MÖRDER AHOI! (Murder Ahoy 1964 George Pollock)


Nach seiner Inspektion auf dem Schiff Battledore kehrt ein Mitglied des Kuratoriums eines Vereins zur Resozialisierung kriminell gewordener Jugendlicher zurück, um von einem ungeheuren Skandal zu berichten. Doch bevor er davon erzählen kann stirbt er an einem in seinem Schnupftabak beigemischten Gift. Miss Marpel, die nach dem Tod eines Verwandten jüngst ebenfalls Kuratoriumsmitglied besagten Vereins geworden ist, reist auf die Battledore, um vor Ort herauszufinden auf welch tödliches Geheimnis der gute Mann gestoßen ist, wissentlich dass der Kapitän des Dampfers alles andere als erfreut über Besuch auf seinem Schiff ist...


Von dem Mann, der keinen Großvater hatte...

Für den vierten und leider letzten Teil der mit Margaret Rutherford in der Hauptrolle besetzten Miss Marple-Reihe holte man sich die Erlaubnis von Agatha Christie eine eigene Fortsetzung schreiben zu dürfen. Zwar beruhte bislang ohnehin nur "16 Uhr 50 ab Paddington" auf einem Roman der Kriminalfälle lösenden Rentnerin, aber die beiden Fortsetzungen "Der Wachsblumenstrauß" und "Vier Frauen und ein Mord" bedienten sich zumindest bei Hercules Poirot-Romanen, dessen Abenteuer ebenfalls aus der Feder Agatha Christies stammten. Nun hat das stets konstant gebliebene Filmteam der allseits beliebten Reihe ein eigenes Buch vorgelegt, und das fällt dem geschulten Blick auch ziemlich schnell negativ auf, wenn der alles auslösende Mord aufgrund seiner Vorgehensweise zeitlich zu zufällig stattfindet, als dass ein perfekt abgeschätztes Verbrechen hätte stattfinden können. Die Raffinesse Christies fehlt an mancherlei Stelle, und das lässt "Mörder ahoi!" eine Spur schwächer gucken als seine Vorgänger.

Es ist dem Beibleiben des ansonsten bewährten Musters zu verdanken, dass "Murder Ahoy" (Originaltitel) nicht Ansatzweise zur Katastrophe verkommt. Die Musik weiß wie immer zu gefallen, Regie, Akteure, Kameramann, sie alle sind Profis ihres Fachs, als festes Team längst aufeinander eingespielt, und da das Drehbuch neben der Standards auch ungewöhnliche Situationen bereithält, ist das doch ein wenig mehr geworden als eine alles wiederholende Blaupause. Highlights wie Marples Mitsingen während des Auftritts des Schülerchors, oder der comicartige Umzug nach Ranghöhe, wenn der Kapitän Miss Marple widerwillig seine Kajüte überlässt, wissen den Humorbereich gekonnt zu sättigen. Einzig der Thrill geht diesmal eine Spur zu sehr verloren, düstere Momente darf suchen wer will, egal wie morbide unser Mörder diesmal auch vorgehen mag.

Das Motiv und die Täteraufdeckung wissen zu gefallen, ebenso wie der rätselhafte Weg dorthin, dem eine Täuschung zuvor geht, glaubt man doch zunächst an ein anderes Motiv. Mr. Stringer bekommt, wie von Teil zu Teil üblich, mehr Präsenz beschert und darf diesmal auch entscheidenden Einfluss auf den Kriminalfall nehmen, im Gegenzug dazu wird die Rolle des Oberinspektors etwas zu stark reduziert, was uns weit weniger Kabbeleien zwischen ihm und Marple beschert, auch wenn dies konsequent klingt, so oft wie Marple bislang recht behielt. Hauptpluspunkt des vierten Teils ist Lionel Jeffries in der Rolle des Captain Rhumstone, der den Humorgehalt permanent hoch hält, vielleicht etwas zu hoch für mancher Leuts Geschmack. "Mörder ahoi!" ist tatsächlich mehr Krimi-Komödie als bisher, aber nach Übersättigung fühlt sich das meiner Meinung nach nicht an, zumal die Pointen weiterhin gut gesetzt sind und ohnehin auf hohem Niveau herumgealbert wird. Ich wünschte es hätte noch weitere Fortsetzungen gegeben, denn auch dieser schwächste der insgesamt vier MGM-Miss Marple-Filme ist noch immer hervorragende Unterhaltung weit über Durchschnitt.


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