Freitag, 21. Dezember 2012

DAS HAUS AM SEE (The Lake House 2006 Alejandro Agresti)


Eine Frau zieht in ein Haus am See, und kann sich über den Briefkasten mit dem Vorbesitzer unterhalten, der zwei Jahre zuvor dort lebte. Über diese fantastische Zeitreise-Briefpost verlieben sich beide ineinander...


Zwei Jahre sind eine Ewigkeit...

„Das Haus am See“ ist eine süßliche Romanze, die dank der außergewöhnlichen Idee (deren Ursprung wieder einmal in Asien zu suchen ist) und der zwei harmonisch zueinander passenden Hauptdarsteller zu den gelungenen Werken seines Genres zählen darf. Die Geschichte wird verträumt erzählt und erfährt kleine, kaum zu erwähnende, Wendungen. Ganz ohne Kitsch geht das nicht vonstatten, aber die Hauptfiguren werden nicht einfach nur niedlich dargestellt, es sind ausgebaute Charaktere, die nicht nur erleben sondern auch handeln. Ein Punkt den viele Drehbuchautoren in Liebesfilmen nicht beachten. Früh erfährt man, dass beide Figuren prima zueinander passen, müssen doch beide die Hürde nehmen, totales Realitätsversagen an den Tag zu legen, um den Test mit dem Briefkasten durchzuführen.

Der Film ist romantisch, und er schafft es einen damit einzulullen. Man freut sich mit den Protagonisten mit, in den etwas dramatischeren Szenen teilt man jedoch nicht ihr Leid. Die dramatischen Wendungen der Geschichte sind harmlos, lassen ohnehin kleine Fragen offen, und sind so nah an kleinen Alltagsproblemchen orientiert, dass sie weit davon entfernt sind auf die Tränendrüse zu drücken, oder einen immerhin traurig werden zu lassen. Lediglich der Gang zum Finale hin lässt einen betroffen werden, deutet doch alles auf einen bösen Schluss a la „Stadt der Engel“ hin. Ob es nun am Testpublikum oder am guten Herzen des Drehbuchschreibers lag weiß ich nicht, aber es kommt anders als eingeleitet, was zwar etwas enttäuscht, aber dennoch als akzeptable Alternative dienen kann.

Erfreulich ist, dass der Film trotz seines Optimismus, seiner Herzensnähe und seiner verträumten Geschichte sehr auf die filmeigene Logik achtet. Der Hintergrund der zwei Zeitebenen wird nie erklärt, was wohl so auch besser ist. Aber die Abläufe innerhalb dieses nicht erklärten Phänomens passen zusammen, sind meist logisch nachvollziehbar, wanken an gewissen Stellen jedoch. So stellt sich z.B. die Frage, warum der Rolle Bullocks (Kate) nicht klar war, wen sie am Valentinstag im Arm hielt. Laut der Geschichte hat sie den Mann in der Vergangenheit sehr intensiv auf einer Party kennen gelernt, ja sogar geküsst.

Dies ließe sich allerdings mit der Baumpflanzszene erklären, in welcher Alex (Reeves) vor 2 Jahren einen Baum pflanzt, und dieser im Jahr 2006 urplötzlich erscheint. Er ist nicht zwei Jahre gewachsen, Alex' Tat wird zur urplötzlichen Tatsache in der Zukunft. Das müsste bedeuten, dass am besagten Valentinstag das Gesicht in den Armen noch unbekannt war, und erst zum parallelen Zukunftszeitpunkt zur Party 2004 bekommt das Gesicht in Kates Kopf eine Erinnerung. Eine filmeigene Logik, die man weiterspinnen könnte. Das bedeutet nämlich, dass die Kate aus der Zukunft die Erinnerung an einen Kuss nur durch die Zeitveränderung implantiert bekommen hat. Lediglich die Kate in der Vergangenheit hätte diesen dann auch aktiv erlebt. Bleibt die interessante Frage, wie und ob der Bruder von Alex die Zeitmetamorphose erlebt hat, in der aus einem Trauerfall ein nicht vorhandener wurde. In nachvollziehbaren Dingen ist der Film logisch, in den hier aufgezählten befindet er sich in einem Graubereich, der zum Grübeln anregt, sich aber, wie man sieht, erklären ließe.

Die wirklich offenen Fragen liegen jedoch nicht in der Thematik des Zeitunterschiedes, sondern in den unklaren Verhaltensweisen, die ab und an dem Zuschauer vorgelebt werden. Mal von manchem gesprochenem Dialog abgesehen, der auf diese Art so garantiert nicht zu Papier gebracht wurde, gibt es ein paar wesentlichere offene Fragen.

So sind zwei Jahre z.B. kein enormer Zeitunterschied. Warum geht Kate Alex nicht einfach suchen? Spätestens zum Zeitpunkt des Nichterscheinens im Lokal, müsste sie sich doch immerhin Sorgen machen, ob ihm etwas zugestoßen ist. Stattdessen schmollt sie nur und bricht den Kontakt ab. Die Frau ist Ärztin, erlebt den ganzen Tag Menschenschicksale und kommt nie auf die Idee nachzuforschen, was in der Vergangenheit geschah? Unglaubwürdig!

Ebenso wie die Tatsache, dass beide trotz intensiver Brieffreundschaft und trotz der aufkeimenden Gefühle nie ein Foto in den Briefkasten legen. Zunächst dachte ich, dass dies vielleicht ein innerfilmisches Gesetz ist, das noch angesprochen wird, dass z.B. nur die Briefe die andere Zeitzone erreichen, andere Gegenstände jedoch nicht. Aber zu dem Zeitpunkt, als Kate das Buch in die Vergangenheit schickt, wird dieser Denkansatz aufgehoben und das Nichtverschicken von Fotos zu einer unangesprochenen Lücke. Zumindest halten sich beide lange Zeit an das natürliche Geschehen (Alex bekommt ja nicht mit, dass er mit seinen Taten das Zeitgeschehen manipuliert, er denkt seine Taten wären ein natürlicher Vergangenheitsaspekt). Erst mit dem tröstenden Buch wird bewusst das Zeitgeschehen manipuliert und zwar von Kates Seite aus. Mit der finalen Manipulation wiederholt sie eine solche Tat. Soll man einer solchen Frau glauben, sie hätte nie ein Foto abgegeben oder gefordert? Möglich aber unglaubwürdig!

Das sind sicherlich Kleinigkeiten, bis auf den Punkt, dass Kate nach dem Sitzengelassensein nie nach Alex forschte. Das ist ein Bruch, den man erst einmal akzeptieren muss. Er passt nicht in einen so träumerischen Film. Wo so viel Romantik herrscht, da muss auch das Herz das Handeln entscheiden. Und das hätte nach Alex gesucht, oder zumindest nach seiner Vergangenheit.

Da sich solche kleinen Schnitzer im Rahmen halten, wird damit zum Glück nicht der Film kaputt gemacht. Verträumt darf man weitergucken, bis es zum Schluss kommt, und man sich langsam wieder der Realität stellen muss. Zumindest ist „Das Haus am See“ ein sympathischer Entführer in die Traumwelt, von dem ich mich ein andermal sicherlich gerne noch einmal verschleppen lasse. Für Freunde solcher Filme ist das Werk ganz klar zu empfehlen. Ich muss allerdings einräumen, dass ich das südkoreanische Original (noch) nicht kenne. Mag sein, dass die US-Version dagegen ein Witz ist, wird für den Ami-Markt doch gerne vieles vereinfacht. Wie mag wohl der Schluss des Originals sein? Diese Frage macht mich neugierig.


Trailer,   OFDb

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