Dienstag, 7. August 2012

THE SWEET HAND OF THE WHITE ROSE (2010 Davide Melini)


Genervt von den ewigen Anrufen seiner Freundin, greift ein Mann während der Autofahrt zum Handy und überfährt dabei ein junges Mädchen. Nachts schleicht er sich an ihre Gedenkstätte, um für sie zu beten. Doch plötzlich huscht etwas hinter dem bereuenden Mann. Ist es das tote Mädchen?...


Grusel als falsche Fährte...

Davide Melini, ein italienischer Kurzfilmer, der bislang noch keinen Langfilm gedreht hat, legt mit seinem Werk „The Sweet Hand Of The White Rose“ einen Beitrag vor, der deutlich machen soll, dass Melini mehr möchte als den schnellen Film für zwischendurch zu drehen. Der Mann ist sehr bemüht dem Streifen einen künstlerischen Touch zu bescheren, und das weiß man als Konsument zu würdigen, zumal mögliche Amateurfilmadern längst der Vergangenheit angehören und sich der 16-Minüter recht professionell schaut, wohl auch weil Melini nicht gleich jeglichen Posten selbst übernahm, sondern Kamera, Schnitt und Co wem anders überlässt.

Er selbst produzierte, führte Regie und schrieb das Drehbuch, welches wohl aus sehr persönlicher Motivation heraus entstand, dies lässt zumindest eine Widmung am Schluss vermuten. Die Darsteller sind entweder Schauspieler oder welche, die besagtes Fach gerade lernen, und so gibt es über die Professionalität des Streifens schon einmal nichts zu meckern, mit Ausnahme einer Szene, in welcher sich die Hauptperson hinter einem Gebüsch versteckt. Hier kommt es kurzfristig zu einer schlecht gesetzten Schnittabfolge, die so schnell vorbei ist, wie sie gekommen ist.

Erzähltechnisch merkt man, dass Melini nicht den schnell heruntergekurbelten Grusler abliefern möchte. Nach einem flotten Reinstupsen in den Film, was in erster Linie dem guten Soundtrack zu verdanken ist, überrascht der Streifen mit einem Wechsel in der Erzählperspektive. Es dauert nicht lange, da bekommt sich der Zuschauer wieder orientiert, um kurz darauf erneut überrascht zu werden. Was nach ausgeblendetem Unglück einem für einen kurzen Moment als Grusler im Stile von „The Ring“ vorkommen mag, erfährt einen Wandel, mit dem das Genre Horror komplett verlassen wird, um in eine etwas kitschigere Richtung abzudriften.

Das mag nicht jedem schmecken, gibt dem Film im Gesamten jedoch den Sinn den er benötigte, um nicht wieder so leer zu wirken wie seinerzeit Melinis „The Puzzle“. Dessen Stärken besitzt auch „The Sweet Hand Of The White Rose“ (flotter Stil, dynamische Kamera, gut gewählter Soundtrack), dennoch liegt es gerade an der stilistischen Wende, dass ich den neuen Kurzfilm des italienischen Regisseurs „nur“ okay finde. Wirklich gelungen ist er in meinen Auge nicht ausgefallen. Das mag etwas unfair sein, denn, wie erwähnt, lässt der Nachruf am Ende ein sehr persönliches Anliegen vermuten, aber mit seinem Schlussspruch bekommt der Film meiner Meinung nach den Touch einer Aufklärungswerbung zum besseren Achten im Straßenverkehr. Dieser bittere Beigeschmack ist sehr schade, da die Pointe, auf welcher die Geschichte hinausläuft, eigentlich eine recht gute ist.

Zumindest ist Melinis neuer Kurzfilm mutig zu nennen. Er biedert sich keinem Publikum an und scheint ein weiterer Schritt nach vorne zu sein einen eigenen Stil zu entwickeln. Ich persönlich glaube einen Hauch Argento in der Handschrift zu erkennen, auch wenn der in der Regel härtere Werke abliefert und erst mit „Mother Of Tears“ in den Esoterik-Bereich abgedriftet ist. Aber spätestens das Untermalen mit sehr flotter Musik erinnert an den italienischen Horrorfilm-Meister, sicherlich dürfte der Mann ein Vorbild von Melini sein.

„The Sweet Hand Of The White Rose“ weiß auf seine kurze Laufzeit gesehen mehrfach zu überraschen, ist stimmig inszeniert und theoretisch gelungen. Es ist eher ein persönliches Problem meinerseits, dass ich mit dem esoterischen Schluss so wenig anzufangen weiß. Viele werden das sicher anders sehen. 


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