Samstag, 29. Dezember 2012

BATES MOTEL (1987 Richard Rothstein)


Der kleine Alex sitzt in der selben Nervenheilanstalt wie der gestörte Mörder Norman Bates. Beide werden Freunde, und als Norman stirbt erbt der mittlerweile erwachsen gewordene Alex sein Motel mit der Bitte es wieder aufzubauen. Alex kommt frei, fühlt sich in der großen Welt zwar nicht wohl, aber unternimmt alles um Normans Wunsch zu erfüllen. Ganz leicht wird ihm dieses Unternehmen nicht gemacht. Und nicht jedes Hindernis scheint von dieser Welt zu sein...


Wo Bates drauf steht, ist noch lange nicht viel Bates drin...

Zum Zeitpunkt von „Bates Motel“ existierten bereits zwei echte Fortsetzungen zu Hitchcocks „Psycho“. Die erste bot mit seinem Ergebnis wohl die größte Überraschung, hätte man doch nie gedacht, dass nach so langer Zeit ein solch würdiges Sequel auftauchen würde. Nachdem beide Weitererzählungen sich finanziell lohnten, grübelten Fernsehredakteure darüber nach, wie sie die Geldkuh „Psycho“ für ihre Zwecke melken könnten.

Das Ergebnis dieser Überlegungen war der Pilotfilm „Bates Motel“, der die Fortsetzungen des Kinofilms ignorierte und ebenfalls an Teil 1 anschließt. Mit dem routinierten Niveau von „Psycho 3“ schien es nicht nötig zu sein sich so ins Zeug zu legen wie bei „Psycho“ und „Psycho 2“. Das hätte man im TV ohnehin nur ungern gemacht, also tat man das, was später auch Freddy und im selben Jahr Jason widerfahren sollte: Man brachte Horrorkino in TV-Serie, mit der Absicht den berühmten Namen zu nutzen, um ausgelutschte Routine-Spukgeschichten zu erzählen.

Ebenso wie in „Freddy's Nightmares“ orientiert sich der Pilotfilm zunächst am Original. Im letzten Drittel darf man allerdings bereits in das Konzept hineinschnuppern, das uns serviert worden wäre, wenn „Bates Motel“ in Serie gegangen wäre: Eine Suizide bekommt Besuch aus dem Jenseits, damit diese ihre geplante Tat überdenkt. Die Serie sollte also Gruselgeschichten erzählen, die den Gästen widerfahren und somit nichts weiter mit Hitchcocks Meisterwerk zu tun haben – nichts außer der Location.

Nach Ende dieser Geschichte erlebt „Bates Motel“ noch kurz ein plumpes Ende der zuvor erzählten Geschichte, damit sich Alex dann persönlich beim Publikum verabschieden darf. Was als lustiges Stilmittel gedacht ist, passt jedoch gar nicht zum Rest des Gesehenen, denn es würde einschließen, dass Alex bewusst war Geister als Gäste aufzunehmen. Dies war jedoch nicht der Fall.

All zu streng braucht man mit dieser kleinen Popelsituation allerdings ohnehin nicht zu sein, denn wir befinden uns am Ende des Films, wo man bereits nichts mehr erwartet, viel zu enttäuschend war das bis dahin Gesehene.

Ich habe sicherlich nicht viel erwartet bei einem TV-Produkt, und man ist vorgewarnt, weil das Ding nie fortgesetzt wurde. Aber etwas mehr Mühe wäre wünschenswert gewesen. So fragt man sich doch z.B. was der Hauptrollen-Cast bitte sehr soll. Klar, Bud Cort soll ein Weichei spielen, aber was dieser Mann da personifiziert kann niemals Identifikationsfigur werden. Dafür spielt er viel zu lächerlich und viel zu übertrieben seicht. O.k., der Softie war in den 80er Jahren angesagt, aber Alex ist softer als Softeis.

Alex bekommt zwar eine Partnerin zur Seite gestellt, aber auch diese weiß nicht mit dem Publikum zu sympathisieren. Noch bevor die erste Stunde Laufzeit vorbei ist, beschließt sie das x-te Mal abzuhauen. Immer wieder kehrt sie zurück, sie habe es sich anders überlegt. Das nenne ich mal einfallsreiche Drehbuch-Autoren. Wo wurden die rekrutiert? In der Sonderschule?

An der Sympathie Alex’ Partnerin ändert das Hüh und Hot nicht viel, ist sie doch von ihrem ersten Auftritt an komplett arrogant und egoistisch. Sie soll für die damals so selbstbewusst moderne Frau stehen, benimmt sich aber nur wie der letzte Vollprolet ohne den Ansatz von Feingefühl und ohne ein Zeichen für Hoffnung auf Besserung zu setzen. Lediglich der schwarze Architekt lässt so etwas wie Sympathie aufkommen. Zu dumm, dass er nur so selten vorkommt.

Die eigentliche Geschichte über die Vorkommnisse beim Renovieren des Motels ist theoretisch gesehen ganz nett. Allerdings riecht man viel zu schnell woher der Hase läuft. An Spuk glaubt da niemand mehr, und am Ende ist alles wie in einer Episode „Scooby Doo“, nur dass es im Kinderprogramm nicht stört, wenn die Auflösung lächerlich daher kommt. Unter welchen Umständen das Gesicht hinter den Taten überführt und gezwungen wird zukünftig anders zu handeln, ist eine Beleidigung an den erwachsenen Zuschauer, falls dieser angestrebt war. Vielleicht wollten die TV-Verantwortlichen auch nur ein Produkt für die Jugend anvisieren, aber warum setzt man dann einen Film aus Großmutters Zeiten fort?

„Bates Motel“ ist auf unterstem Unterhaltungsniveau guckbar, mir fällt jedoch nicht ein Grund ein, jemanden dieses Werk zu empfehlen. Weder Vielgucker noch Trashfans bekommen etwas geboten. Die „Spukgeschichte“ um Bates’ Vorfahren wird nur kurz angerissen und in „Psycho 4“ gegen Ende interessanter umgesetzt. Die Story bietet fast nur Soap ohne Horrorstoff und ohne sympathische Figuren. Komplett blöde ist das Ergebnis nicht geworden, aber es wird zu wenig vertieft, zu viel renoviert und zu plötzlich alles beendet.

Die Geschichte um einen möglichen Spukhintergrund von Mama Bates hätte ich wesentlich interessanter gefunden, als die Idee Motelgäste Gruselgeschichten erleben zu lassen. Geisterhaften Batesgrusel in Serie zu setzen würde natürlich talentiertere Drehbuchautoren voraussetzen, und solche sind im Fernsehen nun mal rar verteilt, zumindest damals.

Wie erwähnt: Der Streifen ist guckbar. Man will schließlich miterleben wie alles endet. Wie zu erwarten kam alles so wie zuvor vermutet. Wenigstens weiß man nun wie „Psycho“ als Fernsehserie ausgesehen hätte, und dies wäre dann auch der einzige Grund reinzuschalten. Dass eine banale Gruselserie ausgerechnet auf „Psycho“ aufbaut, ist ihr vorhersehbarer Untergang gewesen. Bereits als eigenständige Serie hätte dieser Horrorbereich für gelangweilte Hausmütterchen sicherlich niemals eine zweite Staffel erreicht. Der Stempel „Psycho“ sorgt jedoch auch dafür, dass Zuschauer strenger mit dem Endergebnis umgehen, als nötig. „Bates Motel“ ist nicht schlecht, er ist nur unglaublich gewöhnlich.


Trailer,   OFDb

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