Sonntag, 6. Januar 2013

RUMPELSTILTSKIN (1996 Mark Jones)


Ein in einen Stein verzauberter Gnom wird 1996 versehentlich von Shelly befreit. Von nun an setzt der böse Wicht alles dran Shellys Baby zu bekommen...


Leprechauns Grimm-Vetter...

Kindergeschichten-Vorlagen werden im Medium Film des öfteren zu Horrorversionen umgewandelt. Neben „Pinocchio“, „Jack Frost“ und „Schneewittchen“ reiht sich auch Rumpelstilzchen in dieses Subgenre ein.

Diesen unangenehmen Gnom lassen die Verantwortlichen sprücheklopfend cool und frech wirken, wie einen „Chucky“ und uns Freddy seit „Nightmare On Elm Street 3“. Im Prinzip wirkt er aber eher ähnlich plump wie der Gnom aus „Leprechaun“ wegen der völlig einfallslosen Sprüche, die ihm in einer faden Handlung in den Mund gelegt werden.

Diese streckt man in diesem B-Horror mit allerhand Action. Geld sparen stand hier, auf das Produktionsniveau gesehen, scheinbar nicht an erster Stelle. Es gibt nur wenig Momente zum Aufatmen, denn man war sehr bemüht der Verfolgungsjagd, die sich fast über den gesamten Film erstreckt, ordentlich Schwung zu geben. 

Das nutzt aber nicht viel, wenn die Chemie drum herum nicht stimmen will. Rumpelstilzchen selbst sieht recht gelungen aus. Seine scharfen, entstellten Zähne wirken, die Maske ist angenehm widerlich. Leider will neben der sehr flachen Coolness-Sprüche auch seine deutsche Synchronstimme nicht gefallen, wieder ein „Leprechaun“-verwandtes Manko.

Der Hauptcharakter Shelly ist bieder, damit kann man leben, passt ja auch etwas zum Thema „Hilfe, ich muss mein Baby retten“. Der ab der 2. Hälfte zweitwichtigste Charakter soll nun ihr Gegenpol sein, ein lustiger, unreifer Mann. Dieser wird aber derart übertrieben dargestellt, dass man nie mit ihm warm wird. Als realistisches Arschloch hätte er mehr Wirkung gehabt als in dieser Comicart, wie wir ihn hier ertragen müssen.

Da sich die beiden wichtigen Figuren pflichtgemäß im Laufe der Story einander nähern müssen, ist dieser Charakter somit als Desaster einzustufen, der nur in ganz wenigen Szenen für kleine Schmunzler sorgt, aber immerhin gibt es solche. Zumindest machte man nicht alles komplett verkehrt und gab sich auf routinierter Ebene sogar Mühe.

Vieles könnte man verzeihen, wenn gewisse Handlungsstränge erklärt worden wären. So weiß man z.B. nicht was Rumpelstilzchen alles wann kann und wann nicht darf. In die Gesetzmäßigkeiten denen er sich unterwerfen muss wird man nie eingeführt. Nur bei Punkten, die für die Handlung deutlich wichtig sind, meist das Baby betreffend, bekommt man Informationen zugespielt, oft aber auch nur kurz bevor es für die Geschichte wichtig wird (beispielsweise der Friedhof).

Außerdem gibt es immer wieder Szenen, die völlig unlogisch wirken, weil sie zu lückenhaft erzählt sind. Dies betrifft insbesondere alles was mit der Hexe zu tun hat. In diesem Bereich wäre in erster Linie die Szene zu erwähnen, in der man die besagte Person schlafend im Auto findet. Warum hielt sie sich im Wagen auf? Konnte sie die Zukunft oder Gedanken lesen, so dass sie wusste dass die richtigen Leute sie dort finden würden? Warum braucht sie so lange um aufklärende Worte zu finden? Warum wird sie trotz des nicht von ihr verhinderten Steinverkaufes zu Beginn nicht als fragwürdig oder undurchschaubar personifiziert? Und das allerbeste: Warum kann das olle Rumpelstilzchen sie über eine große Entfernung hinweg geistig erwürgen, während es den normalen Menschen scheinbar immer auflauern muss.

Fragen über Fragen über Fragen, die man allerdings kaum stellen müsste. Dafür ist das fertige Werk eigentlich zu banal, zu sehr Dutzendware und zu schnell wieder vergessen. Auch der ein oder andere Plan Rumpelstilzchen zu verwirren, insbesondere eine Szene, in der das Vieh den schurkischen und unfreiwilligen Partner Shellys mit einem LKW verfolgt, während dieser auf einem ungewöhnlichen Gefährt flüchtet, haut von der Logik her hinten und vorne nicht hin. Was sollte dieser Plan bringen? Wieso war er so schlecht durchdacht? Warum ist er zu schnell beendet? Nicht nur in diesem banalen Bereich ein Meer an offenen Fragen!

Man kann das Gesamtergebnis eigentlich gucken. Schlussendlich kann man „Rumpelstiltskin“ aber auch fast nur ein müdes Lächeln schenken. Die monotone Story ist immerhin rasant genug umgesetzt um bis zum Ende dran bleiben zu können. Fassbarere Charaktere hätten zu einem besseren Werk verhelfen können. Zumindest beginnt die eigentliche Story sehr früh, das Sterben geht dementsprechend schnell los, und ganz selten wirkt auch mal ein Rumpelstilzchen-Spruch (gaaaaaaaanz selten).


Trailer,   OFDb

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