THE ASPHYX (1972 Peter Newbrook)


Ende des 19. Jahrhunderts entdeckt ein Adliger bei seinem morbiden Hobby Tote zu fotografieren einen Fleck auf jeglichen Bildern, die direkt während des Sterbeprozesses festgehalten wurden. Was zunächst als die Körper verlassenen Seelen vermutet wird, erweist sich bei einer zufälligen Filmaufnahme als ein Wesen, welches sich dem Körper nähert, anstatt sich von ihm zu entfernen. In dem Adligen wächst der Gedanke einen solchen Todesgeist einzufangen, in der Hoffnung dadurch unsterbliches Leben zu erlangen...


Was blaue Kristalle von weißen unterscheidet...

Etwas naiv mag sie ja ausgefallen sein, aber reizvoll ist die Geschichte von „The Asphyx“ durchaus, auch wenn sie in weit fortgeschrittenen Zeiten der Nutzung des Mediums Films auf den Glauben setzt, dass einzig zu Beginn der laufenden Bilder ein gerade Sterbender, und somit ein Asphyx, auf Film eingefangen wurde. Wahrscheinlich erwartete man vom Zuschauer automatisch, dass dieser ohnehin weiß gerade nur einer fiktiven Geschichte beizuwohnen, wofür sollte man also all zu glaubwürdig werden? Auch das eher an Theater anstatt an Spielfilme erinnernde Agieren der Schauspieler spricht für solch eine Denkweise, und letztendlich hätten die Verantwortlichen von „The Asphyx“ damit auch recht, eine solch naive Geschichte bleibt im Bewusstsein des Zuschauers auch beim tieferen Eintauchen Fiktion. Aber gerade deshalb hätte der Grusler von Regisseur Peter Newbrook im Gegenzug unbedingt stimmungsvoller ausfallen müssen.

Man mag sich kaum ausmalen welch wundervoller Film unter der Produktion der Hammer-Studios aus dieser sympathischen Geschichte entstanden wäre, die sich nie all zu lange auf einer Idee ausruht und seine Protagonisten während ihrer Forschung erfreulicher Weise sogar oftmals Falsches vermuten lässt. An anderer Stelle finden die Fortschritte der Forschung wiederum zu arg beschleunigt statt und die Erkenntnisse scheinen wie aus dem Nichts zu kommen. So wie der Asphyx erklärt wird, steht zum Beispiel keinerlei Zusammenhang zu einer Vermutung durch sein Einfangen könne man ewiges Leben erlangen. Genau dieser Schluss wird jedoch ohne Zweifel automatisch aus ersten Erkenntnissen gezogen.

Das könnte man alles noch als Kleinkrämerei bezeichnen, wenn „Experiments“ (Alternativtitel) an sich als kleiner Grusler für zwischendurch funktionieren würde, aber dafür stehen ihm drei Dinge im Weg. Zum einen ist das theoretisch morbide Szenario viel zu lebensfroh eingefangen, selbst in anfänglich dramatischen Momenten, zum anderen wurde sich im Bereich der Deko wenig Mühe gegeben. Alles wirkt steril, der stimmige Gothik-Look vergleichbarer Werke dieser Zeit fehlt. Am ärgerlichsten ist jedoch die Besetzung der Hauptrolle ausgefallen. Wo ein Cushing eine Glanzleistung aus den Vorgaben des Charakters herausgeholt hätte, wirkt ein durchaus engagierter Robert Stephens mimisch leider wie ein Komiker, der in ein ernstes Genre gesetzt wurde. Zu fröhlich wie der Grundton des Streifens kommt er mimisch daher, und wenn die Geschichte zum Ende hin düstere Wolken über das Geschehen legt, bekommt der gute Mann nicht einmal die tragischen Momente mit seinem lustig scheinenden, zu rundem Gesicht glaubwürdig gespielt.

Man kann es dementsprechend als Stärke des Drehbuchs bezeichnen, dass diese dramatischen Momente trotzdem halbwegs zu wirken wissen. Der Gedanke was das dort Geschehene für einen Menschen wirklich bedeuten muss ist erschütternd, aber eben auch nur in solcher Theorie gedacht. Den zu unecht spielenden Darstellern in ihrer zu schlicht ausgefallenen Theaterdeko kann man diese Empathie nicht wirklich entgegenbringen. Dafür wirkt alles zu gespielt und frei jedweder morbiden Atmosphäre abgefilmt. Das wirkt sich leider auch auf andere Bereiche aus. Das abwechslungsreiche, augenzwinkernde Wechselspiel der Selbstmordmethoden im Laufe der Geschichte, hätte ein sympathisches Gimmick für den Film werden können, zumindest wenn man den Figuren charakterlich einen solch experimentierfreudigen Touch zusprechen würde. Da man dies jedoch nicht tut, wirkt der Wechsel der Tötungsmethoden unglaubwürdig und aufgesetzt anstatt kultig.

Die Geschichte ist stark genug ausgefallen, um das Treiben theoretisch interessiert bis zum Schluss zu verfolgen. Aber immer wieder erwichte ich mich dabei mir vorzustellen wie dieser naive, wie hochgradig sympathische Plot wohl in den Händen besserer Filmemacher ausgefallen wäre. Wäre die Zeit für derartige Filme nicht längst vorbei, würde ich mit einer Neuverfilmung sympathisieren, aber die würde bei heutigen Methoden wohl kaum besser ausfallen als der bislang einzige Versuch aus dem Jahre 1972. Freilich freue ich mich trotzdem, dass es der damals billig auf VHS verramschte Film mittlerweile bei uns auf DVD geschafft hat. Den nicht korrekturgelesenen deutschen Untertitel, der vor fehlenden Wörtern, Rechtschreibfehlern und zu kurz eingeblendeter längerer Textstellen nur so strotzt, hat „The Asphyx“ jedoch auch in seiner Mittelmäßigkeit nicht verdient.


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