Freitag, 8. Februar 2013

BUG BUSTER (1998 Lorenzo Doumani)


Mutierte Kakerlaken fallen in einer Kleinstadt über die Menschen her. Zu Hilfe eilt ein militanter Kammerjäger...


Tierhorror auf lustig...

Captain Kirk durfte in den 70er Jahren gegen "Mörderspinnen" kämpfen, Pille nahm ziemlich zur selben Zeit in "Rabbits" den Kampf gegen Riesenkaninchen auf, und zwei Jahrzehnte später kämpfen nun Sulu und Scotty gegen bösartige, mutierte Kakerlaken. Das ist irgendwie schon lustig.

Der Film übrigens auch! Denkt man beim Einlegen von "Bug Buster" noch an den 08-15-typischen-Tierhorror, wird einem sehr schnell klar, dass sich hinter dieser Scheinroutine etwas völlig anderes verbirgt: eine Parodie. Diese folgt dem typischen Storyverlauf, ist an sich auch wie ein Horrorfilm seiner Art erzählt mit der Ausnahme, dass wir hier völlig überzogene Charaktere vorgesetzt bekommen. Die Hauptrollen sind nur leicht komödiantisch angelegt, die dürfen ganz normal für ein Werk dieser Art spielen, aber die meisten Nebenrollen sind Brachialhumor-Charaktere.

Andere Rollen, denen es nicht so ergeht, verwundern den Fan dieser Sparte Horrorfilm mit unglaublich ungewohnten, schnellen Erkenntnissen. Horrorfilmfiguren brauchen immer ihre Zeit um alles zu begreifen, selbst wenn die Antwort auf der Nase liegt. Die Leutchen in „Bug Buster“ sind teilweise richtig pfiffig, allerdings nur um im nächsten Moment doch wieder ziemlich blöde zu sein. Das schönste und lustigste Beispiel für schnelles Begreifen ist ziemlich zu Beginn zu sichten. Ein Sheriff teilt einem Mann mit, dass der See gesperrt wird. Der Mann bangt um sein Geschäft, und der Sheriff verweist auf den weißen Hai: "Wissen Sie denn nicht mehr was da passiert ist? Dieser Fehler passiert uns nicht!" Sehr lustig! Überhaupt leben die Bürger dieser Kleinstadt in der unseren Welt, in der Filmwissen längst nicht mehr nur von Freaks gespeichert wird. Und so fallen noch die ein oder anderen Kommentare über "Alien", "Outbreak" und Co.

Am Brachialhumor der extremen Nebencharaktere werden sich die Geister scheiden. Freunde, die echten Tierhorror sichten wollten, werden sich komplett verarscht vorkommen, Vorgewarnten wird es vielleicht etwas zu plump, um wirklich darüber lachen zu können. War der themenverwandte "Slugs" noch mit skurrilem Humor bestückt ohne gleich zur Komödie zu mutieren, ist "Bug Buster" eine krude Mutation aus beiden Genres geworden. Irgendwo hat er was von "Little Devils" und "Angriff der Killertomaten", irgendwo ist er wiederum arg am normalen Tierhorror angelehnt. Meines Empfindens nach liegt der Schwerpunkt hier allerdings doch wesentlich mehr im Parodiebereich, wobei kein spezieller Film verarscht wird.

Zurück zu den Charakteren: Die überdrehtesten dürften der Kammerjäger und die Reporterin sein. Der Kammerjäger ist überzogen, aber lustig und zunächst nur in seinen Werbespots zu sehen. Wenn er dann im letzten Drittel ins "normale" Geschehen dazu stoßen darf ist man von seiner comichaften Übertreibung schon derart vorgewarnt, dass die Rolle dort tatsächlich funktioniert. Man ist als Zuschauer zu diesem Zeitpunkt schließlich längst nicht mehr mitten im Geschehen. Das komplett unrealistische, parodistische Drumherum lässt den Cineasten vor dem Fernseher lediglich Beobachter bleiben. Und entweder man mag dieses Kasperletheater an überzogenem Schwachsinn (vielleicht vergleichbar mit den besonders übertriebenen Rollen aus "Police Academy") oder nicht.

Randy Quaid spielt wie es ein Schauspieler im Normalfall nie dürfte, und die Idee dass ein Exsoldat sich nun dem Krieg gegen Ungeziefer widmet ist schon recht lustig. "Er war in Vietnam." - "Was hat er da gemacht?" - "Er hat überlebt." Nur mal ein Beispiel der nicht ganz so bekloppten, und doch humoristisch gemeinten Dialoge.

Die Rolle des Wissenschaftlers ist eher langweilig, trotz überzogenem Spiels. Ich glaub der Sulu-Darsteller kann ohnehin nicht ohne Übertreibung spielen, schon bei "Raumschiff Enterprise" fiel er mir eher negativ auf. Zumindest nervt er nicht, was man von der Rolle der Reporterin nicht behaupten kann. Wenn man diese Person sichtet, wünscht man sich sofort die ebenfalls nervige Karla Kolumna aus „Benjamin Blümchen“ als kleineres Übel herbei, um von der Kreischdauerlaberfresse in "Bug Buster" erlöst zu werden. Zum Glück hüpft sie nur ein paar mal durchs Bild und wird auch nie in die eigentliche Geschichte eingebracht. Würde man ihre Szenen streichen, gäbe es keine Lücken. Niemand würde bemerken dass da etwas fehlt.

Die Spezialeffekte sind billig, dank der überdrehten Erzählart aber o.k. Ob da nun Ungeziefer über Leute krabbelt oder ob die Viecher dank CGI aus wen rauskrabbeln, das ist alles nicht so überzeugend, jedoch nicht so stümperhaft gemacht wie in Videoproduktionen a la "Acarophobia" oder den Werken der Firma Nu Image. Die Leichen sehen streckenweise sehr heftig aus, ihr Übergang vom Leben in den Tod wird aber nie gezeigt. Das ein oder andere was man hier sichtet geht sogar mal nah an die Würggrenze, wobei diese ja individuell je nach Zuschauer unterschiedlich positioniert ist.

Wer bis zum Finale noch immer glaubt einen ernsten Film zu sehen, und da müsste man schon blind und blöde zugleich sein, wird spätestens dort eines besseren belehrt. Nun lernen wir Mama Kakerlake kennen, ein Riesenvieh. Diese „Mann im Kostüm“-Puppe ist so wunderbar trashig, dass sie das Herz eines jeden Monsterfilmfans erobern dürfte. Irgendwo zwischen schundig und liebevoll gemacht erfährt der Film in diesen Szenen seinen Höhepunkt humoristischen Inhalts.

Wäre da nur die Puppe würde ich jetzt übertreiben, aber wann hat man bitte schon mal gesehen, dass ein überdrehter, fast geisteskranker, Kammerjäger, nachdem er alle Mittel verfeuert hat, sich einen Boxkampf mit dem finalen Filmmonster liefert? Das ist jetzt nicht ganz so albern wie man es von dem Känguru "Matilda" mit Elliott Gould kennt, aber albern bleibt es trotzdem. Da kämpft er nun, eigentlich völlig chancenlos. Und wenn er die Handgranate zündet, und die Höhle über ihn zusammen bricht, dann ist das Muttertier längst davon geflogen.

Dort wird nun natürlich wieder mit dem Computer getrickst. Doch noch bevor man sich darüber ärgern kann, reitet der Hilfssheriff bereits mit einem Lasso dem fliegenden Ungetier hinterher. Ein Held? Nein, er kommt ziemlich schnell wieder zurückgeritten, weil die Riesenkakerlake den Spieß mal schnell umgedreht hat (freilich ohne Lasso). Immer noch der Meinung es sei keine Komödie?

Spannung kann bei diesem Chaos natürlich nicht aufkommen. Die linst nur mal für kurze Momente um die Ecke, um dann wieder im Meer an Unfug zu verschwinden. Also, Freunde ernsten Tierhorrors: Finger weg! Wer auch mal über Albernheiten a la "Police Academy" und "Heiß auf Trab" lachen kann, könnte einen neuen Kulthit entdeckt haben.


Trailer,   OFDb

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen