Montag, 4. Februar 2013

DIRTY (1971 Stephen Dwoskin)


Zwei Frauen trinken Wein und sind zärtlich zueinander. Auch die Weinflasche soll am Liebesspiel nicht unbeteiligt bleiben...


Die langweiligen Abenteuer einer zweckentfremdeten Weinflasche...

Bei aller Liebe zu Kunst in Kurzfilmform kann ich mit diesem kleinen Werk aus den 70er Jahren einfach nichts anfangen. Der Zuschauer nimmt die Position eines Voyeur ein, und das was er sichten darf sind zwei weintrinkende Frauen, die irgendwann zärtlich zueinander werden und die Weinflasche etwas in ihr Liebesspiel einbauen.

Freilich gibt es nichts für den echten notgeilen Voyeur zu sichten, darum geht es schließlich auch nicht. Der Aufhänger ist die Art des gezeigten. Im Stummfilmstil gedreht, mit dem dazugehörenden flackernden Licht, wird der Prozess dessen, was die beiden Frauen so treiben, zu dumpfen Stummfilm-Ton (meiner Meinung das beste am ganzen Werk) mal in Echtzeit und mal in Zeitlupe gezeigt. Mal wiederholen sich Momente kurz, manchmal auch nicht. Wiederholungen erscheinen mal direkt nach dem gesehenen, manchmal etwas verspätet. Zudem erfolgen ab und an kurze zeitliche Sprünge.

Dass ein Experimentalfilm oft keine Geschichte erzählt ist klar. Aber wenn dem so ist muss ein solches Werk zumindest optisch etwas bieten, und da ist die ganze Spielerei mit den verschiedenen, schon damals nicht neuen, Stilmitteln einfach zu uneffektiv. Und selbst das wäre nicht schlimm, wenn die Spielerei mit den ganzen Mitteln die Dwoskin da einsetzt einfallsreicher wären. Ich zumindest fand das ganze Experimentieren schlichtweg zu plump. Mag sein, dass "Dirty" eine spezielle Gruppe Kunstliebhaber gefallen mag, an mir ging dieser Kelch leider vorbei.

Im positiven möchte ich noch gerne Vor- und Abspann erwähnen. Diese werden auf zerknülltem, dreckigen Papier per Hand mit Stift geschrieben präsentiert, freilich auch untermalt mit dem dumpfen Stummfilmton.

Ich gebe ja zu, dass ich zu Beginn des Films neugierig zuguckte, einfach in der Hoffnung dass sich da künstlerisch etwas aufbaut. Aber wenn man die ersten 5 Minuten gesehen hat, kann man sich die restlichen 6 1/2 Minuten eigentlich sparen, es ändert sich einfach nichts am künstlerischen Spiel. Der Rest mag höchstens für den anspruchslosen tatsächlichen Voyeur interessant bleiben, dann aber bitte einer mit 70er Jahre-Feeling, denn was man hier an Intimbüschen sichtet ist zum heutigen Zeitpunkt wohl eher unfreiwillig komisch.


OFDb

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