Samstag, 12. Januar 2013

DIE FIRMA (The Firm 1993 Sydney Pollack)


Mitch ist mit seinen Leistungen einer der meist umworbenen zukünftigen Anwälte Amerikas. Er nimmt ein Topangebot einer relativ kleinen Kanzlei an, unwissendlich dass diese Mafiabeziehungen hegt...


Mein Kunde, der Pate...

"Die Firma" ist das Paradebeispiel eines gelungenen Filmes, der es schafft so gut zu sein trotz seiner total unsympathischen Hauptcharaktere, die von der Geschichte her nicht so unsympathisch hätten angelegt sein müssen, damit sie funktioniert. Alex aus "Uhrwerk Orange" und die Hauptfigur aus "Starship Troopers", die nie selbstständig dachte, waren unsympathische Figuren weil sie für eine derartige gesellschaftskritische Geschichte so angelegt sein mussten. Die Geschichte von "Die Firma" hätte genauso gut mit Sympathieträgern umgesetzt werden können.

Aber nein, stattdessen erleben wir zwei biedere junge Menschen. Der männliche Part betrügt seine Frau schneller als sie seinen Namen aussprechen kann, ist ein arbeitswütiges Tier unter der Ausrede er würde es für das Wohlergehen seiner Frau machen und verführt seine bessere Hälfte mit so charmanten Worten wie:" Willst Du Eier? Ich hätte 2 harte." Oh weh! Sie ist aber auch nicht viel besser. Ihr Männergeschmack zeigt sich lediglich durch Äußerlichkeiten, anders geht es bei einem so gedankenlosen Arschloch von Ehemann ja auch gar nicht. Und außerdem ist sie eine Klugscheißerin (wichtig hervorzuheben: keine Besserwisserin, denn sie weiß es nicht besser!).

Dies zeigt sie einmal sehr deutlich und unbeliebt machend, wenn sie einem Vorgesetzten ihres Mannes auf einer Beerdigung nach einem minimalen Dialog mangelnde Trauer vorwirft und dieser dies zurecht erwidert mit den Worten: "Menschen trauern auf unterschiedliche Art."

Diese zwei Figuren verfolgt man nun durch eine Geschichte, die recht interessant erzählt ist, obwohl sie eigentlich vorhersehbarer nicht sein könnte. Lediglich wie pfiffig sich die Rolle des Cruise aus all dem rettet, was ihm im Film wiederfährt, ist überraschend eingebracht. Allerdings ist diese gesamte Aktion für einen derart geistestrüben Charakter eigentlich eine Spur zu gewitzt, aber wollen wir da mal nicht so kleinlich sein. Gut ist zumindest dass die Mafia hier nicht als einziger Bösewicht dasteht. Das hätte schnell passieren können, wenn der Film sich komplett am konservativen Denken seiner Protagonisten orientiert hätte. Aber der Film basiert auf einem Roman von Grisham, und der war sich sehr wohl bewusst, dass auch das FBI kein Club von Menschenfreunden ist.

Die Geschichte plätschert nett vor sich hin und wird eigentlich erst zum Ende hin spannend. Doch irgendwie schafften es Regie und Co die Geschichte trotz Vorhersehbarkeit, widerlicher Identifikationsfiguren und fehlendem Nervenkitzel das ganze ansehnlich zu verpacken. Und ich weiß nicht wie er es macht, aber trotz mangelndem Talent hat Cruise es mal wieder geschafft eine Rolle in einem richtig guten Film zu ergattern. Wer Cruise als Pluspunkt sieht wird sicherlich keine Probleme damit haben sich mindestens mit der Filmehefrau zu identifizieren. Der Realist weiß, dass Cruise kein Schauspielgenie ist, für viele Menschen (mich eingeschlossen) ist er nicht mal sympathisch. Das macht ihn aber gerade so perfekt für die Rolle in "Die Firma".

Seine Filmpartnerin spielt nicht viel besser als er, und der Rest darf gängige Klischeerollen spielen, mal typisch für US-Filme (die Chefs, die FBI-Agenten) und mal ins comichafte abgleitend (der Sicherheitschef und seine Gefolgschaft). Einzig die Rolle Gene Hackmans weiß sich aus diesem Meer an Klischees und Unbeliebtheit hervorzuheben. Hackman spielt einen gebrochenen Charakter, eine dramatische Rolle, die sehr echt wirkt. Ohne sie gäbe es keine emotionalen, stillen Momente in diesem Werk. Das wäre auch kein Muss für das Funktionieren eines guten Thrillers, aber es verfeinert einen solchen Film, so wie Zusatzgewürze eine bereits schmackhafte Suppe noch leckerer macht.

Ein solches Gewürz ist in diesem Thriller auch die Musik, die sich mit Klavieruntermalung begnügt. Schön dass dieser Mut zum Ungewöhnlichen funktioniert, dennoch dürften sich an diesem Punkt die Geister scheiden.

Der Film ist auf jeden Fall eine Empfehlung wert, auch für Leute, die sich mit Tom Cruise in Hauptrollen nicht anfreunden können. Er eignet sich auch wunderbar zum öfter gucken (der Film, nicht der Cruise).


Trailer,   OFDb

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