Dienstag, 23. Mai 2017

ROCKY 3 - DAS AUGE DES TIGERS (Rocky 3 1982 Sylvester Stallone)


Boxweltmeister Rocky Balboa kündigt gerade seinen Abschied vom Boxsport an, da lässt er sich von dem aggressiven Clubber Lang provozieren, der nie eine Chance auf einen Kampf gegen Rocky bekam. Rocky lässt sich auf einen Kampf ein, ist im Laufe der Zeit aber zu zahm geworden um es ernsthaft gegen eine Stärke wie Lang aufnehmen zu können und verliert dementsprechend haushoch. Für einen Rückkampf steht ihm als Trainer sein ehemaliger Gegner Apollo Creed zur Seite, der im zivilisierten Boxer Rocky wieder das Auge des Tigers wecken möchte - den wahren Kampfgeist eines hungrigen Aufsteigers...


Creeds Rehabilitierung...

Waren die ersten beiden Teile der Boxer-Saga „Rocky“ noch auf die Gesamtperson Rocky Balboa konzentriert, erzählt „Rocky 3“ eine reine Boxergeschichte. Der Vater, der Ehemann, die Person mit den privaten Problemen tritt in den Hintergrund, darf eigentlich nur kurz heraustreten in einer rührenden Trauersequenz, wenn Mickey während eines Dialogs mit dem Titelhelden stirbt, ansonsten geht es jedoch einzig um die Karriere des Berufskämpfers, und dieses dritte Kapitel schaut sich, als würde es sich von selbst schreiben. Die Idee dass der Weltmeister seinen Biss verloren hat und zivilisiert wurde, wie Mickey es nennt, weiß zu gefallen. Und diese Thematik trifft auf eine weitere interessante.

Rocky war ein Prolet, aber ein Ehrenmensch, ebenso wie Apollo. Menschen wollen solche Personen in Siegerpositionen sehen. Clubber Lang, Rockys Herausforderer, ist jedoch ein Prolet der aggressiven Sorte, zu anständigem Sozialverhalten nicht in der Lage, aus seiner Wut heraus Boxer geworden. Er hat sich selbst trainiert, sich ganz allein von unten nach oben hochgearbeitet, und doch erntet er keinen Respekt, was verständlich ist, spricht er ihn anderen gegenüber schließlich auch nicht aus. Lang ist ein Asi, ein Kämpfer völlig anderer Liga als Rocky, was den Kampf mit einem zahm gewordenen Champion um so unfairer macht.

Die Geschichte mit diesen beiden Ideen im Zentrum ist ein Selbstzünder, und wenn nun noch Appollo Creed an die Seite Rockys tritt, kann die Verbrüderung losgehen, deren Nachhall noch bis zum siebten Teil der Reihe, dem Spin-Off „Creed“, zu hören sein wird. Nicht nur dass zwei lieb gewonnene Charaktere nun Hand in Hand anstatt gegeneinander antreten dürfen, die Figurenzeichnung Creeds ist eine Wiedergutmachung für „Rocky 2“, in welchem Creed keineswegs so menschlich weg kam wie in Teil 1 und dem hier besprochenen Teil.

Creeds Charakter wurde auf ein fragwürdiges Niveau heruntergeschraubt, dem gottesgläubigen Ehrenmann Rocky gegenüber gestellt, so wie es nun mit Clubber Lang gehandhabt wird. Der ist jedoch ein asoziales Wesen, den Kampfsport für seine Wut missbrauchend, ein Niveau welches Creed nie kannte. Und nun wird dessen Charakter wieder richtig gestellt. Wir lernen den Menschen hinter der Fassade des Kämpfers kennen, ein Geschäftsmann, zugegeben, aber einer mit einer Vision, mit Talent, mit Durchhaltevermögen, mit Gefühlen und mit Humor.

Ich weiß noch wie sehr mich Audrey stets in den Filmen ab Teil 3 genervt hat, wenn sie ihren klassischen Monolog halten durfte, der Rocky aus einer Krise heraus reißt. Erstmals schaue ich mir die „Rocky“-Reihe im Originalton an und endlich weiß sie zu funktionieren, die Gewissensstimme Adriens, die tatsächlich wachzurütteln und zu motivieren weiß. Ich bin gespannt ob sie in den Fortsetzungen ebenso fruchten wird wie hier, in „Rocky 3“ erfüllt sie zumindest ihren Auftrag und hat allein dadurch einen Zweck, nachdem „Rocky 2“ aus der Ehefrau des Boxers fast eine unnötige Nebenrolle machte.

„Rocky 3 - Das Auge des Tigers“ mag nicht mehr so viele Ecken und Kanten wie die Vorgänger besitzen, er ist feingeschlifferner, mainstreamiger ausgefallen. Aber letztendlich tut dies dem Film gut, zeigte ein Blick auf Teil 2 doch, dass eine tiefer gehende Vorgehensweise nur dann Sinn ergibt, wenn es auch wirklich etwas zu erzählen gibt. „Rocky 3“ konzentriert sich erstmals einzig auf den Sport, und der Geschichte sei Dank wissen diesmal sogar die für den Boxsport eher unrealistischen Straßenköter-Kampfmethoden zu überzeugen, wenn beide Gegner wie die Tiere billig aufeinander einschlagen, was diesmal überraschender Weise recht gut in Szene gesetzt wurde. Die gewonnene Schnelligkeit Rockys, auf die in seinen gelungenen Trainingsszenen gesetzt wird, wird auch in den Boxszenen deutlich und zur Wichtigkeit für den finalen Kampf, im Gegensatz zum Trainingsaufhänger des Vorgängerfilmes.

Gute Kampf- und Trainingssequenzen in einer reizvollen, sich fast selbsterzählenden, Geschichte, präsentiert über längst lieb gewonnene Figuren, so mag die Geschichte des immer wieder aufstehenden Rocky zu gefallen, zumal sie diesmal nicht so selbstbeweihräuchernd umgesetzt ist wie in der ersten Fortsetzung. Ganz so gesellschaftskritisch wie sein Aufhänger ist der Blick auf den Profisport des Boxens schlussendlich nicht ausgefallen, die „Rocky“-Reihe muss man spätestens ab diesem Teil lediglich als Kinomagie auf sich einfließen lassen, denn eine realistische Auseinandersetzung zu dem Thema sieht anders aus.

Andererseits wirkt „Rocky 3“ noch nicht so verträumt jenseits jeglicher Normalität wie „Rocky 4“, in dem es nicht nur eine fast unbesiegbare Kampfmaschine geben wird und die übelste Form von Patriotismus, sondern zu alle dem auch noch einen Roboter, wie aus einem Science Fiction-Film entlaufen. Die Realität in „Rocky 3“ ist zumindest von der unseren nur etwas entrückt, um die Kinomagie zu polieren, um die Wirkung zu verschönern und sich mit einem Kämpfer mitzufreuen, wenn dieser siegt. Der (durchaus amüsante) Hirnriss wahrlich fern jeder Realität folgt erst einen Film später.


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MARNIE (1964 Alfred Hitchcock)


Als die Diebin Marnie sich wieder einmal unter falschem Namen bei einer Firma um eine Stelle bewirbt, erkennt der Inhaber des Betriebs die junge Frau von einer ihrer früheren Identitäten wieder, verrät ihr dies aber nicht und stellt sie ein. In den Wochen vor ihrer Tat nähert und verliebt er sich in sie, und als sie schließlich wie zu erwarten tätig wird, lässt er ohne ihr Wissen alle Spuren ihres Raubes verschwinden und zwingt sie zur Heirat mit ihm. Von nun an versucht ihr neuer Gatte hinter das Geheimnis ihres Zwangs zu Stehlen zu kommen, um sie zu heilen. Es scheint in direktem Zusammenhang mit ihren psychologischen Ausrastern zu stehen, wenn sie die Farbe Rot sieht...


Freud für Anfänger...

Eigentlich ist „Marnie“ ein exzellent gespieltes und inszeniertes Drama, an welchem es rein stilistisch nichts zu meckern gibt. Der Inszenierungsstil ist elegant und damit an der männlichen Hauptrolle, die Sean Connery verkörpert, orientiert, der Erzählstil langsam gehalten, rätselhaft ausgefallen, das Drama im Vordergrund stehend und der Thriller- und Krimigehalt so minimalistisch gehalten, dass selbst der Romantikanteil über diesem triumpfiert, obwohl Hitchcock die Geschichte frei von Kitsch und romantisch ansteckenden Gefühlen umsetzt - und dies obwohl die Liebe der Auslöser allen Tuns der Rolle Connerys ist.

So mag „Marnie“ zu seiner Erscheinungszeit ein beeindruckendes Stück Film gewesen sein, heutzutage, wo selbst der Desinteressierteste in Sachen Psychologie grundlegende Kenntnisse über Freuds Theorien besitzt, will das so lobenswert umgesetzte Stück Film nicht mehr wirklich wirken. Hitchcocks vereinfachter Umgang mit dem Bereich der Psychoanalyse war schon immer Schwachpunkt seiner Filme, wie beispielsweise die Schlussszene im sonst so brillant ausgefallenen „Psycho“ zeigt. Dem konnte solch ein kleiner Ausrutscher nicht wirklich etwas anhaben, „Marnie“ jedoch, der sich voll und ganz auf Hitchcocks Schulmädchen-Psychologie stützt, kann in aufgeklärten Zeiten wie heute daran nur scheitern.

Die erste Hälfte, die sich einst rätselhaft schaute, ist heutzutage schnell durchschaut, lange Zeit bevor Hitchcock kurz vor Ende des Films den psychologischen Schleier Marnies lüften darf. Die zweite Hälfte wiederum ist nicht stark genug im Thriller-Bereich angesiedelt, als dass es das aufgrund vereinfachter psychologischer Ansätze nicht ernst zu nehmende Drama auffangen könnte. „Marnie“ schaut sich trotz all seiner Pluspunkte, zu denen selbst die raffinierte Namensgebung der Hauptfigur gehört, zu naiv, als dass man heutzutage noch wirklich intensiv in sein Geschehen eintauchen könnte. Und das ist schade, ist Hitchcocks zweiter Film mit Tippi Hedren nach dem grandiosen „Die Vögel“, doch ansonsten ein gutes Stück Film.

Zumindest bleibt „Marnie“ aufgrund seiner starken Umsetzung ein theoretisch interessantes Stück Drama, eines mit charmantem Retro-Touch, eines das einem noch immer Respekt einflößt, auch wenn man heutzutage nicht mehr in seine Geschichte eintauchen kann. Aber selbst mit diesem kleinen Trostpflaster steht er noch immer weit hinter den großen Werken des Meisters zurück, eben weil viele von diesen heute noch so frisch wie damals zu funktionieren wissen. „Marnie“ steckt jedoch in seiner Zeit fest, eine Zeit in welcher der Durchschnittsbürger noch mit den Kinderschuhen Freuds Psychoanalyse zu beeindrucken und zu überraschen waren. Damit scheitert „Marnie“ zumindest nach all den Jahren nicht an etwas vorrausschauend Selbstverschuldetem, wie manche Werke, die sich einzig auf Modeerscheinungen ihrer Entstehungszeit stützten, sondern kann letztendlich nichts dafür, dass er heutzutage nur noch in der Theorie funktionieren kann.


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Sonntag, 21. Mai 2017

ROCKY 2 (1979 Sylvester Stallone)


Obwohl sich beide am Ende ihres Kampfes einig waren, dass es keinen Rückkampf geben soll, fordert Apollo Creed Rocky aus verletztem Stolz heraus Monate später auf zurück in den Ring zu steigen. Rocky weigert sich zunächst, aber seine angespannte finanzielle Situation bietet ihm kaum eine andere Wahl als die Herausforderung gegen den Weltmeister im Boxen anzunehmen...


Umschulung auf rechts...

Sylvester Stallone übernimmt in der Fortsetzung des Erfolges „Rocky“ selbst die Regie und versucht im Großen und Ganzen Avildsens Stil des Vorgängers beizubehalten. Er erzählt seine Geschichte ruhig und möglichst unaufgeregt, lässt den Zuschauer lange Zeit auf die Rückkehr ins Training warten und hält ihn auch im finalen Kampf lange Zeit hin, ehe die Entscheidung um Verlier und Sieger getroffen wird. Aber weder das Drehbuch, noch die imitierende Regieführung sind so gut ausgefallen wie im Erstling. Zwar ist „Rocky 2“ durchaus ein nettes Filmchen, zu unterhalten weiß er, er reißt den Zuschauer aber nicht mehr so enorm mit, wie es das Original und mancher Nachfolger der Reihe schaffte. Letztendlich wirkt „Rocky 2“ nur wie ein Wiederaufguss der bereits erzählten Geschichte.

Dabei sind einige Ideen wirklich hervorragend zu nennen. Rocky nutzt sein kurzzeitiger Ruhm nichts, da er mit seinem mangelnden Talent nicht zum Werbeträger geeignet ist. Und Mickeys Plan aus dem Linkshänder einen Rechtshänder zu machen, ist auch nicht von schlechten Eltern, bekommt im fertigen Kampf aber nicht wirklich eine Bedeutung, so hirnlos plump wie die beiden Kontrahenten aufeinander einprügeln, was noch mehr nach Straßenköter-Kampf aussieht, als es bereits im ersten Teil der Reihe der Fall war. Boxen sieht anders aus. Freunde des Sports werden die Augen verdrehen. Aber Bewunderer der Reihe sehen darüber gerne hinweg.

Leider ist die erste Hälfte um Rockys Alltag nicht halb so interessant ausgefallen wie im Vorgänger. Viele Liebesmomente zwischen Adrian und Rocky, bei denen keinesfalls romantische Gefühle für den Zuschauer aufkommen, hemmen immer wieder die Wirkung der besseren Drehbucheinfälle. Bereits hier wirkt Adrian nur wie ein Beiwerk, zur zweiten Hälfte hin wird sie fast völlig egal für die Geschichte und dient zusammen mit dem gemeinsam gezeugten Sohn nur noch als Motivator für den Sportler. Man könnte es als Spott betrachten, dass die emotional stärkste Szene zwischen dem frisch verheirateten Paar genau dann stattfindet, wenn Adrian im Koma liegt. Aber es ist wahr, und wenn Rocky um seine Ehefrau weint, weiß dies wahrlich zu rühren.

Charakterlich gibt es einige Ernüchterungen zu erleben. Pauly fällt in der Fortsetzung für seine Verhältnisse recht sozial aus und schlägt erst im Dialog mit Adrian über die Strenge, dann aber um zu helfen. Ich persönlich finde es gut, dass er ab Teil 3 wieder ins alte Muster zurück fällt, die Milde die er hier aufweist, will nicht recht überzeugen bei solch einem auf sich fixierten Menschen, der zur Selbstrefelxion nicht in der Lage ist. Schlimmer ist jedoch die Figurenzeichnung Apollo Creeds ausgefallen, der nun jegliche Milde im Gegensatz zu Pauly verloren hat und nur noch das Arschloch mimen darf, welches auf Teufel komm raus den Rückkampf will. Anders als erwartet, bleibt er selbst dann unsympathisch, wenn er im Rampenlicht nicht mehr die Rolle des Bad Guy spielen müsste.

Wenn nun diesem humorlosem, bösartigem Schwarzen der ewig betende, Gottesgläubige Italiener Rocky entgegen gesetzt wird, fragt man sich fast was hier auf rechts trainiert wurde, Rockys Faust oder Stallones Weltsicht - eine in der nicht nur faschistische Tendenzen aufzukeimen scheinen (zumindest mit übersensiblisiertem Blick von heute), sondern in welcher zudem die Selbstbeweihräucherung einige unangenehme Höhepunkte erhält, was zuvor genannten Punkt noch extremer erscheinen lässt. Das Zujubeln der Menge während des Trainings, die ihm folgenden Kinder beim Joggen und diverse Trainingssequenzen, die nur enthalten zu sein scheinen, um zu beweisen zu was Stallone in der Lage ist, und nicht Rocky, durchbrechen den ruhigen, bescheidenen Stil, den Stallone ansonsten von Avildsen kopiert. Und das will nicht wirklich miteinander harmonieren.

Nun sind dies alles Schwachpunkte, die „Rocky 2“ daran hindern so großartig auszufallen wie der Vorgänger, vielleicht zählt dazu auch die Entscheidung im Finalkampf diesmal eindeutiger den kleinen Aufsteiger zu feiern als bisher, indem dieser diesmal dem Champion den Titel weg nimmt. Dank der bekannten wichtigsten Charaktere (mit einer verstärkten Position Mickeys), dem klassischen Soundtrack und der noch immer enthaltenden Sympathie zum Gesamtwerk der Rocky-Reihe, schafft es aber auch die Fortsetzung angenehm zu unterhalten. Allerdings bildet sie auch in diesem annehmbaren Zustand den Tiefpunkt der Reihe, der von den meisten anderen Zuschauern Teil 5 zugesprochen wird.

„Rocky 2“ ist jedoch viel mutloser ausgefallen als dieser, zu sehr darauf bedacht Teil 1 ohne nennenswerte Geschichte nachzuahmen, als dass der Vergleich zum inhaltlich mutiger ausgefallenem „Rocky 5“ ein fairer sein könnte. Die etwas zu lieblos umgesetzte Kampfchoreographie im finalen Wettstreit vollendet das unausgegorene Gesamtbild der ersten Fortsetzung, so dass es um so erstaunlicher wirkt, welch sympathischer Film letztendlich doch noch aus „Rocky 2“ wurde. Somit ist der Film vergleichbar mit seinem Helden. Er steht immer wieder auf, selbst wenn man denkt dass alles vorbei wäre.


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Samstag, 20. Mai 2017

ROCKY (1976 John G. Avildsen)


Boxchampion Apollo Creed entscheidet zu Promotionzwecken mit einem unbekannten Boxer in den Ring zu steigen. Die Wahl fällt auf Rocky Balboa, der sich im Ring als unerwartet hartnäckiger Gegner herausstellt...


Wie ein Linkshänder sich doch noch die Nase brach...

Die Geschichte von „Rocky“ und Sylvester Stallone geht Hand in Hand parallel einher. Stallone wird zusammen mit Rocky zu einem Star, richtet sich mit etlichen Comebacks immer wieder auf und erlebt eine Karriere über viele Jahrzehnte hinweg. „Rocky“ erzählt die klassische Geschichte welche Amerikaner immer wieder gerne über ihr Land hören: dass hier aus einem Niemand ein Jemand werden kann, dass hier jeder eine Chance hat. Und die Parallelereignisse zwischen Stallone und seiner Figur Rocky zeigen, dass in der Ausnahme an diesem Hoffnungsschimmer vieler Armer etwas dran ist. John G. Avildsens Film ist gut erzählt, er hätte keine zusätzliche Hilfe nötig um zu gefallen. Und doch puscht es das Sichten von „Rocky“ ungemein, dass dies der Start der Karriere des Autors und Hauptdarstellers Stallone war, und egal wie tief man es schafft in den Film einzutauchen, ein Hauch Stallone schimmert immer wieder in der Figur Rocky durch, was ich keinesfalls als Nachteil empfinde.

Ich bin ohnehin emotional an die komplette Filmreihe gebunden, empfand Wehmut beim nostalgischen Spin-Off „Creed“ und weinte kleine Tränen im überraschend großartigen „Rocky 6“. Ich konnte über „Rocky 4“ aufgrund seiner lächerlichen Extreme herzhaft lachen, ich empfand die Geschichte von „Rocky 3“ trotz des peinlichen Aufhängers des Auges des Tigers als äußerst reizvollen Fortsetzungsgedanken und selbst mit dem oft gescholtenen „Rocky 5“ konnte ich trotz zu extremer Klischees etwas anfangen, imponierte mir doch der Mut einen Rocky-Film lediglich mit einem Straßenkampf, anstatt mit einem großen Boxkampf enden zu lassen.

Bei meiner erneuten Sichtung des Erstlings nach etlichen Jahren versuchte ich „Rocky“ einmal nicht in der üblichen Euphorie zu sichten, die er üblicher Weise in mir auslöst. Ich wollte mit meiner seit damals angewachsenen cineastischen Erfahrung einmal einen möglichst objektiven, ehrlichen Blick auf jenes Sport-Drama werfen, welches so viele Menschen verzaubert hat. Und ich war überrascht wie extrem nüchtern der Film eigentlich erzählt ist. Relativ frei von Theatralik zeigt uns der Film mit Rocky einen Menschen, der weder charakterliches Vorzeigeideal der Gattung Mensch ist, noch ein sonderlich aufregendes Leben vor seinem Boxkampf mit dem Champion führt.

Man darf es Stallone hoch anrechnen, dass sein Drehbuch sich trotzdem in der ersten Hälfte einzig Zeit für die Nichtigkeiten in Rockys Leben gönnt. Erst nach dieser beginnt der Film mit dem Training für den bevorstehenden Kampf. Die Verantwortlichen für die Umsetzung von „Rocky“ erkannten das Potential der Figuren. Ja, es war ein Werk über den amerikanischen Traum, aber eben weil der Film sich nicht ziemlich direkt dieser Thematik widmet, erkennt man, dass den Köpfen hinter dem Filmprojekt bewusst war, welch starke Charaktere die Geschichte ausmachten, Charaktere die nach außen so gar nicht stark wirken. Rocky ist ein Prolet, der zwar ordentlich kämpft, in seinem Beruf aber nie den großen Sprung geschafft hat. Sein Auftreten ist zwar freundlich aber ordinär, seine Wirkung auf den Zuschauer keinesfalls sympathisch, höchstens etwas bemitleidenswert.

Das Unauffällige, geradezu Alltägliche in den Figuren Adrian, Mickey und Co übt diese Faszination innerhalb einer nichtig wirkenden ersten Stunde aus. Und wenn der Film gelegentlich zu Apollo Creed schwenkt, so wird selbst dieser doch ebenfalls nicht als großer Ungewöhnlicher gezeigt, den er im Showgeschäft so gerne spielen mag. Diese Bodenständigkeit tut schließlich der zweiten Hälfte des Filmes gut, die immerhin gewagt die Geschichte von einem Nobody erzählt, der den Champion im Boxen gewaltig ins Schwanken bringt und alles andere als ein leichter Gegner für zwischendurch ist. Die Bodenständigkeit sorgt für die Glaubwürdigkeit in dieser Hälfte, die bei anderer Herangehensweise leicht hätte ins Wanken geraten können.

Man merkt dem Autor und dem Regisseur an, dass ihnen der Stoff wertvoll erschien. Er wird mit größtem Respekt vor der Geschichte und den Charakteren umgesetzt. Etwas überrascht war ich von den Trainingssequenzen, hatte ich doch nicht mehr in Erinnerung, dass wir lediglich Rocky bei seinen Vorbereitungen beiwohnen, Apollos Training wird nicht gezeigt. Der Boxkampf wird schließlich zum Highlight des Streifens, so wie es sein soll, so dass „Rocky“ auch in diesem Punkt klassisches amerikanisches Erfolgs-Kino ist. „Rocky“ ist 70er Jahre Kino, er darf trotz großer Kinoauswertung noch langsam und in stillen Tönen erzählt sein. Diesen Luxus gönnte man sich damals noch, und deshalb schaut sich der Streifen auch kaum wie Mainstream, der er seinerzeit eigentlich war.

Rückblickend würde man ihn inszenatorisch aufgrund seiner emotional zurückhaltenden, so gar nicht dramatisch gepuschten, Art dem Europakino zuordnen. Lediglich die erzählte Geschichte drückt ihm endgültig den Amerikastempel auf. Somit ist „Rocky“ selbst dann noch ein beeindruckender Ausnahmefilm, wenn man Stallones Erfolgsgeschichte, die Fortsetzungen des Streifens, oder den Verweis auf den amerikanischen Traum kurzfristig wegblendet. Avildsen hat mit seiner sensiblen, realitätsnahen Umsetzung der Filmwelt ein besonderes Werk beschert. Und mit „Karate Kid“ bewies er im darauffolgenden Jahrzehnt, dass er ein gutes Sportler-Drama selbst dann noch beherrscht, wenn Moral, Kitsch und übermäßige Klischees, kurzum die typischen 80er Jahre-Krankheiten, die dem Kino nachhaltig schaden sollten, mit ins Geschehen treten.


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CREED - ROCKY'S LEGACY (Creed 2015 Ryan Coogler)


Adonis ist der Sohn von Apollo Creed und erst nach dessen Tod geboren. Schon als Kind war er stets in Prügeleien verwickelt. Obwohl er von Creeds Ehefrau adoptiert und auf den bürgerlichen Weg gebracht wird, wächst in Adonis das Verlangen Profi-Boxer zu werden. Er kontaktiert Rocky Balboa, in der Hoffnung dass dieser ihn trainiert. Der möchte zunächst zwar nicht, fasst sich aber dann doch ein Herz um aus dem engagierten Boxer das Bestmögliche herauszuholen. Als bekannt wird, dass Adonis der Sohn des berühmten Creed ist, bekommt er einen Kampf gegen den Weltmeister angeboten...


Rocky in der zweiten Reihe...

Auf die Geschichte von Creeds unehelichen Sohn, der wie sein Vater Boxer werden möchte, hat wohl kaum wer gewartet. „Rocky 6“ war sowohl inhaltlich, als auch vom Retro-Charme her ein überraschend gelungener Abschluss einer einem ans Herz gewachsenen Reihe, und da klang die Idee diese mittels eines Spin-Offs fortzusetzen, in welchem Rocky Balboa zur Nebenfigur eingesetzt wird, nicht gerade einladend. Aber was soll man sagen? Auch wenn „Creed“ nicht an den Vorgänger heranreicht, so ist er doch trotzdem ein sehenswerter Beitrag der Reihe geworden, Teil 1 zwar ähnlich wie „Das Erwachen der Macht“ ein wenig zu sehr imitierend, aber doch sympathisch genug umgesetzt, um ihm dies zu verzeihen.

Wie bereits im für Teil 6 in wichtigen Punkten ignorierten „Rocky 5“, so darf Balboa nun erneut einen jungen Boxer trainieren, kopiert dabei aber nicht die Geschichte des etwas zu Klischee-lastig ausgefallenen Vater-Sohn-Dramas, sondern setzt mit anderen Schwerpunkten versehen überraschend glaubwürdig die Geschichte des direkten Vorgängers „Rocky 6" fort. Adonis ist wie Rocky in seinem ersten Film zunächst nicht wirklich sympathisch zu nennen, aber hier wie dort schließen wir ihn in unser Herz, eben weil wir ihn im Laufe der Zeit näher kennen lernen dürfen, und damit befolgen die Verantwortlichen für „Creed“ die wichtigste Regel der Reihe: das persönliche Drama der Protagonisten steht über den Geschehnissen rund um den Kampfsport. Es geht um Persönlichkeiten, um Charaktere und nicht um seelenlose Kampfmaschinen oder hohle Figuren in menschlichen Hüllen.

Zwar fällt es auf dass es Hollywood verlernt hat seine Helden natürlich zeichnen zu können, Adonis wirkt weniger authentisch als der junge Rocky, aber die Geschichte lenkt von diesen Aspekt gut ab, zumal die Art wie Creed charakterisiert wird sich glaubwürdig der Geschichte fügt - ein Zustand den man damals nicht einmal hätte erwähnen müssen, der im heutigen Kino aber nicht mehr selbstverständlich ist. Zudem steht ihm Rocky stärkend zur Seite, und dessen Präsenz ist weit größer ausgefallen, als ich es in einem Spin-Off vermutet hätte. Zwar tritt Rocky zu Gunsten Creeds in den Hintergrund, aber seiner Geschichte wird fast ebenso viel Beachtung geschenkt, wie jener von Adonis.

Sylvester Stallone kann die Rolle, die ihn einst berühmt machte, im Schlaf spielen und beeindruckt mit dieser Performance immer wieder. Seine Interpretation des mittlerweile über sieben Filme wachsenden Charakters ist der Erfolgsschlüssel dazu, den Helden noch so Klischee strotzende Geschichten durchschreiten zu lassen, am Ende tritt er wie in seinen Kämpfen als Sieger hervor, insofern als dass er selbst inmitten von Unglaubwürdigkeit wie ein greifbarer, echter Mensch wirkt. Die Thematisierung seines Krebsleidens in diesem Teil 7 hätte schnell als theatralisches Dramen-Klischee fehlzünden können, aber es ist die uns mittlerweile stark bekannte innere Orientierung der Rocky-Figur, die solch ein unbequem klingendes Thema zu einem interessanten und emotional nachvollziehbarem Stück Rocky-Biographie macht, ohne dabei einen bitteren Nachgeschmack zu versprühen.

„Creed“ ist versehen mit Anspielungen auf die Vorgänger, manches Mal augenzweinkernd gemeint, manches Mal wehmütig, so dass es auch Ryan Coogles Werk schafft, den Zuschauer nostalgisch zu packen, den Kopf darüber zu schütteln wieviel Zeit doch seit damals vergangen ist, und über all die Charaktere nachzudenken, die im Laufe der Fortsetzungen ihr Leben lassen mussten. Denn genau dies ist kein Nebenaspekt in „Creed“, durch die Figur des Sohnes Apollos gedenkt der Film bewusst den Verstorbenen, begleitet von Gedanken an Adrian, Pauly und Co, die trotz ihres Fernbleibens noch immer das Handeln Rockys, und damit die Handlung des Filmes, beeinflussen.

„Creed“ sieht sich aufgrund der Rückbesinnung auf liebgewonnene Menschen, die nicht mehr unter uns weilen, als Plädoyer davor, dass nicht nur die biologische Familie Familie ist. Es ist der gemeinsame Lebensweg der einen verbrüdern kann. Und wenn auf einem solchen fußend überraschend an Deine Tür geklopft wird, um Familienrechte einzufordern, dann ist Dein Charakter gefragt. Und Rocky war schon immer das Spiegelbild des Zuschauergewissens. Die „Rocky“-Reihe lehrte uns stets das Richtige zu tun, ohne seine Moral dabei zu bitter oder zu streng zu vermitteln. Rocky beweist in „Creed“ (vielleicht ein letztes Mal) Menschlichkeit. Hilfsbereitschaft hört auch im Alter nicht auf, selbst dann wenn man selbst hilfsbedürftig geworden ist. Und „Creed“ zeigt dass diese Pflicht etwas sehr Schönes sein kann.


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Dienstag, 16. Mai 2017

THE RIG (2010 Peter Atencio)


Bei starkem Unwetter geht auf einer Ölplattform ein Seeungeheuer um und tötet die dort arbeitenden Menschen...


Das unheimliche Wesen aus einer feuchten Welt...

Zu Zeiten von „Targoor“, Anfang der 80er Jahre, schien es noch recht reizvoll zu sein den Erfolg „Alien“ zu kopieren. Und auch wenn derlei Aktionen bis heute nicht minder häufig angegangen werden als damals: je mehr Zeit vergeht, desto gelangweilter reagiert man auf alternative Kreaturen, die Gigers Schöpfung kopieren wollen, eingepackt in eine Billigproduktion meist unmotivierter Filmschaffender, die auch etwas vom nimmer enden wollenden Geldkuchen abhaben wollen. So wenig wie die mit Ridley Scotts Film begonnene Kinoreihe enden will (zur Zeit dieser Review startet gerade „Alien Covenant“ in den Kinos), so wenig endet der Versuch mit Blaupausen der dort tätigen Kreatur auf dem Heimvideomarkt Geld zu scheffeln.

Zwar grast Peter Atencio nur die grundlegenden Klischees der immer wiedergekäuerten Monsterfilmchen ab, gerade jener einfallslosen Generation der SyFy-CGI-Genrebeiträge, auf wundersame Art schafft er es jedoch, dass man seine Abziehbilder tatsächlicher Charaktere sympathischer findet als sie es eigentlich wert sind. Ein verständnisvoller Papa, eine taffe Tochter, ein verängstigter Koch, ja selbst der unter der Dusche fickende Prolet, der vor lauter Beischlaf von den Ereignissen auf der Bohrinsel lange Zeit nichts mitbekommt, bekommt gerade ebenso den Bogen zur halbwegs greifbaren Figur. Lediglich die überempanzipierte Agro-Truller, mit der er pimpert, bleibt einem bei ihrer arroganten wie aggressiven Art absolut unsympathisch.

Damit hätte der Film sich bei einer Lauflänge von 50 Minuten über Wasser halten können, aber so sehr wie Richtung 40. Minute langsam Desinteresse beim Zuschauen aufkommt, will das noch halbwegs mittelmäßige Szenario anvisiert auf eine TV-gängige Spielfilm-Laufzeit dann aber doch nicht genug funktionieren, als dass man das viel zu monotone und sich ewig wiederholende Treiben in langweiliger Kulisse tatsächlich auch nur ansatzweise interessiert verfolgen könnte. Und wenn der Haupttrumpf des Drehbuchs dann lediglich darin besteht, dass die Helden nach einer Stunde erkennen, dass sie es mit zwei Kreaturen anstatt mit einer zu tun haben, dann weiß man was man von einem Werk wie „The Platform“ (Alternativtitel) zu halten hat.

Ich bin bei derlei billigen Monsterfilm-Produktionen nun wahrlich oft sehr großzügig mit meinen Besprechungen, eben weil mein Herz seit Kindheit an im Monsterfilm-Bereich schlägt, und ich auch im schnell heruntergekurbelten CGI-Bereich, der von anderen Monsterfilm-Fans so gar nicht gemocht wird, immer wieder den ein oder anderen sympathischen Gehversuch zu entdecken meine. Aber wenn alles so lustlos heruntergekurbelt ist wie in diesem innovationsfreien Stück Langeweile, dann nutzt es auch herzlich wenig, dass die Pseudo-Charaktere zu Beginn mehr Sympathie ausstrahlten als ihre leblose Körperhüllen-Konkurrenz vergleichbarer Streifen. Manch einer von diesen funktionierte mit weniger wirksamer Figurenzeichnungen gar mehr als Atencios Schlaftablette wirksamerer mauer Helden.


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AMPHIBIOUS (2010 Brian Yuzna)


Auf einer schwimmenden Anglerinsel vor Indonesien, auf welcher Kinder unter üblen Bedingungen arbeiten müssen, sind nicht einmal mehr die Unterdrücker sicher, als das aus Holz zusammengezimmerte Konstrukt Tatort der Attacke eines riesigen Skorpions wird. Eine Meeresbiologin und ein Kapitän geraten per Zufall mitten ins Geschehen, als die Bestie gerade die letzten Überlebenden in Schach hält...


Die Magie der Riesenskorpione...

Mit Ruhm hat sich Brian Yuzna mit seiner selbst produzierten Regiearbeit „Amphibious“ nicht bekleckert. Andererseits hat er mit Werken wie „Beneath Still Waters“ und „Rottweiler“ schon weitaus schlechteres abgeliefert. Ohnehin ist er nicht der Horror-Guru der 80er Jahre, wie es manchmal scheint, besitzt Yuzna doch eher das Talent gute Werke wie „Dolls“, „Re-Animator“ und Co zu produzieren. Sitzt er selbst auf dem Regiestuhl kommt eigentlich nie etwas wirklich Geglücktes heraus. Dementsprechend braucht es nicht verwundern, dass sich Yuzna mittlerweile den Begebenheiten der Zeit gefügt hat und nun nahe dem Stil der SyFy-Tier-Produktionen arbeitet, ein Vergleich der sich aufgrund der Thematik und des kostengünstig animierten Monsters geradezu aufdrängt.

Eine Spur besser ist sein Werk im Vergleich dennoch ausgefallen. Und das liegt nicht nur an einer interessanteren Ausgangssituation zum Thema Zwangsarbeit, ein Aufhänger der sich trotzdem ziemlich schnell dem üblichen Handlungsablauf derartiger Schnellschuss-Produktionen fügt, hauptsächlich weiß der in 3D vermarktete „Amphibious“ zu gefallen, weil er Computereffekte mit handgemachten mixt. Und da kommen für eine FSK 16 schon einige derbe Bilder bei rum, die 80er Jahre-Charme mit dem Pixelpulp der 00er Jahre mixt. Nur wenigen wird dies gefallen, aber wer den Unterschied erkennt, wird in der Regel dankbar dafür sein.

Bevor der Skorpion in Ganzaufnahme erscheint, weiß er sogar per CGI zu gefallen, dann werden Menschen lediglich von seinem Stachelschwanz attackiert, und wenn dieser aus dem Meer ragt erinnert dies sogar fast an den Klassiker „Alarm für Sperrzone 7“, eine Zeit lang dachte ich augfrund der teilweise schwer einzuordnenden Animation gar, es mit mehreren Viechern dieser Art zu tun zu haben. Aber es ist tatsächlich nur ein Riesenskorpion, und was es mit dem auf sich hat weiß eigentlich nur Yuznas selbst. Der hat an der Geschichte mitgeschrieben, und diese verrät nie so genau ob die Kreatur nun per Magie oder per Erdbeben erweckt wurde.

So holpert das Konstrukt auch gerne voller Widersprüche, wenn die Kreatur mal als Rächer agiert und dann wieder willkürlich Menschen angreift. Da wir es hier aber mit einer äußerst günstigen 08/15-Produktion zu tun haben, ist jeglicher Gedanke über Sinn und Unsinn ohnehin verschwendete Zeit. Einem Werk wie „Deep Water“ (Alternativtitel) sollte man sich aufgeschlossen und geistlos hingeben, und dann kann er als sympathisches Mittelmaß Vielsehern des Tier-Horrors tatsächlich gefallen, weiß doch so mancher Darsteller hier und da etwas zu retten. Und für den Rest sorgen die Effekte.

Sicherlich gibt es x bessere Horrorfilme, die man stattdessen sichten könnte. „Sea Tremors“ (Alternativtitel) ist nichts was im Gedächtnis hängen bleibt. Aber irgendwie finde ich ihn doch wieder zu sympathisch, als dass ich ihn lediglich als maues Mittelmaß bezeichnen könnte. Dafür versucht Yuzna wiederum viel zu sehr den besagten Hauch mehr zu bieten, als es die lustlos heruntergekurbelten Fließbandproduktionen von SyFy abliefern. Wer nicht zu viel erwartet, kann auf simpler Basis angenehm überrascht werden. Dass „Amphibious“ nur etwas für den geschulten Dauergast der CGI-Monsterfilmchen geworden ist, ist jedoch kein Geheimnis. Bei jedem anderen Publikum wird er lediglich ein Achselzucken ernten.


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Sonntag, 14. Mai 2017

THE FRANKENSTEIN THEORY (2013 Andrew Weiner)


Venkenhein ist der festen Überzeugung, dass einer seiner Vorfahren Frankensteins Monster geschaffen hat und der Roman Mary Shelleys zur Ablenkung der wahren Ereignisse diente. Zusammen mit einem Kamerateam macht er sich auf nach Kanada in den nördlichen Polarkreis, wo er die real existierende Kreatur vermutet...


Frankensteins Yeti...

„The Frankenstein Theory“ ist nach dem klassischen Found Footage-Muster a la „The Blair Witch Project“, „Trollhunter“ und Co aufgemacht, wo ein Film-Team einer Theorie nachgeht, sich Spuren dieser erhofft und von der Wahrheit derart bitter eingeholt wird, dass man nie wieder etwas von ihnen gesehen hat - bis das aufgenommene Material gefunden wird. Sich an dieses Muster zu halten muss nicht zwingend verkehrt sein, bietet es doch eine recht anständige Ausgangslage zu erzählen, was man pseudo-dokumentatorisch erzählen will, es entlarvt untalentierte Filmemacher aber auch ganz schnell als eben solche, da die so einfach klingende Rezeptur wesentlich mehr erfordert, als mit der Handkamera durch irgendwelche interessanten Gebiete zu stampfen und sich genervt voneinander gegenseitig anzubrüllen, bis am Ende alle Kameras zu Boden fallen.

Andrew Weiners Werk ist ein solcher missglückter Versuch, der zwar nicht derart scheitert wie „RAW - Der Fluch der Grete Müller“ oder „Paranormal Investigations 3“, Weiners Beitrag hält sich im mauen Bereich der Mittelmäßigkeit auf, aber auch dies beschert weder ein aufregendes, noch ein annehmbares Ergebnis. Die Motivation des Drehteams ist nicht nachvollziehbar, der ausschlaggebende Venkenhein weder glaubwürdig, noch interessant genug charakterisiert, als dass man sich seine wirren Theorien als reizvolles Gedankenspiel vorzustellen könnte, oder eine funktionierende Mystik dieser Theorie einen Reiz ausstrahlen könnte. Und die Gruppendynamik krankt bereits an der Unglaubwürdigkeit einer jeden Figur, da sich niemand von ihnen wie ein echter Mensch anfühlen möchte.

Das könnte auch ein Manko der deutschen Synchronisation sein, die von mir erstandene DVD enthielt für den Originalton keine deutschen Untertitel, aber bereits die lustlosen Gesichter, die einfallslosen Dialoge und der Mangel aus der schneebedeckten Gegend eine unheilvolle Stimmung herauszuholen, oder zumindest deren Lebensfeindlichkeit für den Menschen herauszukristallisieren, zeigt, dass die Deutschvertonung nicht das einzige Hindernis zu einem guten Ergebnis war. Wenn die begleitende Dokumentarfilmerin den Forschungsleiter immer wieder nur fragt wie es ihm geht, dann will man ihr die Rolle einer engagierten Dokumentarfilmerin bei solch desinteressierter, eintöniger Fragestellung nicht abkaufen.

Dass man die Kreatur selbst, an deren Existenz der Zuschauer deshalb niemals zweifeln würde, weil alles Gezeigte sonst keinen Sinn ergeben würde, erst gegen Ende zu Gesicht bekommt, ist Genre-üblich, darüber braucht man also nicht meckern. Dass man die Kreatur schlicht, als großen Mann, gestaltet hat, wird der Geschichte Shelleys gerecht, wird manch einen aufgrund mangelnder aufregender Erscheinung aber sicherlich trotzdem zum Meckern bringen. Letztendlich wäre „The Frankenstein Theory“ bei anderer Form der Erzählung der ideale Kandidat eines Found Footage-Filmes gewesen, bei dem ein Doku-Team am Ende nicht seiner Legende unterliegt. Es wäre toll gewesen die Auflösung würde beweisen, dass der Team-Leiter sich geirrt hat und alle am Ende bedröppelt und ausgehungert nach Hause fahren. Auf einen solchen Beitrag warte ich noch, Weiner war hierzu nicht bereit.

So präsentiert er uns stattdessen nächtliche Attacken, deren Gruselgeräusche nicht zum Fürchten anstecken, auch dann nicht, wenn Weiner auf die oft unheimlich wirkende Nachtsicht der Kameras zurückgreift. Dass sich selbst in diesen Momenten keine gruselige Stimmung entfalten will, liegt mitunter auch daran, dass die Gefolgschaft viel zu schnell darüber grübelt, ob an der Frankenstein-Theorie doch etwas Wahres dran sein könnte, schließlich klingt das draußen herumwütende Wesen für Laien eigentlich stark nach einem Bär, einer näherliegenden Lösung.

Der ortsansässige Führer durch die Eiswüste referierte zuvor derart intensiv über die Bedrohlichkeit von Bären, dass man sich gewünscht hätte, der Titel diene nur der Ablenkung, um im Found Footage-Verfahren überraschend einen Tier-Horror zu präsentieren. Diese Vorgehensweise hätte zumindest beeindruckt, auch bei mangelnder Wirkung, so aber verlässt man „The Frankenstein Theory“ mit einem müden Achselzucken, leicht gelangweilt aufgrund des immer wieder genutzten Schema Fs, ohne mit ausreichendem Talent ein auch nur ansatzweise gruseliges Ergebnis abzuliefern.


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Samstag, 13. Mai 2017

ROGUE ONE - A STAR WARS STORY (2016 Gareth Edwards)


Die lange für sich selbst sorgende Jyn wird von Rebellen aus der Gefangenschaft des Imperiums befreit und soll ihren Errettern als Gegenleistung den Weg zu ihrem Vater zeigen, der sich als der Erbauer des Todessterns herausstellt...


Die clevere Rache des Erbauers...

Ich tue mich schwer mit „Rogue One“, mag ihn eigentlich dafür, dass er den gröbsten Schnitzer des Original „Krieg der Sterne“ glattbügelt und dieser Reperatur einen Spielfilm-langen Rückblick widmet, wirklich einfühlen konnte ich mich in die Geschichte einer bislang unbekannten Heldenschar jedoch nicht. Ich fand keinen Zugang, konnte nicht eintauchen. Stets blieb mir der Film mit seinen oberflächlich gehaltenen Charakteren und seinem gewollten Bemühen mittels bekannter Elemente „Star Wars“ sein zu wollen, zu künstlich, so dass ich den zwei Stunden Laufzeit zu theoretisch folgte.

So manchen Einfall fand ich gar nicht schlecht. Die Charakterisierung des androiden Mitglieds der Bande empfand ich als ungewöhnlich und bereichernd für die Crew, und auch der asiatische Mann, der mit der Macht verbunden war, ohne deshalb gleich ein Jedi zu sein, besaß ebenfalls seinen Reiz. Kritisch mit den Rebellen umzugehen, indem man thematisiert, dass auch eine Rebellenzusammenkunft seine Zeit und damit diverse Streitigkeiten und Fragwürdigkeiten benötigt, hievten den naiven Erretter-Charme der Ur-Reihe hoch zu einem erwachseneren Umgang, der die Trennung Rebell und Terrorist nicht mehr ganz so zulässt wie die Blauäugigkeit der Vorgänger. Andererseits war es genau jene Blauäugigkeit, die der „Krieg der Sterne“-Reihe der 70er und 80er Jahre jene Leichtigkeit vermittelte und damit eine kurzweilige Popkorn-Atmosphäre schaffte, für welche man diese Filme heutzutage so liebt.

So bin ich gleichzeitig hin- und hergerissen zwischen dem Versuch das „Star Wars“.-Universum erwachsener und dunkler zu gestalten und dem Gedanken daran, ob das überhaupt Not tut, wenn doch gerade der naive Umgang einer klassischen Heldengeschichte den funktionierenden Kern für die Ur-Trilogie ausgemacht hat. Auch der von J.J. Abrams nachgereichte „Das Erwachen der Macht“ lebte trotz des Klonversuchs von Episode 4 von dieser Leichtigkeit und wusste mir aufgrund dessen, und natürlich weil er solch enormen Retrocharme zu versprühen wusste, zu gefallen. Meine Sympathie zu Gareth Edwards‘ Beitrag zur Reihe bleibt jedoch zu reserviert, eben weil ich mich nicht für zwei Stunden in dessen Welt habe entführen lassen können. Das Gesamtergebnis fühlte sich für mich nicht echt an.

Ebenso wenig wie ich tatsächlich herausarbeiten kann woran dieses zu theoretische Schauen nun gelegen haben kann, fällt es mir zudem schwer herauszufinden warum mich die Wiedererweckung Peter Cushings nicht zu überzeugen wusste. Prinzipiell finde ich es ohnehin nicht in Ordnung tote Stars mittels Computeranimation in Filme einzuarbeiten, in denen sie, würden sie noch leben, eventuell gar nicht hätten mitwirken wollen. Ganz zu schweigen davon, dass kein Computerprogramm der Welt und kein fremder Schauspieler, der besagter Animation zur mimischen Echtheit verhilft, wissen kann wie besagter Toter die Weiterführung seiner Rolle interpretiert hätte, und somit keiner wissen kann, wie dieser der uns bekannten Rolle in dieser Weiterführung Leben eingehaucht hätte.

Mein eigentliches Problem mit der Wiederkehr Peter Cushings war jedoch ein Makel am animierten Äußeren. Nahe der Perfektion gestaltet, stimmte mit ihm etwas nicht. Ich konnte ihn nicht als echt annehmen. Und ich weiß nicht, was an der Animation nicht gestimmt hat, dass mein Gehirn sich weigerte für einen Augenblick zu glauben diese Figur sei echt. Ob es die Färbung des Gesichts war, ein Fehler im Blick, ich kann es nicht greifen, irgendetwas stimmte nicht, so dass sich gerade in Cushings Szenen ein noch intensiverer Riss des Eintauchens in die Geschichte für mich einstellte, als ohnehin schon.

Man kann nicht behaupten man wäre um das Projekt „Rogue One - A Star Wars Story“ nicht bemüht gewesen. Wirklich vieles spricht für die Versuche etwas anderes zu schaffen und nicht immer nur die ewig gleiche Soße wie bisher zu präsentieren. Und der kritische Umgang mit dem Patriotismus, der sich auch im düsteren Ausscheidung der uns bislang unbekannten Helden wiederspiegelt, weiß meinen Respekt ebenso zu gewinnen, wie der Nachhall bissiger Kommentare, für welchen die Figuren der Reihe bislang gewitzt bekannt waren, der nach dem bitteren Ende der Rebellen um „Rogue One" deren bisheriger Nutzen für den Erzählwert auf den Kopf stellt und damit den üblicher Weise angegangenen Umgang mit ihnen, das lästerne Ignorieren,  bissig hinterfragt.

Aber mag mich derartiges auch imponieren, eine Rückkehr Darth Vaders das Kind in mir füttern und die Figurenkonstellation trotz ihrer Oberflächlichkeit einen gewissen Grad Sympathie erzeugen, es nutzt alles nichts. „Rogue One“ blieb mir zu theoretisch. Ich konnte nicht in den Film eintauchen, und damit fällt es mir schwer mich zu positiv über diesen düsterer geratenen „Star Wars“-Streifen zu äußern. Ich freue mich für jeden Zuschauer, dem es nicht so erging, kann aber nun einmal nichts an dem Zustand ändern, der mich von diesem Filmerlebnis ausschloss. Schlecht sieht tatsächlich anders aus, und einen Blick sollte ohnehin jeder Freund der Reihe riskieren. Der macht dies aber sowieso und braucht keine Worte Schlombies um diesen Schritt zu wagen.


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Dienstag, 9. Mai 2017

PROMETHEUS - DUNKLE ZEICHEN (Prometheus 2012 Ridley Scott)


Ein Archäologenpärchen bekommt von einem Konzern eine Forschungsreise in den Weltraum finanziert, da sie auf einem bestimmten Planeten aufgrund von Höhlenmalereien den Ort vermuten, an dem sich die Schöpfer der Menschheit befinden...


Verspätete Abtreibung...

Ja, „Prometheus“ ist ein „Alien“-Prequel und ja, die Netzgemeinde diskutierte fleißig ob es ein gelungener oder misslungener Teil besagter Kino-Reihe ist und in wie weit er aufgrund nur angedeuteter Tatsachen überhaupt dazu gehört. Ganz ehrlich? Mir ist das alles scheiß egal. „Prometheus - Dunkle Zeichen“ funktioniert für mich sowohl als eigenständiger Film, sowie als Teil der Reihe. Ich mag ihn, und ich verstehe nicht warum auf ihm so viel herumgehackt wird. Meiner Meinung nach schafft es Ridley Scott gekonnt den philosophisch angehauchten Forschungsbereich der Science Fiction mit dem schleimigen Monsterpart des Horrorfilms zu vereinen und liefert mit besagtem Werk ein kurzweiliges Stück Blockbuster-Kino ab, das weder übertrieben geistreich noch irgendwie dümmlich ausgefallen ist.

Viele der Figuen kommen zu kurz und sind dementsprechend oberflächlich gezeichnet, „Prometheus“ konzentriert sich nun einmal nur so weit auf die jeweiligen Charaktere wie nötig, und das finde ich vollkommen in Ordnung. Der Cyborg ist höchst interessant charakterisiert, zumal selbst seine „bösen“ Taten von ihm nicht als solche gedacht sind, er ist nur eine Maschine und macht da aufgrund fehlender Emotionen keine Unterschiede. Die Wissenschaftler agieren trotz ihrer Berufsgruppe nicht so kühl wie er, da sie sich aber fast schon esoterisch geleitet auf der Suche nach ihrem Schöpfer befinden, ist es geradezu nachvollziehbar, dass sie ihrer Forschung recht emotional angehen. Die kühle Art der Rolle von Charlize Theron mag wiederum genau aufgrund ihrer reduzierten Art zu gefallen. Sie bekommt genau den Grad Spielzeit gewährt, der ihre Rolle interessant und für die Geschichte förderlich wirken lässt.

Über die Landschaften auf dem fremden Planeten, die Forschungseinrichtung der Außerirdischen und die meist schleimig ausgefallenen Kreatureneffekte gibt es wahrlich nichts zu meckern, auch wenn die erste Aufnahme unserer Vorfahren, die direkt zu Beginn gezeigt wird, eher mau wirkt. Aber damit hätten wir den Tiefpunkt des Streifens direkt zu Beginn hinter uns gebracht. Der Rest bietet ein abenteuerliches Szenario mit interessanten Wendungen, undurchsichtigen Verwicklungen und kleinen Verweisen auf die späteren Ereignisse in „Alien“, spannend aufgrund des Rätselratens und der Erwartungshaltung gestaltet, anregend aufgrund der aufgeworfenen Fragen über Schöpfer und Kreatur (auf mehreren Gedankenebenen) ausgefallen und für Genre-Fans ein Leckerbissen aufgrund der Kreaturen und ihrer uns fremden Mentalität.

Nicht nur dass mir „Prometheus“ gegen alle Erwartungen gut gefallen hat (ursprünglich hatte er mich eigentlich gar nicht interessiert), ich freue mich nun auch wie ein Honigkuchenpferd auf die bereits angekündigten Fortsetzungen, denn was lässt ein Science Fiction-Herz wohl höher schlagen, als das Abenteuer das uns aufgrund des Endes von Teil 1 bevor steht? Ich hoffe zumindest, dass eine Fortsetzung auch wirklich auf diese Idee aufbaut, könnten hier fantasiereiche Autoren doch etwas wahrlich Großes schaffen. Für ein Gelingen müsste man inhaltlich jedoch kreativer vorgehen als in diesem sehenswerten „ersten“ Teil, denn bei aller Liebe zu dem Film lässt sich nicht übersehen, dass hier eigentlich nur „Alien“ nacherzählt wird, wenn auch mit völlig anderen Sehwerten und inhaltlichen Schwerpunkten gut davon ablenkend.


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Sonntag, 7. Mai 2017

MATRIX (The Matrix 1999 Andy Wachowski u.a.)


Hacker Neo wird von dem am meisten aller gesuchten Verbrecher, Morpheus, kontaktiert, der ihm anbietet ihm die Wahrheit über unsere Welt zu zeigen. Da Neo unterbewusst schon länger spürt, dass irgendetwas mit ihm selbst oder der Welt nicht zu stimmen scheint, willigt er ein. Doch was Morpheus im zeigt übersteigt alles Erwartete und ist nur schwer zu begreifen: die Welt, wie wir sie kennen ist lediglich eine Computersimulation, geschaffen von künstlichen Intelligenzen, um die Menschheit zu versklaven, ohne dass diese etwas davon merkt...


Rot: Erwachen, Blau: Priapismus...

Eigentlich ist es so, dass „Matrix“ rein inhaltlich das Science Fiction-Genre nicht neu erfindet. Ganz im Gegenteil plündert er sich durch diverse Vorlagen, von denen „Welt am Draht“ und „Dark City“ wohl die einflussreichsten sein dürften. Es ist jedoch die Art wie er die Elemente neu zusammensetzt, was ihn zu einem solch hervorragenden Film macht, setzt er doch die entliehenen Komponenten nicht nur geschickt neu aneinander, wobei er selbst die nachteiligen in ein positives Licht zu rücken weiß, er vereint zudem intellektuelles Kopfkino mit einem Actionorgie-gleichenden Popkornkino, auch wenn Letzteres Ersteres dafür fast komplett zu verschlingen scheint, so dominant wie sich die Schauwerte durchsetzen und so hintergründig, wie die reizvollen philosophischen Ideen in der zweiten Reihe mitspielen.

Perfekt durchdacht ist „Matrix“ nicht wirklich, bilden sich innerhalb des selbst entworfenen Konzeptes über die Regeln in und außerhalb der Matrix doch immer wieder Logiklücken. Diese verzeiht man in der Regel jedoch, da sie das Fortschreiten der Geschichte ermöglichen und somit förderlich anstatt hinderlich sind. Zudem wird uns als Ausgleich eine durchdachte Geschichte in anderen Ebenen des Filmes geboten, so z.B. bei der Reifung Neos zum Auserwählten, dessen Fähigkeiten aufgrund der zuvor genannten Begebenheiten geradezu logisch erscheinen.

Letztendlich widmet sich der Film ohnehin lediglich der Geschichte darüber Neo erkennen zu lassen, dass er der Auserwählte ist. „Matrix“ schließt dieses Kapitel mit einer der besten Schlussszenen, die ich aus diesem Genre kenne, nutzt er mit dieser doch nicht nur den Mythos der um Neo geschaffen wird und die wuchtige Auswirkung, die glorifizierendes Kino auf das Publikum auszustrahlen weiß, er macht uns außerdem zu Mitwirkenden des Filmes, zu Menschen die am Schluss erfahren, dass es nun so weit ist aufgeklärt und befreit zu werden. Das funktioniert nicht nur aufgrund der innerfilmischen Ebene, die von einer 90er Jahre-Welt (der damaligen Gegenwart) erzählt, die von Maschinen beherrscht wird („Terminator“ lässt grüßen), es funktioniert auch deshalb, weil die Geschichte als Sinnbild für vieles in der realen Welt steht, vergleichbar mit der doppelbödigen Thematik eines Zombiefilmes.

Am ehesten bietet sich hierfür der Freiheitsdrang derer an, die verstanden haben, dass die Gesellschaft, wie sie gelebt wird, nicht zwingend so gelebt werden muss. Regeln, Normen und Gesetze wurden vom Menschen erschaffen. Diese kann man über Bord werfen und gesellschaftlich wie kulturell völlig andersartig neu ansetzen. Ob man nun glaubt dass nur wenige von diesem System profitieren, welches die anderen gedankenlos oder gar unwissend mitspielen, oder ob man glaubt dass das Spiel von einigen auf höheren Ebenen gespielt wird, während sich die Masse desinteressiert treiben lässt, beides ist auf das Konzept der „Matrix“ übertragbar, egal ob man den Ist-Zustand dieser Welt als Unterdrückung und Anpassung ansieht, oder als zufällige Variable, zu der die Gesellschaft nun einmal geworden ist.

„Matrix“ gönnt sich als Mainstream-Werk den Luxus wuchtigste Bilder zu präsentieren, mit modernsten Programmen und Techniken zu arbeiten, sprich Unsummen an Geld für das erreichte Ergebnis zu verbrauchen. Die Wachowski-Brüder, die Regie führten, sorgen jedoch dafür, dass sich die Geschichte nie den Schauwerten unterordnet. Stattdessen werden sie zu nützlichen und gern gesehenen Werkzeugen, um die Geschichte auf ein höheres Niveau zu hieven. Werden sie nicht benötigt pausieren sie.

„Matrix“ besitzt etliche ruhigere Phasen, z.B. jene in der das Konzept der Matrix erklärt wird. Auch in solchen Momenten wird der Film nie Kopf-Kino, mittels optischer Spielereien sorgen die Wachowskis stets dafür, dass selbst den Denkfaulen oder Unkonzentrierten unter den Zuschauern nicht langweilig wird. Und dieses Kunststück kombiniert mit einer beeindruckenden Geschichte, sorgt mit der riesigen finanziellen Unterstützung die bereit stand für ein Filmerlebnis, welches selbst heute, fast 20 Jahre später, noch immer umzuhauen weiß.

Die im Vergleich zu heute schwächeren Computeranimationen wissen noch immer zu gefallen und zu überzeugen. Wenige mittlerweile zu gekünstelt wirkende Animationen, wie Feuer oder Aufnahmen des Raumschiffes von Morpheus, werden glücklicher Weise kurz gehalten, so dass die Illusion nicht plötzlich mitten im Film abbricht. Kampfsportszenen, die trotz versteifter Stars hochwertig inszeniert sind, bilden weitere Schauwerte. Aber der eigentliche an sich ist die fantasiereiche Geschichte, die sich nicht auf einer Idee ausruht, sondern uns in ein magisches, wenn auch pessimistisches, alternatives Universum führt, wie es einen seit „Krieg der Sterne“ nicht mehr zu imponieren wusste.

Ob es die konkreten Bilder der Erntemaschinen sind, der Gedanke dass sich junge Menschen in Wirklichkeit von alten Menschen ernähren, der etwas unsinnige, für den Film aber funktionierende, Ansatz die Versklavung mit der Nutzung des Menschen als Batterie zu erklären, das alles sind Ansätze, die zu begeistern wissen und lediglich als Nebensächlichkeit eingebracht sind. Das Gedankenspiel darüber ob Maschinen wissen wie Hühnchen schmeckt, oder darüber dass eine utopisch positiv programmierte Matrix nicht funktioniert hat, bereichern den Film, auch wenn vieles davon, wie bereits erwähnt, nicht erstmals in „Matrix“ thematisiert wird.

Neben diverser Science Fiction-Werke, von denen die Wachowskis sich inspirieren ließen, dient freilich auch das christlich geprägte Leben als Vorlage, deutlich in der Rolle Neos zu erkennen, spätestens wenn er erst auferstehen muss bevor er die Menschheit erretten kann (was selten so viel Sinn ergab, wie im hier besprochenen Film). Es ist aber auch in der Rolle des Morpheus erkennbar, der ein Prediger und Verkünder der Wunder des Auserwählten ist, was sich hier noch in die magische Wunderwelt des Streifens positiv einzufügen weiß, diese Figur in der missratenen Fortsetzung jedoch zum Phrasen dreschenden Missionar machte. Auch buddhistische Anleihen sind erkennbar, meist in den Lehren Morpheus‘, die an die Demut und Unterwerfung des eigenen Ichs zum Finden des eigenen Zentrums dieser Religion erinnern. Tom Cruise hätte sicher gern die Hauptrolle übernommen, denn selbst der Glaube der Scientology wird in den Fähigkeiten Neos erkennbar.

Wie eingangs bereit erwähnt ist es die Kombination mit welcher diese einzelnen Einflüsse und Bausteine zusammengesetzt wurden, die „Matrix“ so einzigartig macht und selbst Cineasten überzeugen sollte, die mit Action, Mainstream und/oder Science Fiction in der Regel nichts anzufangen wissen. Denn „Matrix“ ist nicht nur ausgezeichnetes Genre-Kino, er hat auch tatsächlich etwas (auf mehreren Ebenen) zu erzählen und dies innerhalb eines recht glaubwürdig herübergebrachten Szenarios, welches sich zudem Raum für Spielereien lässt. „Matrix“ ist mehr als der geglückte Blockbuster, der alle Jahre wieder inmitten des üblichen Bullshits im Massenkino erscheint. „Matrix“ ist ein Ausnahmewerk des Mainstreams, sich dessen Vorteilen bedienend, gleichzeitig die Nachteile hinter sich lassend. Bei solch grandiosem Ergebnis braucht es nicht verwundern, dass „Matrix“ die Genres, für die er steht, nachhaltig beeinflusst hat.


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Samstag, 6. Mai 2017

ANGRY BIRDS - DER FILM (The Angry Birds Movie 2016 ClayKaytis u.a.)


Vogel Red ist genervt vom ewig fröhlichen Alltag auf der Vogelinsel. Als eines Tages Schweine an Land kommen und sich recht zwielichtig als Freunde ausgeben, ist Red der einzige, der den Besuchern kritisch gegenüber steht. Und Red soll recht behalten...


Home Tweet Home...

Der auf einem Computerspiel und der darauf gefolgten TV-Serie „Angry Birds“ basierende Kinofilm „Angry Birds - Der Film“ versteht sich zu großen Teilen seiner Geschichte als Appell ans kritische Denken. Er fordert auf Dinge zu hinterfragen. Und das scheint heutzutage wichtiger denn je, geht das Infragestellen vorgesetzter Normen doch immer mehr verloren. Vielleicht könnte man es deswegen gut heißen, dass eine solch wichtige Thematik in einen Mainstreamfilm gesteckt wird, jenem Ort, wo man genau jene erreicht, die das kritische Denken verlernt zu haben scheinen, so sehr wie sie sich auf alles stürzen was in den Massenmedien für gut befunden wird.

Was strategisch einfallsreich und wirksam klingt, erweist sich jedoch als eine Botschaft ertränkt in Party-Action, Klamauk und bunten Bildern, so dass ohnehin nur jene die Botschaft ernst nehmen oder erkennen, die zu diesem Thema ohnehin schon aufgeklärt sind. Der Rest kann sich vom oft geistlosen Getue der Kultvögel zudröhnen lassen, wie ein Seehund mit den Flossen klatschend, wenn starre wiedergekäuerte Erfolgsrezepte von sicher gehen wollenden Produzenten Einfallsreichtum ersetzen und Stangenware getarnt als Provokation servieren. Die kommt freilich so weichgespült daher wie das komplette Genre des familientauglichen 3D-Zeichentrickfilms mittlerweile geworden ist, eine Warnung also für jene die hofften „Angry Birds“ könne der Ausnahmefilm in diesem Meer an übertriebenem Liebreiz, pflichtmäßigem Abarbeiten eines formelhaften Drehbuchs und dem Preisen einer unreflektierten Spaßgesellschaft sein.

Elemente die das Gegenteil suggerieren sind durchaus vorhanden, das zeigt bereits besagter Appell ans kritische Denken. Manche Gags am Rande sind tatsächlich intelligent ausgefallen, Reds zynischer Umgang mit der arglos fröhlichen Gesellschaft zu Beginn treffen den Nerv der Zeit. Und für Deutsche wirkt die hier aufkommende Thematik der Einwanderung aktueller denn je, egal ob man sie gut heißt, verachtet oder ihr kritisch gegenüber steht. Doch wohin führt diese Rezeptur innerhalb eines Filmes, der sich ansonsten gnadenlos den Regeln seines Genres unterwirft, eines das nichts mehr mit dem sympathisch albernen „Shrek“, dem erwachsenerem Humor von „Antz“ oder dem klassischen Zeichentrickcharme von „Toy Story“ zu tun hat, sondern zu einer Filmgattung verkommen ist, welche die Hohlen nährt, den Realitätsverweigerern dabei hilft sich von der Wirklichkeit immer mehr zu entfernen und deren Denken mit den immer wieder propagierten, fragwürdigen, wiederkehrenden Aussagen prägt, zumindest bei jenen die ergänzende (pop)kulturelle Medien ignorieren?

„Angry Birds - Der Film“ ist ein Wolf im Schafspelz, der so tut als ob er aufklären wolle, angepasster aber kaum sein könnte. Das zeigt sich bereits animationstechnisch wenn die zeitgemäß angepassten, innovationslos animierten, kunterbunten 3D-Vögel so gar nicht zum grundlegenden Appell des Films passen wollen (ganz im Gegensatz zu der kurz aufkommenden Sequenz im klassischen Zeichentrickstil, der dem Film gut gestanden hätte). Die nett anzuschauenden grünen Schweine (neben der Vogelbabys das optische Highlight in der Figurenwelt von „Angry Birds“) bekommen einen leicht bitteren Nachgeschmack aufgrund des plumpen Versuches die einfallslos animierten Minions zu kopieren, die von den Stammzuschauern familiengerechter Trickfilme längst zum Kult erklärt wurden (warum kann besagtes Fan-Publikum sicherlich nicht einmal argumentativ erklären, der Kult lebt vom Impuls, warum etwas als gut oder schlecht empfunden wird, wird nicht hinterfragt).

Unterhaltungstechnisch funktioniert „Angry Birds“ zwischendurch trotzdem immer wieder. Das Ärgernis über die von mir angesprochenen Themen bremst den Film nur leider immer wieder aus und lässt einen verärgert (passend zum Film) die Augen verdrehen, denn man erkennt was alles mit diesem Stoff möglich gewesen wäre, wenn man sich nicht dem Massengeschmack hingegeben hätte. Vielleicht schaut sich auch deswegen das geistloser ausgefallene Finale wesentlich entspannter und unterhaltsamer als der lange Mittelteil, kommt einem das Szenario dort doch nicht so geheuchelt vor wie der Rest der Geschichte, so dass die ohnehin fortlaufend enthaltenden sprudelnden Ideen einmal kompromisslos funktionieren können. Somit lässt sich „The Angry Birds Movie“ (Originaltitel) zumindest halbwegs amüsant gucken.


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Donnerstag, 4. Mai 2017

DER TAG, AN DEM DIE ERDE STILLSTAND (The Day the Earth Stood Still 1951 Robert Wise)


Ein Ufo landet auf der Erde. Der Außerirdische, der es steuert, möchte mit den Oberhäuptern der Völker der Erde sprechen. Da es zu keiner Vereinigung aller Volksvertreter kommt, taucht das wie ein Mensch aussehende Alien unter und hofft bei Wissenschaftlern Gehör zu finden, um seine Mission erfolgreich abzuschließen. Sollte dieser Weg scheitern, würde dies das Aus der Erde bedeuten...


Klatuu Barada Nikto...

Der für die 50er Jahre Science Fiction-Welle recht früh entstandende „Der Tag, an dem die Erde stillstand“ hat nichts mit den Invasions- und Monsterfilmchen besagter kommender Welle zu tun. Er gehört zu den humanistischen Werken des Genres, die einen moralischen Appell an ihr Publikum richten. Eine fliegende Untertasse und ein Roboter sind die einzigen übernatürlichen Besonderheiten, die als Gimmick enthalten sind, der Rest ist dank der professionellen Inszenierung von Robert Wise eine ernstzunehmende Geschichte, und in deren Rahmen wissen sogar das Ufo und der Roboter weit weniger lächerlich zu wirken, als derartige Besonderheiten aus Konkurrenzfilmen.

„Der Tag, an dem die Erde still stand“ (Alternativtitel) hat das Herz am rechten Fleck. Er warnt vor kommenden Waffen, ist ein Appell gegen den Krieg. Trotz seines erhobenen Zeigefingers wirkt er dennoch nie zu moralinsauer, dafür kommt die Inszenierung zu verspielt daher. Klatuu lächelt schelmisch, wenn der Mensch scheinbar wichtige Dinge sagt und sich doch nur wie ein Kind benimmt. Klatuu soll den Menschen wachrütteln, ihn erziehen, wie ein Vater, aber er ist ein verständnisvoller Vater, einer der manches Mal nur den Kopf schütteln kann, wenn er dabei zusehen muss, wie sein Zögling, der Mensch, wieder einmal bockig reagiert.

Ob die Erde zerstört wird oder nicht liegt nicht in seiner Macht, nicht einmal die Aufforderung zum Frieden, oder die Zerstörung der Erde bei Nichtgelingen der Mission. Er ist lediglich ein Verkünder, Jesus lässt grüßen, wie vielerorts zur Figur Klatuu geurteilt wird. Dass Klatuu weit weniger Verständnis aufbringen kann, als es seinem Charakter gerecht würde, liegt an dem engen Zeitplan dem er sich zu unterwerfen hat. Seine Liebe zum Menschen ginge nie so weit um das Ende der Welt zu verhindern, dafür denkt er zu neutral. Er will sich nicht in die Geschichte der Menschheit einmischen, solange andere Planeten nicht betroffen sind. Den Untergang der Erde würde er sich jedoch nicht wünschen. Diese Umschreibung seines Charakters zeigt auf wie durchdacht man im Gegensatz zu den vielen schnell heruntergekurbelten Invasionsstreifen dieser Zeit vorging. Wises Werk ist ein intelligent erzählter Streifen, und der Regisseur schafft es diesen nicht komplett verkopft wirken zu lassen. Das Abenteuer Weltraum spielt stets mit.

Trotz der Schwerlastigkeit der Geschichte und ihrer starken Tendenz Richtung Drama bleibt durch den Blickwinkel des kleinen Jungen doch immer auch der Abenteuergehalt des Science Fiction-Genres erhalten, wenn auch nicht so dominant ausgeprägt wie im Genre sonst üblich. Aber diese Tendenz zur Auflockerung der Gesamtgeschichte durch das Füttern des Kindes im Manne bezüglich der Faszination einer außerirdischen Kultur, zeigt sehr deutlich das Talent von Robert Wise, der es in verschiedenen Genres verstand großartige Werke zu kreieren. Im Science Fiction-Bereich verdanken wir ihm zudem noch den Forscherfilm „Andromeda - Tödlicher Staub aus dem All“ und die erfolgreiche, von Fans aber nicht gern gesehene, Transformation der naiven TV-Serie „Raumschiff Enterprise“ zur ernsthafteren Variante „Star Trek - Der Film“ für die große Leinwand.

In seinen Händen wird „The Day The Earth Stood Still“ (Originaltitel), der auf einer Kurzgeschichte basiert, zu einem reifen Ergebnis, sicherlich mit Blick von heute angereichert mit nostalgischem Charme, aber nicht minder ernst zu nehmen als zur Veröffentlichungszeit. Gute Mimen und eine professionelle Umsetzung sorgen dafür, dass „Der Tag, an dem die Erde stillstand“ eben nicht das vergangene, zu belächelnde Produkt ist, zu das viele andere Werke dieser Dekade geworden sind. So simpel die Botschaft auch aufgedrückt wird, und so Retro wie sich der Schwarz/Weiß-Streifen heutzutage auch schaut, unfreiwillig komisch wirkt das heutzutage keinesfalls. Dafür ist der Film viel zu gut umgesetzt.


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METALUNA 4 ANTWORTET NICHT (This Island Earth 1955 Joseph M. Newman)


Der ungewöhnlich aussehende Wissenschaftler Exeter bittet Dr. Meacham ihm bei einem Projekt zu helfen, an dem bereits mehrere Wissenschaftler arbeiten. Exeter ist ein Außerirdischer vom Planeten Metaluna und beteuert lediglich friedliche Absichten zu haben. Dr. Meacham traut dem Mann jedoch nicht, deutet doch jegliche Forschungsaufgabe auf das Ziel hin nukleare Energien zu erschaffen...


Ausflug in den Krieg...

„Metaluna 4 antwortet nicht“ muss seiner Zeit die Fantasie Kleiner wie Großer ungeheuer angeregt haben, bietet er doch Bilder und Szenarien, die es so zuvor so nicht auf der großen Leinwand zu sehen gab. Joseph M. Newmans Film, von dem es heißt Jack Arnold wäre für einige Nachdrehs engagiert worden, gilt nicht umsonst als das erste Science Fiction-Werk mit integriertem Sternenkrieg, auch wenn man auf diesen länger warten muss, als man es aus heutigen Werken gewohnt ist. Dennoch beginnt die Geschichte keineswegs langweilig, startet man nach einer kurzen Einführung der Figur um Dr. Meacham in einer ungewöhnlichen Situation doch mit einem neugierig machendem Gimmick, mit dem man später auch die Anfangsphase von „Contact“ bereicherte: Menschen bauen basierend auf der Anleitung Unbekannter aus fremdartigen Materialien  etwas zusammen, von dem sie nicht wissen was es wird wenn es fertig ist.

Das Drehbuch ist damit nicht nur darauf ausgelegt, dass stets die Neugierde beim Publikum geweckt bleibt, es bildet damit auch einen glaubwürdigen Plot und eine Verbindung zur Hauptfigur, dem Wissenschaftler. Denn welcher Forscher würde sich nicht auf das unbekannte Abenteuer einlassen, welches der ominöse Exeter ihm ohne weitere Informationen anbietet? Letztendlich besteht „War of the Planets“ (Alternativtitel) aus drei Phasen: dem Forschen im eigenen Labor, dem Forschen für Exeter inklusive Misstrauen und schließlich aus dem Flug nach Metaluna, in der Hoffnung die Arbeit dort fortsetzen zu können.

Der erste Part bekommt die meiste Laufzeit beschert. Das ist etwas schade. Nicht etwa, weil es der uninteressanteste Part der Geschichte wäre, ein solcher existiert überhaupt nicht. Aber leider wurden kommerzielle Kinoproduktionen früher immer auf die übliche Laufzeit getrimmt, und so kommen die Phasen in Exeters Laborparadies und jene auf Metaluna zu kurz, um sie thematisch befriedigend vertiefen zu können. Gerade die mittlere Phase hätte mehr Zeit benötigt, Zeit um alles erklärt zu bekommen und sich einzuleben, Zeit um Misstrauen zu wecken, Zeit um zu rebellieren. Auf den kurzen Zeitraum gesehen wirkt alles zu willkürlich, und das passt nicht zu den Figuren, von denen keiner undurchdacht handelt oder charakterlich nur gut oder böse gezeichnet ist.

Das muss man einem Film aus dieser frühen Schaffenszeit verzeihen, als Prototyp mussten nun einmal klassische Regeln eingehalten werden, und das betraf nun einmal auch die Laufzeit. Aber Grund zu klagen gibt es ohnehin nicht wirklich, wird doch mit dem Abflug von der Erde nach Metaluna nun wahrlich nicht mit Schauwerten gegeizt, während gleichzeitig der stets vorhandene Spannungsbogen erhalten bleibt. Ideen hatten die Autoren genug, egal ob man mit der Idee der Druckausgleichskammer sympathisiert oder mit den Ameisenmenschen, die trotz ihrer enorm großen Gehirne dümmliche Sklaven sind. Auch das Zusammentreffen sich nicht einig werdender Mentalitäten weiß zu gefallen, da beide Seiten die andere für arrogant halten.

Aber auch diese vielen wunderschönen Ideen und all die für seine Zeit großartig gestalteten Bilder von Planeten, Städten und interstellarem Krieg, können nicht darüber hinweg täuschen, dass sich der Flug nach Metaluna lediglich wie ein Schulausflug anfühlt. Kaum kommt man an, muss man auch wieder weg. So sehr das auch vom Spannungsbogen und der durchaus vorhandenen Dramaturgie aufgefangen und erklärt wird, es fühlt sich zu kurz an. Das liegt aber freilich an den Sehgewohnheiten von heute, die nach mehr, mehr, mehr schreien. Man sollte eigentlich nicht klagen, bei all dem was „Metaluna IV antortet nicht“ zu bieten hat. Aber ich bin in solchen Dingen nun einmal gierig veranlagt. Ich konnte mich nicht satt sehen, und ich hätte gerne viel mehr gesehen und erfahren.

Leider ermöglichte das Ende keine Fortsetzung im eigentlichem Sinne, könnte man eine solche doch höchstens auf den Feind der Metalunarer aufbauen, von dem wir so gar nichts wissen. Vielleicht ist es ganz gut so, dass es zu einer solchen nie gekommen ist. Zumindest zeigt die Schlusssituation wie gut es einer Geschichte tun kann, nicht immer mit einer möglichen Fortsetzung zu spekulieren, wie es in heutigen Produktionen leider üblich ist. Die Konsequenz des Endes der Geschichte unterstreicht schließlich noch einmal die Dramatik einer untergegangenen Welt, und da wir über diese kaum etwas wussten, zeigt es uns wie klein und vergänglich auch die Errungenschaften unserer Zivilisation sind. Vergleichen könnte man den Untergang des Metaluna-Wissens mit dem Szenario aus „Alarm im Weltall“. Ein wenig erinnert es mich auch an den untergegangenen Planeten Krypton aus „Superman“.


Weitere Besprechungen zu METALUNA 4 ANTWORTET NICHT: 


A GOD WITHOUT A UNIVERSE (Gudsforladt 2015 Kasper Juhl)


Mia freut sich ungemein. Ihr großer Bruder Anders kommt endlich aus dem Knast heraus. Seit er sie vor ihrem Vater gerettet hat, indem er diesen tötete, hat sie sich in ihn als Heldenfigur verrannt. Nun begehrt sie ihn und möchte ihn nicht mit anderen Frauen teilen, ein Seelenzustand der ihr nicht gut bekommt. Anders, der wieder in sein kriminelles Muster zurückfällt, geht es in der gewaltbereiten Umgebungen mit der er es wieder zu tun bekommt nicht anders...


Unwohlsein in einer Welt voller Misshandlung...

Kasper Juhl packt sein Publikum nicht mit Samthandschuhen an. „A God Without a Universe“ ist rau und ungeschönt erzählt, berichtet von den unangenehmsten Ecken unserer Gesellschaft, die wir emotional zu Recht gerne ausblenden, um uns wohler zu fühlen, und zeigt uns jene Personen, die mitten in diesem sozialen Dreck leben, teils mitverantwortlich an der Situation, teils nur überfordert aus diesem Milieu heraus zu kommen. Gewalt erzeugt Gewalt. Mia ist durch die problematische Vergangenheit ihrer Familie seelisch kaputt, flüchtet sich in ihrer Vorstellung und später auch real in Zärtlichkeiten mit ihrem Bruder, ist aus Eifersucht aber auch zur Gewalt bereit, so abgestumpft wie sie geistig durch den Tag geht.

Inzest, Vergewaltigung, Mädchenhandel, Juhl will keine wirkliche Sozialstudie abliefern, letztendlich will er nur provozieren, und das ist das störende am Ergebnis des hervorragend geschauspielerten „A.G.W.A.U.“ (Alternativtitel). Da man dies nach einiger Zeit merkt, versteht man auch nicht, warum man sich die Abscheulichkeiten, die er einem vorsetzt, antun soll. Es kommt wederzu einem Augenblick der Entladung, die den Zuschauer irgendwann aus diesen asozialen Bildern befreit, noch nutzt es was das Gesicht in die soziale Scheiße gesteckt zu bekommen, da „A God Without a Universe“ nicht aufklärt oder zum nachdenken anregt. Er zeigt lediglich eine asoziale Welt. Punkt und aus.

Das ist sehr schade, denn Juhl versteht es durchaus stimmige Bilder einzufangen und die dreckige Atmosphäre ebenso greifbar zu machen, wie die wenigen sensiblen Momente, die den Protagonisten wiederfährt. Von mangelndem Talent kann man da eigentlich nicht reden. Es ist wohl mehr der Drang unbedingt das Underground-Publikum befriedigen zu wollen, anstatt einen ausgereiften Film zu präsentieren, der dem fertigen Werk, dem ich keinesfalls sympathiefrei gegenüberstehe, ein Beinchen stellt.


GONE GIRL - DAS PERFEKTE OPFER (Gone Girl 2014 David Fincher)


Am Tag ihres fünften Hochzeitstages kehrt Nick Dunne heim und findet anstatt seiner Frau Amy ein Chaos im Wohnzimmer vor. Die Polizei ermittelt im Fall der verschwundenen Ehefrau, Ungereimtheiten am Tatort und in den Aussagen Nicks lassen den Ehemann als Tatverdächtigen darstehen. Hat Nick seine Frau ermordet? Alles im Tagebuch von Amy deutet darauf hin...


Gefängnis Ehe...

Auf David Fincher ist Verlass. Wenn dieser einen Thriller dreht, dann darf man etwas Besonderes erwarten. Er wiederholt sich bei seinen Werken gleichen Genres nicht, bei ihm muss man immer mit etwas Neuem rechnen. „Gone Girl“ besitzt nicht nur Finchers typisch edlen Inszenierungsstil aus Ruhe und dem Gespür für Tempo innerhalb dieser Ruhe, überraschende Wendungen und eine ungewöhnliche Art der Erzählung fordern den Zuschauer immer wieder heraus sich um zu orientieren, sich auf neue Blickwinkel und veränderte Fakten einzustellen - und diese sogar akzeptieren zu müssen, was gar nicht so leicht ist, wenn man zuvor so intensiv in eine andere Richtung manipuliert wurde.

Der Mix aus Drama und Thriller geht in seiner ersten Phase eher Genre-routiniert vonstatten, wenn auch auf hohem Niveau. Als Zuschauer weiß man nicht was man von den Informationen halten soll, die einem zugespielt werden, Nick scheint mehr als verdächtig, scheint das Unschuldslamm nur zu spielen, andererseits erwartet man eine Überraschung, die einem aus dieser Perspektive heraus hilft. Doch die Beweise schnüren sich immer enger um den Hals des Ehemanns, nicht nur zur Meinungsbildung dessen Umfeldes, sondern auch jener des Zuschauers. Nachdem dies recht lange Zeit so geht wird man plötzlich in die Wahrheit eingeweiht, und dies so schonungslos, urplötzlich und rapide, dass man kaum glauben kann was man da sieht.

Fincher schafft es mit immer neuen besorgnisrregenden Szenen, dass dieser Zustand nicht, wie man erwarten würde, nach einiger Zeit wieder verschwindet, um von nun an mit neuen Fakten klar zu sehen, man kann einfach weiterhin nicht fassen was die Wahrheit ist, und dieser Bann lässt einen bis zum Schluss nicht los. Das ist nicht nur ein großartiger Effekt, aufgrund der Ereignisse bis zum Schluss ist man gar bereit den Streifen möglichst bald ein zweites Mal zu sehen, denn so einige Dinge müssen sortiert werden, um das Gezeigte verarbeiten zu können. Nicht falsch verstehen, man ist nach dem Sichten nicht nervlich fertig wie bei Filmen a la „12 Monkeys“ oder "Das Experiment", man benötigt diese Zweitsichtung um die zweite Hälfte endgültig akzeptieren zu können.

Der Film, der sich hinter dem wundervoll doppelbödigen deutschen Titel „Gone Girl - Ein perfektes Opfer“ verbirgt, ist wahrlich ein besonderes Seherlebnis, auch wenn ihm das grandiose Etwas, welches „The Social Network“ und „Zodiac - Die Spur des Killers“ zu solch herausragenden Fincher-Filmen werden ließ, fehlt um zum Olymp des Thriller-Kinos dazu zu gehören. Den Fehler den Fincher meiner Meinung nach macht, ist dass er zur Aufklärung der Situation keine unklaren Graustufen mehr hinterlässt. Am Ende ist alles überdeutlich aufgelöst, wie extrem auch immer die Wahrheit aussieht. Restzweifel gibt es nicht.

So hat das Publikum nichts worüber es nach dem Sichten noch senieren kann. Nichts bleibt der Phantasie überlassen - abgesehen von der Schlusssituation, aber warum sollte man sich über deren Weiterentwicklung Gedanken machen, so surreal wie sie einem fast erscheint? Die Geschichte könnte nicht weiter erzählt werden, ohne zu einer schwarzhumorigen Satire zu verkommen, die man in ihrer Extreme nicht mehr ernst nehmen könnte. Von daher schließt der Film am richtigen Punkt, so lange „Gone Girl“ sich noch halbwegs in einer nachvollziehbaren Realität befindet.

Auf der Darstellerseite gibt es wahre Überraschungen zu erleben. Die mich optisch an Julia Stiles erinnernde Rosamund Pike, die mir, trotz einiger mir bekannter Filme in denen sie mitspielte, nie in Erinnerung blieb und somit nie sonderlich aufgefallen ist, spielt ihre facettenreiche Rolle in jeglicher Phase gut, vielleicht nicht immer glaubwürdig, manches mal leicht Comic-überzogen, aber auch das wusste mir zu gefallen. Zudem war es schön Neil Patrick Harris, der die einzig sympathische Hauptfigur in der überschätzten Serie „How I Met Your Mother“ spielte, einmal in einem Projekt zu entdecken, welches seine Möglichkeiten erweitert. Dementsprechen gekonnt nutzt er die Chance, so dass man hoffen darf ihn nun öfter in solchen Werken sichten zu dürfen. Und auch der manchmal aufgrund seiner Muskeln zu steif wirkende Ben Affleck überzeugt so kurz nach seiner überraschend gelungenen Darbietung in „Batman v Superman“ erneut (bzw. eigentlich anders herum, da die Filme in umgekehrter Reihenfolge entstanden sind).

Fincher hat es wieder einmal geschafft. Auch sein neuer Thriller ist wieder alles andere als Durchschnitt geworden. Und bei all den Möglichkeiten alternativer Wahrheiten, die man während des Sichtens der ersten Phase für sich als Zuschauer durchspielen kann, schafft er es, dass man selbst bei der richtigen Vermutung nie auch nur ahnen würde, wie extrem die Wahrheit tatsächlich aussieht. So oder so lässt sich die Entwicklung der Geschichte nicht vorraussehen, so sehr spielt Fincher mit den Erwartungen des Publikums. Gegen Ende wäre es mir lieber gewesen, er hätte die letzte Erwartung erfüllt, manch anderer wird den Schluss aufgrund der Bissigkeit aber sicherlich als das Pünktchen auf dem I betrachten. Mir persönlich wäre eine konventionelle erfolgreiche Flucht aus der Situation lieber gewesen.


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