Samstag, 30. April 2016

DAS GEHEIMNIS DER GELBEN NARZISSEN (1961 Ákos Ráthonyi)


Immer wieder werden ermordete Damen aufgefunden, denen man gelbe Narzissen auf den Körper gelegt hat. Ein Spezialist von Scotland Yard stößt zur Unterstützung von Oberinspektor Whitesides Ermittlungen hinzu, begleitet von einem asiatischen Bekannten...


Alte chinesische Weisheit: deutsche Bliten sind die untelhaltsamelen Bliten...

Nur zwei Jahre nachdem mit „Der Frosch mit der Maske“ die Edgar Wallace-Reihe von Rialto startete, versuchte man sich an einer deutsch/britischen Zusammenarbeit, indem man einen gemeinsamen Film produzierte, der für das jeweilige Land jedoch mit verschiedener Prominenz besetzt wurde, so dass diverse Szenen doppelt gefilmt wurden. Dass bei solch finanziorientiertem Denken der Zuschauer auf der Strecke bleibt, braucht nicht zu überraschen, ist „Das Geheimnis der gelben Narzisse“ doch tatsächlich einer der wenigen Beiträge der Reihe, der durch gar nichts zu gefallen weiß.

Der Kriminalfall reißt nicht vom Hocker, die Inszenierung ist träge, und die Optik ist eine Beleidigung. Das Set-Design stellt uns drei Tische hin um uns einen Nachtclub zu präsentieren, und eine billig im Studio gedrehte Verabschiedungsszene an einem Zug ist so schluderig umgesetzt, dass die Illusion sich an einem echten Bahnhof zu befinden, gar nicht erst möglich ist. Der unterforderte Christopher Lee darf in seiner dümmlichen, wie nervigen Rolle, optisch zum Asiaten zurecht gemacht, kein Charisma versprühen. Und Joachim Fuchsberger hat auch schon mal besser ausgesehen, wirkt würdelos und klein, nicht einmal seine Haare wirken gekonnt frisiert. Klaus Kinski wird uninteressant in Szene gesetzt, auch hier vernachlässigten die Verantwortlichen für Kostüm und Maske ihre Arbeit.

Dass „Das Geheimnis der gelben Narzissen“ zudem unglaublich langweilig ausgefallen ist, ist bei solch üblen Umständen fast schon eine Erleichterung, wäre doch alles andere nur Perlen vor die Säue gewesen. So aber geht zumindest alles gemeinsam den Bach herunter, selbst für jemanden wie mich, der stets Freude mit den damaligen Filmen der harten Welle hatte, selbst bei mittelmäßigen Produktionen. Zumindest die amouröse Theatervorstellung einer leichten Dame im Umgang mit einem Polizisten lockert das dumpfe Geschehen kurzfristig auf. Verglichen mit dem ein Jahr später in „Das Gasthaus an der Themse“ präsentierten musikalischen Auftritt von Elisabeth Flickenschildt bleibt aber selbst der blass.

Fast schon bekommt man das Gefühl der Film wurde absichtlich gegen die Mauer gefahren. Zumindest habe ich es als extrem ärgerlich empfunden, welch schwache Vorstellung Walter Grotell als Oberinspektor von sich gibt. So ein offensichtlich desinteressiertes Spiel habe ich in einer Kinoproduktion noch selten erlebt. Vielleicht hat er aber auch einfach nur erkannt in welch uninspiriertem Wallace-Film er gelandet ist. Da kann ich ihn schon fast verstehen. schlecht


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GOLDENE ZEITEN (2006 Peter Thorwarth)


Der Golfclub-Präsident Jürgen Matthies ist pleite und möchte mit einem Tournier für angeblich wohltätige Zwecke seine Schulden bezahlen. Als Prominenz wird der amerikanische Schauspieler Douglas Burnett eingeflogen. Ingo Schmitz, der für diesen Teil des Geschäfts zuständig ist, erschwindelt sich jedoch ebenfalls Geld, indem er einen Bekannten Burnett doubeln lässt. Auftragskiller, ein Zuhälter und viele andere unerwartete Faktoren machen den beiden Plänen jedoch einen Strich durch die Rechnung...


Zu viel Raum anstatt passend gemacht...

Während „Bang Boom Bang“ und „Was nicht passt, wird passend gemacht“ trotz ihrer unterschiedlichen Schwerpunkte recht gut miteinander harmonieren, will der dritte Teil von Thorwarths Unna-Trilogie nicht wirklich zu den Vorgängern passen. Das liegt sicherlich unter anderem daran, dass das Klientel von dem der Film handelt ein völlig anderes ist. Ob arbeitslose Gammler und Kriminelle, oder der kleine Arbeiter von nebenan, die ersten beiden Filme arbeiteten mit den einfachen, ungebildeten Menschen, meist mit Proleten verschiedenster Art, „Goldene Zeiten“ widmet sich nun den Golf-spielenden Besserverdienern, eine Gesellschaft die im zweiten Teil der Reihe zwar bereits angerissen wurde, hier aber nun von Seiten der Unternehmer und Karriere-geilen Leute gezeigt wird, quasi der High Society Unnas, die nicht weniger kriminell ist als der Personenkreis der Vorgänger.

Auch wenn gerade die Komik mit den Asis der Gesellschaft so viel am Funktionieren der ersten beiden Teile ausgemacht hat, so ist die Idee sich nun der dritten Gesellschaftsschicht zum Abschluss zuzuwenden eine gar nicht mal schlechte. Nur leider wollte Thorwarth diesmal wohl völlig andere Wege beschreiten. Anders ist es nicht zu erklären, dass er den überraschend angenehmen Weg aus dem Mittelteil der Trilogie, sich den charmanten Unnötigkeiten am Rande der Hauptgeschichte zuzuwenden, komplett außer Acht lässt und diesen nun vollends streicht für eine arg konstruierte Geschichte, die im kriminellen Bereich für das Spießertum gerne das wäre, was „Bang Boom Bang“ für die Asis ist.

Mit einem pointenreicheren Drehbuch hätte vielleicht sogar das funktioniert. Aber „Goldene Zeiten“ kommt arg verkrampft daher, zeigt deutliche Startschwierigkeiten, bevor der Zuschauer sich erst nach etwa einer halben Stunde halbwegs für das Szenario interessieren kann, aber selbst dann wird aus dem dritten Streich kein wirklich unterhaltsames Werk, so witzarm wie das Ganze ausgefallen ist.

Die Lauflänge von über zwei Stunden macht die ganze Sache freilich nicht besser. Und so darf man einer viel zu lang gezogenen, nur halb interessanten Geschichte beiwohnen, die zwar recht ordentlich verästelt ist und mit bekannten, wie sympathischen Darstellern besetzt wurde, der aber der bürgernahe und verspielte Charme der Vorgänger fehlt. Das Didi-Feeling fegt überhaupt nicht mehr durch den Film. Ein Kampmann, Jr.-Wiedersehen ernüchtert eher anstatt zu begeistern, und da der Part von Ralf Richter diesmal arg klein ausgefallen ist, weiß auch er nichts zu retten.

Sehr geduldige Zuschauer werden sicherlich bis zum Ende durchhalten. Aber es fällt schwer bis zum Schluss dranzubleiben, obwohl interessante Elemente in die Geschichte eingewoben sind, deren Ausgang man als neugieriger Mensch miterleben möchte. „Goldene Zeiten“ ist sicherlich nicht so schlecht wie es sich lesen mag, aber er ist nicht nur inkompatibel mit dem Rest der Ruhrpott-Trilogie, auch als eigenständiges Werk besitzt er zu viele Längen und zu wenig Pfiff um über ein Mittelmaß herauszuragen. Schade, gerade nach Teil 2 hatte ich mir in Zeiten genormter Drehbücher wesentlich mehr von einem Geschichtenerzähler erhofft, der ohne Nostalgie den Wind jener vergangenen Kinotage hat aufwehen lassen, als Kinogeschichten noch nicht bestimmten Regeln unterworfen waren. Vielleicht gibt es für so etwas aber auch einfach keine Geldgeber mehr. mittelmäßig


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JUAN OF THE DEAD (Juan de los Muertos 2011 Alejandro Brugués)


Zwei Überlebenskünstler wachsen während einer Zombieepidemie über sich hinaus...


Zombies in Kuba...

Von dem für unsere Augen ungewohnten Spielort Kuba einmal abgesehen, der für ein paar sozialistische Seitenhiebe gut ist, unterscheidet sich „Juan of the Dead“ kaum von den vielen anderen Zombie-Komödien, die um die Gunst der Zuschauer mit meist blutrünstigen und albernen Gags buhlen. Regisseur Brugués ist sichtlich bemüht dem großen Vorbild „Shaun of the Dead“ nachzueifern, doch fehlt ihm ebenso wie „Doghouse“, „Stalled“, „Cockneys vs. Zombies“ und Co das über allem schwebende Niveau, welches das kunterbunte makabere Treiben Stil und Intelligenz beschert.

Zwar finden sich in „Juan de los Muertos“ (Originaltitel) einige herrlich witzige Momente und einfallsreiche Ideen, die gerade in der Vorgeschichte vor dem großen Zombieausbruch zu gefallen wissen, aber die Power ist schnell aufgebraucht, und man findet sich als Zuschauer schnell erneut im Genre-Standard wieder, immer mal aufgebrochen von einigen gelungenen Restideen. Letztendlich ist „Juan of the Dead“ viel zu schnell und laut ausgefallen, als dass er es mit dem großen Vorbild wirklich aufnehmen könnte. Mit Alltagsgegenständen ungewöhnliche Zombietötungsmethoden zu präsentieren war nun einmal nicht der Löwenanteil der Klasse von „Shaun of the Dead“, hier baut man hingegen sehr stark auf sie.

So ist es dann auch die einzig wirklich ruhige Szene des Films, die mittendrin etwas von jenem Niveau aufzeigt, das man hätte erreichen können wenn man mehr Mut zur Stille, bzw. zum Schritt zurück, gewagt hätte. Wenn Juan auf dem Dach seinem Freund beisteht, der ein letztes Mal den Sonnenuntergang sehen möchte, bevor auch er sich verwandelt, dann treffen hier Tragik und sprudelnde Komik aufeinander, und auch die eher kurz gehaltenen Charaktere bekommen endlich die nötige Tiefe sich mit ihnen zu identifizieren. Ist diese wundervolle Szene vorbei, driftet der Film auf seinen mittelmäßigen Standard zurück, nicht ohne weiterhin hin und wieder tolle Momente zu bieten, aber eben nicht genug um als wirklich unterhaltsame, amüsante Zombiekomödie zu funktionieren, und sei es nur auf dem simplen Niveau eines „Zombieland“ oder „Wasting Away“.

Leider liegt es auch an Hauptdarsteller Alexis Díaz de Villegas, dass mir der Film nicht wirklich munden will, besitzt er doch nicht die nötige Ausstrahlung um den Film tragen zu können. Da fehlt mir das gewisse Charisma, der nötige Loser-Charme, geschweige denn das nötige Schauspieltalent um ihn als zentrale Figur gutzuheißen. Als Tagedieb weiß er immer wieder zu wirken, aber immer dann wenn „Juan of the Dead“ auf die Coolness seines Titelhelden setzt, ein ohnehin schon unangenehmer Teil der Inszenierung, kommt das schwächlich gebaute Persönchen zu wirkungslos daher. Mag sein dass der Effekt aus Mentalitätsgründen bei Kubanern ankommt. In unserer Kultur wirkt Juan jedoch nur wie ein dünnes Hemd.

„Juan of the Dead“ hat seine Momente und besonderen Ideen, das will ich ihm gar nicht abstreiten. Und gerade der Anfang ist sehr schön und erfrischend anders erzählt als die Stangenware aus Amerika. Aber es dauert nicht lange bis aus dem Film der übliche Einheitsbrei wird, so dass nur geduldige Stammzuschauer des Genres aufgrund der auffrischenden, individuellen Bonusmomente reinschalten sollten, oder gar jene Filmfreunde, welche etwas mit den von mir genannten, weniger geglückten Horror-Komödien anfangen können. Die werden sich sicher auch über diesen kleinen Film freuen. mittelmäßig


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BANG BOOM BANG - EIN TODSICHERES DING (1999 Peter Thorwarth)


Sein Partner Kalle sitzt nach einem gemeinsamen Banküberfall im Knast. Keek wird von ihm für 90 % der Beute nicht verpfiffen. Die Kohle hat Keek inzwischen verwettet, da steht Kalle unverhofft ein paar Jahre früher vor der Tür als erwartet, ausgebrochen aus Eifersucht. Der fordert nun seinen Anteil ein. Keek kann ihn für einen Tag vertrösten und begeht zusammen mit seinem besten Kumpel Andy, dem Versager Schlucke und dem Ganoven Ratte einen Einbruch beim allseits verhassten Unternehmer Kampmann, um das Geld aufzutreiben...


Eingelocht...

Mit „Bang Boom Bang“ startete Regisseur und Autor Peter Thorwarth seine Ruhrpott-Trilogie. Die Verspieltheit unnötiger Abschweifungen, welche dem Plot erst den nötigen Charme beschert, ist noch nicht so ausgereift wie im Folgewerk, aber bereits hier Trumpf, die dort so enorme Gag-Dichte hingegen im Erstling überhaupt nicht nötig, lebt der Film doch hauptsächlich von seinen witzigen Charakteren, und besitzt „Bang Boom Bang“ im Gegensatz zum Baustellenfilm doch eine unglaublich pfiffig erzählte Geschichte, die gekonnt über Umwege erzählt wird und deren Fäden sich nach und nach immer deutlicher zu einem Gesamten verdichten.

Ich habe keine Ahnung wie es Thorwarth geschafft hat für seinen ersten Langfilm so viel Prominzenz an Bord zu holen, sieht man aber mit wieviel Freude an deutschen Klischees sie ihre Charaktere geradezu verspielt zum Leben erwecken, erkennt man wie gut allen das Projekt gefallen haben muss. Diether Krebs mimt den als Chef geborenen Oberproll Kampmann, Lindenstraßen-Benny Christian Kahrmann spielt dessen herrlich dümmlichen Sohn, eine Rolle die er noch zwei Mal wiederholen sollte, Ralf Richter spielt fern jeder Realität völlig überzogen den aggressiven Oberasi, und man dankt es ihm, und Martin Semmelrogge muss man in seiner grandiosen Darbietung des tragikomischen Verlierers Schlucke erst einmal erkennen, so wunderbar erbärmlich wurde er von der Maske zurecht gemacht.

Sie zusammen mit den eigentlichen Helden des Filmes, gespielt von Oliver Korittke und Markus Knüfken, sowie diversen Gaststars, von welchen das herrlich absichtlich schlechte Schauspiel von Til Schweiger der witzigste Part darstellt, hauchen der intelligent erzählten Geschichte voller skurriler Situationen, charmanter Unmöglichkeiten, deutscher Charaktere der Moderne und Ganovenklischees Leben ein und formen es zu einem Liebhaberstück der deutschen Komödie, das nicht zufällig zu einem Kultfilm wurde.

Thorwarth beherrscht die perfekte Mischung aus Gangsterstory, lautem und leisem Humor, dem nötigen Hauch Dramatik und dem Gefühl für interessante Charaktere und Situationen, so dass die eigentlich so stillos klingende Story um einen Haufen Asis und Proleten zu einem niveauvollen komödiantischen Erlebnis wird, in einer Verspieltheit umgesetzt wie die damaligen Kinofilme Hallervordens. „Bang Boom Bang“ dürfte den meisten Zuschauern besser munden als der etwas spezieller ausgefallene Folgefilm „Was nicht passt, wird passend gemacht“, bietet er doch sowohl etwas für Sonderlinge und große Kinder, als auch für den Massengeschmack. Ein Hauch Mainstream weht dennoch nie, dafür besitzt die Erzählung zu viel Persönlichkeit. sehenswert


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Montag, 25. April 2016

INTERSTELLAR (2014 Christopher Nolan)


Die Erde stirbt. Bald kommt die Zeit in welcher der Mensch auf ihr nicht mehr existieren kann. Schweren Herzens tritt der Familienvater Cooper, der einst Pilot bei der NASA war, eine Reise in den Weltraum an, bei welcher die Crew mit Hilfe eines unerwartet aufgetauchten Wurmloches drei mögliche Planeten aufsuchen soll, auf denen ein Weiterleben möglich wäre...


Eine Stunde wird zu sieben Jahren...

Zu dem umstrittenen Regisseur Christopher Nolan kann man stehen wie man will, interessant fallen seine Werke alle aus, die geglückteren genauso wie die weniger geglückten. Der gute Mann schafft es immer wieder reizvolle Stoffe an Land zu ziehen und aus diesen durch eine komplexe Vertiefung und einer wuchtigen Umsetzung ein aufregendes Erlebnis für den Zuschauer zu gestalten. Leben haucht er seinen Filmen jedoch nur bedingt ein, kann ich dem ihm häufig entgegengebrachten Vorwurf seine Geschichten zu formelhaft umzusetzen doch zustimmen, zumal sich keines seiner Werke je Zeit nimmt von Dingen zu erzählen, die später nicht wichtig werden würden. Alles muss kompakt aufeinander abgestimmt sein. Da das Leben aber so nicht funktioniert, bleibt so immer eine gewisse Leere enthalten, auch in den ansonsten wirklich geglückten Filmen.

Neben „The Dark Knight“, „Memento“ und „Inception“ zählt „Interstellar“ meiner Meinung nach zu diesen sehenswerten Beiträgen des Regisseurs. So innovativ wie die Geschichte auf die junge Generation Cineasten wirken mag, ist der Stoff freilich nicht wirklich. Aktuell denke man nur an „Gravity“, im Mainstreambereich an „Kampfstern Galactica“, am naheliegendsten jedoch an „Contact“, der die meisten Parallelen zum hier besprochenen Werk aufweist. Das beginnt mit der Anwesenheit des Schauspielers Matthew McConaughey, der hier ins All fliegt, in dem anderen Film Jodie Fosters Rolle daran hindert selbiges zu tun. Das geht weiter mit dem Flug ins All, inklusive der Idee eine Fremdhilfe hierfür von wem Unbekanntes zu erhalten, und durch die wissenschaftliche Nähe beider Werke sind freilich auch die Spielereien mit der Relativität in beiden Filmen vorhanden. Allerdings besitzen sie auch beide den Hang gegen Ende in den Esoterikbereich abzurutschen, was der Vergleichsfilm besser verarbeitet als es „Interstellar“ tut.

Dennoch fallen beide Werke recht unterschiedlich aus, und „Interstellar“ bezieht seine Stärken auch meist aus den nicht aus „Contact“ übernommenen Ideen, so dass am Ende beide Genre-Beiträge sehenswert sind. Nolan besitzt die Gabe fremde Welten aufregend in Szene zu setzen, und das ist für eine Geschichte wie diese ungeheuer förderlich, in welcher sich immer wieder die Schauplätze ändern. Der Weltraumflug ist so inszeniert als würde man mitten drin sitzen, die verschiedenen Welten sind einfallsreich und durchdacht umgesetzt, besonders gut hat mir jedoch das Zukunftsbild der Erde gefallen, welches mit simplen und dadurch nachzuempfindenden Mitteln aufzeigt auf welche Art der Planet für den Menschen unbewohnbar wird.

Lediglich der Flug ins Schwarze Loch hat mir nicht gefallen, ist es doch jener Part der mir wie gesagt viel zu esoterisch ausgefallen ist, was einen enormen Sprung bedeutet in einer ansonsten so wissenschaftlich orientierten Erzählung, die selbst auf die Kinotradition verzichtet, dass Geräusche im Weltraum möglich wären. Urplötzlich spinnt sich Nolan einen Unfug zurecht, so als ob das Leben lediglich in einem Miniuniversum stattfinden würde, an dem nur wenige Menschen beteiligt sind. Zufälle häufen sich und lassen den Zuschauer irritiert und verärgert zurück. Ist diese Phase aber endlich überstanden folgt noch ein letzter Akt, der wieder so geglückt und einfallsreich ausgefallen ist wie alles vor dem Tiefpunkt. Somit geht bei einer Laufzeit von fast drei Stunden nicht viel verloren. Das ist zu verkraften, zumal der Rest von einer solch großartigen Umsetzung gestützt wird.

Auch die Schauspieler sind meiner Meinung nach gut gewählt und schaffen es dem an sich eher steril wirkenden Film emotionale Tiefe zu verleihen, so sehr sogar, dass dramatische Momente tiefe Trauer im Zuschauer entfachen können. Der Nolan-Stammschauspieler Michael Caine schafft das in seiner letzten Szene ebenso wie es jeglicher Moment mit McConaugheys Filmtochter schafft, egal ob im Kinder- oder im Erwachsenenalter. John Lithgow ist endlich wieder gegen den Strich besetzt und weiß auch hier in seiner kleinen Rolle zu überzeugen. Unter geht aufgrund seiner unbedeutenden Rolle leider lediglich der talentierte Topher Grace, dem unbedingt mal wer eine wahre Chance in einer Hauptrolle bieten sollte.

„Interstellar“ ist aufregendes Kino, das ich daheim am Fernseher gesehen habe, und selbst dort war sein Effekt umwerfend, so dass ich davon ausgehe dass das Sichten auf der großen Leinwand eine wahre Wucht gewesen sein muss. Die typischen Nolan-Krankheiten sind wieder mit an Bord, werden aber durch die gute Besetzung weitestgehenst ausgebügelt. Zudem sind es aber auch Nolans Stärken die den Großteil des Filmes stemmen, so dass man lediglich aus einer verwöhnten Perspektive heraus meckern kann. Denn eigentlich hat der Regisseur mit diesem Abenteuer dem Zuschauer einen wahrhaftig wirkenden Ausflug ins Weltall geboten und damit einen unglaublich aufregenden Film. sehenswert


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Sonntag, 24. April 2016

VANESSA (1977 Hubert Frank)


Klosterschülerin Vanessa wird Alleinerbin des reichhaltigen Besitzes ihres verstorbenen Onkels. Sie reist nach Hongkong um das Erbe anzutreten und findet sich in einer Welt wieder, in der Sexualität allgegenwärtig ist...


Das schenkelöffnende Klima...

Mit Tocata steigt man musikalisch in den Film ein, danach mixen sich klassische Musik mit moderner um „Vanessa“ zu untermalen, das weiß zu gefallen. Aber immer dann wenn der Erotikstreifen bemüht sinnlich werden möchte, legt man den schrecklich unsensiblen Schlager Vanessa über das Bild und vorbei ist jede Chance des Vorhabens.

Es ist aber nicht allein der immer wieder auftauchende Schlager, der sich „Vanessa“ nicht entfalten lässt. Die einzelnen Szenen sind stets nur Ausrede für eher langweilig inszeniertes Gefummel. Was in der einen Szene wichtig war, wird bedeutungslos für den Rest des Filmes. Ganz egal ob es um Intrigen, Magie, Schmerz oder Sehnsucht geht, nichts wird konsequent verfolgt, so dass „Vanessa - Die Bordellchefin von Hong Kong“ (Alternativtitel) von einer Episode zur nächsten hüpft, bis er den Zuschauer schließlich gnädig aus dem Film entlässt - vorausgesetzt der hat noch nicht abgeschaltet.

Ob Erotik oder anderweitige Quantitäten, wie die Bestrafung in einem Kloster oder das angebliche Verspeisen von Affenhirnen, „Vanessa - Die Bordellchefin von Singapur“ (Alternativtitel) ist einzig reißerisch umgesetzt und versetzt sich nie intensiv genug in die Lage der Titelheldin, als dass dieses Nichts an Story so intensiv und sanft wirken könnte, wie es zum Beispiel ein unterschätzter „Erste Sehnsucht“ schaffte.

Allerdings muss man „Vanessa“ die mutige Idee zu Gute halten, dass die Titelheldin an sexuellen Erfahrungen desinteressiert ist, selbst dann wenn sie geschehen. Somit handelt Hubert Fanks Werk eigentlich von einer sexuell desinteressierten Frau, die aus Hongkong flüchtet, da sie sich dort ständigen amourösen Aufdringlichkeiten ausgesetzt sieht. Ob ein Anti-erotischer Aufhänger jedoch die richtige Wahl für einen Erotikfilm ist sei einmal dahingestellt. Zumindest macht diese ungewöhnliche Idee auch aus einem anderen Blickwinkel betrachtet aus „Vanessa“ keinen interessanten Film. Ich fand ihn arg bemüht, lieblos abgefilmt und frei jeglicher Reize. schlecht


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DETACHMENT (2011 Tony Kaye)


Der zur Zeit für eine Ghettoschule arbeitende Aushilfslehrer Henry bleibt nie lange an einem Ort, engagiert sich für seine Schüler, nimmt Probleme jedoch nie mit nach Hause oder lässt sie zu nah an sich heran. Der Alltag in der Schule ist kaum zu bewältigen, einige wenige Lehrer halten desillusioniert noch durch. Auch der Alltag für Henry ist nicht leicht, geht es seinem dementen Vater doch immer schlechter und zu den Schülern durchzudringen erweist sich als äußerst schwierig. Dennoch nimmt er eines Tages die junge Prostituierte Erica bei sich auf, um ihr zu helfen. Was sich zu einer freundschaftlichen Beziehung entwickelt, wird auf der anderen Seite immer mehr zur Belastungsprobe des seelisch immer schwächer werdenden Henry, der eine Fehlentscheidung nach der nächsten trifft...


Der Unterschied zwischen Verantwortung übernehmen und Verantwortung übernehmen...

Mit seinem Spielfilm-Debut „American History X“ hatte Regisseur Tony Kaye Ende der 90er Jahre einen erfolgreichen und gelungenen Film abgeliefert, der die dort herrschenden Problematik nicht nur gut einfing, sondern auch Lösungsideen anbot. „Detachment“ zeigt sich da schon viel hoffnungsloser, erkennt in seiner Problematik dass jemand da sein muss um zu helfen, gibt sich aber nicht der Illusion hin dass die eigentlichen grundlegenden Probleme, die in einer Ghettoschule Alltag sind, sich mal eben mit ein wenig pädagogischem Engagement beheben lassen würden.

Wo Kayes Erstling trotz der ernst genommenen Problemthematik im Herzen noch Spielfilm ist, da wirkt „Detachment“ authentischer, fast schon dokumentarisch. Düster wird er aus einem hoffnungslosen Blick erzählt, eben so wie man an jenen Tagen drauf ist, wenn es einem nicht gut geht. Da kommen bessere Tage, optimistischere Tage, Tage an denen man wieder motivierter ist. Das ist auch bei „Detachment“ der Fall. Allerdings macht der Film trotz dieses hoffnungsorientiert scheinenden Endes kein Geheimnis daraus, dass man sich damit etwas vormacht. Das Schöne ist die Ausnahme in einer konsistent traurigen Welt, erst recht wenn sie so radikal vor die Hunde geht wie im Ghetto.

„Detachment“ ist somit nicht ganz frei von Hoffnung, ist aber alles andere als ein lebensbejahender Film. Er ist auch nie das Gegenteil, gibt sich nicht dem Wunsch nach Suizid hin, sondern sieht in ihm etwas sehr Trauriges. Aber „Detachment“ ist ein pessimistischer Film, und damit ehrlich ohne damit objektiv realistisch zu sein. Er ist ein subjektiv realistischer Film. Die Welt ist so wie sie Henry in seiner Gefühlslage wahrnimmt und interpretiert.

Der Wandel von einem zwar engagierten, aber auf Nummer Sicher gehenden Lehrer, der gerne den Rückzug antritt, zu einem Mann der wirklich Verantwortung übernimmt, ist nachvollziehbar erzählt, sicherlich nicht immer frei von Klischees, was in einer Geschichte um eine Ghettoschule auch so gut wie unmöglich ist, fühlt sich aber trotzdem echt an, weil die Probleme bei Henry wie bei den Schülern oder seinen Kollegen real existierende sind, und weil es diese düsteren Tage gibt, in denen man diesen Blick auf die Welt hat, wie „Detachment“ sie uns zeigt. Nur gibt es viel zu selten Filme, die konsequent aus dieser Perspektive erzählt sind, und da ist es um so angenehmer, dass es Werke wie das hier besprochene gibt, die eine solche Lücke füllen.

Der Wandel vom Rückzieher zum festen Fels klingt nach einer formelhaft erzählten Geschichte, wie sie geradezu typisch für den Dramenbereich amerikanischem Kinos ist. Aber „Detachment“ gibt sich keinem typischen Erzählfluss hin, komponiert keinen Kitsch um einen gewandelten Mann, sondern geht mit seiner nah ans Dokumentarische grenzenden Art recht unkonventionell an das Thema heran.

Wir lernen die Figuren des Films gut kennen, Henry freilich am besten. Empathisch lässt Kaye uns eintauchen ein in eine Seele, die der Film nicht verurteilt, denn der Aushilfslehrer ist nicht Schwarz/Weiß-gezeichnet und bereits vor seinem Wandel ein hilfsbereiter Mensch. Und es ist die Nähe zu der Figur, die dafür sorgt dass das Erzählte so glaubwürdig bleibt. „Detachment“ will keinen allgemeingültigen Blick auf Ghettoschulen in Amerika werfen. Er tut es aus der höchst persönlichen Perspektive eines seelisch leidenden Mannes. Und in jeder Verschlimmerung oder Heilung seines Zustandes ist der Zuschauer involviert. Und da wirkt so ziemlich jede Charakterentwicklung höchst glaubwürdig.

„Detachment“ lebt von seiner gewagt pessimistischen Art, von seiner fotografisch toll eingefangenen tristen und düsteren Optik und von seinen guten Schauspielern. Auch wenn mit dem aus „Breaking Bad“ bekannten Bryan Cranston auf dem Cover geworben wird, so zähle ich ihn trotz seines großen Talentes in diesem Falle nicht dazu, taucht er doch nur in kurzen Augenblicken als der Mann der Direktorin auf, und sind diese wenigen Szenen doch keine besonderen Momente, weder für die Geschichte noch als Anforderung an Cranston.

Zu den hervorgehoben nennenswerten Leistungen zählen hingegen Adrien Brody in der Hauptrolle des Henry, Sami Gayle in der Rolle der Prostituierten und James Caan als zwar Antidepressiva-schluckender Kollege, aber auch als eine gewisse Komik versprühender Mensch. Damit wird er einer der wenigen auflockernden Lichtblicke, während er trotzdem zugleich Teil der traurigen Welt bleibt. „Detachment“ bleibt sich da treu, gibt sich keinen Illusionen hin, fordert aber auch nicht zur Aufgabe auf, ganz im Gegenteil. sehenswert


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CHAPPIE (2015 Neill Blomkamp)


Im gewalttätigen Johannesburg werden Roboter bereits einige Zeit erfolgreich für den Polizeidienst eingesetzt. Der Erfinder dieser hat kürzlich eine künstliche Intelligenz programmiert, bekommt offiziell von der Firma für die er arbeitet aber nicht die Erlaubnis sie an einem der Roboter zu testen. Also stiehlt er sich ein Modell welches geschrottet werden soll. Bevor er die K.I. einsetzen kann wird er von einer Gangsterbande entführt. Als die Entführer erkennen welch doppelten Fang sie gemacht haben und dass sie den Roboter für ihre Zwecke nutzen können, zwingen sie den Programmierer die K.I. zu starten. Zunächst enttäuscht darüber dass auch der Maschinenmensch alles zunächst wie ein Kind lernen muss, bringen sie dem gutmütigen, ohne Lebenserfahrung versehenen Chappie schließlich mit linken Tricks bei ein Gangster zu werden. Als Chappie erfährt dass sein Körper in nur wenigen Tagen sterben wird, setzt er alles daran diesem Schicksal irgendwie zu entgehen...


Nummer 22 lebt...

Der neben „her“ und „Ex Machina“ nunmehr dritte kürzlich erschienende Science Fiction um das Thema künstliche Intelligenz setzt nach Komödie und Thriller nun auf den Actionbereich seines Genres, und dass dies zunächst wie eine neue Version von „RoboCop“ klingt, gibt Regisseur Blomkamp augenzwinkernd bereits zu Beginn offen zu, wenn uns als Verbeugung vor dem Original eine Nachrichtensendung über die aktuelle Lage in Johannesburg informiert, womit Blomkamp ein erzählerisches Stilmittel von Paul Verhoeven übernimmt. Doch auch wenn „Chappie“ zunächst nach einem Klon dieses schon öfter verfilmten cineastischen Erfolges klingen mag, und diesen Eindruck mit einer neuen Generation Polizeiroboter, der jenem aus „RoboCop 2" ähnelt, sogar noch verstärkt, so distanziert sich die Geschichte doch spätetestens mit dem Erwecken der künstlichen Intelligenz von der Vorlage, allein aufgrund der Tatsache dass der Roboter zunächst ein Kind ist.

Das verändert so ziemlich alles, klingt interessant, ist dies quasi auch, aber diese für das Action-Genre recht experimentelle Geschichte will nicht so ganz eins werden mit dem harten Stil den man hierfür als Grundlage setzt. Die Geschichte, die fast mehr nach Komödie klingt als nach einer ernsthaften Auseinandersetzung mit dem Thema künstliche Intelligenz, vielleicht auch weil der naive Touch Chappies und seine Stimme ein wenig stark an „Nummer 5 lebt“ und noch mehr an „Nummer 5 gibt nicht auf“ erinnern, wirkt nicht richtig durchdacht. Zwar setzt Regisseur Neill Blomkamp die Geschichte konsequent um ohne sich von Zuschauererwartungen beirren zu lassen, aber einiges ist doch recht unglaubwürdig ausgefallen, so z.B. die wichtigen Kernsequenzen warum der Programmierer mit den Gangstern kooperiert und wie die harte Gangsterbraut innerhalb nur weniger Minuten zur liebevollen Robo-Mama mutiert.

Dass die Taten Chappies infantil ausfallen, gehört zum Konzept der Geschichte, schaut sich im ernsten SF-Action-Gewand zwar etwas merkwürdig, aber macht Sinn. Jedoch tut es „Chappie“ keinesfalls gut, dass sich auch nicht beabsichtigte infantile Elemente in den fertigen Film mit eingeschlichen haben. Das Aussehen der wichtigsten Gangster ist derart überzogen, ohne dabei das Gefühl von poppigem Cyberpunk-Style zu vermitteln, dass diese Figuren in ihrem bescheuerten Outfit einfach nur lächerlich wirken, und je mehr sie unglaubwürdig Gefühle für den Roboter entwickeln, um so peinlicher wirken sie. Leider bleiben sie bis zum Ende wichtig für die Handlung, und so schadet die optische Fehlentscheidung gepaart mit manch inhaltlicher Unsinnigkeit dem kompletten Film, der mit seiner experimentellen Kreuzung aus Science Fiction-Action und Kinderfilm ohnehin schon gemischte Gefühle hinterlässt.

„Chappie“ bleibt bis zum Schluss interessant und ist in seiner Art kaum mit einem anderen Film seines Genres zu vergleichen, aber wirklich gelungen ist der Film nicht. Da hat Blomkamp mit „District 9“ ein wesentlich besseres Werk abgeliefert. Zwar widersteht der Regisseur der Versuchung all zu sehr in den Coming-of-Age-Bereich abzurutschen, so dass sein erst kindlicher und später jugendlicher mechanischer Protagonist eher für das Erleben einer unterdrückten, von Brutalitäten überwucherten Kindheit eingesetzt wird, um sich hauptsächlich auf den Leidensweg des Roboters zu konzentrieren, aber merkwürdiger Weise fällt das alles wesentlich ärmer an Gesellschaftskritik und philosophischen Einfällen aus als man bei dieser Geschichte und diesem Regisseur meinen sollte. Tiefsinn ist vorhanden, wird vom gefühlsorientierten, den Seifenoperbereich streifenden Hauptaugenmerk jedoch dominiert. Ein wenig zu sehr für meinen Geschmack.

Andererseits wurde ich aber auch nicht warm mit dem Gegenspieler des Programmierers, ist er mir doch selbst für diesen etwas kindlich ausgefallen Actionfilm ein wenig zu bösartig gezeichnet und will dargestellt von Hugh Jackman auch so gar nicht funktionieren. Mag sein dass sich „Chappie“ insgesamt eher an ein jüngeres Publikum richtet, auf jeden Fall aber an eines mit anderen Sehgewohnheiten als ich sie habe. Durch „District 9“ mag ich auch mit anderen Erwartungen an den Film herangegangen sein, aber auf jeden Fall wusste mich „Chappie“ nicht sonderlich zu überzeugen.

Allerdings respektiere ich Blomkamp für diesen interessanten, den Kurs konsequent einhaltenden, Versuch. Wie bereits erwähnt fand ich den Film bis zum Schluss interessant erzählt, das ist schon viel mehr als mir andere Blockbuster bieten. Letztendlich konnte ich jedoch nie wirklich in die Geschichte eintauchen. Aufgrund des mir zu infantil und unausgegoren wirkenden Mixes aus Kinderfilm und Science Fiction-Action fehlte mir einfach der Zugang um in Chappie mehr zu sehen als ein Experiment, welches man mit Interesse theoretisch bis zum Schluss verfolgen kann. Ich würde auch nicht von einem wirklich missglückten Versuch sprechen, „Chappie“ besitzt durchaus seine Qualitäten, allein der Schluss des Streifens ist äußerst einfallsreich ausgefallen. Aber dieser ungewöhnliche Genre-Mix will einfach nicht miteinander harmonieren. Andere mögen vielleicht gerade darin den Reiz von „Chappie“ sehen. mittelmäßig


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Samstag, 23. April 2016

DIE PEANUTS - DER FILM (The Peanuts Movie 2015 Steve Martino)


Der Junge Charlie Brown verliebt sich in ein Mädchen das im Haus gegenüber eingezogen ist. Da ihm der Ruf des Verlierers voraus eilt, versucht Charlie dem rothaarigen Mädchen das Gegenteil zu beweisen, solange es noch nichts von seiner Vorgeschichte weiß...


Roter Baron, rote Tomaten, rothaariges Mädchen...

Als ich damals laß, dass Charles M. Schulz verfügte, dass nach seinem Tod keine Comics und Filme mehr über die Peanuts neu angefertigt werden dürften, hielt ich dies für eine beispielhafte Entscheidung, um ein Lebenswerk zu schützen. Ich habe keine Ahnung wie diese Verfügung umgangen wurde, aber nur wenige Jahre nach seinem Tod begann ein neuer Zeichner Comics um die Kindergruppe rund um Charlie Brown und Snoopy zu zeichnen. Ich habe sie nie gelesen, war ohnehin kritisch ob das eine gute Idee ist, und als es dann auch noch hieß dass ein Peanutsfilm im Computeranimationsverfahren angefertigt werden sollte, hielt ich dies erst recht für keine gute Idee.

Erste Bilder zum Film stimmten mich um. Mir gefiel es wie der alte zweidimensionale Zeichenstil liebevoll für die Computeranimation in kraftvollen Farben beibehalten wurde und Optimismus machte sich breit. Wissendlich dass es nur einen wirklich geglückten Langfilm zu den berühmten Comics von Schulz gibt, „Snoopy, Come Home“, und nur einen recht nett ausgefallenen, „Charlie Brown und seine Freunde“, wohingegen andere Werke wie „Gute Reise, Charlie Brown“ und „Lauf um dein Leben, Charlie Brown“ viel zu langatmig ausgefallen sind, wuchs meine Erwartungshaltung dennoch das neue Projekt betreffend, könnte ein leicht flotterer, moderner Stil den so sympathischen Comics im Langfilmbereich doch ähnlich gut tun wie es die Modernisierung „Muppets Tonight“ der etwas veraltet geratenen Muppetstruppe tat.

„Die Peanuts - Der Film“ ist wahrlich liebevoll und mit Respekt vor der Arbeit Charles M. Schulz‘ ausgefallen. Die Optik bereitet Freude und ermöglicht gerade in den Fliegerszenen Snoopys neue Möglichkeiten. Und auch so ziemlich jeder Running Gag der Comics findet seinen Platz, anfangs vielleicht ein wenig zu bemüht vollgeknallt mit diesen. Trotzdem will der neue Peanutsfilm nicht so recht funktionieren. Mag sein dass es daran liegt dass jeglicher Mut inhaltlicher Veränderung fehlte und man das hier Gesehene längst in vergangenen Peanuts-Werken miterleben durfte. Viel eher schadet dem Film jedoch seine fehlende wirkliche Geschichte, dient der Plot um das Verlieben in das rothaarige Mädchen doch lediglich der Grundlage zu einer Aneinanderreihung diverser Episoden, die eine durchgehende Geschichte vorgaukeln sollen.

Somit kommen schnell Ermüdungserscheinungen beim Sichten all dieses Altbekannten im neuen Gewand auf, optisch zwar frisch und liebevoll gestaltet, inhaltlich aber auf Dauer uninteressant, da zu wiederkäuernd, wenn auch nicht anbiedernd wirkend. Zwar versucht man mit einigen überraschend kompatiblen Slapstickmomenten der ganzen Sache mehr Zunder zu bescheren, aber solche Aktionskomik täuscht auch nur schwer über fehlenden Inhalt hinweg. Sicherlich ist es schön die vielen liebenswerten Figuren aus seiner Kindheit wiederzusehen, und wer will nicht Snoopy an der Schreibmaschine sitzen sehen, Lucy als Browns Psychiaterin erleben oder sie über Hundebazillen losschreien hören, wenn Snoopy ihr Gesicht abgeleckt hat?

Aber all diese charmanten Running Gags füllen noch kein Werk auf Spielfilmlänge. Letzten Endes sind weder die Comicstrips noch die wundervollen Kurzfilme der Peanuts dafür geeignet Vorlagenstoff für eine längere Geschichte zu sein. Den Peanuts gehört die Kürze. In dieser leben sie auf und wissen bestens zu unterhalten. Werke wie „Wer hat das Nest geklaut, Charlie Brown“ und „Snoopys Alptraum“ sind Highlights auf 20 Minuten-Basis. Aber auch sie würden zu Mittelmaß degradiert werden, wenn man ihnen Spielfilmlänge bescheren würde.

Man kann „Die Peanuts - Der Film“ wirklich nicht vorwerfen ein seelenloses Produkt für den schnellen Dollar zu sein. Die Synchronisation ist von der Stimmauswahl her etwas besser ausgefallen als manch vergangene Deutschvertonung. Und seltene Tabubrecher, wie der fast schon geniale Gag Pig Pen aufgrund äußerer Umstände einmal ohne Staubwolke zu zeigen, sorgen bei aufgeschlossenen Fans der Comics sicherlich auch nicht für Missstimmung.

Theoretisch ist der Film, abgesehen von seinem etwas zu süßlich geratenen Ende, positiv kalkuliert angegangen. Aber das bleibt leider Theorie. „Die Peanuts - Der Film“ besitzt zu viele Längen um wirklich gefallen zu können. Und ich kann mir nicht helfen, aber während des Sichtens habe ich mir trotz der tollen Optik doch wieder den alten Zeichenstil zurückgewünscht. Wahrscheinlich kann man es mir einfach nicht recht machen. mittelmäßig


Weitere Reviews zum Film: 

ZEHN DINGE, DIE ICH AN DIR HASSE (10 Things I Hate About You 1999 Gil Junger)


Cameron ist neu in der Schule und verguckt sich sofort in die schöne Bianca. Doch die darf nur mit Jungs ausgehen wenn ihre ätzende Schwester, auf die niemand steht, ebenfalls ein Date hat. Also organisiert Cameron mit einem Kumpel dass der für seine Brutalitäten bekannte Außenseiter Patrick gegen Geld um sie buhlt. Um das bezahlen zu können, lässt man den eingebildeten Finanzgeber Joey im Glauben für ihn springe ein Date mit Bianca raus...


Charmant widerspenstig...

Frei nach „Der Widerspenstigen Zähmung“ von Shakespear erzählt „10 Dinge, die ich an Dir hasse“ eine für eine Teenager-Komödie recht einfallsreiche Geschichte, die mit den Fäden die sie spinnt sofort die Neugierde des Zuschauers zu wecken weiß. Dank der wahrlich geglückten Besetzung bleibt das auch so, wobei ganz besonders die Hauptakteure Heath Ledger und Julia Stiles hervorgehoben werden müssen. Letztgenannte strahlt eine solch natürliche, Hollywood-untypische Schönheit aus, die glaubwürdig kompatibel ist mit dem charmant schwierigen Charakter den sie verkörpert. Ich bin bei der Beurteilung ihrer Leistung vielleicht etwas voreingenommen, gehört sie meiner Meinung nach doch zu den bezaubernsten Mimen die Amerika überhaupt zu bieten hat, aber das hilft um so mehr in einem romantisch orientiertem Film.

Heath Ledger verkörpert den idealen Gegenpart, stimmt doch einfach die Chemie zwischen den beiden, und gelingt ihm doch ebenfalls die ideale Gradwanderung zwischen charmant und ätzend, mimisch gar noch mehr als Stiles. Die Liebesgeschichte zwischen den beiden ist glaubwürdig erzählt, vor allen Dingen aber auch ansteckend. „Zehn Dinge, die ich an dir hasse“ demonstriert wie von einer frisch entstehenden  Liebschaft geradezu zärtlich und niedlich erzählt werden kann ohne in unangenehmen Kitsch zu baden. Trotz des altbekannten Plots, der eigentlich selbst schon ein Klischee geworden ist, wirkt die Entwicklung zwischen den beiden nie konstruiert, ständig bewahrt sie sich eine gewisse Natürlichkeit.

Damit hebt sie sich gewaltig von der überdrehten Comicwelt des restlichen Highschool-Lebens ab, und genau darin liegt der Kniff. Die Außenseiter sind eigentlich die normalsten, emotional menschlichsten Figuren eines Streifens, der ansonsten nur von überzeichneten Charakteren bevölkert wird. Da muss man nicht gleich auf solch besonders durchgeknalle Figuren wie den völlig panischen Vater und die desinteressierte Schuldirektorin verweisen, obwohl der Film auch stark von diesen beiden Figuren lebt. Bereits der überzogen verliebte Cameron und die oberflächlich zickige Bianca leben augenzwinkernd die typischen Stereotype anderer Teeniefilme aus, um sich deren Schwächen zu Stärken zu machen.

„Zehn Dinge, die ich an dir hasse“ sprudelt nur so vor Sympathie, reiht einen sehenswerten Moment an den anderen in einer locker-niveauvollen Umsetzung, wie man sie leider viel zu selten in dem meist amourösen Sub-Genre der Teenie-Komödie vorfindet. Wenn Patrick Kat mit einem Ständchen verzaubert,  fällt dies keinesfalls so zwiespältig aus wie in der berühmten Gesangsszene aus „Scream 2“, ist doch auch sie pointensicher gesetzt, gekonnt amateurhaft von Ledger verkörpert und liebevoll genug umgesetzt, um neben dem Humoraspekt auch die Romantik nicht zu kurz kommen zu lassen. Ohnehin ist es die Kunst dieses Gleichgewicht im kompletten Film stets beizubehalten, die Gil Jungers Werk zu solch einem wundervollen Film werden lässt, den ich mir immer wieder angucken kann. sehenswert


Weitere Reviews zum Film: 

Donnerstag, 21. April 2016

DRACULAS BLUTNACHT (The Return of Dracula 1958 Paul Landres)


Kurz bevor seine Jäger ihn erwischen kann Dracula aus seiner Heimat flüchten, übernimmt die Identität seines ersten Opfers in einem Zug und kommt in Kalifornien bei dessen entfernter Verwandtschaft unter, die sich zwar ein wenig über die seltsame Art des Fremden wundert, aber keinerlei Ahnung hat den Fürsten der Dunkelheit bei sich zu beherbergen...


Mr. Dracula...

Nach dem charmant ausgefallenem „Immer bei Anbruch der Nacht“ war ich recht neugierig auf den ein Jahr später vom selben Regisseur umgesetzten „Draculas Blutnacht“. Doch mag der Blutsaugerfilm auch ähnlich naiv ausgefallen sein wie das variierte „Dr. Jekyll und Mr. Hyde“-Thema ein Jahr zuvor, so fehlt ihm doch besagter Charme um die Schwächen der Story eines Dracula in Amerika verdaulicher zu gestalten. Die deutsche Synchronisation arbeitet sicherlich auch gegen ein angenehmes Filmerlebnis, aus Mangel an deutschen Untertiteln auf meiner DVD konnte ich nicht auf den Originalton wechseln. Aber er allein ist nicht Schuld daran, dass mir „Die Rückkehr des Dracula“ (Alternativtitel) nicht wirklich gefallen wollte.

Es beginnt mit der Fehlbesetzung Francis Lederers als Dracula, der so gar keine unheimliche Ausstrahlung zu versprühen vermag, einmal ganz davon abgesehen dass er mit seiner modern peppigen Frisur und dem edlen Dress der damaligen Moderne wie ein schurkischer Vertreter wirkt, nicht aber wie der Fürst der Finsternis. An atmosphärischen Landschaften fehlt es hier ebenso, zumal Paul Landres Kalifornien nie die Chance gibt sich zu beweisen. Das meiste spielt bei der ahnungslosen Familie zu Hause, und Straßen- und Höhlenaufnahmen fanden im Studio statt, was man den Locations auch sofort ansieht. An sehr viel mehr Orten spielt der Streifen nicht.

Der Reiz dass sich Dracula als entfernter Verwandter tarnt, wird für keinerlei gewitztes Szenario ausgenutzt. Ganz im Gegenteil ergibt dieser Plan des Blutsaugers überhaupt keinen Sinn. Da er ohnehin in einer Höhle nächtigt und bei keinerlei gesellschaftlicher Pflicht anwesend ist (alltägliche wie ein gemeinsames Abendessen eingeschlossen), hätte er auch gleich auf den Anschein des gemeinsamen Zusammenlebens verzichten können, um weniger Aufsehen zu erregen. Ganz zu schweigen davon dass man in einem Durchschnittshaushalt des christlichen Amerikas seiner Zeit mit Kreuzen im Haus rechnen muss, von verräterischen Spiegeln ganz zu schweigen.

Nein, Sinn macht seine viel zu auffällige Wunderlichkeit und damit seine komplette Tarnung wahrlich nicht, aber das passt schon zu Draculas unsinnigem Handeln und dem plötzlichen Auftauchen seiner Verfolger, die viel zu schnell auf den neuen Aufenthaltsort des Blutsaugers aufmerksam wurden. Sicherlich muss ein kleiner, klassischer Vampirfilm nicht konsequent glaubwürdig ausfallen, aber „The Fantastic Disappearing Man“ (Alternativtitel) ist von seiner Grundidee an völlig wackelig aufgebaut, und keinerlei sinnvoll erscheinender Aspekt stützt dieses Kartenhaus. Der fehlende Charme hätte da einiges retten können.

Mit dem im selben Jahr erschienenden „Dracula“ mit Christopher Lee kann Landres Werk so gar nicht konkurrieren, aber selbst als kleine unauffällige Produktion seiner Zeit weiß „The Curse of Dracula“ (Alternativtitel) nicht wirklich zu gefallen. Zwar ist alles ordentlich genug umgesetzt um dem Werk nicht gelangweilt den Rücken zu kehren, aber einen wirklichen Grund einzuschalten könnte ich an dieser Stelle auch nicht nennen, ist „The Return of Dracula“ (Originaltitel) doch dafür viel zu routiniert ausgefallen und bietet keinerlei eigenständige Idee, die ihn ein wenig reizvoller erscheinen lassen könnte.

Vielleicht hätte man die Idee der Tarnung als Künstler etwas mehr ausarbeiten können, um den Grafen interessanter erscheinen zu lassen. Aber so uninspiriert wie dieser Aspekt im vorliegenden Film angegangen wurde, wirkt der Gedanke geradezu lächerlich, dass Dracula irgendwo an seiner Leinwand malend sitzt, um zukünftige Opfer im Sarg zu zeichnen, so wie verliebte Teenagerinnen mit Herzchen angereichert den Namen ihres Schwarms ins Schulheft kritzeln. mittelmäßig


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THE OFFICE - STAFFEL 2 (The Office - Season 2 2002 Ricky Gervais u.a.)


Davids Abteilung hat überlebt. Einige Mitarbeiter der geschlossenen Filiale des Papiervertriebs arbeiten nun unter ihm, und die lernen schnell die Schattenseite des sich selbst so verständnisvoll sehenden Chefs kennen...


Der Entertainer bekommt mehr Publikum...

Staffel 2 spielt nur wenige Wochen nach der ersten. Ein Standort der Firma wurde wie geplant geschlossen, und es ist nicht die Filiale, die David leitet. Dennoch geht David Brent nicht als Sieger hervor, denn sein Gegenpart aus dem anderen Büro ist nun nicht mehr mit ihm auf einer Stufe, sondern sein Vorgesetzter.

Mitarbeiter der geschlossenen Filiale werden nun in Slough übernommen. Da sollte man meinen, dass viele neue wichtige Figuren in den Vordergrund treten, aber die meisten bleiben Randerscheinungen. Eine Rollstuhlfahrerin wird gelegentliches Opfer von Davids unsensibler Seite. Ein Schwarzer, von dem man auf anderer Basis das selbe meinen sollte, wird für David zum Vorzeige-Schwarzen, da der über Witze über Dunkelhäutige lachen kann und für David zur Legitimation von Rassismus im Alltag wird. Wichtig sind eigentlich nur zwei neue Figuren:

Rachel ist eine attraktive Frau, die schnell von Tim und Gareth umworben wird. Während Tim mit Charme zu punkten weiß, fällt Gareth lediglich durch seine unsensible und sexistische Art auf. Dawn beobachtet Tims Geplänkel mit Rachel, von der man charakterlich recht wenig erfährt, mit kritischen Augen, obwohl sie Tim den Laufpass gegeben hat, um bei ihrem Freund zu bleiben. Dass Rachel an Tim Gefallen findet, passt ihr jedoch gar nicht. Wie man schon herausliest dient Rachel lediglich als Spielball, um der Geschichte von Tim und Dawn neuen Zunder zu geben. Für mehr ist sie eigentlich nicht vorhanden.

Wichtiger ist da schon Neil, der vor der Schließung seiner Filiale auf gleichem Posten mit David saß und nun zu dessen Vorgesetzten befördert wurde. David sieht sich immer noch als gleichrangig an, macht Neil schlecht wo er nur kann und dies meist auf seine ungeschickte und unsichere Art. Mit solch infantilen Angriffen hat der selbstbewusste und sympathische Neil jedoch so gar kein Problem, hat er doch das Team hinter sich und im Gegensatz zu David Ahnung von der Materie - und dies nicht nur beruflich betrachtet. Dennoch ist David selbstverständlich ein Ärgernis für Neil, da der Mann nicht nur intrigiert und sabotiert, sondern auch seiner eigentlichen Arbeit nicht nachkommt. Mit viel Geduld schaut sich Neil Davids Konzept an, um schlussendlich festzustellen, dass Davids Arbeit lediglich ein Kartenhaus aus Sprüchen ist, das keinerlei Materie besitzt. Neil ist höflich und wie bereits erwähnt geduldig. Doch mit David unter ihm werden diese Pluspunkte seines Charakters häufig auf eine harte Probe gestellt.

Dass ansonsten alles beim Alten bleibt kann man so nicht ganz sagen. Wie so oft in Serien, so wird das Konzept der ersten Staffel nun ein wenig aufgepumpt und wirkt damit übertriebener als Staffel 1. Damit wird z.B. der in Staffel 2 überzogenerer Charakter des ohnehin schon überzogenen Gareth unrealistisch und funktioniert nur noch auf Comic-Niveau. Der Witz ist, dass diese Übertreibungen, die sich auch, wie ich später erwähnen werde, in Davids Charakter verdeutlichen, der Serie an sich nur gering schaden. Staffel 2 ist schwächer als Staffel 1, aber noch immer großes TV. Noch immer bleibt das Original qualitativ besser als sein deutsches Remake „Stromberg“, das ja ebenfalls zu den ganz großen TV-Ereignissen seines Jahrzehnts zählt.

Wunderte man sich in Staffel 1 noch, warum die Geschichten und das Talent der Vorgesetzten im Büro bei „The Office“ und „Stromberg“ so auseinander gingen, so geht einem beim Betrachten der zweiten Staffel des Originals langsam ein Licht auf. „Stromberg“ klaut doch mehr als vermutet, jedoch nicht bei der 1. sondern der 2. Staffel, die nun ebenfalls vom beruflichen Abstieg des Chefs handelt.

Konnte sich David Brent trotz all seiner Schwächen noch immer als nach außen hin wirkende fähige Führungspersönlichkeit verkaufen, und ging David in Staffel 1 noch als Sieger hervor (mit Ausnahme der letzten Folge, in der er lediglich mit einem blauen Auge davon kam), so wird nun auch sein Charakter, ebenso wie der von Gareth, überzogen. Aus dem Sprücheklopfer ohne Rückhalt macht man nun selbiges. Das klingt nach keinerlei Veränderung, ist es aber doch, denn seine Schwächen treten nun so stark nach außen, dass ein Jeder sie mitbekommt und billige Ausreden David vor dem Outen seiner Unfähigkeit und Dummheit nun nicht mehr schützen.

Seine Methoden der Abwehr wirken immer dümmlicher und erbärmlicher, was sich vielleicht auch dadurch erklärt, dass sein Selbstbewusstsein zu schwinden scheint, bei all der Kritik die er sich von seinen Vorgesetzten und Untergebenen gefallen lassen muss, auch wenn er nach Außen weiter den harten Mann spielt. Selbst der Entertaining-Bereich, der in Staffel 1 noch Davids Stärke war (wenn auch dort mit Schwachpunkten gesegnet), wird nun zu einer peinlichen Schwäche, wie bereits Episode 1 zeigt.


Die Folgen im einzelnen (enthält Spoiler):

Episode 1:
Die neuen Mitarbeiter aus der geschlossenen Filiale trudeln ein. Neil, der Vorgesetzte von David, stellt sich dem alten Slough-Team vor und entpuppt sich als netter, selbstbewusster Mensch, der nicht nur schnell die Sympathie der Mitarbeiter erntet, sondern auch deren Lacher. Letzteres ist für David ein fast größerer Skandal, sieht dieser sich doch als großer Entertainer und erntet mit seiner vorbereiteten Willkommensrede keinerlei Lacher. Dies veranlasst ihn auf der anschließenden Willkommens-Feier auf anderen Humor zurückzugreifen, der ihm auch gleich zwei Gespräche mit seinen beiden Vorgesetzten beschert, die von seinem Verhalten sehr empört sind...

Ist Chefin Jennifer von David schon so einiges gewöhnt, so ist dessen Verhalten für Neil noch Neuland. Doch Neil besitzt Geduld und noch Vertrauen darin, dass David sicherlich Stärken besitzen wird in seiner Position. Teil 1 dient der Einführung der neuen Figuren und bildet letztendlich die Manege für Seelen-Tollpatsch David, der auf seine gewohnt egoistische und unsensible Art von einem Fettnäpfchen ins nächste tritt, so dass dem neuen Teil der Belegschaft schnell klar wird, dass die Arbeit in Slough sehr unangenehm werden wird. Tim ist innerhalb der Firma ein wenig aufgestiegen und lässt diese neue Position, ohne dass er es selbst bemerkt, an Dawn aus, die von seiner kühlen und arbeitsstrebsamen Art enttäuscht ist. Dass Tim nun auch noch mit der neuen, attraktiven Rachel flirtet passt ihr überhaupt nicht. Gareth auch nicht, aber der ist mit seiner asozialen Art ohnehin kein Konkurrent.

Episode 2:
David führt eine Mitarbeiterbefragung durch, die er lediglich dafür nutzt, um selbst besser dazustehen. Ein Meeting mit seinen neuen Angestellten, in dem er eigentlich nur erfahren wollte, wie sich die Neuen eingelebt haben, führt zu Tage, dass Neil beliebter ist als er, und was für David mal wieder fast schlimmer ist: Neil wird als witziger angesehen als er. Das kann David nicht auf sich sitzen lassen und lädt alle zur Mittagszeit ins Pub ein, um zu zeigen wie lustig man in Slough ist. Währenddessen macht Rachel erste direktere Annäherungsversuche bei Tim, was weder Gareth noch Dawn gefällt...

Dass der Pub-Besuch zur Katastrophe wird, dürfte klar sein. Langeweile pur, was David jedoch auf die fehlenden Mitarbeiter schiebt, die nicht mitkommen wollten und welche laut ihm die Unterhaltungs-Elite (neben ihm) darstellen. Mitschuld gibt er jedoch auch den Neuen, die keineswegs versucht hätten die Stimmung zu heben, was David so deutlich sagt, dass selbst der letzte Neue nun weiß, dass er nicht gemocht sondern lediglich geduldet wird. In der Situation mit Tim und Rachel zeigt sich nun Dawns Eifersucht deutlicher als zuvor, was Dawn dazu animiert innerhalb der Arbeitszeit mehr Möglichkeiten zu finden, mit ihm Zeit zu verbringen und zu flirten. Freilich treibt sie es nie zu weit, ist sie doch in einer festen Beziehung und ein Wechsel scheint für sie nicht in Frage zu kommen.

Episode 3:
Eine Mitarbeiterin hat Geburtstag. Es wird gefeiert und geflirtet. David wird von zwei Besuchern angesprochen. Diese würden ihn gerne als Motivationsredner engagieren für Veranstaltungen, in welchem Interessierte erfahren können, wie sie nach Außen richtig auftreten und was man sonst noch benötigt um Karriere zu machen. David willigt ein...

Neben der Neil-Situation wird mit dem neuen Nebenjob nun ein Element mit eingebracht, das für den Verlauf der zweiten Staffel von größter Wichtigkeit ist, auch wenn es oberflächlich betrachtet zunächst wie eine Nebensache wirkt. Dieser Plot zeigt auf ein Neues deutlich die charakterliche Trennung von Neil und David. Neil wurde ein solcher Job ebenfalls angeboten. Sieht der eine solche Tätigkeit jedoch als unnötig an, da diese in ihrer Basis bereits unsinnig ist, so sieht David es als große Herausforderung, wenn auch mehr im Entertainingbereich als im beruflichen Sinne. Auf der Geburtstagsfeier im Büro prahlt David direkt mit diesem Angebot, zeigt aber auch auf ein Neues seine beleidigende Art Mitarbeitern gegenüber, und seinen Neid Neil gegenüber lässt er ebenso offen heraushängen. Dawn muss währenddessen mit ansehen, wie Tim viel lustigere Streiche mit Rachel durchführt, als mit ihr. Also startet sie eine recht magere Gegeninitiative.

Episode 4:
Der große Tag rückt näher, Davids Auftritt als Redner steht kurz bevor, und so engagiert er Dawn als Hilfskraft für diesen Abend. Davids Rede fällt für die Veranstalter des Seminars anders als erwartet aus. Dawn leidet währenddessen unter ihrem Chef, der ihre Hilfe dazu nutzt, sie als Arbeitstier zu degradieren. Dabei geht es Dawn schon ohne diese Schinderei nicht sonderlich gut. Tim ist nun mit Rachel zusammen und geht mit ihr in einen Pub, ein Treffen das Dawn mit ihrer Zusatztätigkeit bei David nicht verhindern kann. Dass ihr Dauerverlobter nebenbei ebenfalls erwähnt wie attraktiv er diese Rachel findet, setzt dem ganzen noch die Krone auf...

Die Fäden um die Tim-Rachel-Dawn-Story verdichtet sich. So langsam wird auch der Zuschauer unsicher, ob Dawn sich Tim nun doch schnappen würde oder ob es weiterhin nur um ihr Territorium geht und sie bei ihrem Verlobten bleiben möchte. Tim ist im siebten Himmel und bekommt von Dawns Annäherungen ohnehin nichts bewusst mit. Rachel bekommt dafür Gareths Enttäuschung um so mehr zu spüren, der sich auf abartige Art als Ersatz anbietet, falls es mit Tim nicht so gut klappen sollte, eventuell sogar für nebenher, wenn es mit Tim doch klappen sollte. Gefühlsmäßig ist man als Zuschauer jedoch viel mehr an die Brent-Situation gebunden, weiß man doch im Vorfeld, dass sein Auftritt nur ein Skandal werden kann und das beunruhigt schon sehr. Bevor es zum Auftritt kommt, zeigt sich welch negativen Einfluss diese Nebentätigkeit auf Davids Hauptberuf hat, was Neil gar nicht gern sieht, so schwach wie Davids Leistungen schon zuvor waren. Den Seminarveranstaltern hingegen wird langsam klar, dass es David viel mehr um Entertaining als um berufliches Fachwissen geht.

Episode 5:
Es ist Red Nose-Day. Jeder Mitarbeiter lässt sich etwas lustiges einfallen um Geld für Hilfsbedürftige zu sammeln. Gareth hüpft den ganzen Tag auf einem Bein, David steht ein lustiger Fototermin bevor, Neil führt mit Rachel einen besonderen Tanz auf, Dawn macht einen Knutsch-Stand auf, nur Tim macht anfangs nicht mit, vermisst er bei dieser Art Veranstaltung doch die Würde. Letztendlich entschließt er sich jedoch doch mitzumachen, nutzt dies allerdings nur, um Gareth mal wieder Streiche zu spielen. Das hüpfende Opfer erwartet währenddessen seine Freunde, die zu diesem lustigen Tag ins Büro kommen wollten...

Was sich in der Inhaltsangabe nach einem gehaltfreien Übergang zur Finalfolge liest, entpuppt sich als eine der entscheidendsten Episoden der zweiten Staffel, denn in dieser verliert David nun seinen Job. Neil und Jennifer haben genug von seiner arroganten Art, und David ist überheblich genug einzuwilligen, sieht er in den bislang nebenberuflichen Seminaren (von denen ja ohnehin erst eines stattgefunden hat) seine neue Karriere und in seinen jetzigen Mitarbeitern eine Horde Kämpfer, die nicht tatenlos zusehen werden, dass David gekündigt wird. Für Brent heißt es jedoch erst einmal den Red Nose Day trotzdem irgendwie hinter sich zu bringen, denn so lässig er sich auch gibt, er ist enttäuscht und frustriert, was er durch ein kleines Schlüsselloch seiner Seele auch seinen Vorgesetzten zeigt.
Episode 6:
Davids letzte Tage stehen an. Eine Reporterin kommt ins Büro um mit David ein Interview für ein kleines Blatt zu führen. Die beiden haben sich für dieses Vorhaben jedoch einen ereignisreichen Tag ausgesucht. Tim bekommt das Angebot sein Nachfolger zu werden, verweist aber lieber auf Gareth. Tim ist sich nun sicher, dass er Dawn liebt und macht mit Rachel Schluss. Dawn reicht ihre Kündigung ein, da sie mit ihrem Verlobten nach Amerika ziehen möchte. Da sie nicht mehr lange bleibt, sieht Tim nun seine letzte Chance Dawn dazu zu bewegen, es mit ihm zu versuchen. David steht währenddessen eine herbe Enttäuschung bevor, denn die Veranstalter des Seminars geben ihm zu verstehen, dass ein weiterer Auftritt Davids nicht erwünscht ist...

Wie schon in meiner Lieblingsepisode der ersten Staffel, so kann man in dieser wieder schön beobachten, wie David die Arbeit eines anderen manipuliert, in dem er sie an sich reißt. Mehrfach macht die Reporterin den Mann darauf aufmerksam, dass er nur ihre Fragen beantworten solle, aber Brent bleibt Brent. Er schreibt der Dame vor was sie zu schreiben und zu fragen hat. Wie schon in der Mitarbeiterbefragung, so nutzt er das Meeting auch wieder lediglich dafür, sich als toll darzustellen, was mit Dawns Kündigung noch verstärkt wird, da er glaubt Dawn würde die Firma verlassen, da ihm gekündigt wurde. Als dem nicht so ist, erweist sich der mitarbeiterliebende Mensch schnell wieder als egoistisches Arschloch, was die Journalistin schon recht schockt. Die Subgeschichte um Tim und Dawn findet ihr Ende. Es kommt ebenso wenig überraschend wie erwartet. Letztendlich erwartete man zwei Möglichkeiten, von der eine nun eintritt und Dawns Charakter nun endgültig abrundet, bzw. das bestätigt, was in zwei Staffeln zwischen den Zeilen immer durchschimmerte. Dieses Ergebnis und zukünftig einen Gareth als Vorgesetzten verdeutlichen einmal mehr den tragischen Aspekt von Tim, der an der Serie schon immer viel ausgemacht hat. Dass David seine Karriere als großer Redner nun knicken kann, veranlasst ihn zu einer Verzweiflungstat, die man ihm so nie zugetraut hätte, was zu einem etwas offenen Ende führt, dessen Hintertürchen sich jedoch als eher unwahrscheinlich entpuppt. Dass dem so war und so viele Fragen unbeantwortet blieben, veranlasste die Köpfe hinter der Serie später noch zu einem abschließenden zweiteiligen Weihnachts-Special.

Es passiert wirklich viel in der zweiten Staffel, und man merkt nun auch, warum der Gareth-Charakter so aufgebläht wurde, erlebt er selbst doch keine relevante Geschichte, während für David, Dawn und Tim eine Achterbahnfahrt an Erlebnissen und Gefühlen bevorsteht. Der Schluss der Staffel ist gut und bleibt der Qualität der Gesamtserie treu. Letztendlich trumpft die zweite Staffel mit dem Mut zu Veränderungen, einen Mut, den es in den meisten anderen TV-Serien nicht zu entdecken gibt. Dadurch erfährt auch der Zuschauer gefühlsmäßige Hoch und Tiefs, was die Serie für ihn um so interessanter macht.

Staffel 2 ist schwächer, das schon, aber eben immer noch beste Unterhaltung dank der Grundrezeptur der ersten Staffel und dem Mut der zweiten. Manchem wird der etwas zu offene Schluss vielleicht sauer aufstoßen, aber dafür gibt es ja das eben erwähnte Abschluss-Special, das die Serie zu einem deutlicheren Ende führt ohne ihr zu schaden. sehenswert
 

Episodenführer,   OFDb

Dienstag, 19. April 2016

IMMER BEI ANBRUCH DER NACHT (The Vampire 1957 Paul Landres)


Als Dr. Paul Beecher zu einem kranken Wissenschaftler gerufen wird, liegt dieser bereits im Sterben. Der Patient drückt ihm selbstentwickelte Tabletten in die Hand, und noch bevor er etwas dazu sagen kann, ist er tot. Als Beecher zu Hause ankommt leidet er unter starken Kopfschmerzen. Seine Tochter verwechselt die Migränetabletten mit denen des verstorbenen Forschers und Beecher verwandelt sich durch die Einnahme dieser rätselhaften Pillen in ein Monstrum das Menschen tötet...


Dr. Jekyll und Vampir Hyde...

„Immer bei Anbruch der Nacht“ folgt stark der berühmten Geschichte um „Dr. Jekyll und Mr. Hyde“. In beiden Fällen führt eine Chemikalie zu einem monströsen Ur-Ich, und in beiden Geschichten verselbstständigt sich der Prozess irgendwann unabhängig von der alles auslösenden Chemikalie. Am ehesten erinnert der Film mit seiner monströsen, nicht minder so einfallsreich ausgefallenen und liebevoll umgesetzten, Maskerade an die berühmte 30er Jahre Jekyll und Hyde-Version mit Frederick March. Regisseur Paul Landres Werk wird inhaltlich lediglich durch einen leichten vampiristischen Zusatz ergänzt, was eventuell damit zu tun haben mag, dass der gute Mann kurz darauf auch „Draculas Blutnacht“ gedreht hat.

Was auch immer der Grund war, Sinn macht es nicht. Da wurde 10 Jahre später mit „Dracula in Pakistan“ die Idee eines Mannes, der durch eine Chemikalie zum Vampir wird, halbwegs sinnvoller umgesetzt. Im hier besprochenen Film konzentriert sich der deshalb auf DVD umbenannte „Dracula - Immer bei Anbruch der Nacht“ eigentlich gar nicht auf den Vampiranteil der Geschichte. Da wird zwar von einem Fledermausanteil im experimentellen Medikament gesprochen und die Opfer weisen zwei Bissspuren am Hals auf, das Monster selbst besitzt jedoch nie spitze Vampirzähne, im Gegensatz zu seinem Abbild auf dem Plakatmotiv. Gebissene zerfallen anstatt aufzuerstehen, und dürfen wir recht spät Morden beiwohnen, so erwürgt der Doktor dort stets seine Opfer, nie werden sie gebissen.

Es kann sein dass die Idee erst später ins Projekt eingeflossen ist, vielleicht um Rechtsstreitigkeiten mit der berühmteren verwandten Geschichte aus dem Weg zu gehen. Aber Sinn macht diese inkonsequente Erweiterung nicht wirklich. Da ist es das Glück dieses kleinen Streifens, dass solche naiven Filmchen auch im üblichen, weniger unsinnigen Bereich, nicht gerade sinnvoll ausfallen und von allem anderen als von einer logisch nachvollziehbaren Handlung leben. Das mag auf die besseren Werke des Genres zutreffen, „Mark of the Vampire“ (Alternativtitel) ist jedoch simpelste Trivialunterhaltung, und die benötigt so etwas nicht um charmant zu unterhalten.

Vielleicht ist manch einem „The Vampire“ (Originaltitel) selbst für seine Zeit etwas zu theoretisch ausgefallen. Auch wenn die Geschichte sehr schnell zur Sache kommt, so wird doch eher über das Grauenhafte geredet, als dass wir es zu sichten bekommen. Mir persönlich gefällt solch ein trockener, dialoglastiger Stil jedoch recht gut, zumal „Immer bei Anbruch der Nacht“ den Bonus besitzt einen mitdenkenden Protagonisten zu besitzen, der ebenso wie der Zuschauer eins und eins zusammengezählt bekommt. Dadurch dass er als alleinerziehender Vater eine Tochter zu versorgen hat, wird der dramatische Aspekt der Geschichte kurzfristig auf mitfühlende Art ergänzt, auch wenn sich die Geschichte nach der Verabschiedung der Tochter um diesen Aspekt in den letzten 15 bis 20 Minuten nicht mehr kümmert.

All zu ernst kann man den Streifen jedoch ohnehin nicht nehmen, musste man doch sicherlich auch schon damals schmunzeln, wenn der verwandelte Dr. Beecher grummelnd durch die nächtlichen Straßen huscht. Wahrer Grusel kommt da wie an anderer Stelle nicht auf, sehrwohl aber der nötige Charme um in „It‘s Always Darkest Before the Dawn“ (Alternativtitel) mehr zu erkennen als reinen unfreiwillig komischen Spott. Sicherlich bedient er sich nur recht plump bei allem was das Gruselkino zu dieser Zeit und Jahrzehnte vorher zu bieten hatte, aber das geschieht auf solch unterhaltsame Art, dass zumindest der Stammzuschauer klassischer Monsterstreifen definitiv auf seine Kosten kommt, zumal der Film recht kurzweilig ausgefallen ist.

Sicherlich wird man mit „Immer bei Anbruch der Nacht“ nichts Innovatives erleben. Aber eine gute Portion Nostalgie und die liebevoll gemeinte Umsetzung bereiten definitiv Freude mit einem Horror-Drama, von dem ich glaube dass es damals auch ohne Retrocharme charmant genug ausgegfallen ist um seinen Spaß mit ihm zu haben. Ob er besonders naive Persönchen zum Gruseln bringt, bleibt jedoch fraglich. unterhaltsam


Weitere Reviews zum Film: 

FPS - FIRST PERSON SHOOTER (2014 Andreas Tom)


Ein Mann kämpft sich in einem Schutzanzug durch ein Zombie-verseuchtes Krankenhaus auf der Suche nach seiner schwangeren Frau, die dort heute ihren letzten Tag als Krankenschwester gearbeitet hat und nicht nach Hause kam...


Das erzählte Spiel...

In „Doom - Der Film“ gab es seinerzeit eine Ego-Shooter-Sequenz zu sehen als Anlehnung an das Computerspiel gemeint, auf welchem der Film basierte. „FPS: First Person Shooter“ versucht nun eine solche Optik auf kurzer Spielfilmlänge von etwas über 70 Minuten zu übertragen, was aufgrund der großen Beliebtheit solcher Spiele nach einer reizvollen Idee klingt. Da sie von deutschen Amateurfilmern ausprobiert wird, macht man automatisch Abstriche in der Erwartungshaltung, kann der Film doch unter diesen Vorraussetzungen nicht sehr viel mehr werden als ein Experiment.

Meiner Meinung nach ist es eines was gescheitert ist, denn ein Computerspiel vorgespielt zu bekommen ist nie so aufregend wie es selbst zu spielen. Zwar weiß die liebevoll an veraltete Computerspiele orientierte Optik zunächst zu gefallen, zumal sie nicht programmiert ist sondern großteils mit echten Schauspielern real abgefilmt, aber sie langweilt wenn sie eine (längere) Geschichte erzählen soll. Zwar versucht man das ganze Geschehen visuell interessanter zu gestalten, indem man sich Mühe bei den Zombies und den Goreeffekten gibt, die sind tatsächlich nett ausgefallen, aber das macht einen Handlungsverlauf, der so monoton ist wie der Ablauf der Spiele an denen man sich orientiert, nicht interessanter.

Dass ein Computerspiel auch beim Zuschauen einen gewissen Reiz ausüben kann, liegt nicht am reinen Miterleben, es ist der Dialog mit dem Spieler, eventuell auch das gemeinsame Lösen im Spiel gestellter Rätsel, welches dabei hilft mitzufiebern. In einem Film, in welchem der Spieleablauf ohne unser Zutun nur theoretisch simuliert wird kommt solche Stimmung jedoch nie auf. Das könnte im geringen Maße vielleicht sogar passieren, wenn der Held von „FPS“ nicht so dämliche Texte in peinlicher Stimme vor sich hergrummeln würde, so als müsse man pausenlos Bruce Wayne in seiner harten Batman-Stimme zuhören. Die Hauptfigur versprüht keinerlei Charme, und auch auf primitivere Ebene identifiziert man sich nicht mit ihr, oder ist rein inhaltlich an ihren Erlebnissen, geschweige denn an ihrer Gefühlswelt interessiert.

Wenn ein Film dieser Art funktionieren könnte, und daran zweifel ich sehr, müsste genau dieses seelenlose Identitätsproblem behoben werden. Dafür müsste man einen FPS 2.0 entwickeln, möglichst angegangen von Leuten die ein wenig Leben in einen Film hauchen können. Dafür sind Amateurfilmer in der Regel die falsche Wahl. So theoretisch vielversprechend „FPS“ auch ausgefallen ist, nach einem nostalgisch sympathischen Einstieg im C64-Look ist der Streifen nur noch dröge, monoton und somit total langweilig, so dass die blutigen Schauwerte auch nichts reißen können. Die peinliche Stimme mit gehaltlosem Gebrabbel geben dem Experiment schließlich den Todesstoß. Bei solch einem Ergebnis gebe ich nicht einmal einen großzügigen Amateurfilm-Bonus. Ohne Wachmacherpillen für Lastwagenfahrer ist der Streifen nicht aus- und durchzuhalten. Gute Nacht! schlecht


Weitere Reviews zum Film: 

Sonntag, 17. April 2016

FLEISCH (1979 Rainer Erler)


Sie sind frisch verheiratet, kommen in einem Honeymoon-Motel unter und haben frisch Liebe gemacht, da kommt urplötzlich ein Krankenwagen angefahren und schnappt sich den Gatten Mike. Die Braut Monica kann entkommen, sonst hätte man auch sie mitgenommen. Zusammen mit dem LKW-Fahrer Bill versucht Monica herauszufinden warum Mike entführt wurde...


Fleisch für Dr. Jackson...

Nach dem in jeglicher Hinsicht gelungenem 9 Jahre zuvor entstandenen TV-Film „Die Delegation“ habe ich von Rainer Erlers „Fleisch“ wesentlich mehr erwartet als einen schlichten Thriller, der das für seine Zeit für Aufregung sorgende Thema Organhandel lediglich für eine schockierende Wende einer rätselhaften Geschichte nutzt, also einzig zu Unterhaltungszwecken und weit davon entfernt erneut einen intelligenten Stoff abzuliefern.

Stattdessen suhlt der Film pausenlos in Klischees, angefangen bei der zwielichtigen Motelbesitzerin, weitergeführt mit dem solidarischen Netzwerk der Truckfahrer und mündend in einer Auflösung um Reue, Verrat und diversen weiteren lauwarmen Zutaten für Stangenware aus Kriminal- und Mafiafilmen.

Dass die weibliche Hauptrolle mit ihrem höchst unsinnigen Handeln nervt, hätte man noch als Charaktereigenschaft auslegen können. Aber spätestens im letzten Drittel häufen sich auch die Patzer des Drehbuchs in Sachen Glaubwürdigkeit und Unlogiken, z.B. dann wenn man die Art und Weise der Polizei verfolgt, mit welcher sie die Maulwürfe bei ihrer Arbeit (nicht) begleitet.

Zwar inszeniert Erler nicht sonderlich reißerisch, sondern lässt auf überraschende Weise einfach passieren was passiert, letztendlich lebt seine Auflösung jedoch von viel zu vielen günstigen Zufällen und weiteren unangenehmen Klischees, als dass ich dieses, einen recht guten Ruf besitzende, Werk als ernsthafte Basis um über Organhandel zu diskutieren ernst nehmen könnte. Meiner Meinung nach weiß „Fleisch“ nicht einmal als Unterhaltungsfilm zu funktionieren, auch wenn er manch gelungene Momente besitzt. mittelmäßig


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DAS NETZ (1975 Manfred Purzer)


In Italien wird eine Prostituierte umgebracht. Der Reporter Emilio Bossi weiß dass der Schriftsteller Aurelio Morelli der Täter ist, geht mit diesem Wissen jedoch nicht zur Polizei sondern zu Morelli selbst, um ihn zu bitten den Mord in Form seiner Memoiren für jene Zeitung niederzuschreiben, für die Bossi tätig ist. Morelli willigt ein und schreibt wie er zum Mörder wurde...


Tagebuch eines Frauenmörders...

Der fast komplett in Italien gedrehte, hauptsächlich deutsch produzierte, Film „Das Netz“ versucht gar nicht erst ein Geheimnis daraus zu machen dass Morelli der Mörder ist. Da man die Tat selbst nicht sieht hätte Bossi auch Opfer seiner eigenen Sensationsgier werden können. Die Gesellschaftskritik diesbezüglich mündet jedoch in einem andersartigen finalen Kniff, der zwar recht reizvoll ausgefallen ist, der Weg dorthin jedoch leider nicht. Zwar weiß Regisseur Manfred Purzer die auf einem Roman basierende Geschichte zunächst recht interessant zu inszenieren, im Laufe der Zeit bemerkt man als Zuschauer jedoch, dass sich hinter dem intellektuellen Blickwinkel der Erzählung eine wesentlich dünnere Geschichte befindet, als es das Ego des Autors zulässt.

So gerne wäre „Das Netz“ hintergründig vielschichtig, mag sein dass es der Roman auch ist, wenn wird dies jedoch kaum in die Verfilmung transferiert, die zwar gekonnt die Zwielichtigkeit aufdeckt die sich so gerne hinter Moral verbirgt, sich jedoch nie wirklich entscheiden kann ob man einen modernen Kriminalfilm dreht oder ein sensibles Psycho-Drama. Am intensivsten schaut sich „Das Netz“ immer dann, wenn wir Morellis Rückblicke während des Schreibens begleitet von Off-Kommentaren erzählt bekommen. Die Parallelen im Jetzt hingegen plätschern zu sanft, vorhersehbar und uninteressant dahin, als dass sie den Stoff bereichern oder die Rückblicke wertvoll ergänzen könnten.

Zumindest Kinski spielt den agilen Fatzke von Reporter angenehm lässig. Mag er auch nicht sein volles Potential in die Rolle investieren, was nachvollziehbar ist bei einem solch selbstverliebten Stoff, so liebt die Kamera doch trotzdem sein Gesicht und seine ruppige Art, die auch Co-Star Elke Sommer rückblickend beklagte, als Kinski ihr in einer Szene einen Büschel Haare ausgerissen haben soll.

„Das Netz“ versteht sich als anspruchsvolle poetische Kost, streift aufgrund der nüchternen und verkopften Herangehensweise auch sicherlich dieses Ziel, letztendlich ist die Geschichte aber nicht gehaltvoll, intelligent und subtil genug um die Ansprüche an sich selbst zu erreichen. Ein wenig zu langweilig ist Purzers Werk ausgefallen, als dass er zumindest als unterhaltsame Zwischendurchkost bezeichnet werden könnte. Bei genügend Gehalt kann eine nüchterne Umsetzung Wunder bewirken. Es ist jedoch fatal einen Film mit so viel Leerlauf wie hier in einem solch unaufgeregten Stil zu kleiden. mittelmäßig


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BLUTIGER SCHATTEN (Solamente nero 1978 Antonio Bido)


Stefano kehrt heim auf eine Insel in der Nähe von Venedig, um seinen Bruder, den Priester Don Paolo, zu besuchen. Paolo beobachtet den Mord an einem Subjekt seiner Gemeinde, welches ihm aufgrund okkulter Taten ein Dorn im Auge war. Von da an werden auch immer wieder Mordanschläge auf ihn verübt, wahrscheinlich weil der Mörder glaubt dass Paolo ihn erkannt hat. Während immer mehr Menschen ums Leben kommen ermittelt Stefano auf eigene Faust und entdeckt dass die Taten mit dem Mord an einem Mädchen zu tun haben, welcher schon viele Jahre zurück liegt...


Das okkulte Quartett...

Zwei Jahre nach seinem sachlichen und deshalb so gelungenen Giallo „Die Stimme des Todes“ kehrte Antonio Bido auf den Regiestuhl zurück um erneut einen Beitrag besagten Genres abzuliefern. Das Ergebnis ist ein noch besser ausgefallener Thriller trotz längerer Laufzeit. „Blutiger Schatten“ ist ebenso bodenständig ohne unsinnige Zusätze umgesetzt wie sein Vorgänger, besitzt im Gegensatz zu diesem jedoch den Bonus zudem interessant fotografiert zu sein. Der Mord im Regen, die Flucht des Mörders im Treppenhaus des Glockenturmes, Bidos Folgefilm besitzt unglaublich viele optisch wundervoll eingefangene Momente, ohne dass der Film nun durchgehend zum reinen Kunstobjekt wird.

Wieder einmal ist die Geschichte wohldurchdacht, was gerade die doppelbödige Auflösung deutlich macht. Wieder einmal fesselt die Geschichte allein deswegen weil man zum Mörderraten eingeladen wird. Und wieder einmal stößt man nicht auf Widersprüche, Unsinnigkeiten oder für die Story unnötige provozierende Szenen. So wie das Debut, so konzentriert sich auch Bidos zweiter Giallo auf die Stärke seiner konsequent erzählten Geschichte, dabei wieder einmal stets nur den Kriminalfall im Fokus haltend und gerade dadurch in nüchterner Umsetzung eine dichte Atmosphäre schaffend, die damit von ganz allein ihren packenden Spannungsbogen zu erhalten scheint. Mitdenken ist erwünscht, einfallsreich ist dementsprechend das Ergebnis ausgefallen.

Wer glaubt „Schatten des Todes“ (Alternativtitel) würde aufgrund des okkulten Aufhängers den Bereich des Horrorfilms streifen, der irrt, steht das Abhalten von Seancen doch für die Vielschichtigkeit der Charaktere, wird quasi zu einem austauschbaren Hobby um seiner Außergewöhnlichkeit beraubt, um eine facettenreiche Gesellschaft wiederzuspiegeln, nutzt aber insofern hervorgehoben der Geschichte, als dass das zu beschützende Opfer ein Mann Gottes ist.

„Blutige Schatten“ (Alternativtitel) ist ein ausgesprochen intelligent ausgefallener Giallo, dem die Härte der meisten Beiträge dieses Genres zwar fehlt, aber Freunden von Thriller-Kost, die einem zum Mitdenken einlädt, unbedingt ans Herz gelegt sei, bietet „Bloodstained Shadow“ (Aklternativtitel) doch viele Fährten, interessante bis groteske Figuren, eine wundervolle und seinerzeit sicher provozierende Auflösung und eine intelligent wie unaufgeregt erzählte Geschichte in tollen Bildern. Ich finde es unglaublich schade, dass Bido es mit diesem Talent nur auf vier Filme geschafft hat. Wer weiß welche Schätze er uns noch hätte bescheren können... sehenswert


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Samstag, 16. April 2016

DIE STIMME DES TODES (Il gatto dagli occhi di giada 1976 Antonio Bido)


Mara wird Zeugin eines Mordes als sie spät abends eine Apotheke aufsucht. Zwar hat sie nur die Stimme des Täters mitbekommen, aber das reicht diesem um auch einen Mordanschlag auf Mara zu verüben. Diese kommt bei ihrem Freund Luca unter, dessen Nachbar von wem Unbekanntes mit ominösen Telefonanrufen bedroht wird. Luca erkennt dass die Geschehnisse zusammengehören...


Der Tod des Apothekers...

Was Regisseur Antonio Bido mit „Die Stimme des Todes“ abliefert, ist ein für einen Giallo sehr bedacht vorgehender Thriller, der sich im höchsten Maße auf seine Geschichte konzentriert, ohne sich inhaltliche Ungereimtheiten oder Unsinnigkeiten zu erlauben. Wir erleben einen hochinteressanten Kriminalfall, in welchen interessant charakterisierte Personen verwickelt sind. Diese streifen Klischees nur sehr leicht, was die Realitätsnähe verstärkt die der gesamte Streifen ausstrahlt.

Es herrscht konstant ein hoher Spannungsbogen innerhalb eines sehr langsam und unaufgeregt erzählten Filmes, der eine Geschichte präsentiert welche den Zuschauer zum Mitraten einlädt und mit einer gelungenen Mörderaufdeckung belohnt. Mehr noch: das Motiv der Tat ist äußerst interessant und durchdacht ausgefallen und für sein Erscheinungsland Italien geradezu untypisch zu nennen, da man sich in der Regel in einem Giallo nicht mit derartiger Thematik befasst.

Zumindest erklärt die Auflösung indirekt dann auch, warum wir es mit einem solch sachlichen und souverän erzählten Film zu tun haben, der nie in irgendeiner Art augenzwinkernd verspielt daher kommt oder mit amourösen Provokationen arbeitet. „Watch Me When I Kill“ (Alternativtitel) ist sehr züchtig und ernsthaft geraten, streift nicht ansatzweise den Bereich des Pulps und entgeht damit der Gefahr im Finale geschmacklos zu wirken.

Leider ist „The Cat with the Jade Eyes“ (Alternativtitel) ziemlich simpel abgefilmt, da hätte es ruhig künstlerisch wertvollere Perspektiven geben können, ganz zu schweigen von Farben- und Schattenspielen. Aber zumindest ist der Film von ruhiger Hand abgefilmt im stimmigen 70er Jahre-Look, was zum nüchternen Inszenierungsstil passt, so dass „Stimme des Todes“ sowohl optisch als auch inhaltlich zueinander passt und ineinander greift, was für ein Regie-Debut eine lobenswerte Angelegenheit ist.

Es ist schade dass Regisseur Bido in seinem Leben nur vier Filme abgedreht hat. Sein hier besprochenes Werk ist das Paradebeispiel eines nicht mit Unnötigkeiten gestrecktes, auf sein Ziel konzentriertes Abfilmen einer interessanten Geschichte, ohne sich in irgendwelche inhaltlichen oder technischen Spielereien zu verwickeln. „Il gatto dagli occhi di giada“ (Originaltitel) erzählt was er erzählen muss um zum Ziel zu kommen, vernachlässigt dabei nicht die nötige düstere Grundstimmung und den Spannungsbogen, benötigt hierfür aber keinerlei reißerischen Elemente. Sein Folgewerk „Blutiger Schatten“ ist meiner Meinung nach sogar noch besser ausgefallen, aber bereits das in einem schlichten, aber stimmigen Soundtrack gekleidete Debut weiß gekonnt und für sein Genre überraschend anspruchsvoll zu unterhalten. sehenswert


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