Donnerstag, 27. Dezember 2012

FAHRENHEIT 451 (1966 Francois Truffaut)


Die Zukunft, das Lesen ist verboten, ebenso der Besitz von Büchern. Um dem Gesetz nachzukommen ist die Feuerwehr beauftragt jedwede Bücher aufzustöbern und zu verbrennen. Ein Feuerwehrmann zweifelt am System...


Lesen verboten...

Auch als Freund gesellschaftskritischer Science Fiction-Filme wie „Flucht ins 23. Jahrhundert“, „Rollerball“ und Co, die alle einen etwas naiven Touch beinhalten, muss man „Fahrenheit 451“ gerade in diesem Punkt etwas vorsichtig konsumieren. Naiv ist gar kein Ausdruck mehr, wenn man beobachten darf, wie die Feuerwehr schlichtweg vom Feuer löschen zum Feuer legen umfunktioniert wurde. Man muss schon viel Naivität erdulden, wenn der Film uns ausschweifend das Finalszenario zeigt, in der wir eine alternative Lebensgemeinschaft erleben dürfen, wie sie gar nicht existieren könnte und dürfte.

Die Verantwortlichen des Filmes schienen dies jedoch zu erkennen und brachten solche Punkte nicht unbeabsichtigt ein. Sie ließen diese Naivität sogar zum Stilmittel ihres Werkes werden. Dementsprechend wird das meiste versimpelt. Die sich frei fühlende unfreie Gesellschaft wird uns nur anhand einer Stadt gezeigt. Jedoch nicht als Beispiel eines ganzen Landes, viel mehr scheint in unmittelbarer Nähe nur diese eine Stadt zu existieren. Es besteht scheinbar auch kein Kontakt zu anderen Städten, falls diese existieren sollten. Der hier gezeigte Ort besteht für sich allein und leidet unter einem fragwürdigen Regime, was jedoch nur den wenigsten Bürgern bewusst ist.

Nicht nur dies ist eine treffende Parallele zu unserer modernen Spaßgesellschaft. Auch das Verfälschen von Geschichte, das Nutzen des TVs für Propaganda und einige andere Punkte findet man sowohl in „Fahrenheit 451“ als auch in einigen sogenannten Demokratien unserer Zeit. Science Fiction von einst wurde schon des öfteren von der Realität eingeholt. Das ist faszinierend wie erschreckend zugleich.

Etwas belustigend wirkend darf man eine weitere Parallele beobachten: In der Wohnung der Zukunftsgesellschaft stehen große Fernseher, die schon eher Leinwände sind. Dieser auch in „Zurück in die Zukunft 2“ auf die Spitze getriebene gesellschaftskritische Tritt in den Allerwertesten, ist in Zeiten von Videoprojektoren in Privatwohnungen längst überholt und erscheint nicht einmal mehr bedenklich. Warum auch?

Hier liegt meiner Meinung nach auch einer der Fehler des Films. Bücherverbrennungen, so wie die eine traurig legendäre zu Zeiten Hitlers, sind erschreckend. Das komplette Verbieten von Büchern ist so naiv wie der Komplett-film, aber dennoch ein schockierender Gedanke. Der Austausch von TV statt Buch ist jedoch die falsche Trennung um zu warnen. Das Medium selbst kann nicht richtig oder falsch sein. Auf den Inhalt kommt es an. Das in „Fahrenheit 451“ gezeigte Fernsehprogramm ist ähnlich fragwürdig wie das aus Richard Bachmanns Buch „Menschenjagd“. Das Medium wird genutzt als Opium fürs Volk anstatt zur Information, Aufklärung und zur gehobenen Unterhaltung. Auf diese Art lässt sich das TV-Programm der Zukunft (zu das es ja teilweise immerhin wirklich mutiert ist) bedrohlich darstellen und zur Kritik nutzen.

Dennoch hinterlässt der Film durch die extreme Trennung TV und Buch den Eindruck, nur zu dem einen Medium zu stehen und begeht damit den selben Fehler wie tunnelblickbesitzende Belesene, das TV könne nicht auch ähnlich anspruchsvoll genutzt werden wie ein Buch. Mit einer Trennung Fernsehen und Kino könnte ich noch leben, obwohl auch diese Trennung verzerrt, da nicht im entscheidenden Punkt stattfindend, dargestellt wäre. Wie erwähnt, es kommt auf den Inhalt an. Und erst wenn ich nur Trivialem nachgehe, bin ich so stumpf wie die hier präsentierte Gesellschaft, die diese Gedankenlosigkeit fast nur durch das Gucken von TV demonstriert. Beobachtet man heutzutage, wie viele Menschen von heute sich das Opium fürs Volk mittels TV, Computerspielen und ähnlichem geben, merkt man wie nah selbst ein solch naives Filmchen wie „Fahrenheit 451“ an der Wirklichkeit orientiert war, um das damals zu Beobachtende logisch auszuweiten auf das, was wir später bekommen sollten.

„Fahrenheit 451“ ist ein gesellschaftskritisch treffender Genrebeitrag, der jedoch einen arg bitteren Eindruck hinterlässt, was seine Naivität anbelangt. Auf der anderen Seite landet er einige so großartige Treffer, wie Beispielsweise die Art und Weise, wie uns der Vorspann präsentiert wird: gesprochen und ohne Verwendung von Schrift, halt ganz nach Zukunftsgesetz. Die deutsche Synchronisation hat mir übrigens sehr gut gefallen, gerade wegen der sehr ungewöhnlichen Stimmenwahl für den Sprecher der Hauptfigur.


Trailer,   OFDb