Sonntag, 31. Januar 2016

VON MORGENS BIS MITTERNACHTS (1920 Karl Heinz Martin)


Ein Bankangesteller beraubt das Geldinstitut für das er arbeit, erhofft sich damit eine hübsche Frau zu imponieren, doch die ist nicht an ihm interessiert. Kurzerhand verlässt der Dieb seine ihn liebende Familie auf der Suche nach Leidenschaft, aber er muss erfahren dass er diese für Geld nicht finden wird...


Der größte Schwindel der Welt...

„Von morgens bis mitternachts“ entstand 1920 und erfuhr in Deutschland lediglich eine Pressevorführung, fand man doch keinen Verleiher für diesen ungewöhnlichen Film. Und wäre er 1922 in Japan von Kritikern nicht so erstaunlich gut aufgenommen worden, würde man wohl heute keine taugliche Kopie des Streifens mehr vorfinden, ist die als Vorlage der DVD dienende Kopie doch die einzig zur Zeit bekannte, und die wurde in Japan aufgetrieben.

Während Karl Heinz Martins Werk inhaltlich eher die typische Leyer des kleinen Mannes erzählt, der sich damit abfinden soll ein kleiner Mann zu sein, was zu meiner Überraschung jedoch nicht wirklich übertrieben mit erhobenem Zeigefinger moralisch ausgearbeitet wurde, ist es die Art der Inszenierung die „Von morgens bis Mitternacht“ (Alternativtitel) zu einem solch interessanten Werk macht. Der Film ist nicht nur sichtlich auf der Bühne gespielt, er provoziert diese Erkenntnis geradezu. Jegliches Inventar und jegliche Kulisse ist schräg ausgeschnitten und unübersehbar, da äußerst schlicht, aufgemalt, bizarr anmutend, da gar nicht erst der Versuch gemacht wird irgend etwas real wirken zu lassen. Damit wird unübersehbar in Kulissen gespielt, jedoch auf künstlerisch sehr sehenswerte Art, aufgrund der Schräge alles Künstlichem ein wenig an „Das Cabinet des Dr. Caligari“ erinnernd.

Dieser wirkte jedoch nie so kindlich verspielt wie der hier besprochene Film, obwohl auch „Von morgens bis mitternachts“ trotz aller Übertreibung im Spiel, die typisch für die Stummfilmzeit war, eine ernste Thematik erzählt, nicht frei von absichtlich humoristischen Elementen gehalten, aber doch als ernstzunehmendes Drama gedacht. Die kindlich naive Art, die durch jegliche Versimplung der Dinge entfacht wird, ist der Kern der Faszination die das Werk ausmacht und erinnert mit Blick von heute recht stark an die Filmbeiträge Helge Schneiders, der Wahrheiten der Realität durch einen geradezu direkten naiv anmutenden Blick exakt gegriffen bekommt. Das funktioniert in einer Komödie ebenso wie es dies hier tut, nur schien das Publikum in Deutschland seinerzeit kein Verständnis für diese Art Erzählung gehabt zu haben, so wie sich heute viele Menschen schwer tun mit der versteckt intelligenten Art von Helge Schneiders Werken.

Der in 5 Akten gehaltene Film mag vom Unterhaltungswert her in den Akten 3 und 4 ein wenig durchhängen, aber sowohl in den starken, als auch in den schwachen Phasen bleibt die Optik stets hoch interessant. Die gemalten Lichtstrahlen einer Straßenlaterne, die Blitz-artigen Funkwellen einer Durchsage, sie sind alle auf fast schon infantile Art aufgemalt, und wissen doch sehr stark zu beeindrucken, eben weil sie den Zuschauer geradezu auf ihre Künstlichkeit hinstoßen. Der Zuschauer soll sich bewusst machen, dass die überzogenen Figuren durch eine Kunstwelt stampfen, denn die Welt die Martin uns zeigt ist nicht unsere, es ist das versimpelte Abbild dieser.

Ein paar weitere, etwas aufwändiger wirkende Spezialeffekte bereichern die Freude an der Optik zusätzlich (der Schneesturm, das Radrennen, die Überblendungen auf die Totenkopfmasken, ...), während die Geschichte selbst so allerhand Seitenhiebe auf die Gesellschaft austeilt. Ob am Ende eine Gottes-gläubige Gemeinschaft aufgrund von Bargeld außer Rand und Band ist, Reiche Hilfsbedürftigen nicht zur Seite stehen oder die Suche nach Lust stets in Abweisungen endet, der Film spiegelt die Realität wieder, so naiv der Stil sich auch schaut den Martin wählte. Manches Mal ist der naiv kindlich wirkende Stil auch in den Zwischentexten zu bemerken, beispielsweise wenn der Bankangestellte nach Hause kommt. Die Tochter ruft: „Mein Vater!“, die Ehefrau ruft: „Mein Mann!“ und die Mutter ruft: „Mein Sohn!“ Ein Stück für Kinder würde kaum anders ausfallen.

Einzig die erzählte Geschichte verweist darauf, dass wir es hier mit einem Film für Erwachsene zu tun haben. Da geht es um kriminelles Verhalten, Fehler und Irrtümer in der Gesellschaft und um die Suche nach Leidenschaft, die sich der Held irrtümlich vom geklauten Geld erhofft. Für einen kurzen Moment gibt es auch eine für die Entstehungszeit überraschende Nacktszene zu betrachten. Der erwachsene Gehalt des Streifens zeigt sich jedoch auch in der Figur des Bankangestellten, der keineswegs charakterlich positiv gezeichnet ist. Er ist ein unsympathischer Fatzke, nicht besser als die finanzielle Elite die er bestielt. Er tauscht seine Familie gegen das vermeindliche Glück ein und muss in diesem finanzkritischen Werk in einem fast schon geisteskranken Zustand erkennen, dass Geld der größte Schwindel aller Zeiten ist, mit dem man sich das wahre Wertvolle auf der Welt nicht kaufen kann. Nach dieser Erkenntnis erhält er die Bestätigung direkt im Anschluss, verraten von einer ihm vertrauten Frau, aufgrund des Geldes welches die Polizei zur Erfassung seiner Person auf ihn ausgesetzt hat.

Dramaturgisch ist „Von morgens bis mitternachts“ ein wenig holprig ausgefallen. Im Mittelteil schwächelt er mir ein wenig zu stark um ihn zu den großen Werken seiner Zeit zu zählen, aber vom künstlerischen Aspekt her und aufgrund seines Alters ist Martins Werk definitiv ein Hingucker für filmhistorisch interessierte Cineasten. Das bizarr anzusehende Drama ist in einer Konsequenz erzählt, die sich erneut in den Zwischentiteln wiederspiegelt, sind die Buchstaben der geschriebenen Worte doch so kantig und schräg ausgefallen wie die Gegenstände und die Kulissen dieses ungewöhnlichen Streifens. Halbe Sachen macht man nicht, wenn man Kunst schafft.


SILENT NIGHT - LEISE RIESELT DAS BLUT (Silent Night 2012 Steven C. Miller)


In einer Kleinstadt geht zu Weihnachten ein Serienkiller im Weihnachtsmannkostüm umher...


In der Weihnachtsschlachterei...

Remakes sind immer so ein Thema für sich, selbst im Horrorbereich, in welchem die meisten Produkte an der Erwartungshaltung des Publikums orientiert sind und dementsprechend meist sehr ähnlich ausfallen. Obwohl Sequels sich meist kaum von Neuverfilmungen unterscheiden lassen, ist es eher Letzteres was Fans auf die Palme bringt als Ersteres. Dabei fallen viele von ihnen eigentlich recht sympathisch aus. Im Bereich des Slashers gab es u.a. durch Rob Zombies „Halloween“ durchaus Erfreuliches zu entdecken, auch wenn das Remake dem Original nicht das Wasser reichen konnte. „My Bloody Valentine“ fiel sogar wesentlich besser aus als die Erstverfilmung „Blutiger Valentinstag“, auch wenn sich hier die Geister scheiden.

Verfilmt man jedoch einen Horrorfilm neu, dessen Original man schon lediglich als maximal durchschnittlich bezeichnen kann, ist es nicht schwer in Form moderner, flotterer Sehgewohnheiten ein besseres Ergebnis als das Erstling zu erzielen. So ist es bei „Silent Night“ der Fall, der dem ollen, extremst lahmen und hirnrissigen „Stille Nacht, Horror Nacht“ locker das Wasser reichen kann, ohne selbst zum großen Ereignis für den Genre-Fan zu werden. Ähnlich wie das Remake „Night of the Demons“ wird er zum kurzweiligen Zwischendurchverzehr, ohne auch nur einen Hauch von Anspruch an sich selbst zu stellen. „Silent Night“ ist schnell und kurzweilig gesichtete Unterhaltung und genau so schnell auch wieder vergessen.

Vergleicht man die Handlung von „Stille Nacht, Horror Nacht“ mit der des hier besprochenen Filmes, kann man aber ohnehin kaum von einem Remake sprechen, bleibt als einzige Parallele doch lediglich der Axt-schwingende Mörder im Weihnachtsmannkostüm übrig, während sich der Rest völlig unterschiedlich voneinander guckt. Das ist dann so als ob man „Der Fluch von Siniestro“ als Remake von „Der Wolfsmensch“ verstehen würde. Übrig bleibt lediglich der Aggressor, der Rest ist ein eigenständiges Werk, sofern man das im Falle von „Silent Night“ überhaupt von einem Produkt behaupten kann, welches einer Gattung Sub-Genre angehört, in dem es eigentlich kaum Eigenständigkeiten gibt.

Was beide Verfilmungen sehr stark von einander trennt ist das Hauptaugenmerk auf die Hauptfiguren. Im Original stand der Psychopath im Fokus, den man bei seinen Taten begleitet hat. Im Remake ist es die dem Sheriff untergeordnete Polizistin, welche den Psychopathen aufhalten möchte. Das Original scheiterte u.a. an einem dümmlichen psychologischen Hintergrund der Taten, weswegen man es als die bessere Idee bezeichnen kann den leichteren Weg des Blickwinkels des Gesetzeshüters zu wählen.

„Silent Night“ versucht gar nicht erst sich in die Gefühls- und Gedankenwelt des Täters hineinzuversetzen. Wir bekommen zwar einen Auslöser aus der Vergangenheit präsentiert, aber der ist so wenig einleuchtend wie er beleuchtet wird, zumal er Alibi-mäßig auf die Schnelle, völlig unpassend zum Rest, ins Geschehen eingefügt wurde, und erst ganz am Schluss krampfhaft versucht wird ihn in Verbindung mit der Heldin zu bringen. Das Ganze wird dabei völlig unpassend in die Erzähldynamik integriert und so stümperhaft überflogen, als wolle man zwar diese Ereignisse für eine mögliche Fortsetzung vorbereiten, sich aber auch gleichzeitig absichern Besagtes der Lückenlosigkeit wegen doch besser genannt zu haben, falls es doch zu keinem Sequel kommt.

Ähnlich mutlos kommt der Rest daher, der ziemlich das erzählt was im Bereich des Slashers seit Carpenters „Halloween“ üblich ist. Freilich kommt „Silent Night“ ähnlich dümmlich daher wie man es von dieser Gattung Film gewohnt ist, auch wenn diesmal keine Teenager im Zentrum stehen, welche inhaltliche Dümmlichkeiten eher entschuldigen lassen. Spaßig ist das routinierte Treiben dennoch anzusehen, zumal man nicht auf übertriebene Goremomente setzt und Malcolm McDowell in der Rolle des arschigen Vorgesetzten der Heldin besetzt ist, was aufgrund der ihm zugeschriebenen Dummheit und dem häufigen Auftreten seiner Figur zu gefallen weiß.

Wirkliche Pluspunkte hat das Werk von „Under the Bed“-Regisseur Steven C. Miller nicht vorzuweisen, aber er ist in seiner Belanglosigkeit inmitten der immergleichen Produktionen ordentlich und flott inszeniert, ohne je einen individuellen Touch zu entwickeln. „Silent Night“ ist der typische Schnellverzehr dieser Fließbandproduktionen, der im Gegensatz zu den meisten Erscheinungen weder weh tut noch langweilt und deswegen auf ganz schlichte Art als okay durchgeht. Nach der mehr schlechten als rechten Original-Reihe habe ich mit einem wesentlich übleren Ergebnis gerechnet.


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POLTERGEIST (2015 Gil Kenan)


Aufgrund der Arbeitslosigkeit des Vaters muss die Familie Bowen in eine weniger angenehme Gegend ziehen. Während sich die Familie ohnehin damit schwer tut sich an die neue Wohnsituation zu gewöhnen, entdecken die zwei kleinen Kinder, dass sie in dem Haus nicht allein sind. Als die kleine Tochter Maddy verschwindet und sich aus der anderen Seite des Fernsehers meldet, merken die Bowens dass es spukt und dass sie dringend die Hilfe von paranormalen Experten benötigen...


Dieses Haus ist gereinigt...

„Poltergeist“ schafft etwas, das für das moderne Kino eine Seltenheit geworden ist. Er präsentiert uns Figuren, die einem derart sympathisch sind, dass es eine Freude ist ihnen bereits bei Nichtigkeiten zuzusehen. Dabei lässt uns Regisseur Kenan allerdings kaum Zeit für besagte Nichtigkeiten, bricht der Terror doch nach recht kurzer Einführungszeit recht radikal über die Familie Bowen ein, und dies auf solch gekonnt inszenierte Art, dass man zu glauben beginnt hier einen ähnlichen Höhepunkt des Spukfilms geliefert zu bekommen, wie es das Original war.

Aber man sollte sich nie zu früh freuen, denn auch wenn die Figuren sympathisch bleiben und der Ablauf sich weiterhin stark modernisiert relativ brav am Original orientiert, so ist die zweite Hälfte des Remakes doch keineswegs so intensiv geraten wie die erste, die uns einen wahrlich gruselig eingefangenen Baum präsentierte, Unheimliches aus dem Boden und eine wirklich unangenehme Clownpuppe inmitten vieler Clownspuppen auf den Sohnemann los ließ.

In dieser angenehm zu schauenden erste Hälfte war es lediglich der Umgang mit der Thematik Arbeitslosigkeit, der einen bezogen auf die Glaubwürdigkeit des Streifens verärgerte. Da verschließt sich Hollywood auf der einen Seite nicht mehr solch häufig vorkommendem sozialen Leid der Gesellschaft und verpackt es auf der anderen Seite realitätsfern als Luxusproblem, weit entfernt vom wahrem sozialen Abstieg, wie man ihn in einer Michael Moore-Doku zu Gesicht bekäme.

Da „Poltergeist“ zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht die innereigene Logik seiner selbsterschaffenen Filmwelt bricht, stört dies nur unterschwellig. Man fragt sich lediglich warum ein moderner Flachbildschirm die Tochter einfangen sollte, wohingegen selbiges beim senderfreien Rauschen im Original auf esoterischer Ebene noch recht nachvollziehbar klang. Aufgrund eines schnelleren Abarbeitens der Hintergründe als es Hoopers Auftragsarbeit in den 80er Jahren für Spielberg bot, kommen in der zweiten Hälfte aber nun Widersprüche und Unsinnigkeiten auf, die sich auch auf die selbsterschaffene Welt beziehen. Zusammenhänge ergeben wenig Sinn, Figuren und ihre Handlungen werden überzeichnet, und eine echte Dramatik wird für den theatralischen Showeffekt geopfert.

Das wäre alles noch passabel zu überspielen, wenn das Grauen nicht gleichzeitig seinen Schrecken verlieren würde, aber genau das ist der Fall. Ob es der Blick auf die andere Seite ist oder das Erforschen des Fremden innerhalb unserer Seite, der Grusel lässt nach, das Unwohlfühlen des Zuschauers verschwindet, der Film bereitet einem keine Angst mehr. Zwar weiß „Poltergeist“ auch in dieser schwachen Phase auf etwas weniger interessierendem Level zu unterhalten, allein schon weil alles recht schwungvoll inszeniert ist, aber von nun an ist er ein theoretischer Horrorfilm, der nur noch als erzählte Geschichte funktioniert, nicht aber als Schreckmaschine oder als gefühlsechtes Drama einer Familie, der es auch ohne Spuck nicht gerade gut ging.

Alternativ zu „Poltergeist“ erweist sich „Insidious“ als die bessere Wahl, der ebenfalls gut getarnt lediglich ein Remake von Hoopers 80er Jahre Gruselmärchen für Erwachsene war, ebenfalls die Geschehnisse des Originals abarbeitend, jedoch in solch fremden Gewand, dass dies nur den sehr aufmerksamen Zuschauern auffiel. Aufgrund des hohen Gruselgehalts war es einem auch egal dass dem so ist. Er wusste dem Zuschauer gekonnt Angst einzujagen. Kenans „Poltergeist“ hingegen ist nach einem ereignisreichen Einstieg ein handzahmer Spukfilm aus der Masse geworden, der einen in der zweiten Hälfte nicht mehr zu erschrecken weiß.

Zwar besitzt er in dieser Phase noch immer den esoterischen Kitschgehalt und den abenteuerlichen, fast schon familienfreundlichen Effektbereich auf Geisterbahn-Basis wie man ihn auch in Spielbergs Produktion vorfindet, allerdings blieb das Original selbst in diesen märchenhaften und wilden Phasen unheimlich. Die Neuverfilmung ist immer nur abwechselnd eines davon, und unheimlich später gar nicht mehr. Es ist der sympathischen Charakterzeichnung der Familie zu verdanken, dass man den Film als Zuschauer trotzdem nur halb enttäuscht zu Ende guckt.


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PUPPET MASTER 9 - AXIS OF EVIL (2010 David DeCoteau)


Ein junger Mann, der aufgrund einer Geh-Behinderung nicht am Kampf gegen die Nazis teilnehmen kann, stößt in einem Hotel an den Klippen auf das Geheimnis des Puppenspielers Toulon. Mit Hilfe der wiedererweckten Puppen kann er eine Naziverschwörung in seinem Heimatort vereiteln...


Mancher spielt Krieg, mancher mit Puppen...

Ignoriert man das Zusammentreffen der „Puppet Master“-Puppen mit jenen aus „Demonic Toys“, haben wir es bei „Puppet Master - Axis of Evil“ mit dem neunten Teil zu tun, der inhaltlich an Teil drei anknüpft, während er zu Beginn sogar einen Bezug zum ersten Teil herstellt. Wo der Vorgänger „Puppet Master 8 - The Legacy“ als eine Art Puppen-Best Of versuchte Ordnung ins Zeitenchaos zu bringen, zwischen dem sämtliche Teile hin und her sprangen, sorgt Teil 9 für erneute Zeitenverwirrung. Ob sich da mittlerweile inhaltlich etwas widerspricht oder nicht kann ich aufgrund der langen Pausen zwischen den einzelnen Sichtungen nicht beurteilen, aber dass die Puppen ewig einen neuen Meister erhalten, und dies bereits vor den Ereignissen in den 80er Jahren des ersten Teils, zeugt weder von Glaubwürdigkeit innerhalb der Reihe, noch von Einfallsreichtum.

Aber was will man schon von Filmen erwarten, in welchen ohnehin jegliche Fortsetzung ein Aufguss des ersten Teils war? Vielfilmer David DeCoteau, der immer wieder für Viel-Produzent Charles Band dreht, hatte bereits mehrfach mit der Endlosreihe um die Killerpuppen zu tun. Neben dem sechsten Teil „Curse of the Puppet Master“, der zu alten Pfaden zurückführen sollte, war er auch verantwortlich für „Puppet Master 3“, jenem Teil der erstmals zur Hitlerzeit spielte und für viele als der Höhepunkt der Reihe zählt, während ich ihn als den schwächsten der ersten drei Teile empfinde.

Vielleicht schmeckt mir auch deswegen dieser neunte Teil nicht, dem zwei Jahre später der zehnte als direkte Fortsetzung folgen sollte, aufgrund dessen dass die Ereignisse mit dem hier besprochenen Film noch nicht zu Ende erzählt waren. Die Nazi-Thematik als Hintergrundschicksal Toulons habe ich stets als wesentlich angenehmer empfunden als die Versuche sie zur Hauptthematik zu machen. Dies bestätigt sich beim eher lahmen „Puppet Master - Axis of Evil“ erneut, der im Vergleich zu seinen Vorgängern „Puppet Master 8 - The Legacy“, „Dämonische Spiele“ und „Retro Puppet Master“ vom Unterhaltungswert her einen Rückschritt bedeutet, ist das ohnehin sonst so routinierte Treiben doch diesmal arg ermüdend umgesetzt. Und peinliche Nazi-, Japan und Ami-Klischees sorgen nicht gerade für einen besseren Zustand innerhalb einer wackeligen Reihe.

Die Geschichte ist einfach zu lahmarschig ausgefallen, als dass sie wirklich funktionieren könnte, zumal ich nicht verstehe warum in einem Teil 9 versucht wird eine Erwartungshaltung um die Puppen aufzubauen, die lediglich für einen ersten Teil üblich wäre. Wieder wartet der Zuschauer gefühlte Ewigkeiten auf die Erweckung der Puppen, wieder muss das Geheimnis gelüftet werden, welches der Zuschauer längst kennt, innerhalb eines Szenario welches sich, zwischen diversen anderen Teilen spielend, nicht zu viele Freiheiten erlauben darf, um denen nicht zu widersprechen.

Wie so oft in einem Full Moon-Film spielt alles mit wenig Personal an wenigen Drehorten, so dass sich auch hier eine Monotonie breit macht, die in Kombination mit dem bereits bekannten Inhalt nicht gerade einen hohen Unterhaltungswert zu versprühen vermag. Und ewiges Geschätz täuscht mal wieder kostengünstig und erfolglos über fehlende Handlungsmomente hinweg. Da das Gequatsche sich zudem stets auf billige Kriegsklischees aus Ami-Sicht bezieht, sind sie freilich in ihrer Propagandaform nicht ernst zu nehmen, ebenso wenig wie die Figuren, deren Peinlichkeiten bereits mit ihrem aus Vorurteilen begründeten Aussehen und der für ernstzunehmende Nazi-Gegner viel zu jungen Besetzung beginnen. Sie werden aber ohnehin nicht von sichtbar talentierten Mimen gespielt, also macht dieser Minuspunkt nicht wirklich viel aus.

Sicherlich kann man vieles davon den meisten Band-Filmen ab der 90er Jahre vorwerfen, aber viele dieser Beiträge retten sich über einen gewissen, Außenseitern schwer zu beschreibenden, eigenen Charme oder zumindest durch einen Hauch mehr Drive in der Inszenierung. Dieser fehlt dem hier besprochenen Werk leider komplett, weswegen er sich in meinen Augen viel zu lahmarschig guckt um wirklich passabel zu unterhalten. Zumindest gibt es neben der altbekannten Puppen auch eine neue zu entdecken, diesmal ist es eine Ninja-Puppe, aber das war es dann auch an lobenswerten Elementen innerhalb einer unnötigen Fortsetzung innerhalb einer Reihe in der selbst die gelungenen Fortsetzungen ebenso unnötig ausfielen. Die meisten von ihnen haben sich aber zumindest angenehmer angeschaut.


ANT-MAN (2015 Peyton Reed)


Ein Einbrecher wird vom Erfinder eines Miniaturanzugs zum schrumpfenden Ant-Man ausgebildet, um den ehemaligen Schüler des Erfinders aufzuhalten, der mittlerweile selbst kurz davor steht Lebewesen zu miniaturisieren...


Scott der Ameisenschreck...

Superhelden-Filme aus dem Hause Marvel sprießen wie Pilze aus dem Boden und sind durch ihre Fließband-Produktion so austauschbar ausgefallen, dass sie nur noch in der Ausnahme zu gefallen wissen. „Ant-Man“ kommt inmitten dieser Flut an Exemplaren ein klein wenig anders daher, allein schon aufgrund der Idee dass die Größe eines Helden in dessen Miniatur steckt. Und dass aufgrund dieser Gegenidee zu den üblichen Superhelden vieles andere ebenfalls umgekehrt zum üblichen Erzählmuster dieser Art Film verläuft, weiß dem Werk von Regisseur Peyton Reed einige individuelle Momente zu bescheren - dank ideenfauler Drehbuchautoren und mutloser Produzenten jedoch leider auch nicht mehr als das.

Ein auf niedliche Rollen abonnierter Paul Rudd und ein auf Komödien spezialisierter Regisseur („Der Ja-Sager“, „Girls United“) machen recht deutlich, dass „Ant-Man“ nicht so ganz der klassische Superhelden-Film werden sollte. Seine besten Momente besitzt der Streifen auch immer dann, wenn er Gesetze des Blockbuster-Kinos veralbert. Wenn gigantische Miniatur-Kämpfe durch einen Wahrnehmungswechsel plötzlich aus der menschengroßen Perspektive eingefangen werden und damit absichtlich und humoristisch extremst popelig wirken, oder die klassische Materialschlacht einer Verfolgungsjagd durch die Stadt vergleichbarer Weke mittels Miniaturbauten parodiert werden und damit absichtlich unspektakulärer wirken, dann ist dieser unspektakuläre Blick von uns Großen auf eine Miniaturwelt zwar nicht komplett innovativ zu nennen, man erinnere nur an die aus menschlichem Blickwinkel harmlose Explosion in „Ab durch die Hecke“, aber inmitten eines Superheldenfilmes für ein mehr oder weniger erwachsenes Publikum weiß diese Spielerei trotzdem individuell zu wirken.

Leider rückt der Fokus von „Ant-Man“ viel mehr als „Die unglaubliche Geschichte des Mr. C“, „Die phantastische Reise“ und „Die Reise ins Ich“ vom Science Fiction-Bereich in jenen des Fantasy-Genres, was für einen Marvel-Film zwar nicht unüblich ist, alleine schon mit Blick auf die „Fantastic Four“ oder die „X-Men“, aber andererseits hatte die „Iron Man“-Reihe doch recht vorbildlich vorgemacht wie die Ballance daraus aussehen kann. In „Ant-Man“ lässt man den Titelhelden jedoch so dominant mit der Ameisenspezies spielen wie es Batmans Erzgegner Pinguin mit Pinguinen konnte. Was in Burtons „Batmans Rückkehr“ interessant bizarr wirkte, verkommt hier zum Fantasy-Tierdressur-Brimborium, aufgebläht in einer Extreme, die der Held mit seinen Möglichkeiten überhaupt nicht nötig gehabt hätte um ans Ziel zu gelangen. Zudem werden die Hintergründe diesbezüglich immer schwachsinniger je mehr man versucht zu beleuchten wie die Zusammenarbeit von Ant-Man und den Ameisen funktioniert. Dieser Negativpunkt weiß viel vom vorhandenen Potential zu zerstören.

Selbiges gilt für die 08-15 Story, die letztendlich beweist dass „Ant-Man“ trotz so mancher Andersartigkeit eben doch nur einer unter vielen austauschbaren Superheldenfilmen ist, auch wenn der Held selbst mehr sein könnte. Von daher passt es dass „Ant-Man“ nicht nur in der Marvel-Welt spielt in welcher die Avengers existieren, sondern auch dass der Mini-Held von dieser Elitegruppe der Superhelden aufgenommen wird, um an deren Seite zu kämpfen. Und um den Bereich der Austauschbarkeit durch Massenware gleich komplett auszuwalzen bekommen wir nach dem Abspann gleich noch einen Holzhammer-Hinweis auf ein zukünftiges Ant-Girl beschert.

Trotz einiger Ärgernisse und hauptsächlich aufgrund mancher Andersartigkeiten weiß „Ant-Man“ aber immerhin, wenn schon das Superhelden-Genre nicht revolutionierend, zu unterhalten. Die Klischees dieser Art Film und die Stereotype werden nicht umgangen, aber immerhin hin und wieder für kurze Momente gebrochen um in kurzen unbedeutenden Momenten die Erwartungshaltung zu umgehen. Aber letztendlich verlässt man sich ansonsten viel zu sehr auf das bewährte Rezept, welches mittels sympathischer Darsteller und einer halbwegs interessanten Geschichte zumindest zu jener Art Routine wird, mit welcher man einen Film angenehm verfolgen kann ohne sich zu langweilen. Gefordert wird die Aufmerksamkeit des Zuschauers freilich nie, und alles hat man irgendwie variiert schon irgendwo bereits so ähnlich erlebt, aber zumindest ist „Ant-Man“ kurzweilige Kost geworden, die sich um besser zu sein jedoch an ihren Helden hätte orientieren müssen.

Denn weniger wäre mehr gewesen. Mit Weniger als Mehr hätte die Geschichte nicht so gehetzt erzählt werden müssen. Und Zeit für die Geschichte hätte bedeutet, dass man Sympathie zu ihr und ihren Figuren hätte aufbauen können wie zu Zeiten von Raimis „Spider-Man“. Der erste Film einer Superhelden-Reihe ist aufgrund der Entstehung des Helden und dem Erforschen der neuen Fähigkeiten in der Regel der beste Film einer solchen Reihe. „Ant-Man“ hingegen könnte es in einem zweiten Teil zugute kommen diese hinter sich zu haben. Dann könnte er sich vielleicht endlich etwas mehr auf die bislang im Ansatz recht reizvollen Charaktere konzentrieren.

Aber wie ich Marvel kenne wird man eine Fortsetzung dadurch verhunzen, dass man dem Helden in Zukunft direkt mehr als einen Gegner gegenüber setzen wird, womit wieder die selbe Hektik und damit eine unnötige emotionale Distanz zum Zuschauer entstehen wird, wie in der hier zu gehetzt erzählten Geschichte. Dass es Reed trotzdem geschafft hat sich inmitten von Chaos manch ruhigen Moment für augenzwinkernde Spielereien zu gönnen, zeigt zumindest dass er theoretisch gesehen eine gute Wahl für dieses Projekt war. Ich glaube nervige Unsinnigkeiten wie die Riesenameise als Haustier auf dem Kitsch-Niveau eines „Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft“ haben wir eher den von Produzenten dirigierten Drehbuchautoren zu verdanken als dem positiv auf „Ant-Man“ wirkenden Regisseur.


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Sonntag, 24. Januar 2016

KARTOFFELSALAT (2015 Michael David Pate)


Ein Loser muss die Schule wechseln und hofft dass in der neuen Klasse alles anders wird, aber dem ist nicht so. Erst als nach einem Schulball eine Zombieepidemie ausbricht ist seine Chance gekommen aus der Verliererrolle heraus zu brechen...


Nach bewährtem Rezept...

Wer glaubt bereits mit „Feuer, Eis und Dosenbier“ eine deutsche Komödie auf Dünnschiss-Niveau gesehen zu haben, der sollte bloß nicht „Kartoffelsalat“ sehen, eine Zombie-Komödie welche hauptsächlich die Idee aus „Die Nacht der lebenden Loser“ neu aufwärmt und in den Mittelpunkt ein paar gerade angesagte You Tube-Stars stellt. In einer sehr hektischen Umsetzung hagelt es Gags im Sekundentakt, die man meist aus prominenteren Filmen entliehen hat, und wie nicht anders zu erwarten wissen die meisten davon auch nicht zu zünden. Manche kommen zu gewollt daher und scheitern an der Umsetzung, andere sind selbst für eine zotige Komödie zu unterirdisch ausgefallen.

Als Produzent und Gaststar konnte man Otto Waalkes gewinnen, der selbst nichts von Humor über Grundschul-Niveau versteht, von daher passt sein Mitwirken ganz gut ins Konzept. Auch Jenny Elvers, Tobias Schenke, Martin Schneider und weitere Möchtegern-Stars sind mit Gastauftritten vertreten, so dass zumindest einem kleinen Publikumserfolg bei solch vielen bekannten Namen nichts im Weg steht.

„Kartoffelsalat" ist ein eigentlich zum Scheitern verurteiltes Konzept. Aber da er gar keine professionelle Komödie sein will, eigentlich nicht einmal ein wirklicher Film, geht das Konzept der Köpfe hinter dem Projekt halbwegs auf. Pates Film schaut sich wie ein Schülerprojekt, ein Stück selbstgedrehter Film den man Hobby-mäßig in der Freizeit mit ein paar Kumpels umgesetzt hat, und mit dieser Wirkung entfacht er einen Charme, der zwar nicht jeden Fehler und jede Peinlichkeit entschuldigt, das Werk aber zumindest für Freunde wilder Zoten erträglich macht, ja mehr sogar: unterhaltsam macht.

Die Darsteller sind gut aufgelegt, um mehr als einen Flachköpper an den nächsten zu reihen geht es ohnehin nicht, und so tut es gut dass der Streifen auch nicht länger als 80 Minuten ausgefallen ist. Damit verführt er den Freund derber Albernheiten zumindest nicht zum verfrühten Ausschalten. Dass sich das Endergebnis für einen deutschen Film mal wieder extremst Amerika-orientiert schaut, haben wir der Jugendkultur zu verdanken. Da das Zielpublikum aber ohnehin die You Tube-Generation sein soll, ist das auch gar nicht schlimm. Mit Blick auf das Zielpublikum darf ich sogar erstaunt darüber sein, dass auch ich mit meinen 40 Jahren meinen Spaß mit „Kartoffelsalat“ hatte, auch wenn ich in der Regel Nudelsalat bevorzuge.

Der größte Clou des Streifens ist es wohl, dass es den Verantwortlichen gelungen ist die deutsche Stimme des Walter White aus „Breaking Bad“ zu gewinnen, der Herrn Weiß spielen darf, den Vater des Helden, der rein zufällig Chemiker von Beruf ist. Dass man über diese Idee hinaus weitere Seitenhiebe auf die beliebte US-Serie abfeuert, steht Pate für das Problem des Streifens. Man wusste nicht wann es genug ist. Unsensibel wird alles abgefeuert was man an stumpfsinnigen Ideen zur Verfügung hat, und von subtiler Komik hat man ebenso wenig gehört wie von dem Motto „weniger ist mehr“.

Da „Kartoffelsalat“ aber ohnehin nur eine Party getarnt als Filmkomödie sein soll, reicht das dumpfe Rezept auch bereits um zum Ziel zu gelangen. Maulen tun da nur jene, die nicht begriffen haben was Pates Film sein möchte, und das sind dann die selben die auch an Helge Schneider-Filmen verzweifeln. Dessen Niveau wird nie erreicht, allein schon deshalb weil die Komik im Gegensatz zu „Texas“ und Co keinen intelligenten Hintergrund besitzen, aber für einen unschuldigen Schüler-Selbstdreh-Nonsens ist „Kartoffelsalat“ doch recht witzig ausgefallen. Und dass er so viele Fehler besitzt, macht ihn letztendlich sogar menschlich.

Wer Zoten und Albernheiten nichts abgewinnen kann, soll sich bloß fernhalten von diesem Film, der die Zombiefilmmode lediglich dafür nutzt sich auf einem abgedrehteren Szenario auszutoben als auf dem regulären Schulalltag. Horror-Fans werden also noch weniger Luftsprünge machen als im besagten „Die Nacht der lebenden Loser“, der bereits allerhand Zuschauer- und Kritikerschelte einstecken musste. Auf „Kartoffelsalat“ wird es erst recht Hass-Kommentare und Unverständnis hageln. Und auch als jemand der dem Streifen etwas abgewinnen konnte, komme ich nicht umhin zu sagen, dass er immer viel zu knapp an Peinlichkeiten und Nervereien vorbeischrammt als es gut für ihn wäre. Aber für die Generation von heute, die einem bei all der Überreizung durch zu viel mediale Begleitung innerhalb ihres Alltags leid tun kann, trifft er zumindest den richtigen Ton.


Weitere Reviews zum Film: 

DER JUNGE UND SEIN HUND (A Boy and His Dog 1975 L.Q. Jones)


Nach dem vierten Weltkrieg ist die Erde zerstört. Ein Teenager zieht gemeinsam mit seinem Hund, der zu ihm telepathisch sprechen kann, durch die Gegend auf der Suche nach Essen und Sex. Mit Hilfe einer frisch eroberten Frau wird er in eine geheime, luxuriöse Welt unter der Erde gelockt, wo er als Samenspender gefangen gehalten wird, um für den Erhalt der Spezies zu sorgen...


Willi Wuffs Sex-Abenteuer in der Unterwelt...

Die 70er Jahre waren mit Werken wie „Die Delegation“, „Rollerball“ und „Soylent Green“ das Hoch des intellektuellen Science Fiction-Films. Doch auch schon damals haben sich Werke unter all die großartigen Genre-Beiträge gemischt, die diesem hohen Standard nicht gerecht wurden. Neben solch trotzdem sympathischer Filme wie „Flucht ins 23. Jahrhundert“ und „Die Körperfresser kommen" gab es selbst in diesem einfallsreichen Jahrzehnt auch Rohrkrepierer innerhalb besagtem Genres, und zu diesen zählt meiner Meinung nach der zum kleinen Kultfilm gewordene „Der Junge und sein Hund“, der zwar so einige schmackhafte Zutaten zu bieten hat, aber leider gar nicht funktionieren möchte.

Das grundlegendste Problem des Streifens ist meiner Meinung nach der nicht vereinbare Mix aus kindlischen und erwachsenen Elementen. Zugegeben, „In der Gewalt der Unterirdischen“ (Alternativtitel) will reines Erwachsenenkino sein, aber der sprechende Hund wirkt einfach infantil bei seinem putzigen Aussehen, der gewöhnungsbedürftigen Idee dass er mit dem Helden kommunizieren kann und zumindest in der Deutschfassung auch aufgrund seiner knuffigen Stimme. Da können Dialoge zu erwachsenen Themen und die großartige Idee, dass der Hund der vernünftige Part im Duo ist, nicht gegen wirken. Das Gespann wirkt wie aus einem Kinderfilm entlaufen und stößt dabei auf eine Geschichte um Barbarei in einer Endzeitwelt, um Sexgelüste eines einsamen Mannes und um Unterdrückung innerhalb einer dekadenten Geheimgesellschaft.

Dass „Der Junge mit dem Hund“ (Alternativtitel) nicht funktionieren möchte, liegt jedoch nicht einzig an den unkompatiblen Bausteinen. Auch die ewig auf der Stelle tretende Geschichte, die zunächst so öde ausgefallen ist wie das Land auf dem sie spielt, verhindert einen unterhaltsamen Kino-Trip, handelt die erste Hälfte doch fast ausschließlich davon, dass der Teenager verzweifelt eine Frau sucht. Und da wissen selbst so skurril wirkende Ideen wie das Pornokino inmitten einer untergegangenen Zivilisation nichts zu retten, da sie als kurzes Element innerhalb gepflegter Langeweile zu funktionieren wissen, nicht aber die komplette Geschichte damit gestemmt bekommen.

Wirklich schade ist das triste Ergebnis zu nennen, wenn man die zweite Filmhälfte erreicht hat und die Geschichte nun vor bizarrer Ideen nur so übersprudelt. Da wird mit simpelsten Mitteln wie blass geschminkter Gesichter das schräge Bild einer dekadenten Alternativ-Kultur erschaffen, die es verdient hätte, dass man sie näher beleuchtet hätte als geschehen. Warum hat man nicht 30 Minuten der Vorgeschichte eingespart, um sie in den wesentlich interessanteren Teil der Geschichte zu investieren? Auch dieser Part wäre unter einer talentierteren Regie besser ausgefallen, rein dramaturgisch will auch sie nicht funktionieren. Aber zumindest ist sie aufgrund ihrer grotesken Erscheinung interessant ausgefallen, auch wenn man sich für das Schicksal des jungen Helden weiterhin so gar nicht interessiert.

Die mangelnde Identifikation mit dem Jungen ist es schließlich auch, die der Grund dafür ist warum eine interessant anzuschauende zweite Hälfte nicht hilfreich dabei ist das Gesamtergebnis zumindest auf ein mittelmäßiges Niveau zu hieven. Dafür fällt die zweite Hälfte zu theoretrisch aus. Sie bietet keinen Spannungsbogen zum Mitfiebern, sie schafft es nicht dass man die Enttäuschung des Helden mitfühlt, der immerhin von seiner ersten Liebe betrogen wurde. Sie schafft es lediglich, dass man über die vielen bizarren Ideen schmunzelt, was nach dem arg öden ersten Teil der Geschichte zwar ungeheuer gut tut, aber immer noch ein simples Ergebnis ist im Vergleich zu all den Möglichkeiten die vorhanden waren um ein gutes Ergebnis zu erzeugen.

Zumindest die bittere Schlussidee weiß zu gefallen, fügt sie sich doch in den augenzwinkernden Erzählton, der nicht nur die Geschehnisse des Streifens umrissen hat, sondern auch die Charakterzeichnung der beiden Helden umfasst, ein weiteres Elemt des Films das ein besseres Ergebnis verdient hätte. Denn dies ist das wahrlich ärgerliche an „Apocalypse 2024 - A Boy and His Dog“ (Alternativtitel): psychologisch gesehen ist er recht clever erzählt. Die einzelnen Zutaten wollen lediglich nicht brauchbar ineinander greifen. Stattdessen wird das theoretisch schmackhafte Rezept zu einem unausgegorenen Brei aus Fremdschämen, Einfallsreichtum und Unvermögen.


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GANTZ - SPIEL UM DEIN LEBEN (Gantz 2011 Sinsuke Satô)


Im Augenblick ihres Todes werden Menschen in einen Raum transferiert, in welchem sich die Kugel Gantz befindet, die einem befielt diverse Außerirdische zu töten, die sich zu Unrecht auf der Erde befinden. Wer nicht mitmacht oder versagt stirbt. Wer siegt erhält Punkte. Wer genügend Punkte gesammelt hat kann entweder aussteigen oder einen toten Mitspieler zurück ins Leben Spiel holen...


In den Fängen einer Kugel...

Basierend auf der Anime-Serie „Gantz“ folgte 7 Jahre später ein Zweiteiler, von dem „Gantz - Spiel um dein Leben“ der erste darstellt. Das Werk von Shinsuke Satô mixt einige bekannte Storyfragmente zu einem eigenen Ganzen zusammen. So erkennt man in dem wilden Science Fiction-Trip u.a. Ideen aus „Freejack“, „Cube“, „Das Böse“ und „Man in Black“ wieder, ohne dass je stilistisch von diesen geklaut würde. Allein das Herstellungsland Japan verpackt die Geschichte völlig anders als die aus Amerika stammenden Vergleichsfilme, sind doch allein die Art der Action und die Dramaturgie geradezu typisch japanisch ausgefallen.

Im Gegensatz zu vielen anderen Beiträgen aus diesem Land mixt „Gantz“ den erlebnisreichen Science Fiction-Gehalt jedoch nicht mit intelligenter Tiefgründigkeit oder einer zu Ende gedachten Geschichte. „Gantz“ ist in etwa vergleichbar mit den modernen Blockbustern aus Amerika. Er ist schnell herunter geschriebener Mainstream, der sich fast einzig auf seinen durchaus gelungenen Spezialeffekten ausruht, aber am Tiefgang von Charakteren und an dem Sinn seiner Geschichte spart. So wird beispielsweise nie erklärt warum sich Gantz ausgerechnet frisch verstorbene Menschen holt oder holen muss, so dass der Hintergrund des eigentlich angenehm flott und frisch erzählten Streifens so löchrig daher kommt wie die innereigene Logik.

Zudem fällt es schwer mit Charakteren zu sympathisieren, die sich so unglaublich dämlich benehmen wie die uns hier vorgesetzten. Wer laut „Gantz - Spiel um dein Leben“ im sterben liegt, während wer anders einen Alien erfolgreich tötet, ist nach der Transferation zurück in Gantz‘ Raum wieder gesund und munter, um weiterhin vollwertiges Mitglied der gezwungenen Auserwählten zu sein. Anstatt den jeweiligen Außerirdischen erst recht zu jagen, wenn es einen Freund erwischt, hält man lieber theatralische, gefühlsduselige Reden am Körper des Dahinsterbenden und dies solange bis der Mitspieler tot ist, so dass dieser nach erfolgreicher Mission nicht mehr mit zurückkehren kann, da er tatsächlich tot ist.

Derlei Idiotien, die man anfangs aufgrund der neuen und ohnehin kranken Situation noch verstehen könnte, sind keine Seltenheit innerhalb der sich durchaus angenehm guckenden Laufzeit von zwei Stunden. Sie zeigen sich alleine immer wieder in den Kampfszenen gegen die Aliens, meistens dann wenn die extrem verzögerte Reaktionszeit des Schießens einzig dazu dient den Kampf in die Länge zu ziehen, was niemals die Absicht eines der Kämpfer sein könnte, so schnell wie diese möglichst unversehrt zurückkehren möchten.

All diese Mainstream-Krankheiten machen aus einem ansonsten sympathisch inszenierten Film lediglich ein geistfrei unterhaltsames Ergebnis ohne Anspruch. Denn so idiotisch die Geschichte auf der einen Seite ausgefallen ist, am Anfang ist man aufgrund der Rätselhaftigkeit des Geschehens gespannt dabei, und ansonsten sorgen einfallsreiche Alien-Gegner dafür, dass einem niemals langweilig wird, ist doch jeder von ihnen völlig anders ausgefallen und besitzt doch jeder von ihnen seinen ganz eigenen Reiz. Mir persönlich hat der Alien mit dem Faible für seinen  Ghettoblaster am besten gefallen, allein schon weil seine Bewegungen beim Rennen mich stark an den Maschinenmenschen aus „Terminator 2“ erinnert haben, während er rein optisch ansonsten eher Ähnlichkeiten mit der Actionfigur aus „Tod im Spielzeugland“ hatte.

Auch in seinen wenigen ruhigen Momenten weiß „Gantz“ auf simpler Ebene zu gefallen, auch wenn man sich als Europäer immer wieder mit der japanischen Mentalität in emotionalen Szenen schwer tun kann, die mehr Kinoklischee als nachvollziehbare Wirklichkeit zu sein scheint. Seine wahren Höhepunkte besitzt Satôs Realverfilmung des Comicstoffes allerdings ohnehin in den actionreichen Spezialeffekt-Sequenzen, die optisch sauber umgesetzt sind und immer glaubwürdig ins Realbild integriert. Das macht am Sehwert viel aus, kann zwar fehlende Charaktertiefe und Lücken in der Logik und in der Geschichte nicht ersetzen, sorgt aber zusammen mit den anderen gelungenen Elementen dafür, dass man zumindest nett unterhalten wurde, wenn auch geistfreier als im Popkorn-Kino Japans üblich.


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DER PHANTASTISCHE PLANET (La planète sauvage 1973 René Laloux)


Der Mensch Terr wird von klein auf von der dominierenden und viel größeren Spezies der Traags als Haustier gehalten. Eines Tages kann er sich befreien und schließt sich wild lebenden Menschen an, die von den Traags als Ungeziefer empfunden und immer wieder ausgerottet werden. Aber dank Terrs Wissen und einer von den Traags gestohlenen Technologie, welche Wissen vermittelt, können sich die Menschen weiter entwickeln, um ihre Überlebenschance auf dem Planeten zu vergrößern...


Ameise Mensch...

„Der phantastische Planet“ sprudelt nur so voll bizarrer Ideen, wie die Welt auf einem anderen Planeten aussehen könnte. Der Mensch dient als Identifikation, während alles um ihm herum fremdartig erscheint. Ominöse Pflanzen, Technologien und Tiere bereichern die ohnehin schon interessante Geschichte derart, dass ihre etwas trocken vorgetragene Art durch sie aufgelockert wird, so dass der ideenreiche Film nie zu träge daher kommt, obwohl er für das unterhaltungsverwöhnte Publikum von heute relativ kopflastig ausgefallen ist.

Dass der Mensch mit Ameisen gleichgesetzt wird, ist nicht zu übersehen und ist damit die deutlichste Parallele zu Begebenheiten auf der Erde, was der uns gezeigten bizarren Welt jedoch nicht schadet, sondern die humane Botschaft nur um so leichter für den Zuschauer begreifbar macht. Zwar sind auch weitere Parallelen zu Vorkommnissen auf der Erde vorzufinden, so z.B. die menschenfressende Variante eines Ameisenbärs, dennoch wimmelt es in „Der wilde Planet“ (Alternativtitel) zusätzlich nur so vor individuellen, eigenständigen phantastischen Ideen, die eine völlig eigene Kultur und Umwelt erschaffen und uns zeigen wieviel phantasiereicher man sich eine fremde Zivilisation und einen fremdartigen Lebensraum zusammenreimen kann, als es uns in den meisten Science Fiction-Filmen vorgelebt wird.

„Fantastic Planet“ (Alternativtitel) lebt von dieser Fremdartigkeit, besitzt aber innerhalb seiner Geschichte auch genügend Potential im Spannungsbogen und in der Dramaturgie, als dass auch sie zu funktionieren weiß. Dank einer kurzen Laufzeit von unter 70 Minuten wird der Streifen zu keiner Zeit langweilig. Etwas länger hätte er jedoch ausfallen müssen, kommt der Schluss doch sehr plötzlich innerhalb eines Filmes, der ansonsten zu keiner Zeit gehetzt erzählt wirkt. Gerade aufgrund der Schluss-Pointe, die man durchaus erahnen kann, wäre es schön gewesen, wenn man im gleichen Umfang wie die Rest-Story im Detail erfahren hätte wie es zu dieser gekommen ist. Aufgrund dieser Schwachstelle wäre eine Fortsetzung wünschenswert gewesen, mit der man nun 43 Jahre später wohl kaum noch zu rechnen braucht.

Die Animation ist etwas steif gehalten und damit gewöhnungsbedürftig, passt meiner Meinung nach aber hervorragend zum Erzählstil und zum intellektuellen Gehalt der Geschichte, so dass dies nicht wirklich als Minuspunkt betrachtet werden kann, zumal es den Sehwert am Streifen nicht mindert. Die Figurengestaltung, gerade was die fremdartigen Wesen und Pflanzen betrifft, sind trotz schlichtem Zeichenstils einfallsreich ausgefallen, und allein ihretwegen ist es gut, dass zum Erzählen der Geschichte das Medium des Zeichentrickfilmes gewählt wurde. Durch ihn ist es möglich die Ernsthaftigkeit des Stoffes beizubehalten, wohingegen ein trickreicher Realfilm zu verspielt gewirkt hätte.

Wer sich für außergewöhnliche Filme abseits des Mainstreams interessiert, der wird „La planète sauvage“ (Originaltitel) lieben, ein Zeichentrickfilm von René Laloux, der auch für den bekannteren „Herrscher der Zeit“ verantwortlich war, der dem hier besprochenen Film neun Jahre später folgen sollte. „Der phantastische Planet“ ist intelligentes und humanes Science Fiction-Kino, einfallsreich erzählt und Galaxien weit entfernt vom geistfreien Kitschniveau finanziell erfolgreicher Großproduktionen im Zeichentrickbereich.


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Mittwoch, 20. Januar 2016

PRESIDENT'S DAY - AXE MASSACRE (President's Day 2010 Chris LaMartina)


Auf einer Highschool geht während der Schülerratswahl-Phase ein Axtmörder mit Abraham Lincoln-Maske um...


Abraham folgt Ronald...

Sichtlich um den Retro-Charme der damaligen 80er Jahre Slasherfilm-Welle bemüht, scheitert dieses sympathische Vorhaben an seiner Kostengünstigkeit, die „President‘s Day“ (Originaltitel) keine Chance gibt aus den Hufen zu kommen. Der Film schaut sich zu lahm, die Technik haut nicht vom Hocker, und in der Deutschfassung wird auch der allerletzte Reiz durch eine üble Synchronfassung gekillt.

Aber auch ohne dieses Zutun bekommt Chris LaMartinas Werk nicht wirklich etwas gebacken. Die meisten Morde finden im Off statt, die Darsteller sind zwar sichtlich bemüht, aber überhaupt nicht talentiert, und die Abraham Lincoln-Maske weiß nicht zu überzeugen, was jedoch nicht schlimm ist, da die Kamera den Killer nie gekonnt einzufangen weiß. Das wiederum passt zur Restinszenierung eines billig abgedrehten Filmes, der nicht den leisesten Hauch von Atmosphäre versprüht. Anfangs macht sich aufgrund des Retro-Versuchs auf Amateurfilm-Basis ein Hauch Charme breit, aber auch beim besten Willen dem Streifen eine faire Chance zu geben bleibt dieser Pluspunkt nicht lange erhalten.

Lediglich die Frage wer denn nun der maskierte Mörder ist, wird nicht zu früh aufgedeckt. Möglichkeiten gibt es viele, ein versehentliches verfrühtes Verraten findet nicht statt. Eventuell findet noch wer Gefallen an der Musikuntermalung, die hin und wieder den Bereich des Hardrocks hinzumischt. Trash-Freunde bekommen zudem noch etwas zu schmunzeln, wenn man laut „President‘s Day - Axe Massacre" an einer verkohlten Nase sterben kann. Viel mehr weitere wirklich sprudelnde unfreiwillige Komik will jedoch trotz des vorhandenen Unvermögens nicht wirklich aufkommen.

Alles weitere macht das magere Budget zunichte, so dass der Horror-Freund, der einen Slasher mit einem Mörder im Präsidenten-Kostüm erleben möchte, lieber zu David Arquettes unterschätzten „President Evil“ greifen sollte, der zwar keinen Abraham Lincoln bereit hält, dafür aber den ollen Ronald Reagan. „President‘s Day“ ist müde Ramschware und leider nicht so schundig unterhaltsam wie die meisten anderen Billigproduktionen, in denen Shawn C. Phillips sonst so mitspielt.


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WIR SIND DIE MILLERS (We're the Millers 2013 Rawson Marshall Thurber)


David lebt davon gelangweilten Spießbürgern Gras zu verkaufen. Als seine Einnahmen und sein Vorrat geklaut werden, zwingt ihn sein Auftraggeber dazu eine Ladung Marihuana aus Mexiko zu schmuggeln. Um nicht aufzufallen schnappt sich David eine Stripperin, eine Obdachlose und einen naiven Teenager, die gemeinsam mit ihm eine Spießerfamilie beim Campingausflug mimen sollen. Ob die Tarnung wirklich so perfekt ist wie erhofft bleibt fraglich...


Eine schrecklich nette Familie...

Man kann vielen amerikanischen Filmen vorwerfen, dass sie ihren Drang zu familiären Werten unnötig und radikal aufdrücken, eine Erscheinung die gerade europäischen Filmfreunden oftmals nicht mundet. Bei „Wir sind die Millers“ kann man nicht wirklich darüber schimpfen, denn es ist der Kern des Erzählten. Das was in anderen Werken nervt ist hier keine Randerscheinung, es wird zum Mittelpunkt, was auch sehr früh herausgearbeitet wird, wenn man allen Familienmitgliedern anhand stiller Gesten, Mimiken oder unscheinbarer Sätze anmerkt, dass ihre stolze Selbstständigkeit lediglich einen Selbstschutz, eine Selbstlüge darstellt, um besser damit fertig zu werden, dass sie ihr Leben alleine fristen. Insgeheim wollen sie alle eine Familie.

Das ist dann aber auch gleich das einzig halbwegs Subtile was „Wir sind die Millers - Falls jemand fragt.“ (Alternativtitel) zu bieten hat. Denn wenn man der Komödie von „Voll auf die Nüsse“-Regisseur Rawson Marshall Thurber das eine auch nicht vorwerfen kann, dass sein Film einem ziemlich vorhersehbaren Handlungsablauf mit überraschungsarmen Inhalt bietet, muss sich der gute Mann als Kritik sehr wohl gefallen lassen. Es ist nicht so, dass der Trip nach Mexiko und zurück nicht aufgrund der sympathischen Besetzung und aufgrund des nie langweilig werdenden lockeren Grundtons auf Routine-Ebene zu funktionieren wüsste, aber die Idee selbst hätte eine wesentlich einfallsreichere Umsetzung verdient und wäre in den Händen eines Seth Rogen wohl besser aufgehoben gewesen.

Stellt man sich jedoch auf die übliche Sonntagnachmittagsunterhaltung einer durchschnittlichen US-Komödie ein, so macht „Wir sind die Millers“ zumindest alles richtig. Die Moral hält sich halbwegs in Grenzen, Kitsch wird lediglich gestreift, und missioniert wird man hier auch nicht. Der Film will einem nicht einreden dass Familie für alle Menschen die Lösung wäre - sie ist es eben nur für die fiktive Familie Miller, die auf recht interessante Weise, einem Schlussgag sei Dank, zu einer halbwegs wirklichen Familie wird.

Dass das Geschehen zu einem Happy End führt, ist einem bei solch vorhersehbarer Geschichte von Anfang an klar. Kleine Gags wie ein Missverständnis mit einem mexikanischen Gesetzeshüter oder jene die durch die schrillen Nebenfiguren eines Pärchens geerntet werden, die immer wieder auf die Millers treffen, sorgen für die nötige Auflockerung zwischendurch, die der Film dringend nötig hat, so bieder wie er daher kommt. Eigentlich hätte die Geschichte einen anarchistischen Grundton vertragen können, oder zumindest einen provokativen.

Aber „We‘re the Millers“ (Originaltitel) soll ein Familienfilm sein. Deswegen darf eine Stripperin auch nicht nackt werden, deswegen muss jeder noch so große Skandal handzahm serviert werden und deswegen ist auch jegliches noch so gravierende Problem irgendwie zu lösen. Dass es aufgrund der verhängnisvollen Lage Davids dann doch ganz interessant ist zuzusehen, auf welche Art sich alles in Wohlgefallen auflöst, zeigt zumindest dass das Interesse des Publikums trotzdem geweckt werden kann und dass die Autoren die Geschehnisse zumindest mit einem Hauch Einfallsreichtum auflösen mussten.

Auf der Gegenseite ist einem das Drehbuch manche Erklärungslücke schuldig geblieben, so z.B. auf die Frage warum David in der Schlussphase zu seiner Scheinfamilie zurückgekehrt ist. Sicherlich weiß der Zuschauer von selbst warum, aber was war der entscheidende Punkt, der ihn zur Umkehr bewegte? Wäre „Wir sind die Millers“ mehr als das kleine geistlose Stück Ablenkungsunterhaltung vor dem stressigen Alltag, würde eine solche Lücke penetrant nerven. Aber dafür ist Thurbers Werk einfach nicht bedeutend genug. Im Gegenteil, seine Daseinsberechtigung liegt darin beim Kopfausschalten zu helfen und nicht über Gesehenes nachzudenken.


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THE WICKER MAN (1973 Robin Hardy)


Polizist Howie sucht auf schriftliches Bitten in einem Brief hin auf einer schottischen Insel ein vermisstes Mädchen, welches keiner im Ort gekannt haben möchte. Howie glaubt den Bewohnern jedoch nicht, die ihm merkwürdig erscheinende, unchristlichen Ritualen nachgehen. In Howie wächst während seiner Ermittlungen der Verdacht, dass das arme gesuchte Ding bei einer Festlichkeit geopfert werden soll...


Eine von Lees liebsten Rollen...

Wenn man das Original aus dem Jahre 1973 sichtet, versteht man warum die Amis in ihrem späten Remake mit Nicolas Cage so ziemlich alles geändert haben. Sie könnten das Original nie verstehen. Für uns Europäer ist er jedoch bereits ein Kultfilm, und dass er dies bei seiner fast schon komödiantisch schrulligen Art geworden ist, verwundert wohl weder Bewunderer noch Kritiker, ist „The Wicker Man“ inszenatorisch doch allein schon auf den Horror-Bereich gesehen ein individuelles Werk. Wo außer hier hat man in einem ernst umgesetzten Horrorfilm je den Genre-Mix mit der Gattung Musikfilm erleben dürfen?

Dass diese den Horror nicht eliminiert, sondern überraschender Weise das Unwohlsein des Helden und des Zuschauers durch sie gar steigert, liegt an der Thematik des Filmes, die es sich einen Spaß daraus macht uns die Andersartigkeit einer fremden Kultur aufzuzeigen, von der man nicht weiß wie weit sie in ihrer Konsequenz greift. Steckt hinter all der Lebensfreude und mentalen Fröhlichkeit ein vom Glauben angetriebener mordender Mob, wenn der Tod in besagter Kultur gar so etwas Wunderschönes darstellt? „The Wicker Man“ zeigt auf, dass aus jeglicher noch so harmlosen Form von Glauben etwas Bestialisches pervertieren kann, so dass der Glaube immer eine Gefahrenquelle des Fanatismus und der geistigen Ausnutzung anderer ist.

Ebenso zeigt er aber auch den Egoismus und die Ignoranz die mit Glauben einher geht. Andere Religionen neben der eigenen sind unerwünscht. Die eigenen lächerlichen Rituale werden ernst genommen, fremde lächerliche Rituale als irrsinnig dargestellt. Hier bekommt in erster Linie das Christentum sein Fett weg, wenn der gesellschaftlich konservative und christlisch erzogene Howie bereits Rituale und Lebensweisen nicht gutheißt, die lediglich für einen anderen Glauben stehen, lange Zeit bevor das Ausleben des Götterglaubens auf der Insel immer fragwürdigere und extremere Züge aufweist.

Dass sich Howie als Fremdling auf der Insel überhaupt das Recht nimmt die Kultur dort zu kritisieren, ist allein schon eine unhöfliche Anmaßung, bestimmt die Masse doch was normal ist in einer Gesellschaft und nicht das Individuum, wie uns auch „Der Omega Mann“ gelehrt hat. Howie kommt von auswärts und erwartet von den Menschen vor Ort seinem Weltbild zu entsprechen. Dabei ist er der Außenseiter, er ist der Unhöfliche der Gesetz und Religion in einen Topf wirft.

Diese durch wundersame Rituale heraufbeschworenen gesellschaftskritischen Seitenhiebe auf Glaubensgemeinschaften dienen nicht nur dem Aufhänger der Geschichte und der Erkenntnis Howies weshalb das Mädchen nicht aufzufinden ist, er dient auch dafür den Zuschauer lange genug ablenken zu können, um die böse Finalidee möglichst nicht zu erahnen, auf die man aufgrund der eingestreuten Hinweise zwar kommen kann, was aber nur selten der Fall ist, bei all dem kulturellen Einfallsreichtum den man als Zuschauer vor die Augen und vor die Ohren geworfen bekommt.

Gerade diesen Kniff haben die Erschaffer des Remakes „Wicker Man - Ritual des Bösen“ nicht verstanden. Dort, ganz im Gegenteil, vermutet man die Schluss-Pointe sehr schnell, weil sonst alles Erzählte, das lediglich nur auf den Schluss hin arbeitet, keinen Sinn ergäbe. Da es sich hier wie dort um die selbe Schluss-Pointe handelt sollte man also unbedingt erst das Original gesehen haben, um überrascht zu werden. Aufgrund des haushohen Unterschiedes in Sachen Qualität und Unterhaltung sollte man dies aber ohnehin tun, bietet die US-Version doch eigentlich keinen wirklichen Sehwert.

Robin Hardys Regiearbeit hingegen, für das man Christopher Lee gewinnen konnte, dem man mit herrlich wirkender, ungewohnter Frisur gestilt seine Spielfreude geradezu ansieht, ist ein wahres Meisterwerk geworden, das eine unglaubliche Kraft auf den Zuschauer auszuwirken weiß. Schnell ist man am Geschehen interessiert, stets ist man trotz aller Kritik an seinem Verhalten an der Figur des Howies gefesselt, als Nichtchrist seine Auffassung von dem was Richtig oder Falsch ist zwar nie teilend, aber doch mit ihm um das Mädchen bangend, spätestens wenn man erkennt dass der Geisteszustand der Inselbewohner nicht im besten Zustand zu sein scheint.

Was wirklich ist erfährt man erst am Schluss. Auf der kleinen aber feinen Weisheit bauend „hinterher ist man immer schlauer“ wird dem Zuschauer plötzlich ein anderer Blick auf die Geschehnisse gewährt, die im Verlauf des Finales noch einmal den Fanatismus von Glauben aus allen Seiten quillen lässt, bevor ein konsequenter Schluss uns aus dem Film entlässt, der einem trotz all seiner aufblitzenden Belustigungen innerhalb einer ernsten Thematik nicht so schnell wieder loslässt, dürfte es doch keinen kalt lassen was man auf Spielfilmlänge miterleben musste.

„The Wicker Man“ beherrscht das Spiel mit dem Publikum perfekt. Buch und Regie wissen welche Hebel sie beim Zuschauer aktivieren müssen, um das gewünschte Ergebnis zu erreichen, was zeigt wie professionell man psychologisch gesehen vorgegangen ist. Eine hochinteressante Geschichte, die heutzutage Vorlage für eine reizvolle TV-Serien-Version sein könnte, wird unterstützt von allerhand talentierten Mimen, allen voran Edward Woodward als Howie, der überzeugend und augenzwinkernd zugleich spielt, und an den man sich bei einer Zweitsichtung auf andere Art klammern wird als beim ersten Sichten. Unbedingt ansehen! Am besten gleich zwei Mal!


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Dienstag, 19. Januar 2016

WAR OF THE WORLDS - GOLIATH (2012 Joe Pearson)


Ende des 19. Jahrhunderts verloren die Marsianer einen Eroberungsfeldzug gegen die Erde, da sie gegen irdische Bakterien nicht immun waren. 1914, einen Tag vor Beginn des ersten Weltkrieges, landen sie erneut. Zwar sind sie stärker als zuvor, die Menschheit jedoch auch, die viel von der Technologie der Marsianer gelernt hat. Die Kampfeinheit A.R.E.S. ist speziell für den Fall einer Rückkehr der Invasoren ausgebildet. Doch auch sie stößt im Kampf gegen die Außerirdischen an ihre Grenzen...


Sie sind wieder da...

Ähnlich wie „Wings of Honneamise“ ist die Co-Produktion von Malaysia, Amerika und Japan in einer fiktionalen Vergangenheit der Erde angelehnt, da die Menschen sich die Technik der Marsianer zu eigen gemacht haben, so dass Elemente der wahren Vergangenheit vermengt werden mit fiktionalen. So etwas weiß immer zu gefallen, klingt die Idee doch recht reizvoll. Ein Blick auf den Vorspann verspricht zudem eine liebevolle Umsetzung aufgrund der Kenntnisse die dort rund um den Stoff gezeigt werden.

Da spielt der erste Krieg zu Zeiten des legendären Romans von H.G. Wells, und die Coverversion eines der schönsten Lieder von Jeff Waynes 70er Jahre Hörspiel-Version untermalt die zu sehenden Standbilder, die an Motiven alter Buch-Cover angelehnt sind. Als Synchronsprecher konnte man zudem noch Adrian Paul gewinnen, der in der zweiten Staffel der TV-Serie „Krieg der Welten" einst die zweite Hauptrolle neben Jared Martin übernahm. Das klingt alles recht reizvoll.

Aber Ernüchterung macht sich bereits breit, wenn man die schlichte Grafik erblickt, die wie eine modern aufgebretzelte Version einer „Captain Future“-Folge aussieht. Hintergründe wie Figurenzeichnungen fallen äußerst schlicht aus. Am liebevollsten sind die Maschinen animiert, die mit dem üblichen heutigen Standard jedoch auch nicht mithalten können. Das ist zwar alles recht schade, würde dem Sehwert jedoch nur bedingt schaden wenn bei mangelnder Quantität die Qualität als positiv hervorstechen würde, doch das ist bei „War of the Worlds - Goliath“ leider ebenfalls nicht der Fall.

Zwar erinnert sich im Gegensatz zur charmanten TV-Serie aus den 80er Jahren die Menschheit an den vergangenen Krieg gegen die Außerirdischen, was der Glaubwürdigkeit der Geschichte einen großen Vorteil beschert, allerdings nutzt das wenig bei solch stereotypischer Umsetzung. Da alles aus militärischer Sicht erzählt ist, belauschen wir charakterlose gewissenhafte Soldaten bei ihrem Militärgeschwätz, was sich auf lange Zeit gesehen inmitten einer monotonen Handlung als ziemlich öde herausstellt. Möglichkeiten, wie das erste Auftauchen der Marsianer atmosphärisch zu gestalten, werden zu Gunsten billiger Actionsequenzen ausgelassen, so dass es nach einer kurzen Einführung keiner wahren Geschichte bedarf, um den Krieg zu beginnen, von welchem der ganze Rest der Story erzählt.

Erreicht die Kampftruppe um den Helden Welles endlich ein von den Außerirdischen besetztes Kraftwerk, taucht der Film ein wenig tiefer in die inhaltliche Materie ein, was zwar auch nicht viel mehr ist als ein Ankratzen der vorhandenen Möglichkeiten, aber nach halber Spielzeit guckt sich alles angenehm was mehr ist als eine reine Materialschlacht. Ab hier bleibt „War of the Worlds - Goliath“ zumindest routiniert interessant, arbeitet sich Richtung Showdown vor um nach diesem erst den richtigen Showdown zu präsentieren, und dann sind die 85 Minuten auch schon rum, deren Ende auf eine Fortsetzung spekuliert ohne dabei unvollständig zu wirken.

Mitgefiebert hat man bei all den hohlen Charakteren und der hölzernen vor Klischees nur so triefenden Dramaturgie freilich nie, aber guckbar blieb das lieblose Treiben immerhin doch, was aufgrund der vorhandenen Möglichkeiten trotzdem nicht vor einer Enttäuschung bewahren kann. Das Werk des Regisseurs Joe Pearson war sicherlich ein interessantes Experiment, aber es ist in die Hände übervorsichtiger Produzenten gelandet, die dann doch nicht wirklich etwas riskieren wollten. Der fertige Film ist frei von Ethik, Menschlichkeit und rationalem Denken ausgefallen, und damit ist er der Wirklichkeit eines Krieges zumindest geistig sehr nah gekommen.


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GOAL OF THE DEAD (2014 Benjamin Rocher u.a.)


Vor 17 Jahren musste seine Heimatstadt gegen Paris eine heftige Niederlage im Fußball einstecken, dann wurde Sam Lorit selbst Spieler in der Profi-Mannschaft von Paris. Nun kehrt er zurück zur längst überfälligen Revanche und ist als angesehener Verräter seiner Stadt dort überhaupt nicht willkommen. Als einer seiner ehemals besten Freunde und Gegenspieler bei den Vorbereitungen zum Rache-Spiel die falsche Chemikalie beim Doping einnimmt, verwandelt er sich in einen Zombie und steckt im Fußballstadion fast alle Spieler und Fans an. Die wenigen die entkommen können versuchen zu überleben...


Doping of the Dead...

Wenn es auf dem Spielfeld ebenso brutal zugeht wie auf den Zuschauerplätzen und Hooligans im Vergleich wie zahme Lämmer wirken, dann haben sich Zombies in Europas liebste Sportart eingeschlichen, so passiert in der französischen Horrorkomödie „Goal of the Dead“, die eigentlich ein Zweiteiler aufgeteilt in „erste Halbzeit“ und „zweite Halbzeit“ ist und in beiden Hälften von unterschiedlichen Regisseuren umgesetzt wurde. Zu erkennen ist ein Unterschied im inszenatorischen Stil zwischen beiden Teilen glücklicher Weise nicht, und immerhin erklärt diese Aufteilung die etwas ungewöhnliche Filmlänge von fast zwei Stunden, welche gerade in der ersten Stunde für manch kleine Längen im Geschehen verantwortlich ist.

Aufgrund des gelungenen Ergebnisses kann man über diese jedoch freundlichst hinwegsehen, erfindet „Goal of the Dead - Elf Zombies müsst ihr sein“ (unsinniger deutscher Titel) zwar das Genre weder aus Horrorperspektive noch im Komödienbereich irgendwie neu, aber die Figuren, die erst im Laufe der Zeit zu Persönlichkeiten werden, reißen da so einiges wieder heraus wie im englischen TV-Beitrag „Dead Set“. Dieser wie jener zieht das Zombieszenario konsequent am angegangenen Aufhänger durch, sprich Fußball bleibt im hier besprochenen Genre-Beitrag immer Teil der Geschichte, auch wenn wir hier logischer Weise keinem Zombie-Fußballspiel beiwohnen dürfen, wie es der deutsche Beititel uns einreden will. Wie soll das auch gehen? Was müssten das für Zombies sein? Sicherlich keine die man als Bedrohung ernst nehmen könnte.

Eine rasante Umsetzung mit erfreulich wenig Ruckeloptik, die richtige Dosis Komik (wenn im Vergleich auch weit entfernt vom Niveau eines „Shaun of the Dead“), sowie überzeugende Darsteller und Effekte unterstützen die ungewöhnliche Fußball-Thematik innerhalb eines Zombiefilmes. Das Drehbuch nutzt zudem die ein oder andere Möglichkeit zu mal mehr und mal weniger versteckten Seitenhieben auf die Wahrheit des europäischen Fußballs. So bekommen geldgeile Spieler und Manager ihr Fett ebenso weg wie veraltet denkende Idealisten, die mit der Fußball-Realität so wenig zu tun haben wie die Zombies selbst.

Zudem ist es sicherlich kein Zufall, dass die Apokalypse, wenn auch zufällig anstatt abgesprochen, erst durch das Zusammenspiel von Doping und Hooligans zum Ausbruch kommt, also genau durch jene zwei Elemente, die ein spannendes Spiel ohnehin stets kaputt machen können. Ganz nebenbei, auf Fußball-Thematik eingebracht ohne dass die Kritik nicht auch in anderen Bereichen fruchten kann, bekommen all die Hinterwäldler eins auf den Deckel, welche die Schuld auf andere schieben, dass aus ihrem Leben nichts geworden ist.

So ist es schön mit anzusehen, wie jede Seite eins auf den Latz kriegt, freilich weit entfernt von Political Correctness, gleichzeitig glücklicher Weise aber auch nicht so extrem auf provozierend blutige Komik getrimmt wie die Langeweiler „Dead Snow“, „Doghouse“ und „Stalled“. „Goal of the Dead“ schafft es trotz geringem Individualitäts-Bonus immer genau die Kurve zu kriegen um niemals zu langweilig oder zu gewöhnlich zu wirken, was freilich nur wirkt wenn man mit den Figuren etwas anfangen kann, mit denen der Film steht und fällt. Da diese den Autoren so wichtig waren wie mir selbst, ohne dass im Ergebnis gleich eine Charakterstudie abgeliefert wurde, mag ich den Zweiteiler. Mögen Dramaturgie und Spannungsaufbau auch stark reduziert vorhanden sein, so wissen sie in der kleinen enthaltenen Dosis doch trotzdem zu wirken, innerhalb eines Plots der nie zu dumm und gleichzeitig nie zu verkopft daher kommt. Und nur um das zum Schluss noch klar zu stellen: ich interessiere mich nicht sonderlich für Fußball. Man kann den Film also auch mögen ohne Fußball-Fan zu sein.


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Donnerstag, 14. Januar 2016

LIMONADEN JOE (Limonádový Joe aneb Konská opera 1964 Oldrich Lipský)


Die junge Winnifred und ihr Vater eröffnen eine Bar in der ausschließlich Limonade ausgeschenkt wird. Seit der weißgekleidete Fremdling Limonaden-Joe in der Stadt aufgetaucht ist und bewiesen hat wie toll man im nüchternen Zustand schießen kann, ist jeder Cowboy verrückt nach dem Getränk. Bis auf Badman, den Besitzer des ehemals so florierenden Saloons, der die Leute zurück zum Whiskey locken möchte. Zusammen mit seinem frisch zugereisten verbrecherischen Bruder schmiedet er einen Plan gegen Winnifred und Limonaden-Joe...


Die glockenhelle Stimme der Vernunft...

„Limonaden-Joe“ ist in seiner auf klassische Stummfilm-Komödie gedrehte Art ein fast schon penetrant schriller Film der Komik, der sich die beschleunigten Bilder, die zur Aussagekraftunterstützung eintönige Einfärbung des Schwarz-Weiß-Materials und die schlichte Gut-Böse-Kombination des klassischen Westerns zunutze macht, um mit voller Wucht das Genre der Lächerlichkeit Preis zu geben. Ob da eine bösartige oder freundschaftlich verbeugende Absicht hinter steckt lässt sich nicht erkennen, der Stoff selbst ist jedoch äußerst charmant umgesetzt bei so viel Treffsicherheit und herzerfrischender Übertreibung.

Allerdings schwankt der Klamauk immer zwischen dem sympathisch durchdachten und dem penetrant nervigen. Eine Pause gönnt Regisseur Lipský dem Zuschauer nie. Das erahnt man bereits bei der ersten Szene, die uns eine wüste Barschlägerei in solch flottem Tempo mit so arg vielen gesetzten Schnitten aufzeigt, dass man nur schwer wirklich über die vielen sympathischen humorvollen Ideen schmunzeln kann, so schnell wie diese abgearbeitet und durch das beschleunigte Bild dem Auge vorgesetzt werden.

Damit ist „Limonaden-Joe“ für mich ein zweiseitiges Schwert. Auf der einen Seite weiß er genau was er auf welche Art parodieren möchte, auf der anderen Seite wirkt er wiederum zu unsensibel umgesetzt. Wer die erste halbe Stunde übersteht, der gewöhnt sich so langsam an die anstrengende Sehgewohnheit. Und wenn mit der Zeit deutlich mehr Inhalt in die chaotische Chose bricht, lässt dies „Limonádový Joe aneb Konská opera“ (Originaltitel) auch wesentlich angenehmer gucken. Aber selbst dann bleibt mir persönlich diese Western-Komödie zu anstrengend. Ich kann da beim besten Willen nicht objektiver drüber berichten.

Interessant ist hingegen der Weg mit dem man den klassischen Western parodiert. Das Thema Alkoholverzicht zur völlig weltfremden Gut-Böse-Trennung zu nutzen, erfüllt den Nebeneffekt ebenso über die Werbung und der leichten Beeinflussung des einfachen Bürgers durch diese sich lustig zu machen. Wer streng sein will, der kann Limonaden-Joe und seinen Freunden vorwerfen keinen Deu besser zu sein als seine Gegner. Einzig die Moral unterscheidet sie, und Moral macht noch keinen guten Menschen. Das weiß jeder Freund gepflegter Krimiunterhaltung.

In „Limonaden Joe“ wird viel gesungen. Die Lieder wurden in der deutschen Fassung ebenfalls eingedeutscht, und dies ist so geglückt wie die Rest-Synchronisation, die so einige berühmte Sprecher vorzuweisen hat. Dass der Film nicht erst mit der Übersetzung zum lustigen Ergebnis umfunktioniert wurde, wie es so einigen Spencer/Hill-Werken angetan wurde, erkennt man am völlig überzogenen, albernen Spiel aller Mimen und der herrlich behämmerten Ideen wie man per Übertreibung Gut und Böse im Alltag erkennen kann. Der Bösewicht trinkt Säure und frisst sein Glas danach auf. Der Gute kleidet sich komplett in Weiß, verzichtet auf Alkohol und schießt so perfekt wie Lucky Luke.

Wie bereits erwähnt kann das alles durchaus unterhalten, sofern man vom Inszenierungsstil nicht so erschlagen wird wie ich. Aber da das bei mir nun einmal der Fall war, kann ich das fertige Werk trotz vieler treffsicherer humoristischer Elemente nicht wirklich empfehlen. Wen die Hektik der Erzählung nicht all zu sehr stört, die, wie ich zu erkennen weiß, durchaus bedacht gewählt wurde, der könnte jedoch einen wahren Glückstreffer der Western-Parodie für sich entdeckt haben. Ich würde es dem Film gönnen, wenn er seine Fan-Gemeinde besitzen würde.


Mittwoch, 13. Januar 2016

DER MANN, DER VOM HIMMEL FIEL (The Man Who Fell to Earth 1976 Nicolas Roeg)


Ein Außerirdischer landet auf der Erde, nennt sich Newton, nutzt sein Wissen für neue, bedeutende Patente und baut mithilfe dieser eine erfolgreiche Firma auf. Sein eigentliches Ziel ist es seinen Heimatplaneten vor der Wasserknappheit zu erretten. Als er seine Aufgabe fast erfüllt hat, kommen seinen Plänen Verrat und Korruption in die Quere...


Ein Außerirdischer ist auch nur ein Mensch...

„Der Mann, der vom Himmel fiel“ gehört zu jenen Filmen, die ich unglaublich gerne gut finden würde, mag ich ihn doch, obwohl er mich nicht überzeugen konnte, was kaum zu glauben ist. Immerhin ist der von Nicolas Roeg inszenierte Streifen handwerklich professionell umgesetzt, immer pendelnd zwischen fast hypnotischem Schwebezustand, gesellschaftskritischer Bodenständigkeit, empathischer Emotionalität und rationaler Beobachtungsgabe. Ein stimmiger Soundtrack und überzeugende Mimen sorgen für den Rest.

Roegs Werk ist jedoch ebenso wie sein „Wenn die Gondeln Trauer tragen“ viel zu lahmarschig umgesetzt, was ich zwar üblicher Weise als Pluspunkt des 70er Jahre-Kinos zähle und was auch sowohl zum erzählten Stoff als auch zur Restinszenierung passt, aber „Der Mann, der vom Himmel fiel“ tritt zu oft auf der Stelle, was in seiner absichtlich umständlich gewählten Erzählform nicht nur äußerste Konzentration vom Zuschauer erwartet, was ich vollkommen in Ordnung fände, diese Vorgehensweise aber auch zu nutzen scheint, um sich in seinem intellektuellen Zustand zu suhlen.

So treffsicher die Aussagen gesetzt sind, die man erst einmal für sich entdecken muss, da sie einem lobenswerter Weise nicht auf dem silbernen Tablett serviert werden, ich hatte immer wieder das Gefühl, dass sich Roeg in dieser andersartigen Inszenierung intellektuell aufgeilt. Und damit wirkt mir das Ergebnis zu gewollt. Ein moralischer Schluss wertet das Gesamtergebnis noch einmal ab, zumal mir die letzten 20 Minuten eigentlich überhaupt nicht mehr gefallen haben, mit Ausnahme des sehr direkten, fast kindlichen Bittens des Aliens ihm nicht weh zu tun. So etwas wirkt für mich viel intensiver, ehrlicher und authentischer als die arrogant scheinende Kunstverkleidung eines Stoffes, der zwar tiefgründig ist, dies aber auch gewesen wäre, wenn er sich nicht so geradezu penetrant vor der Zuschauernähe gescheut hätte.

Oftmals funktioniert dieser künstleriche kopflastige Ansatz durchaus und schafft es einen gar in eine Art Rausch zu versetzen, was man ja irrtümlich erst einmal eher einem geistlosen Bilderrausch zutrauen würde. Roeg beweist, dass dies kein Widerspruch sein muss. Und über einige lange Phasen gefällt mir sein Ergebnis auch richtig gut, manches Mal auch in der von mir kritisierten extremen Langsamkeit. Aber als Gesamtwerk will mir „The Man Who Fell to Earth“ (Originaltitel) leider einfach nicht gefallen, trotz seiner vielen Pluspunkte, zu denen auch die Wahl der Hauptrollen-Besetzung gehört, gibt David Bowie doch glaubwürdig eine Andersartigkeit wieder, ohne dass man gleich von einer überragenden schauspielerischen Leistung sprechen müsste. Bowie wirkt einfach.

Was mir gefällt ist der in der Luft schwebende Gedanke, dass das Gute in der Welt nur isoliert vom Rest fruchten könnte. Ein Erfolg bleibt ihm in der Realität nicht gewährt, weil dies geradezu unlogisch wäre. Ab da wo vollstes Vertrauen ins Geschehen tritt, ist es vorbei mit dem Erreichen Newtons Ziele. Vertrauen und eine zu dominante Präsenz in der Öffentlichkeit werden zu Fehlern. Der Weg zum Ziel hätte stiller und versteckter stattfinden müssen. Und selbst dann bliebe die Frage im Raum, wie lange man etwas versteckt halten kann, bevor die Isolierung sich auflöst und Teil des traurigen Gesamten wird.

Der anspruchsvolle Gehalt des Streifens weiß zu wirken. Aber leider verennt sich „Der Mann, der vom Himmel fiel“ meiner Einschätzung nach zu oft in zu gewollter Kunst und Pseudo-Intellektualität, was auf der anderen Seite aber immerhin verhindert dass der emotionale Part nie an Kitsch grenzt. Kaum auszumalen was aus dem Stoff in den Händen der Disney-Studios geworden wäre. Dagegen ist das zu gewollt anspruchsvolle Ergebnis wie erzielt definitiv zehnfach vorzuziehen.

Ich mag den Film, weil er so abseits des Mainstreams inszeniert ist und weil er so liebevoll und verschroben umgesetzt ist. Ich mag ihn weil er das Publikum herausfordert und nicht einfach nur plump bedient. Und ich mag ihn für seine Optik und seinen Sound. Aber 20 Minuten hätte man locker kürzen können, um dem Ergebnis die angenehme Art langsamen Erzähl-Kinos der 70er Jahre zu bescheren. So aber, gepaart mit den mir zu gewollt scheinenden Aspekten, bleibt Roegs Werk für mich nur ein theoretisch geglückter Film - leider.