PRIMITIVE (2011 Benjamin Cooper)


Der Monstereffektverantwortliche eines Horrorstreifens soll sich einer Antiaggressionstherapie unterziehen und wird in dieser hypnotisiert. Irgendetwas läuft währenddessen nicht wie geplant, so dass die Hypnose dafür sorgt, dass der junge Mann im hocherregten Zustand ab sofort unbewusst ein Monster steuert, welches seinen Aggressionen bestimmten Menschen gegenüber tödliche Vergeltung beschert...


Hypnose-Hyde...

Sinn macht hier wenig in diesem kleinen Horrorprodukt, welches uns eine handgemachte Kreatur anstatt lieblose Computeranimationen beschert und Schauspieler Reggie Bannister, semi-bekannt als Anti-Held der "Das Böse"-Reihe, auf die Leinwand zurückkehren lässt. Dass Letztgenanntes nicht immer etwas Positives bedeuten muss, bewies der gute Mann mit seinem selbstproduzierten Nervprodukt "Bloody Bloody Bible Camp". Demgegenüber ist "Primitive" definitiv besser ausgefallen, wenn auch nicht gerade aufgrund der Anwesenheit Bannisters, der geradezu austauschbar agiert. Da der Horrorbeitrag von "The Brink"-Regisseur Benjamin Cooper aber ohnehin nichts Großes sein möchte, ist das auch gar nicht schlimm, da Bannister keine Rolle besetzt, die einen guten Schauspieler benötigt hätte - so wie die restlichen Rollen anbei auch. Dennoch wurden diese für eine Billig-Horror-Produktion überdurchschnittlich gut besetzt, so dass glaubwürdige Mimen das Routineprodukt stemmen können.

Freilich können auch sie nicht gegen die Ungereimtheiten des Stoffes arbeiten, aber das müssen sie auch gar nicht, gehört die hier vorhandene Portion Nonsens doch für diese Art ernst umgesetzten Horrorfilm dazu. Das Werk orientiert sich an Videothekenproduktionen der 90er Jahre, und da herrschte eine gewisse Unschuld in derartigen Werken, eben weil die Zeit eine andere war und das Publikum nicht so verkrampft kritisch reagierte, wie sie es humorbefreit heute tut. Ohne zur Horror-Komödie zu werden gönnt sich "Primitive - Beware the Evil Within" (Alternativtitel) kleine Humoreinlagen, lässt ansonsten jedoch kaum Augenzwinkerei erkennen, was ein ungewöhnlicher Weg ist einen Monsterfilm zu erzählen, der eine derartig putzig geratene Kreatur zum Zentrum seines Schreckens erklärt. Haarig mit allerlei langen Zähnen versehen, ohne dabei optisch zu einem Werwolf-Klon zu werden, sieht es bizarr und albern aus. 

Da werden einige beinharte Horror-Fans sicherlich drüber schimpfen. Aber gerade dieser ironische Abstand zum üblichen ernst erzählten Horrorfilm, personifiziert über die Kreatur, tut der undurchdachten Horror-Chose gut und unterstützt den lockerflockigen Stil des Regisseurs, der sein Werk ohnehin zu keinem Zeitpunkt in all zu düstere Momente getaucht hat. So ist es mehr denn je Geschmackssache, ob man mit diesem Genrebeitrag etwas anzufangen weiß oder nicht. Die Geschichte ist nicht durchdacht (vorder- wie hintergründig), lässt Ideen schnell fallen und ist typisch vorhersehbar ausgefallen, das Monster weiß nicht zu erschrecken, sondern ganz im Gegenteil eher zu belustigen, aber letztendlich ist "Primitive" ein charmantes Werk, welches sich all dieser Defizite bewusst ist und sie dennoch absichtlich verwendet. Vielleicht liegt es an der zurückhaltenden Art, eben weil sich der Streifen nicht als liebevolle Retroverneigung feiert, sondern schlicht und unauffällig diesen Aspekt erfüllt, dass sich das Endergebnis recht angenehm guckt. Auf jeden Fall weiß die Besetzung einiges zu retten, so dass "Primitive" zwar kein kleiner Tipp seines Genres wird, aber zumindest den Freund von 90er Jahre-Videothekenware passabel zu unterhalten weiß, der bei der übermäßigen Auswahl im Horrorbereich eher zufällig zu diesem Produkt gegriffen haben wird.


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