Freitag, 18. Januar 2013

HOUSE OF THE DEAD (2003 Uwe Boll)


Teenager fahren zum Party feiern auf eine Insel. Dort werden sie bereits von hungrigen Zombies erwartet...


Ein unterirdisches Beispiel...

Hier haben wir den Prototyp eines sehr dummen und seelenlosen Teenie-Horrors, quasi ein Produkt dieser Art in seiner Reinform. Wo Werke wie "Doom" und "Alone In The Dark" wegen zutreffender Punkte dazuzählen, verkörpert "House Of The Dead" all die in solchen Werken vereinzelt auftauchenden negativen Elemente in einem einzigen Film. Das ist schon fast eine Meisterleistung, und gesehen haben muss man das auch um es zu glauben. Es kommt nur selten vor dass man in einem Kinoprojekt etwas vergleichbar Dummes findet.

Ich will die positiven Dinge nur mal vorweg erwähnen: Die Zombies sehen klasse aus, und die Musik klaut zwar ordentlich von der Band Prodigy, ist aber sehr flott und passt zum Geschehen. Das war alles! Vielleicht mag der ein oder andere noch die diversen hübschen Körper, die hier gezeigt werden, mit dazuzählen, aber 1. macht so etwas meines Erachtens keinen Film aus, und 2. werden die attraktiven Herren und Damen durch ihre Dummheit, ihre Arroganz und ihrem an Faschismus grenzendem Verhalten wieder extremst unerotisch.

Zudem spielen sie alle ohne Ausnahme ihre Rollen nicht glaubwürdig. Ebenso wie in "Doom" gibt es hier nur Proleten. Das allein würde schon reichen um die Augen zu verdrehen, aber die Sprüche die diese Hirnis hier ablassen sind an Plumpheit nicht zu unterbieten. Zombies attackieren einen jungen Mann im Wasser, vom Ufer aus schießen einige Leute auf die Zombies. Der Typ im Wasser ruft dem Kapitän zu, er solle schießen, und dieser sagt mit knallharter Stimme, so als würde nun ein ganz trockener Spruch folgen: "Was glaubst Du was ich hier tue?

Meine dümmsten Lieblingsszenen habe ich hier einmal aufgelistet:

- Eine Polizistin bittet einen unschuldigen jungen Mann sie durch den Zombiewald zu begleiten, sie würde ihn schon beschützen. Bei der ersten Untoten-Regung ruft sie dem hinter ihr trabenden Kerl zu, er möge weglaufen, und zwar schnell. Das tut er auch. Er läuft und läuft. Die Polizistin hat ihn damit natürlich überhaupt nicht beschützt, denn nun läuft er den Zombies in die Arme. Was für eine Heldentat von der Frau! Angekommen bei den Freunden des Kerls fragen diese die Polizistin selbstverständlich nach dem Verbleib ihres Freundes, nachdem die Gesetzeshüterin nichts von selbst zu diesem Thema zu berichten hat. Und die Frau sagt "Er hat es nicht geschafft!"

- Eine Frau sucht ihren vor 10 Sekunden verschwundenen Freund nach einem Bad an einer völlig anderen Stelle auf der Insel. Sie läuft auf ein Haus zu und fragt: "Was ist das? Was ist das?" Hätte sie mich vor dem Fernseher hören können, hätte ich ihr zugerufen: "Ein Haus! Ein Haus!"

- Der Held trifft auf den Oberbösewicht und es kommt zu folgendem extremst hirnlosen Dialog: "Sie haben das Blut im Labor erschaffen um ewig zu leben. Warum?" - "Damit ich unsterblich bin." Aaaaargh! Herr lass Hirn vom Himmel regnen!

Dass zudem das ganze Verhalten der Technofreunde zur zweiten Hälfte höchst unrealistisch ist, muss auch noch kurz erwähnt werden. Alle wie sie hier vorkommen, egal welchen eindimensionalen Charakter sie zuvor hatten, haben plötzlich Talente, Reflexe und Erfahrungen wie die "Drei Engel für Charlie" oder Neo und seine Truppe aus "Matrix". Es sind alles Kampfsportexperten, die z.B. einem schwingenden Beil bei Normaltempo (für uns in Zeitlupe) entkommen können, indem sie sich Limbo-artig nach hinten beugen. Zudem können sie exakt schießen und auch auf andere Arten wie professionell gelernt töten.

Emotionale Regungen über menschliche und sehr persönliche Verluste klingen maximal in kurzen Kommentaren auf. Ansonsten ist nichts zu merken von Freundschaftsverlust, angeschlagen sein und traurig sein. Wenn überhaupt ist mal wer wütend, die häufigste Gefühlsregung dieses fragwürdigen Produktes.

Dass die Party auf dieser gottverlassenen Insel stattfinden sollte, ist noch so eine Fast-Unlogik, über die man hinwegsehen kann. Es fehlte halt nur eine Begründung, mag sein dass Spielekenner diese kennen. Der Cineast, der das Computerspiel, auf dem dieser Film basiert, nicht kennt, bekommt zumindest keine Information zugespielt. Man wollte für Erklärungen keine Zeit verschwenden. 

So ziemlich alles andere im Film ist jedoch Unlogik in Reinform, bei dem selbst eine Zusatz-Information nichts mehr zu retten wüsste. Gäbe es ernsthaft nur so dumme, junge Menschen auf der Welt wie hier, würden sie haufenweise tot auf der Straße liegen, weil sie vor dem Überschreiten nicht nach Autos Ausschau gehalten hätten, ja wahrscheinlich nicht einmal an die Wahrscheinlichkeit gedacht hätten, dass überhaupt ein Auto auf der Straße fahren könnte. Die Gründe warum man sich trennt, etwas tut, sich keine Sorgen macht usw. sind alle an den Haaren herbeigezogen.

Noch ein Beispiel für eine tolle idiotische Szene: Man will in ein Haus flüchten, in das man nicht rein kommt. Der Kapitän sagt er könne zwar sprengen, aber dann gäbe auch das Haus keinen ausreichenden Schutz mehr. Bis hier hin kann man nicht widersprechen. Etwa 10 Minuten später sind alle im Haus, der Kapitän ist schwer verletzt, begibt sich nach draußen da nun ohnehin alles egal ist, und opfert sich mit einer Sprengung, bei der er viele Untote gleich mitreißt. Dies macht er jedoch ziemlich genau vor der Haustür, so dass der Schutz nun doch hinüber ist. Was soll’s, er war ja eh fast tot, und was kümmern einen schon die anderen, gell? Nur wieder einmal eine von wirklich vielen fragwürdigen, dummen und besonders prolligen Szenen.

Auch die inszenatorische Umsetzung ist ein Paradebeispiel eines extrem schlechten Werkes für das Zielpublikum Teenager. Da der Film auf einem Computerspiel basiert (wie dicht auch immer) werden uns oft in Sekundenbruchteilen Szenen aus dem Spiel gezeigt. Das gehört zu der größten Kinderkacke am Gesamtergebnis. Zum einen nervt es, zum anderen wird dieses Verfahren teilweise genutzt um Geschehnisse nicht aktiv umsetzen zu müssen. Und die Animation dieser Computerspiel-Sequenzen lassen zudem zu wünschen übrig.

Die Geschichte selbst läuft nach 08-15-Muster ab, mit der Einschränkung, dass es eigentlich keine Geschichte gibt. So eine hauchdünne Story werfen andere Kritiker anderen mäßigen Filmen gerne vor. Wie hauchdünn eine solche wirklich sein kann, beweist "House Of The Dead", der erst in den letzten 20 Minuten das an Story bekommt, was andere Werke von Anfang an haben. Zu sehen gibt es nach kurzer Anlaufzeit (in der es dank ruckeliger Kamera und schnell geschnittener MTV-Ästhetik trotzdem nichts zu sichten gibt) eigentlich nur hirnloses und prollig unverantwortliches Rumgeballer und umherlaufende Zombies, die zur Attacke zwar gerne mal durch eine Brücke durchbrechen, die brav aufgebauten Zelte der Raver aber brav und unangetastet stehen lassen.

Zudem sind die Zombies überall und nirgendwo, immer so wie es „Regisseur“ Uwe Boll gerade passte, aber nicht wie es sinnig wäre. Nach der ersten Flucht und einem Schusswechsel, der es in sich hat, mutieren gegen Ende alle menschlichen „Charaktere“ zu Superkämpfern, die nun mit besonders hohlen und starren aber dafür harten Blicken umherballern, den Zombies in den Arsch treten, um irgendwann ins titelgebende Haus zu gelangen, wo es dann doch mal eine Information zum Geschehen gibt (freilich nur eine hauchdünne). Hier darf der Mediziner, der für einen solchen viel zu prollig verkörpert wird, dem Obermuckel noch den Arsch versohlt.

Wenn zum Schluss nur noch zwei überleben, in Pseudo-Trauer um die Opfer befangen, stehen sie den herbeigeeilten Helfern aus der Luft nicht mal ansatzweise Rede und Antwort, obwohl es hier doch einige Leichen und zu klärende Sachverhalte gäbe. Die Helfer wissen bei ihrer Ankunft aber ohnehin schon längst von dem Zombietreiben, woher auch immer. Vielleicht war ich ja auch mal kurz unaufmerksam. Sollte ich da etwas verpasst haben ist es nicht meine Schuld. Wer erwartet nach vielen Minuten mangelnder inhaltlicher Geschehnisse plötzlich so etwas wie eine für die Zukunft der Geschichte wichtige Information?

Schlimmer kann es auf Kinoniveau kaum noch kommen. Dagegen wirkt "Transformers" noch richtig clever und wie gutes Kino. Was man bei "House Of The Dead" zu sichten bekommt ist ein steriler MTV-Videoclip mit Zombies, Proleten und jeder Menge Action. Wie ein Horrorfilm wirkt das Endergebnis allerdings überhaupt nicht.


Trailer,   OFDb

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