Samstag, 15. Dezember 2012

FLUTSCH UND WEG (Flushed Away 2006 David Bowers u.a.)


Roddy ist eine im Luxus lebende Hausratte, die alles hat was sie zum Leben braucht. Doch damit ist es vorbei, als das Tier durch das Klo in die Kanalisation gespült wird. Aus diesem neuen, dreckigen Umfeld will Roddy so schnell wie möglich wieder raus...


Heimweh nach Zivilisation...

Weg vom Knetgummi, hin zur Computeranimation, das klingt nach Fortschritt, ist in diesem Falle aber ein Rückschritt. Wo sich die Verantwortlichen bei "Chicken Run" noch richtig Mühe geben mussten (allein um herauszufinden wie Knethühner auf dünnen Beinchen stehen bleiben), ist ein Film wie "Flutsch und weg" mittlerweile relativ einfach zu erschaffen.

Dieser Schritt zur schnelleren bzw. einfacheren Produktion muss nicht zwingend bedeuten, dass es rein vom Sehvergnügen her Einschnitte gibt. Im Falle von "Flutsch und weg" ist dies allerdings der Fall. Zunächst einmal ist es löblich, dass man sich vom Aussehen her an den bisherigen Stil der Figuren aus den Vorprojekten gehalten hat. Man sieht den Tieren ihre Verwandtschaft zu Wallace, Gromit und Co an. Was den Hauptfiguren aus „Flutsch und weg“ allerdings fehlt, ist die Sympathie ihrer Vorgänger. An den Tieren, die man wählte, mag es nicht liegen. Es ist die Kombination aus Design, Mimik, Bewegung, Frisur, Körperhaltung, etc., die das ganze nicht so angenehm wirken lässt.

Es hat weder im Vergleich zu den Knetabenteuern eine würdige Wirkung, noch im Vergleich zur Computeranimations-Konkurrenz. Wenn die Optik (allein bei den Figuren) schon nicht mitmacht, ist es schwer für einen Film dieser Art sich noch retten zu können. Bis auf die Figuren kann man dem Team der Animation allerdings sonst nichts vorwerfen. Alles ist hübsch gezeichnet und viele kleine lustige Gimmicks finden sich stets am Rande irgendwo im Hintergrund. Es wurde mit viel Liebe zum Detail programmiert.

Was insgesamt an "Flutsch und weg" stört ist die Einfallslosigkeit in Geschichte und Erzählform. Schon "Chicken Run" zeigte, dass man nicht sehr bemüht darin war etwas neues zu erzählen. Viel zu sehr wurde auf die gängige Vorgehensweise einer Geschichtenentwicklung gesetzt. Dort machte allerdings die sehr schwierige und gelungene Knetanimation und die geglückten Charaktere vieles wieder wett. Das sind Pluspunkte, die "Flutsch und weg" fehlen.

Das traurige ist, dass die Grundsituation, auf der alles aufbaut, eigentlich sehr lustig klingt. Unser Held wird das Klo herunter gespült und lernt nun das Leben und Treiben der Tiere in der Kanalisation kennen. Doch schon wenn man sichtet, dass die Kanalisation sich vom Zurechtmachen des Lebensraumes her kaum von der Welt oben unterscheidet, weiß man, dass man nicht mehr all zu viel zu erwarten hat. Was hätte man für eine Welt kreieren können, ruhig nah am echten Aussehen der Gegebenheiten dort unten, wo keiner gerne hingeht. Aus der Echtheit einer Kanalisation hätte man viel Witz herausarbeiten können.

Nein, in "Flutsch und weg" ist die Kanalisation eine Stadt, wenn auch eine sehr dreckige. Und selbst dort hat man die Möglichkeiten vergeigt, den Dreck der Großstädte mit als Satire zu integrieren. Nun gut, ein solcher Humor müßte in einem Kinderfilm nicht zwingend sein, "Flutsch und weg" will aber Groß und Klein gleichermaßen gefallen. Deswegen schleicht sich auch immer wieder fröhlicher Jugend- und Erwachsenenhumor mit ein. Einige echt gute Lacher sind vorhanden. Beispielsweise fliegt unser Held durch einen Unfall quer durch die Luft, streift dabei eine Wäscheleine und fliegt nun bekleidet mit der Wäsche, die dort vorher hing, umher. Und nun fallen die bekannten „Superman“-Sprüche von den Beobachtern: "Ist es ein Vogel?" - "Ist es ein Flugzeug?" - "Ist das meine Unterwäsche?" Das ist wirklich witzig.

Leider wurde aber im Gegensatz zu "Shrek", "Antz" und "Große Haie kleine Fische", die ebenfalls sowohl auf das Große und das kleine Publikum aufbauten, dem ganzen kein Rahmen gegeben, der für die Älteren interessant genug wäre. Mal davon abgesehen, dass der Film ohnehin nur den typischen Spuren computeranimiert erzählter Trickfilme folgt (so als müsse das Pflicht sein), er muss zudem noch eine reine Kindergeschichte erzählen. Das zeigt sich zum einen im weiteren Storyverlauf an sich (Schatz suchen, Heimweg finden, ....) aber auch in der temporeichen Umsetzung.

Ewig muss Action gezeigt werden, um die schnell gelangweilten Kids bei der Stange zu halten: abenteuerliche Stürze, Verfolgungsjagden und anderweitige hektische Situationen. "Shrek" und "Antz" setzten viel mehr auf witzige Dialoge und schafften es dennoch auch den Kleinen zu gefallen, "Flutsch und weg" hat darauf leider zu gering gesetzt.

Was bleibt ist also ein Film für Kinder, mit einigen eingestreuten Witzen für die Großen. Für die ist die Geschichte aber zu arg vorhersehbar (selbst für Zeichentrickverhältnisse), zu brav, mit zu aalglatten Charakteren versehen und viel zu sehr bemüht ewig abenteuerlich sein zu wollen. Da die Optik der Figuren, trotz geglückter Mimik, ebenfalls wenig hergibt, ist das alles schon recht dünn. Obwohl die Grundstory sehr flott und einfallsreich klingt, trifft nur das erste Adjektiv zu. Einfallsreich ist hier nur sehr wenig. Ein Familienfilm, so sehr er es auch sein will, ist "Flutsch und weg" nicht geworden, es ist ein Kinderfilm. Als solcher funktioniert er gut.

Unter der Ausrede nur ein Kinderfilm sein zu wollen, hätte man sich aber auch mit diesem Ziel mehr Mühe geben können eine innovativere Geschichte zu erzählen. Wenn man es sich derart einfach macht, in dem man alles auf ganz Nummer sicher setzt, dann kann auch nur Durchschnitt bei herumkommen. Große Werke der Kinderunterhaltung im Kino sind gerade deshalb immer große Werke geworden, weil sie auch neue Wege wagten, oftmals nur in kleineren Bereichen. Filme wie "Flutsch und weg", "Madagascar" und wie sie alle heißen werden deshalb bei zukünftigen Kinogenerationen nur noch engagierten Cineasten ein Name sein.

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