Montag, 24. Dezember 2012

MACHTNIX (2006 Dingolstadt Comedy)


Leo Andersrum bekommt über seinen Computer Kontakt zu gesuchten Verbrechern. Ohne mit diesen etwas zu tun gehabt zu haben, steht er nun vor der Wahl von mysteriösen Beamten verfolgt zu werden, da diese ihn in Verbindung mit den gesuchten Kriminellen vermuten, oder Morphium in die Machtnix zu folgen, einer Welt wie sie wirklich ist, nur nicht besser...


Sie macht nix und sie tut nix...

Hut ab! Was die Comedytruppe Dingolstadt Comedy auf die Beine gestellt hat kann sich sehen lassen. Wenn ich das richtig verstanden habe ist dies die Zusammenkunft von Bühnen-Komikern, die nun mit der „Machtnix“ ihren ersten Film fertiggestellt haben. Lobenswert dass den jeder gratis im Internet gucken darf.

Machtnix ist die Parodie auf den berühmten Wachowski-Film mit Keanu Reeves in der Hauptrolle, weshalb die Parodie auch gerne die Bezeichnung „bayrische Matrix“ erhält. Ja, richtig gelesen: Das Werk stammt aus dem Fastausland, und so nervig der bayrische Dialekt in der Regel auch ist, er ist es, der dem fertigen Film die besondere Note verleiht. Er ist quasi das Pünktchen auf dem I.

Ziemlich eng orientiert man sich an den Geschehnissen der ersten „Matrix“, mixt dabei detailgetreue Parodien mit eigenen unabhängigen Albernheiten und hat meist den Riecher für den richtigen Gag. Zieht sich eine Szene mal zu lang dahin, so wie die erste Essensaufnahme an Bord von Morphiums Schiff, dann wird man wenigstens entschädigt mit einer Szenenpointe, die das lange Warten wert war.

Dass es kein Drehbuch gab merkt man kaum. Es wurde viel improvisiert, und mancher Witz kam deshalb in den fertigen Film, weil die Crew sich über den bereits beim Dreh kaputtgelacht hat. Solche Informationen erhält man im Abspann, wenn man die Patzer sichten darf, von denen einige original in den fertigen Film kamen, selbstverständlich mit entfernten Lachern. Eine solche Szene nicht zu wiederholen halte ich für die richtige Wahl, oft sind spontane Scherze beim zweiten Versuch nicht so witzig wie beim ersten Mal.

Dingolstadt Comedy arbeiten streckenweise mit Computereffekten. Das sind ganz simple und billige, aber so muss es sein, in einer Komödie die derart albern ist wie „Machtnix“. Selbst die Maske Morphiums ist nicht mit viel Liebe umgesetzt worden, absichtliche Lieblosigkeit sorgt für den ein oder anderen Lacher.

Einziger ernstzunehmender Kritikpunkt ist manche Szene, in welcher der Darsteller des Andersrum zum Überagieren neigt und sich ruhig auch mal eine Spur hätte zurücknehmen können. Man muss nicht immer im Mittelpunkt stehen, letztendlich ist so etwas nicht nur kontraproduktiv für das fertige Werk, sondern auch unhöflich den Mitspielern gegenüber.

Wer die "Matrix“ kennt wird allerhand zu lachen haben. Da gibt es Gags um das Konstrukt, um die Kämpfe, um dem Tier dem Leo folgen soll und vieles mehr. Nichtkenner des Wachowski-Brüder-Films werden jedoch auch viel zu lachen haben, das ist das besondere an der „Machtnix“.

Eine Besonderheit gibt es allerdings noch hervorzuheben, mit welcher die Crew zur Entstehungszeit wohl nie gerechnet hätten. Das Jahr, in dem „Machtnix“ gedreht wurde, ist mir leider unbekannt. Da die Fortsetzungen nicht verarscht werden, kann man aber wohl davon ausgehen, dass die Parodie vor diesen entstand. Dadurch hat sich ein ungewollter Kult entwickelt. In der Position zur Verarsche endet die „Machtnix“ nämlich ähnlich wie die richtige „Matrix“-Reihe. „Machtnix“ hat eine solch bescheuerte Schlussidee, dass es in „Matrix 3“ echt nur peinlich zu nennen ist, dass man einen fast gleichen Schluss wählte.

Da bedarf es erst der Parodie eines Teil 1, um zu beweisen, dass die Fortsetzungen der „Matrix“ eine unfreiwillige Parodie des ersten Teils wurden. Peinlich, peinlich! Hoffentlich ist dem Comedy-Team dieser zufällige Treffer bewusst.

Wer die bayrische Matrix noch nicht gesehen hat, sollte dies schnellstens nachholen. „Machtnix“ ist eine Amateur-Komödie wie sie sein soll. Freiwillig trashig, motiviert umgesetzt und allein schon wegen der Improvisationsflut eine echte Empfehlung wert.

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