GESCHICHTEN AUS DER SCHATTENWELT (Tales from the Darkside: The Movie 1990 John Harrison)


Um die Hexe hinzuhalten, die kurz davor ist ihn in den Ofen zu schieben, liest ein kleiner Junge in seinem Käfig seiner Entführerin drei Horrorgeschichten aus einem alten Buch vor. Darin geht es um eine Mumie, eine mörderische Katze und um den Pakt mit einer monströsen Gestalt...


Die Vororthexe...

Sechs Jahre nachdem die Serie "Geschichten aus der Schattenwelt" startete, drehte John Harrison die Spielfilmvariante davon, die ebenfalls diverse Horrorepisoden beinhaltete. Zusammengehalten werden sie durch die Rahmenhandlung eines von einer Hexe gefangengehaltenen Jungen, der die drei Hauptgeschichten aus einem Buch vorliest. Sicherlich darf man sich fragen, ob ein solches Vorhaben Sinn macht, wenn bereits die TV-Serie nicht miteinander verbundene Horrorgeschichten präsentiert, aber vielleicht lag der Reiz im finanziellen Umfeld. Ich kenne die Serie nicht, auf welcher der hier besprochene Film beruht, aber an Geld für tolle Spezialeffekte schien es nicht zu mangeln, lassen diese doch nichts zu wünschen übrig. Mit John Harrison hatte man zudem jemanden für die Regie verpflichtet, der innerhalb der Serie bereits mehrfach tätig war, und sein Gespür für Stil ist es dann auch, der "Tales from the Darkside - The Movie" (Originaltitel) so wundervoll funktionieren lässt.

Denn auch mir als jemand, der sich mit Episodenfilmen ein wenig schwer tut, hat dieser Ausflug in harmlose, kleine Horrorideen durchaus gemundet. Wahre Highlights präsentiert uns der Film nicht, aber alle drei Geschichten sind eine wunderbare Ablenkung von der grauen Realität. Der fast schon familiengerechte Touch wird nie zu extrem zelebriert, als dass das Ergebnis zu harmlos ausfallen würde. "Geschichten aus der Schattenwelt" schwankt zwischen blutleer, aber morbide. Seine Geschichten umweht ein düsterer Touch. Und schwarzhumorige Pointen weiß jede der vier Erzählstränge aufzuweisen. Wie bei einem Episodenfilm üblich fehlt jeder Geschichte eine entscheidende Zutat, und so kann jede von ihnen aufgrund ihrer begrenzten Spielzeit nicht sein volles Potential ausschöpfen. Um so verwunderter darf man darüber sein, dass die sich oft halb anfühlenden Erzählungen gelungen genug umgesetzt wurden, selbst dann, wenn sie wie in Geschichte Nummer 1, so gut wie keine eigenen Ideen aufweisen, die es nicht anderswo bereits gegeben hätte.

Der einzige wirkliche Schwachpunkt des Streifens liegt in der Rahmenhandlung, die zwar eingangs, wenn der Vorspann läuft, liebevoll und augenzwinkernd umgesetzt ist, mit der Auflösung der Identität der Frau und ihrer Pläne jedoch die letzte schöne Idee dieser Zwischensequenzen präsentiert, da von da an nur noch stur vorgelesen wird. Und auch die Schlusssequenz lässt Einfallsreichtum kläglich vermissen. Manch nette Pointe steckt zumindest in den Dialogen zwischen Kind und Hexe, und da die Sequenzen recht kurz ausgefallen sind, macht es die angenehm routinierte Qualität des Restfilmes auch nicht kaputt. Während die Mumiengeschichte trotz ihres Mangels an Innovationen verspielt und düster ausgefallen ist, besetzt mit Christian Slater und Steve Buscemi, ist es ausgerechnet sie, die zum Höhepunkt des Streifens wird, obwohl sie die banalste Geschichte erzählt. Der sehr interessant klingende Aufhänger der zweiten Geschichte, dass ein reicher Mann einen Auftragskiller engagiert um eine angebliche Killerkatze zu töten, wird leider nicht vollends genutzt (hier gefiel mir die Katzenhorror-Kurzgeschichte aus "Der Makler" besser), aber bis man erkennt, dass aus der hervorragenden Grundidee zu wenig herausgeholt wurde, lebt sie immerhin von ihrer hervorragenden Grundidee (von den tollen Settings, die jede der drei Geschichten zu bieten hat, einmal ganz zu schweigen).

Die letzte der drei Geschichten, besetzt mit der kurzfristig berühmteren Rae Dawn Chong, fängt sehr interessant an, konzentriert sich aber zu sehr auf die Schlusspointe, als dass sie im Mittelfeld mit den stimmigen zwei Geschichten zuvor mithalten könnte. Das Monster hat mir optisch wenig zugesagt, die Charakterzeichnung des Künstlers war mir nicht interessant genug angegangen, aber die Schlusspointe gibt der Geschichte recht, und ein stimmiger Einstieg, in einer dunklen Gasse spielend, ist besonders düster inszeniert. So hat jede der hier erzählten Geschichten ihre Schwachpunkte, aber das Restergebnis weiß zu gefallen, so dass "Geschichten aus der Schattenwelt - mehr als ein Film" (Alternativtitel) dem neugierigen Horror-Fan für zwischendurch trotzdem schmecken müsste. Immerhin bietet er solides Grundlagenprogramm, in welchem die inszenatorischen Aspekte mehr beachtet wurden als die Innovation der Geschichten. Wirklich schade ist es aber eigentlich nur um den Katzenhorror, den ich gern woanders noch einmal neuverfilmt sichten möchte, das volle Potential ausschöpfend, welches in ihm schlummerte.


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