmal etwas genauer anzusehen...


Ein Rohrsystem so verworren wie die Geheimnisse der Seele...

Es verwundert nicht, wenn man liest der Jim Carrey-Film „Cable Guy“ habe sich inspirieren lassen durch Peter Weirs „Wenn der Klempner kommt“, sind die Parallelen doch deutlich erkennbar. Im Gegensatz zur Komödie, welche die Idee langschweifig auskostet, ist der TV-Film des „Picknick am Valentinstag“-Regisseurs jedoch ein Thriller, der die Ausgangslage als fast schon Kammerspiel-artiges Psycho-Duell auskostet und das Gut-Böse-Schema dabei gar nicht so offen legt wie es der Vergleichsfilm tut.

Klempner Max ist sicherlich ein sonderbarer Typ, das was er im Badezimmer treibt ist wenig überzeugend, so dass man ihm nicht über den Weg traut. Aber mit der Zeit kommt einem auch die ähnlich sonderbar charakterisierte Jill nicht mehr ganz geheuer vor. Da nie etwas nachweisbar Fragwürdiges passiert, fängt der Zuschauer an zu hinterfragen in wie fern er von Weir eventuell manipuliert wurde Max zu schnell als Bösewicht eingeordnet zu haben, und nun muss er sich darauf verlassen was er wirklich miterlebt hat, muss sich auf die eigenen Sinne und Eindrücke verlassen, da Weir keine deutlichen Fährten legt, und da kann man schon ins Schleudern kommen ob Jill nicht doch nur einer fixen Idee unterliegt in welcher sie sich verliert.

Da beide Figuren keine Sympathieträger sind und ihre Schrullen und unangenehmen Eigenarten besitzen, die es einem zutrauen lassen dass die Wahrheit an beiden Enden sitzen könnte, entsteht bei dem an sich ruhig und halbwegs simpel abgefilmten Filmchen eine eigene Dynamik, ein Spannungsbogen im eigentlich so simplen Szenario, beflügelt durch das Kopfkino des Zuschauers, der zum eigentlichen Motor des Streifens wird. Die geistige Mitbeteiligung des vor dem Fernseher sitzenden Konsumenten ist zum Funktionieren von „The Plumber“ (Originaltitel) viel größer gewichtet als üblich im Medium, muss zwar immer vorhanden sein damit ein Film richtig funktionieren kann, aber selten so entscheidend wie hier. Und darin liegt die Raffinesse des zunächst so schlicht erscheinenden „The Mad Plumber“ (Alternativtitel).

Ob die finalen Ereignisse nur das faire Ergebnis dessen sind, was der Gegenpart gesät hat, oder ob die finale Tat ungerechtfertigt ist bleibt Interpretationssache, auch wenn meiner Meinung nach aus psychologischer Sicht eine Seite als schuldig deutlich hervortritt und es somit tatsächlich eine Aufteilung in Opfer und Täter am Schluss gibt. Aber wer schon bei den überdeutlichen Geschehnissen in „Schloss des Schreckens“ an der Wahrheit zweifelte, wird sich hier erst recht uneinig sein wer wem übel mitgespielt hat. Die Lösung ist in den Irrungen und Wirrungen seelischer Rohrleitungen verborgen und erfordert dementsprechend die Fähigkeit des Zuschauers, sich mit diesen ein wenig auszukennen um halbwegs klar zu sehen. Restzweifel bleiben jedoch trotzdem immer bestehen, egal wie sicher man sich auch ist.