Dienstag, 28. August 2012

PSYCHO JACK (2000 Timo Rose)


Zwei gestörte Freunde foltern in ihrem Keller Frauen und filmen ihre Taten...


Anspruchsloses einmal anspruchsvoller anspruchslos...

Meiner Meinung nach ist "Psycho Jack" einmal eine andere Art deutscher Amateurfilm. Bethmann könnte man ewige Sexspielereien vorwerfen, Ittenbach und Schnaas (in seinen Frühwerken) bloßes Aneinanderreihen von Blutszenen, "Psycho Jack" setzt, auch wenn es auf dem ersten Blick anders scheint, einfach andere Schwerpunkte.

Wir haben hier ein experimentierfreudiges Team, welches sich für meinen Geschmack zwar zu arg an der modernen Gangstermentalität orientiert, was dann doch arg pubertär wirkt, das es auf der anderen Seite jedoch schafft mit digitalen Effekten zu arbeiten, die heute jede Videokamera zu bieten hat, diese aber einfallsreich einzusetzen weiß. Rose und sein Filmpartner spielen hier regelrecht mit der Kamera. Untermalt mit simpler, aber atmosphärischer Musik wird eine optische Idee an die nächste gereiht. Hin und wieder blitzt Humor auf, der trotz seiner derben Herkunft unaufdringlich erscheint. Wenn Jack in seinem Wahn z.B. erzählt, Gott hätte ihm den Weg ins Himmelreich gezeigt und daraufhin in das Innere einer Kloschüssel gezoomt wird, dann ist das sicherlich kein Geniestreich, aber immer noch eine lustige Idee. Und Ideen hatten Rose und Co zu genüge.

Laut der Zeitung "Gory News" soll alles Gesprochene des Films improvisiert sein, es habe lediglich ein Storybook gegeben. Wenn man dies beachtet sind die Dialoge und Monologe auch nicht so schlecht wie sie zunächst scheinen. Sowohl Texte als auch die schauspielerischen Leistungen werden mit zunehmender Laufzeit immer besser. Scheinbar haben sich die Darsteller erst ein wenig ins Szenario hinein spielen müssen. Es ist nur ein Amateurfilm, und dafür ist die Schauspielerei gut genug. Wer einmal "The Dark Area" oder "Exhibitionisten Attacke" gesichtet hat, der weiß was unterirdische Amateurschauspielerei heißen kann. Davon sind die Darsteller aus “Psycho Jack" weit genug entfernt.

Alles wirkt wie selbst gedreht, soll scheinbar aber auch gar nicht möglichst professionell wirken. Und genau das ist es was mich an dem Film reizt und ihn so anders macht. Mit simplen Mitteln wird etwas anderes geschaffen! Aus billigsten Methoden entwickelt sich im Zusammenhang ein eigener Erzählstil, ähnlich einer Collage. Dieser ungewöhnliche Weg hätte eine konsequentere Wirkung, wenn die eigentlich fast schon unnötigen Goreszenen fehlen würden. Aber das wagt wohl kaum wer Horrororientiertes in der deutschen Amateurfilm-Szene.

Man braucht mit Sicherheit etwas Zeit um sich auf diesen Film einzulassen, und Längen besitzt er (gerade zu Anfang) leider auch, aber es ist kein schlechter Film. Die Bezeichnung gelungen  würde ihm widerum ein Niveau auferlegen, das er nicht besitzt. Dafür ist “Psycho Jack" dann doch noch zu sehr Übungsfeld. Schade dass das hier agierende Team nicht ähnlich einfallreich mit ihrem Projekt “Rout City" umgegangen ist. Dort siegt leider nur noch das infantile Gehabe, das man im hier besprochenen Film noch großzügig übersehen kann.


OFDb

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