Samstag, 22. September 2012

SIDEKICKS (1992 Aaron Norris)


Der in der Schule geschmähte Tagträumer Barry erlebt in seiner Phantasie allerhand Abenteuer mit seinem liebsten Helden Chuck Norris. Der schrullige Mr. Lee bringt dem Außenseiter Karate bei. Und auf einem großen Turnier kämpft Barry gar mit Norris Seite an Seite...


Selbstverliebt und unkaputtbar...

Jedes Genre bringt seine persönlichen B- und C-Promis hervor. Während im Actionbereich solche Luschen wie Dolph Lundgren, Steven Seagal, Lou Diamond Phillips und Wesley Snipes in Erinnerung an alte, meist kurze Erfolge, von einer Billigproduktion zur nächsten stampfen, war es Schrott-Mime Chuck Norris der schon immer etwas außen vor stand. Den geliebten Ungeliebten könnte man ihn nennen, den Kampfsportler, den es zum Film zog und der in unzähligen Ego-Norris-Witzchen im Internet längst mehr Legende geworden ist als durch seine Erfolge wie "Mission in Action".

Diese eigentliche Witzfigur im Action-Genre bot schon immer neben sinnlosester Gewalt den Hang zur Selbstverliebtheit, und nirgendwo präsentierte er es so offensichtlich wie in dem schundigen "Karate Kid"-Abklatsch "Sidekicks". Sicher, Chuck agiert in der Action-Komödie seines Bruders Aaron gewollt übertrieben innerhalb einer Inszenierung die mit gekünstelter Selbstironie von der Selbstbeweihräucherung ablenken soll. Aber die Ablenkungsmanöver sind dann doch etwas zu plump gesetzt, um jene zu täuschen, die nicht vollends naiv kleine Billigproduktionen schauen.

Norris parodiert vergangene Filme in denen er mitspielte, agiert übertrieben in einem absichtlich übertriebenen Film, aber ein gewisses Niveau wie z.B. bei Bruce Campbells Selbstparodie "My Name Is Bruce" oder bei Jeniffer Tilly in "Chuckys Baby" will einfach nicht entstehen. Aber was will man erwarten in einem Film, der seine Komik im Anspruch derart tief ansetzt, dass selbst "Police Academy"-Fans sich angewidert abwenden. Völlig unsensibel geht man mit den einzelnen Zutaten der Gesamtrezeptur um und versalzt sich damit die ganze Suppe.

In einer Zeit, in welcher keinen mehr wirklich die Thematik eines "Karate Kid" interessierte, springt "Sidekicks" auf den damaligen Dreiteiler mit auf, ohne auch nur den Hauch der ersten zwei Teile kapiert zu haben. Respekt vor anderen Kulturen und das ironische Spiel mit Philosophie kann da suchen wer will. Mr. Lees Lehren sind weder geistreich noch sinnig. Ewig redet er unzusammenhängendes Blabla, bringt seinem Zögling stets das bei was Mr. Miyagi Daniel nie gelehrt hätte und auch vom sportlichen Aspekt her machen Lees Trainingsmethoden so gar keinen Sinn.

Blass ihm zur Seite steht der damalige Teenie-Schwarm Jonathan Brandis, der gerade mal in "Es" zu überzeugen wusste, während er in Filmen wie diesem und "Die unendliche Geschichte 2" bereits präsentierte, dass er für den Beruf des Schauspielers nicht wirklich geeignet ist. Nach solchen Peinlichkeiten wie "Sidekicks" kann man es verstehen, dass der junge Mann mit gerade mal 27 Jahren Selbstmord begangen hat. Was seine wahren Beweggründe waren weiß ich nicht, ruhe also weiter in Frieden Jonathan, tut mir leid, aber nach Sichten einer Extrem-Gurke wie "Sidekicks" war dieser Spruch einfach zu einladend.

Der wahre Genickbruch des Streifens ist jedoch bereits seine Geschichte, die im ersten Drittel von einem lahmen Tagtraum zum nächsten hüpft, während drum herum kaum etwas anderweitiges vertieft wird. Hierbei stampft man bei der Psychologie der Figuren und ihrer Dramatik wie ein Elefant durch den Porzellanladen, selbst wenn man bedenkt, dass "Sidekicks" lediglich eine alberne Komödie sein möchte.

Im zweiten Drittel kommt die meiste Stimmung für Trash-Fans auf, wird "Sidekicks" in dieser Phase doch nun zur besagten Armuts-Kopie des Kinoerfolges "Karate Kid" von "Rocky"-Regisseur John G. Avildsen. Was an diesem Teil des Filmes so viel Spaß macht, kann der Freund filmischen Mülls bereits weiter oben im Text herausfiltern.

Bleibt zum Schluss nur das letzte Drittel übrig, das schon wieder eine Spur uninteressanter zu schauen ist, da es nun um das Turnier geht, in welchem Barry beweisen muss was er in Lichtgeschwindigkeit in Sachen Kampfsport gelernt hat. Hier verweigert sich der Film Bewunderern des Handkanten-Films nun jeglicher interessanter Choreographie und reiht nur weiter ein übles Klischee ans nächste. Die einzigen zwei goldenen Trah-Momente dieser Phase sind der Moment in welchem Chuck sich Barry vorstellt (was den Streifen für 5 Sekunden fast zu einem echten Pflichtfilm für Trash-Fans werden lässt) und die wunderbar idiotische Idee Mr. Lees die Steinblöcke, die Barry zerschlagen soll, anzuzünden, damit ganz im Gegensinne zu Mr. Miyagis Philosophie auch jeder sieht was für ein krasser Kerl uns Barry geworden ist.

Aua! Aua! Wer am Ende von "Sidekicks" Kopfschmerzen bekommen hat, gehört deswegen noch zu keiner Minderheit. Obwohl... wie viele Menschen schaffen es überhaupt die Ziellinie dieses Filmes zu erreichen? Die Abschaltquote zuvor ist sicher ähnlich hoch, wie bei Stallones Tiefflieger "Over The Top". Zumindest versuchte Stallone seine Selbstverliebtheit nicht als Komödie zu tarnen und sprang mit viel Elan ins selbst aufgestellte offene Messer. Norris wählt die feigere Methode der Ablenkung und scheitert spätestens durch die viel zu dümmliche und unsensible Inszenierung. Einen Stoff wie "Sidekicks" geglückt umzusetzen, so wie er eigentlich gewollt ist, verlangt Geist und ein Händchen für scheinbare Nebensächlichkeiten. Allein der Holzhammer-Humor beweist wie viele Meilen man davon entfernt war.


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