Sonntag, 29. Mai 2016

LOVE AND OTHER DRUGS - NEBENWIRKUNG INKLUSIVE (Love & Other Drugs 2010 Edward Zwick)


Der junge Medikamentenvertreter Jamie ist auf der Suche nach dem beruflichen Erfolg und dem schnellen Sex. Letztgenanntes bekommt er durch sein gutes Aussehen problemlos erreicht, und als er diesbezüglich auf eine Gleichgesinnte namens Maggie trifft entbrennt zwischen ihnen eine Leidenschaft die unerwartet zu tieferen Gefühlen führt. Während Jamie durch das neu entdeckte und heißbegehrte Viagra beruflich immer erfolgreicher wird, wird ihm bewusst dass die Parkinson-Krankheit unter der seine Freundin leidet doch nicht so leicht zu nehmen ist, wie der naive Mann bislang immer dachte...


Macht es einzig der Moment?...

Auf dem DVD-Cover las sich „Love and Other Drugs“ wie die typische Romantikkomödie, und als das Thema Parkinson erstmals in die Geschichte hereinbrach dachte ich noch sie soll nur Aufhänger für Maggies nicht immer gesetzestreuen Charakter sein. Aber ich habe mich geirrt, die gute Frau leidet tatsächlich unter der Krankheit und so nach und nach brechen die daraus resultierenden Probleme in die heile Welt des schnelllebigen Pärchens herein. Zwicks Werk wird, wenn auch überraschend spät, zu einem Drama um eine Krankheit, die einmal diagnostiziert nicht mehr loszuwerden ist.

Ich persönlich tue mich meist schwer mit diesen Herzschmerz-Filmen, die sich Krankheiten zu eigen machen um auf Kosten derer die sie haben Profit aus dem Mitgefühl anderer zu schlagen. Nicht dass mir bei meinen wenigen Besuchen dieser Gattung Film nicht auch der ziemlich plump kalkulierte „Philadelphia“ gefallen hätte, eben weil er genau weiß welche Knöpfe er beim Publikum drücken muss, aber selbst ehrlich ambitionierte Arbeiten dieser Thematik sind mir ein Dorn im Auge, lassen sie doch etwas in mein Leben herein, welches ich so weit wie möglich aus meiner Cineasten-Realität verdrängen möchte, auch wenn ich nicht nur im heile Welt-Kino zu Hause bin.

Das ist mein persönliches Problem und kein grundsätzlich zu diskutierendes, und einmal mit „Love and Other Drugs“ angefangen habe ich ihn freilich nicht abgebrochen. Aber aufgrund meiner Grundhaltung fällt es mir nun schwer zu erkennen ob meine durchaus vorhandene Sympathie für den Streifen nicht über nette Routine hinaus geht weil dies auf den Streifen tatsächlich zutrifft, oder ob ich ihm ein sehenswertes Urteil unterschlage, weil ich allgemein voreingenommen vor dieser Art Film bin. Ich weiß es nicht genau, fand aber dass Zwicks Film sowohl in seinen lockeren als auch in seinen dramatischen Phasen eher angenehm vor sich hin plätscherte anstatt den Zuschauer wirklich gefangen zu nehmen.

Die Grundbasis zum Funktionieren einer RomCom und eines Dramas sind gegeben: man schließt die Protagonisten in sein Herz. Mag Jamie auch noch so ein oberflächlicher Mensch sein, noch bevor er mehr Tiefe erlangt mag man ihn eigentlich, den Vertreter der einem alles verkaufen kann. Dass wir uns an ihn gebunden fühlen liegt daran dass das Drehbuch ihn zur Identifikationsfigur auserkoren hat, auch wenn einem Maggie wesentlich sympathischer ist, und dies nicht nur durch ihr süßes Aussehen.

Zwar beginnt „Love and Other Drugs“ ziemlich leichtfüßig, aber schon sehr früh ist zu erkennen dass seine Geschichte nicht nur oberflächlicher Natur ist. Der Satireanteil auf die Pharmaindustrie und Ärzteschaft ist amüsant und ehrlich eingefangen. Und dass Hersteller von Mittelchen wie Viagra mehr finanziellen Erfolg innerhalb eines Wirtschaftszweiges haben, der neben der Pornoindustrie zu den finanziell erfolgreichsten überhaupt gehört, als jene die Medikamente zu wichtigeren Problemen verkaufen, ist ein häufig erkanntes Phänomen (siehe hierzu auch „Idiocracy“), welches auch den Markt zur Bauernfängerei öffnet. Einzig eine Abrechnung mit homöopathischen Wunderheilern habe ich vermisst, aber das hätte vielleicht auch den Rahmen gesprengt und verdient einen eigenen Film.

„Love and Other Drugs“ ist lange Zeit lediglich eine Liebeskomödie. Bricht das Thema Parkinson endgültig in die Geschichte herein, sind die unterschiedlichen Phasen die Jamie als Mitbetroffener durchmacht durchaus interessant eingebracht, regen sie doch tatsächlich zum Nachdenken an, da sie reine Ehrlichkeit vom Zuschauer abverlangen. Dass der Film nicht völlig sinnlos von einem Thema zum anderen hüpft zeigt die grundlegende Frage des Streifens. Macht es einzig der Moment? Erst stellte Zwick die Frage bezogen auf den schnellen Sex, wenn man doch auch eine wahre Partnerschaft leben könnte. Später fragt er dies bezogen auf eine Beziehung zwischen zwei Menschen, von denen einer eine unheilbare Krankheit hat. Ist es wichtig einzig für den Moment glücklich zu sein? Oder ist es das am Ende nicht wert, wenn alles was die Liebe ausmachte irgendwann von einer gnadenlosen Krankheit aufgefressen wird?

Man kann es Jamie nicht verdenken, dass er, die Krankheit einmal als Teil der Beziehung akzeptiert, um seine kranke Freundin kämpfen möchte, während diese entgegen hält ihr Leben bestehe nicht nur aus ihrer Krankheit. Sie möchte ihr Leben neben dieser Krankheit genießen. Sie setzt auf den Moment. Und wenn Jamie es schließlich auch tut, kann man dem Film nun wahrlich aufgrund dieser mutigen Entscheidung keine Blauäugigkeit vorwerfen, auch wenn der im Film nicht gezeigte Moment kommen wird, in dem Jamie an seine Grenzen stößt und bereut wofür er sich entschieden hat. Er wird sich an die warnenden Worte des alten Mannes erinnern, der ihn zu einer egoistischen Entscheidung riet. Aber es ist eben, wie bei dem danach benannten Drama mit Julia Roberts, eine Entscheidung aus Liebe.

Man liest es heraus, „Love and Other Drugs“ ist kein Film der seine Themen leicht nimmt oder rein der anerzogenen Meinung wegen ein moralisch streng konservatives Statement zu den zwei aufgeworfenen Themen abgibt. Er vermischt gekonnt die leichtfüßige RomCom mit dem Drama um eine unheilbare Krankheit, zum Leben erweckt von talentierten und sympathischen Schauspielern und Mitarbeitern hinter der Kamera. Was ist es also nun, was mich diesen Film trotzdem „nur“ als unterhaltsam empfinden lässt? Gerade einmal den Eindruck zu erwecken trotz alledem nur von Filmmoment zu Filmmoment vor sich hinzuplätschern, bis irgendwann das Ende der Erzählung erreicht ist, oder ist es mein grundsätzliches Problem mit Filmen dieser Art Thematik? Ich weiß es nicht.


DER ZINKER (1931 Martin Fric u.a.)


In London treibt ein Unbekannter sein Unwesen. Er erpresst Verbrecher die Beute mit ihm zu teilen, oder er verpfeift sie bei der Polizei. Sowohl die Unterwelt als auch die Polizei ist auf der Suche nach der Identität des sogenannten Zinkers...


Der Beste unter den Petzen...

Bereits zur Stummfilmzeit wurden Romane von Edgar Wallace verfilmt, und auch die Deutschen mischten schon lange vor dem Start der Rialto-Reihe von 1959 mit. Eine dieser frühen Verfilmungen, zu Zeiten entstanden in denen der Tonfilm eine noch relativ neumodische Erscheinung in den Kinos war, ist Carl Lamacs „Der Zinker“, der stark überarbeitet 1963 noch einmal in Deutschland verfilmt wurde. Diese erste Verfilmung, die nur wenige Jahre nach der Veröffentlichung des Kriminalromans von Wallace gedreht wurde, ist den ersten Filmen der Rialto-Reihe sogar recht ähnlich.

Zwar ist die Kommissarenfigur eine autoritäre, grummelige Gestalt mit der nicht zu spaßen ist, und damit alles andere als das späte Bild vom schelmisch kumpelhaften Ermittler, aber so dominant wie manche Inhaltsangabe uns glauben machen will ist die Figur innerhalb der Geschichte ohnehin nicht vertreten, interessieren sich die Verantwortlichen dieser 30er Jahre Verfilmung doch viel mehr für die Unterwelt und ihre mal mehr und mal weniger ehrbar zwielichtigen Gestalten. Und dank der klassisch naiven Trennung zwischen Gut und Böse ist zumindest dieser Blickwinkel, der Hauptaspekt des Streifens, den ersten Rialto-Werken nicht unähnlich.

Wer wie ich relativ wenig im deutschen Kino vor 1950 zu Hause ist, der darf erstaunt sein über die Moderne der dort dargestellten Gesellschaft und darüber wie bereits jeglicher gesellschaftliche Figurentyp vertreten ist, wie es ihn auch heutzutage gibt. Das Klischee der verbohrten und verspießten Deutschen, die kurz darauf in die Hände der Nazis fielen, wird nicht bestätigt. Ganz im Gegenteil darf man erleichtert feststellen dass sich heute wie damals an der Vielschichtigkeit von Mentalitäten und Moral nicht viel verändert hat.

Von dem spannenden Zeitzeugnis trotz der fiktiven Geschichte einmal abgesehen, ist „Der Zinker“ jedoch recht routiniert ausgefallen. Viele Verdächtige gibt es nicht, so dass man relativ schnell auf die Auflösung kommen kann, die für seine Zeit mit recht spektakulären Szenen umgesetzt wurde. Ansonsten dümpelt der Kriminalfilm aber mal mehr mal weniger interessant vor sich hin, ohne dass man eine wirkliche Bindung zu einer der Figuren aufbauen könnte.

„Der Zinker“ kommt recht steif daher, ist dabei nicht so unterhaltungsfeindlich ausgefallen wie die deutsche 1937er Jahre-Version von „Der Hund von Baskerville“, aber sehenswert sieht anders aus. Der Aufhänger der Geschichte geht als interessant in Ordnung, und ein neuer auf alt getrimmter Soundtrack erleichtert den Zugang zu dem Stoff, der kann sich hören lassen. Letztendlich ist jedoch alles zu unspektakulär ausgefallen um nennenswert aus der Masse der damaligen Produktionen herauszuragen. Erst der Vergleich zu den späteren deutschen Wallace-Verfilmungen macht „The Informer“ (Alternativtitel) interessant. Für durch die Jahrzehnte wandernde Cineasten ist der Streifen somit zumindest theoretisch einen Blick wert. Aber etwas mehr habe ich von dem lange Zeit verschollen geglaubten Film dann doch erwartet.


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Samstag, 28. Mai 2016

SATURN CITY (Saturn 3 1980 Stanley Donen u.a.)


Alex und Adam wohnen auf einer Raumstation in der Nähe des Saturns und versuchen dort anhand von Forschungen das Welthungerproblem zu lösen. Eines Tages erscheint ein Vorgesetzter mit einem neuen Prototyp Roboter, der die Forschung beschleunigen soll und auf der Raumstation dafür erstmals getestet werden soll. Schon kurz nach seiner Aktivierung entwickelt die Maschine ein mörderisches Eigenleben...


Alter Mann gegen neue Technik...

Das Kind in mir geht jedes Mal mit mir durch wenn ich auf Filme mit Themen wie Killerroboter stoße. Solche Werke stehen nie lange ungesehen in meiner Sammlung herum, und wenn sie vor der computeranimierten Kinozeit entstanden sind, dann vergrößert das mein Interesse um so mehr. „Saturn City“ ist bislang unbemerkt an mir vorbei gegangen. Um so erstaunter war ich eines Tages die DVD in der Hand zu halten, die mir anhand ihrer Aufschrift mitteilte, dass es eine derartige Thematik mit Kirk Douglas in der Hauptrolle gibt. Und da auch noch Harvey Keitel mit an Bord ist, war die Neugierde endgültig geweckt, auch wenn ich kritisch blieb ob eine der auf dem Cover genannten Aspekte Augenwischerei sein könnte.

Unter dem reißerischen Titel „Mörder Roboter“ habe ich „Saturn City“ erstanden, und beim Sichten war ich erleichtert, dass besagter Maschinenmensch auch wirklich im Zentrum der Geschichte steht. Die ungewohnt lockerleichte Atmosphäre für einen erwachsenen Science Fiction-Film dieser Thematik hat mich schnell für sich eingenommen, und nun nach Beendigung des Streifens kann ich behaupten, dass das Interesse für den Film bis zu seinem Ende hin aufrecht erhalten wurde.

„Saturn 3“ (Originaltitel) ist flott inszeniert, konzentriert sich ohne große Umschweife für den Kampf Mensch gegen Maschine, verarbeitet damit etwas augenzwinkernd das Klischee des Alten der mit der modernen Technik nichts anzufangen weiß und weiß dies subtiler umzusetzen als der darin arg bemühte „Stirb langsam 4.0“. Und da sich Stanley Donen und sein Autor Martin Amis auch wirklich für die Charaktere der Protagonisten interessieren, wird aus dem schlichten Stück roter Faden ein intensives, spannendes und griffiges Filmerlebnis.

Das ungewöhnliche Design des Roboters weiß zu gefallen, und dass während der kompletten Geschichte stets der Geist eingeschaltet bleibt, sprich dass innerhalb der Story immer wieder darüber nachgedacht wird was man als nächstes tun könne und somit die Handlungen der Helden Sinn ergeben, sorgt ebenfalls für einen guten Gesamteindruck eines von mir zuvor unterschätzten Streifens.

Einzig dass Kirk Douglas nie wahr haben will wie alt er tatsächlich ist, macht einen kleinen Schwachpunkt von „The Helper“ (Alternativtitel) aus. Aber da der Rest in seiner kurzweiligen und leicht düsteren Umsetzung derart zu packen weiß, auch wenn das Metallvieh nie eine solch intensive Bedrohlichkeit auszustrahlen weiß wie vier Jahre später der „Terminator“, kann man „Saturn-City“ durchaus als kleinen Geheim-Tipp bezeichnen, der sich intensiver guckt als Norringtons „Death Machine“ oder der x-te „wir laufen im All in Lüftungsschächten und Fabrikkellern vor Aliens weg“-Streifen.

Donens Werk ist handgemachtes Old School-Kino, wahrscheinlich schon zu seiner Entstehungszeit nicht mehr modern zu nennen, aber er macht alles richtig und weiß den Zuschauer für seine Geschichte bis zum Schluss zu interessieren. Und darauf kommt es in einem Unterhaltungsfilm an. Dank gelungener Tricks, einem geistreichen Drehbuch und dem auf den Inhalt bezogenen „weniger ist mehr“-Prinzip kann man „Saturn Three“ (Alternativtitel) also durchaus dem Genre-Fan ohne Bedenken weiter empfehlen.


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DER DOPPELGÄNGER (1934 E.W. Emo)


Die gerade volljährig gewordene Australierin Jenny zieht zu ihrem Vetter Harry nach London, um ihn zu heiraten. Kaum dort angekommen kontaktiert sie ein Detektiv und informiert sie darüber dass Harrys Vermögen in Gefahr schwebt, geht in London doch ein Dieb um, dessen Lockvogel seine Opfer zu einer Reise verleitet, damit der Täter, während das Original verreist ist, als Doppelgänger getarnt die Wohnung ausräumen kann. Tatsächlich möchte Harry verreisen, sitzt auch bereits im Zug der ihn nach Ostende fahren soll, überlegt es sich jedoch kurzfristig anders und fährt wieder heim. Dort angekommen wird er von seiner Cousine und dem Detektiv überrumpelt und gefangen genommen, da er für den gefürchteten Doppelgänger gehalten wird. Und was auch immer Harry versucht, Jenny glaubt ihm kein Wort...


Hilfe, ich bin ich...

Diese Krimi-Komödie, die dominanter Komödie als Kriminalfilm ist, basiert auf einer der Arbeiten von Edgar Wallace und wurde von E.W. Emo umgesetzt, der seit der 20er Jahre leichte Stoffe verfilmte und bis in die 50er Jahre hinein als Regisseur tätig war und dabei etliche Filme mit Theo Lingen in der Besetzung umsetzte. Der ist auch im hier besprochenen Werk in der Rolle des ängstlichen Detektivs dabei und darf von allen Beteiligten am meisten herumalbern, während der restliche Film einer eher seichteren Komik nachgeht.

„Der Doppelgänger“ ist ein leichtfüßiger Vertreter der Gattung Verwechslungs-Komödie und schaut sich aufgrund der im Mittelteil konzentrierten Beschränkung auf nur wenige Zimmer im selben Haus wie ein für den Film umgeschriebenes Theaterstück. Wer also aufgrund der literarischen Vorlage von Edgar Wallace einen Krimi-Plot erwartet wie ihn die frühe 60er Jahre-Rialto-Reihe bot oder die 30er Jahre-Verfilmungen „Der Zinker“ und „Der Hexer“, der wird nicht wirklich glücklich werden mit dem Stoff, vorausgesetzt er kann sich nicht umorientieren und auch Freude an einer verspielten Komödie haben, die durchaus ihre einfallsreichen Momente besitzt.

Relativ kurz nach der Entstehung des Tonfilms gedreht weist die Akustik noch einige Mängel auf. Und aufgrund seines Alters fehlen dem Werk auch Teile des Filmmaterials und des dazugehörenden Tons. Ein großer Wurf ist Emo mit „Der Doppelgänger“ nicht gelungen. Er wird nicht zur Pflicht für interessierte Cineasten. Aber als lockerleichte Komödie weiß das Lustspiel sehrwohl zu gefallen, vorausgesetzt man erwartet nicht zu viel und kann sich mit dem Grundlagenprogramm eines solchen Filmes zufrieden geben.

Manches Mal überrascht das Drehbuch mit einfallsreichen, besonders lustigen Sequenzen. Und gerade das Spiel von Hauptdarsteller Georg Alexander, welches den 50er Jahre-Rollen eines Heinz Rühmann stark ähnelt, weiß den Großteil des Filmes zu tragen, bereitet es doch eine Heidenfreude ihn zunächst zugeknöpft und arrogant zu erleben, und später bockig und zum Haushalt gezwungen, von der eigenen Cousine gefangen gehalten, da für einen Betrüger gehalten werdend.

Wie alt „Der Doppelgänger“ tatsächlich schon ist merkt man nicht nur am dem in die Jahre gekommenen, in Mitleidenschaft geratenem Schwarz/Weiß-Bild und dem schlechten Ton, auch die Idee dass eine Frau ihren Vetter besucht um ihn zu ehelichen wirkt mit Blick von heute doch arg überholt, ja sogar geradezu skandalös. Andere Zeiten, andere Sitten, kann man da nur sagen, aber irgendwie passt selbst der moderne Blick von heute zur damaligen Inszenierung, wird Jenny doch schließlich als ziemliche unberechenbare Skandalnudel charakterisiert, so dass die überholte Freizügigkeit dem Sehspaß keine Einschränkungen beschert. Zumindest zeigt uns ein Blick auf „Der Doppelgänger“ bezüglich dieses speziellen „Inzest"-Themas, dass Moral sich stets im Wandel befindet und unsere ach wie freie moderne Art, von der wir gerne denken wir hätten mit ihr jegliche Zwänge über Bord geworfen, doch nicht nur aus freiheitlichem Fortschritt besteht, sondern teilweise auch aus Rückschritten.

MEIN VETTER WINNIE (My Cousin Vinny 1992 Jonathan Lynn)


Der Teenager Bill Gambini glaubt bei seiner Reise durch Amerika im tiefen Süden zusammen mit seinem Kumpel Stan wegen Ladendiebstahls festgenommen zu sein, da stellt er fest dass ihnen ein Mord angehangen wird. Glücklicher Weise hat Bill mit seinem Vetter Winnie einen Anwalt in der Familie. Der ist mit seiner lockeren Lebensart aber nicht nur kein Paradebeispiel für einen souveränen Vertreter seines Berufs, er ist nach langjährig gescheitertem Studium zudem gerade erst frisch als Anwalt zugelassen und stand bislang noch nie vor Gericht...


Anwälte sind Zauberkünstler...

Regisseur Jonathan Lynn lässt in „Mein Vetter Winnie“ den spießgen Süden auf das Spaß-orientierte New York stoßen und macht während er sich über beide Seiten lustig macht kein Geheimnis daraus, dass er mit beiden Seiten sympathisiert. Die Komödie versteht sich nicht als Hass- oder Frust abladendes Abarbeiten diverser Amerika-Klischees, mit all zu harter Komik darf man also nicht rechnen. Stattdessen deutet der Film durch den Konflikt zwei unvereinbar scheinender Kulturen auf deren Charme. Beide Kulturen besitzen, so wie alles im Leben, ihre positiven und negativen Seiten. Dementsprechend lässt Lynn den Gegenüber stets zunächst die negativen Seiten der fremdartigen Lebensart erleben, bevor er auch die positiven erkennen darf in einem locker flockigen Familienfilm, bei dem man nie Bedenken anmelden würde ob es zu einem Happy End kommt oder nicht.

„Mein Vetter Winnie“ mag an mancher Stelle recht konventionell ausgefallen sein, und wie Winnie den Freispruch für seinen Vetter erreicht hat mehr mit Zufall als mit erlangtem Wissen oder erarbeiteter Reife zu tun. Aber all zu streng darf man diesen an sich doch sehr charmant erzählten Stoff nicht nehmen, in dem „Karate Kid“ Ralph Macchio wohl seine letzte Chance in einem Kinofilm nach seiner ewig jugendlichen Karate-Karriere erhielt und lobenswert zurückhaltend dem spielfreudigen Joe Pesci die Manege überlässt.

Der spielt als gäbe es kein Morgen, im deutschen ungewohnt, aber passend synchronisiert mit der Synchronstimme Bruce Willis‘, weiß aber auch wann er dem nicht minder grandios spielenden Fred Gwynne in der Rolle des Richters das Ruder überlassen muss. Heraus kommt im Endergebnis ein dialogfreudiges Kulturenzusammentreffen mit treffsicherem Witz, gemixt aus zurückhaltendem Humor, treffsicherem Schlagabtausch und vor lachen nur so übersprudelnder Momente, getragen von einer gut aufgelegten Besetzung, die bis in die kleinste Nebenrolle dank interessanter Charakterzeichnung, Freude bereitet. Ob es der hirnlose Dorfproll ist, der sich mit Winnie prügeln will, der scheinbar so fähige Pflichtverteidiger, für den sich Bills Kumpel Stan entscheidet, nachdem Winnie nicht einmal fehlerfrei die Frage „wofür plädieren sie“ beantworten konnte, oder der erfolgreiche Staatsanwalt, der zur harten Konkurenz für den unerfahrenen Winnie wird: im „Mein Vetter Winnie“-Universum wimmelt es nur so vor charmanten Figuren, eine Sympathie die sich geradezu zwangsweise auf den Film überträgt.

Und so macht es auch gar nichts dass „My Cousin Vinny“ (Originaltitel) das Rad nicht neu erfindet. Lynns Werk macht einfach Spaß, ebenso wie seine diesem Werk folgenden Arbeiten „Ein ehrenwerter Gentleman“, „Greedy“ und „Keine halben Sachen“, alles Filme die keine Meilensteine ihres Fachs sind, aber gekonnt und professionell umgesetzt den Durchschnitt der Komödiengattung hinter sich lassen, um mehr zu sein als akzeptable Unterhaltung. Die Pointensetzung ist zu zielsicher und die Gesamtabiente zu locker als dass man das Ergebnis für Zufall oder minderwertig halten könnte. „Mein Vetter Winnie“ ist zielsicher umgesetzt, talentiert und sympathisch besetzt und hat einzig mit der etwas arg routinierten Geschichte zu kämpfen.


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DER MANN MIT DEM GLASAUGE (1969 Alfred Vohrer)


Ein unbekannter Messerwerfer mit Glasauge geht um. Die Ermittlungen von Inspektor Perkins ergeben, dass die Ermordeten alles Hintermänner eines Rings für Drogen- und Frauenhandel waren...


Die sittarme Gräfin...

Mit „Der Mann mit dem Glasauge“ ging eine Ära zu Ende. Zwar wurde der letzte klassisch ausgefallene Beitrag der Rialto Wallace-Reihe, „Die Tote aus der Themse“, erst 1971 gedreht, aber der war nach dem Erfolg von Argentos „Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe“ nur der Versuch die Reihe nach zwei Jahren wiederzubeleben, was scheiterte, so dass nach ihm lediglich noch zwei Giallos folgten, die sich so stark von der restlichen Wallace-Serie, egal welcher Dekade, distanzierten wie der in den zwei Jahre Pause entstandene „Das Gesicht im Dunkeln“, der ein alleinstehendes Unikum im Wallace-Universum blieb.

Der theoretisch richtige Abschluss der Reihe, der stilistisch für all das steht wofür die in Farbe gedrehten Filme der Wallace-Reihe berüchtigt sind, ist eigentlich „Der Mann mit dem Glasauge“, der von dem die Reihe mitprägenden Alfred Vohrer inszeniert wurde, was Kennern des Mannes einen sehenswerten Abschluss verspricht, ist dieser Regisseur doch nicht nur ein einfallsreicher und talentierter Mann seines Fachs, in seiner letzten Arbeit für die Reihe zieht er zudem noch einmal alle Register und liefert für die Wallace-Reihe in etwa das ab, was „Octopussy“ Jahre später für die James Bond-Reihe wurde.

Ein solch knallbuntes Feuerwerk an schrägen Attraktionen hat man in dieser Vielfalt scheinbar nicht einmal in der dafür bekannten Buntphase der Rialto-Wallace-Filme erlebt. Fast schon überladen tummeln sich hier Tänzer, Bauchredner und Messerwerfer, wir wohnen einer Prügelorgie bei die aus der „Batman“-Serie der 60er Jahre hätte stammen können, der Bösewicht darf auf Mabuse-Art in seinem Versteck alles über Monitore verfolgen, es wimmelt vor doppelten Böden, Scherzartikeln, Skrupellosigkeiten und Gangster-Klischees. Und wenn recht spät selbst noch der Stereotyp einer skrupellosen Adligen mit dem Klischee der endlosen Frauen-verhassten Mutterliebe gekreuzt wird, dann erkennt auch der Letzte wie augenzwinkernd Vohrer die vergangenen, ernsteren Beiträge der Reihe auf die Schippe nimmt.

Das Ergebnis ist zugegebener Maßen recht albern ausgefallen, zotig wird es jedoch nur selten, z.B. dann wenn Sir Arthur jegliche Form menschlicher Intelligenz vermissen lässt oder Perkins Gehilfe zu Wort kommt, der seine Dämlichkeit u.a. durch eine Sprechweise verkörpert, die ihn klingen lässt als befinde er sich im Stimmbruch. Diese Tiefpunkte schaffen es tatsächlich in all dem Irrsinn negativ herauszuragen.

Trotzdem nimmt man diese negativen Seiten des Streifens gerne in Kauf, ist Vohrer doch nicht nur ein äußerst unterhaltsamer Streifen geglückt, sondern zudem noch ein selbstreflektierender, der durchaus mehr Geist besitzt als sein äußerer Hokuspokus zunächst vermuten lässt. Wer genau hinschaut weiß wie raffiniert mancher Seitenhieb, Verweis und Storyaspekt ausgefallen ist. Und Vohrer versteht es zu unterscheiden welcher Handlungsmoment Ernsthaftigkeit benötigt und in welchem er gar so weit gehen darf die Barriere zwischen Fiktion und Wahrheit zu durchbrechen, z.B. wenn im Schluss-Gag die entführten Schönheiten alle Sir Arthur umgarnen und dabei jegliches ernsthafte Schauspiel über Bord werfen, so dass sich die Szene wie ein Jux während der Dreharbeiten schaut.

Vohrer schafft es diese unvereinbar scheinenden Extreme zu einem sehenswerten Ganzen zu verknüpfen und beschert dem Publikum zwar keinen atmosphärisch düsteren Grusel-Krimi mehr, jene Art Popkornfilm für welche die Rialto-Reihe zu ihren Schwarz/Weiß-Zeiten stand, stattdessen aber einen sympathischen, experimentell ausgefallenen Nonsens in Reinform, von dem sich Pseudointellektuelle mit der Begründung von Niveaulosigkeit in ihrem Tunnelblick abwenden werden, wohingegen der unvoreingenommene Beobachter erkennen kann dass auch in solcher Art Film Tiefe liegen kann.

Diese sollte man sicherlich nicht überbewerten, hauptsächlich geht es um den hohen Unterhaltungswert. Und der wird sowohl jenen beschert die das versteckte Niveau der Inszenierung erkennen können, als auch jenen die lediglich geistlos zusehen. Anbei gibt es in „Der Mann mit dem Glasauge“ noch einen kleinen Leckerbissen zu erleben: der sehr augenzwinkernd mit sichtbarer Spielfreude agierende Horst Tappert trifft hier 6 Jahre vor dem Start der Krimiserie „Derrick“ auf Fritz Wepper, eine legendäre Begegnung, dessen cineastische Tragweite sich in den 60er Jahren keiner bewusst war.


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SPACE TRUCKERS (1996 Stuart Gordon)


Der Space-Truckfahrer John hat seinen offiziellen Job bei der Gesellschaft verloren, deswegen muss er einen illegalen Auftrag annehmen eine unbekannte Fracht zur Erde zu bringen. Nichts davon ahnend Killerroboter zu transportieren und begleitet von einem Trucker-Neuling und einer jungen Frau startet er seine Fahrt und gerät in die Fänge von Weltraumpiraten. Diese aktivieren versehentlich die gefährliche Fracht...


Von quadratischen Schweinen, einem mechanischen Pimmel und einem in einer Mikrowelle geschmorten Killerroboter...

Filmfreunde die alternativ zum Mainstream-Programm nichts konsumieren und für die Spezialeffekte nah an der Perfektion umgesetzt sein müssen, ist der ungewöhnlich erzählte „Space Truckers“ so gar keine Überlegung wert. Solche Menschen werden nicht glücklich mit dem von Stuart Gordon inszenierten Stoff, welcher auf den ersten Blick erkennbar kostengünstig ausgefallen ist und sich wie ein kunterbuntes Comicbuch schaut bei all seinen schrägen, bizarren und provokativen Elementen, die jedoch nie für eine harte, erwachsene Verfilmung genutzt werden, sondern für eine vor Charme sprühende verschmitzte Variante des Erwachsenenfilms.

Wer die Filme der „Lexx“ und ihre nachfolgende Serie kennt, der kann in etwa erahnen was einem bei „Space Truckers“ erwartet, der sich gekonnt mit unsinnigen Ideen, absichtlich schlechten Spezialeffekten und Übertreibungen der Lächerlichkeit preisgibt. Dabei ist er jedoch nicht vergleichbar mit Produktionen der Firma The Asylum, die so lange experimentell freiwilligen Schrott produzieren bis zufällig auch mal ein brauchbares Produkt bei herum kommt. Gordons Werk geht seine billige Ader gezielt an, weiß genau was er parodieren oder anderweitig erreichen will und trifft damit meist ins Schwarze.

Ungewöhnlich ist es schon gerade Stuart Gordon in einem solchen Werk auf dem Regiestuhl sitzen zu lassen. Zu Hause ist er im Horror-Genre, und auch wenn er solch unterschiedliche Werke wie den märchenhaften „Dolls“, den schwarzhumorigen „Re-Animator“, den harten Erwachsenenfilm „From Beyond“ und den dramatischen „Castle Freak“ fertigestellt hat, inmitten eines verspielt fröhlichen Science Fiction-Popkornfilms kann man ihn sich nur schwer vorstellen, so dass man um so überraschter sein darf wie kurzweilig der Streifen ausgefallen ist.

Es ist schade, dass ihm gegen Ende ein wenig die Luft ausgeht, schreitet „Star Truckers“ (Alternativtitel) ansonsten doch ohne große Umschweife flott voran. Aber selbst das etwas zurückgeschraubte Tempo im letzten Drittel, welches „Space Truckers“ den Weg zur wahren Genre-Empfehlung verwehrt, ist immer noch gut genug umgesetzt als dass man über ein nur halbgeglückten Werk klagen könnte, immerhin geht es gerade in der letzten halben Stunde konzentriert um die cool designten Killerroboter, und so etwas weiß dem Kind im Manne grundsätzlich zu gefallen.

Gordon zeigt uns die Arbeiterwelt der Zukunft, die nicht viel anders aussieht als die heutige auf Erden. Und genau mit dem Parallelblick aufs Heute wissen so viele versteckte Anspielungen zu gefallen. Am besten gefällt mir diesbezüglich der Running Gag, dass sich die Crew-Mitglieder beim Starten stets mit einer Art Achterbahnbügel anschnallen müssen, hoch futuristisch oder gewitzt elektronisch fällt die Zukunft somit nicht aus, erst recht nicht für die Unterschicht, die sich moderneren Schnickschnack nicht leisten kann.

Die nur selten zu sehende Oberschicht hingegen behängt sich mit albernen und blinkenden Schnickschnack, was erneut ein Tiefschlag heutiger Beobachtungen ist. Dieses hemmungslose Herumalbern findet jedoch glücklicher Weise immer nur in Rahmengimmicks statt, während die Hauptgeschichte routiniert humoristisch umgesetzt ist, als Komödie also zu funktionieren weiß, ohne das Niveau gleich auf unterirdischen Klamauk zu reduzieren.

Dank der Kenntnisse der Comic- und Science Fiction-Materie werden Klischees von Bösewichtern, Zukunftserrungenschaften und einem Zweiklassensystem charmant und treffsicher eingefangen. Und der Mut zu bizarren Ideen rundet das Rezept gekonnt ab und dürfte seinen Höhepunkt diesbezüglich wohl in der Figur des Piratenanführers erhalten, gerade in jener Sequenz in welcher er Sex mit Johns Wegbegleiterin haben möchte. Spätestens hier sollte der „Lexx“-Kenner endgültig Parallelen zur Serie erkennen, die Verwandschaft zwischen beiden Produkten ist enorm.

Dies dürfte auch der Grund dafür sein warum sich so viele Menschen mit „Space Truckers“ schwer tun, sind doch beide Werke nicht sehr beliebt beim Massenpublikum. Da dies aber nicht an einer schlechten Umsetzung liegt sondern daran dass manche Menschen sich in völlig andere Ansätze nicht hineinfühlen können, spricht diese Abneigung gegen das Publikum anstatt gegen den Film. Der mit Dennis Hopper so gelungen in der Hauptrolle besetzte Film mag nicht alles richtig machen, für den großen Wurf fehlt ihm die wahre Größe, aber ein sympathischer Abstecher in eine unsinnige Zukunft einer unsinnigen Gesellschaft von heute ist er in seiner gewagten und verspielten Art definitiv.


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SCHWER VERLIEBT (Shallow Hal 2001 Bobby Farrelly u.a.)


Was Frauen betrifft ist der eigentlich recht liebenswürdige Hal ziemlich oberflächlich gestrickt und achtet nur auf Äußerlichkeiten. Dies findet auch der Seelenguru Tony Robbins mit dem Hal eines Tages in einem Fahrstuhl stecken bleibt. Mit einer Art hypnotischem Trick sorgt er dafür, dass Hal von nun an nur noch die innere Schönheit einer Frau erkennt, so dass die hässlichsten Frauen für den guten Mann nun hoch attraktiv erscheinen. Er wiederum glaubt Tony habe ihm lediglich mehr Selbstvertrauen im Umgang mit Schönheiten beschert und begreift nicht den wahren Trick an der Sache. Hals bester Freund wiederum wundert sich darüber, dass sein bester Kumpel seine Erwartungen bei Frauen mittlerweile so extrem nach unten schraubt, während Hal sich in seine Traumfrau Rosemary verliebt, ohne zu wissen dass sie eine stark fettleibige Person ist...


Die Schönheit liegt im Auge des Betrachters...

Die Farrelly-Brüder sind bekannt für ihre provokativen mit Geschmacklosigkeiten um sich werfenden Komödien wie „Dumm und dümmer“, „Verrückt nach Mary“ und „Ich, beide und sie“. Als sie mit der Thematik eines Mannes, der seine dicke Freundin per Hypnose für eine Schönheit hält, auf dem Filmmarkt erschienen, dachte jeder er würde ein Produkt sichten bei dem Emanzen und Weltverbesserer auf die Barrikaden gehen würden. Stattdessen überraschte das Brüderpaar mit einer liebevollen Romantikkomödie mit einem Appell zu mehr Tiefgründigkeit.

Dabei ist es nicht so dass die Farrellys nicht auch ab und an ihre Schadenfreude aufblitzen lassen würden und gerade Hals Kumpel auch mal tatsächlich witzige Anti-Dicken-Witze auf den Mund legen würden. Dennoch sind selbst diese absichtlichen Tiefschläge stets von einem weiteren Blickwinkel begleitet, der sich Hals Freund betreffend über dessen Oberflächlichkeit und mangelndem Selbstwertgefühl lustig macht oder peinliche Situationen die mit Rosemarys Fettleibigkeit einhergehen über den Blickwinkel einer graziös erscheinenden Schlanken zum Schenkelklopfer macht.

Die visuellen Tricks mit denen die Farrellys für Letztgenanntes arbeiten sind simpler aber effektiver Natur, meist für einen Lacher gut und nur selten dafür da auch dem Dämlichsten unter den Dummen klar zu machen um was es inhaltlich geht. Vielleicht geht die sehr menschliche Botschaft mit der extremen Fettleibigkeit Rosmarys ein wenig am Thema vorbei, ist ihre Art des Hereinstürzens in ihren körperlichen Zustand doch bereits eine Form der Selbstzerstörung. Und diese Frau unattraktiv zu nennen hat nichts mehr mit Medienmanipulation zu tun, die uns wahre Schönheit nur noch per magere Modells suggeriert. Rosemary ist derart fett, dass selbst natürliche Kurven zerstört sind und nicht mehr an den Instinkt des Mannes appellieren. Aber dem Funktionieren der RomCom tut dies keinen Abbruch. Deren Geschichte bleibt herzlich, menschlich und lustig und bereitet dem Zuschauer viel Vergnügen.

Zum Finale hin gelingt es den Farrellys sogar mittels bissiger schwarzhumoriger Komik die Dramatik Rosemarys derart hochzuschaukeln, dass einem das Lachen im Halse stecken bleibt und die Traurigkeit des gezeigten Extremmomentes einem damit tatsächlich bewusst wird. Auch die Art wie die beiden ihre Geschichte zu einem Happy End führen ist hoch emotional inszeniert und dürfte nur jene Menschen nicht von ganzem Herzen rühren, die schon viel zu abgebrüht für seichte Momente im Medium Film sind.

Wo die Farrellys in anderen Filmen lediglich aufgrund von idealer Pointensetzung und Beobachtungen im Alltag Intelligenz bewiesen haben, da tun sie dies in „Schwer verliebt“ noch zusätzlich im analytischem Bereich, wenn diesen auch nur leicht streifend. Das Spiel mit den verschiedenen Blickwineln auf die Dinge und welche Bedeutung sie für den einzelnen inklusiver Dritter haben können, ist alles andere als geistlos thematisiert und erhält seinen Höhepunkt in einer Debatte zwischen Hal und dessen bestem Freund nach Beendigung der Hypnose. Auch die Charakterveränderung Hals findet nicht einzig durch Klischees und ewig wiederholender Filmgesetze statt, sondern orientiert sich clever an den erlebten Situationen und findet in glaubwürdigen Einzelschritten statt, so lange bis Hal am Ende bewusst ist dass er Rosemary für ihre Persönlichkeit liebt, mag sie auch aussehen wie sie nun einmal aussieht.

Auch wenn, wie weiter oben bereits angesprochen, „Shallow Hal“ (Originaltitel) hierfür etwas arg blauäugig vorgeht, so gehen doch weder Botschaft noch emotionale Wirkung dadurch verloren, sondern bescheren uns trotzdem einen wunderschönen Abschluss eines herzlichen und unglaublich witzig inszenierten Streifens, den man sich alle paar Jahre immer wieder einmal ansehen kann. So gut wie hier agierte Jack Black höchstens noch einmal in „School of Rock“, und Gwyneth Paltrow beweist bereits hier sehr früh dass sie wesentlich mehr kann als nur gut auszusehen. Jason Alexander scheint sich, verglichen mit seinem körperlichen Zustand in „Pretty Woman“, thematisch in den richtigen Film verirrt zu haben und beweist wieder einmal seine humoristische Treffsicherheit und sein Talent über sich selbst lachen zu können. Mit diesem spielfreudigen Trio und einer guten deutschen Synchronisation wird der thematisch interessante und innovative „Schwer verliebt“ zu einem komödiantischen Selbstläufer des gerne unterschätzten Sub-Genres der romantischen Komödie.


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Freitag, 27. Mai 2016

DIE TOTE AUS DER THEMSE (1971 Harald Philipp)


Myrna half der Polizei dabei Rauschgifthändler zu überführen, nun wurde sie in ihrem Hotelzimmer erschossen und ist kurz darauf spurlos verschwunden. Ihre Schwester Danny reist nach London ohne etwas von den Hintergründen zu wissen, und gerät mitten zwischen die Fronten von Scotland Yard und der Drogenszene der Stadt, während ein Unbekannter einen Obergangster nach dem anderen ins Jenseits befördert...


Das Geheimnis der chinesischen Vasen...

„Die Tote aus der Themse“ war der letzte klassisch erzählte und rein in deutschen Händen umgesetzte Beitrag der langlebigen Wallace-Reihe aus dem Hause Rialto, bevor die Italiener zwei Giallos unter dem Label nachschoben. Peter Thomas steuert wie zu guten alten Zeiten den Soundtrack bei, und auch Siegfried Schürenberg kehrte in die Rolle des Sir John zurück, die er das letzte Mal 1968 in „Der Hund von Blackwood Castle“ verkörperte, als er einen Kriminalfall im Alleingang lösen durfte. Ihn wieder zurückzuholen sollte wohl ein Schritt zurück in die alte Richtung signalisieren, ging das Publikumsinteresse an der Reihe doch immer weiter zurück. Scheinbar schaffte es nicht einmal Alfred Vohrer als einer der besten Regisseure der Reihe mit dem Vorgänger „Der Mann mit dem Glasauge“ besagtes Interesse wieder aufleben zu lassen.

So gekonnt Schürenberg wieder einmal sympathisch humoristisch den Sir John spielt, so mager fällt die weitere Besetzung auf Seiten der Guten aus. Uschi Glas spielt hölzern und untalentiert wie eh und je, und der müde Hansjörg Felmy kommt nicht ansatzweise an den Charme von Heinz Drache und Joachim Fuchsberger heran, nicht einmal an das etwas zurückgeschraubte Niveau Horst Tapperts. Mit dieser Besetzung hat man sich keinen Vorteil verschafft, ganz im Gegenteil liebäugelte man lediglich noch mit der Popularität seiner Stars, was ein Spiegelbild dessen ist was die Wallace-Reihe selbst mit der Zeit wurde, eine Marke die so oder so konsumiert wurde und um die man sich von Produzentenseite aus als eine Art Selbstläufer aus Qualitätsgründen nicht mehr kümmern musste.

Wie auch immer, zumindest auf Seiten der Bösewichter sieht die Besetzung etwas besser aus. Allen voran ist der stets schurkisch wirkende Werner Peters als einer der Strippenzieher der Drogenszene mit dabei, was leider seine letzte Rolle sein sollte, ist er doch noch im selben Jahr der Fertigstellung von „Die Tote aus der Themse“ gestorben. Lustigerweise darf seine Rolle als eine Art Running Gag der Golfpartner des wie immer ahnungslosen Sir Johns sein, und dieser Witz weiß auch in der x-ten Wiederholung zu gefallen.

Wenn auch müde agierend, so kommt die Art des ermittelnden Kommissars von Drehbuchseite her doch recht gewitzt und unverschämt daher, was es allerdings um so trauriger macht, dass Felmy in dieser Rolle besetzt wurde. Andererseits besitzt „Die Tote aus der Themse“ ohnehin nur noch wenige Pluspunkte der Ur-Reihe. Stimmig und heruntergekommen sieht London längst nicht mehr aus. Ein wahrer Spannungsbogen oder eine anderweitig zum Mitfiebern anregende Handlung findet nicht statt. Einzig die Location des Hotels, das mit seiner Abhöranlage ganz leicht an „Die 1000 Augen des Dr. Mabuse“ erinnert, und der Spielort des Schlachthofes ragen als interessant heraus. Letztgenanntes ist zudem der Ort einer der bestialichsten Tode der Reihe, freilich weggeblendet umgesetzt, das Endergebnis mit ordentlich Blut im Bild trotzdem noch einmal deutlich eingefangen.

„Die Tote aus der Themse“ hat zwei Szenen zu bieten die blutiger als üblich ausgefallen sind, und allerhand Kopfschüsse gehören ebenfalls zum harten Bestandteil des Streifens. Letztendlich ist das aber alles recht zahm umgesetzt, so wie man es von der Reihe gewohnt ist. Wer wenig erwartet bekommt inhaltlich und inszenatorisch zumindest das Grundlagenprogramm der Reihe geboten, welches immerhin für seine 90 Minuten Laufzeit unterhaltsam genug umgesetzt ist. Da auch die Geschichte selbst nicht all zu hanebüchen ausgefallen ist, zumindest betrachtet innerhalb des stets vor Übertreibungen und Klischees nur so wimmelnde Wallace-Universums, und mit Unsinnigkeiten nicht inflationär umgegangen wird, kommt man sich beim Sichten des Streifens zumindest nicht geistig verarscht vor, so dass Harald Philipps Werk als durchschnittliches Stück Trivialfilm trotz fehlender nennenswerter Stärken durchaus konsumierbar ist. 


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Donnerstag, 26. Mai 2016

DAS GESICHT IM DUNKELN (A doppia faccia 1969 Riccardo Freda)


Ihre Ehe war unglücklich, beide hatten ihre Liebhaberinnen, aber als John seine Frau Helen bei einem Autounfall verliert zerbricht für ihn eine Welt. Die Polizei schließt ein Verbrechen nicht aus, und als Alleinerbe einer großen Firma ist John Hauptverdächtiger. Mysteriös wird die Sache jedoch erst als John über dubiose Umstände an einen erotischen Film gerät auf dem eine Frau zu sehen ist, deren Gesicht man zwar nicht erkennen kann, die aber Merkmale der Verstorbenen aufweist. Der Film soll nach Helens Unfall entstanden sein. John versucht die Hintergründe zu beleuchten...


Reiche trinken Tag und Nacht Whisky...

Bekanntlich geriet die legendäre Rialto-Wallace-Reihe in den 70er Jahren in italienische Hände, so dass die letzten Werke der Serie eher Giallo als klassischer Kriminalfilm waren. Der bereits 1969 unter italienischer Co-Produktion entstandene, hier besprochene Film kann sich diesem Sub-Genre Italiens nicht dazuzählen, eine jener klassischen Formen Kriminalfilm, wie die Wallace-Reihe sie zuvor bot, ist „Das Gesicht im Dunkeln“ jedoch auch nicht geworden. In seinem letzten Wallace-Film übernimmt erstmals Klaus Kinski die Hauptrolle. Es ist etwas ungewöhnlich ihn mit der Synchronstimme von Louis de Funès zu erleben, aber das beschert dem ungewöhnlichen Film, den man als Mystery-Thriller bezeichnen könnte, keinen Abbruch.

Mit dem Storyelement, dass eine Verstorbene scheinbar doch noch lebt, streift man zumindest den Gruselgehalt eines „Die Bande des Schreckens“ und Co, in seiner vollkommenen italienischen Art ist stilistisch jedoch sonst keine Parallele solcher Vorgänger auszumachen. Scheinbar erlebt man hier den klassischen Thriller a la Hitchcocks „Frenzy“, in welchem man einem Unschuldigen dabei zusehen muss wie ihm böse mitgespielt wird. Oder doch nicht? Zwar erleben wir jegliche Szene zusammen mit John, so dass wir immer erfahren was John erfährt, Regisseur Riccardo Freda, der auch am Drehbuch beteiligt war, lässt jedoch immer das Hintertürchen offen, dass wir nicht alles über die Hauptfigur wissen. Kann er trotz seiner unsterblichen Liebe für seine verstorbene Frau ihr Mörder sein?

Die Antwort erhalten wir erst am Schluss, und auch wenn die Geschichte etwas überkonstruiert und damit nicht flüssig in der Realität spielend wirkt, so weiß „Double Face“ (Alternativtitel) doch trotzdem zu gefallen, u.a. auch weil Freda, der u.a. auch für die Filme „Der Vampir von Notre Dame“ und die 64er Version von „Romeo und Julia“ verantwortlich war, seinen Film in eine sleazy Atmosphäre taucht. Das gerne bei schlechtem Wetter spielende Werk lümmelt sich in der Schmuddelszene herum, in welcher leichte Damen in Erwachsenenfilmen mitspielen, was dank des italienischen Mitmischens am Streifen auch nicht nur theoretisch thematisiert wird. Und auch die Methoden mit welchen John scheinbar immer mehr in den Wahnsinn herabrutscht sind mit ihren reißerischen Mitteln eher im Bahnhofskino zu Hause als im fast schon familientauglichen harten Trivialfilm, für welchen die Wallace-Reihe einst stand.

Vom Gewaltpegel her mag „Mit doppeltem Gesicht“ (Alternativtitel) harmlos ausgefallen sein, aber zumindest möchte Freda dem Zuschauer visuell nichts vorenthalten, so dass alles inklusive des auslösenden Autounfalls, so wie eine finale Tragik, in vollem Umfang gezeigt werden muss - leider mehr schlecht als recht mit Miniaturfahrzeugen getrickst, deren wahre Größe man ihnen sofort ansieht.

Doch trotz (und wegen) Fredas Dranges mit möglichst vielen quantitativen Mitteln seinen Stoff aufzupuschen, ist ein recht netter, schmuddeliger Thriller entstanden, dessen Auflösung einem trotz tatsächlich rätselhafter Geschichte zwar ziemlich egal ist, und der nie atmosphärisch so düster ausgefallen ist wie seine Bilder in denen er spielt. Aber einen gewissen Charme kann man „Puzzle of Horrors“ (Alternativtitel), dem völlig für sich stehenden Sonderling der Wallace-Reihe, nicht absprechen. „A doppia faccia“ (Originaltitel) mag kein Höhepunkt der Wallace-Reihe sein, aber er ist ein sympathischer Abschied Kinskis aus der Serie, in welchem er diesmal ungewohnt seriös spielen durfte.


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DAS GEHEIMNIS DER GRÜNEN STECKNADEL (Cosa avete fatto a Solange? 1972 Massimo Dallamano)


Während der Lehrer Rossini mit einer seiner Schülerinnen auf einem Boot auf der Themse herumfummelt, ereignet sich am Ufer ein grausamer Mord an einer anderen Schülerin. Rossini bekommt davon nichts mit, aber seine Geliebte hat alles beobachtet. Als der Lehrer am Tatort einen Kugelschreiber verliert gerät er in die Ermittlungen der Polizei. Rossini forscht auf eigene Faust...


Der Vaginastecher von der Themse...

Mit den klassischen Grusel-Krimis der Rialto-Wallace-Reihe hat „Das Geheimnis der grünen Stecknadel“ nichts mehr am Hut. In den Händen der Italiener wurde kurz vor dem Aus der Serie der ein oder andere Giallo unter dem berühmten Label hergestellt, jene Art harter italienischer Kriminalfilm, der sich gerade in den 70er Jahren großer Beliebtheit erfreute und heutzutage unter diversen Filmfreunden geradezu kultisch verehrt wird. Eingefleischte Fans der Reihe können mit den geschmackloser, da direkter, ausgefallenen Streifen wenig anfangen, dabei ist „The School That Couldn‘t Scream“ (Alternativtitel) keinesfalls so plump ausgefallen wie es ihm gerne vorgeworfen wird. Er beinhaltet lediglich eine alternative Methode einen Kriminalfilm zu erzählen.

Der nah am Thriller orientierte Giallo geht in der Regel härter vor als die wenigen Beiträge dieses Sub-Genres, die gegen Ende in der Wallace-Reihe vermarktet wurden. Allerdings wurden den Deutschen auch stets gekürzte Versionen vorgesetzt, so auch bei „Solange“ (Alternativtitel), dessen Mordmethode des Killers, ein Messerstich in die Vagina der Opfer, freilich nur angedeutet wird und seine drastischste Aufnahme durch ein Röntgenbild erhält.

Das Werk des vier Jahre später verstorbenen Regisseurs Massimo Dallamano, der u.a. auch für „Der Tod trägt schwarzes Leder“ und „Venus im Pelz“ verantwortlich war, verfängt sich nicht in geschmacklosen Quantitäten, auch wenn sich neben der radikalen Tötungsmethode zudem noch einige unaufdringlich eingebrachten Erotikszenen im Repertoire befinden, die ihrer Zeit geschuldet sind als der Erotikfilm, auch in Deutschland, gerade seine Hochphase erhielt. Für diese cineastisch amouröse Zeit ist „Terror in the Woods“ (Alternativtitel) sogar recht harmlos ausgefallen.

Der von einem schlichten, fast unauffälligen Soundtrack von Ennio Morricone untermalte Film setzt den ermittelnden Kommissar, besetzt mit Wallace-Urgestein Joachim Fuchsberger, mehr in den Mittelpunkt als es für den italienischen Thriller üblich ist, und das tut der Geschichte recht gut, ist die Haupt- und Identifikationsfigur Rossini doch keinesfalls sympathisch gezeichnet, so dass man sich emotional, sofern man dies benötigt, an den Kommissar klammern kann, denn der Lehrer wird erst gar nicht versucht sympathisch zu charakterisieren.

Skrupellos und plump geht er in seinen privaten Vorhaben vor, unter billigsten Vorwänden versucht er dilettantischst den Ermittlungen des Kommissars aus dem Weg zu gehen, und spätestens wenn der herrschsüchtige zu Gewalttaten bereite Mann nach einer völlig überraschenden Wendung in der Geschichte seine radikale Kaltherzigkeit offenbart indem er nicht den geringsten Hauch von Emotionen aufkommen lässt, dürfte auch der letzte Zuschauer begriffen haben, dass Rossinis Charakter nicht positiv gemeint ist und hinter der Fassade des Helden lediglich ein nüchtern kalkulierender Mann steckt, eine Eigenschaft die für die Ermittlungen des Falles zum Vorteil werden, auch wenn man sich aufgrund der charakterlichen Eigenschaften bereits denken kann, dass es erst spät und recht widerwillig zu einer Zusammenarbeit mit der Polizei kommt.

Trotz der makaberen Methode mit welcher der Killer vorgeht ist „The Secret of the Green Pints“ (Alternativtitel) nicht wirklich düster ausgefallen. Da hat Umberto Lenzis im selben Jahr erschienender Wallace-Film „Das Rätsel des silbernen Halbmonds“ diesbezüglich mehr zu bieten. Trotzdem sind beide Werke jedoch recht ähnlich unterhaltsam ausgefallen, könnten durchaus mehr bieten als das was einem vorgesetzt wird, wecken beim Zuschauer aber die Neugierde für den Ablauf und die Hintergründe der Geschichte und sind flott genug inszeniert, so dass Langeweile nie aufkommen dürfte. Wer also Filme dieser Art gerne konsumiert, macht mit dem etwas schlicht ausgefallenem „Who Killed Solange?“ (Alternativtitel), den es auch unter den Titeln „Whos Next“, „What Have They Done to Solange?“ und „What Have You Done to Solange?“ gibt, sicherlich keinen Fehler, vorausgesetzt man erwartet kein Meisterwerk dieses Genres.


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DAS RÄTSEL DES SILBERNEN HALBMONDS (Sette orchidee macchiate di rosso 1972 Umberto Lenzi)


Ein Unbekannter ermordet Frauen und hinterlässt am Tatort silberne Halbmonde. Auch Giulia wird von dem Mörder attackiert, überlebt jedoch ohne dass der Täter sich dessen bewusst ist. Im Schutz ihres scheinbaren Todes ermittelt Giulia zusammen mit ihrem Ehemann Mario. Dabei sind sie der Polizei mit ihrer Spur immer einen Schritt voraus...


Ein Heroin-süchtiger Sünder zur Ablenkung...

In den späten Jahren der langlebigen Rialto-Edgar Wallace-Serie die 1959 startete, übernahmen die Italiener das Ruder der ursprünglich deutschen Reihe, die hin und wieder Unterstützung aus England erhielt. Horst Wendlandt als Produktionsleiter und Uschi Glas in der weiblichen Hauptrolle blieben als deutsches Relikt erhalten, der Rest lag in italienischen Händen und formte aus den letzten Beiträgen der einst sich hauptsächlich auf klassische Grusel-Krimis konzentrierenden Reihe waschechte Giallos, was vielen Freunden der deutschen Wallace-Filme nicht gefiel.

Dabei war dies nur konsequent zu nennen, gilt die Rialto-Wallace-Reihe doch als Vorläufer der in Italien so beliebten harten Kriminalfilme, so dass der Vorbereiter dieser reizvollen Werke, die großteils in den 70er Jahren entstanden sind, zum Ende hin selbst Teil dessen wurde was er erschuf. Die Regie übernahm Umberto Lenzi, der auch am Drehbuch mitbeteiligt war. Ob tatsächlich ein Wallace-Roman als Vorlage diente oder der Name des in den 30er Jahren verstorbenen britischen Autors lediglich nur noch Alibi-Funktion besaß, kann ich nicht beurteilen, stark verändert muss seine Vorlage so wie in den meisten Fällen der Rialto-Reihe jedoch definitiv gewesen sein, ist Lenzi doch ein recht düsterer Vertreter des Giallos geglückt, auch wenn er (zumindest in der deutschen Version) recht unblutig ausgefallen ist.

Das positive Ergebnis überraschte mich ein wenig, habe ich von Umberto Lenzi bislang doch immer nur mittelmäßige Arbeiten gesichtet. Zwar war nie ein wirklich schlechter Film dabei, aber gut sieht anders aus, und über „Das Rätsel des silbernen Halbmonds“ kann man wahrlich nicht meckern. Mag Uschi Glas auch so unglaubwürdig spielen wie sie es in ihrer kompletten Karriere als „Schauspielerin“ immer tat, so muss man doch fairer Weise bei der Wahrheit bleiben und hinzufügen dass gekonntes Schauspiel nur selten Pluspunkt im italienischen Giallo war.

Und so liegt das positive Ergebnis hauptsächlich wieder einmal in der gekonnten Umsetzung des Streifens, der uns eine rätselhafte Geschichte präsentiert, in welcher, typisch Giallo, ein mit Lederhandschuhen bekleideter Killer zum Messer greift und Privatpersonen parallel zur Polizei ermitteln. Wo in vergleichbaren Werken die Polizei gerne stark in den Hintergrund rückt, da ist sie hier noch recht stark präsent, auch wenn sie Ermittlungs-technisch nur die zweite Geige spielt. Wie so oft ist die Auflösung eigentlich ziemlich egal, das Mörderraten bereitet dennoch Freude, und Sinn macht die Auflösung auch, zumindest fällt sie nicht so löchrig und widersprüchlich aus wie in den billiger verfassten Drehbüchern des auf die Schnelle gedrehten Sub-Genres.

Ein stimmiger, sympathisch monotoner Soundtrack trägt ebenfalls zur gekonnten Umsetzung bei. Hauptsächlich darf man es aber Lenzis Gespür für den Aufbau nervenkitzelnder Spannungsmomente verdanken, dass „Puzzle of the Silver Half Moons“ (Alternativtitel) so positiv ausgefallen ist, auch wenn er nicht zu den wahren Größen seiner Filmgattung zählt. Die häufig in Dunkelheit eingefangenen Bilder, die Ausweglosigkeit der sich die meisten Opfer ausgesetzt sehen und der nüchterne Blick auf die grauenhaften, wenn auch harmlos abgefilmten, Erlebnisse bescheren Lenzis Film das Feeling welches ihn zu einem solch angenehmen Vertreter des Thrillers werden lässt. Und da man als Zuschauer während der Ermittlungen auch immer an die Hand genommen wird und jede neu errungene Erkenntnis der Hintergründe mitbekommt und versteht, ist man auch mittendrin im Geschehen und weiß sich somit auch für die Handlung zu interessieren und nicht nur für die inszenatorische Wirkung.


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Mittwoch, 25. Mai 2016

POD (Pod 2015 Mickey Keating)


Die Geschwister Ed und Lyla fahren rauf auf die Familienhütte in den Wäldern, da dort ihr Bruder Martin haust, um den sie sich große Sorgen machen. Martin ist dafür bekannt wirres Zeug über Verschwörungen zu reden und hat Ed kürzlich eine bedenklich stimmende Nachricht auf den Anrufbeantworter hinterlassen. Vor Ort bedauert Martin das Erscheinen seiner Geschwister und warnt sie vor einem Wesen welches er angeblich im Keller gefangen hält und das alles beweisen könne von dem er je berichtet hätte. Aufgrund seiner katastrophalen Verfassung glaubt Ed ihm kein Wort. Lediglich Lyla ist sich nicht sicher was sie glauben soll - und soll recht bald die Wahrheit erfahren...


Es geschah in einer abgelegenen Hütte...

„POD“ schaut sich wie ein Langfilm-Debut, bei dem man einen Kurzfilm in ein Werk auf Spielfilmlänge gestreckt hat. Es gibt jedoch weder einen kürzeren Vorgänger, noch ist Keatings Streifen ein Debut. „POD“ ist der dritte Film unter seiner Regie, und das macht einen Blick auf den teilweise gar nicht so uninteressanten Streifen nur noch kritischer, ist der Mix aus „Watchers“, „Universal Soldier“ und „Tanz der Teufel“ doch eher ein Hinhalteprodukt, welches in seinem Finale nicht einhalten kann, was es zunächst krampfhaft versucht per Erwartungshaltung zu puschen.

Dass „POD“ ein kostengünstiger Film ist, von dem man im Finale sicherlich nicht viel erwarten darf, machen die Bilder und die eher durchschnittlichen Darsteller schnell deutlich. Keating ist bemüht eine Art Kammerspiel stattfinden zu lassen, und trotz einer recht guten Grundstimmung im Gespräch mit dem durchgeknallt scheinenden Martin merkt man doch, dass der gute Mann ein solches Szenario nicht wirklich beherrscht. Interessante Ansätze werden zu wiederholendem Langgeschwätz, und ein Mangel an dichter Atmosphäre hinterlässt kein ungutes Gefühl bei dem Gedanken was wohl im Keller lauern mag.

Der ziemlich unblutig ausgefallene Genre-Film überrascht zwar zunächst mit unbequemen Dialogen und einem provozierend schnellem Vorspann, alles weitere theoretisch Interessante fällt jedoch zu gewollt aus, inklusive der letzten Aufnahme der Kreatur, die wohl ein Gefühl von Terror auslösen soll. Erst wenn die Schrift (fast unleserlich) über eine wunderschöne Schneelandschaft läuft und der Soundtrack sich als stimmiger offenbart als im kompletten Film wahrgenommen, bekommt „POD“ eine angenehme Atmosphäre. Nur leider bereitet der Abspann nicht einmal eine Art Schlussbegegnung oder Überraschungssequenz vor, so dass der stimmigste Teil nichts erzählerisch Wertvolles hergibt. Schade!

„POD - Es ist hier...“ (Alternativtitel) macht sicherlich nicht alles verkehrt und ist als theoretischer Versuch einen kleinen Horrorfilm mit geringen Mitteln herzustellen für interessierte Cineasten sicherlich einen unbedeutenden Blick wert, erwarten sollte man jedoch keinen funktionierenden Horrorfilm. Es mag sein dass die maue Deutschvertonung einer leicht atmosphärerischeren Umsetzung im Weg stand, durch das Fehlen von Untertiteln konnte ich nicht auf den Originalton umschalten, allerdings hätte ein angenehmerer Ton „POD“ nur minimalst aufgewertet. Zumindest sind die Monsterszenen besser ausgefallen als in komplett missratenen Genrebeiträgen wie „Warriors of Terra“. Letztendlich will Keating mit seiner laschen Inszenierung jedoch viel mehr erzählen als es sein Talent zulässt, und auch die Andeutung auf die Hintergründe dessen was geschah machen nicht wirklich neugierig auf mehr. Mit dem Gedanken an eine Fortsetzung spielt Keating diesbezüglich durchaus.


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Dienstag, 24. Mai 2016

EDGE OF TOMORROW (2014 Doug Liman)


Die Menschheit befindet sich im Krieg mit Außerirdischen. Am Tag der entscheidenden Schlacht kommt der in Schwierigkeiten steckende ehemalige Major Cage mit dem Blut eines seltenen Exemplars der Alienrasse in Kontakt und erlebt von da an besagten Tag immer wieder von vorne. Mit dem durch die Wiederholungen erlangten Wissen versucht er einen Weg zu finden die Menschheit aus den Klauen der Außerirdischen zu befreien...


Konditionierung durch Zeitschleife...

Die Idee eines Protagonisten, der immer wieder am selben Tag erwacht, ist nicht neu. „Und täglich grüßt das Murmeltier“ entlieh sich die Idee aus einer Kurzgeschichte, die kurz nach der Komödie mit Murray unter dem gleichnamigen Titel „12:01“ verfilmt wurde. Ein TV-Sender nahm sich dieser Idee für eine Weihnachts-Komödie namens „Und täglich grüßt der Weihnachtsmann“ an, und leicht variiert wanderte auch James Belushi auf ähnlichen Pfaden in „Retroactive“. Somit wird das Thema der Zeitschleife nun zum dritten Mal für das Genre des Science Fictions eingesetzt und diesmal für eines mit Aliens, großen Kriegsschlachten, einem hohen Budget auf Blockbuster-Niveau und somit umgesetzt für das Massenpublikum, in der Hauptrolle besetzt mit Publikumsliebling Tom Cruise.

Wie für eine Großproduktion der 10er Jahre zu erwarten geht die Geschichte nicht ganz so geduldig mit den Wiederholungen des Tages um wie es die Vorgänger taten. Aber was nach der typischen Vorgehensweise aufgrund der Konzentrationsschwäche des Massenpublikums klingt, wird recht fein von Regisseur Doug Liman gelöst, der es schafft Situationen immer wieder griffig einzufangen, ohne dass man sie zum x-ten Mal erleben muss. Teilweise präsentiert der Streifen uns Wiederholungen von Ereignissen, deren erste Male wir nie miterlebt haben, und das ist keinesfalls eine ärgerliche Eigenschaft von „Edge of Tomorrow“, sondern aufgrund der trotzdem vorhandenen Publikumsnähe und weiterhin möglichen Identifikation mit Situationen und Personen ein vorteilhafter Weg Zeit zu sparen, ohne die Geschichte darunter leiden zu lassen.

„Edge of Tomorrow“ ist flott erzählt, so flott sogar dass selbst ein besonders leicht zu langweilendes Publikum nie Langeweile empfinden dürfte. Aber aufgrund der immer neu aufkommenden Ereignisse und damit gewonnenen Erkenntnisse bleibt der Stoff immer interessant, zumal er recht intelligent erzählt ist, ohne auch nur ansatzweise intellektuelle Tiefe zu besitzen. Dafür bleibt die Geschichte zu oberflächlich und dem Zuschauer einige Erklärungen schuldig.

Aber „Edge of Tomorrow“ soll kein tiefgehender Genrevertreter auf den Spuren eines Andrei Tarkovsky sein, er fühlt sich voll und ganz dem Popkornkino verpflichtet, und für eine derartige Produktion ist Limans Zeitschleifen-Action clever genug ausgefallen, insbesondere wenn man bedenkt in welch hohler Blockbusterzeit er entstanden ist, eine Zeit in welcher das Publikum bei einem „Star Wars“ ohne eigener Geschichte nach mehr gröhlt und selbsternannte Cineasten einen sympathischen, aber keinesfalls überragenden, Kopfausfilm wie „Mad Max 4“ zum besten Film des Jahres küren.

So darf man zu Recht überrascht über das Ergebnis eines Filmes sein, welcher die Idee der Zeitschleife eigentlich dafür nutzt sich an den Sehgewohnheiten des Gamer-Publikums zu orientieren. So wie Major Cage mit jedem weiteren Tod immer neue Erkenntnisse sammelt um jedes mal wieder, auf Computerspielbasis gesehen, das nächste Level zu erreichen, ist die Parallele nicht zu übersehen, erst recht durch die von Liman immer wieder ausgelassenen Zwischensequenzen, um möglichst oft immer wieder nur an jenem Punkt der Wiederholung ansetzen zu müssen, der unbedingt erforderlich ist. Die Kalkulation von „Edge of Tomorrow“ ist also keinesfalls tiefsinnig oder lobenswert zu nennen, und doch beschert uns diese kühle Produzentenberechnung aufgrund glücklicher Umstände einen wundervollen Science Fiction-Beitrag, der sich nicht zu verstecken braucht.

Wie oft der Major den Tag erlebt haben muss um zu all seinen Erkenntnissen zu gelangen, kann man ähnlich wie bei der Bill Murray-Komödie mit der Zeit nicht mehr überblicken. Es fühlt sich wie eine Ewigkeit an. Vielleicht hätte man somit die obligatorische Phase der Verzweiflung etwas vertiefen können, um tatsächlich nah am Empfinden Cages dran zu sein. Aber „Edge of Tomorrow“ interessiert sich auch diesbezüglich nur so weit für die Gefühle des Protagonisten wie es für die flotte Erzählung unbedingt sein muss. Und Liman scheint der geeignete Mann zu sein solche Kompromisse unter einen Hut zu bringen, so dass das etwas arg verwöhnte Actionpublikum ebenso bedient wird wie der etwas mehr erwartende Cineast.

Ich verstehe zwar nicht warum gerade ein Film mit einer derartig einfallsreichen und voller vielfältiger Möglichkeiten steckenden Geschichte nicht die drei Stunden beschert bekommen hat, die andere Werke wie „Herr der Ringe“ trotz geringerem Erzählwert erhalten haben, aber selbst in der zusammengestrafften Laufzeit von unter zwei Stunden weiß „Edge of Tomorrow“ ohne nennenswerte Störelemente zu funktionieren. Mit einer Stunde mehr Laufzeit hätte er allerdings vielleicht mehr werden können als „nur“ sehr gelungene Actionunterhaltung. „Edge of Tomorrow“ hätte bei fairer Chance jene vermisste Filmgattung im Massenkino der Gegenwart werden können, in welchem Tiefgang, Figurennähe und Intelligenz sich mit Action vereinen lassen. Werke wie „Kick-Ass“ bilden diesbezüglich nach wie vor die Ausnahme.

Aber was soll ich klagen bei solch angenehmen Ergebnis. Nach „Oblivion“ und „Krieg der Welten" hat es Tom Cruise erneut geschafft sich einen guten Science Fiction-Stoff unter den Nagel zu reißen, und innerhalb dieser drei hat „Edge of Tomorrow“ meiner Meinung nach die Nase vorn, wobei ich allerdings betonen möchte, dass ich alle drei Werke mag. Wo ein „Interstellar“ teilweise etwas zu steif und zu gewollt verkopft wirkte, da ist Limans Werk das komplette Gegenteil auf gleichem Niveau. Er opfert die Möglichkeiten einer wahrhaft intelligenten Geschichte auf Kosten astreiner Actionunterhaltung. Gefallen haben mir beide Blockbuster.


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Sonntag, 22. Mai 2016

DAS WACHSFIGURENKABINETT DES GRAUENS (Nightmare in Wax 1969 Bud Townsend)


Mitarbeiter eines Filmstudios verschwinden, und der ehemalige Mitarbeiter Vincent Renard, der nach einem Unfall aus dem Filmgeschäft ausschied und nun ein Wachsfigurenkabinett betreibt, steht den Ermittlern mit seinem Fachwissen beratend zur Seite. Die Polizisten ahnen nicht, dass die Gesuchten Richard in einem gelähmten Zustand als Ausstellungsstücke des Museums dienen...


Was in der Pornobranche das Wichsfigurenkabinett gewesen wäre...

Wachsfiguren sind selten auftauchende Gruselgestalten im Horrorfilm, aber es gibt sie, bzw. die Faszination der Museen in denen sie ausgestellt werden bereits seit der Stummfilmzeit im Genre zu betrachten, sei es in „Das Wachsfigurenkabinett“ aus dem Jahre 1923, oder im drei mal verfilmten „Das Geheimnis des Wachsfigurenkabinetts“, dessen Remake „House of Wax“ durch das Mitwirken von Paris Hilton seinerzeit einige Aufmerksamkeit auf sich zog. „Das Wachsfigurenkabinett des Grauens“, der auf DVD unter dem Titel „Das Wachsfigurenkabinett“ erschien, hat offiziell weder etwas mit dem Stummfilm noch mit den drei Verfilmungen der oben genannten Reihe zu tun, ist also ein eigenständiges Werk, welches jedoch den Bekanntheitsgrad der drei mal verfilmten Geschichte nutzt um auf dem Horrorfilmmarkt mitzumischen.

Der Gedanke über viele Jahre lang bei Bewusstsein gelähmt im Wachsfigurenkabinett aufgestellt zu sein ist herrlich pervers zu nennen und beschert „Monster of the Wax Museum“ (Alternativtitel) einen gewissen Reiz, allerdings auch mehr Bösartigkeit als der Film letztendlich bereit ist einzuhalten, ist Townsends Regiearbeit trotz zunächst durchaus vorhandenem Charmes doch zu geschwätzig ausgefallen, als dass er über die Länge eines Spielfilmes komplett zu funktionieren wüsste. Je mehr der Wahnsinn Renards in den Mittelpunkt rückt, um so mehr verliert der Film von seinem Zauber, fehlt Renard als gehässiger wie geschwätziger Rachetäter doch die nötige Mystik um als Zentrum des Streifens bestehen zu können.

Regisseur Townsend, der sich in seiner nur wenige Filme umfassenden Karriere mit den Werken „Heiße Shorts und kesse Boys“, „Beach Girls“ und „Der Hollywood-Clan“ gegen Ende mehr für den Nackedeibereich interessierte, lässt diesen Drang im hier besprochenen Werk noch nicht aufblitzen. „Nightmare in Wax - Das Wachsfigurenkabinett des Grauens“ (Alternativtitel) ist ein typisch biederer Genrevertreter seiner Zeit, der kurzfristig zwar auch mal einen recht blutigen Moment aufzuweisen hat, aber der ist mittlerweile kaum noch der Rede wert.

Durch die unter Renards Macht umherwandelnden Wachsfiguren entsteht eine sympathische Geisterbahnatmosphäre, somit also durchaus Charme, aber kein ernstzunehmender Grusler. Ob das erlangte Ergebnis auch jenes ist welches Townsend vorschwebte, lässt sich schwer erraten, aber all zu ernst kann er sein Werk eigentlich nicht genommen haben, so zappelig wie manche von einem Schauspieler verkörperte Wachsfigur im Museum steht. Solche kleinen Fehler schienen ihm entweder nicht wichtig genug zu sein, oder die Drehzeit machte ihm einen Strich durch die Rechnung.

Was auch immer es war, „Crimes in the Wax Museum“ (Alternativtitel) hat durchaus seine Momente und seinen Charme, ist mit seiner Standard-Laufzeit aber einfach zu lang ausgefallen, als dass er ohne Längen auskommen würde. Die Geduld des Zuschauers wird gerade gegen Ende auf eine harte Probe gestellt, zu sehr als dass man den Film bei aller Sympathie noch als wirklich unterhaltsam bezeichnen könnte. Wenn zum Ende hin völlig sinnlos bereits gezeigte Szenen in einer Wiederholungsschleife aneinander gereiht werden, kommt man sich endgültig verarscht vor.

Wäre der Streifen nicht zu Beginn solch ein charmanter Grusel-Krimi mit einer solch bösartigen Grundidee und gegen Ende solch eine interessante Variante des klassischen Zombie-Themas, würde „Nightmare in Wax“ (Originaltitel) in die Belanglosigkeit abdriften. So aber ist er immerhin ein Produkt geworden, welches zwar anstrengend zu gucken ist, aufgrund diverser Hingucker trotz mittelmäßigem Ergebnisses aber ruhig von interessierten Cineasten gesichtet werden kann.


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FRANCESCA (2015 Luciano Onetti)


Ein Serienkiller spielt so gekonnt mit den für den Fall zugeteilten Ermittlern, dass diese so gut wie nichts in der Hand haben. Selbst als sich ein Zusammenhang zu einem 15 Jahre zuvor zugetragenen Mord an einem Kind verdeutlicht bleibt der Fall rätselhaft...


Digitales Weiß...

„Francesca“ guckt sich wie eine sich vor den Klassikern verbeugende moderne Version des Giallos. Das ist definitiv reizvoll, eben weil er nicht nur vergangene Großtaten dieser eigentlich fast ausgestorbenen Filmgattung nachahmt, sondern auch eigene Akzente setzt, gern provozierender Art, aber doch immer den Stil und das Niveau beibehaltend, welches die guten Werke dieser Gattung Thriller ausmachte. Die klassischen Schwächen einer dünnen Story, die eher mit gekonnter Bildkomposition und Brutalitäten trumpft anstatt mit inhaltlicher Raffinesse, ist ebenso vorhanden wie einst, gehört meiner Meinung nach aber auch einfach zu einem typischen Giallo dazu.

Luciano Onettis Werk, an dem seine halbe Familie beteiligt zu sein scheint bei dem inflationärem Aufblitzen seines Nachnamens im Vor- und Abspann, wird recht wortkarg erzählt. Onetti lässt sich viel Zeit für künstlerisch wertvoll eingefangene Bilder, die manches Mal ruhig ein wenig subtiler hätten ausfallen können. Aber letztendlich weiß dieser geduldige Stil zu gefallen. Minutenlanges Schweigen wird untermalt mit wundervollen Melodien, von denen so einige aus der Feder von Argentos bevorzugter Band Goblin hätten stammen können. Auch hier herrscht Verbeugung vor den wichtigen Werken des Giallos.

Interessant ist die Herangehensweise entgegen dem was man vom Genre gewohnt ist viele Momente in strahlender Helligkeit stattfinden zu lassen und nur sehr wenige Szenen in Dunkelheit. Leider übertreibt es Ornetti diesbezüglich jedoch, so dass so manches Bild eher fehlerhaft hell wirkt, was durch das digitale Drehverfahren verstärkt wird, so dass die zu hell geratenen Aufnahmen nicht künstlerisch wertvoll wirken wie der Rest, sondern billig digital abgefilmt, ein Zustand der sich so gar nicht vereinen will mit der an sich liebevollen und Detail-verliebten optischen Umsetzung.

„Francesca“ ist eher ein Film der Sinne, der durchaus reizvoll ausgefallen ist, mich aus irgend einem Grund jedoch nie enorm genug packen konnte, als dass ich voll in ihm hätte aufgehen können. Das Werk blieb mir stets zu theoretisch, und ich weiß nicht ob es etwas mit der Tagesform zu tun hatte, oder ob sich mir der Film allgemein verschließt, vielleicht auch aufgrund der ärgerlich weiß ausgefallenen Ausnahmebilder, bei denen ich mich immer aus dem Film rausgeworfen fühlte. Die Antwort auf diese Frage kann erst eine Zweitsichtung ergeben, die aber auf sich warten lassen wird, da „Francesca“ trotz aller Sympathie keines jener Werke ist, die ich im Freundeskreis herumzeigen werde, so wie ich es beispielsweise bei Argentos legendärem „Profondo Rosso“ getan habe, der all meine Erwartungen übertraf.

„Francesca“ ist auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung den alten verloren gegangenen italienischen Stil wieder einzufangen, ohne einzig ein reines Retro-Produkt zu inszenieren. Und spätestens das sollte man bei aller Kritik zu würdigen wissen, haben die Onettis damit doch vielen Filmfreunden einen Gefallen getan, so dass der Film definitiv sein Publikum finden wird. Es ist schön dass er dies ohne jegliche Form der Anbiederung schafft. „Francesca“ wirkt ehrlich umgesetzt, ist ein ehrgeiziges Projekt, vielleicht in seiner künstlerischen Form ein wenig zu gewollt auf außergewöhnlich getrimmt, aber wer würde das Onetti je vorwerfen bei solch intensiv wirkenden Bildern?


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Donnerstag, 19. Mai 2016

MANAGEMENT - DIE LIEBE IST EINE BAUSTELLE (Management 2008 Stephen Belber)


Mike arbeitet im Motel seiner Eltern und hat seinen Heimatort nie verlassen. Eines Tages taucht Sue auf, die Mike direkt anziehend findet, was nicht auf Gegenseitigkeit beruht. Nach einer Art Mitleidssex fühlt sich Mike bestätigt. Wochen später sucht er Sue unverhofft in ihrer Wohnung in der Großstadt auf. Die ist keineswegs begeistert die Nervensäge wiederzusehen, aber so schnell wird man einen Mann nicht los, der glaubt die Liebe des Lebens gefunden zu haben...


Der Po, der Beischlaf, die Emotionen...

Mike ist ein Versager, eine arme Fritte mit der kaum ein anständiger Dialog möglich ist. Mike ist ein Kindskopf, ein ewig Daheimgebliebener, ein junger Mann der die Pflicht des elterlichen Unternehmens stets wichtiger fand als seinen eigenen Interessen nach zu gehen. Mike wächst über sich hinaus nachdem er Sue kennen lernt. Mike wird hartnäckig, lauert ihr auf, ist immer da, immer auf Mitleid pochend, immer die Frau penetrant anbetend, die ihn nicht an ihrer Seite sehen möchte. Es fällt schwer Mike wirklich sympathisch zu finden. Er ist die Identitätsfigur des Filmes, aber mögen tut man ihn nicht, auch wenn man ihn und seine Art durchaus versteht. Oder gerade deswegen!

Sue ist hübsch. Das reicht Mike um in ihr die Liebe seines Lebens zu erkennen. All das romantische Denken um ihre Person herum ist eher fiktiver Natur, Spekulation, manchmal zufällig richtig liegend, da Sue sich selbst falsch einschätzt. Sue findet man als Zuschauer sympathischer. Aber man versteht sie nicht. Warum lässt sie sich auf Mike ein? Warum lässt sie sich daheim von Mike überreden den Tag mit ihm zu verbringen? Mike ist unangenehm, und der Autor nimmt einen nicht an die Hand zu verstehen warum Sue handelt wie sie handelt.

Man versteht warum der Autor es so möchte. Dem schwebt eine Entwicklung beider Seiten vor um am Ende unglückliche Einsame in ein glückliches Paar zu verwandeln. Das gelingt ihm im Laufe seines Filmes sogar. Aber der Einstieg ist arg konstruiert, nicht derart abstoßend wie es sich lesen mag, aber auch nicht liebenswert, verschmitzt oder ansteckend erzählt. „Management“ ist ein Film, der in seiner durch Widersprüchen und Zufällen gelenkten Art eine Wirklichkeit wiederspiegelt die ich nicht verstehe. Ich verstehe meine Mitmenschen sehr häufig nicht. Und Sue und Mike verstehe ich überhaupt nicht. Aber das ist kein Hindernis Gefallen an einer Geschichte zu finden, die von solchen Leuten erzählt.

Da ich vielerlei als normal geltende Menschen nicht verstehe kann ich nicht beurteilen wie realistisch oder unrealistisch „Management“ ausgefallen ist. Klar, er hängt sich stark an Stereotype und Klischees fest, gerade solche die man im Bereich der Liebeskomödien immer wieder antrifft. Und doch wirkt der Film etwas anders, mitten im Leben stehend, provozierend durch seine nichtig erscheinende Geschichte. Hier gibt es keinen strahlenden Prinzen. Hier gibt es keine tiefschürfenden Erkenntnisse die zum Wandel führen, lediglich Eingeständnisse und Reife. Es ist jene Art Reife die mir persönlich immer aufgesetzt erscheint und die ich nicht als reif betrachte. Eine Reife die eher Richtung Angleichung tendiert. Am Ende lernen beide voneinander. Sie gestehen sich ihre Fehler und ihre Liebe ein. Happy End.

Ich bin verwirrt dass mir das gefallen konnte, war ich doch nie Teil dieser Mentalität die hier gelebt wird. Und auch jenseits des Empfindens im Bereich der handwerklichen Umsetzung tue ich mich mit dem Ergebnis etwas schwer. „Management“ ist bemüht den typischen Pflichtbausatz einer solchen Komödie zu erfüllen und geht hierfür verzweifelt erscheinende Wege. Überforderung, Anbiederung, Angleichung oder provokativ anders, die Regeln umschuppsend und neue Wege des Immergleichen entdeckend? Das ist schwer zu beurteilen. Auf mich wirkt diese ganze Art jedoch nicht wirklich professionell, sondern eher verzweifelt.

Und doch funktionierte der Film. Sein Mix aus angeglichen und zwischen den Dingen schwebend, sowohl inszenatorisch als auch inhaltlich, war verwirrend wie schön anzusehen. Seine distanzierte Romantik machte neugierig, lullte einen aber auch nie ein. „Management“ lud nicht zum Träumen ein. Es war eher ein nüchternes Betrachten zweier Menschen mit denen man zunächst nichts anfangen kann, die einem aber schließlich ans Herz wachsen, einfach weil man sie kennt und ihre Hochs und Tiefs miterlebt, mal verstehend, mal nicht verstehend. Wer den typischen Kitsch sehen will oder eine besonders amüsante Story ist hier fehl am Platz. Belbers Werk ist keine gängige RomCom - zumindest auf den zweiten Blick. Es ist nicht besser oder schlechter als eine typische RomCom. „Management“ ist einfach interessant anzusehen. Wenn auch nicht all zu sehr. Aber genug um auf nette Art distanziert unterhalten zu werden.


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