CHRISTINE (1983 John Carpenter)


In den 70er Jahren kauft sich der schüchterne Schüler Arnie einen schrottreifen Oldtimer aus den 50er Jahren. Er bringt ihn auf Vordermann und entwickelt eine Besessenheit zu dem Wagen. Das Auto selbst, welches den Namen Christine trägt, besitzt ein Eigenleben und wird schnell eifersüchtig wenn jemand sich in Arnies Leben einmischt. Recht bald kommt es zu ersten Toten...


Das Radio, das nur Oldies spielt... 

Von den noch recht frühen Beiträgen John Carpenters ist "Christine" meiner Meinung nach jenes, das am wenigsten seine typische Handschrift trägt. Der Film schaut sich aus dem üblichen Guss einer Hollywood-Produktion, was damals noch eine positive Eigenschaft war. Aufgrund der stark klischeebelasteten Figuren des Streifens guckt sich das Ergebnis stattdessen eher wie ein waschechter Stephen King-Film, was verwundern darf, war Stephen King zwar der Autor der Buchvorlage, doch von dessen phantastischem und vor allen Dingen auch sehr einfallsreichen Roman ist in der Filmversion nicht mehr viel übrig geblieben. Statt die hochgradig interessante Geschichte des Romans zu verfilmen, handelt "Christine" lediglich von einem mordenden Auto und ihrem besessenen Fahrer.

Interessanter Weise hat Carpenter diese Versimpelung recht gut im Griff. Wo die meisten Szenen auch aus der Hand vieler anderer Regisseure stammen könnten, da entpuppen sich jene Momente, in der Carpenters Handschrift zu erkennen ist, auch gleich als die Höhepunkte des Streifens. Die Attacken der rachsüchtigen Karre, begleitet von Carpenters selbst komponierter Hintergrundmusik, wissen selbst dann zu wirken, wenn Christine noch gleich reißerisch brennen muss, während sie den viel zu alt besetzten Oberbösewicht verfolgt und tötet. Die nur selten, aber dann zum richtigen Zeitpunkt, eingesetzten Spezialeffekte wissen ebenfalls zu gefallen, ebenso wie der Wandel Arnies, was nicht nur der Maske Keith Gordons zu verdanken ist, sondern auch dem Schauspieler selbst, der die kleinen Graustufen seiner Verwandlung gut einzufangen weiß. Leider führte er irgendwann nur noch Regie. Gerade in seinen Teenie-Zeiten, wie beispielsweise in "Combat Academy", empfand ich ihn als sympathischen Mimen leichter Stoffe.

Während die Deutschvertonung die ohnehin schon gewaltigen Stereotype um einige weitere Grade aufpuscht, lohnt sich "Christine" im Originalton. Normale Stimmen begleiten dort die Klischeefiguren, das lässt den Film weit angenehmer gucken. Aber ohnehin hat mich der hohe Unterhaltungswert bei meiner erneuten Sichtung nach etlichen Jahren überrascht, hatte ich "Christine" doch eher als Durchschnittsfilm in Erinnerung, und das ist er meiner Meinung nach so gar nicht, so toll wie er sich aus einem Guss schaut, so gut wie Horror und Drama nebeneinander harmonieren, so seicht wie beide Bereiche angegangen werden. Und es ist erstaunlich wie gut der Streifen funktioniert, wenn man bedenkt dass es Arnie ist der im Zentrum steht und gegen Ende von wem bekämpft werden muss, zu dem man weit weniger Bezug erhalten hat. Auch hier ist der Roman völlig anders vorgegangen, da er von Anfang an die Sichtweise der jeweiligen Phase der Erzählung wechselte. Interessanter Weise schadet der Verzicht dieser Vorgehensweise nicht dem Film, der auf seine seichte, zurückhaltende Art, versehen mit seinen kleinen Höhepunkten am Rande, einfach gelungen ist wie er ist.


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1 Kommentar:

  1. Alexandra Paul kommt im April 2019 nach Dortmund zur Comic Con. Gäbe es da eine visuell anspruchsvolle deutsche Vö würde ich mir die signieren lassen. Aber die Amaray hängt ja ziemlich in den Seilen. Da wäre ein Mediabook durchaus wünschenswert.

    Gruss
    zult

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