Montag, 28. November 2016

SCHWARZWALDFAHRT AUS LIEBESKUMMER (1974 Werner Jacobs)


Obwohl Renates Verlobter gerade mit ihr Schluss gemacht hat, nimmt sie mit ihren Freundinnen an einer Radtour durch den Schwarzwald auf den Weg zu der Hochzeit einer Freundin teil. Unterwegs treffen sie immer wieder auf Hannes, der gerade seinen Job und seine Beziehung zu der Tochter seines Chefs gekündigt hat. Schließlich reist man gemeinsam, und die beiden verlieben sich...


Hoch auf dem gelben Wagen...

Nachdem ich zwei typisch schräge Komödien seiner Zeit gesehen habe, in denen Roy Black den smarten Sunnyboy mimte („Wer zuletzt lacht, lacht am besten“ und „Wenn mein Schätzchen auf die Pauke haut“), schaute sich der drei Jahre später entstandene „Schwarzwaldfahrt aus Liebeskummer“ völlig anders, handelt es sich bei dieser Schlager-Komödie doch um einen Genre-Beitrag, in welchem der Heimatfilm und der Romantikanteil sehr dominieren und die Komödie dementsprechend zurücksteckt.

Da Werner Jacobs Film über keinerlei Innovationen verfügt und nur die ewig gleiche Platte auflegt (außer jene Roy Blacks, der trällert freilich was es frisch zu kaufen gab), plätschert die dünne Geschichte, passend zu James Lasts Hintergrundgedudel, sanft und seicht vor sich hin, so dass cineastische Fremdgänger eher gemütlich einnicken, während Freunde dieser Gattung Film passabel genug unterhalten werden, aber eben keinen besonderen Film verpasst haben, wenn sie genau diesen Roy Black-Beitrag versehentlich überspringen.

Tatsächlich gibt es nichts weiter über dieses belanglose Stück Romantikfilm zu erzählen, da selbst die tragischen, durch Missverständnisse entstandenen, vorhandenen Wendungen so banal geschrieben und dementsprechend schlicht behoben sind, dass selbst diese Momente dem trüben Treiben kein zusätzliches Leben einhauchen können. Geduldige Zuschauer können die schöne Landschaft Deutschlands genießen und sich ein wenig an der Nostalgie erfreuen, die „Schwarzwaldfahrt aus Liebeskummer“ mit seiner naiven und überholten Art zu versprühen weiß, der Rest wird sich irgendwann lieber gelangweilt wegdrehen. So oder so hat man Jacobs Film schnell wieder vergessen. mittelmäßig


Sonntag, 27. November 2016

WENN MEIN SCHÄTZCHEN AUF DIE PAUKE HAUT (1971 Peter Weck)


Kristian hat für die Firma seines Vaters wertvolle Steine organisiert, die er nun, verfolgt von der kriminellen Konkurrenz, zu ihm bringen möchte. Am Treffpunkt angekommen verliebt er sich in die Nichte eines Schuldirektors, der mit der Gründung einer geheimen Kinderorganisation vor Ort für allerhand Chaos sorgt, da er endlich pensioniert werden möchte...


Viel Handlung um wenig Handlung...

„Wenn mein Schätzchen auf die Pauke haut“ erobert mit seinem verspielten Charme schnell die Herzen des Zuschauers, zumindest wenn dieser weiß worauf er sich einlässt, wenn er eine deutsche Heimat-Schlager-Komödie, besetzt mit den damals dafür üblichen Stars, sichtet. Peter Weck präsentiert uns allerhand kunterbunte Charaktere und Situationen, schenkt sich selbst eine herrlich alberne und überzogen Klischee-hafte Rolle, so als dürfte er so gegen den Strich besetzt erst agieren, wenn er selbst auf dem Regiestuhl sitzt. Sicherlich wird mit den Running Gags auf 90 Minuten etwas zu sehr übertrieben, aber das Herz sitzt am rechten Fleck innerhalb einer Geschichte, die eigentlich keine ist.

Eigentlich erzählt Weck diverse Parallelhandlungen und vereint diese irgendwann gekonnt, eigentlich sogar zu professionell für solch konstruierte Grundszenarien, die so gar keinen Sinn ergeben wollen. Aber auf jede lässt man sich nur all zu gerne ein, sind doch alle Beteiligten mit sichtbarer Spielfreude dabei und lässt sich der Film doch Zeit seine „Geschichte“ in Ruhe zu entfalten. Dementsprechend darf es verwundern, dass die, laut Vorspann, zweite Hauptrolle Uschi Glas erst nach etwa 20 Minuten in Erscheinung tritt und besser denn je ins Geschehen integriert wird, dauert es in dieser anspruchslosen Rolle doch einige Zeit, bis sie sich als schauspielerisch untalentiert outet, was in anderen Filmen stets früher klar wurde. Dass es dann ausgerechnet eine der wenig lebensnahen Situationen ist, die sie als Stümper ihres Fachs auffliegen lässt, eine Szene in der sie eigentlich nur schadenfroh hätte lachen müssen, beweist um so mehr wie schnell die Frau, deren Frisur diesmal nicht so penetrant geraten ist wie sonst, schauspielerisch überfordert ist.

Ein schelmischer Theo Lingen, ein schurkischer Peter Weck, ein überraschend sympathischer Roy Black, ein wunderbar alberner Paul Löwinger und ein positiv routiniert agierender Gunther Philipp halten dagegen, lediglich Ilja Richter kommt trotz größerer Präsenz zu kurz, hat er doch eine ziemlich langweilige Rolle erwicht, die sich ziemlich schnell abnutzt. Freilich ist auch er sich, wie alle anderen Beteiligten, für nichts zu schade. Mag so mancher lustig gemeinter Unfall auch eher für Fremdschämen als für einen echten Lacher sorgen, so stellt sich die unbekümmerte Comic-Art des Streifens diesem Nachteil doch mutig gegenüber und präsentiert uns realitätsferne Spinnereien, wie sie auch nur beim hemmungslosen, fast wie selbstgedreht wirkenden, Herumalbern funktionieren können.

Wenn Löwinger als über dem Wasser schwimmender Fisch von einem Angler verfolgt wird, Anitas Papa stets seinen Wohnwagen verliert ohne es zu merken oder Löwinger in an Sherlock Holmes angelehnten Anziehsachen einen Kriminalfall löst, der keiner ist, dann ist die Stimmung auf einem Hoch, zugegeben auf höchst naiver Ebene, aber durch den Charme, welcher den Film vollzieht, eben doch nicht nur von einem Sympathisanten dieser filmschaffenden Zeit gönnerhaft gnädigst mit einem Augezudrücken zugesprochen, sondern tatsächlich vorhanden.

Dass das eigentliche Rezept des Streifens ziemlich simpler Natur ist, ist kein Geheimnis. Allein wie unverschämt man versucht den Erfolg der Pennälerkomödien mit in eine Heimatkomödie zu integrieren, zeigt wie sehr man von jedem Erfolgskuchen ein Stückchen ab haben wollte. Allerdings gelingt es „Wenn mein Schätzchen auf die Pauke haut“ sehr gut, eben weil er eigentlich keine wirkliche Geschichte besitzt, all die verschiedenen Schwerpunkte unter einen Hut zu bringen, so dass man am Ende fast glaubt, tatsächlich einer Geschichte beigewohnt zu haben. Dass es der Streifen zudem schafft, die Instrumentalversion des höchst nervigen Songs „Schön ist es auf der Welt zu sein“, atmosphärisch stimmig einzubauen, ist ein weiteres heile Welt-Kunststück für sich das hier vollbracht wird. unterhaltsam


Samstag, 26. November 2016

PATLABOR - MOBILE POLICE (Kidô keisatsu patoreibâ 1989 Mamoru Oshii)


Im Japan des Jahres 1999 erledigen Roboter allerhand Arbeiten. Seit zwei Monaten kommt es immer wieder zu Störfunktionen, bei denen die Labors außer Kontrolle geraten. Für die Ursache steht das neue Betriebssystem H.O.S. unter Verdacht, welches ein kürzlich verstorbenes Genie konstruierte, das scheinbar eigene Pläne mit den Robotern hatte. Diese gilt es nun herauszufinden und zu verhindern...


Das Erbe des Genies...

Ein Jahr nach der ersten Videoproduktion „Patlabor“ und im selben Jahr der ebenso benannten TV-Serie, erschien mit „Patlabor - Mobile Police“ die Kino-Auswertung des Stoffes und bewies gerade ein Jahr nach dem erstaunlich guten „Akira“ wie schnell die Animationstechnik Fortschritte machte. Für seine Zeit ist Mamoru Oshiis Streifen hervorragend gezeichnet, lässt sich Zeit für künstlerisch wertvolle Standbilder und präsentiert seine mit heutigen Augen recht langsam ausgefallenen Actionszenen ohne die Bewegungsstriche aus dem Comicbereich, die man zur Beschleunigung in „Akira“ noch benötigte.

„Patlabor - The Movie“ (Alternativtitel) ist noch nicht so komplex ausgefallen wie viele Science Fiction-Animes die ihm folgen sollten, sein inhaltliches Niveau entspricht in etwa dem der Realfilme „Zeiram“ und „Robot War“ und erfordert eher aufgrund der Vielzahl seiner Charaktere eine höhere Aufmerksamkeit, als aufgrund einer hochgradig cleveren Geschichte. „Patlabor“ ist kein „Jin-Roh“, kein „Paprika“ und kein „Ghost in the Shell“, aber er kann sich sehen lassen, muss die ihm überlegene Konkurrenz nicht völlig scheuen und hat die Jahre, die er mittlerweile auf dem Buckel hat, gut überstanden. Noch heute schaut sich der Streifen sehr interessant, zumal seine Geschichte, so schlicht sie am Ende auch scheinen mag, gekonnt eingeleitet und leicht verästelt erzählt wird.

Was im Vergleich zu heutigen Werken angenehm nostalgisch auffällt, ist das Verwenden der klassisch auf humoristisch getrimmten Animefiguren in Hauptrollen besetzt. Wo sie sonst leichte Stoffe, TV-Serien oder Nebenrollen kleiden, gerne als auffälliger Sidekick präsentiert, da geraten sie hier ins Zentrum und verkörpern so ziemlich jedes Klischee, welches man mit Animecharakteren in Verbindung bringen würde. Schaut man „Mobile Police Patlabor“ (Alternativtitel) im Originalton, was sich trotz eines leicht unangenehm gesetzten deutschen Untertitel durchaus lohnt, bekommt man ergänzend hierfür auch gleich die akustischen Stereotype vorgesetzt, welche solche Charaktere geradezu typisch kleiden.

Neben seiner positiv geratenen Optik, bei welcher die Roboterkonstruktionen überhaupt nicht so gewaltig in den Vordergrund ragen wie ich es vermutet hätte, weiß „Kidô keisatsu patoreibâ“ (Originaltitel) durch seinen Rätsel aufwerfenden, futuristisch geratenen Krimi-Plot zu gefallen, der zwar nicht, wie ich es mir gewünscht hätte, zu einer Roboterrevolte im Stile von „Westworld“ führt, sondern die Ursache im menschlichen Bereich ansiedelt, aber doch mit recht interessanten Ideen spielt, welche die Protagonisten zu ihrem Ziel führt.

Da das Ganze nicht nur durch seine Ernsthaftigkeit, sondern auch durch seine Demut vor dem Leben und dem Respekt voreinander, zu einem erwachsenen Seherlebnis wird, kann man „Patlabor - Mobile Police“ dem Fan japanischer Zeichentrickfilme dieser Art durchaus empfehlen. Ein stets situativ passender Soundtrack hilft einem schnell in die Stimmung des Filmes einzutauchen, und die interessante Geschichte schafft es schließlich, dass man sich durch die 100 Minuten schneller geschaut hat als man meinen sollte. Dem Film folgten noch zwei Kinofortsetzungen, bevor ab 2014 ein ganzes Meer an Kinoproduktionen unter dem Motto „The Next Generation" zu der Reihe fertiggestellt wurden. Auch die Original Videoproduktion aus dem Jahre 1988 erhielt zwei Jahre später eine Fortsetzung. sehenswert


Weitere Reviews zum Film: 

Dienstag, 22. November 2016

WER ZULETZT LACHT, LACHT AM BESTEN (1971 Harald Reinl)


Theo und seine Nichte Sabine stehen vor dem finanziellen Ruin, da ihr Hotel nicht mehr so gut läuft wie einst. Die einzige Hoffnung die sie haben ist der Verkauf des Objektes an die Hotelkette Mertens. Damit der Inhaber dieser nicht zu günstig kaufen kann, gaukelt man dem vor Ort weilenden Mertens mit Hilfe des neuen Pagen Robbie einen Hochbetrieb vor. Aber erstens ist die Person, welche Theo und Sabine für den Besitzer der Kette halten, nicht Mertens und zweitens ist Robbie Mertens Neffe, der heimlich längst beschlossen hat das Hotel zu retten...


Keine Wiese ohne Disteln...

Man kennt sie, diese heile Welt-Komödien Deutschlands aus den 60er und 70er Jahren, zu denen man aufgrund ihrer höchst naiven Art, ihres in ihrer Zeit feststeckenden Singsangs und der überholten Art Herumzublödeln ohnehin einen Zugang besitzen muss, um mit diesen seine Freude zu haben. Ich habe sie, habe den Mantel der Coolness und die Ausrede des Trashs längst abgelegt um meine Freude mit dieser wundervollen Gattung Film zu haben, muss nach Sichten von „Wer zuletzt lacht, lacht am besten“ jedoch eingestehen, dass er auch inmitten der naiven Konkurrenzproduktionen ein besonders schlicht ausgefallener Beitrag seiner Nische ist.

Zwar besteht die Handlung aus den typischen Versatzstücken, wie sie in diesem speziellen Sub-Genre seit je her zelebriert werden, Sinn macht die hier zu sehende Handlung jedoch noch weniger als üblicher Weise ohnehin schon. Warum Sabine ausgerechnet mit einem ihr zuvor unsympathischen Mann anbendelt, um Robbie eifersüchtig zu machen, warum Robbie überhaupt das Hotel retten will, und warum zum Teufel er deshalb gegen Ende das Unternehmen des Onkels übernehmen muss, sind alles Fragen, die der Normalzuschauer inmitten all des anderen unlogischen und aus anderweitigen Gründen vorhandenen Unsinns nicht stellt, ich mit Blick auf die besser funktionierenden Vergleichswerke aber sehr wohl, macht doch dieser kleine Unterschied einen Stück des Wohlfühlens während der Sichtung aus, und genau das Wohlfühlen ist doch überhaupt erst der Grund warum man sich einen solchen Film ansehen möchte, wenn es einem nicht nur nach unfreiwilliger Komik dürstet.

Zwar weiß auch „Wer zuletzt lacht, lacht am besten“ auf seine simple Art dennoch zu funktionieren, eben weil er dem seit je her typischen Muster nachgeht, aber er steht auf wackeligen Beinen. Da tut es gut dass Roy Black erst gegen Ende in Dauerschleife singt, und einer von den Songs, das Einschlaflied für die vermeindliche Tochter, situativ aufgrund seiner unfreiwilligen Komik trumpft. Theo Lingen ist ein Hingucker und Hinhörer wie eh und je, Eddi Arent lässt gelegentlich das Niveau seiner vergangenen humoristischen Wallace-Leistungen durchfunkeln, und Roy Black spielt angenehmer als ich es bislang von ihm gewohnt bin.

Da alles vom Anspruch und Niveau her auf niedrigster Flamme brennt, fällt auch Uschi Glas in der Ausnahme einmal nicht so untalentiert auf wie sie eigentlich ist. Inmitten einer selbst für diese Art Film arg konstruierten Romanze, die man als Zuschauer nicht mitfiebert, weiß auch sie nichts zu zerstören. Lediglich von Siegfried Schürenbergs Rolle hatte ich mir mehr erhofft, der gibt zwar sein bestes, aber das Drehbuch hat ihm eine einfallslose Figur zugewiesen.

An „Wer zuletzt lacht, lacht am besten“ sollten sich nur die hartgesottensten Fans dieser Gattung Komödie heranwagen, bietet er das seichte Programm der Konkurrenz sowohl inhaltlich, wie auch von der Stimmung her, nur im Light-Modus. Mir hat er aufgrund der wenigen Erwartungen die ich ohnehin an einen Roy Black-Film stelle zumindest genügend Freude bereitet, um mich trotz all seiner Schwächen versöhnlich von ihm zu trennen. Aber manch einer wird mit den Störfaktoren sicherlich nicht so großzügig umgehen wie ich. unterhaltsam


Weitere Reviews zum Film: 

Montag, 21. November 2016

ER IST WIEDER DA (2015 David Wnendt)


Adolf Hitler erwacht im Berlin des Jahres 2014 und erkennt nach einer Zeit der Eingewöhnung die Zustände Deutschlands, was ihn motiviert wieder Politik zu machen...


Allein zurück...

Wer „Er ist wieder da“ eine echte Chance geben will, der muss die Buchvorlage, sofern er sie gelesen hat, ignorieren. Nicht nur dass bis auf die Grundlage der Geschichte und kleinere Passagen nichts mehr von der Vorlage übrig blieb, auch der Schwerpunkt wird anders gesetzt. Wo das Buch aus dem Blick Adolf Hitlers die Situation Deutschlands auf vielen Ebenen hinterfragte, da geht es den Verantwortlichen des Filmes darum das erneute Wachsen braunen Denkens in der Bevölkerung zu entlarven und auszuhebeln. Ob das Buch nicht verstanden wurde oder bewusst eine solche Änderung vorgenommen wurde, lässt sich nur schwer beantworten, ist der Film doch nicht halb so intelligent umgesetzt wie das Buch.

Autor Timur Vermes verfügt über ein enormes geschichtliches wie auch politologisches Hintergrundwissen. Er versetzte sich mit diesem Wissen gekonnt in den Menschen Adolf Hitler hinein, den er durch ein Deutschland schreiten lässt, welches zuvor von Vermes genaustens kritisch beobachtet und analysiert wurde. Der Film präsentiert uns im Gegenzug das ewige Monster Adolf Hitler, so wie es gerne in britischen Verarbeitungen propagiert wird. Alles Menschliche in ihm ist ausgelöscht. Und dieses unheimliche Wesen schreitet nun durch ein Deutschland, das von AFD, Pegida und NPD geprägt ist. Meist auf Privatfernseh-Komik wandelnd trifft der Film manches Mal perfekt anvisierte Satire-Ziele, aufgrund der Anbiederung an eine massenkompatiblere Thematik rutscht man hin und wieder aber auch in die Unglaubwürdigkeit ab. In solchen Momenten riskiert man die Glaubwürdigkeit Hitlers Charakter für den schnellen Witz, so z.B. in der Eingangssequenz geschehen.

Dementsprechend hin und her gerissen bin ich von dem fertigen Projekt, weiß es doch losgelöst von der Buchvorlage so manch gekonnte Szene zu präsentieren und auch insgesamt zu belustigen, es weiß aber weder wachzurütteln, noch hält es das Niveau der geglückten Szenen konsequent bei. Dinge die im Buch wichtig waren, werden in der veränderten Situation sinnlos eingebaut. Unlustige Szenen reihen sich an große Lacher. Treffsichere Kritik trifft auf unreflektiertes Massendenken. „Er ist wieder da“ ist nichts Halbes und nichts Ganzes, braucht einige Zeit um in die Gänge zu kommen, unterhält aber eher, als dass er enttäuscht - wohlgemerkt losgelöst vom Buch.

Dabei sind es im Groben zwei Faktoren die den Film stemmen. Das ist zum einen Oliver Masucci als Adolf Hitler, der zwar körperlich viel zu groß geraten ist, aber geradezu eine Wucht in dieser Rolle ist. Er beherrscht das Klischee Adolf Hitler perfekt. Er erntet Abscheu und Respekt. Seinen Hitler würde man nie für einen Clown halten. Dieser Mann ist ein gekonnter Rhetoriker und eine brodelnde Gefahr. Der zweite Faktor der dem Film gut tut, ist einer der mich einige Zeit davon abhielt David Wnendts Komödie zu sichten, hielt ich es doch für keine gute Idee halbdokumentatorisch vorzugehen, um Menschen auf der Straße und an anderen Orten mit Adolf Hitler zu konfrontieren. Aber genau dies weiß zu wirken, egal ob in der NPD-Parteizentrale, in der Fußgängerzone beim Porträtieren von Mitbürgern, oder im Abspann, wenn ein im offenen Wagen durch Deutschland fahrender Hitler dem Volk zuwinkt, und wir die Reaktionen der Passanten dazu sichten dürfen.

Christoph Maria Herbst, der im Hörbuch den Hitler sprechen durfte, ist in einer Nebenrolle anderweitig besetzt, verpufft jedoch in einem eher unwichtigen Nebenplot. Herbst kämpft schauspielerisch dagegen an, arbeitet gekonnt wie man es von ihm kennt, aber er hat keine Chance sich gegen seine schlecht geschriebenen Szenen zu behaupten. Eine Überraschung im Schauspielbereich ist hier die mich meist wenig überzeugende Katja Riemann, die ihre Rolle glaubwürdig prägt und neben Masucci die beste Leistung aller Mitwirkenden abliefert. Die restlichen Darsteller sind ohnehin egal, lebt der Film doch eher von einzelnen Szenen als von der arg zusammengeflickten Gesamtgeschichte, und diese Szenen sind immer jene mit Hitler, egal ob komplett gespielt oder auf das Volk losgelassen.

Leicht sympathisch wirkt die Meta-Idee, die gegen Ende aufkommt, wenn Hitler ein neues Buch schreibt und es Cover-technisch und inhaltlich angehaucht jenes von Timur Vermes ist. Und auch das Spiel mit dessen Verfilmung verdreht die Realität manches Mal verspielt charmant. Insgesamt bringt dies den Film nur nicht vorwärts und hilft ihm lediglich dabei sich gegen Ende davonzustehlen, um überhaupt ein Ende zu besitzen. War die Buchvorlage clever genug Hitlers Erscheinen in unserer Zeit nie zu erklären, so erzählt der Film von jemandem, der begreift dass wir es mit dem echten Hitler zu tun haben, und der nun inmitten des Metaebenen-Wirrwarrs recherchiert und agieren muss. Gut tut es dem Film nicht, aber der hatte zuvor bereits so viele Schwächen über die man gnädigst hinweggucken muss, dass es darauf auch nicht mehr ankommt.

„Er ist wieder da“ ist leichte Unterhaltung anstatt gekonnte Satire. Er rutscht immer wieder in seichte Privatfernseh-Komik ab, kritisiert im Gegensatz zur Buchvorlage ein Denken in Deutschland, welches die meisten Bürger ohnehin schon von selbst kritisieren und lebt vom Monster Hitler anstatt vom Menschen Hitler. Umso überraschter darf man darüber sein wieviel des Gezeigten humoristisch funktioniert, in der Ausnahme auch als zum Nachdenken anregende Satire fruchtet, und darüber dass ein solch oberflächlich bleibender Film den Zuschauer trotzdem noch lange Zeit nach Sichten mit der hier angegangenen Thematik zu beschäftigen weiß. unterhaltsam


Weitere Reviews zum Film: 

Sonntag, 20. November 2016

LISA UND DER TEUFEL (Lisa e il diavolo 1972 Mario Bava)


Die Touristin Lisa verliert den Anschluss an ihre Gruppe Reisender. Auf der Suche nach Hilfe gelangt sie in den Wohnsitz einer wunderlichen Familie, die behauptet Lisa unter dem Namen Elena zu kennen. Die ist jedoch bereits vor etlichen Jahren verstorben...


Haus der Puppen...

Die im 70er Jahre-Look gekleidete Elke Sommer trifft in ihrer Rolle als Lisa auf altmodisch gekleidete Menschen, die sich sonderbar benehmen. Während sie sich noch über so manch schräge Marotte jener zwielichtigen Helfer wundert, immer noch daran glaubend sich lediglich verlaufen zu haben, so ist dem Zuschauer mit Blick auf das alte Anwesen, die Kleidung und das alte Auto bewusst, dass sich die Heldin der Geschichte in einer Art Parallelwelt befinden muss. Interessanter Weise wird dies im Laufe des Filmes nie wirklich festgestellt oder bewusst benannt. Bava nutzt dieses Treffen der zeitlich versetzten Kulturen, um sein Werk „Lisa und der Teufel“ bizarrer wirken zu lassen. Letztendlich ist es ihm egal dass Lisa durch eine Phantomwelt zu schreiten scheint.

Dass man sie dort als wen anders kennt, könnte für die Geschichte fast schon egal sein, wird erst dann wichtig wenn „Der Teuflische“ (Alternativtitel) auf den Pfaden von „Psycho“ wandelt, was kurz vor Schluss keine Überraschung ist, ahnte man als Zuschauer doch längst woher der Hase läuft, zumal die eigentliche Geschichte sich kaum vorwärts bewegt, so schlicht wie sie ausgefallen ist. Letztendlich beobachten wir zum einen Lisa dabei wie sie von einer Absonderlichkeit in die nächste stolpert, während wir ansonsten eine Gruppe wundersamer Menschen kennen lernen, die auf schlichte Art sonderbare Dinge tun und reden.

Einen morbiden Touch bekommt die Geschichte dann, wenn nach und nach die Figuren des Films ihr Leben lassen müssen. Ein wirkliches Täterraten findet dabei nicht statt. Auf Giallo-Pfaden wandert Bavas ungewöhnliches Werk dabei ebenso wenig. Stattdessen genießt es der Regisseur und Mitautor den Zuschauer mit skurrilen Gimmicks zu verwirren, so z.B. mit der Idee dass es für jeden Toten eine lebensgroße Puppe gibt, um das Gedenken an den jeweiligen Verstorbenen zu bewahren. Was an der Geschichte nun wichtig oder unwichtig ist lässt sich schwer erklären, wahrscheinlich kann man darüber sogar unterschiedlicher Meinung sein, letztendlich ist es aber auch egal, denn „The Devil and the Dead“ (Alternativtitel) ist ein Film des Eintauchens, des Miterlebens, des Mitfühlens und keiner den man schaut wenn man eine Geschichte erzählt bekommen haben möchte.

Während Bava auf der einen Seite eine dichte, düstere Atmosphäre mit der grotesken Seite der Geschichte mixt, entwirft er auf der anderen Seite ein optisches Fest für Cineasten, welches seinem Ruf gerecht wird als ehemaliger Kameramann gekonnte Bilder einfangen zu können. Über dieses Talent ragt die optische Fertigstellung des hier besprochenen Streifens gar weit hinaus. Wo ein „Die toten Augen des Dr. Dracula“ sich meist damit begnügte großartig fotografierte Standbilder zu präsentieren, da spielt Bava in „Lisa e il diavolo“ (Originaltitel) regelrecht mit optischen Reizen. Da wird das Szenario nicht nur hübsch fotografiert eingefangen, da spielt der gute Mann mit dem Wechsel von Schärfe des Hintergrundes eines Bildes mit dem Vordergrund, kreiert Kamerafahrten, die an ihrem Ende auf ein großartiges Schlussbild stoßen, experimentiert Bava mit Zoom, Licht und Schatten, sprich er sorgt dafür dass der Film stets aufregend eingefangen wird, was im Widerspruch zur höchst langsamen Erzählmethode zu stehen scheint.

Das könnte jedoch nur wer so empfinden, der lediglich im flotten Kino heutiger Tage zu Hause ist. Bava hingegen versteht noch die Kunst der langsamen Erzählung, nutzt sie nicht zum Zeitstrecken, sondern erzäglt in dieser Langsamkeit auf subtile Art mehr, als die an sich dünne Geschichte vermuten lässt. Da „Lisa und der Teufel“ diese künstlerichen, wie intelleltuellen Aspekte nicht nur in einer kühlen Hülle serviert, sondern mit dem grotesken Touch und der unheimlichen Grundatmosphäre zu bereichern weiß, ist der Film somit kein rein theoretisches Werk geworden, sondern ein aufregendes Stück unaufgeregtes Horrorkino für Liebhaber alter Filmdekaden. Und bei all dem Farbenmeer, welches uns Bava hier präsentiert, würde es mich gar nicht wundern, wenn es der hier besprochene Film war, der Argento zur optischen Umsetzung seines „Suspiria“ inspiriert hat. sehenswert


Weitere Reviews zum Film: 

DAS HAUS DER VERGESSENEN (The People Under the Stairs 1991 Wes Craven)


Um seiner Familie aus den Mietschulden zu helfen, lässt sich der kleine Fool auf einen Einbruch im Haus seines Vermieters ein, wo es angeblich einen Goldschatz geben soll. Zu dumm dass er in ein Haus geraten ist, aus dem man nicht mehr herauskommen soll. Denn die Bewohner wahren ein krankes Geheimnis in ihren vier Wänden und trachten Fool von nun an nach dem Leben...


Der Narr, die Kakerlake und Alice...

Wes Craven gehört zu den interessantesten Horror-Regisseuren, welche Amerika vorzuweisen hat. Nicht nur dass er so ziemlich in jeder Dekade seiner 5 Jahrzehnte andauernden Arbeit für das Genre immer wieder neue Maßstäbe setzte, seine Werke waren zudem geprägt von unterschiedlichsten Qualitäten, so dass man nie wusste ob einem nun ein Meisterwerk oder eine Gurke bevorsteht. Zu den eher unbekannten Werken des berühmten Mannes gehört der in den 90er Jahren erschienende und von Craven selbst verfasste „Das Haus der Vergessenen“, der in Horrorkreisen längst zum Kultfilm geworden ist.

Das ist verständlich, handelt es sich doch um einen höchst ungewöhnlichen Film, der mit harten Ideen (jedoch nur selten in blutigen Bildern) ebenso jongliert wie mit bunten, so dass der märchenhaft angehauchte Horror-Trip zu einer Groteske aufgeblasen wird, welche die Realität zwar nicht völlig aushebelt wie manch extremere Groteske, dem Zuschauer aber so einiges Überraschendes und Genre-sprengendes präsentiert, an das man sich erst einmal gewöhnen muss. Was als relativ typische Horrorgeschichte losgeht, entpuppt sich als sympathisch kranke Story, die spätestens aufgrund des Overactings des Vermieterpaares zu einem wahren Comicstrip wird.

Positiv fällt auf, dass Craven diesen Touch weder künstlich schrill erreicht, wie er es zuvor in „Shocker“ versuchte, und u.a. aufgrund dessen auch daran scheiterte, noch mit zu harten Provokationen arbeitet, wie es ein Rob Zombie heutzutage angehen würde, um sich beim Horrorpublikum anzubiedern. Craven geht, wie typisch für die Entstehungszeit von „The People Under the Stairs“ (Originaltitel), verspielt mit den Situationen um, schenkt ihnen immer einen Hauch Humor, seltenst sogar eine Dosis Klamauk, und bewahrt in allem was hier geschieht stets die nötige augenzwinkernde Distanz, die offen suggerieren soll, dass es sich bei dem hier Erzählten lediglich um einen kleinen Spaß handeln soll, der niemandem weh tut.

Dank harter Momente und der Thematik um Kindesmisshandlung, fällt „Das Haus der Vergessenen“ nie derart bunt aus, dass er zu einem harmlosen Familienfilm werden könnte. Der Streifen richtet sich in seiner trotz aller Verspieltheit radikalen und ansatzweise düsteren Art definitiv an ein erwachsenes Publikum. Zwar distanziert sich Craven in seinem etwas arg gekünstelten sozialkritischen Hintergrund für meinen Geschmack gegen Ende etwas zu sehr von der grotesken Handschrift des Streifens, dennoch passt auch der fast schon kitschige Schluss wiederum zu den märchenhaften Zutaten, die Craven von Beginn an wenig märchenhaft in die Geschichte einstreut, wie z.B. die Legende um den im Haus versteckten Goldschatz.

Zumindest wird man während der kompletten Geschichte immer wieder von Craven auf Trab gehalten. Lebt das erste Drittel von den Geheimnissen des Hauses, wird der Mittelteil nach Aufdeckung dieser zu einer abwechslungsreichen und spannend inszenierten Treibjagd, wohingegen das letzte Drittel mit einer Wendung in der Geschichte startet, die dort einsetzt wo andere Autoren ihren Film hätten enden lassen. Durch die Armut im Ghetto und das Geschehen in den vier Wänden eines skurrilen, unbehaglichen Wohnortes, schaut sich „Das Haus der Vergessenen“ angenehm zeitlos, da weder Mode noch überholte Lebenssituationen auf das Entstehungsjahrzehnt verweisen. Und dass die schrillen Ideen eines „The People Under the Stairs“, trotz aller Extreme die das Horror-Genre in den letzten Jahrzehnten hervorbrachte, noch immer schrill, provokativ und frisch wirken, ist ein weiterer Beweis für die zeitlose Qualität des Streifens. sehenswert


Weitere Reviews zum Film: 

HOUSE OF CARDS - STAFFEL 4 (House of Cards - Season 4 2016 Tucker Gates u.a.)


Mitten im Wahlkampf distanziert sich Claire von ihrem Ehemann Frank. Zwar kann nach außen hin der Schein des Zusammenhalts gewahrt werden, aber das Bild bröckelt. Als Frank Underwood Claires eigene Politpläne in seiner Rede an die Nation trickreich verhindert, holt Claire zum Gegenschlag aus...


Halbzeitiger Partnerbruch...

Auf Staffel 4 durfte man zu Recht neugierig sein, war der Cliffhanger der Trennung des Underwood-Paares doch ein echter Einschnitt in die Sehgewohnheiten der Serie und schien reizvolle Wendungen folgen zu lassen. Dementsprechend darf man nach Sichtung der bislang letzten „House of Cards“-Staffel ein wenig enttäuscht sein, steht Frank Underwood doch weit weniger unter Druck als erwartet, und nutzen die Autoren doch einen recht billigen, wenn auch nicht unglaubwürdigen, Ausweg der Lage wieder Herr zu werden, um alles wieder so zu biegen, wie es zuvor war. In dieser versöhnlichen, weniger aufgeregten Phase ist es zwar dann nach wie vor interessant mit anzusehen wie das Paar agiert um seine Zwecke zu erfüllen, da man diesmal nicht unter Druck steht und ein Scheitern dementsprechend nicht zum Skandal werden würde, fehlt es dabei jedoch an echtem Spannungspotential.

So ist es gut dass die Autoren bereits parallel dazu die nächste Krise vorbereiten. Ob diese aber so gewaltig einschlägt wie man zunächst vermuten würde, bleibt fraglich, nachdem die letzte Folge der vierten Staffel bereits aufweist wie es Underwood gelingt mittels schlichtester Rhetorik auch dem ersten Anschlag dieser Phase Herr zu werden. Es wäre schade, wenn „House of Cards“ inmitten der bevorstehenden Thematik wieder ähnlich schlicht vor sich hinplätschern würde wie in den letzten beiden Staffeln geschehen, schaut sich das Konzept zwar nach wie vor interessant, intelligent und unterhaltsam, aber das wahre Potential der Serie wird nun schon einige Zeit nicht mehr ausgeschöpft.

Zudem gewinnt die Reihe nun immer mehr an Seriencharakter, sprich „House of Cards“ hebt sich in seiner Inszenierungsform nicht mehr derart qualitativ von anderen Produkten ab wie zuvor, da sich mit dem Einhalten wiederkehrender Pflichtzutaten kleine Serienkrankheiten eingeschlichen haben. So gehört es z.B. zum Rezept der Reihe dazu, dass Underwood Skandale um seine Person beheben muss. Aber bei all den Angriffen die Underwood in seinen zwei Jahren der Präsidentschaft und gerade nun in den wenigen Monaten des Wahlkampfes öffentlich glatt zu bügeln hatte, wird es immer unglaubwürdiger, dass das amerikanische Volk so schnell vergisst, bzw. durch andere Ereignisse perfekt abgelenkt wird.

Erst der finale Gegenschlag Underwoods, der selbst für seine Verhältnisse ein sehr aggressives Vorgehen ist, richtet wieder die Glaubwürdigkeit der Serie her, da die Geschichte Amerikas bereits gelegentlich bewiesen hat, dass diese Taktik tatsächlich aufgeht. Sollte dieser Aspekt nicht wieder nur als schnell verpuffender Cliffhanger wie der letzte genutzt werden, könnte mit Staffel 5 darauf aufbauend eine tatsächlich faszinierende Geschichte erzählt werden, die etwas kritisch thematisiert, worüber Michael Moore seit je her versucht das amerikanische Volk zu warnen und aufzuwecken. unterhaltsam


Samstag, 19. November 2016

CLOWN (2014 Jon Watts)


In einem seiner zum Verkauf stehenden Häusern findet der Makler Kennt ein Clownskostüm, welches er zum Geburtstag seines Sohnes anzieht. Nach erfolgreicher Belustigung bekommt er es jedoch nicht mehr ausgezogen. Es wächst mit ihm zusammen und verwandelt ihn in eine Bestie, die nach Kinderfleisch giert...


Der Kummer der Frau eines Clowns...

Dass sich wer über die Körperteile eines anderen verändert, kennt man aus „The Eye“, „Body Parts“ und vielerlei ähnlichen Filmen. Ein Kleidungsstück, welches die Persönlichkeit verändert, kenne ich persönlich nur aus Tobe Hoopers „Im Banne des Grauens“. Eines von diesen Beispielen in Kombination mit dem klassischen Mutations-Horror ist mir bislang jedoch nicht untergekommen. Von daher kann man Watts „Die Fliege“-Variante, in welcher sich ein Makler in einen Clown verwandelt, durchaus als eine eigenständige Idee bezeichnen.

In den 90er Jahren hätte man solch eine Geschichte wahrscheinlich noch humoristisch, oder zumindest augenzwinkernd untermalt wie den „Ice Cream Man“, umgesetzt. Der von Erfolgs-Regisseur Eli Roth inszenierte Film kommt jedoch nicht nur sehr ernst daher, er übertreibt es gar mit seiner unverspielten Art, indem er von einer düsteren Ur-Herkunft der heute als belustigend geltenden Clowns ausgeht, ein Aspekt der es schwer macht „Clown“ all zu ernst zu nehmen, aber immerhin präsentiert er die Ausführung eines Gedankenganges, der in „Space Invaders“ einst nur kurz angeklungen ist.

Abgesehen von der so gar nicht feinfühligen deutschen Synchronisation ist dies aber eigentlich der einzige Schwachpunkt eines Horrorfilmes, der zwar nicht so innovativ ausgefallen ist wie er klingt, eigentlich sogar recht gewöhnlichen Pfaden folgt, als kleiner Leckerbissen seines Genres jedoch zu gefallen weiß, zumal er in der Umsetzung seines gar nicht so innovativen Stoffes manch ungewöhnliche Eigenschaften besitzt. Allen voran wäre freilich der Bruch des Tabus der Kinderopfer zu betrachten, den in den 80er Jahren meist nur die Italiener zu brechen wagten. Nun konzentriert sich ein Film einmal zentriert auf diese vernachlässigte Opfergruppierung, und so mancher fiesgeleitete Horror-Fan wird da vielleicht sogar mit dem Clown mitfiebern, sind Kinder in Horrorfilmen doch meist nicht gern gesehen.

Die FSK 18 mag gerechtfertigt sein, so brutal wie ein üblicher Eli Roth-Film ist Jon Watts Erstling jedoch nicht ausgefallen, so dass besagter Tabubruch noch relativ schonen angegangen wird. Da fliegen eher angenagte Körperteile ins Bild, als dass man einer Attacke tatsächlich beiwohnen muss, und auch sonst geschehen blutige Momente eher angedeutet, anstatt konstant mit der Kamera draufzuhalten.

Ansonsten überrascht „Clown“ damit, dass er die Erkenntnisse seiner Geschichte sehr zügig vorwärts bringt. Wo andere Protagonisten einer Geschichte lange recherchieren, oft sogar erst gegen Ende begreifen was mit ihnen oder Nahestehenden geschieht, findet das Begreifen und das Entdecken der Hintergründe im hier besprochenen Film sehr früh statt. Das ist glücklicher Weise glaubwürdig eingefangen, ohne dabei das Geschehen als zu gehetzt einzufangen, einen wirklichen Vorteil verschafft sich Watts damit jedoch trotzdem nicht, nutzt er die eingesparte Zeit doch nicht für Einblicke in die Geschichte, die bei üblichem Erzählmuster nicht möglich gewesen wären.

Das mag eine vertane Chance gewesen sein, in „Clown“ geht es aber ohnehin nicht um außergewöhnliche Momente. Eigentlich erzählt er nur eine leicht bizarre Horrorgeschichte, die ihrer Unterhaltungspflicht nachkommt. Interessante Ansätze, wie der innere Konflikt der Mutter ein Kind für das ihre opfern zu müssen, werden nur kurz angeschnitten, um schließlich mit simpelster Lösungsmethode, meist durch Fremdeinfluss, auf den nächsten Hingucker der Geschichte hinzulenken. Dementsprechend oberflächlich fällt die Psychologie der Figuren und der Anspruch des Streifens aus. Erwartet man von „Clown“ jedoch nicht all zu viel, ist er interessant genug ausgefallen um mit ihm seinen Spaß zu haben. Allerdings rate ich zu einer Sichtung im Originalton. Die reguläre deutsche Veröffentlichung verfügt erfreulicher Weise über einen deutschen Untertitel. unterhaltsam


Weitere Reviews zum Film: 

Sonntag, 13. November 2016

HUBERT UND STALLER 2 - UNTER WÖLFEN (2016 Jan Markus Linhof)


Kurz nachdem der Polizeipräsident Kröpf dem Polizeirat Girwidz anvertraut hat, dass er schwarze Schafe in der Münchener Polizei vermutet, wird er tot aufgefunden. Hubert und Staller ermitteln gemeinsam mit den Stadtkollegen, die nicht ahnen dass sie längst unter Verdacht stehen...


Der Besucher muss die Urkunde sehen, nicht der Chef...

Der zweite als TV-Special zur Serie „Hubert und Staller“ erschienende Spielfilm des lustigen bayrischen Ermittler-Duos schaut sich im Gegensatz zu „Hubert und Staller - Die ins Gras beißen“, dem ersten Fall auf Spielfilmlänge, nicht mehr wie eine Doppelfolge, sondern tatsächlich wie ein Spielfilm, was daran liegt dass der Fall gar nicht erst dem üblichen Musteraufbau eines Serienfalles folgt, sondern bereits in seiner Anfangssequenz ganz anders ansetzt. Somit ist „Hubert und Staller 2 - Unter Wölfen“ nicht nur ein oller Ermittlungs-Ausflug zweier Dorfpolizisten in die große Stadt, sondern hat zudem auch einiges mehr zu bieten.

Der Kriminalfall selbst ist nicht gerade kniffeliger Natur, stehen die Schurken doch eigentlich früh fest. Aber der Weg zum Ziel wird zum Hingucker, nicht nur aufgrund der herablassenden Augen städtischer Kollegen, die sich bei jedem Patzer bestätigt fühlen, sondern auch weil der so bescheiden klingende Kriminalfall doch über ungewöhnliche Zusatzsituationen gelöst wird. Eines der Highlights ist dann schließlich der Abstecher von Hubsi und Hansi in ein Strip-Lokal, wo Staller nach einer Dosis Kokain ordentlich abdreht, was sich lediglich als Alibihaltung sich endlich einmal wie Sau benehmen zu dürfen entpuppt, hat der gute Mann doch lediglich Traubenzucker geschnupft. Das sind die Stallermomente, die man als Fan der Reihe sehen möchte.

Kleine Randideen wie der Ausschluss Riedels vom Geheimaspekt des Falles und der neue Zuschuss zum Fuhrpark lockern die ganze Chose nebenbei ein wenig auf. Die wirklich große Überraschung am zweiten Spielfilm ist jedoch das Einbringen der sich seit Staffel 2 so schlecht entwickelten Rolle Yazids, die endlich wieder zu wirken weiß, vielleicht noch fragwürdiger charakterisiert wird als üblicher Weise, aber in Sachen Humor und Einfluss auf den Kriminalfall deutlich zu punkten weiß, so dass es eine überraschend erfreuliche Idee ist den bayrischstammigen Türken einmal etwas mehr hervorzuheben als üblich.

„Hubert und Staller - Unter Wölfen“ spart nicht gerade an Besonderheiten. So darf ein Nebenplot schließlich sogar dazu führen, dass Hubert ins Gefängnis muss. Überfrachtet guckt sich der Spielfilm dadurch keineswegs, vielmehr wusste man mit diesen Mitteln die Laufzeit von 90 Minuten besser zu nutzen als im ersten Spielfilm, zumal derartige Zusatzideen stets vom Drehbuch nachvollziehbar eingearbeitet werden.

Das Verständnis für Situationen und Charaktere bleibt somit auch im zweiten Spielfilm der Pluspunkt der „Hubert und Staller“-Reihe, sitzen hier doch Autoren am Werk die psychologische Zusammenhänge verstehen, tiefere Charaktere schaffen und das Ganze trotzdem lockerleicht aufbereiten, ohne dem Zuschauer auch nur im Ansatz mühsame Kopfarbeit zu bescheren. Die Tiefe der Reihe entdeckt ohnehin nur der aufgeweckte Zuschauer, und dies ist beim hier besprochenen Kriminalfall glücklicher Weise nicht anders. Eventuell hätte man die städtischen Kollegen etwas weniger schurkisch darstellen können, andererseits unterstützt deren offensichtliche Zwielichtigkeit den Comic-Charakter der Serie. sehenswert


ICH ZÄHLE TÄGLICH MEINE SORGEN (1960 Paul Martin)


Da ihm Bordkarte und Ausweis gestohlen und vertauscht wurden, wird der erfolgreiche Modeschöpfer Peter Hollmann für einen zwielichtigen Hilfsarbeiter gehalten, auf einem Schiff während der Überfahrt von Amerika nach Europa. Dort lernt er eine blinde Passagierin kennen und lieben, die in Wirklichkeit die Millionärstochter Rosemary Bancroft ist, mit welcher Hollmann gegen seinen Willen, da besagte Frau nicht kennend, zwangsverheiratet werden sollte. Beide ahnen nicht in wen sie sich verliebt haben...


Der Betrüger und der blinde Passagier...

Im Gegensatz zu den meisten anderen Komödien in denen Peter Alexander einen Schelm spielt gerät die zentrale Figur einmal nicht aufgrund eigener Lügen in eine verzwickte Verwechslungssituation. Diesmal ist die Hauptfigur selbst das Opfer. Und dass die Wahrheit nicht all zu schnell ans Tageslicht rückt verdanken wir einem recht guten Drehbuch, welches die Irrungen und Wirrungen aufgrund stets neu aufkommender Beweggründe einzelner Beteiligter immer im Blick behält. Zwar ist den Beteiligten kein Wunderwerk der leichten Komödie geglückt, aber kurzweilig ist „Ich zähle täglich meine Sorgen“ durchaus ausgefallen.

Die Musikauswahl ist eher enttäuschender Natur, einzig der titelgebende Song weiß zu gefallen. Der Rest bewegt sich im Mittelmaß, wird oftmals aber durch einfallsreiche Tanzeinlagen aufgefangen. Gerade die imposante Gruppen-Tanzszene, welche das Finale einleitet, entpuppt sich als wahrer Hingucker, bevor die interessante, wie zum Schmunzeln anregende Choreographie in einer Massenschlägerei endet.

Zum positiven Gesamtbild trägt auch Peter Alexanders weibliche Begleitung Ingeborg Schöner bei, die nicht nur der niedliche Sidekick Alexanders sein darf, sondern in ihrer frechen Rolle verspielt aufblüht und sichtlich Spaß am Spiel und Tanz verspürt, was schließlich auch den Zuschauer ansteckt. Zudem ist ein Gunther Philipp an der Seite Alexanders stets ein Pluspunkt. Zwar sind seine Auftritte nicht so herrlich komisch ausgefallen wie in „...und sowas muss um acht ins Bett“ oder „Hilfe, meine Braut klaut“, aber auch als Schurke und eher unfreiwilliges Anhängsel Alexanders weiß er zu gefallen. Den ruppigen Part, den sonst er übernimmt, darf diesmal Paul Esser in der Rolle des Kapitäns spielen, der mit seinem Seemannsschimpfen einen eigenen recht interessanten Charakter entwickelt hat.

Ansonsten folgt alles dem üblichen Muster dieser Art Film, inklusive eines Happy Ends, in welchem sich alle Unwahrheiten schneller aus dem Weg schaffen lassen als man meinen sollte, wobei lediglich der Handlungsstrang um das nach Hollmann buhlende Modell nicht zu Ende gedacht wird. Wurde sie während der Hauptgeschichte noch als oberflächliche Person dargestellt, die lediglich der Karriere und dem Geld wegen etwas mit dem Modedesigner anfangen wollte, so scheint sie in ihrem stummen Auftritt während der Schluss-Sequenz glücklich mit ihrem falschen Hollmann zu sein, von dem wir nicht wissen ob er über eine erfolgreiche Vertragsvermittlung nun auch halbwegs reich geworden ist.

Wie auch immer, Freunde von Peter Alexander-Romantik-Musik-Komödien kommen auf ihre Kosten. Wer dies nicht ist wird auch mit „Ich zähle täglich meine Sorgen“ nicht viel anfangen können, dafür ist der Streifen zu innovationslos, bietet zu wenig wahre Lacher oder anderweitigen Sehwert. Erst wer den Charme der beiden Hauptdarsteller spürt wird auch mit diesem kleinen nostalgischen Ausflug in die 60er Jahre glücklich werden. unterhaltsam


Samstag, 12. November 2016

GHOSTHOUSE 2 (La casa dell'orco 1988 Lamberto Bava)


Eine Schriftstellerin macht mit ihrer Familie Urlaub auf einem Schloss in Italien, dessen Keller sie an alte Alpträume aus ihrer Kindheit erinnert. Nach diversen Ereignissen ist sie davon überzeugt, dass in dem Schloss ein Monster existiert, welches es auf sie abgesehen hat. Der Ehemann glaubt ihr selbstverständlich kein Wort...


Weshalb man nicht nach Orchideen duften sollte...

Ähnlich wie die Filmreihen „Anthony“, „Jurassic Shark“ und „Paranormal Investigations“ stehen besagte Teile der jeweiligen Reihe nur für sich und wurden von deutschen Titelgebern zu einer fortlaufenden Serie erfunden. Zusammenhänge gibt es nur von der oberflächlichen Thematik her, hin und wieder sind angebliche Fortsetzungen solcher gefälschten Filmreihen gar vor Teil 1 erschienen, was die Täuschung um so lächerlicher macht. Der erste „Ghosthouse“ ist eigentlich der Beginn einer Film-Reihe, die mit „Witchcraft - Das Böse lebt“ und „Horror House 2“ fortgesetzt wurde. „Ghosthouse 2 - Das Ungeheuer lebt“ (Alternativtitel) wiederum gehört zu einem Projekt Lamberto Bavas vier Horrorfilme für das italienische Fernsehen fertig zu stellen.

Dinner with the Vampire“, „Die Gruft“, „Back from Hell“ und „Ghost House 2“ (Alternativtitel) haben inhaltlich wie stilistisch nichts miteinander zu tun, sie sind lediglich ein Gesamtprojekt. Jeder setzt von der Geschichte her einen anderen Schwerpunkt. Der des hier besprochenen „Demons 3 - The Ogre“ (Alternativtitel), der keine Fortsetzung von Bavas „Dance of the Demons 2“ ist, setzt ein Monster in Kombination mit Visionen in den Mittelpunkt, was bedeutet dass sich so ziemlich jede sehenswerte Horror-Szene der ersten Stunde als Traum entpuppt, eine Eigenschaft die ich in den meisten Horrorfilmen nicht mag, in diesem kleinen TV-Filmchen jedoch sehr wohl.

Das liegt aber auch daran, dass es Bava recht gekonnt beherrscht eine grundlegende düstere Stimmung über das Geschehen zu setzen. Ein guter Soundtrack, wie ihn auch Argento verwendet hätte, ist der Hauptgrund für diesen Pluspunkt. Aber auch die Drehorte sind gut gewählt. Das Dorf am absteigenden Berg weiß zu gefallen, das Schloss ist riesig, nicht gerade glaubwürdig zur Anmietung für einen Familienurlaub, aber definitiv stimmig eingefangen. Nach Logik darf ohnehin niemand fragen, „The Ogre“ (Alternativtitel) ist ein esoterischer Film, der folgt seinen eigenen Gesetzen, und die muss man als Zuschauer nicht kapieren, zumal es Bava bei den übernatürlichen Szenarien meist um den Effekt einzelner Situationen geht ohne einen Zusammenhang zur nächsten übernatürlichen Szene zu setzen. Und da dies funktioniert, ist ihm dies auch verziehen.

Auch die Kreatureneffekte wissen zu gefallen. Der grünlich pulsierende Kokon aus welchem eine glibberige Kreatur schlüpft, die naiv schlichten Unterwasserskelette, die wie aus einer Geisterbahn entlaufen scheinen, das monströse Wesen, welches anstelle des Sohnes im Bett des Kinderzimmers hockt, sie alle wissen zu gefallen. Leider trifft dies nicht auf die Hauptkreatur zu, was schade ist, ist sie doch ein so selten in Horrorfilmen auftauchender Oger, und der ist nach dem Schlüpfen nun gar nicht mehr glibberig. Stattdessen steht da ein Schauspieler, der eine behaarte Monstermaske im Gesicht trägt, und der gar nicht erst versucht sich wie eine fremde Kreatur zu bewegen.

Somit fehlt dem eigentlichen Monster genau jene Mystik, mit welcher der komplette Restfilm lockt, indem er in stimmiger Atmosphäre die Neugierde des Zuschauers weckt und lange Zeit hoch hält, was es denn nun mit all den ominösen Geschehnissen auf sich hat. Nicht nur dass der Großteil der Ereignisse im Nachhinein unbeantwortet bleibt, das Monster als finale Bedrohung ist schlichtweg eine Beleidigung, optisch unglaubwürdig, da wie ein Mann mit Maske aussehend und in seiner Bewegung vergleichbar mit jedem psychopathischen Mittezwanziger diverser Horrorfilme.

Trotz des enttäuschenden Finales betrachte ich „La casa dell‘orco“ (Originaltitel) rückblickend eher als sympathisches Filmerlebnis, lebt in ihm doch die typische 80er Jahre Schmuddelfilm-Atmosphäre weiter, und ist es Bava doch für einen ollen TV-Film gelungen die Stimmung über eine Stunde lang, trotz ewigem Hinhaltens, hochzuhalten. Dass die meisten sich im Internet eher reserviert zu „L‘orco“ (Alternativtitel) äußern, verwundert trotzdem nicht, ist das Ergebnis doch recht schlicht ausgefallen. Und wen die Musik in Kombination mit den stimmigen Bildern nicht packt, der erlebt tatsächlich nur Leerlauf mit esoterischem Blabla. Gut dass ich von diesem negativen Eindruck verschont blieb. unterhaltsam


Weitere Reviews zum Film: 

HUBERT UND STALLER - STAFFEL 4 + 5 (2015 Jan Markus Linhof u.a.)


Hubert und Staller sind zwei völlig unterschiedliche Kleinstadt-Polizisten aus Ober-Bayern, die stets gemeinsam zufällig auf Mordfälle stoßen, die es dann zu lösen gibt...


Neues aus Wolfratshausen...

„Hubert und Staller“ gehört nicht nur zu den wenig sehenswerten, da geistreich ausgefallenen, deutschen Fernsehserien des laufenden Jahrtausends, sie wird auch von Staffel zu Staffel besser. Hatte man sich in den Vorgängerstaffeln so nach und nach von lästigen Randfiguren befreit, die dem lockeren Ablauf der Ermittlungen zu viele pflichtmäßge Zwischenstopps bescherte oder der Serie kurzfristig ihre Sympathie raubte, so darf man in Staffel 4 angekommen bemerken, dass nun der Drang der Vorgängerstaffel, sich reißerischeren Themen zuzuwenden, immer mehr abgebaut wird, so dass sich die beiden Ermittler meist wieder auf klassische Mordfälle konzentrieren können.

Die Nebenfiguren haben die Autoren nun völlig für sich entdeckt. Sonja wird mehr in die Kriminalfälle involviert und hat sich auch charakterlich nun interessant eingependelt, und der etwas mager spielende Paul Sedlmeir wird mehr gefordert, da seine Figur nun in interessantere Situationen gesetzt wird. Die Kabbeleien mit Anja Licht verlieren nicht ihren Reiz, womit die Rolle so charmant bleibt wie gehabt, mit Plappermaul Sabine wurde ich endlich warm, ich habe aber auch das Gefühl dass sie von der Kamera mittlerweile niedlicher eingefangen wird als zuvor. Einzig mit „Ich kann alles“ Yazid kann ich nach wie vor wenig anfangen, den hätte man zurück an den Dönerspieß setzen sollen, wo er als Mitgrübler für mich wertvoller eingesetzt war. Glücklicher Weise wurden seine Auftritte halbewegs reduziert, womit er nicht mehr ganz so Störfaktor wie bisher ist.

Interessant ist auch, dass sich der Einblick auf die Hauptcharaktere immer mehr detailiert. Gerade Huberts Hintergründe werden immer weiter offen gelegt, die aus dem menschenscheuen Asozialen einen gebildeten Verdrossenen mit Hang zum Sarkasmus macht, womit er ein Gegenstück zum stets optimistischen, ungebildeten Staller setzt, der mehr redet und im Gegensatz zu Huberts durch Wissen fundierte Aussagen lediglich Behauptungen in den Raum wirft und auch noch pampig wird, wenn diese widerlegt werden.

Stallers Hang zu besonders dämlichen Situationen wird immer mehr ausgekostet. Von solch herrlich albernen Ideen, wie mit halber Stimme krächzen, über solch bizarrer Ideen wie ständig Frauen zwicken zu wollen, um zu testen wie glatt die Haut ist, ist allerhand Einfallsreiches dabei, was Staller immer wieder zum Freak degradiert, was durchaus passt, so oberflächlich wie seine stets nur kurzfristig laufenden Interessen für alles sind, wohingegen Hubert ganz feste Interessengebiete hat und Stallers Anbiedern an aktuelle Themengebiete und auch Frauen für ziemlich primitiv hält.

Somit funktioniert die Identifizierung mit Hubert immer besser, den man als sozial verdossen, da von der Welt enttäuscht, bezeichnen könnte, was aber auch daran liegt, dass Hubert seit Jung an immer den Weg des geringsten Widerstandes geht. Trotz seiner negativen Eigenschaften versteht man jedoch immer mehr sein genervtes Reagieren auf den arg anstrengenden Partner Staller, dessen Bauchgefühl jedoch oft beim Lösen der Fälle hilft und dessen Freundlichkeit und Geduld gegenüber Hubert ihn trotzdem zu einer Art Freund macht, sollte es für Hubert so etwas überhaupt geben. Zumindest bekommen wir immer öfter seine herzlichen Facetten zu spüren, z.B. im Umgang mit Kindern.

Girwidz bleibt was er war, der egoistische Chef, dem es stets mehr um Politik als um gute Arbeit geht, ein Mann der es liebt Chef zu sein und dabei möglichst wenig zu tun hat, ein Mann der lieber privaten Vorteilen nachgeht anstatt Teamplayer zu sein. Wie gehabt leidet er an jeder Chefkrankheit die man in höherer Position haben kann, aber es ist zu erkennen dass er sich mehr und mehr mit seinem Team identifiziert, und so langsam wächst auch der Respekt vor Hubert und Staller, was bei deren erfolgreicher Aufdeckungsquote auch Not tut. Dementsprechend ergreifend ist tatsächlich ein Moment, in welchem nach einem sehr dramatisch Fall den beiden mit den Worten „gute Arbeit“ erstmals ohne Wenn und Aber zum Abschluss von Ermittlungen gratuliert wird, was freilich nur der Stammzuschauer emotional nachempfinden kann.

Die Fälle bleiben interessant wie gehabt, die Humorquote bleibt konstant treffsicher und glücklicher Weise vernachlässigt man es trotz näherem Beleuchten der Charaktere weiterhin in so etwas wie Seifenopermomente abzurutschen, die gibt es nach wie vor nicht, da Privates ohnehin nur gestreift wird, und selbst dies ist nur selten der Fall. Die Charaktervertiefungen geschehen weiterhin über unauffällige Momente, dank unaufdringlicher Drehbücher, die vom Zuschauer erwarten selbst zu beobachten. Etwas schade finde ich es, dass mit Staffel 5 der Running Gag um das gute Wetter in Wolfratshausen über Bord geworfen wurde. Diese Staffel spielt erstmals im Winter (abgesehen vom Film „Hubert und Staller - Die ins Gras beißen“, der den Winter noch als Insider Gag nutzte). Glücklicher Weise geht ansonsten vom Comic-Charakter der Serie nichts verloren, ganz im Gegenteil sogar, wie die immer extremeren Besonderheiten um Staller zeigen. sehenswert


HUBERT UND STALLER - DIE INS GRAS BEISSEN (2013 Wilhelm Engelhardt)


Hubert und Staller stoßen im Wald auf eine verbrannte Leiche. Dies geschieht für Polizeirat Girwidz zum ungünstigsten Zeitpunkt, hält sich sein ehemaliger Vorgesetzter doch gerade in Wolfratshausen auf und Girwidz vermutet, dass dieser einen Nachfolger so kurz vor der Pensionierung sucht. Zu dumm dass Hubert und Staller unabhängig vom ersten Fall auch noch auf eine weitere Leiche stoßen...


Geheimnisse einer Rentner-WG...

„Hubert und Staller - Die ins Gras beißen“ ist ein TV-Special zur Fernsehserie „Hubert und Staller“, angesiedelt zwischen der dritten und der vierten Staffel, gilt laut DVD offiziell jedoch als Doppelfolge, ist aber als Spielfilm umgesetzt. Zwar schaut sich dieser erste Spielfilm des bayrischen Ermittlerduos tatsächlich wie eine Doppelfolge, sprich das wahre Gefühl eines Spielfilms weiß dieses Special nicht einzufangen, aber zumindest ist es dem Stammregisseur der Reihe Wilhelm Engelhardt gelungen das Ergebnis nicht wie eine zu lang gestreckte Folge wirken zu lassen. Zugegeben, gegen Ende lässt die Humorquote aufgrund der Täteraufdeckung immer mehr nach, aber „Die ins Gras beißen“ guckt sich in seinen kompletten 90 Minuten trotzdem flott und entspannt, also genau so wie man es von der überraschend positiven Serie gewohnt ist.

Stammzuschauer dürfen schmunzeln, dass das TV-Special im Winter spielt, spielte die Serie bislang geradezu comicartig immer bei gutem Wetter. Dem Film schadet dies nicht, „Hubert und Staller - Die ins Gras beißen“ will nichts eigenständiges sein und fängt das Herz der Serie gekonnt ein. Die Ausnahme ist als Insider-Gag gedacht, und der Fan weiß dies zu würdigen. Wer Außenstehendes wird dies nicht bemerken, womit sich für Neulinge der Reihe keine Lücke auftut. Wirklich kennen muss man die Serie nicht um Spaß mit dem Spielfilm zu haben. Schnell ist man in die Rahmensituation eingeweiht, während Running Gags unauffällig am Rande plätschern.

Glücklicher Weise ruht sich das erste TV-Special nicht darauf aus aus einem Kriminalfall zwei zu machen. Die Verwicklungen der einzelnen Fälle in Kombination mit der Girwidz-Situation sind vom Drehbuch gekonnt interessant aufbereitet. Erst gegen Ende erweist sich alles Geschehene selbst für einen kleinen Ort wie Wolfratshausen als in zu engem Rahmen zusammengehörend, ein paar weniger Zufälle hätten der Geschichte gut getan. Allerdings erkrankt der Film damit an einer unangenehmen Entwicklung, die sich bei „Hubert und Staller“ bereits in der dritten Staffel abgezeichnet hat, ein Ärgernis über das man dort aufgrund eines schwerwiegerenden anderen Drehbuchproblems hinwegsehen konnte, wohingegen besagte Schwäche im Film um so gravierender wirkt.

Da ist es gut dass „Hubert und Staller - Die ins Gras beißen“ ebenso wie die dazugehörende Serie lediglich leichte Unterhaltung für nach den Feierabend sein soll, so dass man aus solchen Fehlern keine Affäre machen muss, zumal die Humorquote stimmt, der Kriminalfall recht interessante Wege geht und Story wie Charaktere nach wie vor wesentlich mehr Tiefe besitzen als man auf dem ersten Blick vermuten würde. Und allein die wunderbare Besetzung von Girwidz Vorgesetztem reißt einiges wieder heraus. Oliver Nägele spielt wundervoll hassenswert, und die Autoren schaffen es herrlich verschmitzt um das wahre Anliegen des baldigen Rentners ein Neugierde weckendes Geheimnis zu machen. sehenswert


Freitag, 11. November 2016

DIE STUNDE, WENN DRACULA KOMMT (La maschera del demonio 1960 Mario Bava)


Im 19. Jahrhundert erweckt ein Arzt versehentlich eine vor 200 Jahren hingerichtete Hexe, die nun ihren kurz vor dem Tod geäußerten Racheschwur zu Wahrheit werden lässt...


Das linke Auge des Satans...

Als ich „Die Stunde, wenn Dracula kommt“ in intoleranteren Zeiten erstmals sah, gefiel er mir nicht besonders gut, zu wenig passierte meiner Meinung nach wirklich, zu sehr sollten hübsche Fotografien von dieser Leere ablenken. Heutzutage verstehe ich eine solche Art Filme zu gucken nicht mehr, ist Mario Bavas erste wirklich freie Regie-Arbeit doch ein Liebhaberstück für jeden Freund gothischen Horrors und hat in jeder seiner Phasen immer etwas zu erzählen. Leerlauf habe ich beim längst fälligen zweiten Sichten nun wahrlich nicht mehr wahrnehmen können.

Dem Werk fehlt es an nichts, was man von dieser Gattung Horrorfilm erwarten würde: Kutschfahrten, Aberglaube, eine Frau läuft nachts durch ein düsteres Schloss (wenn auch in Schwarz anstatt im typischen Weiß gekleidet), ein düsterer Wald, eine Burgruine, eine Gruft, Magie, Täuschung, religiöse Artefakte, ein wütender Mob mit Fackeln, Geheimgänge, Fallen, offene Friedhofsgräber, und das Ganze wird in wunderschöne Bilder getaucht, für deren Schwarz/Weiß man bei all der urtypisch klassischen Umsetzung dankbar ist. In Farbe wäre allein Bavas Spielerei mit Licht in den Verwandlungssequenzen undenkbar, und was der gute Mann sonst noch mit Licht und Schatten auf die Beine stellt, beweist dass er ursprünglich für Kameraarbeiten im Filmgeschäft tätig war.

Diesen Job lässt er sich neben seiner Regiearbeit auch in „Black Sunday“ (Alternativtitel) nicht nehmen, und er zaubert hierbei nicht nur wunderschöne Fotografien, sondern auch unheimliche Bilder, die einem einst in Zeiten, in denen man sich noch vor anderen Dingen gruselte, sicherlich das Fürchten lehrten. Aus einer an sich mittelprächtig agierenden Barbara Steel zaubert Bava eine überzeugende Horrorfilm-Diva, die dank einer Doppelrolle sowohl für das Gute, als auch für das Böse stehen darf, sie stellt somit Opfer und Täter zugleich dar. Maske und Tricktechnik arbeiten mit simplen Mitteln, die Bava überzeugend zu visualisieren weiß.

Auch wenn vieles nur angedeutet wird, so ist „The Mask of Satan“ (Alternativtitel) für seine Zeit recht brutal ausgefallen. Allein die Foltermaske, die den Unheiligen aufs Gesicht gebunden wird, bereitet einem Kopfkino pur, spätestens wenn Bava einer Aufnahme aus Sicht der Maske nicht widerstehen kann, wenn diese der Hexe aufgesetzt wird. Einzig die Allzweckwaffe des Kreuzes wirkt antiquiert, zeigt sie doch wie schnell die überhebliche Hexe und ihre Diener in die Schranken gewiesen werden können und wie leicht mit Hilfe Gottes ein Happy End erreichbar ist. Aber selbst dies gehört meiner Meinung nach zu einem klassischen Horrorfilm dazu, schwächt zwar den Spannungsbogen, nicht aber die morbide Romantik, den eigentlichen Pluspunkt des Streifens. Und diese hat in all den Jahren nichts von ihrem Reiz verloren, wahrscheinlich hat sie nach all der Zeit durch den Nostalgiewert sogar eher zugenommen. sehenswert


Weitere Reviews zum Film: 

Donnerstag, 10. November 2016

EINE HANDVOLL BLANKER MESSER (I coltelli del vendicatore 1966 Mario Bava)


Die junge Königin Karin hält sich mit ihrem Sohnemann Moki versteckt. Ihr Mann Harald ist seit drei Jahren auf See verschollen, und dessen Erzfeind Hagen ist zurückgekehrt um dessen Thron einzunehmen. Seine Mannen suchen nach der Königin, und diese erhält im Exil lebend Hilfe eines Fremden namens Rurik. Doch auch der hat eine Vergangenheit, die mit dem Schicksal Karins und Mokis eng verbunden ist...


Ein Dorf von einem Königreich...

Verstehe einer Bava! Da fehlt dem guten Mann das Geld um ein Königreich als solches darzustellen und um eine Fehde diverser aktueller und ehemaliger Herrscher episch groß zu gestalten, und trotzdem erzählt er seine Geschichte genau in diesem gewählten Bereich, obwohl sie auch wunderbar in das zur Erscheinungszeit so beliebte Genre des Westerns hineingepasst hätte, ein Genre dem man die hier gesetzten Rahmenbedingungen eher abgekauft hätte als dem Mantel- und Degenfilm. Es wäre ein Genre gewesen, dass sich in „Eine handvoll blanker Messer“ auch in der umgesetzten Erzählform ohnehin immer wieder spiegelt, z.B. in einem Duell, das in einem Saloon spielt. Die Revolver wurden eingetauscht gegen Messer. Die hätte der einsame, mysteriöse Held, der in einer Westernversion wesentlich mystischer gewirkt hätte, als Alleinerkennungsmerkmal auch in dem von mir vorgeschlagenen Genre behalten können.

Aus Königen wären Edelmänner geworden, aus einem auf dem Meer Verschollenem ein Reisender auf dem Land. Selbst die Zwielichtigkeit des Einsamen wäre ein typischer Stereotyp des Westerns zu dieser Zeit gewesen, verstehe einer warum Bava die unglaubwürdigere Variante wählte bei solch wenigen Statisten und den ortsnahen, kargen Locations, in denen alles spielt, eine Nachbarschaft, der man nicht glaubt Rurik wäre nach Jahren heim gekehrt, eine Nachbarschaft in der selbst die Königin gerade einmal um die Ecke gezogen heimlich im Exil lebt. Rivalisierende Reiche wirken wie Dörfer, die Adelsbehausung wie Farmen. Die Glaubwürdigkeit bröckelt, aber man lernt sie im Laufe der Zeit zu ignorieren, wenn man erst einmal warm geworden ist mit der klassischen Geschichte um Rache, Reue, Schuld, Unschuld, Macht und Liebe.

Dass es „Rurik - Der Wikinger“ (Alternativtitel) immer wieder schafft den Zuschauer trotz seiner mageren Schauwerte mitzureißen, liegt nicht, wie man aufgrund der Anwesenheit Mario Bavas meinen könnte, an irgendwelchen imposanten Bildern. Es ist die Musik, die einen emotional aufwühlt, traditionelle cineastische Heldenfolklore, wunderbar eingesetzt, sympathisch theatralisch, sie versprüht Kino pur.

Die Fotografien hingegen versuchen das beste aus der monotonen Landschaft herauszuholen. Hier beweist sich Bava erneut als Könner der Kamera, ohne dass die Bilder aus „Viking Massacre“ (Alternativtitel) auch nur ansatzweise zu seinen Glanzleistungen zählen könnten. Zumindest weiß der gute Mann einiges aus Dunkelheit zu zaubern, und dies auch in seiner Rolle als Regisseur. Der stimmige Kampf in einem düster werdenden Saloon, das Finale in den Grotten, in solchen Momenten beweist sich Bava als Mann mit Gespür für Suspense, selbst wenn er einmal nicht im Horrorbereich unterwegs ist.

Komplett ohne Hokuspokus kommt aber auch er nicht aus, und so beginnt „Rurik - Mein ist die Rache“ (Alternativtitel) mit den Worten einer Wahrsagerin, die merkwürdige Symbole in den Sand zeichnet und sich mittels einer Feuerwand zur Wehr setzen kann. Ansonsten gehorcht „Knives of the Avenger“ (Alternativtitel) ganz den Regeln seines Genres und dem des Westerns. Dem Helden geschieht nichts, doch er trifft mit dem Messer jedes Ziel. Gut siegt über Böse, schlichtbare Fehden finden ein Happy End. Und da sich der Film an der Moral seiner Zeit orientiert und mit den Begebenheiten jener Zeit arrangiert, in der alles spielen soll, wird damit auch eine im Krieg begangene, angedeutete Vergewaltigung verziehen, hat der seit dem büßende Täter in der Zwischenzeit doch Reue, Solidarität und Mut bewiesen und darf auch nach Filmende weiter büßen anstatt die Frau seines Herzens zu erobern. Das ist wahre, glaubwürdige und ehrhafte Gerechtigkeit, zumindest für klassisches Kino. unterhaltsam



Weitere Reviews zum Film: 

DIE BUMSKÖPFE (L'insegnante 1975 Nando Cicero)


Franco und seine Schulfreunde haben es faustdick hinter den Ohren. Seine Mutter hält das Schlitzohr aus reichem Hause jedoch für schüchtern und sensibel. Da kommt es Franco sehr recht, dass sie ihm eine junge, attraktive Privatlehrerin ins Haus holt, die der Junge nur all zu gern verführen möchte. Doch was er auch versucht, die Lehrerin beißt einfach nicht an...


Körperhaltung wie ein Schluck Wasser in der Kurve...

Im selben Jahr des ersten Flotten Teens-Filmes „Flotte Teens und heiße Jeans“ kam „Die Bumsköpfe“ in die italienischen Kinos, der ebenso wie seine Fortsetzungen aufgrund der ähnlichen Thematik und der übereinstimmenden Schauspieler in Deutschland als Flotte Teens-Mogelpackungen herauskam, ohne dass man als Deutscher den Unterschied hätte feststellen können. Aus „Die Bumsköpfe“ wurde „Flotte Teens und die Bumsköpfe“, die erste Fortsetzung erschienen bei uns unter dem Titel „Flotte Teens und die neue Schulmieze“, die zweite unter „Flotte Teens und Sex nach Noten“. Erst Teil 4 lief mit „Die Hauslehrerin“ unter einem neutralen Titel, Teil 5 schaffte es schon nicht mehr nach Deutschland, ebbte der Erfolg der Italien-Klamaukwelle hierzulande doch recht schnell ab.

Während „Flotte Teens und heiße Jeans“ eher ein Erotik-Drama war, welches mit ein wenig Komik zusätzlich angereichert wurde, besitzt „Die Bumsköpfe“ bereits viel eher die Eigenschaft, wofür dann „Flotte Teens jetzt ohne Jeans“ und Co schließlich so berühmt werden sollten. Zwar ist das Werk Nando Ciceros, der sich nach dem hier besprochenem Streifen an keiner der beiden Reihen mehr beteiligte, nicht ganz so klamaukig ausgefallen wie die Nachfolger beider ersten Teile, die typischen Eigenschaften vertritt aber auch er bereits: Schülerstreiche, tolpatschige wie lüsterne Albernheiten, nackte Haut und keinen Sinn für wahren Humor.

Der Humor kommt grobschlächtig mit dem Holzhammer daher, ist nicht einmal in der Ausnahme geistreich ausgefallen und in seiner Art eigentlich schon eine Humorbeleidigung für sich. Zumindest ist besagter Italo-Humor eine Gattung für sich, der selbst die debile Komik deutscher Filme der 70er Jahre in seiner verzweifelten Art in den Schatten stellt. Ich habe noch keinen Menschen kennengelernt der ohne Vorbehalte über die Italienkomik lachen konnte, die meisten lachen beim Zusehen ohnehin nicht, sondern fragen sich lediglich wie derartige Zoten einst die Kinos füllen konnten.

Andererseits liegt in diesem Zeitgeist genau der Reiz sich Filme wie „Die Bumsköpfe“ einmal als Ausnahmekost zu gönnen. Wie sich hier die zentrale weibliche Rolle von einem Volldeppen verführen lässt, obwohl er nicht einmal davor zurückschreckte besagte Frau zu betäuben um sie zu vergewaltigen, was freilich als unkritische humorvolle Szene inszeniert wurde, wäre heutzutage undenkbar in einem Film, ohne gleich x aufgebrache Gruppen in den Medien und vor den Kinos zu sehen, um gegen ein Werk mit solch fragwürdigem Weltbild zu protestieren. Eine Frau verliebt sich in einen Jüngling, da dieser sie mit seiner unsensiblen und sexistischen Art überzeugt hat. Und attraktive Frauen können die Krankheit Homosexualität heilen. Hier wird kein fragwürdiges Klischee ausgelassen.

Das weiß beim Gucken nicht wirklich zu gefallen, auch nicht in dieser entspannteren Art, immerhin sollten die Fortsetzungen beider Reihen wesentlich extremer aufdrehen, ist aber gerade weil dies heutzutage nicht mehr denkbar ist recht interessant anzugucken, um zu schauen wie weit man mit solchen Gedankenspielen einst ging. Das mag aber auch das falsche Wort sein, um sich mit dem Film auseinander zu setzen, denn gedacht hat hier niemand, und letztendlich suchte man lediglich reißerische Themen die sich gut vermarkten lassen. Der jugendliche Aufreißer will die heiße Lehrerin, Schwulen gegenüber ist man als Frau freizügiger, ein Blick auf Unterhöschen macht Schüler zu ungezügelten Sexgeilen, und Lehrer bekommen für ihr Trottelverhalten ihr Fett weg.

Von einer Geschichte kann man kaum sprechen. Die meisten Erlebnisse kommen episodenhaft daher, nur wenige Ideen bauen aufeinander auf, manche werden eingebracht ohne für irgendetwas genutzt zu werden, so z.B. die Pläne des Hausmeisters mit einem Lehrer einen Schlager komponieren zu wollen, der scheinbar nicht interessiert ist. Wofür das Ganze eingebaut wurde weiß kein Schwein, mag mit der Deutschvertonung zu tun haben, wird in der von mir gesehenen Deutschfassung aber nicht einmal für einen Witz oder eine Charaktervertiefung verwertet, zumal es Letztgenanntes in einem solch plumpen Hohlbrotfilm wie diesem hier ohnehin nicht gibt, sonst hätte man sich ja mit irgendetwas was man da dreht gesellschaftlich,  psychologisch oder zumindest inhaltlich befassen müssen. „Sexy Schoolteacher“ (Alternativtitel) ist dummes Kino in Reinkultur, gesellschaftlich überholt, humoristisch schon damals unterster Bodensatz und gerade aus diesen Gründen für interessierte Cineasten einmal einen Blick wert. schlecht


weitere Reviews zum Film: 

Montag, 7. November 2016

VAMPIRE GEGEN HERAKLES (Ercole al centro della terra 1961 Mario Bava)


Da seine Geliebte unter einer ominösen Krankheit leidet, macht sich Herkules auf den Weg in den Hades um ihr zu helfen, nichts ahnend, dass sie eigentlich unter dem Bann des düsteren Licos steht, der ihr den Thron streitig machen möchte...


Pluto, der eifersüchtigste Vater der Welt...

Wer unter Euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein. Dies trifft nicht nur auf den reinherzigen, götterfürchtigen Halbgott Herkules zu, er entdeckt mit der Methode des Steinwerfens auch gleich eine Lösungsmethode unterschiedlichster Probleme. Egal ob man ein Moor überwinden muss, böse Geister loswerden will, einen untoten Meister des Okkulten in seine Schranken weisen will oder einfach nur einen unerreichbar scheinenden Apfel pflücken muss - Steine werfen löst jedes Problem, je größer der Stein, desto besser.

Die Lösung ist quasi so naiv wie die Probleme und das Weltbild von Mario Bavas ein Jahr nach seinem Meisterwerk „Die Stunde, wenn Dracula kommt“ erschienden „Vampire gegen Herakles“. Sicherlich gäbe es genug Gründe sich über ein derart naives Weltbild lustig machen zu können, mit meiner augenzwinkernden Einleitung habe ich schließlich nichts anderes getan, aber es würde dem Streifen nicht gerecht werden, der einen auf geradezu kindliche und klassische Art zu verzaubern weiß, aus einer Zeit der laufenden Bilder stammend, als noch die Ur-Superhelden Herkules, Zorro, Ursus und wie sie alle heißen  sich gegen jene Superhelden behaupten konnten, die den Begriff überhaupt erst prägten und in wunderlichen Kostümen ihre Heldentaten vollbrachten, bevor diese sie vollends aus der Kinolandschaft drängten.

„Hercules in the Center of the Earth“ (Alternativtitel) ist hochtheatralisch erzählt, hüpft eigentlich nur von einer Episode zur nächsten, in welcher es je ein Problem zu lösen gibt, das gewaltiger klingt als es schließlich zu bewerkstelligen ist. In einer kurzen Laufzeit von 80 Minuten kann aus einer Freundschaft in einem lediglich kurz angehauchten Nebenplot auch schnell eine Erzfeindschaft werden und es genauso schnell wieder zu einer Versöhnung kommen. Denn in der Welt des Herkules wimmelt es nur vor Intrigen, Eifersucht, jeglicher Form von Übertreibung und mystischen Gestalten, und da dies alles in einer solch dick aufgetragenen Form so gar nichts mit unserer Realität zu tun hat, stört auch die eingangs erwähnte Naivität nicht. Sie ist Teil der klassischen Kinofilm-Gattung, der auch Bavas Beitrag angehört, und dank hübscher Bilder, die zu meiner Verwunderung trotz Bavas Arbeit an der Kamera eher durch Farben anstatt durch einfallsreiche Aufnahmen glänzen, motivierter Mimen und dem Herz am rechten Fleck weiß „Hercules in the Haunted World“ (Alternativtitel) auch zu gefallen.

Als Pluspunkt konnte man den erst drei Jahre zuvor durch seine „Dracula“-Interpretation weltberühmt gewordenen Christopher Lee mit an Bord gewinnen, der hier eher tuntig als unheimlich wirkt. Aber was er diesmal nicht zu verkörpern vermag, wird dank einer stimmigen Zusammenarbeit zwischen Schnitt und Fotografie stattdessen von den Geistergehilfen Licos eingefangen, die eigentlich aus blassgeschminkten Männern in Tüchern gekleidet bestehen, im Schluss-Szenario aber wirkungsreich eingefangen werden, eben weil man nie zu lange einen Blick auf sie erhaschen darf. Ich wette Armando de Ossorio hat deren Auferstehung als Inspiration für die Auferstehung seiner untoten Tempelritter in „Die Nacht der reitenden Leichen“ gesehen, fängt Bava deren Erwachen doch recht ähnlich ein.

Eine herzensgute, wenn auch überraschungsarme, Geschichte trifft auf leichtes Grusel-Flair innerhalb einer eigentlich kunterbunten und theatralischen Fantasy-Geschichte, und wer über dieses Zusammentreffen etlicher Klischees und Stereotype lachen möchte, der soll dies ruhig tun, „Ercole al centro della terra“ (Originaltitel) läd bei einem voreingenommenen Publikum sicherlich dazu ein. Wer dem Werk jedoch eine richtige Chance gibt, wird mit einem wunderschönen Abenteuerfilm belohnt, der zwar kindlich naiv erzählt ist, aber eben nicht infantil, wie man fehlurteilen könnte. Bava und seine Mannen waren sich sehr wohl über das bewusst was sie da fertigstellten. Und das sollte nichts anderes als klassisches Kino auf den Fährten klassischer Theaterzutaten sein. Wer darüber lediglich lachen kann, hat den kulturellen Aspekt dieses Werkes nicht verstanden. unterhaltsam


Weitere Reviews zum Film: 

Sonntag, 6. November 2016

V - DIE AUSSERIRDISCHEN BESUCHER KOMMEN (V 1983 Kenneth Johnson)


Eines Tages schweben urplötzlich riesige Raumschiffe über den großen Städten der Erde. Ein Sprecher der Besucher behauptet man komme in Frieden und benötige die Hilfe der Menschen. Diese wird den Außerirdischen, die genau wie wir aussehen, gewährt. Trickreich nehmen die Fremden in den kommenden Wochen und Monaten systematisch die Macht auf der Erde ein und errichten ein totalitäres System. Eine Untergrundgruppe kommt hinter die Geheimnisse und somit hinter die wahren Pläne der Außerirdischen und versucht deren System zu stürzen, gegen welches sich sonst kaum wer wagt aufzulehnen...


Amerika verliert seine Freiheit...

„V - Die außerirdischen Besucher kommen“ war in seiner Erscheinungszeit ein besonderes TV-Phänomen, wurde der Sternenkrieg, der erfolgreich seit Jahren im Kino tobte, doch gekonnt in die Fernsehlandschaft transferiert, mit Spezialeffekten, die für seine Zeit für eine olle TV-Produktion bahnbrechend waren. Mag es auch nicht in jedem Moment krachen und rumsen, die Verfolgungsjagden mit den Fluggleitern, das Auftauchen der großen Raumschiffe über den Städten und die Schießereien zwischen Mensch und Alien sind ein Freudenfest für Science Fiction-Fans des Popkornbereichs, und die rar gesäten Kreatureneffekte wissen ebenfalls zu überzeugen.

„V“ funktioniert auch heute noch, vorausgesetzt man erwartet nicht zu viel und akzeptiert, dass es sich bei der plakativ erzählten Geschichte um Trivialunterhaltung handelt, die ihre Botschaft mit dem Holzhammer serviert, uns Stereotype anstatt greifbarer Charaktere vor die Nase setzt und ein versimpeltes Gut- und Bösebild präsentiert, wie es geradezu typisch für eine amerikanische Produktion ist. Subtile Töne darf suchen wer will. Die auf fünf Spielfilme gestreckte TV-Mini-Serie „V“ ist ein reißerisches Stück Science-Fiction-Unterhaltung in lauten Tönen, mit wuchtigen Cliffhangern, hohlen Helden und kitschiger Dramatik.

Es gleicht einem Wunder, dass „V - Die außerirdischen Besucher kommen“ so wunderbar funktioniert, verkörpern doch eigentlich nur recht schwache Darsteller das Figurenmeer und badet die Science Fiction doch oftmals im Seifenoper-Bereich, so als gucke man gerade eine „Dallas“-Episode in der zufälliger Weise Außerirdische auftauchen. Neben der geglückten Spezialeffekte, liegt das Funktionieren der Serie hauptsächlich an dem gekonnten Wecken des Kindes im Manne, das von den Drehbuchautoren mit allerhand Spielereien befriedigt wird. Karrieregeile Streitigkeiten in der Chefetage der Aliens, das monströse Reptilienbaby, Verschwörungen mittels Gehirnwäsche, der Mensch als Nahrungsquelle, in „V“ wird mit keiner Zutat gespart, die zu einem abenteuerlichen Märchen dazu gehört. Und da uns gerade der erste Spielfilm einen detailierten Blick auf die große Menge an für die Handlung wichtigen Figuren gewährt und in seiner langsamen Erzählart zudem Schritt für Schritt aufweist, wie die Aliens an die Macht kommen konnten, macht dieses unreife Stück Faschismus-Kritik einfach Spaß.

Während Marc Singer völlig verkrampft und frei jeder erkennbaren Ironie den knallharten Actionhelden mimt, der die nicht minder schlecht verkörperte Anführerin der Rebellen stets von oben herab Kindchen nennt, weiß „Freddy Krueger“ Robert Englund als zahmer Vertreter der Aliengattung zu überraschen, was seine Wirkung in den „Nightmare on Elm Street“-Filmen zusätzlich zu bereichern weiß. Wahres Schauspieltalent beweist aber eigentlich nur der charismatische Michael Ironside, auf den man jedoch bis zum 4. Spielfilm warten muss, bis er ins Geschehen tritt. Ebenfalls positiv fällt der jüdische alte Mann auf, der die überforderten Jungdarsteller an seiner Seite stets locker an die Wand spielt. Ihm haben wir die wenigen emotionalen Momente der Serie zu verdanken, die trotz dick aufgetragenem Kitsch dennoch zu berühren wissen.

Wer sich geistfrei auf einen abenteuerlichen Mix aus Seifenoper, Science Fiction, Action und Drama mit eindimensionalen Charakteren in schlichter Gut-Böse-Aufteilung einlassen kann, dem wird hinter all den schlechten Eigenschaften eine überraschend gelungene Serie offenbart, die einen zum Mitfiebern verleitet, das Kind im Manne sättigt und mit einfallsreichen Plotwendungen die Neugierde stets oben hält. „V“ will unterhalten, nichts mehr als das, eben so wie sich das Fernsehen einst vom Kino unterschied. Heute fällt er dem modernen Publikum sicherlich nur noch wegen der überholten Spezialeffekte negativ auf, ist das Kino doch längst ähnlich plump ausgefallen, wie die Trivialrezeptur dieser sympathischen TV-Produktion.

Uns soll es egal sein. „V“ füttert die niedrigsten Instinkte im Menschen. Er weckt Rachsucht und Genugtuung ebenso wie Ehrgefühl und Mitleid. Er lässt uns manches Mal in seiner Idiotie ebenso die Augen verdrehen, wie er auf der anderen Seite auch mit raffinierten Twists überrascht. Und wenn dann noch der ein oder andere trockene Witz das bierernste Treiben aufbricht, meist in Form treffsicherer Sprüche, dann kann man eigentlich nicht mehr über „V“ meckern. Dann muss man schon ein arg verbohrter Dickkopf sein, der einfach nicht wahrhaben will dass stupide leichte Kost eben manchmal doch genau das Richtige für einen wunderschönen Videoabend ist.

Einzig das Ende ist ein Aspekt, an dem es nichts schön zu reden gibt, nicht nur weil es an Einfallslosigkeit kaum zu unterbieten ist, sondern auch weil „V“ in dieser Phase das Genre von Science Fiction auf Fantasy wechselt. Das sorgt zwar für eine Ernüchterung am Schluss, sofern man mit den Figuren mitempfinden kann löst sich die Enttäuschung jedoch schnell wieder in Wohlgefallen auf, wenn man sich zusammen mit den liebgewonnenen Protagonisten über das obligatorische Happy End freuen darf. Wer „V“ in guter Erinnerung halten will, sollte dann auch mit dem Ende des 5. Spielfilms die Spielwiese verlassen, ist der ein Jahr später folgende Nachzügler „V - Die Außerirdischen Besucher kommen zurück“ doch extem plump und arg überkonstruiert ausgefallen. Auch von dem Remake aus dem Jahr 2009 sollte man unbedingt die Finger lassen. unterhaltsam


ZOOMBIES - DER TAG DER TIERE IST DA (Zoombies 2016 Glenn Miller)


Affen verbreiten in einem Zoo einen Virus, der die ganzen wilden Tiere zu Zombies macht...


Bären, Löwen, Giraffen...

Der neueste Trend des Zombiefilms geht Richtung Tier-Horror. „Zombiber“ kam noch als Komödie konzipiert daher, der „Zombie Shark“ nahm sich bereits viel zu ernst, und „Zoombies“ tritt nun in die Fußstapfen des Nicht-Zombiefilms „Rise of the Animals“ und lässt Wildtiere auf die Mitarbeiter eines Zoos los, freilich Zombie-verseucht. Das klingt lustig, da kann man was draus machen, und dass das Ganze aus dem Hause The Asylum stammt, verschreckt nach dem geglückten „Sharknado“ auch nicht mehr so arg wie zuvor. Aber Glenn Millers Beitrag reicht weder an diesen, noch an „Mega Piranha“ und Co heran, dafür ist er viel zu uninspiriert heruntergekurbelt.

Ein Haufen Menschen, die mit Schauspielerei nichts zu tun haben, machen sich in der Rolle diverser Möchtegern-Persönlichkeiten, die selbst für den Begriff Stereotyp eine Beleidigung sind, zum Affen wenn sie gegen unsichtbare Tiere kämpfen, die später per mieses CGI ins Bild gepixelt werden, und dies auch nur wenn es unbedingt sein muss. Diverse Attacken finden auch mal getrennt von Mensch und Tier statt, und sollen per Schnittsetzung suggerieren dass es dennoch Körperkontakt zwischen beiden Spezies gibt. Aber man kann sich bereits nach Lesen dieser Review denken, dass der Schnitt nicht besser ausfällt als die Spezialeffekte und das Schauspieltalent der Mimen, deswegen weiß eine solche Szene auch nicht zu funktionieren.

Zumindest als typischer Asylum-Durchschnitt weiß „Zoombies - Der Tage der Tiere ist da“ für sehr genügsame Zuschauer zu funktionieren, hat die Firma doch Routine im Umsetzen dieser Art Film und schmeißt einen nicht mehr ganz so arg mit Widersprüchen zu wie zu unfreiwillig komischen Bestzeiten. Ein kleines Augenzwinkern weht ohnehin durch den Film, zur Horror-Komödie wird der Streifen jedoch nie, was ihm allerdings gut getan hätte. Dämliche Figuren mit noch dämlicheren privaten Problemen unterhalten halbwegs passabel bevor das Zombietreiben losgeht. Und wenn dann schließlich Giraffen über Menschen herfallen oder ein kleines Mädchen zur Selbstverteidigung zum Messer greift, weiß dies zumindest halbwegs zu amüsieren.

Mehr Wirkung hätten solche Momente freilich erreicht, wenn man wenigstens einen Hauch Geld in die Effekte gesteckt hätte. Aber bis auf die Affen zu Beginn des Streifens weiß keines der Tiere zu überzeugen. Und die besagte Bluttat des kleinen Mädchens geschieht lediglich im Off. Im direkten Vergleich schneidet meiner Meinung nach „Zombie Shark“ besser ab, was an seinen recht abenteuerlichen letzten 20 Minuten liegt. „Zoombies“ hingegen wird mit fortschreitender Laufzeit immer uninteressanter und schafft es auch zum Finale hin nicht noch einmal das Interesse des Publikums zu wecken. mittelmäßig


Weitere Reviews zum Film: