Donnerstag, 23. März 2017

DER FROSCH MIT DER MASKE (1959 Harald Reinl)


Seit einigen Jahren erpresst, klaut und mordet sich der Frosch mit seiner immer größer werdenden Verbrecherbande durch London. Nun hat Inspektor Elk erstmals eine Spur, und die führt in die zwielichtige Lolita-Bar...


Wenn die Jukebox warnt...

Erst 25 Jahre nach der Komödie „Der Doppelgänger“ sollte es wieder eine deutsche Kinoproduktion zu den Vorlagen von Edgar Wallace geben. 1959 startete „Der Frosch mit der Maske“, der gleich als erster einer als Serie anvisierten Kinoreihe produziert wurde und bereits Joachim Fuchsberger und Eddi Arent als spätere Stamm-Stars besagter Filme mit an Bord hatte. Auch unter den Goldmann Taschenbüchern, auf welche sich die Filme beziehen, war der Roman „Der Frosch mit der Maske“ die erste Veröffentlichung, und diese bietet auch gleich einen „Dr. Mabuse“-ähnlichen Täter, der eine große Verbrecherbande auf die Beine stellt, ohne dass je wer die Identität des Anführers wüsste.

Da Harald Reinls Start der Wallace-Reihe noch recht ernst umgesetzt ist, darf ein solcher Schwerverbrecher noch düster und damit wirklich bedrohlich wirken. Nicht einmal sein Kostüm sieht in irgendeiner Weise affig aus, eher zweckdienlich und damit ideal passend zu einem Mann, der seine Verbrechen wohlüberlegt tätigt. Arent, der zum Humorhighlight der Reihe werden sollte und hier bereits in einem Schlusskommentar und in seiner augenzwinkernden, da übertriebenen, Butler-Art erstmals auf diese Rolle hinsteuert, wenn auch noch in keinster Weise klamaukig, tritt hier ungewohnter denn je auf, mehr noch als im Folgefilm „Der rote Kreis“, der ebenfalls noch eine ernste Herangehensweise erfuhr. Neben dem taffen Fuchsberger agierend, darf er Verbrecher vermöbeln, also auf ganz andere Art aktiv werden als in späteren Beiträgen, und das besitzt einen reizvollen Sehwert.

Die an sich noch tief bieder in den 50er Jahre badende Produktion, wird ein wenig aufgebrochen mit der Figur die Joachim Fuchsberger verkörpern darf, ein Millionär, der aus Langeweile Verbrecher fängt. Das erstaunliche an „Der Frosch mit der Maske“ ist jedoch, dass er auch die moderneren Aspekte noch stockbieder präsentiert. Der pseudo-Hauch Erotik, der anonyme Superverbrecher mit seiner großen Gefolgschaft, die Love Story, die Zwielichtigkeit des Millionärs, das alles atmet noch nicht die 60er Jahre-Luft, welche der Wallace-Reihe das gewisse Etwas verschaffte, und dies immerhin zu den Anfängen der 60er Jahre, als die Konkurrenz noch in den 50er Jahren zu Hause war.

Damit schaut sich „Face of the Frog“ (Alternativtitel) wie ein Außenseiter der eigenen Reihe, weiß doch selbst der direkte Nachfolger, trotz seiner großteils nüchternen Erzählmethode, weit weniger bieder zu wirken, als es der hier besprochene Film noch tut. Allerdings verleiht dies Reinls Werk auch einen gewissen Außenseiter-Charme, zumal die Geschichte selbst keineswegs zu langweilen weiß. Wallace hat aufregendere Verfilmungen erlebt, aber bereits der Einstieg in die Reihe kann sich sehen lassen, vorausgesetzt man findet auch Gefallen an einem trocken erzählten, klassischen Kriminalfilm, der ohne irgendwelche Gimmicks auskommt. Das Schrillste was es hier zu erleben gibt sind die Rolle des Butlers, der Millionär und der im Froschkostüm agierende Gegner. Der Rest folgt dem klassischen Muster des Genres.

Es ist schön, dass man Fritz Rasp als ehemaliges Ur-Gestein der 30er Jahre Wallacefilme für diesen Beitrag und einige Folgebeiträge gewinnen konnte, weiß er doch selbst in seiner hier recht klein ausgefallenen Rolle zu überzeugen, mimt Rasp hier doch einen Chef, den man wahrlich nicht zum Vorgesetzten haben möchte. Fast möchte ich von unheimlich sprechen, wenn ich ein Adjektiv für seine Darbietung suche. Siegfried Lowitz darf den ermittelnden Inspektor spielen, was auch nie ein Fehler sein könnte, so sympathisch wie dieser Mensch noch in jeder Rolle wirkte, selbst dann wenn er, wie in „Der Greifer“, auch einmal den Fiesling spielen durfte.

„Der Frosch mit der Maske“ hat auf Seiten der Schauspieler, zumindest bei den männlichen Parts, somit so einiges zu bieten, und dies zusammen mit der Mabuse-ähnlichen Geschichte sorgt für einen Film, den man als Cineast ruhig einmal gesehen haben sollte, auch wenn das Werk aufgrund seiner biederen Ader eigentlich noch nicht von dem Ruhm zehren darf, den sich die Reihe erst im Laufe der Zeit erarbeitet und auch definitiv verdient hat. Aber gerade weil „Fellowship of the Frog“ (Alternativtitel) im Vergleich so anders ausgefallen ist, ist er ein interessanter Blick darauf, was aus solch einem klassischen Start gedeihen kann. Freilich besitzt der Streifen auch ohne die Vergleiche zu den Folgefilmen genügend Unterhaltungswert. unterhaltsam


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Dienstag, 21. März 2017

DER ROTE KREIS (1960 Jürgen Roland)


Der rote Kreis ist ein Meisterverbrecher, den Scotland Yard seit längerer Zeit erfolglos verfolgt. Deswegen erhält Chefinspektor Parr Unterstützung von Privatdetektiv Yale, welcher der Polizei schon in so manchen Fällen eine Nasenlänge voraus war...


Die Strickmarkierung...

Der zweite Film der legendären deutschen Edgar Wallace-Reihe der 60er Jahre ist gleich einer meiner liebsten Filme der Serie, was nicht zwingend daran liegt, dass er als früher Vertreter der Reihe noch so anders gestrickt ist als die meisten der Folgewerke, aber ich muss zugeben dass selbst dies den Film angenehm aufwertet, auch wenn ich gegen das eher typische Rezept der Wallace-Hochphase beileibe nichts einzuwenden habe. Dennoch schaut sich „Der rote Kreis“ im direkten Vergleich angenehm ernst. Die Geschichte wird recht verschmitzt erzählt, aber eben nicht tatsächlich mit Witzchen aufgewertet. Das ist gerade deswegen interessant, weil bereits Eddi Arent mit an Bord ist, der seine Rolle zwar äußerst skurril anlegt, aber keinen anderweitigen Aspekt der Belustigung durchschimmern lässt.

Dass mir Jürgen Rolands erster von leider nur zwei Beiträgen zur Reihe so außerordentlich gut gefällt, liegt aber hauptsächlich daran, dass der Kriminalfall tatsächlich zu interessieren weiß. Die Geschichte packt den Zuschauer ganz von selbst, ohne irgendwelchen Budenzauber zu benötigen. Wie der rote Kreis vorgeht, wie der Kommissar vergeblich versucht die Identität zu lüften und wie nach einigen Zuschauertäuschungen die Wahrheit tatsächlich aussieht, das weiß alles zu gefallen. In der richtigen Ballance aus nüchterner Sachlichkeit und spannend inszenierten Momenten, weiß die erste Tonverfilmung des insgesamt drei mal verfilmten Wallace-Romanes sowohl zu unterhalten, als auch zu interessieren, ist der Zuschauer doch herzlich eingeladen mitzuraten wer sich hinter der Maske des Meistererpressers versteckt.

Wer gut aufpasst erkennt den roten Kreis bereits an der Stimme, die man von der ersten Szene an im Heute angekommen bereits vorgesetzt bekommt. Aber selbst wenn man deswegen, oder aufgrund anderer Hinweise, bereits zu früh weiß um wen es sich handelt, den Sehspaß verdirbt dies nicht, guckt sich die deutsch/dänische Zusammenarbeit doch im Wissen um den Täter, also auch bei einer zweiten Sichtung, so gut wie ohne, eben weil man den Missetäter in diesem Falle Schritt für Schritt dabei beobachten darf wie er täuscht, manipuliert und die Leute gegeneinander ausspielt.

Handwerklich professionell inszeniert und mit gut agierenden Mimen besetzt kann der Film somit ganz schlicht von seiner eigentlichen Geschichte leben, was die Stärke des hier vorliegenden Kriminalfalles um so deutlicher macht. Mag der Kommissar auch ein wenig altbacken wirken, er muss kein interessanter Charakter sein, um zu funktionieren, geht es doch einzig um seine Kombinationsgabe und vorgespielte Ahnungslosigkeit, so dass man den Mann hinter dem Beruf gar nicht erst kennen lernen muss. Zum alten Eisen gehört zudem Fritz Rasp, der bereits in den 30er Jahren in „Der Hexer“ und „Der Zinker“ mitgespielt hat, und im hier besprochenen Film erneut meisterlich agieren darf.

Interessant ist die weibliche Hauptrolle ausgefallen, die eine Einzigartigkeit in der Wallace-Welle darstellt, dient sie doch nur sehr leicht als Love Interesst und ist hauptsächlich eine der Polizei bekannte, zwielichtige Persönlichkeit, eine Art frühe Cat Women, von der man nie weiß wo ihr jeweiliger Vorteil liegt, also auch nicht weiß wo genau sie inmitten der vielen zwielichtigen Personen steht. Leider wird einiges davon in der letzten Szene wieder revidiert, und dies zudem noch auf unsinnige, wie unglaubwürdige Weise, aber bis zu diesem Zeitpunkt weiß die Andersartigkeit dieser wichtigsten weiblichen Rolle definitiv zu gefallen.

Neben diesem Schwachpunkt kann man höchstens noch jenen Fehler des roten Kreises zu den Schwächen der Geschichte zählen, mit dem er sich endgültig verrät, widerspricht es doch der durchdachten Art des Profi-Verbrechers, dass er sich solch einen dicken Fauxpas erlaubt. Dies wird aber zumindest dadurch wieder abgeschwächt, dass die anderen Dinge, die ihn ohne des Mitwissens des Zuschauers für den Ermittler verdächtig werden ließen, weit weniger grobe Schnitzer sind und raffiniert in den durchdachten Plot mit eingebunden wurden. Ich habe „The Red Circle“ (Alternativtitel) nun schon zum dritten Mal gesehen, und ich bin jedes Mal wieder von seiner Wirkungskraft beeindruckt. sehenswert


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Montag, 20. März 2017

FANTOMAS BEDROHT DIE WELT (Fantômas contre Scotland Yard 1966 André Hunebelle)


Fantomas erpresst die reichsten Männer Englands um einen großen Teil ihres Vermögens. Im Schloss von Lord Rashley soll dem Schurken mit Hilfe von Reporter Fandor und Kommissar Juve in Kooperation mit Scotland Yard eine Falle gestellt werden...


Lord Fantomas...

Ging der erste „Fantomas“ aufgrund seiner Rachegeschichte noch recht schlicht mit seinen Möglichkeiten die Macht des Superverbrechers deutlich zu machen um, so holte man dies in der ersten Fortsetzung „Fantomas gegen Interpol“ nach und bescherte dem Zuschauer ein Feuerwerk an schrägen Gimmicks, eingetaucht in eine James Bond-ähnliche Parallelwelt. Dementsprechend ging ich guter Dinge an den ein Jahr später folgenden „Fantomas bedroht die Welt“ heran, suggeriert sein Titel doch, dass es ungefähr auf diesem Niveau weiter ginge. Aber weit gefehlt!

Fantomas begnügt sich nun damit Schutzerpresser wie die ollen Mafiaganoven in Amerika zu werden, und das ist schon weiter unter seinem Niveau angesiedelt. Nicht nur dass er diesmal solch schlichte, wenn auch gut bezahlte, Ziele verfolgt, auch das komplette Drumherum bleibt hinter seinen Möglichkeiten zurück, bietet der dritte Teil der Reihe doch lediglich ein Katz- und Mausspiel auf engem Raum, der seine Komik daraus zieht, dass der Zuschauer stets eingeweiht ist, im Gegensatz zu den Helden der Geschichte, deren Gewichtung leider vertauscht wurde.

Nicht nur dass Fandor nur recht wenig Spielzeit zugedacht bekommt (ähnlich wie Scotland Yard trotz des Originaltitels „Fantômas contre Scotland Yard“), selbst seine übliche Doppelrolle mitgerechnet kommt er nicht auf eine würdige Erstnennung im Vorspann, schlüpft der titelgebende Schurke doch meist in die Rolle von Lord Rashley, so dass Jean Marais an beiden Fronten weit weniger zu tun hat als in den beiden Vorgängern. Dafür rückt nun das Treiben von Louis de Funès mehr in den Vordergrund. Da man sich allerdings damit begnügt ihn vor Wut schnaubend, hektisch kommandierend einzufangen, innerhalb eines Szenarios in welchem Fantomas den Kommissar Glauben machen will, er wäre psychisch verwirrt, weiß das auch nicht so gut zu funktionieren wie in den Vorgängern.

Dass die Story kaum glaubwürdig ist und nur wenig Nutzen aus seinem Spielort England zieht (meist nutzt man nur die Spuk-Atmosphäre des Schlosses), mag eine verschenkte Möglichkeit sein, letztendlich ist es aber egal ob „Fantomas Against Scotland Yard“ (Alternativtitel) nun hier oder dort spielt. Die Geschichte orientiert sich fast einzig an der Maskeradenschau des Schwerverbrechers, und dies meist auch nur sehr einseitig. Ansonsten hat Teil 3 kaum Sehwerte zu bieten. Weder solch wundervoll inszenierte Verfolgungsjagden wie in Teil 1, noch so schräge Gimmicks wie in Teil 2 hat „Fantomas gegen Scotland Yard“ (Alternativtitel) vorzuweisen. Begnügen muss man sich mit einem ferngelenkten Bett, einem Hund im Fuchskostüm und einer Fluchtrakete.

Mit Teil 3 wurde zudem kein Schlussstrich gezogen. Die Welt hält Fantomas für tot, der Zuschauer weiß, dass dem nicht so ist, also hat man scheinbar mit einem Teil 4 spekuliert. Ob dieser nicht zustande kam, weil Teil 3 gegenüber seinen Vorgängern derart abfällt, weiß ich nicht, wundern würde es mich jedoch nicht. Es ist den liebgewonnenen Charakteren und dem simplen Rezept der Verwechslungen zu verdanken, dass sich André Hunebelles dritter Streich trotz alledem recht amüsant guckt. Ein müdes Lächeln wechselt sich immer wieder mit geglückten Momenten ab. Damit schliddert Teil 3 haarscharf an einer desinteressierten Mittelmäßigkeit vorbei. Im Vergleich zu Teil 2, den man wohl als den besten Teil der Reihe bezeichnen darf, ist dies trotz passablem Ergebnis somit trotzdem ein Totalabsturz. unterhaltsam


Sonntag, 19. März 2017

FANTOMAS GEGEN INTERPOL (Fantômas se déchaîne 1965 André Hunebelle)


Fantomas möchte an die Erfindung eines Gerätes zur Gedankenkontrolle gelangen. Da er hierfür einen bestimmten Wissenschaftler entführen muss, beschließt der Reporter Fandor diesen zu doubeln, bewacht durch Kommissar Juve...


Was ein Jahr später geschah...

André Hunbelles „Fantomas“ war von Anfang an als Mehrteiler konzipiert, und gerade einmal ein Jahr nach dessen Veröffentlichung erschien die erste Fortsetzung „Fantomas gegen Interpol“ auf der Bildfläche und lässt seine Geschichte konsequenter Weise ebenfalls ein Jahr nach den Geschehnissen von Teil 1 spielen. Diese werden uns im Schnellverfahren mittels Zeichentricksequenzen im Vorspann in Erinnerung gerufen, bevor es mit nur kurzem Vorgeplänkel ziemlich schnell wieder zur Sache gehen darf.

Mag die Fortsetzung auch nicht mehr über solch sehenswerte Verfolgungsjagden verfügen wie Teil 1 (es gibt nur eine gegen Ende, und die ist ohne nennenswerten Sehwert ausgefallen), „Fantomas Strikes Back“ (Alternativtitel) kommt im Gesamtbild flotter daher als sein Vorgänger und bietet im Austausch zu den vermissten Highlights anderweitige Sehwerte. So steckt die Fortsetzung voll von kleinen, irrsinnigen Gimmicks, wie einem explosiven Miniatur-Elektroauto, einem Anzug der einem drei Arme verleiht, einem Satz schießfreudiger Zigarren und einem Auto, welches sich bei Bedarf in ein Flugzeug verwandeln kann.

„Fantomas gegen Interpol“ zeigt nicht nur die von mir nach Teil 1 gewünschten tatsächlichen Möglichkeiten und den wahren Wahnsinn Fantomas, er spielt auch mehr als zuvor mit den Klischees der Superschurken, wie sie zur Entstehungszeit wieder durch die James Bond-Reihe interessant wurden. So darf Fantomas einen Unterschlupf in einem versunkenen Vulkan besitzen, was ein wenig an die spätere Unterwasserbehausung Strombergs aus „Der Spion, der mich liebte“ erinnert. Und freilich dürfen wir auch wieder einer Maskeradenschau beiwohnen, diesmal im herrlichen Verwirrspiel von gleich drei Professoren, von denen freilich nur einer der Echte ist. Dass das Ganze für Kommissar Juve in der Irrenanstalt endet, ist nur eine von vielen Höhepunkten des Streifens, auch wenn gerade Genannter ruhig ein wenig länger hätte ausfallen können.

„Fantômas se déchaîne“ (Originaltitel) kommt verspielter und bunter daher als sein Vorgänger, und das kommt auch dem hektischen Spiel de Funès‘ zu Gute, der hier zwar ebenso extrem agiert wie in Teil 1, damit aber weitaus weniger nervt als zuvor, eben weil die Situationen so schräg ausfallen und Juve damit der Kasper innerhalb einer skurrilen Welt ist, und nicht nur der Zappelphilipp, der für sich alleine tobt.

Da man für das Projekt wieder die selben Mimen aus Teil 1 gewinnen konnte und diesbezüglich auch so manches Personal hinter der Kamera, kommt ein im Umgang miteinander erfahrenes Ensemble zusammen, dessen Spielfreude den Zuschauer anzustecken weiß. Da einige Teile der Geschichte in Italien spielen dürfen, wird das Mitwirken besagten Landes diesmal deutlich, während in Teil 1 diesbezüglich wohl nur Gelder geflossen sind. Mag man sich auch erst einmal an die andere Synchronstimme von Louis de Funès gewöhnen müssen: „Fantomas gegen Interpol“ ist ein flotter, abenteuerlicher Spaß geworden, der seinen Vorgänger locker in den Schatten stellt. sehenswert


FANTOMAS (Fantômas 1964 André Hunebelle)


Der Supergauner Fantomas treibt in Frankreich sein Unwesen. Keiner weiß wer hinter der Identität des maskierten und Gesichter imitierenden Schurken steckt. Deswegen erfindet der Reporter Fandor ein angebliches Interview mit ihm und landet damit einen Knüller. Damit rückt er jedoch ins Visier des Superverbrechers, der sich beleidigt fühlt. Und auch der ermittelnde Kommissar Juve wird misstrauig gegenüber Fandor und vermutet ihn als Fantomas, was der echte Fantomas geschickt auszunutzen weiß, um sich an dem Reporter zu rächen...


Der erste Darkman...

Fantomas treibt im französischen Kino bereits seit der Stummfilmzeit sein Unwesen. Dem 1913 erschienenden „Fantômas - Im Schatten der Guillotine“ folgten bis 1914 drei Fortsetzungen, 1947 gab es eine erste vertonte Umsetzung, die sich des Themas erneut auf ernstere Art näherte, bevor die dreiteilige „Fantomas“-Reihe der 60er Jahre sich des Themas komödiantisch annahm, eine Herangehensweise, welcher sich auch die in den 80er Jahren erschienende TV-Mini-Serie „Fantomas“ von Claude Chabrol bediente. In Deutschland kennt man eigentlich nur die drei Louis de Funès-Filme, die mit dem hier besprochenen „Fantomas“ ihren Anfang nahmen.

Ob man die Filme auch ohne das Mitwirken des berühmten Komikers heute noch kennen würde, ist schwer zu beurteilen, wurde man zur Erscheinungszeit doch mit allerhand James Bond-ähnlichen Stoffen und Superschurken zugeschmissen. Mit den „Dr. Mabuse“-Filmen hatte man in Deutschland gar eine Kinoreihe am Start, die deutliche Parallelen zu Fantomas aufwiesen, und deren cineastische Wurzeln ebenfalls in der Stummfilmzeit entstanden. Ob „Fantomas“ von André Hunebelle also im Meer derartiger Erscheinungen irgendwann untergegangen bzw. in Vergessenheit geraten wäre oder nicht, bleibt zwar reine Spekulation, man wird aber wohl behaupten dürfen, dass das Mitwirken de Funès‘ ihm bei seinem Bekanntheitsstatus deutlich geholfen hat.

Fans des Komikers werden glücklich mit dem Mann, obwohl er sich den Schauplatz mit dem Helden der Geschichte teilen muss und somit nicht klassisch der Alleingänger im Zentrum ist. Das macht de Funès durch sein wildes Gezappel jedoch wieder wett, womit er jegliche Aufmerksamkeit auf sich zieht. Mir war sein Spiel dieses Mal ein wenig zu viel des wilden Herumgehampels, aber mein Glück war es, dass die kühner umgesetzte Rahmenstory ihn auf andere Weise bremste, so dass ich es trotzdem mit einem sympathischen Film zu tun hatte. Freilich hat mich auch de Funès belustigt und nicht nur genervt, also bitte nicht falsch verstehen, aber ich bin glücklich, dass Hunebelle nicht einzig auf dessen Komik baute, sondern dass ihm auch die Thematik um einen anonymen, Gesichter wechselnden Superschurken wichtig war.

Dieser ist so sehr mit Rache beschäftigt, dass wir sein wahres Genie und seine theoretisch viel weitreichendere Macht und Möglichkeiten gar nicht richtig kennen lernen dürfen. Aber genau mit diesem Schachzug gelingt es Hunebelle die Geschichte an der richtigen Stelle zu packen, jene des Hochmutes eines jeden Superschurken, welches ihm fast zum Verhängnis wird. Fast, das erkennt man am Schluss, wenn die Geschichte ohne abschließendes Ergebnis beendet wird und man dadurch erfährt, dass „Fantomas“ von Beginn an als Mehrteiler geplant war. Im Abstand von jeweils einem Jahr kam es dann schließlich noch zu zwei Fortsetzungen bei gleicher Besetzung und gleichem Regisseur.

Das erste Abenteuer um den maskierten Superverbrecher kann sich sehen lassen, gerät zwar nicht zum großen Hit den man zwingend gesehen haben muss, aber er weiß mit seiner verschmitzten und verspielten Art zu amüsieren und bietet neben allerlei Slapstick und Parodiemöglichkeiten auch manchen anderweitigen Sehwert, so z.B. ein toll inszenierte Fahrt mit einem Auto ohne funktionierende Bremse, bei welcher man angespannt den Atem anhält. Zum Ende hin präsentiert man uns eine ebenso brisant umgesetzte Verfolgungsjagd, die zwar einen kleinen Touch kürzer hätte ausfallen können, aber für einen Stoff mit Hauptaugenmerk auf die Komik unerwartet aufregende Momente zu bieten hat.

Sehr angetan war ich zudem von einer Flucht Fantomas in der Maskerade des Fandor, bei welcher Schauspieler Jean Marais persönlich einen Stunt ausführte, bei welchem er von der Leiter eines in die Lüfte steigenden Hubschraubers aus seinem Verfolger zuwinkt und daraufhin die Leiter weiter hinaufsteigt, bis er schließlich in den durch den Aufstieg immer kleiner werdenden Hubschrauber hineinklettert. Die Kamerafahrt macht deutlich, dass klassische Schutzmaßnahmen auf solch großem Raum wohl kaum vorgenommen werden konnten. Hut ab!

Ob das den Aufwand wirklich wert war weiß ich nicht, für mich guckt sich „Fantomas“ eher wie der sympathische Sonntagsnachmittagsfilm für zwischendurch, die aufgezählten Szenen selbst sind in dieser aufregend umgesetzten Art aber freilich dennoch atemberaubend umgesetzt. Noch ist thematisch vieles möglich, was die hier erzählte Geschichte noch nicht hat zulassen können. Ich hoffe in den Fortsetzungen darauf, dass man mehr von der Macht und dem Spielraum Fantomas kennen lernt und seine weitreichenderen Taten, wie das Abstürzenlassen von Flugzeugen, nicht nur in Erzählungen mitgeteilt bekommt. Aber selbst wenn es nicht so weit kommen sollte: wenn die Fortsetzungen so solide umgesetzt sind wie dieser erste Teil, dann bin ich auf schlichte Art bereits damit zufrieden gestellt. unterhaltsam


Samstag, 18. März 2017

GHOST IN THE SHELL (Kôkaku kidôtai 1995 Mamoru Oshii)


In der Zukunft, einer Zeit der Vernetzung und der hilfreichen Unterstützung durch Cyborgs, treibt der sogenannte Hacker Puppet Master sein Unwesen, indem er in die Köpfe künstlischer Menschen steigt. Die Sektion 9 des japanischen Geheimdienstes ist hinter dem Cyber-Terroristen her, ohne die komplette Wahrheit hinter den Geschehnissen zu ahnen...


Ein Tropfen Wasser im Meer...

Wo ein „Akira“ noch Sehwert für Kinder innerhalb einer an sich erwachsenen Geschichte bereitstellte, da entfernt „Ghost in the Shell“ sich endgültig von dem Vorurteil Trickfilm sei das Medium der jungen Menschen. Erwachsener kann ein Film wohl kaum ausfallen, besteht die komplexe, für Kinder unverständliche, Geschichte doch aus politischen, philosophischen, zwischenmenschlichen und sexuellen Elementen, die zwischen Poesie und Actionmomenten schwankend in für damalige Zeit großartiger visueller Umsetzung auf den Zuschauer losgelassen wird.

Während kostengünstige Elemente, wie das Verdecken der Gesichter, um während der Dialoge ein Standbild benutzen zu können, auf das Alter des Filmes verweisen, zeigen andere Animationsmomente, dass das an der einen Seite eingesparte Geld in andere Zeichentrickbereiche investiert wurde. Actionmomente schauen sich flott animiert, ohne Beschleunigungsstriche wie noch in „Akira“ verwendet zu benötigen, und Standbilder lassen einen sowohl beim Einfangen alltäglicher Dinge aufgrund ihrer Detailliebe staunen, wie auch über experimentelle und fantastische Momente.

Die Zukunftswelt, die für „Ghost in the Shell“ entworfen wurde, ist geistreich durchdacht, mutig und verspielt zu nennen, aber auch durchaus vorstellbar in einer Welt unbegrenzter Energie. Es ist trotz aller übernatürlicher Elemente die Bodenständigkeit, die „Ghost in the Shell“ trotz sexy Helden, jeder Menge Karachomomente und Cyberphantasien, so erwachsen werden lässt. Stößt nun noch die komplexe Handlung hinzu, der man nur konzentriert vollkommen folgen kann, wird Mamoru Oshiis Werk zum vollendeten erwachsenen Seherlebnis, eines welches in Sachen Komplexität, philosophischer Ansätze und Poesie den ebenfalls sehr guten „Akira“ weit hinter sich zurücklässt und damit zum Meisterwerk wird, welches auch heute nichts von seinem Sehwert verloren hat.

Auch wenn „Ghost in the Shell“ hin und wieder zu bemüht tiefgründig wirkt, so wird aus dem Streifen doch nie ein pseudo-philosophisches Werk, besteht die Kunst doch darin den Tiefsinn beiläufig einzustreuen, ihn nicht zum Mittelpunkt der Handlung werden zu lassen, sondern, viel wertvoller, ihn zum begleitenden, stützenden Element zu machen, während im Vordergrund Action, Thrill und ein Hauch Erotik das Geschehen bestimmen.

Es ist dem Spannungsgehalt der Geschichte und der dichten Atmosphäre zu verdanken, dass humorlose, eindimensionale Charaktere zu Identifikationsfiguren werden und sich nach mehr als leeren Hüllen anfühlen. Nur selten bricht Oshii das Klischeebild der einzig für die Mission lebenden Helden auf und verleiht ihnen einen Hauch Tiefe, aber eben nur im theoretischen Gewand, während das Fleisch weiterhin einzig die Mission kennt. Erst am Ende, in der letzten Begegnung zwischen den zwei wichtigsten Figuren des Streifens, lässt Oshii davon los und schenkt seinen Figuren auch greifbare Emotionen und damit wirkliche Tiefe.

Während mit Denkansätzen über das Leben und das Sein innerhalb einer perfekt laufenden, nicht kritisch hinterfragten, Welt der Technologie der Intellekt gefüttert wird und mit bombastischen, flotten Bildern der quantitative Sehwert dauerhaft aufrecht erhalten bleibt, sorgen eine durchdachte, intelligente und wendungsreiche Geschichte für das Spannungspotential, einen Plot präsentierend, bei dem man lange Zeit nicht weiß was wirklich gespielt wird. Immer wieder werden neue Lügen gelüftet, selten ist etwas so wie es scheint. Und wie es sich für einen guten Stoff gehört, entlässt man uns auch mit einigen Fragezeichen aus der Geschichte, damit unsere Fantasie und unsere Gedanken sie weiterspinnen können. Wer noch immer Vorurteile gegenüber japanischer Trickfilme für Erwachsene hat, sollte unbedingt einen Blick auf „Ghost in the Shell“ werfen, auch wenn es sicherlich einige Zeit dauert, bis man bemerkt wie tief die Geschichte greift. Ganz im Gegenteil schaut sich der Beginn zunächst Vorurteile-bestätigend. sehenswert


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Freitag, 17. März 2017

YOGI BÄR (Yogi Bear 2010 Eric Brevig)


Bislang war Ranger Smiths größte Sorge, dass Yogi Bär den Nationalpark unsicher macht, indem er Urlaubern mal mehr, mal weniger trickreich die Picknickkörbe raubt. Als Bürgermeister Brown kurz vor seiner Wahl zum Gouverneur beschließt Yellystone-Park zu roden, muss Smith sich etwas einfallen lassen um den Park zu retten...


Die Beschwerdebox hinter dem Pilotensitz...

Zugegeben, innovativ ist die Realverfilmung der 60er Jahre-Zeichentrickserie „Yogi Bär“ nicht ausgefallen, ganz im Gegenteil setzt man auf ein bewährtes und vorhersehbares Rezept. Auch die Liebe zum Detail und manch andere Pluspunkte der Realverfilmung „Die Familie Feuerstein“ wurden nicht auf Eric Brevigs „Yogi Bär“ übertragen, aber ein kleines sympathisches Stück Familienfilm ist dennoch aus diesem kalkulierten Stück Produzentendenken geworden. Das liegt u.a. daran, dass die menschlichen Mitspieler nicht im Schatten der computeranimierten Hauptfigur stehen, so wie es z.B. der Fehler des humorarmen „Garfield - Der Film“ war. Wenn überhaupt ist das Gegenteil der Fall, nervt der titelgebende Bär doch hin und wieder aufgrund seiner fürs kindlische Zielpublikum eingebauten penetranten Art.

Aber während man Freude daran hat, dass Anna Faris, Tom Cavanagh und ganz besonders Andrew Daly in der Rolle des Bürgermeisters, durch einen herzlich lustigen Film stolzieren, der ausnahmsweise positiv von seinen Stereotypen lebt anstatt darunter zu leiden, sorgt auch Dan Aykroyd als Sprecher des Yogi Bär dafür, dass die zentrale Figur so gut wie möglich rüber kommt. Es ist schön, dass man in der deutschen Fassung keinen alternativen Prominenten besetzte, sondern Aykroyds deutsche Stamm-Synchronstimme den Job machen ließ. Seine Stimme klingt zunächst zwar etwas gewöhnungsbedürftig übertragen auf den sympathisch animierten Trickbär, aber ich fand sie passend, zumal sie in ihrer stumpfen Trotteligkeit Erinnerungen an vergangene ähnlich geartete Rollen Aykroyds weckte, so z.B. an jene aus „Caddyshack 2“.

Was inmitten der vorhersehbaren Geschichte aber am meisten überrascht und überzeugt, ist der gar nicht mal schlecht eingebrachte Humor, der zwar auch nicht wirklich einfallsreich zu nennen ist, aber gut gesetzt. Die besten Witze huschen schnell am Zuschauer vorbei, so dass dieser dann am meisten unterhalten wird, wenn er sich tatsächlich in diesem Stück Trivialfilm für die gane Familie konzentriert. Die Trefferquote lässt zur zweiten Hälfte nach, ganz besonders im Finale, in dem dann auch für meinen Geschmack alles zu extrem nach Schema F verläuft, während der zuvor so erfreulich wirkende Witz pausieren muss, aber da sich „Yogi Bär“ zuvor so wacker über Wasser hielt, nachdem ich so gar nichts vom Film erwartet hatte und eher mit dem Schlimmsten gerechnet hatte, geht das schon in Ordnung.

Schließlich ist es schön, dass die Kleinsten mal wieder mit etwas unterhalten werden, an dem auch die Großen Freude haben können. Das ist gerade in einem solch Zielpublikums-anbiederndem Film nur selten der Fall. Dass „Yogi Bär“ selbst in seinen schlechtesten Phasen noch erträglich bleibt, verdankt er zudem dem geringen Anteil an sentimentalen Momenten, die zudem nicht in Kitsch baden und nur kurz aufblitzen dürfen. Dass auch ein Produzenten-gelenktes Produkt für den schnellen Dollar auf die Weltsicht der konkurrierenden Disney-Studios setzt (Du kannst alles erreichen, wenn Du nur alles dafür tust) fällt zwar auch hier negativ auf und wird eigentlich durch das diesbezüglich nicht durchdachte Drehbuch ohnehin als Lüge entlarvt, wenn im Finale lediglich der Zufall zum Happy End führt, letztendlich wäre es aber auch naiv glauben, dass diese Propaganda nicht in einem US-Familienfilm zu erwarten wäre. unterhaltsam


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Mittwoch, 15. März 2017

DIE BANDE DES SCHRECKENS (1960 Harald Reinl)


Bevor der Schwerverbrecher Shelton hingerichtet wird, schwört er nach seinem Tod Rache zu nehmen an allen Personen, die an seiner Festnahme und seinem Ableben beteiligt waren. Als es kurz nach dem Tod von Shelton tatsächlich zu ersten vorausgesagten Todesfällen kommt, versucht Chefinspektor Long, der selbst auf der Todesliste steht, die noch lebenden Opfer zu beschützen. Doch wer auch immer Sheltons letzten Willen ausführt geht äußerst trickreich vor...


Ein Pfiffikus nimmt es gegen die Galgenhand auf...

Gerne wird der Begriff Grusel-Krimi verwendet, wenn es um die Edgar Wallace-Reihe aus dem Hause Rialto geht. Gerechtfertigt, wie beispielsweise im Stummfilm-Klassiker „Orlacs Hände“, finde ich die Bezeichnung nicht gewählt, sind es doch höchstens die Spielorte die ein wenig gothischen Touch versprühen. Die Geschichten selbst beinhalten maximal leicht angedeutet das Sinnbild eines Monsters, so beispielsweise im blinden Jack aus „Die toten Augen von London“.

„Die Bande des Schreckens“ kommt noch am ehesten an den Begriff Grusel-Krimi heran, darf hier doch ein Toter Rache nehmen. Doch nicht nur dass von Anfang an klar ist, dass hier kein Verstorbener am Werke ist, sondern äußerst lebendige Zeitgenossen, auch das Flair selbst will nicht im Ansatz Grusel-Feeling versprühen. Was soll also dieser stets verwendete irreführende Begriff bezüglich einer Reihe, die mal mehr, mal weniger klassische Kriminalfilme bietet?

Wie auch immer, „Hand of the Gallows“ (Alternativtitel) ist ein sympathischer, klassischer 10 kleine Negerlein-Krimi, der zwar zum Mörderraten einlädt, einem aufgrund seiner erst im Finale lüftender Geheimnisse aber keine echte Chance gibt Rückschlüsse sinnvoll ziehen zu können. Verdächtige gibt es zu genüge, und 20 Minuten vor Schluss, wenn die Leiche eines der Todeslisten-Opfer nicht gefunden wird, ist längst klar wer der Chef der hier tätigen Verbrecherorganisation ist, lange bevor es das Drehbuch so möchte. Nur den Grund begreift man erst mit Enttarnung besagter Person.

Was mir an „The Terrible People“ (Alternativtitel) besonders gut gefällt, ist seine geradezu reine Art der klassischen Wallace-Zutatenkombination, die der Streifen als dritter Teil der langjährigen Reihe sicherlich seinem frühen Erscheinen zu verdanken hat. Die Love Story wird noch offensichtlicher und ohne verkrampftes Buhlen, Komplexe oder anderweitiger Hindernisse angegangen und zeigt in der Schluss-Szene ihre Leichtigkeit in einer Form, die eher im Heimatfilm zu Hause wäre. Und ähnlich ergeht es der komödiantischen Rolle Arents, anbei der einzig humorvolle Part des Streifens, die noch mit schlichtem Running Gag auskommt, trotz teilweise etwas krampfhaft eingefügter Szenen sich großteils aber dem Gesamten zu fügen weiß und das Voranschreiten der Geschichte gar unterstützt, was in späteren Werken nicht selbstverständlich sein sollte.

Neben den weiteren Stammdarstellern Joachim Fuchsberger und Karin Dor agieren die ebenfalls gelegentlich in der Reihe vorbeischauenden Elisabeth Flickenschildt und Fritz Rasp. Letztgenannter hat schon in den 30er Jahren in Edgar Wallace-Verfilmungen mitgespielt. Beide sind gern gesehene Mimen und meistern ihre Rollen gut, Flickenschildt etwas auffälliger als der souverän schlicht, aber subtil agierende Rasp.

Harald Reinl inszeniert das Geschehen, welches schnell hätte monoton ausfallen können, flott und damit sehr unterhaltsam, liefert aber auch kein überdurchschnittliches Ergebnis ab. Ob es nötig war die Erbschaftsverstrickung zwingend in die Rachegeschichte zu integrieren, sei einmal dahin gestellt, gibt der Love Story aber freilich zusätzlichen Zunder, zumal trotz Fuchsbergers Beschützerinstinkt die Rolle Dors keineswegs hilflos gezeichnet ist, sondern stattdessen recht taff daher kommt. Von daher ist es schön, dass sie stets per Betäundungsmittel außer Gefecht gesetzt wird, so dass beide Seiten des Liebespaares ihren Part erfüllen können. unterhaltsam


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Montag, 13. März 2017

XX - Unbekannt (X: The Unknown 1956 Leslie Norman)


Ein aus dem Erdinneren kommender radioaktiver Schlamm wird immer größer und bedroht die Menschheit...


Schlamm - Schrecken ohne Namen...

Zwei Jahre nach „Shock“ und ein Jahr vor „Feinde aus dem Nichts“, den beiden 50er Jahre Quatermass-Filmen der Hammerstudios, erschien von selbigen Studios produziert ein Film, der aufgrund seiner Thematik und seines älteren Wissenschaftlers in der Heldenrolle wunderbar in die Quatermass-Reihe gepasst hätte. Ob das ursprünglich einmal so geplant war und kurzfristig zu einem eigenen Projekt umgetextet wurde, weiß ich nicht, aber der Erfolg des ersten Teils wird so oder so Einfluss auf das Vorankommen der Dreharbeiten zu „XX - Unbekannt“ gehabt haben.

Zwei Jahre bevor die Amerikaner den berühmteren „Blob - Schrecken ohne Namen“ auf die Menschheit losließen, kamen die Briten mit etwas Vergleichbarem daher. Hier wie dort terrorisiert ein größer werdendes, breiartiges Monster die Menschheit. Aufgrund der fehlenden Radioaktivität konnte der Blob seinen Feinden jedoch erstaunlich nahe kommen, das Schlammmonster aus dem hier besprochenen Film sehen wir, wenn überhaupt, nur aus der Ferne, und dies aufgrund seines späten Erscheinens auch erst ab einer Größe, die in etwa dem Finale des amerikanischen Vergleichsfilmes entspricht.

Nicht nur durch die Körpernähe ist der amerikanische Science Fiction mit Steve McQueen näher am Zuschauer dran als der radioaktive Schleim aus „X - The Unknown“ (Originaltitel), auch die Identifikationsfiguren Teenager und Polizist boten dem Publikum mehr Identifikation als der über allen Dingen stehende Wissenschaftler hier, unterstützt durch Militär und Regierung. Kaum zu glauben, aber dieser britische Monsterfilm schaut sich amerikanischer, als es der US-Vergleichsfilm tut. Würden die Soldaten nicht ständig Tee schlürfen, könnte man meinen sich in einem der Propaganda-Science Fiction-Werke aus Übersee zu befinden, die zu dieser Zeit inflationär auf das Kinopublikum losgelassen wurden.

Für den Freund des frühen Monsterfilms ist „XX... Unbekannt“ (Alternativtitel) trotzdem ein kleiner Leckerbissen. Nicht nur dass er für seine Zeit recht harte Effekte zerschmelzender Menschen bietet, auch die völlig schwachsinnige Story weiß zu gefallen, die extrem ernst vorgetragen wird, wenn auch als Blödsinn getadelt von einem Wissenschaftskollegen, der zu Recht von der Hauptfigur behauptet, sie würde nur dämliche Fantastereien liefern, anstatt Fakten zu nennen. Ein 50er Jahre-Monsterfilm gibt dem Spinner freilich trotzdem recht, sonst gäbe es keine zu bekämpfende Kreatur, und der konkurrierende Wissenschaftler nimmt gegen Ende zurück, was er zuvor kritisiert hat.

Zwar wird das Militär aufgrund seiner schlichen Problemlösungsversuche kritisiert, aber an sich erleben wir hier einen Film, indem Wissenschaft, Militär und Regierung vorbildlich miteinander kooperieren, um die Menschheit vor dem Schlimmsten (oder in diesem Falle Schlammsten?) zu bewahren. In einer kurzen Sequenz wird sogar noch die vierte für seine Zeit wichtige Institution vorbildlich eingebaut, wenn ein Pfarrer ein kleines Mädchen heldenhaft vor dem radioaktiven Schleim rettet. Ansonsten ist es in „XX unbekannt“ (Alternativtitel) still um das Thema Kirche.

Inmitten einer selten dämlichen, aber charmant vorgetragenen, Geschichte erwartet niemand eine sinnvolle, nachvollziehbare Lösung des Problems. Trotzdem wirkt es selbst in solch einem Trivialfilm wie dem hier besprochenen etwas zu billig, dass der Held der Geschichte ohnehin seit Jahren an einer Lösung genau jenem Problems arbeitet, mit welchem man die Kreatur schließlich aufhalten kann. Gut dass er 30 Minuten bevor das Monster zu groß wird um es noch aufhalten zu können, genau jenes Problem behebt, welches er all die Jahre nicht lösen konnte.

Man muss also schon ein paar Augen mehr zudrücken, als bei solch einem Streifen dieser Dekade und dieser Art ohnehin schon, um mit „X the Unknown“ (Alternativtitel) etwas anfangen zu können. Gibt man sich aber großzügig und offen für solchen Unsinn, bietet sich ein fairer Blick auf den Unterhaltungswert des Streifens, und der ist gut genug um zumindest Stammzuschauern des Genres zu raten einen Blick zu riskieren. Als Vorlage zu „Blob - Schrecken ohne Namen“ ist er filmhistorisch eigentlich sogar eine Pflichtsichtung für das Zielpublikum. unterhaltsam


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Sonntag, 12. März 2017

DER GRÜNE BOGENSCHÜTZE (1961 Jürgen Roland)


Der reiche Amerikaner Abel Bellamy hält auf dem von ihm erworbenen Schloss in England nicht nur eine ältere Frau in einem Geheimzimmer gefangen, auch sonst ist er in allerhand verbrecherische Aktionen verwickelt. Während Inspektor Featherstone und sein Gehilfe Higgins versuchen den Verbrecher zu überführen, geht im Schloss ein grün maskierter Bogenschütze um, der Menschen mit Pfeil und Bogen erschießt...


Lebende tote Verwandte...

Wenn einem hohen Tier von Scotland Yard mitten in einem gewaltigen Schusswechsel ein Tee gereicht wird, oder eine Frau direkt nach einer lebensbedrohlichen Situation zur Schminke greift, da sich die Presse nähert, dann hält recht skurriler Humor Einzug ins Wallace-Universum. Zwar dominiert der Kriminalpart, so dass „Der grüne Bogenschütze“ deshalb nicht zur Krimi-Komödie verkommt, und die hier aufgezählten Beispiele und einige andere wissen zu gefallen, aber Eddi Arent (man verzeihe mir das Wortspiel) überspannt den Bogen dann doch zu sehr, wirkt erstmals kurz vor Schluss meiner Rückwärtssichtung der Rialto-Wallace-Reihe störend anstatt bereichernd, zumal er pausenlos die vierte Wand durchbricht, was schließlich nur noch nervt.

Ansonsten gibt es eigentlich keine Schwachpunkte zu vermelden, ist der Plot doch derart angereichert mit zwielichtigen Personen und Situationen, dass die Geschichte den titelgebenden Verbrecher eigentlich gar nicht nötig gehabt hätte, so interessant wie hier jegliche Nebenhandlung und freilich auch die Haupthandlung ausgefallen ist. Zwar wirken sowohl Wolfgang Völz als Higgins, als auch der von Klausjürgen Wussow verkörperte Featherstone etwas blass, obwohl sie als Ermittler große Rollen erwischt haben, aber der Rest der Besetzung macht das wieder wett, allen voran Gert Fröbe, dessen Rolle hier wie eine Übung für die drei Jahre später angegangene Titelrolle im James Bond-Film „Goldfinger“ ausgefallen ist, so übertrieben schurkisch, geradezu wahnsinnig wie er seine Rolle ausfüllt. Wenn er im Finale einen offenen Krieg gegen die Polizei führt, dann ist wahrlich kein Unterschied mehr zwischen beiden Rollen zu bemerken.

Aber nicht nur Fröbe weiß in seiner brummig egoistischen Art zu gefallen. Die attraktive Karin Dor darf bezaubernder denn je wirken, Harry Wüstenhagen verkörpert einige der wenigen Figuren im Wallace-Universum, bei denen Gut und Böse verschwimmen und auch die restliche Besetzung weiß dem Zuschauer einiges zu bieten. Nach „Der rote Kreis“ sollte „The Green Archer“ (Alternativtitel) Jürgen Rolands letzter Beitrag zur Wallace-Reihe gewesen sein, verstehe einer warum, so unterhaltsam wie beide Werke ausgefallen sind. An der immer weiter ansteigenden Überspitzung des beiläufigen Humors kann es nicht gelegen haben, so sehr wie Roland im hier besprochenen Werk darauf baut. Es wäre interessant gewesen zu erleben, in welche Richtung sich die Serie entwickelt hätte, wenn Roland weiter für sie tätig gewesen wäre. unterhaltsam


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DIE TOTEN AUGEN VON LONDON (1961 Alfred Vohrer)


Als sich die Fälle angeblich Ertrunkener in der Themse häufen, glaubt Inspektor Holt an keinen Zufall mehr. Sein Verdacht einem Verbrechen auf der Spur zu sein verdichtet sich, als bei einer der Leichen ein Zettel in Blindenschrift gefunden wird, der einen Mord bestätigt. Eine Spur führt ins Blindenheim des sehbehinderten Reverend Dearborn...


Der Sehende unter den Blinden...

Alfred Vohrers früher Beitrag der lang laufenden Rialto-Wallace-Reihe ist bereits ein Liebhaberstück. Zwischen düsteren und heiteren Momenten schwankend, ohne dabei unausgegoren zu wirken, bietet er verschiedenste Unterhaltungswerte, die von einer Gruppe sympathischer, wie talentierter Schauspieler unterstützt wird. Fuchsberger agiert locker, dies aber noch nicht überzogen (was auch für sein Flirten mit der weiblichen Hauptrolle gilt), Arent sorgt für die Erheiterung am Rande, Kinski spielt großartig wie eh und je, und jede Menge anderweitige Figuren, von Flimmer Fred bis hin zum blinden Jack, machen aus „Die toten Augen von London“, der bereits 1939 in England als „Der Würger von London“ mit Bela Lugosi besetzt verfilmt wurde, ein Seherlebnis für Freunde nostalgischer Stoffe.

Vielleicht ist das Rätselraten nicht ganz so groß ausgefallen wie bei manch anderem Wallace-Beitrag, bis auf eine vorhersehbare Überraschung am Schluss ist eigentlich von Anfang an klar wer hier alles einen Schurken mimen darf, aber um das klassische Mörderraten geht es hier ohnehin nur am Rande, ist Vohrer doch viel eher darum bemüht mit „Dark Eyes of London“ (Alternativtitel) eine aufregende Umsetzung zu gestalten, sprich eine ereignisreiche, bei der man nie weiß was im nächsten Moment passieren wird. Das Finale, in welchem sich Karin Baal in einem großen Wasserbehälter eingeschlossen befindet ist legendär, ständig ist man Zeuge von Mordversuchen und gelungenen Attacken diesbezüglich, Vohrer lässt einem kaum Luft zum Atmen, vergisst aber auch die ruhigen Suspense-Momente nicht, die er gekonnt einzustreuen vermag, ohne den Film an diesen Stellen gedrosselt wirken zu lassen.

Die kleinen Spinnereien am Rande, die Vohrer so liebt einzubauen, finden auch in diesem humorärmeren Werk seinen Platz. So zeigt uns der Regisseur beispielsweise einen skurrilen Zigarettenaufbewahrungsort innerhalb eines künstlichen Totenschädels, um uns per Schnitt direkt im Anschluss einen schwarzen, ausgestopften Vogel sehen und hören zu lassen, dessen Augen elektronisch leuchten können. Auch der in einem späteren Werk noch einmal eingefangene Blick aus der Kehle eines der Darsteller heraus, findet bereits hier seinen ersten Einsatz.

Vohrer selbst verfilmte den hier besprochenen Streifen nur sieben Jahre später in der Buntphase der Rialto-Wallace-Reihe mit „Der Gorilla von Soho“ noch einmal neu, und schaut man sich einmal die starke, künstliche Behaarung an den Armen und an den Händen des blinden Jack an, so darf man doch behaupten dass der weitere Schritt zum Gorilla fast schon naheliegend war, zumindest in der grotesken Welt des Alfred Vohrer. An die Schwarz/Weiß-Version weiß dieser ebenso wenig heranzukommen wie der in den 90er Jahren umgesetzte TV-Film „Das Haus der toten Augen“, in welchem Eddi Arent erneut involviert war - sichtlich gealtert, diesmal den Sir John spielend.

„Geheimnis von London“ (Alternativtitel) ist einer der frühen Höhepunkte der ohnehin großartig ausgefallenen frühen Phase der Wallace-Reihe (wir befinden uns im dritten Jahr und im gerade einmal fünften Beitrag der Serie) und bereitet mit seinen düsteren Aufnahmen, gemixt mit grotesken Ideen und dem Blick in die toten Kontaktlinsen der Blinden (während einer der Sehenden als einziger eine dunkle Sonnenbrille tragen darf) auch bei der x-ten Sichtung noch genügend Freude um ins Schwärmen zu geraten. Einzig der Soundtrack ist ein wenig müde ausgefallen. sehenswert


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DER FÄLSCHER VON LONDON (1961 Harald Reinl)


Während Scotland Yard erfolglos auf der Suche nach einem Profifälscher, genannt der Gerissene, ist, heiratet die in Armut aufgewachsene Jane den vermögenden Peter Clifton. Dessen Vater war schizophren, und als es im Umfeld von Peter zu Morden kommt, befürchtet er, dass die Krankheit seines Vaters erblich ist. Ist er der Gerissene?...


Gerissener Polizist gegen gerissenen Fälscher...

„Der Fälscher von London“ ist ein solide erzählter, ohne großen Hokuspokus auskommender, Kriminalfilm, in welchem nur wenige der großen Stars der Rialto-Wallace-Reihe auftauchen. Begnügen muss man sich mit der stets taff agierenden Karin Dor, und für zwei kurze Momente schaut Eddi Arent um die Ecke, dessen wenige Auftritte leider nicht den Witz geschenkt bekommen, den er sonst zu versprühen vermag. Wenn man dabei zusehen darf wie gewitzt und charmant Siegfried Lowitz agiert, kann man nicht verstehen warum er für die Reihe nicht zur Standardbesetzung in der Kommissarenrolle wurde. Zumindest wurde dieser Fehler 16 Jahre später mit der TV-Serie „Der Alte“ wieder wett gemacht, spielt er dort doch ziemlich genau jenen Typ Mensch, den er auch hier verkörpern durfte - abgesehen von den zwielichtigen Momenten, denn auch die von Lowitz verkörperte Rolle soll lange Zeit ein möglicher Fälscher sein.

Wenn die Identität des Gerissenen am Ende aufgedeckt wird, macht man mittels einer toll inszenierten Fahrstuhlszene einen riesen Wirbel um den Unbekannten, dabei kann es zu diesem Zeitpunkt nach etlichen Toten nur noch eine Person sein. Das ist etwas schade aufgrund der eigentlich wirksamen Inszenierung, ist aber nur ein kleiner Wermutstropfen in einem an sich gut erzählten und zum Mitraten einladenden Kriminalfilm, der trotz der Thematik um Schizophenie, dem Spielort auf einem Schloss und eines im Fall herummanipulierenden Gesetzeshüters ziemlich unaufgeregt, ja geradezu bodenständig daher kommt. Einzig die Methoden, mit welchen die Verschwörer vorgehen, sind typisch fantastischer Wallace-Natur, bilden im Gesamtbild jedoch die schlichte Ausnahme.

Der stimmige Soundtrack von Martin Bötcher weiß das gelungene Gesamtbild zu unterstützen, schmiegt er sich doch sanft in die Ohren des Zuschauers, so schlicht und zurückhaltend wie die gesamte Inszenierung von Regisseur Harald Reinl ausgefallen ist. „The Forger of London“ (Alternativtitel) ist weder einer der schrilleren Wallace-Beiträge der Rialto-Serie, noch einer der großen Hingucker, aber Krimi-Fans wird er definitiv gefallen, ganz unabhängig davon welcher Reihe der Film eigentlich angehört. Zudem ist er stellenweise recht emotional ausgefallen und weiß damit zusätzlich durch seine ungewöhnlich eingefädelte Love Story zu fesseln. Nach „Der Fälscher von London“ wissen wir nun endlich, dass Geisteskrankheiten der Liebe manchmal auf die Sprünge helfen können. unterhaltsam


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Samstag, 11. März 2017

DAS RÄTSEL DER ROTEN ORCHIDEE (1962 Helmut Ashley)


Als zwei amerikanische Verbrecherbanden in London tätig werden, um die Vermögenden zu erpressen, holt Scotland Yard einen mit solchen Subjekten erfahrenen FBI-Agenten hinzu, um der Lage Herr zu werden...


Ein Toter packt die Koffer...

Eddi Arent mimt den Butler, Klaus Kinski wen Zwielichtiges, Gut und Böse sind klar getrennt. Scotland Yard ermittelt. Der Kommissar flirtet mit einer in den Fall involvierten Frau. Was nach einem typischen Wallace klingt, ist außerhalb der aufgezählten Parallelen jedoch ein sehr anders gerateter Film innerhalb der Rialto-Wallace-Reihe, besitzt Helmut Ashleys Werk doch eine eigene Handschrift, angefangen bei den professioneller eingefangenen Schwarz/Weiß-Fotografien, weitergeführt mit einer wesentlich durchdachteren Geschichte als üblich und abgerundet durch kleine Gimmicks, die sich perfekt in die Geschichte einfügen anstatt lediglich bereichernde Fremdkörper zu sein.

Das zeigt sich hauptsächlich in der Rolle Eddi Arents als Todesbutler, dessen Running Gag eine Entwicklung durchmacht, bishin zur augenzwinkernden, ans Publikum gerichteten Schlusspointe. Arent spielt mit sichtlicher Freude, und dieser so wundervoll in die Geschichte integrierte Part gehört wahrlich zu den besten Auftritten Arents, zumal diesmal jeglicher Witz zu gefallen weiß. Diesbezüglich ist Arent diesmal der einsame Einsatz des Streifens, ist der Rest von „The Puzzle of the Red Orchid“ (Alternativtitel) doch um Ernsthaftigkeit bemüht, was Ashley auch blendend meistert. Man ist sowohl mittendrin in den polizeilischen Ermittlungen, als auch in den Aktionen und dem Krieg der beiden Verbrecherbanden. Damit schafft es der Stoff über seine kurze Laufzeit von 81 Minuten interessant zu bleiben, während gut gezeichnete Charaktere dafür sorgen, dass es trotzdem Identifikationsfiguren gibt, die das Geschehen nicht einzig theoretisch erscheinen lassen.

Eine ungewohnt maskulin agierende und so gar nicht püppchenhaft aussehende weibliche Hauptrolle sorgt für die nötige Abwechslung und erfüllt zum Vorteil so gar nicht die Nische der zu rettenden, zierlichen Person. Ihre beiden Bewunderer, der Ermittler Scotland Yards und der Orchideen-Züchter aus dem Amazonas, den man viel früher als Übeltäter vermutet als es dem Drehbuch lieb wäre, ähneln sich vom Typ her, was sowohl die Konkurrenz zur Frau, als auch die gegenteilige Position zum Kriminalfall interessant gestaltet. Und wenn mittendrin noch Christopher Lee mit amerikanischen Polizeimethoden agiert, gibt es eigentlich keine offenen Wünsche mehr.

„Das Rätsel der roten Orchidee“ ist ein angenehm anders gearteter Wallace-Film, der von Anfang an Neugierde weckt und in seiner lockeren, wie trotzdem ernsten Atmosphäre zu gefallen weiß. Kinski rückt diesmal etwas mehr in den Fokus, Arent fügt sich wie erwähnt ein, und der Kriminalfall bietet die ein oder andere Überraschung am Rande, während er trotz des Elementes, amerikanische Bandenkriege in London stattfinden zu lassen, erstaunlich bodenständig erzählt ist. Ashley spielt nicht mit schrägen Ideen wie es typisch für Alfred Vohrer wäre, und das Ergebnis gibt Ashley recht, so sehr ich Vohrers Werke auch achte. sehenswert


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ÜBERFALL DER MÖRDERRUCKSÄCKE (2006 Ralf Kemper)


Rucksäcke entwickeln ein Eigenleben und attackieren die Menschen. Was mit Einzelfällen beginnt, weitet sich zur Epidemie aus, bei der immer mehr Menschen ihr Leben lassen...


Rucksacksammler und Regisseur in einer Person...

Gegenüber dem sehr ernsten und zu verkrampft angegangenen „Lock the Doors“ schaute sich mein zweiter nach langer Zeit gesichteter Amateurfilm „Überfall der Mörderrucksäcke“ wesentlich entspannter und flotter, was nicht nur daran liegt, dass wir es hier mit einem humoristischen Stoff zu tun haben, sondern hauptsächlich daran, dass die Beteiligten hier trotz des bescheuerten Grundszenarios natürlich agieren, sich in Situationen hineinversetzen können und ihre Texte nur selten falsch betonen. Kurzum: wir erleben hier die angenehme Art Amateurdarsteller und Drehbuchautor, die nicht einzig in der Welt des Films zu Hause sind, sondern auch in jener der Psychologie und der Ethik.

Trotz des lockeren Grundtons und der wundervoll freiwillig trashigen Grundidee sind 75 Minuten aber auch für ein Werk wie „Überfall der Mörderrucksäcke“ zu viel des Guten, merkt man trotz voranschreitender Erzählung, also obwohl es zu keinem inhaltlichen Stillstand oder wiederholendem Szenario kommt, dass der Mittelteil sich ein wenig anstrengender guckt als der Rest. Das liegt meiner Meinung daran, dass man sich einzig mit dem eigentlich lobenswerten Ansatz begnügt, die schräge Grundsituation für sich wirken zu lassen, ähnlich wie man bei „Angriff der Killertelefonbücher“ vorgegangen ist. Besser wäre es gewesen zusätzliche Witze, ruhig auch albernere Momente, einzubauen, so wie es „Angriff der Killerbratwurst“ tat.

Da „Überfall der Mörderrucksäcke“ jedoch vor diesem Tief und erst recht danach so gut zu funktionieren weiß, und es Regisseur Ralf Kemper um mehr als eine Komödie geht, mag das vielleicht ein recht flacher Ratschlag von mir sein, andererseits hätte man für ein besseres Ergebnis nicht gleich derart in Klamauk baden müssen, wie es der Vergleichsfilm tat. Wie auch immer, „Überfall der Mörderrucksäcke“ weiß großteils zu funktionieren, und dies auch deshalb weil Ralf Kemper nicht nur bemüht darin ist seinen Film anders sein zu lassen und sich nicht nur auf dem Trash-Aspekt auszuruhen, es gelingt ihm tatsächlich auch.

Wenn harte, gar nicht mal schlecht umgesetzte, Effekte das kunterbunte Treiben streifen, dann erleben wir den offensichtlichsten Part der „Überfall der Mörderrucksäcke“ nicht einzig zur Komödie degradiert. Interessanter sind jedoch die wesentlich kniffligeren Spielereien Kempers, wie z.B. die sehr einfallsreich umgesetzte groteske Traumsequenz, oder die Art wie die finale Rucksack-Attacke auf einen Serienkiller umgesetzt ist. Hier trifft Kunst auf Amateurfilm. Das gefiel mir gut, zumal es so unverkrampft eingebaut ist, wie sich der Rest des Streifens gibt.

Die Idee nicht nur einzelne Attacken zur Geschichte werden zu lassen, sondern aus den Mörderrucksäcken eine Menschheits-vernichtende Epidemie zu machen (dies wird zumindest angedeutet), ist ein weiterer Pluspunkt des Streifens. Und der vielfältige Stilmix in Sachen Hintergrundmusik tut Kempers Werk zusätzlich gut, geht er doch von Klassik, über Pop und Punk bis hin zu Metal, und stets weiß die Musik die jeweilige Szene zu unterstützen - nicht einmal der Metal drängt sich in den Vordergrund, wie es oft selbst Profis wie Argento passiert.

Bis auf den etwas anstrengenden Mittelteil, der jedoch auch mit meiner Tageskondition zu tun haben kann (zumal ich den Film alleine gesehen habe, die Partystimmung steigt sicherlich bei Gruppensichtungen), gibt es somit nichts zu meckern, schaut sich „Überfall der Mörderrucksäcke“ doch lustig ohne all zu albern zu werden, durchdacht ohne verkopft zu sein, natürlich gespielt und geschrieben, abwechslungsreich umgesetzt und mit Ideen bereichert, die weit über die Grundidee hinausragen. Es ist zwar schön sich auf den Humor der zugrunde liegenden Idee und auf jenem der Charaktere zu verlassen, der ein oder andere zusätzlich eingebaute Gag hätte dem fertigen Werk jedoch dazu verholfen noch eine Spur besser zu werden. So bleibt er „nur“ ein liebevoll umgesetzter, charmanter Amateurfilm, der sich auf wundervolle und einfallsreiche Art von Deutschlands brutalitätsversessenem Horror-Amateurfilmeinerlei sympathisch abhebt. unterhaltsam


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DER TOD TRÄGT SCHWARZES LEDER (La polizia chiede aiuto 1974 Massimo Dallamano)


Als eine 14jährige erhangen aufgefunden wird, stellt sich schnell heraus, dass es kein Selbstmord war. Die Kleine war Prostituierte eines Pädophilen-Rings, deren Hintermänner nun gefunden werden müssen. Zur selben Zeit taucht ein in Leder gekleideter Killer auf einem Motorrad auf, der etwas mit dem Fall zu tun zu haben scheint...


Eine von Achttausend...

Die Geschichte und Massimo Dallamanos erst zwei Jahre zuvor erschienender „Das Geheimnis der grünen Stecknadel“ lassen vermuten es mit „Der Tod trägt schwazes Leder“ mit einem typischen Giallo zu tun zu haben, gerade in Hinsicht auf den Motorrad fahrenden Killer in Leder, Handschuhen, der mit Beil und Messer diversen Menschen nach dem Leben trachtet. Aber „La polizia chiede aiuto“ (Originaltitel) geht weit über das üblich schmuddelige Thema eines Giallos, wie wir ihn speziell in Deutschland kennen, hinaus, lässt er doch einen Blick hinter eine bittere Wahrheit werfen, per Texteinblendung echten Zahlen nennend und täuscht damit seine Bedrücktheit über diesesThema nicht nur vor.

In seiner schonungslosen, aber nie reißerischen Art wird „What Have They Done with Your Daughters?“ (Alternativtitel) zu einem Kriminalfilm-Drama, das sich der Ernsthaftigkeit seines Themas bewusst ist. Dallamano geht sachlich nüchtern, aber auch ungeschönt vor. Er lässt Nacktheit als schockierende, unerotische Wahrheit einfangen, nutzt seine Gore-Effekte für die natürlichste Reaktion der Welt beim Zuschauer, der Übelkeit und setzt solche Momente rar in ein Szenario ein, welches sich auf die Ermittlungen konzentriert, die wir Schritt für Schritt begleiten.

Deutliche Worte, dramatische Hintergründe, erschreckende Bilder und das Ganze gepackt in einen meist aus der nüchternen Betrachtungsweise entstehenden Spannungsbogen, der von einem Soundtrack unterstützt wird, der einem nicht so schnell aus dem Ohr geht, während er mit seinem kindlischen Chor aufgrund des Filmthemas die Kehle des Zuschauers zuschnürt. Abgerundet wird dieses großartige Seherlebnis mit einer schockierenden, wie glaubwürdigen Auflösung, die Realitätsverweigerern nicht gefallen wird.

Dallamano verzichtet trotz seines ernsten Anliegens nicht darauf auch den Unterhaltungswert des Streifens im Auge zu behalten. So wohnen wir beispielsweise einer aufwendig inszenierten, packenden Verfolgungsjagd bei, wenn der titelgebende, lederne Killer erstmals ins Geschehen tritt. Dies tut er im übrigen nicht all zu oft, liegt das Hauptaugenmerk doch nicht auf ihn. Aber allein wegen der Aktenschließung am Schluss ist sein Mitwirken in der Geschichte unverzichtbar, um die bittere Pointe stärker zu verdeutlichen.

„Der Tod trägt schwarzes Leder“ ist ein Thriller für harte Nerven. Dies nicht etwa weil er in brutalen Bildern badet, sondern weil er so schonungslos ehrlich und sachlich Stellung zu einem Thema bezieht, von dem wir am liebsten nichts wissen möchten. Die üblichen Zutaten, die einen harten Kriminalfilm ansonsten schocken lassen, gehen hier weit über die übliche Schockwirkung hinaus. Sie verursachen echtes Unwohlsein und Übelkeit, aufgrund des sensiblen Beitons aber auch Mitgefühl. Gerade Mario Adorfs Anwesenheit unterstützt dies mit dessen Dackelblick all zu gut.

Aber auch aufgrund der empathischen Erzählweise Dallamanos erlebt man die Geschehnisse stets intensiver anstatt allein gefesselt von einem gut gemachten Thriller zu sein. Der Mix aus beidem macht aus dem hier besprochenen Film ein solch großartiges Erlebnis, in welchem sich echtes Mitgefühl und reißerisch anmutende Elemente nicht widersprechen. In diesem erfolgreichen Zusammenspiel zweier unvereinbar scheinender Schwerpunkte kann man ihn eigentlich in einem Atemzug mit „Nackt und zerfleischt“ nennen. sehenswert


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Donnerstag, 9. März 2017

BLOOD BEACH - HORROR AM STRAND (Blood Beach 1980 Jeffrey Bloom)


Unten im Sand lauert eine unbekannte Kreatur Badegästen am Strand auf und zieht sie als Beute zu sich hinunter in die Erde. Die Polizei versucht die Bestie aufzustöbern...


Das Ungeheuer von Blood Beach...

1980 war der erfolgreiche „Der weiße Hai“ noch nicht all zu lange her. Aber der Zeitabschnitt war lang genug um nach etlichen Nachahmern mit Haien oder manch anderen Bewohnern des Wassers umzudenken, um das gesättigte Publikum locken zu können. Ob man nun den Urzeithai ausbuddelte, oder eine Mix-Kreatur aus Oktupus und Hai kreierte, Ideen gab es zuhauf um vom Erfolgskuchen ein Stück abzubekommen. Und nachdem 1978 auch „Der weiße Hai 2“ erfolgreich die Kinos heimsuchte, ließen die Nachahmer erst recht nicht locker.

Zu diesen gehörte auch Jeffrey Bloom, der sich als Autor und Regisseur von „Blood Beach - Horror am Strand“ dessen besann, was Spielbergs Werk damals ausgelöst hatte: die Angst vor dem Badeurlaub. Noch Jahrzehnte vor „Sand Sharks“ kam er auf den Gedanken, was wohl wäre, wenn die mörderische Kreatur nicht im Wasser lauern würde, sondern unter der Erde im Sand. Und geboren war die Idee des hier besprochenen Filmes, der nun nicht wie das eben genannte Vergleichswerk einen Hai im Sand präsentiert, sondern eine uns unbekannte Kreatur, welche den Filmcharakteren Rätsel aufsetzt.

Recht schnell bemerken die Verantwortlich zur Lösung der Geschehnisse, dass eine nicht menschliche Kreatur für die vielen Todesfälle verantwortlich ist. Zwar verstehe ich nicht, warum Bloom keinen herbeigerufenen Wissenschaftler eingebaut hat, der nachforscht um was für eine Kreatures es sich handelt (stattdessen wird ein Forscher eingebaut, der lediglich unreflektiert phantastischen Humbug von sich gibt), aber zumindest fängt das Buch dies gelungen auf in Bezug auf die Polizeiarbeit, sind es doch die Cops auf deren Hilfe man hofft und deren Belegungszahl man in besonders kritischen Zeiten nun verdoppelt hat.

Der Captain regt seine Mannschaft an sich Gedanken zu machen was das gesuchte Vieh für eine Kreatur sein könne. Kollegen sollen ihre Kinder fragen, jeder solle sich Gedanken machen, wie die Bestie geartet sein kann. Da jeglicher Ansatz fehlt ist diese Spinnerei gar nicht mal verkehrt zu nennen, und „Blood Beach“ (Originaltitel) beweist sich in diesem trashigen Gewand als durchdachter und vom hohen Ross der unfreiwilligen Komik-Perspektive heruntersteigend als nachvollziehbarer und sinnvoller angegangen, als die Außenhülle der Geschichte vermuten lässt - dies zwar lediglich auf B-Film-Basis, Bloom folgt den üblichen Mustern einer solchen Geschichte, aber sie wird durch solch verspielten Kleinigkeiten aufgebrochen und damit interessanter als manch vergleichbares Werk.

Da auch die Charaktere trotz fehlender Tiefe recht sympathisch gezeichnet sind und sich das Herunterziehen unter den Strand, so billig es auch getrickst ist, immer wieder nett anschaut, gibt es keinen Grund über Blooms Werk zu schimpfen, ist es doch ein simples, wie unterhaltsames Stück Tier-Horror, mit dem Bonus nicht zu wissen um welches Tier es sich handelt. Dass wir es erst im Finale sichten, sei hier bereits verraten. Aber das ist meiner Meinung nach eine gute Entscheidung, handelt es sich doch um eine wahrlich ungewöhnliche Kreatur, eine phantasievoll umgesetzte, aber auch eine, die ihre Wirkung bei Attacken auf Menschen verloren hätte.

Bloom ist sich dessen bewusst und zeigt das unbekannte Tier nur, damit wir darüber staunen können, nicht weil er nun die Jagd auf die Menschen eröffnet, und wir die Kreatur im Einsatz sehen dürften. Da mag nun mancher klagen, dass die Bestie billig aussehen mag, ich fand sie in ihrer etwas zu plump umgesetzten Art jedoch faszinierend und geheimnisvoll, tatsächlich in keine Schublade einordnen lassend, so dass auch die Schlusspointe während des Abspanns durchaus vorstellbar ist.

Als kleines Leckerchen für Dauergäste im Bereich des 70er- und 80er-Jahre-Kinos präsentiert uns „Blood Beach“ zwei stets gern gesehene Semi-Promis des B-Film-Bereiches, als da wären John Saxon, bekannt als der Vater aus „Nightmare - Mörderische Träume“ und als Veteran aus „Asphalt-Kannibalen“, sowie Burt Young, bekannt als Pauly aus den „Rocky“-Filmen, der hier eine ähnlich abgefuckte Rolle spielen darf - als Cop. „Blood Beach - Horror am Strand“ ist der nette, kleine, sympathische Horrorbeitrag für zwischendurch, relativ unblutig geraten, für manch einen sicher auch belustigend ausgefallen, aber aufgrund des Mutes das Thema ernsthaft umzusetzen mit dem Herzen am rechten Fleck angegangen. „Blood Beach“ biedert sich keinem Publikum an, er lässt sich von neugierigen, aufgeschlossenen Cineasten entdecken. unterhaltsam


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Sonntag, 5. März 2017

DIE TÜR MIT DEN SIEBEN SCHLÖSSERN (1962 Alfred Vohrer)


In einer Mordserie in London finden sich bei den Opfern stets ähnlich aussehende Schlüssel. Inspektor Martin findet heraus, dass es von diesen sieben Stück geben soll, und dass das Ganze irgendwie mit der Erbschaft eines Lords zu tun haben soll, der die Tage volljährig wird...


Das Labor hinter dem Regal...

In dem relativ frühen Beitrag der Rialto-Wallace-Reihe findet noch einiges anders statt als man es später mit dem Wachsen von Standards innerhalb der Serie gewohnt ist. So ermittelt Heinz Drache noch weit weniger konservativ und bekommt sogar eine erheiternde Note zu seinem Charakter zugeschrieben, wenn der Kommissar ständig nebenbei Zaubertricks zelebriert, sehr zum Neid seines tolpatschigen Assistenten Holms (!!!), gespielt von Eddi Arent. Auch die Inszenierung Alfred Vohrers kommt noch reichlich unverspielt daher und beschränkt sich auf einige wenige Gimmicks, wie seiner auch aus späteren Beiträgen bekannte optische Spielerei mit Lupen.

Zumindest das versteckte Maschinengewehr in einer Armprotese braucht sich nicht vor ähnlichen Spielereien, wie dem mit Waffen versehenen Rollstuhl in „Wartezimmer zum Jenseits“ (kein Wallace, aber ein Vohrer), verstecken. Aber da befinden wir uns schon am Ende des Streifens, und dies ist weit schräger ausgefallen als der komplette Restfilm, gesellen sich nun zu den Krimielementen mit der Anwesenheit eines verrückten Wissenschaftlers doch auch Elemente der Science Fiction hinzu, auch wenn man nie so ganz erklärt bekommt, welch ungewöhnliche Experimente der Durchgeknallte da eigentlich durchführt.

Zu gefallen weiß genau in diesem Punkt die verspielte Art des Streifens. Nicht nur dass im Geheimversteck des Mad Scientist Reagenzgläser und ähnliches geheimnisvoll wirkend vor sich hinkochen, immerhin an einem Ort an dem der Irre auch Gefangene nimmt, auch das Halten eines Gorillas in einer der Zellen sorgt für schräge Ambiente. Wenn der Gefangenen dann auch noch die Flucht gelingen kann, weil der Geisteskranke sein Ego gerade streichelt, indem er seinem Opfer erklärt wie genial er sich selber findet, dann haben wir endgültig den augenzwinkernden Bereich der Darstellung eines geistig entrückten Wissenschaftlers erreicht, das nur noch dadurch getoppt wird, dass der verrückte Mensch schließlich dadurch gestoppt werden kann, dass er mit der Tatsache konfrontiert wird, gar kein Wissenschaftler zu sein. Vohrer versteht es einen Wahnsinnigen wirklich verrückt erscheinen zu lassen.

In dem ansonsten relativ gewöhnlich laufenden Kriminalfall taucht als ungewöhnliches Element sonst noch ein monströser Glatzkopf auf, der eher wie ein Monster als wie ein Mensch agiert (was herrlich bescheuert kurz vor dem Finale erklärt wird). Obwohl mit Schürenberg, Arent und Drache auch humoristische Elemente mit ins Geschehen treten und mit besagter Wissenschaftsthematik auch augenzwinkernde, kann man „Die Tür mit den sieben Schlössern“ nicht wirklich als Krimi-Komödie bezeichnen. Das macht die trottelige Art mit welcher das kriminelle Ehepaar vorgeht, von welchem Werner Peters den männlichen Part übernimmt, um so merkwürdiger, ist deren tolpatschiges Verhalten doch ebenfalls maximal augenzwinkernd gemeint.

Wie auch immer, „The Door with Seven Locks“ (Alternativtitel) weiß als sympathisches Produkt seiner Reihe zu funktionieren, ohne dass Vohrers Beitrag ein früher Höhepunkt wäre. Etwas enttäuscht darf man über das frühe Ausscheiden Klaus Kinskis Rolle sein, zumal er mal wieder bravourös spielt. Die Geschichte selbst verläuft für solch ein simples Geschehen ziemlich wackelig, allein wie die weibliche Hauptrolle in das Geschehen integriert wird, und mit welchen Methoden die Verbrecher vorgehen, ist völlig unsinniger Natur, wird in einem verspielten Wallace-Krimi aber freilich nicht hinterfragt, da es zu den üblichen Spinnereien der Reihe gehört, die man als Fan nicht missen möchte. „Die Tür mit den 7 Schlössern“ (Alternativtitel) ist somit solide Routinekost innerhalb der Reihe, was doch ein passables Ergebnis für einen solch unbekannten Film innerhalb der Frühphase ist. unterhaltsam


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GHOST HOUSE (La casa 3 1988 Umberto Lenzi)


Ein Amateurfunker und seine Frau empfangen Hilferufe. Nachdem sie herausgefunden haben woher diese stammen, fahren sie dort hin und landen in einem Spukhaus...


Das Mädchen und sein Clown...

Umberto Lenzi gehörte zu den Vieldrehern Italiens und hat meist dementsprechend nur mittelmäßige Kost hervorgebracht. Es braucht also nicht überraschen, dass dies bei „Ghost House“ nicht anders ist. Die Art wie er es diesmal schafft nur das Ergebnis des Mittelmaßes zu erreichen, ist dennoch erstaunlich für einen Spukhausfilm zu nennen, scheitert sein Werk, welches nichts mit den weiteren in Deutschland als „Ghosthouse“-Fortsetzungen erschienenden Filmen zu tun hat, doch nicht am fehlerhaften Verwenden von Suspensemomenten, sondern daran sie kaum bis gar nicht eingebaut zu haben.

Diese ersetzte Lenzi stattdessen mit Spezialeffekten - und gar nicht mal mit schlechten. Anstatt seine Protagonisten mit Unbehagen durch die Stille und Dunkelheit zu jagen, sie daran zweifeln zu lassen ob etwas Übernatürliches vorgeht oder nicht, oder anstatt aus einer trügerischen Ruhe einen Schockmoment zu zaubern, baut er lieber auf Spezialeffekte. Da zerspringen die Gläser, da geht der Fernseher von alleine an und aus, es werden sich Gegenstände eingebildet, Fratzen schauen aus dem Fenster einer Waschmaschine, die gerade läuft, für den Zuschauer gibt es immer etwas zu sehen.

Aber so schön die ganze Chose auch getrickst ist, einen Horrorfilm lässt das nicht auf Spielfilmlänge funktionieren, wenn man nebenbei keinen Spannungsbogen erschafft. Da laufen zwar immer wieder mal die jungen, weiblichen Charaktere hysterisch herum, und die männlichen Figuren sterben meist aufgrund des heldenhaften Herumgetues des angstfreien Geschlechts, spannend, geschweige denn gruselig, ist die Atmosphäre um sie herum aber nie, als dass man sich in deren Tun oder Ableben hineinfühlen könnte. Ohnehin sind es blasse Abziehbild-Charaktere mit denen wir es hier zu tun haben, so dass der mangelnde Spannungsbogen nicht durch den Charme einer oder mehrerer Figuren aufgefangen wird. Selbiges gilt für Situationen, die einem bei dem Aneinanderreihen von Spezialeffekten nicht sonderlich interessieren.

Freunde besagter Effekte werden sich freuen, aber ob sie deshalb für sich einen unterhaltsamen Film mit „La Casa 3“ (Originaltitel) gefunden haben, darf bei den schlichten Rahmenbedingungen bezweifelt werden. Trotz der Zahl 3 im Originaltitel ist „Ghost House“ anbei der erste Teil einer Reihe, die fortgesetzt wurde mit „Witchcraft - Das Böse lebt“, der nichts zu tun hat mit den in Deutschland erschienenden angeblichen „Witchcraft“-Fortsetzungen und mit „Horror House 2“, der nichts zu tun hat mit dem ersten „Horror House“, der wiederum die zweite Fortsetzung von „House“ ist. Es ist gar nicht so leicht da noch durchzublicken. Da alle echten Fortsetzungen von „Ghosthouse“ (Alternativtitel) jedoch nur alternative Geisterstorys sind, ist das aber eigentlich ohnehin egal. mittelmäßig


Weitere Reviews zum Film: 


Samstag, 4. März 2017

LOCK THE DOORS - TRÜGERISCHE SICHERHEIT (2016 Stefan Peschmann)


Eine Babysitterin glaubt bedroht zu werden und ruft deswegen ihre Feundin an, sie möge ihr doch bitte beistehen. Zunächst glauben die beiden tatsächlich die Babysitterin hätte sich durch Nervosität alles nur eingebildet, aber recht bald merken sie, dass die Gefahr erschreckend real ist...


Der Babypuppenblutbrunnen...

Amateurfilmer ticken anders. Das meine ich nicht nur im sympathischen Sinne, wenn man diesen Leuten zugute halten muss dass sie in ihrer Freizeit einem kreativen und ungewöhnlichem Hobby nachgehen. Aus Cineastensicht ticken sie leider anders als die meisten Filmfreunde, liegen die Schwerpunkte die ihnen wichtig sind doch meist in den Quantitäten eines Filmes. Zudem gehen sie ihre Stoffe oft viel zu ernst an, anstatt den Spaß hinter der Kamera auch vor der Kamera stattfinden zu lassen. Okay, nun ist es nicht schlecht, wenn man sich auch einmal an ein ernstes Projekt heranwagt, und Stefan Peschmann, der unter dem Pseudonym Mr. Zito verantwortlich für „Lock the Doors - Trügerische Sicherheit“ ist, versucht im Gegensatz zu deutschen Amateurfilm-Gurken wie „Slasher“ und „Zombie 90 - Extreme Pestilence“ zumindest eine stimmige Atmosphäre zu schaffen, anstatt einzig auf die Schlachtplatte zu setzen.

Leider liegt ihm das Nachempfinden des Gefühlslebens seiner Protagonisten fern, was man spätestens am mangelnden Mitfühlen in mit übertrieben aufgesetzter trauriger Musik in der Szene mit dem Baby im Keller feststellen muss. Das Zelebrieren von Bluteffekten und das Einhalten von Horrorfilm-Klischees sind auch ihm wichtiger, was viel vom vorhandenen Potential der gar nicht mal schlecht eingesetzten Atmosphäre einbüßt. Auch wenn es lange dauert bis gemetzelt wird, geschieht dies hält die Kamera auf die meist schlicht und durchschaubar umgesetzten Spezialeffekte viel zu lang drauf, während Peschmann krampfhaft versucht Grenzen einzureißen und mit diesen Szenen zu provozieren.

Scheinbar gehört dies zu einem deutschen Amateur-Horror dazu, leider, aber „Lock the Doors“ hat durchaus seine Qualitäten. So ist z.B. die Musikuntermalung sehr stimmig gewählt, nur selten taucht der sonst gern so inflationär eingesetzte Hardrock auf. Meist begleitet den Film spannungsgeladene Musik, die der Regisseur zwar aufdringlicher einbaut als es eine professionelle Produktion tun würde, aufgrund der zwingend mit dem Amateurfilm-Genre einhergehenden Schwächen tut das einem selbstgedrehten Film im Gegensatz zu einer Kinoproduktion meiner Meinung nach jedoch gut.

Ohnehin liebt es Peschmann mit der Akustik zu spielen. Sein Einsatz von Telefongeräuschen oder die wundervolle Idee das Echo der Hilfeschreie eines Opfers mit in der nächsten Szene ertönen zu lassen, weiß zu gefallen. Auch kleine Nebensächlichkeiten, die das zu verkrampft geratene Grundgeschehen auflockern, tun gut, so z.B. die kurze Aufnahme, in welcher die Heldin mit den Füßen in der Luft wackelnd ihre kitschigen Pantoffeln beobachtet. Mehr solcher individuellen Ticks hätten dem Streifen gut getan.

Denn leider guckt sich „Lock the Doors“ viel zu formelhaft und gehorcht inhaltlich zu sehr den Regeln des Genres, ohne sich um die Entfaltung der Figuren zu kümmern. Das ist ein schwieriger Aspekt, und hier besprochener Film kein professionelles Werk, ich weiß, aber das abgefilmte Treiben etwas natürlicher nachzuempfinden wäre der Mühe wert, was jedoch leider keiner der hier agierenden Beteiligten vor oder hinter der Kamera erkennen lässt. So bemüht sich die zwei wichtigsten weiblichen Darstellerinnen auch geben, die vom Drehbuch vorgegebenen gestelzten Dialoge geben ihnen keine Chance. Was hier geredet wird, entspricht keinem Dialog den Menschen im wirklichen Leben aussprechen würden. Dass selbiges für manche Verhaltensweise gilt, insbesondere der des Psychokillers, geht aufgrund der Verpflichtungen sich an Horrorfilmgesetze zu halten halbwegs in Ordnung.

Dass der eigentliche Plot ziemlich unsinnig ist, je mehr man sich Richtung Ende neigt, ist ein Schwachpunkt den man bei einem mit so viel Herzblut angegangenen privaten Projekt gütigst übersieht, auch wenn es einem manches Mal, wenn es ganz besonders blödsinnig wird, doch etwas schwer fällt. Bedenklich ist, dass es eigentlich der Psychopath ist, der den logischsten Satz von allen Figuren im Film äußert: „Wann hast Du eigentlich das letzte Mal nach dem Baby gesehen?“ Das schaut sich um so witziger, als dass die Heldin einige Zeit zuvor noch betonte, wie sehr sie sich für das zu beschützende Kind im Extremfall aufopfern würde. Im Gegensatz zu kleinen selbstkritischen Bemerkungen über C-Filme am Rande, ist dies jedoch nicht freiwillig komisch gemeint. Ohnehin ist bis auf besagte Metaverweise (zu welchen auch besagter Satz des Psychopathen gehört, ich weiß) alles streng der Ernsthaftigkeit unterworfen.

Generell mag ich „Lock the Doors“ trotz aller Schwachpunkte, wenn auch eher theoretisch aufgrund der lobenswerten Bemühungen. Was aber leider komplett gegen eine bessere Bewertung arbeitet, ist der ewige Zwang ein solches Werk unbedingt auf 90 Minuten trimmen zu müssen. Das kann bereits einem abwechlungsreicheren Plot schaden, wenn aber die simple Geschichte sich immer wieder im Kreis dreht und man nur so wenige Personen ins Geschehen setzt wie hier geschehen, dann kommt man ohne dehnendes Füllmaterial nicht aus. Und so sehr Peschmann auch versucht solche Szenen nicht als solche wirken zu lassen, sie sind da und dies zuhauf, und das nervt dann doch auf Dauer etwas zu sehr. Ich weiß nicht was gegen 75 Minuten Laufzeit spricht. Charles Band hat als professioneller Billigfilmer damit auch keine Probleme und hat trotzdem genügend finanziellen Erfolg um immer so weiter zu machen. mittelmäßig