Sonntag, 20. August 2017

THE FINAL GIRLS (2015 Todd Strauss-Schulson)


Die junge Max wird zusammen mit ein paar Bekannten in einen Horrorfilm gesogen, in dem einst ihre mittlerweile verstorbene Mutter mitgespielt hat. Nun muss sich die Gruppe inmitten des Filmes an die üblichen Regeln des Slasher-Genres halten, in der Hoffnung nicht vom Serienkiller getötet zu werden...


Selfie mit einem Serienkiller...

Der Horrorfilm wird gut und gerne parodiert, und hierfür werden verschiedenste Wege genutzt. „Scary Movie“ setzte wie einst "Frankenstein Junior" und „Was macht der Tote auf der Wäscheleine“ auf zitierte Szenen aus speziell gewählten Filmen, meist auf zotige Art, „Tucker and Dale vs. Evil“ und „Wasting Away“ nutzten die Idee der Plotverdrehung, um ein häufig verwendetes Klischee des Bösestempels für eine bestimmte Gruppe Mensch/Wesen zu veralbern, „Behind the Mask“ nutzte die Entmystifizierung des übernatürlichen Scheins von Slasher-Killern, um die Regeln dieses Sub-Genres zu veralbern, und „The Final Girls“ versucht den typischen 80er Jahre-Slasher mittels einer Metaebenenerzählung zu parodieren, indem Zuschauer in einen solchen hingesogen werden und den Regeln des Genres unterliegen.

Ganz gelingen will ihm dies trotz deutlicher Anspielung auf „Freitag der 13.“ nicht wirklich, obwohl er sich nicht einzig auf die Killerregeln von Streifen dieser Zeit konzentriert. Das sexuell notgeile Verhalten amerikanischer Kino-Teenies wird aufgegriffen, der Kulturzusammenstoß in Sachen Mode und Verhaltensweisen beider Jahrzehnte dient der humoristischen Konfrontation, und auch Hintergrundgeräusche, Rückblenden, Filmlänge und Schrifteinblenden finden ihren Platz im Veralbern der berühmten und geliebten Vorbilder. Somit haben auch jene Zuschauer, denen subtile Übereinstimmungen mit dem zu parodierenden Genre nicht auffallen, Berührungspunkte mit dem Medium Film um sich auf der Metaebene zurecht zu finden.

So konsequent wie sich „The Final Girls“ mit diesen Zusatzelementen befasst, ist der finale Gag des Streifens eigentlich leider ein offenes Buch, zumal man in der Phase, in welcher die Geschichte noch in unserer Realität spielt, immer wieder darauf gestoßen wird, dass Max und ihre Bekannten in eine Doppelvorstellung gehen. Nun macht ein erratener Schluss einen Film nicht gleich zu einem schlechten Ergebnis, oftmals reizt das Erleben des Erahnten sogar, so dass dies positiv auf ein cineastisches Werk wirken kann, dem Schluss-Gag ergeht es hier diesbezüglich jedoch nicht anders als den vielen anderen humoristischen Seitenhieben dieses nett gemeinten Streifens: er will nicht wirklich funktionieren.

Inmitten einer solide wirkenden Inszenierung, deren Handlungsverlauf halbwegs normal erzählt ist, neigt man an den zu parodierenden Stellen stets zu zotenhafter Übertreibung. Selbst die Jason-Maske wird sehr übertrieben verarscht. Dieses extreme Herumgealber weiß durchaus manches Mal zu belustigen, meist wirkt der Humor aufgrund dieser Herangehensweise jedoch zu gewollt und fast schon ängstlich, so als wolle man bloß sicher gehen, dass der Zuschauer auch wirklich gerade versteht was hier veralbert werden soll. Den psychologischen Kern solcher Filme hat man ohnehin nicht begriffen, der bleibt unangetastet. Und die Symboliken, die in „Behind the Mask“ so gekonnt per Interviewsequenzen benannt und damit humoristisch verarbeitet werden, scheinen in „The Final Girls“ ebenfalls niemandem bewusst zu sein.

So erlebt man einen oberflächlich angegangenen Parodieversuch mit überdrehtem Herumgealber inmitten einer halbwegs bodenständig angegangenen Grundhandlung, die allein deswegen nicht so überdreht ausfallen darf wie die Parodieelemente, weil sie einen wichtigen dramatischen Aspekt zur Grundlage hat, der für die innerfilmische Dramatisierung wichtig ist. Schließlich ist Max nie wirklich über den frühen Tod ihrer Mutter hinweggekommen und trifft nun auf deren Film-Ich, mit dem sie sich aufgrund ihres Beschützerinstinktes anfreundet. Interessanter Weise wissen die emotionalen Momente weit mehr zu überzeugen, als die parodistischen, und dies obwohl sie immer wieder von besagten Zoten unterbrochen werden und auch manches Mal zum überzogenen Kino-Kitsch tendieren.

Trotzdem muss man schon ein sehr dickes Fell besitzen, um den tragischen Aspekt der Geschichte, gerade gegen Ende, nicht mitfühlen zu können. Komplett funktioniert dies freilich nicht, da die eingesogenen „realen“ Figuren ebenso Kinoklischee der heutigen Filme sind, wie die „fiktiven“ Figuren Stereotype des 80er Jahre-Kinos sind. Das ist meiner Meinung nach auch ein Fehler für einen Film, der eigentlich die Kinokrankheiten von damals verulken möchte. Sowohl dem Parodieelement, als auch der emotionalen Ebene schadet diese Fehlentscheidung jedoch nur bedingt, denn hier wie dort funktioniert „The Final Girls“ stets halbwegs, dramatisch intensiver als humoristisch, aber zumindest intensiv genug um halbwegs amüsiert bis zum Schluss des Filmes zu gelangen.

Wirklich unterhaltsam, geschweige denn parodistisch befriedigend ist das Ergebnis jedoch nicht ausgefallen, dafür erscheint „The Final Girls“ zu gewollt und wirkt einfach selbst zu sehr wie ein Film, eben auch weil vieles nur theoretisch beim Zuschauer ankommt. Man versteht was gemeint ist, aber man nimmt es eher mit einem Achselzucken wahr als mit einem Lacher oder einem emotionalen Einfinden. Wer auf den Aspekt der Metaebenen verzichten kann und es gerne zotig mag, der sollte das Slasher-Genre eher mit „Club Mad“ veralbern lassen. Da stimmt zumindest der Grundton um hemmungslos herumalbern zu können. „The Final Girls“ weiß zwar was er will, aber nicht wirklich was er ist und wie er seine Ziele effektiv verfolgen kann. Bis auf ein paar sympathische Parodiemomente, einige Lacher und besagte emotionale Momente hat er leider wenig zu bieten.


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