Freitag, 18. Januar 2013

DER TEMPLER (2002 Florian Henckel von Donnersmarck u.a.)



Ein Kreuzritter kehrt vom Krieg in die Heimat zurück und hat seinen Glauben an Gott verloren. Deshalb schnappt er sich auch die hilflose Frau, welche die Bürger als Hexe verbrennen wollen, um sie zu retten. Doch es gibt etwas, das der Ritter nicht weiß...


Der Hexenretter...

Handwerklich gesehen ist "Der Templer" wirklich gut gemacht. Kamera, Schnitt, Schauspiel, Spezialeffekte und ganz besonders die Kulissen, Kostüme und Bauten sind für einen kleinen Kurzfilm wirklich beeindruckend. Man glaubt sich fast in einer Großproduktion wiederzufinden, so bombastisch wirken hier die richtig eingesetzten Mittel, die eigentlich recht dürftig sind. Aber die Regie versteht es den Zuschauer im positiven Sinne zu blenden und mehr zu bieten als man hatte.

Auch die Schattenseiten von Großproduktionen wie z.B. "Herr der Ringe" sind zu bemerken: das Fehlen einer erzählenswerten Handlung. "Der Templer" schafft es sehr wohl Neugierde zu wecken, da das ganze Treiben im Film immerhin zu irgendetwas führen muss. Am Ende kommt der Film dann aber lediglich mit einer kleinen Schlusspointe daher, die ihm vom Mittelalterfilm zu einem Werk mit Horror- bzw. Fantasygehalt werden lässt. Diese lässt den Zuschauer etwas unzufrieden zurück.

Okay, die Pointe war nett, aber da sie der Höhepunkt, bzw. das Ziel der Geschichte war, und nicht etwa ein Zusatzbonus zur erzählten Geschichte, fragt man sich was das pompöse Drumherum in seiner Extreme nun sollte (schon wieder wie bei "Herr der Ringe"). Dann hätte man das ganze auch eine Spur simpler inszenieren können. Schade, wo die Atmosphäre doch so gut eingefangen wurde, gerade bei der Ankunft im Dorf.

Im Wandel zum Bereich des Übernatürlichen begeht der sonst so gut umgesetzte Film auch seinen ersten inszenatorischen Fehler: der finale Spezialeffekt ist mit einem billigen, nicht wirklich wirkenden, Computertrick umgesetzt. Ein Werk, das sonst für seine Verhältnisse optische Brillanz präsentiert, hätte in diesem Falle dann doch auf einen handgemachten Effekt zurückgreifen sollen.

Aber was soll's! Wer Filme nicht nur der Erzählung wegen guckt, sondern auch gerne mal wegen ihrer Machart, und wer gerade bei Kurz- und Amateurfilmen mal gerne einen Blick in das Talent der Erschaffer solcher Werke riskiert, der sollte sich "Der Templer" ruhig mal ansehen. Viel Zeit vertrödelt man dabei ohnehin nicht, und unterhaltsam ist er auch noch. Er lässt einen halt nur mit einem Gefühl zurück, keine Geschichte gesehen zu haben. Deswegen ist der Kurzfilm jedoch keineswegs ohne Aussage. In dieser Fastgeschichte ist so etwas sehr wohl enthalten, sie ist also keine geistig leere Erzählung. Damit hat "Der Templer" einigen Langfilmen seiner Zeit sogar noch etwas voraus. 


OFDb

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