Samstag, 31. Dezember 2016

LÜGEN MACHT ERFINDERISCH (The Invention of Lying 2009 Ricky Gervais u.a.)


Mark lebt in einer Welt in welcher der Mensch nicht lügen kann. Als Mark aus Verzweiflung das Lügen erfindet, verschafft ihm dies ungeahnte Möglichkeiten - mit fatalen Folgen...


Lügen haben dicke Nasen...

Ist es nicht schön, wenn eine Komödie angenehm sanft vor sich hinplätschert, es schafft routiniert Kurzweile zu versprühen und einen 90 Minuten lang aus der geplagten Alltagswelt entführt? Ist es nicht egal, wenn sie nur kurz im Gedächtnis bleibt, weil sie keinen Innovationspreis gewinnt, wenn sie doch immerhin auf schlichte Art ohne großen Anspruch bei wenig Erwartungen zu funktionieren weiß? Theoretisch ja, aber wenn man bedenkt auf welch grandiose Idee Ricky Gervais gestoßen ist, darf man zurecht verärgert darüber sein, dass „Lügen macht erfinderisch“ eine solch gewöhnliche Komödie geworden ist.

Was ist nur los mit dem Mann? Wieso hat Ricky Gervais dieses Projekt als Engländer überhaupt in Amerika umgesetzt? Und wieso ist es dort trotz seiner Eigenschaft als Autor, Regisseur und Produzent derart verwässert worden? Die Idee eines Lügners in einer Welt ohne Lügen hätte das Potential zu einem großen Filmerlebnis gehabt, zu einer vor Pointen und bissigen Seitenschlägen nur so sprudelnden Satire, mit ebenso viel Platz für Emotion wie für Humor und geistreiche Reflexion. Schaut man sich das Ergebnis an, sichtet man stattdessen den Routineablauf einer jeden 08/15-Komödie, vorhersehbar, die Grundidee fast als zwingendes Übel ansehend, welches einen davon abhält die immer wieder erzählten Stränge leichter zu erreichen.

Ricky Gervais erschuf meiner Meinung nach mit „The Office“ eine der geistreichesten TV-Serien, die ich noch heute als meine absolute Lieblingsserie bezeichne. Sein Rollenverständnis in von anderen Autoren verfassten Stoffen, wie „Muppets Most Wanted“ und „Wen die Geister lieben“, ist durchdachter Natur und nie einfach nur plump heruntergespielt. Sein Talent über sich selbst zu lachen ist enorm groß. Was hätte allein unter diesen Voraussetzungen „This Side of the Truth“ (Alternativtitel) für ein großartiges Filmerlebnis werden können? Aber stattdessen liefert er uns eine Komödie der Gattung „ganz nett“.

Selbst die besseren Ideen innerhalb des vorgelegten Stoffes kratzen nur an der Oberfläche dessen was möglich wäre. Die Religionskritik kommt zahm und versöhnlich daher. Der Versuch Freunden zu erklären wie man lügt endet bereits mit den Anfängen. Nur kleine Lichtblicke, wie der Dialog darüber wie es wäre alles Geld dieser Welt zu besitzen, versprühen die Konsequenz und das Gespür für gute Komik, wie ich es von Gervais gewohnt bin.

Und wie soll bitte der emotionale Part fruchten können, wenn es den eigentlich gutmütigen Mark doch den kompletten Film über nicht auffällt wie oberflächlich seine Love Interesst denkt, ohne dass diese im Laufe der Handlung mehr Tiefe erlangt? Wie soll man dem guten Mann Glück wünschen, auf ein Happy End hoffen, wenn der weibliche Part nie genügend Sympathiepunkte erhält? Lange Zeit dachte ich Mark würde erkennen welch schrecklicher Mensch sie ist und irgendwann liefe ihm eine Alternative über den Weg, die es wert wäre von seinem großen Herzen geliebt zu werden. Aber dem wurde nie so.

Damit verpufft das Ergebnis der Mitwirkung Jennifer Garners gleich null und kann nicht mit der Liebe Ricky Gervais‘ zum Product Placement mithalten, welches extrem penetrant Coca Cola, Pepsi und vor allen Dingen Pizza Hut in den Vordergrund drängt. Jonah Hills Mitwirken beschränkt sich auf wenige, weder nennenswerte noch für den Stoff wichtige, Momente. Und auch der beste Kumpel Marks bleibt blass und eigentlich unwichtig für den Verlauf der Geschichte. Hätte er als Eingeweihter nicht einen wichtigen Einfluss auf die Geschichte verdient? Einzig Rob Lowe weiß aus seiner schlichten Rolle etwas herauszuholen und spielt so sympathisch, wie witzig, wie wir es spätestens aus seiner Dauergast-Rolle in „Californication“ gewohnt sind.

Was bleibt ist zu sagen, dass man die Erwartungen weit nach unten schrauben muss. „The Invention of Lying“ ist ein Film für Stammzuschauer seichter, amerikanischer Komödien, einfach für Menschen die häufig humoristische Stoffe sichten, nicht zu streng mit der Materie umgehen und die sich damit begnügen, dass der Film kurz danach wieder so gut wie vergessen ist. Wer aber, der das Potential hinter dieser Geschichte begriffen hat und aus anderen Werken weiß wozu Gervais fähig ist, würde sich bitte mit diesem Minimalergebnis zufrieden geben oder sich gar damit versöhnlich abfinden? Ich zumindest nicht. Denn im Gegensatz zu „Wen die Geister lieben“, den ich anfangs für eine ähnlich geistloser als gedacht angegangene Routine-Komödie hielt, was sich bei weiteren Sichtungen als großer Irrtum herausstellte, besitzt „Lügen macht erfinderisch“ keine versteckte Raffinesse, die erst eine Zweitsichtung unter anderen Erwartungen hervorbringen kann. Dafür ist das Ergebnis einfach viel zu flach gehalten.


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Mittwoch, 28. Dezember 2016

CYBER TRACKER (1994 Richard Pepin)


In der Zukunft exekutieren Robotereinheiten, sogenannte Core-Tracker, flüchtige von Computern zu Tode verurteilte Mörder. Eric, die Leibwache jenes Senators, der das Gesetz durchgebracht hat, wechselt auf die Seite der Widerstandskämpfer, als ihm ein Mord angehangen wird, den er nicht begangen hat...


Operation Echo...

„Cyber-Tracker“ ist genau jene Portion Sinnlos-Actionunterhaltung, die ich mir bei meinem Durchstöbern diverser Cyborg-Filme in dem Werk „Nemesis“ erhoffte, welches mich jedoch arg enttäuschte. In dem weit weniger beliebten Film von Richard Pepin stimmt der Mix aus Kurzweile und Unsinn wesentlich mehr, zum einen weil er seine Story nicht unnötig verkompliziert wie es Albert Pyuns Werk tat, zum anderen weil er die interessantere Geschichte in einem Mix aus "RoboCop", "Judge Dredd" und "Terminator" erzählt. „Cyber Tracker“ ist sehr technologiekritisch ausgefallen, ermahnt den Menschen im selben Atemzug sich keiner willkürlichen Regierung unterzuordnen. Sein Herz schlägt am rechten Fleck. Und der naive wie tapfere Held im Zentrum wird dieser Mentalität gerecht, u.a. auch weil er viel sanfter agiert als sein reißerischer Darstellername Don „The Dragon“ Wilson vermuten lässt.

Wer sich wundert, dass die Core-Tracker weit weniger schwer zu besiegen sind als die Konkurrenz „Terminator“ und Co, der wird überrascht sein, dass der Film die Schwäche der Roboter zum Ende hin ganz von selbst thematisieret. Ein menschlicher Konkurrent Erics erweist sich beabsichtigt als wesentlich erfolgreicher Eric Leid zuzufügen, als es einer der Maschinenmenschen je geschafft hätte. Wenn aus einem Handkantenkampf ein Boxkampf a la „Rocky“ wird, dann klaut „Cyber Tracker“ ein letztes Mal woanders als beim Science Fiction-Genre, den Finalkampf darf dann aber trotz aller Technologiekritik doch wieder eine Maschine gegen Eric führen.

Ein Widerspruch? Ach, da fragt man gegen Ende des Filmes nicht mehr nach, kann man doch nicht gerade behaupten zuvor eine sonderlich sinnige Geschichte erlebt zu haben. Sie steht auf wackeligen Beinen, wenn sie Schritt für Schritt bemüht ist diverse Vorbilder zu kopieren. Aber auf B-Film-Basis macht der Streifen das recht gut, vorausgesetzt man erwartet kein Meer geglückter Spezialeffekte, die sind tatsächlich schlicht und rar ausgefallen und keineswegs das was der Genre-Fan von einem Cyborg-Streifen erwartet.

Mich hat das nicht gestört, ebenso wenig die ungehetzte Balance von Actionszenen und Atempausen, ohne dass dabei Erstgenanntes zu kurz käme. Richard Pepin mixt Ballerszenen mit Handkantenkämpfen, lässt es gerne ordentlich rumsen und liebt es jegliches Fahrzeug zur Explosion zu bringen. Jim Maniaci spielt die jeweiligen Tracker, und man sieht ihm sein Vorbild Schwarzenegger regelrecht an. Nur leider fehlt ihm das Charisma diesen Mannes, so dass er in seiner absichtlich unbeweglichen Art zu schießen nicht wirklich zu wirken weiß. Wenn er dann noch trotz etlicher Schüsse nicht einmal denjenigen trifft, der ohne in Deckung zu gehen dauerhaft gegen ihn hält, dann besitzt das schon eine unfreiwillige Lustigkeit.

Aber die kann man dem viel zu ernst abgedrehten Produkt ohnehin nicht absprechen. Zur reinen Ulk-Nummer verkommt „Cyber Tracker“ trotzdem nicht, dafür ist er wiederum zu bemüht auf B-Film-Basis alles richtig zu machen, zumal mancher Gewaltmoment gnadenlos ausgekostet wird. Am deutlichsten fällt dies in jener Szene auf, in welcher fast der komplette Untergrund unerwartet dahingerafft wird. Eine solche Härte hätte man dem Film zu solch spätem Zeitpunkt gar nicht zugetraut, was ich nicht der Gore-Effekte wegen meine. Die sind auch in der Uncut-Fassung recht schlicht ausgefallen und ebenfalls rar gesät. Aber die konsequente Durchführung besagter Core-Tracker-Aktion, ohne das Mitspiel von Kompromissen, weiß in seiner Art zu gefallen.

Wer Fehler finden will, muss diese nicht lange suchen. Da ist die holprig durchdachte Schnellschuss-Produktion ein leichtes Opfer. Man kann solch einem schlichten Trivialprodukt aber auch wohlwollender und als Schundfilm-Fan aufrichtig begegnen, und da weiß ein solch solides und vor allen Dingen kurzweiliges Produkt sehr wohl zu punkten, eben auch weil man trotz der oberflächlichen Charaktere einen Zugang zu den Figuren gewinnt. Und da die Gegenseite so wunderbar schurkisch und skrupellos ausgefallen ist, wie man es sonst nur im Comic-Bereich vorfindet, weiß der übliche Kampf Gut gegen Böse auch dementsprechend zu funktionieren.


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NEMESIS (1992 Albert Pyun)


Dem ehemaligen Polizisten Alex Rain, der zu einem guten Teil aus elektronischen Bestandteilen besteht, implantiert man eine Bombe, damit er unfreiwillig einen Auftrag seiner ehemaligen Arbeitgeber annimmt diverse Cyborg-Terroristen zu töten...


Der Klappercyborg...

Naiv wie ich bin, dachte ich mir nach diversen Sichtungen von professioneller umgesetzten Cyborg-Filmen auch mal in eine Billigproduktion hineinsehen zu können. Was soll schon schief laufen bei einem Actionfilm mit 90er Jahre Retro-Charme und Cyborg-Thematik, dachte ich mir, und fällte meine Wahl auf „Nemesis“, der mir aufgrund der Thematik, dass den meisten Menschen seiner Zukunft bereits selbst diverse Maschinenteile implantiert wurden, als besonders reizvoll erschien.

Zu Beginn schien die Rechnung aufzugehen, wurde ich doch Zeuge einer reißerischen, naiv erzählten Action-Orgie, die genau jene geistfreie Unterhaltung zu sein schien, wie ich sie mir erhofft hatte. Aber leider glaubte der themenerfahrene Regisseur Albert Pyun er müsse die an sich schlichte Geschichte unnötig verkomplizieren. Es verging keine halbe Stunde, da besaß der zentrale Held bereits seine vierte Frisur aufgrund von Zeitsprüngen und veränderter Zustände, nur damit nun nach ewig unnötigen Ereignissen endlich die eigentliche Geschichte losgehen konnte, die dreist von „Die Klapperschlange“ abgekupfert ist.

Eine Lustlosigkeit machte sich breit, trotz meines tapferen Durchhaltens zuvor, das zur Kostenersparnis der Filmschaffenden x Off-Kommentare ertragen musste über Themen, die man gerne filmisch umgesetzt erlebt hätte und das sich durch geschwätzige Actionszenen kämpfte, die selbst für Trivialverhältnisse den Rahmen dessen sprengte, was als unterhaltsam durchgeht. Aufgrund der Anfang der 90er Jahre noch immer vorhandenen dreckigen, rauhen Action-Art des Vorgängerjahrzehnts blieb ich einige Zeit optimistisch, wissendlich einen für das schnelle Geld orientierten Ableger großer Kinoerfolge zu sichten. Aber was sich mit der Zeit an Ernüchterung anhäufte, frustrierte zu sehr um „Nemesis“ schließlich tatsächlich bis zum Schluss zu ertragen.

Einer kleinen Fan-Gemeinde scheint er zu gefallen. Und die werden sich über die liebevolle DVD-Veröffentlichung der Classic Cult Collection freuen, in welcher auch schon Van Dammens „Cyborg“ neu aufgelegt wurde. Neben diverser Audiokommentare ist der Film in feinem Breitbild im Originalton mit (etwas versetzten) deutschen Untertiteln zu sichten. Für solch ein in Deutschland nur unter Genre-Fans bekanntes Produkt steckt da wahrlich viel Mühe hinter. Leider kann ich selbiges nicht vom uninspiriert heruntergekurbelten Film behaupten, dessen drei Fortsetzungen ich mir sicherlich sparen werde.


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TWILIGHT OF THE DARK MASTER (Shihaisha no tasogare 1997 Akiyuki Shinbô)


Beschützer der Menschheit und Dämonen sind per Schicksal aneinander gebunden. Eine junge Frau erhält Hilfe von einem solchen Beschützer, als sie in einem verlassenen Stadtteil in einem verbotenen Bezirk nach einem speziellen Monster sucht, mit dem sie auf ganz eigene Art verbunden ist...


Mutation per Pharmazie...

„Twilight of the Dark Master“ ist eine dieser typischen kurzen, direkt für den Videomarkt produzierten Durchschnitts-Animes, die weder sonderlich beeindrucken noch ernsthaft langeweilen können. Der Fan des Genres war damals hungrig nach allem was überhaupt Deutschland erreichte, und mit seinen Dämonen, Mutationen, harten Fights und ernsten Zeichnungen war auch ein solch billig zusammengeschustertes Produkt wie der hier besprochene Film für manch einen eine willkommene Abwechslung zur von Disney geprägten niedlichen Zeichentricklandschaft, die ansonsten seit je her unser Land heimsuchte.

Schlichteste, kostengünstige Animationen, in welchen aus Budgetmangel viel mit Standbildern gearbeitet wird, treffen auf eine überraschend gute Deutschvertonung, so dass zumindest von technischer Seite aus das Sehvergnügen nicht gebremst wird, solange man weiß auf was man sich mit einem Produkt wie diesem einlässt. Produkt ist ohnehin der perfekte Begriff für einen Film wie diesem, der mit seinen aneinandergereihten Actionszenen eher eine Geschichte vorgaukelt, als dass tatsächlich eine vorhanden wäre. Ein gehaltvoller mystischer Hintergrund aller Geschehnisse dient nur der schnellen Grundlage, wirklich interessante Elemente, wie das Verwenden eines fragwürdigen Medikaments durch einen offiziell tätigen Pharmakonzern, bleiben Erwähnungen am Rande, die nicht weiter verfolgt werden.

Es soll gekämpft und geblutet werden. Es soll Monsteraction zu sehen sein. Und auch mit nackter Haut soll das nach Äußerlichkeiten lechzende Trivialpublikum zufriedengestellt werden. Und all dies erfüllt der gerade einmal 46 Minuten laufend Film, so dass Freunde geringer Erwartungen passabel unterhalten werden. Von einem wahren Lichtblick ist „Twilight of the Dark Master“ jedoch Meilen weit entfernt. Eine Art „Appleseed - Kampf um die Freiheit“, wie er neun Jahre zuvor entstand, braucht man nicht erwarten. Der war im Vergleich zum hier besprochenen Schnellschuß sogar noch eine recht anspruchsvolle Produktion.


Dienstag, 27. Dezember 2016

THE BOX - DU BIST DAS EXPERIMENT (The Box 2009 Richard Kelly)


Die 70er Jahre: Es klingelt an der Tür. Vor der Tür steht ein Päckchen. Darin befindet sich ein Apparat mit einem großen Knopf. Ein später auftauchender Besucher erklärt dem jungen Pärchen, dass sie beide eine Millionen Dollar erhalten, wenn sie den Knopf drücken. Gleichzeitig würde jedoch eine ihnen unbekannte Person auf der Erde sterben. Die Frau drückt den Knopf...


Gestapeltes Wasser über dem Bett...

Das Problem an „The Box - Du bist das Experiment“ ist der, dass bereits sein an die „Twilight Zone" erinnernder Aufhänger völlig blödsinniger Natur ist. Würde dem Pärchen irgend etwas näher erklärt, so dass aus Worthülsen eines wirr wirkenden Fremden mehr als leeres Geschwätz wird, könnte man mit der Verführung der beiden arbeiten, die dann, wie geschehen, eine Geschichte in Gang setzt, deren weiteren Verlauf die beiden nicht erahnen konnten, sich aber dennoch selbst zuzuschreiben haben. So wie erzählt würde jedoch nie irgendwer die Worte des Fremden ernst nehmen. Seine Geschichte ist an den Haaren herbei gezogen, das Kästchen völlig leer, man würde höchstens verspielt den Knopf drücken, da ohnehin nichts geschehen würde. Aber ernsthaft über die Sachlage diskutieren und sich gar verunsichern lassen, würde jede erwachsene Person in diesem Universum ganz sicher nicht.

„The Box“ ist ein Film, der gerne ein aufregender zweiter „The Game“ wäre, versehen mit übernatürlichen Elementen, die einen in eine andere Wahrnehmung entführen, während den Protagonisten die Luft zum Atmen genommen wird. Nun soll es ihnen an den Kragen gehen. Gibt es eine Chance den Hals aus der selbstgeknüpften Schlinge zu ziehen? Besteht Hoffnung wenn der Test doch auf pseudo-philosophische, esoterische Art nach Hoffnung sucht? Das ist alles zu konstruiert, zu sehr gewollt und leider, leider völlig geistlos erzählt, so dass nur all zu naive Persönchen den Film zu ernst nehmen können. Das Problem: wer es nicht kann, hat auch nichts davon zuzuschauen. Der muss sich über 90 Minuten lang viel zu ernst erzählten, albernen Mumpitz ansehen, der gerne irre tiefgründig wäre.

Hätte ich nicht irgendwann den Director‘s Cut von „Donnie Darko“ gesichtet, würde ich mich wundern warum der Regisseur und Autor Richard Kelly mit dem einen Werk ein tiefgründiges Meisterwerk geschaffen hat und mit dem anderen geistigen Durchfall. Doch eben jener Director‘s Cut dieses eigentlichen Liebhaberstücks (die klassische Fassung gehört zu meinen Top 5 überhaupt) weist ähnliche Schwächen auf, wenn auch nicht ganz so gravierend, an denen auch der hier besprochene Film leidet. „Donnie Darko“ wurde im DC seiner Mystik beraubt, seiner heimlich im Hintergrund laufenden Parallelhandlung um die veränderte Mentalität der Menschen während der 80er Jahre, und er erklärt in seiner Science Fiction-Hauptgeschichte zuviel dessen, was der Zuschauer selbst hätte entdecken müssen.

Die Mystik fehlt auch „The Box“, auch wenn er arg darin bemüht ist die Hintergründe rätselhaft zu halten. Lange Zeit weiß man nicht was das alles soll, ich würde lügen wenn ich das Gegenteil behaupten würde, aber ab da wo von außerirdischem Leben die Rede ist, ist der Film vorhersehbar und verliert auch seinen letzten Reiz. Leider verkommt „The Box“ zu einer Lächerlichkeit, eben weil er all die Stationen ernsten und beängstigenden Kinos tapfer und bierernst abarbeitet. Bei fehlender Identifikation und albernem Geschehen puscht das die unfreiwillige Komik enorm, bishin zu den Finalerlebnissen, die hoch emotional gemeint sind und keinen halbwegs bodenständigen Menschen zu Tränen rühren.

Zwar machen die Darsteller ihre Arbeit alle gut, aber auch sie können gegen den hier herrschenden Unsinn nicht ankämpfen. Was zunächst eine wackelige Angelegenheit aufgrund des eingangs aufgegriffenen Problemes ist, wird mit fortschreitender Laufzeit zu einem immer peinlicher werdenden Produkt, um dessen Aufhänger es ein wenig schade ist, machte dieser als Covertext doch wirklich neugierig. Wer auch verkopften, nüchternen Stoffen eine Chance geben kann, dem empfehle ich stattdessen Hanekes „Caché“ zu gucken, der beginnt zumindest mit einem halbwegs ähnlichen Aufhänger und ist bei völlig anderen darauf aufbauenden Situation durchdacht, konsequent und spannend geraten und damit das Gegenteil von „The Box“.


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Montag, 26. Dezember 2016

CYBORG SHE (Boku no kanojo wa saibôgu 2008 Kwak Jae-yong)


2007 verliebt sich der einsame Jiro in eine Unbekannte, die mit ihm seinen Geburtstag verbringt. Ein Jahr später taucht sie wieder auf und offenbart ihm, dass sie ein Cyborg ist, den sein Ich aus der Zukunft geschickt hat, um jenes aus der Vergangenheit zu beschützen...


Die Liebesterminatrix...

„Cyborg She“ hat das Herz am rechten Fleck. Deswegen und aufgrund seiner eigentlich professionellen Umsetzung fällt es schwer sich einzugestehen, dass er nur teilweise funktioniert. Liegt es an ihm oder an mir? Ich weiß es nicht, aber so richtig warm wurde ich nicht mit dem ungewöhnlichen Mix aus Komödie, Drama, Science Fiction, Love Story und Katastrophenfilm. In „Cyborg She“ vereinen sich allerlei Filmerinnerungen, vom klassischen Superheldenfilm, über „Mannequin“ bishin zum offen zitierten „Terminator“ ist alles vorhanden, innerhalb einer Geschichte die viel will und deshalb etwas unausgegoren wirkt.

In seiner jeweiligen Phase ist „Cyborg Girl“ (Alternativtitel) ein Film der Extreme. Stilsicher inszeniert entgleist Regisseur Kwak Jae-yong, der auch für das Drehbuch verantwortlich ist, eben jene Stilsicherheit, wenn er sich im Komödienbereich zu alberne Ausrutscher erlaubt, im Dramenbereich etwas arg in den Kitschbereich eintaucht, und in den aufklärenden finalen 15 Minuten dem Zuschauer zu viele bereits bekannte Szenen zumutet.

Würde der Schlusstwist einen befriedigt zurücklassen, würde man ihm aufgrund der ansonsten vorhandenen wunderschönen Szenen diese gelegentlichen Ausrutscher nicht übel nehmen. Aber wenn sich der inhaltliche Kreis mit den finalen Ereignissen schließt, merkt man erst wie dünn der Auslöser der Geschichte ist, der zwar zu Ende durchdacht ist, aber einen etwas willkürlichen Nachgeschmack hinterlässt, baut doch alles auf die Idee eines alten Mannes auf, seinem jüngeren Ich einen Cyborg als besten Freund zu schicken. Das ist trotz der cleveren Verstrickungen mit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ein ziemlich plumper Auslöser.

Man könnte also durchaus noch ein wenig an „Boku no kanojo wa saibôgu“ (Originaltitel) herumdoktorn, ihn gerne auch um etwa 20 Minuten kürzen, damit er sich richtig entfalten kann. Die Reise in die Vergangenheit setzt etwas zu fordernd auf die Melancholie des Zuschauers und erreicht bei gleichem Kitschpegel dabei nicht das Ergebnis der romantischen Reise in die Vergangenheit in einer herzzerreißenden Sequenz im viel zu unbekannten „Zurück aus der Vergangenheit“, die bei ihrer Zeitreisethematik ironischer Weise in ihrer Gegenwart spielt. Kwak Jae-yong erwartet von einem Moment auf den anderen, dass man sich in solch eine Retro-Reise hineinversetzen kann, leistet also nicht ähnliche Vorarbeit wie Cary Medoway in ihrem Werk.

Wer einen Vergleich zum ähnlich klingenden „I‘m a Cyborg, But That‘s Okay“ erhoffte, der ist im völlig falschen Film. War dort jeglicher Schritt durchdacht, so wirkt der hier besprochene Film oft zu willkürlich, Episode an Episode reihend, und dabei nicht halb so intelligent ausfallend wie der unfaire Blick auf besagtes Südkoreanisches Produkt. Sieht man „Cyborg She“ für sich und mit einer großzügigen Distanz, so besitzt er in seinen guten Momenten eine herzerwärmende und zum Schmunzeln einladende Geschichte, die emotional überraschender Weise mehr über die Mimik des männlichen Hauptdarstellers funktioniert als über die der verführerischen Schönen. Man muss Jiro einfach mögen, und deshalb möchte man auch seine Geschichte mögen. Zumindest funktioniert das immerhin zum Teil.


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BLADE RUNNER (The Blade Runner 1982 Ridley Scott)


Obwohl es ihnen gesetzlich untersagt ist kehren künstliche Menschen nach einer Weltraummission auf die Erde zurück. Deckard, der darauf spezialisiert ist diese Elemente zu zerstören, macht Jagd auf sie...


Erinnerungen wie Tränen im Regen...

Man traut es sich kaum dies offen auszusprechen, aber mit meiner Sichtung von „Blade Runner“ schließt sich eine jener Lücken, die unter die Überschrift „kaum zu glauben, dass ich diesen Film bislang nicht gesehen habe“ fällt. Nun habe auch ich den Vorreiter sämtlicher philosophischer Filme um künstliche Intelligenzen gesichtet, und ich bin überrascht wie zurückhaltend die Frage zwischen Leben oder Maschine noch behandelt wird, erfährt das Böse mit dieser aufgeworfenen Frage doch lediglich eine Handlungsmotivation und einen emotionalen Hintergrund, an der Frage ob böse oder nicht wird jedoch nur leicht gekratzt, und dies auch erst in Rutger Hauers letzter Szene.

Vor „Blade Runner“ hätte ich nach all den Erfahrungen, die ich mit ihm in B-Produktionen gemacht habe, nie gedacht, dass Rutger Hauer eine solch enorme Wirkung entfachen kann. Diese Vielfältigkeit aus eiseskalter Bösartigkeit, seinem Zynismus, der Trauer und dem Mix aus alledem hätte ich ihm schauspielerisch ehrlich gesagt nicht zugetraut. Er erweist sich als würdiger Gegenpart zum charismatisch spielenden Harrison Ford, innerhalb eines herrlich dreckig ausgefallenen Blockbusters, der den Vertretern heutiger Beiträge dieser Art zeigt, was mit vergleichsweise schlichten Mitteln alles möglich ist, um dennoch großes Kino zu schaffen.

„Aufstand der Anti-Menschen“ (Alternativtitel) ist ein pessimistischer Film. Er zeigt uns keine strahlende Zukunft, sondern eine Welt voller Maschinen wie sie wirklich ist: dreckig, voller Rost und Schrott, zugebaut, fern jeder klassischen Umwelt. Passend zur düsteren Atmosphäre und dem in einer dreckigen Stadt spielenden Szenario lässt Ridley Scott die Protagonisten meist zudem durch schlechtes Wetter laufen. Erstaunlich, dass er trotz dieser Übertreibung zum Pessimismus ein Werk geschaffen hat, welches sich trotz allem Futurismus gefühlsecht schaut, vielleicht auch weil seine Figuren verletzlich sind, körperlich wie geistig, eine Eigenschaft die es erstaunlich gut schafft über eigentlich recht flache Charaktere hinwegzutäuschen.

Überrascht hat mich zudem das Talent Ridley Scotts inmitten einer solchen Atmosphäre Platz für einen kunterbunten Spielplatz zu finden, wie wir ihn später aus der Mülldeponieszene aus „Die Reise ins Labyrinth“ kennen, oder aus dem kompletten Film „Toys“ mit Robin Williams. Wenn der zu früh alternde J.F. Sebastian die damals noch hoch attraktive Daryl Hannah in seine Wohnung bittet, und wir all seine sogenannten Freunde erblicken dürfen, dann wird aus einer düsteren Dystopie kurzfristig ein Karneval der Zukunft, ein Blick darauf was Technik dem Menschen ebenfalls hätte bringen können und in Wirklichkeit doch nur eine Täuschung ist, ein Ersatz für echtes Leben, echte Freunde, echte Heiterkeit - und damit doch nur bunt täuschende Traurigkeit.

Was andere Filme mit Thematiken um künstliche Intelligenz und Klone in verschiedenste Richtungen vertiefen, wird hier wie erwähnt nur angedeutet, aber am richtigen Punkt gefasst, denn was könnte ein Bewusstsein schon dringender wollen als verstehen und zu leben? Das sind berechtigte Wünsche. Da Emotionen von Maschinen in diesem Frühwerk der Thematik noch Deutungssache sind und nicht definitiv bewiesen, ist es wohl legitim dass „Blade Runner - Metropolis 2020“ (Alternativtitel) noch so hart mit der Maschinenwelt umgeht, anstatt sie in den Schutz zu nehmen und wahre Empathie zu ihr aufzubauen. Dieses Thema auszuweiten wäre nur einer vieler Gründe gewesen, warum es toll gewesen wäre, wenn „Dangerous Days“ (Alternativtitel) eine Fortsetzung erhalten hätte. Zu erzählen gäbe es noch viel über die Replikanten und ihrer moderneren Nachfolger. Aber was soll‘s, das haben im Laufe der Jahre dann unzählige Werke wie „Ghost in the Shell“, „Ex Machina“ und „Alles, was wir geben mussten“, um nur einige wenige zu nennen, nachgeholt.


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I'M A CYBORG, BUT THAT'S OKAY (Saibogujiman kwenchana 2006 Park Chan-wook)


Young-goon ist eine junge Frau, die in einer Nervenheilanstalt lebt. Ihr Glaube ein Cyborg zu sein schadet ihrer physischen Gesundheit. Der wunderliche Dieb Il-soon nimmt sich ihrer an...


Ich bin eine Atombombe, aber das ist okay...

Park chan-wook ist mit seinem Film „I‘m a Cyborg, But That‘s okay“ etwas wundervolles gelungen. Er präsentiert uns einen Film der Gegensätze. Er hilft uns dabei andere Perspektiven einzunehmen, und er behält dabei gleichzeitig eine Bodenständigkeit bei, die es niemals zulässt dass der Stoff ihm entgleitet. Der Regisseur entführt uns in die Wahrnehmung Geisteskranker, deren Irrsinn für sie selbst die Realität ist. Er zeigt uns das Wundervolle in dieser Wahrnehmung, verherrlicht sie aber gleichzeitig nicht.

Aus der Perspektive der Patienten erzählt, und doch die Wirklichkeit stets im Raum stehen lassend, entführt er uns in eine wundersame Welt, die innen gefühlvoller ausfällt als sie nach außen wirkt. Dabei hält Park chan-wook stets das Gleichgewicht zwischen Wahn und Wirklichkeit, um den Figuren nie ihre Würde zu nehmen. Er macht sich nicht über Geisteskrankheiten lustig, und er verharmlost sie nicht. Er möchte lediglich, dass wir einmal die Perspektive der Patienten einnehmen und zeigt uns damit eine phantasiereiche Welt neben der unseren.

Die fabelhafte Welt der Amelie“ trifft auf „Einer flog über das Kuckucksnest“. Komödie trifft auf Tragik, Realität auf Fantasie. Er zeigt uns das Ethische im Asozialen und die Suche nach Liebe in Gewaltphantasien. Manches Mal schaut sich „Ich bin ein Cyborg, aber das macht nichts“ (Alternativtitel) erschreckend brutal, dann wieder verträumt romantisch, ein Gleichgewicht welches meist nur die Asiaten in ihren Filmen beherrschen, ebenso wie den Mix aus Unterhaltung und intellektuellem Ansporn, muss man doch aufmerksam mitgucken um all die zahlreichen phantastischen Ideen zu bemerken und um die Hintergründe der Geschichte richtig einordnen zu können, zumal der Film gerne die Perspektiven und die Zeiten wechselt.

„Saibogujiman kwenchana“ (Originaltitel) ist eine wunderschöne Erfahrung, die einem erneut deutlich macht, dass der Fantasie und damit auch dem Kino keine Grenzen gesetzt sind. Es ist noch nicht alles erzählt worden. Und es gibt immer neue Methoden das Sein zu hinterfragen, Bekanntes anders einzufangen und die Dinge auf andere Art zu sehen. Stets jegliche Geschmackslosigkeiten umschiffend gelingt Park chjan-wook ein raues wie sanftes, ein düsteres wie buntes und ein fröhliches wie trauriges Meisterwerk, welches man meiner Meinung nach unbedingt gesehen haben sollte.


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Sonntag, 25. Dezember 2016

SPACE OF THE LIVING DEAD (Plaguers 2008 Brad Sykes)


Kurz nachdem die Weltraumcrew eines kleinen Raumkreuzers von sexy Weltraumpiraten belagert wird, löst eine an Bord geschmuggelte außerirdische Energiequelle eine Zombieepidemie aus...


So viel zum Thema alternative Energien...

Wer nicht all zu streng mit Filmen umgeht und auch mal kleinen, innovationslosen Produktionen eine Chance geben kann, der kann von „Space of the Living Dead“ durchaus angenehm routiniert unterhalten werden, und dies trotz enormer Kostengünstigkeit professioneller als ich es nach Lesen des Regisseurs Brad Sykes im Vorspann vermutet hätte, hat dieser bislang doch eher Filme abgeliefert, die sich wie Amateurfilme schauen. Wo sein in der Gothicszene spielender Pseudo-Slasher „Goth“ so gar nicht zu gefallen wusste, da sympathisierte ich hingegen mit der in Fan-Kreisen verhassten „Camp Blood“-Reihe, die drei Jahre vor „Space of the Living Dead“ mit „Within the Woods“ ihre zweite und letzte Fortsetzung beschert bekam.

Jahre nach den ersten beiden Teilen gedreht schaute sie sich noch immer wie eine Amateurproduktion, so dass der nur wenige Jahre später nachgereichte „Plaguers“ (Originaltitel) in seiner professionelleren Umsetzung um so mehr zu verwundern weiß. Nun schaut er sich nicht wie von großen Studios produziert, das zeigen die bereits anfangs billigst umherfliegenden Maschinen im All und im Finale eine amateurhaft am Computer animierte Explosion nur all zu deutlich, aber sämtliche Innenaufnahmen wissen zu überzeugen - sofern man sich an die nicht schauspielern könnenden Püppchen gewöhnen kann, die hier die wichtigsten Rollen bekleiden.

Sie wirken wie aus dem Pornobusiness entliehen und bekommen einfachste Gesichtsregungen nicht überzeugend umgesetzt, so dass der stets routiniert agierende B-Film-Promi Steve Railsback neben ihnen wie ein Profi seines Fachs erscheint. Da man aber weder wegen großartiger Schauspielleistungen, noch wegen einer hochgradig intelligent erzählten Story einschaltet, ist das ziemlich egal. „Zombie Hatebreed“ (Alternativtitel) soll lediglich unterhalten, und das tut er für eine Billigproduktion ganz passabel, wenn auch nicht so kurzweilig ausfallend wie der unter ähnlichen Bedingungen abgedrehte „Alien vs. Zombies“.

Doch was die ein oder andere Länge an Bewährungsprobe für den Zuschauer fordert, wird wieder wett gemacht durch die nett anzuschauenden Monstereinlagen, die ebenso wie ihre blutigen Taten simpelst getrickst sind, aber dennoch zu überzeugen wissen. Den optischen Höhepunkt erreicht „Space of the Living Dead“ dann, wenn am Ende auch endlich der tote Captain erwacht, den wir zuvor niemals lebendig erlebt haben.

Dann schlagen jene Fan-Herzen höher, die ihre Freude mit Videothekenprodukten der 80er und 90er Jahre hatten, so wunderbar glibberig und niedlich ekelig wie diese Kreatur ausgefallen ist, ohne dass ihr dabei besondere Beachtung von Sykes geschenkt wird. Der liefert sowieso nur das Grundlagenprogramm einer immer wieder erzählten Geschichte ab. Aber nachdem sich einer seiner Filme endlich einmal echt, da professioneller umgesetzt, anfühlte, darf man sich schon fragen, warum ausgerechnet dieses Produkt nach 19 Regiearbeiten sein letztes sein sollte. Denn nun ist es schon 8 Jahre lang still um Sykes geworden, dem tapferen Billigfilmer, den meist nicht einmal Bewunderer von Charles Band oder Brett Piper vom Namen her kennen.


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STAR WARS: EPISODE 7 - DAS ERWACHEN DER MACHT (Star Wars: The Force Awakens 2015 J.J. Abrams)


Das Schicksal führt die Schrottsammlerin Rey und den ehemaligen Sturmtruppler Finn mit dem Roboter BB-8 zusammen, in dessen Speicher sich eine Karte befindet, die zum im Exil lebenden Luke Skywalker führen soll, eine Information an der sowohl die Rebellen als auch die aus dem toten Imperium erwachsene erste Ordnung interessiert sind. Han Solo hilft den Dreien dabei, dass die Karte in die richtigen Hände gelangt...


Das Laserschwert der Skywalkers...

Als J.J. Abrams der schon seit langer Zeit lahm gewordenen „Star Trek“-Reihe neues Leben einhauchte, erschuf er damit ein sehenswertes Werk, welches den Start einer neuen Reihe einleitete. Als Selbiger danach versuchte mit „Super 8“ das Familienkino Steven Spielbergs aus den 80er Jahren wiederzubeleben, da scheiterte der gute Mann trotz anfänglicher Sympathien. Das Werk war zu sehr in Spezialeffekten getränkt, als dass es Chancen hatte genügend Retro-Charme zu versprühen. Und nun versuchte sich Abrams an der Wiederbelebung der von Schöpfer George Lucas mit seiner zweiten Trilogie in die Belanglosigkeit gerittenen „Star Wars“-Reihe, die in ihren letzten drei Regiearbeiten Lucas‘ u.a. am selbigen Problem krankte wie „Super 8“.

Unter solchen Voraussetzungen durfte man trotz des tollen Ergebnisses des 2009er „Star Trek“ kritisch sein, ob Abrams es erneut schaffen würde eine totgerittene Science Fiction-Reihe wiederzubeleben. Wie die Einspielergebnisse und die fleißige Weiterproduktion der Reihe samt Nebenprodukten zeigt, ist ihm dies wirtschaftlich gelungen, solch ein großes Ergebnis wie die Wiederbelebung um Spock und Co ist ihm meiner Meinung nach allerdings nicht geglückt, was, wie das Ergebnis von „Star Wars: Episode 7 - Das Erwachen der Macht“ zeigt, auch gar nicht nötig ist.

Der Retro-Charme, den „Star Wars - Das Erwachen der Macht“ (Alternativtitel) ausstrahlt, ist das Einschalten bereits wert. Endlich wird die Geschichte der Ur-Reihe weiter erzählt, so dass man nebenbei erfährt was aus den drei Helden wurde und welchen Einfluss sie auf die aktuellen Geschehnisse haben. Die alten Mimen sind wieder mit an Bord, die neuen Charaktere sind sympathisch ausgefallen, und an allen Ecken und Enden gibt es Wiedersehwerte die einem ein Lächeln ins Gesicht zaubern.

Einfallsreich sieht anders aus, dafür kopiert die Geschichte viel zu sehr ihr Vorbild und dafür fehlt es an innovativen Momenten, welche die Figuren aus ihren Stereotypen herausreißen, so wie es die Müllpresse-Szene im allerersten „Krieg der Sterne“ vorgemacht hat. Allerdings funktioniert die Kopie einer bereits bekannten Geschichte besser als ich vermutete, allein schon weil Abrams mit allerhand Ablenkung alles versucht die Geschichte nicht wie eine Blaupause aussehen zu lassen.

Etwas ärgerlich ist der Handlungsablauf an sich ausgefallen, lebt die Zusammenkunft der Helden doch von zu vielen Zufällen, als dass sie zu gefallen wüsste, was dann am meisten nervt, wenn eine ausweglose Situation mehr als einmal dadurch gelöst wird, dass sie mit der Einführung eines Charakters aus der Ur-Serie blauäugig gelöst wird. Und dass es das ganze Universum interessiert Luke Skywalker wiederzufinden, ist schon ein etwas schwacher Auslöser eines kompletten Filmes um Rebellion, Verrat, Sternenschlachten und zerstörte Planeten. Zumal man sich unweigerlich fragt ob Luke entdeckt werden möchte, wenn er doch freiwillig ins Exil gegangen ist.

Diese Frage muss zwar erst die Fortsetzung beantworten, aber da das Schicksal der „Star Wars“-Reihe nicht mehr bei George Lucas liegt, kann die Antwort auf diese Frage nicht ganz so plump ausfallen wie die Mittel-Trilogie. Was die Frage um den CGI-Overkill betrifft, den Abrams im hier besprochenen Film hätte wiederholen können: hier kann man Entwarnung geben. Trotz etlicher Computereffekte und unzähligen Schlachten sind die Actionszenen und Fights nie überfrachtet ausgefallen. Das geübte Auge kann zuschauen, die Effekte sind erste Sahne, und so manches Mal fühlt es sich so an, als ob man sich tatsächlich mitten in einer Sternenschlacht befindet.

Der einzige Minuspunkt in Sachen Optik besteht leider im Aussehen des neuen Anführers des Bösen. Zwar versuchte man nicht den Imperator zu immitieren, aber leider setzt man uns als Master des Bösen diesmal ein komplett am Computer entstandenes CGI-Wesen vor, welches Echtheit nicht vorgaukeln kann und somit wie ein Zeichentrickelement inmitten eines Realfilmes wirkt. Seine Wirkung ist weder mystisch noch unheimlich, letztendlich ist er das einzige Element in Episode 7, welches das Werk kurzfristig zu einem Kinderfilm degradiert. Da seine Auftritte noch höchst rar gesät sind, schaden diese Ausrutscher dem Film nur minimal. Schnell ist man mit einem neuen Retro-Aspekt wieder wohlgestimmt.

Mit solchen allein wird sich eine Episode 8 jedoch nicht gucken lassen, so dass man für den Weiterverlauf der Story nur hoffen kann, dass nicht weiterhin nur noch die bewährte Kuh per Ideendiebstahl aus eigenen Reihen gemolken wird. Das funktionierte einmal, eben weil es den Zuschauer, ähnlich wie bei „Rocky 6“ nach einem Wiedersehen dürstete. Die Mitteltrilogie riss große Wunden in das Fanherz mit seiner leblosen, kindischen Art. Da ist „Das Erwachen der Macht“ eine wundervolle Medizin, um den enttäuschten Fan wieder glücklich zu machen. Aber nun muss es mutig weitergehen, und da bin ich trotz des sympathischen Ergebnisses des hier besprochenen Filmes bei Episode 8 wieder ebenso kritisch, wie ich es vor der Sichtung von Episode 7 war. Aber ich lasse mich gerne erneut eines Besseren belehren.


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FROM DUSK TILL DAWN (1996 Robert Rodriguez)


Der ehemalige Priester Jacob reist mit seinen Kindern in einem Wohnmobil durchs Land. Die drei werden von den verbrecherischen Gecko-Brüdern gezwungen über die mexikanische Grenze zu fahren, um die beiden Gesuchten in Sicherheit zu bringen. Als alles erfolgreich verläuft und die drei gezwungen werden die wiedergewonnene Freiheit gemeinsam mit ihren Entführern in einer Truckerspelunke zu feiern, kommt es zu Ereignissen, die niemand hätte vorhersagen können...


Was Verrückte von Vampiren unterscheidet...

Es ist egal ob Robert Rodriguez auf dem Regiestuhl sitzt oder ein Tony Scott bei „True Romance“. Am Ende schaut sich ein Drehbuch Tarantinos immer wie ein Quentin Tarantino-Film, und das ist auch bei „From Dusk Till Dawn“ der Fall, der alle liebgewonnenen Eigenschaften besitzt, die man bis heute an einem Tarantino-Film zu schätzen weiß. Ich weiß nicht warum einige Cineasten glauben aus dem Tarantino-Alter herausgewachsen zu sein, entsprechen seine Filme doch keinesfalls einer Phase, die man einzig nutzen konnte um sich cineastisch weiterzuentwickeln und dabei über diese Sehhilfe hinauszuwachsen. All seine Werke, die ich einst schätzte, besitzen noch immer eine enorme Sogkraft, sind höchst kurzweilig ausgefallen und auf ihre eigene Art sogar recht intelligent erzählt. Die Verbeugung vor Vergangenem geht stets Hand in Hand mit neuen Einflüssen, und dies von Werk zu Werk trotz wiederkehrender Zutaten auf jeweils eigene Art.

Die Dialoge in „From Dusk Till Dawn“ gehören zur Creme de la Creme dessen was der für seine besonderen Dialoge bekannte Tarantino je geschrieben hat. Lediglich die Dennis Hopper/Christopher Walken-Szene aus „True Romance“ weiß diese zu toppen. Die pointensichere Textabfolge ist im hier besprochenen Werk derart geglückt, dass sie zum Höhepunkt des Streifens wird und sämtliche noch so perfekt umgesetzte Actionszenen in den Schatten stellen. Hinzu kommt eine Gruppe interessant charakterisierte Figuren und einige Spielereien mit Wahrnehmung und Optik und schon schaut sich die eigentlich recht simpel ausgefallene Geschichte um Gangster und ihre Geiseln, die Vampiren zum Opfer fallen, wesentlich ereignisreicher als sie eigentlich ist.

Die Besetzung ist hochkarätig ausgefallen, schenkte George Clooney einst die Chance aus seinem Serienarzt-Schatten treten zu dürfen, nutzte das kindliche Gesicht Juliette Lewis‘ ähnlich gekonnt wie „Kap der Angst“, zeigte uns einen Harvey Keitel einmal von einer völlig anderen Seite und gab Quentin Tarantino die Chance einmal selbst vor der Kamera tätig zu werden, was er nach heftigsten Kritiken nicht mehr in dieser Größe wiederholte, obwohl er die comichafte Übertreibung, die sein Charakter benötigte, verstand und dementsprechend gekonnt umsetzte. Verstehe einer manche Kritiker.

Eine Prise gekonnt eingefangener Erotik und ein Soundtrack, der für die perfekte Grundstimmung sorgt, machen aus „From Dusk Till Dawn“ ein Liebhaberstück zum Immerwiedersehen, auch wenn er durchaus seine Schwachstellen besitzt. Nicht nur dass mir das Design der Vampire nicht zusagt und ich auch manch zelebrierte Coolness diverser Nebenfiguren im Titty Twister als zu albern, ja regelrecht infantil empfinde (typische Rocker-, Tatoo-, Metalmentalität eben), ohnehin gefällt mir der dominantere Teil ohne Vampire besser als alles was nach dem Ausbruch vonstatten geht. Nicht falsch verstehen, „From Dusk Till Dawn“ bleibt auch in dieser Phase ein kurzweiliger Film in guter Pointensetzung und mit vielen einfallsreichen Ideen versehen, die Kraft die seine Atmosphäre zuvor besaß verpufft jedoch in einem Szenario, das nun fast ausschließlich nur noch auf Actionsequenzen im Kampf Mensch gegen Vampir setzt.

Das könnte alles besser funktionieren, wenn man nun die zuvor anders eingefangene Coolness der Figuren nicht dafür nutzen würde, sie sympathisch und heldenhaft wirken zu lassen. Was zunächst ironische Distanz besaß, wird nun zum Profilieren genutzt und verliert damit seine Unschuld und Harmlosigkeit. Eine Schrulle wird zur Identifikation, Coolness wird plötzlich zelebriert und gepuscht, und das ist schon recht ärgerlich.

Zumindest bleibt der Kampf gegen die Überzahl Vampire für einen verspielten Genrebeitrag recht glaubwürdig, und an Ideen mangelt es ebenfalls nicht, auch wenn man die ein oder andere aus „Fright Night“ und „Night of the Demons 2“ entliehen hat. Letztendlich ist das in einem Film, der soviele eigene Ideen bietet auch völlig egal, und wenn man erst einmal weiß in welch ein toll umgesetztes Schluss-Szenario das alles mündet, geht man ohnehin versöhnlicher mit der etwas schwächeren Vampirthematik um, ist die Schlussszene auf dem Parkplatz doch Gold wert und auch das letzte eingefangene Bild eine wundervolle Idee.

Es braucht nicht verwundern, dass viele Fans den Streifen fast auswendig mitsprechen können, ist „From Dusk Till Dawn“ doch ein Film den man immer wieder gucken kann und der es schafft theoretisch realitätsferne Sätze perfekt ins Geschehen zu integrieren. Trotz kleiner infantiler Ausrutscher ist „From Dusk Till Dawn“ ein Hingucker für jede Altersstufe ab 18 Jahren. Er ist einer dieser Kultfilme, der seinen Begriff verdient hat, so kultisch wie der Soundtrack verehrt wird, so fanatisch wie sich selbst Rammstein bei ihrem „Engel“-Musikclip an ihm bedienten und, wie bereits erwähnt, so auswendig wie seine Fans ihn wiedergeben können. Es ist nur schade, dass die Vampire nicht anders aussahen. Das ist der einzige Fehler, den ich Rodriguez und Co nicht verzeihen kann.


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Samstag, 24. Dezember 2016

COLLAPSE OF THE LIVING DEAD (Collapse 2010 Insane Mike Saunders u.a.)


Robert Morgan ist verschuldet, und seine Frau ist psychisch angeschlagen seit die beiden vor einem halben Jahr ihre Tochter verloren haben. Robert tut alles für seine Familie, und als im ganzen Land plötzlich eine Zombieepidemie ausbricht, liegt es an ihm für Schutz auf der einsam gelegenen Farm zu sorgen...


Night of the Robert Morgan...

Man sieht dem Film in seiner Videooptik, dem schlichten eintönigen Setting und der geringen Anzahl an Sprechrollen an wie kostengünstig er ausgefallen ist. Das komplette Geld wurde scheinbar in das Zombie-Make Up gesteckt, denn dies lässt nichts zu wünschen übrig, ganz im Gegenteil zu den nicht überarbeiteten Schussgeräuschen, die wie Platzpatronen klingen und jedweder anderen Schwäche, die automatisch mit einer billig umgesetzten actionreicheren Szene einhergeht. So tut es der etwas zu durchschnittlich ausgefallenen Produktion ganz gut, dass es den Regisseuren Jason Bolinger und Insane Mike Saunders ohnehin viel eher darum geht an George A. Romeros Anfängen mit „Die Nacht der lebenden Toten“ anzusetzen, als die Zombies noch zur Nebensache in ihrem eigenen Genre wurden und die Ruhe über der Action dominierte.

Zwar schaffen es die Verantwortlichen des Streifens durch seine nah an der Überforderung angelehnten Trauer und seinen anderweitigen Problemen eine Identifikation mit Robert aufzubauen, so dass zumindest eine Person nicht all zu 08/15 ausfällt, Innovationen lässt die erste Stunde jedoch ebenso vermissen wie eine Erklärung all dessen was passiert ist. Vieles wirkt unsinnig und widersprüchlich, „Collapse of the Living Dead“ bekommt einen unglaubwürdigen, willkürlichen Touch, inmitten einer Geschichte, die es zur Zeit in einer Schwemme an Zombiefilmen viel zu oft zu sehen gibt.

Mit dem letzten Akt in den letzten 20 Minuten erklärt sich alles von selbst, aber diese muss man erst einmal erreicht bekommen, so durchschnittlich und gleichzeitig kostengünstig wie „Nightmare of the Living Dead“ (Alternativtitel) ausgefallen ist. Nun wendet sich endlich das Blatt, die Geschichte wird aus einer anderen Perspektive erzählt und erhält damit wesentlich mehr Reize als die Stunde, die dem voraus ging. Zwar ist die Idee nicht neu und dem Kurzfilm „Zomfobia“ entliehen, da den aber meist nicht einmal eingefleischte Horror-Allesseher kennen ist das egal, zumal „Collapse“ (Originaltitel) die Idee besser umsetzt und mehr Zeit besitzt sich ihr zuzuwenden.

Verraten werden soll die Auflösung freilich nicht, aber es bleibt die Frage offen, ob „Collapse of the Living Dead“ besser ausgefallen wäre, wenn man den Zuschauer früher eingeweiht hätte. Ich weiß es nicht, mag es doch sein dass sich die Idee tatsächlich nur als Kurzfilm, oder wie hier für einen Schluss-Twist eignet. So oder so braucht man den Film jedoch trotzdem nicht gesehen haben, macht seine finale Innovation aus dem Produkt doch trotzdem nicht mehr als ein halbgares Routineprodukt für Allesseher des Genres. Somit bleibt eine Empfehlung ebenso aus wie bei besagtem Kurzfilm, auch wenn das hier besprochene Werk über winzige Pluspunkte verfügt.


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SNAKE PEOPLE (La muerte viviente 1971 Juan Ibanez u.a.)


Der Offizier Pierre Labiche kommt auf die Insel Korbai, auf welcher die Eingeborenen noch immer Voodoo-Rituale zelebrieren. Im Kampf gegen Aberglaube und Menschenopfer bekommt es der Realist schnell mit übernatürlichen Phänomenen zu tun, u.a. mit Zombies...


Prohibition als Weltenretter...

In seinen letzten Jahren drehte Boris Karloff aus Geldnöten heraus diverse Filme für den Mexikaner Juan Ibanez, der von Kollege Jack Hill Karloff-Szenen in Amerika anfertigen ließ und den Rest des Streifens in seiner Heimat Mexiko persönlich umsetzte. Das Verfahren verrät bereits die Kostengünstigkeit und dass man nicht mit Meilensteinen der Filmgeschichte rechnen muss, „Totentanz im Schreckenschloss“, eines dieser Produktionen, wusste aber zumindest auf sympathisch schundige Weise zu gefallen, so dass ich mich nicht völlig unmotiviert an „Snake People“ heranwagte, den man oftmals als „Cult of the Death“ auf DVD antrifft.

Leider ist die Geschichte um Voodoo, Magie und wiedererweckte Tote nicht so reizvoll ausgefallen wie der Vergleichsfilm, reiht er doch eigentlich nur mit diesem Thema einhergehende äußerliche Reize aneinander, um im wilden Bildermeer so etwas wie eine Geschichte vorzugaukeln. Da wird fleißig getrommelt, mit Schlangen herumgefuchtelt, getanzt, bizarr in die Kamera geglotzt (allen voran der kleinwüchsige Voodoo-Prister, der zu Beginn ewig dämlich lachen darf), da verschwinden Personen kurzfristig aus dem Bild um wieder eingeblendet zu werden, ewig passiert alles und nichts zugleich.

Wo ein Lucio Fulci aus diesen Zutaten einen hypnotischen, surrealen Bilderrausch gezaubert hätte, da verkommt „Todeskult“ (Alternativtitel) zum Zeit zögernden optischen Hokuspokus, der einen von Beginn an langweilt, anstatt einen in seinen Bann zu ziehen. Die deutsche Synchronisation macht es einem ohnehin schwer fair mit dem Film umzugehen, aber außer unmotivierter schwarzer Zeremonien und Wortgefechten zwischen Gläubigen und Ungläubigen gibt es nichts zu holen, und selbst diese beiden Eigenschaften wissen in ihrer Art der Umsetzung nicht zu gefallen.

Nebenbei gibt es einige skurille Einfälle, so wie die Mission der wichtigsten weiblichen Rolle, die glaubt sie könne die Erde retten, indem sie den Alkohol verbietet, der laut ihrer eigenen Studien über 99 Prozent allen Unheils in der Menschheitsgeschichte verursacht hat. Und der völlig lustlos spielende, greise Boris Karloff, der bei der deutschen Uraufführung 1971 bereits zwei Jahre tot war, darf in einer Doppelrolle auftreten, was seiner müden Darbietung leider keinen Zusatzreiz beschert.


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DIE FOLTERKAMMER DES DOKTOR ORLOFF (El enigma del ataúd 1967 Santos Alcocer)


Der vermögende Dan Orloff lässt seine Verwandtschaft in sein Schloss rufen bevor er sterben muss. Als er sich nach einer gehässigen Ansprache an die Familie allein in seinem Zimmer umbringt, wollen die Hinterbliebenen den Tatbestand vertuschen, damit die Versicherung trotzdem Geld auszahlt. Den Arzt bekommt man ausgetrickst, aber ein Unbekannter beginnt nun diverse Menschen zu töten, was schließlich auch die Polizei auf den Plan ruft...


Gegen kleine Eidechsen wurde nicht gesprüht...

Fleißig drehte irgendwer, heute ist es strittig ob es Leute aus Frankreich oder welche aus Deutschland waren, pseudo-erotische Folterkeller-Szenen nach, um diese in den eigentlich frei von Sex inszenierten Film hineinzuschneiden, damit das Produkt unter solch reißerischen Titeln wie „Die Folterkammer des Doktor Orloff“, „Erotik in der Folterkammer“ und „Les orgies du docteur Orloff“ besser vermarktet werden konnte. Nicht nur dass diese Nachdrehs unmotiviert umgesetzt sind und den Film um nichts bereichern, sie fühlen sich zudem wie Fremdkörper im eigentlichen Hauptfilm an, wollen also so gar nicht mit ihm eins werden, gerade in der ersten halben Stunde, die durchaus eine recht dichte Atmosphäre versprüht, die jedoch mit jeder eingesetzen Folterfummelszene zunichte gemacht wird.

Die Jahre haben es allerdings ohnehin nicht gut gemeint mit „Solo un ataud“ (Alternativtitel), ist ihm doch einiges an Filmmaterial abhanden gekommen. An mancher Stelle reiht sich Riss an Riss und damit fehlende Information an fehlende Information. Was inmitten des Streifens noch recht gut zu verkraften ist, sorgt am Ende des Filmes, wenn es um die Auflösung und ihre Erklärung geht, jedoch dafür, dass man mit einem Fragezeichen vor dem Fernseher sitzen bleibt, wenn der Thriller plötzlich sein Ende gefunden hat. Dennoch werden Cineasten sich sicherlich nicht wie bei „Metropolis" euphorisch freuen, wenn eines Tages fehlende Filmschnippsel auftauchen sollten, ist der erst drei Jahre nach seiner Uraufführung in Deutschland erschienende Film doch leider kein gelungener Beitrag seines Genres.

Holprig und widersprüchlich geht die Handlung vonstatten, darum bemüht ein rätselhaftes Szenario zu bieten und eine unheimliche Atmosphäre zu schaffen. Nichts davon gelingt, trotz der gelungenen Räumlichkeiten, in denen man den Hauptteil der Geschichte stattfinden lässt. Nebensächlichkeiten mutieren zu Geschwätzigkeiten, ewig pausiert der düstere Thrilleranteil für Dialoge, welche die längst bestätigte Zwielichtigkeit aller Beteiligter an den Tag bringen soll, nur will mit diesem Mangel an Orientierung auf das Hauptgeschehen weder ein alternatives Produkt zum italienischen Giallo entstehen, noch eine passable Konkurrenz zu den gängigen Agatha Christie-Krimis gleichem Strickmusters.

Wenn im letzten Drittel nun noch die Polizei ins Geschehen bricht, ist es endgültig aus mit dem zuvor wackeligen „El enigma del ataúd“ (Originaltitel), wird der zuvor geschlossene kleine Kosmos einer fragwürdigen Familie doch nun per Fremdkörper aufgebrochen, womit das letzte Flair Düsternis verschwindet und der von Santos Alcocer inszenierte Streifen endgültig zum seichten Kriminalstück verkommt. Dank der völlig blödsinnigen Ermittlungsmethoden und der urplötzlich aus dem Nichts aufkommenden Eingebungen des Kommissars, wird die Geschichte dabei noch blödsinniger und widersprüchlicher als zuvor, so dass dies dem Streifen des Regisseurs von „Kochendes Blut“ nun endgültig den Todesstoß versetzt.

Ein bisschen schade ist es schon, dass „Only a Coffin“ (Alternativtitel) solch ein erbärmliches Produkt ist, versprüht er einige Zeit doch nostalgische Sympathie, wenn er liebevoll mit Klischees und Stereotypen arbeitet und dabei tapfer versucht in die Fußstapfen diverser Gothic-Horrors zu treten, freilich in seiner unbeholfenen Art schnell scheiternd. Man belächelt ihn in dieser frühen Phase dafür, macht sich aber nicht wirklich drüber lustig, ist dieser scheiternde Versuch doch trotzdem ein zunächst nett anzuschauendes Stück Retro-Krimi mit leichtem Grusel-Touch. Aber leider bleibt dies nicht so.

„Die Folterkammer des Dr. Orloff“ wird durch seine Orientierungslosigkeit lahm und zäh, bis er schließlich zur Geduldsprobe für den genervten Zuschauer wird. Trotzdem bin ich den Verantwortlichen der deutschen DVD dankbar, dass es ein so unbekanntes Stück Genre-Kino geschafft hat eine Veröffentlichung auf diesem Medium zu erhalten. Ich freue mich auf jedes mutige Projekt dieser Art, egal ob der Film schließlich gut oder schlecht ausgefallen ist. Von daher: vielen Dank, liebe Verantwortliche, dass Ihr mit solchen Projekten dafür sorgt spannende Lücken im DVD-Kosmos zu schließen. Euch gebührt mein Respekt.


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Mittwoch, 21. Dezember 2016

ORGIE DES TODES (Enigma rosso 1978 Alberto Negrin)


Als der Körper einer bestialisch ermordeten Internatsschülerin aufgefunden wird, ist dies der Beginn eines besonders schweren Falles für den unkonventionellen Inspektor Di Salvo...


Nemesis...

Es ist nicht so, dass man die doppelt aufgeteilte Auflösung nicht erahnen könnte, zumindest eine von beiden Hälften, aber zu wissen wer der Täter hinter all den ungewöhnlichen Ereignissen ist, mindert nicht das Sehvergnügen des reißerisch betitelten „Orgie des Todes“, ist er, ähnlich dem italienischen Giallo-Genre, doch stilsicher umgesetzt und weiß aufgrund seiner Inszenierung eher zu gefallen als aufgrund seiner eigentlichen Geschichte. Zwar ist Italien als Mitbeteiligungsland mit an Bord, aber „Virgin Terror“ (Alternativtitel) ist ein spanisches Produkt und schaut sich stilistisch völlig eigenständig, losgelöst von möglichen Giallo-Einflüssen, die man zunächst vermuten könnte.

Das macht das fertige Produkt um so reizvoller, muss es somit doch nicht die Regeln der italienischen Konkurrenz einfangen und kann dementsprechend auf seine ganz eigene Art einen harten, düsteren Kriminalfilm erzählen. Neben seiner wundervollen trockenen 70er Jahre-Art ist einer der größten Vorzüge des Streifens die stets stimmige Musikuntermalung, die einem dabei hilft in das eigentlich nüchtern erzählte Geschehen einzutauchen. Einzig die Methoden Di Salvos heben sich aus dem eher trocken erzählten Geschehen hervor, ist er doch ein Mann der Provokation, und dementsprechend fallen seine sinnlos wirkenden, aber nicht minder unterhaltsamen, Ermittlungsmethoden aus, die ebenso wie seine Verdächtigungen eher zufällig ins Schwarze treffen, als dass sie das Ergebnis eines unkonventionellen Genies wären.

Der Erzählung schadet das nicht, zumal Fabio Testi in der Rolle des Inspektors zu gefallen weiß, strahlt er doch eine interessante egomanische, selbstsichere Art aus, die ihn trotz aller Intoleranz auf ungewöhnliche Art sympathisch macht, wahrscheinlich weil das Umfeld, welches ihn umgibt, um so unsympathischer wirkt, ermittelnd inmitten elitärer Geister und schmuddeligen Gemütern. Der Zuschauer ist in Sachen Hintergrundinformationen nicht von Di Salvo abhängig, diverse Fakten erfahren wir anderweitig, was auch nicht verwundern braucht wenn der Inspektor doch beispielsweise die erste brauchbare Spur erst einmal seinen Kollegen überprüfen lässt, anstatt selbst tätig zu werden.

Den eigentlichen Hintergrund der Geschehnisse erfahren wir in einer psychologisch recht raffiniert umgesetzten Szene, völlig unabhängig von den Ermittlern, wenn wir während einer angedeuteten Abtreibung parallel als Erinnerung der Leidenden den angedeuteten Tathergang sichten dürfen. Ursache und Folge treffen somit aufeinander, was keinen Zuschauer kalt lassen dürfte und die Geschehnisse besagter Nacht auch unter Männern nicht schlüpfrig verschmitzt verzeihen lässt, wie manche Solidarität zum gleichen Geschlecht eventuell hätte ausfallen können, sondern stattdessen die Ernsthaftigkeit der Situation hervorhebt, so dass einem beim Anblick der Szene tatsächlich anders wird.

Glücklicher Weise wird uns diese Szene keineswegs reißerisch präsentiert. Ohnehin wird der reißerische Titel dem Stil von „Das Phantom im Mädchenpensionat“ (Alternativtitel) nicht gerecht. Nackte Haut gibt es hauptsächlich nur während einer längeren Duschszene zu sehen, und die Mordmomente werden nicht all zu brutal umgesetzt. Meist sieht man ohnehin nur das Ergebnis der Taten des Killers, und die scheußlichste Aufnahme darf man diesbezüglich bei einem ermordeten Hund sichten. Beim Schauen der DVD im Originalton mit leider hektisch eingesetztem deutschen Untertitel fällt aufgrund dessen, dass der Untertitel sich an der Deutschvertonung anstatt an den spanischen Dialogen orientiert, auf, dass es ohnehin die deutsche Fassung ist, die reißerischer ausgefallen ist. Zudem ist der Originalton zurückhaltender was Informationen betrifft. Die deutsche Synchronisation traut dem Zuschauer weniger zu als der Originalton.

Das schaut sich zwar ein wenig ungewöhnlich, gerade immer dann wenn Text eingeblendet wird, während im Original nicht gesprochen wird, es reißt einen aber glücklicher Weise nicht aus dem dicht inszenierten Szenario heraus. Wenn der Inspektor am Ende des Filmes eine höchst fragwürdige Entscheidung trifft, die für ein Happy End stehen soll, dann ist dies die deutlichste Szene darauf bezogen wie unsinnig „Trauma“ (Alternativtitel) eigentlich ausgefallen ist. Die schlichten, aber dennoch wirksam eingefangenen Bilder, der nüchterne Erzählstil, im Prinzip einfach alles was stilistisch Einfluss auf den Film hat, lässt einen jedoch wohlwollend darüber hinwegsehen, eben weil sich „Virgin Killer“ (Alternativtitel) trotzdem, wie typisch zu seiner Zeit in diesem Genre, so wunderbar erwachsen guckt ohne Kompromisse für ein weiteres anvisiertes Publikum einzugehen. „Red Rings of Fear“ (Alternativtitel) ist ein Liebhaberstück, welches einen mit seinen harten, wie sanft eingefangenen Momenten entweder an der richtigen Stelle trifft, oder einem ansonsten ziemlich belanglos vorkommt. Ich mag ihn in seiner dreckigen Art.


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Montag, 19. Dezember 2016

DER SCHWARZE LEIB DER TARANTEL (La tarantola dal ventre nero 1971 Paolo Cavara)


Ein Frauenmörder geht um, der seine jungen Opfer betäubt und bei vollem Bewusstsein ausweidet. Inspektor Tellini verdächtigt zunächst den Mann des ersten Opfers, doch dessen eigene Ermittlungen bringen auch ihn auf die richtige Spur...


Eine Wespe von einem Killer...

In seiner Theorie besitzt „Der schwarze Leib der Tarantel“ alles was zu einem guten Giallo gehört. Die Kamera fängt auf verspielte Art ihre Bilder ein, die Morde finden auf eine grauenvolle Art statt, Ennio Morricone steuert den Soundtrack bei, ein Zivilist ermittelt parallel zur Polizei und das Ganze ist dann schließlich noch so langsam und trocken erzählt, so wie man das Entstehungsjahrzehnt des Streifens dafür liebt.

Aber so ganz will die Rechnung nicht aufgehen. Sicher, „Black Belly of the Tarantula“ (Alternativtitel) kann man sich als Fan dieser Art Film durchaus mal geben, aber so richtig gelungen ist er meiner Meinung nach nicht, ist er doch eine Spur zu nüchtern umgesetzt. Mir fehlte die düstere Atmosphäre, die einen so richtig in den Kriminalfall eintauchen lässt, eben jene Art Sog aus gut gewählten Bildern in Stille und packendem Sound, die es einem egal machen, dass die Charaktere eigentlich flach und die Psychologie hinter den Ereignissen arg simpel ausgefallen sind.

Das sind zumindest die üblichen Krankheiten des Giallos, die man aufgrund der Vorteile dieses Sub-Genres niemals als nennenswerte Nachteile aufzählen würde. Im hier besprochenen Film rutschen sie als Ärgernis in den Fokus, da die üblichen Vorteile nur reduziert vorhanden sind. Die Spielereien der Kamera erscheinen mit schnellen Fahrten nach unten und dem lustlosen Folgen geometrischer Linien diverser Objekte eher bemüht als stimmig. Und so schön Morricones Musik in der Ausnahme immer dann zu gefallen weiß, wenn er sie experimentell mit schwerem Atmen untermalt oder absichtlich leiern lässt, in den häufigsten Melodien des Streifens plätschert der Sound eher seicht, fast schon ein wenig lustlos vor sich hin, so wie es die Erzählung selber ebenfalls tut.

Letztendlich sind die Ermittlungen des von Giancarlo Giannini gar nicht mal schlecht verkörperten Durchschnittstypen des Inspektors zu wischi waschi ausgefallen, bringen den Fall meist zufällig voran, ohne dass man aufgrund von Teilerfolgen mitfiebern könnte. Zwar betont Tellini immer wieder dass er für den Beruf nicht geeignet wäre, ein interessanter Drehbuchtrick, der zu gefallen und zu wirken weiß, aber das allein fängt noch nicht die Belanglosigkeit auf, die durch dieses orientierungslose Ermitteln eingefangen wird.

Die parallelen Ermittlungen des Ehemannes des ersten Opfers kommen zu kurz um dagegen zu halten, entschied man sich im Gegensatz zu den meisten anderen gelben Kriminalthrillern Italiens die ich kenne doch dafür, diesmal den professionellen Ermittler ins Zentrum zu stellen. Da die Inspektorenfigur einfallsreicher charakterisiert wurde als der Ehemann ist dies auch die richtige Entscheidung, eine nette Ergänzung hätten genauer beleuchtete Parallelermittlungen jedoch definitiv sein können.

Zwar trumpft „La tarantola dal ventre nero“ (Originaltitel) durch die herrlich widerlichen Handschuhe des Killers, seinem unheimlichen Tick die Opfer zu betäuben und aufgrund der hierfür verwendeten Großaufnahmen der Akupunkturnadeln, mit denen diese Prozedur vollzogen wird, dennoch kommen die Morde, so theoretisch bestialisch wie sie auch klingen mögen, eher zurückhaltend daher. Dem Gorehound wird das bisschen Kunstblut, welches es zu sichten gibt, zumindest nicht reichen. Und bei all den fehlenden Qualitäten, die eigentlich zum Standardprogramm dieser Gattung Film gehören, hätte ein größerer Härtegrad meiner Meinung nach ausnahmsweise einmal wahre Wunder bewirken können.

Ich bin, wie man merkt, ein wenig enttäuscht aufgrund des zu nüchternen Ergebnisses, möchte aber dennoch noch einmal betonen, dass „Der schwarze Leib der Tarantel“ trotz alledem für Stammzuschauer des Genres durchaus lohnenswert sein kann, sofern man kein Meisterwerk erwartet, so wie das Cover des Mediabooks den Film anpreist und damit viel zu hoch greift um die Versprechen erfüllen zu können. Dass die Beweggründe des Killers eher künstlich herbeigeführter Natur in den meisten Werken dieser Art sind, ist kein Geheimnis, die hier schnell nachgereichte Erklärung, die sich nicht mehr in den natürlichen Handlungsablauf einfügen ließ, ist jedoch besonders erbärmlicher Natur. Da kann man Tellini nur dankbar dafür sein, dass er den pseudopsychologischen Schwätzer mitten in seinen Ausführungen unterbricht, da er zu mitgenommen sei um sich derartiges zur Zeit anzuhören. Dieser Mann ist mir einfach sympathisch. Und das stützt bereits den halben Film.


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Sonntag, 18. Dezember 2016

DIE NACHT HAT TAUSEND AUGEN (Night Has a Thousand Eyes 1948 John Farrow)


Der Jahrmarkthellseher Triton wird von wirklichen Zukunftsvisionen heimgesucht, die ihn in die gesellschaftliche Isolation treiben. Als er nach Jahren des Einsiedlerlebens den Tod der Tochter seines damals besten Freundes vorausahnt, stellt sich Triton den Tatsachen und versucht das Unglück zu verhindern...


In Schutz genommener Mumpitz...

Ich hatte zwar mit einem Thriller mit übernatürlicher Thematik gerechnet, aber eigentlich ist „Die Nacht hat tausend Augen“ hauptsächlich ein Kriminal-Drama, welches immer dann am besten funktioniert, wenn die Tragik des Hellsehens hervorgehoben wird. Triton ist ein bemittleidenswerter Charakter, von Visionen geplagt, von Schuldgefühlen zerfressen aufgrund des Versuches zu testen die Visionen zu ignorieren und vom Leben geschwächt, da wissend nichts gegen die Zukunft unternehmen zu können. Leider lässt der Autor des Stoffes niemals Zweifel über die Glaubwürdigkeit Tritons aufkommen. Seinen Leidensweg zu nutzen, um den Zuschauer durch sein Mitgefühl in die Irre zu führen, um Triton dann doch als Betrüger und somit als Täter zu entlarven, wäre nicht nur ein wirksamer psychologischer Kniff im Spiel mit dem Publikum gewesen, es hätte auch bewiesen mit welchen Methoden es Schwindler schaffen im realen Leben immer wieder Gläubige an Land zu ziehen.

Stattdessen verkommt „Du stirbst um elf“ (Alternativtitel) zum Plädoyer für das Übersinnliche. Er ist stetig bemüht dem rational denkenden Menschen einen kleinen Platz im Gehirn einzuräumen, offen für Esoterik zu sein. Somit bedient er sich der selben Methoden wie es Schwindler im Alltag tun, und das weiß einen rational denkenden Menschen wie mich zu verärgern. Dennoch würde ich aufgrund dessen nie von einem schlechten, oder gar verachtenswerten Film sprechen, weiß der von John Farrow inszenierte Film auf schlichter Basis doch trotzdem zu gefallen.

Dies gelingt ihm zum einen durch das gekonnte Spiel von Hauptdarsteller Edward G. Robinson, der die Dramatik seiner Figur ebenso gut verkörpert wie das Drehbuch sie theoretisch zu vermitteln weiß. Und das Ganze gekleidet in eine Kriminalgeschichte, in welcher die Hauptfigur ganz offensichtlich das Opfer ist (gekonnter Weise auf vielschichtiger Ebene), weiß das Plädoyer für Hokuspokus halbwegs abzumildern, so dass Zuschauer die so geartet sind wie ich sich durchaus mit der Mentalität des Streifens versöhnen können.

Vielleicht kommt „Night Has a Thousand Eyes“ (Originaltitel) etwas zu anbiedernd und überraschungsarm daher, aber seine schönen Fotografien im damals üblichen Schwarz/Weiß, die Ruhe die er innerhalb einer Geschichte auszustrahlen weiß, die manch anderer aufgeregt inszeniert hätte, und die überzeugenden Mimen wissen gegen die inhaltlichen Unzulänglichkeiten anzuspielen. Mit solch wertvollen Pluspunkten die ärgerliche Negativpunkte aufzufangen wissen gelingt einem zwar kein glatt laufendes Unterhaltungskino, aber Stammfreunde des Film Noir sei „Die Nacht hat 1000 Augen“ durchaus mal ans Herz gelegt, allein schon aufgrund seiner übernatürlichen Schrulligkeit, die mit dem Film Noir nur selten einher ging.


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CAPTAIN FUTURE - STERNSTRASSE ZUM RUHM (Kyaputen Fyûchâ: Kareinaru taiyôkei rêsu 1978 Tomoharu Katsumata)


Raumschiffe verschwinden spurlos, auch die Comet von Captain Future hat es erwischt. Also forscht dieser nach, um dem Mysterium auf die Spur zu kommen...


50 Roboter für den Anfang...

Captain Future“ ist für viele Menschen meiner Generation ein Stück Kindheitserinnerung, und mehr als in vielen anderen solcher emotional starken Frühbindungen aus dem cineastischen Bereich spielte die von Christian Bruhn komponierte Musik eine große Rolle an der Sympathie der animierten Science Fiction-Serie, an deren Umsetzung neben Japan und Deutschland auch Frankreich beteiligt war. Dementsprechend anders guckt sich das japanische TV-Special, welches dem deutschen Zuschauer erst mit der Veröffentlichung der Serie auf DVD zugänglich gemacht wurde, ist es doch nur im Originalton mit deutschen Untertiteln zu sichten und damit mit der japanischen Musikuntermalung versehen.

Als Freund der Serie hält einen dies freilich nicht vom Sichten ab, immerhin bekommt man mit diesem Special ein bislang unbekanntes Abenteuer einer ansonsten häufig geschauten und als Kind intensiv verinnerlichten Serie zu sichten. Als Bewunderer der Bruhn-Kompositionen war ich schließlich überrascht wie gut sich „Captain Future“ im Original schaut. Während das Titellied noch eher belanglos vor sich hindudelt, so sind die verschiedenen Hintergrundmelodien während der eigentlichen Folge stets passend zum gerade herrschenden Grundton komponiert. Spannende Momente wirken intensiver, traurige emotionaler, und für den Retro-Freund weht ein Hauch 70er Jahre-Action-Musik, wie man sie aus diversen Krimiserien der 70er und 80er Jahre kennt, was bereits den charmanten 80er Jahre „Appleseed“ trotz stimmiger Umsetzung zu belustigen wusste.

Als Freund der Reihe gibt es an dem auf etwa 55 Minuten laufenden TV-Special „Sternstraße zum Ruhm“ nichts zu meckern, besitzt es doch jegliche Eigenschaften, die man an der Serie zu schätzen weiß. Die Geschichte ist abenteuerlicher Natur und findet den genauen Mittelweg zwischen kindgerecht und ernstem Grundton, das Geschehen wird mit einfallsreichen Zusatzideen bereichert, in diesem Falle u.a. mit dem Gymmick des Zeitbeschleunigers, was schließlich auch zu einem interessanten, andersartigen Animationsstil führt, jeglicher Stammcharakter schaut mindestens für einen kleinen Gastauftritt vorbei, und die Gefühlswelt dieses kleinen animierten Kosmos‘ schwankt erneut zwischen solidarischem Miteinander und der übertrieben ehrwürdigen Anbetung des unfehlbaren Captains, quasi so wie der Held einer Kindersendung nun einmal auf ein Podest gehoben werden muss.

Diesbezüglich darf man sich nichts vormachen.Obwohl die exzellent wie gleichzeitig naiv erzählten Geschichten auch wunderbar dafür geeignet sind auch ein erwachsenes Publikum zu unterhalten, so ist „Captain Future“, und damit auch dieses Special, für den Kindermarkt produziert, was man unschwer an den kleinen Belehrungen am Rande bemerken kann, wenn den Kindern quasi ganz nebenbei per Unterricht Wissen über den Weltraum vermittelt wird. Dachte ich bislang immer der Erzähler der deutschen Version wäre lediglich dafür da die Zusammenhänge zu erklären, die aufgrund der herausgeschnittenen Szenen fehlen, und dass dies in einem Atemzug mit Wissensvermittlung kombiniert wurde, da der deutsche Zuschauer damals Zeichentrick automatisch mit dem Begriff des Kinderfilms unter einen Hut steckte, so zeigte mir das Sichten von „The Great Race in the Solar System“ (Alternativtitel), dass auch von japanischer Seite aus eine familienfreundliche Umsetzung anvisiert wurde.

Trotz befremdlicher Stimmen und ebensolcher Hintergrundmusik taucht man schnell ins interessante Geschehen dieses TV-Specials ein, lässt sich gern eines besseren darüber belehren, dass „Captain Future“ ohne Bruhns Musik sehr wohl etwas taugen kann, so dass dem Sehspaß nichts im Wege steht. Lediglich der Professor im fliegenden Roboterkörper besitzt im Original eine zu penetrant technische Stimme, als dass man ihn in sein Herz schließen könnte, aber das ist lediglich nur ein Wehrmutstropfen und aufgrund der seltenen Auftritte dieser Figur auch bestens zu verschmerzen. Ganz im Gegenteil ist es ansonsten schön die Crew Captain Futures einmal im echten Anime-Gewand zu sichten, sprich mit den typisch japanischen Klischeestimmen versehen den Bildern eines Animes zu folgen, von dessen Sonderstellung im Zeichentricksektor wir zu Kinderzeiten noch keine Ahnung hatten.