Donnerstag, 17. Januar 2013

A STUDY IN SCARLET (1933 Edwin L. Marin)


Ein Mitglied des kleinen, aber exklusiven, Clubs "The Scarlet Ring" stirbt. Sein Besitz wird unter den anderen Mitgliedern aufgeteilt. Doch von nun an stirbt ein Clubmitglied nach dem anderen. Die Umstände, die zum Tode führen, sind ominös. Also wird Detektiv Sherlock Holmes eingeschaltet, der die Identität des Mörders aufdecken soll...


Ein früher Holmes...

Wenn man bedenkt welch frühe Geschichte „A Study In Scarlet“ im Meer der Holmes-Veröffentlichungen war, darf man schon etwas verwundert sein, mit welcher Altersklasse Holmes und Watson in dieser Verfilmung gecastet wurden. Aber dass beide viel zu alt sind ist unwichtig, wird doch allgemein nur der berühmte Titel verwendet um Leute ins Kino zu locken. Schon damals gab es Etikettenschwindel, und die angebliche Verfilmung der Geschichte „A Study In Scarlet“ entpuppt sich als eine völlig andere, für die nicht einmal winzigste Elemente der Vorlage übernommen wurden. Nun ja, es gibt Holmes, Watson, einen Killer im Hintergrund und natürlich Sherlocks Pfeife und Geige. Aber diese Dinge sind im Holmesuniversum so elementar, dass sie wohl kaum ausreichen, der Titelgebung gerecht zu werden.

Interessiert auch nur zweitrangig, ist doch am wichtigsten ob der Film unterhält oder nicht. Die Geschichte orientiert sich am Zehn kleinen Negerlein-Prinzip. Eine anonyme Nachricht an die Opfer ist im eben solchen Stil wie dieses berühmte Kinderbuch geschrieben. In Reimform wird die Anzahl der Lebenden angegeben und die Anzahl der demnächst noch Lebenden, sprich einer weniger. Holmes ermittelt, Watson steht ihm wenig tollpatschig zur Seite.

Leider ist der gesamte Streifen sehr langweilig erzählt. Lediglich die Auflösung ist nett, erinnert aber lustiger Weise etwas an die Auflösung des häufig verfilmten Agatha Christie-Krimis „Zehn kleine Negerlein“. Die Welt ist klein.

Langeweile pur, und an dieser kann auch die Besetzung nichts ändern, ist sie, mal abgesehen vom bereits angesprochenen Alter der Protagonisten, doch völlig falsch gecastet worden. Holmes ist ein breiter Typ, dem Comic-"Dick Tracy" etwas ähnlich, der mit versteiftem Nacken und strenger Stimme völlig verkrampft und ungelenk spielt. Wenn er in seiner Art kombiniert, klingt es wie abgelesen. Rein äußerlich, Vorurteile sei Dank, traut man diesem Stiernacken einfach nicht zu, derart klug zu kombinieren.

Watson ist besser, aber auch nicht wirklich zur Zufriedenheit, besetzt. Er sieht aus wie ein kleiner Professor, kann ohnehin wenig Talent beweisen, ist er doch recht unbedeutend für die Geschichte, darf für kleine Gags herhalten, wird aber eigentlich vom Drehbuchautor kaum beachtet. Schade!

Theoretisch gesehen ist „A Study In Scarlet“ dennoch interessant. Immerhin ist er 6 Jahre vor dem ersten Holmesfilm mit Basil Rathbone in der Titelrolle entstanden, dem wohl beliebtesten Darsteller des berühmten Detektivs. Kein Wunder, dass der schlaue Mäusedetektiv in der von den Disneystudios produzierten Zeichentrickverfilmung in den 80ern ihm zu Ehren den Namen Basil erhielt. Reginald Owen hätte man in der Rolle so oder so vergessen. Die Berühmtheit Rathbones legt aber endgültig einen verschlingenden Schatten über diese Fehlbesetzung. Publik Domain sei Dank kann sich jeder selbst ein Bild über diesen Film machen. Er ist kostenlos im Internet anzuschauen.

Zu Unterhaltungszwecken rate ich von dieser Idee allerdings ab, da der Film wirklich sehr öde ist, und das dort zu betrachtende Filmmaterial dies fördert. Das Englisch im vorhandenen Ton ist schwer zu verstehen und erschwert ein kurzweiliges Schauen zusätzlich zur lahmen, uninspirierten Erzählweise des Regisseurs. Zudem erleichtert es nicht gerade, dass alle möglichen Mitwirkenden sich sehr ähnlich sehen. Anbei wirken die Schauplätze nicht wie London, das nimmt dem ganzen auch einiges von seinem möglich gewesenen Flair. Für Holmesinteressierte ist der Film allerdings Pflichtprogramm, eben weil es eine solch frühe Verfilmung ist.


OFDb

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