Freitag, 18. Januar 2013

CARRIE (2002 David Carson)


Carrie wohnt bei ihrer dominanten und strengreligiösen Mutter. In der Schule ist sie eine gehänselte Außenseiterin. Als Teenagerin entwickelt sie telekinetische Fähigkeiten. Als ein Mitschüler sie zu einem Ball einladen will, nutzt sie die Kräfte um dies bei ihrer Mutter durchzusetzen. Diese glaubt der Teufel stecke in ihrer Tochter und auch auf der Party selbst soll es zu bösen Überraschungen kommen...


Des Satans unnötigstes Remake...

Das Original von Brian De Palma ist meiner Meinung nach der beste bisher erschienene Horrorfilm nach einer Vorlage von Stephen King. Wie nah er und diese Neuverfilmung am Buch angelehnt sind kann ich nur erahnen, da ich es nicht gelesen habe. Da das Erstling in meinen Augen so genial ist und die Neuverfilmung lediglich eine TV-Produktion, hat dieser Film bereits schlechte Vorraussetzungen. Die Neugierde trieb mich dennoch vor den Fernseher, und wie zu erwarten war ich mit dem Ergebnis nicht zufrieden.

Dass die Schauspieler nicht so toll gecastet sind wie im Original dürfte in einem TV-Film klar sein. Dennoch will mir nicht in den Kopf, wie es der Regisseur schaffte die großartige Hauptrolle aus "May" in einer ähnlich angelegten Rolle mit Carrie so blass wirken zu lassen. Sie fällt zwar nicht negativer als die restlichen Schauspieler auf, aber wer "May" gesehen hat wird wissen was ich meine.

Außerdem weiß ich nicht, ob es wegen fanatischer Political Correctness unbedingt nötig war den helfenden Schülerinnenpart mit der Quotenschwarzen zu besetzen. In einem Werk das u.a. von religiösem Fanatismus handelt, wirkt so etwas eher beschämend. Diese Heuchelei blitzt auch in den Szenen auf, die in Amerika ebenfalls durch religiösen Fanatismus begründet sind: kurz bevor Carrie ihre erste Periode bekommt wandert die Kamera durch die Umkleidekabine und die Duschen der Mädels. Dort wird vermieden irgend eine Form von Nacktheit zu zeigen.

Dies ärgert mich in diesem Falle aber auch nur wegen des Themas zur Fragwürdigkeit mancher religiösen Lebensweisen und wegen der Grundeinstellung des Films die Teens stets sexy darzustellen ohne die letzte Konsequenz einzugehen. Diese Verkrampftheit im Umgang mit Nacktheit ist in der Neuverfilmung von "Carrie – Des Satans jüngste Tochter“ allerdings nur der Tropfen auf dem heißen Stein. Ohnehin wirkt hier vieles arg steif.

Die Erzählweise über Rückblicke könnte theoretisch wirken, wird allerdings verpatzt durch das verkrampfte Spiel aller Beteiligten dort. Sowohl Miss Quotenschwarze als auch der Kommissar geben kein gutes Bild ab. Die Fragen des Polizisten sind teilweise recht peinlich, ich muss allerdings gestehen dass ich mir schon vorstellen kann, dass bei der Polizei ein Gespräch so dümmlich stattfinden könnte. In meinen Augen waren diese Verhöre die schlechtesten Szenen, was mich zu der Vermutung bringt, ob es daran liegen könnte gerade in den Verhörszenen kein DePalma-Vorbild gehabt zu haben, während man sich ansonsten gut davon hat inspirieren lassen können. Beide Verfilmungen befolgen ansonsten brav den selben Weg, weisen gleiche Dialogstellen auf usw. So scheint es für mich als Nichtkenner des Buches dass beide Filme sehr nah daran gedreht wurden.

Das stellt natürlich die Frage nach der Notwendigkeit einer Neuverfilmung. Wenn bereits das Original nah am Buch war, warum will man dann erneut eine so dicht daran angelehnte Verfilmung nachreichen? Was könnte das Ausschlaggebende sein außer dem schnellen Werbedollar im TV? Mir will dazu einfach keine Antwort einfallen. Die Modernisierung ist minimalst erkennbar in der Mode, den Handys, dem Internet u.ä. Und die Neuerungen wie z.B. der Kometenregen und das eben erwähnten Verhör kann man an einer Hand abzählen. Die Erstverfilmung wird von Kritikern und Cineasten als sehr gut eingestuft und auch das Casting dort ist kaum zu trumpfen. Wofür also eine Neuverfilmung? Die Antwort KANN nur im schnellen Dollar liegen.

Einige Passagen sind mir in diesem Remake allerdings positiv aufgefallen: Die Szene zwischen dem Direktor und dem Vater der bösen Carrie-Gegenspielerin wirkte trotz aller Klischees flott. Gut ist auch, dass diesmal das Drumherum von Carries Verabredung geklärt wird. Während Carrie im Original einfach die Einladung akzeptierte, obwohl sie von der Beziehung ihres Begleiters weiß, ist ihr dieser Punkt in der Neuverfilmung bewusst, es wird in seinen verschiedenen Themenbereichen, die damit einhergehen, aufgegriffen und mehr als nur kurz angesprochen.

Die Besetzung der bösen Mädels und die der Sportlehrerin fallen zudem auch positiv auf. Freilich leuchten sie nur auf, weil der Rest eher blass wirkt, aber das ist nicht sonderlich relevant. Unverzeihlich hingegen fand ich die Besetzung der Mutter, die wie eine etwas strenge, aber ansonsten brave Oma wirkt. Gerade ihre Rolle macht eigentlich so viel an der Psychologie der Geschichte aus, wie kann man ausgerechnet diese so vermurksen?

Nichtkenner des Originals werden sicherlich routiniert unterhalten. Einen Grund für Kenner des Originals das Remake zu schauen gibt es allerdings nicht. Beide arbeiten fleißig die gleichen Geschehnisse ab. Die Unterschiede sind minimalst und nicht wichtig. Die Unterschiede außerhalb der Geschichte sind dafür um so größer, denn weder vor noch hinter der Kamera wurde auch nur ansatzweise versucht die TV-Herkunft zu verschleiern. Am übelsten fällt dies bei den Blenden auf, in denen im US-Fernsehen Werbung eingebaut wurde. Sie sind an den unpassendsten Stellen platziert und setzen teilweise nach der Blende wieder in der selben Szene ein.

Völlig unbrauchbar ist dieses Remake nicht, es hat allerdings dank seiner Art der Umsetzung keine erkennbare cineastische Existenzberechtigung. Warum sollte man es sichten, wenn das Original doch so geglückt ist? So bleibt dem Remake schließlich nur das Publikum der heutigen Kids und einiger anspruchsloser Erwachsenen, die nur neuere Filme gucken wollen.


Trailer,   OFDb

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