Montag, 24. Dezember 2012

DAY X - OUTBREAK OF THE ZOMBIES (Day X 2005 Jason Hack)


Eine Gruppe Menschen findet sich nach dem Ausbruch einer Epidemie in einem Haus zusammen. Draußen lauern mutierte Menschen, wahrscheinlich durch eine biologische oder chemische Waffe zu dem gemacht was sie sind. Nur die primitivsten Sinne sind noch aktiv, langsam vor sich hin sterbend attackieren sie Nichtinfizierte, um diese zu verspeisen. Wer gebissen wird stirbt schnell. Die Infizierten sind kaum aufzuhalten, zumal weder ein Schuss in die Brust noch in den Kopf irgendwelche Auswirkungen zeigt. Unter der Gruppe verbarrikadierter Menschen befindet sich ein Mann, der mehr weiß als die breite Masse. Er ist die einzige, winzige Chance, welche die Leute haben um zu überleben...


Ein Infiziertenhorror der etwas anderen Art...

„Day X“ ist der Titel des Originals. Dort hat er keinen Anhang, der auf Zombies verweist, was auch seinen guten Grund hat: Es kommen keine Zombies vor. Ähnlich wie „The Dark Knight“ darauf hinarbeitet klar zu machen, dass er kein Superheldenfilm ist, so verweist „Day X“ des öfteren darauf, kein Zombiefilm zu sein. Dies muss er tun, weil das Einordnen der im Film vorkommenden Kreaturen lediglich Formsache ist. Im groben benehmen sich die hier gezeigten Wesen wie Zombies, und die Reaktion der Menschen ähnelt ebenfalls stark an Gruppierungen aus Filmen mit lebenden Toten.

Die Wesen dieses Streifens sind jedoch Infizierte, nie gestorben, aber langsam vor sich hinsterbend. Zudem fehlen ihnen zwei Eigenschaften, die in den meisten Untoten-Filmen geradezu typisch für Zombies sind: Sie sterben nicht an Kopfschüssen, und ihre Opfer werden nicht zu ihresgleichen. Diese erleiden stattdessen einen schnellen, aber schmerzhaften Tod.

Somit ist der „deutsche“ Beititel theoretisch gesehen Augenwischerei. Andererseits verweist er auf das richtige Publikum, so sollte man meinen, denn die Trennung Infizierter und Zombie ist in anderen Filmen schon Kleinkrämerei, in „Day X“ jedoch erst recht, da sich die komplette Story an Vorbildern wie „Die Nacht der lebenden Toten“ orientiert. So könnte man den deutschen Namensgebern mit der Ergänzung „Outbreak Of The Zombies“ quasi danken, werden sich doch Freunde des Genres genüsslich auf eine neue Videoproduktion stürzen können.

Es ist jedoch Vorsicht geboten. Bereits bevor die Cineastenwelt durch DVD und Bluray zu glanzbild- und klangweltgeilen Konsumenten erzogen wurde, taten sich Filmfreunde schon immer etwas schwer, wenn das vorliegende Filmmaterial optisch auf Videoniveau war. Kommt nun noch schlechter Ton hinzu, bekommt ein solches Produkt meist gar keine objektive Chance mehr. Manche tun sich mit Stummfilmen schwer, andere meiden schwarzweiß, das Zusammenzucken bei üblem Ton ist jedoch das einzige Manko, das man auch oft bei eingefleischten Cineasten beobachten kann. Verübeln kann ich es diesen Leuten nicht. Einem Film mit schlechter Vertonung eine Chance zu geben, ist wirklich schwer, und man braucht einen geduldigen Tag.

Zusätzlich zum typischen Videobild von Billig- und Amateurproduktionen, ist wie erwähnt der Ton ziemlich mies. Vor dem Vorspann brabbeln uninspirierte Synchronstimmen mit falscher Betonung ins Mikro, die Vertonung eines auf den Tisch geklatschten Kopfes erinnert an die üblichen Spaßtöne aus Sendungen wie „Bitte lächeln“, nur dass es hier nicht witzig gemeint ist. Die Stimmung sinkt nach unten. Und trotzdem, ich kann jene beruhigen, die sich auch vor solchen Billigproduktionen nicht verstecken: Nach dem Vorspann wird dies alles besser. Schüsse sind zwar viel zu leise zu hören und andere Hintergrundgeräusche auch, eine so bekloppte Szene mit unfreiwillig komischer Vertonung wie zu Anfang kommt aber nicht mehr vor.

Die wichtigsten Figuren der Geschichte haben annehmbare Synchronstimmen. Auch diese sind nicht die Creme de la Creme, aber „Day X“ verkommt nicht zu einem Streifen mit übelster Porno-Synchro, wie es zu Beginn der Fall war. Nebenfiguren reden zum Glück nicht so oft, wenn sie es mal tun, ist wieder das besagte Pornofeeling da. Aber bei extremen Billigproduktionen muss man halt hin und wieder ein Auge zudrücken, um zu schauen, ob etwas brauchbares gedreht wurde. In diesem Falle muss man wohl eher ein Ohr zudrücken, was nicht ratsam wäre, da wie gesagt manche Geräusche unangenehm in den Hintergrund rücken, obwohl sie gerade im Vordergrund des Geschehens stehen.

Gibt man „Day X“ eine faire Chance, entdeckt man einen Film, der das Genre zwar nicht neu erfindet, neben kleiner Innovationen aber routiniert nett erzählt wird. Aber auch hier spreche ich wieder für ein kleines Publikum. Der echte Zombiefan will das Blut spritzen sehen, gute Action erblicken und tolle Masken. Davon bekommt man in diesem Streifen kaum etwas präsentiert. Die Action ist richtig billig, ewig schleicht sich die Kamera davon, wenn Details einer Prügelei oder eines Schusswechsels gezeigt werden sollten, und die Darsteller sind in solchen Szenen auch arg verkrampft. Das Zombie-Make-Up ist simpel, oft scheint es gar nicht vorhanden zu sein (in Infizierten-Massenszenen), einige wenige Unholde sind aber auf simple Art nett zurecht gemacht. Dies hat in einzelnen Szenen sogar Wirkung, beispielsweise wenn ein Trupp Soldaten von versteckten Infizierten attackiert wird. Dass die Viecher nicht wie lebende Tote aussehen, erklärt sich nun einmal über die Tatsache, dass sie keine Zombies sind. Aber das ist eine sehr dünne Ausrede, für einen Film, der sich nun einmal wie ein Beitrag dieses Horrorsubgenres guckt.

Das Blut spritzt, Gedärme werden herausgezogen, all dies gibt es zu sehen. Allerdings etwas unspektakulär (da steckt beim Stammzuschauer ja nun auch eine Menge Gewöhnung hinter) und ohne neue, abartige Ideen. Wer an „Day X“ Gefallen finden will, der muss zu jener Gattung Filmkonsument gehören, die sich über eine logische Handlungsabfolge freuen.

Der Held der Geschichte ist ein rational denkender Mensch, ein Figurentyp der in Filmen häufig völlig verkehrt eingebracht wird, da dies voraussetzt, dass auch der Drehbuchautor rational denken kann. Dies bleibt häufig aus, gerade bei Großproduktionen. Hier, in diesem kleinen Popelfilmchen, hatten wir endlich mal wen mit Grips hinter der Kamera. Handlungsabfolgen sind logisch, das Verhalten der Leute in der Gruppe wird ziemlich realistisch verkörpert, was meiner Meinung nach sehr deutlich wird in jener Szene, in welcher der Anführer anbietet nun für alles Rede und Antwort zu stehen. Innerhalb seiner eigenen Welt bleibt der Streifen ebenfalls logisch, überrascht sogar damit kleine Unlogiken zu widerlegen. Ganz toll ist dies bei dem Punkt, dass es sich bei dem Hintergrund der Epidemie um eine Waffe zur Kriegsführung handeln soll, dabei aber der Widerspruch angesprochen wird, dass die betroffene Bevölkerung durch diese Waffe stärker statt schwächer gemacht wird. Dieses Manko spricht man an und verwandelt es in eine zusätzliche nette Idee.

Die Handlungsabfolge folgt brav dem bewährten Muster des Subgenres, sogar etwas zu sehr, als dass man gnädigst darüber hinwegsehen könnte. Im Gegensatz zu einschläfernden Werken wie „Zombie Night“ bleibt der Film jedoch immerhin über die Aktionen und Gespräche der Gruppe interessant. Hier baut nicht ständig irgend ein unglaubwürdiger Charakter einen nicht nachvollziehbaren Fehler, und die Figuren sind sich zudem nicht zu ähnlich, ein weiteres häufiges Manko bei Billigproduktionen, die dem vorgegebenen Weg brav folgen. Zwar haben wir in „Day X“ auch extrem eindimensionale Charaktere, aber sie sind alle verschieden, und erst ihr Handeln macht mehr aus ihnen als eine reine Schablone. Da man sich nur auf einen kleinen Teil der Gruppe gesondert beschränkt, trifft dies nicht auf alle Figuren zu. Der Part des Pfarrers bleibt etwas unglaubwürdig, da er sich nie wie ein solcher benimmt. Nie spricht er beruhigend zu den Menschen, auf der Gegenseite warnt er nie predigend. Zwar werden gewisse Bereiche seines ungewöhnlichen Verhaltens erklärt, diese Fehlerbehebung erklärt jedoch nicht jede Unglaubwürdigkeit an seiner Figur.

Nun können die Protagonisten noch so viel nachvollziehbares Zeug schwätzen oder tun, das würde den Film nicht wirklich auf Spielfilmlänge bringen, ohne irgendwann doch einzuschlummern. Regisseur Jason Hack hat es jedoch geschafft zwischendurch immer wieder mal spannende Szenen aufblitzen zu lassen. Hier werden keine Fingernägel abgekaut, aber man guckt gespannt zu was passiert und steht den Figuren bei. Dass solche Szenen selbst bei dieser üblen deutschen Vertonung entstehen können, spricht stark für den Film. Ich habe nicht in den Originalton hineingehört, sollte dieser aber besser sein, wovon ich ausgehe, können Filmfreunde mit guten Englischkenntnissen vielleicht einen noch spannenderen Film erleben, als jenen, den ich in der Deutschversion gesichtet habe. Ich weiß es jedoch nicht.

Die kleine Dosis Spannung verdankt „Day X“ mitunter auch seiner musikalischen Untermalung. In einigen wenigen Szenen wird man an manche Melodie von Goblin aus „Zombie“ erinnert, meist bekommt man allerdings Musik zu hören, die etwas in die Richtung von Bands wie „Feindflug“ tendiert. Der hier verwendete Sound ist zwar weniger aggressiv als die Musik dieser elektronisch orientierten Gothbands, ist vom Grundprinzip jedoch recht ähnlich und erzeugt ein gewisses Spannungspotential, so dass man bei mancher Aktion mitfiebern kann.

„Day X“ ist wahrlich nur einem kleinen Publikum zu empfehlen. Den klassischen Zombiefans wird er wahrscheinlich nicht gefallen, ein Zombiefilm ist er streng gesehen gar nicht, dafür erklärt er seinen eigenen Hintergrund immerhin interessant. Der deutsche Ton ist völlig für’n Arsch, auch wenn er sich nach den üblen ersten 5 Minuten bessert. Großteils wird nur geredet und das getan, was in den meisten Genrebeiträgen dieser Art sonst auch immer getan wird. Wer aber amateurfilmähnlichen Produktionen eine Chance geben kann, selbst üble Vertonung halbwegs ignorieren kann und Spaß daran hat, eine ausgelutschte Story einmal glaubhaft und logisch erzählt zu sichten, der sollte diesem Billigfilmchen wirklich eine Chance geben. Dass sich diesem sympathischen Schund nicht viele Filminteressierte hingeben ist verständlich. Auf den Film schimpfen sollte man auf der Gegenseite jedoch auch nicht zu früh. Dafür macht er viel zu vieles richtig!

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