Donnerstag, 31. März 2016

DIE TODESINSEL (Demon of Paradise 1987 Cirio H. Santiago)


Eine menschenähnliche Reptilienkreatur verbreitet im See eines exotischen Urlaubsparadieses Angst und Schrecken. Ein Sheriff und eine Biologin versuchen das Vieh einzufangen...


Von einem Sheriff welcher einer Hotelmanagerin untersteht, aber das Militär kommandieren darf...

Grüne Gummimonster waren lange Zeit im Kino Amerikas nicht tot zu kriegen. Jahrzehnte nach ihrem ersten Hoch mit Erfolgen wie „Der Schrecken vom Amazonas“ und erfolglosen Nachahmern wie „The Monster of Piedras Blancas“ gab es im Zuge von Roger Cormans kleinem 80er Jahre-Hit „Das Grauen aus der Tiefe“ ein kurzfristiges Comeback dieser Art Monsterfilm, dem u.a. 3 Jahre später „The Being“ folgen sollte und weitere 4 Jahre später „Die Todesinsel“, gedreht an den Philippinen, und ein Monster präsentierend, das aufgrund seiner exotischen Pracht auf dem Kopf zu einer Art Afro-Version des klassischen grünen Gummimonsters wird.

Santiagos Werk hat der oftmals erzählten Story eines monströsen Viehs aus dem Wasser, welches ein Touristengebiet unsicher macht, nichts Neues hinzuzufügen. Routiniert erzählt er den üblichen Plot erneut und ergänzt ihn um eine kleine Gaunerstory, über Verbrecher die für die Mafia arbeiten, die aus Kostengünstigkeit selbstverständlich nur erwähnt anstatt aktiv wird. Was die Verbrecher Ungesetzliches treiben wird nie wirklich gezeigt, aber das passt ganz gut zu den restlichen Figuren. Zwar sind ganz typisch im Klischee badend der Reporter, der Sheriff, die Biologin und jene Person mit an Bord, die von dem Touristengeschäft lebt und deswegen alles verhindert damit der See nicht gesperrt wird, dass diese Leute ihren Beruf jedoch wirklich ausüben merkt man erst im letzten Drittel des Streifens. Zuvor werden die Jobs nur erwähnt, während man anderweitigen Tätigkeiten nachgeht.

Am extremsten hat es diesbezüglich die Biologin erwicht, die zwar ab und an auf Tauchgang gehen darf, meist aber lieber sehnsüchtig auf den See blickt, für andere Kaffee kocht, oder ein beruflisches Gespräch über die Fortpflanzung der Kreatur für einen geschmacklosen Flirt nutzt. Der Sheriff wiederum untersteht der Besitzerin des Hotels vor Ort, warum auch immer, darf im Finale, wenn das Militär sich ins Geschehen einmischt, jedoch immer an vorderster Front mitschießen, zeigt den Soldaten wo es lang geht, und ist auch der erste der vom Hubschrauber aus Dynamitladungen in den See werfen darf, während das Militär am Ufer untätig darauf wartet, dass sich die Kreatur sehen lässt.

Das tut sie äußerst selten, und ist sie mal zu sehen braucht es nicht viel Zutun ihrerseits um die Menschen ins Jenseits zu befördern. Die sprengen sich auch gerne mal selbst in die Luft oder sterben aufgrund anderweitiger Unfälle, während die Kreatur zuguckt oder sich erst etwas später einmischt. Zumindest gehört „Demon of Paradise“ (Originaltitel) im Ansatz zu den humaneren Werken seiner Art, wird doch betont dass die Kreatur nur angreift, wenn sie sich belästigt fühlt, und das passt schon ganz gut zu seinem passiven Verhalten, zumindest großteils innerhalb eines Filmes der sich sowieso immer wieder vorne und hinten widerspricht.

Immerhin ist der etwas dröge umgesetzte Streifen wenigstens teilweise untermalt mit unfreiwillig komischen Lustigkeiten, wie ein gar nicht zum Szenario passender Soundtrack mit Computergefiepse, welcher besser in einen Streifen mit Roboterthematik gepasst hätte, oder der genialen Argumentationstaktik der Biologin, die, nachdem die Hotelleitung bei der Androhung des Sheriffs das Hotel schließen zu wollen eine richterliche Befugnis sehen möchte, noch ein zusätzliches Mal betont dass es wirklich besser sei das Hotel zu schließen. Wow! Sie ist eine Meisterin der Rhetorik und beweist mit dieser Art der Argumentation ihre fachliche Professionalität.

Da Charaktere nicht im Ansatz vertieft werden, das Szenario altbacken ist und die Kreatur zu selten und zu passiv agierend eingesetzt wird, ist „Die Todesinsel“ von Regisseur Cirio H. Santiago, der auch für „Treibjagd auf Liebeshexen“ und „Camp der verlorenen Frauen“ verantwortlich war, nie wirklich kurzweilig oder unterhaltsam ausgefallen. Am angenehmsten schaut sich noch die etwas zu lang geratene Monsterjagd am Ende, in welcher das Militär ordentlich losballern darf, während die Biologin überraschend human parallel dazu zwei Fehlversuchen der Betäubung des Monsters nachgehen darf. Dass sich diese ebenso monotone Phase recht anständig umgesetzt guckt, mag daran liegen dass Santiago mit Werken wie „Final Mission“, „Die Solo-Kampfmaschine“ und „Platoon ohne Rückkehr“ im Action- und Kriegsfilmbereich zu Hause ist.

Verwundert hat mich die unterhaltsamere Wirkung des Finales schon, da ich persönlich nie sehr auf groß ausgelegte Actionszenen setze und im Monsterfilm erst recht nicht. Hier jedoch wissen diese Momente den übermüdenten Zuschauer wachzurütteln, der wenigsten gegen Ende noch kleine Hingucker zu erhaschen bekommt, die zwar alle nicht wirklich der Rede wert sind, aber zumindest unterhaltsamer eingefangen sind als der Großteil der restlichen Story. Guckbar ist „Die Todesinsel“ durchaus, dennoch langweilt er eher anstatt zu unterhalten, womit er den beiden oben erwähnten 80er Jahre-Monsterfilmen in nichts nachsteht. Die sind alle nicht wirklich toll ausgefallen. Leider!


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THE RETURNED (Les revenants 2004 Robin Campillo)


Weltweit kehren die Verstorbenen der letzten 10 Jahre zurück. Man versucht die etwas lethargisch wirkenden Menschen zurück in die Gesellschaft zu integrieren, da man denkt ihre langsame Art die sie an den Tag legen wäre lediglich ein Prozess des wieder Eingewöhnens ins Leben. Aber dem ist nicht so. Ein Muster der Aufenthaltsorte der schlaflos umherwandelnden Zurückgekehrten, welches zunächst als Ritual der Re-Orientierung gedeutet wird, wirft zusätzliche Fragen auf. Scheinbar treffen sich die Zurückgekehrten systematisch um sich auszutauschen...


Einfach wieder da...

Während andere Werke von menschenfressenden Rückkehrern aus dem Reich der Toten erzählen, versucht Regisseur Robin Campillo, der erst neun Jahre später mit „Eastern Boys“ seinen nächsten Film gedreht hat, das Thema zurückgekehrter Verstorbener gesellschaftlich orientiert anzugehen. Seine rätselhafte Geschichte, die 2012 in Frankreich in Serie ging und drei Jahre später ein amerikanisches Serien-Remake nach sich zog, macht aus den Wiederauferstandenen keine Monster. Die ehemals Toten sehen so aus wie kurz bevor sie verstorben sind, sie erinnern sich an ihr Leben von einst, und sie sollen in die Gesellschaft zurück integriert werden.

Ein solcher Plot wirft viele Fragen auf, die „The Returned“ zwar in der Regel nicht beantwortet, die aber ganz offen im Film selbst angesprochen werden. Damit gibt Campillo zu verstehen dass er weiß welchen Rattenschwanz sein Szenario theoretisch nach sich zieht, er macht aber auch deutlich dass es ihm um die gestellten Fragen meist nicht geht, da sich der Streifen der zwischenmenschlichen Problematik stellen soll. Es geht also nicht um das Warum der Rückkehr und der Frage warum die Verstorbenen nicht vergammelt sind, und es geht auch nicht um die Finanzprobleme einer übervölkerten und überalterten Gesellschaft, Themen die nur am Rand Anklang finden, es geht um die Resozialisierung in einem breiten Spektrum.

Neben der Überwindung jemanden wieder in sein Leben zu lassen, um den man getrauert hat und neben der Frage wie man die Menschen in ihr altes Leben zurück führen kann, macht Campillo schnell deutlich, dass es mit den Zurückgekehrten etwas Merkwürdiges auf sich hat. Sie schlafen nicht, besitzen eine um etwa 5 Grad niedrigere Körpertemperatur, und sie legen ein lethargisches Verhalten an den Tag, welches zunächst soziologisch versucht wird zu erklären, nach einer Zeit mangelnder Verbesserung jedoch als größeres Gesellschaftsproblem als bisher angenommen angesehen wird. Man muss feststellen, dass die Wiederauferstandenen keineswegs in der Lage sind höheren Tätigkeiten nachzugehen.

Zudem stecken sie in einem eigenen Blickwinkel fest, können sich in die Lebenden nicht hineinversetzen und wirken emotional stark distanziert. Auch dies hat nichts wie anfangs vermutet mit der Resozialisierung zu tun, die Zurückgekehrten sind tatsächlich so. Es ist kein Zustand der Verbesserung erkennbar.

Interessant in diesem Film, der seine rätselhafte Geschichte fast selbstverständlich erzählt und alles Geschehene in einem Schwebezustand des nicht Erklärbaren hält, ist die Tatsache, dass nie wirklich die Frage gestellt wird, ob die Wiedergekehrten in die Gesellschaft zurück integriert werden wollen. Es scheint eher ein Bedürfnis der Hinterbliebenen zu sein, ein solch starkes, dass es als Selbstverständlichkeit empfunden wird, und welches dafür sorgt dass die Lebenden Zwänge ausüben, um ihre Heimgekehrten in die Normalität zurückzuführen. Schlafmittel gegen Schlaflosigkeit, Einsperren gegen Rastlosigkeit, emotionales Binden trotz Gleichgültigkeit, die Toten machen nicht den Eindruck irgend etwas von dem zu wollen was die Gesellschaft zu regeln versucht.

Dies wirft die Frage auf, ob die ominösen Ereignisse, die sich im letzten Drittel aufgrund des Zusammentuns der ehemals Toten auftun, das Ergebnis der Zwänge der Lebenden sind, quasi um sich zur Wehr zu setzen, oder ob die Toten ein weiteres Geheimnis umweht, ganz unabhängig von den Zwängen denen sie ausgesetzt waren. Die eskalierende Situation gegen Ende ist somit entweder ein mystisches Phänomen mit unheimlichem Hintergrund innerhalb eines Filmes, der aufgrund seiner nüchternen Erzählweise selbst nie unheimliche Momente entfacht, oder es ist ein gesellschaftliches Problem zweier unterschiedlicher Interessengruppen. Darin könnte sich die Thematik von Flüchtlingen die man integrieren will ebenso wiederspiegeln wie die Thematik um die Entmündigung im Alter.

Eben weil Campillo nichts erklärt und uns einfach zeigt was passiert, lässt er so viele Deutungsmöglichkeit zu, sorgt aber bei vielen Zuschauern sicherlich auch für Verzweiflung und Orientierungslosigkeit, sind es die meisten Zuschauer von heute doch gewohnt sich nicht selbst Gedanken machen zu müssen. Sie wollen an die Hand genommen werden. Sie wollen, dass ihnen alles erklärt wird. Und sie erkennen nicht den wunderbaren, mündigen Umgang mit ihnen, den Campillo zulässt, indem er das unerklärliche Phänomen einfach als Gedankenspiel geschehen lässt, mit welchem wir uns schlussendlich selbst zu beschäftigen haben.

Vielleicht hätte „They Came Back“ (Alternativtitel) dafür nicht ganz so nüchtern ausfallen müssen, den Inszenierungsstil könnte man geradezu als meditativ bezeichnen, und ein wenig aktiver könnten zumindest die Hinterbliebenen handeln. Aber letztendlich ist es genau dieser unaufgeregte Stil der „The Returned“ zu etwas Besonderem macht. Es ist das was ihn zum Teil des anspruchsvollen, trockenen europäischen Kinos macht, welches ich persönlich sehr schätze, eben weil es vom Zuschauer erwartet sich mit dem jeweiligen Stoff auseinanderzusetzen, anstatt dass einem alles vorgekaut wird. Wer Antworten benötigt wird mit dem Serien-Remake sicherlich besser zurecht kommen. Ich kenne beide Serien noch nicht, aber spätestens das amerikanische wird sicherlich nicht mehr so rätselhaft und nüchtern ausfallen wie dieses wunderbare französische Original.


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Montag, 28. März 2016

FEAR THE WALKING DEAD - STAFFEL 1 (Fear the Walking Dead - Season 1 2015 Adam Davidson u.a.)


Heroin-Junkie Nick sieht wie eine Bekannte von ihm andere Junkies auffrisst. Nick und seine Familie glauben dass es die Drogen waren, die ihn dies sehen ließen, aber die Wahrheit sieht viel düsterer aus. Eine Zombieepidemie macht sich schleichend über das Land breit. Dem Glauben an baldige Rettung durch das Militär folgt die Ernüchterung darüber dass es mit der Zivilisation wie wir sie einst kannten zu Ende geht...


Der schleichende Tod...

Die Erfolgsserie „The Walking Dead“ startete ihre Erzählung damals inmitten der Zombieepidemie. Die auf ihr basierende Spinn-Off-Serie „Fear the Walking Dead“ setzt zu Beginn der Seuche ein, in einer Zeit in der jeder noch seinem alltäglichen Treiben nachgeht und glaubt die kleinen Wohlstandsproblemchen wären das größte dessen was es zu bewältigen gibt. Eine solche Geschichte besitzt ihren ganz eigenen Reiz, kann sie die Ereignisse rund um die Zombieapokalypse doch anders beleuchten. Dabei ist die Idee und alles was auf ihr aufbaut so wenig innovativ wie es der Beginn der Originalserie war, aber das ist nicht wirklich von Bedeutung, besitzt eine Erzählung vom Ende der uns bekannten Zivilisation doch auch beim x-ten Aufgruss seinen Reiz.

Etwas anders hatte ich mir den Anfang vom Ende dennoch vorgestellt. Wo man sich unglaublich viel Zeit hätte nehmen können, um den Zuschauer den schleichend näher kommenden Alptraum auf beängstigende Art spüren zu lassen anhand kleiner Vorzeichen, die man erst einmal zusammenreimen muss, da bangt man stattdessen um die Gunst des ungeduldigen Zuschauers von heute, dem man nicht zutraut dass er sich auch von einer sich langsam entwickelnden Geschichte hätte unterhalten lassen. Zwar beginnt „Fear the Walking Dead“ ziemlich zu Beginn, aber bereits nach der Hälfte der gerade einmal 6teiligen Staffel befinden sich die Helden bereits in einer der letzten existierenden Schutzzonen des Militärs. Am Ende der Staffel angelangt können sie bereits ohne zu Zögern Zombies dezimieren, da sie auf sich allein gestellt sind. Das Militär zieht sich zurück. Die Zombies haben gesiegt.

Da „Fear the Walking Dead“ in Fortsetzung gehen wird und somit nie als Mini-Serie geplant war, verwundert diese Art der Erzählung sehr, denn nun kann es nicht mehr lange dauern bis wir den Zustand der Originalserie erreicht haben, und dann wird sich das Spinn-Off nicht mehr mit einer eigenen Geschichte hervorheben können, sondern wird nur ein gleichgeschalteter Ableger dieser sein können. Verstehen braucht man diese Entscheidung nicht, enttäuschend ist sie allemal, hätte man das was in sechs Folgen erzählt wird doch locker auf drei Staffeln verteilen können, wenn man die Geschichte auf unheimliche Art erzählt hätte. Schließlich ist es der Gruselfaktor der in einer Actionserie wie „The Walking Dead“ (logischer Weise) kaum bis gar nicht zum Zug kommt.

Zwar ist „Fear the Walking Dead“ im Gegensatz zur Originalserie Thriller- anstatt Action-orientiert, womit man tatsächlich etwas mehr auf den Spannungssektor setzt, letztendlich geschieht aber alles viel zu schnell, wenn ziemlich zu Beginn auch auf solch schleichende Art, dass die Serie zunächst zur Geduldsprobe wird. Das hat sie ebenfalls mit „The Walking Dead“ gemein, hätte sich aber mit Vertrauen in den Ursprung der Geschehnisse vermeiden lassen können. Zwar versucht man stattdessen mit anderen Kniffen die Story aufzuwerten, so z.B. mit der Idee den Beginn über den Blickwinkel eines Heroin-Junkies zu erzählen, aber das wäre gar nicht nötig gewesen. Bereits der Normalbürger traut seinen Augen nicht wenn er erstmals mit der Seuche in Berührung kommt.

Obwohl man die Idee vom Ausbruch der Zombieepidemie meiner Meinung nach falsch, da zu flott, angegangen ist, weiß „Fear the Walking Dead“ routiniert zu unterhalten. Ohne Innovationen hervorzubringen erzählt er die immer wieder reizvolle Geschichte vom Einbruch der Zivilisation, vom Aufkommen des Egoismus, von den Plünderungen, der Anarchie und dem nicht zu trauenden Militär. Zwar wäre das Seherlebnis mit griffigeren und sympathischeren Charakteren wesentlich intensiver ausgefallen, aber die Figuren schaffen es zumindest, dass man sich für ihr Schicksal interessiert.

Dennoch erschreckt es wie ernüchternd sich der Untergang der Zivilisation schaut. Gerade mit Blick auf „12 Monkeys“ hätte man da wesentlich intensiveren Nervenkitzel und Empathie auslösen können, schließlich wissen wir durch die Originalserie vom Schicksal jener Menschen, die völlig ahnungslos sind während wir ihnen selbst solange sie noch leben eigentlich beim Sterben zusehen. Das Gefühl dass die Katastrophe unausweichlich ist wird hier jedoch nie so stark herausgearbeitet wie bei besagtem Kinofilm mit Bruce Willis. Zusammen mit dem Gruselsektor und dem möglichen Spiel mit der Paranoia vergeigt die Serie somit drei gefühlsbetonte Möglichkeiten, mit denen man die Serie über Durchschnitt hätte heben können.


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EIN TOTER SPIELT KLAVIER (Taste of Fear 1961 Seth Holt)


Die im Rollstuhl sitzende Penny kommt nach vielen Jahren heim zu ihrem Vater, der jedoch unverhofft verreist ist, so dass Penny lediglich auf ihre Stiefmutter trifft. Als Penny nachts in einem Schuppen ihren toten Vater sieht und man ihn kurz darauf nirgendwo vorfindet, wird das Erlebnis als Halluzination abgetan. Penny jedoch vermutet ein vertuschtes Verbrechen und forscht zusammen mit dem Chauffeur nach was die Stiefmutter und der merkwürdige Dr. Gerrard, der im Haus ein und aus geht, mit der Sache zu tun haben könnten...


In den Wahn getrieben...

„Ein Toter spielt Klavier“ gehört trotz der Anwesenheit Christopher Lees zu den eher unbekannteren Horrorbeiträgen der legendären britischen Hammerschmiede, was sehr schade ist, ist er doch eine kleine Perle der dort produzierten Genre-Beiträge und ein Lehrstück dessen wie man ohne große Effekte eine Geschichte aufregend und stimmig erzählt bekommt.

Um zu einem solch erfreulich gutem Ergebnis zu kommen lässt sich die Geschichte viel Zeit bevor sich die Ereignisse Richtung Finale schließlich derart überstürzen, dass nichts mehr ist wie es zuvor schien. Dass auch nach der x-ten Wendung der Ereignisse alles schlüssig und nachvollziehbar bleibt, verdankt der Streifen dem Talent von Drehbuchautor Jimmy Sangster, der sich nicht nur viel Zeit für das Vertiefen von Charakteren und Situationen nimmt, sondern diese im psychologischen Zusammenhang auch zu verstehen weiß, so dass Widersprüche nur in sehr kleinen, kaum bedeutenden Bereichen vorzufinden sind.

Ähnlich wie Hitchcocks „Bei Anruf Mord“ ist „Taste of Fear“ (Originaltitel) ein Film der es schafft den meisten Spannungsgehalt aus den Dialogen zu ziehen. Während Momente schrecklicher Ereignisse sehr klein gehalten werden, wird in „Ein Toter spielt Klavier“ ansonsten viel geredet. Da mag manch wer jammern, der sich mit dialoglastigen Werken schwer tut, aber was wir als Zuschauer hier erleben dürfen ist keineswegs Leergeschwätz um ein Minimum an Story auf Spielfilmlänge zu strecken. Die Dialoge stecken voller Informationen, versteckter Hinweise, Überlegungen, Ahnungen und Intrigen, dass es eine Freude ist dem mysteriösem Geheimnis des Hauses auf die Spur kommen zu wollen, glaubend zu wissen was vor sich ging.

Ein stimmiger Soundtrack, der wesentlich unaufdringlicher komponiert ist als das was man Anfang der 60er Jahre üblicher Weise zur Klanguntermalung verwendete, verhilft der rätselhaften Geschichte zu einer stimmigen Atmosphäre, die zwar nur selten zu wahrlich gruseligen Momenten führt, den Zuschauer aber stets zu fesseln weiß. Zudem ist es den glaubwürdigen Schauspielern zu verdanken, dass man sich für die Erlebnisse der Beteiligten derart intensiv interessiert. Und dass der Film in seiner schwarz/weißen Umsetzung meist im Dunkeln spielt, gehört mit zu den Eigenschaften, die „Ein Toter spielt Klavier“ zu etwas Besonderem werden lassen.

Mag sich das Szenario zunächst wie die übliche „jemand soll in den Wahnsinn getrieben“-Geschichte anhören, so ist dies doch nur die halbe Wahrheit. Und dass „Scream of Fear“ (Alternativtitel) mehr als diese schlichte Erzählvariante serviert, verdankt er nicht nur den wendungsreichen Ereignissen, sondern auch der Gabe der Charaktere nicht pausenlos ahnungslos zu agieren, sondern mitzudenken und relativ früh Vermutungen zu äußern, die in Routinewerken meist nur dem Zuschauer kommen, nicht aber den Protagonisten klassischer Horrorfilme. Das schaut sich erfrischend und sorgt für weiterführende Möglichkeiten, welche sicherlich selbst jene gewieften Cineasten vom Hocker hauen werden die zumindest teilweise mit ihren Vermutungen richtig lagen.

„Ein Toter spielt Klavier“ gönnt sich den Luxus sich viel Zeit für die Ereignisse zu nehmen, pausiert dennoch nie zu lang mit Situationen welche den Horrorgehalt der Geschichte fördern, und sorgt somit für einen stimmigen Grusel-Krimi voller interessanter Dialoge, Wendungen, gepackt in charmant düstere Bilder, begleitet von einem stimmigen Soundtrack und veredelt durch ein durchdachtes Drehbuch, dem man lediglich vorwerfen kann, dass es dem Durchschnittsbürger viel mehr schauspielerisches Talent zutraut als es in der Wirklichkeit tatsächlich der Fall sein dürfte. Aber so kleinkariert könnte ich nie sein, um mir davon eine solch professionell umgesetzte Erzählung vermiesen zu lassen.


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Sonntag, 27. März 2016

THE WALKING DEAD - STAFFEL 5 (The Walking Dead - Season 5 2014 Jeffrey F. January u.a.)


Nachdem Ricks Truppe sich aus der Falle Terminus befreien konnte und dafür sorgte dass sich derartiges dort nicht wiederholen kann, kommt man in einer Kirche unter, in welcher ein Pfarrer bislang unter mysteriösen Umständen überlebt hat. Doch die letzten überlebenden Kannibalen von Terminus befinden sich ebenfalls ganz in der Nähe der Kirche und planen Übles...


Die Zivilisation nach den Kannibalen...

Hielt ich Staffel 4 aufgrund dessen dass er keinen zentralen inhaltlichen Schwerpunkt gesetzt hat für eine Übergangsstaffel, welche die Geschichte der einen Staffel zu Ende bringt, während die Geschichte der kommenden vorbereitet wird, so weiß ich nach Sichten der fünften nun, dass diese Art Erzählung vorerst Stil der Serie bleiben wird. Auch hier wird keine isolierte Geschichte innerhalb eines über die Staffeln fortlaufenden roten Fadens erzählt, wie in den ersten 3 Staffeln oder bei Serien wie „Dexter“ und „House of Cards“. „Walking Dead“ wird fortlaufend weiter erzählt, unabhängig der Abgrenzung durch Staffeln. Wie gut oder schlecht diese Vorgehensweise ist hängt vom Blickfeld ab. Längen gab es schon immer innerhalb der Serie, storytechnisch ist man mit der neuen Methode flexibler.

Und trotzdem wirkt diese Art der Erzählung weniger einheitlich und zu unsortiert auf mich. Ich habe keine Ahnung warum mich das so stört, denn die Drehbücher sind weiterhin gut zu nennen, sie sind wohl überlegt, widersprechen sich nicht und baden nicht all zu sehr in Unnötigkeiten. Aber es gibt sie, so z.B. die Geschichte um Terminus, um die viel mehr Wirbel gemacht wird als der Storystrang schließlich bietet. Sie wird nicht einmal als Vorbereitung einer größeren Geschichte genutzt, denn auch die auf ihr aufbauende Kannibalenbedrohung ist lediglich ein kleines Kapitel inmitten des großen Ganzen.

Ist auch diese zu Ende erzählt, tritt die bis dahin nicht sehr überzeugende, aber durchaus unterhaltsame Staffel, wieder einmal kurzfristig auf der Stelle. Hat man diese müde Phase hinter sich gebracht, wartet aber zumindest eine richtig gute Geschichte auf den Zuschauer, die zwar langsam eingeleitet wird, aber psychologisch durchdacht, sowie interessant und konsequent erzählt. Im Vorfeld taten sich einige neue Situationen auf, die zuvor geklärt werden mussten, aber kaum in der Geschichte um eine neu gegründete Stadt angekommen wirkt die Serie fast wie neu gestartet, denn nun werden unsere Helden mit der Zivilisation konfrontriert, und als Zuschauer fragt man sich ob Ricks Truppe überhaupt in der Lage ist wieder in ein derartiges Leben integriert werden zu können. Und können die Bewohner mit Menschen zusammen leben, die in der Wildnis zu Bestien wurden?

Fragen über Fragen innerhalb einer reizvollen Geschichte, die keinesfalls die Geschichte der dritten Staffel wiederholt, auch wenn man dort wie hier versuchte in die Zivilisation zurück zu finden. Dank völlig anderer Ansätze und dadurch dass sich gegen Ende die schwierigen Situationen geradezu überschlagen, wird diese Phase der Staffel zu einem Hoch wie es dies seit dem Leben auf der Farm in Staffel 2 nicht mehr gegeben hat. Zwar wird gegen Ende alles auf recht einfachem Weg zu einem vorrübergehenden Schluss geführt, aber Staffel 6 kann nun auf dieser grandiosen Vorgabe aufbauen, womit es möglich wäre wieder eine solch gute Staffel abzuliefern wie es die Staffeln 2 und 3 waren.

Die Geduld, welche die hier besprochene Staffel von einem abverlangt, und die Episodenlastigkeit könnten dafür sorgen dass mancher Zuschauer, der es bis hierher geschafft hat, abspringt. Die erste Hälfte von Staffel 5 macht nicht den Eindruck dass sich der Zustand der Serie bessern wird. Er ist nicht das Tief der Reihe, den hat man mit dem schwachen Start der ersten Staffel hinter sich gelassen, Season 4 und 5 sind immerhin unterhaltungstechnisch auf schlichtere Art geglückt. Aber wirklich gut sieht anders aus, und wer sich von all dem nicht entmutigen lässt, wird mit dem tollen Plot besagter neuer Stadt belohnt, vorausgesetzt man mag an „The Walking Dead“ die Geschichte und ihre Figuren und nicht nur das olle Zombiegemetzel, welches freilich aufgrund der vorliegenden Storyänderung wieder ein wenig heruntergeschraubt wird.

Dank des konzentrierten Blickes auf das Leben der Überlebenden in einer neu gegründeten Zivilisation, schafft es die Serie stärker denn je Gesellschaftskritik an der Gegenwart zu äußern, dies glücklicher Weise auf unaufdringliche Art und gemischt mit einigen kleinen philosophischen Ansätzen, die zwar nie zu tief gehen, aus dem Stoff aber mehr machen als das was man hinter einem Mix aus Drama, Action, Horror und Soap Opera vermuten würde. Staffel 5 gehört nicht zu den stärksten Phasen der Serie, aber seine letzten 6 Folgen entschädigen für vieles und bescheren uns mit dieser Vorlage hoffentlich eine ebenso geglückte 6. Staffel.


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Samstag, 26. März 2016

DAS SCHWARZE REPTIL (The Reptile 1966 John Gilling)


Als sein Bruder stirbt erbt Harry Spalding dessen Haus in einem kleinen Dorf, welches er zusammen mit seiner Frau Valerie auch sofort bezieht. Eine mysteriöse Todeswelle geht in besagtem Dorf um, und da Harry glaubt dass auch sein zuvor kerngesunder Bruder an der rätselhaften Seuche gestorben ist, versucht er zusammen mit dem ortsansässigen Kneipenwirt herauszufinden was es mit dieser auf sich hat...


Die schwarze Reptilin...

Wen es nicht stört in diesem klassisch schlicht erzählten Stück Horrorfilm die Kreatur nur selten und erst nach langer Wartezeit zu sichten, der kann sich „Das schwarze Reptil“ ruhig mal ansehen, von dem ich mir gewünscht hätte, dass man die Kreatur im Titel nicht verraten hätte. Immerhin ist die Geschichte rätselhaft erzählt und der erste Auftritt der Kreatur zudem eine wahrlich geglückte Schockszene, so überraschend wie sie plötzlich auf der Bildfläche erscheint und damit damals sicherlich nicht nur zarte Gemüter erschreckt haben dürfte.

Mit dem Spoilern im Titel trägt „The Reptile“ (Originaltitel) nicht nur das gleiche Schicksal wie „Nächte des Grauens“, der im Originaltitel bereits die Zombies als überraschenden Hintergrund seiner rätselhaften Ereignisse verriet, John Gillings Werk scheint auch in den selben Settings aufgenommen worden zu sein. Der Verdacht verdichtet sich wenn man weiß, dass beide Hammer-Beiträge zudem im selben Jahr entstanden sind, umgesetzt vom selben Regisseur. Dieser drehte vor seiner Zeit bei der für ihre Horrorfilme bekannte Filmschmiede Werke verschiedenster Genres, von denen ich nur die beiden enttäuschenden Streifen „Der Arzt und die Teufel“ und „The Night Caller“ kenne.

Hier, wie auch in Hammers einzigem Zombiefilm, liefert der Mann, der auch für „Der Fluch der Mumie“ verantwortlich war, gekonnte Regiearbeit ab, wobei mir im direkten Vergleich der an Mario Bavas „Die toten Augen des Dr. Dracula“ erinnernde Zombiefilm eine Spur besser gefallen hat als der inhaltlich auf ähnlichen Pfaden wandelnde „Das schwarze Reptil“. Der hier besprochene Genrebeitrag kommt weniger innovativ daher als der Vergleichsfilm, folgt brav dem Muster dieser häufig erzählten Art Horrorfilm und kommt inhaltlich auch eine Spur sinnloser daher, besonders im Finale, wenn der Zuschauer nicht nachvollziehen kann warum der desillusionierte Dr. Franklyn nach einer verzweifelten Tat Valerie unbedingt gefangen halten will.

Von dem Sinn der Hintergründe des schwarzen Reptils sollte man besser gar nicht sprechen, bedarf es doch erst eines erklärenden Monologs Franklyns um die Sache halbwegs nachvollziehbar klingen zu lassen. Hier vernachlässigten es die Autoren die orientalische Vergangenheit des Doktors intensiver einzuarbeiten.

Fast hätte „Das schwarze Reptil“ Hammers Vorzeigefilm für Emanzipation werden können, handelt es sich bei der titelgebenden Kreatur doch um ein weibliches Monster, und wird die Frau Harrys doch taff charakterisiert, was sie allerspätestens beweist wenn sie ohne langes zögern auf recht harte Weise ihren Gatten verarzten muss. Wenn sie sich Richtung Finale in das Haus Dr. Franklyns schleicht, glaubt man aufgrund dieser gleichberechtigten Elemente auch hier nun einen Bruch der Traditionen erleben zu dürfen. Wird sie es sein, die dem Schrecken ein Ende bereitet und das Leben vieler Dorfbewohner retten wird? Aber nein, so weit war man 1966 im Bereich der Trivialunterhaltung dann doch noch nicht, und der vor einem Tag noch kränklich schwächelnde Ehemann eilt dem schwachen Geschlecht zur Hilfe um sie zu retten.

„Das schwarze Reptil“ ist ein nostalgisch sympathischer Horrorfilm, der einen größeren Ruf besitzt als er es meiner Meinung nach verdient hat, so routiniert wie er umgesetzt wurde. Aber dies wurde er immerhin professionell, obwohl hier nur die B-Riege der Hammer-Mitarbeiter vertreten war. Gilling ist nun einmal nicht Terence Fisher, die Rolle des Harry ist eher mittelmäßig besetzt, und Noel Willman weiß seinen Dr. Franklyn zwar gekonnt zu spielen, aber einen Peter Cushing oder einen Christopher Lee hätte man als Freund der Hammerfilme trotzdem vorgezogen. Diese hätten „The Reptile“ das nötige Etwas verliehen können, welches dem Streifen so wie abgeliefert leider fehlt. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau, schließlich weiß „Das schwarze Reptil“ sympathisch und stimmig zu unterhalten und präsentiert uns zudem ein optisch interessant gestaltetes Monster.


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Donnerstag, 24. März 2016

CHING - DAS GEHEIMNIS DES SCHWARZEN SCHWERTES (Hei Jiang gui jing tian 1970 Chien Lung)


Bösewicht Ching kommt unehrenhaft in den Besitz des schwarzen Schwertes, mit welchem man nahezu unbesiegbar ist. Er duelliert sich mit jedem der seinen Weg kreuzt und ist verantwortlich für das baldige Aussterben einer Familie, mit welcher Kuang befreundet war, bevor er aufgrund einer Schandtat vom Vater der Familie aus deren Kreis verbannt wurde. Als Kuang in den Besitz des goldenen Schwertes kommt, der einzigen Waffe mit welcher man den Kämpfer des schwarzen Schwertes besiegen kann, ist seine Chance gekommen alles wieder gut zu machen, indem er Ching zum Duell auf Leben und Tod herausfordert...


Schwerter sind wie Gürtel: auf die Farbe kommt es an...

Klassischer kann ein Eastern wohl kaum ausfallen, fast einzig bestehend aus Schwertkämpfen, ausgetragen von Dutt tragenden Männern mit Klischeenamen wie Ching, Chiang und Yong, zumindest in der deutschen Fassung. Dass man bei Filmen dieser Art eher mit einem Minimum an Story rechnen sollte, dürfte klar sein, dennoch überrascht „Ching - Das Geheimnis des schwarzen Schwertes“ zunächst damit eigentlich gar keine zu besitzen. Es wird uns gezeigt wie Ching an das Schwert gerät, und dann wird viel gekämpft, gerne auch sinnlos gekämpft, und dass in einem dieser Kämpfe der Schwächere seine Beine verliert, scheint zunächst nur eine weitere Sinnlosigkeit zu sein.

Aber sie führt, wie man im Nachhinein weiß, zur eigentlichen Geschichte, die sich erst nach der Hälfte der Laufzeit abzeichnet. Es ist also viel Geduld oder Freude ausdauernder Schwertkämpfe von Nöten um bis hierhin durchzuhalten. Und hat man besagte Hälfte erreicht erwartet dem Zuschauer auch nur das oben angerissene Minimum an Story. Aber zumindest ist es dann endlich da und kann sich inmitten einer Schar weiterer Schwertkämpfe entfalten, was zum Finale führt, in welchem unerwarteter Weise schon wieder sehr unsinnige Duelle stattfinden, bevor es zur eigentlich erwarteten Schlacht Schwarz gegen Gold kommt, mit deren Ende auch das Ende des Films erreicht ist, und dies so plötzlich, dass es wirklich jeden Zuschauer überrumpeln dürfte.

Zu den groß angelegten Produktionen gehört „Ching - Das Geheimnis des blutigen Schwertes“ (Alternativtitel) nicht. Dafür werden zu viele Schnitte gesetzt, um von wenig gekonnten Choreographien abzulenken. Und dafür sind Story und Schauspieltalent zu simpel ausgefallen. Die zweite Regiearbeit von Chien Lung, dem wir auch die Werke „Die Todesrächer von Bruce Lee“, „Karate-Lady aus Feuer und Stahl“ und „Taipan - Der Teufel mit der Drachenklaue“ verdanken, ist eine Produktion unter vielen, um die endlose Nachfrage nach solchen Produkten zu sättigen.

Man nimmt sich keine Zeit um die schönen Landschaften so einzufangen wie sie es verdient hätten, man bedient Klischees in der Dramaturgie anstatt gekonnt einen Dramaturbogen zu schlagen, und man orientiert sich kaum am dünnen roten Faden, den man erst einmal entdecken muss. Dementsprechend hat mich „The Darkest Sword“ (Alternativtitel) nicht vom Hocker gerissen. Was sich anfangs jedoch aufgrund endloser Wiederholungen fast langweilig guckte, wurde zumindest zu einer Routine, die in der zweiten Hälfte das Interesse des Zuschauers für die Ereignisse zurückgewinnen kann. Ein paar wenige Schauwerte wie ein hüpfender alter Opa wissen die dröge Geschichte leicht humoristisch aufzulockern, und die gekonnte deutsche Synchronisation verleiht dem Film einen aufwertenden Ton.

Freunde drastischer Bilder werden jedoch ebenso enttäuscht wie jene Eastern-Freunde, die gekonnte Choreographien und sportlich talentierte Kämpfer erwarten. Trotz einiger Brutalitäten wird sich mit Gore-Effekten doch stark zurück gehalten, auch in der ungekürzten Fassung, die es mittlerweile auch in Deutschland auf DVD zu sichten gibt, nachdem jegliche anderen Veröffentlichungen hierzulande bislang gekürzt waren. „Ching - Das Geheimnis des blutigen Schwerts“ (Alternativtitel) mag nicht wirklich geglückt sein, aber mit wenig Anspruch lässt er sich zumindest bis zum Schluss schauen, wobei die zweite Hälfte wesentlich unterhaltsamer, da ereignisreicher, ausgefallen ist als die erste Hälfte.


Mittwoch, 23. März 2016

PARIS BY NIGHT OF THE LIVING DEAD (2008 Grégory Morin)


Inmitten einer Zombie-Apokalypse heiratet ein junges Paar, welches sich nach der Trauung dem Bekämpfen von Untoten widmet...


Filmfragment...

Ein Kurzfilm kann alles und nichts sein. Er kann etwas erzählen, er kann Bildkompositionen aneinander reihen die es zu entschlüsseln gibt oder die einfach auf besondere Art wirken sollen. Dem Kurzfilm sind so wenig Regeln gesetzt wie dem Langfilm. Aber ich kann mir nicht helfen, „Paris by Night of the Living Dead“ will sich für mich einfach nicht wie ein Kurzfilm anschauen. Auf mich wirkt dieser sogenannte Film wie die Sequenz aus einem längeren Werk, die vom Rest losgelöst keinen eigenen Erzählwert besitzt.

Gerade in Zeiten in denen der DVD- und Kinomarkt mit Geschichten über Zombies überflutet wird, macht es wenig bis kaum Sinn fast 10 Minuten lang einzig ein „Zombie gegen Mensch"-Gemetzel zu zeigen und sich in einer eher vorgetäuschten Innovation damit auszuruhen, dass das Erzählte an bekannten Orten einer beliebten Stadt stattfindet. Wo ein „Brutal Relax“ sich mit einer schrägen Ausgangslage rechtfertigen konnte oder ein „Zombies and Cigarettes“ seinen dünnen Plot zumindest auf Figuren stützen konnte, die der Zuschauer kennen lernen durfte, so kurz angebunden dieses Kennenlernen auch stattfand, da lässt Grégory Morins einzige Regiearbeit den Zuschauer im Stich.

Der soll lediglich dem Kampf gegen Zombies beiwohnen, den es nun wahrlich in so jedem Zombiefilm zu sichten gibt. Die ollen CGI-Effekte, die ihre Herkunft dem Auge des Zuschauers geradezu aufdrängen, helfen nicht dabei diesem schlichten Treiben Positives abzugewinnen. Der Vorspann und seine Schriftart wissen zu wirken. Der Einstiegs-Gag, welcher das MGM-Logo veralbert, weiß zu gefallen. Aber danach kommt nichts mehr was diesem das Wasser reichen kann. Morin versteht es zwar seinen Film trotz humoristischer Ausrichtung nicht in Komik zu ertränken, aber was nutzt es wenn man einzig Zombie-Action a la „Zombie Killer“ beiwohnen darf, ohne dass einem etwas Nennenswertes drum herum geboten wird?

Ich könnte „Paris by Night of the Living Dead“ noch als Promotion-Aufnahme verstehen, mit welcher man Geldgeber für ein längeres Werk gesucht hat. Dieses wäre dann bei Veröffentlichung eines solchen sicherlich ein netter DVD-Bonus gewesen. Aber als eigenständiges Produkt weiß der hier besprochene Kurzfilm nicht zu bestehen. Dann könnte ich auch Zombieszenen aus jedem x-beliebigen Streifen zu diesem Thema heraus schneiden und losgelöst vom Restfilm gucken. So etwas verschafft einem zwar viel Blut, Gemetzel und geile Zombie-Outfits, aber noch lange kein respektables Seherlebnis.


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Sonntag, 20. März 2016

THE WALKING DEAD - STAFFEL 4 (The Walking Dead - Season 4 2013 Greg Nicotero u.a.)


Eine tödliche Grippe wütet im Gefängnis, in welchem Ricks Truppe so zivilisiert wie möglich versucht ein normales Leben zu führen. Und auch der Governor taucht wieder auf mit ganz eigenen Plänen für das Gefängnis...


Splittungen...

Staffel 4 beginnt ruhig, viel zu ruhig für meinen Geschmack. So interessant und konsequent die Geschichte um die um sich greifende Todesgrippe auch ist, sie zieht sich zäh daher, und da ist auch der fröhliche Einstieg in die Staffel nicht von Vorteil, der einen viel zu blauäugigen Alltag innerhalb der Gefängnismauern zeigt. Hier hätte man nicht ganz so übertreiben müssen um einen zivilisierten Umgang miteinander und das Wachsen eines gewissen Luxus‘ zeigen zu können. Erst mit Auftauchen des Governors kommt wieder Leben in die Bude, und da darf man schon überrascht sein, dass dem guten Mann ganze zwei Episoden für sich allein beschert werden, die sich einzig mit seinem Lebensweg nach der zerstörten Stadt beschäftigen.

Auch diese Phase wird sehr ruhig und mit Aufmerksamkeit auf kleinste Details erzählt. Und sie zeigt uns damit den inszenatorischen Unterschied zur Krankengeschichte auf, tritt die Geschichte des Governors im Vergleich zu ihr doch nie auf der Stelle. Man kann die Autoren nur ein weiteres Mal loben wie gekonnt sie mit dem Facettenreichtum des interessanten Charakters des Governors spielen, wissendlich dass auch er versucht das Richtige zu tun und gar nicht mitbekommt, dass er der Anfang vom Ende ist.

Nach einer für diese Staffel völlig allein stehenden Action-haltigen Folge verstreuen sich alle Protagonisten an die verschiedensten Orte, und da schaut man den Leuten nun beim langsamen Prozess des sich Zusammenfindens über eine halbe Staffel lang zu. Das ist konsequent, ja sogar lobenswert zu nennen, aber es macht Staffel 4 nach dem beendeten Thema um die Krankheit nun endgültig zu einer Episodenstaffel.

Wo einst eine durchgehende Handlung mit Beginn, Mittelteil und einem entladenden Finale herrschte, da ist die vierte Staffel „The Walking Dead“ nun eher eine Übergangsstaffel, die alle Weichen für die kommende stellt, vielleicht ein wenig vergleichbar mit dem nicht für sich stehen könnenden „Das Imperium schlägt zurück“. Für meinen Geschmack schaute sich diese Kleingeschichten-Staffel schwächer als die beiden Vorgänger, weil neben vieler aufregender und spannender Geschichten auch einiges an Leerlauf mit an Bord ist, sicherlich um die Trostlosigkeit der aktuellen Situationen herauszuarbeiten, aber das nagt schon ein wenig arg an der Geduld des Zuschauers, wenn sich dies über viel zu viele Folgen zieht.

Dennoch sind viele erzählenswerte Geschichten darunter, eine mit einem makaberen Ende, welches selbst die Hartgesottenen unter den Zuschauern an seine Grenzen führen wird. Wie immer geben sich Dramatik und Spannung die Hand. Und wie all die einzelnen Schicksale wieder zusammen finden ist schon recht interessant herausgearbeitet, auch wenn man dies nicht als Kunststück des Drehbuchschreibens bezeichnen kann, ist die Welt doch nun erst recht ein Dorf bei all den Zufällen die zur finalen Zusammenkunft führen. Dass es am Ende genau zu dieser kommt steht nie außer Frage, hier ist Season 4 nicht halb so pessimistisch wie all die vorausgehenden Staffeln.

Staffel 4 ist somit nicht mehr das intensive Seherlebnis welches die Staffeln 2 und 3 für mich waren. Die Serie rutscht aber auch nicht wieder auf das traurige Niveau der ersten Staffel herab. Das grundlegende Weltbild bleibt bestehen, Figuren verändern sich weiterhin glaubwürdig an der Zombiewelt orientiert, Schicksale werden weiterhin gekonnt emotional auf den Zuschauer übertragen. Bislang blasse Figuren bekommen nun mehr Gehalt und Tiefsinn, neue Figuren bereichern das „Walking Dead“-Universum ebenso gut wie dies bisher immer der Fall war, lediglich der große rote Faden der über all den kleinen Geschichten schwebt ist diesmal nicht so gut heraus gearbeitet wie sonst.

Während die vielen kleinen Einzelschicksale emotional und psychologisch zu gefallen wissen, kommt die übergeordnete Geschichte und die Vorbereitungen dieser doch eher undurchdacht daher. Keiner hält den Zielort für eine Falle, jeder vertraut darauf dass auch jeder sich auf den Weg dorthin macht, was meiner Meinung nach nicht zu der bisherigen Art des Denkens von Ricks Truppe passt. Und der Grund warum Carol kurzfristig aus der Gruppe verbannt wird, ist im Vergleich zu dem was bisher geschah nicht nachvollziehbar und schaut sich wie eine hektische Entscheidung die für spätere Ereignisse getroffen werden musste.

Staffel 4 ist somit auch inszenatorisch und von ihrer Buchvorlage her nicht mehr ganz so qualitativ wie die beiden vorherigen Staffeln, und sie leidet trotz intensiv beobachtender Einzelschicksale zu sehr an ihrer Episodenhaftigkeit. Aber mit viel Geduld und heruntergeschraubten Erwartungen weiß auch sie zu unterhalten. Und wieder muss sich der Zuschauer auf alle möglichen Überraschungen einstellen. Auf Schongang geht Staffel 4 nun wahrlich nicht.


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Samstag, 19. März 2016

LAKE PLACID (1999 Steve Miner)


Ein Sheriff, ein Wildhüter, ein reicher Krokodilexperte und eine Paläntologin entdecken dass hinter dem mysteriösen Todesfall eines Tauchers ein übergroßes Krokodil als Täter steckt. Sie versuchen es möglichst lebendig einzufangen...


Wie ein Hubschrauber zum Gefängnis werden kann...

Steve Miner, ich mag seine Filme, gerade jene aus dem Horror-Bereich. Deswegen wollte ich nach vielen Jahren der Vernachlässigung noch einmal den semi-bekannten „Lake Placid“ sichten, der ebenso wie Miners „House“ das Genre humoristisch nutzt. Interessanter Weise ist dem guten Mann das theoretische Hauptaugenmerk, das Krokodil, ziemlich egal. Hauptsächlich geht es in dem Streifen um die Wortgefechte innerhalb der aus unterschiedlichsten Menschen zusammengewürfelten Gruppe, und glücklicher Weise sind auch genau sie der Motor der den Film zum Laufen bringt. Die Kabbeleien untereinander sind sympathischer Natur. Wer keift wird nicht zum Nervfaktor des Zuschauers wie in anderen Filmen. Und mögen die meisten Figuren auch egoistisch gezeichnet sein, so wachsen sie einem doch alle ans Herz, auch wenn mit keinem von ihnen eine intensive Charakterstudie durchgeführt wird.

Humor hin oder her, Miner hat von Spielberg scheinbar etwas gelernt, denn er lässt uns das Krokodil nur sehr selten sehen, und wenn ist es auch schnell wieder verschwunden. Damit kann man zwar auch über technische Schwächen hinweg täuschen, für sein Erscheinungsjahr ist das Krokodil jedoch glaubwürdig animiert, so dass der Grund der raren Erscheinung entweder in der Kostenfrage zu suchen ist, oder das spärliche Einsetzen des Aggressors atmosphärisch gewollt war, um Szenen möglichst effektiv einfangen zu können und im Zuschauer eine Erwartungshaltung aufzubauen. Was auch immer tatsächlich der Grund war: die Krokoszenen sind geglückt, in ihrer Population gut über den Film verteilt ohne all zu lange Durststrecken vom ungeduldigen Part der Zuschauer abzuverlangen, und sie lassen der Gruppe Menschen in ihren Pausen genügend Raum sich entfalten zu können.

Dabei wird der Schlagabtausch untereinander nie zur Königsübung der Komödienkunst. Man verlässt sich einfach darauf dass die Figuren auf den Zuschauer zu wirken wissen, und bei jenem Teil bei dem das der Fall ist ist dies für das Endergebnis auch die halbe Miete. Wer keine Freude mit den Charakteren hat wird sicherlich auch dem kompletten Film wenig abgewinnen können, folgt die Geschichte doch bis auf wenige Ausnahmen eher überraschungsarm dem typischen Verlauf einer solchen Geschichte, inklusive der obligatorischen Love Story, die sich mit der Zeit langsam aufbaut.

Wer einzig auf Kroko-Action steht, dem werden nicht nur die Auftritte des Reptils zu selten sein und zu harmlos erscheinen, der wird auch mit dem Finale nicht viel anfangen können, das darauf verzichtet noch einmal für einen letzten Paukenschlag auszuholen, wenn alles zu Ende erzählt scheint. Bei „Lake Placid - Der Schrecken aus der Tiefe“ (Alternativtitel) ist mit der Gefangennahme des Krokodils die Geschichte tatsächlich zu Ende erzählt, und das ist in diesem Falle auch gut so, da diese Entscheidung konsequent zu nennen ist. Ein unnötiges, aber sympathisches Schlussgeplänkel zwischen den Liebenden gibt es noch kurz zu erleben, und dann folgt auch schon der Abspann, der ein Schlussbild präsentiert, welches manchen sicher staunen und/oder schmunzeln lässt.

„Lake Placid“ spielt nicht in der ersten Liga der gelungenen Reptilien-Horrorfilme mit. Da gefallen mir Werke wie „Black Water“, „Der Horror-Alligator“ und „Rogue - Im falschen Revier“ doch wesentlich besser. Aber einen Blick kann man durchaus riskieren, wenn man mit humoristisch untermalten Horrorbeiträgen etwas anfangen kann. Sympathische Darsteller bereiten in einem Nichts an Story genügend Freude um das Ende des Streifens nett unterhalten zu erreichen. Und auch die gelungene deutsche Synchronisation hilft dabei.


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ARAC ATTACK - ANGRIFF DER ACHTBEINIGEN MONSTER (Eight Legged Freaks 2002 Ellory Elkayem)


Giftmüll verwandelt die Arachniden eines Spinnensammlers in riesige Ungetüme, die eine Kleinstadt bedrohen...


Spinnen im Kaufhaus...

„Arac Attack“ gehört zu jenen Filmen, die mir einst besser gefielen als heute. Mag sein dass der CGI-verwöhnte Blick heutiger Tage mit dran schuld ist. Immerhin staunten wir seinerzeit nicht schlecht über diverse Szenen, wie die Verfolgungsjagd per Motorrad, die so flott vor der Zeit der Computeranimationen nie hätte umgesetzt werden können, während sich die Effekte doch heutzutage im Gegensatz zu denen aus dem Ur-Vater des CGI, „Jurassic Park“, arg veraltet gucken, sich zwar immer noch von den Billiganimationen der SyFy-Horrorbeiträge qualitativ abheben, aber so riesig ist der Unterschied nun auch nicht mehr zu nennen, als dass man als Nichtwisser erraten könnte, dass wir es mit dem hier besprochenen Werk mit einer Kinoproduktion zu tun haben.

Emmerich entdeckte damals Elkayems Kurzfilm „Larger Than Life“, der ihn dazu inspirierte einen recht hoch finanzierten Langfilm zu produzieren und Elkayem erneut die Regie zu überlassen. Während das Original nah am klassischen Gruselfilm witzelte, sollte es in der Kino-Langversion ordentlich auf der Leinwand krachen - typisch Emmerich eben, zum Glück aber nicht von ihm persönlich umgesetzt. Elkayem gibt sich sichtlich Mühe, was man vom Klischee-beladenen Drehbuch nicht gerade behaupten kann, und sein Einstieg in die Geschichte erinnert sicher nicht zufällig an Wiederhorns „Return of the Living Dead 2“, drehte der gute Mann doch kurz nach seinem Spinnenfilm die billig produzierten Fortsetzungen „Return of the Living Dead 4“ und „Return of the Living Dead 5“.

„Arac Attack - Angriff der achtbeinigen Monster“ (Alternativtitel) schlägt sich für eine solch vorhersehbare Handlung recht wacker, was aber nicht wirklich an der prominenten Besetzung liegt, denn die damals noch sehr junge Scarlett Johansson und der unterforderte David Arquette geben eine recht blasse Vorstellung ab und heben sich nicht von den hohlen Stereotype-Charakteren ab neben denen sie spielen dürfen. Die Effekte wissen noch immer einiges zu retten, aber freilich nicht mehr so viel wie damals, und anfangs weiß auch die humorvolle Umsetzung positiv auf das Gesamtbild zu wirken, gerade auch im musikalischen Bereich, wenn entweder verspielt das klassische Itsy Bitsy Spider variiert wird, oder die Hintergrundmusik ganz offensichtlich den Komödienaspekt des Streifens hervorhebt.

Zunächst weiß auch noch der comicartige Umgang mit den Monstern für ein paar Lacher zu sorgen, z.B. wenn eine Spinne erschrocken zur Seite guckt, bevor sie erschossen wird. Aber mit der Zeit häufen sich diese Albernheiten selbst für einen humoristisch gemeinten Horrorfilm zu sehr und es entsteht ein unpassendes Anhäufen „Gremlins“-ähnlicher Komik, meist durch die dämlich-niedlichen Laute der Viecher verursacht, was „Eight Legged Freaks“ (Originaltitel) einen zu infantilen Touch beschert - ebenso wie das Plappermaul vom Radiosender, welches lediglich nervt anstatt zu belustigen.

Von dem kleinen, ebenso nervigen Schlaumeier-Jungen, mit dem die Geschichte beginnt, braucht man eigentlich gar nicht erst zu reden. Der wird aber zumindest kürzer gehalten als es möglich gewesen wäre, was aber nicht daran liegt dass Elkayem erkannt hat dass er dem Publikum damit etwas Gutes tut. Es hat viel eher damit zu tun, dass so ziemlich jeder klassische Klischee-Storyaspekt, von dem die Amis glauben er müsse zwingend in eine solche Geschichte integriert werden, auf die Schnelle lieblos abgearbeitet wird, weil ansonsten zu wenig Zeit für Spinnenaction bleibt.

Die langweilt zumindest nicht wie bei Werken wie „Arachnoquake“ oder „Spider City“, eben weil sie nie monton ausgefallen ist, sondern immer wieder etwas Neues bieten möchte. Aber mir wären besser herausgearbeitete Hintergründe, Situationen und Charaktere lieber gewesen als diese Nonstop-CGI-Action, so gelungen sie für ihre Zeit auch ausgefallen sein mag. Aufgrund dieser kann man „Arac Attack“ auch durchaus mal gucken ohne bei geringer Erwartungen all zu sehr enttäuscht zu werden. Aber für einen Kinofilm ist Elroys Werk doch wesentlich plumper ausgefallen als für seine Zeit üblich. Aber auch wenn man es aufgrund meiner negativen Worte kaum herauslesen kann, als kleiner Spinnen-Horror für zwischendurch geht der zu albern geratene „Eight Legged Freaks“ durchaus geistfrei in Ordnung.


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Donnerstag, 17. März 2016

KOMPANIE DER KNALLKÖPPE (1971 Rolf Olsen)


Zwei erfolglose Vertreter werden mit jemanden verwechselt der das Militär finanziell unterstützt und sorgen somit für viel Durcheinander bei der Bundeswehr...


Die A-R-SCH-Erfindung...

Militärkomödien wissen bei mir in der Regel nicht zu wirken, und bis auf „Combat Academy“, in den 80er Jahren mit dem jungen George Clooney gedreht, fällt mir spontan auch kein Genrebeitrag zu diesem Thema ein dem ich etwas abgewinnen konnte. Die Sichtung von „Ich glaub‘ mich knutscht ein Elch“ ist zu lange her um fair darüber zu berichten, „Eis am Stiel 4“ hatte seine Momente, nervte aber eher anstatt zu belustigen, „NVA“ fiel mir zu brav aus, „Ernest beim Militär“ schaffte es die ohnehin schon unterirdische Komödienreihe um Komiker Jim Varney um ein paar weitere Peinlichkeiten zu unterbieten. Und wenn dann eine Militärkomödie ausgerechnet aus der eher zotigen Zeit der deutschen Klamotten der 60er und 70er Jahre kommt, kann man eigentlich schon jegliche Hoffnung im Vorfeld über Bord werfen.

Dabei ist die gute Nachricht zunächst, dass sich viele Gesichter aus der recht amüsanten „Die Lümmel von der ersten Bank“-Reihe, wohl das erträglichste Produkt dieser Blödelzeit, sich auch bei der „Kompanie der Knallköppe“ versammelt haben. Zwar sind die wichtigsten Rollen mit Eddi Arent, Ilja Richter und Gunter Phillip besetzt, von denen nur einer einmal als Gast in einem Lümmel-Teil um die Ecke schielte, ansonsten ist aber reichlich Prominenz aus besagten Pennälerfilmen vertreten, so der Knörzerich Rudolf Schündler, Hansi Kraus, Ruth Stephan und Hans Terofal, den die meisten wohl als Hausmeister Bloch kennen dürften.

Nur leider weiß diese Zusammenkunft nicht wirklich etwas zu retten. Der in Bayern spielende Film nervt bereits durch die häufige Verwendung des dort gesprochenen Dialektes, die Geschichte folgt einfallslos dem klassischen Muster der Verwechslungskomödie und was wirklich lustig daran sein soll, wenn beispielsweise ein kleines Licht des Militärs bei der Apfelernte einen Apfel an den Kopf bekommt, dabei die Ehefrau seines Vorgesetzten von der Leiter stößt, die daraufhin Huckepack auf seinen Schultern landet, weiß wahrscheinlich auch nur jener, der über Filme wie „Flotte Teens und die neue Schulmieze“ lachen kann. Da wird geblödelt ohne auf dem Fundament einer guten Idee aufzubauen, frei nach dem Motto wer zu schriller Musik herumhampelt muss bereits komisch sein.

Dementsprechend gibt es auch wirklich wenig über „Blaue Jungs in Oberbayern“ (Alternativtitel) zu berichten. Eddi Arent, der in der Wallace Reihe durch seinen ungewöhnlichen Humor aufzufallen wusste und den man nur selten als Hauptfigur in einem Film dieser Zeit besetzt sieht, weiß nicht nur nichts Niveauvolleres dem hemmungslosem Herumgeblödel hinzuzufügen, er ordnet sich sogar noch brav dem Nonsens unter, schafft es aber neben dem ebenfalls sympathischen Ilja Richter zumindest noch ab und an wenigstens halbwegs brauchbare Szenen zu bescheren, so z.B. bei der Zumüllung der Wohnung einer erhofften Kundin, bei welcher das Staubsaugermodell sich als fehlerhaft herausstellt, so dass die arme Frau das Chaos am Ende selbst beseitigen darf.

Doch Momente wie diese, die gerade noch als okay durchgehen, sucht man meist vergebens in einem Film der unter Komödie versteht dass möglichst viele Deppen einander anschreien und für Verwirrung sorgend trottelig durch die Gegend tappsen. Ich kann Komödien wie „Musik, Musik - Da wackelt die Penne“ zumindest noch als unfreiwillig komischem Trash etwas abgewinnen. Werke wie „Hilfe, ich liebe Zwillinge“ und „Unsere Pauker gehen in die Luft“ gehen für mich noch als okay durch, „Klassenkeile“ und „Immer Ärger mit den Paukern“ schaue ich sogar recht gern. Aber „Kompanie der Knallköppe“ ist solch ein penetrant unsympathisches, aufdringliches Geblödel, dass einem selbst der unterirdische „Wenn die tollen Tanten kommen“ mit Rudi Carrell und Ilja Richter automatisch gleich besser vorkommt als zuvor. Lustig ist hier so gut wie gar nichts. Rolf Olsens Werk läd leider lediglich zum Fremdschämen und frühzeitigen Ausschalten ein.


Montag, 14. März 2016

THE WALKING DEAD - STAFFEL 3 (The Walking Dead - Season 3 2012 Ernest R. Dickerson u.a.)


Ricks Truppe kommt in einem Gefängnis unter, um vor den Beißern in Sicherheit zu sein. Die verloren gegangene Andrea kommt in einem kleinen Dorf unter, in welchem unter der Leitung des sogenannten Governors versucht wird zur Zivilisation zurückzukehren. Doch in dem so lieblich scheinenden Dorf brodelt ein düsterer Abgrund, den auch recht bald die Knastbelagerer zu spüren bekommen...


Die Ehefrau, das schlechte Gewissen...

Setzte die zweite Staffel hauptsächlich auf ruhige Momente, so kommt die dritte Staffel von „The Walking Dead“ schon wesentlich lauter daher. Freunde von Zombiegemetzel bekommen blutigere Bilder als bisher zu sehen, und die Häufigkeit der Auftritte der Untoten wurde im Vergleich zu Staffel 2 stark erhöht. Der neu errungene Tiefgang der Vorgänger-Staffel blieb der dritten glücklicher Weise dennoch erhalten, und auch wenn zwei der wirksamsten Figuren es nicht mehr in diese dritte Season geschafft haben, so darf man doch trotzdem überrascht sein wie gut die Geschichte auch mit den verbliebenen Figuren funktioniert.

Denen kommen freilich die neuen zu Gute, von denen man den Governor ganz besonders hervorheben muss, ist er doch ein perfekt besetzter und unglaublich vielseitig charakterisierter Schurke, dem wir mit seiner Unschuldsmine wahrscheinlich alle fast auf den Leim gehen würden. Seine Präsenz führt zu einer nach bisherigen Erlebnissen recht naheliegenden Idee. Nach dem Krieg Mensch gegen Zombies, liegt es in der Natur des Menschen dass sich nun zusammen gefundene Stämme bekriegen, um ihren hart erkämpften Standard  beizubehalten. Man mag es dem Beginn der Staffel nicht ansehen können, aber Staffel 3 handelt zentral von Krieg, und dies so einfallsreich geschrieben, dass man dieser Phase der Serie im Vergleich zu allem bislang Erzählten nun nicht mehr vorwerfen kann nur noch bereits Bekanntes der Zombie-Thematik wiederzuverwerten.

Dank guter Autoren schafft man es zudem inmitten des Kriegsszenarios genügend Raum für den für die Serie so wichtigen Dramenaspekt zu gewinnen. Wieder gehen Helden-Tode dem Zuschauer nahe, und wenn es Schreiber schaffen, dass man selbst den Tod des nervigsten Charakters der Serie betrauert, wenn auch eher wegen der zurückgebliebenen Trauernden anstatt wegen der Toten selbst, dann kann man diesen Leuten ihr Talent nicht abstreiten. „The Walking Dead - Staffel 3“ ist hoch emotional erzählt, bleibt stets menschlich und kommt nie in Versuchung die erbärmliche Political Correctness der ersten Staffel wieder aufzugreifen.

Somit ist auf sich ehrlich anfühlender Basis genug Raum gegeben für Horror, Action, Thrill und Dramatik. Manch einem mag der Soap Gehalt zu geschwätzig ausgefallen sein. Ich für meinen Teil würde darüber nur klagen, wenn er sich wie Leergeschwätz anhören würde. Das tut er aber nicht. In den Dialogen wird reflektiert, getrauert, strategisch geplant, Perspektiven ausgetauscht und manches Mal darf es auch mal philosophisch werden. Dank zwei spannender Spielorte, von denen stets jene im Mittelpunkt steht, deren Phase für die Entwicklung der Geschichte gerade die wichtigste ist, wird es auch in Leerlauf-Momenten niemals langweilig. Und mögen manche Lieblingsfiguren auch einige Zeit pausieren müssen, so geschieht dies doch stets zum Wohl der Gesamtgeschichte.

Mit Staffel 3 haben die Verantwortlichen der Serie endgültig bewiesen, dass sie die Fehler der ersten Staffel begriffen haben und nicht rückfällig werden. Unter welchen Bedingungen sich die Protagonisten ihre Menschlichkeit bewahren ist weit von der politisch korrekten Weltsicht der Season 1 entfernt und orientiert sich psychologisch durchdacht an den Begebenheiten der hier präsentierten Zombiewelt. Die Bedrohung ist stets ebenso greifbar wie die Dramatik, die Verführung des Governors nachvollziehbar und der Leidensweg Ricks so gnadenlos wie die Überraschungen, die auf den Zuschauer einregnen.

Wieder einmal haben bis auf wenige Ausnahmen ausgerechnet die interessantesten Charaktere nicht überlebt. Doch diesmal bin ich optimistisch dass dies Staffel 4 nicht schaden wird. Denn seit Staffel 2 ist die Serie auf einem guten Weg und wird dies auch wohl bleiben, schließlich wurde die Zombiewelt nun zwei Staffeln lang in ihrem Facettenreichtum, aber auch in ihrer Gnadenlosigkeit, erkannt und verstanden, und dies sieht man auch in dem Preis den die Figuren zahlen, wenn sie sich wieder einmal charakterlich von dem Menschen weg entwickeln, der sie einst mal waren. Und da macht die Serie auch vor Kindern nicht Halt.


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Samstag, 12. März 2016

ZOMBIE 2 - DAS LETZTE KAPITEL (Day of the Dead 1985 George A. Romero)


In einem unterirdischen Lager haben sich letzte Überlebende zusammen gefunden. Während Wissenschaftler verzweifelt nach einem Mittel gegen die Seuche forschen, sorgen Soldaten für die Sicherheit und den Nachschub an Forschungsmaterial. Als der Anführer der Truppe stirbt übernimmt ein Soldat dessen Platz, der für die Forschung nicht viel übrig hat. Die Auseinandersetzungen zwischen beiden Parteien schaukeln sich immer weiter hoch...


Zombies beherrschen die Welt...

Gegenüber seiner beiden Vorgänger „Die Nacht der lebenden Toten" und „Zombie" mag "Day of the Dead" (Originaltitel) ein wenig abfallen. Trotz treffsicherer Aussagen wird die Gesellschaftskritik bemühter und aufgesetzter eingebaut und wirkt damit nicht mehr gekonnt unterschwellig wie zuvor. Und auch die wichtigsten Figuren sind deutlich näher an Stereotypen angelegt als in den Teilen 1 und 2, die auch nicht völlig frei von diesem Problem erzählt waren. „Zombie 2" ist jedoch ebenfalls ein guter Film und damit ein würdiger Abschluss der Trilogie geworden, was u.a. daran liegt, dass Romero sein Rezept der bisherigen Teile konsequent weiter denkt.

Konnte in Teil 1 bei einer handvoll Zombies noch so ziemlich jeder überleben, so lebten in der Welt eines „Dawn of the Dead", in welcher die menschliche Population in etwa mit jener der Zombies gleichzusetzen war, bereits nur noch hartgesottene Menschen, die zumindest aber noch über ein Solidaritätsgefühl verfügten und auch sonst soziale Tendenzen aufwiesen. In „Zombie 2", in welchem in einer von Zombies dominierten Welt nur noch wenige Menschen leben, geht es nur noch um das reine Überleben und Funktionieren. Arschlöcher haben überlebt. Wer Sympathiefiguren sucht wird als Zuschauer hoffnungslos von Romero sitzen gelassen. Den Menschen in "Zombie 2" fehlt jeder empathische Impuls, jegliche Humanität, sowohl auf Seiten der Wissenschaftler, als auch auf jener der Soldaten. Jeder hat Schrecklichstes erlebt, nur die Gnadenlosesten konnten sich in einer solchen Welt über Wasser halten.

Wer es schafft ohne Sympathiefigur dem Treiben auf dem Bildschirm zu folgen, wird mit einem tollen Film belohnt der meist gekonnte Dialoge enthält, die großartige Geschichte der beiden Vorgänger konsequent weiter erzählt, insbesondere im Bereich der Intelligenz der Kreaturen, und dank eines passablen Budgets gibt es auch genug Futter für das Auge des Fans harter Horrorkost. Die Zombies sind ein Augenschmauß und an Goreeffekten wird wahrlich nicht gespart.

Mit Blick auf dieses Werk scheint die aufgeworfene Frage aus Teil 2, ob der Mensch oder die Zombies die wahren Monster sind, beantwortet zu sein. Interessiert darf man mit ansehen wie beide Fronten Mensch sich mit Arroganz und Verachtung gegenüber stehen und einander reizen und sticheln. Augenzwinkernd arbeitet Romero mit der Provokation, dass der scheinbar intelligenteste Mensch der kleinen Gruppe gleichzeitig auch der fragwürdigste ist. Seine Experimente mit den Toten werden mit ethisch völlig indiskutablen Mitteln durchgeführt und mit wirren Worten vor den Augen der Entsetzten verteidigt.

Ohne Romeros drei legendäre Filme hätte es das Zombie-Sub-Genre, so wie wir es heute kennen, nie gegeben. Zwar konnte er das hohe Niveau dieser Werke in der neuen Zombiewelle nicht wieder erreichen, sein „Land of the Dead" war ganz im Gegenteil eine herbe, undurchdachte Enttäuschung, aber die Teile der Ur-Trilogie werden immer die Vorlage dessen sein welche drei Möglichkeiten bestehen einen Zombiefilm zu erzählen. Der gern unterschätzte „Zombie 2“ ist der hoffnungsloseste Teil der Reihe, auch wenn „Dawn of the Dead“ in seiner Dramaturgie wirksamer umgesetzt war als der hier besprochene Film. Der hatte es mit Sympathiefiguren im Gepäck aber auch leichter einen Zugang zum Publikum zu finden. Das Fehlen dieser im Abschluss der Trilogie hilft uns dabei die Zombiewelt so zu sehen wie sie ist, so dass der Mensch sich mehr vor seiner eigenen Spezies ekelt als vor all den vielen Gewalttaten, die Teil 3 enthält. Hoffentlich war sich Romero darüber bewusst wie psychologisch genial seine konsequente Weiterführung der fortlaufenden Idee auf das Publikum zu wirken wusste.


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BURIED ALIVE - LEBENDIG BEGRABEN 2 (Buried Alive 2 1997 Tim Matheson)


Laura soll erben. Deshalb bringt ihr untreuer Gatte sie mittels Kugelfischgift um. Doch Laura ist nicht wirklich tot. Sie kann sich aus ihrem Grab befreien und nimmt Rache...


Hilfe von wem Erfahrenes...

Der sieben Jahre vor dieser Fortsetzung entstandene „Buried Alive - Lebendig begraben“ war von seiner herrlich kranken Idee im letzten Drittel einmal abgesehen eher ein routiniertes Videoprodukt, welches man sich durchaus mal geben konnte, wenn man nicht zu viel erwartet hat. Teil 2 erzählt eigentlich recht wenig, aber man ist zunächst positiv überrascht, dass es tatsächlich eine inhaltliche Verbindung zum ersten Teil gibt. Eher hatte ich mit einer Alternativstory wie es „Butterfly Effect 2“ für „The Butterfly Effect“ war gerechnet, oder mit einer Neuverfilmung unter dem Deckmantel eines Sequels, wie man es so häufig vorgesetzt bekommt, z.B. bei „Phenomenon 2“. Aber nein, es besteht tatsächlich eine Verbindung zum Vorgänger. Allerdings ist diese in etwa ebenso dünn ausgefallen wie seinerzeit jene in "Carrie 2" zu Brian De Palmas Original.

Im ersten Drittel herrscht storytechnisch einiges an Leerlauf. Man lernt die Darsteller kennen, erfährt vom Fremdgehen und schließlich vom Entstehen des Mordplanes. Interessanter Weise sind diese ersten 30 Minuten trotz ihrer Inhaltsleere kurzweilig zu gucken. Die Atmosphäre ist für einen TV-Film recht stimmig ausgefallen, und die Darsteller sind okay zu nennen. Man wundert sich zwar wohin das nun alles führen soll, u.a. wegen der unerwarteten Einführung der Hauptfigur aus Teil 1, aber zumindest wurde damit Neugierde geweckt.

Im Mittelteil beginnt „Buried Alive - Lebendig begraben 2" nun langsam zu bröckeln. Die Hauptfigur wird umgebracht (und wie es der Zufall will gibt es dabei jede Menge Parallelen zum Erstling) und ist, wie es der Titel bereits verkündet, doch nicht tot. Was in Teil 1 nun als unglaubwürdige, aber nett anzuschauende Sequenz gezeigt wurde, durch das Befreien aus dem Sarg und dem Buddeln durch den Erdboden bishin zur Erdoberfläche, bleibt uns in der Fortsetzung erspart. Der Mörder geht mit seinen Vorbereitungen auf Nummer sicher. Seine Frau wäre niemals aus dem Sarg heraus gekommen. Aber da unser Held aus dem ersten Teil Verdacht schöpft, übernimmt er den Part der Befreiung, woraufhin er urplötzlich stirbt, ohne dass wir erfahren warum. Darüber kann der Zuschauer aufgrund vorher gezeigter Szenen zwar spekulieren, aber warum der Befreier gerade dort und zu diesem Zeitpunkt tot zusammenbricht will sich nicht erschließen.

Psychologisch gesehen überzeugt „Lebendig begraben 2" (Alternativtitel) nicht so sehr, wie es der Vorgänger für einen psychologisch groben Holzhammer-Film schaffte. Der Held aus Teil 1 drehte aufgrund der beklemmenden, Menschen unwürdigen Situation durch und ging in diesem Zustand auf Rachefeldzug, was nachvollziehbar war. Bei der Rolle Ally Sheedys wundert man sich warum sie den selben Weg beschreitet. Sie bekam mit wie ihr Mann sie vergiftete, leidete diesbezüglich selbstverständlich auch, und sicherlich ist es nicht schön in einem Sarg zu erwachen und aus einer schlammigen Grube herauszuklettern, aber den Wahn des Eingesperrtseins und den Todeskampf beim Versuch die Erdoberfläche zu erreichen musste sie nicht erleben. Das was sie durchmachte ist zu verarbeiten. Warum sie also nicht einfach ins nächste Polizeirevier rennt, um ihren Mann verhaften zu lassen, was die logischste Alternative wäre, ist rätselhaft, erst recht aufgrund der Charakterisierung der Laura.

Akzeptiert man es einfach, dass die Frau als geheimnisvolle Fremde und Totgeglaubte, Rache fordert, gibt es dennoch einiges an der Geschichte zu kritisieren. So laufen einige halbwegs gute Ideen ins Leere, so z.B. jene, dass Laura das Haus sauber macht, um ihren Mann zu verängstigen. Auch den Ehering hinterlässt sie ihm, um ihn zu verwirren. Aber was man nun als eine Art "Phantom der Oper" im eigenen Haus hätte vertiefen können, wird einfach als Idee wieder fallen gelassen. Stattdessen wird nun eine Parallele zum ersten Teil erzählt, die aufgrund dessen dass sie schon erzählt wurde weniger Potential besitzt anstatt die Phantom-Nummer weiter durchzuziehen, was im direktem Bezug zur Hauptperson auch mehr Sinn gemacht hätte.

Akzeptiert man nun auch noch, was kaum möglich ist, dass Laura die selbe Art Rache betreibt wie der Held aus Teil 1, nur auf einem Boot anstatt in einem Haus, enttäuscht es etwas, dass sich für diesen Rachefeldzug nicht genügend Zeit genommen wurde. Die Opfer werden wach, da ist die Rächerin auch schon mit dem Hämmern fertig. Wo im Vorgänger das eigene Haus zum tödlichen Labyrinth wurde, was den eigentlichen Reiz am Gesamtwerk ausgemacht hat, wird das Schiff in der Fortsetzung lediglich zur sinkenden Todesfalle deren Ausgänge zugenagelt wurden.

Das geht alles zu schnell vonstatten, und aufgrund des langen Hinhaltens der gar nicht mal langweiligen ersten Stunde, ist man enttäuscht den kompletten Finalvorgang derart schnell und lustlos, vor allen Dingen aber völlig befreit von Spannungsmomenten, zu erleben. Zu allem Überfluss verlässt die Rächerin nach vollendeter Tat die Stadt. Jeder weiß dass sie nicht tot ist, den Mord hätte ihr niemand nachweisen können, und trotzdem entscheidet sie sich für das selbe Schicksal wie ihr Vorgänger. Im Gegensatz zu ihr hatte der auch allen Grund dazu diesen Weg einzuschlagen. Auch hier bleiben wieder jede Menge Fragezeichen über den Kopf schweben, weil die Verantwortlichen für die Fortsetzungen Zusammenhänge zum Original aufbauen, ohne zunächst nachvollziehbare Grundlagen zu schaffen.

Da „Buried Alive 2" (Originaltitel) annehmbar erzählt ist und nicht langweilig ausgefallen, ist er trotz seiner Ereignislosigkeit und seiner sinnlosen Zusammenhänge durchaus guckbar, dies aber freilich nur auf die simpelste Art für ein besonders genügsames Publikum. Dem Durchschnittszuschauer sei also von diesem Werk abzuraten. Hartgesottene Freunde von Rachefilmen erleben zumindest routinierte Zwischendurchkost, vorausgesetzt sie erwarten keine Härte und keinen Spannungsgrad im Stile eines „Ich spuck auf dein Grab“. Regisseur Tim Mathesons, der die Hauptfigur in Teil 1 spielte, hat mit seinem Werk die brave Lightversion solcher Art Filme umgesetzt, so dass eher gelangweilte Hausfrauen zugreifen sollten anstatt Fans harter Stoffe.


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Donnerstag, 10. März 2016

THE WALKING DEAD - STAFFEL 2 (The Walking Dead - Season 2 2011 Ernest R. Dickerson u.a.)


Als sich die Gruppe Überlebender mal wieder vor einer Gruppe Zombies verstecken muss, geht die junge Patricia verloren. Auf der Suche nach ihr wird der Sohn von Rick stark verletzt. Überraschender Weise findet man Hilfe auf einer Farm, die von einem ehemaligen Tierarzt geleitet wird. Während Carl gesundet macht sich die Truppe von der Farm als zentraler Stützpunkt aus auf die Suche nach dem vermissten Mädchen...


Wie der letzte Rest Demokratie zerstört wurde...

Wer meine Review zur ersten Staffel gelesen hat, weiß dass ich bislang kein Fan von „The Walking Dead“ war. Nach einem tollen Pilotfilm wurde mir die ganze Chose zu realitätsfern geschwätzig, als dass ich mich nach sechs Folgen weiterhin für die Serie hätte interessieren können. Nach meiner Sichtung der sympathischen Asylum-Serie „Z Nation“ und mit dem Ziel mir demnächst den thematisch interessant klingenden Spin-Off zu „The Walking Dead“, „Fear the Walking Dead“, anzusehen, wollte ich als Vorbereitung zu dieser der grundlegenden Serie neu motiviert eine erneute Chance geben. Und ich bin froh dass ich diesen Schritt gegangen bin.

Als nach einer großartig erzählten Einstiegsfolge die zweite Staffel schon wieder inhaltlich bergab ging, fühlte ich mich zunächst noch von meiner alten Ansicht bestätigt. Von Folge zwei an trat das Szenario lange Zeit auf der Stelle, Zombieszenen wurden stark reduziert, und der dominante Soap Gehalt wollte aufgrund der noch immer stark präsenten heile Welt-Sicht bei mir nicht zünden. Aber wenn man der zweiten Staffel trotzdem geduldig eine Chance gibt, erkennt man mit Blick auf das Gesamtwerk, dass die zweite Staffel mit voller Absicht erzählt ist wie sie es ist. Der Stillstand der Folgen 2 - 4 ist nötig um die Geschichte in die gewählte Richtung zu lenken. Ohne sie würden sich die Differenzen in der Gruppe nicht derart hochschaukeln, und genau von diesen lebt Staffel 2, und genau deshalb weiß die humane Erzählform in Form einer Horror-Seifenoper tatsächlich zu funktionieren, womit sie im kompletten Gegensatz zu „Z Nation“ steht, die ihre Stärke darin besitzt sich in einer kaputten Welt nichts Humanes mehr vorzumachen.

Zwar wird der Blick auf die Truppe von einem unfairen Blick aus betrachtet, immerhin wird eine tragische Figur, die auf vieles verzichten musste, als Bösewichter dargestellt, und die verwöhnte Frau Ricks, die stets selbstgerecht andere für sich sterben lässt, als der vernünftige Part dargestellt (und auch dass Rick noch immer in seiner Sheriff-Uniform herumstolziert, so als habe dies in einer zerstörten Zivilisation noch eine Bedeutung, stimmt ärgerlich), interessanter Weise gibt die zweite Staffel „The Walking Dead“ jedoch jeglicher Seite die Chance sich mitzuteilen, verschiedene Ansichten zu begründen, und lässt sich in der späten Phase der Serie sogar dazu herab Fehler von Seiten der strahlenden Helden auch als solche darzustellen, sich also dessen bewusst zu sein, dass seine selbstgerechten Helden doch nicht das Ideal sind für das sie stets herhalten mussten.

Und das ist es was die Serie rettet. Sie badet nicht mehr wie es zunächst scheint in einem selbstgerechten Weltbild, welches weltfremd in einer Zombiewelt spielt, die man lediglich für ein Abenteuerpicknick hält. Die Figuren wachsen nun in diese Zombiewelt hinein, verändern sich, werden sich ihrerer Lage endlich bewusst, und versuchen dennoch sich ihre Menschlichkeit zu bewahren. „The Walking Dead“ wird erwachsen (was bedeutet dass die dämliche Sheriff-Uniform mit der Zeit ebenfalls verschwinden darf), und es mag sein dass mit Blick auf diese Veränderungen der zweiten Staffel sich die erste beim zweiten Mal auch wesentlich versöhnlicher gucken lässt.

Sicherlich erzählt auch die zweite Staffel nichts was es nicht schon in diversen Zombiefilmen zu sehen gab. Aber die Vertiefung der Charaktere macht die Serie in dieser Phase zu einem starken, sehenswerten Ereignis, welches nach dem täuschenden auf der Stelletreten einige Überraschungen und spannende Wendungen für den Zuschauer bereit hält, manches Mal auch einiges von ihm abfordert, ist doch z.B. der Tod zweier sympathischer Charaktere emotional tiefgehend herausgearbeitet, und gehen die Verantwortlichen doch auch mit dieser Thematik sehr sensibel, da Charakter-vertiefend und philosophisch angehaucht vor. Dieses Mal fühlt man mit den Figuren mit. Sie sind keine lieblosen hohlen Körper mehr, wie sie es meiner Meinung nach noch in der ersten Staffel waren.

Mit Staffel 2 gewinnt „The Walking Dead“ an Tiefe und Glaubwürdigkeit, gerade in seinem Bemühen in einer gnadenlosen Welt menschlich bleiben zu wollen. Vieles was in Staffel 1 zu gewollt erschien, bekommt nun einen ehrlichen Anstrich. Freilich scheinen die Verantwortlichen noch immer nicht wahr haben zu wollen was für ein menschenverachtender Charakter hinter der Figur von Ricks Frau steckt, aber solche Ärgernisse sind mittlerweile derart stark heruntergeschraubt, dass sich die Geschichte in ihrer Tragik sowie in ihren Spannungsmomenten entfalten kann, während uns eine Gruppe verschiedenster Mentalitäten die Chance gibt das Erlebte aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten, manches Mal auch zu begreifen. Sollte es „The Walking Dead“ in den kommenden Staffeln schaffen sich endgültig von dem Lobgesang von Rick und seiner Frau loszureißen, stünde die Serie sich endgültig nicht mehr selbst im Weg. Der Schluss der zweiten Staffel lässt diesbezüglich hoffen.


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