Dienstag, 28. August 2012

EDEN LOG (2007 Franck Vestiel)


Ein Mann erwacht in einer unterirdischen Höhle, von Schlamm bedeckt und ohne Erinnerung. Viel Zeit zum Nachdenken bleibt ihm nicht, denn er wird hier unten von Männern und Monstren gejagt. Er stapft durch ein labyrinthartiges Tunnelsystem, welches der Organisation Eden Log gehört und deren Geschäft ein düsteres Geheimnis birgt...


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Der Regisseur Franck Vestiel, der 1998 einmal als Schauspieler in einem Film mitspielte, legte mit „Eden Log“ sein Langfilm-Regie-Debüt ab, seine bislang einzige Arbeit in diesem Bereich nachdem er Regieerfahrung in einer TV-Serie sammeln durfte. Bei so wenig Berufserfahrung überrascht es um so mehr, dass der gute Mann einen besonderen Film zauberte, einen der deutlich macht, dass einer Vision gefolgt wurde und nicht schlichtweg eine Geschichte heruntergedreht wurde. Dementsprechend interessant ist auch sein Audio-Kommentar ausgefallen.

„Eden Log“ ist künstlerisch wertvoll präsentiert. Seine Bilder sind in schwarz/weiß gehalten und wirken düster und schlammig, dreckig wie der Held. Die Umgebung wirkt auf den Zuschauer orientierungslos, was zu der Aussage passt, dass der Komplex, in welchem sich der Protagonist fortbewegt, labyrinthartig sei. Als Betrachter von „Eden Log“ ist man verwirrt, ebenso wie die Rolle des Hauptdarstellers Clovis Cornillac, die erst sehr spät ihren Namen Tolbiac erfährt.

Letztendlich erzählt der Film seine Geschichte ähnlich wie die eines Computerspiels a la „Resident Evil“. Man stapft durch ein fremdes Szenario, weiß nichts, muss enträtseln wer man ist und was passiert ist und nebenbei vor Feinden fliehen, bzw. gegen sie kämpfen. Computerspiele mit Filmen zu vergleichen hat eigentlich automatisch einen bitteren Nachgeschmack, denkt man doch automatisch an die leeren Handlungshülsen, die Verfilmungen besagter Spiele meist liefern. Der Vergleich ist von mir jedoch positiv gemeint, erntet „Eden Log“ doch auf dem selben Weg Spannung, wie es das Spiel „Resident Evil“ und Co erreicht.

Man ist als Zuschauer mittendrin im Geschehen, ebenso ahnungslos wie der Held und entdeckt mit ihm eine fremde, futuristische Welt, in der irgendetwas anders gelaufen ist als es sollte. Informationen erhält man wenige, erhält man welche wirft dies neue Fragen auf. Glücklicher Weise schließt der Film jedoch nicht mit einem großen Fragezeichen, sondern weiß den Großteil der aufkommenden Fragen auch zu beantworten.

Der Weg zu diesem Ziel ist dialogarm gestaltet, und damit psychologisch realistisch an der Situation orientiert. Tolbiac führt weder Selbstgespräche, noch werden seine Gedanken für den Zuschauer über Off-Kommentare präsentiert. „Eden Log“ erhält einen guten Teil des Spannungspotentials über dieses Schweigen, was zu einer stimmigen Atmosphäre führt.
Von einem tiefgründigen Film darf man bei „Eden Log“nicht wirklich sprechen. Mögen manche Bilder Parallelen zum Christentum bieten und Obrigkeiten wieder einmal das untere Volk verarschen, all dies geschieht nicht sonderlich philosophisch oder all zu gesellschaftskritisch, trotz der wundervollen Optik nicht einmal poetisch. Letzteres ohnehin nicht, denn „Eden Log“ soll eine nüchterne Erfahrung sein, was auch erklärt warum er manches Mal trotz seiner Stärken kurzfristig etwas sperrig daher kommt.

„Eden Log“ bleibt dem Zuschauer manche Antwort schuldig, gerade jene, die mit der Auflösung und Tolbiac einhergehen. Aber das verzeiht man ihm, wurde man doch in eine glaubhafte, fremde Zukunft entführt, und dieses Erlebnis macht einiges wieder wett, zumal einige Rätsel am Ende die Phantasie fördern und eventuelle Fortsetzungen ermöglichen. Zu einer solchen ist es bislang nicht gekommen, leider nicht einmal zu einem weiteren Werk Vestiels überhaupt. Man kann nur hoffen, dass die bisherige unterlassene Fortführung seiner Tätigkeit als Regisseur darin begründet liegt, dass er auf ein besonders interessantes Projekt wartet oder eines hat, welches viel Vorbereitung erfordert.


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