Donnerstag, 31. Januar 2013

DER BLINDE (1996 Peter Keglevic)


Eine Teenagerin wird von einem Blinden betäubt und entführt. Parallel zu Inspektor Higgins ermittelt die Schwester der Vermissten, und beide kommen einem Mädchenhändler-Ring auf die Spur...


Dann lieber blind...

Was RTL seinerzeit im Wiederaufleben des Edgar Wallace-Kults selbstständig produzierte, ist nicht gerade auf viel Gegenliebe gestoßen. Teilweise sind die Beiträge erst Jahre später auf Super RTL veröffentlicht worden, da RTL sie im Giftschrank lagerte. Dabei waren die Filme, die selbst Schund-TV-Sender RTL zum schämen brachten, eigentlich eine recht nette, trashige Idee, die mit genug Augen zudrücken sogar funktionierten. Selbiges galt für den Vorgänger des hier besprochenen Filmes, „Die Katze von Kensington“, der im Gegensatz zu „Der Blinde“ noch eine Laufzeit auf Spielfilm-Länge beschert bekam.

Nun sollte man meinen, dass etwas das lediglich mit trashigem Charme funktioniert auf geringere Laufzeit noch mehr, da flotter wirken müsste, als ein 90-Minüter, aber weit gefehlt. Der mit gleicher Besetzung wie sein Vorgänger versehene Streifen ist, auch im direkten Vergleich zu den RTL-Wallace-Beiträgen auf Spielfilmlänge, dilettantisch zu Papier gebracht, und kann nur bedingt durch das Spiel der Darsteller und dem augenzwinkernden Abstand des Zuschauers aufgefangen werden.

Die Stamm-Darsteller spielen routiniert lässig ohne wirklichen Ernst bei der Sache (lediglich Eddi Arent wird mal wieder verheizt), der Rest bewegt sich auf RTL-Soap-Niveau, was aber auch nicht wirklich zu stören weiß, da hier wie da eindimensionale Charaktere verkörpert werden, denen jeglicher Tiefgang und jegliche psychologische Glaubwürdigkeit fehlt.

Das hat wohl auch niemand erwartet, boten doch selbst die Wallace-Klassiker der Rialto-Studios, die hier anbei geehrt werden, indem ein Etablissement den selben Namen beschert bekommt, nur selten mehr als charakterliche Abziehbilder auf Groschenroman-Niveau. Was „Der Blinde“ im Gegensatz zu denen und den anderen RTL-Filmchen frei nach Wallace fehlt, ist die sympathische Kriminalgeschichte, in jedem Klischee badend und gerade deshalb gemocht.

Nicht dass es der Klischees nicht auch hier zu genüge gäbe, aber sie werden seelenlos imitiert, es fehlt der wirkliche Bezug zum Trash. In der Hoffnung ein Blindes Huhn fände auch mal ein Korn (wie passend) kritzelte der Drehbuchautor etwas zusammen das nach Wallace klingen sollte (allein der Mädchenhandel war ein direkter Bezug zu vielen klassischen Wallace-Filmen) und damit auch Wallace-Charme zu sein hatte. Aber weit gefehlt, man schaltet diesen Mumpitz nur deshalb nicht frühzeitig aus, weil er so kurz ist und die Restreihe so gut funktioniert („Karussell des Todes“, der einzige Beitrag auf gleicher Länge wie „Der Blinde“, habe ich allerdings noch nicht gesehen).

Was soll man aber auch von einem Film halten, in welchem Bösewichter aus Nichtigkeiten heraus überführt werden, mit billigsten Ausreden Higgins überhaupt erst auf den Fall losgelassen wird und in welchem ein Verbrecher mal eben aus dem kriminellen Nähkästchen seiner Ehefrau plaudert, nachdem diese tot ist. Beihilfe zu einer Straftat scheint nicht mehr illegal zu sein.

Mit Logik hat in einer solchen Schundproduktion sicherlich keiner gerechnet, aber wenigstens ein Hauch von Mühe sollte schon vorhanden sein, und wenn diese, wie in den anderen RTL-Wallace-Beiträgen, lediglich darin besteht die grottigen Zutaten stimmig zusammen zu puzzeln. In neuer Besetzung und mit einer Arent-würdigen Rolle sollte es zwei Filme später für fünf Beiträge wieder besser werden. Das sahen der Rest der Welt und ganz besonders die Verantwortlichen von RTL jedoch anders, und so wurde nach insgesamt nur 8 Filmen (davon 6 auf Spielfilm-Länge) der sympathische Versuch unter der Gesamtleitung von Horst Wendlandt die allseits beliebte Rialto-Wallace-Reihe wieder aufleben zu lassen, wieder eingestellt. Wären die Filme alle wie „Der Blinde“ ausgefallen, wäre ich dankbar dafür.

Zwei Jahre später und im Jahr 2000 versuchte sich RTL an „John Sinclair“ anstatt an Edgar Wallace. Das Ergebnis sah recht ähnlich aus, mit der Ausnahme das von den Sinclair-Beiträgen keine Folge im Giftschrank landete. Und noch eine Anmerkung nebenbei: was rechtfertigt an „Der Blinde“ eine FSK 16 zu Zeiten wo „The Blair Witch Project“ mit einer FSK 12 davon kam? Aua, aua!

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