Sonntag, 16. Dezember 2012

LAKE PLACID 2 (2007 David Flores)


Ein Sheriff geht zusammen mit einer Artenschutz-Expertin, einem Biologen und einem Milliardär und dessen Gehilfen auf die Jagd nach einem Riesenkrokodil, das im See der angrenzenden Kleinstadt sein Unwesen treibt. Ob eine alte Dame mehr über das Ungetüm weiß, deren Schwester laut Stadtlegende einst Kühe an Krokodile verfütterte?...


Markennamen sind voll in...

"Lake Placid" mit Bill Pullman in einer der Hauptrollen war ein kleiner Erfolg im Bereich des Kroko-Horrors. Kein Wunder, war er doch mit Humor bereichert, ironisch erzählt und wusste er doch die Pausen zwischen den Kroko-Attacken mit kurzweiligen Dialogen zu verschönern. Dass von einem solch angenehmen Film seiner Gattung eine Fortsetzung ausgerechnet vom berüchtigten Fernsehsender Sci Fi-Channel umgesetzt wurde, ist schon eine kleine Enttäuschung, ist Sci Fi doch dafür berühmt schlicht zurecht geschusterte Tier-Horrorfilme auf die Menschheit loszulassen, die mit üblen Computereffekten eher nerven anstatt zu unterhalten. 

Aber wenn man mit dieser billigen Produktpalette schon Erfolge feiert, ist die Idee einen berühmten Kinonamen aufzukaufen um ihn als TV-Film fortzusetzen schon nicht schlecht zu nennen, zumindest aus Produzenten-Sicht. Zumindest schien ihnen dieses Denken recht zu geben, wurden doch bereits ein Jahr nach "Lake Placid 2" die beiden "Anaconda"-Filme, die seinerzeit mit Jennifer Lopez begonnen haben für den Sci Fi-Sender fortgesetzt. Und auch "Lake Placid 2" folgten noch zwei weitere Fortsetzungen des bienenfleißigen TV-Senders.

Mit Blick auf andere Produktionen Sci Fis guckt sich "Lake Placid 2" im direkten Vergleich zunächst auch eine Spur positiver. Die Besetzung weiß zu überzeugen, auch wenn ich mir gerade von Sam McMurray eine etwas bessere Darstellung erhofft hatte, so gut wie er den Chef Dougs in "King Of Queens" verkörperte. Aber für einen billigen TV-Film gibt es an der Besetzung wahrlich nichts zu meckern, die 08/15 Mimen mit akzeptablen Schauspielern vereint.

Gerade Hauptdarsteller John Schneider, der berühmt wurde durch seine Duke-Rolle in der Serie "Ein Duke kommt selten allein" und seinen Horroreinstieg im sympathisch schundigen "The Curse" absolvierte, weiß mit seinem routinierten Schauspiel aus 30 Jahren Berufserfahrung auf schlichte Art zu gefallen und eine gewisse Medienpräsenz zu versprühen. Er ist für immer in Billigproduktionen hängen geblieben und das schauspielerisch wohl auch zu Recht, aber er weiß zu wirken, so dass er die Teilnahme an solchen Gurken wie "Shark Swarm" und "Monster Village" nicht verdient hat. Ich muss beizeiten mal schauen ob immerhin "Supershark", bei dem er ebenfalls mitspielte, was taugt, wo doch "Supergator" (ohne ihn) so kurzweilig zu funktionieren wusste.

Auch die ersten Krokodilaufnahmen stimmen etwas zuversichtlicher, wissen doch gerade jene Einstellungen zu überzeugen, in denen das Vieh aus der Vogelperspektive im Wasser untergetaucht eingefangen wird. Doch erste Tier-Aufnahmen über Wasser, reißerische blutige Körperteile und erste entblößte Brüste lassen einen schnell wieder merken, dass man sich in einer Sci Fi-Produktion befindet, der es an jeglicher Ironie fehlt, und das selbst dann, wenn man sich so eng am Rezept des berühmten Vorgängers festklammert.

Nein, was ist man bemüht ebenfalls so flotte Dialoge zusammen zu schustern, wie es das Original so originell hin bekam, und was versucht man ähnliche Differenzen aufzuzeigen, was nicht sonderlich schwierig sein dürfte, wo doch jegliche Figuren des Originals eins zu eins kopiert wurden. Doch es haut nicht hin. Zu bemüht strampelt sich Regisseur David Flores einen ab, der doch mit "Boa vs. Python" einen so wunderbar trashigen und kurzweiligen Tierhorror der anspruchslosen Sorte umgesetzt hat. Den flinken Stil dieser kleinen Trash-Perle lässt "Lake Placid 2" so gut wie nie aufblitzen.

Man kopiert einfach zu stark das Original, und das lebte eben auch von der Sympathie seiner Charaktere und deren Schauspieler. Bei geändertem Cast mit anderen Rollen lässt sich dies nicht so einfach wiederholen, mögen die Darsteller auch noch so brauchbar sein. Was sich anfangs im Routine-Bereich angenehm guckt, wird im Laufe seiner Spielzeit immer mehr das bereits Bekannte seines Sub-Subgenres und langweilt mehr als dass es unterhält.

Da macht es auch gar nichts mehr aus, dass nun bei späteren Auftritten des Krokodils, die länger ausfallen als zuvor, seine Kostengünstigkeit so richtig zum Vorschein kommt und damit erst recht zur Beleidigung des Originals wird. Allerdings kann man auch hier im Hinblick auf manch andere Sci Fi-Produktion zugeben: es sieht besser aus als sonst, was gerade in jenen Tier-Sequenzen deutlich wird, in welchem sich die CGI-Kreatur ein menschliches Wesen schnappt.

Der Hardcore-Fan solcher Produktionen und der treue Fan der TV-Filme von Sci Fi könnten also eventuell noch unterhalten werden. Für den Freund der Kinoversion von "Lake Placid" wird diese in Deutschland als Videoproduktion veröffentlichte Fortsetzung jedoch kein Vergnügen. Und auch ich als Freund billigen Tier-Horrors bin eher abgeneigt als wohlwollend, was den hier besprochenen Film betrifft, so dass ich mir persönlich die beiden weiteren Fortsetzungen (und es werden garantiert noch mehr) nur noch ungern zu genüge führe, wenn überhaupt. Da ich aber nie dazu lerne, werde ich zumindest irgendwann einen Blick auf Sci Fis Fortsetzungen der "Anaconda"-Reihe werfen. Dort war immerhin das Original so schlecht, dass ein routinierter TV-Film im Stil von "Lake Placid 2" tatsächlich besser werden kann als der unbrauchbare Teil 1. Wer geglückte Billig-Produktionen im Bereich des Kroko-Horrors sichten möchte, sollte zu "Crocodile 2" oder "Alligator 2" greifen. Die wussten noch wie man es richtig macht.


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