Samstag, 27. Oktober 2012

BUTTERFLY EFFECT 2 (The Butterfly Effect 2 2006 John R. Leonetti)


Nick Larson lebt in einer glücklichen Beziehung und hat zwei gute Freunde. Aber die Karriere ist ihm stets wichtig, und so muss zu diesem Zweck ein gemeinsamer Ausflug mit den wichtigsten Menschen in seinem Leben unterbrochen werden. Auf der Rückfahrt kommt es zu einem Autounfall, den einzig Nick überlebt. Ein Jahr später bemerkt Nick während des Betrachtens eines Fotos, dass er mittels dieser Erinnerung in die Zeit zurück reisen kann. Er beschließt die Geschehnisse zu verändern und das nicht nur am Tag des Unfalls...


Der distanzierte Schmetterling...

Es gibt sie, die Science Fiction-Erfolge, die sich hauptsächlich auf Emotionen stützen. „E.T.“ als einer der erfolgreichsten Filme aller Zeiten ist das beste Beispiel. Und auch „Butterfly Effect“ war ein solches Werk, ein Werk eines Genres, das sonst auf Action, Spannung oder intellektuelle Thematik setzt. Der von Hauptdarsteller Ashton Kutcher mitproduzierte erste Teil war wegen seiner erklärungsarmen Schiene und seiner esoterischen Art jedoch nah am Fantasy-Bereich orientiert, ein Mix der den meisten Anhängern der Science Fiction eher weniger schmeckt. Aber vielleicht war es auch einfach dieser Genre-Mix, der ihn so erfolgreich und beliebt machte, blitzen doch auch Drama, Abenteuer und Thriller in seiner Umsetzung auf.

Eine Fortsetzung bleibt bei einem derartigen Erfolg nicht aus, und so verlieh man einer anderen Person die Gabe der Figur aus Teil 1. Eine Brücke schlug man mit einer kurzen Internet-Recherche von Nick, aber die wurde so dünn angerissen, dass man sie auch gleich hätte weglassen können („Final Destination 3“ lässt grüßen).

Fluch und Segen einer Fortsetzung ist es immer, dass das Thema bereits bekannt ist und damit ein Einstieg ins Geschehen schneller möglich ist. Doch man darf sich nicht blind auf irgendwelche selbsterschaffenen Fortsetzungs-Gesetze der Filmindustrie verlassen. „Butterfly Effect“ lebte von der engen Identifizierung mit der Hauptrolle, von der man in aller Ruhe die Kindheit erzählt bekam, um zur eigentlichen Erlebnis-Zeit der Geschichte sowohl gut informiert zu sein, als auch gefühlsmäßig mit der Hauptfigur verbunden in das Abenteuer Zeitveränderung einsteigen zu können.

Genau das wurde in der Fortsetzung vernachlässigt. Ein einziges Erlebnis an einem einzigen Tag soll nach Ansicht der Verantwortlichen reichen, um mit Nick mitzufiebern. Aber das funktioniert nur minimalst und auch nur in einigen wenigen Punkten, wie der Trauerverarbeitung oder die Freude seine Lebenspartnerin nach einem Jahr lebend wiederzusehen.

Nun stützt sich der Film jedoch nicht nur auf den einen vergangenen Tag, an dem man gnädigerweise beteiligt wurde. Im weiteren Verlauf der Story manipuliert Nick aus egoistischen Gründen andere Teile seines Lebens in Augenblicken, die dem Zuschauer unbekannt sind. Zwar bleibt auch mit diesem Manko die Geschichte selbst theoretisch interessant, doch das ist sie rein praktisch nur bedingt.

Das liegt zum einen an der dünnen Charakterzeichnung der Figuren, allen voran Nick, der einem den kompletten Film über egal ist, da er ein Irgendwer ist. Seine karrierefixierten Gründe lassen einen nicht zu ihm halten, wie zur Kutcher-Rolle im Original. Mit diesem Karrieregrund und dem Griff aus irgendwelchen Situationen aus Nicks Vergangenheit, guckt sich der Streifen nun viel mehr wie ein „Mr. Destiny“ als wie ein „Butterfly Effect“. „Mr. Destiny“ war eine arg moralische Komödie, die James Belushi und MIchael Caine als Trumpf bot. Die humoristische Umsetzung und das Spiel der Stars machten einiges wieder wett. Aber über solche Trümpfe verfügt „Butterfly Effect 2“ leider nicht.

Die Darsteller sind so blass wie ihre Rollen, und Regisseur John R. Leonetti schafft es einfach nicht an der Spannungsschraube zu drehen, die einzige Ausflucht, die ihm blieb, wenn der Emotionsbereich sich nicht auf den Zuschauer übertragen lässt. Leonetti ist mit seinem Debüt „Mortal Kombat 2“ allerdings schon negativ aufgefallen, und da er seit dem nur Serien drehte, hatte er auch recht wenig Übungsmöglichkeiten, um sich zu steigern. Warum man gerade ihn für die Fortsetzung eines Kassenerfolges wählte, bleibt mir ein Rätsel.

„Butterfly Effect 2“ lebt schlussendlich vom Trumpf der Grundidee: verändere etwas in der Vergangenheit und du erwachst in einer anderen Realität. Dieser Gedanke ist stark genug um einen schwachen Film wie diesen auf mittelmäßigem Unterhaltungsniveau zu tragen. Letztendlich ist man doch zu neugierig wie die veränderten Lebenssituationen von Nick aussehen und was ihn als nächstes antreibt sein Leben zu verändern. Ein wenig funktioniert die Idee scheinbar also auch aus der Distanz. Aber damit bleibt der Film letztendlich zu theoretisch.


Trailer,   OFDb

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